Hießener Jamikienblätter. SellMstischer Veiblatt Mw Gießener Anzeiger. Nr7l08l _________Dienstag den 14. September. 1886 Saal und Krnle. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Ich muß darauf dringen, daß diese Angelegenheit binnen kürzester Frist geordnet wirb",, sagte er in entschlossenem Tone; „ich habe Sie nicht beauftragt, mein Geld in solchen faulen Papieren anzu- legen; wenn Sie hundertmal behaupten, die Gesellschaften seien solide, ich glaube nicht daran und will in keinem Falle Etwas mit ihnen zu schaffen haben." Der korpulente Herr hatte sich ebenfalls erhoben; hoch aufgerichtet stand er dem Landrath gegenüber. „Mit Ihren Drohungen werden Sie nur das Gegentheil von dem, was Sie bezwecken, erreichen", entgegnete er. „Ich bin nicht in der Lage, Ihnen die große Summe auszuzahlen, und wollen Sie dies auf gerichtlichem Wege erzwingen, dann sehe ich mich genöthigt, meine Zahlungen einzustellen." „Also so weit ist es schon gekommen?" brauste Ackermann auf, der seinem Groll nicht länger gebieten konnte. „So weit würde es kommen, wenn Sie Ihre Drohungen aussühren wollten! Die Drohungen selbst habe ich nicht zu fürchten, da Ihre Vollmacht mir den Rücken deckt. Und nun muß ich Ihnen über- laffen, was Sie thun wollen. Ich kann Ihnen in Ihrem eigenen Jntereffe nur rathen, sich zu gedulden, bis der günstige Zeitpunkt zum Verkauf der Aktien gekommen ist." Der Landrath war zu sehr erregt, um das Ge- spräch fortsetzen zu können; ohne eine Erwiderung zil geben, eilte er hinaus. Sein Freund Riesen- thal hatte ihm geschrieben und ihn gewarnt; Ackermann wußte sehr genau, daß er den Mittheilungen dieses in seinen Behauptungen stets sehr vorsichtigen Mannes volles Vertrauen schenken durfte. Er hatte geglaubt, dem Banquier mit Drohungen imponiren, ihn einschüchtern und zur sofortigen Zahlung veranlaßen zu können; nun aber war er zu der Erkenntniß gekommen, daß Morgenroth sich gesetzlich in seinem vollen Recht befand und er ihm nicht das Mindeste anhaben konnte. Er kannte also die Gefahr, die sein Vermögen bedrohte, und er konnte sie nicht abwenden, und jetzt bereute er zu spät, diesem Manne sein ganzes Vertrauen geschenkt zu haben. Wie war es nur möglich gewesen, daß er jene, ihm so verhängnißvolle Vollmacht unterzeichnet hatte! Er war damals freilich in erregter Stimmung gewesen; der Zwist mit seiner Frau, das Duell mit Herrn von Görlitz und die Vorwürfe der Regierung — das Alles hatte in ihm den Wunsch nahe gelegt, seinen Grundbesitz zu verkaufen und die Hei- math für immer zu verlassen. Und diesem Wunsche hatte sich das Streben nach Reichthum und Genuß zugesellt; war er doch fest überzeugt gewesen, daß Morgenroth seine glänzenden Versprechungen erfüllen und das ihm anvertraute Kapital mindestens verzehnfachen werde. Und nun? Der Landrath würde fofort den Prozeß eingeleitet haben, wenn er nur die Aussicht auf einen glücklichen Erfolg gehabt hätte! Es blieb ihm jetzt Nichts mehr übrig, als die Rettung feines Vermögens auf dem Wege gütlicher Verständigung zu suchen; durch Drohungen vermochte er Nichts, und wer konnte wissen, wie nahe schon die Katastrophe war! Der Wagen hielt. Ackermann stieg aus und trat an sein Haus. Obgleich er schon am Abend vorher angekommen war, hatte er seine Frau noch nicht gesehen; er konnte die Begegung nun nicht länger hinausschieben. Vrra saß in ihrem Boudoir. Die Kälte, mit der sie seinen Gruß erwiderte, mußte ihn befremden, und seine gereizte Stimmung wurde dadurch nicht gebessert. „Ich habe Dich in der Residenz vergebens erwartet", sagte er mit erzwungener Ruhe. „Weshalb beantwortetest Du meinen Brief nicht?" „Ich