Hichener Jamiüenbläüer. Jelletristisches KeiblaiL MW Gießerm AnrelM. NrH Dienstag"dm 20l Äprisi " . Die Kakschmünzer. Lriminal-Roman von Tust«» Lössel. (Fortsetzun,). „Je nun, was das betrifft 1” tagte Ida, als wenn dies ein leicht )u überwindender Standpunkt sei. Kennst Du nicht das Geheinmiß der Chiffre?" Hedwig verneinte. Ida lachte. ,,Verzeih', wenn ich lache", sagte sie, „denn ich hege die bestimmte Hoffnung, daß Eduard keine so blutige Rache an der rvthen Maske genommen, und dann verwundert mich Deine Naivetät. Ohne das Geheimniß der Chiffre — Wilhelm hat es mir verrathm — kann man meines Erachtens eine heimliche Correspondenj ja gar nicht führen." Sie erklärte ihrer staunenden Freundin nun, daß man nur für jeden Buchstaben eine Zahl zu setzen brauche, um nicht Jedermann verständlich zu sein. „Aber wie Eduard das so rasch'begreiflich machen?" jammerte Hedwig. „O, sehr einfach, auch mittelst des Telegraphen. Nun komm' einmal mit in das tafe hier» und da werden wir die Schwierigkeit bei einem Windbeutel sogleich schriftlich überwältigen." Gesagt, gethan. Zehn Minuten später eilte Hedwig nach dem nächsten Telegraphenamt, während Ida ein ganz entferntes aufsuchte. Jene gab ein Telegramm des Wortlauts auf: „Liebster Freund! Des Räthfels Lösung ist sehr einfach die, daß jede Zahl für einen Buchstaben steht, mit Eins beginnend." Eine habe Stunde später telegraphirte Ida von der ferneren Stelle in Chiffern: „Fliehe sofort nach Frankreich und halte Dich für die nächste Zeit dort verborgen, wenn Dir Dein Leben lieb» ist. Du wirst dies thun um meinetwillen, welche Dich auf den Knieen darum anfleht. Deine unglückliche Hedwig." Die Freundinnen trafen in dem (Safe verabredetermaßen wieder zusammen, um sich den Erfolg ihrer vereinten Bemühungen zu berichten. Beide Telegramme waren unbeanstandet angenommen worden. „Und was sagst Du zu diesem unverschämten Soltmann?" fragte Hedwig mit dem Ausdruck sittlicher Empörung. „Ach Der!" sagte Ida wegwerfend. „Daraus mußt Du Dir nichts machen. Dafür ist er Beamter, welchem die Pflicht und der Eifer, Awas herauszu- fchnüffeln, über Alles geht. Ich weiß auch, was ihn so verbittert und uns Frauen so gering schätzen läßt. Er war in Klara Etwold verliebt und sie hat feinen zärtlichen Blicken und einschmeichelnden Worten immer eine verweisende Kälte entgegengesetzt. Natürlich wittert er dahinter keine persönliche Abneigung gegen einen Menschen, der nur dazu da ist, um Andere unglücklich zu machen, sondern er redet sich ein, ihr Reichthum lasse sie mit Geringschätzung auf ihn herabblicken, und daher seine Verstimmung gegen Alles, was den Namen Weib trägt." „Die arme Klara!" sagte Hedwig. „Ja, ja, Du hast Recht. Ich habe es aus dem Ton, mit welchem er ihres hoffnungslosen Zustandes gedachte, herausgehört, daß er sie wahnsinnig liebt und ihr frühes Ende sehr beklagen würde." „Er hat auch Ursache dazu" entgegnete Ida. „Denn ich glaube in letzter Zeit so Etwas wie eine Umstimmung zu seinen Gunsten bei Klara bemerkt zu haben. Der Mensch ändert ja endlich auch seine festesten Beschlüffe, und der stetig fallende Tropfen höhlt selbst den Stein aus. Du weißt, mit welcher unerschütterlichen Treue Klara früher an ihrer ersten Liebe, dem ins Ausland gegangenen jungen Forster, festhielt; und endlich hat sie auch ihn vergessen und ihre Meinung von Soltmann geändert. Freilich, wenn sie nun aus dem Leben scheidet, wird er das ihm verborgen erblühte Glück nie kennen lernen und meinen, sie sei- im Groll von ihm gegangen." „Hoffen wir das Beste", sagte tröstend Hedwig, „zwar nicht um des Assessors, sondern um unserer Freundin