Eüeßener Jamilienblälter. B§8Mstischer BeidlM zuW Gießener ' Samstag den 3. April. 1886. Ile Jatschmünzer. Criminal-Roman von Gustav Süffel. (Fortsetzung). „So — Sie sind hier in einem Geschäft?" fragte Stiften interessirt. „Und in welchem? Ich frage nicht aus bloßer Neugierde, sondern aus Theilnahme als — Bundesgenosse." „Weiß ich zu schätzen, bester Riston", entgegnete Duprat, ihm seine Hand darreichend. Er erzählte Jenem nun in seiner großspurigen Weise, daß er der Prokurist, oder richtiger stellvertretender Chef des berühmten Hauses Etwold sei. Stiften lauschte mit einer gewissen bescheidenen Ergebenheit, als wenn er »er einem Höheren stehe. Duprat fand darin nur seiner Eitelkeit geschmeichelt, während Dryden dieses seltsame Verhalten seines älteren Bundesgenoffen sehr auffällig bemerkte. „Apropos, von dem, was wir gestern Abend besprochen!" wandte sich Duprat jetzt an ihn. „Wie wäre es, wenn Du diese Gelegenheit benutztest, um des Kommerzienraths persönliche Bekanntschaft zu suchen. Du weißt warum. Du brauchst mein Ausbleiben nur unter einem beliebigen Verwand zu entschuldigen." „Ich danke", fiel Dryden mit kaltem Hohne ein. „Ich will für Dich nicht die Kastanien aus dem Feuer holen und mir die Finger verbrennen. Uebrigens, was soll ich da? Das Mädchen braucht keinen Freier, sondern einen Lebensretter, der ich wohl sein könnte, wenn sie im Master läge ober Etwold's Haus in Flammen stände. Aber Medizin habe ich nicht studirt. Lasten wir also das dumme Projekt fahren, und halten wir uns an das schwungvollere Geschäft des Banknotenfälschens. Ist unsere Stelle da ausgespielt, so bleibst Du eben fort aus dem Geschäft." „Und wo dann?" „Einstweilen hier. Welch' sichereres Versteck kannst Du Dir wünschen? ' „Gewiß", versicherte Riston. „Ich stehe für Ihr Leben mit meinem eigenen, Duprat." Dieser war beschämt von so viel Großmuth. Er hatte schon daran gedacht, dem Alten mit Dryden's Hülfe den Tod zu geben, um sein nächsthöheres Ziel zu erreichen; und nun wollte er, der ihn kaum wenige Stunden kannte, sein eigenes Leben einsetzen, um das seinige zu erhalten! Es war das erste Mal, daß Duprat sich selbst in seiner ganzen Erbärmlichkeit erkannte. Aber dieses Gefühl des Sichkleinfühlens konnte bei seiner maßlosen Selbst, Überschätzung nur ein flüchtiges sein. Das überlegene Lächeln, mit welchem er sogleich auf Risten blickte, besagte zur Genüge, daß er Jenen für eine rohe unbezwungene Kraft und sich für einen feinen Diplomaten hielt. „Sie meinen es recht gut, Stiften", sagte er; „und der Baron, der eben nur sich kennt, ordnet meine Zukunft der feinigen unter. Ich denke mich aber in Etwold's Gunst erst recht zu befestigen und nicht im Entferntesten daran, sie mir um eines Portefeuilles willen zu verscherzen, welches ein Anderer verloren." Zu dem Baron gewendet, fuhr er fort: „Du willst also nicht zu dem Kommerzien- rath gehen?" „Nein", tönte es kalt zurück. „Aber ich will es", sprach Risten. „Ich gehr überall hin, wohin Sie mich schicken." „Ich danke bestens", lächelte Duprat. „Das würde denn doch wohl nicht Das bewirken, was ich mit Hülse meines Freundes Dryden zu erreichen hoffte. Aber einen anderen Dienst könnten Sie mir erweisen, Riston." „Jeden." „In Etwold's Diensten befindet sich ein gewisser Ionas, ein Mann