glaube, Du kannst diese Frage selbst be^ antworten!" erwiderte Vera, und vor dem durchdringenden Blick ihrer blitzenden Augen mußte et unwillkürlich die Wimpern senken. „Du weißt, wo ich war!" „In Wiesenthal!" spottete er. „Was weiter?" „Ich fand auf dem Grabstein Satberg's dieselben Worte, die Dir vor einiger Zeit zugeschickt wurden — ich kenne nun die Bedeutung dieser Worte!" Seine Wangen waren noch blasser geworden das krampfhafte Zucken feiner Lippen verrieth, wie unsagbar schwer es ihm wurde, seine Erregung zu bemeistern. „Wer hat Dir darüber Aufschluß gegeben?", fragte er in rauhem Tone. „Ein Mann, der mit Hermann von Salberg bis zu dessen Tode befreundet war." „Hauptmann von Görlitz?" „Nein, ein anderer." „Bah, mir liegt Nichts daran, den Namen zy 430 i» 2ÜS «jt £*-* SU» II' Thorheiten Dir eingeredet? - War es die Tante Salberg s - und was weiß sie von dem Ende ihres Neffen!" . c - „-..j nur mit r» dem Tode gesühnt werden kann, dann ist es wohl " I gleichgültig, ob die Waffe oder der Würfelbecher entfrfieihpf.“ "Nur der Feigling wird zum Würfelbecher greifen!" rief Vera in leidenschaftlicher Erregung. „Bah, muß er nicht ebenfalls sein Leben einsetzen?" „Und wenn er gewinnt, ist er der Mörder seines. Gegners." Ackermann zuckte verächtlich die Achseln. -Ich habe keine Lust, mich darüber in eine „und was Deine Vermuthung betrifft, so muß ich es Dir anheimstellen, ob Du an ihr festhalten und mit solchen thörichten Gedanken Dich quälen willst 06 Sit I «e «mag da. n,ch. Sro^ung, die in diesen Worten liegt, gilt „und es wird niemals gelöst werden!" . , „W-itf) dies wahr wäre, was würde daraus I Dick!" folttctl ¥** I LL -EN H." “,0* eln »Ich wüßte nicht, was Dich zu dieser Schluß- gepreßter Stimme; „Du schleuderst mir Anklagen folgerung berechtigen könnte!" sagte er svöttisck I tn« deren Haltlosigkeit Du selber erkennen „Hermann von Salberg mußte sterben um feine rou^e^' raentL Du nur ohne Vorurtheil über sie Ehre zu retten — das ist eine Thatsache die nicht I wolltest. Welche Gründe könnte ich ge. bestritten werden kann. — Weshalb überhaupt müssen b/bt b“6e"' $e5ma”n von Salberg zum Selbstmord diese alten Geschichten nach so langer Seit noch ein- I ja Qun£v.aut ro^et?L Wege sollte dies ge« mal an's Tageslicht gezogen werden?" I en letIt $ 34 glaube nicht, daß Du auf diese „Weshalb? - Weil jede Schuld gesühnt werden elne 3tntroort 0eben Iannfi muß!" ’ 3e,U9nt roer6en „Ich kann's", unterbrach sie ihn rasch, während „Und wen soll hier die Schuld der Sübne näher zu ihm hinüberneigte. „Der Grund treffen?" y war Eifersucht, und so unlauter wie dieser Grund, „Dich!" I war auch das Mittel." Ein heiseres Lachen entrang sich den Lippen r „Weiter!" sagte er mit sarkastischem Lächeln, als Ackermann's. sie abbrach, um die Wirkung ihrer Worte zu be« „Ich möchte wiflen, wer Dir diese Thorheiten obachten. eingeredet hat!" sagte er. - „Er sollte mir Rechen» „34 habe vor Kurzem eine Erzählung gelesen, ichaft geben und an der Lüge ersticken!" I tu der ein Mann seinen ihm unbequemen Neben» „Ist es eine Lüge, so beweise es dadurch, daß buhler durch ein amerikanisches Duell beseitigte!" Du die Wahrheit mir enthüllst." erwiderte sie leise. „Würdest Du mir Glauben schenken?" Er blickte sie eine Weile starr an, als ob er „Das hängt lediglich davon ab, ob Deine Er« diese Erklärung so rasch nicht fassen könne; dann klärungen glaubwürdig klingen." glitt jenes sarkastische Lächeln wieder über sein bleiches „Nein, Du würdest zweifeln und meine Erklä« Antlitz. chnen"zu"7ieben" wÄ aUn "®ie Phantasie eines Romanschreibers mußte Du nickt auck einS hi/ "?