Hießen» JamilienbMer. Belletristisches Beidtst! MW Giekener Mstiger. Hy» TV ........ .........>l ««II. ^^M^.-CTE/cgr_fcXW^£-,^a^a»/acwa=>A Nr. 53. Donnerstag den 6. Mai. 1,886. Die Jakschmünzer. Crimrnal-Noman von Gustav Lössel. (Fortsetzung). „Gut", sagte Fuchseisen, sich zum Gehen wendend. .Natürlich werde ich der Polizei auch sagen, was lch in jener Nacht im „Fuchsbau" beobachtet, als ich das verhängnißvolle Bündel entfaltete." „Ich sage Ihnen, ich bin arm — ein Schreiber, weiter Nichts." Duprat hielt den Verbrecher zurück. „Sie?" höhnte jener. „Und dann die Wohnung in der Promenadenflraße?" „Promenadenstraße? Ich habe ja gar keine Wohnung dort." „Nein Sie, das ist Herr Duprat, nicht. Aber als Viton —" „Still! Wie haben Sie das ermittelt?" „Mit Spürsinn und Beharrlichkeit. Wollen Sie mir nun die zehntausend Mark zahlen?" „Etwas sehr viel weniger, und nicht für die Sachen, die für mich gar keinen Werth haben, sondern wegen dessen, was Sie sonst erlauschten. Natürlich befand ich mich im „Fuchsbau" in keiner guten Gesellschaft, das wußte ich wohl; aber daß es ganz so schlechte war, das wußte ich nicht. Und Viton — doch davon heute Abend. Sie werden kommen? Mit den Sachen —" „Wohin und wann?" „Um neun Uhr; aber nach der Waldenstraße." „Weiß schon. Zweiter Eingang zu dem Haus in der Promenadenstraßr. Habe Alles gründlich er- forscht." „Um so bester, dann bedarf es keiner Erklärungen weiter. Also Punkt neun Uhr am Gartenweg. Ich bin zur Stelle." „Und ich auch." „Und die Sachen?" „Bringe ich mit. Wir werden schon zu einer Einigung kommen." „Ich will es hoffen ; wenn ich auch —" Hier öffnete sich eine der Büreauthüren, und Duprat schob seinen Fuchsbaubekannten rasch nach der Treppe, bei der ste gestanden, und entfernte sich nach der anderen Richtung. Der da heraus kam, war einer der Büreaubeamten, und diesen hielt Duprat mit Fragen so lange auf, bis Fuchseisen entkommen war. Dann begab er sich, wenn auch etwas unsicher, nach seinem Bureau zurück. Wie vermuthet, hielt Etwold sein Auge sogleich forschend auf ihn gerichtet. „Was war denn das für ein Subjekt?" fragte er. „Wurde einem ja angst und bange. Und den Menschen kennen Sie?" „Haben Sie mein Erschrecken gesehen?" fragte Duprat ausweichend. „Ja gewiß." „Und gesehen, wie ich ganz sprachlos war?" „Alles, Alles. Und ich war erstaunt —" „Sie werden flch selbst entsetzen, wenn ich Ihnen sage, wer der Fremde war", entgegnete Duprat. „Nun?" fragte der Kommerzienrath gespannt. „Ein Wahnsinniger!" „Ha! Was! Wieso?" „Sie entsinnen sich wohl noch, daß ich Ihnen sagte —" „Daß Ihre unglückliche Mutter im Irrenhaus geendet — ja, ich entsinne mich besten." „Nun also. Und dort war es, wo ich diesen Menschen zum ersten Mal und bei meinen späteren Besuchen wiederholt gesehen. Er hatte so eine Art Neigung zu mir gefaßt, die mir natürlich nur Grauen einflößte, denn er wurde mir als ein Mensch geschildert, der einen lachenden Gesichts ermorden könnte." Der Kommerzienrath blickte entsetzt auf den Sprecher. „Jahre sind seitdem vergangen", fuhr Duprat fort, „so lange habe ich den Menschen nicht gesehen; und auf einmal tritt er hier vor mich hin. Nun, Sie haben ja gesehen, wie und mit welcher Abstcht." „Mit welcher Absicht? Nein von dieser weiß ich Nichts." „Mein Gott, er will Geld von mir haben. Er ist entsprungen und hat seine Anstaltskleider