willen. Eine junge kräftige Natur hilft sich mit unter wunderbar von selbst, wenn alle Menschenkraft und Kunst an ihr schon verloren schien." Die Freundinnen verließen nach einem zweiten kurzen Aufenthalt bas (Safe. Hedwig versprach, Ida immer sogleich Alles mittheilen zu wollen, was Eduard und sie selbst betraf, während Ida ihr die Vorgänge im Hause des Kommerzienraths, soweit dieselben zu ihrer Kenntniß kamen, ihr berichten wollte. Damit trennten sie sich. Auf dem Polizeikommissariat trafen indeß Racheis mit Soltmann zusammen. „Guten Tag, Assessor", sagte der Kommissar. „Ich war heute schon einmal in Ihrer Wohnung." „Ich war heute früh unterwegs und bin noch nicht wieder zu Haus gewesen. Auch jetzt reife ich gleich fort." „Sie? Wohin?" 186 -,Mch».» ILL" trennten sich die beiden Beamten, nannten Baron Dryden.zu !«!»«, «*”i ff SS MdUm in der,eiben Slunbe naä verschiedenen Richtungen die Residenz zerließen. (-sS. Letzteren plötzlich geänderten Entschluß L e etzt mt Solman"zusammen in M. ange- Len und diesem dort sicher als wrllwmmener Fang in die Arme gelaufen. 12. Kapitel. Das Skelett im Hause. Es war am Abend dieses ereignißvollen Tages. Ein dichter Nebel lagerte in den Straßen der Residenz. Die Menschen huschten schattenglelch unter den matt brennenden Laternen hm, welche den Nebel kaum zu lichten vermochten. , Unter den hastenden Passanten einer sehr belebten Straße, befand sich auch ein junges Mädchen, welches alle anderen Fußgänger noch überholen zu wollen schien - Hedwig König. Sie hatte bis zum letzten Augenback gezoz<.rt, *°mtSoItmönn fand sich erleichtert, als von Fräulein Etwold nicht mehr die Rede war., Er bench.ete nun von ihrem nächtlichen Rencontre im „Fuchsbau , was wir bereits wisien. Dann fuhr er fort. „Neubert, welcher schon die Hand nach dem untrüglichen Beweismittel, der rothen Maske, ausge- streikt hatte, besaß im Fallen noch Geistesgegenwart genug, nach dieser zu greifen und sie fest zu Hal.en. Das war ein Gegenstand, den er leicht m der Tasche bergen konnte, ohne seiner persönlichen Bertheidigung irgend welchen Abbruch zu thun. Dann vereinigten wir uns und drangen nun nach der Thur vor, wo wir auf Widerstand stießen. Die en suchte ich mit einem blinden Schuß zu brechen, bewirkte aber das Gegentheil, verlor mich noch emmal von Neubert und kämpfte mich zu unseren Leuten durch, welche feinem Simmei der Kommissar. „Den s-,Lf°7 "stch —« s'n. 'S »“'t* NmK'Mb wir durst« " ' wir uns des verhängnißvollen persönliche Theilnahme geht." P „Sie sagen das", scherzte Rächers, „als wenn Sie Gewissensbisse hätten, die Sie mit solchen Gründen zu beschwichtigen streben. „Keineswegs", entgegnete Soltmann verlegen. „Mein Interesse beginnt un. endet der dem Kommerziemath, der em yochst achtbarer Man . „Etwas Anderes sagte ich auch Nicht , lachte der Kommissar. „Uebrigens steht es mit der M--r „Nach M., um den jungen ^^ldM^ernchmen 1 mit nm und^ ^»bett mnen^^„Fuchsbau", aber mit und eventuell sofort zu verhaften, das Wah.,^e . t^t^n unterer miirSpn wieder frei gemacht. Als .mir en0lrv ä MeM^ZZ- Christo^gründen in Soltmann wandte sein erglühendes Gesicht ab. Bedauerlich", sagte er lakonisch. „Ich furchte,, m Mann wird zwei Kinder auf einmal veAieren.