Hichener Jamilienblälter. Belletristische« Beiblatt Dw Gießener Anzeiger. Nr. 54 Samstag derU Mai. 1886.' Die Aatschmünzer. Lnminal-Romm von Gustav Lössel. (Fortsetzung). „Ihr seid ein Hasenfuß und taugt zu keinem großen Verbrecher", entgegnete Fuchseisen. „Aber laßt mich nur machen. Ich werde Euer Interesse wahren und das meine." „Nehmt Alles und laßt mich aus dem Spiele", drängte Duprat, dem es bei dem Gedanken eines neuen gewaltsamen Verbrechens, an dem er ohne thätige Beihilfe betheiligt sein sollte, angst und bange wurde. Aber Fuchseisen schüttelte determinirt den Kopf. „Ich bin trotz einem Verbrecher ein ehrlicher Kerl, und Euren Antheil sollt ihr haben", sagte er, „so wahr ich — Fuchseisen heiße." Duprat verwünschte ihn mit seinem Antheil zu allen Teufeln und hoffte im Stillen, daß er und Dryden einander tobten würden, für welchen Fall er gern auf jeden Pfennig seines Geldes verzichten wollte. Heimlich, wie er gekommen, verließ Fuchseisen das Haus, und zwar auf dem früheren Wege durch den Garten nach der Waldenstraße. Duprat hatte sich vorher überzeugt, daß Niemand in der Nähe weilte. Auf dem Herwege war er nämlich selbst verfolgt worden; aber er hatte seinen Nachtreter versetzt, indem er in ein ihm bekanntes Haus gegangen war, welches durch eine Thür in der Hofmauer mit einer anderen Straße Verbindung hatte. Er überwachte noch den Fortgang des Verbrechers, und als er nichts Verdächtiges bemerkte, begab er sich in das Haus zurück. Als er die Thür desselben wieder hinter sich geschlossen hatte, athmete er erleichtert auf. „Das heißt ein Nebel mit einem anderen beseitigen", murmelte er. „Was blieb mir weiter? Und wenn mich der schurkische Dryden nicht um alles das erleichtert hätte, was ich dem jungen Forster abgenommen, käme ich billig genug dazu. Es wäre im Grunde doch so übel nicht, wenn Fuchseisen ihn mundtodt machte und ins Ausland entkäme. Eduard ist fest genug eingeschlossen; er und der alte Forster sollen in ihrem unterirdischen Gewahrsam verhungern. Das ist mein Wille. Niemand sucht sie dort. Ich aber siedele nach Etwold's Hause über und verhindere ihn, sich gewaltsam einen Weg in den Keller zu brechen, i Wenn es zu jeder Hülfe zu spät ist, lasse ich die Schlüssel an einem anderen Orte finden, als wenn er sie dahin gelegt hätte; er wird dann nicht mehr wagen, hinabzugehen. Durch diese Uebersiedlung breche ich auch allen ferneren Verfolgungen meiner Person die Spitze ab. Zuvor aber mache ich die furchtsame Neumann des nicht angemeldeten Dryden wegen so bange, daß sie, wenn ja eine Nachfrage nach ihm kommt, versichert, seinen Namen nie gehört und einen Menschen dieser Beschreibung nie gesehen zu haben." Im Salon wieder angekommen machte sich Duprat an die Durchsuchung des von Fuchseisen zurückgelassenen Kleiderbündels. „Das Kostüm des Ermordeten und seines Mörders", sprach er mit leisem Schauder, „Alles da, bis auf die rothe Maske. Aber das ist nur ein Ring aus einer zerrissenen Kette; und daß diese sich nicht wieder zusammenschließt, liegt jetzt in meiner Hand. Was mache ich nun mit den Kostümen, um sie besser zu bewahren, als auf dem Grunde des Flusses?" er versank in Nachdenken. Plötzlich schrack er empor. Die Außenthür wurde erschlossen — Franz kehrte zurück. Er raffte hastig die Sachen zusammen, denn schon ertönte des Dieners Schritt im