ahen, aber Sie reitet, vurch Flur anzen Hof- iinbet ihre ohl einmal le eine tiefe gefeit, kein Deine Ruhe al hat mich nggeselle zu igung würde oft ich auch r blieb stets 'eine." -rsucht, aber ir wird die wie ein Blitz chönste Glück, h der Tages- ,it den Rosen in den Wald schen in den ze der Vögel Ehren, ganz ten. versitzen", — packte belegte ordnete alles, Stamme eines Zlaid aus und Er füllte den n Alfred zuglückliche Zu- gnügt sprachen issen verzehrt, e leere Flasche zerschellt war. i, um sich vor uszuruhen und afes gesunken. Hand gestützt Schlafe, wohl ikelt und wenn fröhlich hinein gesegnet." Hiehener Zsamilienblätter. Belletristisches Beiblatt zum Siebener Anzelger. Rr. 71. Samstag den 19. Juni. 1886. Saat und Krnte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Diese Rohheit hat eine Schranke zwischen uns aufgerichtet, die kein Wort des Bedauerns und der Versöhnung je wieder beseitigen kann!" erwiderte sie, und ihr zornflammender Blick ruhte dabei durchbohrend auf ihm. „Von dieser Stunde an sind wir geschieden für immer!" Sie wollte das Zimmer verlaflen; mit einer raschen Wendung vertrat er ihr den Weg. „Ich werde kein Wort verlieren, um das, was ich that, zu entschuldigen", sagte er in hartem, strengem Tone. „Ich weiß ja, daß dies nutzlos sein würde, und alles Andere könnte ich eher ertragen, als eine Schwäche, die mich in Deinen Augen demüthigen müßte. Willst Du den Bruch, so thue ich Nichts, um ihn zu verhüten; nur möchte ich Dir den Rath geben, die Folgen ernst zu bedenken. Abgesehen davon, daß Du Dich genöthigt sehen würdest, in jene drückenden Verhältniffe zurückzukehren, müßtest Du auch von der öffentlichen Meinung ein sehr strenges Urtheil für Dich erwarten; in solchen Füllen findet die Frau selten einen aufrichtig-n Freund, der sie gegen böses Gerede in Schutz nimmt. Wolltest Du trotz Alledem Dich entschließen, mein Haus zu verlassen und unsere Beziehungen zu einander der öffentlichen Kritik preiszugeben, so würde ich keine Rücksichten mehr kennen und die Rechte, die das Gesetz mir einräumt, mit unerbittlicher Strenge wahren. Mein Haus ist groß genug, daß wir Beide in ihm leben können, ohne einander zu geniren, und ich werde Dir alle Freiheiten laffen, auf die Du Anspruch machen darfst — wohl verstanden! — bis zu jenen Grenzen, die zu ziehen mir die Rücksicht auf meine Ehre gebietet. Triff nun Deine Entscheidung und vergiß dabei nicht, Dein eigenes Jntereffe zn berücksichtigen." Vera hatte ihn schweigend angehört. Ohne ein Wort zu erwidern, verließ sie das Zimmer; der Landrath kehrte achselzuckend zu seinem Schreibtisch zurück. Er wollte die Briefe beantworten, aber seine @r* regung ließ es nicht zu. Nach einigen Minuten sprang er von seinem Sitz wieder empor, um hastig an der Glockenschnur zu ziehen. „Den Wagen mit den Braunen!" befahl er dem eintretenden Diener. Dann trat er vor den Spiegel, um einen prüfenden Blick auf seine tadellose Toilette zu werfen. Ein gezwungenes Lächeln glitt über sein bleiches Antlitz. „Sie wird sich besinnen", sagte er leise; „sie wird die Hand zur Versöhnung bieten, dann kann ich meine Bedingungen stellen. Weshalb auch vergaß ich, jenen Brief zu vernichten! Ah, bah, es wird Nichts so heiß gegeben, wie es gekocht ist, und Vera ist klug genug, nur so zu handeln, wie die Rücksichten auf das eigene Wohl es ihr gebieten." „Zum Banquier Morgenroth!" befahl er dem Kutscher, als er in den Wagen gestiegen war; eine Viertelstunde später trat er in das