^ D« «tm»«*' * I aaw*«'** *-» *Ä. I »ä ÄÄ£ MchWWH s U r Sie zu Ihrem Beweismittel, der rothen Mas s, ge» U$W©ie auch?" rief staunend öer Kommissar. "Auch?!" fragte Soltmann nicht minder erstaunt. Ein Wort gab das andere, und bald waren die beiden Beamten von ihren besonderen Missionen an Herrn Eduard Etwold unterrichtet. ,, , l y Hätte ich Sie nur früher getroffen!" klagte der omStr Nun muß ich leider bis morgen warten, da ich" dem Kommerzienrath ein diesbezügliches Versprechen gegeben." „Können Sie auch halten, «err Konninsa , erwiderte Soltmann; „denn gegen bas Verbrechen, dessen ich Herrn Eduard für überfuhrt haue, u u „ wenn wir uns ves ------ das von ihnen verfolgte jedoch bedeutend zuru. ^ch afferfunde's noch bemächtigen wollten." werde Ihre Ankunft in M. erharren, natürlich aber WapeMno^ w Sie nun doch nicht; unb fo 'M daß .....- --------------““ »Mal' «*1“’ ’S ' »Lde um mein V-rgchm nicht 6an6e. Merue Energie mirb M«n‘»Ä »"«"»eien m»"liaeles«W»n. „» ben jungen Stao» emft. weiten unter Aufsicht zu fetten r .«•*' meu >Tnet.n"f ben $eÄn*< 187 um eine mögliche Antwort Eduard's auf ihr Telegramm selbst in Empfang nehmen zu können. Eine solche war nicht eingetroffen, und nun eilte sie nach dem Theater, in doppelter Sorge um Eduard, der möglichenfalls ihr Telegramni gar nicht erhalten, und um ihre Verspätung, welche, da sie im Anfang eine kleine Solopartie hatte, den Beginn der Vorstellung verzögern mußte. Die Menschen strömten schon in dichten Schaaren dem Kunsttempel zu, zu Wagen und zu Fuß; denn es war ein Zug- und Kaffenstück, welches jetzt gegeben wurde. Um so unverzeihlicher war Hedwig's Versäumniß, welche sie mit Nichts entschuldigen konnte. Im Begriff, von der Straße nach dem Vorplatz des Theaters einzubiegen, tönte plötzlich ihr Name an ihr Ohr, und als sie sich umwandie, stand Eduard vor ihr. Sie stieß einen leisen Schrei aus, der aber in dem Gedränge ungehört verhallte; nicht viel hätte gefehlt, und sie wäre ohnmächtig hingesunken. „Eduard — Du!" hauchte sie. „Ja, ich Hedwig", flüsterte er. „Weißt Du auch, daß Dein Leben in Gefahr nur rasch", drängte der Mann. „Der Direktor rast; Alles ist in Verzweiflung um Ihr Ausbleiben. Mein Gott, Sie wußten doch, daß Sie das Stück ansangen." Hier gab es kein Säumen mehr; nicht einmal ein vertrautes Wort konnten die Liebenden mehr tauschen. Hedwig eilte fort, um ihrer Pflicht zu genügen, und Eduard entfernte sich gleich rasch nach einer anderen Richtung. Der erhellte Theaterplatz, der von Polizisten besetzt war, war kein Aufenthalt für einen so gefährdeten Menschen. Es schien Hedwig ernst mit dem was sie sagte, und dennoch fand sich Eduard nicht in der Stimmung, es ernst zu nehmen. Er war sich keines Bosen bewußt, es wäre denn, daß er nicht immer ganz korrrekt handeue und seinem Vater trotzte. Die Charakteristik, welche derselbe von ihm gegeben, traf zu: „leichtsinnig und harmlos", so war er. Wie konnte er glauben, daß man ihn im Ernste eines schweren Verbrechens für ähig halte. , . Eduard verwünschte die Umstände, welche Hedwig nöthigten, ihm jetzt fern zu sein und ihm eine Erklärung zu weigern, welche er im eigenen Interesse zu fordern gezwungerl war. (Forts, folgt.) schwebt?" „Du sagst es, aber ich glaube es nicht. Gieb mir eine Erklärung." „Unmöglich, guter Eduard! Ich habe, auf eine Antwort von Dir wartend, schon so lange gezögert. Du siehst, wie Alles nach dem Theater strömt. Ich soll das Stück eröffnen. Alles ist gewiß schon. in Aufregung um mein Ausbleiben. Ich muß hinein." „Ach, laß doch das dumme Volk!" sagte Eduard halb ärgerlich. „Mir gehörst Du in erster Linie an und nicht dem Theater." „Dir gehört meine Neigung; hierher ruft mich die Pflicht. Laß mich, ich bitte Dich!" „Nicht einen Schritt, bis Du mir eine genügende Erklärung gegeben." „Bei meinem Leben, bei unserer Liebe schwöre ich Dir, daß jede Minute Deines Verweilens hier Dir Gefahr bringt." „Und wessen beschuldigt man mich?" „Des Mordes!" „Bist Du wahnsinnig?" „Nein, aber ich möchte es sein, um