Gießener Jamilienblätler. belletristisches DsihiM Mm Gießener K«Mer» Mx. 116 Samstag dm 2. October. 1988. .....................................................................in iwiMMitumwmmgBre^isiasai Saal und Ernte. Roman von Ewald August König. (Fortsetzung.) Wieder versank der Hauptmann in Nachdenken. Er erinnerte sich der Vermuthung des Referendars, die ihm heute weniger unwahrscheinlich erschienen als am Abend vorher. „Oberst Johnson war mit Ihnen zugleich in Wiesenthal", sagte er. „Hatte er dort Verkehr mit dem Oberförster von Reizenstein?" „Jawohl! noch am letzten Tage besuchte er ihn, und wie mir der Herr Referendar sagte, will er den Sohn des Oberförsters mit hinübernehmen, um dort für ihn zu sorgen." „Und was veranlaßte ihn zu dieser menschenfreundlichen Handlung?" „Er lernte den jungen Herrn von Reizenstein in unserm Gasthause kennen und befreundrte sich mit ihm. So wenigstens erklärte es der Herr Referendar. Vielleicht könnte auch eine andere Erklärung gefunden werden." „Herr Landrath Ackermann!" meldete in diesem Augenblick der Bursche. Vera erhob sich rasch. „Er darf mich hier nicht finden", sagte sie erschreckt. „Er wähnt, Sie seien der Feind, der zwischen ihm und mir stehe." „Sie würden ihm begegnen, wenn Sie jetzt hinausgehen wollten", erwiderte der Hauptmann rasch. „Bitte! Treten Sie dort in das Nebenzimmer. Es steht ebenfalls mit dem Corridor in Verbindung. Sobald Ihr Gatte eingetreten ist, können Sie sich ruhig entfernen." Es blieb ihm keine Zeit, den Vorschlag, den er, gedrängt vom Augenblick, gemacht hatte, reiflich zu überlegen, denn kaum befand sich Vera im Nebenzimmer, als Ackermann ungestüm eintrat. Einen Augenblick standen dir beiden Männer schweigend einander gegenüber. Haß, Wuth und Rachsucht leuchteten aus den glühenden Augen des Landraths. „Sie haben mir geschrieben", sagte er mit bebender Stimme. „Ich muß Sie um nähere Erklärung Ihrer Zeilen ersuchen. Sie beschimpfen mich in der niedrigsten Weise und suchen dann nach einem Vorwande, mir die Genugthuung zu verweigern. — Wifien Sie, wie ich das nenne? Die Handlungsweise eines Feiglings!" „Diesen Vorwurf gebe ich Ihnen zurück, er trifft । nicht mich, sondern Sie!" erwiderte der Hauptmann s mit gemessenem Ernst. „Die Züchtigung, die Sie } gestern erhielten, hatten Sie verdient. Sie benahmen \ sich pöbelhaft einer Dame gegenüber, die mir nahe [ steht." — „Herr Hauptmann!" „Wollen Sie es leugnen? Ich wähle nicht gern solche Ausdrücke, aber Ihnen gegenüber bin ich dazu berechtigt." „Und wie nennen Sie Ihre eigenen Jntriguen, j mit denen Sie den Frieden meines Hauses zu ver- s Nichten suchen?" „Ich bin mir nicht bewußt —" „Ah, Sie leugnen!" höhnte Ackermann. „Von 1 dem Feigling konnte ich Das erwarten! Sie waren l damals der einzige Zeuge, als die Ehrensache zwischen mir und Salberg geordnet wurde — Sie wollten ! behaupten, nur ein Zufall habe Sie in meine s Wohnung geführt, und Sie verpflichteten sich auf ! Ehrenwort, jenes Geheimniß nie zu verrathen. — ! Wie kommt es nun, daß meine Frau Kenntniß da« von hat? Wer war'«, der sie gegen mich auf- i hetzte?" „Ich nicht", erwiderte der Hauptmann, ihm fest s in die wuthflammenden Augen schauend. „Was sie I weiß, das schöpft sie aus Vermuthungen, die Sie i selbst in ihrer Seele geweckt haben. — Wenn auch = kein Versprechen mich bände, so würde ich schon aus ! Rücksicht auf Ihre Gemahlin jenes Geheimniß ver« , schwiegen haben; sie ist elend genug an Ihrer Seite ; geworden!" „Bube!" fuhr Ackermann auf. „Mein Herr, vergessen Sie nicht, daß Sie in meiner Wohnung sich befinden! Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß ich nicht das minoeste Be- i denken tragen werde, Sie durch meinen Burschen die ! Treppe hinunterwerfen zu lassen. Wollte ich, wie \ Sie behaupten, Ihre Frau zur Trennung von Ihnen i veranlassen, so brauchte ich ihr nur den Würfel vor- i zulegen, mit dem Sie damals die bewußte Angelegen« i heit ordneten. — Kennen Sie ihn noch?" Ackermann blickte starr auf den Würfel, den ] Herr von Görlitz auf den Tisch geworfen hatte. * Fahle Bläffe überzog sein Antlitz und seine Hände । ballten sich krampfhaft zusammen. „Ich will Ihnen den nöthigen Commentar dazu 5 liefern", fuhr der Hauptmann nach einer kurzen i Pause fort. „Sie werden sich erinnern, daß ich i damals zu Ihnen kam, um meinem Freunds Sal- ! berg Lebewohl zu sagen; ich mußte am andern Tage ' ein Commando antreten, das mich mehrere Wochen 482 m»iberte der Hauptmann. „Der Vorwurf, bett ®te mir machen, trifft mich nicht. Ich habe ae. ?a6, °hne Zittern dem Tod ms Auge blicken kann!" i-r ^'weisen Sie mir, daß dieser Würfel derselbe ist, dm Sie mir damals entwendet haben!" Mein Wort muß genügen!" W.ort? Pah, es hat keinen Werth —" . ”• ^»lnere Sie noch einmal daran, daß Sie dem^^uer Wohnung sind!" rief der Hauptmann, dem das Blut heiß tn bte Stirne stieg. „ 'K ?, Irer Wohnung glauben Sie jeden ungestraft beletdtgen zu dürfen? Ich behaupte noch fZ?1' Würfelgeschichte ist weiter nicht«, als ein schlau erfundene» Märchen —" E das Ehrengericht entscheiden , "Haben Sie wirklich den Muth, sich dem Urtheil unterwerfen?" fragte Ackermann *®* könnte Sie zwingen, mir die ver. langte Genugthuung zu geben, denn mein Wort gilt El rote das Ihrige, und Ihnen fehlt jeder hauptungen^" ^hrer sämmtlichen Be. fe S rt: ^fras den Freund in seiner Wohnung b irt'in hSzu Ihnen, und — in dem Augen. { Ü dem ich in Ihr Zimmer trat, hatte Salberg S SÜIfe 9on geworfen. Aufschieben ließ sich urehr - es blieb Nichts weiter batt?n SÄ.,nä Vertrauen zu ziehen. - Sie hatten dre Beleidigung provozirt, Salberg war ae. zwungen worden, Sie zu fordern; das ging mir aus im^s^"heikungen, die mir gemacht wurden, un. zwetfelhaft hervor. Dann hatten Sie da« amerika. ^«?^^°rg-schlagm, Rücksichten auf Fräulein von Löwenfels vorschützend, und Salberg war leider auch auf die en Vorschlag eingegangen." ‘ „Weshalb sagen Sie mir das Alles?" fraat- Ackermann höhnisch, der seine volle Fassung wieder« gefunden zu haben schien. 0 „Sebulb, — Sie werden es sogleich erfahren “ 4$ Auß Ihnen den Beweis liefern, daß ick jeuöt bm. So gern ich nun auch dieses Duell rück. ® ™ ich doch nlch beiden h.n auf einen energischen Widerstand, daß b »«We meiner älemiUjungen einten M «uf G-enwott, ,n k , *«U"bÄ\6l‘ “* W°r, SftjTJ* ffi."1 "Obm — die 'LLL r s M frnÄ *" — Ä 6b'»f b“Wfi “»*« E«S?EÄf.srri r ä£F « durch den Augenschein, daß^dm WAfel an einer weiß^uch^da^S^°^ Drohung sehr wohl, aber ich fälscht ist/- 'so WtU^ ÄÄ Ä Ackermann hatte die schmalen Lippen fest zu- au«sübrN k-k!?^tung die Geschichte dieses Würfels fammengepreßt. Seine Brauen ..