^gtest Dir also zu Hilfe kommen, um Deinen Vermuthungen DU nicht auch einmal die thörichte Vermuthung, greifbare Gestalt zu geben I" faate er bübnifck Mn sein ”On ®U ber9 n°$ Unter Lebenden amerikanisches Duell! In der That, diese Erfindung ritth i., „ , I könnte Deiner Phantasie Ehre machen, wenn Du "^amn?n^^^^anz unmöglich? fie nicht einem Andern verdanktest. Und gesetzt, Steiss äw: -k I äj? äugende Beweise für den Tod Salberg's finden." . . "34 habe auch die Gewißheit erhalten, daß Du entscheidet.- lenes dunkle Geheimniß kennst und persönlich in dasselbe verwickelt bist", erwiderte Vera, ihn nochmals zwingend, die Augen niederzuschlagen. „Deine hartnäckige Weigerung, mir dasselbe zu enthüllen, muß mir beweisen, daß meine Vermuthungen begründet sind, und so lange dieser Schatten zwischen uns steht, kann von einem friedlichen Zusammenleben nicht mehr die Rede sein." 431 Ich verzichte darauf, Dir den Gegenbeweis zu liefern; gegen die Phantasie Deines Romanschreibers bin ich ohnmächtig. —" „Kannst Du mir auf Ehrenwort die Versicherung geben —" „Bemühe Dich nicht, für solche Kleinigkeiten verpfände ich mein Ehrenwort nicht." „Dann muß ich festhalten an meiner Vermuthung, für deren Richtigkeit ich schon manchen Beweis ge' funden habe." „Ich kann's Dir nicht wehren", erwiderte er kalt; „nur möchte ich Dich bitten, bei Deinen Com- binationen meine Person aus dem Spiele zu lassen.^ „Willst Du noch immer behaupten, Du seiest ganz unbetheiligt?" „Beweise mir dar Gegentheil, wenn Du es vermagst!" „Diese ausweichenden Antworten können nur meinen Verdacht bestätigen!" „Auch das muß ich über mich ergehen laffen", sagte er spöttisch; „nur noch den Rath gebe ich Dir, die Folgen dieser Verdachts wohl zu bedenken. In Deinem Interesse liegt der Bruch nicht, und war auch in der Vergangenheit geschehen sein mag, durch diesen Bruch würde er nicht ungeschehen gemacht. Hermann von Salberg ist tobt, und die Tobten kehren nicht zurück! Du aber machst Dich ber Untreue gegen Deinen Gatten schulbig, wenn Du biesem Tobten nachtrauerfl." „Unb biesen Vorwurf glaubst Du mir machen zu dürfen?" fragte sie scharf. „Soll ich Dich an den Brillantschmuck erinnern, mit bem Du um btt Liebe einer anbern Frau werben wolltest? Führte biese Werbung nicht zu einem Duell zwischen Dir unb bem Verlobten jener Frau?" „Wer hat Dir bas wieber gesagt?" erwiberte er mürrisch. „Vielleicht sollte auch Das geheim gehalten werben, aber haben hier meine Vermuthungen ben Nagel auf ben Kopf getroffen, so wirb's wohl auch in ber anberen Angelegenheit ber Fall sein." Der Lanbrath hatte sich erhoben. Er staub neben bem Blumentisch am Fenster unb blickte einige Minuten lang schweigenb hinaus. „Ich muß aus Allem, was Du mir gesagt hast, entnehmen, daß ich einen Feind habe, der sich zwischen un» drängen will", sagte er nach einer langen Pause. „Du schenkst biesem Feinbe Gehör unb glaubst seinen Einflüsterungen, unb boch müßtest Du wiffen, wie schwerwiegenb bie Folgen für Dich sein können! Wäre es nicht bester, Du vertrautest mir unb ließest bie Vergangenheit enblich ruhen?" „Es liegt in Deiner Macht, mir bie Gewißheit zu geben, bie ich suche; weshalb thust Du es nicht?" „Weil Dein Verbacht mich beleibigt, unb weil ich weiß, baß meine Mittheilungen biesen Verbacht nicht entkräften würben. Du verlangst Gewißheit unb Aufschluß — worüber? Ueber ein Geheimniß, bas nur in Deinem Kopfe spukt unb in Wirklichkeit niemals bestanben hat!" Er wanderte auf unb nieder; sein Blick streifte lauernd bie schöne Frau, in beten Zügen feste Entschlossenheit sich spiegelte. „Geschäftliche Angelegenheiten haben mich ge« nöthigt, wieber hierher zu kommen, unb ich