meine Behauptung unglaubhaft zu machen. Hörst Du das Klingelzeichen? Es geht nach den Garderoben der Künstler und fordert sie auf, zur Bühne herabzusteigen. Ich muß fort!" „Dennoch muß ich Dich sprechen. Also nach der Vorstellung." „Zögere keinen Augenblick. Fliehe ungesäumt, soweit Deine Mittel reichen. Ein Beamter ist schon nach M-, um Dich zu verhaften." „Ach, Gott sei Dank, Fräulein, da sind Sie ja!" rief hier eine männliche Stimme. Es war ein Theaterdiener, welcher soeben im Auftrage des Direktors nach ihrer Wohnung fahren und sie per Wagen zum Theater holen sollte. „Kommen Sie Mergkocken. Erzählung von E. Kraus. (Fortsetzung.) Im ersten Jahre hatte er sich ja nicht übel arv gelassen, Rainer war fleißig und nahm nch auch nichts beraus. Kaum aber hatte Marek ihn Meister werden lassen, so ließ er die Maske fallen. Zwar konnte Marek nun, wie er es nch gewünscht, ins Land hinein auf den Holzhandel fahren, ia Rainer trieb ihn selbst dazu an, aber, wenn er dann nach Hause kam, erwartete ihn Verdruß der schlimmsten Art. Entweder waren die Arbeiter wegen Rainers schimpflicher Behandlung davon gelaufen oder sie kamen ihm mit den bittersten Klagen entgegen. Marek mußte schwere Geldopfer bringen, um" den Frieden wieder herzustellen, ja nach ermgen Jahren den Holzhandel wieder aufgeben, wen bte Mißwirtschaft auf dem Hofe zu arg wurde und Marek's Vermögen reißend abnahm. Und dennoch konnte er nicht ordentlich durchgreifen, oder Rainer hatte ihm die Herrschaft ganz aus den Händen genommen. Der kräftige Mann war in seinen besten Jahren zum Greise, sein Haar weiß, fern Gang schleppend geworden. Ach wie oft und tref mochte er es wohl bereuen, seinen braven Sohn damals so grausam verstoßen zu haben, statt deffen Anerbieten bleiben zu wollen, bis der Vater einen zuverlässigen Vertreter gefunden, anzunehmen. . , Und wie drückte und quälte ihn derjenige, den 188 er mit Wohlthaten überhäufte, der reich wurde, während sein Vermögen zusammenschmolz, um die Hand seiner lieblich herangeblühten Tochter Maria. Dieses Mädchen wollte der habgierige Unmensch nun auch noch sein nennen und so daö ganze Marek'sche Vermögen an sich bringen. Täglich lag er dem Oheim in den Ohren, sein Jawort zu geben und den Hochzeitstag zu bestimmen. Nein, und abermals nein, sagte stch aber Marek, das konnte, das durfte nicht sein, an der Seite dieses Menschen mochte er stch die Zukunft seines Kindes nicht denken und so beschloß er, dieser Werbung auf andere Art, als sein Neffe meinte, eine Ende zu machen und sollte es ihn das größte Opfer kosten. Als nun am Tage vor Palmarum die Arbeiter abermals kündigten und erklärten, so lange ein solcher Menschenschinder auf dem Hof sei, würden sie jedem ordentlichen Kameraden abrathen, dort in Beschäftigung zu treten, und Rainer aus Vorhalt des Oheims mit frechem Lachen sagte: „Mögen ste alle laufen, die Hunde!" um dann gleich darauf von baldiger Verlobung anzufangen, ja diese erzwingen wollte, da rafft« der so demüthig gewordene Mann noch einmal seine frühere Energie zusammen, packte den Unverschämten mit eiserner Faust, warf ihn gegen die offenstehende Thür und schrie ihm zu: Hinaus mit Dir, herzloser, elender Bube! Gehe mir für immer aus den Augen! Dein Maaß ist übervoll! Lieber will ich meine Tochter auf der Bahre sehen als an Deiner Seite. Hinaus sage ich, oder-- Erst nach einer Weile konnte stch der Hingeschleuderte aufraffen — als er zur Thür hinaus- schritt, sagte er laut: „Zu der Bahre kann Rath werden" und fügte leise, die Faust ballend, hinzu: „Das sollst Du mir büßen, Alter!" Und heute war nun wieder Charsamstag und solch köstliches