Kleiner Jamilienbläüer. Belletristischer Beid!E MW Gieße-?er Anftiger. Nr. 69. " ' Samstag dm 12. Juni. 1886. Msktzrslttst. Wenn Berg' und Thälsr sich verjüngen Und Flora ihre Blüthen streut, Im Haine frohe Lieder klingen Und sich der holde Lenz erneut: Dann höher all' die Pulse schlagen, Jn's Menschenherz zieht Freude ein; Verklungen sind die bangen Klagen, — Wer könnte da nicht glücklich sein? O Waldeslust! Mein lebenlang Tönt dir mein Lied, mein froher Sang! Der Kukuk ruft in früher Stunde, Die Lerche singt ihr Morgenlied; Auf Berges Höh'n, im Thalesgrunde, Ja, ringsum Alles grünt und blüht: D'rum frisch im Strahl der Morgensonne Mt frohem Muth zum Wald hinaus! Der ja so reich an Lust und Wonne, — Beut treuer Lieb' den schönsten Strauß! Ja, Waldeslust sei alle Zeit Der Freundschaft und der Lieb' geweiht. Vom Dörfchen her die Glocken läuten, Wie lieblich tönt es durch den Wald, Und fernher — unter hohen Freuden — Das Jägerhorn so lustig schallt! Und auf der Bäume hohem Wipfel Wiegt sich der Vögel munt're Schaar, Jn's tiefe Thal von Berges Gipfel Die Sonne strahlt so hell' und klar! O Waldeslust! — O grüne Flur! — Wie groß, wie herrlich die Natur! O Waldesrauschen! — Süße Träume Zieh'» mir durch's Herz so seltsam hold, Wenn ich im Schatten hoher Bäume Blick' einsam in das Sonnengold! In beinern Schooße wohnet Frieden O trauter Wald, wohnt stilles Glück; Was lang' dahin, was lang' geschieden, Ruft die Erinn'rung mir zurück! O Wald mit deinen Träumen süß. Du mein Asyl, mein ParadieS! — Ja, Freude zieht in all' die Herzen, Wenn Flora ihrs Blüthen streut; Verwischt sind all' die herben Schmerzen, Wenn sich der holde Lenz erneut. Doch wenn im Herbst des Müdes Wehen So klagend durch die Bäume rauscht, Dem Vogelsang in lichten Höhen Kein Ohr am frühen Morgen lauscht; Und jedes Blümchen ruft ade, Dann thut's mir tief im Herzen weh'! * , * Doch weh'! wenn der Natur Gewalten.. Sich wälzen jäh' von Ort zu Ort, Der Fluren blühendes Entfalten, Ja, Alles reißen mit sich fort! Dann möcht' ich trauern, möcht' ich klagen Ob jener wild empörten Macht, Möcht' euch, ihr trauten Sterne, fragen, Wo ewig doch die Liebe wacht: Warum durch unsichtbare Hand So schweres Unheil uns gesandt? Th Loos. Saat und Ernte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Hauptmann von Görlitz?" wiederholte der Oberst, wie mit sich selbst redend. „Ein Freund des Landralhs?' „Wie kommen Sie darauf?" „Es war nur eine Vermuthuna-" Der zweite Akt begann. Der Oberst verschränkte die Arme auf der Brust und versank in Sinnen; der Oper selbst schien er keine Aufmerksamkeit zu widmen und er gestand dies ohne Rückhalt ein, als der Vorhang wieder gefallen war. „Ich bin geistig müde", sagte er, dem jungen Mann die Hand bietend. „Gestatten Sie mir, daß ich mich zurückziehe, und sagen Sie Ihrem Freunde meine besten Grüße. — Wir sehen uns wohl im Laufe der nächsten Tage wieder; einstweilen nochmals meinen besten Dank!" Der Buchhalter blickte ihm befremdet nach. 274 „Da geht er hm und singt nicht mehr", brummte er. „Weiß der Kukuk, diesen Mann umgiebt ein Geheimniß, das er uns nicht enthüllen will!" Er blickte hinüber ins Parquet. Der Referendar war nicht mehr dort; er mußte sich, wie er das in der Regel zu thun pflegte, hinter die Coulissen begeben haben. Der Landrath hielt jetzt