Hießener Zlamilienblätter. Belletristischer Beiblatt k«m Siebener Anzeiger. Mx 92, "Samstag den 7. August. °""L886. Saat und GrnLe. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) „Sagte er, daß er sein Freund gewesen sei?" fragte Vera wieder. „Ja — und erkundigte sich danach, wo und wie man ihn gefunden hatte." „Und heute Morgen war er zum letzten Male hier?" „Er sagte mir, er wolle abreisen." „Und wer schrieb die Worte auf diesen Stein? ' Der alte Mann bückte sich und schüttelte das weiße Haupt. „Vielleicht that er es", sagte er, sich wieder aufrichtend. „Haben diese Worte für Sie eine Bedeutung ?" „Nein, ich weiß nicht, wie ich sie deuten soll. — Glauben Sie, daß der Oberst noch einmal wieder kommen wird?" „Möglich wäre das!" nickte der Greis, und ein bedeutungsvoller Zug umzuckte dabei seine welken Lippen. „Wenn er kommen sollte, dann sagen Sie ihm, eine Dame, die um diesen Tobten tiefer traure als er, laste ihn bitten, sein Schweigen zu brechen und ihr das Geheimniß zu enthüllen, das an den Tod dieses Unglücklichen sich knüpfe. Sagen Sie ihm, er brauche nicht zu fürchten, daß er ihre Ruhe und ihren Frieden durch seine Mittheilungen stören werde; sie sei entschlosten, den Tobten zu rächen, und sie ahne längst, wen diese Strafe treffen muffe! — Wollen Sie mir das versprechen?" „Herzlich gern, Madame." „Sagen Sie ihm ferner, ich — die Tante des Todten — erwarte ihn in meinem Hause, um noch einmal über das Vergangene mit ihm zu reden", wandte Tante Lina sich zu ihm. „Ich hoffe, er wird meine Bitte erfüllen." „Auch die Schwester dieses Unglücklichen läßt ihn darum bitten", sagte Ludmilla, dem alten Manne zunickend. „Vergessen Sie es nicht 1" „Nein, nein, ich werde ihm Alles sagen", erwiderte der Greis, während die Damen langsam sich entfernten. „Ueberlaffen Sie es mir, ihm Ihre Bitte mit- zutheilen", wandte der Referendar sich mit leiser Stimme zu Ludmilla, „ich werde jedenfalls ihn Wiedersehen, und was ich vermag, Ihrem Wunsche Erfüllung zu verschaffen, das wird sicher geschehen, vertrauen Sie darauf." Ludmilla schlug die blauen Augen zu ihm aus, und ein inniger Blick dankte ihm schon im Voraus für feine Theilnahme. „Werden Sie es können?" fragte sie zweifelnd. „Bei Gott ist kein Ding unmöglich, und ich fühle jetzt eine Armee in meiner Faust." „Sie haben sich bereits durch ein Versprechen binden lasten!" „Der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb; aber allzu straff gespannt, zerspringt der Bogen, — der Oberst muß das einsehen. Die Vorwürfe, welche die Frau Landrath mir gemacht hat, waren ungerecht; ein gegebenes Wort darf man nicht brechen." „Nein, nein, Sie haben Recht", erwiderte Ludmilla. „Aber ich fürchte auch, daß der Oberst Sie von Ihrem Versprechen nun nicht mehr entbinden wird." „Ich werde ihn dazu zwingen, keine Mühe und kein Opfer ist mir zu groß, gilt es, einen Wunsch, den Sie ausgesprochen haben, zu erfüllen." Erglühend senkte Ludmilla die Wimpern, indeß der Referendar die goldene Brille dichter vor die blitzenden Augen rückte und siegesbewußt in die Ferne hinausschaute. Sie hatten den Ausgang des Friedhofs erreicht; Tante Sine, die mit Vera vorausschritt, blieb stehen. „Wir werden morgen wiedcrkommen", sagte sie, dem alten Mann zunickend. „Einstweilen danke ich Ihnen, daß Sie so große Sorgfalt auf das Grab verwendet haben." Der Todtengräber verabschiedete sich und wanderte den langsam von