mit diesen vertauscht. Nun soll ich ihm zur Fortführung seiner Flucht behülflich sein." „Sie haben ihn verhaften lassen?" „I bewahre. Eher hätte er mich ermordet, als sich gefangen gegeben. Ich bestellte ihn also zu heute Abend um acht Uhr in meine Wohnung angeblich, um ihm das gewünschte Geld zu geben, in Wahrheit aber, um ihn dort in eine Falle zu locken." „Schrecklich!" fragte der Kommerzienrath. „Wenn er nur nicht wiederkommt." „Der? der kommt nicht wieder. Ich sagte ihm, daß Sie Befremdung nur heuchelten, daß Sie ihn kennten, da Sie mich früher einmal begleitet haben, 210 Bald kam Duprat in dieselbe unangenehme Lage, etwas sicher Gewähntes suchen zu müssen, nur waren dies keine eisernen Schlüsiel, sondern Nollen Goldes und Werthpapiere von enorm hohem Werty. In seinem für unverletzbar gehaltenen eifirnen Geldschrank hatte er sie geborgen gehabt, und nun waren sie fort, ohne jede Spur einer angewandten Gewalt. Nur das Raffinement leuchtete daraus hervor, daß man die Vorderlagen, um den Blick zu täuschen, hatte bestehen laffen, während man dre | Masse, der sie nur als Deckblatt dienten, stahl. „Bestohlen - ruinirt - ein armer Mann ll jammerte Duprat, während er suchte und suchte, ohne Etwas zu finden. Plötzlich schlug er sich nut der Land vor den Kopf. Er hatte des Rathsels Lösung gefunden. Er entsann sich jetzt, daß er damals, als er Dryden das Geld gegeben, rn der Eile den Schrank zu schließen vergessen, und auch des Eifers, mit welchem jener nach ihm noch dre Karte studirte. Sein Freund war der Dieb, das unterlag keinem Zweifel. Dann aber hatte er auf kernen Pfennig des Geldes mehr zu rechnen. In einer so tief verzweifelten Stimmung fand ihn Fuchseisen, an den er noch rechtzeitig dachte, um Franz wegzuschicken und jenen einzulasien. Der Verbrecher hatte in Wahrheit das Bündel; bis auf die rothe Maske enthielt es Alles, was Duprat bei jenem ersten flüchtigen Blick, den er hinein that, gesehen. und daß Sie ihn bei seiner etwaigen Rückkehr sofort einstecken lasten würden." „Das hätten Sie nicht thun sollen , erwiderte der Kommerzienrath mit einem Anflug von Angst. „Aber versäumen Sie sich nur heute Abend nichtt Ich habe nun keine Ruhe mehr, brs der Mensch auch nicht", dachte Duprat, aber er meinte es anders mit dem Sitzen. Der Kommerzienrath ging und kam heute wenig mehr ins Büreau. Der bedrohende Ueberfall des Wahnsinnigen war Entschuldigung genug. Zn Wahrheit suchte er noch weiter nach den verlorenen wqi schon gestern Nacht zum Keller hinabge- stieqen und hatte denselben verschlossen gefunden. Das war wohl ein Grund zur Beunruhigung für ihn. Hatte er selbst die Schlüssel nur verlegt? Hatte Jemand sie entwendet — und wer? Wohin? Hatte er sein Geheimniß ergründet? Das fragte sich Etwold, während er noch nach den Schlüsteln suchte. Er war seit acht Tagen nicht im Keller gewesen, und inzwischen war er en Ui. Die Ereignisse drängten sich. Er hatte keine ganz klare Vorstellung mehr, was er mit den Schlüsseln vor seiner Abreise gemacht. Daher feine verzweifelte Hoffnung, daß er selbst der Urheber des gegenwärtigen Unglücks sei. Er suchte und suchte vergeben«; und mit jeber verfliegenden Stunde wuchs seine Angst und Auf- „Ja, aber mit Euren zehntausend Mark, lieber Freund", sagte er bedauernd, „kann ich nicht Irenen. „Was? Kein Geld?" rief Fuchseisen ,«nb griff nach seinem