Frühlingswetter wie vor zehn Jahren. Man erzählte sich, der fremde Baumeister sei schon angekommen und Gast des hochwürdigen Herrn Priors und morgen bei dem prächtigen Gaftmahl solle er den Honorationen der Umgegend vorgestellt werden. In den Bürgerhäusern wurde gescheuert und gebacken und auch Frau Therese Marek trachtete darnach, mit Hülfe ihres Töchterchens noch am Vormittag alle VoÄereitungen zum morgenden Feste zu beendigen. Herr Marek revidirte seinen wiederum in tiefster Ruhe liegenden Zimmerhof — gleich nach dem Feste wollte er neue Arbeiter annehmen, denn jetzt, nachdem der Rainer, der Bedrücker und Leuteschinder fortgewiesen war, durfte er auf neues Angebot hoffen. Marek dachte auch seine Verhältnisse wieder so weit ordnen zu können, daß er bei einem plötzlichen Tode seine Frau und Tochter nicht mittellos zurückließ, mittellos durch seine Schuld! Denn warum hatte er den unseligen Rainer so lange geduldet, warum ihn nicht schon vor Jahren fortgewiesen? Es hätte ja nur eines energischen Protestes, eines unbeugsamen Handelns bedurft! Der Elende war aus der Gegend verschwunden, denn Niemand hatte ihn in den letzten Tagen angetroffen. Dis Familie Marek und die zurückgebliebenen Arbeiter athmeten leichter, da man nicht mehr fürchten mußte, dem Verhaßten im Haus und Hof zu begegnen, aber dennoch war eine gewisse Bangigkeit zurückgeblieben, wie die Ahnung eines kommenden Unglücks. Rainer hatte nach seinem Fortgänge furchtbare Drohungen ausgestoßen, dis von den Nachbarsleuten gehört und den Marek'schen geteilten berichtet worden waren. Um die Besperzeit trat ein junge» Mädchen au» dem Hause und ging leichten Schrittes über den Zimmerhof. Es war Maria, Marek'S herangewachsene, lieb- liche Tochter. In der äußersten Ecke des Zimmerhofes, nur durch die Einzäunung und den Fußweg vom Flusse getrennt, hatte ihr der Vater ein hölzernes Aurstchts- thürmchen bauen lassen. Sie war so finnigen Gemüths die holde Maria, so bescheiden und so dankbar, daß ihr der Vater den immerhin etwas sonderbaren Wunsch nur gar zu gern erfüllt hatte. Und so stieg sie auch heute in ihre Klause, wie ste das kleine Gemach im Thürmchen nannte, hinauf, um sich bei dem prachtvollen Wetter an der wundervollen Aussicht zu erfreuen und holden Gedanken nachzuhängen, aber zum Abendläuten wollte sie wieder ijn Hause fein, das hatte Maria der Mutter ganz gewiß versprochen. Frau Marek hatte sich aufgemacht, um eine kranke Freundin zu besuchen, die Mägde ordneten in ihren Kammern ihren Sonntagsstaat, und Herr Marek hatte seine Geschäftsbücher vorgenommen. Plötzlich als die Dämmerung sich schon auf die Erde niedergesenkt hatte, wurde Marek durch das entsetzliche Geschrei der Mägde: „Feuer, Feuer auf dem Zimmerhofe!" aus seinem tiefen Sinnen aufgeschreckt. Sich aufraffen und mitten im Flammenmeer stehen, war bei Marek das Werk eines Augenblicks. Mit dem gellenden Schrei: „Das ist Rainers Rachewerk!" eilte er vorwärts zu dem Aussichts- thürmchen, auf dessen kleinem Balkon eine weibliche Gestalt sichtbar wurde. Marek rief noch verzweiflungsvoll : „Meine Tochter, rettet meine Tochter!" und brach dann ohnmächtig vor Schreck zusammen. Von einigen herzugeeilten Leuten wurde er einige Sekunden später hinaus an das Flußuser getragen, wo man vor dem Feuer sicher war. Die Bewohner der kleinen Stadt waren jetzt vom Feuerlärm aufgeschreckt und eilten herzu, von der Straße her durch das Haus, oder den Uferweg entlang. Fast allen voran kam Frau Marek herbeigeeilt. (Schluß folgt.) Redaction ; A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl Mm Druckerei (Fr. Ghr. Pietsch) in Gießen.