Hichener Jamilienblätter. BelleMftifchrs UeiblaK Dm GieKene? AWeiM. , j • inii nirni nn "m*— 1 'Tir-~T n um iiirrrmruinvianiTr,~'iinnwrwniTi»iwrT rmni" m n■■ri.iintmrmmrrMHin n miihiirih11u i.« I —mh—rrti riri i n» um-am »»rkuw»»^। „i.ijj.» , M. 133 Donnerstag den 11. November. 1886. Bis zur kehten Ktippe. Original-Roman von E. Heinrichs. (Fortsetzung). „Nun, herzlieber Schatz!" meinte er, „dort oben in Schweden gehört allerdings eine märchenhafte Einbildung dazu, zumal im Winter. Wir werden vorerst meine Güter besuchen, ins dort in dem alten Ahnenschloß heimisch machen md dann mit Beginn des neuen Jahres nach Stockholm übersiedeln, um Deine Einführung bei Hofe zu bewerkstelligen; ich denke mir, wenn ich in der Einsankeit unserer Flitterwochen ein wenig Deinen Mentw gespielt, daß Du ! dort Furore machen wirst." Antonie blickte mit leuchtende, Augen zu ihm s auf und ihr eitles Herz war bermscht von dieser s Aussicht, deren Verwicklichung sie 'ich ohne irgend : welche Zweifel zutraute. Das Dampfschiff brachte sie glücklich nach * Schwedens Küste, wo ste am Arm ihres Gemahls | das Land betrat, welches von jetzt ai ihre Heimath t sein sollte. Sie hätte allerdings als ;ie( der Hoch- \ zeitsreise sich selbstverständlich lieber Pais gewünscht, ; doch mochte die glänzende Stockholms Perspective ! ihr diese Entsagung minder schwer mohen und so fuhr sie in einem Coups erster Claffe rwartungs- i voll dem Ahnenschloffe zu, das sie als ,eueS Mit- - glied des hochadeligen Grafengeschlechts jetztaufnehmen ! sollte. Ohne Unfall erreichten sie die Stadt Lnköping ’ am Wetternsee, wo die gräfliche Equipqe ihrer j harren sollte. Als dieselbe noch nicht einxtroffen, ! ließ der Graf sich mit seiner Gemahlin pd der l Zofe nach einem Hotel fahren, während derviener die Equipage erwarten und dieselbe alsdar, der \ Herrschaft zuschicken sollte. Das junge Paar dtnirte, ruhte ein wenfiund beschloß nun einen Spaziergang durch die Sta, zu machen. Es war ausnahmsweise ein klarer, schwer Tag, die Luft zwar kalt und der Wind zienich heftig, doch strahlte die Sonne heiter am unbewölin ■ Himmel. j Sie standen am Hafen und schauten über b, \ schönen See. Der Graf war ganz besonders ang s regt von der Heimathsluft, wie er bemerkte. „Mein Himmel!" rief Antonie erstaunt, „es ifi) ja, als ob man das weite Meer sähe, soweit das Auge reicht, nichts als Waffer, und das soll ein Landsee sein?" „Freilich", nickte der Graf, „Schweden ist reich ; an Waffer und Bergen. Wie wär's, Kind, wenn ' wir eine kleine Kahnfahrt machten, wir Beide ganz allein. Es wäre zu reizend!" „Aber sehr gefährlich, Adalbert!" versetzte Antonie ängstlich, „sieh, wie die Schiffs von den Wellen geschaukelt werden und nun gar eine Nußschale von Boot —" „Bah, Liebchen, ich bin ein kundiger Bootsmann und Du wirst doch sicherlich auch schon ein kleines Steuer auf der Alster regiert haben. „Das wohl, ich war stets die Erste bei unseren Alster- und Elbparthieen." „Siehst Du, kleine Heuchlerin? Wer zu uns gehören will, muß Muth bis zur Tollkühnheit besitzen. Komm, es gilt als erste Probe Deiner aristokratischen Talente." Die junge Gräfin hätte sich gern diese Probe erspart, da eine unerklärliche Furcht sie urplötzlich vor dem leicht erregten See ergriff. Doch trugen ihre Eitelkeit und die Scheu, in den Augen des Gemahls für feig und talentlos zu gelten, den Sieg davon. Graf Altorf wählte einen zierlichen Kahn, ließ die Segel richten und verbat sich die Begleitung und Führerschaft des Fischers. „Es geht eine scharfe Brise", bemerkte ein alter Seemann kopfschüttelnd, „der