werbe wohl einige Tage hier bleiben müssen", nahm er nach einer Weile wieder das Wort; „ich will diese Zeit benutzen, das Mobiliar verpacken und überführen zu lassen und den Mielhkontrakt mit dem Eigen« thümer dieses Hauses zu lösen." „Ich habe Nichts dagegen einzuwenden", erwiderte Vera ruhig. „Wenn die Möbel versandt sind, so könntest Du wohl ihnen folgen, um unsere neue Wohnung in der Residenz einzurichten, Du verstehst das besser als ich." »Damit bitte ich, mich zu verschonen; ich habe Dir schon gesagt, daß ich Dir nicht in bie Restbenz folgen werbe." „Unb wo gedenkst Du zu bleiben?" fragte er sarkastisch. „Vorläufig hier I" „Ich habe mein Gut verkauft." „Unb wäre das auch nicht ber Fall, ich würde auch dort nicht wohnen." Dem Landrath schoß das Blut jäh in Stirn und Wangen. „Du willst die Trennung?" fragte er. „Ich kann nicht anders", antwortete sie, feinem zornflammenden Blick mit fester Entschlossenheit begegnend; „es ist mir unmöglich, mit diesem furchtbaren Verdacht gegen Dich bei Dir zu bleiben. Du willst und kannst wohl auch nicht diesen Verdacht entkräften, und so ist es für beide Theile besser, daß wir uns trennen." „Du verlangst gerichtliche Scheidung?" „Nein." „Unb was wolltest Du beginnen —" „Das überlasse mir. Es ist unnöthig, baß Du mich auf meine Armuth aufmerksam machst; ich ver- lange auch keine Unterstützung von Dir, meine Kenntnisse —" „Unsinn, Vera!" unterbrach er sie höhnisch. „Du wolltest arbeiten, um Dir eine Existenz zu grünben ?" „Was man ernstlich will, bas kann man auch vollbringen I" „Wie bald würdest Du in dem schweren Kampfe um das Dasein erlahmen!" „Das ist meine Sache allein; ich fürchte diesen Kampf nicht-" In diesem Augenblick meldete ein Diener den Besuch des Gutsbesitzers Riesenthal; ber Lanbrath nickte zustimmend unb befahl bem Lakai durch einen Wink, sich wieder zu entfernen. „Ueberlege Dir Das wohl", wandte er sich noch einmal zu feiner Frau; „ich hoffe zuversichtlich, Du M MvMes' aegypttfches Hodlenöuch. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Er. Chr. Pietsch) in Gießen. Redaetion: A. Scheyda. — wirst nicht so thöricht sein, an diesem kindischen Entschluß festzuhalten." , , Damit ging er hinaus. Emrge Minuten spater stand er dem Freunde gegenüber, der es sich bereits in einem Sessel bequem gemacht hatte. (Fortsetzung folgt.) uchen, auf Grund dieses handschriftlichen Materials, eine Ausgabe ,des Todtenbuches herzustellen, hat es auch schon in früherer Zeit nicht gefehlt. , Aber die Ergebnisse entsprachen nicht den berechtigten Anforderungen, indem sie sowohl an Vollständigkeit, wie an Zuverlässigkeit vieles zu wünschen ließen. So kam der verewigte Lepstus auf den Gedanken, eine umfassende kritische Ausgabe des Todtenbuches zu veranstalten. Er trug seinen Plan auf dem Londoner Orientalistencongreß im Jahre,1874 vor und fand dort allseitige Zustimmung. Ern Schuler von Lepsius, der Genfer Aegyptologe Eduard Naville wurde unter der Leitung eines ComitsS, dem namentlich auch Lepsius angehörte, mit der großen Aufgabe beauftragt. 10 Jahre lang hatte Naville an der neuen Ausgabe des Todtenbuches gearbeitet, die Museen bereist, zahlreiche Papyri verglichen und ab- aeschrieben, und aus den Berichten, welche er den Internationalen Orientalistencongressen, erstattete, war der erfreuliche Fortgang der Arbeit ersichtlich. Ende 1884 legte Naville das Manuscnpt in zwei stattlichen Folianten vor, von denen der erste den aus besten Urkunden zusammengestellten hieroglyphischen Text des Todtenbuches nebst den Abbildungen enthält und von der kunstsinnigen Gattin des Heraus- aebers in vorzüglicher Treue und Sorgfalt