der mir seine Stellung und sonstige Vertheile verdankt. Nach dem fragen Sie morgen früh, und bringen Sie ihm ein paar Zeilen von mir, aber mit aller Heimlichkeit. Am allerwenigsten darf der Kommerzienrath Etwas merken. Er ist scharfblickend und mißtrauisch." „Nun, und Ihre Hand?" fragte Risten. „Werden Sie denn schreiben können?" „Ja so, die Hand!" fragte Duprat. „Es wird so schlimm nicht sein, da ich den Schmerz in der Erregung des Augenblicks vergeffen kennte." „Lassen Sie einmal sehen", drängte der Andere. Duprat löste das Taschentuch, welches er sich wie eine Binde um die verwundete Hand geschlungen. Auch Dryden schielte herüber, um zu sehen, was es mit der Verletzung sei. „Zum Glück nur ein Streifschuß", sagte Risten mit Kennermiene. „Hat keine ernstere Bedeutung; dürfte Ihnen aber doch für die nächste Zeit beim Schreiben sehr hinderlich sein. Ich werde Ihnen einen Verband anlegen. Bin mit allem Erforderlichen versehen." ' Aus einem Kasten, welchen er seinen „Medizinkasten" nannte, nahm er Verbandstoffe, Salben und 158 einen eigmthümlich geformten Apparat, dessen Zweck den Andern noch unklar war. „Was ist denn das für em Ding?" fragte Dryden. Riston erklärte ihm, daß Dies ein Zerstäuber für antiseptische Mittel und daher ein wichtiges chirurgisches Instrument sei. Er unterwies ihn in der Handhabung desselben und sagte: „Mittelst dieses Apparates wird während der chirurgischen Behandlung einer Wunde ein Carbolsäurenebel um dieselbe verbreitet, was verhindert, daß die Fäulniß erregenden und in der Lust verteilten Organismen sich auf der offenen Wunde niederlaffen. Sie werden schon vorher getödtet." Ec schritt nun unverzüglich zu der wundärztlichen Behandlung von Duprat's Hand. Dieser sprach seine Verwunderung über sein umfassendes Wissen aus. „Sie nannten mich vorhin einen Halbwilden", erwiederte Riston, „und Sie hatten Recht. Als solcher muß ich natürlich mein eigener Arzt sein. Drüben in Amerika war ich unter den Rothhäuten als die „bleiche Sichel" gefürchtet, welche alles Lebende niedermäht; und hier bin ich auch nur ein Beduine der Straße, der, wenn ihn Etwas anficht — wie heute Sie zum Beispiel dieser Schuß — zu einem Arzt nicht gehen darf, wenn er für die Heilung der verwundeten Hand nicht sein Leben riskireu will. Zeit genug habe ich auch, um mich zu unterrichten, und Bücher sind billig. So bin ich denn em ganz tüchtiger Wundarzt geworden. Ich habe Das sonst sehr gering geachtet; aber heute segne rcy die Fähigkeit, welche es mir gestattet, Sie vor Gefahr zu schützen und Ihre Schmerzen zu lindern." „Sie sind ein Schmeichler", lachte Duprat, „oder Sie müßten eine sehr rasche Zuneigung zu mir gefaßt haben. Wir kennen uns ja kaum." „Dennoch ist es mir, als kannten wir uns schon längst, als hätten wir uns schon früher gekannt", erwiderte Riston. Er legte die Hand über die Augen, wie Jemand, der die ganze Welt um sich her ausschließen will, um etwas längst Vergangenes vor fein geistiges Auge zu zaubern. Dann richtete er einen langen forschenden Blick auf Duprat und endete mit einem beifälligen Kopfnicken. „Nun? Sind wir alte Bekannte?" spöttelte Duprat. „Ich — denke wohl", sagte Riston. „Ich entsinne mich aber keiner Begegnung." „Nein, das kann auch nur ich, denn Sie werden damals noch sehr klein