Hiehener Zsamilienblätter BelLririKischLZ Beiblatt rum Gießener KnzZiger- BsaBxtfzxaxrr • 1886. Samstag den 6. Februar. Rr. 16. ein- n. zier verehren. ch) in Gießen. vor und dem h fern und gerecht - Kem „Byzantinismus' änderin erkundigt habe, glauben Sie —" „Daß Sie der Mörder jener Dame, Ihrer aschaft, die inan ihm unseres Heldenkaisers niet zu sein, um groß licht und einfach wird -s und eingehend das ewiß ist gerade dies zeln in dem deutschen d den deutschen Kaiser !S. idung des neuen on Prof. Dr. Gott Bogen mit Portrait ilag von Carl Krabbe ers deutschen Kaisers Prosa schon seinem So sicher und fest, >m Lebensepochen, (o lit der Geschichte bei Periodm, die immer reit bewegt" sich in tb der Geschichte bei >, so warm aus bet „Der Herr ist wohl geistesgestört?" wandte Sonnenberg sich zu Dora, die, ohne Antwort zu geben, ihm den Rücken wandte und hinauseilte, um die Polizeibeamten einzulassen. „Das Ganze ist nichts weiter als eine niedrige Rache, die uns Beiden gelten soll", sagte Ernestine, die es rathsam hielt, ihren Bruder über die Sachlage zu unterrichten. „Man macht mir einen Vorwurf daraus, daß ich mich nicht früher als Deine Schwester bekannt habe, man will Unterredungen belauscht haben, die wir geflogen haben sollen, und nun —" „Genug!" fiel ihr der Beamte in die Rede. „Wir haben Beweise, die nicht widerlegt werden können, und daran allein halten wir uns. Ich ersuche Sie, Herr Sonnenberg, mir die Schlüssel zur Corridorthür dieser Etage, nebst den Dietrichen, die Sie jedenfalls mitgebracht haben, herauszugeben. Ebenso wünsche ich die alte Mütze und das baum- ironiit mit wirk dis zu sitzende, bchter? — In mit Ihrem Bp berg, und ich erinnere mich nicht, Ihnen schon mal begegnet zu sein." „Ich irre mich durchaus nicht, Sie hießen einem Jahre in London Mister John Brighton vor Kurzem ist die Leiche Ihrer Frau aus Flusse gezogen worden." (Fortsetzung). „Sie kennen mich wohl noch, Mister Brighton?" fragte der Engländer ironisch. „Ich bin hierher gekommen, um mich nach dem Schicksal Ihrer Frau zu erkundigen." „Sie irren sich wohl", erwiderte Sonnenberg, der auch jetzt die schwer bedrohte Fassung rasch wiedergefunden hatte, „mein Name ist Theo Sonnen- ßm Spiel des Zufalls. Roman in drei Bänden von Ewald August König. eigenen Frau, sind!" rief der alte Herr zornig. „Das glaube ich nicht nur, sondern ich habe auch die Beweise dafür. Oder wollen Sie noch immer behaupten, daß jene Frau Ihnen unbekannt gewesen sei?" „Beweisen Sie mir, daß ich sie gekannt habe." „Ich schwöre einen Eid darauf", daß Sie der Gatte der Mrs. Mary Brighton waren!" sagte Mr. Smith mit gehobener Stimme. „Und die Dienstmagd des Hauses, in dem Sie wohnen, beschwört, daß die Engländerin am Abend vor ihrem plötzlichen Tode bei Ihnen gewesen ist und mit Ihnen zugleich das Haus verlassen hat", fügte der Beamte hinzu. „Die Zusammenkunft in Ihrer Wohnuug fand spät, nach dem Theater statt und Sie entfernten sich mit der Dame gegen Mitternacht." Das Gesicht Sonncnberg's war kaum merklich fahler geworden, seine Hand, an der der Brillant blitzte, fuhr langsam über den schwarzen Vollbart. „Und wenn Lies die Wahrheit wäre, was ich keineswegs zugebe, was würde dadurch bewiesen?" höhnte er. „Das was Sie bewiesen zu sehen wünschen, noch lange nicht. Die Dame hat sich selbst das Leben genommen, so lautet auch das Gutachten des Gerichts-Arztes, der die Leiche besichtigte. Was wollen Sie nun noch? Sie scheinen zu den übereifrigen Criminal-Beamten zu gehören, die überall ein räthselhaftes Verbrechen wittern, das zu enthüllen sie sich berufen halten; ich will Ihnen ja dieses Vergnügen gern gönnen, nur lassen Sie mich selbst mit Ihrem Unsinn ungeschoren. Ich bin ein durchaus unbescholtener Mann und bei keinem Verbrechen beiheiligt." „Trotz dieser Erklärung verhafte ich Sie im Namen des Gesetzes!" rief der alte Herr so laut, daß seine Beamten, welche vor der Thüre standen, diese Worte vernehmen mußten. Theo Sonnenberg machte, als er die Beamten Eintreten sah, als ob er in die Brusttasche greifen wollte, aber im nächsten Augenblick zog er die Hand wieder zurück. Ein verächtliches Lächeln flog über sein Gesicht, in dem die dunklen Augen unheimlich funkelten. „Sie haben die Gewalt", sagte er mit heiserer Stimme. „Es wäre thöricht, ihr sich widersetzen zu wollen, ich würde ja unzweifelhaft unterliegen und diese Gegenwehr könnte später als Schuldbeweis gegen mich geltend gemacht werden. Ich werde mich fügen, aber halten Sie sich versichert, daß ich Rechen« schäft und Genugthuung von Ihnen fordere." > einigermaßen, fblick ist es litt für das gnäbiji n ein Blick nut n ihrem Mundi in, ich bin ge< wie theuer mit liebe mit aller sie, daß ich ohiu ig. Ich muß ei wenn mich nicht on Ihren Lippen r Hand ruht die glück, da» ich zu Enttäuschung, bit mein Leos sein wollene Taschentuch zu sehen, die Sie hier zurück- lassen wollten, um den Glauben zu erwecken, daß ein professioneller Verbrecher den Einbruch hier be- sein redliches Wollen,f gangen hübe." d erreicht hat, ist ein? ,,Bin ich denn unter eine Gesellschaft von Toll- Häuslern gerathen?" fragte Sonnenberg höhnisch. „So beweisen Sie mir doch, daß hier ein Einbruch verübt werden soll! Sie mögen ja ein vortrefflicher Polizeispion fein, mein bester Herr, aber diesmal verfolgen Sie doch eine falsche Fährte. Weil^ ich nid) damals im „Schwarzen Adler" nach der Engest, mit welch« Langen geröthet, wachsender Verger Jener sprach, ze Zug in ihrem schte ihre schmale, Ottomane zierte _J2 Ein Wagen fuhr vor dem Hause wieder vor; in der Stille, die den Worten Sonnenberg's folgte, hörte man deutlich das Nollen der Näder. Michel hatte seine Dose hervorgeholt, er drehte sie nachlässig in den Händen, während sein Blick fest auf dem Verhafteten ruhte. „Sie kommen mit diesem Trotz nicht durch", erwiderte er. „Der Banquier Reichert, den ich vorhin verhaftet habe, war klüger, er hat sogleich offen eingestanden, daß er selbst der Kassendieb gewesen ist, für dessen Schuld Gustav Dornberg büßen muß. Dora konnte bei dieser willkommenen Nachricht ihrer freudigen Ueberraschung nicht gebieten; sie eilte auf den alten Herrn zu, legte die Hand auf seinen Arm und blickte ihm voll Ungeduld in die hellen Augen. „Ist das Wahrheit?" fragte sie, zitternd vor Erregung. „Ja, er hat die Schuld offen und ohne Rückhalt eingestanden", nickte er, „und nicht das allein, auch das verschwundene Geld ist bereits in unseren Händen." „Tausend Dank für diese Nachricht!" jubelte sie. „Wir schulden Ihnen sehr, sehr vielen Dank! Ohne Ihre unermüdliche Ausdauer wäre jenes Räthsel vielleicht niemals gelöst worden." „Glauben Sie das nicht", sagte er mit seinem gewohnten freundlichen Lächeln. „Sie sehen ja, die Verbrecher fangen sich in ihren eigenen Schlingen, Reichert ist auch nur durch seine Dummheit zu Fall gekommen. — „Wollen Sie die Gegenstände, die ich vorhin von Ihnen verlangte, herausgeben?" wendete er sich an Sonnenberg, der inzwischen mit seiner Schwester einen langen bedeutungsvollen Blick gewechselt hatte. Theo Sonnenberg zuckte schweigend mit den Achseln; es lag eine Fülle von Verachtung, aber auch von mühsam verhaltener Wuth in dieser stummen Geberde. _ „Nur: wohl, Sie werden ja gezwungen werden, Ihre Taschen zu leeren", fuhr Michel ruhig fort, indem er den Beamten einen Wink gab. „Der Wagen wartet draußen, ich rathe Ihnen, keinen Fluchtversuch zu machen und allen Anordnungen sofort Folge zu leisten; die Herren, die Sie begleiten haben gemessene Befehle, und es würde Ihre eigene Schuld sein, wenn Ihnen die Handschellen angelegt werden müßten. — Madame, ich bedaure, Sie von Ihrem Bruder nicht trennen zu dürfen. . ." „Sie wollen auch mich verhaften?" fuhr Ernestine auf. „Mit welchem Recht? Welche Anklage erheben Sie gegen mich?" „Der Verdacht der Mitschuld ruht so dringend auf Ihnen, daß ich es. ber Entscheidung des Untersuchungsrichters anheimstellen muß, ob die Anklage gegen Sie aufrecht erhalten werden soll." „Füge, Dich", sagte Sonnenberg verächtlich; „dieser Spion ist nicht werth, daß wir viele Worte verschwenden. Aber Rechenschaft soll er mir geben, er soll's bitter bereuen, daß er sich an uns vergriffen hat." Ernestine betrachtete die Sachlage nicht so ruhig und gleichmüthig wie ihr Bruder, aber auch sie erkannte, daß ein Protest, mochte er auch noch so energisch sein, nichts an ihr ändern könne. Da blieb denn freilich nichts weiter übrig, als sich der Gewalt zu fügen. In höhnischen Worten bat sie um Erlaubniß, Hut und Mantel anlegen zu dürfen, und nachdem dies geschehen war, ging sie, ohne Dora noch eines Blickes zu würdigen, mit ihrem Bruder hinaus, und gleich darauf fuhr der Wagen mit den Gefangenen und den beiden Beamten davon. Dora athmete erleichtert auf, noch einmal dankte sie dem alten Herrn, der sich nun auch zum Aufbruch rüstete, um dem Untersuchungsrichter Bericht zu erstatten. Eben wollte Michel sich entfernen, als der Stadtrath athemlos in das Zimmer stürzte. Er kam, um seiner Schwester Vorwürfe zu machen; er hatte die Verhaftung seines Schwiegervaters bereits erfahren und nicht mit Unrecht ver- muthete er, daß Dora ihm darüber den genauesten Ausschluß geben könne. Nun sand er den Beamten, der die Verhaftung verfügt hatte, und dieser trat seinen Vorwürfen mit ernster Ruhe entgegen. „Die Schuld Reichert's ist bewiesen", sagte der alte Herr mit scharfer Betonung. „Wollen Sie nun vielleicht noch verlangen, daß der schuldlos Ver- urtheilte im Gefängniß bleiben soll? Machen Sie Ihre Vorwürfe Demjenigen, der sie verdient, dem Manne, der aus schnöder Gewinnsucht Schmach und Schande auf Ihre Familie gebracht hat. Kennen Sie den Gesetzesparagraphen, der hier in Anwendung kommen wird? Es handelt sich hier um einen betrügerischen Bankerott und Verheimlichung, respektive Beiseiteschaffung einer großen Summe zum Nachtheile der Gläubiger, also um ein Verbrechen, das mit Zuchthaus bestraft wird. Das hätte Ihr Schwiegervater vorher bedenken sollen, nun kommt die Reue zu spät." Der Stadtrath blickte ihn starr an und rückte an seiner weißen Halsbinde — an die Möglichkeit einer so furchtbaren Bestrafung hatte er selbst noch nicht gedacht. „Man hätte auf seine Verhaftung verzichten können", erwiderte er und seine Stimme klang jetzt ziemlich schüchtern und kleinlaut, „das Geld ist ja wieder da, und das war doch wohl die Hauptsache. Dornberg würde daraufhin aus der Haft entlassen worden sein, also war auch nach dieser Seite hin der Gerechtigkeit Genüge geschehen." „Sie denken wohl auch, nur die kleinen Diebe dürfte man hängen?" spottete Michel. „So viel ich weiß, waren Sie mit dem Urtheil über Dornberg gar nicht zufrieden, Sie behaupteten, es hätte schärfer ausfallen müssen." Der Stadtrath war sich dessen wohl bewußt, er 63 uns ver- t so ruhig uch sie er- i) noch so übrig, als in Worten mlegen zu ging sie, ligen, mit \ fuhr der l Beamten ib rückte öglichkeit lbst noch verzichten ang jetzt ld ist ja aptsache. entlassen stite hin l Diebe viel ich ornberg schärfer ußt, er zu keinem Ziele und greift meine ohnehin schwachen Nerven furchtbar an." Sie sagte das in so scharfem, schneidendem Tone, daß der junge Mann nur mit Anstrengung eine heftige Erwiderung niederzukämpfen vermochte. „Und dennoch werde ich Ihren Nerven noch eine kleine Prüfung zumuthen müssen, meine Gnädige!" erklärte Brehmer mit schlecht verhehlter Ironie, „aber vielleicht wirkt das kleine Mittelchen, welches ich anzuwenden beabsichtige, besonders stärkend und kräftigend. Ich bin nicht so glücklich, Ihre Sympathieen zu besitzen, Frau Baronin, wie Sie mir soeben mit dürren Worten versicherten, und Sie haben mir damit freilich keine besondere Liebenswürdigkeit gesagt, aber auch nichts, was mir neu gewesen wäre. Indessen beruht das auf Gegenseitigkeit, gnädig- Frau, und auch Ihnen wird das schwerlich entgangen sein, daß ich mich keineswegs besonders zu Ihnen hingezogen fühle." „Mein Herr, Sie werden beleidigend!" rief die Dame mit zitternder Stimme, „noch ein Wort, und ich rufe die Dienerschaft, um mich in meinem eigenen Haufe vor Insulten zu schützen." Sie richtete sich abermals empor und faßte nach der Glocke, die neben ihr auf dem Tische stand. Aber Herr von Brehmer kam ihr zuvor; mit raschem Griffe riß er die Klingel weg und behielt sie in der Hand. „Noch eine Frage, Madame, ehe Sre mich durch Ihre Domestiken hinauswerfen lassen", zischte er zwischen den Zähnen hervor, jedes der folgenden Worte langsam aussprechend, als wolle er der Frau Zeit lassen," den Sinn derselben gehörig zu erfassen. „Sie wissen jetzt, daß ich Liesbeth liebe und sie glücklich zu machen hoffe, vorausgesetzt, daß Sie die Mitgift nicht allzu karg bemessen, denn, gnädige Fra«, unter uns gesagt, ich brauche Geld. Sie werden dieses offenherzige Geständniß in diesem Momente vermuthlich seltsam finden, aber weshalb sollen wir uns gegenseitig täuschen? Also noch einmal: darf ich auf Ihre Zustimmung und Unter- stützung rechnen, wenn ich um die Hand Ihrer Fräulein Tochter anhalte?" Statt aller Antwort sprang die Baronrn auf um nach der Thür zu eilen; sie schien den leidenden' Zustand, in welchem sie sich zu befinden vorgab, in diesem Augenblick gänzlich überwunden zu haben. Brehmer vertrat ihr den Weg. „Was unterstehen Sie sich, Herr?" preßte sie, nach Athcm ringend hervor. „Sie werden mir es Dank wrssen, meine Gnädige, wenn ich Sie in Ihrem eigenen Interesse bitte, keine Zeugen herbeizurufen", höhnte der junge Mann, „das, was ich Ihnen zu sagen habe, paßt nicht für Jedermanns Ohren. Zuvor aber beantworten Sie mir die Ihnen vorgelegte Frage." „Verlassen Sie mich, Unverschämter, und betreten Sie" dieses Haus niemals wieder!" kreischte die Dame auf, während sie wiederholt die Thür zu gewinnen suchte, Vach Mem Met. Narelle von Moritz Lilie. (Fortsetzung.) „Ich gestehe, daß ich auf eine derartige Mittheilung nicht gefaßt war, sonst würde ich Sie haben bitten lassen, zu gelegener Zeit wieder zu kommen", versetzte sie kühl, „lieber derartige Familienangelegenheiten habe ich, wie Sie wohl begreifen, nicht allein zu entscheiden, auch mein Gemahl und vor Allem meine Tochter haben da ein Wort mitzusprechen." „Was den Herrn Baron betrifft, gnädige Frau, so darf ich mich des besonderen Wohlwollens desselben rühmen, und ich zweifle nicht, daß er mit Freuden zustimmen wird, wenn ich ihn um die Hand seiner einzigen Tochter bitte. Das gnädige Fräulein aber ist ein viel zu frommes Kind, als daß es sich dem Wunsche der Eltern widersetzen sollte. Die Entscheidung liegt also lediglich bei Ihnen, gnädige Frau, und ich hoffe, sie wird für mich günstig ausfallen." „Ich fürchte, darin täuschen Sie sich, Herr von Brehmer", erwiderte die Dame rasch, „denn Ihre Voraussetzungen sind unzutreffend. In erster Reihe liegt es sowohl mir, als meinem Manne fern, unserer Tochter in Herzensangelegenheiten Zwang anzuthuu, dann aber auch überschätzen Sie meinen Einfluß auf Liesbeth bedeutend, denn so liebreich und fügsam ste sonst ist, so wird sie doch sicher in dieser für ihr ganzes Leben bedeutsamen Frage ebenfalls ihren Willen äußern." „Das schließt aber doch nicht aus, Frau Baronm, daß Sie dem gnädigen Fräulein Ihren mütterlichen Rath ertheilen, daß Ske ein empfehlendes Wort zu meinen Gunsten aussprechen könnten," drängte der vermied es deshalb auch, dem Blick seiner Schwester xu begegnen, der vorwurfsvoll aus igm ruhte. Ich werde selbst zum Untersuchungsrichter, gehen und die Aufhebung der Haft beantragen", sagte er, indem er seinen Hut nahm, „sapperment, wenn die Schwiegersöhne eine Caution stellen, so muß das Gericht ja diesen Antrag bewilligen." . (Schluß folgt.) junge Mann. . t Sie schüttelte mit hochmüthiger Mene das Haupt. „Ich wüßte wirklich nicht, mein Herr, weshalb ich gerade Sie protegiren sollte", entgegnete sie mit eisiger Ruhe, indem sie sich in die Kissen zurückoog und die Augen halb schloß; „Sie werden es natürlich finden, daß ich einen Mann zum künftigen Schwiegersohn wünsche, der meine Sympathieen besitzt und das, Herr von Brehmer, kann ich wahrhaftig nicht von*Jhnen behaupten. Uebrigens bitte ich, diese nutzlose Unterredung gbzubrechen, sie führt aal dankte zum Auf- er Bericht als der e. würfe zu Schwiegerrecht ver- zenauesten erhaftung ürfen mit sagte der llen Sie vlos Ver- ichen Sie ent, dem nach und Kennen wendung einen be« respektive ;in Nach- hen, das tte Ihr n kommt 64 „Gut denn, Madame, so werde auch ich die mir freiwillig auf erlegte Reserve fallen lassen und die gleiche Rücksichtslosigkeit, die Sie gegen mich üben in Anwendung bringen", erklärte Jener, indem er in die Brusttasche griff und einige Papiere hervor- langte. „Ich bin im Besitzer einiger kleiner Geheimnisse, die Ihre Familie betreffen, gnädige Frau, und wirklich recht pikanter Natur sind. So dürfte es zum Beispiel von Werth sein zu erfahren, wer Ihrer Familie den Freiherrntitel und den Namen: von Eschenheim verliehen hat. In einer gewissen Stadt erinnert man sich noch recht wohl eines gewissen Armeelieferanten Berthold, der im letzten russisch-türkischen Kriege reich geworden ist." Die Baronin starrte den Sprecher mit allen Zeichen des Entsetzens an; aus ihrem Antlitze war auch der letzte Blutstropfen gewichen. „Dieser Herr Berthold besaß die kleine Schwäche, nicht allzu scrupulös bei Ausführung der ihm übertragenen Lieferungen zu fein", fuhr Jener mit eisiger Ruhe fort. „Was kam es darauf an, den armen Soldaten anstatt guter, wollener Decken erbärmliche Lappen zu liefern, war es doch im Grunde gleich- giltig, ob die Mannschaften in der strengen Winterkälte den Erfrierungstod starben oder durch die Kugeln des Feindes hinweggerafft wurden, die Hauptsache blieb doch immer, die eigene Tasche zu füllen. Als man endlich auf diese Geschäftsprincipien des Lieferanten aufmerksam wurde und er sich nicht mehr recht behaglich zu fühlen begann, nahm er seine Millionen und kehrte dem undankbaren Vater- lande den Rücken!" „Hören Sie auf, Herr von Brehmer, Sie tobten mich!" lispelte die Frau tonlos, indem sie in einen Sessel sank und das Gesicht mit den Händen bedeckte. Aber der junge Mann achtete nicht darauf; schonungslos setzte er seine Enthüllungen fort. „So kam der ehemalige Armee-Lieferant hierher und da er reich war, glaubte er auch das Recht zu besitzen, sich eine Standeserhöhung leisten zu können. Er vertauschte daher seinen ohnehin nicht mehr ganz ehrlichen Namen Berthold mit dem klangvolleren: Baron von Eschenheim und lebte herrlich und in Freuden, das heißt: er aß und trank möglichst viel und möglichst gut und freute sich, wenn sich Freunde fanden, die mit ihm zechten, seine Weine lobten und seinen Reichthum bewunderten. Gentlemanart ist das freilich nicht, aber mit Geld kann man nicht nur Vieles erreichen, sondern man darf sich auch so Manches erlauben, was einem armen Teufel niemals möglich wäre." „Halten Sie ein, Unbarmherziger!" flehte die Dame und streckte ihm die gefalteten Hände bittend entgegen. „Die gnädige Frau Baronin von Eschenheim war längst die Lebensgefährtin ihres Gatten, als dieser die einträglichen Materialbeschaffungen für die Truppen übertragen erhielt. Sie lernte ihn im Geschäft ihres Vaters kennen, der ein Deutsch-Russe war und einen Handel mit abgetragenen Kleidern und alten Möbeln in Krakau besaß. (Fortsetzung folgt). Mmfchercherz. (Am Grabe Heper's.) i. „Und bist du da? Und bist du wohl? Was hast du da auf deinen Wangen? Ich weiß nicht, wie ichs deuten soll, Sprich mir, wie ist das zugegangen?" Nicht grame dich, lieb Mütterlein Und denke dir, es müßt' so sein! Weißt du, das Burschenherz ist heiß Und beugt sich nicht! Um keinen Preis! 2. Hei! Burschenherz, wie schlägst du hoch, Wenn auf der fitnneS sich im Neigen Die Mädchen all' im Glanze zeigen! Ei! Hüt' dich doch! Daß nicht dies Herze wird geraubt, Das eine schon ihr eigen glaubt! Horch! Wie die Melodieen locken, Wie dich umkos't der Geigenton! Hörst du es nicht, o Musensohn Tönt es dir nicht wie Himmelsglocken? Und nimmer kannst du widersteh'n, Es reißt dich in die bunten Reihen . . . Wird's ferne Liebchen wohl verzeihen? — Doch still! Sie hat's ja nicht geseh'n. 3. Bemoos'te Hügel uni und um — Wie ist es hier so tobt und stumm! Die Todten halten gute Ruh', Dort unten Bruder schläfst auch du. Noch höre ich ihn zittern bang Der Schläger dumpfen Trauerklang . . . Sie senkten traurig dich hinab . . . Wie tief, wie tief ist so ein Grab! Die Fahnen wehten drüben her — O Gott wie war mein Herz so schwer! Das Band am Kranz, den tiefbewegt Ich auf dein frisches Grab gelegt — Der rauhe Wind, er hat dir jetzt Dies bunte Band am Kranz zerfetzt. Doch still! die Thräne, die int Schmerz Dir hat geweint das Burschenherz, Die Thrän' thut dir als Zeuge kund, Daß nie sich löset unser Bund! Heinrich Storch. Redaktion: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.