Hießener Jamilienblättn. KeLeZristrsHsK KeibiM MU GießsKA Aszerger. mm M» 1 na 1 üi«3c»wj»^»a^^ta»iMay.iTO«>z.t*sB»<3ao««a»ii,x-i«»gait»jUHam«ä«r'.tM?>rwiSM»taiMiCgaMMteans und sicherlich hätte die kleine Vera kein besseres \ Mut'erherz auf Erden wiederfinden können. Er- \ lauben Sie mir nur, daß ich zuweilen herauskommen 1 darf, um Ihr liebliches Töchterchen zu sehen." _ Die Wirthin blickte sie während dieser herzlich ? gesprochenen Worte prüfend an und schüttelte ihr « dann kräftig die Hand. „Das dürfen Sie gern, mein Fräulein! kommen s Sie nur recht oft, das Kind kann ja nur dabei ! profitiren von wegen der feinen Bildung. Denn ! sehen Sie, — wir haben unser gutes Brot, und \ wenn der Herrgott uns keine eigenen Kinder mehr s bcscheert — ach, unsere kleine Doris war just in • demselben Alter, na, Gott hab' sie selig — aber ich ! wollte nur sagen, daß wir wohl was an die kleine j Vera wenden können und daß sie eine feine Schule ; besuchen soll, um recht gebildet zu werden. Für die Wirthschaft ist sie viel zu hübsch und zu fein, — ■ \ Gott bewahre, nein, sie soll was Besserer werden." „Das ist brav von Ihnen, Frau Möller!" lächelte Natalie, „nun, was an mir liegt, so will ich sicherlich das Meine thun, um Sie bei diesem Werk zu unterstützen. Nur eine Bitte darf ich mir erlauben, — wollen Sie nicht böse werden?" Frau Möller blickte sie mißtrauisch an. „Sie wollen die Vera oft bei sich haben, wie?" „Nein, er ist kein solcher Eingriff in Ihre mütterlichen Rechte, welche ich stets respectiren werde. Ich wollte Sie nur bitten, die Kleins vor dem Besuch des Vorderzimmers zu hüten." „Das versteht sich, Fräulein, und darin haben Sie auch recht", versetzte Frau Möller in treuherziger Verlegenheit. „Möller hat sie im Anfang mit nach vorne genommen, die Mannsleute haben nun einmal kein feines Gefühl, — und die Gäste hatten ihr Pläsir mit dem Göör. Aber da lernte sie allerhand Worte, die mir nicht paßten, denn auf den Anstand halte ich sehr, müssen Sie wissen, — und dann verbot ich es meinem Mann, — in solchen Sachen bin ich kurz angebunden, nicht wahr, Herr Notar?" „Freilich und ich halte es für ein Glück", lachte der Notar belustigt, „man muß die Männer kurz halten." „Nicht wahr? — Ja, liebes Fräulein, der Herr Notar Willing kennt mich und wenn ich nein gesagt habe, so wird nichts daraus, denn warum? — Weil ich immer das Richtige treffe, immer den Nagel auf den Kopf — — na, Hannes, was hast Du Deine Nase hier herein zu stecken", fuhr sie den Hausknecht an, der zögernd die Thür öffnete. „Trina kann die Portionen mir nicht geben, Madame! und die Gäste werden rebellisch." „Er ist gut, ich komme schon, Hannes! — Na, adieu Fräulein, adieu, Herr NoSarl — Kommen Sie nur bald mal wieder, soll mich immer sehr freuen." Sie machte ihren Knix, worauf sie sich viel zu Gute that, drückte Beiden die Hand und verließ eilig die Stube. Die kleine Vera hatte mittlerweile das ganze Confect ve speist und unterhielt sich jetzt angelegentlich mit der neuen Puppe. Natalie küßte sie zärtlich und fragte, ob sie bald wiederkommen solle. „Gewiß", nickte die Kleine, „willst Du meine Tante sein?" „Ja, kannst Du hier allein bleiben?" „Vera ist artig, sie ärgert Mama nicht, auch nicht den Papa." „Ob sie gar nichts von der todten Mama mehr weist?" fragte Natalie, sinnend auf das Kind blickend, Vera schaute lebhaft auf. 542 „Die Lobte Mama schläft in der Erde", sagte, sie ruhig, „sie war so traurig, weil Papa nicht kam. Aber Vera hatte nichts zu essen — diese Mama ist bester I" Das Kind hatte die letzten Worte sehr entschieden gesagt und wandte sich jetzt wieder zu ihrer Puppe. Natalie seufzte unwillkürlich. „Was wollen Sie?" sprach der Notar» „sie haben es Beide jetzt besser, die tobte Mutter und das lebende Kind. Gott hat es gut mit ihnen gemacht." „Indem er es zuließ, daß jene Unglückliche ermordet wurde?" rief Natalie in edler Entrüstung, „nein, mein Freund! ich denke größer von dem Allgütigen, besten geheimnißvolles Walten wir nicht begreifen können." „Nun wohl, damit geben Sie Alles zu, meine kleine Criminalistin! — wir sind uns selber ein Räthsel, wie sollten wir es wagen dürfen, den Rath- fchluß des Ewigen erforschen zu wollen?" versetzte der Notar ernst. „Trost allein giebt uns der Glaube an die göttliche Liebs, welche selbst dem Wurm zu Theil wird, und ich wiederhole das Wort aus voller Ueberzeugung, daß die Vorsehung es wohlgemacht hat mit Mutter und Kind." Als er sich der Thür zuwandte, wurde diese von dem Wirth geöffnet, dem ein einfacher junger Mann folgte. „Der Herr Notar ist noch da", sprach Möller erfreut, „komm' nur herein, Henning! Sehen Sie, dies ist der Sohn eines guten Freundes von mir, Herr Notar! nämlich von dem Hutmacher Henning aus Altona. Na, erzähle nur dreist von der Leber weg, Heinrich, mein Junge — ich bin nämlich Gevatter zu ihm — der Herr Notar ist just der rechte Mann dafür. — Ich geh' wieder nach vorne, wo es sonst zu bunt wird." Er verlieh bei diesen Worten die Stube, während der junge Hutmacher, welcher beim Anblick der Dame seine Fastung zu verlieren schien, nicht wußte, wie er beginnen sollte. „War haben Sie mir mitzutheilen, mein Freund? * fragte der Notar, „hat's Eile oder wollen Sie lieber morgen auf mein Bureau kommen?" „Wenn es Ihnen lieber fein sollte, Herr Notar!" versetzte der junge Mann verlegen, „sonst wollte ich Ihnen nur erzählen, daß ich vor einiger Zeit, just an demselben Abend, als die» Kind zu Möller's kam, beim Rödingsmarkt einen Mann aus einer rasch dahinfahrenden Droschke springen und eiligst sich entfernen sah. Es regnete immerfort, aber der Mann interessirte mich auf einmal ganz merkwürdig, so daß ich ihm dicht auf der Ferse blieb — er sah seiner Kleidung nach wie ein Arbeiter aus und ging, als von der Droschke nicht» mehr zu sehen war, langsam weiter. Ich hielt mich dicht hinter ihm, bis er auf einmal wie in den Boden hinein verschwunden war, und muß dabei noch bemerken, daß er einen wunderlichen Cours nahm und sozusagen einen Zickzackweg einschlug. Ich stand bald darauf vor einem Bretterverschlag in der Nähe der Nicolai- kirche, wo ein Neubau ist. Halt, dachte ich, vielleicht ist der Cujon dahinter verschwunden; ich ging also rings herum, bis ich an eine lose Planke griff, die einen Mann gut durchlaflen konnte. In diesem Augenblick kam unglücklicherweise ein Polizeibeamter daher, der mich verdächtig genug auf'« Korn nahm, so daß ich mich" hurtig um die Ecke drückte." „Al» die Polizei nicht mehr zu sehen war, ging ich wieder dreist hin, weil ich meinen Kopf darauf gesetzt hatte, den verdächtigen Fahrgast zu entdecken." „Sie hätten den Polizeibeamten auf ihn aufmerksam machen sollen", fiel der Notar etwas ungeduldig ein. Der Hutmacher lächelte überlegen. „Das wollte ich nicht riskiren, Herr Notar! — mit der Polizei ist nicht gut Kirschen essen. Als ich wieder nach der losen Planke suchte, ging auf einmal ein feiner Herr an mir vorbei, dessen Schritt ich nicht gehört hatte, obschon die Leute alle auf dem anderen Trottoir gingen, weil es hier beinahe grundlos war. Ich erschrak wie ein Dieb, weil er mich scharf ansah, und dachte mir, daß e« wohl am Ende klüger —" „Ja, lieber Freund I" unterbrach ihn der Notar, nach seiner Uhr sehend, „ich muß Sie bitten, sich kürzer-zu fassen, — in dieser Weise sehe ich kein Ende von Ihrer Geschichte." Der junge Henning, welcher seine Scheu vor der Dame überwunden, war nun einmal im Zuge und fuhr triumphirend fort: „Nur einen Augenblick Geduld, Herr Notar! es wird interessant. Der vornehm aursehende Herr schritt sehr eilig weiter und ich schlug auch einen anderen Weg ein, bis die Luft wieder ganz rein war. Da drängte ich mich endlich durch die Planke und suchte nun nach meinem verdächtigen Passagier umher, keine Idee mehr von dem Cujon, er war richtig verduftet. Der Bau war schon unter Dach, gewiß war er drinnen; ich bin Soldat gewesen, Herr Notar, und hab' Courage wie Einer, so etwas ist denn nach meinem Gusto. Ich hinein, zünde mir drinnen ein kleines Wachslicht an, das ich immer in der Tasche habe und leuchte vorsichtig umher. Da liegt in einer Ecke eine Dlouse, eine Jacke und eine ditto Mütze, wie die Arbeiter sie tragen. Alle» so in der Eile hingeworsm, — neue Sachen, als ob sie eben erst gemacht wären. Das wirft kein Arbeiter so hin, dachte ich mir, und beleuchtete e» von allen Seiten. Schon will ich wieder abtrollen, als ich noch einmal umherleuchte und etwas Blankes sehe, — dieses Medaillon, Herr Notar!" Er zog das kleine Schmuckstück aus der Tasche und überreichte es dem Notar, der hastig darnach griff- „Ah, jetzt wird Ihre Geschichte interessant", sagte Willing, da» Medaillon betrachtend, während auch Natalie neugierig zu ihm trat. Er öffnete dasselbe nach mehreren vergeblichen Versuchen mit einem kräftigen Druck und erblickte ein feingemaltes Frauen» Her j athe Ver hau die den dies Ent gen Hi we I der Bill Klei Tav die hä! die hei Si na ein, steh in Wl Ge für Da zur foi be er hä hö Ni mi bild MUßl die trdir Grü' Mur liebt h« zäl 543 bild von zarter, rührender Schönheit; das Original . mußte sehr jung noch sein, goldblondes Haar umzog die edle Stirn, worunter zwei tiefblaue Augen träumerisch in die Welt schauten, während die Grübchen im Kinn und der schelmische Zug um den Mund auf kindliche Heiterkeit deuteten. „Reizend!" rief Natalie, „wem ähnelt dieses liebliche Antlitz?" „Ja, wer das immer gleich sagen könnte", meinte ’ der Notar nachdenklich, „etwas Bekanntes hat das Bild auch für mich." In diesem Moment zupfte das Kind an Natalien's Kleid und sagte bittend: „Vera auch sehen, bitte, Tante Tali!" Diese wandte sich zu ihr und rief dann fast athemlos: „Cs ähnelt der Kleinen — schauen Sie Vera an, lieber Notar!" „Wahrhaftig, Sie haben recht", nickte der alte Herr heftig erregt, „das goldene Haar, die Augen —" „Und die schelmischen Grübchen", fiel Natalie ein, „Himmel! vor welchem unheimlichen Räthsel stehen wir hier!" „Weshalb haben Sie von diesem Funde, überhaupt von ihrer Entdeckung nicht sogleich der Polizei die pflichtschuldige Anzeige gemacht?" fuhr der Notar den jungen Hutmacher heftig an, „Sie haben durch diese Versäumniß sich schwer vergangen und die Entdeckung des Verbrechens fast zur Unmöglichkeit gemacht." Henning fuhr erschreckt zusammen. „Da wollte ich doch, ich hätte das unselige Ding in den Fleeth geworfen und keinem Menschen ein Wort davon gesagt", meinte er trotzig. — „Die Geschichte kam so, ich mußte noch am selbigen Abend für meinen Vater nach Kiel und von da mit dem Dampfer nach Kopenhagen, von wo ich erst gestern zurückgekehrt bin." „Das entschuldigt Sie freilich", sagte der Notar, „aber ein Unglück ist'» doch; wie kamen Sie denn heute Abend dazu, dem Wirth die Geschichte zu erzählen?" „Sie sprachen zu Hause davon, daß Möllers, die mit uns befreundet sind, ein Kind angenommen hätten und so erfuhr ich die ganze Mordgeschichte, die mich natürlich an jenen Abend erinnerte und hierher trieb. Herr Möller sprach dann davon, daß Sie just im Hause wären, Herr Notar, — und — na, da wollte ich's Ihnen erzählen." „Woran Sie sehr recht gethan haben, Herr Henning! wollen Sie mir dieses Medaillon einstweilen überlassen?" „Mit dem größten Vergnügen, mir brennt's wie höllisches Feuer in der Hand. — Aber — Herr Notar!" — setzte er kleinlaut hinzu, „Sie bringen mich doch in keine Ungelegenheiten mit der Polizei?" „Gewiß nicht, mein Freund! Ohne Ihren Nach- sorschungseifer, der Sie, weiß Gott, zum Criminalisten befähigt, hätten wir dieses corpus delicti ja nicht erhalten. Ich weiß, daß Sie klüger und umsichtiger hätten handeln können, doch soll kein Nachtheil für Sie daraus erwachsen. Haben Sie die Geschichte öffentlich in der Gaststube erzählt?" „Nein, ich sprach nur heimlich mit Möller darüber." „Das ist gut, jetzt reinen Mund gehalten, wissen Ihre Eltern und Geschwister darum?" „Nein, sie hätten mich nur ausgcspottet und wie gewöhnlich den „Murje Neugier" genannt. So heißen sie mich nämlich zu Hause, weshalb ich ihnen gar nichts erzähle." „Also hat ein Spitzname auch zuweilen sein Gutes", lächelte der Notar befriedigt; „gut, Herr Henning, wenn sie etwas aursagen oder zu Protocoll geben sollen, werde ich Sie brieflich davon benachrichtigen; geben Sie mir deshalb Ihre Adresse." Der Hutmacher überreichte ihm seine Karte. (Fortsetzung folgt). Die Vorfahren der KinLerwäkdker. Wenn man heutzutage von den weißen Bewohnern des amerikanischen „far west“, des fernen Westen, den sogenannten Hinterwäldlern, etwas liest oder hört, so stellt man sich hierunter unwillkürlich Leute vor, dir nur höchst oberflächlich von der Cultur beleckt sind, in Thierhäute gekleidet rinhergehen, in rohen Holzhütten wohnen, den ganzen Tag nur Bären, Hirsche und Indianer schießen, natürlich keine Idee von Zeitungen und Büchern haben und überhaupt mit der übrigen Menschheit nur in sehr losem Zusammenhang stehen. Diese Auffassung mochte vielleicht zu Coopers Zeiten bis zu einem gewissen Grade ihre Berechtigung haben und auch die Gerstäcker'schen Schilderungen zeichnen manchmal noch das Blld des Hinterwäldler» von altem Schrot und Korn — aber heute präsentirt sich uns die Erscheinung des amerikanischen Hinterwäldlers in ganz anderer Weise, in durchaus modernem Ueberzuge. Schon der Name ist gewissermaßen eine Anomalie, denn er bedeutet einen Menschen, der „hinter den Wäldern" wohnt, d. h., der abgeschlossen von der übrigen Welt sein Wesen treibt Aber seitdem Schienenwege die Gestade des allantischen Ocean» mit der Küste des stillen Meere« verbinden und sich immer neue Eisenstränge in die Prairien und Wälder des Westens der Vereinigten Staaten einbohren, ist auch der Begriff des „hinter den Wäldern Wohnens" hinfällig geworden und mit ihm ist auch all' die Originalität verschwunden, welche die amerikanischen Hinterwäldler zu einem ganz besonderen Menschenschlag stempelte. Heutzutage trägt der Ansiedler im Westen gewichste Stiefel und schwarze Anzüge, seine Frau und Töchter bearbeiten das Pianino den feinsten New-Uorker Ladies zum Trotz und die Herren Söhne gehen anstatt auf die Bärenjagd oder auf das Ackerfeld in den Club des nächsten Städtchens, um sich hier als Candidaten für dir Repräsentantenkammer aufstellen zu lassen. Freilich bringt der Geist der Zeit diese Um« 544 Wälzungen in dem Dasein der Hinterwäldler mit sich, letzere selbst können hierfür nicht». Auf den Flüssen, auf denen vielleicht noch vor vierzig Jahren sich nur die schlanken Canoes der Rothhäute oder die plumpen Boote der Ansiedler schaukelten, dringen jetzt die elegantesten Salondampfer in den Urwald ein und tragen alle Requisiten des modern-culturellen Lebens gleich mit sich. Hoteliers, Buchdrucker, Aerzte, Tapezierer, Putzmacherinnen, Apotheker, Damen- und Herrenschneider, Weinreisende, Telegraphisten. — Alles wird von dem Dampfboote zugleich ausgespieen ifhb der Landungsort erhält hierdurch sofort eine andere Physiognomie. Wo bislang nur ein paar Blockhütten standen, erhebt sich nach einem halben Jahre schon eine kleine Stadt, natürlich nach amerikanischen Begriffen, und man kann vom Washington-Hotel aus, wo vor Jahresfrist vielleicht noch ein Sumpf lag, die in seidenen Gewändern einherrauschenden Damen der Ansiedler bewundern, oder im Billardsaal eine Carambolage versuchen, oder auch im Lesesaale sich in die patriotischen Artikel des „Courier für Whoming-City" vertiefen. Den durstigen Seelen stehen dabei Rheinwein und Bordeaux, Sillery und „Old Port", Bayrisch Bier und echter Jamaica zur Verfügung und auf der Table d'Hote hat der Hungrige zwischen Hummern und Bärenschinken, Astrachaner Caviar und geräucherten Rheinlachs die Auswahl! Eme solche Umwandlung der gesammten Lebens- verhältniffe im Westen hätten sich die Vorfahren der heutigen Hinterwäldler allerdings schwerlich träumen lassen — weiß doch die heutige G-neration kaum mehr als vom Hörensagen von dem Leben der Ur» grenzdewohner von Missouri, Arkansas, Kansas u. s. w. Man bedenke nur die mangelhaften „Wege", die es vor achtzig, neunzig Jahren in diesen Gegenden gab! Sie bestanden aus einem indianischen Spurweg, auf welchem höchstens ein Packpferd passtren konnte oder au» einem Jahrhunderte alten ausgetretenen Büffelpfade — denn wer Härte sonst wohl in diesen Wildnissen Wege bauen mögen? Selbstverständlich fehlten zu damaliger Zeit auch die nöthigen Transportmittel und hierdurch ergab sich. wiederum ein Mangel von einer Menge von Dingen» die heutzutage in Hülle und Fülle vorhanden sind und die so selbstverständlich hingenommen werden, wie der Genuß von Waffer und Luft, Salz mußte auf Packpferden in die Niederlassungen geschafft werden, Kaffee und Thee waren nirgends zu sehen und der wenige Zucker, den man aus dem Safte des Zuckerahornbaumes bereitete, wurde für Kranke und außerordentliche festliche Gelegenheiten aufgespart. Mit den Werkzeugen war e» ähnlich, das Eisen ward durch den kostspieligen Transport auf Packpferden über steile Berge und durch die Urwaldsdicktchte so theuer gemacht, daß man es bloß zur Anfertigung und dann bei Reparaturen von Pflügen und anderen nothwendigen Grräthschaften für die Ackerbestellung unb für die Hauswirthschaft verwendete. Angeln, Zapfen und dergleichen verfertigten sich die Ansiedler aus Holz und selbst der Gebrauch von eisernen Nägeln wurde als eine Verschwendung erachtet. Selbstverständlich machten sich die damaligen Hinterwäldler auch ihre Kleider selber, respective ihre Weiber und Töchter besorgten dies Geschäfts wie die weiblichen Familienmitglieder auch die primitiven Materialien, aus denen die Hinterwäldlerischen Anzüge bestanden, die Häute und Felle der Thiere des Waldes, die Wolle der mitgebrachten Schafheerden u. s. w. zurichteten. Schuhe wurden gewöhnlich nur während des Winters getragen und wenn ein neuer Ankömmling es wagte, in Stiefeln einherzustolziren, so konnte er gewiß sein, als eine besondere Erscheinung angestaunt zu werden. Trug er aber außerdem noch einen Hut, dem man die Herkunft aus den Oststaaten ansah, auf dem Kopse, gestattete er sich gar den Luxus feiner Leibwäsche und befanden sich an seinem Rocke mehr Knöpfe, als absolut nöthig waren, so wurde er von männiglich als eine Monstrosität betrachtet und zuweilen auch behandelt. Wir haben schon erwähnt, daß sich die ersten Ansiedler die Angeln, Haspen u. s. ro. ihre Ge- räthschaften selber verfertigten und dies galt auch noch von so manchen anderen Dingen; zum^Mindesten mußte Jeder sein eigener Zimmermann, Tischler u. s. w. sein. Da weder Maler noch Klempner noch Glaser in diesen abgelegenen Gegenden existirten, so waren die Wohnungen dieser Urgrenzbewohner natürlich von größter Einfachheit. Jeder Ansiedler besaß ja neben der unentbehrlichen Büchse das eben so unentbehrliche Beil und in jeder Ansiedelung gab es wenigstens eine Säge und einen Bohrer, die bereitwilligst hergeliehen wurden und diese drei Werkzeuge, deren Handhabung übrigens dis Ausiedler vorzüglich verstanden, gmügten zur Errichtung eines rohen Blockhauses. Der Fußboden in demselben war von Erde, in welche besonders prachtliebende Familien einige aus alten Fässern herausgespaltene Dauben einstampsten, so wie sie aus dergleichen Fässern Fenster- laden zusammennagelten, wenn sie deren überhaupt brauchten. Inwendig enthielt diese „Familienwohnung" meist nur ein Zimmer, in welcher sich ein plump gezimmerter Eßtisch, ein paar ebensolche Bettstellen, eine alte Truhe zum Aufbewahren der Familien- schätze und einige ebenfalls höchst primitive Bänke oder Schemel befanden; oft wurde die Stelle der Letzteren durch ein paar roh zngehauene^ Klötze vertreten; wenn man erwägt, weiche wirklich stattlichen und zugleich im Innern behaglich eingerichteten Wohn- Häuser heute oft in den entferntesten Ansiedelungen zu finden sind und vergleicht sie mit jenen aus roh zubehauenen Baumstämmen aufgeführten jedes Corn- forts entbehrenden Blockhäusern, wie sie noch vor vierzig Jahren in Missouri und Arkansas selbst m den größeren Ansiedelungen vorwiegend anzutreffen waren, so erhellt schon hieraus der ungeheuere Unterschied zwischen jetzt und einst. (Schluß folgt). Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Shr. Pietsch) in Gießm.