«■ M M ** -uch fc mb "te‘ Em »wüeAie ©iimS? WaS Weitet?" ^agte er mit heiserer Sie." eMe nur noch diese einzige Waffen gegen „Würden Sie sich verpflichtet halten, einem Er knt^ZÄ?^ stand Ackermann ihm gegenüber. ”S(Ä“!1"9 8‘6'”- b« « wS* w“e M d-»» mZner tzand „Sie ta mich jetzt nicht mehr beleidigen-, I L LNx NL L 468 Corridor stürmte der Bursche an ihm vorbei, um dem Rufe seines Herrn Folge zu leisten. „Eine Flasche Wein!" befahl der Hauptmann, der seine Ruhe wieder gefunden hatte. „Wenn der Herr Landrath mich noch einmal besuchen sollte, so bin ich nicht zu Hause." „Zu Befehl, Herr Hauptmann!" „Die Dame hat sich doch vorhin entfernt?" Anton blickte verstohlen auf die Thür des Neben« zimmers — ein verschmitztes Lächeln glitt über sein breite» Gesicht. „Ich hab's nicht gesehen", erwiderte er. Bestürzung spiegelte sich in den plötzlich erbleichenden Zügen des Hauptmanns. War sie noch im Nebenzimmer, dessen Thür halb offen stand, dann mußte sie Alles gehört haben. „Es ist gut", sagte er; „geh', Du kannst den Wein nachher bringen, wenn ich wieder schelle." Er nahm die Lampe vom Tisch und trat in das Nebenzimmer; bleich, aber völlig gefaßt stand Vera vor ihm, und der Ausdruck ihres Gesichts verrieth ihm augenblicklich, daß sie jede» Wort vernommen hatte. — „Verzeihen Sie", sagte sie leise, und nur die zitternde Stimme ließ die furchtbare Aufregung erkennen, die in ihrem Innern tobte; „es war nicht meine Absicht, hier zu bleiben und zu horchen; aber ich fand die Thür geschlossen und wagte nicht, Geräusch zu machen." „Sie haben Alle» gehört?" fragte er, tief auf- athmend. „Alles!" Er führte sie in die andere Stube zum Divan und stellte die Lampe wieder hin; dann blickte er ihr voll inniger Theilnahme in das bleiche Antlitz. „Seien Sie versichert, daß ich die» von ganzem Herzen bedaure", sagte er. „Sie werden nun begreifen, daß ich Ihren Wunsch nicht erfüllen durfte." Vera strich mit dem feinen Battisttuch über ihre feuchte Stirn und wiegte ablehnend das schöne Haupt. „Ich begreife es", erwiderte sie. „Wie viel würde ich darum gegeben haben, wenn ich das Alles einige Jahre früher erfahren hätte I — Viel Trübe« und Bitteres wäre mir erspart geblieben. — Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß alle die Vorwürfe, die Sie meinem Gatten gemacht haben, begründet sind, — und wenn ich dies weiß, muß ich dann nicht Abscheu und Grauen vor dem Manne empfinden, der sich solcher Mittel bediente, um mich an sich zu ketten?" Herr von Görlitz hatte das Haupt auf die Brust gesenkt. — Was sollte er darauf erwidern? — Ihm selbst graute vor diesem Manne; er begriff jetzt nicht, daß er nicht damals schon den Würfel geprüft hatte — dem Freunde wäre dadurch das Leben erhalten worden. — Aber wer hätte auch so Entsetzliches nur ahnen können!" „Was wollen Sie nun thun?" fragte er, wie aus einem bösen Traum erwachend, während er mit der Hand leicht über die Augen fuhr. Ein herber, entschlossener Zug umzuckte die Lippert Vera's. „Giebt's diesen Thatsachen gegenüber noch ein Bedenken?" erwiderte sie. — „War schon früher, nur auf Verdachtsgründe hin, die Trennung ausgesprochen, so ist sie nun eine Nothwendigkeit geworden." „Sie wollen Ihrem Gatten sagen —" „Daß ich Alles wisse? — Gewiß, er muß es erfahren, damit er weiß, daß die Kluft zwischen uns nie überbrückt werden kann! Gedenken Sie Ihrer Entdeckung weiter Folge zu geben?" „Die Beantwortung dieser Frage hängt allein davon ab, was Ihr Gatte nun thun wird", sagte er achselzuckend. „Die Verhältnisse nöthigen mich, die Angelegenheit dem Ehrenrath zur Entscheidung vorzulegen — und diese Entscheidung wird voraussichtlich Ihren Gatten zwingen, die Stadt für immer zu verlassen." (Fortsetzung folgt.) Die Brandstifterin. kriminal-Novelle von Andr« Hugo. (Fortsetzung). II. Antettdrilsien. Auf dem Bureau de» Herrn Amtsrichters ging es am nächsten Morgen lebhafter zu als gewöhnlich, da er als stellvertretender Landgerichtsrath die Untersuchung über das stattgehabte Schadenfeuer zu leiten hatte. Vor ihm lagen mehrere Actenstöße, unter anderen auch ein stadträthliches über den Lehrer Kirchner. Dasselbe enthielt nur dienstliche Notizen, einige Berichte über Lehrweise und Verhalten des pp. Kirchner, sowie am Schlüsse die Correspondenz über Fräulein Alice Herming, wie Frau Kirchner als Mädchen genannt worden war. Bedenklich wiegte der Herr Amtsrichter den Kopf, als er weiter und weiter las. Die schöne, junge Lehrersfrau stammte aus einer heruntergekommenen Schauspielerfamilie. Der Vater, ein Trunkenbold, war nach dem Brande seines kleinen Theaters unter dem Verdachte der Brandstiftung längere Zeit gefänglich etngezogen gewesen und dann „wegen mangelnder Beweise" wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Feuerversicherung zahlte nicht und so war denn sehr bald der vollständige Bankerott des Theaterunternehmens dem Schicksalsschlage gefolgt. Bettelnd hatte der Alte dann von Bühne zu Bühne die Kunstgenossen so lange gebrandschatzt, bis sie dem Landstreicher nichts mehr gaben und er seinem Leben ein Ende durch einen kühnen Sturz in's Wasser gemacht hatte. Der Bruder galt für einen gefährlichen Einbrecher in Berlin und saß zur Zeit der Verlobung seiner Schwester hinter Schloß und Riegel. Die Mutter war nach Berlin gezogen, hatte hier der Tochter das Gewerbe einer Putzmacherin erlernen lassen und war von dieser bis zu ihrem Tode ehrlich ernährt 464 worden. „Das Mädchen unter polizeiliche Controle zu stellen, lag keine Veranlassnng vor." Mit den letzteren Worten schloß der Bericht der Revierpolizei aus der Kaiserstadt. Das waren also die Antecedenzien der schönen Lehrersfrau. Der Amtsrichter klappte das Aktenstück bedächtig zu und legte es langsam auf den Haufen der übrigen Papiere, dann klingelte er. „Der Lehrer Kirchner!" befahl er. Der Citirte erschien. Der Aufenthalt in einer Amtsstube war für Kirchner ohnehin schon etwas Außergewöhnliches; das ernste Gesicht des Amtsrichters that das Weitere dazu, um den jungen Mann, der in den letzten Tagen so viel durchgemacht hatte, in eine außergewöhnliche Gemüthsverfassung zu versetzen. Der förmlichen Aufforderung, sich niederzulaffen, kam Kirchner nach. Nachdem der Amtsrichter durch den herbeige- rufenen Schreiber die amtlichen Vorfragen hatte niederschreiben lasten, fuhr er fort: „Sind Sie versichert gewesen?" „Ja", entgegnete Kirchner. „Wie hoch?' „Mit ziemlich 5000 Mark." „Fünftausend Mark?" fragte der Amtsrichter verwundert. „So viel ich weiß, beziehen Sie doch nur 1500 Mark Gehalt, Ihre Frau hat Ihnen in die Ehe nichts eingebracht, Sie sind erst zwei Jahre verheirathet und trotzdem wollen Sie einen Haushalt gehabt haben, der diese Summe repräsenrirt?" „Gewiß, Herr Amtsrichter! Darf ich Ihnen das Nähere