Kießener Jamiüenblättel. Belletristifches Peidlstt MN Gießener Anz§lger« .•ur'.wm- ,'?»■*»■CTrij, / .<-■«■»«».■_■■... „ w .«nr.. .J.ron-nzgnrmm-.crr- / V . r jORS®-f>;eR=X'2X«^r>' - S lit-JSZ?" .’ • Mx, 4.3 Samstag den 10. April. 1886. Me Katschmmrzer. Criminal-Noman von Gustav Lössel. (Fortsetzung). „Ach so, das! Ja wohl, das befindet sich in Soltmamsis Händen", erwiderte leichthin der Kommissar. „Ich glaube, es ist noch Nichts weiter ermittelt worden. Es war eine dunkle That, und die Herren halten gern mit ihren Beobachtungen zurück, bis sie einen greifbaren Beweis in Händen haben." „Nun also!" sagte der Kommerzienrath mit einem leisen Anflug von Angst. „Wie könnte mir Ihr Kommen da noch weitere Unannehmlichkeiten bereiten?" „Das — möchte ich Ihnen lieber allein sagen", entgegnete zögernd der Kommissar. „Sie brauchen sich dadurch nicht beleidigt zu fühlen, werther Herr", wandte er sich rasch zu dem empört blickenden Duprat. „Herr Duprat, mein vertrauter Prokurist", sagte Etwold vorstellend. „Herr Polizeikommiffar Racheis — ich vergaß, daß die Herren sich damals gar nicht zu Gesicht bekamen." Duprat und der Kommissar, der aufstand, ver- neigten sich gegen einander. „Nein, nein", sagte der Letztere, „ich entsinne mich. Es hieß Sie, wären auf Reisen, Herr Duprat. War es nicht so?" Dies fragend an den Kommerzienrath. „Also war's", bestätigte Duprat, „und ich be- daure, damals nicht im Hause gewesen zu sein." „Das lassen Sie sich nur nicht leid ihun", sagte ernst der Kommissar. „Es war eine häßliche Geschichte, deren Folgen auch heute noch nicht abzusehen sind." „Sie kommen also wegen etwas Anderem?" warf der Kommerzienrath etwas ungeduldig ein. „Und was betrifft Das?" „Etwas, wozu mir die Anwesenheit des Herrn Duprat, nur erwünscht sein kann", erwiderte der Kommissar; „vorausgesetzt, daß ich recht verstanden, Herr Kommerzienrath, und Sie Herrn Duprat ins Vertrauen gezogen wünschen." Etwold fühlte sich stark durch die Gegenwart seines unerfchütterten Prokuristen, und so beeilte er sich zu verstehen, daß Jener sein ganzes Vertrauen besitze uud dessen auch würdig sei. Der Kommissar verneigte sich und griff in seine Brusttasche, aus der er ein schwarzlederues Portefeuille hervornahm. Etwold blickte noch so unbefangen darauf, als wenn er die Verlesung von Notizen aus demselben gewärtige. Duprat dagegen, aus dessen Gesicht alle Farbe geschwunden war, starrte mit demselben gläsernen Blick auf das Portefeuille wie am Abend zuvor auf das Bündel des Kahnführers im „Fuchsbau". Er kannte diese lederne Tasche nur zu wohl, er hatte sie noch gestern Abend in seine'- Wohnung gesehen — es war das Portefeuille des Barons. „Kennen Sie Das?" wandte sich der Kommissar fragend an Etwold, indem er das Portefeuille em- porhielt. Jener blickte gleich betroffen auf Tasche und Frager. Er schüttelte in stummer Verwunderung den Kopf. Der Kommiffar lächelte still vor sich hin. „Nun besinnen Sie sich einmal recht", sagte er ermunternd. „Vielleicht erinnern Sie sich doch, die Tasche schon einmal irgendwo gesehen zu haben? In Wahrheit, Sie müssen sie gesehen haben." Der Kommissar studirte, während er das fragte, genau die Züge des Kommerzienraths. So fand Duprat Gelegenheit, sich zu sammeln und einen Entschluß zu fassen. Sein Haar sträubte sich bei dem Gedanken, daß Drpden das an ihn adressirte Couvert doch in die Tasche gesteckt und Franz ein ganz anderes in das Feuer geworfen haben könnte. „Also Sie entsinnen sich