Hießener IsamilienbläLier. Bellekistischer Beiblatt fern Gießener Anreize?. Hx. 97. Donnerstagen 19. August. W86. Saat und Ernte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Sie werden Ihrem Gemahl nicht folgen?'4 fragte Ludmilla. „Einstweilen noch nicht; vielleichtspäter; ich kann darüber jetzt noch Nichts bestimmen." Der Blick der alten Dame ruhte voll herzlicher Theilnahme auf dem bleichen Antlitz Vera's; sie kannte die Kluft, die zwischen dem Gatten lag; sie wußte, daß über diese Kluft nie wieder eine Brücke führen konnte. „Sie werden uns nicht begleiten?" wandte Lud» milla sich zu dem Referendar. „Ich wollt', es wäre Schlafenszeit und Alle» wär' vorbei!" sagte Rommel, wie aus einem Traume erwachend. „Meine Mission ist noch nicht erfüllt; ich werde wohl noch einige Tage hier weilen müsien, unter Larven die einzig fühlende Brust." „Und haben Sie einige Aussicht, daß Sie Ihre Mission erfüllen werden?" fragte Tante Lina. „So oder so, der Jude wird verbrannt!" nickte der Referendar. „Was die Schickung schickt, ertrage; wer ausharrt, wird gekrönt. Ich würde gewiß tausendmal lieber die Heimreise in ihrer angenehmen Gesellschaft machen; aber mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten, und Nichts halb zu thun, ist edler Geister Art." Er rückte die Brille dichter vor die Augen und blickte Tante Lina triumphirend an. „Unser Sausewind wird meine Abwesenheit schmerzlich empfinden", fuhr er fort. „Trösten Sie ihn, auch ich vermifle ihn; er ist zwar kein Talent, doch ein Charakter, und von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern." „Ich werde ihm diese schmeichelhaften Komplimente wortgetreu überbringen", scherzte Tante Lina, „nur fürchte ich, daß er sie wenig schmeichelhaft finden wird. Wenn er sich nur entschließen wollte, einen entscheidenden Schritt zu thun! In dem Bankgeschäft kann er nicht lange mehr bleiben — er sagt es selbst — und es macht ihm auch keine Ehre —" „Bah! Für Jörgen ist mir gar nicht bange, der kommt gewiß durch seine Dummheit fort!" „Soll ich ihm das auch sagen?" „Wie Sie wollen; thun Sie, was Sie nicht lasien können. Ich fürchte feinen Zorn nicht, denn er ist eine von den freundlichen Naturen, die ich ( Sommerwesten nenne!" I - „Ihr Citatenschatz wird mit jedem Tage reicher", i sagte Ludmilla scherzend. „Ich fürchte, Herr Mai- ! wind wird bald vor Ihnen die Segel streichen | müsien." „Also es bleibt dabei", nahm Tante Lina wieder das Wort; „wir reisen morgen Mittag und übernachten in Wiesbaden, um von da aus übermorgen früh die Reise mit dem Schnellzug fortzusetzen. Ich möchte Hertha vorher benachrichtigen, wenn ich nur wüßte, wie ich heute noch den Brief befördern könnte." „Ich bringe ihn zum Bahnhofe", erwiderte der Referendar, „dann ist er besorgt und aufgehoben." „Bei diesem Wetter? Das darf ich Ihnen nicht zumuthen!" „Das bischen Schneegestöber wird mich nicht abhalten; ich hätte ohnedies noch einen Spaziergang gemacht, und so sehr weit ist ja der Bahnhof nicht entfernt." Tante Lina hatte bereits eine Postkarte hervorgeholt und die Adresse niedergeschrieben. „Sie bringen wirklich ein Opfer, um mir einen Gefallen zu erweisen", sagte sie; „wir könnten ja auch den Hausknecht damit beauftragen." „Da haben Sie wieder ein großes Wort gelassen