Bündel. , Duprat that das Gleiche. „Geld schon", sagte er, „aber nicht so viel, wie Ihr verlangt. Nehmt mein Ehrenwort darauf, es ruhten Hunderttausende in diesem Schrank, und sie sind - fort. Der falsche Freund, den Ihr mit mir im „Fuchsbau" gesehen, der, dem ich den Zettel verzwmfelt. bricht", entgegnete der Andere gelasten. „Ich könnte, wenn ich wollte, die Hälfte alles desten fordern, was Ihr noch habt, ;a, sogar Alles; und Ihr dürftet mir nicht nein sagen. Ich denke aber, es trifft einen Kollegen, und so handle ich als solcher. Also zehntausend Mark für die Sachen hier, und die Hälfte alles desten. was ich noch Eurem falschen Freunde abnehme. Wollt Jyr das, dann sagt mir, wo ich die Canaille finde, und 5ll’$°®en ich aufhob —" u Fuchseisen ^that einen Blick in das.^Mch verstörte Gesicht seines Opfers; er las dann die Wahrheit desten, was Duprat sagte. „Und warum lagen dre Hunderttausende hier? fragte er. „Warum nicht m der Bank? Und wie kamt Ihr, ein Büreaubeamter, zu so viel Geld? „Ein Lotteriegewinn und glückliche Spekulationen an der Börse", entgegnete Duprat ausweichend. „Oder — ein Mord tm Dunkeln, he? zischte Fuchseisen. „In der Schwedengasse vielleicht? $ Seid Ihr von Sinnen?" stammelte Duprat, erdfahl im Gesicht. „Wer - wer sollte das be- ^^n^Wsr?"^lachie der Andere. „Nun, doch wohl der Schatzbewahrer, der allen Grund hatte, seinen Fund so geheim zu halten. O, ich erkenne m Eucy nun erst den ganzen Menschen und den großen Verbrecher! Aber denkt nicht, daß ich Euch »u verrathen gedenke, im Gegentheil, ich will Euch -gar noch zu Eurem geraubten Gute verhelfen. Wie Ihr es erworben, war ja gleich. Ihr hattet es, es war euer. Und wenn Ihr mir zehntausend Mark davon gebt, so wißt Ihr, wofür Ihr es thut. Das Bündel mit der Maske des Ermordeten u"d Eurer eigenen mag unter diesen Umständen wohl die Halste des ganzen Raubes werth sein." , Duprat ermannte sich trotz seiner Niedergeschlagenheit wegen des verlorenen Geldes zui einer Vertheidigung seiner Person, die aber natürlich, seinem Zustande entsprechend, nm kläglich ausfiel und bei Fuchseisen, nur Spott und Verachtung fand. „Wozu die Worte!" sagte dieser. ,,Jn meinen Ohren bleiben sie doch nicht haften. Vertheidigt Euch vor Euren Richtern; mit mir habt Ihr nur zu unterhandeln, nicht zu verhandeln. Jetzt also gevt mir zehntausend Mark —" . . _ . „Aber wenn ich Euch zuschwöre", rief Duprat 211 ich reise sofort ab, Um Euch zu Eurem Eigenthum zu verhelfen." Das Wort „abreisen" berührte erleichternd Duprat's Ohr. Das hieß zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen; er erhielt die Sachen ausgeliefert, an deren Besitz ihm sehr viel gelegen war, und wurde diesen gefährlichen Menschen los. Es war wohl selbstverständlich, daß Fuchseisen nicht wieder- kehrte, wenn er das Geld von Dryden hatte. Nur um Alles über diesen zu erfahren, spiegelte er Duprat vor, daß er ihm die Hälfte des Zurückgewonnenen ausliefern wollte. Zwar brachten drs zehntausend Mark wieder einen großen Riß in sein sehr zusammengeschmolzenes Vermögen, aber Duprat hoffte, daß dieses das letzte Opfer sein werde, das er feinem großen Plan mit Etwold werde bringen müssen. „Indem ich Euch die Zehntausend gebe", sagte er, „theile ich mit Euch mein Letztes. Ihr dürft also auf mich ferner nicht rechnen. Ich werde roieber werden, was ich vordem war, ein armer Commis, und meine hier innegehabte glänzende Wohnung aufgeben. Es war eine Dummheit von mir, nach dem „Fuchsbau" zu gehen, und ich hoffe, daß Ihr mich ferner daran nicht erinnern werdet." „So wenig wie an das Kleiderbündel hier. Wenn ihr von Niemandem mehr zu fürchten habt als von mir, dann seid ihr sicher genug. Seht Euch nur vor, wie ihr Euch sonst Jemandem ver- rathet; sie könnten nicht Alle ein so weites Gewissen haben wie ich. Nun aber gebt das Geld, mich drängt es, fortzukommen." „Und wohin wendet ihr Euch nun?" „Noch in dieser Nacht nach Paris, wo ich meinen Vogel «ufzuscheuchen hoffe." „Er wird über's Weltmeer gegangen sein." „Ich folge ihm!" „So ernst nehmt ihr Eure Jagd?" „Und noch viel ernster. Seid seinetwegen ganz beruhigt. Das Geld oder sein Leben nehme ich ihm und bringe Euch Euren Antheil." „Nicht um den Preis einer Verbrechens, nein, nein, Fuchseisen", wehrte Duprat diesen energisch ab. „Wenn es ohnedem geht, ist's nur gerechte Vergeltung, denn diesem Menschen habe ich alles Gute erwiesen, und nun lohnt er es mir so; aber wenn Blut fließen muß, dann verzichte ich lieber." (Fortsetzung folgt.) James Thompson's Wraulfaßrt. (Humoreske aus dem amerikanischen Westen.) (Nachdruck verboten.) „Höre, James", sagte eines schönen Tages der alte Thompson, welcher seine Farm im nördlichen Arkansas mit Hülfe seiner vier Söhne schon seit vielen Jahren bewirthschaftete, zu dem Aeltesten der „Jungens", „Du bist nun vierundzwanzig Jahre alt und der älteste von Deinen Brüdern; calculire, daß es Zeit wird für Dich, nach 'nem eigenen Neste Umschau zu halten, zumal ich, wie Du weißt, nächstens die Schwester von Mr». Thompson — Gott hab' sie selig! — hernehmen will, damit wir wieder ein bischen Ordnung in unfern Haushalt kriegen. Da wir den Mais herein haben, kannst Du schon auf ein paar Wochen abkommen. Briars d'rüben am Green Creek haben zwei hübsche Mädels, die werden Dir schon gefallen; dann ist auch nicht weit davon ein Settlement vom alten Thornton; er wll eine verteufelt hübsche Nichte haben, die ihm den Haushalt führt und die von ihm jedenfalls 'ne gute Anzahl Dollars mitkriegt. Na, und noch weiter hinauf nach den Hügeln zu, liegt die Farm von Ben Reader, der ein alter Schulkamerad von mit ist — segne meine Seele, wenn wir zwei dem Schulmeister nicht immer durchgebrannt sind! — und die Grace Reader soll auch 'ne recht ansehnliche Person sein. Also, mein Junge, Du hast die Auswahl und Briars wie Thornton und Ben Reader sitzen in der Wolle; kannst morgen früh gleich auf- brechen und Dir den schwarzen Mustang mitnehmen; er ist ein vortrefflicher Paßgänger." Das war wohl die längste Rede, welche Thompson senior je gehalten und er hielt nun auch seinen Aeltesten für genügend instruirt, denn der alte Farmer wandte sich alsbald seinen häuslichen Verrichtungen wieder zu, James aber kratzte sich bedenklich hinter dem Ohre, da er sich bisher mehr um die Bären und Hirsche in Arkansas — zur Zeit unserer kleinen Geschichte war die Jagd daselbst noch ziemlich ergiebig — als um die Mädels gekümmert hatte. So oft der junge Hinterwäldler bis jetzt in die Gesellschaft von jungen Ladies gekommen war — allzuhäufig hatte er hierzu freilich noch nicht Gelegenheit gehabt — so war ihm immer höchst unbehaglich zu Muthe gewesen und er beging dabei regelmäßig eine Menge von Dummheiten und