elegante Kabinet des Banquiers, der ihn mit devoter Höflichkeit empfing. „Ich beabsichtige weiter Nichts, als eine kleine Geldsumme zu holen", sagte er, „bitte, weisen Sie Ihren Kassirer an, mir fünftausend Thaler zu zahlen." Der korpulente Herr nickte zustimmend und legte die Quittung, die Ackermann ihm überreicht hatte, auf seinen Schreibtisch; dann lud er seinen Gast ein, Platz zu nehmen. „Ich habe Ihnen Manches mitzuthellen", erwiderte er. „Haben Sie die Güte, mir ein halbes Stündchen zu schenken. Wenn die schöne Signora auch einige Minuten vergeblich, warten muß, der kostbare Brillantschmuck wird sie dafür entschädigen", fügte er mit cynischem Lächeln hinzu. „Wer hat Ihnen gesagt —" „Bitte, Herr Landrath, es ist ja nicht der Mühe werth, daß Sie sich deshalb aufregen. Man beneidet Sie um Ihre Erfolge, und Sie können begreifen, daß man sie nicht von Herzen Ihnen gönnte. Ich war gestern bei dem Juwelier, um für eine andere Dame einen Schmuck zu kaufen; bei dieser Gelegenheit sah ich die Brillanten; das Uebrige war leicht zu errathen, nachdem ich erfahren hatte, daß dieser Schmuck von Ihnen bestellt war." „Ich könnte ihn für meine Frau bestimmt haben!" warf der Landrath unwillig ein. „Sie sind schon zu lange verheirathet —" „Entschuldigen Sie, wenn Sie nur hierüber mit mir reden woüen, so bebaute ich, auf die Fortsetzung dieses Gesprächs verzichten zu müssen." „Nein, nein, verzeihen Sie, wenn mein Scherz Sie unangenehm berührt haben sollte; das lag keineswegs in meiner Absicht. Es sind geschäftliche Angelegenheiten, Herr Landrath; Sie werden sich erinnern, daß ich Sie bei der Gründung der Aktienbrauerei mit einer großen Summe beteiligte; ich habe vorgestern dieses Unternehmen abgewickelt und in Gießen. 282 kabei einen Gewinn von zwanzigtausend Thalern für Sie erzielt." „Nun, das ist mir sehr angenehm." „Bah, Kleinigkeit", fuhr der Banquier mit einer geringschätzenden Handbewegung fort, „das Geld liegt auf der Straße, wir können Millionen verdienen, wenn nur flüssiges Kapital zur Stelle ist. Sie haben einen großen Grundbesitz; was bringt er Ihnen ein? Kaum drei Prozent, während Sie mit dem baaren (Selbe das Kapital binnen Kurzem verzehnfachen könnten!" „Durch Börsenspekulationen?" „Theils dadurch, theils auch durch Betheiligung an einer Eisenbahn, die von der Regierung bereits concessionirt ist und nun gebaut werden soll. Diese Bahn wird bedeutende Dividenden abwerfen; sie muß allen Seitenbahnen erfolgreiche Coneurrenz machen, da sie ein sehr ergiebiges Kohlen- und Eifengebiet auf bedeutend kürzerem Wege mit dem Rhein verbindet. Ich habe mich an diesem Unternehmen mit einer Viertelmillipn betheiligt, und ich würde Ihnen rathen, Ihr ganzes Grundkapital hineinzustecken. Selbst int schlimmsten Falle erhalten Sie immer noch höhere Zinsen als jetzt — verlieren können Sie Nichts." Der Landrath schüttelte gedankenvoll das Haupt. „So rasch lassen sich die Grundstücke nicht verkaufen", sagte er. „Den Verkauf dürfen Sie getrost mir über« laffen", erwiderte Morgenroth. „Ihr großes Gut eignet sich vortrefflich zu gewerblichen Anlagen. Ich würde mit einigen Freunden darüber sprechen und ein Consortium bilden, um den ganzen Complex einer Aktien-Gesellschaft zu verkaufen. Sie dürfen einen hohen Preis fordern; ich sorge dafür, daß die Gesellschaft ihn zahlt, und mit diesem Kapital würde ich Sie an der neuen Eisenbahn oder, wenn Sie das nicht wollen, an anderen Unternehmungen betheiligen. Für eine Verzinsung