ausgesprochen", scherzte Rommel, während er seinen Rock zuknöpfte. „Geben Sie mir nur die Karte, der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt." Die alte Dame schrieb rasch einige Zeilen; aber sie zögerte noch immer, die Karte dem Referendar zu übergeben. „Sie werden sich gründlich erkälten", sagte sie; „es hat am Ende auch Zeit bis morgen —" „Bitte, rauben Sie mir nicht das Vergnügen, Ihnen diesen unbedeutenden Dienst leisten zu können", erwiderte er rasch, indem er ihr die Karte aus der Hand nahm; „meine Damen, auf Wiedersehen!" Er ging in sein Zimmer, um Hut und Paletot zu holen; dann eilte er die Treppe hinunter. „Sie wollen bei diesem Wetter aurgehen?" fragte die WIrthin erstaunt, der er auf dem Hausflur begegnete. „Wie Sie sehen!" erwiderte er gelassen. „Ich werde nun erfahren, wie einem Briefbolen bei solchem Wetter zu Muthe ist." „Wenn Sie das so sehr interessirt, brauchen Sie ihn nur zu fragen", lachte die junge Frau, ihm ihre hübschen Zähne zeigend. „Wohin wallen Sie denn so eilig?" Zum Bahnhofe." »Sie wollen abreisen?" 886 „Nein, nein; ich bringe Nur einen Brief hin." „Das könnte auch der Knecht besorgen." „Ich ziehe vor, es selbst zu thun." „Nun, wenn Sie nicht anders wollen, dann kann ich Sie freilich nicht zurückhalten", sagte die Wirthin mit bedauerndem Achselzucken. „In einer halben Stunde kommt der Zug von Wiesbaden, mit ihm wollte mein Mann heimkehren; wenn Sie auf dem Bahnhofe so lange warten können, haben Sie auf dem Rückwege Gesellschaft." „Sehr angenehm!" erwiderte der Referendar hinauseilend. Der Wind peitschte ihm die Schneeflocken in's Gesicht; eine angenehme Wanderung war es nicht; aber er hatte den Auftrag einmal übernommen, nun mußte er ihn auch ausführen. Es war ihm unangenehm, daß die Damen schon so bald abreisen wollten; er fand voraussichtlich jetzt keine Gelegenheit mehr, mit Ludmilla allein zu reden. Tante Lina hütete ihre Nichte wie ihren Augapfel, und Vera, die mit dem Mädchen ein inniges Freundschaftsbündniß geschloffen hatte, war auch immer in der Nähe. Längst hatte der Referendar sich vorgenommen, das entscheidende Wort zu sprechen; bis zu dieser Stunde war ihm eine günstige Gelegenheit dazu noch nicht geboten worden. Mit stillem Neid gedachte er seines Freundes Maiwind, der daheim jedenfalls die Abwesenheit der Tante Lina benutzt hatte, um Herz und Hand Hertha's sich zu sichern. Ost genug hatten sie g -genseitig ihren Wünschen und Hoffnungen Ausdruck gegeben, Luftschlöffer ge- baut und weit in die Zukunft hineinreichende Pläne geschmiedet, und täuschten ihre Beobachtungen sie nicht, so durften sie auch der Hoffnung sich hingeben, daß die beiden Mädchen mit diesen Plänen einverstanden waren. Oft auch fanden sie Gelegenheit, sich darüber Gewißheit zu verschaffen; aber bisher hatte ihnen stets der Muth gefehlt, das entscheidende Wort zu sprechen. Eine sichere Existenz konnten sie allerdings Beide der künftigen Gattin noch nicht bieten, aber sie waren doch auf dem besten Wege, sie zu gründen, und ihr ernstes Streben bürgte dafür, daß sie ihr Ziel erreichen würden. Diesem Hangen und Bangen mußte nun ein Ende gemacht werden, und konnte es heute nicht geschehen, so wollte der Referendar sofort nach seiner Heimkehr sich die längst ersehnte Gewißheit verschaffen. Er fühlte sich doch erschöpft, als er den Bahnhof erreichte; nachdem er die Karte abgegeben hatte, trat er in das Wartezimmer, um einige Minuten auszuruhen und den von Wiesbaden kommenden Zug abzuwarten. Die Ankunft des Zuges verspätete sich; der Abend dämmerte schon, als er endlich einlief. Nur ein Paffagier stieg aus.- der Wirth zum „Weißen Hirsch"; er war sehr erfreut, daß bet Referendar ihn begleitete. „Ist das ein Hundewetter!" sagte er, während er den Rockkragen aufschlug und den Hut tief in die Stirn drückte. „Ich hätte die kleine Reise gestern machen sollen, aber so geht's immer, wenn man eine Sache, die doch geschehen muß, von Tag zu Tag aufschiebt." „Jawohl, morgen, morgen, nur nicht heute!" nickte Rommel. „Sie haben Einkäufe in Wiesbaden gemacht?" „Auch das, in der Hauptsache aber mußte ich hin, um einige Rechnungen zu ordnen und fällige Ausstände einzukassiren. Wir wollen diesen Fußpfad einschlagen, er führt durch den Wald, wir sind da gegen Wind und Wetter geschützt. Die Damen werden nun wohl auch nicht an die Reise denken, vielmehr befferes Wetter abwarten wollen." „Im Gegentheil, ste reisen morgen Mittag." „Bei diesem Schneegestöber? Ich rathe ihnen nicht dazu —" „Das sieht sich auch schlimmer an, al» es ist, und morgen kann ja wieder die Sonne scheinen!" „Nicht daran zu denken!" „Na, denn nicht!" scherzte der Referendar. „Reisen werden die Damen auf jeden Fall, und der Oberst kann morgen Abend wieder in sein altes Quartier einziehen." „Ich hab' ihn seitdem nicht wieder geschehen", sagte der Wirth. „Weshalb ist er eigentlich hier?-' „Das mögen die Götter wissen; ich werde nicht klug daraus, und fragen darf man den Oberst nicht darum, er ist mit einer derben Antwort rasch bei der Hand." „Ja, ja, so sieht er aus", erwiderte der Wirth. „Ich glaub', es ist nicht gut Kirschen essen mit ihm. Was kümmert's auch mich; ich hab' mit meinen eigenen Geschichten genug zu schaffen." „Fürchten Sie den Haß des rothen Fritz?" „Weshalb sollte ich ihn fürchten?" „Der Förster Hellmuth sagte es mir. Der Vagabund glaubt, Sie hetzten die Gemeinde gegen ihn auf." „Ich denke nicht daran", sagte der Wirth ärgerlich. „Der Mensch ist überhaupt zu unbedeutend für mich, als daß ich mich mit ihm beschäftigen füllte. Wenn der rothe Fritz das glaubt, fo wird wohl ein Anderer mich bei ihm verleumdet haben. Und wer dieser Andere ist, glaube ich leicht errathen zu können." „Der Förster?" fragte Rommel. „Kein Anderer! Er kann es nicht verzeihen, daß Marie von Rekzenstein meine Frau geworden; er wird wohl in der nächsten Zeit versetzt werden. Das hat er auch nicht erwartet und noch weniger gewünscht." „Und Sie glauben, daß er mit dem Vagabunden gemeinsame Sache macht?" — „Das will ich nicht behaupten", unterbrach der Wirth ihn rasch, „er würde dadurch sich selbst zu 88f großen Gefahren aussetzen. Aber daß er hier und da eine Aeußernng fallen läßt, um mich bei dem Burschen verhaßt zu machen, das glaube ich gerne, und damit kann man ja auch Manches erreichen. Hellmuth haßt uns Alle, nicht mich allein, auch meinen Schwiegervater und meinen Schwager; man halte dafür sorgen müssen, daß er versetzt werde," „Er war damals schon hier, als die Leiche des Herrn von Salberg im Walde gefunden wurde?" „Freilich, er ist schon seit zwölf Jahren hier Förster. Aber gerade in jenem Sommer war er einige Monate beurlaubt; wenn ich nicht irre, machte er damals sein Examen und so mag er von dem derzeit Vorgefallenen wenig genug wissen, wohl nur das, was er später durch Hörensagen erfuhr. Ich erinnere mich noch, daß der Oberförster derzeit ganz allein im Walde hauste, seine Frau war schon seit einigen Jahren tobt, Han» besuchte in Wiesbaden die höhere Schule, und seine Tochter, meine jetzige Frau, schickte er ganz plötzlich zu einer Tante, wo sie mehrere Monate bleiben mußte. Man hat derzeit sich den Kopf darüber zerbrochen, weshalb der alte Mann sich isolire, aber Niemand hat's herausgebracht, obgleich mancherlei Vermuthungen laut wurden." „Vermuthungen? Welcher Art?" fragte der Referendar, sich der Aeußerungen des rothen Fritz erinnernd. „Ich kann'» nicht mehr sagen, hab' auch damals wenig auf das Geschwätz gegeben. Die alte Frau, die derzeit dem Oberförster auswartete, wär stumm wie das Grab —" „Ist es dieselbe, die ihn jetzt bedient?" „Nein, sie ist schon seit fünf Jahren tobt." „Besuchte beim Niemand ten Oberförster?" — „Einige Neugierige haben allerdings den Versuch gemacht, aber sie erfuhren Nichts, und sie wurden in einer Weise empfangen, die ihnen eine Wiederholung dieses Besuchs nicht wünschenswerth machte." Der Referendar schüttelte den Kopf. Das lautete wieder so geheimnißvoll und stimmte mit den Andeutungen des rothen Fritz in mancher Beziehung so sehr überein, daß es wohl zu ernstem Nachdenken veranlassen konnte. „Was es aber auch gewesen sein mag, keinesfalls war es Etwas, was dem alten Herrn zur Unehre gereichen konnte", nahm der Wirth wieder das Wort; „darüber sind wohl Alle einig, die ihn kennen." Sie halten den Wald erreicht. Der Wirth schritt auf dem schmalen Fußpfade voran, dicht hinter ihm folgte der Referendar, der sich gewaltsam bezwingen mußte, um seine Erregung nicht zu ver- rathen. „Aber wenn es wirklich etwas Ehrenhaftes war, und ich will ja keineswegs daran zweifeln", sagte der Letztere, „bann hätte boch der Oberförster kein Geheimniß daraus zu machen brauchen!" „Wer weiß, welche Gründe ihn dazu zwangen — Wer kann überhaupt wissen, ob „Haben Sie denn mit Ihrem Schwiegervater nie darüber gesprochen?" fragte der Referendar. „Nein, wozu auch? Ich bin nicht neugierig, und die Sache interessirte mich auch nicht! Ueberdie» ist der alte Herr an jene Zeit nicht gerne erinnert." „Wieder ein Beweis, daß hier ein Geheimniß vorliegt, dessen Enthüllung Unannehmlichkeiten bereiten kann." Da» letzte Wort war den Lippen des Referendars noch nicht entflohen, als plötzlich in nächster Nähe ein Schuß krachte; dem jungen Mann wurde der Hut vom Kopfe gerissen; deutlich hörte man die Kugel in einen Baum einschlagen. Im ersten Moment standen die Beiden starr vor Schrecken. „Das war Tell's Geschoß!" sagte der Referendar, wahrend er sich bückte, um seinen Hut aufzuheben. „Was sagen Sie?" fragte der Wirth bestürzt. „Sie sind doch nicht verwundet?" „L eb Vaterland, kannst ruhig sein! — Diesmal bin ich noch mit einem blauen Auge oder vielmehr mit durchlöchertem Hut davongekommen. Aber ich denke, wir wollen hier keine Hütten bauen — der Mensch versuche die Götter nicht!" Damit eilte er mit raschen Schritten von