auch sein Glas auf die Zuschauer im Parquet gerichtet. Maiwind sah ihn plötzlich zusammenfahren. — In demselben Moment schaute der Hauptmann von Görlitz von unten herauf. Ackermann mußte gerade jetzt ihm voll ins Gesicht blicken. Der Buchhalter konnte das Ende der Oper kaum erwarten; sobald der Vorhang zum letzten Mal gefallen war, eilte er hinaus. Draußen erwartete der Referendar ihn. Maiwind schob hastig seinen Arm in den des Freundes und zog ihn mit sich fort. „Es ist etwas faul im Staate Dänemark", sagte er. „Haben Sie das nicht auch schon herausge- funden? Dieser amerikanische Oberst, der wie Nikodemus bei der Nacht gekommen ist, dieser Hauptmann von Görlitz, und als Dritter im Bunde — der Landrath Ackermann — wahrhaftig, wer über gewiße Dinge nicht den Verstand verliert, der hat keinen zu verlieren." „Was ist der langen Rede kurzer Sinn?" fragte Rommel. „Geduld, Geduld! Ich habe an diesem einem Abend mehr erlebt, als Mancher in einem ganzen Menschenalter. Fiel es Ihnen nicht auf, daß dieser Oberst uns über den Landralh ausforschte?" „Er nannte uns ja seine Gründe!" „Ach was, Gründe sind so gemein wie Brombeeren, und den Vetter drüben werden die Verhält- nisse des Landraths nicht sonderlich kümmern. Das war ja ein Forschen und Fragen, und fast schien es, als habe er absichtlich auf uns gelauert, um uns am Narrenseil herumzuführen. Und was er von feinen kranken Augen sagte, war auch nur eine Mähr; einmal nahm er die blaue Brille ab, und ich sah in ein paar zornflammcnde Augen hinein, die so klar und gesund waren wie meine eigenen. Künftige Ereignisse werfen ihren Schatten voraus, und wir stehen am Vorabend eines großen Ereignisses." „Zur Sache!" sagte der Referendar ungeduldig. „Der Worte sind genug gewechselt!" „Jawohl, zur Sache!" nickte Maiwind. „Also im Theater holt der Amerikaner einen Operngucker aus der Tasche, nimmt die Brille ab und betrachtet die Landräthin wohl eine Viertelstunde lang so unverwandt, daß es Jedem auffallen mußte. Der Landrath machte endlich seine Frau darauf aufmerksam; sie nimmt das Glas und blickte hinüber, und im nächsten Augenblick sieht sie aus, als ob sie in Ohnmacht fallen wollte. Greif nur hinein ins volle Menschenleben, und wo Jhr's packt, da ist es interessant! Der Oberst hat das auch gesehen, aber er bleibt ruhig und setzt die Brille wieder au Nach dem ersten Akt erhebt sich die Landräthin — Johanna geht, und nimmer kehrt sie wieder!" „Das kann in der Th'at zu seltsamen Ver- muthungen Anlaß geben! Ging der Landrath auch?" „Nein, er blieb bis zum Schluß." „Und der Oberst?" „Entfernte sich nach dem zweiten Akt unter dem Vorwande, er sei ermüdet. Er fragte mich vorher, ob ich Ihren Nachbar kenne, und als ich ihm den Namen unseres Hausgenossen nannte, da schien es mir, als ob er ihn längst gekannt habe. Wer ist nun dieser Mann, der sich Oberst Johnson nennt, in Deutschland geboren sein will und hier allen Leuten nachforscht? Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich Alles wissen! Hat er vor langen Jahren ein Verbrechen begangen und deshalb seine Heimath verlassen müssen? O, wer weiß, was in der Zeiten Hintergründe schlummert!" „Unsinn!" erwiderte der Referendar achselzuckend. „Man darf nicht das Schlimmste vermuthen! Der Oberst interessirt sich für einige Personen, deren Verwandte er drüben kennen gelernt hat; wen kann das befremden! Auf mich hat er den Eindruck eines ernsten, ehrenwerthen Mannes gemacht." „Auch Brutus war ein ehrenwerther Mann! Das sind sie Alle, Alle, ehrenwerth! Ich bin noch nicht zu Ende. Nachdem der Oberst fortgegangen war, entdeckte auch der Landrath den Hauptmann von Görlitz im Parquet, und er fuhr bei seinem Anblick zusammen, als ob er auf eine Schlange getreten hätte." „Konnten Sie das so genau sehen?" „Natürlich, und was ich mit meinen eigenen Augen sehe, das lasse ich mir nicht abstreiten. Der Hauptmann ist also ein Feind Ackermann's —" „Gemach, gemach, schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort. Jenes Zusammenfahren kann auch einem andern Gefühl als dem des Hasses entsprungen sein." „Sagen Sie, was Sie wollen, wir stehen hier vor Geheimnissen!" „Denen ich noch ein neues hinzufügen kann." „Von wannen kommt Dir diese Wissenschaft?'« „Das Geschäft bringt's mal so mit sich", scherzte der Referendar. „Signora Barlotti war seltsam erregt, als ich nach dem zweiten Akt ihr meine pflichtschuldige Aufwartung machte; sie hörte mich gar nicht an. Ihre erste Frage war, ob ich meinen Nachbar im Parquet, den Herrn mit dem blonden Schnurrbart, kenne. Und wie ich den Namen von Görlitz nannte, leuchtete es in ihren Augen auf, als ob sie das große Loos gewonnen hätte; ich mußte ihr versprechen, den Hauptmann bei ihr einzuführen, und der Hauptmann machte nachher, als ob ich ihm bei diesem Triumph Glück wünschte, seltsamerweise ein sehr verdrießliches Gesicht." „Das ist in der That eine seltsame Geschichte", sagte Maiwmd kopfschüttelnd. „Ich wiederhole noch 275 einmal: wir stehen am Vorabend eines großen Er- eignisses!" „So wollen wir denn abwarten, was die nächsten Tage bringen werden!" „Etwas fürchten und hoffen und sorgen muß der Mensch für den kommenden Morgen", erwiderte der Buchhalter. „Hier sind wir vor unserm Tusculum angelangt; stimmen Sie dafür, daß wir den Damen unsere Entdeckungen mittheilen?" „Nein", sagte Rommel rasch, „weshalb sollen wir sie unnöthigerweise beunruhigen? Sie werden Fragen an uns richten, die wir nicht beantworten könnten; beruhen doch unsere eigenen Anschauungen in dieser Angelegenheit nur auf Vermuthungen." „Ja, ja, was man nicht weiß, das eben brauchte man, und was man weiß, kann man nicht brauchen. Wir werden also schweigen, Verehrtester!" Der Referendar hatte mit seinem Hausschlüssel die Thür geöffnet. Die beiden Herren traten in das Haus und fanden im Speisezimmer nur noch das Dienstmädchen; die Damen halten sich bereits in ihre Gemächer zurückgezogen. (Fortsetzung folgt.) Lieöeszauöereien. Wer in unserm nüchternen Zeitalter die Bücher der Vorfahren durchblättert, und daraus ersieht, wie schrecklich die Folgen des Aberglaubens nicht nur für einzelne Personen, sondern oftmals sogar für ganze Familien, ja ganze Gemeinden wurden, der freut sich, wenn er neben den entsetzlichen Berichten über Hexenwerke und Zauberei auch ab und zu auf etwas Humoristisches stößt. Wenn diese Erzählungen auch gewöhnlich von den meisten der alten Erzähler schon damals als lustige Schwänke oder Betrügereien gekennzeichnet werden, so giebt es doch auch wiederum Schriftsteller, welche von der Richligkeit ihrer seit- jamen Mähren fest überzeugt sind. Namentlich die