Nr. 256 Erstes Blatt 175. Jahrgang Samstag, Z(. Gttoder 1925 Dnitf und Verlag: vrühl'fche Universitäts-Buch- und ZLeindruckeret R. Lange in Siehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. Annahme von Innigen für bie lagesnummer bis zum Nachmittaa vorher ohnejebeDerdindNchkcit- Prtis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtllchtz, auswärts 10 (Bolbpftnnig; für Reklame-Anzeigen d 7O.nm Brett« 36 Lvlbpfennig, Platzvorsthrilt 2V", Aufschlag. - BeraMworttich für Politik u. Feuilleton; vr. Friebr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen GießenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Erschetm täglich, außer Somu und Feiertags. Beilagen: DießenerFamiNenblätter Heimat im Bild. Monats-!' ezugspreir: 2 Goldmark u 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: -ochriftleitnng 112, Der« lagundGeschäslsslelleSl. Anschrift für Drahtnachrichten: UnzeiaerSiehen. poftschecnonto: Sranlfurt a. M 11686. Vertagte Krisen. Der französischen sowohl wie der deutschen Delegation ist bei ihrer Rückkehr von Locarno da- heim scharfe Krisenluft entgegengeweht. In P a • r i s kam es sogar wenige Tage nach Briands Rückkunft zur Demission des Kabinetts, und trotzdem hat der inzwischen eingetretene Regierungswechsel in Frankreich voraussichtlich nicht den geringsten Einfluß aus die Entwicklung des Sicherheitsproblems. Es war eine rein innerpolitische Krisis, die durch die Ausschiffung Caillaux' aus dem Kabinett Painlevä lyenn nicht gelöst, so doch vertagt ist. Kaum ein halbes Jahr ist vergangen, seit man in Frankreich Caillaux, den von der Clique der Unversöhnlichen als Hochverräter Gebrandckfark- ten, den vier Jahre lang Verbannten, als einzigen Reiter aus der Hinanzmesere pries, als man ihm allein die Straft zutraute, dem rapiden Sturz des Franken Einhalt zu gebieten. Caillaux hat als Fi- nanzminister diesmal nicht die glückliche Hand gehabt, die ihm vor dem Kriege den Ruhm des größten französischen Finanzgemes eingebracht hatte. Die Aera Caillaux war eine bittere Enttäuschung. Das ist gewiß nicht die Schuld Caillaux', dessen Fähigkeiten man schon die Lösung einer Aufgabe hätte Zutrauen können, an der alle anderen scheitern mußten. Es ist die Schuld der politischen Kreise, die sich hartnäckig der Erkenntnis verschlossen, daß man keine Währung sanieren kann, wenn die Geldwirtschaft krank ist, wenn man, ohne Rücksicht auf das unter einer ungeheuren Schuldenlast zusammenbrechende Staatsbudget, kostspielige Kriege führt und nicht daran denkt, durch eiserne Sparsamkeit, namentlich auf dem Gebiete der Rüstungen, die Ausgaben auf das Aeußerste beschränken. Caillaux ist dieser Einstellung mit einem umfaßenden Steuerprogramm entgegengetreten, aber er fand bei seinen Ministerkollegen keine Gegenliebe für eine Radikalkur. Erhöhung der Einkommensteuer, Herabsetzung der Zinsen für die Staatsrenten, das sind Vorschläge, die den Finanzminister eines Rent- neroolkes — und das ist das französische Volk auch heute noch — nicht populär machen. Sein steter Druck auf Herabsetzung des Heeresbudgets fiel zu- dem Herrn PamleoL nicht minder auf die Nerven als den Politiker der Rechten. Aus der andern Seite verfeindete er sich die ihm, liin geborenen Aristokraten, ohnhin argwöhnisch oegenüberstehenden Sozialisten durch seinen Wider- ftanb gegen die von ihnen als Allheilmittel propagierte Kapitalabgabe. Mit Recht fürchtete er von einer solchen Maßnahme eine weitere empfindliche Schwächung der französischen Auslandkredite, und ferner sah er keine Möglichkeit, die bann zuverlässig Matz greifende Stapitalftudjt über die Grenzen er« fclgreii) zu hindern. So stand Caillaux allein, im Gegensatz zu seinen Ministerkollegen, im Gegen- faß zu den rechten sowohl wie zu den linken Par- teien. Da bedurfte es nur noch eines weithin sichtbaren Mißerfolges in den Schuldenverhandlungen mit Amerika, um ihn zu stürzen. Da Caillaux nicht ohne Kampf im Parlament weichen wollte, Pain- lcoL jedoch sich und sein Kabinett nicht in den unvermeidlichen Sturz seines Finanzministers hin- eingleiten lassen wollte, blieb nur die Demission des (Jesamtkabinetts und eine Neubildung ohne Cail- s«.ux. Herr Painlevä wird nun jedoch schwerlich ein anderes Finanzprogramm mit mehr Erfolg als Caillaux aufstellen können, wenn nicht die Grundtendenz der französischen Politik radikal hierumgeworfen wird. So ist denn der augenblickliche Zustand fainn mehr als ein Provisorium. Solange Frankreich die Finanzkrisis nicht aus sich heraus überwindet, wird es im Innern nicht zur Kühe kommen und auch außenpolitisch nicht die »olle Aktionsfähigkeit wiedergewinnen. Ein Provisorium ist auch das Ergebnis hier Regierungskrisis, die in Berlin als Folge teer Veröffentlichung der Verträge von Locarno ten Austritt der drei deutschnationalen Minister aus dem Kabinett Luther zur Ursache hatte. Es ist erfreulich, daß der Reichskanzler die Zügel fest in teer Hand behalten hat und durch den Entschluß, mit d»rm Rumpfkabinett die bisherige Linie der Außen- Solitit fortzusetzen, die Krisis vertagte. Sehr zum Ußvergnügen der Sozialdemokratie, die eingestandenermaßen in der ganzen Aktion von Locarno das wirkungsvollste Mittel sah, die Deutsch- mationalen wieder in die Opposition zu drängen mud an die Stelle des Kabinetts Lulher eine Regierung der Großen Koalition oder noch lieber ein reine» Linkskabinett zu setzen. Wenn ihr im Grunde Lich wenig daran lag, dem Reichskanzler freie £anb und erwünschte Rückenstärkung in ben biplo« micttischen Verhanblungen um bie „Rückwirkungen" p gewähren, so scheinen aber auch ihr Bebenken zu lummen über bie Zweckmäßigkeit eines innerpolb ti'djen Kampfes im Augenblick größter Aktivität iwch außen, unb zwar um Ziele, bie boch allen Parteien gemeinsam sind. So ist ihr offenbar das lrmmunistische Unterstützungsgesuch um eine sofor- ti sie Einberufung bes Reichstages nicht ganz gelegen gekommen. Sie hat erst für Enbc ber nächsten Woche einen enbgültigen Beschluß über ihre Stellungnahme angeEünbigt unb es ist von ber Einsicht ihrer vernünftigen Elemente zu hoffen, daß sie (»lange die Frage der Reichstagseinberufung ^bila- lorisch behandeln wird, bis es dem Reichskanzler üdungen ist, von der Gegenseite bie Durchführung der ersten sichtbaren Rückwirkungen zu erreichen. Auch bie Deutschnationalen scheinen nach bem langsamen Wklingen ber ersten Erregung nun boch abwarten zu wollen, wie weit bie Vertragspartner ihre Versprechungen erfüllen, wie weit cljo der „fast über Gebühr gepriesene" Geist von IÜccarno sich in greifbare Tatsachen umsetzt. Gerade im Interesse unseres diplomatischen Spiels um die Srückwirkungen liegt es, wenn Regierungsparteien und Deutschnationale auch fernerhin In enger Füh- I lang miteinander bleiben. Eine innerpolitische Enl- r)if[ung nach links könnte uns um die besten | Die Sicherheitspolitik der Reichsregierung. Tine Erklärung des Kabinetts zu dem Dertragswerk von Locarno. Berlin. 30. Oft. (WTD.) Die in der letzten Zeit von Organen der Deutschnationalen Dollspartci veröffentlichen Beschlüsse, insbesondere die in der Morgenpresse erschienene Erklärung des deutschnationalen Parteivorstandes über die Konferenz von Locarno, enthalten über die bisherige Stellungnahme des Reichskabinetts zu den Sicherheitsverhandlungen, über das Verhalten der beiden deutschen Delegierten sowie über den Inhalt der in Locarno paraphierten Vertragsentwürfe selbst eine Reihe von Angaben, die sich mit den Tatsachen nicht, decken. Die Reichsregierung hält es mit den deutschen Interessen nicht v e r e i n b ar, in einem Augenblick, wo die internationalen Verhandlungen über einen wesentlichen Teil der in Locarno erörterten Fragen noch in vollem Gange sind, das gesamte in Betrcxcht kommende Material der Oeffentlichkeit preiszugeben. Sie muß sich deshalb einstweilen darauf beschränken, gegenüber den Auslassungen der Deutschnationalen Volrspartei folgende Tatsachen festzustellen: Die Stellungnahme des Deichskabinetts zur Sicherheitsfrage wurde seinerzeit durch die einmütige Zustimmung zu der deutschen Note vom 20. Juli festgelegt. Bor der Konferenz von Locarno sind sodann, und zwar ebenfalls einmütig, Richtlinien für die Verhandlungen aufgestellt worden, die auf dem Gedanken beruhten, daß als Grundlage für das gesamte weitere deutsche Vorgehen die Ausführungen jener Rote zu gelten hätten. Die deutschen Delegierten sind während der Verhandlungen von Locarno in keinem Punkte von den aufge st eilten Richtlinien, insbesondere von den Grundsätzen der Rote vom 20. Juli, abgewichen. Die Behauptung, daß die Paraphierung der Vertragsentwürfe in unerwarteter äleberstürzung erfolgt sei und gegen die getroffenen Abmachungen verstoßen habe, ist unrichtig. Die deutschen Delegierten haben sich zur Paraphierung entschlossen, weil, soweit der Inhalt der Vertragsentwürfe in Betracht kam, nach ihrer übereinstimmenden Ansicht, die vom Reichskabine.t aufgestellten Ri btlini^t erfüllt waren, und weil ihnen in Ansehung der nicht in diesen Entwürfen behandelten Fragen eine den deutschen Lebensinteressen gerecht werdende Regelung in Liebereinstimmung mit den Richtlinien des Kabinetts hinreichend sicher- gestellt schien. Am 22. Oktober Hal bas Reichskabinett unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten vor Beginn der Beratungen des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages e i n st i m-- mig folgenden Beschluß gefaßt: Das Reichskabinett hat den Bericht der deutschen Delegation über die Minister- zufammenkunft von Locarno entgegengenommen und beschlossen, auf der Grundlage der deutschen Rotr vom 20. Juli das in Locarno einge'eitete Dertragswerk zu einem Abschluß zu bringen, der den Lebensnotwendig-- keiten bes deutschen Volkes gerecht wird. Die Reichsregierung geht dabei von der durch die seierlichen Erklärungen der Außenminister Frankreichs, Englands unb ‘Bei» giens begründeten festen Erwartung aus, daß die logische Auswirkung des Werks von Locarno besonders in den Rheinlandfragen sich alsbald verwirkliche. Durch diesen Beschluß wurde entsprechend der Auffassung der deutschen Delegierten anerkannt, ba'b das Dertragswerk von Locarno auf der Grundlage der Rote vom 2. Juli eingeleitet worden ist, unb daß die weiteren Verhandlungen über den endgültigen Abschluß des Der- tragswerkeL sich nicht auf den Wortlaut des als unabänderlich festgestellten Vertragsentwurfes, sondern auf die in diesen Entwürfen nicht behandelten Fragen zu erstrecken haben würden. Irgendwelche Tatsachen, die zu einer veränderten Stellungnahme hätten Anlaß geben können, sind nach dein 22. Oktober nicht bekannt geworden. Die in den deutschnationalen Auslassungen an dem Inhalte der Vertragsentwürfe selbst geübte Kritik stimmt weder mit den verschiedenen erwähnten Beschlüssen des ReichSkabinetts überein, noch ist sie sachlich gerechtfertigt. Zum Verständnis des Sinnes und der Tragweite der Entwürfe bedarf es keiner schwieriger künstlicher Auslegung, sondern nur eines vorurteilslosen Studiums des klaren Wortlautes. Ohne ans die schon im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages und auch bei anderer Gelegenheit ausführlich erörterten Einzelheiten des Vertragswertes nochmals eingehen zu wollen, sei an dieser Stelle zu den Einwendungen der Deutschnationalen Volks- Partei nur folgendes bemerkt: Durch die Entwürfe von Locarno wirb wieder das Selbstbestimmungsrecht der Völler beschränkt, noch auf einer anderen ‘"Seife ber friedlichen Entwicklung borgtgffftn. 3m Vergleich mit ben durch die Machtverhältnisse geschaffene Lage Deutschlands würde das Inkrafttreten des Ver'ragäwerkes nicht eine Einschränkung der d'.u scheu Handlungsfreiheit bedeuten, sondern vielmehr den Anfang einer Grundlage für eine aktive Wiederbeteiligung Deutschlands an der Politik der europäischen Großmächte sein. Den sich aus der Dölkerbundssahung für Deutschland wegen feiner besonderen Lage ergebenden Gefahren wird durch die verabredete Erklärung zum Art. 16 der Völkerbundssatzung, die im übrigen genau den Forderungen der Rote vom 20. 7. entspricht, in prakttscher und wirksamer We:fe vorgebeugt werden. Daß in Locarno eine Gleichle cch.i^ung und Gegen ei.p k.i! auf dem Gebiete des.H eerwesens nicht erreicht -sei, konnte nur dann behauptet werden, wenn man darunter die Beseitigung ber Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages oder die Durchführung der vollständigen Abrüstung der anderen beteiligten Länder vor dem Abschluß des Dertragswerkes verstehen wollte: ein Standpunkt, der in den Beschlüssen des Reichstabinetts niemals vertreten werden konnte. Gegenüber der Behauptung, daß durch dieGarantiederSchieds- verträge für Deutschland neue Fesseln geschaffen würden, ist darauf hinzuweisen, daß das Verbot von Angriffskriegen und Invasionen im Verhältnis zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien und die Garantie dieses Verbotes durch England und Italien und endlich die schiedsrichterliche Entscheidung von Reichsstreitigkeiten, namentlich von Streitigkeiten über die Auslegung des Versailler Vertrages und des Rheinlandabkommens durchaus im Interesse der Wiedererstarlung Deutschlands liegen. Eine Kritik an den mangelnden Auswirkungen des Vertragswerkes auf die Fragen des besetzten Gebietes ist zum mindesten verfrüht. da die Verhandlungen hierüber noch im Fluh sind. Die deutschen Delegierten haben weder in Locarno noch später jemals darüber Zweifel gelassen, daß die paraphierten Vertragsentwürfe nur einen Teil des in Betracht kommenden Fragenkomplexes regeln, unb dah sie deutscherseits nicht in Kraft gesetzt werden konnten, wenn nicht auch der andere Teil, die Rückwirkungen auf bie besetzten Gebiete, eine den deutschen Lebensnotwendigkeiten entsprechende Regelung erfährt. In diesem Sinne werden die Verhandlungen mit den anderen beteiligten Regierungen auch zur Zeit weitergeführt. Die Behandlung der Kriegsschuldfrage vor und auf der Konferenz von Locarno steht in genauester Mcbercinftimmung mit den einmütig darüber gefaßten Beschlüsse.» des Reichskabinetts. Zur Räumung der Kölner Zone. Köln, 31. Ott. (211.) Wie die Telunion aus zuverlässiger Quelle erfährt, liegen bei der Rheinlandkomission bestimmte R i cy t l i n i e n für die Räumung der Kölner Zone vor. Man versichert, daß zwar Ende Rovember die Räumung ernsthaft in Aussicht genommen war, das aber technische Schwierigkeiten, die m ber Durchführung der nicht vorbereiteten Rau mung in Zusammenhang stchen, in ber Hauptsaclx bie Verzögerung bis Januar noti- machen werden. Rach ben vorliegenden Richt linien soll endgültig entschieden fein, daß Da Engländer Wiesbaden übernehmen. Der uv sprüngliche Plan ber Lieber nähme des Brücken kopfes Koblenz durch die Engländer und bi lleberfieblung ber Rheinlandkonnnission sowie de in Koblenz stationierten Truppenkörper nach Wiesbaden soll nicht zuletzt aus Sparsamkeits' rücksichten fallen gelassen worden sein. Auch soll den Engländern bei den ungünstigen örtlichen Verhältnissen von Koblenz zu wenig Bewegungsmöglichkeit bet der Ausgestaltung ihres Flugverkcchrs nach London gegeben sein Weiter wird versichert, daß in kürzester Zeit erhebliche Personaleinschränkungen bei der Rhcinlandkommissivrt zu erwarten seien. Preußen und Locarno. Preussischer Landtag. Berlin, 30. Oft. Das Haus geht über zur 2. Beratung deS Haushaltes des Staatsministeriums und Ministerpräsidenten. Mit der Beratung verbunden wird eine Anzahl von Anträgen unb Anfragen, bie sich in wc HauptsAche auf die Verhältnisse des besetzten Gebietes und ber Grenzgebiete veziehen. In ber allgemeinen Aussprache wirft Abg. Rohle (S.) einen Rückblick auf bie Regierungskrise in Preußen. Die Feme ist hervorragend organisiert. Wollen Sie bestreiten (zu ben Völkischen), daß von Ihnen ein Attentat vorbereitet war gegen Luther unb Dtrcfemann, als sie nach Locarno abfahren sollten? Wollen Sie bestreiten, bah die deutschen Delegierten in der Schweiz bei Rächt und Rebel ein Auto nehmen mußten, um einem anderen Attentat zu entgehen? (Große älnruhe und Gelächter bei ben Völkischen.) Wir danken dem Ministerpräsidenten für seine feste Haltung zum Schuhe ber Republik. Abg. Bartelds (Komm.) :Die Sozialdemokraten feiern Locarno als einen Tellsieg der sozialistischen Bewegung. Locarno bedeutet in Wirklichkeit die Auslieferung des Rheinlandes, Preisgabe deutschen Gebiets, Durchmarschrecht durch Deutschland, neues Bekenntnis zu Versailles, Unterdrückung. Elend und Not. Das russische Volk bewahrt seine nationale Würde. Es würde nie seine Zustimmung zu einer solchen Schändung des eigenen Landes geben. Abg. Wind (Zentr.): Wir gehen auf die Co- carnofrage nicht ein. Es ist besser, der Reichsregie- rung Vertrauen entgegenzubringen, als ihr Brand- reden zu halten. Im besetzten Gebiet sind hie Zustände für Handwerk unb Gewerbe zum Teil trostlos. Besonders gilt das von den Kurorten, die von dem zahlungsfähigen Publikum im Stich gelassen werden. Abg. Hehmann (D. Vpt.): Bezüglich ber Locarno-Rückwirkungen muß sich ber MinisterFrüchte bringen, die wir als Ergebnis von Locarno erwarten. Eine Umbildung der Regierung hieße im gegenwärtigen Augenblick unseren Unterhändlern den besten Trumpf aus der Hand schlagen. Briands Bereitwilligkeit zu Konzessionen wird in dem Maße abnehmen, wie ihm die Möglichkeit winkt, durch eine andere Konstellation in Deutschland den Locarnopakt bedingungslos zu erhalten. Darum ist ein Wahlkampf mit der Parole für oder gegen Locarno ein Unding, das zu vermeiden jeder vcrantwortnngsbewußte Politiker, wie er sonst auch zum Kabinett Luther und dem Vertragspakt stehen mag, mit allen Mitteln bestrebt fein muß. Die beiden, mit der Politik von Locarno in erster Linie verbundenen Staatsmänner, Reichskanzler Dr. Luther und Außenminister Dr. Strefemann sind bemüht, in dieser notwendigen Linie des Zusammenführens der Parteien zu arbeiten. Strese- manns Karlsruher Rede folgte nun m Essen eine eingehende Interpretation des gesamten Vertragswertes aus dem Munde des Kanzlers. Leider hat fein Pressechef bei der Abfassung des offiziösen Auszuges aus dieser großangelegten und wie man nachträglich erfährt, auch außerordentlich wirkungsvollen Rede offensichtlich keine glückliche Hand gehabt. Der Kanzler ging aus von dem der Arbeit in Locarno zugrunde liegenden allgemeinen Wunsch nach Sicherung des Friedens, betonte aber, daß diese im Pakt von Locarno angestrebte Sicherung des Friedens keineswegs das Selbstbestimmungsrecht der Völker ausschließe, sondern jede 2trt friedlicher Entwicklung offen gehalten werde. Offenbar wollte der Kanzler damit sagen, daß der Pakt einen 23er- zicht auf deutsches iianb nicht enthalte, sondern nur den Verzinst auf Rückeroberung durch Waffengewalt. Einen anderen strittigen Punkt berührte der Stander in der Behandlung der Ostfragen. Er unterstrich mit aller Entschiedenbeit Stresemanns frühere Darlegungen, daß Deutschland mit seinem Eintritt in den Völkerbund sich niemals in eine antirussische Koalition der Westmächte hineinziehen lasse. Die Bedenken gegen das im Artikel 16 des Dölker- bundsstatuts den Bundesmitgliedern eingeräumle Durchmarschrecht wies er damit zurück, daß Deutschland über das Ausmaß feiner Beteiligung an irgendwelchen Boykott- oder Sanktionsmaßnahmen jederzeit ausschließlich selbst zu bestimmen habe. In den anderen mit unserem Beitritt zum Völker- bunb verknüpften Fragen bekannte sich