bannen, und bet Wirth zögerte nicht, ihm zu folgen. Als sie ben Walb verlassen hatten, blieben sie stehen, um Athem zu schöpfen. Rommel nahm feinen Hut ab unb betrachtete ihn mit ernstem Blick. „Einige Zoll tiefer — und es war um mich geschehen", sagte er. — „Ich kenne Dich, Spiegelberg — aber ich will nächstens unter Euch treten und fürchterlich Musterung halten!" „Wer mag ben Schuß abgefeuert haben?" fragte ber Wirth, ber feine Fassung noch immer nicht wieberstnben konnte. „Können Sie noch zweifeln, baß er mir galt?" erroiberte ber Referendar. „Und wenn die» feststeht, wer hat hier ein Interesse daran, mich zu beseitigen?" „Der rothe Fritz?" „Natürlich, kein Anderer, als er!" „Hm — ich glaube nicht, daß er so glücklich ist, eine Büchse zu besitzen." „Bah, die Waffe kann er gestohlen haben." (Fortsetzung folgt). Allerlei von Wein und Bier in alter Zeit. (Schluß). Das Bier, wie heute, so auch vor zwei, drei unb vier Jahrhunderten das Getränke de» Volke», erfreute sich nicht nur der besonderen Pflege von Seiten der Bierbrauer, sondern auch die wohlweisen und hochmögenden Väter ber Städte, wo mehr Bier wie Wein getrunken wurde, sorgten emsig dafür, daß stet» guter Stoff vorhanden war. Fremde 888 HdEn! 8. Schrßds- - Dm« M Brrlsg dm Srühl'sSm DmS«ri (gt, «hr. Pietsch) ta Das Das Das Das Das erste heißet man den Kern, trinken die Bürgermeister gern, ander heißt das Mittel-Bier, setzt man gemeinen Leuten für. Biere mußten überall, wo deren Ausschank gestattet war, hohe Abgaben tragen, damit das einheimische Product nicht darunter leide. In mehreren Städten Norddeutschlands entstanden im 16. und 17. Jahrhundert große Unruhen unter der Bürgerschaft, weil da» Bier entweder zu theuer, oder der Aus- schank fremder Biere gestattet wurde. Die Sorg- fatt der Behörden, dem Volke nur gutes Bier zu verschaffen, hat manchmal etwas rührendes und komisches. Man bekommt wirklich Respect vor dem Eifer, mit dem die hochmögenden Rathsväter der verschiedensten Städte das Getränk grüßten. Die Erzählung von den Rathsherren, welche beim Be- urtheilen des Bieres sich auf mit Leder bezogenen Stühlen niederließen, welche vorher mit Bier be- goffen waren, dann richtig das Bier erprobten und wenn beim Ausstehen von den Sitzen, die Stühle an den Hosen fest klebten, das Bier für gut, im anderen Falle schlecht fanden, ist durchaus kem Märchen, sondern eine historische Thalsache. Eigen- thümlich ist es, daß im 16., 17. und bis ins 18. Jahrhundert von bayerischem Bier bei Weitem nicht so viel die Rede ist, wie von dem norddeutschen. u L Bekanntlich ist die Sache letzt gerade umgekehrt. Norddeutsches Bier finden wir früher häufig in Süddeutschland erwähnt. Auf dem berühmten Reichstage zu Worms, (18. April 1621) als Luther dort vernommen wurde, spielt es sogar eine historische Rolle, denn Herzog Erich von Braunschweig sandte nach der Sitzung dem kühnen Mönch einen silbernen Becher mit gutem Eimbecker Bier, damit sich Luther daran labe. , , Wie der Wein, hat in früheren Jahren auch das Bier seine Poeten gefunden. Der alte Harß- dörffer singt vom Bier: „Mein Vater ist der Bach, und daraus muß ich werden Des Lebens Lieutenant, die Mutter ist die Erden Mein Hauß ein hartes Holtz, ein Messing meine Thür, Mein Hemmet ist von Pech, der Pirkemeyer Zier.'« und ein anderer Poet schwingt sich zu dem folgenden Lobgesange auf: Der vielbelobte Trank, das edle Gerstenwaffer Wird billig werth geschätzt, und hat nur wenig Hasser. Bier, Bier, das lescht den Durst und richtet Freude an, Daß manche Grille wird dadurch beiseit gethan. In Brabant ist ein Ort, so Thienen wird genennet, Da ist ein Bier, dem man ja billig Ehre gönnet, Ein überauß gut Bier, mit welchem jederman Die Sorgen mehr als mit dem Wein vertragen kann. Das alt hamburgisch Bier, das läßt sich auch noch trinken Bei gutem Zwieback und bei einem Schweineschinken • Was noch mehr andre Bier davon will ich jetzt schweigen, Die weil ein jedes Bier seya Lob kann selber zeigen, So jedes Ort bekannt, Gott gebe Segen, Glück, Zum Brauen alle Bier, Bier ist eilt nöthig Stück." Unzählig sind auch die Namen, die der Volksmund dem Biere beilegt. In einem uns vorliegenden kleinen Verzeichniß deutscher Biere aus dem 17. Jahrhundert finden sich allerlei lustige aber auch viel un- fläthige Benennungen, von denen wir einige hier mittheilen wollen. Da finden wir in Brandenburg ein Bier, welches „Alter Clauß" heißt; Braunschweig braut „Mumma", die heutige „Mumme", und Hildes- heim liefert „Breyham", von dem der Chronist sagt: „Es hat aber solch' Getränk von deffen, Erfinder Kuerd Breyham den Namen erhallen, welcher auß dem Dorff Stocken, eine Meil von der Stadt Hannover gelegen, bürtig, und zu Hamburg ein Brauknecht gewesen, und Anno 1526 zu besagtem Han- nover, im Braunschweiger Land, Hamburgisch Bier zu sieden versucht hat, von Dannen es nach Hildes- heimb kommen." „Bind den Kerl" braute man zu Boitzenburg, und „Bockhänger" zu Wollin in Pommern, wogegen in Frankfurt a. d. O. „Büffel" verzapft wurde, von dem der Chronist sagt: „ein wüstes tummes Ster;'. Die Erfurter brauten „Schluntze" und Fechte in Westphalen gar „Dodenkopff". Westphalen scheint überhaupt früher nicht sehr beliebt gewesen zu sein, denn ein alter Reim sagt darüber: Schlecht Logiament und lange Meil, Schwartz Brod, schlimm Bier, grob Schweine Keil, Giebts aitenthalben in Westphalen, Wer'S nicht glaubt, mags selbst erfahren. „Gose" und „Garley" braut man in Goßlar und Gardelegen unseres Wissens noch heute, dagegen hat sich der Merseburger „Kopfreißer", der „Strecke- borzel" und der „Hodebänker" nicht dort erhalten. Wittenberger „Kuckuck" erfreute sich früher einer guten Würdigung ebenso wie die „Klotzmilch" zu Bautzen, dagegen sagt die Bezeichnung „Jammer", eine Art Dummbier in Preußen, genug von der Güte des Getränkes. Zu Langensaltz Braut man drey Bier mit einem Maltz; Marburg war stolz auf seins „Junker", während Wernigerode nur „Lumpenbier" braute, und Magdeburg gar „Piepemstäl" (Pfeifenstiel). In Leipzig finden wir ein saures Bier, „so man Rastrum nennt" und Rostocker Bier wird „Oel" genannt. „Störtenkerl", (Stürtz den Kerl) „Scherpype" (Scherpfeife) und „Stamp in die Asche" trank man in Dernburg, „Schöps" oder „toller Wrangel" in Breslau, aber „Lause Brüh" zu Zerbst, wogegen dem Bier in Torgau nachgesagt wurde: „Torgtsch Bter ist der Ammen Malvasier." Wir könnten noch eine Meng: Namen zufügen, wenn wir nicht fürchteten, den Leser zu ermüden, deshalb genug für heute. W. Kaulen. britte heißt Kovent, Trink Dich, potz schlapperment.