gezeichnet ift während der andere, von Naville selbst geschriebene Band eine sehr reichhaltige Sammlung der ver- schiedenen Lesarten bringt und dadurch,fur den Sprachforscher von überwiegendem Interesse ist. Da der verdiente Begründer des Werkes, Lepstu«. dl- Bollendung desselben nicht mehr erleben sollte, Jo ließ es sich der Professor Dr. Dillmann, der Präsident des Berliner Orientalisten.Congresses vom Jahre 1882, angelegen sein, dasselbe zu dem von Lepstus beab- sichtiaten und von allen Freunden der Alterthumr Wissenschaft so sehnsüchtig erwünschten Ziele zu führen. Gewidmet ist da» Werk fernem geistigen Urheber Richard Lepsius. Die Bibliothek des Reichs-Postamts hat kürzlich eine überaus werthvolle Bereicherung durch Zuweisung einer Exemplars des von dem schweizer Gelehrten Eduard,Naville herausgegebenen aegyptlschen Todtenbuches erfahren. Das Todtenbuch war das vornehmste und heiligste Relrgwnsbuch der, alten AegYPter. Seinen ersten Anfängen nach bis in dre Mt der XII. Dynastie (um 2000 v. Chr.) und noch weiter zurückragend, wurde es erst im Laufe vieler Jahrhunderte nach und nach fortgesetzt und »u seinem Abschluß gebracht, so daß die Entstehungsgeschichte sich über mehr al» 2000 Jahre ausbreltet. Er ist in Hieroglyphen geschrieben und m Kapitel cingetheilt, deren jedes mit einer dem ^nhalt entsprechenden, allgemein verständlichen Zeichnung versehen ist. .Dasselbe beschäftigt sich, wie wir dem Archiv süc Post und Telegraphie'' entnehmen, seinem Kerne nach mit dem Verhältniß des Menschen ru Gott, mit der moralischen Rechtfertigung vor dem Richterstuhle Gottes und mit der Rückkehr zu ihm nach einem gerechten und gottgefälligen Leben. Auf \3t Weise lehrt es die religiösen Anscyauungen der alten Aegypter sowohl in ihren ersten und einfachsten Gründen, als in ihren phantastischen Fortbildungen und Ausläufern kennen, und es zeigt überraschender Art, daß die Vorstellungen, welche die Griechen sich von dem Leben der Seelen nach dem Tode machten, von der Ueberfahrt über das Wasser nach den Inseln der Seligen, von dem Todtenfuhrer, vom Cerberus, von dem Richter der Todten u. s. w. fast fämmtlich auf aegyptische Vorbilder und insbesondere auf die beschreibenden und bildlichen Darstellungen des Todtenbuches zuruckzusühren sind. Kein anderes Buch schätzten die alten A'gyptero sehr, wie diese», und die Vornehmen des Landes hielten darauf, daß ihnen die wichtigeren Thesis desselben in den Sarg oder auf die Murme gelegt wurden, um ihnen mit ihrem Inhalt als Führer m der Unterwelt zu dienen. Wie der Leitstern em Leben, so war dieser heilige Codex auch der Wegweiser im Jenseits. Erhalten ist uns das Tobten- buch in vielen Hunderten von Papyrusrollen, dre tit den verschiedensten europäischen Museen zerstreut lieaen und von denen die umfangreichste — ste hat eine Länge von fast 18 Meter sich im Besitz des Turiner Museums befindet und eine andere, wegen ihres hohen Alters besonders werthvolle zu den Schätzen der hiestgen Museen gehört. An Ver- Literarisches. °rndnItrit'B!ätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, H°ushaltund Ge- simdheitspfleqe. Herausgegeben v,n Dr. E. ■Mwnu. Gaertner's Verlag Berlin SW, Schöneb-rg-rsUaße Preis vierteljährlich 3M — Inhalt von, Getrocknetes Gemüse. (Schluß.) -.Die Fabnkaton deS Leder-, Knochen- und Fischleims. — Der relative BüduNgs- roertfi des altsprachlichen und des naturwisfenschaftlich-math - matischen Unterrichts an den höheren Lehranstallem 0°- beimmittel. - Chronik der Verfälschungen von Lebensm tteln rc — Difserential-Hebel-Pressen, Patent Duchscher. 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