Dr. Luther zu einer Auffassung, wie sie wohl auch von ben Deutschnationalen geteilt wird: Deutschlands Recht auf einen Sitz im Rat, unser Anspruch auf Kolonialmandate und keinerlei Anerkennung irgendwelcher uns im Versailler Vertrag auferlegter unmoralischer Belastungen. Einen breiten Raum in den Ausführungen Dr. Luthers nahm natürlich der große Komplex der Rückwirkungen ein, von denen er die Räumung der Kölner Zone ais ein von den Vertrags- gegnern von Versailles nicht erfüllter Rechtsanspruch gänzlich ausschloß. Mit großem Nachdruck betonte der Kanzler, daß von der Gegenseite etwas Wesentliches und Grundsätzliches erfolgen müße, damit das so oft und bitter enttäuschte deutsche Volk an die Nachhaltigkeit einer friedlichen Gesinnung glaube. Es müsse den sichtbaren Beweis dafür erhalten, daß Locarno nicht eine Friedenstaube auf dem Dache sei, sondern daß der Weg des Friedens sich unmittelbar an ben Dingen auswirke, die ganz besonders das deutsche Dolk berührten. Mit vollem Recht mahnte aber der Kanzler auch zur Geduld. Es kann solange noch keine Entscheidung über Annahme ober Ablehnung desDertrags- wertes gefällt werden, wie nicht der Oefamttat- bestand vorliegt. Sache der Vertragspartner ist es, diesen in den noch bis zu dem für die Unterzeichnung der Verträge festgesetzten Termin verbleibenden Wochen zu schassen. Das deutsche Volk muh klar sehen, es darf sich durch keine Gefühlspolitik weder von der Rechten noch von der Linken den Blick trüben lassen für die ihm in dem Vertragswerk und seinen selbstverständlichen Folaerrmgen gebotenen Realitäten, ebensowenig wie es sich durch pazifistische Ideologien zu Schritten bestimmen lasten darf, die Deutschland bedingungslos in die Hand der Gegenseite gibt Wir müssen warten lernen, warten zunächst auf bas Echo der Kanzlerinterpretationen in den Außenministerien von Paris und London, und warten auf positive Schritte unserer Vertragspartner auf dem Wege einer praktischen Friedenspolitik, einer Friedenspolitik der Tat! Frankreich in Syrien unternommen worben sei. Rur die ^Mandatskommission des Völkerbundes habe vom £luai d'Orsay regelmässige Berichte erhalten. Bon einem Eingreifen des Völkerbundes selbst sei aber keine Rede. Unterredung über die Vorgänge in Syrien. Ein von General Sarrail eingegangenes Telegramm berichtet, dass die Lage in Syrien mit Ausnahme de» Gegend von Damaskus ruhig sei. Er sei gezwungen gewesen, Damaskus zu bombardieren, ohne die in der Stadt weilenden Painler>6 vor parlamsn- tarischen Schwierigkeiten. Paris, 30. Oft. (TU.) Die Existenzfähig- feit des neuen Kabinetts Painleve ist bisher noch nicht erwiesen, da die Parteien erst die Regierungserklärung in der Kammersitzung am fommendea Dienstag ab-oavlen wollen. Inzwischen kann aber die ausserordentliche parlamentarische Schwierigkeit, die das neue Äabu.at vorfinbet, nicht verkannt werden. „Paris Midi" weist auf die paradoxe Lage hin, in der sich das Kabinett jetzt befindet. Einerseits werde das Kabinett wegen des persönlichen Ansehens, das Painlevs und Briand geniessen, mit Sympathie begrüßt, andererseits steht es vor der Gefahr, überhaupt feine Mehrheit in der Kammer zu sin.ea. Wohl e ii ke.i Finanz» Projekten ein Kompromiss zwischen den Sozialisten, dem Kartell und Painlevö zustande- gekommen, das auf Verbindung einer Kapitals- Wetter Voraussage. Südliche Winde, wolkig mit zeitweiser Aufheiterung, tagsüber mllde. meist trocken. Das Vordringen des irländischen Wirbels nach Rordosten wird durch die an seiner Ost- feite liegende kalte Luft erschwert. Sein Einfluss macht sich zunächst nur durch stärkere Bewölkung bemerkbar. Weitere Störungen sind wenig wahrscheinlich. Gestrige Lagestemperaturen: 2Naximum 13.4 Grad C.. Minimum 2.6 Grad C. Heutige Morgentemperatur 6,1 Grad E. Aus aller Welt. Raubüberfall auf einen Gelbtransport 2n Buffalo (USA.) wurde der Kraftwagen einer Bank mit einem Geldtransport bei hellem Tage in einer wenig belebten Nebenstrasse von einer Truppe mit Pistolen bewaffneter Männer an geh alten. Als der Chauffeur und die beiden Bankbeamten versuchten, sich zu verteidigen, eröffneten die Banditen das Feuer. Der Chauffeur wurde getötet und die Beamten schwer verwundet. Die Räuber entkamen mit etwa 90 000 Dollar. Aüchtlicher Raubüderfall im Berliner Tiergarten. Donnerstag nacht wurde ein Droschkenchauffeur im Tiergarten von zwei Fahrgästen tibctfaficn. betäubt, und auf eine Bank im 'Tiergarten gelegt. Sie raubten den Wagen und die gefamten Einnahmen. Die Rachforschungen hatten oivher noch feinen Erfolg. Masien-Arbetter-EnLlassurgen in den Fiat-Werken. R o m, 31. Oft. (WTB. Funkspruch.) „Po- Polo Italia" meldet, dass heute 2000 Arbeiter in den Fiat-Automobil-Werken von Turin entlassen werden sollen. Die sadistischen Gewerkschaften hätten gegen eine derart plötzliche Entlassung so vieler Arbeiter protestiert. Wer will sich darüber wundern, dass sie Gleiches mit Gleichem vergolten und ein Dutzend Tscherkessen, die ihnen als französische Söldner in die Hani) fielen, ermordet und den Franzosen vor die Füsse legten. Niemand hätte es dem französischen Oberbefehlshaber übel genommen, wenn er daraufhin durchgriff, aber die Form dieses Durchgreifens ist ungeheuer- l i ch- Ohne irgendwelche Warnung jagte er Tankwagen durch Damaskus, die blindlings um sich schossen und dadurch die Bevölkerung in die Aotwehr hineintrieb. Darauf schien Herr Sarrail nur gewartet zu haben, er zog seine Truppen aus der Stadt und bombardierte nun toilb in die Hauser hinein, ohne auch nur die übrigen Konsulate vorher .zu warnen. Da der Draht gesperrt ist. lässt sich ein genauer Hlebcr- blick über die Schäden schwer gewinnen, es scheint aber richtig zu sein, dass dabei ein grosser Teil von Damaskus zerstört, dass vor allen Dingen unersetzliche Kulturschähe. die Zeugen einer grossen Vergangenheit, sinnlos vernichtet sind: mit dem Endergebnis, dass die Bevölkerung von Damaskus floh und die Flamme deS Aufruhrs jetzt durch fl anx Syrien trägt. Vielleicht wäre das alles mit dem Mantel deS Schweigens zugedeckt worden, wenn nicht die Engländer und Amerikaner, durch diese Rücksichtslos igteit verärgert, einen geharnischten Pro- t e st eingelegt hätten. Nachdem das aber einmal geschehen ist. muss sich logischerweife auch der , Völkerbund dafür interessieren, er kann es nicht ... ______VMF QU dulden, dass in feinem Rainen Menschen als I Oberkommissars beauftragt Europäer benachrichtigen zu können. Es sei unwahr, wenn von britischer und amerikanischer Seite behauptet würde, dass die französischen Staatsangehörigen vorher benachrichtigt worden seien. Am Quai d'Orsay erklärt man, dass vom Völkerbund in der syrischen Frage nichts Der Völkerbundsrat hat mit anerkennenswerter Beschleunigung in dem griechisch-bulgarischen Konflikt durchgegrisfen und durch Drohung mit den starken Machtmitteln, die ihm im Ernstfälle zur Verfügung stehen, die Griechen zur Vermmft gebracht. Das Feuer, das hier zu entstehen drohte, ist also vorläufig gelöscht. Aber das war schließlich auch kein grosses Kunststück, Griechenland und Bulgarien sind Sterne sechster Größe, auf die man keine allzu grossen Rücksichten zu nehmen braucht, sie können schon einmal ohne Handschuhe angefaßt werden. Dagegen hat der Völkerbund es bisher stets vermieden, irgendwo zuzu- greifen, wo er gegen die Großen vorgehen musste ober gegen kleinere Staaten, die sich an die Rockschöße der grossen gehängt hatten. Das polnische Unrecht gegen Wilna ist immer noch ungesühnt. Nachdem aber Herr Briand so energische Friedenstöne angeschlagen hat, sind wir einigermaßen gespannt, was er nun gegen Frankreich zu unternehmen gedenkt, das in Damaskus mit einer kaum mehr zu übertreffenden Brutalität aufgetreten ist, und zwar wohl verstanden als Mandatar de s Völkerbundes. Die Vorgeschichte ist ja an sich so unbedeutend. dass man sie beinahe vergessen hat. In der Umgegenö von Damaskus haben einige Banden geplündert, dafür haben die Franzosen gleich mehrere Dörfer in Brand geschossen, die Leichen der gefallenen Räuber auf Kamele gebunden und in feierlicher Prozession als abschreckendes Beispiel durch die Stadt geführt. Das hat auf die Syrier böse gewirkt. Man darf nicht vergessen, dass sie eine alte Kultur besitzen, auf die sie stolz sind und dass sie schon unter türkischer Herrschaft wenigstens den ehrlichen Versuch gemacht haben, die Errungenschaften westeuropäischer Zivilisation sich anzueignen. Run sind sie behandelt worden in Formen, die fast a n DschingiS Khan erinnerten. abgabe mit Erhöhung der Steuersätze beruht, aber vor der Debatte über die Steuern werde eine Debatte über die syrische Lage durch mehrere bereits angekündigte Interpellationen heraufbeschworen incrben, und in dieser würden sich wahrscheinlich die Sozialisten mit £>en Oppositionsparteien zusammenfinden, obwohl ihnen zuliebe General Sarrail bis heute auf seinem Posten belassen worden ist. Ebenso werden, falls der Marokkokrieg in der Kammer auv Sprache kommt, die Sozialisten in der Opposition bleiben und die mittleren und Rechts- Parteien möglicherweise aus rein taktischen Gründen Painlev6 die Kredite verweigern. Man fasst gegenwärtig die Situation so zusammen, dass die bisherige Mehrheit mit Hilfe der Mittelparteien, die Painlevä mit seinem ersten Kabinett gesunden hat. aufgelöst und eine künftige Mehrheit mit Hilfe der Sozialisten sehr ungewiss ist. ser Rote. Die jetzt aufgeftellte Behauptung, dass die deutschnationalen Minister ihre sachliche Zustimmung nicht gegeben hätten, werde durch die Antwort des Kanzlers auf die Frage des Abg. Dr. Dreitscheid widerlegt. Der Austritt habe die aussenpolitische Position des Kabinetts nicht gestärkt, sondern geschwächt. Eine Billigung des Vertrages habe der Kanzler bsn keiner Partei verlangt. Gerade ein bürgerliches Kabinett sei in der Lage, die grossen Vorteile zu erreichen. Seine Partei übernehme gerne die Verantwortung für Locarno. Der Redner erklärt, feine Partei stehe zu der Regierung Braun in Opposition, werde sie aber unterstützen, wenn sie sich in den nächsten Wochen mit aller Kraft im Sinne des Locarnoer Vertrages für Massnahmen einfetze, die dem Volk in seiner Gesamtheit, besonders aber den bedrückten be,etzten Gebieten zum Wohle gereichen. Verstärkungen gelandet worden, die aus dem Wege nach Damaskus sind. Weitere Hinrichtungen stehen bevor. Die Bevölkerung verlässt panikartig die Stadt. Der bisherige Born- bardemcntsschaden lässt sich in Iahren nicht wiederherstellen. Der Schaden wird auf 3 Millionen Pfund geschäht. P a i n l e v 6 hatte gestern mit Briand eine Nach Mitternacht hat Ministerpräsident Pain° levö der Presse folgende Mitteilung zugehen lassen: „Dieendgllltige Organisation des syrischen Mandats, das vom Völkerbund Frankreich anvertraut wurde, ist seit Juli einer K o m in i s s i o n übertragen, deren Vorsitzender der Abg. Paul Boncourt ist. Die Regierung hat beschlossen, einen Zivil-Ober- k o mm issar zu ernennen. General Sarrail soll nach Paris zurückkehren, um dieser Kommission alle nützlichen Auskünfte zu geben. General D u p o r t ist mit der vorläufigen Leitung der Generalrefidenz bis zur Bestellung eines Zivil- Oberkommissars beauftragt worben. vieBeilegungdesBalkankonflitts Paris, 30. Oft. (TU.) Der Dölkerbunbsrat hat heute feine letzte Sitzung wegen des griechischbulgarischen Grenzzwischenfalls abgehalten. Der Rat nahm von bem letzten Bericht ber Militärattachees, in dem bic voll staubige Räumung des bulgarischen Gebiets festgestellt wird, Kenntnis. Chamberlain wies bann auf bic Bebeutnng biefes Falles hin. Dank ber Raschheit, mit ber ber Konflikt vor ben Dölkerbunbsrat gebracht worben fei, unb auch bank ber Raschheit, mit ber ber Völkerbunbsrat die Arbeiten ausgenommen habe, sei es möglich gewesen, so schnell eine Entscheibung herbeizuführen. Das sei ein Beispiel bafür, wie berartige Konflikte geregelt werben müßten unb auch bafür, wie ber Dölkerbunbsrat seine Autorität unb seine Machtbcfu^Gssc, bic ihm bas Dülkerbunbstatut gegeben haben, zur Geltung brachte. Präsident mit allem Rachdruck dafür einsetzen, Dass die auf die besetzten Gebiete bezüglichen Punkte vor dem formellen Abschluss deS Vertrags Nargestellt werden oder die Klarstellung Ernstlich in Angriff genommen wird. Die Räumung der Kölner Zone muh unbedingt vor der Hinter!ebrift sichergestellt sein. Auch über eine beschleunigte Räumung der anderen Zone muss von der Gegenseite Ixrld etwas Positives verlauten. Wir müssen in Bälde eine Verminderung der Besatzungstruppen erreichen. Heute stehen noch 90 000 Mann s rein de Truppen aus unferm Boden. (Hort! frört!) Abg. Gressler (Dem.): Der Vertrag von Locarno gewährt keine ungetrübte Freude, aber ec ist doch ein erster Schritt zur Besserung. Die Deutlchnationalen müssen eine klare Entscheidung fällen. Schliesslich Fann unS in Deutschland nur eine Volksbefragung wciterfrelsen. Abg. Da eck er (Dntl.) erllärt, die Deutsch- nationalen wüssten, dass in der Regierung in Preussen im Augenblick kein HImschwung eintreten könne, aber sie seien und blieben der Hieberzeugung, dass daS Land Preussen nur gedeihen toraic unter einer Regierung, deren Träger in Den grossen wirtschaftlichen und kulturellen Fragen wesentlich auf demselben Boden ständen und Der Ansicht seien, dass auch der neue preussische Staat ein christlicher sein müsse (Sehr wahr! rechts.) Die Deutsch nationalen wüssten Wohl, dass Die Entwicklung der Dinge in Preussen abhängig sei von der Entwicklung der Lage im Reich. Der Redner macht dann die Hauptargumente feiner Partei gegen die Annahme des Locarno- VertrageS geltend, die sich im wesentlichen mit Der Deutschnationalen Parteierklärung decken. Er fordert das Recht der freie« Entschliessung in den entscheidenden Fragen im Westen wie im Osten ■unter Hinweis auf Die Schicksalsverbundenheit des deutschen und des russischen Volkes. Ministerpräsident Braun erklärt, mit Polen werde gegenwärtig verhandelt wegen der ungerechten Grenzziehung an der Weichsel. Pflicht sei es, den Wünschen Ostpreußens Rechnung zu tragen. Er gebe zu, dass Die Landwirtschaft in schwieriger Lage sei trotz Der guten Ernte. (Widerspruch rechts.) Die ungesunde Spannung zwische Erzeugerund Verbraucherpreisen müsse ber- schwinden durch Ausschaltung der Zwischenhändler. Was die landwirtschaftliche Kreditfrage an- betreffe, so sei es übrigens nicht so sehr auf die Schaffung eines neuen Kreditinstitutes an- gekommen, sondern auf die Kredite selbst. Wenn Geld zur Verfügung stand, bann habe es genügend Institute gegeben, die es ber Landwirtschaft übermitteln konnten. Zur Völkerbundfrage erklärte der Minister: Wer auf dem Standpunkt steht, dass über kurz oder lang Konflikte nur mit Waffengewalt entschieden werden könnten, verstosse mit einer solchen Auffassung gegen den Geist deS Völkerbundes. Dieser Völkerbund soll der erste Versuch sein, nach dem furchtbaren KriegSgemehel eine Einrichtung zu schaffen, wonach in Zukunft Kriege verhütet werden. (Lachen rechts. — Zustimmung links.) Von diesem Gedanken wären die Abmachungen von Locarno getragen. Es stehe zu erwarten, dass wesentliche Milderungen im Desatzungsregirne eintreten und eintretcn muffen, wenn der Pakt von Locarno durchgeführt werde. Diese für die Bevöllerung des besetzten Gebiete- so wichtigen Erleichterungen würden aber gefährdet durch die Politik und den Austritt der Deutschnationalen au- der Reichsregierung. AIS der Kurier von Locarno bei der Reichsregierung eintraf und über die Verhandlungen berichtete, da sei von den deutschnationalen Ministern kein Widerspruch gekommen unb der Kurier sei nach Locarno zurückgefahren mit dem Eindruck, dass abg.-schlossen werden könne (Widerspruch rechts). Ietzt möchten die Deutschnationalen uns und den Mittelparteien die undankbare Aufgabe überlassen, 6en Pakt anzunehmen. (Rufe rechts: Lehnen Sie ihn doch ab!) Der Minister fährt fort: Ich werde den Eindruck nicht los, dass cs bei den Dcutschnationalen innerlich jetzt so aussieht, wie seinerzeit in Weimar, als wir vor der Frage standen, ob man den Versailler Vertrag unterzeichnen soll oder nicht. Die Deutsch- nationalen möchten und wegen der Hinterschrift als Landesverräter bezeichnen, aber sie zittern vor der Möglichkeit, dass nicht unterzeichnet wird. (Hinruhe rechts.) Wenn Deutschland nach diesen Vorgängen den Locarnopakt ablehnen würde, so würde c8 auf Iahre hinaus in der Weltpolitik isoliert dastehen. (Beifall links — HI n r u h e rechts.) Deutschland hat doch das Sicherbeitsangebot gemacht und Im wesentlichen enthält der Pakt das, was damals angeboten worden ist. Es besteht auch die Gefahr, dass bei einer Ablehnung des Paktes das DesatzungSregime sich verschärfen kann. Rach einer Ablehnung des Paktes würbe aus Iahre hinaus jeder deutsche Protest gegen die Hlnterbrüdung der Alliierten in der Welt zur völligen Wirkungslosigkeit verurteilt sein ll.bhafte Zustimmung links und in der Mitte). Dann würde überall als wahr gelten, was uns so oft zu Hlnrecht nachgesagt wurde, nämlich, dass Deutschland eine Politik der Zweideutigkeit betreibe. Die Staatsidee, die Sic (nach rechts) vertreten, ist die Idee von gewattsam sich durchsehendem Machtprinzip nach innen und aussen. Diese Staatsidee ist in den Blutbädern des Weltkrieges versunken und Sie werden sie niemals wieder hervorholen können. In Locarno dagegen hat man jetzt versucht, d i e Staatsidee der Verständigung anzubahnen. Demgegenüber wollen Sic, nach wie vor, alle Probleme des Völkerbundes durch Gewalt lösen. Wer von dieser Ihrer Politik Hinheil für Voll und Vaterland erwartet, ber muh sie verurteilen und bekämpfen. Deshalb wird auch die preussische Regierung, im Gegen- satz zu Ihren Wünschen, sich hinter die Locarno-Politik der Reichsregierung stellen (Beifall links und in der Mitte). Abg. Heilmann (Soz.): Der Vertrag von Locarno f?i staatspolitisch eiwaS neues für Europa. Deutschland halte auf die Dauer in seiner Isolierung dem heutigen Geiste der wirtschaftlichen und technischen Entwickelung nicht mehr Stand. Wenn man freute einer ganz anderen Zukunft entgegengefre, könnten die Deutschnationalen nicht Führer sein. Abfl. Dr. Spieckernager (D.Vp.) wendet sich gegen die Behauptung, die Deutsche Vollspartei sei gegenüber Locarno von grösstem Optimismus erfüllt. Nichts fei falscher. Seine Partei habe die Zustimnrung an ganz be- stimmte Voraussetzungen geknüpft. Die Iull-Rcte hätten die Deutschnationalen an= erfarmt. Der Ertrag bedeute die Erfüllung die- j Schlachtvieh behandelt werden, denn eu würde sich um jede Autorität bringen, wenn er den Franzosen diese Grausamkeiten durchgehen liesse. Herr Briand aber als Vorsitzender des Dölker- bundsrates und gleichzeitig als Angeklagter — das ist eine Situation, die noch mancherlei diplomatische Pikanterien in sich bergen kann. Eine panarabische Bewegung gegen die Grossmächte? Paris, 31. Oft. (WTB. Funkspruch.) Der Berichterstatter der „Chicago Tribüne" in Damaskus meldet, dass der dokumentarische Beweis für eine panarabische revolutionäre Bewegung gegen Frankreich. England und Italien mit dem Ziele einer Erhebung der islamitischen Bevölkerung und der Vertreibung der europäischen Machte aus Afrika und Asien erbracht worden sei. Der Ausgangspunkt sei Kairo. Die Verbindung zwischen den syrischen Aufständischen und der panarabischen Bewegung gehe aus den Dokumenten klar hervor, in denen gegen die als General-Residenten in Syrien herrschenden französischen Generäle die schwersten Anklagen erhoben werden, und erklärt wird, die Stunde sei gekommen, Afrika und Asien von Frankreich, En glandundItalien zu befreien. Eines der ersten Ergebnisfe der Beschiessung von Damaskus durch die Franzosen sei die Bildung von politischen Abteilungen, die bereits etwa 3000 Mann stark And schwer bewaffnet seien. Sie beabsichtigten im Winter in Verbindung mit den Drusen gegen frie Franzosen einen ständigen Kleinkrieg zu führen. Die französische Schreckensherrschaft in Damaskus dauert an. In Beirut find 6000 Mann Aus der Provinzialhauptstadt. Giessen, den 31. Oktober 1925. Reformationsfest. 9n den letzten Jahren hat es nicht an Aeußc- rungen gefehlt, daß die evangelische Kirche dem Untergang geweiht fei. Als der Krieg zu Ende war und man ben Versuch unternahm, burch rabU falc, gewaltsame Trennung von Staat unb Kirche dieser die Stützmauer zu nehmen, glaubten nicht wenige, daß nun der Zusammenbruch der Kirche kommen werde. In Kreisen, die ihr nicht freundlich gcsmnt waren, sprach man damals von ihrem „Wiederaufbau", damit wollte man anbeuten, baß sie als Ruine aus bem Kriege hervorgegangen fei. Weil in den Gotteshäusern währenb bes Krieges die nationale Verteidigung als eine sittliche Pflicht hingeftellt worden war, machte man der evangelischen Kirche den Vorwurf, sic habe im Gegensatz zii Christus nicht zum Völkerfrieden geraten. Die Sekten, bic zumeist in Amerika ihre Heimat haben, glaubten in der Nachkriegszeit, baß nun ihr Weizen blühe. Mit Unermüdlichkeit arbeiteten ihre Sendboten, sie gingen und gehen von Haus zu Haus, wenden sich namentlich an solche, die durch Verluste jeder Art seelisch anyefochten sind, unb verheißen ihnen Trost unb Hilfe. Sie tun bas, in dem sic große Worte reben, Derb-Sinnliches in die Erscheinung treten lassen, ben nahen Weltunter - tzang in vhantasiischen Farben malen unb bic Schrecken ber Hölle wie auch bic Freuben bes Himmels in greifbare Nähe rucken. Vor wenigen Wochen würben in Gießen unb wohl im ganzen oberbeffifdjen Bezirke Blätter verbreitet, bic von ben „Vorboten bes Weltcnbcs" reben, von Unwetterkatastrophen, Krieg, Seuchen, Hungersnot, Erdbeben, immer mit dem Schlußsätze: „Das find die Anzeichen, daß die Welt bald untergeht, wobei bic Gottlosen" — bas flnb die, bie nicht zur Sekte gehören — „untergehen, während bie Frommen" — das find sic, die Schreiber unb Verbreiter dieser Blatter, — „in bas ewige Leben eingchen". Wer die Geschichte vergangener Zeiten an sich hat vor- ubcrzichen sehen, der weiß, baß bergleichen See- lenregungen sich immer bann bemerkbar machen, wenn harte unb unruhige Zeiten über bie Menschheit hcreingebrochen flnb .Gotifrieb Keller hat biefen Gebauten im Eingang seiner Novelle „Ursula" in großartiger Weise ausgeführt. Anberc wicber, bie naturalistisch gesinnt sind, laufen Sturm gegen bie Kirche, weil sic vom Uebersinnlichen cebet unb bic- ser Welt eine jenseitige Welt gegenübergestellt. Nimmt man noch die in weilen Kreisen herrschende religiöse Gleichgültigkeit hinzu, so ist man allerdings versucht anzunehmen, daß die Tage, in denen die Kirche eine das Volk beherrschende Macht war, gezählt seien unb baß sie sich nun in Sekten, Freikirchen, Gemeinschaften unb Vereinen, bie lediglich Bildungszwecke verfolgen, auflöse. Man braucht nur auf Aeuhcrungcn, bie aus Kreisen ber katholischen Kirche stammen, zu achten, um zu erkennen, daß dort die gleichen Schwierigkeiten erwachsen sind. Dennoch ist klar, daß bie evangelische wie auch die katholische Kirche in unserer Zeit unerschütterlich feststchen. Lebensmächte religiös-sittlicher Art, die Jahrhunderten getrokt haben und tief im Volksbewußtsein verankert sind, werden nicht durch Zeitströmungen, bie eine begrenzte Dauer haben, umgemorfen. Die eoangc- tische Kirche, bic am 31. Oktober, bem Tag, ba Luther feine 95 Thesen an bie Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, ihr gteformatiorc-rv feiert, gleicht nicht einem Gebäube, bas in allen Fugen kracht, sondern einer festen Burg, die auf einem Bergesgipfel aufragt Das Gustav-Adolf-Fcst, bas vorn 20. bis 23. September in Gießen gefeiert worben ist, ist hier symptomatisch. Was war es, das bei hem, Fcstzuge die Massen in Bewegung setzte und bei Den vielen Versammlungen die zahlreichen Teilnehmer atemlos und begeistert lauschen ließ? Es war ber Wille nicht zur Freikirche, zur Gemeinschaft, zur Sekte, sondern der Wille zur Landeskirche, die seit vier Jahrhunderten besieht. Diese Landeskirche wird ihren Beruf erfüllen, so lange sie auf dem Fundamente steht, auf das sic Martin Luther gesielli hat. Diese Grundlage kann man mit wenigen Worten umschreiben: Die Heilige Schrift ist die alleinige Richtschnur des Glaubens. Es gibt feinen Mittler zwischen Gott und dem Menschen als Jesus Christus. Selig wird ber Christ aus Gnade, allein durch den Glauben an den lebendigen Gott, der sich in Jesus Christus kund- getan hat und den; Reumütigen die Sünde vergibt. Christus ist unser Friede. In der Gottesfurcht, im Gottvertrauen, in ber Nächstenliebe unb in ber Berufstreue zeigt sich bie christliche Vollkommenheit Staat, Vaterland und Familie sind die Kreise, in denen sich das rechte Christenleben bewähren soll. Durch Jesum ist dem, der an ihn glaubt, die Gewißheit geworden, daß die Seele nach dem leiblichen Tode in Gott weiterlebt. H. B. * Wechsel in ber Leitung der S t a d t k a s s c. Stadtkassedirektor W ä f e r tritt am 1. Rovcinber in den Ruhestand. Die Leitung der Kasse ist dem Verwaltungsamtmann R v t * Hamel übertragen worden. *' I n ben Ruhestand. Polizeiobe» assistent Peter Zimmer tritt mit Wirkung vom 1. Äovember b. I. auf Grunb des Gesetzes über (bie Aterlsgrenze ber Staatsbeamten in den Ruhestand. '* Die Bolkshallebau-Lotterie hat dem Volkshallc-Derein bedauerlicherweise nicht das günstige Ergebnis gebracht, das man ihm im Interesse der guten Sache gewünscht hat. Bon 30 000 in Hlmlauf gesetzten Losen sind nur 18 000 abgelebt worden. Die unverkauften 12 000 hat der Verein schliesslich für eigene Rechnung gespielt. Obwohl er dabei 206 Gewinne eingeheimst hat (3 Fahrräder, 1 Aähmaschine, olles übrige aber kleine Wertgegenstände), schneidet er doch übel ab. Rach allem, was man hört, ist ini günstigsten Falle nuv mit einem sehr bescheidenen Geldüberschuh zu rechnen, wenn nicht etwa alles Rull für Rull aufgeht oder gar noch eine Zubusse erforderlich ist. Angesichts li:s:s betrüblichen Ergebnisses sollte die Bürgerschaft mehr noch als bisher zur Stützung unb Förderung des gemeinnützigen Hinternehmens beitragen. *’ GeschäftSjubiläen. Am morgigen 1. Rovember begeht dir Firma 3. Zöro Ww. ihr öOjähriges G^schäftsjubiläum. Das Geschäft wurde am 1. Rovember 1375 von Iohs. Zörb gegründet. Rach dessen Tode wurde es von der jetzigen Inhaberin, Frau Ehr. Zörb, unter der Firma I. Zörb Ww. weitergeführt Infolge ihres regen FleisseS war die Inhaberin bereits im Iahre 1886 in der Lage, ihr Haus und den Laden umzubauen. Das Geschäft hat sich auS kleinen Anfängen im Lause der Iahre zu geachteter Stellung emporgeschwungen und er- a«onsf6h7,% at ,n Stan , R tabi. \u nehmen 0 und ftT LWS * «61 «^'''«fileten teK avs; «H «nb^Ähn Hit, mie auch hk » unb bie rwSÄ;*> Sen nnd mohf : ^nißen Sä'A eltender" »h»» d' blt S4n Z?n ^>- dl bch2"°s sind bi. 5"ä$55 ME MLKK KL-LlL >nd, laujen Shim gegen d, lebersmn ichen redet unb bi., ,8e Welt gegenüber* •n weilen fireifen herrfch.^ " hinzu, so ist man M, rhmen, daß die lag., 05 Bolt beherrschende Ät, daß sie sich nun In Ätu- flen und Vereinen, die /«bit. ■folgen, auflöse. auf Äußerungen, Ne aus i Arche flammen, zu achten bart bie gleichen Tchwieri: . Drmvch ift Mm, bah K bie kathatijche Arche in ic? rlich schsichen. Lebenrmölt» die Jahrhunderten gefrK ^llsbewuhtsem oeranterl fii Zeitströmungen, die eine te i, umgeroorfen. Die tair^ 31. Oktober, dem L- iti fen an die LchloM p ihr fReformatior: t Wert, bäude, dar in nllm Nr, esten Burg, die aui einen Dos Custao.Adols'Fesl, te fernher in Gießen geseim mptomatifd). Was war«, die 'Mallen in Senwflung n Ärjammlunacn die W nlo5 und begeistert louschcn ile nicht zur Freikirche, zur ht, fonbem btt Wille zur vier JachrchMrien Wy iitb ihren W eMen, l unbamente sieht, auf bas h li hat. Diese Grundlage I7 Hlen umschreiben: Mg Oe 'Mtichnur des Glaube ?W'jchcn Gott und dem M- L. Selig wird der W durch den Glauber1 an * sich in Jefur teumütigen die Sunde «O äi!» «•i-yss lveiterlebt. . h6t Leitung W »««&»* mc« tlsti Gesetzes^ t DDr^uA für eigene Ä?W «Srtft1? Äach einen» J* K.yW »sM SM ä"ss£s ,::W iu?n- Jßajjie dc < freut sich hier imö auswärts besten Ansehens. — Die Firma Emil Otto, Ähren- uno Goldwarenhaus Bahnhofstrabe 49, kann ebenfalls am 1. November auf ein 35jähriges Bestehen zurück- blicken. Der Inhaber wird jetzt im gleichen Hause einen zweiten modernen Laden errichten. ** Die Reichszentrale für Heimat- dienst kündet im heutigen 'Anzeigenteil für die kommende Woche einen politischen Kursus von fünf Vorträgen an, von denen ein jeder bedeutsamste nationale Tagesfragen durch die besten Kenner der Materie behandelt. Die Reichszentrale für Heimat- dienst ist eine Organisation, die seit nunmehr sieben Jahren erfolgreiche politische Aufklärungsarbeit leistet. Ohne parteipolitische ober weltanschauliche Bindung vertritt die Reichszentrale das Gesamtinteresse des Volkes, das Staatsinteresse schlechthin. Ihre vornehmste Aufgabe sieht sie darin, die im Deutschen wurzelnde starke Liebe zur Heimat aufs engste mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft, der Rot- und Schicksalsverbundenheit aller deutschen Stämme, Stände und Staatsbürger, zu verknüpfen. So will,die Zentrale, an deren Spitze übrigens ein Gießener Kind, Oberregierungsrat Dr. Strahl, der ^>ohn des verstorbenen Anatomen unserer Lan- desuniversttät, steht, auch in diesem Kursus, der mit feinem Programm und den Persönlichkeiten der Redner für eine Stadt wie Gießen ein (Ereignis vorstellt, alle Volksgenossen zusammenführen,' über Partei, Konfession und Weltanschauung hinweg zur Mitarbeit am Volksganzen. Um trotz der Geldknappheit jedem den Zutritt zu ermöglichen, der aus berufenem Munde etwas über die brennendsten außen- And innenpolitischen Probleme hören will, ist der Eintrittspreis besonders niedrig gehalten. " Reifende Ladendiebc in Gießen. Der Polizeibericht meldet: Am 9. Oktober erschienen in einem hiesigen Konfektionsgeschäft zwei Mannspersonen und ließen sich Seidenstoffe in großer Auswahl vorlegen. Da sie passende Muster nicht finden konnten, verliehen sie den Laden, ohne etwas zu kaufen. Kurz darauf wurde ein Ballen von ca. 10 Meter schwarz-gemusterter Seide vermißt, der zweifellos von einem der fremden Kunden entwendet worden war. In Frankfurt a. M. wurden die Gauner auf frischer Tat festgenommen. Sie kommen nach den bis jetzt angestellten Ermittlungen auch für den hiesigen Diebstahl als Täter bestimmt in Frage. Borriotizerr — TageSkalender für Samstag. Gesellschaft Liebig-Museum, 61/» Ahr Hörfaal der Aniverfität: Jahresfeier mit Vorträgen. — Ruderklub Hafsia 1906, 8 Ahr: Mitgliederversammlung im Bootshaus. — Gießener Schwimmverein, 8V3 Alfcr -Hotel Köhler": Außerordentliche Generalversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Deutsche Helden in schwerer Zeit". — Astoria-Lichtspiele: „Große Lustfpiel- woche". — TageSkalender für Sonntag. Stadttheaier: 7 Ahr „Ein Spiel von Sob und Liebe" (Ende gegen 9 Ahrs. — Gießener Konzert-Verein 5 Ahr nachm. Aula der Aniverfität, erstes Abcmnement-KonKert. — Manner-Turn" Verein 8 Ahr im MarkuSsaal Feier des Stiftungsfestes. — Lichtspielhäuser wie Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als 4. Dienstag-Abonnements- Vorstellung geht am 3. November Frank Wedekinds Schauspiel „König Nicolo" ober „S 0 ist das Leben" hier erstmalig in Szene. Dies Schauspiel ist wohl eins der wenigen Werke Wedekinds, deren Handlung nicht rein erotischen, sondern allgemein menschlichen Motiven entspringt und vielleicht aus diesem Grunde wohl das meistgegebene des Dichters. Das figurenreiche Stück, das unter der Spielleitung von Herrn Teleky auf das sorgfältigste vorbereitet wird, beschäftigt fast das gesamte Per- tonal. Die beiden stücktragenden Rollen des Königs Nicolo und feiner Tochter liegen in den Händen von Herrn Juhnke und Fräulein K r a h m e r. — Der Goethe-Du nd veranstaltet nächsten Sonntagabend einen Rezitationsabend m seinem Bundes heim. (Siehe gestrige Anzeige.) — Freiwillige Feuerwehr. Nächsten Montagabend Monatsversammlung. Näheres im Anzeigenteil. — DeutschnatkonaleFrauen gruppe. Kommenden Montag im „Hindenburg" Dortra 1 — Matthausgemeinde. Kommenden Dienstag Gemeindeabend mit Vorträgen im Mat- thäusfaal. (Siehe Anzeige.) — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Rächsten Donnerstag abend Lichtbildervortrag. (Siehe Anzeige.) — Gesangverein Heiterkeit. Sonntag, 8. November, Konzert in der Aula der Universität. (Siehe heutige Anzeige.) Redakteur und Publikum. Umgekehrt wird ein passender Schuh daraus. Zahlreiche Leute wenden sich alltäglich an den Zeitungsredakteur. Manche telephonieren. Andere schreiben. Die meisten aber besuchen den Zeitungsmann persönlich auf der Redaktion. Auch mir wird dieses Vergnügen oft zuteil. Häufig werde ich da zum vertrauten Mitwisser von allerlei Röten und Kümmernissen, zum Ratgeber, zum Tröster, kurzum ich fühle mich als so eine Art „Mädchen für alles", grab wie die Feuerwehr. Das ehrt mich — selbstverständlich! Aber etwas will mir nicht gefallen! DaS sind die vielen wackeren Zeitgenossen unb Zeitgenossinnen, die bis jetzt noch immer nicht erfaßt haben, wie man den Redakteur unb dessen Arbeitskraft unb Zeit in der richtigen Weise für sich und sein — natürlich! — stets sehr wichtiges Anliegen nutzbar macht. Diesen Hartnäckigen möchte ich hier einige beherzigenswerte Ratschläge für den Umgang mit Redaktionen geben. Der Redakteur erflärt immer, er sei ein vielbeschäftigter Mann, seine Zeit sei ungeheuer knapp bemessen. Man glaube ihm nicht. In Wirklichkeit hat dieser Zeitungsonkel herzlich wenig zu tun. Seine Artikel und Meldungen schneidet er in 10 Minuten aus anderen Zeitungen aus, natürlich mit Vorliebe aus den benachbarten, damit er den Lesern, die auch die Rachbarblätter beziehen, die Freude des Doppeltservierens bereiten kann. In fünf Minuten ist alles aufgeklebt. Das weitere besorgt dann die Setzerei, da der Redakteur nach dieser angestrengten Tätigkeit „Redaktionsschluh" gemacht hat. Run wartet er, in seinem bequemen Sessel sitzend und dicke Zigarren rauchend, auf seine lieben Besucher. Jedermann bereitet dem Redakteur ein diebisches Vergnügen, wenn er ihn so oft wie nur irgend möglich an die Telephon-Quasselstrippe zitiert. Das Vergnügen des Zeitungsmannes wird stets um so größer sein, je mehr Richtigkeiten man ihm am Telephon mitteilt. Acht- und zwölfseitige, möglichst ganz eng unb schwer leserlich geschriebene Briefe und Berichte über An- wichtiges erfreuen ihn mehr als kurz unb bündig gehaltene unb deutlich geschriebene wichtige Mitteilungen. Den höchsten Gipfel erreicht sein Fröhlrchsein und seine Dankbarkeit aber, wenn man ihm die wichtigen und bedeutsamsten Ereignisse nicht bekanntgibt. Denn dadurch erspart man ihm doch Arbeit; und überdies, warum soll denn der liebe Rächste auch immer in schnellster Weise das Reueste erfahren. Wenn der Redakteur Berichte eines Dereins- vorstandes über Versammlungen oder andere Veranstaltungen erbittet — selbstverständlich nur deshalb, weil et nicht gerne arbeitet —, so reiche man bie Zuschriften mit größter Beschleunigung frühestens drei Wochen nach dem Ereignis ein, „ersuche" aber, daß der Bericht nun unbedingt am folgenden Tag ohne jede Kürzung unb unverändert bis aufs letzte Komma abgedruckt wird. And wenn der Redakteur ferner wünscht, das Manuskript nur einseitig unb klar zu schreiben, so scher dich daran nicht. Schreibe ruhig zweiseitig, natürlich mit Bleistift auf ganz dünnem Papier, möglichst mit vielen burdjein- anderlausenden Verbesserungen unb Streichungen und selbstverständlich auch die Schrift in flüchtigster Weise nur so „hingehauen". D u, lieber Einsender, weißt eben doch besser als der Federfuchser am Redaktionstisch, wie das brauchbare Manuskript beschaffen sein muh. Im Gebrauch von Fremdwörtern sei man nur ja nicht sparsam. Je mehr man aus diesem Schatze seines Wissens auskramt, desto größer wird die besondere Ehrfurcht des Redakteurs vor dem „gelehrten Haus", das ihn mit seinem Bericht beglückt. And übrigens: der Einsender schreibt seine Mitteilung doch nicht für die andern Leser, sondern immer nur für sich selbst. And für sein monatliches Abonnementsgeld kann er doch auch was verlangen. Wird ein Fremdwort — jedes muß selbstverständlich ganz unleserlich geschrieben werden — falsch gesetzt und erscheint so im Druck, dann steig' dem Kerl von Redakteur aufs Dach und laß' ihn fühlen, was für ein fchafsdummer Mensch er ist. Für Setzsehler ist nämlich immer der Redakteur verantwortlich, nicht etwa der Korrektor! Als ganz besondere Vergünstigung fiept der Redakteur es an, wenn ein „alter treuer Abonnement" Artikel und Berichte einsendet, nach deren Empfang der Vielbeschäftigte, ach nein Garnichtstuende, nicht die geringste Sehnsucht bekundet hat. Diese Zuschriften muß er natürlich ohne Zaudern an hervorragender Stelle abdrucken, auch wenn sie inhaltlich so wirr und kraus sind, wie der Wuschelkopf einer Zigeunerin, die früh morgens aus ihrem Wohnwagen kriecht. Besuche empfängt der Redakteur zu jeder Zeit mit dem größten Vergnügen. Wenn etwa eine bestimmte Besuchszeit festgesetzt sein sollte, die sog. Redaktionssprechstunde, so kehre du, verehrter Desuchslustiger, dich grundsätzlich nicht an diese Bestimmung. Der Zeitungsmensch behauptet natürlich, diese Einschränkung sei getroffen, damit er einige Stunden zu absolut ungestörter Arbeit gewinne für die sorgfältige Fertigstellung der Tages-Ausgabe. Das ist selbstredend Schwindel. Denn was unb wie so ein Redakteur schafft, weiß man ja nun aus diesen Zeilen. Deshalb besuche nur immer zu der Stunde, die dir die passendste ist, „dafür ist man doch Abonnent." And je länger du nun sitzen bleibst gerade, in der Zeit, da draußen im Betrieb alle Maschinen jagen unb surren und die Menschen Hetzen, nur um ba£ Blatt pünktlich fertigzustellen, desto angenehmer bist du dem Redakteur. Enteilt dir Aus dem Amtsverkündigurrgsblatt. ** Das Amtsverkünbigungsblatt Nr. 85 vom 30. Oktober enthält: Die Novembermiete. — Eröffnung des ordentlichen Lehrgangs 1925/26 an ben Landwirtschaftlichen Schulen. — Feldbereinigung Großen-Linden unb Nonnenroth. — Dienstnachrichten. der Begehrte durch irgendein Vorkommnis in den Werktags stunden, so suche ihn aus alle Fälle am Sonntag in feiner Wohnung auf, möglichst mittags in dem Augenblick, da er sich zum Essen sehen will. Dann ist er ganz besonders friedlich gestimmt unb dir zu herzlicher Dankbarkeit für deine Aufmerksamkeit oerbunben. Der Redakteur ist für ben Tertteil bet Zeitung da. Für die Anzeigen unb für Den Vertrieb des Blattes sind die kaufmännischen Beamten die berufenen Leute. Aber Diese Dicnfteinteilung Der Zeitung geht natürlich weite Kreise des Publikums nichts an. Deshalb wenden sich auch viele Leute mit ihren Anzeigen an das .Leitunasmiibchen für alles". Den Redakteur, damit er Die Anzeige „recht groß unb dick gebrückt unb ganz billig einrücken" läßt. Unb wenn Herr Käsebier bas Blatt mal nicht erhält, obwohl er Doch sein gutes Gelb bafür bc zahlt hat, so ist natürlich der Redakteur die Be schwerbestelle. Wagt er den bescheidenen Einwand, baß er für Steigen ober B^chwerben nicht der richtige ..... da wetterts gar manchmal auf fein gedüst,iges Haupt. „Da kannst halt nix machen, ba stehst machtlos vis-a-vis“ — unb wenn's schließlich zum Kränkekriegen ist. Eine Ehre ist es für icben rechten Redakteur, wenn der Leser an einem Wahltage — erfreulicher weise haben wir ja in Kürze wieder einen, roo wir die Ortsparlamente, die Kreistage und auch noch den Provinzialtag wählen können, unb wenn uns bas Glück ganz wohlgewogen ist, Dürfen wir auch bald wieder mal das himmlische fBergnügen einer Reichstagswahl genießen — abends in ben Stunden des jagenbften Nachrichteneingangs telephonisch bei der Redaktion nach dem Stand der Dinge fragt, ober sich in höchsteigener Person in bas Dienstzim mer des Rebakieurs bemüht, um sich Dort die Ergebnisse abzuschreiben ober auch abschreiben zu lassen. Natürlich gehört bazu bie notwendige Erläuterung der politischen Lage unb Möglichkeiten. Wenn diese Wünsche an ben Redakteur herantreten, schlägt er vor Vergnügen Purzelbäume. Wer von den verehrten Zeitgenossen nach diesen Ratschlägen verfährt unb an den bisherigen „vortrefflichen" Gepflogenheiten im Umgang mit Redaktionen sesthält, handelt gut unb weise. Dafür muß er auch für jeden Fall der Inanspruchnahme der Redaktion einen Taler an bas Finanzamt zahlen. Dieses sammelt bie Gelder unb schickt bann ben Rebakteur alljährlich auf sechs Wochen an bie See ober ins Gebirge, Damit er sich bort erholen kann — von feinen lieben Freunden unb Freun- binnen. B. Sei Ihrer chronischen Verstopfung raten wir Ihnen, in der Apotheke 30 r tzerber- Kerne zu taufen, die auch bet längerem Gebrauch unschädltch, Dabei stets wirksam sind. Bestandteile auf der Packung. 