des Kapitals von mindestens zehn Prozent garantire ich Ihnen." Der Landrath war in Nachdenken versunken. Wenn er, wie er bereits entschlossen war, seinen Abschied nehmen wollte, so konnte ihm unter der Herrschaft eines anderen Landraths das Leben an seinem Gute verleitet werden, und da ihn alsdann Nichts mehr an die Scholle fesselte, so stand ihm frei, feinen Wohnsitz fortan in der Residenz zu nehmen und dort das Leben zu genießen. Der Vorschlag, dm der Banquier ihm machle, war verführerisch; je länger er über ihn nachdachte, desto verlockender erschien er ihm. „Ich werde Ihnen alle auf den Bau und die Bedeutung der Eisenbahn bezüglichen Prospekte und Papiere vorlegen", nahm Morgenroth wieder das Wort, „Sie können sich dann selbst überzeugen —" „Ich würde die Sache allerdings einer ernsten Prüfung unterziehen", fiel der Landrath ihm in die Rede; „int Uebrigen aber glaube ich mich auf Ihre Erfahrungen in solchen Dingen verlassen zu können. Und was den mir vorgeschlagenen Verkauf meiner Grundstücke betrifft, so kann ich nicht bestreiten' daß die Einkünfte aus ihnen gering sind, und daß mit dem Kapital weit größere Gewinne erzielt werden könnten." „Sie wären also geneigt, meinen Vorschlag anzunehmen?" fragte der Banquier rasch. „Wenn das Consortium sich gebildet hat und Sie mir bestimmte Anerbietungen machen können, so läßt sich ja noch weiter darüber reden." „Bevor ich zur Bildung des Consortiums schreite, muß ich mit eigener Sicherheit wissen, ob Sie auf unsere Vorschläge eingehen werden", erwiderte Morgenroth; „ich möchte mir nicht gern nutzlose Arbeit machen und daneben mich bei meinen Freunden cornpromittiren." Der Landrath hatte sich erhoben. Der Ausdruck seines Gesichts verrieth, daß er sich so rasch nicht entschließen, wenigstens heute noch kein bindendes Versprechen geben wollte. „Lassen Sie mir einige Tage Zeit", sagte er, „vielleicht theile ich Ihnen schon morgen meinen Entschluß mit. Und nun bitte ich nochmals um das Geld." Der Banquier zog an der Glockenschnur und gab dem Diener einen Befehl; einige Minuten später trat der Kassirer ein und zählte fünftausend Thaler in Banknoten auf den Tisch. „Wie heißt doch Ihr Buchhalter, der blonde Herr mit dem Knebelbart?" fragte der Landrath, während er die Banknoten in fein Portefeuille legte. „Ich bin ihm schon öfter hier begegnet —" „Karl Maiwind?" „Kann fein. Wo finde ich ihn?" In Morgenroth's Blick, der forschend auf dem Landrath ruhte, spiegelte sich das erwachende Mißtrauen. „Wenn Sie mit ihm zu reden wünschen, so kann ich ihn rufen lassen", antwortete der Banquier. „Ich wünsche nur eine Frage an ihn zu richten und dabei jedes Aussehen zu vermeiden. Jene Thür führt wohl ins Comptoir." „Jawohl, und gleich neben der Thür finden Sie den Herrn vor feinem Pult." Der Landrath ging hinaus, neben dem Pult des Buchhalters blieb er stehen. „Apropos? Wer war der Herr, der gestern Abend im Theater neben Ihnen saß?" fragte er mit vornehmer Herablassung. Maiwind blickte betroffen auf; der Ton, in dem die Frage gestellt war, berührte ihn unangenehm. „Ein amerikanischer Oberst", erwiderte er. „Jedenfalls ein sehr rücksichtsloser Amerikaner", sagte der Landrath geringschätzend. „Kennen Sie seinen Namen?" „Oberst Johnson." „Vielleicht ein Abenteurer; er wohnt wohl nicht hier?" „Den feinen Griff und den rechten Ton mag er wohl noch nicht kennen", erwiderte der Buchhalter achselzuckend; „vielleicht ein Canadier, der noch 283 Europens übertünchte