benahm sich überhaupt so linkisch, daß die Ladies au» dem Kichern über den im Uebrigen ganz stattlichen Burschen nicht herauskamen und der junge Thompson machte sich schließlich immer aus dem Staube, wenn er nur von Weitem ein weibliches Wesen „witterte." Unserm James erschien daher der Gedanke, auf die Brautschau reisen zu müssen, durchaus nicht als etwas Angenehmes, aber sein „Alter" wollte es und Opposition duldete Thompson senior nicht im Entferntesten so daß eben Alles nichts half und James am nächsten Morgen richtig fortritt. In seinem Jagdanzug, das breite Bowie-Messer im Gürtel, die treue Büchse quer über den Sattel gelegt, machte der junge Thompson allerdings gerade nicht den Eindruck eines Mannes auf Freiersfüßen, indessen, schwarze Anzüge waren damals unter dem jungen Mannsvolke von Arkansas noch nicht Mode, höchstens bei den „Süßholzrasplern" von Little Rock, Lsdgeville u. s. w. und James wäre sich jedenfalls selber sehr komisch vorgekommen, wenn er etwa wie ein Metho- \ distenprediger im schwarzen Rock und Hütchen und 212 weisen Vatermördern durch die Wälder von Arkansas gesprengt wäre. Doch dies nur nebenbei. Zunächst wollte Thompson jun. der Anweisung von Thompson aen. folgend, sich Briar's Mädels ansehen und lenkte demgemäß seinen Mustang dem Green Creek zu, doch da er sich gewaltig Zeit nahm, \o kam er erst gegen Abend dort an. Vom alten Briar, der den jungen Mann von einer Jagd her kannte, wurde er herzlichst bewillkommt und seiner Frau, sowie Susy der älteren, und Ellen der jüngeren Tochter, vorgestellt. Der Gast schüttelte Allen die Hand und saß bald darauf mit der ganzen Familie, zu der noch zwei kräftige Jungen im Alter von zwölf und vierzehn Jahren gehörten, bei der einfachen Abendmahlzeit. Verstohlen betrachtete Thompson die beiden ihm gegenübersitzenden Mädchen und mußte sich gestehen, daß sie wirklich ganz nett seien, nur konnte er darüber mit sich nicht in'e Reine kommen, welche von beiden eigentlich die Hübscheste sei. Uebrigens erging es ihm genau so, wie er es sich gedacht hatte, denn wenn Susy oder Ellen irgend eine Bemerkung an den jungen Mann richtete, fo ward er puterroth dabei und gab die verkehrtesten Antworten, so daß er schließlich froh war, als der alte Briar mit ihm über die Jagdverhältnisse am Green Creek zu plaudern begann. Mrs. Briar hatte für den Gast ein Lager aus Fellen und Decken in der Wohnstube Herrichten taffen, auf dem James sich aber noch ziemlich lange herumwälzte, ehe er einschlief, denn er wußte entschieden nicht, ob er um Susy oder um Ellen freien sollte. Als er sich aber am andern Morgen am Brunnen wusch, fiel es ihm ein, daß ihn Susy gestern einmal recht freundlich angeschaut habe und das war für den jungen Thompson genug, um sich für die ältere von Mr. Briar's Töchtern zu entscheiden. Es wollte jedoch James nicht gleich gelingen, mit seiner Auserkorenen einmal auf ein paar Minuten allein zu sein, auch mußte er später den alten Briar auf einem Rundzange durch die Felder begleiten und beim Miltagseffen erschien eine Aussprache selbstverständlich auch nicht angebracht. Außerdem kam unser Freund hierbei gar nicht aus den Verlegenheiten heraus; heute saß er nämlich zwischen Susy und ihrer Schwester und da beging James natürlich eine größere Anzahl von Dummheiten, so daß die Mädels fortwährend in sich