gewesen sein — sehr klein." Duprat wechselte ein wenig die Farbe. „Wie? Sie kannten mich in meiner Jugend?" fragte er. Der Andere nickte! „Ich könnte Ihnen den Beweis erbringen, daß Das nicht möglich ist", erwiderte Duprat'mit gezwungenem Lachen. „Sie meinen, weit Sie den Namen Ihrer Mutter angenommen haben?" fragte Riston. „Bah! Das haben Andere vor Ihnen auch gethan." Duprat war sprachlos, und der Baron lauschte nicht minder erstaunt. „Ja, Riston", sagte er spöttisch, „ist überall gewesen und kennt einen Jeden; er braucht einen Menschen nur anzusehen, um aus seinem Gesicht sogleich seine ganze Vergangenheit weissagen zu können." Er lachte. Auch Riston lachte, aber aus Aerger. .„Ja, ich kenne alle Welt", sagte er, „merkwürdiger Weise nur keinen Baron Dryden; und so wird es tausend Anderen nach mir wohl auch gehen. Wir stehen ja nun einmal bei dem Kapitel von den „falschen Namen", deren sich heutzutage ein .Jeder bedient, der Etwas zu verbergen hat. Sagen Sie mir doch, Herr Baron wie Sie früher geheißen haben; vielleicht kenne ich Sie dann eher.'" Dryden wurde bleich vor Wnth. „Ich trage meinen Namen mit Recht", sagte er, „und habe Nichts zu verbergen." „Sonst — ich wurde einmal trocken guillotinirt", beharrte Riston. „Was heißt Das?" flammte Dryden auf. „Nach Cayenne verbannt", erklärte lachend Riston. „Wohl möglich, daß wir uns da einmal mit der — Kette gestreift, wie jetzt mit dem Rockärmel." Er lachte laut und wild, sein Gesicht hatte in diesem Augenblick einen unheimlichen Ausdruck. Dryden blickte schüchtern zur Seite; er vermochte den flammenden Blick des Alten nicht zu ertragen. „Schon gut", brummte er. „Ein Jeder muß ja seine Vergangenheit kennen, und daß Sie die Ihre nicht vergessen, dafür wird die trockene Guillotine schon gesorgt haben. Bester, wir brechen da ab. Sie wollen gewiß Duprat zu Ihrem Bankhalter machen. Immerhin! Ich dränge mich nicht auf. Vielleicht haben Sie die Güte, mich hier hinaus zu lasten." Jetzt aber schlug Riston den alten gemüthlichen Ton wieder an. Nicht nur beredete er Dryden zum Festhalten an der lange bestandenen Freundschaft, sondern er rief auch Duprat zur Versöhnung herbei. Dieser, der am Kamin saß, hatte so lange gedankenvoll vor sich hingestarrt. Als er jetzt seinen Namen nennen hört, schrack er zusammen. Nun aber Riston von Versöhnung mit Dryden sprach, war er gleich dabei, als wenn er daraus nur gewartet hätte. Bald faßen alle Drei wieder beim vollen Becher und überlegten noch einmal freundschaftlichst, wie sie die, von dem verlorenen Portefeuille ihnvr drohende Gefahr wirkungslos machen könnten. „Wie es auch ausfalle", meinte Riston, „wir müsten die Thatsache acceptiren, daß das Portefeuille verloren ist. Dagegen läßt sich nun Nichts mehr machen. Aber muß man denn gleich darauf kommen, daß es falsche Banknoten enthält? Und wenn Duprat's Adresse schon dabei gelegen — ist er dann nicht der Prokurist eines industriellen Etablissements von universaler Bedeutung? Ein 159 solcher Mann kann so viel Geld bei sich haben. Was sollte also auf den Verdacht hinlenken, daß er ein Falschmünzer sei?" „Ganz recht", bestätigte Duprat. „Darauf deutet Nichts. Und wenn es nicht um meine verwundete Hand wäre, auf welche ich die Aufmerksamkeit nicht erst lenken will, würde ich selbst nach