Hichener Jamilienblätter. BeLetristisches IdWeti MW Gießener Anzeiger, ___ wl ul n i iii ii in in i n--r"'.ifiiT».T nn—iirnnr l~ii II — —'» j-Krj-^rarfmc? jjsmewR* ai^fraaxnt'irvr^ tan&w'S’*- sir Kß Donnerstag den 13. Mai. 1886. J-.1..,L|I-,______ _______ pie Kakschmünzer. Criminal-Roman von Gustav Lössel. (Fortsetzung). „Erzählen Sie dem ungläubigen Thomas doch gleich die ganze Geschichte, Neubert!" rief er dem sich Entfernenden nach. „Soll geschehen", erwiderte der Letztere und schloß die Thür. Nur wenige Schritte von dieser, und Soltmann stand vor einem grünen Tisch, auf welchem wirklich der g'änze Falschmünzerapparat ausgebreijtet lag. Als Belege dafür, daß dies wirklich der Apparat sei, mittelst dessen die falschen Hundertmarkscheine hergestellt worden waren, lagen diejenigen dabei, welche man dem auf dem Dache gefundenen Portefeuille entnommen hatte. „Das war die erste Emission", sagte Neubert .erklärend. „Hier ist die zweite!" Damit wies er auf den neuen Apparat und die mit Hülfe desselben hergestellten Fünfundzwanzig- rubcl-Noten — Niston's letztes Fabrikat. Soltmann konnte nur staunend den Kopf schütteln. „Nun sagen Sie mir nur, Kollege", rief er endlich, „wo haben Sie das her?" „Aus den Eingeweiden der Erde", entgegnete Neubert, „aus den Katakomben." „Katakomben? Wollen Sie mir einreden, daß unsere Stadt —" „Katakomben hat", schloß Neubert, „jawohl. Und das will ich Ihnen nicht nur einreden, sondern Ihnen beweisen, sobald Zeit unb, Lust Sie bestimmen, mit mir einen Gang in die Unterwelt zu machen." „Das wird natürlich mein Erstes sein", sagte Soltmann. „nachdem Sze mir erzählt haben, wie Sie sich so verstiegen haben." „Die Geschichte ist so lang nicht", entgegnete Neubert, „aber seltsam genug. Wie ich zu der Ueberzeugung kam, daß Herrn Eduard's Kostüm nicht dasjenige gewesen, welches in dem Fluß gesunden wurde —" „Weiß ich bereits", fiel Soltmann ein. „Denn das hat mir der Kommissar erzählt." „Um so bester. Ich hatte also mit dieser Suche am frühen Morgen begonnen', am Mittag hatte ich das Hotel entdeckt, und ehe ich mit der Beweisaus- nahme fertig war, war es Abend geworden. Ich hatte vor, diese Entdeckung einstweilen für mich zu behalten; denn vorläufig war es ja nur eine ab- lenkende Spur, die ich gesunden. Um so mehr war ich nun erpicht darauf, den wahren Mörder zn entdecken. Ich rufe mir nun, indem ich gedankenvoll nach Hause gehe, alle Eindrücke aus jener Zeit ins Gedächtniß zurück, und natürlich tritt da auch die Gestalt des rothen Matthies vor mein geistige« Auge. Wie entsetzt pralle ich aber zurück, als plötzlich beim flackernden Schein der Gaslichter eine Gestalt an mir vorüber streift, welche des rothen Matthies Geist hätte sein müssen, wenn er selber es nicht gewesen. Ich bin sehr realistischer Natur. Der Geist wollte mir nicht imponiren, und so dachte ich: „entweder ist es Matthies selbst oder ein Doppelgänger." Ich folgte hinten nach, ohne mich zu auffällig heranzudrängen, und natürlich auch ohne mich versichern zu können, ob der rothe Matthies es war oder nicht. War es nun, daß der Andere solche Eile hatte, oder that es das unbestimmte Gefühl, als ob Jemand hinter ihm sei, ihn verfolge, genug, ohne sich umzusehen oder sonst ein äußeres Erkennungszeichen eilte der lange Mensch immer rascher fort, und ich folgte natürlich mit der entsprechenden Verlängerung meiner kurzen Beine. Es entwickelte