nicht, dieses Portefeuille schon einmal bei Jemand in Gebrauch gesehen zu haben?" beharrte der Kommissar. Sein Blick hatte etwas Stechendes, Lauerndes. Der Kommerzienrath erbebte unter diesem Blick; aber er verneinte doch mit einer solchen Festigkeit, daß selbst der allezeit mißtrauische Polizeikommissar von der Aufrichtigkeit seiner Aussage überzeugt - schien. „Um so eher", wandte dieser sich jetzt an Duprat, , werden Sie, Herr Prokurist, mir etwas Näheres über den Besitzer dieser Tasche sagen j können. Ich bin sogar überzeugt, daß Sie dieselbe i schon auf den ersten Blick wiedererkannt haben." \ ' Duprat hatte stark sein, hatte seine Fassung be- ; wahren wollen, aber jetzt überwältigte ihn doch die \ Furcht. Wenn seine schreckliche Vermuthung sich be- ! stätigie — und wie anders kam sonst der Kommissar ; hierher — durfte er gewärtig sein, daß man ihn vor ? dem gesummten Personal gefangen sortführe. Und ' wie stand er dann feinem Chef gegenüber, dem Mann, <70 den er hatte vernichten wollen, und der noch eben | seines Lobes so voll gewesen! Er hätte sich auf den I Kommissar stürzen und ihn mit kaltem Blute er- I morden können, um sich von diesem Schicksal zu | retten. Aber daran war ja nicht zu denken. Hier I hieß es Zähne auf einander und seinem Verhängniß I die Stirne geboten. „Nun, Herr Duprat", sagte der Kommissar, ! „Sie betrachten die Tasche ja mit ganz merkwürdigen | Blicken. Selbstverständlich buche ich das als eine Bestätigung meiner Ansicht, daß Sie dieselbe genau kennen. Und von dem Inhalt — was sagen Sie da? Auch Nichts? Also den kennen Sie auch " „Halt da, mein Herr!" brach es endlich von Duprats Lippen. „Sie sprachen mit so vieler Zuversicht, daß man selbst ganz perplex wird und nicht gleich weiß, wem man mehr zutrauen soll, seinem eigenen Urtheil oder dem Ihrigen." „So. Für einen Kommissar recht schmeichelhaft", | sagte der Andere sarkastisch. „Mein Urtheil also kennen Sie. Nun das Ihrige?" „Ist dem Ihrigen diametral entgegengesetzt. Ich kenne diese Tasche nicht und ihr Inhalt ist mir erst vollends unbekannt." „So? Nun das Portefeuille enthält zum Glück nicht bloß Banknoten, sondern auch noch Etwas, das mit unabweisbarer Sicherheit auf den Inhaber oder Verlierer desselben deutet. Und wenn Sie, meine Herren, denselben nicht kennen oder nennen wollen, so haben Sie jedenfalls Ihre besonderen Gründe hierfür. Ehe ich Ihnen nun dieses legitimirende Papier vorweise, frage ich Sie nochmals auf Ehre und Gewissen, kennen Sie diese Tasche und ihren Inhalt oder nicht?" „Nein", tönte es einstimmig aus Eiwold's und Duprat's Munde. „Nur ableugnen", dachte Letzterer. „Ein an sich selbst adressirtes Couvert ist gravirend, aber kein so unleugbares Beweismittel wie er mich glauben machen möchte." Der Kommissar öffnete jetzt das Portefeuille und entnahm einer Tasche desselben eine Karte, welche er mit überlegenem Lächeln und einer leichten Verbeugung dem Kommerzienrath überreichte. Dieser hatte kaum einen Blick auf die goldumrandete Karte geworfen, als er befremdet zurücktrat. „Die Karte — meines Sohnes?" sagte er mit einem unsicheren Blick auf den Kommissar. Derselbe verneigte sich. „Wo haben Sie dieses Portefeuille gefunden?" fragte der Kommerzienrath. „An einem Ort", entgegnete der Kommissar, „an welchem Ihr Herr Sohn besser nicht gesehen worden wäre, und in einer Gesellschaft, welche aus der Hefe des Volkes sich zusammensetzt." „Mein Sohn?" sagte mit gezwungenem Lachen der Kommerzienrath. „Zum Glück befindet fich derselbe so viele Meilen weit weg, daß er gerade Siebenmeilenstiefel zur Verfügung haben müßte, um Ihrer Vermuthung gerecht zu werden." „Das ist doch die Karte Ihres Herrn Sohnes?" fragte der Kommissar. „Allerdings", entgegnete Etwold. „Ich glaube wenigstens. Was meinen Sie, Duprat?" „Ja, die Karte Herrn Eduard's ist es", gestand dieser zögernd zu. „Ich habe selbst solche Karten bei ihm gesehen." „Das also zugegeben", fiel der Kommerzienrath erregt ein. „Was beweist Das?" „Das beweist zum mindesten", entgegnete der Kommissar, „daß Ihr Herr Sohn, wenn auch nicht selbst der Eigenthümer des Portefeuilles, respektive der Verlierer desselben, doch ein Freund und zwar ein intimer Freund des Letzteren ist. Er hat ihn einmal besucht und nicht zu Hause gefunden. Er hinterließ seine Karte, die der Andere dann zu sich steckte. Was giebt es Natürlicheres als Das? Begreifen Sie nicht, Herr Duprat?" „Vollkommen", erwiderte dieser mit mühsam verhaltener Freude. Er hatte sich selbst gefährdet gewähnt, und nun war es durch einen Zufall gerade derjenige Mensch, auf dessen moralische Vernichtung er zunächst mit allen Mitteln hingewirkt hatte, ohne sie ganz zu erreichen. Der Umschlag in Duprats Stimmung von tiefster Verzweiflung zur heitersten Sorglosigkeit läßt sich hiernach bemessen. „Also von jenem Menschen", nahm der Kommerzienrath wieder das Wort, „dem mein Sohn angeblich feine Karte übergeben haben soll! Wer und was ist er, um Ihre Worte von vorhin zu rechtfertigen?" „Wer?" erwiderte der Kommissar. „Das werden wir wohl nur von Ihrem Herrn Sohn eruiren können. Was? Das ist eine Frage, welche dieses Portefeuille beantwortet, sowohl durch den Ort, an welchem es gefunden, wie durch die Umstände, unter denen es verloren wurde." „Das betonten Sie schon einmal", sprach Etwold ärgerlich. „Ich darf wohl endlich um eine nähere I Erklärung bitten." „Gern bereit. Hoffe nur, daß Sie meine Offenheit entschuldigen werden. Herr Duprat hier. —" „Nimmt keinen Anstoß an dem, was Sie sagen werden", warf der Kommerzienrath spöttisch ein. „Wir sind Geschäftsleute — Beide, und Haffen Nichts so sehr als gewundene und gedrechselte Erklärungen. Gerade heute ist soviel zu thun, daß, wie Sie sehen, Herr Duprat trotz einer Verletzung seiner rechten Hand, anwesend zu sein gezwungen ist; und das dürfte mit Noihwendigkeit zu einem abgekürzten Verfahren Veranlassung geben. Wenn Sie also die Liebenswürdigkeit haben wollten, mir den Fall ohne alle Schonung auseinanderzusetzen, so könnten wir um so eher in die Berathung desselben treten. Wir sind hier wirklich sehr beschäftigt." Als von Duprat's verletzter Hand die Rede war, schwand auf einen Augenblick der Ausdruck heiterer Sorglosigkeit von dessen Antlitz, und er zuckte mit der verbundenen Hand zurück, während der Kommissar seinen Blick daraus richtete. Sonst Verbrechens verdächtig sei. (Fortsetzung folgt.) hatte die Indiskretion des Kommerziemaths keine Folge weiter. , , We Reit ist bemessen", sagte der Kommissar, „und die meine auch. Nur Theilnahme für Ihre Person nöthigte mir das gerügte verlängerte Verfahren auf. Ich werde Ihnen also zunächst rn Kürze sagen, wie und wo wir das Portefeuille gefunden." , , Er berichtete nun, was wir von der Firmst der drei Falschmünzer aus der Penne des Vater Christo p) bereits wissen, und betonte besonders, daß ein thuni, als ob einer der Drei nicht der Verlierer des Portefeuilles gewesen, gar nicht aufkommen könne, da Letzteres aus dem Dach und nicht aus der Straße gefunden wurde. Die früheren Vorgänge, welche Veranlassung zu der Jagd über die Dächer gegeben, berührte er nur andeutungsweise, so daß DÜprat über den Verbleib des aus dem Wasser gezogenen Maskenkostüms, für das er ein so lebhaftes Interesse an den Tag gelegt, nichts Näheres erfuhr. Des Kommissars Bericht endete mit dem spurlosen Verschwinden der Verfolgten von den Dächern. Duvrat war diesen Ausführungen mit derselben Spannung gefolgt wie sein Chef. Als der Kommissa^ geendet hatte, athmete Jener erleichtert auf, wahrend Etwold über die Zumuthung, daß sein Sohn der Genosse solchen lichtscheuen Gesindels sein könne, rn Hellen Zorn gerieth. Duprat hegte die verwegene Hoffnung, daß es sich zur Zeit nur um die Auffindung des Portefeuilles an dem verdächtigen Ort handle, wurde darin aber gründlichst getäuscht, als der Kommiffar nach Etwold's Zornesausbrucy fort- fuhr: „Wenn es sich nur um die Genossenschaft solcher zweifelhaften Existenzen handelte, könnten Sie sich noch zufrieden geben; denn mancher junge Mann mit so viel Zeit und Geld läßt sich verführen, ste um der bloßen Lust am Abenteuerlichen zu suchen. Aber der Zufall hat hier gar wunderlich gespielt und uns durch das Verluststück eines der Verfolgten verrathen, warum die Letzteren eine Flucht über Dächer ihrer Sistirung vorzogen. Es war eine Gesellschaft von Falschmünzern; und die Banknoten, die Sie hier sehen, sind Falsifikate.". Der Kommerzienrath prallte entsetzt zurück. „Sie verlangten keine Schonung", sagte schneidend der Kommissar, „und ich halte mich verpflichtet, Ihnen zu bemerken, daß Ihr Herr Sohn, der e>n ausschweifendes Leben führen soll, bei uns im Verdachte steht, an diesen Fälschungen mitgewirkt zu haben, respektive selbst ein Falschmünzer zu sein." „Mein Sohn - ein Falschmünzer?" stammelte der Kommerzienrath. „Herr Commissar — das ist eine - Unwahrheit, eine wissentliche Lüge, deren ein Mann in Ihrer bevorzugten Stellung sich nicht schuldig machen sollte. Sie mißbrauchen Ihre Amtsgewalt, um mich, einen allgemein geachteten Mann, zu beschimpfen." Dunkle Zornesröthe bedeckte das Gesicht des Kommissars^ aber er bezwang sich. „Ich bin es gewohnt, solche Anschuldigungen zu hören", sagte er, „und Sie sind zu erregt, um zu wissen, was Sie sprechen. Wenn hier von einem Mißbrauch meiner Amtsgewalt die Rede sein kann, so kann dies nur Bezug haben auf meine zu große Langmuth und die Rücksicht, die ich 0^en Familie übte. Ich hätte mich gar nicht erst an Sie wenden, sondern Ihren Sohn einfach verhaften lassen sollen. Aber ich hoffte und hoffe noch, dav Sie discreditirende Aussehen vermeiden zu können, wenn Sie sich nämlich entschließen wollen, mich zu Ihrem Sohne zu führen, und ihn rn meinem Bn- ein kraft Ihrer väterlichen Gewalt zu einem vollen Geständniß zu bewegen." , , „Ach so", ermannte sich der Kommerzienrath zu sagen, „Sie wissen nur, daß mein Sohn sich nicht hier befindet, weil sein gegenwärtiger Aufenthalt für Jedermann im Hause Geheimniß ist. Und nun stellen Sie mir diese Falle, um mich zur Nennung seines auswärtigen Domizils zu veranlaffen. Der Vorwurf traf. Der Kommiffar war zuvor bei Soltmann gewesen, hatte ihn aber nicht M Hause getroffen und die Sache selbstständig behändem , sons würde er von jenem wohl erfahren haben, daß Eduard Etwold in M. und jetzt eines noch größeren Die HMatischt Zartsm |n Serges. (Fortsetzung.) Der Friede vom Jahre 1435 bestätigre aue Freiheiten der Hanseaten auf's Neue; -r begründete gleichzeitig das Monopol derselben zu Bergen auf lange Zeit. Die Armuth der Bürger von B^rgm erleichtert» den Hanseaten die Ausbreitung des Handels in jeder Weise. Sie leisteten den Emge' borenen Geldvorschüffe, wogegen diese ihnen Hä^er und Grundeigenthum verpfändeten. Ohne hinrelchende Capitalien konnten die Berger auch nicht mehr nucp hansischen Häfen mit eigenen Schiffen fahren, und ste, die bereits schon früher den Handel mu dem Noxden ihres Heimathlandes beschränken mußten, verloren jetzt auch jenen nachdem Süden, drff en sich die Hanseaten sofort bemächtigten. Den Gewinn, den sie aus dem Zwischenhandel der Berger zogen, war ein beträchtlicher. Sie lockten l^verstaMch auch die nach Bergen kommenden schyfer aus Nord Norwegen an sich, was ihnen um so leichter geiang, als den Kaufleuten von Bergen bald bie, nöthigen Betriebskapitalien für den Zwischenhandel fehlten. Diesen Nordlandsschiffern gewährten die .'Hanseaten aber zu Anfang stärkeren Credrt an Waaren, als deren Gegenrechnung betrug, und so wurden auch bald die noxMgischen Verkäufer den Hanseaten H2 ebenso stark, als wie die Berger Kaufleute selbst verschuldet. So verloren die Eingeborenen in kurzer Frist sowohl den Hande! im Jnnlande, als jenen auf den hanseatischen Märkten. Die Schuldner waren zudem nicht in der Lage ihre Verpflichtungen gegen die Hanseaten zu erfüllen; diese zogen die ihnen verpfändeten Häuser und Grundstücke an sich, und die Berger mußten sich auf der anderen Seite des Meerbusens ansiedeln. Die alte Stadt, die sogenannte „Brücke", ward aber hierdurch allmälig ausschließliches Eigenthum der Hansen, ja diese erwarben später auch in der neuen Stadt Ansiedelungsrecht. Da die Hansen aber nach Holberg, dem diese Details entnommen sind, ihr Eigenthum bewachen mußten, waren die norwegischen Könige ohnmächtig deren Recht, in Bergen zu überwintern, einzuschränken oder gar aufzuheben. — Eine beträchtliche Unterstützung ihrer Pläne fanden die Hansen in den bereits seit langer Zeit i-r Bergen ansässigen deutschen Handwerkern. Schon im 13. Jahrhundert wurden viele derselben durch die Könige von Norwegen dahin berufen, und wies man ihnen nach Vertreibung der Engländer, welche übrigens an Fähigkeit dm Deutschen in allen Stücken nachstanden, deren Straße, die sogenannte „Schuster- gasse" an. Auch erwies sich jene Colonie, die dem König Abgaben zahlte und seinen Rentmeistern unterworfen war, ja sogar vierzig Bewaffnete zum Heerbann des Landesherrn stellte, für das Land, in welchem sie deutschen Gewerbeflelß verbreitete, recht nützlich. Man nannte diese Handwerker gemeinhin „Schuster", weil die Zunft der Schuster zu Bergen die meisten Angehörigen unter den Colonisten zählte; doch befanden sich auch Gerber, Goldschmieds und andere Künstler unter den „Schustern" die auch öfters als die „fünf Aemter" bezeichnet wurden. Selbstverständlich schlossen sich die Schuster, als ihre Landsleute, die Hanseaten in der Altstadt, auf der Brücke, oder in ihrem Comptoir, wie die Ansiedelung von Anfang an hieß, so mächtig gediehen, enger an dieselben an. Sie entzogen sich der Üeberwachung der königlichen Rentmeister, und machten, obwohl sie sich nie mit den Handelsleuten der Hansa verschmolzen, doch meist gemeinsame Sache mit ihnen. Allerlei anrüchige, übel belmnidete Männer schlossen sich an die Schuster, deren Straße unmittelbar an das Hansa-Comptoir, die Brücke, grenzte. Wollten die Eingeborenen daher die Schuster oder die Kaufleute ernstlich angreisen, so' konnten sie dies nicht gesondert thun; sie unterließen es, weil sie vermuth- lich der deutschen Macht nicht gewachsen waren. Widersetzte sich dieser doch sogar im Jahre 1455 des Königs Statthalter, Clus Nielsen als dieser neue Abgaben, die nordwärts von Bergen erhoben werden sollten, forderte. Nicht nur mußte der König Christoph von Dänemark, mit welchem Reiche Norwegen seit der Union von Kalmar 1397 vereinigt war, jene Abgaben aufheben, sondern sein Statthalter fand, trotzdem er sich in die Freistatt des Munkelef- Klosters geflüchtet hatte, sammt dem Bischof und vielen Geistlichen desselben, den Tod in den Flammen, als die Hansen, sich jenes Klosters bemächitgten und es dabei anzündeten. Der König sah dieser Selbst- Hülse machtlos zu, ja er konnte selbst einige Verwandte der Gefangenen nicht retten, dis, um Rache für diese zu nehmen, Kaperschiffe gegen die Hanseaten ausrüsteten. Die Führer derselben wurden ergriffen und zu Lübeck als gemeine Seeräuber hingerichtet. Eine von den Hanseaten erlegte Geldbuße, wogegen die Verwandten der Opfer den Städten ewige Urfehde und Entsagung ihrer Rache geloben mußten, war die einzige Sühne jener That. Wohl wäre den Hansen, trotz aller Macht eine so langanbauernde nionopolistische Herrschaft in fremdem Lande unmöglich gewesen, wenn sie nicht auch im norwegischen Reichsrathe höchst einflußreiche Freunds und Beschützer gefunden hätten. So verfocht einst der Erzbischof von Drontheim ihre Sache, indem er ausführte, daß die Hansen zu Bergen nicht nur die Nordlandsfahrer mit den nöthigen Waaren versorgten, sondern auch Sicherheit dafür böten, daß das Land nicht mehr, wie früher, fremden Seeräubern und Plünderern schonungslos preisgegeben sei. Uebrigens verboten sich damals ernstere Maßregeln gegen die Hanseaten ganz von selbst, ihre Austreibung hätte den Handel Bergen's, von dem doch auch die meisten norwegischen Einwohner der Stadt fast ausschließlich lebten, auf das Empfindlichste geschädigt. Durch die Deutschen erzielten die Norweger einen Absatz, den sie sonst, wenigstens bei ihren damaligen beschränkten Betriebsmitteln und Kapitalien, nicht mehr zu erreichen fähig gewesen. Hätte man die Hansen in gerechte Schranken zu weisen vermocht, ihr Wirken wäre ihnen selbst und den Norwegern von ersprießlichem gemeinsamem Segen gewesen. Alle Eingeborenen, welche mit den Hansen in Verbindung standen, gewannen immerhin durch diesen Verkehr; ihn zu schmälern, fehlte es den Herrschern an Macht, auch fürchteten sie für den Handel ihrer übrigen Landestheile in den allmächtigen Hansestädten, die immer nach ihre besten Abnehmer waren. So oft die Herrscher auch versuchten anders Fremde, vorzugsweise Holländer und Engländer, zu begünstigen, die Hansen verstanden es stets geschickt, den errungenen Einfluß zu behaupten. König Christian bestätigte ihnen im Jahre 146$ nicht nur ihre sämmtllchen Freiheiten, er dehnte dieselben sogar noch insofern bedeutend aus, als er den Holländern und Außer-Hansen die Fahrt nach anderen norwegischen Häfen untersagte und ihnen nur gestattete, mit einem oder zwei Schiffen im norwegischen Theile Bergen's, „über Rand" anzulegen. Jeder Detailverkauf ward aber den Außer- Hansen gänzlich verboten. Letzteres Monopol ward von demselben König zwei Jahre später den Hansen hingegen förmlich ertheilt. (Schluß folgt.) Itetzaetion; A, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Liehen.