gnädige Herr könnte leicht zu Schaden kommen." „Ich kenne das Waffer, Alter!" lachte der Graf, „verstehe mit dem Boot umzugehen, und brauche keinen Führer, da es mir selber Spaß macht." Der alte Seemann legte die Hand über die Augen und blickte besorgt nach Nordost. „Sehen der Herr die weiße Wolke dort? Sie bedeutet nichts Gutes." „Bah, Ihr seid ein schlechter Wetterprophet, alte Eule!" rief der Graf ungeduldig, „der Himmel ist so klar als möglich." „Na, halten zu Gnaden!" mischte sich der Bootsverleiher etwas gereizt ein, „Vater Svend kennt die Vorboten wie einer, ich muß von dem Herrn ein Pfand haben, sonst leihe ich mein Boot nicht her." Der Graf zuckte verächtlich die Achseln, nahm einige Goldstücke aus seiner Börse und warf sie dem Schiffer zu, während Antonie, welche die Sprache nicht verstand, ängstlich dreinschaute. „Ist die Fahrt gefährlich, Adalbert!" fragte sie unruhig. „Bitte, laß uns ins Hotel zurückkehren, ich fürchte mich vor diesem Waffer." „Sei nicht närrisch, Kind!" versetzte er mit unterdrücktem Zorn, „willst Du mich vor diesen S3Ö Leuten bloßstellen? — Ems Aristokratin würde jetzt erst recht darauf bestehen." Antonie ließ sich schweigend von ihm in's Boot heben und preßte die Lippen zusammen, um ihre Aufregung zu bemeisterii. Das leichte Boot schoß im nächsten Augenblick, von der kräftigen Hand des Grafen, mit kundigem Blick geleitet, über die tanzenden Wellen dahin. „Na, er versteht das Handwerk, Vater Svend!" meinte der junge Schiffer. „Das wohl, Erik Larson", hustete der Alte, „wenn nur die Wolke im Nordost ihn nicht packt. Er ist ein Trotzkopf, und mich dauert die junge Frau, ja, ja, sie dauert mich, denn der Wettern ist tückisch, Erik Larson!" Noch eine Weile blickten sie dem Boote nach, das sich immer weiter vom Ufer entfernte und bald nur noch wie eine weiße Möoe im blitzenden Sonnenlicht dahinflog; dann schlenderten sie weiter einem Wirthshause zu, während die weiße Wolke im Nordost sich langsam aber stetig vergrößerte und der junge Schiffer seine Goldstücke betrachtete, den stillen Wunsch dabei hegend, daß der reiche Trotzkopf sein Boot dafür behalten möge. Es war kalt draußen auf dem Wasser, recht kalt, die Fahrt durchaus nicht angenehm, denn^der Wind pfiff immer heftiger und bauschte die Segel des kleinen Fahrzeuges drohend auf. Aber unbeugsam hielt die seine weiße Hand des Grasen das Steuer, daß sie pfeilgeschwind wie der 1 Bl tz über die höhergehende Fluth dahinschosten. „Laß uns umkehren, Adalbert! ich bitte Dich inständigst darum", flehte Antonie, „ich sterbe vor Angst und Kälte." „Bah, schönes Liebchen! — es macht mir Vergnügen", rief der Graf mit einem so höhnischen Gelächter, daß Antonie ihn erstarrt und entsetzt an- blickte. In Hamburg setztest Du Deinen Willen durch, hier bin ich Gebieter, bin Dein Herr über Leben und Tod! —" „Adalbert!" schrie sie angstvoll auf, „o, treibe nicht so fürchterlichen Scherz mit mir." „Ich scherze nicht", versetzte er kalt, „ein Mann wie ich läßt sich von Deinesgleichen nicht ungestraft, beleidigen." Antonie saß vor Entsetzen gelähmt; war der Graf plötzlich wahnsinnig geworden? Sie fchrie laut auf in grauenhafter Todesangst und streckte ihm flehend die gefalteten Hände entgegen. „Adalbert! Um Gotteswillsn, was habe ich denn verbrochen?" Ein fpöttisches Lachen war die Antwort. Die weiße Wolke halte sich ausgedehnt, sie brachte den Sturm, welcher plötzlich die tückische Tiefe aufwühlte Wieder ergriff der Graf das Steuer, um das Boot zu wenden und dem Ufer zuzulenken. Angstvoll folgte sie seinen Bewegungen und athmete ein wenig auf, als sie seine Absicht ahnte. Gewiß hatte er ihren Muth nur auf die Probe stellen wollen, was allerdings sehr grausam ihr erschien, doch immer- hin verzeihlich war. Er sollte sie jetzt nicht mehr verzagt finden. Doch das Ziel war noch lange nicht erreicht, und immer toller wüthete der Sturm und trieb sein Spiel mit dem leichten Schifflein, während die Wogen sich rasend über die Menschenkinder ergoffen. „Bete ein Vaterunser!" rief der Graf, „die Geschichte ist aus, Deine Grafenkrone versinkt in den Wetternsee. — Verdammt I" Das Steuer war gebrochen, das Boot jetzt ein willenloses Spiel der Vogen. „Nette mich, Adalbert!" schrie Antonie verzweift lt auf, verlasse mich nicht in dieser Noth." Er hörte nicht a»f sie, zog einen Strick hervor und band sich selber mit bewunderungswüroiger Kaltblütigkeit an enes der Sitzbretter des Bootes, ohne sich um sein mglückliches Weib zu kümmern. Sie waren jetzt den Ufer auf Hörweite näher geworfen, der Sturn aus Nordost mußte sie drm Lands zutrnben. Plötzlich legte sich das schwache Fahrzeug auf die Seite, ein urchtbarer Schrei durchdrang den Sturm, — Gra Altorf warf einen Blick nach der Stelle, wo fein-Veib gekniet, — der Platz war leer. Noch einmal .auchte ein todtenblaffes verzerrtes Antlitz vor ih» auf, dann hatte es die Tiefe hinab- gezogen. Vom Ufe stieß in diesem Augenblick ein Kahn, mit einigen räftigen Schiffern bemannt. — Als sie sich durch bf hochgehenden Wogen bis zu dem Bosts hingekämpftwar letzteres in Trümmer gegangen, von dem Grafe nichts meh zu sehen. 6. Capitel. Die leine Vera hatte sich gar bald in der goldenerTraube eingebürgert, da sie sich nach den Tagen tr Noth und Entbehrung wie im Paradiese vorkam Frau Möller war ihr aber auch in der That -ne gute Mutter geworden, sie verhätschelte die „feine Prinzessin", wie man das reizende, blond, gelock Kind mit den wunderbar blauen Augen im Hau nannte, auf eine etwas besorgliche Weise und entzog jedem Gast unerbittlich ihre Gunst, roe$er ihr Kind nicht beachtete. Seltsamer Weise kam solches auch fast gar nicht ö)', da Vera selbst drm eingefleischtesten Egoisten y3 Menschenverächter einen freundlichen Blick, ein ccheln abzugewinnen vermochte. „Man muß das „Göör" lieb haben", meinte jerr Möller, „mag man nun wollen oder nicht, ind ich gäb's, wahrhaftigen Gott, für kein Geld vieder von mir." und mit Gebraus in die Segel fuhr. „Jetzt giebt's einen hübschen Tanz, mein Liebchen!" rief der Graf, das Steuer fahren lastend, um die Segel mit kundiger Hand einzureffen. Wie im Wirbel drehte sich dis Nußschale, daß die Unglück- licke junge Frau vor Angst halb wahnsinnig, auf Wenn die „Punze,sin" mü ihren leichten Füßchen, die Knies stürzte, und sich an das Boot klammerte, für welche die neue Mama die allerzierlichsten Zug- 881 stiefelchen gekauft hatte, durch'L Haus tripp.lte und wie ein Sonnenstrahl bald hier, bald dort, dann in der Küche, dann wieder im Wohn- ober Gastzimmer austauchte, wo ihr goldig-schimmernder Lockenkopf überall gern gesehen wurde, da suhlte es ein Jeder, daß diese» Kind eigentlich in ein Königsschloß hineingehörte und Frau Möller war nicht wenig stolz darauf, es ihr Eigen jetzt zu nennen, da die Adopti- rung mit des Herrn Notars Hülfe ganz glatt von Statten gegangen war. (Fortsetzung folgt.) Wm und Gkisterbanner vor hundert Jahren. Von Dr. F. Müller. (Schluß.) * Im Winter gab ihnen die Angst der Landleute Wohnung und Nahrung, damit sie ihnen nur nicht das Vieh behexten; mit dem neuen Frühjahre fingen dann die Streifzüge wieder an, und im Sommer I wurden vorzüglich die Orte besucht, wo es Kirchweihen und Lustbarkeiten gab. Während des Erntemonats verdingten sie sich auch wohl als Gehülsen, wenigstens die Gewöhnlicheren von ihnen. Manche aber hatten ein höheres Streben und suchten fich in ihrer Weise zu Ansehen und Reichthum empor zu schwingen, was auch Einzelnen gelang, die berühmte Hauptleute wurden und das alte Bandewesen wieder aufnahmen. Ihre Namen und Thaten sind im Volke noch immer unvergessen, ja, zu gerne erzählten Mythen geworden, wenn sie auch bet Lebzeiten wegen ihrer Grausamkeit arg gefürchtet waren. Die österreichischen Erblande und der Breisgau waren des gemächlichen Wiener Schlendrians wegen das Eldorado dieser Banden. Harmloser trieben die Felinger ihr Geschäft und kamen doch endlich zum Ziele, indem sie den Aberglauben und die Dummheit der Leute ausbeuteten. Volkrunterricht gab es noch nicht und die wenigen Schulen fand-n sich nur in den größeren Städten, so daß der schlichte Landmann vollständig der Spielball durchtriebener Spitzbuben werden mußte. Noch heute ist der Glaube an Geister, Hexen, Gespenster und verborgene Schätze auf dem Lande und besonders beim Bergvolke nicht ausgerottet, und damals stand er, Dank bin Bemühungen der Geisterbanner, in hoher Blüthe. Manche noch vorhandenen Gerichtsacten geben uns Aufschluß über die Art und Weise, wie die Felinger ihr Handwerk trieben, und beweisen, daß die Sache gerade so wie heute noch zuweilen vor sich ging. Zwei Felinger verabreden sich; der eine schleicht ins Dorf in einen Stall und reibt einer Kuh die Zunge mit Seife oder steckt einem Pferde eine Nadel unter den Schwanz; dann macht er sich wieder aus dem Staube, und'"das Vieh wird krank. Zwei Tage nachher kommt ein Quacksalber, der alle Krankheiten an Mensch und Thier heilen kann. Der Bauer wendet sich an ihn; er besieht das Thier, macht ein sehr bedenkliches Gesicht, murmelt einige lateinische Worte und erklärt, das Vieh fei von einer Hexe nächtlicherweile geritten worden. Es thue das aber wenig, denn er besitze ein Mittel, das aus amerikanischen Kräutern bereitet sn, und vermöge desselben und eines kräftigen Spruches könne er Helsen. Der Bauer muß ihn allein lassen; er murmelt ein Gebet, zieht die Nadel heraus, wäscht die Zunge rein, und dann nimmt er das Geschirr mit ins Freie, um es durchzupeitschen und so die Hexe im Namen der heiligen Dreifaltigkeit gründlich zu strafen. Die Kuh muß noch Essig und Salz fressen, und dann ist Alles gut; der Mann des Heiles erhält seins zehn Gulden, und nun wird er seine sämmtlichm Pillen und Tränklein los, denn sein Nuf ist im Dorfe unerschütterlich. Viele Bauern, ja alle, ohne Ausnahme, selbst die Verwandten des Pfarrers, leben sitzt erst recht in Furcht vor den Hexen, denn was sollen sie machen, wenn der gelehrte Mann wieder von dannen gezogm ist? Jeder von ihnen bringt demselben einen französischen Kronenthaler, und dafür erhält man einige Sicherheit vor dem Hexengezücht; der Felinger spricht über den Stall seinen Segen, bohrt Löcher in die Wände und Thüren und streut „Malest;" ober Zauberpulver darein; daneben schlägt er einen Zahn van einer alten Egge, und nur, darf man der Zukunft etwas ruhiger entgegensehcn. Hat der Felinger eine Frau, so läßt er dieselbe stets im Innern seines verschließbaren Wagens verborgen; verlangt dann der Bauer die Hexe, die ihm so viel Leid angethan, zu sehen, so kann das um Mitternacht geschehen; doch wird er vor jeder Berührung gewarnt. Das Weib des Betrügers stellt die Hexe dar und postirt sich in den Hintergrund des Stalles; sowie das vorher verlöschte Licht in der Hand des Beschwörers aufleuchtet, , hebt sie zähnefletschend die Hände zu den langen wirren Haaren; der Bauer erschrickt, glaubt und bezahlt wieder. Auf alle mögliche Weise wußte der Felinger den Landleuten die Gulden zu entlocken; er bannte Geister, er hob Schätze und rief Goldmännchen herbei. _ Nach Verabredung mit einem Genossen richtete er sich zu einer Beschwörung ein, betete den ganzen Tag, flehte die Geister um Verzeihung, daß er um des Unglaubens der Welt willen ihre Ruhe störe, räucherte das Haus mit „geweihten" Kerzen, aus Vorsicht gegen etwa miikommende böse Dämonen, und dann konnte in der folgenden Nacht der Spuk losgehen. Der Beschwörer zog den Bauer, der ein „heiliges" Licht tragen mußte, in einen Kreis, und dann hieß er den Geist, zu erscheinen. Natürlich ist der mit ihm einverstandene College, längst vorbereitet, erschienen. „Wie weit reicht Deine Macht?" ist die erste Frage, auf die der Unterirdische mit einem Stöhnen oder Brüllen antwortet. Zweite Frage: „Wem bist Du denn lästig?" Antwort: „Pferden, Kühen, Rindern, auch Menschen, je nachdem es verlangt wird. Ich besaß einst auf der Erde ungerechte» Gut, das ich vergraben habe, und nun muß ich so lange spuken, bis die rechtmäßigen Erben ihr Eigenthum wieder erhalten oder Arme damit beschenkt sind." Hierauf verschwand der Geist wieder, und der 532 Beschwörer versprach nun dem Bauer, in der folgenden Nacht denselben zu fesseln und zum näheren Geständ- niß zu zwingen. Der Gehilfe bestrich inzwischen ein Kaninchen oder einen Hund mit Phosphor, und in der nächsten Nacht wurde dieses Thier an einem Strick im Stalle springen gelaffen, wobei es im Dunkeln leuchtete. Der Beschwörer hatte es bald erwischt und feflgehalten, und nun machte der Gehilfe als Bauchredner das Uebrige. Eine solche Geisterkomödie kostete stets ihre 50-60 Goldgulden. Sollte der angezeigte Schatz gehoben werden, so mußten sämmtliche Hausbewohner sich an einen Tisch setzen und vier Stunden lang ununterbrochen beten. In einem andern Zimmer weilte der Beschwörer mit dem Hausherrn; in einem mit Kohle gezeichneten Kreise stand Ersterer, in einem Kreise von Kreidestrichen der Letztere, eine Kerze in der Hand. Der Geist war schon vor der Thür versteckt und lauschte; langsam fing er an, sich zu regen und ein leises Geräusch zu machen. „Wollt Ihr immer noch den Boten des Jenseits sehen?" war die Frage an den zitternden Landmann. Oft verzichtete derselbe; hatte er aber Muth genug, so erschien das Gesicht des Gespenstes in der Thür, raffelnd mit Ketten und Knochen, mit brennendem Zunder in der Hand und Flachs im Munde und spie Feuer ins Zimmer. Jetzt entfiel dem biederen Hausherrn meistens der Muth, denn in der Angst meinte er fast stets die Züge eines längst verstorbenen Anverwandten zu erkennen, deffen Grabesruhe er gestört. Leise flüsterte der Felinger noch: „Es ist wirklich einer aus der Ver» dammniß"; der Geist aber raste jetzt und wollte durchaus eintreten, woran ihn der Beschwörer mit Mühe durch Zauberformeln und Gebete hinderte. Nun mußte der Bauer laut beten, und dadurch wurde das Gespenst endlich „tugendsamer", bis er auf wiederholtes Befragen eingestand, mit andern Verdammten nächtlicherweile einen Schatz von so und so viel tausend Gulden eingegraben zu haben; an den nur ihm bekannten Ort sei er fortan gebannt und könne seine ewige Ruhe nicht finden, ehe der Schatz gehoben sei. Der Felinger verlangte hierauf zu wrffen, wie es anzufangen sei, den Schatz zu heben und der Geist erklärte mit kläglicher Stimme, man muffe da und da, wo der Schatz in der Nähe liege, fünfzig Dukaten und Louisd'ors, alle von einem und demselben Jahre, in einem rothen mit schwarzem Band umwickelten Schächtelchen in die Erde legen. Dadurch würde er, der Geist, gezwungen, zu jedem Stücke zehn ähnliche aus dem Schatze zuzulegen» und so könne nach und nach Letzterer gehoben werden. Nun wurde der Geist entlaffen, schleunigst das Geld aufgetrieben und dem Felinger übergeben, der es vor des Bauern Augen in die Schachtel that, wie der Geist befohlen. Unterwegs wurde aber das Schächtelchen schnell mit einem ganz gleichen, welches Kupfermünzen enthielt, vertauscht, und mit dem echten zog der Felinger fammt Frau und Genoffen hohnlachend von dannen. Das Schatzgraben fand aber trotz alledem immer mehr Anhänger und verbreitete sich besonders in Waldgegenden und da,' wo alte Raubburgen lagen, so sehr, daß z. B. im Jahre 1782 der Felinger Sternewitz im Schwarzwalde 500 Bauern sammeln konnte, denen er versprach, im alten Schlöffe Oberkirch im Renchthal einen ganz gewaltigen Schatz zu heben. Vier Jahre lang dauerten seins Vorbereit, ungen, er erhielt von sämmtlichen Theilnehmern Darlehen von mehreren hundert Gulden, um Zauberbücher und Höllenbeschwörungsformeln zu kaufen, und endlich setzte er den Tag des Schatzftndens fest. Eine ungeheuere Aufregung herrschte im Stillen; aber so sehr wirkte die Macht des Geheimnißvollen und die Geldgier der Mitwisser, daß Keiner ein Wort kund werden liefe. Dreißzig Auserwählte sollten zugegen sein, und Nachts elf Uhr setzte sich der Zug nach der alten Burg in Bewegung. Punkt zwölf Uhr wurde gebetet, und nun begann Sternewitz den mit dichtem Gestrüpp bewachsenen Boden aufzugraben. Bis zehn Minuten vor Eins arbeitete er angestrengt; endlich stieß er auf eine mit Eisen beschlagene alte Truhe. Den Anwesenden klopfte das Herz laut und hörbar. Sternewitz grub weiter; aber die Truhe ließ sich nicht bewegen. Nun begab er sich in das Innere der Burg und fing an, den Geist zu beschwören. Beim dunkelrothen Schein der Fackeln verlas er seine Zauberfomeln und befahl dem gespenstischen Hüter dieses kostbaren Schatzes, denselben nicht ferner sestzuhalten, sondern zu entlaffen. Dreimal wiederholte er sein Geheiß, und dann lauschte er und mit ihm die athemlosen Anwesenden. Plötzlich ließ sich ein phorphorisches Leuchten aus einer Mauerspalte sehen, und eine dumpfe Stimme rief: „Nicht Du, Sternewitz, der Du ein eitles Weltkind bist, sollst den Schatz lösen, sondern ein Priester der heiligen Kirche unseres Herrn." Da blieb nun nichts übrig, als einen solchen herbeizuholen und zwar womöglich aus einem entfernten Kloster, um bester das Gsheimniß zu wahren. Sternewitz erhielt wieder 500 Gulden von den Bauern, um sein Werk zu vollenden; er reifte ab und ließ nie wieder etwas von sich hören. Nachdem die Bauern mehrere Wochen lang abwechselnd vor der Truhe Wache gestanden, ging ihnen ein Licht auf, und sie versuchten nun selbst die Hebung derselben. Dabei zeigte sich, daß die Kiste in die Erde eingegraben und an die Wurzeln eines mächtigen Eichbaumes angeschraubt war. Sie enthielt mehrere Packete mit Steinen. Trotz all' dieser Vorfälle ist der Glaube an verborgene Schätze eben so wenig wie der an die Wunderheilkraft der quacksalberischen Universalmittel und an das Viehbesprechen und Hexen ganz verschwunden. Noch immer giebt es Fälle, in denen sich Bürger und Bauern von den modernen Felingern auf die allerdümmste Weise betrügen lasten, ohne auch nur nachher etwas zu merken. Rcdaction: A. Scheyda. - Druck und Verleg der Brühl'schm Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in «ießen,