sich eine förmliche Jagd daraus, und zuletzt sing mein Langbein an zu laufen. „Jb dachte ich, „daß Du die Motten kriegst! Der Teufel sitzt Dir im Nacken, und noch heute Nacht will er Deine Seele haben." Natürlich war sein Athem so lang, wie seine Beine und meine so kurz wie die seit Merkurs Zeiten gestutzten Flügel. Er lief; ich keuchte hinter- bran. Die uns kommen sahen, wichen uns ans; er konnte für ein vorsintfluthliches Windspiel gelten und ich für eine Straßenlokomotive. Endlich, als mir fast die Kraft versagte, verschwand mein Verfolgter in einem Hanse, von dem ich im Augenblick nur einen unbestimmten Begriff hatte, denn wir waren unmerklich in eine dunkle Straße gerottien. Ich wandte nun eine List an, um meinen Vogel hervorzulockcn. Ich lief nämlich an dem Hause vorbei bis um die nächste Straßenecke, dabei aber rückwärts horchend und von Zeit zu Zeit auch zurück blickend. Kaum war ich um die Ecke, so machte ich „Kehrt" und schlich mich nun im Schatten der 222 Mauern bis wieder an das Haus heran, in welchem i Derjenige, den ich für dm rothen Matthies hielt, verschwunden war. Ich drückte mich in eine Thürvertiefung und wartete, daß er jeden Augenblick wieder hervortreten werde. Dann aber brachte ich ihn Zum Stehen, denn ich hatte meinen Revolver bei mir, und war entschlossen, einen Kampf um die Habhaftwerdung dieses Menschen zu wagen, selbst gegen eine Ueber- macht. Wer aber nicht kam, war mein Verfolgter. Ich stand da die ganze Nacht bis zum Morgen. Immer wollte ich weggehen, und immer blieb ich wieder, in dem Gedanken: „Nun wird er gleich kommen." Ich wurde darin noch bestärkt durch den Wächter, welcher mir aufs Bestimmteste erklärte, daß ein Individuum von meiner Beschreibung in dem Hause nicht wohne. Mit Tagesgrauen ließ ich mir das Haus erschließen und verbarg mich unter der Treppe. Umsonst. Der rothe Matthies kam nicht wieder zum Vorschein. Ich besichtigte nun die Baulichkeiten und fand, daß es einen anderen Ausweg nach der Straße nicht gab. Plötzlich fiel mir ein, daß es ein regnerisches, schmutziges Wetter am Abend vorher gewesen und daß auf den Dielen die Fußspuren des Mannes zu sehen sein müßten, da nach ihm Niemand mehr das Haus betreten hatte. Es war sehr alt und baufällig und scheinbar wenig bewohnt. Im Flur finde ich die Spuren auch, aber sie führen nicht die Treppe hinan, sondern nach dem Hof und zu einem zertrümmerten Kellerfenster, durch welches man allerhand Unrath, Steine, Scherben und dergleichen in den längst nicht mehr bewohnten Keller hinabgeworsen. h;- Es gehörte Muth dazu, um hier hinabzukriechen und meinen Mann da unten zu stellen; aber ich besaß diesen Muth, den Muth der Verzweiflung. Unten angekommen, spähte ich vergebens nach dem Gesuchten umher; aber wieder führten mich die Fußspuren zu einer Fallthür. Ich hob dieselbe und sah beim Schein meiner stets bei mir getragenen und rasch entzündeten Blendlaterne den Eingang zu einem noch tieferen Kellergelaß. Stufen führten hinab und ich folgte diesen. So kam ich in die Katakomben! Von den Schrecknissen der unterirdischen Todten- stadt schweige ich. Fast wäre ich selbst daraus entflohen. Nur der Gedanke, daß hier der rothe Matthies Hause und mit ihm vielleicht eine ganze Bande von Anarchisten, hielt mich dort. Ich legte mich dicht am Eingänge zu den Katakomben in einen Hinterhalt und verbarg meine Laterne, mit aller möglichen Geduld die