mittheilen?" „Nun? — ich bin begierig zu hören." „Meine Bibliothek hat sich im Laufe der Zeit bedeutend vermehrt gehabt und weist nach dem dctaillirten Versicherungsverzeichniß einen Ladenpreis- Werrh von ziemlich 1900 Mark allein auf." Ungläubig schüttelte der Amtsrichter den Kopf. Seine Bibliothek, auf die er so stolz war, kostete ihm nicht das Drittel. „Mein Pianino kostet mich 500 Mark — „Auch schon bezahlt?" frug der Amtsrichter, seinen Blick über die vorgeschobenen Brillengläser nach, dem zu Jnquirirenden gerichtet. Kirchner schoß das Blut nach dem Kopfe. ,Jch weiß uicht, Herr Amtsrichter, weshalb Sie diese Frage an mich stellen nnd möchte mir die ergebene Frage erlauben, ob Sie berechtigt sind, mich über eine Angelegenheit zu befragen, die meines Erachtens doch gar nicht vor dieses Forum gehört. Stehe ich etwa unter dem Verdacht der Brandstiftung?" „Nur meine Pflicht habe ich zu erfüllen, nichts anderes als das, mein Herr. Ob ich zur Stellung derartiger privater Fragen berechtigt bin oder nicht, wird sich im weiteren Lauf der Untersuchung ja Herausstellen." Der Amtsrichter, der dies alles im trockenen, geschäftsmäßig und etwas gereizt klingenden Ton gesagt, hatte keine Ahnung davon, daß jedes seiner Worte den vor ihm Stehenden wie Nadelstiche verwundeten. Vor ihm befand sich ja nur ein unter einem Verdacht stehendes Jndividium, dessen Schuld durch Indizien festgestellt werden mußte. Kirchner schwieg. Die Vermuthung, daß man ihn im Verdacht habe, den Brand gelegt zu haben, schnürte ihm die Kehle zu. „Ich frage Sie nochmals; war das Pianino bezahlt oder nicht?" nahm der Amtsrichter die Verhandlung wieder auf. „Nein", klang es bewegt über die Lippen Kirchners. „Wie viel waren Sie darauf noch schuldig?" „Etwas über hundert Mark." Der Amtmann nickte dem Protokollanten zu und laut knarrend eilte dessen Kielfeder über den Acten- bogen. „Wo waren Sie zur Zeit des Ausbruchs des Brandes?" ,,Jm Gesangverein Arion." „Was thaten Sie dort?" „Ich bin der Dirigent des Vereins." „Wann gingen Sie dorthin?" „Etwa um 8 Uhr." „Das Feuer brach um 1/211 Uhr aus. In der unmittelbar an das Treppenhaus stehenden Werkstatt muß dasselbe schon längere Zeit gebrannt und das Haus selbst mit verdächtigem Geruch erfüllt haben." „Ich habe nicht das geringste Verdächtige wahr« j genommen." „Ihre Frau auch nicht?" „Wie sie mir gesagt hat — nein." „Kennen Sie die Vergangenheit Ihrer Gattin?" \ Der Amtsrichter bemerkte nicht, wie die Farbe in \ dem Gesichte Kirchners wich und dieser mit vibrirendem i Augenstarren den Bewegungen des Inquirenten i folgte, al» dieser die Schulvorstandsacten von dem - Stoße nahm und sie aufblätterte. Seine Stimme versagte ihm den Dienst. „Ich habe gefragt, ob Sie die Vergangenheit j Ihrer Gattin kennen?" „Ich glaube." „Kennen Sie auch den Briefwechsel, der zwischen \ Ihrer vorgesetzten Behörde und dem Magistrat von i Berlin geführt worden ist, bevor Sie die Heiraths- i erlaubniß erhielten?" „Nein." „So werde ich Ihnen dieselbe vorlesen." Amtliche Berichte haben mit den Gefühlen der f Menschen nichts zu thun; nur die Aufzählung der j Thatsachen ist ihr Inhalt. Kirchner verließ beinahe die Besinnung, als ihm i der Amtsrichter in geschäftsmäßigen Tone die bereits l oben mitgetheilten Einzelheiten vorlas. (Fortsetzung folgt). Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.