dannen schreitenden Damen nach, dann ging er in fein kleines Wohnzimmer, in dem der Oberst Johnson am Fenster stand. „War' es dieselbe Dame, die damals hierherkam?" fragte der Oberst rasch. „Dieselve!" nickte der Mann. „Schrieben Sie die Worte auf den Grabstein?" „Las die Dame sie? Was sagte sie dazu?" „Daß ich Ihnen sagen möge, sie traure um den Todten tiefer als Sie, und nun möchten Sie das Geheimniß enthüllen, ohne Furcht, ihre Ruhe und ihren Frieden zu stören, da sie längst ahne, wen die Rache treffen müsse. Auch die anderen Damen, eine Tante und eine Schwester des Todten, lasten Sie darum bitten." Der Oberst wiegte ablehnend das Hsupl, der harte Zug, der nm seine Mundwinkel lag, trat noch * schärfer hervor. 366 „Ich kann diese Bitte nicht erfüllen", sagte er ruhig, „und thäte ich es, so wäre ihnen dadurch nicht geholfen. Ob sie auch sagt, ihr Friede würde dadurch nicht gestört, ich weiß es besser; meine Enthüllungen würden sie elend machen, und — nein, nein, es ist besser, wenn dieses Dunkel niemals gelichtet wird." „Hat denn der Todte so Schweres verbrochen?" „Nicht um ihn handelt es sich, sondern um die Lebenden", fuhr der Oberst lebhafter fort. „Sie verstehen das nicht, und ich kann es Ihnen nicht erklären." „Nein, ich verstehe das nicht", erwiderte der Greis, sinnend vor sich hinschauend. „Wohl aber vermuthe ich, daß jenes Geheimniß sich auf ein Verbrechen bezieht." — „Auch das nicht I Es wäre eine gänzlich unbegründete Vermuthung. Haben Sie den Damen gesagt, ich sei abgereist?" „Ja wohl; nichtsdestoweniger glauben sie, daß Sie noch einmal hierherkommen würden." „Und worauf stützen sie diesen Glauben?" „Ich weiß es nicht, vielleicht ist es nur eine Ahnung." „Wollen die Damen wiederkommen?" „Morgen." „Dann verrathen Sie nicht, daß Sie mich heute wieder gesehen haben. Hören Sie, was man Ihnen sagt, und schweigen Sie dazu. Ich erklärte Ihnen schon, daß ich unter keinen Umständen mit ihnen zusammenzutreffen wünsche. Ich hoffe, sie werden morgen oder übermorgen wieder abreisen. Sollten Sie mir aber eine dringende Mittheilung zu machen haben, so können Sie dieselbe dem jungen Herrn anvertrauen, der heute die Damen begleitete; er weiß, wo ich mich befinde." „Sie werden morgen nicht wiederkommen?" „Nein." „In diesem Häuschen sind Sie vor einer Entdeckung gesichert." „Ich bezweifle das nicht, immerhin aber kann ein Zufall solche Entdeckungen herbeiführen, und dieser Möglichkeit will ich mich nicht aussetzen." Der Oberst war, während er das sagte, auf den Friedhof hinausgetreten. Der alte Mann wollte ihm folgen; er bat ihn durch einen Wink, zurückzubleiben. Langsam wanderte er den Weg hinunter, der zu dem Grabe führte, und als er vor dem Hügel an- langte, sah er auf demselben einen Handschuh liegen, den er hastig aufhob. Ein feines Parfüm entströmte dem weichen Leder. Der Oberst hielt ihn noch in der Hand, als er den Referendar plötzlich mit raschen Schritten näher kommen sah. Zurückziehen konnte er sich jetzt nicht mehr, er mußte ihn erwarten. „Sie waren hier?" fragte der Referendar überrascht. „Die Damen folgen Ihnen doch nicht?" erwiderte der Oberst hastig. „Bewahre, ich bin nur zurückgekehrt, um einen Handschuh zu suchen, den Madame Ackermann verloren hat. — O, Sie haben ihn schon gefunden, desto bester I" „Ich fand ihn und möchte ihn behalten zum Andenken an diese Stunde", sagte der Oberst ernst. — „Können Sie das unter irgend einem Vorwande mir ermöglichen, so würde ich Ihnen dafür sehr dankbar sein. —" Der Referendar rückte an seiner Brille und blickte den Oberst forschend an. „Ich würde ein schlechter Ritter Delorges sein, wenn ich den Handschuh nicht zurückbrächte", erwiderte er; „aber ich will unter einer Bedingung Ihnen den Gefallen erzeigen und mich der Dame gegenüber einer Unwahrheit schuldig machen, indem ich ihr erkläre, daß ich den Handschuh nicht gefunden habe." „Und wie lautet diese Bedingung?" „Daß Sie mir das Geheimniß enthüllen, welches an dieses Grab sich knüpft!" „Nehmen Sie den Handschuh und gehen Sie", erwiderte der Oberst ruhig; „ich hätte mir das Andenken gern erworben, aber diesen Preis kann ich nicht zahlen, Sie misten, daß ein Ehrenwort mich bindet; Sie dürfen und werden mir auch nicht zu- muthen wolle«, es zu brechen." „Und hat dieses Ehrenwort noch heute, nach Verlauf von zehn Jahren, bindende Kraft?" „Es bindet mich, so lange ich lebe." „Dann verzeihen Sie; in diesem Falle darf ich freilich auf meiner Bedingung nicht bestehen. Aber ich stelle eine andere." „Welche?" „Sie haben diese räthselhaften Worte auf den Stein geschrieben — wollen Sie mir die Bedeutung derselben offenbaren?" „Nur dann, wenn Sie mir versprechen, meine Antwort den Damen nicht mittheilen zu wollen!" „Muß es sein?" „Ja, es muß sein!" erwiderte der Oberst, ihn ernst und voll anblickend. „Ich habe mein Ehrenwort verpfändet, so muß ich diese Bürgschaft auch von Ihnen verlangen." „Sei es denn!" sagte der Referendar. „Es befremdet mich freilich, daß man aus den Gründen dieses Selbstmordes ein undurchdringliches Geheimniß machen will — aber hier meine Hand darauf, daß ich schweigen werde! Was also bedeuten diese Worte?" „Sie werden mir den Handschuh überlasten, wenn ich Ihre Frage beantworte?" „Ja." „Wohlan, mit diesen Worten nahm Hermann von Salberg Abschied von Ackermann, um in den Tod zu gehen." Der Referendar blickte ihn betroffen an. „Nun bin ich nicht klüger al» zuvor", erwiderte 367 er ärgerlich — „Enthielten diese Abschiedsworte eine Drohung?" „Mein lieber Freund, wie kann ich das wissen? — Nchmen wir die Worte, wie sie sind — es bleibt uns unbenommen, Vermuthungen an sie zu knüpfen — ich kann Ihnen leider keinen Aufschluß darüber geben. —" (Fortsetzung folgt.) Die Kautpfteg e. Ein Capitel für die Frauen. Niemand weiß bester zu beurtheilen als die Frauen, daß ein guter Teint, eine schöne, angenehme, reine Gesichtshaut wesentlich dazu beiträgt, die äußere Erscheinung vortheilhast zu gestalten, und in weiblichen Toilettenkünsten hat daher die Pflege der Haut von jeher eine hervorragende Rolle gespielt. Allerdings erfordern schon Pflichten gegen die Gesundheit wie gegen die Gesellschaft eine sorgsame Pflege der Haut durch Waschen und Baden, aber die Rüäsichten auf die Forderungen der Schönheit sind für die Damenwelt bei der Hautpflege doch am meisten bestimmend und ihnen werden sogar häufig diejenigen auf das körperliche Wohlbefinden untergeordnet. Daher kommt es denn daß in der weiblichen Kosmetik eine wahre Unsumme von Schönheitsmittelchen, von allerhand Pflästerchen und Wässerchen, Schminken, Salben, Cremes, Pomaden u. s. w. existirt, die alle bestimmt sind, der Haut äußerlich wenigstens die größtmöglichste Frische, Reinheit und Schönheit zu verleihen, sollte e» selbst auf Kosten der Gesundheit geschehen. Da die Heilkunst keine schrundige, gallicht