entsetzlichen Hexenprozesse geben unzählige Beispiele für die letzte Behauptung. Wir wollen uns heute aber nicht mit diesen blutigen Kapiteln der früheren Geschichte befassen, sondern von den harmlosen Hexenkünsten, als da sind Liebeszauber und dergleichen, einige wundersame Dinge erzählen. Das Amüsanteste dabei ist jedenfalls die Wahrnehmung, daß selbst in unserem aufgeklärten Jahrhundert sich noch Anklänge an diese Liebeszaubereien erhalten haben, welche nicht nur auf dem Lande, sondern auch in den großen Städten geglaubt und ausgebeutet werden. Wir brauchen wohl nur an das Wahrsagen aus dem Kaffeesatz, aus der Hand und den Karten hinzudeuten. Selbst sympathische Mittel werden noch häufig genug von jungen Mädchen angewendet, und manche glauben fest an die Wirkung derselben. Manchmal sind diese Miltelchen um Gegenliebe zu erzwingen nicht gerade sehr appetitlich, denn eines der unfehlbarsten, das mir vor etwa zehn Jahren von unserem rheinischen Dienstmädchen vcrrathen wurde, besteht darin, daß das Mädchen ein Stückchen Zucker eine kleine Weile in der Achselhöhle unter dem Arm verbirgt, so daß der Zucker (Sie verzeihen die wenig delikate Schilderung) etwas von dem Schweiß des Mädchens annimmt. Wird dieser Zucker in das Getränk eines ahnungslosen jungen Mannes geworfen und er genießt ihn auf diese Weise, so verfällt er der Schönen mit Leib und Seele, und läßt nie mehr von ihr. Ich habe mir später den Genuß des Zuckers deswegen abgewöhnt. Im fiebzehntenJahrhundert bedienten sich dieFrauen und Mädchen anderer Mittel zu diesem Zwecke. Am häufigsten wurde die „Alantwurzel" dazu benutzt. Diese Wurzel mußte unter feierlichen Ceremonien zu einer bestimmten Jahres-, Tages- oder auch Nachtzeit begraben werden, wenn sie wirken sollte. Unter H?rsagung eines bestimmten Spruches wurde die Wurzel alsdann in einen heißen Ofen geworfen, „darin die Wurzel alsdann selzam herumbspringt, ohne Zweifel vom Teufel hin und her getrieben". Natürlich nennt die liebesieche Frau oder Jungfrau dabei auch den Namen des gewünschten Mannes, der dann sofort, auch wenn er Meilen entfernt ist, zu der Schönen hineilen muß, ob er will oder nicht. Eine ähnliche Wirkung erzielt man auch mit der „Satyrion" oder „Stendel-Wurz", welche zu diesem Zweck an einem bestimmten Tage mit geheimnißvollen Worten beschworen wird. Diese Wurzel wird jedoch nicht verbrannt, sondern von der Dame in der Tasche nachgetragen, wodurch dann die männliche Jugend so stark magnetisirt wird, daß einer solchen Frau alle nachlaufen. Sehr unangenehm wirkt aber diese Wurzel, wenn sie nicht alle erforderlichen Eigenschaften besitzt, denn alsdann laufen der Frau, anstatt der Männer — diePferdenach. „1665, erzählt Erasmus Francisci, geschah cs, daß zu Laibach gleich vor dem Vwedom-T'iore zwei Kutschenpferde einer Magd mit solcher Gewalt zuliefen, daß der Kutscher sie unmöglich zurückhaltcn konnte, und sie dieselbe zusammentraten; wurde daraus „stark gemtheilt", sie habe eine dergleichen beschworene Wurzel bei sich gehabt." Also ist Vorsicht dringend geboten, wenn vielleicht eine unserer Leserinnen aus Scherz dieses alte Mittel auf feine Wirkung probiren wollte. Es gab früher auch Leute, welche solche Mittel gegen Geld und gute Worte der Bestellerin oder dem Besteller (denn Männer scheinen sich auch damit geholfen zu haben) zubereiteten. Zu diesen Mitteln mußte der Verliebte dem Zauberer einige Haare, oder sonst etwas z. B. einen Nagelabschnitt, ein Partikelchen Haut vom Köiper der oder des Geliebten liefern. Fand dabei ein Betrug statt, so daß z. B. der Zauberer anstatt der Haare eines Menschen solche von einem Thiere erhielt, so hatte das Mittel dieselbe Wirkung wie die unrichtige Stendel- Wurz, denn anstatt des Menschen stellt sich das Thier ein. Hier ein „erschrecklich wahrhaft" Beispiel: Ein Mann, welcher heftig in eine junge Frau verliebt war, ohne ihre Gunst gewinnen zu können, bestach, als die junge Frau gerade eines Kindleins genesen war, deren Dienerin durch drei Dukaten, damit sie ihm ein paar Tropfen Milch ihrer Herrin verschaffe. Neckisch, wie 276 entfett, und über die gesetzte Zeit außen bleibet, auch man nicht erfahren kann, wie cs um sie stehe, ob sie lebendig oder tobt, so nimb ein Kraut, Heist in denen Kräuterbücheren Telephium, item Crassula, zu teutsch Wundkraut, Fettehenne, an etlichen Orten nennt mans Knäbleins Kraut, doch ist es kein orchis oder species satyrii das sonst in Kräuterbüchern Knaben Kraut genennet wird, hat dicke feste Blätter, an den Wurtzeln viel Knoten, und wächst bei zwei Spannen hoch, von diesem Kraut brich einen Stengel ab, und stecke ihn unter des Hauses Dach, ea anima intentione, an einen Oct hin; ist es fache, daß die Person am Leben, so sährt das Kraut also abgc- krochen an, noch fort zu wachsen, bei einer Hand lang, bleibet eine Zeit lang grüne und gewinnet neroe Blätterlein, von oben hinaus, wie wohl die untersten immer sachtsam verwelken. Wo ober die Person nicht am Leben: so geschiehet dieses nicht, sondern das Kraut sährt bald an zu verwelken und an, worüber sie allsogleich Pferdegestalt annahm; er nicht faul, fchwingt sich hinauf, und reitet so nach Hause, allwo er das neue Pferd i« den Stall ein- stellt und feinem Herrn am Morgen die Aquisition mitlheilt. Dieser wundert sich über den prächtigen Bau des Pferdes und befiehlt dem Knecht, dem Thiere den Zaum abzunehmen. Kaum ist dies geschehen, so steht statt des Pferdes seine Frau vor ihm; beide haben dem Knechte streng verboten, auch reichlich zu diesem Ende mit Geld beschenkt, damit er nichts von der ganzen Geschichte erzähle. Sie ist aber dennoch von dem Knechte dem Baron Valvasor erzählt und von diesem dem Herausgeber der lustigen Schaubühne mitgetheilt worden. Wahrscheinlich hat Herr Valvasor oder Erasmus Franciscr nur ein altes arabisches Märchen etwas anders er- zu verdorren." Solche Historien ließen sich ganze Bande voll sammeln,' besonders wenn man noch einiges H-xen- werk, welches nicht direkt mit der Liebe in Verbindung steht, hinzufügen wollte. Eine sehr hübsche Hexenfahrt, welche gegen Ende des 17. Jahrhunderts „wirklich" passirl sein soll, wollen wir noch erzählen, da sie wohl nur wenigen Lesern bekannt sein dürste: Eine Fran von adeliger Abstammung hat bei ihrcnHexen- fahrlen nebst anderen „Gabelpostillioninnen"und „Bocks- reilerinnen" auch ihres Mannes Reitknecht, wenn er im Schlafe lag, aufgeräumt und ist dann auf ihm, gleich wie auf einem Pferde davon geritten, indem er durch den zauberischen Zaum wirklich Noßgestalt anzunehmen gezwungen war und sie aufsitzen lasten mußte. Es hat sich aber einmal während des Hexentanz's der Knecht abgezäumt, dadurch feine ursprüngliche Gestalt wieder gewonnen und, wie die Frau kommt um heim zu reiten, springt er ge- junge Mädchen sind, täuschte die Dienerin den Lieb- ] Haber und gab ihm anstatt von der verlangten, Milch von einer im Hause befindlichen Ziege. Da er nun ohne Zweifel die Milch zu einer Hexe gebracht hatte, so war die Folge davon, daß nun die Ziege dem armen Liebhaber überall folgte sogar bis in die Kirche, so „daß er des Thieres nit ledig werden konnte", bis er es kaufte und schlachtete. Einem zweiten ging es mit einer Sau gerade so. Noch wunderbarer erging es einer verliebten Frau im Jahre 1620 zu Prag. Dort lebte ein Obrist mit der Frau eines Anderen, „den er durch eine Kugel entfernt hatte", in wilder Ehe. Nachdem er von seiner Geliebten einen Sohn erhalten hatte, welchen er erziehen ließ und zu seinem Erben einzusetzen versprach, wurde er in seiner Liebe kühler, und verließ die Frau endlich. Sie aber wollte die Hoffnung nicht aufgeben, endlich noch Frau Obristin zu werden, und wandte sich deshalb an eine Zauberin, damit diese ihr die Liebe des Obristen wieder verschaffe. Diese versprach Hülfe, w nn die Frau ein Härlein des Obristen verschaffen könne. Die Frau wendet sich nun an den Bedienten ihres früheren Geliebten und versprach ihm 12 Thaler, wenn er ihm etliche von den Haaren seines Herrn, so täglich im Kamme blieben, verschaffte. Der Bediente, welcher wohl wußte, was sie mit den Haaren wollte, verweigerte mehrmals ihre Bitte zu erfüllen, wollte gleichwohl die 12 Thaler nicht gerne fahren lasten, er gab ihr deshalb etliche Haare von einer allen Bärenhaut, welche an Schwärze Arme und ans Herz sank. Liebende Gattinen, Bräute oder Mütter konnten früher leicht erfahren, ob der in der Ferne weilende theure Angehörige noch lebe, oder nicht, was bei der schlechten Posteinrichtung, und dem gänzlichen Mangel an Eisenbahnen, Telegraph- oder Telephonverbindung nicht zu unterschätzen war. Allerdings wirkte das Mittel nur bei reichen oder wohlhabenden Leuten, weil es dringend nöthig war, daß die Personen, nach deren Leben man sich erkundigen wollte, entweder Hausbesitzer ober doch ein Kind eines Hausbesitzers sei. Der alte Martin Schmuck, Lieentiar der Artzeney zu Leipzig, sagt darüber 16 2: „Wenn jemand aus einem Hause, es sei Vatter, Mutter, Tochter ober Sohn, denn die Person muß ein Erbe desselbigen Hauses sein, verzählt, als wie der Urtext lautet. Hermann Beck er. Redaction: 81. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. denen seines Herrn glichen. Voll Freude nimmt die Frau diese Haare als einen großen Schatz an, und trägt sie zu der Hexe, welche meint, da sie einen so starken Faden habe, werde es ihr gelingen den Obristen wieder ins Garn zu locken." Sie verfährt also mit den Haaren nach den Regeln der Kunst. Der Erfolg worein überraschender: In der Nacht, als der Bediente des Obristen mit dem kleinen Knaben auf der Bärenhaut ruht, öffnet sich das Fenster, ein schwarzes Gespenst , -....... x ? Q . reifst ihm den Bärenbalg unter dem Leibe weg und schwinde auf sie ju unb legte ^ ^n Zaabör-Zaum fährt damit aus dem Fenster. Die verliebte, Frau war aber nicht wenig erschrocken, als sich in der Nacht das Fenster öffnete, und wie sie meinte, der Obrist käme, ihr nur besten altes Bärenfell in die