9t88es Cafe Emst Ludwig Heute abend 8 Uhr Heiterer Abend Anschließend: Tanz — Jazz-Band Eintritt frei. 10460c Abendkurse in allen kaufmännischen Fächern Beginn: 2. November Anmeld. erb. an die Schulleitung der Vootschen Handelsschule Gteßon, Goethestrafie 82 ^a Zchasversteigerung. Dienstag, den 3. Nov. 1925, nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Warthof bei Grünberg in Oberhessen 190 hautreine Schafe öffentlich meistbietend versteigert, und zw.: 60Iührlingshämmel, 50 Mutter- jährl., 20 Brackschafe u. 60 Hammel- und Mutterlämmer. 10432D Auf Wunsch können die Tiere auch in kleiner. Partien abgegeben werden. Die Abnahme d. Tiere mutz sofort erf, »roittWlslinoinet fflr Wen. „Sie leben aber auf großem Fuße!“ „Herr, lassen Sie Ihre Witze - Ich habe Hühneraugen.“ „Und ich hatte welche! Aber „Lebewohl“ hat mich wieder auf die Beine gebracht.“ - Gemeint ist natürlich das berühmte, von vielen Aertten empfohlene Hühneraugen-Lebewohl tüt die Zehen und Lebewohl-Ballenscheiben für die Fußsohle, Blechdose (8 Pflaster) 75 PL. Lebewohl- Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäden 50 Pf. erhältlich in Apotheken und Drogerien Sicher zu haben bei: H. Noll, Ludwigsplatz - Drogerie und Neustadt • Drogerie, O. Winterhoff, Drogerie, Kreuzplatz 9/10. 3785A Ich praktiziere wieder von Montag, den 2. Novbr. 1925 ab. Dr. Alker Augenarzt. 08792 Meine Praxis und Wohnung befinden sich jetzt Gartenstraße 10 (Fernsprecher 1238) Dr. med. Aubel prakt. Arzt. 10824V Gelegenheitsposten Weit unter Preis Manchester prima schmalgerippte Qualität, oliv, braun, grün, schiefergrau, schwarz, für Sport- und Strapazieranzüge ceao9 Meter nur M. 3.95 L. W. Plank, Neustadt. Räucherapparate in la Doppelt verzinkt, erstkl. Ausführung liefern eine hervorragend. wohlschmeckende Dauerware! Eign, sich not' Aüfiticb zum Lüsten u. Auf bewahren, auch im Sommer! in all. Größen zu niedrigsten Preisen und denkbar günstigsten Zadlungö- bedingungen sofort lieferbar bei Gg. SchielenleiD. Masch.-Fabr, Lieh (Oberii.) Fernipr. Nr. 17. Fernipr. Nr. 17. Bekanntmachung. Stadtkafsedirektor Maser tritt am 1. November 1925 in den Ruhestand. Ich habe vom gleichen Tage ab Den Lerwaltungsamtmann Rothamel mit der Leitung der Stadtkasse beauftragt. Gießen, Den 30. Oktober 1925. 1MMß Der Oberbürgermeister: Keller. Bekanntmachnng. Die in der Zeit vom 1. Dezember 1925 bis 31. März 1927( 1 Jahr und 4 Monate) anfallenden Schweineborsten werden meistbietend vergeben. Schriftliche Angebote sind bis zum Dienstag, dem 10. November 1925, vormittags 11 Ahr, bet uns einzureichen. Die Bedingungen können vorher während der Dienststunden bei uns eingesehen, bzw. in Empfang genommen werden. Gießen, den 26. Oktober 1925. ________Die Schlachthofdirektion. 10451D Holzsubmission. Die Gemeinde Staufenberg verkauft im Wege schriftlichen Angebots nachverzeichnetes Holz. Fichten-Stämme: 3. Kl. 4 Stämme = 6,75 Fstm. 4. „ 22 , -- 21,90 „ 5a- „62 „ = 41,51 . 5b- „ 97 „ = 32,70 „ Eiche-Bohlen 4—6 Ztm. Stärke (altes Holz) zirka 2,80 Angebote sind bis zum Dienstag, dem 3. Rovember L I., nachmittags 2 Ahr, getrennt nach Klassen, bei der hiesigen Bürgermeisterei einzureichen, wo auch die Bedingungen eingesehen werden können. Angebote mit zusarnmengezogenen Klaffen oder Vorbehalte werden nicht berücksichtigt. Das Holz ist entrindet und liegt an der Straße Gießen—Marburg. Zuschlags- frist 5 Sage. Staufenberg, den 29. Oktober 1925. Bürgermeisterei: Meyer. 104610 O J -Kränze Braut Äer Modehaus Salomon Gießen, Schulstraße. 7891a Krawatten SeMe schwere reinseidene Qualitäten Schnittmuster gratis 10449a Gebr. Imheuser, Marktplatz 9-10 Für Wnsknsstr- unb Laden- cinrilhiiiWn verlangen Sie unverbindliche Vorschläge auch von Den Wetzlarer Möbelwerkstatten, Wetzlar a.d. Lab«, Langgasse 54—56, Telephon 473. W,’D Erste Referenzen 1 Mäntel für Damen Herren Kinder Billige Preise Große Auswahl Teilzahlung gestattet I Jttmann Kaplansgasse 18 eine Treppe. 10471a Sestellungen auf 08830 Veckreiser ä Welle 7öPs., nimmt enlaeaenNoll.LanD- araf'Phil »Blatz 6 p. 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Wilhelm Müller Heinrich Bach Karl Müller. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Kröck XIII zu verkaufen ,0,ieD Otto Lenz, Hof Haina b. Nod- betm a. d. Bieber. Schilling, Franks. Str. 23. L™ K. 83 bat Brief nicht erhalten, wünscht Le- bensz. u. Nr 851 an Eerio, Plocknr. 5. Ladeneinrichtung gut erhalten, Tb .'ke und Regale zu verk Schr. Sinn. u. 08819 an den Gieß. An;. gemacht hoben. Das Ergebnis nur die Feststellung aussichten für deuts sehr gering sind i Auslands, der D schasi, in Kürze warten ist. Jede Wrtscho ihre Produktion Verbrauchs zu hebe überMsen Der/e Qanb fernorbi in hohem Masse sü soweit es auf Aol gewiesen ist. Die derzeitige L unseres Vaterlandes | Vermietungen | 4-3immer-Bohnung tVilla, Neubau) mit Zentralheizung, bei 3500 Mark Mietvorauszahlung fi- fort zu oerm. Näh bei Qtio Scheel, Mühlnr. 24. (08705 Die Hinterbliebenen: • Oustel Weigand, geb. Inderthal und drei Kinder Med.-Rat Dr. Karl Scriba und Familie Christian Inderthal und Familie. 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NNkllg MN.-Vlit- von 7 bis 9'/, Uhr Der §Mi!ieiiW. Lustspiel in 3 Akten vonGust.Kadelburg. NelimM aller Abteilungen am 1. November vormittags 8 Uhr. MSbernirnnM. Gietzeuer freiwillige Feuerwehr. Montag, 2. Nov., abends 8 Uhr.- WM- verfWMvW bet Kamerad BIHIler, Bahnhosstraße. Aiitteilung über Weihnachtsfeier. Uniform: Arbeitsbluse und Mütze. Bollzähl. Erschei- nen erwünscht. 1M‘3c Der Vorstand. Die MMoiiilii Fraaengrnppe bittet Männer und Frauen der Partei zu einem Vortragsabend Montag, 2. Nov., abends 8 Uhr. im „Hindenburg". Nednerin: Frau Stadirat Hausler aus Berlin. 08797 PlSd-nt i J dief)t lich;"E solcher ?>ie fische I sege",?7 seine! 1 i dllf der Hand. M • 1 losigleU der gegenüber pflegl. i Die ungeheu« H auf unserer Wir! stärkerem Maste ui Gerade die Zahlen der Steuergesehe kiche Belastung oc I vergleich zu den - . Auslandes mitget' ! nüge dartun, w>e l für Deutschland sn der qualitatit schasi bedeuten, al Qualität, sondern - Weltmarftkonlurre Daneben hat vollzogen, die das zeugnisse auf de Zoll- und Ho '■ Wirtschaftsmächte . ■ Zeichen der fc eingehende Prüfun russischen Zolltarife bestätigen, wie die t lich der Handelsver lanb, Frankreich, 2 Jeder Mann kann D.K.W. 4 P. S. kaufen gegen Wo- chenralen von Mk. Mete fanMI in nur besten Qualitäten. Gelb- und weibfleischige 10.u vermleren 1044IO Mühl-ir. 33 p. Möbl. Wohn- und Lchlafzimmer oder ein Zimmer allein in gut. Hause zu verm. us i:-j Westanl. 1 I. Cello zu verkaufen. Zu erfragen in der GeschäfiSstelle des Gteß. Anz. 08841 Gut erhaltener Mslen billig abzugeb. 8M3a Stevbanstr. 9 p. Ein noch fast neuer großer ^osD Mhki-KarM- öüinpiei' unö Luetsche billig abzugeben bei O. Müller Henriettenbof W. Wadcupsubl, Bleichstr. 34. Kaufmännischer tehrling auS enrsch. chr iVn- mllie gesuchi. Aus^ slihrliche schriftliküe Anged. unter 0883s an d. Gieß. 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Zweckmäßige Schönheit hieß die Zauberformel, die Häuserblocks ballte, Schornsteine emporsteilte, Möbeln die gediegene Rutz- form gab. Die P l a st i k, vom Stofflichen her der Architektur verwandt, dreidimensional gleich ihr, doch ungleich beweglicher und fügsamer dem Formungsdrang neuer Impulse nachgebend, sah in Archipenko den Meister rein formalen Ausdruckswillens, der sich in Melodie und Rhythmus seiner Konstruktionen auslebt. Auch Oskar Schlemmers abstrakte Kunst gehört i n diesen Kreis. Wilhelm Lehmbruck erkannte in der Linie eines Kopfes, in der Wendung eines Gliedes schon die Möglichkeit, Wesentlichstes über den beseelten Körper zu sagen. Bei Georg Kolbe endlich fand das Drängen zur Einheit von gesunder, notwendiger Geistigkeit und den Bedingungen statischer und plastischer Gesetze auf höchster künstlerischer Ebene die vollendete Lösung. Aus LIrgründen der Leidenschaft formt Ernst Barlach seine hölzernen Firuren, die an kein Maß gebunden sind. Die Tierbildner August Gaul und Renee ©in» tenis erlauschen am lebendigen Tier sein Wesen und gestalten dumpfgefühlten Trieb zu naturnaher und wesenhafter Klarheit. Das Drängen zum Wesentlichen, das Suchen nach Wahrheit, das sich in der Plastik offenbart, lebt gleicherweise in der Malerei. Ganz gelöst von aller stofflichen Belastung eilten Paul Klee. K a n d i n s k y und Klemm leicht voraus. Linie und Farbe war ihnen Freude genug. Mittler zwischen Stoff und Form wurde Franz Mara. Der Entdecker eines neuen Eigenlebens der Farbe war Oskar Kokoschka, ihm folgte nicht fern als treuer Sachwalter der Dinge, ehrlich und stark, Schmidt-Rottluff uno seine Freunde der heute nicht mehr bestehenden „Drücke". Spötter und Hasser einer nicht mehr existenzberechtigten bourgeoisen Verlogenheit war Otto D i x, überragt durch George Groß, dessen Anklage tiefer an den Kern dec Sache herangeht, dessen Bilder Angriff nicht nur durch die Sache, sondern schon durch jede Linie, durch jeden Strich werden. Das Wort, leichteste Waffe, gefügigster Stahl, wurde den Vorkämpfern des neuen Tages willkommener Helfer. Am gewichtigsten, an Auge und Ohr sich wendend, im Drama. Die Bühne, Resonanzboden der Dichtung, war soeben grundlegend umgestaltet und aus all ihren naturalistischen Verkettungen entfesselt worden durch Tai- roff. Ießner, Hartung, Weichert, Legal und einige andere begriffen sofort, daß hier und nur hier der Weg weiter gehe, und öffneten ihre Häuser den jungen Dichtern, die ihre eigene Sprache in der ihnen gemäßen ihn» gebung, in dem ihnen eigentümlichen Rhythmus, mit den ihnen zugehörenden Mitteln sprechen konnten: Carl Sternheim, der Ingenieur der Sprache, Georg Kaiser, der Denkspieler (wie ihn Bernhard Diebold genannt hat), Melchior Vischer, der erst in diesem Jahre und dem nächsten (trotz Kronachers Aufführung des „Teemeister" in Leipzig) „entdeckt" werden wird, der sich bereits über die kämpfende Anklage zur spielerisch lächelnden Satire, zur ileberlegenheit durchgerungen hat, und Fritz von il n r u h, der vielleicht berufen sein wird, die Drücke zum anderen ilfer des neuen Jahrtausends zu bauen, das unsere Enkel 2000 schreiben werden. Wichtig für das Heute wurden uns in Deutschland noch zwei Fremde: Der Ire Georg Dernard Shaw, ironischer Spötter, der Helden und Götzen von ihrem Sockel nimmt und auf ihren Schultern und Glatzen Staub zu wischen anfängt — und der Sizilianer Luigi Pi ran dello, dessen „Sechs Personen suchen einen Autor" trotz allen gegenteiligen Ansichten doch ein großes Dichtwerk ist: kein Lustspiel, wie es durch Reinhard! verballhornt wurde, sondern eine durchaus ernste, sachliche Angelegenheit: Erlebnis des Dichters. Man wird das Stück geben, solange es Dichter gibt. Die Prosa hat in Wilhelm Schäfer und Jakob Wassermann einen Höhepunkt erreicht, den die junge Generation mit ihren eigenen Mitteln erklomm. Da ist Kasimir E d s ch m i d t s toll vorwärtspeitschende, bizarre Kunst, Alfred Döblins starker Atem und die gewaltige Dreite des Schlesiers Arnold LI li h. Als guter Mentor der deutschen Sprache, der uns unseren Hölderlin schenkte, hält Wilhelm Michel auf hoher Warte treue Wacht. ,,Die LhriI endlich fand wohl in dem zu früh gefallenen August Stramm am stärksten Abbild und Form unserer krampfhaft zerrissenen Zeit. Franz Werfel singt in hymnischer Verzückung von Gott und dem neuen Menschen, der kommen wird. Theodor Däubler fand Einklang und Ruhe in dem Stamm und den Blättern einer Buche: seine Kraft reichte sogar bis zum Sonett, in das er fein Wort klar und stark Hineinschmiedel. (Klabund — weih das alles. Lind Franz Blei sagt das auch. Rur gayz anders.) Die leichtbeschwingteste der Künste endlich, die Musik, unbelastet von Stofflichkeit und Wort, nur lebendig in Klang und Rhythmus, tummelte sich selig befreit in den äußersten Grenzgebieten musikalischer Möglichkeiten. Jazz- Band, die entfesselte Hölle, die durchgegangenen Pferde des Sonnenwagens, ist klangliches Abbild einer aus den Fugen geratenen Zeit. Franz Schreker sucht eine neue Sprache der Musik in J)er Oper, Arnold Schönberg bemüht sich um neue Vokabeln für das Konzert, Paul Hindemith ist einer von denen, die eben auf dem Reuland festen Fuß gefaßt und die Zügel straff in der Hand haben. Seien wir darauf bedacht, daß die Räder nicht über uns hinweggehen. Lind hält Verantwortungsbewußtsein uns d'.e Augen offen und das Rückgrat stark, dann schreiten wir vorwärts, ins Morgen, unermüdet.... e-s. nder Kapelle len ru wollen. »er lige «ehr. flov., IW: rn ungen ember 8 Uhr. W BIftUer. raße- über irr. ^rbelts' üve. rrtanbi 'crclilastemn , 10 Beniner StaM , 7 Beniner TiMi ?-P.S.-ßenz inuifatj, Licht u. AMn liurü'^n!rmmlkr'r.'ii!:0!!' Inlosser-ÄerschepM?.^ itzer, ficht und Aiiliffer. M sind, fahrbereit, preit- 1 x\\ ötrtauien. tH. tacobi a.H., Mainzer Landstr. 0, Älamgau »51- IKMIGiil NIMM Wir bitten nm »A reichen Besuch w Militär- kouzertes ium testender tzricgödctchndig' ten am eoöiM 1. 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Bei der hervorragenden Bedeutung, 2ie das Rhein-Ruhr-Revier als das wirtschaft» vich-industrielle Herz Deutschlands hat, müssen 1 Rachrichten solcher Art, wie sie gerade von Dort kommen, eine besonders ernste Beachtung finden. So kommt der Raubzug, den die Entente «egen die deutsche Wirtschaft seit Jahr und i Tag führt, zu seiner Auswirkung. Rur ein Optimist kann von der Gegenseite «ine Berücksichtigung deutscher Wünsche, die etwa Das Ziel einer Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft zur Folge haben, erwarten. Das eine ’ Derartige Ententepolitik, die die Verarmung des wirtschaftlichen Deutschlands nach sich ziehen muß, nicht in Einklang zu bringen ist mit dem anderen Ziel, Deutschland reparationsfähig zu erhalten wer gar repavationsfäh'.g zu gestalten, liegt auf der Hand. Deutlicher kann wohl die Sinn» 1 o s i g ke i b. der Politik, die man Deutschland gegenüber pflegt, garnicht zum Ausdruck kommen. Die ungeheuren Lasten, die als Kriegstribut auf unserer Wirtschaft ruhen, drücken in immer 1 Härterem Maße unsere Konkurrenzfähigkeit herab. Gerade die Zahlen, die im Laufe der Behandlung ter Steuergesehe im Reichstag über ZTte steuerliche Belastung des deutschen Steuerzahlers im Vergleich zu den Auswirkungen der Steuern des Auslandes mitgeteilt wurden, dürften zur Ge- itüge dartun, wie gering die Konkurrenzaussichten für Deutschland sind! Das soll keine Verkennung ter qualitativen Leistungen unserer Wirtschaft bedeuten, aber schließlich ist nicht nur die Qualität, sondern auch der Preis bei der Weltmarktkonkurrenz maßgeblich. Daneben hat sich eine andere Entwicklung vrllzogen, die das Wiedererscheinen deutscher Erzeugnisse auf dem Weltmarkt erschwert: die, 3o II* und Handelspolitik der großen' Wirtschastsmächte des Auslandes steht unter dem Zeichen der Abwehr deutscher Erzeugnisse. Eine eingehende Prüfung etwa des italienischen oder russischen Zolltarifs wird diese Auffassung ebenso bestätigen, wie die Erfahrungen, die wir gelegent» li H der Handelsvertragsverhandlungen mit England, Frankreich, Belgien oder anderen Ländern gemacht haben. Das Ergebnis aller Llntersuchungen kann nur die Feststellung fein, daß die Wettbewerbs- nuissichten für deutsche Ware auf dem Weltmarkt leihr gering sind und bet der Einstellung des Tnslands, der Belastung der deutschen Wirt- ’chaft, in Kürze eine Besserung nicht zu er* io arten ist. Jede Wirtschaft muß das Bestreben haben, ihre Produktion über das Maß des Eigen* nerbrauchs zu heben und mit ihren Produktions- I Überschüssen Werte des Auslands, die das eigene L'anb nicht hervorbringt, zu erwerben. Das gilt in hohem Maße für Deutschland, insbesondere, loioeit es auf Rohstoffe des Auslandes angewiesen ist. Die derzeitige Lage, wie sie an den Grenzen inriereS Vaterlandes geschaffen ist, bedingt mehr beim je die Pflege der Aufnahmefähigleit des Binnenmarktes. Die Entwick- dirg, die die Handelsbilanz mit einem Defizit ton 2,7 Milliarden am Ende des Jahres 1924 mt) mit einer weiteren Verschärfung im Laufe des Jahres 1925 genommen hat, weist uns immer nshr darauf hin. die Hoffnungen auf Ausfuhr* Möglichkeiten nicht zu Überspannen, dafür aber '5 bis Aufnahmefähigkeit des Binnenmarktes nach Reiften zu heben. E s ist eine nicht z u bsst reitende Tatsache, daß die Land- jvnrl schäft als Käufer industrieller, gewerblicher Erzeugnisse in aller* t eft er Linie zur Belebung des ^Vinnenmarktes in Frage kommt, "i i6e r nur unter der Voraussetzung, baß i h-r e Kaufkraft wieder berge» lallt wird. Es darf daran erinnert werden, |ba:6 von der industriellen Gesamtproduktion dec llarkriegszeit zwei Drittel im Inland aufge» wrnmen wurde, daß daran zur Hälfte die Land- Tempo . . . ! Tempo! Das ist der Rame des Gottes innerer Zett. Das, ist: Schlachtruf. Das ist: Siegesfanfare. Hais ist, auf die kürzeste Formel gebracht, Aus- lr»ckswille unserer Zeit. Richt, daß wir statt der Tramway die -Unter» kMiiidbahn benutzen. Richt, daß V-Zug und Auto kam Flugzeug überholt wurden. Richt, daß wir wßen dem Fernsprechen und -hören nun auch Umsehen und »photographieren können. Richt, niti einem Wort, daß Zeit und Raum keine unüberwindlichen Schwierigkeiten mehr bedeuten, l’t wichtig: bedeutungsvoll vielmehr ist für uns l;c Rückwirkung jener Spannungsenergieen, mit keinen wir Stundenzeiger und Metermaß in Allein schlagen. Kraft und Krampf sind die bewegenden Alimente der Zeit. Llngerichtete Kraft in snm- lsir Lieberspannung ist Krampf. Der Krieg tuchs sich dazu aus. In der Malerei, in der Lichtung überschlug sich das Wollen und verlor iiä Maß. Kleidung und Lanz, die hemmungs- M? Lebensführung mancher Kreise angesichts allgemeinen Rotlage waren Bild und Spie- ■gDtilb zugleich: Das Tempo des Tages trieb -mcmfhörlich vorwärts: die Stärksten trieben es m. die Starken hielten bewußt Schritt, dev 2eft fiel ab. Einige rafften sich auf; ihr Laufen Halbe 5um Geschleiftwerden, ihr Gesang zum 4?kceisch: Krampf. Auf sie blickte die Masse, der Sonnenwagen des Gottes längst aus den lugen entschwunden war, und ihre Weisen be* liefen aus Büchern und Dokumenten, daß jene ndy das Wahre und Gute brächten, und daß der -De;, den sie gingen, ein Irrweg sei. Die Architektur, ihrem handwerklich be» langten Grundcharakter entsprechend, blieb am 'tjeften vor LIebereilung und Krampf befreit. Auch 'baren ihre Meister stark genug, um mit dem !Linpo der Spitzengruppe Schritt halten zu können. ’$it Bruno Laut, Paul Gropius, Peter 'Vehrens, Hans Poelzig, Bruno Paul wirtschaft beteiligt war, während ein Drittel ausgeführt wurde. Der Wert dessen, was die Landwirtschaft für den eigenen Bedarf erwarb, entsprach also dem Exportwerte. Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion ist aber nur möglich auf dem Wege einer weiteren Mechani- sireung und verstärkter Anwendung künstlicher Düngemittel. Wan kann wohl die Behauptung aufstellen, daß eine Verbesserung des landwirtschaftlichen Produktionsapparates bis zu 50 v. H. seines augenblicklichen Standes möglich ist, wenn durch Wiederherstellung der Rentabilität eine entsprechende Kaufkraft ersteht. Damit eröffnet sich für weiteste Kreise von Industrie und Gewerbe ein großes Arbeitsfeld, das jedenfalls wesentlich sicherer ist, als der schwankende oder kaum zu erringende Weltmarkt. Leider ist der Kampf um die Wiederherstellung und Sicherung der landwirtschaftlichen Arbeits- und Kaufkraft ein außerordentlich schwerer. Eine Fülle von Vorurteilen, von politischer Seite genährt, müssen überwunden werden und dies alles in einem Augenblick, da unsere Gesamtwirtschaftslage so gar keinen Ausblick auf eine allgemeine Besserung zuläßt. Alle Maßnahmen, die daher von der Landwirtschaft und von politisch ihr nahestehenden Kreisen gefordert werden, werden von den Gegnern als agrarische Interessenpolitik bekämpft, während es in Wirklichkeit darum geht, mit der Wiedererstarkung der Landwirtschaft das Kernproblem der ganzen deutschen Wirtschaft anzupacken. Alle anderen Versuche, die diese große entscheidende Frage in diesem oder jenem Punkt anpacken, werden scheitern, wenn sie nicht durchstoßen zum Kern des Problems. Die Voraussetzungen für die Produktionshebung sind ideeller und materieller Ratur. Was die elfteren betrifft, so bin ich davon überzeugt, daß sie, soweit sie im Landvolk selber begründet sind, im vollen Maße vorhanden sind. Der Landwirt ist sich seiner Aufgabe. Rährer des Volkes, Träger der Wirtschaft zu fein, durch» aus bewußt. Er ist sich weiter bewußt, in der heutigen Zeit schwere Opfer bringen zu müssen und andererseits seine Arbeitsleistung bis zum äußersten zu steigern. Er wird als Staatsbürger stets bereit fein, dem Staat zu geben, was des Staates ist. Anders stehl es mit den materiellen Voraussetzungen! Es gibt wenige Wirtschaftszweige, in denen die Llnsicherheiten aller Art so gehäuft sind wie gerade in der Landwirtschaft. Man wird daher bestrebt sein müssen, diese Fülle der Llnsicherheiten auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken. Die Inflation hat auch die in der Landwirtschaft vorhandenen Kapitalreserven aufgezehrt. Reubildung von Kapital ist in der Zwischenzeit nicht erfolgt. Vielmehr hat eine Verschuldung ganz außerordentlicher Art eingesetzt. Man steht viel zu sehr unter dem Eindruck der Auffassung, daß die Landwirtschaft in der Inflationszeit ihre Schulden abgestohen habe und nunmehr restlos entschuldet dastände. Dem ist nicht so! Einer Realverschulüung von 15 Milliarden der Vorkriegszeit steht eine Verschuldung von heute in Höhe von 7,5 Milliarden gegenüber. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Dorkriegsverschuldung mit etwa 4 Prozent, zum Teil noch darunter, zu verzinsen war, die Zinsverpflichtungen von heute aber eine durchschnittliche Zinshöhe von ca. 12 Prozent bedeuten. Preisausschreiben Schon immer haben die Empfehlungsanzeigen im Gießener Anzeiger auch in Bezug auf die Satzausstattung allgemeine Anerkennung gefunden, ein Ansporn mehr für unsere technischen Mitarbeiter, der Ausgestaltung des Anzeigenteils in der vorliegenden Jubiläumsausgabe ganz besondere Sorgfalt angedeihen zu lassen. Um nun zu erfahren, welche Anzeige in dieser Sonderausgabe unsere^ Leserschaft am eindrucksvollsten, somit also am wirksamsten erscheint, fordern wir unsere Bezieher auf, uns unter Beifügung einer kurzen Begründung den Namen des Auftraggebers derjenigen Anzeige schriftlich mitzuteilen, die sie für die wirksamste halten. Drei Anzeigen, auf die sich die höchste Stimmenzahl vereinigt, werden bekanntgegeben. Die drei treffendsten Begründungen für diese Wahl werden mit je einem Geldpreise bedacht in Höhe von 150 Mark 100 „ 50 „ Die Aushändigung der Preise erfolgt rechtzeitig vor dem Weihnachtsfeste. Die Einsendungen müssen aufdemUmschlagdieBezeichnung „Preisausschreiben" tragen. In besonderem eingeschlossenen Umschlag sind Name, Stand und Wohnung anzugeben. Sämtliche Zuschriften sind bis zum 10. Dezember an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu richten. Die Entscheidung über die besten Begründungen wird von Sachverständigen gemeinsam mit dem Derlag getroffen. Gießen, den 31. Oktober 1925. Verlag des (öietzener Anzeigers. Samstag, 5(. Oktober 1925 BKUIWM.-----tnXUBTCU; .kXB rrgTB—— Weiter ist festzustellen, daß Anlaß zu weiterer Verschuldung infolge der Notwendigkeit, fremde Gelder in die Wirtschaft zu nehmen, in hohem Maße vorhanden ist. Zwar verweist man auf die Möglichkeit, Gelder des Auslandes als langfristige Kredite der Landwirtschaft durch Vermittlung der Renten- banklreditanstalt zuzuführen: man überspanne aber doch hier nicht Hoffnungen, soweit sie sich etwa hinsichtlich der Menge der zur Verfügung stehenden Kredite wie der Höhe des Zinsfußes erheben. Kredite jeglicher Art sind stets ein Rotbehelf, Mittel unter Llmftänden gefährlicher Ratur, denn sie haben die unangenehmen Eigenschaften, daß sie einmal zurückgezahlt werden müssen und daß außerdem recht erhebliche Zinsverpflichtungen an sie geknüpft sind. Die Lleberlastung kommt aber vor allem zum Ausdruck in der Höhe der Steuern. Das gilt für die Landwirtschaft wie für die übrigen Wirtschaftszweige, nur mit dem Llnterschied, daß für die erstere Abwälzungsmöglichkeiten nicht vorhanden sind. Wohl bringen die neuen Steuergesehe gewisse Besserungen in der Steuertechnik, eine fühlbare materielle Entlastung wird nicht eintreten. Das Reich wie alle öffentlichen Verbände werden ihr Augenmerk in Zukunft darauf zu richten haben, in stärkerem Maße die Sparsamkeitsmöglichleiten, insbesondere auf dem Gebiet der öffentlichen Verwaltung, auszuschöpfen. Man kann sich des Eindrucks nichts erwehren, daß, wenn man die Etats einer Reihe von Ländern und Gemeinden mit denen der Vorkriegszeit vergleicht, hier eine Etatspolitik getrieben wird, die mit der allgemeinen Verarmung nicht zu vereinbaren ist. Wie ist es möglich, daß im heutigen Deutschland die Summe aller Verwaltungsausgaben die Höhe von 11 Milliarden erreicht, indes das größere Deutschland vor dem Kriege mit einer Summe von nur 7 Milliarden auskam. Cs würde bedeuten, das Bild nur fya'b darzustellen, wenn auch nicht der Lasten gedacht würde, die auf das deutsche Volk als Folgen des verlorenen Krieges durch die (Sieger- floaten gelegt sind. Wenn in den letzten Wochen unter den wichtigen wirtschaftspolitischen Fragen auch die Zolltarifvorlage im Vordergrund der Erörterung gestanden hat, so wäre es falsch, hierin etwa eine rein agrarische Maßnahme zu erblicken. Die Entwicklung der Handels* und Zollpolitik^ der großen und kleinen Staaten der Welt steht fast ausnahmslos unter dem Zeichen des Schuhes der eigenen Produktion. Deutschland braucht schon für Handelsvertragszwecke einen geeigneten Zolltarif. Ohne dieses Instrument ist es schutzlos dem stark bewehrten Gegner ausgeliefert. Handelsverträge aber sind die Mittel, mit denen, abgesehen von ganz geringen Ausnahmen, der Verkehr eigener und fremder Rohstoffe und Erzeugnisse geregelt wird. Die deutsche Landwirtschaft befindet sich gegenüber der Auslandskonkurrenz in einer äußerst schwierigen Lage. Ihre Produktionsbedingungen sind wesentlich ungünstiger, dazu kommt die äußerst schwere Belastung, die sie zu tragen hat. Der Aufschwung, den sie seit der Bismarckschen Schutzzollpolitik genommen hat, beweist die Richtigkeit der letzteren.. Es sei ferner darauf hingewiesen, daß in diesem Zeitabschnitt unsere gesamte Wirtschaft sich entfaltete —, nicht zum Schaden schließlich auch der industriellen Arbeiterschaft. Lassen wir uns durch Schlagworte wie Drot- wucher u. a. m. von dem einmal als richtig erkannten Ziel nicht abdrängen. Der beste Schuh der Derbraucherschaft liegt darin, daß möglichst viel Lebensmittel in Deutschland erzeugt werden. Das ist gleichzeitig der beste Preisregulator im Sinne des Derbrauchers, denn Grundsatz von Angebot und Rachfrage wird stets seine Geltung behalten. Tyrannenmacht in Südtirol. Von unserem -r.-Sonderberichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Brixen, Oktober 1925. Eine frische Erinnerung: Hell lachte die Sonne Südtirols auf das zinnen- gekrönte Brixer Stadttor, über dem der moosbewachsene Zwölferturm emporragt. Reges Leben herrschte im Städtchen: Fahnen flatterten im Winde: Musik ertönt an den verschiedenen Ecken und rief Einheimische und Zugereiste auf. sich am Marktplatz zu einer Feier zu versammeln. Hochmütigen Antlitzes marschierten die Kohorten des Fascio schnellen Schritten durch die alten Gassen — mit gesenktem Haupte, wehmütigen Blickes folgten die Einheimischen dem Rus: denn die Fahnen waren nicht jene, die in tausendjähriger Geschichte über dem Lande flatterten, sie waren nicht jene, in denen der tote Tiroler Adler mit dem immergrünen Ehrenkranzel zu sehen ist, sondern es war bie Trikolore, die Drixens Beoölterung an der fernen alten Reichsgrenze drei Jahre lang bekämpfte, gegen die der älteste Greis und der jüngste Knabe im Felde stand, sofern sie den Stutzen tragen konnten! Und die Klänge, sie waren keine deutschen Tiroler Weisen, sondern der italienische Königsmarsch und der Sturmgesang be$ Fascio. Eine Stunde mochte wohl vergangen fein nach diesem ersten Treiben in den sonst stillen Gossen des Städtchens: der Marktplatz füllte sich: auf der einen Seite mit den Schwarzhemden des Fascio, auf der anderen Seite mit alten schwarzen Feströcken der Stadtväter und Bürgerschaft. Heraussordenden Blickes die einen, vergrämt die anderen. Ein paar kurze Kommandoworte, die Fahnen der Kohorten senkten sich, der Sürgenneifter tritt vor, er küßt die Fahne und zwei Tränen rollen aus die herzensfremde Dreifach. Roch tiefer finken die Köpfe der Tiroler, während frenetischer Beifall der Schwarzhemden anhob und das Giooinezza-Lied strophen- iveise den Lärm übertönte — — — das war der 27. September des Jahres 1925 in Brixen. Was war geschehen, daß es zu dieser bemerkenswerten Szene kam? Eine Kleinigkeit bloß, die den Anlaß gab, der bodenständigen Bevölkerung zu zeigen, daß über fie ein Herr regiere, gegen dessen Befehl nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Staatsgewalt ohnmächtig ist: ein Herr, der, obwohl die Staatsgewalt ausübend, doch ein Staat im Staate bleibt und unter dem Romen Fa'cio zlisammenzufassen ist. Und die Kleinigkeit? In Sterzing halte sich eine Ortsgruppe der Fascio aufgetan. Eine prangende Tafel zeigte ihr Vereinslokal. Nachts darauf war die Tafel verschwunden. Daraufhin spielte die Fosciogruppe Streitpartei und Richter zugleich und diktierte Sühne: Alle Häuser muhten mit der Tri- fo^re geschmückt fein; die gesamte Gemcindevor- slMng müßte vor dem Fasciohaus erscheinen; der Bürgermeister habe das Komitee um Entschuldigung zu bitten, die Trikolore zu küssen, wobei die Ortsmusik den marcia reale zu spielen habe, bei dessen Klängen die vor dem Vereins- yaus zu versammelnde Bürgerschaft den Fascio- gruß zu leisten haben. Sollte diesen Forderungen nicht vollinhaltlich Folge geleistet werden, so würde der Fascio von Brixen der Bevölkerung ^ine schwere Buße auferlegen. — So lautete der Befehl des Fascio! Wie diese Buße aussehen könnte, dos beweisen die ausgebrannten Parteilokale der politischen Gegenparteien in ganz Italien, dos bezeugen die verschiedensten Toten oder die unter den Wirkungen des Rizinusöl sich krümmenden „Bestraf, ten . So kam es zur oben geschilderten Szene für die es nur ein geschichtliches Beispiel gibt aus jener Zeit, die fagenumranft heute als dos „graue Mittelalter" bezeichnet wird: als Gehler zu Altdorf den Herzogshut oufpflanzte und dazu die Worte sprach: ,Lch habe den Hut nicht aufgeftetft zu Altdorf des Scherzes wegen ober um die Herzen des Volkes zu prüfen, diese kenne ich längst! Ich habe ihn aufgeftetft, daß sie den Nocken mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen — Und die entfernte Tafel? Sie prangte bei der Sühnefzene wieder am Dereinshause, nachdem sie bei einem Angehörigen der Fascio am Morgen jenes Tages gesunden worden war, der der Nacht folgte, in der sie von angeblichen Tiroler Händen entfernt worden sei---dafür wurde bei der Sühneszene der Königsmarsch durch dos Fascio- Sturmlied ersetzt, damit die Bürgerschaft lerne, ihren Nacken nicht allein der Staatshymne, sondern auch dem Foscio-Sturmgesong zu beugen. — Fürwahr, ein bemerkenswertes Ereignis im Zeitalter des Selbstbestimmungsrechtes. Am 10. Oktober jährte sich der Tao zum sechsten Maie, seit ein königliches Dekret die Annexion Südtirols aussprach und mit Königswort versprach, Sitten und Gebräuche, Sprache und Kuttur des annektierten Landes innerhalb der neuen Staatsgrenze so zu bewahren, wie wenn die annektierten Bürger im wirklichen Vaterland lebten. Und was waren die Vorgänge, die sich zwischen dem geschilderten 27. September und dem diesmaligen 10 Oktober abspielten, Vorgänge, bei denen die Staatsgewalt Pate stand? Am 10. Oktober erschien der Erlaß, daß es den italienischen Staatsbürgern nichtitalienischer Nationalität im neuerworbenen Gebiete nicht mehr gestattet sei, die einst im nunmehrigen Auslande erworbenen akademischen Titel (Doktor, Profesior ufw.) zu führen. Am 2. Oktober wurde mittels Präfekturekret verfügt, daß die freiwillige Feuerwehr Bozens ihre Tätigkeit dauernd einzustellen habe. Am 5. Oktober verfügte ein Erlaß des Königlichen Justizministeriums, daß von nun an in den neuerworbenen Gebieten ausschließlich in italienischer Gerichtssprache verhandelt und Streiteingoben lediglich in italienischer Sprache von den Gerichten entgegengenommen werden durften; im Falle der Unkenntnis der Sprache hätten sich die Streitparteien der amtlich, ober gegen Sondervergütung beizustellenden Dolmetscher zu bedienen. — Dos waren die Morgengaben des Königsreichs an das neuerworbene Gebiet zum Gedenken an den h. Jahrestag ihrer Eingliederung in die neue Staatlichkeit! Uno als Schluhouftakt zu diesem feierlichen Tage brachten die Blätter den Bericht über den Kongreh des bekannten Vereins „Dante Alighieri", desien Entschließung in den Worten gipfelt: „Der Verein verlangt die versprochene Entfernung des Dogelweide-Denkmals vorn größten Bozener Platz, des Denkmals eines Dichters, der gar keine Beziehungen zum Londe Hot (!) und dessen Denkmal nur zum Zwecke der politischen Demonstration des deutschen Besitzes des Londes diesseits der Wasserscheide errichtet wurde; wie andere Sinnbilder der Gewalttätigkeit und des Betruges mpge es in das regionale Kriegs- mufeum überliefert werden. Durch eine städtische und nationale Suskription wird bann Bozen auf seinem größten Platze die erwünschte (!) Statue des Drusus errichten, eines lateinischen Helden und Gründers der Stadt, der die Abzeichen Roms ins Etschland brachte." Fürwahr, Drusus brachte die Abzeichen Roms ins Etschland — aber vor ihnen und nach ihnen lebten und strebten dort Germanen; dankbar muh dies Eingeständnis bis Dante-Vereins anerkannt werden, der bis nun behauptete, die lateinische Kultur wäre im Etschland autothon. Staatsgewalt, Parteigewalt und Kulturchou- vinismus arbeiten Hand in Hand, um die Nacken der Deutsch-Südtiroler zu beugen; doch auch heute gilt bas Wort aus der Tellgefchichte: „Eine Grenze hat Ty rannen macht--", eine Grenze, trotzdem wir im Zeitalter von Wilsons Selbftbeftimmungsrecht leben. Oberheffen. Landkreis Gicsrcrr. £ Vieleck, 30. Oft. In der jüngsten Gern ein deratssihung legte der Finanzausschuß eine Entschließung vor, nach welcher der Gemeinde ein Mitbestimmungs-- recht bei der Vermietung der M i e t w o hn u n - gen gesichert wird, welche unter starker Mithilfe durch öffentliche Mittel gegenwärtig von Privaten errichtet werden. Der Qlittrag, der nicht nur für den Bauherrn, sondern auch für die Mieter, die auf eine solche Wohnung reflektieren, von allergrößter Bedeutung ist, hat folgenden Wortlaut: „Als sich der Gemeinderat dazu entschloß, langfristige Anleihen aufzunehmen, um dieselben dem privaten Wohnungsbau mit verbilligtem Zinssatz zuzuführen, ging er von dem Beweggrund aus, durch diese Maßnahme der Wohnungsnot in der Gemeinde am erfolgreichsten zu steuern. Kein Darlehnsnehmer ist darüber im Zweifel gelassen worden, daß sich die Gemeinde hinsichtlich der Dermietwöhnungen ein Mitbe- stimmungsrecht Vorbehalt. Aber auch ohne dies sollte es für jeden einzelnen Kreditnehmer eine Selbstverständlichkeit fein, daß die Bauhilfe aus öffentlichen Mitteln nicht ausschließlich seinen persönlichen, sondern auch den allgemeinen Interessen dienen soU. Diese liegen darin, nach und nach allen in Wohnungsnot befindlichen Ortsbürgern auf diese Weise M helfen. Daß dies aUerdings nicht so geschehen kann, wie ein Teil der Kreditnehmer die Vermietung der betreffenden Wohnungen scheinbar beabsichtigt, liegt auf der Hand. Ilm nun aber die unter den schwierigsten Verhältnissen Begonnene Aktion in ihrer ursprünglichen Dahn zu halten, sah sich aus vorstehenden Gründen Der Gemeinderat in Wahrung der allgemeinen Interessen verpflichtet, entsprechende Maßregeln zu treffen, und beschloß, jedem Kreditnehmer folgende Bedingungen aufzuerlegen: 1. Ieder Kreditnehmer i st verpflichtet, vor Vermietung seiner Ver- Mietwohnung sich aus der Liste der Wohnungsuchenden auf hiesiger Bürgermeisterei einen Mieter auszusuchen. Dabei behält sich der Gemeinderat vor, dem Vermieter auch andere Vorschläge zu unterbreiten. 2. Die Wohnung darf erst nach erteilter Genehmigung durch den Gemeinderat von dem im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung aus- erwählten Mieter bezogen werden. 3. Bezüglich des Mietpreises behält sich der Gemeinderat vor, die Höhe desselben auf seine Berechtigung hin zu prüfen, d. h. der Mietpreis darf nicht höher gefordert und auch vereinbart werden, als die Rentabilität der Dausumme rechtfertigt. 4. Die Richtbeachtung oder Verletzung der vorstehenden Bestimmungen zieht für den Betreffenden dey Verlust der Zinsverbilligung evtl. Kündigung des gesamten Darlehens nach sich." Dieser Antrag wurde vom Gemeinderat ohne jede Aenderung gutge- heihen und in Verfolg dieser Angelegenheit weiter beschlossen, daß für die Zukunft Reuaufnahmen in die Wohnungsliste erst nach Prüfung der Berechtigung durch die Wohnungskommission festens des Gemeinderats zugelassen werden. — Durch das Kreisamt wurden dieser Tage die von der Gemeinde neuangestellten zwei Rächt- wachmänner verpflichtet. Sie treten nunmehr am 1. Rovember ihr verantwortungsvolles Amt an. Es ist zu wünschen, daß sich alte Hoffnungen erfüllen, die an die Neuschaffung der beiden Stellen geknüpft wurden. Die Aussicht auf eine regelmäßige geeignete Rächt wache hat an den seitherigen unhaltbaren Zuständen nichts geändert, die Zukunst muß lehren, ob die Wirksamkeit dieses Mittels eine Wendung zum Besseren bringt. * Lang-Göns, 30. Okt. Der hiesige G e - fangoerein „Germania" blickt 1926 auf sein 35 jöhriges Bestehen zurück. In einer außerordentlichen Generalversammlung beschloß der Verein, bas Jubiläum am 5., 6. und 7. Juni mit einem großen Gefangswettftreit zu verbinden. : Beuern, 30. Oft. Der Weitsicht des hiesigen Gemeinderats ist es zuzuschreiben, daß in vorsorglicher Weise in den Gemeindrgebäuden, wie Rathaus, Pfarrhaus und den beiden Schul- Häusern Trockenfeuerlöschapparate cruf- gehangt worden sind. — Bei einer Treibj agd am letzten Donnerstag wurden 12 Hasen erlegt. Etliche Füchse wurden gesichtet, konnten aber nicht zur Strecke gebracht werden. — Das am „Burghain" in prachtvoller Lage gelegene Jagdhaus des AutogeschästsinhaberS Göbel von Gießen ging in diesen Tagen für den Preis von 8500 Mk, in den Besitz des hessischen Staates über. Der hessische Staat hat b.-rmit eine Wohnung erworben für den zukünftigen Forstwart unseres Bezirks. Vorerst soll die „Villa Göbel", wie sie hier allgemein genannt wird, von einem Jagdaufseher des Zigarrenfabrikanten Ludwig Rinn in Heuchelöeim, der die hiesige und noch andere umliegende Gemeindeiagden gedachtet hat, bewohnt werden. Die Villa wurde sm Iahre 1924 erbaut. : Bersrod, 30. Ott Auch Lei uns hat sich die Bürgerschaft für die kommende Gern ei n d c ra t s w a h l auf einen Wahlpvr- schlag geeinigt. Llnd so bleibt unser Dorf wie auch bei der letzten Gemeinderatswahl vor einigen Iahren von einem Wahltamps verschont. ; Winnerod. 30. Ott Seit einigen Wochen hat das hiesige Hvs^ut einen drei» scharigen Motorpflug m den Dienst ebv gestellt. -Gewaltige Ackerflächen werden täglich mit ihm gestürzt. Oft aber auch muß er benutzt werden, um steckengebliebene, schwerbeladene Fuh- ren aus dem schweren Ackerboden toeitenubeför- dem. Daß damit manches Arbeitspferd über- zählig wird, läßt sich denken. : Oppenrod, 30. Okt. Ein schönes Zeichen von Einigkeit zeigt unser kleines Dörfchen. Wie bei der letzten Gemeinderatswahl vor einigen Jahren, so ist auch diesmal wieder nur e i n Wahlvorschlag auf hiesiger Bürgermeisterei eingereicht worden. Der Spitzenkandidat dieser Ein- heiksliste ist Ludwig Schneider. v Grünberg, 30. Okt, Der 'Neubau des Finanzamtes wird voraussichtlich nicht auf dem Platz der Höfetränke erstehen. Man plant jetzt, den Bau in der Theo-Koch-Straße am Gallus- inarktplatz zu errichten. — In der letzten Zeit hat sich die Zahl der reisenden Handwerksburschen, die in den Häusern unserer Stadt vorsprechen, ganz erheblich vermehrt. Vielfach bitten die Leute um ein Mittagessen, dessen Angabe in den Haushaltungen aber oft recht schwierig ist. Ob die Gemeindeverwaltung in dieser Hinsicht eine Einrichtung schaffen kann, wäre vielleicht erwägenswert. J) Lich, 30. Oki. Zur bevorstehenden Stadtratswahl wurde die Handels-, Gewerbe- und Mittelstandsliste mit der Beamtenlifte einfach verbunden. Weitere Liftenverbindungen liegen nicht vor. Seitens der Gemeinde-Wahlkommission sind die eingereichten Wahlvorschläge und Derbindungs- erklärungen zugelassen worden. Kreis Friedberg. Bad-Rauhei in, 30. Oft. Die reichen und vielseitigen älnterh altungsmöglich- leiten, d-ie in der Hauptsaison das Kurhaus als geistiger Mittelpunkt unserer Badestadt besonders auf den Gebieten der Mufik, des Theaters und des wissenschaftlichen Vortrags bietet, kann der ortsansässige Rauheimer nicht in dem Maße ausnutzen, als er es gern möchte. Das Kurleben, an dem säst jeder Einwohner mehr oder weniger gewerblich interessiert ist. nimmt deren Arbeitskraft dermaßen in Anspruch, daß nur wenig Zeit zur Muhe und Erholung bleibt. Dies« bleiben dem Winter Vorbehalten, der Gelegenheit genug bietet, die geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Vereinstätigkeit erlebt jetzt ihre „Hochsaison". Die Unterhaltungen fast sämtlicher Vereine bewegen sich in Bezug auf Aufmachung und Inhalt auf einer erfreulichen Höhe. Im Dienste der Volksbildung stehen vornehmlich der Vortrags- und Musikverein, der Bildungsverein und der Heimat verein. Sie alle haben für den Winter wieder Vortragsveranstaltungen geplant. Der Bildungsverein, der mit belehrenden und unterhaltenden Vorträgen gerade einen der wichtigsten Teile seiner übernommenen Aufgaben erfüllt, hat wieder eine größere Vortragsreihe geplant. In Aussicht gefaßt sind Themen literarischen, staatsbürgerlichen, volkswirtschaftlichen und naturwissenschaftlichen Inhalts, ebenfalls solche aus der Kunstgeschichte. Es wird besonders anerkannt, daß sich auch die Gießener Hochschulgesellschaft in den Dienst der guten Sache stellt. II. a. ist ein Vortrag von Professor Klute über seine Spitzbergen-Expedition zugesagt. Der BiDungsverein wird seine Tätigkeit am 16. Rovemodr mit einem Dortrag über C. F Metzer eröffnen, wozu Studienrat Wald als Redner gewonnen ist. r. Gamboch, 30. Oft. Für die Gemeinde- r a t s w a h l sind 4 Wahlvorschläge eingereicht, und zwar von den Sozialdemokraten, dem Bauernbund und zwei von der Mittelstandspartei. Im seitherigen Gemeinderat hatten Sozialdemokraten, Bauernbund und Mittelstandspartei je 4 Vertreter. Aon den Sozialdemokraten scheidet das settherige Gemeinderatsmitglied Zimmer aus. An seine Stelle tritt der Maurer Heinrich Mohr. An aussichtsreicher Stelle auf dieser Liste stehen die Namen der feit» herigen Gemeinderäte B ö ck , Müller und Ratz. Bei der Bauernbundliste sind die bisherigen Gemeinderäte R e u h l, Rumpf, Buß und Klein die Spitzenkandidaten. Bei der Mittelstandspartei waren tm Laufe des Sommers zwei Richtungen in Erscheinung getreten. Es war nun versucht worden, für die kommende Wahl eine Einigung zu erzielen, das Vorhaben scheiterte aber. Die eine Liste heißt M i t t e Ist ä n d l e r l i st e , bei der die Spitzenkandidaten die seitherigen Gemeinderäte Wilhelm A l t und Louis Friedr. Grieb sind. Die andere Liste nennt sich M i 11 e l st a n d s p a r t e i, vereinigte Handwerker und Gewerbetreibende. Spitzenkandidaten sind hier die Gemeinderäte Fleischbeschauer A l t und Maurermeister Hch. Schäfer. Die erstgenannte Mittelstandsliste hat Liftenoerbindung mit der Bauernbundsliste beantragt. s Rieder-Florstadt, 30. Oft. Unser großes Verkehrsauto, das mit Schülern, die die Friedberger Schuten besuchen, um 1.15 hier ankommen muh, blieb heute aus. Es war kurz vor Rieder-Florstadt mit einem entgegen- fahrenden Ochsenwagen des Gutspächters Alles sufammengefahren. Der Wagen war mit Feldarbeiterinnen beseht. Durch den heftigen Anprall ging er vollständig in Trümmer, und bas Auto kam in den linken Straßengraben zu st eßen. Zwei Mädchen fa • c t unterdieReste des Wagens; daS eine erlitt einen Armbruch, bas andere kam mit starken Hautabschürfungen davon. Die übrigen Insassen des Wagens wurden aufs Feld geschleudert und lagen zwischen zerschmetterten Teilen des Wagens. Herr Alles, der gerade mit seinem Landauer vorbeifuhr, nahm die Beschädigten mit nach Friedberg. Die Mitfahrer im Auto — meistens Kinder — kamen mit dem Schrecken davon, sie mußten aber, da die Tür eingeklemmt war, durch die Fenster aussteigen. Der Wagen war stark besetzt^ und infolge des einsetzenden Gedränges fielen einige Frauen in Ohnmacht. Die Buben brachten die meisten Leute heraus, weil sie eine Explosion befürchteten, bevor die Tür geöffnet werden konnte. Das Auto ist st a rk beschädigt und muhte durch eine Selbstfahrerlokomobile abgeschleppt werden. Wen die Schuld trifft, läßt sich noch nicht feststellen. Die Untersuchung ist eingeleitet. B. Rodheim o. d. H., M. Okt. Bei den Gemeinderatswahlen treten außer dem hessischen Landbund und der Sozialdemokratischen Partei die Gewerbetreibenden mit einer eigenen Liste hervor. Von seitherigen Gemeinderatsmitglie- dern enthalten die Wahloorschläge die Namen K. B. Kunz und Joh. Gg. Rob. W e h r h e i m (Hess. Landbund); Joh. Wilh. Wagner und Gg. Jak. Vogel (Sozialdemokraten) und Zimmermeister Jak. v. Hayn III. bei den Gewerbetreibenden. — Da sich eine weitere Verbreitung der Erkrankungen an Scharlach unter den Kindern bemerkbar macht, mußte jetzt auch die hiesige Volksschule vorläufig geschloffen werden. Kreis Büdingen. -/= Ortenberg, 30, Okt. Während es in noberen Gemeinden, wie z. B. Nidda und Hungen, gelungen ist, zu den bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l e n Cinigungsliften herauszubringen, ist eine solche Einigung hier nicht zustande gekommen. Es wurden hier vier Wahloorschläge eingereicht. L Echzell, 30. Okt. Das Preisfchießen des im Nachsommer gegründeten Kleinkaliber- Sch u tz e n o e r e i n s fand bei reger Beteiligung statt und ergab günstige Schußresultate. Im ganzen kamen 42 Preise zur Verteilung. Die sechs besten Leistungen erzielten nach Punkten: Gendarmerie- Wachtmeister Schneider mit 49, Karl Kapelle r, Bisses, mit 47, Otto Küfer mit 46, Hermann Krug, Heuchelheim, mit 44, Gustav Hofmann mit 44, Viktor Schneider, Unter-Widdersheim, mit 43. Starkenburg. * Darmstadt, 30. Oft. Im Alter von 81 Iahre« ist hier die Lehrerin im Ruhestands Marie Müller gestorben, die lange Zeit eine führende Stellung unter den hessischen Lehrerinnen eingenommen hatte und Ehrenvorsitzende des Vereins Hessische- Lehrerinnenheim war. Auch in anderen Gdj- rerinnenoereineit bekleidete sie Ehrenämter. — Die Anstalt für Epileptische in Rieder» Ramstadt bei Darmstadt hat in diesen Tagen die Feier ihres 25jährigen Bestehens begangen. Sie wurde im Oktober 1900 von der Inneren Mission mit vier Kindern gegründet. Gegenwärtig sind über 200 Kranke in der Anstalt. » a. Darmstadt, 28. Okt. Am Montag wurde hier eine Persönlichkeit zu Grabe getragen, die im ganzen Hessenland bekannt war. Es ist der Lehrer i. R. Georg Ritz. Im Jahre 1838 geboren, wirkte er als Lehrer längere Zeit in Uettershausen im Schlitzerland und dann nahezu vier Jahrzehnte in Maor. In dieser Zeit Hal er sich um das G e - nossenschaftswesen sehr verdient gemacht. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erkannte er mit klarem Blick die Notlage der Landwirtschaft, die besonders unter dem Druck fremder Geldgeber zu leiden hatte, und gründete eine Sparund Darlehenskasse auf genossenschaftlicher Grundlage zur gegenseitigen Unterstützung, die noch heute befiehl und sehr segensreich gewirkt hat. Ein ganzes Menschengeschlecht hat in Maar zu Füßen des verdienstvollen Lehrers gesessen. Im Jahre 1906 trat R. in den wohlverdienten Ruhestand und siedelte nach Darmstadt über, wo sein Sohn als Rektor wirkt. Als Pensionär widmete er sich auch hier noch dem Genossenschaftswesen. So leitete er bis zum Jahre 1920 die neugegründete Genossenschaftszeitung „Das Hessenland". Seine geisttge Frische hat er sich bis in feine letzten Lebenstage erhalten. (Ein großes Trauergefolge begleitete ihn auf dem letzten Gang. Besonders viele seiner Schüler aus feinem einstigen Wirkungsort Maar standen an seinem Grab. 0 Offenbach, 29. Oft. Wie wir hören, kann damit gerechnet werden, daß die Krast- pvstlinie Offenbach a.M—Langen in etwa 4 Wochen in Betrieb genommen wird. Preußen. Dittkreis. bl. Fleisbach, 30. Oft. Linser Pfarrer von Oven blickt in diesem Iahre auf eine 3 0jährige Tätigkeit als Vorstand des hiesigen .Spar» und Darlehnskasfen- Vereins zurück. Dom Raiffeisenverband Frankfurt a. M. wurde ihm in Anerkennung feiner Verdienste eine Medaille überreicht. Frankfurt a. M. und Umgegend. fpd. Frankfurt a. M., 30. Okt. In der Stadtverordnetenfitz nng erklärte der Magistrat auf eine Anfrage, daß seine Denkschrift über Verbilligung der Lebensmittel wenig Erfolg haben könne, wenn nicht vom Reich aus eine umfassende Aktion einsetze. Von dem Wohnungsbauprogramm für 1925 konnten statt dec vorgesehenen 1200 Neubauten nur 270 wegen der bedeutenden Erhöhung der Baumaterial- Preise und des allgemeinen Geldmangels hergestellt werden. Von 28 Millionen Mark Hauszinssteuer, die in Frankfurt vereinnahmt wurden, müssen 20 Millionen an das Reich abgeführt werden, so daß nur 8 Millionen für städtische Bauzwecke verbleiben. Die Steuer für karnevalistische Vergnügungen wurden von 50 auf 35 Prozent herabgesetzt. Die Steuer für Soielklubs erhöhte man um das fünffache, auf eine Anfrage über die Auslandanleihe der Stadt erklärte der Magistrat, daß die Anleihe die billigste von allen deutschen Stadtanleihen tm Auslande fei und werdenden Zwecken für Gas-, Clektrizitäks- und Wasserwerkerweiterung dienen soll. Sie foto noran Oealen dem 6. November, die Frist zur Erneuerung der Lose 2 Klaffe S6./M2. Preußisch Süddeutscher Klaffenlotterte abläuft. Da bet der 1. Klasse tue ungewöhnlich starke Nachfrage nach Losen in vielen Fällen nicht befriedigt werben konnte, besteht bei Nichteinhaltung der vorbezeichneten Frist die Gefahr, daß über daS Lok 2. Klasse anderweit verfügt wird, was nach den Pianbestinimimgen zulässig ist. Wer an ien unge« wöbnlich günstigen Gewinnchancen der folgenden Klaffen tetlnehmen will, versäume daher nicht, sein Loö zeitig au erneuern. 17000 Gewinne tm Gesamtbeträge von über 2 Millionen NetchSmark werden in der am 13. und 14. November stat findenden Ziehung 2- Klasse ausgespielt, borunter 2 Gewinne äu je 100000 Reichsmark als Höchstgervtnne. S3Nlä Ireivönßauck, Geruch unc/ßuß\ Ohne. Gcklacke, ohne Grus — ■ ■ « v Oie Saa »**£ « Mk. bei gegen W ffJÄ? Wohltätig lliuiimniiiüuii'l",M'n!111 ii Geteilte*! am Sonn nacbm. 31/, ausgeführt von der peinlicher Leitung d Eintrittspreis WllMil Mitglied bt$ Htssisd Sonntag, den 8. dir in btt Nei Kl ThorteitMy: s 3J FrLuirin Un Herr Brune Am Flügel.- Fi 3um l työuoßnSdjubtrf,. '■Meomamt.Silfyri S traute >md Mols. Lei Imtritisbartenimfloi u.nafyn.a.ö.fiafle.1. Front im \ LICHTB t , von Dr Wnant Un O K. »Als Artillerie. rten.—Ff,.--jp teun 11> Wh Kl • Zu ♦ H : Absch ♦ derbeliel 1 A , Ab 8<>nn( I O'igjnal.Jazz-Ka f Sando, der Kor Saal bau Sauer onnen Eintrittskarten imDorverkaufi.d.Musikalienh.E.CHallier u. nachm. a. d. Kaffe. I.Pl. 2MK. 2.Pl. l.SV Mk. 8.P1. 1 Mk. Der Vortrag findet auf Einladung des Jungdeutschen Ordens am Donnerstag, 5. November, abends8Uhr, in der Turnhalle (Oswaldsgarten) statt Eintrittskarten 50 Pfg und 1 Mk. sind an der Abendkasse zu haben. Der Beliertrag wird inr Wellmachtebeiehernng armer Kinder verwendet. 10429d „Als Artillerie- und Infanterieflieger“ Zusammenarbeit zwischen Flieger und eigener Artillerie. — Erkundung der feindlichen Batterien. --Feindliche Batterienester — Bekämpfung der feindlichen Artillerie — Eigene und feindliche Grabensysteme — Erkennung von Erdarbeiten — Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen vordester Linie und Führung — Trichterfelder aus Flandern, an der Somme, am ('hemin des Dames, bei Reims und Noyon — Der Kampf um den Mt Renaud. — Der Mt Renaud im Trommelfeuer. — Aufnahmen rückwärtiger französischer Stellungen aus niedrigster Höhe — Aus den Vormarschtagen März 1918. — Die Sturmwel en der deutschen Infan- Zwei große Wohltätigkeits - Konzerte iiiiiiiiiuimiiiuiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiuiiiiii zu Gunsten der Kriegsbeschädigten und Kriegsblinden am Sonntag, den 1. November, nachm. 31/, Uhr u. abends 81/« Uhr ausgeführt von der hiesigen Militärkapelle unter perön lieber Leitung des Herrn Obermusikmstr. Löber Eintrittspreis auf allen Plätzen Mk. 1.- ______________________________10340c____________ terie. — Zertrommelte engl. Stellungen — Wirkung der deutschen Gasgranaten. — Englische Infanterie in III. Stellung. — Englische Kolonnen auf dem Rückzug. — Tankangriffe usw. NZ BW TB ayg« Jrteiluno. "44, enburg. $ Vkt- 3m Mg. hftn rüeL"’fc«»4: J JjVW« in Dieder. Sjryr ' Sm Moniag tuurb? iu Trabe getragen, die im int war, Es ist der Lebrer ^hre 1838 geboren, wirlie Seit in Udler-Hausen im *u vier JahrMe in h°> er sich um bas 6t. ' n sehr verdient gemach- des vorigen Jahrhunden.- Lt'.a die Notlage der Lo^ unter dem Druck srE •t. und griindele eine Sp- gimsienschastticher Oral-. InieGtzung, die noch hect! eich gewirkt hat Ein joujh in Maar ju Füßen des stressen. 3m Jahre 1906 trat 5t. Ruhestand und siedelte nach in Gofii als Rektor wirft. er fid) audj fier nach dein > leitete er bif tum Jahre ienossenschostsMna.Lage Frische hat er sich dir age erhalten. Ein großer ihn aus dem letzten Tang. Mer aus seinem einstigen nden an seinem Trab. 29. Ott. Die wir Hörer, werden, dah die Ar ast- bach a.M-Langen u etricb genommen mrd. eutzen. ükreis. 30. Oki- Unser Psarrei n diesem Mt auf «Jj gkeit als MUnK M nd DarlehnSkaNen' m Raisseisenverband W» hm in Anerkennung fetnet »aille überreicht. N. nnd Umgeffend. M., 30. D!t. 3n Vt’img «klärte K- ,trage daß feine 8» J der LebensmM.1 SiSrSS Sonnen.tr. ZUR) AntirCS Heute Samstag Abschiedskonzert der beliebten Damenkapelle —— 08618 Ab Sonntag, den 1. November ch abaesuhrt W sur körn- Ä-s M6 ^MusMde sei Unfall. ||W ie «ÄS ier?‘1iiL »tr Äfft1 AlK-Ms-S- Gesangverein „Heiterkeit" Gießen Gegründet 1878 Mitglied des Hessischen und Deutschen Sängerbundes Sonntag, den 8. November 1925, nachmittags 4 Uhr in der Neuen Aula der Universität KONZERT Lhorleitung: Herr Wilhelm SchStller, Gießen Mitwirkende: Fräulein Emmy Marx, Hanau, (Sopran) Herr Bruno Hermann, Gießen (Tello) Am Flügel: Fräulein Hella Maternus, Gießen Ium Dortrag kommen: Chöre von Schubert, tzeaar, Kremser, v. Weber,Ayfflinger, M.Neumann, Silcher und Sonnet. Lieder von Scholz,Haas, Strauß und Wolf. Cellostücke von M. Bruch, Mozart und D. VON Göns. 1O444D Front - Flieger im Westen. LICHTBILD-VORTRAG von Dr. Alfred Kuermann Leutnant und Bildoffizier der ehern. A. 0 K. Fliegerabteilung 23 Lb | 100 Bilder 100 | Gießener Konzertverein Sonntag, 1. Nov. 1925, nachm. 5 Uhr, Universitätsaula Erstes Abonnements-Konzert Walter Gieseking Klavier *Werke von Bach - Scarlatti - Schumann Busoni - Skrjabin. Eintrittskarten: 5.00, 4.00, 3.00 und 2.00 Mark bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studenten- karten 1.00 Mk. beim Hausverwalter der Universität gegen Vorzeigung der Ausweiskarte. 0,,7c Die bestellten Abonnements liegen bei Ernst Challier zur S Abholung bereit, ebendaselbst Neuanmeldung v. Abonnements und Ausgabe der Abonnementsbedingungen. Reichs zentrale für Heimatdienst Landes-Abteilung Hessen Fünf Vorträge Montag, den 2. November, 8 Uhr abends: Dr. K. O. Bertling Leiter des Amerika-Instituts, Berlin „Deutschland und Amerika" Mittwoch, den 4. November, 8 Uhr abends: Prof. O. Scheel-Kiel „Die Grundlagen unseres heutigen Kampfes um die deutschen Grenzen" Freitag, den 6. November, 8 Uhr abends: Staatssekretär a. D. Prof. Dr. August Müller-Berlin „Die Stellung der Landwirtschaft in der deutschen Volkswirtschaft" Montag, den 9. November, 8 Uhr abends: Privatdozent Dr. Friedrich Raab-Gießen Vorstand der Arbeitsstätte für fachliche Politik „Die Reparationsfrage, Entwicklung, Aussichten und Aufgaben" Mittwoch, den 11. November, 7.30 Uhr abends: Prof. Dr. ®. Küntzel-Frankfurt a n Main „Die Verträge von Locarno in historischer Betrachtung" Sämtliche Dorträge finden in der Neuen Aula der Universität statt. Eintrittskarten: Gesamtkurs Rmk. 3—, Ginzeloorirag Nmk. j.—, bei Ernst Challier, Neuenweg 9, und an den Abendkassen. Karten für Studierende in der Universität. 10425D gllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll|l|||||||||||||||l!l!!llllllllllllllllll||||||llllllllllllllllll|||||||||||j|||||||||||||||||^ I Ihrlnteresse bedingtes I = iiiiiiiiiiiiiinniimiiiniiiiiiiiimimmiimmimimiitiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiimniiiiiiiiifmiHiiiiiiiimiiiiiiii == W unsere Auswahl in Mänteln, Kostümen, W g Straßen-, Tee- und Gesellschaftskleidern, W W Pelzjacken, Pelzmänteln, Wettermänteln g g einer Prüfung zu unterziehen. 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Alle Mitglieder und ihre Angehörigen sind herzlich eingeladen. Der Borstand. GemeindeabeDd der MdWMiM DienStaa, den 3. November, abends 811hr im Mattbäussaal Vortrag des Herrn Pfarrer Mahr „Luther als Beier" ”“SD Lortrag von Frau Karola Strauch geb. Bock „Das Vaterunser in Luthers Auslegung" Die Gemetndeglieder sind sreundtkchst eingeladcn. Gäste sind herzlich willkommen. Die Gesangbücher mikbring. Die Männer- und Fraucnvereini- guna der MattbäuSgemeiude Krieger-Berein. Dienstag, 3. Nov., abends 81 Uhr im großen Saale des „PosiKeNers" Familienabend mit musikalischen Darbietungen und Berichterstattung über den J. Deutschen Reichs- Kriegertag. - Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. 10428d Der Vorstand. iiataiseto taog-Wn. Wiederbeginn der Mn Montag, den 2. November, abends 8 Llhr. - Allseitiges Erscheinen erbeten __Der Vorstand._______i0309D Metailbetten "A StahlmatratxeB.Kinderbetten nünft anPriv. SfataL729fr. Elaenmöbellabrlk Snal (Thflr.) Gerda Die glückliche Geburt eines Töchterchens beehren sich anzuzeigen Maximilian v. Herff Oberleutnant im 15. Inf.-Reg. und Frau Hedwig geb. v. Grolman Gießen (fioti). Schwesternhaus), den 30. Oktober 1925. Statt Karten! J Ursula Durch die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens wurden hocherfreut Gerichtsassessor Victor Wachtel und Frau Friedel geb. Breither Alsfeld, den 28. Oktober 1925. 0981S | — i tt ...............—t Für die uns in so reichem Matze entgegen- r gebrachten Glückwünsche und Aufmerksamkeiten i gelegentlich unserer silbernen Hochzeit, sagen r wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. r Karl Kolbe und Frau Gietzen, den 30. Oktober 1925 06807 t | Für die uns dargebrachten Glückwünsche und r I Geschenke anläßlich unserer silbernen Hochzeit | danken recht herzlich Karl E. F.Uhrhan r Weißbindermeister 1 r und Frau geb. Müller I Lich, den 25. Oktober 1925. 1 KU40Q | Gesellschaft für Erd- u.Völkerkunde Donnerstag, 5. November 1925, abends 8.15 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Lichtbilder-Vortrag Major im Oeneralstab a. D. Dr. jur., Dr. rer. pol. George Tzschirner, Berlin Im taaMMri nach Bagdad und Persien Eintritt: Mitglieder frei, Nichtmitglieder 1 Mark, Studenten, Schüler, Militär 50 Pfennig Karten im Vorverkauf bei Verlagsbuchhandlung Dr. Töpelmann, Südanlage 3 und Abendkasse 104520 Universitäts-Restaurant Plockstraße 5 Inh.: F. C. Günther Telephon 1B8 empfiehlt seinen Saal für Vereinslestiichkeiten auch solche verbunden mit Festessen ebenso für kleine und große Privatveranstaltungen CLUBRÄUME e 8 liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiHiiiiiiiiiiii.iiiiiiiiiiiiiimiiiuiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Gasthaus zur Deutschen Elche Klein-Linden Sonntag, den 1. November 1925 öffentlicher Tanz wozu freundlichst einladet Franz Rathenow Anfang 4 Uhr 10442v Anfang 4 Uhr iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimirniniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiw Unive rs itäts- Restau rant Plockstraße 5 r. Inh F. C. Günther :: Telephon 198 Speliefolge für Sonntag, den L Nov. 1925 Gedeck Mk. 1.50 Legierte Hühner-Suppe Kalbskeule glaciert Wirsing, Kartoffeln Wein-Creme Gedeck Mk.S.- Legierte Hühner-Suppe Königrin-Pastetchen Roastbeef englisch verschiedene Gemüse Pommes Frites Wein-Creme mit Schlagsahne Theater-Soupers zu Mk. 2.— und Mk. 3 — OM« Drucksachen aller Art ftattung stilrein un^ preiswert die vrübl'sche Univerfitätr-Vruckerei, H. Lange, -letzen, Schulstr. 1. .....Illlllll......-....................................................... Soll die Wäsche tipp-topp sein, Nimm Naumanns Seifer-Extrafein W|||||W|||||||||||IIII!IIIII!IVI!III!IIIIVIIIDIIIIIV........................................................... Emaillieren Vernickeln von 03,5, ff Aiiloteilea '/ Motor* Fahrrädern. Vernickelungs- k werk V KaiseralleeJ 4"). Aufgewertet hat die kNsM-liWW zuerst und am höchsten. Sie hat die alten Spargelder am besten verwaltet und gesichert. — Die Mitglieder müssen ihr daher auch die neuen Spargelder anvertrauen. ■I Fichten- Z Deckreiser == hm laufend abzugeb. = Eduard Rieger, == (Gartenbaubetrieb, = Marburger Str. 84, = Wiesecker Weg 19. = Teleph. 786. 1KU3D diese erste Einlage sich vermehren in Mitglieder • Eltern legt euren Kleinen je ein Sparbuch bei eurem Konsumverein an. — Beispielsweise bei einem Zinsfuß von 10 Prozent wird, wenn ihr einen Anfang macht mit | Mk. 3 — | Mk 5.- | Mk. 10.- | Mk. 20 — Eine 272fache Vermehrung schon nach 10 Jahren. 23er will diese ausfchlagen? Jahren auf Mk. 1 3,30 5,50 11,— 22 — 3 4,02 6,65 13,31 26,62 6 5,30 8,84 17.71 35,42 10 7,75 12,92 25,91 51,84 10435» Soll unser Konsumverein groß und stark werden, so müssen wir ihm auch unsere Sparpfennige anoertrauen. Sichere Anlage, Wertbeständigkeit und hoher Jins sind durch die umfangreichen Vermögenswerte unseres eigenen Unternehmens verbürgt. 10304a — Vogtsche ' Handelsschule Gießen, Goethestr. 32 2. November Beginn neuer Kurse E Prospekte kostenlos durch dieSchulleitung Korsetts, Büstenhalter, Trikotagen, Kinder- «nd Tamenstriinipfe, „„„ Schürzen, Damenwäsche Zr. Gretel Hengst Kein Laden'. Walltorstr. 73 H. I. Alleinverkauf der Berliner Korseitsabrik XV. & G. Neumann, Berlin. Mllnte Wslicta-taiiftti' Inhaber: Paul Deisz Parkstraße 12 BAD-MAU HEIM Parkstraße 12 Preiswerte DanM* für HnÄpctate OeftLK-lch vom sM-n -MA forderten darnach Dalkanstaalen aut mazedonischen 2lu flammt war, zu »eilig aber muhte S Lulstcht ost' vollmächtigter T-e: bonim vorzunehM »u verLesscrn und den zu beseitigen. ' svo ö( S» auMeM Ligelegmheil zuiix S« trat, genügte es d te Mlenrng A Petersburg im C Frankreich und 3t die dem russischen Insel zuguldommei sprvchmen Gegen!o dacht waren. 6ii SchtvarzenWeere n werden, und zwar unb Dalvna aus neue Dammweg reichen Einflui italimifchrn daget auch lebhafte Shn em gefährlicher < Dreibunösmitg/ied 2f?£rentfall, der öf. fcärtigen, f>at:e log Als guter Kennu Dotschaster m Pet sogleich nach ber neue Offensive geg trat daher, ohne je kämpfen, an den Su eine Dahn durch I livischen Mvntenegi reich nach dem Bei unterhalten bered lEnde 1901). hie DosnienS mit Mt irrten, was ebenfi wirtschaftliche sur die Türkei -ewig unruhige Pr erschlossen und be . 6lW erhi WWt einer ^Merten sofort t A Macht gf Eluchre Absich Drrgefe •iS;;-» «U iefln,!"|d>e 1 hzAauen, daß SS* etM BdJjS “tnle- a ?^ro§wasser, bQt^l>en^n ^e9enu ^^u^^Knne ki ^^LLunft^ Und ?ulhb LeL >°ich Mer, jebf SQ ?Ir' ”( * M blau ttiurhen ^iQr,u, 4c,k. er -Nona, i«; äj Die tL Veltdri Do" 5 w. 08829 VllMll WWtzl per Ztr. 4 Mk., Rot- und Wirsingkohl per Ztr. 6,50 Akk. Bestellungen nimmt entgegen 08820 Weißmann FrankfnrterStr. 144 Entwickelung oerbürgt werden. 10472D SelVOlMs«U8iiekMWSilSMlkiMW8 Dr. Lehr. 10431D Frankfurt am Main Pferde - Märkte: 2. November und 7. Dezember. Durchschnittlich. Auftrieb lüOOPferde aller Rassen auch Schlachtpferde; größte Auswahl und beste Gelegenheit für Kauf oder Tausch Ein Besuch der Märkte ist zu empfehlen. Auskunft erteilt: La -dwiriscUaitlicher Verein, Frankfurt a. DL 10406c Der Unterricht an der WU lMMWW» Wie kW beginnt am Montag, 9. November ds. Is., vormittags 10 Uhr. Anmeldungen sind umgehend an die Direktion zu richten, die zu allen weiteren Auskünften gerne bereit ist. Das Schulgeld beträgt für das ganze Winterhalbjahr voraussichtlich 25 RM. Hessische Landwirtschaftliche Schule Lich. MRVWMAMOikW! Zu den beporstehenden Stadtverordnetenwahlen haben sich Kreise des Handwerks, der Kaufmannschaft und Gewerbetreibenden, der Industrie, freien Berufe und der Haus- und Grundbesitz zu einer unpolitischen Organisation unter den Namen „Mittelstandsvereinigung" zusammengeschlossen. Die Mittelstandsvereinigung vertritt die Auffassung, daß das Allgemeinwohl der Bürgerschaft ausschliehlich Wirtschaftspolitik verlangt. Darum will die Mittel- standsvereinigung ohne Ansehen von Glauben und Religion sich frei halten von jeder parteipolitischen Einstellung und die Kommunalpolitik in Bahnen rein wirtschaftlichen Rücksichten leiten, sowie in der Kommunalpolitik den Wirtschaftskreisen denjenigen Einfluß sichern, den sie auf Grund ihrer Bedeutung als Steuer« zahler und Steuerquelle glaubt beanspruchen zu können. Durch die Verfolgung einer ausgesprochenen Sparsamketts- politik soll eine solide, lebensfähige Wirtschaft und Vaillants Gas-Badeöfen zu beziehen durch alle ,b46ss Installationsgeschäfte. lllustr. Katalog Ausgabe 17 U kostenlos. Joh.Vaillanto Remscheid. Schütze Deine We! Wir bieten unseren Mitgliedern eine würdige Bestattung oder Bargeld, Versorgung des Alters, Ausbildung u. Aussteuer für die Kinder. Vierteljährliche Beiträge von 65Pfg.an, je nach Alter, über 300 000 Mitglieder. Wir zahlten 1925 in 9 Monaten 1 Million 64000 Mark Sterbegeld. Verlangen Sie kostenlose Auskunft oder unverbindlich.Vertreterbesuch. Deutscher Begräbnis- und Lebens-Versicherungsverein a.G. DeutscherHerM" Bisher Deutscher Begräbnia-Versicherui gs/ereln. 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Darum will die Web von Glauben und Religion sic chen Anstellung und die kc> . rtfäafififyn flüthfityin leit«: Wirtf^aftshrtilen btnjtnigtt\ LS 'nsUllationsge. achstrom anlagen sowie tnnnerung. ejn reichhaltiges Uger ieiz- und Kochapparaten tschlagende Artikel. faillants Badeöfen i beziehen durchi alle nstallafionsgescharte. talog Ausgabe 11U kostodÄ lillant® Remscheid. ihrer Bedeutung als Steuer- , msprutzen;u Mnnen. Durq * rvchenen Syarsamkeifti rnrsLhige Wirtschaft ml; L Ml) MSSSklklW Main rkte: izember. 3lüOOPIerde aller Rassen ößte Auswahl und beste ■ ler Tausch Ein Besuch g ihlen. Auskunft erkUt e Franklort a. BL ‘IW)E di lige Id, $uer von der- ten :ld. Nr. 256 Dritter Blatt Die Vorboten des Weltkriegs im Orient. Don Dr. Gustav R o l o s s, v. Prof, der Geschichte an der LIniversität (Ziehen. 3n der Besprechung der letzten Aktenbände zur Geschichte der deutschen Politik vor dem Kriege (im Derlag der Deutschen Derlagsoesell- schäft für Politik und Geschichte in Berlin) hatten wir dargestellt, wie die neue englisch-russische Entente von 1907 sogleich Deutschland in aller Welt wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten zu erwecken suchte. Don besonderer Wichtigkeit für diese „Einkreisungspolitik" war selbstverständlich der asiatische Orient, weil wie ausgeführt, Deutschland hier durch fein großes Kulturwerk, das sich an die Dagdadbahn knüpfte, beständig an Bedeutung zunahm. Aber ein Feld von nicht geringerer Wichtigkeit war die europäische Türkei, das Zugangsland zum asiatischen Expansionsgebiete . Daher setzte auch hier sogleich nach dem Abschluß der Entente die Feindseligkeit ein. und zwar richtete sie ihre Spitze zunächst.mehr gegen Oesterreich als gegen Deutschland. Die Grundlage des internationalen Rechts- zustandes auf der Dalkanhalbinsel war das Abkommen von Mürzsteg zwischen Rußland und Oesterreich vom Icchre 1923. das bestimmt war. die Hauptgefahr für den Frieden am Balkan, die mazedonischen Gegensätze, zwar nicht zu beseitigen aber doch zu mildern. Beide Mächte forderten darnach gemeinschaftlich die christlichen Dalkanstaaten auf, sich jeder Einmischung in den mazedonischen Aufstand, der eben frisch aufgeflammt war, zu enthalten, damit die Pforte Zeit zu seiner Niederwerfung gewinne. Gleichzeitig aber mußte sich der Sultan verpflichten, unter Aufsicht österreichischer und russischer Bevollmächtigter DerwaltungSresormen in Mazedonien vorzunehmen, um die Lage der Christen zu verbessern und den Anlaß zu neuen Aufständen zu beseitigen. Rußland hatte sich zu diesem 3ertrage, der die Erhaltung des bestehenden Zustandes bezweckte, also der friedlichen Politik Oesterreichs entsprach verstanden, weil es seine Kraft ausschließlich der brenneirden ostasiatischen Angelegenheit zuwenden wollte. Als aber nach dem japanische» Kriege die große Wendung der russischen Politik nach dem nahen Orient ein* trat, genügte es der öffentlichen Meinung wie der Regierung nicht mehr. Man begann in Petersburg im Einverständnis mit England, Frankreich und Italien Pläne zu begünstigen, die dem russischen Einfluß auf der Dalkanhalb- insel zugutekommen sollten, aber im ausgesprochenen Gegensatz zu Oesterreich--Alngarn gedacht waren. Eine Eisenbahnverbindung vom SchwarzenMeere nach der Adria sollte geschaffen werden, und zwar sollte der Bau von Dulcigno und Dalona aus durch Albanien beginnen. Der neue Schienenweg mußte ohne Zweifel den österreichischen Einfluß in Albanien gefährden, den italienischen dagegen stärken, weshalb in Italien auch lebhafte Sympathie für diesen Plan bestand: em gefährlicher Zankapfel sollte so zwischen die Dreibundsmitglieder geworfen werden. Frhr. von Aehrenth.il, der österreichische Minister des Auswärtigen, hatte sög e ch einen Gegenschlag bereit. Als guter Kenner Rußlands — er war früher Botschafter m Petersburg gewesen — hatte er soglerch nach der ostasiatischen Niederlage eine neue Offensive gegen den Balkan erwartet. Er trat daher, ohne jene Pläne grundsätzlich zu bekämpfen, an den Sultan mit der Forderung heran, eine Bahn durch den Sandschak, die Landschaft zwischen Montenegro und Serbien, in der Oesterreich nach t>em Berliner Kongreß Garnisonen zu unterhalten berechtigt war, zu genehmigen (Ende 1907). Hierdurch sollte die Verbindung Bosniens mit Mitrowiha und Saloniki verbessert werden, was ebenso dem österreichischen politischen und wirtschaftlichen Dorteil diente, tote nützlich für die Türkei fein konnte: Albanien, eine ewig unruhige Provinz, konnte hierdurch leichter erschlossen und beeinflußt werden. Sogleich erhob sich in Rußland heftiger Widerstand. Die Panflawisten, die Hauptträger einer balkanischen Offensivpolitik, witterten sofort die Möglichkeit, daß Oesterreichs Macht sich hebe und damit ein Hindernis für ihre Absicht, dereinst die ganze Balkan- Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Dtegemann. 51. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) ,,3d) wollte eigentlich schon jetzt nach Freiburg kommen, um Ihnen meine Wünsche mündlich zu überbringen. Aber ich habe mir es überlegt, denn diese Glückwünsche wären am Ende so persönlich ausgefallen, daß Sie etwas anderes herausgehört hätten." Ruch las den kühlen, beinahe geschäftsmäßig gefaßten Brief zweimal aufmerksam durch und empfand gerade darüber, daß er so korrekt und zurückhaltend geschrieben war, eine Genugtuung, die sich allmählich zu einer frohen, gesammelten Stimmung verdichtete. Engelhardt kam nicht auf den Brief zurück. Die Tage vergingen; auf klirrenden Frost folgten warme Stürme; aus dem Höllental brausten die ersten Schmelzwasser. Bon den Höhen des Schwarzwaldes rollten Regenwolken und tränkten die fruchtbare Ebene. Flüchtige Sonne küßte den roten Sandstein des Freiburger Münsters, daß der Turm wie eine Fackel aufleuchtete. Und immer leichter und gleichmäßiger ging Ruths Lebensatem, vom Hintergrund einst schmerzlicher, jetzt unempfindlich gewordener Resignation hob sich ihr Wesen geläutert und mutig ab. Engelhardt lief auf den Schloßberg und in die Wälder. Heftige Unruhe hatte ihn ergriffen. Wie ein Zugvogel sehnte er sich nach dem Aufbruch, und als in den ersten Märztagen der Himmel auf einmal blau wurde und ein Geruch nach quellender Erde über die Stadt zog, da hielt ihn nichts mehr, er ließ einen Teil der Monatsmiete im Stich und trieb zur Reise. Es war noch winterlich kalt. Bon den Vogesen glänzte noch Schnee. Aber unrtchig liefen die Bäche, von Sehnsucht geschwellt die kleinen weißen Wolken, und auf der Reise erblickte Ruth unter dem Grenzacherhorn, wo der Rhein von Osten nach Norden schwang, einen Pfirsichbaum in verfrühten Blüten. Ruth zeigte dem Vater den rosigen Baum. Ernsthaft blickten sie daraufhin. Gießener Anzeiger (General Halbinsel unter russisches Protektorat zu bringen, geschaffen werde. Sie verlangten, wie eine deutsche Petersburger Zeitung ironisch schrieb, „daß bas Rad der Weltgeschichte ein wenig anhält, daß die anderen Doller die Arbeit ruhen lassen, bis Rußland in aller Gemütlichkeit feine inneren Wirrnisse beseitigt und sich bereit erklärt, im internationalen Leben wieder mitzutun." Der Minister des Auswärtigen Iswolsty, der ganz unter dem Druck dieser Heißsporne stand, machte daher aus seiner Llnzufriedenheit kein Hehl. Er war sogar geneigt, das österreichische Dorgehen als Bruch des Mürzsteger Abkommens anzu- sehen, obgleich darin von Eisenbahnbau'e.i nichts enthalten war und der bestehende Zustand durch Aehrenthals Projekt nicht geändert werden sollte. Aber nicht nur ihren aggressiven, sondern auch ihren deutschfeindlichen Charakter offenbarten die Panslawisten bei dieser Gelegenheit: sie führten das Dorgehen Oesterreichs auf das Drängen und Treiben Deutschlands, ja des Kaisers persönlich, zurück. Offenbar lag ihnen daran, die Luft zwischen Deutschland und Rußland zu vergiften Natürlich setzte die deutsche Regierung solchen ©erüdjten, die in der Presse verbreitet wurden und in der Diplomatie Glauben fanden, sofort ein^ geharnischtes Dementi entgegen. Sie konnte erl.