hin- etnkicherten. Nachmittags ritt er mit Mr. Briar und George, dem ältesten der beiden Söhne, ein wenig in die benachbarte Prairie hinaus, und wenn auch Thompson hierbei sein Herz immer vor Susy's Vater ausschütten wollte — es kam doch nicht dazu und nach der Heimkehr fand sich wiederum keine Gelegenheit, mit Susy zu sprechen. James beschloß aber nun, am nächsten Morgen auf alle Fälle direct auf fein Ziel loszusteuern, es wäre doch auffällig gewesen, wenn er hätte die Gastfreundschaft dieser guten Leute noch länger in Anspruch nehmen wollen, ohne mit der Sprache herauszurücken. Allerdings roar, es wahrscheinlich daß Briars ahnten, weshalb er seinen Ausflug nach dem Green Creek unternommen hatte, aber Niemand ließ sich wenigstens etwas merken und jedenfalls war es James Sache, endlich mit seinem Anliegen nicht länger hinter dem Berge zu halten. Das Glück schien ihm auch an andern Morgen günstiger zu sein, als bisher, denn er bemerkte, wie Susy in dem Garten hinter dem Vorrathshause Bohnen abnahm, ohne daß Jemand sonst noch im Garten war. Verstohlen manövrirte sich der junge Mann bis zu dem Mädchen hin und sah zu seiner innigsten Genugthuung, daß es bei seinem unverhofften Anblicks roth wurde, und daß das für einen Verliebten, immer ein hoffnungsvolles Zeichen ist, wußte selbst James. Nach dem üblichen Morgengruß fand er aber doch nicht gleich eine Fortsetzung und so meinte er denn erst nach einer Pause: „Prachtvollen Morgen das, Miß Susy." „Gewiß, Mr. Thompson — was meinen Sie, werden wir dies schöne Wetter noch lange fortbehalten?", lautete die Entgegnung Susy's und es flog etwas wie ein schelmlisches Lächeln über ihr rosiges Antlitz, so daß der junge Hinterwäldler schon merklich außer Fassung gerrieth und lMvorstotterte: „Hin, Miß Susy ... ich calculire . . . weiß nicht, ob's so bleiben wird . . . o, ich bitt' um Vergebung, wollte sagen, s' wird wohl so bleiben, das heißt, wenn der Wind seine Richtung beibehält . ." Susy beugte sich nieder, um ein paar auf die Erde gefallene Bohnen in den neben ihr stehenden Korb zu werfen, James mußte jedoch sehen, wie sie sich hierbei Mühe gab, das Lachen zu verbeißen und das machte ihn noch verwirrter — aber er fühlte, daß es galt, den jetzigen Augenblick zu benützen und darum faßte er sich ein Herz und preßte hervor: „Miß Susy, bin nun vierundzwanig Jahr alt und Vater meint, ich müßte heirathen, weil wir den Mais herein hätten .... eh, nein, nein, weil.... weil es Zeit sei und ich dachte .... ich dachte, Miß Susy, Sie könnten mir gut sein und . . ." Weiter kam James in seiner Rede nicht, denn Susy verhüllte unter einem sonderbaren Schluchzen ihr Gesicht mit der Schürze, ließ die Bohnen Bohnen sein und eilte aus dem Garten, ihren Anbeter in einer höchst niedergeschlagenen Stimmung zurücklassend, die indessen bald einem gewissen Ingrimm Platz machte, und unter diesem Eindrücke murmelte James vor sich hin: „Alter Junge, da bist Du aber schön abgeblitzt — hol's der Henker, die hat Dich geradezu ausgelacht, verdammt! Na, da mag sie hinlaufen, die alberne Dirne, ich werde mich jetzt an ihre Schwester halten, die hat überhaupt ein viel lieberer Gesicht. Muß nur sehen, wo ich dm Alten treffen, damit die Sache gleich in's Reine kommt." (Fortsetzung folgt). Mdqction: A. Scheyda, — Druck Md Verlag d->r Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.