Höflichkeit nicht kennt; aber er ist ein Mann, nehmt Alles nur in Allem; ich werde nimmer seines Gleichen seh'n'" „Bitte, beantworten Sie meine Frage", sagte Ackermann ungeduldig; „wohnt er in dieser Stadt?" „Augenblicklich im „Englischen Hof"; aber wie er sagt, gedenkt er hier nicht zu bleiben." „Sie sind wohl mit ihm befreundet?" „Durch einen Zufall lernte ich ihn kennen; die Noth bringt Einen zu seltsamen Schlafgesellen." „Ich beneide Sie nicht um diese Bekanntschaft", erwiderte der Landrath geringschätzend; „aber sollten Sie noch einmal mit ihm das Theater besuchen, dann machen Sie ihn gütigst darauf aufmerksam, daß es ein Verstoß gegen die Sitte und den Anstand ist, eine Dame so lange anzustieren, bis cs allgemeines Aufsehen erregt. Es ist ja möglich, daß er davon keine Ahnung hat." „Es muß auch solche Käuze geben", scherzte Maiwind; „überdies interessirte der Oberst sich für Sie, Herr Landrath." „Für mich?" „Jawohl, Sie müssen drüben in Amerika einen Vetter haben." „Das ist freilich richtig." „Und dieser Vetter, mit dem der Oberst befreundet ist, wünscht eine ziemlich genaue Auskunft über Sie zu erhalten." (Fortsetzung folgt.) Mngsten. Erzählung von Th. Hempel. (Fortsetzung statt Schluß.) Er erhob sich leise, um des Freundes Schlummer nicht zu stören, verlockend lag der Weg im Waldesdunkel vor ihm, er beschloß ein Stück zu gehen und zu Erich zurückzukehren. Er belächelte sich selbst, doch wie im Geräusch der Großstadt vermochte er sein Ohr zu verschließen vor den äußern Eindrücken und sich von ihnen unberührt, mit ernsten Fragen des Lebens zu beschäftigen, hier in der Waldeinsamkeit zerstreuten sich seine Gedanken. Ein Problem nur nahm ihn vollständig gefangen, die unergründlich tiefen Augen, die allen Männerherzen Wunden schlugen. Er suchte förmlich umher unter den Frauen seiner Bekanntschaft, ach gewiß, es gab da manches Augenpaar, in welches man gern hineinschaute, aber alles Denken und Fühlen in Anspruch nehmen, Wunden schlagen, das Herz beklemmen, nein, das alles war ihm noch nicht geschehen, dafür fand der junge Arzt keine Erklärung, so viel er auch sann und sann. In tiefen Gedanken hatte er sich viel weiter von Erichs Lagerplatz entfernt, als er beabsichtigt. Ein Geräusch ließ ihn aufblicken, er hörte das Schnauben eines Pferdes und sah dasselbe in wildem Galopp daherrasen. Eine Dame hing nur noch halb im Sattel, ehe es möglich war, ihr zu Hülfe zu kommen, war sie zu Boden gestürzt. Das Pferd ward ruhig in dem Augenblick, da es sich von seiner Last frei fühlte, Alfred schlang den Zügel um einen Baum, dann beugte er sich herab zu der bleich und bewußtlos im Grase liegenden. Da sie auf den weichen Moosboden gesunken war, ließ sich annehmen, daß eine schwere Verletzung nicht vorlag, daß die Ohnmacht eine Folge von Schreck und Aufregung war. Der junge Mann schöpfte Wasser aus einem nahen Quell in der hohlen Hand, besprengte das Gesicht der jungen Dame und hatte bald die Beruhigung, daß sich Zeichen wieder- kehrenden Lebens bei ihr einstellten. Jetzt schlug sie die Augen auf, aber noch wie traumumfangen. Unklar über ihre Lage blickte sie zu dem über sie Gebeugten empor. Beinahe wie ein Schreck durchzuckte es den Arzt, was ihn soeben beschäftigte, nun war es klar, was er ersehnt, erfüllte sich, der Blick dieser Augen, so wunderbar tief drang er hinein in sein laut klopfendes Herz. Die Reiterin, welche sich jetzt rasch erhob, seine Hülfe, wenn auch er» röthend, doch mit stolz erhobenem