dem Bureau gehen und sehen, was da wird. Dies hindert mich. Um so beruhigter kann Dryden hier —" „Nein, nein, um keinen Preis!" fiel dieser heftig abwehrend ein. „Das Couvert mit der fatalen Aufschrift kann darin liegen; ebensowohl kannst Du es mit dem Briese, den es enthielt, ins Feuer geworfen haben. Wer weiß aber, was das Portefeuille sonst noch birgt, das auf meine Eigen« schäft deutet. Und dann bist Du gerettet und ich verloren. Du wolltest uns verraihen, und ich will mich nicht für Dich opfern. Laß' Niston gehen. Dessen Name steht gewiß nicht im Portefeuille; er erscheint also ganz unverdächtig." „Bin ja auch gern bereit", erklärte der Genannte. „Gebt mir nur den Brief. Ich bestelle ihn ohne Furcht und Säumen; und jeden andern auch, zum Beispiel an den Kommerzienrath, der doch wohl den Büreaudiener nach Ihnen nicht befrage!', wird, Duprat." „Vielleicht aber wird er ihn in meine Wohnung senden", erwiderte Dieser. „Dann weiß Ionas, was er zu thun hat. Eventuell kann er mich gegen Etwold auch entschuldigen. Ich werde mir Das noch überlegen." „Recht; überlegen Sie's sich", sagte Riston. „Einstweilen winkt hier noch ein voller Becher, ein lustiges Feuer in kalter Winternacht, und eine Gesellschaft von Zechern, die nicht zum Leichenschmause versammelt ist." „Wer weiß auch!" bemerkte Dryden dagegen. „Vielleicht feiern wir heute unsere Auflösung als Falschmünzer. Denn wenn cs entdeckt wird, daß das Portefeuille falsche Hundertmarkscheine enthält, können wir nur unsere Platten zerbrechen und uns nach verschiedenen Richtungen verlieren, um nie mehr zusammenzukommen. Die Münzfälscherei hört eben auf, und damit hat unsere Vereinigung ihre Bedeutung verloren." Er versetzte Duprat, der neben ihm saß, einen heimlichen Stoß, den Dieser wohl verstand. „Jawohl", stimmte Dieser sehr eifrig bei. „Dryden hat Recht. Zögern wir nicht, die Platten zu zerbrechen. Ich bin sogar dafür, daß wir es gleich thun. Die Fälschung kommt sicher zu Tage, und dann heißt es, jede Spur zu vernichten und selbst das Weite zu suchen." „Sie wechseln sehr rasch Ihre Meinung, Duprat", sagte Rision mißfällig. „Soeben hatte ich noch Recht, der die Nothwendigkeit einer Entdeckung bestritt, und nun ist wieder Dryden der wahre Prophet. Uebrigens ist mein Ptan schon fertig und in diesem Falle für Ersatz gesorgt. Wir muffen ja jeden Tag eine Entdeckung gewärtig sein, und für diese Eventualität habe ich schon einen Ausweg gefunden." „Das wäre?" fragten Duprat und Dryden zugleich. Sie wechselten einen bedeutungsvollen Blick. „Kommen Sie mit", entgegnete Riston, aus dem schon der im Uebermaß genossene Grogk sprach. „Ich werde Ihnen Etwas zeigen, das Ihren vollen Beifall finden wird, und das uns gleich hundert Meilen weiter bringt, wenn denn geschieden sem muß." „Sie haben eine neue Platte fertiggestellt?" fragte Dryden begierig. „Hihihi!" kicherte Niston. „Wie der Geier das Aas wittert! Aber noch sage ich Nichts. Nur nut- gekommen und keine Furcht gehegt, wenn wir jetzt noch eine Wanderung durch die "stille Todtenstadt nehmen." Er zündete seine Blendlaterne wieder an. „Wie, Sie haben den Münzfälschungsapparat nicht immer unter Augen, nicht hier?" forschte Duprat. . m , „Werde mich hüten", lachte Riston. „Dre Bem- männer da unten find strengere Wächter, als