gelbe oder graubleiche Haut mit Milch und Blut füllen, mit einem Worte dem Menschen keine neue Haut anziehen kann, sondern nur die Hautkrankheiten zu beseitigen und den Teint durch Regulirung der Verdauung und Diät zu klären vermag, so muß eben der Geheimmittelschwindel aushelfen und was derselbe auch auf dem Gebiete der Schönheitspflege geradezu Ungeheuerliches leistet, ist ja sattsam bekanntl Wir finden heutigen Tages auf den Toilettentischen der Damen so viele Fläschchen, Kruken, Büchsen, Schächtelchen, Packetchen u. s. w., daß dieser Ort der täglichen Herstellung der Erscheinung vielmehr einer Apotheker-Officin zu gleichen scheint. Es werden tagtäglich Hunderte von Toiletten-Schön- heitsseifen, eine Anzahl Wässer, wie Eau de Lys, Eau de Ninon, Ozonwasser u. s. w., die verschiedensten Pülverchen, Salben, Parfümerien, Oele, Säfte, Balsame, Fluids, Tinkturen angepriesen, mit denen die Charlatane auf die Leichtgläubigkeit und nicht zum Wenigsten auch auf die Eitelkeit des Einzelnen speculiren, angepriesen, welche deren Herstellung nur wenig Groschen kostet, die sich aber die „Erfinder" mit schwerem Gelds bezahlen lassen. Nun, das letztere möchte immerhin noch angehen, aber viele dieser Toilettenmittel enthalten der Gesundheit geradezu nachtheilige Ingredienzien und dies ist besonders mit den weißen Schminken der Fall, zu denen man in der Damenwelt mit Vorliebe seine Zuflucht nimmt, wie Circassierweiß, Kremserweiß, Alabasterweiß, Perlweiß u. s. w. Alle diese Schminken enthalten Metalloxyde, die zwar einer faden runzeligen Gesichtshaut eine brillante Weiße verleihen und gleichzeitig die Furchen und Linien ausfüllen und zudecken, dafür aber auch bei längerem Gebrauche Vergiftungserscheinungen Hervorrufen, die sich in Kopfschmerz, Krämpfen, Rheumatismus, Abzehrung u. f. w. äußern und sogar schließlich zum Wahnsinn und zum Tode führen können. Es ist sehr erklärlich, daß das Schminken bei zahlreichen Frauen als ein unentbehrliches Mittel zur Erhöhung ihrer Reize gilt; ein weißer Teint mit sanft rothen Wangen war von jeher das Ideal der wirklichen und künstlich imitirten Jugend und Gesundheit. Selbst das Tättowiren wilder Völker läuft auf den Zweck der Verschönerung und im» ponirenden Repräsentation hinaus, wenn auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Man schminkt sich, um eine entfärbte, graue, fleckige oder kränklichbleiche Haut in den Schein der jugendlichen oder gesunden Lebenrfrische zu versetzen, also Mängel, welche Natur oder Lebensweise verschuldeten, zuzudecken, aber der längere Gebrauch der meisten Schminken ruft, wie schon erwähnt, nicht unbedenkliche Krankheitserscheinungen hervor, ganz abgesehen davon, daß die Haut hierbei erst recht trocken, faltig und leichengrau wird. Auch eine ganze Anzahl von Teintpulvern, deren Zweck es ist, die Haut weich und glänzend zu machen, enthalten giftige Metalloxyde und zieht demnach ihre öftere Anwendung dieselben gesundheitsschädlichen Folgen nach sich, als dies bei den Schminken der Fall ist. Weiter enthalten viele Seifen der Gesundheit nachtheilige Be- standtheile und dies gilt gerade von den sogenannten Gesundheitsseifen, da denselben gewöhnlich Metallfarben beigemischt sind, welche eine mehr oder weniger schädliche Wirkung auf die Haut äußern, indem sie dieselbe hart, spöde, rissig und zu Ausschlägen geneigt machen. Dagegen ist das Einsalben der Haut, wenn e» maßvoll geschieht, geeignet, der Haut Glätte, Weiße und Geschmeidigkeit zu verleihen, ohne nachtheilige Folgen zu hinterlassen. Wer freilich seine Haut täglich einfettet, der irritirt hierdurch die Poren und Falten, diese zarten drüsigen Organe der Haut, ruft auf letzterer Pusteln und Blüthen hervor und bewirkt so gerade das Gegentheil des beabsichtigten Zweckes. Gegen Flechten, Mitesser, Schuppen, Leberflecke, Sommersprossen, Warzen und andere Entstellungen der Haut giebt es ebenfalls eine Reihe von Mittelchen, die bei der Damenwelt meist sehr beliebt sind, aber deren Anwendung gewöhnlich auch nicht ohne Bedenken ist, doch würde uns eine Charakteristik dieser Mittel an dieser Stelle zu weit führen. „Nun" — werden da vielleicht viele Modedamen entrüstet fragen — „soll man sich bei der Pflege der Haut etwa nur mit communem Wasser behelfen?" 368 Nein, gewiß nicht, obgleich die Reinlichkeit das wirk« samste und natürlichste Toilettenmittel ist, das es giebt und es immer am besten erscheint, der Natur ihren Lauf zu lasten; so manche Dame, welche ihren etwas unreinen Teint durch Zuhilfenahme kosmetischer Mittel zu verbessern gedachte, wurde hiervon über und über kupferfleckig im Gesicht. Indessen, der Wunsch, die Jugend so lange als möglich zu erhalten und Fehler der Haut beseitigen zu wollen, erscheint beim weiblichen Geschlecht nur selbstverständlich und man kann es daher seinen Vertreterinnen nicht ver« denken, daß sie zu den künstlichen Toilettenmitteln greifen. Scheint es doch viel bequemer, die Jugendfrische und angenehme Beschaffenheit der Haut durch äußere Hautmittel wenigstens scheinbar zu repräsen« Irren, als durch eine ost mit Entsagungen verbundene Diätetik des Leibes wie der Seele zu erzielen — und dennoch wirkt die letztere im Grunde genommen besser und nachhaltiger, als die gepriesensten Schönheitsmittel. Man muß es deshalb als eine der ersten Hauptbevingungen, eine schöne, glatte, weiche, und überhaupt allen Regeln der Schönheit entsprechende Haut zu erhalten, bezeichnen, daß alle heftigen Leidenschaften, alle niedrigen Gefühle möglichst zu bekämpfen und fern von sich zu halten sind. Nichts ist gefährlicher, als sich den Wirkungen von Zorn, Haß, Neid und Eifersucht auszusetzen, sich diesen Leidenschaften hinzugeben; sie machen die Züge vor der Zeit alt und graben tiefe, unverwischbare Spuren ein auf die Stirn, um die Augen, um den Mund, wodurch das Gesicht häßlich und abstoßend erscheint, selbst wenn es auch sonst schön zu nennen wäre. Ferner sind Mäßigkeit und mögliche Regelmäßigkeit des Lebens und der Diät unerläßlich zur Gesundheit und hierdurch auch zur Erhaltung der Schönheit, denn um lange hübsch und anziehend zu bleiben, muß eine Frau vor allen Dingen gesund sein. Die zu häufigen Bälle und andere Vergnügungen, welche auf Kosten eines erquickenden Schlafes genossen werden, ermüden und erhitzen den Kopf und rauben dem Teint alle Frische. In Hinsicht des Essens hüte man sich vor zu stark gewürzten und zu fetten, wie vor sehr süßen Speisen. Man halte sich nicht für sehr mäßig, wenn man wenig ißt, sondern man richte sich völlig nach seinem Appetit, hüte sich aber vor Kuchen, Torten und ähnlichen Leckereien, obschon dieselben in der Damenwelt im Allgemeinen sehr bevorzugt sind. Dabei ist es am gerathensten, das Gesicht häufig mit frischem, nicht allzukaltem Wasser, vorzugsweise mit weichem Quellwasser ober mit Regenwasser, zu waschen, und zuweilen mit einem feinen Flanell zu frottiren, auch sich so ost al» thun- lich zu baden. Sehr brünette Damen können ihre Haut dadurch bleichen, daß sie Hals und Gesicht mit destillirtem Wasser, dem sie einige Tropfen Alkohol oder Kölnischen Wassers zusetzen, waschen. Ist die Haut sehr spröde, so reibe man sie Abends mit Gold-Cream ein; nur sehe man sich vor, daß man mit diesen Fabrikaten, die zu Dutzenden ost unter den hochtönendsten Namen im Handel coursiren und welche trotz ihres kostspieligen Preises nur von sehr mittelmäßiger Beschaffenheit sind, nicht beschwindelt wird. Am besten thut man, das in unseren Apotheken und Droguenhandlungen zu findende Unguentum leniens oder das nach Rosenöl duftende Gold-Cream zu nehmen. Mit dem Gebrauche von Seife im Gesicht sei man mäßig, da die Haut hierbei leicht zu glänzend und straff wird, denn unsere heutigen Seifen, selbst wenn sie Toiletten- und Gesundheitsseifen heißen, sind wegen ihres Ueberschusses an Aetznatron zu scharf für die Haut und reizen dieselbe zu stark. Diese üble Erfahrung haben denn auch schon viele Damen mit feiner, empfindlicher Haut gemacht und sind dieselben hierdurch veranlaßt worden, sich der Seifen so viel wie möglich zu enthalten und sich statt ihrer der Mandelkleie zu bedienen. — Ein übertriebener Luxus wird heute mit Parfürmerien getrieben, der nicht nur die. elegante Welt in die köstlichen Blüthendüste der südlicheren Himmelsstriche einhüllt, sondern auch schon die Dienstmägde mit dem säuerlichen Dunst von Schweiß und Bergamotte- Oel umgiebt. Jedenfalls muß gegen ein übertriebenes Waschen der Haut, namentlich des Gesichts, mit Kölnischem Wasser und ähnlichen Essenzen erinnert werden, daß ein solches Verfahren immer schädlich ist; der in solchen flüssigen Parfüms enthaltene Alkohol entzieht der Haut da» nothwendige Fett, reizt die Drüsen und macht die Haut spröde und trocken. Ebenso werden öfters mit spirituösen Parfümerien befeuchtete Haare schnell grau und fallen leicht aus. Am besten ist es, will man derartige Essenzen mit zur Pflege der Haut verwenden, daß man, wie schon oben mitgetheilt, seinem Waschwasser einige Tropfen von solchen Flüssigkeiten zusetzt. Will man Sommersprossen, Mitesser, Leberflecken und dergleichen für eine Dame unangenehme Dinge beseitigen, so lasse man den ganzen Geheimmittelkram mit seinen theueren Büchsen und Phiolen bei Seite und sich lieber vom Arzte ein paar einfache Mittel verschreiben. Wir können speciell gegen Sommersprossen und ähnliche Flecken, wenn sie nicht von Magen- und Leberkcankheiten herrühren, Waschungen mit Citronensaft, Borax mit Rosenwasser und Saft von unreifen Gurken als vielfach bewährte und jedenfalls sehr billige Mittel empfehlen. Mit folgender Anekdote, die wohl keiner weiteren Erörterung bedarf, wollen wir unsere Ausführungen schließen: Die Marquise von Brohan, eine Dame am Hofe König Ludwigs XIV. von Frankreich, war bis in ihr Alter hinauf wegen ihrer außerordentlich reinen, zarten und weißen Haut berühmt, aber sie weigerte sich standhaft, das Toilettenmittel anzugeben, durch welches sie eine so wundervolle Haut erhalten und sich bewahrt habe. Erst auf dem Sterbebette gestand die Marquise, daß sie sich, so oft sie es nur habe erhalten können, mit — Regenwasser gewaschen habe! Rebectioii: A. Sche-da. — Druü und Verlag der Brühl'sche« Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.