Haupte zurückweisend, es war, es konnte nur die Fürstin sein, vor deren Sirenenblicken ihn der Freund gewarnt, laut sagte es ihm eine Stimme in seinem Innern. Mit leichtem Gruß und den wenigen Worten: „Ich danke Ihnen, mein Herr, —" schritt sie an ihm vorüber ihrem Rosse zu. „Sie werden mir erlauben, Sie zu begleiten", — bat Alfred, welcher schnell an ihrer Seite stand, mit Mühe den Titel, Hoheit, zurückhaltend. Sie erwiderte: „Ich würde grenzenlos feig erscheinen, wollte ich meinen Gaul so im Rechte lassen." „Sein Auge ist unruhig, das Geringste kann ein nochmaliges Scheuwerden Hervorrufen." „Und Sie meinen, nicht zum zweiten Male würde mir ein Retter erscheinen?" „So wollen Sie meine Begleitung zurückweisen?" „Ja." Als fühlte sie doch, wie scharf dieses Ja klang, fügte sie hinzu: „Richt ohne bestimmten Grund muß ich Ihren Schutz dankbar ablehnen, aber —" fügte sie lächelnd hinzu: „Ich will Ihnen Concessionen machen und mein Roß demüthig am Zügel heim führen." Er fühlte, daß er nicht weiter in sie dringen dürfe und blieb, sich stumm verneigend, zurück, während sie an ihm vorüber schritt. Roch einmal wendete sie sich um und sagte: „Wollen Sie unsre Begegnung hier Geheimniß bleiben lassen, so würde ich Ihnen dankbar sein." „Ihr Wunsch ist mir Befehl." Rasch schritt sie den schmalen Waldweg entlang. Alfred sah ihr nach, aber sie wendete das stolze Haupt nicht, noch immer verfolgten seine Blicke die Richtung, welche sie genommen, nachdem sie längst entschwunden war. "Sre hat die blauen Augen der Waldkönigin", sagte er leise zu sich selbst." „Endlich gefunden!" Dieser Ausruf des Freundes riß Alfred empor aus wachen Träumen und führte ihn zur Wirklichkeit zurück. „Sage mir, um des Himmels Willen, was Dich so weit hinweglockte aus meiner Nähe, angstvoll stürmte ich Dir nach und athmete erleichtert auf, als ich Dich endlich in der Ferne erblickte. Aber Alfred, was ist Dir wiederfahren, Du blickst drein, als sei Dir ein Geist erschienen." „Ich blickte hinein in die unergründlichen Augen der Fürstin", — hätte Alfred beinah geantwortet, aber zur rechten Zeit erinnerte er sich seines Versprechens und sagte scherzend: „Der Zauber des Waldes nahm mich gefangen, verzeihe Freund, daß ich mich zu weit Hinweglocken ließ von Deiner Seite, anstatt Deinen Schlummer zu bewachen." Nach kurzer Wanderschaft erreichten sie das Ende des Waldes, da lag es vor ihnen, das stattliche Mühlengut, Erichs Heimath. Kein Klappern der Räder ließ sich hören, sie standen still, dem Festtag zu Ehren, das Wasser rauschte ungehemmt vorüber. An der dem Mühlenwerke entgegengesetzten Seite des Hofes lag das stattliche Wohnhaus, von einer mit dichtem Grün bewachsenen Veranda bekränzt, welche mit Gartenmöbeln reichlich versehen zum Niedersitzen einlud. Ein großer Hund genoß am Eingang des Hauses behaglich der Ruhe, aber sobald Schritte nahten, richtete er sich lauschend auf, und sprang schweifwedelnd mit freudigem Gebell seinem jungen Herrn entgegen. Die laute Begrüßung des treuen Thieres hallte durch das stille Haus, den Bewohnern die Ankunft der Gäste verkündigend. Erichs Eltern erschienen an der Thür, reichten den jungen Leuten mit herzlichem Gruß des Willkommens, die Hände entgegen und geleiteten sie in die kühlen Räume des Hauses, in denen es sich, nach langer ermüdender Wanderung, prächtig ruhen ließ. Alfred fühlte sich schnell heimisch an dieser Stälte wahrer Gastfreundschaft, wie sie herzlicher nicht geboten werden konnte. Er fand die Verhält- niffe ganz anders als er erwartet, aber höchst angenehm. Er hatte gemeint in eine sehr einfach, ländliche Familie geführt zu werden und fand nun, bei einfachen Sitten, eine umfassende Bildung und Vertrautheit mit den edlen Interessen des Lebens. Der Hausherr ließ sich durch die jungen Leute zurückversetzen in die Jahre der eigenen Jugend, er lachte und scherzte mit ihnen, die Hausfrau sorgte Mütter- lich für das leibliche Wohlbehagen ihrer lieben Gäste, ohne sich deshalb der erregenden Unterhaltung zu entziehen. Noch ein lebendes Element darf nicht unerwähnt bleiben, ein frisches, junges Mädchen mit blauen Augen und blondem Haar, dem Gast als eine nahe Verwandte und Pflegetochter vorgestellt, gab diesem bald Anlaß zu der Beobachtung, daß die hübsche Marie und Erich sich gern in die Augen blickten. Frohen Herzens, losgelöst von der schweren Beantwortung seines Berufes, herzlich ausgenommen von seinen Gastfreunden, umrauscht von erfrischender Waldluft, konnte der junge Arzt ein unaetrübtes Pfingstfest feiern. Nur sein war die Schuld, wenn er sich nicht vollständig dem heitern Genuß hingab. Ec sagte sich dies tausend Mal, er schalt sich einen Thoren, bemühte sich zu vergessen, was er kindische Einbildung nannte und konnte vor seinem innern Blick doch die unergründlichen Augen nicht bannen, in welche er einmal nur geschaut, zu seinem Ver- derben. Mitten in heiterer Unterhaltung, Abends wenn er allein in seinem Stübchen am Fenster stand und hinauf zu den Sternen schaute, immer und überall stand nur ein Bild licht und klar vor ihm. Er suchte die Ruhe, er zwang seine Gedanken mit aller Macht in andere Bahnen und kaum sank er in die Arme des Schlafes, so umgaukelte ihn ihr Bildniß und ließ ihn nicht los, bis der Sonnenschein ihn weckte. Am Nachmittag des zweiten Pfingstfeiertages gab es heitres Leben in der Mühle, nach altem Herkommen lud man an diesem Tage die Bekannten der ganzen Umgegend zum fröhlichen Feste. Die Jugend tanzte unter der Linde im Hofe, welche reichlich Schatten spendete. Die Gesellschaft hatte sich beinahe vollständig versammelt, die Ballmusik ließ ihre verlockenden Weisen erklingen, wenn auch nur von einem wenig zahlreichen Orchester ausge- führt. Alfred sah sich genöthigt, sich auf Erichs Wunsch am Tanz zu betheiligen, sein junger Freund hatte sich einmal in den Kopf gesetzt, des DoctorS kaltes Herz für eine der jungen Schönheiten zu erwärmen, der Pfingsttanz unter der Linde schien ihm der passendste Schauplatz für seine Zukunftspläne. war eine Pause im Tanz eingetreten, als noch ein Gast erschien, ein stattlicher älterer Herr mit grauem Haar und Bart, welcher von der Familie besonders herzlich begrüßt wurde. „Aber so spät Herr Forstmeister?" „Ja leider." War die in etwas ärgerlichem Tone gegebene Antwort. „Ihre Damen sind hoffentlich nicht durch Krankheit zurückgehalten?" - "Zum Theil, ja, meine Tochter hat sich gestern, während unsrer Abwesenheit, eine leichte Verletzung an der Hand zugezogen, die Veranlassung konnte ich nicht recht erfahren. Heute Morgen gab es ein großes Lamento, die Hand war steif und geschwollen, ie fabelte von einem Bruch der Hand, so daß ich den Wagen in die Stadt nach dem Arzt schickte." „Und fand die Verletzung wirklich erheblich?" Frug theilnehmend der Hausherr. „Er war natürlich verreist, —" entgegnete der Forstmeister. (Fortsetzung folgt). Nedactton! A, Scheyds. — Druck und Berlag der Brühl'schen Druckerei (Fr, Chr. Pietsch) in Gießen.