ich es je sein könnte. Die sehen Alles und plaudern Nichts aus. So versteckt liegt auch kein engstes Zimmer, wie dieses weite unterirdische Todtenfeld. Und dann das Labyrinth von Kammern und Gängen! Ich möchte Niemanden rächen, sich ohne Führer da hm- ein zu wagen. Es wäre ein Gang zum eigenen Grabe." „ ,, . _ t Mit diesen Worten, die vielleicht eine Drohung enthalten sollten, schritt Riston den Anderen voran zur Thür. „Wie, wenn wir ihm da unten den Garaus machten?" raunte Dryden dem wieder versöhnten Freunde zu. „Man würde den Leichnam niemals finden." , r _ „Nein", erwiderte Duprat ebenso. „Es wäre zu gewagt. Du hörst, was er von dem Führer sagt. Ohne ihn würden wir uns aus der Todtenstadt nie mehr herausftnden." „Bah! Unsinn! Der Alte wittert Lunte. Er meint, wir könnten uns seine Erfindung zu eigen machen und den Erfinder zu den Tobten werfen. Das ist nichts Seltenes im Leben. Nur darum sagte er Da« von dem Führer." „Aber jetzt wäre sein Mord ganz zwecklos, unter Umständen sogar eine Thorheit. Warten jx>ir ab, was der morgende Tag bringt. Ist unser Spiel bei Etwold noch nicht aus, so reiften reit, wie und wo wir ihn aus dem Wege schaffen können, um allein zum Siege zu schreiten. Andernfalls können wir ihn nicht entbehren zu einem neuen Fortkommen." „Ja, ja, Recht hast Du schon" sprach Dryden. „Aber ich meine doch —" (Fortsetzung folgt.) Ion der Jeise Sr. Waj. Schiff „Irin; KdalSert" (Nach privaten Briefen.) (Fortsetzung.) Da man uns auf die deutsche Giebert'sche Fabrik besonders aufmerksam gemacht hatte und wir von Montevideo nicht abgereist sein wollten, ohne in den Betrieb dieses blühenden Industriezweiges Uruguays Einsicht genommen zu haben, so benutzten wir einen kleinen Urlaub, um der Schlachterei in Fray-Bentos einen Besuch zu machen. Was uns dort am bemerkenswerthesten erschienen ist, war in Kürze ungefähr dieses: Die Schlachthallen, welche große bedachte Räume bilden und im Wesentlichen eine von unseren Schlachthäusern nicht viel abweichende Einrichtung zeigten, waren von einem großen Hofraum umgürtet, der, mit starken Palli- faden abgegrenzt, eine dreimalige Theilung zeigte. Der größte dieser drei Jnnenräume nahm die zur Abschlachtung bestimmte Heerde vollzählig auf; in den zweiten kleineren wurde ein Rudel von 80 Rindern hineingetrieben und in den dritten kleinsten wurde sodann^ die zunächst zum Schlachten bestimmte Anzahl von 15 Rindern verwiesen. Der Reihe nach wurde jedem einzelnen Rinde die Schlinge eines Seiles, welches über einen Block am Schlachtplatz der Halle gespannt war, um die Hörner gelegt, worauf ein Pferd dieses Sei! anzog und das sträubende Thier sehr schnell bis an den Schlachtblock beförderte. Am Blocke wurde dem Thiere nunmehr mit einem großen Messer der Genickstoß gegeben, ein Act, der sich blitzschnell vollzog und das Opfer ebenso schnell zu Fall brachte. Mit dem zweiten Rinde wurde es ebenso gemacht u. s. w., bis eine lange Reihe von Rindern todt den Schlachtplatz bedeckte, worauf nunmehr das Avhäuten, Ausnehmen und das Zertheilen der Cadaver begann. Je 2 bis 3 Mann waren für einen Ochsen abgetheilt. Alles wurde schablonenmäßig ausgesührt und Alles in unglaublich kurzer Zeit gethan. Die Fleisch-, Knochen-, Haut-, Talg-, Horntheile gingen von Hand zu Hand und in