Borsaal. Wohin damit? Sein irrendes Auge fiel auf ein ihm zur Seite hängendes großes Bild in breitem Goldrahmen. „Der geheime Wandschrank!" murmelte er. Aber ehe er das Bild noch erreichen konnte, war Franz schon an der Thür. Auch um ihm draußen zu begegnen, war es nun schon zu spät; und so warf er das Bündel in eine Fensternische, wo es von den Vorhängen verdeckt wurde. Franz erstattete seine Meldung und wurde dann von Duprat noch einmal nach einem kalten Abendbrot fortgeschickt. Kaum war er Hinaus, so drückte Letzterer auf einen Schnörkel des breiten Goldrahmens, welcher das vorbezeichnete Bild einfaßte. Dieses, das sonst fest an der Wand gesessen, sprang auf der einen Seite von dieser ab; und nun zeigte es sich, daß es auf der anderen wie eine Thür in Angeln hing. Hinter dieser Bilderthür befand sich aber eine in die Wand eingelassene Tapetenthür, welche Duprat mit einem eigenthümlich geformten Schlüssel öffnete. Eine nicht zu große Vertiefung zeigte sich, welche völlig leer war. „Esel, der ich war, nicht hier mein Geld zu 214 bergen!" zischte er. „Ob es da wohl Freund s Dryden nicht gefunden hätte? Der geheime Wand- | schrank ist das Werk eines ausgewanderten \ Mechanikers, ich verhalf ihm damit zu seinem Reisegeld. Nun soll mir Einer kommen und sagen, daß das Bild mehr als nur ein Bild ist!" Er steckte das wieder aufgenommene Bündel in den Schrank und verschloß diesen. Dann drehte er das Bild zurück und drückte auf eine andere Verzierung. Hiernach saß es wieder fest an der Wand. „Ueberall wird man jetzt dieses verhängnißvolle Bündel suchen", sagte er mit leisem Lachen, „nur nicht in dem Salon des Privatiers Viton." Duprat nahm ein hastiges Mahl, besten besseren Theil er seinem Diener überließ, und entfernte sich dann, diesmal aber über die Haupttreppe und durch die Borderthür nach der Promenadenstraße. Er hatte vorher vsm Fenster aus rekognoscirt und sich überzeugt, daß das Haus unbewacht sei. Er begab sich nun nach seiner Chambregarni- Wohnung bei Frau Neumann. Er fand diese sehr besorgt um Dryden's Ausbleiben. „Ja, denken Sie sich, liebe Frau Neumann", sagte er, „welch ein Unglück uns durch diesen Menschen bedroht! Ich selbst bin ganz verzweifelt." „Was denn, was denn, bester Herr Duprat?" fragte die gute Frau erschreckt. „Sie sagen „diesen Menschen", und ich glaubte, Sie meinten Herrn Dryden, Ihren Freund." „Ach was Dryden!" polterte Duprat. „Ein verkappter Anarchist ist er gewesen, der sich in mein Vertrauen geschlichen und es gründlich gemiß- braucht hat." „Ein Anarchist?" wiederholte Frau Neumann ausdruckslos. „Was? der hübsche junge Mann, der so schöne Verse machte?" „Ein Königsmörder! Was weiß ich! Genug, er ist entflohen, wird verfolgt, gesucht, und wenn es jetzt heraus kommt, daß wir ihn hier beherbergt, wirft man uns Beide als seine muthmaßlichen Mitverschworenen ins Gefängniß." „Gerechter Gott!" rief Frau Neumann, die Hände über den Kopf zusammenschlagend. „Meine armen Kinder!" Sie war Wittwe. „Nicht wahr?" sagte Duprat kläglich. „Die armen Waisen! Ja, es ist grauenvoll." Frau Neumann starrte verzweifelt vor sich hin. „Und läßt sich das denn gar nicht abwenden, Herr Duprat?" fragte sie endlich. „Ich möchte ja gern jedes Opfer —" „Opfer?" warf Duprat siegesgewiß dazwischen. „Ein Opfer, liebe Frau Neumann, brauchen Sie deshalb gar nicht zu bringen, es möchte Sie denn so schwer dünken, Ihre Zunge im Zaum, respektive reinen Mund zu halten." „Inwiefern das?" „Nun, sehr einfach. Sie wissen einfach Nichts von einem Herrn Dryden; Sie kennen keinen solchen, haben den Rainen niemals nennen gehört, und wenn Ihr Herr — ich selbst — empfangen, mit wem ich verkehrt habe, wissen Sie nicht, da alle meine Besuche von der Treppe direkt in meine Wohnung traten und sich auf demselben Wege wieder entfernten. Angemeldet ist ja der Herr bei der Polizei nicht, und könnte man nun höchstens bei Ihnen fragen, ob ein solcher Mensch mich besuchte oder nicht. Von seinem vorübergehenden Aufenthalt hier hat man keine Ahnung und wird Sie auch darnach nicht befragen." „Meinen Sie?" Frau Neumann schöpfte wieder Muth. „Gewiß nicht", versicherte Duprat. „Wenn Sie nur darauf bestehen, daß Sie Nichts wissen, kann man Ihnen Nichts anhaben." „Und Sie?" „Ich sage natürlich dasselbe, werde aber gar nicht hier sein." „Sie verreisen wieder?" „Nein. Ich bin jetzt aber in unserem Hause so angestrengt thätig, daß ich einer Einladung meines Chefs folgen und dort auch schlafen werde, wenigstens für die nächste Zeit. Miethe bezahle ich I natürlich wieder ein Vierteljahr pränumerando. Aber bester, wenn auf mich die Rede kommt, sagen Sie I gar nichts von meinen längeren und häufigen Abwesenheiten. Sie kontroliren das Kommen und" Gehen Ihres Miethers nicht, erklären Sie, und was Sie sonst von mir gesehen haben, ist nur Gutes." „O, das kann ich ja auch mit gutem Gewissen sagen", versicherte Frau Neumann, der es nun viel weniger gefahrvoll schien, die Polizei zu düpiren, als einen so pünktlich zahlenden Mether zu verlieren. Damit war denn der Weg zu einer raschen und vollkommenen Verständigung gebahnt, so daß Duprat auch nach dieser Richtung hin beruhigt sein konnte. Er bezahlte seine Vierleljahrsmiethe gleich jetzt, obgleich man erst im Anfang des März war, und I vernichtete dann bei verschlossenen Thüren und mit Hülfe des Ofenfeuers alle Erinnerungen an den Mitbewohner seines bescheidenen Quartiers. Dies geschehen, ging er getrost hinweg und nach Etwold's Hause, wo ihm in der jetzigen bewegten Zeit ein freundlicher Empfang gewiß war. Was er da wollte, wissen wir, nämlich sich wie sein Schatten an Etwold's Fersen heften und sein Eindringen in den Keller verhindern, um die darin Eingesperrten durch Hunger zu tödten. 14. Kapitel. Was Neubert entdeckte. Vergeblich harrte Hedwig nach der Vorstellung der Rückkehr Eduard's. Sie hatte gehofft, daß er in der Nähe bleiben oder zur bestimmten Zeit noch einmal auf den Theaterplatz zurückkehren werde; aber dieser entleerte sich so rasch, wie er sich gefüllt hatte, und zuletzt stand Hedwig ganz allein da, ihr 215 sorgenvolles Auge in die Nacht hinaus gerichtet. Eduard kam nicht. Plötzlich fiel es ihr ein, daß er sie vor ihrer Thür erwarten könne, und nun machte sie sich eiligst auf den Heimweg. Auf dem Wege traf sie ihren Verlobten nicht und auch nicht vor ihrem Hause, so lange sie dort auch wartete. Hedwig's Angst um ihn wuchs mit jeder verfliegenden Minute. Hatte man ihn schon ergriffen? War er ihrem Nath gefolgt und gleich weiter geflüchtet? Sie wußte es nicht, und der Morgen konnte ihr erst Antwort geben. Ihre Mutter schalt wegen ihres verspäteten Ausbleibens, aber Hedwig achtete dessen nicht. Ihr Herz war zum Brechen voll, und doch hatte sie den Muth nicht, sich ihrer Mutter anzuvertrauen. Sie ließ ihr Abendbrot unberührt und verbrachte die Nacht schlaflos auf ihrem Lager. Am andern Morgen hoffte sie ein Lebenszeichen oder eine ausführliche Nachricht von Eduard zu erhalten. Aber nein. Der Briefträger ging an ihrer Thür vorüber, und sonst kam auch Niemand, um mit ihr wegen Eduard zu sprechen. In ihrer Herzensangst begab sich Hedwig nach der Probe zu ihrer Freundin Ida Edler, welche sie ebenfalls in banger Erwartung empfing. „Nun?" fragte diese, als sie in Jda's kleinem Zimmer allein waren. „Hat Eduard die Warnung noch rechtzeitig erhalten? Ist er geflohen?" Hedwig brach in Thränen aus und erzählte ihrer Freundin dann bruchstückweise und unter Thränen von ihrer letztnächtigen Begegnung mit Eduard und welche^Angst sie nun um ihn habe. (Fortsetzung folgt.) James Wompson's Wraulfaßrt. (Humoreske aus dem amerikanischen Westen.) (Fortsetzung.) Der junge Thompson schritt mit diesem Ent- schluffe rasch aus dem Garten und bog wieder nach dem Wohnhause hinüber, wo er Mr. Briar gerade allein in der Wohnstube traf. Ohne Umstände trat James auf den Farmer zu und sagte: „Mr. Briar, Sie werden vielleicht den Zweck meines Besuches schon geahnt haben und es wird Sie darum wohl nicht überraschen, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich mich mit Wissen und Willen meines Vaters auf der Brautschau befinde und ... . und Miß Ellen hat auf mich einen so günstigen Eindruck gemacht, daß ich Sie bitten möchte, für mich bei ihr ein gutes Wort einzulegen." Nun war's heraus und viel beffer war's auch gegangen, als sich's James gedacht hatte und er athmete daher tief auf, aber er bekam einen ordentlichen Schreck, als der alte Briar mit einem gewissen Ernst seine Hrnd ergriff und erwiderte: „Lieber James", ich brauche Ihnen wohl nicht extra zu versichern, wie hochwillkommen mir und Mrs. Briar Ihre Werbung unter anderen Umständen wäre, aber, es geht wahrhaftig nicht und — und — ja, James, ich will es Ihnen gleich offen sagen: Sie kommen zu spät und zwar bei Ellen wie bei Sus.) .... bitte, bitte, junger Freund, bleiben Sie nur ruhig . . . beide haben sich beim letzten Picknick, das in Prinsley's Settlement stattfand, versprochen, Susy mit Charles Smith, der einige Miles westlich vom Green Creek eine sehr hübsch eingerichtete Farm besitzt, und Ellen mit Edward Norton, dem ältesten Sohne des Friedensrichters in Ledgeville. Es kam mir und meiner Alten selber unerwartet, — aber, was will man denn machen? Na, und daß die Mädels hier draußen bei uns zugreifen, wenn Einer kommt, der sie haben will, kann ich ihnen gerade auch nicht verdenken . . verdammt leid thut mir's freilich, James, daß Sie zu spät kommen." Der alte Herr streckte bei diesen Worten dem ganz verdutzt d'reinschauenden unglücklichen Freier die Hand entgegen, die dieser wie mechanisch ergriff und schüttelte; dann jedoch raffte sich James auf, er fühlte, daß er hier nur eine lächerliche Rolle spielen würde. Kurz verabschiedete er sich daher von Mr. Briar — die übrigen Familienmitglieder schienen merkwürdiger Weise irgendwo anders zu stecken — nahm seine Waffen, zog sich selber seinen Mustang aus dem Schuppen, in welchem er das Pferd bei feiner Ankunft untergestellt hatte und galoppirte dann fort, einem rohen Wege folgend, der von Briars Farm dem Green Creek zu und an diesem Flüßchen aufwärts führte. Daß der junge Hinterwäldler von diesem eigenthümlichen Anfang seiner Brautfahrt nicht besonders erbaut war, läßt sich denken und er hatte daher einen Augenblick nicht übel Lust, umzukehren und wieder nach Haufe zu reiten. Jedenfalls würde er da aber seitens seines „Alten" sine höchst ungnädige Aufnahme gefunden haben, auch fürchtete James den Spott seiner Brüder, denn er mußte dann doch bekennen, daß er bei Briar's Mädels das leere Nachsehen gehabt habe. Der junge Thompson beschloß also, sich wenigstens die beiden anderen Ladies, von denen sein Vater gesprochen, anzusehen und dabei jedenfalls vorsichtig Erkundigungen einzuziehen, ob er hier nicht etwa auch zu spät käme. Thornton's Farm lag, wie James noch von Mr. Briar gehört, ziemlich,Weit oben am Green Creek selber, wo derselbe eine scharfe Biegung nach Süden in seinem bisherigen Laufe von Westen nach Osten macht. James mußte in der That bis in die Nachmittagsstunden reiten, ehe er die bezeichnete Biegung erreichte und nun Thorntons Farm — aus einem recht stattlichen Blockhause mit mehreren umliegenden Baulichkeiten bestehend — vor sich liegen sah. Der junge Mann ritt auf 216 ersteres zu, vor welchem eine Gruppe von Wallnußbäumen stand und unter letzteren saß auf einer Bank eine junge Dame, wie es schien, ganz verlieft in die Lectüre eines Buches. James hätte sich gern um die Lady herum gedrückt, aber es ging wirklich nicht, jetzt sah sie auch auf und er stieg nun ab, nahm den Mustang am Zügel und ging auf die Dame zu. Dieselbe, eine herrlich gewachsene Brünette, vielleicht 18—20 Jahre zählend, mit prachtvollen großen Augen und einem klassisch geformten Gesicht, betrachtete den sich langsam Nähernden prüfend und erwiderte besten linkischen G^uß mit einer stolzen Neigung des Kopfes. Als dann James das Gespräch mit den Worten eröffnete: „Bitt um Verzeihung, Miß — bin ich hier wohl recht auf Mr. Thornton's Settlement?" — gab die Lady mit wohlklingender Stimme zur Antwort: „Gewiß, Sir — wenn Sie vielleicht meinen Onkel zu sprechen wünschen, so wollen Sie sich hinüber nach dem Wohnhause bemühen, er ist soeben von der Suche nach-ein paar verlaufenen Kühen zurückgekehrt und nimmt gerade sein hierdurch verspätetes Mittagsmahl ein. Es würde meinen Onkel jedenfalls sehr freuen, wenn Sie ihm hierbei Gesellschaft leisten wollten; für Ihr Pferd wird dort Sip sorgen." Das junge Mädchen deutete bei den letzteren Worten auf einen herbeischlendernden Negerburschen, dem James, nachdem er der Nichte Thornton's eine etwas ungelenke Verbeugung gemacht, den Mustang übergab und während er selber dem Hause zuschritt, murmelte er vor sich hin: „Teufel, die ist noch viel hübscher, als Susy Briar. . . hm, James, alter Junge, wie wär's mit einem neuen Anlauf? Ja, wenn ich hier nun aber auch nachgehinkt komme?" Unter dem Eindrücke dieses letzteren, für ihn keineswegs sehr tröstlichen Gedankens, betrat der junge Mann das Haus und gleich darauf die sehr saubere und nett gehaltene Wohnstube, in der Mr. Thornton, eine kurze gedrungene Gestalt, allein an einem einfachen hölzernen Tische saß und einer auf demselben aufgetragenen sehr reichlichen Mahlzeit, aus Hirschbraten, fettem, gekochten Schweinefleisch, süßen Kartoffeln, gekochtem Welschkohl und Mais- brod bestehend, alle Ehre widerfahren ließ. Als James mit kurzem Gruß die Büchse in eine Ecke gestellt und seinen Namen genannt hatte, schlug der Farmer mit einem kräftigen „Hallo" auf den Tisch und dann dem Besuch die Hand entgegenstreckend, rief er aus: Was, Ihr feid James Thompson, der Aelteste meine#, alten Kameraden Thompson? Na, das ist höllisch gescheidt von Euch, daß Ihr Euch einmal hier bei uns umschaut, könnt mit mir gleich morgen zu ’ner groben Büffeljagd reiten, das paßt sich ja herrlich. Aber vor allen Dingen müßt Ihr mitesten, ehe Ihr erzählt, was für ein Wind Euch von den Casch-Sümpfen hierherweht." James mußte sich mit an den Tisch setzen, eine ältliche Negerin brachte noch einen Teller nebst Messer und Gabel für den unerwarteten Gast und dieser hieb auch gar wacker ein, denn er hatte während des langen Nittes von Briar's bis zu Thornton's Farm nur einmal etwas kalten Braten zu sich genommen, der sich noch in seiner Jagdtasche vorfand. Nachdem die Mahlzeit vorüber war, brachte der alte Thornton eine steinerne Kruke zum Vorschein, aus welcher er sich und seinem Gaste einen vortrefflichen Whiskey einschenkte, worauf der Farmer anhub: „So, James, jetzt schießt 'mal los, was Euch so weit herauf zu uns treibt — hat Euch vielleicht der Alte hergefchickk, um nach gutem Boden Umschau zu halten? Da könnt ich Euch gut rathen, wir haben ganz herrliches Land hier in der Gegend." „Hm", entgegnete Thompson ziemlich verlegen, „Land suche ich gerade noch nicht, aber . . . aber .... 'was anders . . ." „'was anders, Mann?" lachte der Farmer, „so geht doch nicht wie der Bär um 'nen wilden Bienenstock herum, sondern sprecht Euch aus 1" James that einen tüchtigen Zug aus dem vor ihm stehenden Blechbecher mit Whiskey und sagte: „Na, also, Mr. Thornton, ich sehe schon s'ist am Besten, wenn ich offen mit der Sprache herausrücke, d'rum vernehmen Sie: Mein Alter schickt mich auf die Heirath aus und sollte ich erst bei Briar's Umschau halten, von wegen der beiden Mädels, und . . und da . . „Und da haben Andere Euch dieselben weggeschnappt, nicht wahr?" fiel Thoxnton aus vollem Halse lachend ein, „ja, ja, s'ist ärgerlich, wenn man bei so etwas zu spät kommt. Na, tröstet Euch nur, 's gießt im gesegneten Arkansas noch mehr hübsche Mädels und ein so strammer Bursche, wie Ihr, findet allemal noch sein Schätzchen — meint Ihr nicht selber, James." Dieser rückte indeffen unruhig auf feinem Sitz hin und her und Thornton, welcher merkte, daß seinen Gast noch irgend etwas drückte, ermunterte ihn gutmüthig, fein Herz nur auszuschütten und so gestand denn endlich James, welche Absicht ihn hierher geführte habe. Er verhehlte nicht, welch' tiefen Eindruck die Nichte Thornton's auf ihn gemacht habe, ließ aber zugleich deutlich durchblicken, daß er zuvor gern, wiffen möchte, ob er hier nicht vielleicht auch zu spät käme. Der alte Thornton hatte seinem Besuch zugehört, ohne denselben zu unterbrechen, als dieser aber nun schwieg und seinen Gastfreund verlegen anblickte, versetzte Thornton, indem er dem jungen Thompson wohlwollend auf die Schulter klopfte: „Ihr seid offen gegen mich gewesen und so will ich auch keine langen Umschweife machen. (Fortsetzung folgt). Redaction: A. Scheyda. — Druck mW Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr? Pietsch) in Gießen.