Rückkehr des Verfolgten erwartend. < Der Tag verging, die Nacht kam; es wurde noch schauriger und ober in der finsteren Stadt der Todten. Aber ich hielt aus, nach jedem leisesten Geräusch lauschend, welches daraus hervordrang. Meine Beharrlichkeit wurde belohnt. Gegen Mitternacht vernahm ich sich nähernde Tritte. Kein Zweifel — das war mein Mann. Und er war es auch." „Der rothe Matthies?" rief Soltmann, der diesen Ausführungen mit Spannung gelauscht hatte. „Er selbst", entgegnete stolz der kleine Neubert. „Es fand ein Rencontre statt. Ich legte wenige Schritte von ihm auf ihn au und enthüllte dann meine Laterne. Das war genug, um ihn zum Stehen und Gehorsam zu bringen. In dieser Situation, und ihn jeden Augenblick mit Erschießen bedrohend, hielt ich ihn über eine Viertelstunde. Natürlich waren wir dabei nicht stumm. Er hatte mich ungestüm gefragt, was ich von ihm wollte, und ich fragte ihn ausweichend, wo er an jenem Ballabend gewesen. So erfuhr ich denn, daß er heimlich von einem Frauenzimmer besucht worden war, welches sich ebenfalls zu seinen politischen Grundsätzen bekannte und welches sich zur Auswanderung nach Amerika mit ihm entschlossen hatte. Sie hatten aus verschiedenen Wegen nach Hamburg reifen sollen, sie schon früher als er. Sie that das noch in jener Nacht; er wollte am anderen Morgen Nachfolgen, aber angeblich fürchtete er sich, dies zu thun, des entdeckten Mordes wegen. Wenn er jetzt abreiste, dachte er, fiel gewiß der Verdacht der Thäterschaft auf ihn. Ich sagte ihm nun, daß alles Leugnen nutzlos fei und er nur gestehen solle, daß er im Verein mit jenem Frauenzimmer den Mord begangen. Ich führte ihm alle gegen ihn zeugenden Thatsachen vor Augen, aber natürlich leugnete er und je hartnäckiger, je bestimmter ich ihn anklagte. Jenes Weib sollte nun ganz und gar unschuldig fein. Um eine lange Geschichte kurz zu machen, ich bekam Nichts aus ihm heraus. Nun galt es, ihn dingfest zu machen. Aber wie? Ich durste meine Waffe nicht aus der Hand legen, ohne mich selbst der Vernichtung preiszugeben; hinwiederum war die Passage, in der ich stand, so eng, daß er nicht an mir vorbeikonnte, ohne mich zu streifen. Ich hieß ihn also etwas zn- rückgehen, bis ich einen Seitenweg gewinnen konnte, um ihn an mir vorbeizulassen. Er nahm seinen Vortheil wahr, ging langsam zurück, machte plötzlich einen Seitensprung und war meinen Blicken entschwunden. Mein lange nach- halleuder Schuß zerschmetterte einen der gebleichten Hirnschädel; der aber, dem er gegolten, entkam unversehrt. Ich begab mich nun sogleich auf die Verfolgung und fand endlich nach vielem Suchen diese mit Gebeinen bedeckten Geräthe. Fast hätte ich mich in der Todtenstadt verirrt. Ich zeichnete mir deshalb den Weg hinaus mit Schädeln, welche ich aus den offenen Seitennischen nahm. Und so einmal den Ausgang erreicht, wurde es mir nicht schwer, nach und nach den ganzen Falschmünzapparat nach dem Keller hinauf in Sicherheit zu bringen. 2W Inzwischen war es wieder Morgen geworden, dieser Morgen. Ich ließ mir von einem Gassen- buben einen Miethswagen zur Thür holen, belud denselben mit meinem kostbaren Fund und fuhr nach hier." „Das allerdings", sagte Soltmann staunend, „ist eine seltsame Geschichte; und ewig schade, daß der Kerl, den Sie schon vor Ihrem Revolver hatten, Ihnen da noch entkommen mußte. Wenn das so ist, dann gewinnt es allerdings den Anschein, als wenn wir hier einem neuen Anarchistenbund auf der Spur wären, welcher mit den verwerflichsten Mitteln arbeitet, um seine abscheulichen Zwecke zu erreichen." „Ja, und der rothe Matthies, welcher also im Kanal nicht ertrunken, ist die Seele dieses Bundes", bestätigte Neubert. „Ich kann es nicht ableugnen", entgegnete Soltmann, „obwohl ich auch nicht glauben kann, daß der junge Etwold Mitglied eines solchen Bundes sein sollte." „Warum nicht? Der Leichtsinn, welcher ihn beseelt, ist von der Art, die zum Verbrechen führt. Aber wir wollen ihn noch nicht schuldig machen oder verurtheilen, ohne ihn gehört zu haben. Er ist verschwunden und allem Anscheine nach von dem heimlichen Revolutionskomitö gewarnt, desien Sitz wir nun glücklich entdeckt haben. Schweifen wir also deshalb gar nicht weiter ab und richten wir unser Augenmerk nur noch auf den rothen Matthies, der uns sowohl den Mord in der Schwedengasse, die Falschmünzerei und Herrn Eduard's Antheil an den anarchistischen Umtrieben wird erklären können. Den müssen wir haben, dann werden wir bald Alles wissen." Soltmann war natürlich derselben Meinung. „Ist der Zugang zu den Katakomben bewacht?" fragte er. „Der mir bekannte, ja", erwiderte Neubert. „Sie vermuthen noch mehrere?" „Eine ganze Menge." „Die der rothe Matthies vielleicht kennt?" „Wenigstens einige. Denn ich halte dieses unterirdische Todtenseld nach einem flüchtigen Blick hinein für so umfangreich, daß es einen ganzen Stadttheil unterwölbt." „Wir werden es dennoch exploriren müssen." „Nach allen Richtungen. Und ich hoffe auf eine recht reiche Ausbeute." Wenige Tage nach diesem Gespräch fand die polizeiliche Besichtigung der neu entdeckten unterirdischen Todtenstadt bei Fackellicht statt, und zwar unter des Polizeiprästdenten persönlicher Leitung. Man konnte nun zwar nicht seststellen, ob man das ganze Labyrinth von Kammern und Gängen durchforscht habe, aber der durchwanderte Theil lieferte schon eine überaus reiche Ausbeute. Zunächst entdeckte man, wenn auch weit weg von der Falschmünzerei, eine Druckerei der Anarchisten und ganze Ballen verbotener Schriften, welche aus derselben hervorgegangen. Sodann fand man noch mehrere Zugänge zu den Katakomben, in verschiedene Häuserviertel mündend. Alle waren gleich sehr versteckt. Man vermuthete noch eine größere Pforte, den öffentlichen Zugang zu dem unterirdischen Friedhof; aber diese entdeckte man jetzt noch nicht. Zufrieden mit dem Doppelfund der Druckerei und Falschmünzerei wurden auf Veranlassung des Präsidenten die Nachforschungen jetzt eingestellt. Die entdeckten Zugänge wurden aber mit Polizeiposten besetzt, um etwa hinab wollende Anarchisten abzufangen. Diese waren aber offenbar schon gewarnt, denn keine Seele ließ sich blicken, und der rothe Matthies hatte es auch verstanden, sich noch einmal völlig unsichtbar zu machen. (Fortsetzung folgt.) James Hßompfon's Wrmüfal-rt. (Humoreske aus dem amerikanischen Westen.) (Schluß.) „Hört, Jungens", sagte da Ben Reader, „das ist 'ne verdammt unheimliche Geschichte, da liegen nun fünf Büffel und doch ist noch nicht ein Körnchen Pulver von uns verschossen worden; rechne, daß da 'was nicht in Nichtigkeit ist." „Vielleicht steckt so'n miserables Prairiegespenst in der Heerde und treibt seinen Spuk, da können wir uns gratuliren, denn verlaßt Euch d'rauf, dann ist's mit unj'rer Jagd aus", meinte ganz ernsthaft ein Anderer aus der Gesellschaft. „Tod und Teufel", rief James aus, „seht Ihr dort das Büffelkalb, das zwischen den alten Büffeln herumfpringt? Ich sage Euch, mit dem ist's nicht richtig I" Thompson'S Arm wies auf ein Büffelkalb hin, welches etwa so groß wie ein Jährling, von einem Bullen zum andern sprang, worauf dann die betreffenden Thiere wild umhertobten und schließlich ebenfalls in das Gras niederstürzten. Mit einem Male kam das räthselhafte Büffelkalb auf die Jäger zu und augenblicklich ertönte das Commando Thornton's: „Nieder auf den Boden, Jungens, und muckst nicht, bis der Racker mitten unter uns ist, dann aber losgepfeffert!" Die Jäger kauerten nieder und warteten athem- los, bis das vermeintliche Gespenst herangekommen war; James war der dem letzteren am nächsten Befindlichen und obgleich der junge Mann mit großem persönlichen Muthe begab war, so zitterte er doch insgeheim, denn mit einem Prairiespuk — und davon hatte er von alten Waldläufern schon manches unheimliche Geschichtchen gehört — mochte er nichts zn thun haben. Aber zum Auskratzen war's zu spät; das Anthier, mit seinem zottigen 224 Kopfe merkwürdig hin- und herwackelnd, hatte sich James bis auf etwa zehn Schritte genähert, mit einem wilden Schrei, in dm die Andern einstimmten, sprang er in die Höhe und legte taumelnd die Büchse auf das Büffelkalb an. Da drang von dem Büffelkalb ein gellender Ruf her, es stürzte zu Boden, fast in demselben Augenblicke wurde James Büchse zur Seite geschleudert und gleich darauf erhielt er von einer kräftigen Hand ein paar Ohrfeigen, daß es ihm in seinen Gehörorganen ordentlich summte, während eine zornige Frauenstimme ausrief: „Ihr habt mir einen Todesschreck eingeprgt, Ihr langer Schlagtodt Ihr und dafür mußte ich Euch doch ein paar hinter die Ohren geben, Ihr habt's redlich verdient?' Var dem völlig verblüfften James stand ein junges Mädchen, welches vielleicht 19 bis 20 Jahre zählen mochte, am Boden aber lag eine Büffelhaut, an der sich noch der Kopf mit dm Hörnern befand und den Jägern, die sich allmälig um die Beiden sammelten, ward es nun klar, daß das Mädchen in der Büffelhaut gesteckt hatte. Auf die sehr erklärliche Frage, wie sie in die Büffelhaut komme, erwiderte die offenbar sehr couragirle Person, indem sie mit der Hand auf eine dunkle Masse in der Ferne deutete: „Seht, dort komme ich her, wo ich mit meiner Mutter und meinen beiden Brüdern auf 'nem klemm Stück Land lebe. Red ist erst zwölf Jahre alt und kann noch nicht auf die Jagd gehen und Bill, der ein paar Jahre älter ist und das immer besorgte, hat sich schon vor einiger Zeit mit dem Veil , bös in den Fuß gehauen. Na, da wir doch frisches Fleisch haben mußten, so ging ich für Bill auf die Jagd; wie man die Büchse führt, hatte mich schon mein verstorbener Vater gelehrt, außerdem unterrichtete er mich darin, wie es die Indianer machen, um sich Nachts an die Büffel zu schleichen; ich lernte, mich in ein hergerichietes Vüffelfell stecken und ben Gang dieser Thiere nachahmen; dann braucht man nur, wenn die Büffel kommen, sich unter sie zu mischen, sich einen feisten Burschen herauszusuchen und ihm ein langes, schweres Messer in das richtige Fleckchen zu stoßen. So habe ich's auch heute gemacht und ich glaube, neun oder zehn Stück muffen hier herum liegen. Ein bischen riskirt ist die Sache freilich, aber an so 'was muß man sich hier draußen auf der Prairie gewöhnen. Ich konnte Euch natürlich nicht sehen, da Ihr ja im Grase lagt, d'rum ging ich so unbekümmert hier auf diese Stelle zu, da ich nachsehen wollte, ob auch alle Büffel tobt seien. Ihr könnt Euch denken, daß ich keinen kleinen Schreck kriegte, als ich plötzlich die Büchse von dem langen Menschen da auf mich gerichtet sah, ich hab's ihm aber auch gleich einge- trünkt." „Na, das will ich meinen", gestand James ausrichtig und rieb sich die ein klein wenig geschwollene Wange, „man sollte nicht denken, daß ein Frauen- zimmer so mordsmäßig zuschlagen könnte — und wo Ihr nur die Courage her habt, Euch so mitten unter die Büffel zu wagen - Ihr seid wirklich em Teufelsmädel." Die Genossen James' stimmten in dieses ehrlich gemeinte Lob ein, die Gefeierte aber sagte: „Ach, bleibt mir mit Euerm dummen Schnack vom Leibe und helft mir lieber die Büffel zerlegen und nach- Hause schaffen, Mutter wird Euch nett tüchtigen Kaffee kochen, vielleicht stndet sich auch noch ein guter Whiskey vor." Alle griffen bereitwilligst zu, am meisten aber James, dem übrigens die unerwartete Ohrfeige ganz seine sonstige Schüchternheit gegen das weibliche Geschlecht genommen zu haben schien, denn er hielt sich, als die ganze Gesellschaft, die besten Stucke der Büffel und die Häute auf die Pferde gepackt, sich nach der kleinen Farm hin bewegte, auf welcher Miß Tompkins mit ihrer Mutter und ihren Brudern wohnte, immer an der Seite des Mädchens. Mit Wohlgefallen hingen seine Blicke an der scrstamen, biegsamen und doch krästigen Gestalt, die etwas über Mittklhöhe war und wenn der Pinge Mann Harriet — ihren Vornamen hatte James natürlich auch schon erfahren — in die schönen dunkeln Augen schaute, die aus dem ovalen, sein geschnittenen Gesichte so ernst und doch auch manchmal wieder Io neckisch hervorblickten, da gestand sich James, daß hier wohl das Ende seiner Brautschau gekommen sein könnte, wenn ... ja wenn ihn das Mädchen leiden könnte. — Nun, darüber holte sich James noch am andern Morgen, als sich eben die ^agoge- sellschaft rüstete, Mrs. Tompkins Farm, wo die Jäger eine sehr gastliche Aufnahme gefunden, wieder zu verlassen, von Harriet Gewißheit. Unter einer Gruppe von Platanen, die etwas seitlich von dem Hause stand, hatte James ein anscheinend sehr wichtiges und lebhaftes Gespräch mit dem pingen Mädchen — wo der Schlingel ans einmal nur all die Beredsamkeit her hatte! Was die Beiden da mit einander verhandelt haben, wissen wir nicht, das aber ist Factum, daß etwa nach drei Wochen James Thompson, diesmal in Begleitung seines „Alten", wieder bei Mrs. Tompkin vorritt und daß Thompson senior, nachdem er Harriet gesehen und gesprochen, erklärte, daß sein James einen „höllisch guten Geschmack" habe. Nun, das Ende vom Liede war, daß der alte Thompson für James im nächsten Frühjahr am Rio Brazo, also in dem gesegnetsten Striche von Texas, ein schönes Stück Land aussuchte und kaufte, auf welchem sich James mit seiner geliebten Vüffeljägerin niederließ, die nun freilich die Büffeljagd an den Nagel hing. Mit Behagen pflegt James, wenn ihn einmal ein guter Bekannter besucht, von seiner merkwürdigen Brantsahrt zu erzählen und wenn er hierbei meint, daß heutzutage ! den jungen Leuten solche besonderliche Geschichten I nicht mehr passirteu, so kann er wohl Recht haben. Mdgciwa; A- Scheyda, — Diack und B-rlitg der Brühl'sche» Druckerei (Fr, fc hr. Pietsch) in Eteßen.