jeder Hand vollzog sich in Secunden der Arbeitsprozeß, so daß etwa in 5 bis 10 Minuten die ganze Schlachtarbeit mit der ersten Serie Rinder beendet, das Fleisch in regelmäßige Stücke zertheilt und aufgeschichtet, alle übrigen Theile gesondert und die Gerippe beiseite geschafft waren. In den mit den Schlachthallen verbundenen Fabrikräumen, Kochereien, Siedereien, Schmelzereien, Verpackungsund Expediiionssälen wurde die Arbeit fortgesetzt, d. h. in großen gewaltigen Keffeln, Tigeln und Pfannen wurden nun die Fleischiheile, nachdem sie gewaschen waren und gelagert hatten, gekocht, gepreßt und entweder als Dörrfleisch, Corned bees ober in Form von Extract (der durch Krahne aus den Tigeln abgelassen wird, nachdem die Fleischtheile noch einer Druckpresse ausgesetzt sind), Talgen und Fetten an die Expeditionssäle abgeliefert, wo die fertigen Products in Fässer, Büchsen und Schachteln verpackt, etiquettirt und zum Transport fertiggestellt werden. Das öffentliche Leben in Montevideo hat in neuerer Zeit einen ruhigen Charakter angenommen. Die politischen Leidenschaften, deren Wogen hier oftmals hoch gegangen sind, haben ihre Kehrseite in Ruhe und Entsagung gefunden, und an die großen politischen, oft genug mit Blut getränkten Ereignisse erinnern jetzt eigentlich nur noch die Namen der Straßen, welche größtentheils nach den Daten wichtiger Ereignisse getauft sind, wie sich z. B. die Hauptverkehrsstraße „Calle del 25. Mayo" (Erklärung der Republik in Uruguay) nennt. Erregt und leidenschaftlich geschriebene Zeitungen erinnern freilich ebenfalls noch an den ausgeprägt politischen Charakter der spanischen Amerikaner, aber das Gezänk dreht sich doch meistens nur um große wirth- schaftltche oder außerpolitische Tagesfragen, wie denn überhaupt die Consolidirung des sich kräftig und entwickelungssähig erwiesenen Wirthschastslebens des kleinen Uruguay eine Hauptsorge aller gebildeten Klaffen geworden zu sein scheint. Montevideo hat sich in den letzten Jahren sehr erweitert. Namentlich nach Westen hat sich die Stadt mit schönen Villenstraßen ausgrbaut. Der spanische, halb maurische Baustil hat alle Häuser in den vornehmen Straßen mit Gärten auf den Dächern ausgestattet. Wirkt diese Anlage der Häuser schon inmitten der Stadt friedlich schön, so erhöht sich dieser Eindruck noch in den Villenstraßen dadurch, daß ein üppiger Baumwuchs in trunkener Laubfülle das Haus von allen Seiten umgiebt. Am Abend, wenn der Mond schwimmend durch den Aether zieht, genießt man von diesen Dachterrassen aus einen entzückenden Anblick über den funkelnden und glitzernden, tiefblau gefärbten Spiegel des Meeres, welches sich endlos bis unter den dunklen Horizont ousbreitet. Unser Aufenthalt in Mondevieo hatte uns Dank der Liebenswürdigkeit unserer Landsleute mit Allem bekannt gemacht, was diese reiche Kaufmannsstadt an schönen Bssitzthümern birgt, und so konnten wir denn mit dem Gefühl voller Besriedigung Abschied nehmen. Es war ein schöner, prächtiger Morgen, als wir die Kuppelstadt in langsamer Fahrt durch den La Plata-Golf hinter uns allmälig aus dem Auge verloren. Unser Ziel war Capstadt, als wir uns wieder in der anspruchslosen Stille des Oceans befanden. (Schluß folgt.) Isrdartion: A. Scheydg. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen,