Hichener Jamiüenbiätter. Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anreiger. Dienstag den 20. Juli. """"" 1886. ............"ff—ff—*ff ■■■■■■■ ii'ff———"ff.................1,11. Saat und Ernte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) Die Sekundanten kamen jetzt dieser Aufforderung nach, sie luden die Pistolen und maßen die Distance • ab, der Referendar übernahm das Commando. i Die beiden Schüsse fielen zugleich, der Landrath - stand unversehrt, ihm hatte die Kugel nur den Kragen I des Paletots gestreift, der Hauptmann dagegen; blutete stark, sein getarnter Arm war getroffen, das : Geschoß mußte ein großes Blutgefäß zerrissen haben. ; Ackermann erklärte sich befriedigt, Herr v. Görlitz befand sich unter den Händen des Arztes, der den Verband anlegte und von einer Fortsetzung des Duells Nichts reiften wollte, da jede heftige Bewegung seines Patienten nur schädlich wirken konnte. Der Landrath trat nach kühlem Gruß den Rückweg an, Riesenthal blieb zurück, um die Herren zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Die ganze Sache sei ja nicht der Rede werth, meinte er; sie werde unliebsames Aufsehen erregen, wenn sie in die Oeffentlichkeit gelange; überdies liege es ja auch im Interesse der Duellanten selbst, der Behörde diesen Vorfall zu verheimlichen. Herr von Görlitz schwieg, Rommel und der Arzt erkannten die Richtigkeit der Gründe an und versprachen, dem ausgesprochen Wunsche nachzukommen. Der Arzt begleitete den Verreundeten; Herr von Görlitz schien in seiner Gegenwart dem Groll, der sich deutlich in seinen Zügen spiegelte, nicht Luft machen zu wollen; er bat den Referendar durch einen verstohlenen Wink, sich mit seinen Fragen und Bemerkungen zu gedulden. In der Stadt verließ Rommel den Wagen, um dem Oberst die versprochene Nachricht zu bringen. Er fand ihn in seinem Zimmer im Englischen Hof. „Ich vermuthe, daß der Ausgang der Sache Sie nicht befriedigen wird", sagte er, als er dem Amerikaner gegenüberstand; „der Landrath hat nur den Verlust seines Paletots zu beklagen —" „Und Herr von Görlitz?" fragte der Oberst hastig und mit sichtbarer Erregung. „Sein gelähmter Arm ist noch einmal getroffen worden." „Keine gefährliche Verletzung?" „Nein. Mich ärgert es nur, daß sein Gegner so glücklich davongekommen ist, er hätte einen gründlichen Denkzettel verdient, aber so geht's ja in der Regel —" „Nur Geduld, auch ihn wird die Vergeltung er- reichen!" „Die Vergeltung? Wofür?" „Für Sünden, die früher begangen wurden", erwiderte der Oberst, während er auf den Schellenknopf drückte. „Glauben Sie mir, die Vergeltung läßt mitunter lange auf sich warten, aber nur in sehr seltenen Fällen bleibt sie ganz au»." „Ja. ja, der Mensch erfährt, er sei auch wer er mag, ein letztes Glück und einen letzten Tag", nickte der Referendar, indeß er die ihm angebotene Cigarre annahm. „Aber Sie sprechen in Räthseln, verehrter Herr und —" „Es wäre nutzlos, wenn Sie versuchen wollten, diese Räthsel zu lösen", unterbrach Oberst Johnson ihn, „zerbrechen Sie sich nicht den Kopf darüber; vielleicht wird Ihnen später einmal Alles klar werden." „So sagt auch Herr von Görlitz. Ueberall stoße ich auf dunkle Geheimnisse. — Sollten Sie vielleicht auch mit dem Premierlieutenant von Salberg befreundet gewesen sein?" „Wie kommen Sie zu dieser Frage?" „Ich glaube annehmen zu müssen, daß alle diese Geheimnisse sich auf ihn beziehen, oder besser gesagt, auf die Gründe, die ihn zum Selbstmord getrieben haben." Der Oberst, der inzwischen eine Flasche Bordeaux bestellt hatte, wiegte ablehnend das Haupt. „Hermann von Salberg war mein Schulkamerad", erwiderte er, „ich darf wohl sagen, mein intimster Freund; da kann es wohl Niemand befremden, daß ich ihm bis heute ein lebhaftes Interesse bewahrt habe." „Sie kennen also ebenfalls die Gründe —" „Ich sagte Ihnen schon, daß Sie vergeblich ver- suchen werden, das Räthsel zu lösen." Der Referendar zuckte ungeduldig die Achseln und sah schweigend zu, wie der Oberst die Gläser füllte. „Sie sind wohl sehr lange drüben gewesen?" fragte er nach einer geraumen Weile. „Fünfzehn Jahre." „Ah, dann können Sie in jenes Geheimniß nicht eingeweiht sein; Hermann von Salberg starb vor zehn Jahren —" „Kann er nicht vor seinem Ende mir geschrieben haben?" unterbrach der Oberst ihn ruhig. „Ah, ah, daran dachte ich nicht!" fuhr der Referendar überrascht fort. „Wohlan, wenn er 334 Ihnen die Gründe mittheilte, was verpflichtet Sie dann, Verschwiegenheit zu beobachten?" „Sein letzter Wunsch, den ich ehren und befolgen werde." „Aber wenn durch dieses Schweigen der Schuldige seiner gerechten Strafe entzogen wird?" „Sie als Criminalbeamter mögen darin wohl ein Verbrechen finden", sagte der Oberst lächelnd, „aber auch dieser scheinbar schwerwiegende Grund kann mich nicht veranlassen, mein Schweigen zu brechen. — Ist die Reise nach Wiesenthal jetzt eine beschloflene Sache?" „Jawohl!" „Und wann werden Sie reisen?" „Erst in einigen Tagen." „Dann werde ich wohl vor Ihnen dort sein, ich trete meine Reise morgen, spätestens übermorgen an." „Und wie lange werden Sie in Wiesenthal bleiben?' „Ich weiß es noch nicht", erwiderte der Oberst, während er an der blauen Brille rückte; „wenn mir Land und Leute gesallen, bleibe ich vielleicht einige Wochen da." „Und dann reisen Sie nach Amerika zurück?" „Wahrscheinlich." „So ist das neue Vaterland Ihnen mehr an da» Herz gewachsen, als das alte?" , „Offen gesagt — ja I Aber davon abgesehen, zwingen auch meine eigenen Jntereffen mich zur Rückkehr nach Amerika; ich habe drüben mein Geschäft." „Sie ein Geschäft?" fragte Rommel erstaunt. „Wundert Sie das?" „Ein Oberst und —" „Bah! was gilt drüben ein Titel! Wir lösen nach einem Kriege unsere Armee auf, und Jeder kehrt zu seiner früheren Beschäftigung zurück. Ich war schon vor dem Kriege mit einem Freunde affocirt; er leitet auch jetzt während meiner Abwesenheit das Geschäft allein." „Ein Handelsgeschäft?" „Petroleumquellen." „Daran muß wohl enorm verdient werden?" „Ja, wir haben viel verdient", sagte der Oberst gleichgiltig, indem er da» Glas erhob und mit seinem jungen Freunde anstieß, „das Glück hat uns begünstigt, und Glück muß man haben, wenn man vorwärts kommen will." „Roch Keinen sah ich fröhlich enden, auf den mit immer vollen Händen die Götter ihre Gaben streuen", erwiderte Rommel gedankenvoll. „Verzeihen Sie, mir fuhr das so durch den Kopf. — Sie haben keine Familie?" Nein." „Nicht Weib noch Kind?" „Ich stehe allein —" „Aber Sie sind noch jung, ein rüstiger Mann —" „Ich werde nie heirath n!" „Du sprichst ein großes Wort gelaffen aus —" „Und dennoch mit voller Ueberlegung. Wer so heiß und innig geliebt hat wie ich, der kann die Geliebte nicht vergessen, und ihr Bild duldet kein anderes neben sich." „Und wie kam's, daß Sie die Geliebte nicht tzeimführten?" „Wie es kam? Der Tod trennte uns." Der Oberst hatte diese Worte mit dumpfer Stimme gesprochen. Er athmete tief und schwer auf, dann fuhr er mit der Hand über die Augen, als ob er die trüben Gedanken, die seine Seele durchzogen, verscheuchen wollte. „So geht es häufig", nickte der Referendar, „des Lebens unvermischte Freude ward keinem Sterblichen zu Theil! Ich bedaure, daß meine Worte diese peinlichen Erinnerungen geweckt haben; hätte ich nur eine Ahnung davon gehabt —" „Es bedarf keiner Entschuldigung, mein Freund. Diese Erinnerungen verlassen mich nicht, weder im Wachen noch im Träumen! Aber bitten möchte ich Sie, nicht mit Anderen darüber zu reden; ich möchte nicht gern der Gegenstand lästiger Neugier werden. Was wir miteinander gesprochen haben, das geht andere Personen Nichts an." „Sie dürfen auf meine Verschwiegenheit vertrauen. Wie ich vermuthe, waren Sie auch früher mit Herrn von Görlitz befreundet; haben Sie nicht den Wunsch, die Freundschaft mit ihm zu erneuern?" „Nein!" erwiderte der Oberst mit einer solchen Entschiedenheit und Heftigkeit, daß der Referendar ihn betroffen anblickte. „Es würde mir unangenehm sein, wenn ich mit ihm zusammenträfe, vergessen Sie das nicht." „Er war ja auch ein Freund Salberg's —" „Salberg ist tobt —" „Aber seine Freunde sollten sich verbünden, um ihn zu rächen!" „Sie können diese Sache einer höheren Macht überlassen." „Und was dabei herauskommt, haben wir heute erfahren. Zwar lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen, aber mitunter währt es lange, bis seine Hand den Schuldigen trifft. Herr von Görlitz vertrat eine gerechte Sache, und trotzdem traf ihn die Kugel des Gegners." Der Oberst hatte das Haupt auf den Arm gestützt, zwischen seinen Brauen zeigte sich eine tiefe Furche; aus jedem Zuge seines Gesichts sprach mühsam verhaltener Groll. „Wir müssen uns gedulden", sagte er nach einer Pause, „er hat bisher in allen Dingen Glück gehabt, aber meine feste Ueberzeugung ist es, daß ihn darum die Vergeltung doch erreichen wird." Der Referendar hatte sein Glas ausgetrunken und sich erhoben. „Es lebt ein andersdenkendes Geschlecht", erwiderte er achselzuckend; „ich würde mit diesem Glauben an eine Vergeltung mich nicht begnügen können. Man sagt zwar: Wie die Saat, so die Ernte, aber das trifft auch nicht immer zu. Ich sah manchen ehrlichen Mann untergehen und manchen 335 Lump triumphiren. Hätte ich einen theuren Freund zu rächen, so würde ich vor seinen Feind hintreten und ihm sagen: Mach' deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt, fort mußt Du, Deine Uhr ist abge- laufen!" „Sie sind zu heißblütig, junger Freund", sagte der Oberst lächelnd. „Sie berücksichtigen nicht, daß es Verhältnisse geben kann, die dem Wollen und Können enge Schranken ziehen. Dürfte ich Ihnen Alles enthüllen, Ihnen das dunkle Räthsel lösen, dann würden Sie mir sicher Recht geben; so aber müssen Sie sich mit meinen Andeutungen begnügen und die kommenden Ereignisse geduldig abwarten. Auf Wiedersehen denn in Wiesenthal! Sie wollen dort einem Verbreche» nachforschen?" „Jawohl, es ist für mich keine angenehme Reise; sie kann nur Mühe und Arbeit und wenig Erholung bringen, nichtsdestoweniger unternehme ich sie gern, sie giebt mir Gelegenheit, in solchen Sachen Scharfblick z« üben unb schätzbare Erfahrungen zu sammeln. Auf ein fröhliches Wiedersehen!" Er drückte dem Oberst die Hand und entfernte sich, um seine Dienste jetzt dem Hauptmann von Görlitz zur Verfügung zu stellen, der ihn bereits ungeduldig erwartete, da er ihn bitten wollte, Signora Barlotti von dem Vorgefallenen zu benach- richtigen, bevor sie diese Nachricht auf anderem Wege erhalten konnte. — Der Landrath war auch auf dem Rückwege mit feinem Freunde hart aneinander gerathe», schon au» diesem Grunde konnte Riesenthal die Einladung zum Diner nicht annehmen; er lehnte unter dem Vorwande ab, daß er schon mit dem nächsten Zuge die Heimfahrt antreten wolle. Verstimmt trat Ackermann in fein Kabinet. Der Freund hatte ihm in gar zu derber Weise Wahrheiten gesagt, die er als solche anerkennen mußte, so sehr sein Stolz sich auch dagegen sträuben mochte. Auf dem Schreibtisch lagen mehrere Briefe, der Landrath fetzte sich in seinen Sessel und öffnete sie, um mit flüchtigem Blick ihren Inhalt zu überfliegen. Er bemerkte nicht, daß hinter feinem Rücken die Portiöre zurückgeschoben wurde und Vera eintrat. Sie blieb unentschlossen stehen, als sie ihn beschäftigt sah; er öffnete eben den letzten Brief — aber kaum hatte er einen Blick auf das entfaltete Papier geworfen, als er wie von einer Schlange gebissen von seinem Sitz emporfuhr. Vera trat rasch näher. — Der Brief enhielt nur die gedruckten Worte: „Vor dem hösten Richter wird Alles klar!" Starr ruhte sein Blick auf diesen Worten, sein Antlitz war todesbleich geworden, die zuckenden Lippen preßten sich fest aufeinander, unb Entsetzen sprach aus jebem Zuge feines Gesichts. „Wer brachte ben Bries?" fuhr er auf, unb erst jetzt bemerkte er bie Anwesenheit Vera's. „Ah, Du bist hier? Was führt Dich hierher?" „Dasselbe, was Dir so großes Entsetzen einflößt", erwiderte sie, unb ihre dunklen Augen ruhten so fest auf ihm, als ob sie feine geheimsten Gedanken et* forschen wollten. „Auch ich empfing diese gedruckte Zeile. Was bedeutet sie?" „Wie kann ich es wissen?" sagte er mit mühsam erzwungener Ruhe. „Ich weiß ja nicht einmal, wer so frech war, sich diesen unpassenden Ausdruck zu erlauben. Wer brachte bie Briefe?" „Der Dienstbote!" Der Lanbrath warf einen Blick auf bie Adresse, wieder zuckte er zusammen. „Kennst Du bie Handschrift?" fragte Vera mit scharfer Betonung. „Nein", antwortete er rauh. (Fortsetzung folgt.) Die neuen deutschen Postdampfer und der Norddeutsche Lloyd in Bremen. Die in Abelaibe erfcheinenbe „Australische Zeitung" bringt in ihrer Nummer vom 19. Mai 1886 nachfolgenben Artikel: In wenigen Wochen wirb bet erste beutsche Post« bampfer in Australien eintreffen. Zum ersten Mal werben wir bie Nachrichten aus dem fernen Vater« lanbe burch beutsche Schiffe empfangen; zum ersten Mal wirb eine regelmäßige, schnelle unb sichere Verbindung mit Deutschland ins Leben treten, bei welcher nicht das Sonberinteresse eines einzelnen Nhebers ben Interessen ber Passagiere unb ber Befrachter nachqestellt fein wird, wie bei der bisherigen Sloman-Lime, sondern bei welcher der Weltruf unb ber Ehrgeiz des Norddeutschen Lloyd in Bremen von vornherein jede Garantie für außerordentliche Leistungsfähigkeit bieten, bei welcher das deutsche Reich selbst, seiner Weltstelluug gemäß, und trotz des Widerspruchs der kurzsichtigen, im Seewesen und ben außereuropäischen, zumal australischen Hanbels« Verbindungen ganz unerfahrenen Oppositionspartei, durch die Anregung des großen Reichskanzlers seine Beihülfe unb Mitwirkung garantirt hat. Wir können zu bem, was mir bereits mittheilten, heute nach authentischen Mittheilungen, welche uns von einem Freunbe unserer Zeitung, Herrn Dr. N. in Berlin zugehen, unseren Lesern ein vollständige» Bild der neuen Linie, ber Einrichtung ber Schiffe, bes Betriebes unb ber Vortheile, welche bie bemschen Postdampfer für ihre Passagiere bieten, sowie bes gefammten Umfanges unb ber staunens«erthen Etablissements bes Norddeutschen Lloyd entrollen, deren Kenniniß nicht nur in hohem Grade interessant, sondern auch für bie Beurtheilung ber deutsch- australischen Linie unb für bie Erwartungen, welche wir mit Recht davon haben dürfen, charakteristisch sind. Da die Schiffe fast ganz gleichmäßig gebaut sind, so möge es genügen, hier die Maße unb Einrichtungen nur eines von ihnen, ber „Habsburg", anzusühren. Die „Habsburg" ist 551 Fug lang, 336 39 Fuß breit und — vom Maindeck aus — 32 Fuß Fuß tief. Ihr Gehalt beläuft sich auf 8766 Cubik- meter Brutto, 5412 Cubikmeter Netto oder 3004 Registertons. Die Zwei-Cylinder Compoundmaschine indicirt 2300 Pferdekräfte, ihre Kohlenbunker fassen 862 Tonnen Kohlen, der tägliche Kohlenverbrauch beträgt 45 Tonnen, die Schnelligkeit 14 Meilen per Stunde. An Passagierräumen enthält das Schiff 70 Cabinen erster Klaffe, 80 Cabinen zweiter Klasse und 760 Zwlschendecksplätze. Diese letzteren sind nach dem amerikanischen Gesetz vermessen, welches für jeden Passagier einen viel höheren Cubikraum verlangt, als die deutschen und englischen Vorschriften. Die großen Salons, die Damenzimmer, Rauchzimmer u. s. w. sind mit dem ollergrößesten Comsort, wie ihn die Concurrenz der neuesten Zeit verlangt und mit allen anderen Erfindungen auf diesem Gebiete ausgestattet. Wir möchten aber an dieser Stelle nicht verfehlen, einige besondere Einrichtungen der Lloydschrffe zu erwähnen, welche speciell für die Fahrt nach Australien getroffen sind und welche ganz ebenso den Zwischendeckspassagieren, den Stiefkindern aller anderen Linien, zu Gute kommen. Es ist dies 1) die außerordentliche Höhe des Passagierdecks, welche 8 Fuß — also fast einen Fuß mehr denn auf den Schiffen anderer Linien beträgt und welche daher an fich schon eine weit bessere Luftcirculation ermöglicht; 2) hat der Lloyd auf jedem Schiffe einen neu- patentirten Pulsionsveniilator aufstellen lassen, welcher unausgesetzt frische Luft durch alle Cabinen, durch die Salons, über die Speisetische und durch das ganze Zwischendeck in allen Abtheilungen treibt und welcher für jedes Schiff Lstr. 1200 kostet. 3) Die gesammte Beleuchtung der Schiffe, das Zwischendeck eingerechnet, geschieht durch elektrisches Licht, welches keine Wärme entwickelt. Wer die Reise durch das rothe Meer, durch die heißen Climate überhaupt gemacht hat, wird den Werth dieser Einrichtungen und ihre weitere Bedeutung, ganz besonders auch für das Zwischendeck, zu würdigen wissen. lieber die Verpflegung auf den Schiffen des Norddeutschen Lloyd ein Wort zu sagen, ist eigentlich überflüssig. Die ungemeinen Erfolge, welche der Passagierverkehr des Lloyd bei der Newyorker Fahrt zu verzeichnen hat, der Umstand, daß die Amerikaner und selbst die Engländer bei der Fahrt nach Europa die deutschen Schiffe allen anderen, auch der Cunardlinie vorziehen, die ungemein starke Anzahl der Zwischendeckspassagiere endlich, das sind Faktoren, welche für sich selbst sprechen und wir werden weiter unten, bei der Erörterung der Einrichtungen der Compagnie auch die Ursachen dieser Erfolge sehen. Als eine speciell für die australische Fahrt auf den oben genannten Schiffen eingeführte Neuerung müssen wir die Einrichtung der großen, nach einem ganz neuen System eingerichteten Eiskellereien erwähnen, welche durch schneie Verdunstung des sich bildenden Wassers den üblen Einwirkungen desselben auf das frische Fleisch vorbeugen und welche bet den, bei der brasilianischen Linie des Lloyd an- gestellten Versuchen sich vorzüglich bewährt und bewiesen haben, daß sie im Stande sind, selbst bei der Fahrt durch die Tropen das Eis für mehr als acht Wochen zu conserviren; außerdem führen die Schiffe Eismaschinen. — Trotz aller der oben genannten Vortheile und obgleich die Beförderung schneller sein wird, als auf den bereits bestehenden australischen Dampferlinien, werden die Preise für Zwischendeckspassage vom Lloyd noch um 30pCt. unter diejenigen der englischen Linien und der französischen Dampfschifffahrtsverbindung herunter gesetzt werden, so daß der Fahrpreis nur noch etwa Lstr. 30 vielleicht noch weniger betragen wird. Für die australischen Colonien wird außerdem ebenso, wie dies in den Vereinigten Staaten von Seiten des Lloyd geschieht das System der Prepaid tickets eingeführt werden, welches bett in den Colonien Ansässigen erlaubt, ihren Angehörigen ober Freunden in der alten Heimath die vollständig ausgestellten Billets, ober vielmehr Anweisungen aus dieselben, welche dann bei den deutschen Agenturen des Lloyd gegen die eigentlichen Passagebillets umgetauscht werden, zu übersenden, — eine Erleichterung des Verkehrs, welche zusammen mit den sonstigen Vorzügen von wesentlicher Bedeutung ist. Dringend ist es zu wünschen, daß die Deutschen in den Colonien in jeder Weise den deutschen Post- dampfern Unterstützung dadurch angedeihen lassen, baß sie als Kaufleute ihre Waaren an bie Schiffe des Lloyd consigniren, daß sie durch Verbreitung der Vorzüge der neuen Linie dem Passagierverkehr den möglichsten Vorschub leisten. Der Vortheil wird immer auf Seiten der Passagiere selbst fein, wie dies ja die ausgeführten Faktoren, die Schnelligkeit, der Comfort und die Sicherheit der Fahrt genügend beweisen. Sachen und Einrichtungen aber kann man ebenso wie Menschen nur aus dem beurtheilen, was sie geleistet haben, nicht aus dem, was sie leisten wollen und so wollen wir einen Blick auf die bis jetzt bestehenden Linien des Norddeutschen Lloyd und ihren Betrieb werfen. Der Norddeutsche Lloyd begann seine ersten Fahrten int Jahre 1857 und zwar nach Newyork mit nur zwei Schiffen. Heute, nach 29 Jahren, kann die Gesellschaft, Dank ihrer vorzüglichen Leitung und der niemals rastenden Energie, mit welcher jede Neuerung int Schifffahrtswesen, jede Verbesserung, jeder Comfort den Schiffen des Lloyd zu eigen gemacht wird, mit Stolz auf ihre Flotte, mit noch größerem Stolz aber auf die That- fache blicken, daß sie selbst in dem größten Con- currenzkampfe auf dem Gebiete der Schifffahrt, auf der Fahrt nach Newyork, alle ihre Mitbewerber weit hinter sich zurückgelassen hat. (Schluß folgt.) »rd«tion: S. Schema. — »ruck und Beklag der Brühl'schen Druckerei (Ar. Ehr. Pietsch) in Bietzen.