ären, daß sie über diese Frage weder mit Wien verhandel noch überhaupt eine Mitteilung erhalten habe, worin, wie der Staatssekre är hervorhob, grabe auch ein Beweis für die Loyalität Oesterreichs gegen Rußland liege. Trotz allem hielt b.e russische Presse an ihrer Verleumdung fest, und die Regierung tat nichts, ihr den wahren Sachverhalt klar zu machen, weil sie, wie Iswolsky behauptete, „nicht den geringsten Einfluß auf die Presse habe", ©kiuben fand er damit freilich nicht. And weiter ist interessant, daß sich sogleich wieder die Entente bewährte: die Behauptung von Deutschlands Urheberschaft wurde, wie der deutsche Botschafter berichtet, mit besonderem Nachdruck von dem englischen Botschafter in Petersburg, Sir Arthur Nikolson, einem bekannten Deutschenfeinbe, vertreten. Er unterhielt enge Beziehungen zur russischen Presse, und sein Einfluß ist vermutlich auch in der „Times" und anderen englischen Organen zu spüren, die jene Behauptung 'b-^salls immer wiederholten. Die intemarioi Wirkung ließ nicht auf sich warten: die i'.a.ienische Presse, politisch stets von der englischen abhängig, nahm die Derdächtigung Deutschlands auf und benutzte die Erörterung hierüber, den Dreibundsgedanken zu schwächen (März 1908). Mer Rußland begnügte sich damit nicht: es begann in der mazedonischen Frage eine andere Politik einzuschlagen. Wenn das Mürzsteger Abkommen die Lage der Christen in der Türkei „mit dem Sultan und nicht gegen ihn" hatte verbessern wollen, so wandte sich Rußland jetzt den englischen Dorschlägen zu. Danach sollte den europäischen Mächten eine derartige finanzielle und administrative Kontrolle über Mazedonien zuteil werden, daß der Sultan tatsächlich seine Souveränität einbüßte. Zwei Ziele scheint man mit diesen weitgehenden Anträgen in London verfolgt zu haben: einmal die Kluft zwischen Oesterreich und Rußland zu erweitern und zweitens durch Schmälerung der türkischen Einkünfte aus Mazedonien die türkischen Finanzen im allgemeinen zu schwächen und damit die Ziysgarantie für die Bagdadbahn unsicherer zu machen. Ein Symptom dieser immer enger werbenden russisch-englischen Beziehungen war die Zusammenkunft zwischen König Eduard und Zar Nikolaus in Reval (9. und 10. Juni 1928), wo nach allgemeiner Annahme England und Rußland sich über das weitere Dorgehen in der mazedonischen Frage und über ihre Balkanpolitik überhaupt verständigen wollten. In der Oeffentlichkeit hatte man keinen Zweifel, daß die Mmachungen sich gegen die Mittelmächte richteten, so daß bereits Kriegsbefürchtungen laut wurden. Die Lage änderte sich plötzlich durch den Ausbruch der jungtürkischen Revolution (Juli 1908), die, wie bekannt, die Türkei durch Einführung einer Verfassung zu modernisieren und durch die Rechtsgleichheit aller türkischen Untertanen die Gegensätze zwischen Christen und Mohammedanern aus der Welt zu schaffen suchte. Diese unerwartete Wendung hatte die Wirkung, daß Hinter Säckingen nahm sie die Waldeinsamkeit des Rheintales in die Arme. Aber als der Zug in den Rheinauer Tunnel lief, sahen sie plötzlich aus dem stillen Wald die Schwebebahn herunterkommen. An hohem Draht schwebten die Eisenkörbe, mir Mergel gefüllt, herab. Eine blanke Gasse war in den schönen Wald gehauen, die Stämme lagen noch auf der Schneise. Stöhnend lehnte Engelhardt den Kopf zurück und schloß die Augen. Er wollte nichts mehr sehen. „Papa, wir müssen aussteigen!" Er zog den Schlapphut, den er sonst in der Hand zu tragen pflegte, tief in die Stirn. „Fahre los mit dem Schinderkarren, wir gehen zu Fuß," sagte er zu Joseph und bog ab, um über das Gleis auf den Waldweg zu gelangen. Eigensinnig starrte er vor sich hin. Ruth ging neben ihm. Sie war überwältigt von dem Wachstum, das plötzlich in dieser stillen Welt aufgeschossen war. Es wimmelte von Baugerüsten, der Bahnhof war verwandelt, Fuhrwerke und Last- automobile fuhren hin und her, schrill tonte der Pfiff der Lokomotiven, und vom Rhein her klang gewichtiges Rammen wie schwerer Herzstoß in das quellende Leben und verlor sich im starr und feierlich stehenden Wald. Nun überschritten sie den Bahndamm und sahen St. Joseph vor sich liegen. Der Weg senkte sich, sie konnten durch die kahlen Bäume ins Innere des Parkes blicken. Rote Ziegeldächer brannten in der Märzsonne und umdrängten schon den verwunschenen Klostergarten. Das Gerüst der hölzernen Arbeitsdrücke, die hinter St. Joseph den Rhein überspannte, wuchs mit harten Linien in den blassen Himmel. Sie waren wieder zu Hause, aber Zuhause war nicht mehr daheim. Doch Engelhardt nahm bald wider Willen Anteil an der gewaltigen Kraftentwicklung, die hier tätig war und mit immer stärker anschwellender Energie Land und Strom umwälzte. Der März ging zu Ende. Später Frost schlug den Maurern die Kelle aus der Hand. Um so tiefer bohrten sich die Erdarbetten in das Kiesland. Aber bald brach über Nacht der Föhn herein und und brauste mit Orgeltönen durch das Rheintal. Die Wälder bogen sich im Sturm, der Strom wurde wild und leuchtete kreidig weiß, violenblaue -Anzeiger für Oberhessen) England und Rußland ihre Reformpläne fallen ließen. Vermutlich hofften sie, die Jungtürken durch diesen Vertrauensbeweis gewinnen und gegen die Mittelmächte ausspielen zu können; die Fortsetzung ihrer Politik, Mazedonien von der Regierung in Konstantinopel zu trennen, hätte dagegen die neuen Gewalthaber, die weit mehr auf der straffen Zusammenfassung aller türkischen Provinzen bestanden als der Sultan, ihnen entfremden müssen. Da Eng- land und Rußland eine abwartende Haltung ein- nahmen, glätteten sich die politischen Wogen wieder, ja Rußland begann eine neue Annäherung an seinen Nachbar zu suchen. Für einen Herzenswunsch der russischen Regierung, die Durchfahrt von Kriegsschiffen aus dem Schwarzen Meer ins Mittelländische Meer, schienen sich aus der Neugestaltung der Dinge in Konstantinopel Schwierigkeiten zu ergeben, zumal auch England diese Aenderung der Wolken trieben am grünlichen Himmel. Zwei Baugerüste brachen zusammen, das Drahtseil der Schwebebahn wurde von einer fallenden Tanne zerrissen. Dann schüttete blutroarmcr Regen herab, und als drei Tage daraus am goldklaren Morgenhimmel die Sonne aufging und sich kein Hauch rührte, die Knospen aus den schwarzen Bäumen brachen und die Matten auf einmal grün waren, da sagte der alte Joseph zu Ruth: „Der Rhein ist voll Weidenstaub, der Fisch steigt." Ruth war voll Unrast gewesen in diesen Tagen. Der Frühling hatte sie ersaßt und machte sie heiß und unruhig. Gerhart Inlanber schrieb, daß er kurz nach diesem Brief in Rheinau eintreffen werde. Und damit stand Ruth vor der Entscheidung und mußte sich fragen, ob sie seine Werbung annehmen oder sie wiederum ablehnen wollte. Er kam zum letzenmal. Es hmg schon ein grüner Hauch am Rheinwald, und die Dbftbäume begannen zu blühen, als Tylan- der in Rheinau eintraf. Er ließ seine Ankunft in St. Joseph wissen und bat um die Erlaubnis, Ruch am anoeren Tag besuchen zu dürfen. Ruth sah ihn schon vorher von weitem auf den Bauplätzen. Er sprach mit Ingold. Eine Sitzung des Verwaltungsausschusses hielt ihn am ersten Tage fest. Als er nach St. Joseph hinauskam, war ihm ein Angebot der Gesellschaft an Engelhardt ooraus- gegangen. „Siehst du, Ruch, nun bieten sie mir neunzigtausend Mark für den Plunder!" rief Engelhardt bitter und warf das Fenster zu, durch das der Schall der Ramme hereintönte, die die Eisorecher der Notbrücke ins Rheinbett trieb. „Mir neunzigtausend und dem Christian Ingold elftausend! Der wird enteignet. Die Stadtgemeinde behauptet, das Recht dazu zu haben. Er sagt, sie könnten ihm das Dach über dem Kopf weg- tragen, aber sie brächten ihn nicht aus feinem Haus! Ich bin vernünftiger, ich bin viel vernünftiger. Mein alter Freund Friedrich Vischer würde sich wundern über den Geldhund: Ich verlange hunderi- undzwanzigtausend Mark und setze mich als Rentner nach Freiburg im Breisgau oder nach Eberswalde in der Mark und drehe die Daumen!" Samstag, 31. Oktober (925 L । J.1 Berliner Kongreßbestimmungen mit Rücksicht auf die Iungtürken nicht mehr zu befürworten geneigt war. Deshalb sucht Iswolsky mit Oesterreichs Hilfe hier zum Ziele zu kommen. Der Pres, den es für die Unterstützung seines Begehrens zahlen wollte, war die Zustimmung zu dem Projekt der Sandschak- bahn und zur Annexion Bosniens und der Herzego- wina, worauf Aehrenthal, wie ihm bekannt war, ausging. Diese Verhandlungen, die Ende des Gommers 1908 abgeschlossen wurden, hatten in der Tat die Annexion Bosniens zur Folge, aber die ruffi- schen Wünsche erfüllten sich nicht, da die Pforte die Deffnung Der Meerengen verweigerte. Aus diesen Vorgängen entstand um die Wende des Jahres 1908 eine schwere Kriegsgefahr, über die uns aber die vorliegenden Aktenbände noch nichts mitteilen. Die nächste Serie der großen Veröffentlichung wird mit diesem wichtigen Dorstadium des Krieges beginnen. „Sprich nicht so, Papa, du tust cs ja doch nicht. Laß sie es kaufen, aber erkundige dich, wozu sie eigentlich St. Joseph brauchen. Vielleicht bleibt ein Fluge! stehen und —" „Ach so, du meinst, ich soll unterkriechen!" unterbrach er sie heftig. „Nein, das meine ich nicht, im Gegenteil, du sollst Bedingungen stellen!" „Bedingungen stellen?" Erstaunt blickte er sie an. Auf einmal lachte er fröhlich und faßte sie um den Hals. „Recht hast du, Mädel, ich kann ja Bedingungen stellen! Der Turm mit der Zwiebel bleibt stehen. Doktor Engelhardts Kräutersammlung und veraltetes chirurgisches Arsenal wird darin zum ewigen Gedächtnis aufbewahrt. Doktor Engechardt selbst unter dem Stein der Gräfin Schreck von Rheinau begraben. Abwechselnd wird an jedem Abend auf seinem Grabe die „Lorekey" und die „Santa Lucia" gesungen." „Papa," sagte sie leise und hiell ihn fest umschlungen, spürte, wie schwer sein Herz pochte, und hörte, wie mühsam er Atem zog. Zum ersten mal fiel ihr die Veränderung in seinem Aeußern auf. Er war alt geworden, und sein aufbrausendes Wesen hatte einer fahrigen Unruhe Platz gemacht. Am Nachmittag kam Gerhart Tylander. Ruth ließ die Herren erst allein und freute sich, als der Vater bei ihrem Eintreten ganz zufrieden sagte: „Also, das Kloster soll noch eine Zeitlang, jeden- falls aber drei Jahre, stehen bleiben. Man will nur einige Bureaus und die Ambulanz unterbringen. Herr Tylander hat mir erklärt, daß mir das Turmzimmer als Altenteil zugesprochen werden soll." „Ihr Herr Vater mischt Scherz und Ernst wie einen Coktail, gnädiges Fräulein," erwiderte Iglan- der lachend und trat rasch auf sie zu. „Wie ich mich freue, Sie zu sehen," fuhr er leise fort. Als sie sich umwandten, waren sie allein. Sie deutete auf zwei Stühle in der Fensternische, wo die Märzsonne lag. „Ich habe Sie erwartet, Herr Tylander," sagte sie einfach. (Fortsetzung folgt) Ein Besuch im Moskauer Kreml. Von unserem soeben aus Moskau Seit der Novemberrevolution des Jahres 1917 ist Moskau, der alte historische Sitz der moskowiter Zaren vor der Zeit Peters des Großen wieder die Hauptstadt des weiten Russenreiches geworden, während das alte Petersburg, heute Leningrad genannt, zu einer bedeutungslosen Gouvernements- stadt herabgesunken ist. Petersburg war eine westeuropäische Kolonie auf russischem Boden, Moskau dagegen trägt den echten Ton des Rusjentums, dessen Charakter als Übergang zwischen Europa und Asien deutlich in dieser Stadt und besonders im Kreml zum Ausdruck kommt. Moskau und der Kreml sind dem Russen von alters her ein Symbol, etwas Heiliges — sagt doch das alte russische Sprichwort: „Ueber Moskau geht nur der Kreml und über den Kreml nur der Himmel." Der Kreml ist der auf einer Anhöhe liegende Kern Moskaus, eine kleine, von hohen alten Mauern umgebene Stadt, die eine Vereinigung von Kirchen, Kapellen, Palästen und Staatsgebäuden darstellt und eher den Eindruck einer großen Festung als den eines Stadtteiles macht. Heute ist er die Hochburg des Bolschewismus, die Zentrale, von der ans die Sowjetunion regiert wird. Ein Besuch des Moskauer Kremls gehört schon deswegen — ganz abgesehen von den vielen historischen Sehenswürdigkeiten — zum Interessantesten, das das heutige Rußland zu bieten vermag. Zugleich ist es aber mit großen Schwierigkeiten verbunden und setzt gute Beziehungen zu führenden Stellen voraus, eine Besuchserlaubnis zu erhalten, denn dieses Regierungsviertel mit seinen hohen Mauern läßt sich nur durch die doppelte Postenkette von Rotarmisten betreten, die jedes der Kreml-Tore bewachen. Der Ausweis irgendeines Volkskommissariates wirkt aber als „Sesam öffne dich" und bald befinden wir uns in einer der Kremlstraßen. Was dem Kreml heute sein besonderes Gepräge verleiht, ist das zahlreiche Militär, dem man innerhalb seiner Mauern auf Schritt und Tritt begegnet. Mit seinen vielen exerzierenden, reitenden, turnenden Soldaten der verschiedensten Waffengattungen macht der Kreml heute den Eindruck eines großen Heerlagers. Die Haltung und das Aussehen der Soldaten ist durchaus gut. Man hat den Eindruck, den Kerntruppen der Roten Armee gegenüber zu stehen, die in keiner Weise den Elttetnippen des Zarenreiches nachstehen. Daß auch der Kern des russischen Wesens der gleiche geblieben ist und die Revolution und sogenannte „Aufklärung" unverändert überdauert hat, zeigt folgendes kleines Ge- fchicbtchen, das seinerzeit in Moskau umlief und gewaltiges Aufsehen verursachte: Die Posten am Trotzkij-Worota — eines der 5 Kremltore — wollten nämlich in zwei Nächten hintereinander um die Mitternachtsstnnde den Geist Iwans des Schrecklichen wahrgenommen haben und hatten unter panischem Schrecken das Feld geräumt. Man hatte eine doppelte Wachenverstärkung angeordnet, aber auch diese war, als die nämliche Erscheinung sich in der dritten Nacht wiederholte, dem geheimnisvollen Geist gegenüber nicht zum Stehen zu bewegen und Offiziere wie Mannschaften hatten eilends die Flucht ergriffen — dem furchtbaren Geiste Iwans des Grausamen das Feld überlassend. — Aus Schritt und Tritt begegnen wir in den Straßen des Kremls unzähligen historischen Er- zurückgekehrten Korrespondenten. innerungen, die an die verschiedensten Zeiten und Geschehnisse der russischen Geschichte anfnüpfen. Betteten wir den Kreml durch das Trotzkij-Tor, so liegt gleich zur Linken das Arsenal mit Hunderten von eroberten Kanonen, die alle das lateinische N des großen Korsen tragen, dessen Kriegsglück sich 1812 vor den Toren Moskaus wandte. An der Kaserne vorbei führt uns der Weg zum berühmten Iwan Weliki, dem „großen Johann", eine der virien Kapellen und Kirchen des Kremls, der mit feinem berühmten Glockenturm noch aus dem 16. Jahrhundert stammt. Mit seinen phantastisch bizarren Verzierungen macht er, besonders wenn er vielfarbig in der Sonne schimmert, einen prachtvollen Cm druck. Zu seinen Füßen liegt die „größte Glocke der Welt", die Zarenglocke, die 1735 auf Befehl der Kaiserin Anna gegossen wurde und soft 8 Meter hoch ist. Sie hat sich als viel zu schwer für den Glockenturm erwiesen und soll beim Einbauen her abgestürzt sein, wobei ein mannsgroßes Stück her ausbrach, bas noch heute daneben liegt. 103 Jahre hat die riesige Glocke so gelegen und würde ers' 1838, nachdem sie durch ihr eigenes Gewicht scho: über die Hälfte im Erdboden versunken war, au: ein steinernes Fundament gesetzt und so der Nach wett erhalten. An diesen Glockenturm des Jwai Weliki knüpft sich so manche historische (Erinnerung, lo brachen die Franzosen — die sich so gerne dar erste Kulturvolk der Erde nennen — im Jahre 1812 in blinder erstörungswut die obere Spitze des Turmes ab in der Annahme, es handle sich um reines Gold! Eine Besteigung des Glockenturmes die an dem 33 verschieden große Glocken umfassenden Glockenspiel von wundervollem Klang vorbeiführt, läßt uns besonders an sonnigen Wintertagen eine der herrlichsten Aussichten genießen, die die Well kennt. Wir sehen unter uns den Kreml liegen, um den sich in weitern Kreis die eigentliche Stadt Moskau mit ihren zahllosen vergoldeten, in der Sonne wunderbar glänzenden Kirchenkuppeln, mit ihren Palästen und großen Staatsgebäuden gruppiert. Wir stehen hier auf diesem Aussichts- punkt auf historischem Platz; Napeleon beobachtete 1812 von hier aus Moskau imb mancher Herrscher hat vor und nach ihm auf diesem Turm gestanden und die Stadt betrachtet, die nicht zu Unrecht einmal mit dem Namen „tatarisches Rom" bezeichnet worden ist. — Da wir den so selten einem Ausländer zuteil werdenden Vorteil genießen sollen, an einer Sitzung des „Allrussischen Zentral-Exekutiv-Kornitees", als der eigentlichen parlamentarischen Spitze der Sow- jetunion teilnehmen zu dürfen, begeben wir uns an der Krönungskirche der Zaren, der Usynskij-Kathe» drale vorbei zum sogenannten „Großen Kreml- palais", kurz Großes Palais genannt. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts erbaut, bietet cs mit feinen kostbaren Einriästungen und den übereridjen Kunstschätzen, die es beherbergt, eine der größten und wertvollsten Sehenswürdigkeiten Moskaus. Hier im Großen Palais pflegten die Zaren während ihrer Anwesenheit in Moskau zu residieren und ihre häufig recht prunkvollen Feste abzuhalten. Mit einer gewissen Scheu treten wir durch den großen Eingang dieses prachtvollen Schlosses, durch den so mancher Herrscher der alten und auch — der Xttcx ■ rö in Die Nechtsecke getreten. Dr. B. zielen doch die Vorschriften sämtlich ab, die Dr. Thompsons Seiffenpulver (Marke Schwan) das Paket 30 Pffg. )a schon das q< Nichtbolschewisten unmög- Hansa Handelsschule /. Kunzeimann Gteßen., Bahnhonte. 60 vorn. Hermes Nette Kurse . 2. November. weitgehenden Mitbestimmung des Volkes kann absolut nicht die Rede sein, da schon das ganze Wahlsystem die Wahl eines lich macht. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 27. Okt. Zwei Nachbarsfrauen Gießen sind wegen der Hühner miteinander Alleinvertretung: Pianohaus August Förster Fernruf Nr. 1367 GieOen Bahnhofstr.65B Filiale: Lich, Butzbacher Str. 12. - Gegr. 1876 Entscheidungen. Wiederaufnahme des rechtskräftig vor dem 2Hiet- einigungsomt abgeschlossenen verfahrens. Das Kammergericht hatte früher einmal die Ansicht geäußert, die Wiederaufnahme des Verfahrens, wie sie gegen rechtskräftige Entscheidungen in der Zivilprozeßordnung vorgesehen ist, sei für das Verfahren vor den Mieteinigungsämtern dadurch ausgeschlossen, daß das Gesetz sie nicht erwähne. Neuerdings hat das Kammergericht indes seine Ansicht geändert, indem es sich zu folgendem Standpunkte bekannte: Trotz des Schweigens der gesetzlichen Bestimmungen müßten die Vorschriften über die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand auch in dem Verfahren vor dem Mieteimgungsamt Geltung haben, weil diese Einrichtung auf einem das gesamte Verfahrensrecht beherrschenden Rechtsgedanten beruht, der in den verschiedenen Gesetzen, die Verfahrensordnungen enthalten, fast durchweg, wenn auch mit kleinen Abweichungen, zum Ausdruck gekommen ist. Wenn die Voraussetzungen für dieses Verfahren auch nicht in allen Fällen die gleichen sind, so verfeindet. Die eine von ihnen hat wiederholt Anzeigen bei den Feldschützen erhoben, weil die Hühner der anderen in ihren Garten gegangen sind, und hat auch einmal ein Huhn derart mit einem Stein geworfen, so daß es verendete. Die Besitzerin der Hühner sagte daher zu ihrem Söhnchen, als ihre Nachbarin aus dem Fenster ihrer Wohnung heraussah: „Komm her, sonst kriegst du auch einen Stein an den Kops, da oben guckt sie am Fenster, die Dreck . . ." Wegen dieser Beleidigung, die sie zwar in Abrede stellt, die aber das Gericht durch die beschworene Aussage der Beleidigten für erwiesen hiett, wird sie zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt. In der Beleidigungsklage eines Hausmädchens von hier gegen einen jungen Kaufmann wurde dieser, der ein unvorsichtiges Mundwerk gehabt hatte, zu einer Geldstrafe von 25 Mk. verurteilt. Auch wurde der Beleidigten die Befugnis zugesprochen, das Urteil auf Kosten des Angeklagten öffentlich bekanntmachen zu lasten. rischen Tage selbst. Auch sämtliche Inhaber des Heiligen Georgsordens, der höchsten russischen Auszeichnung, sind hier verzeichnet. Wir werfen noch einen Blick in dos obere Stockwerk, in dessen Räumen sich zahllose Rüstungen, Kriegstrophäen jeder Art, eroberte Fahnen sowie viele Geschenke fremder Fürstenhöfe befinden, so u. a. ein kleines Bild Friedrichs des Großen. Diese Unmenge von Kostbarkeiten, die aus allen Perioden der russischen Geschichte hier aufgehäuft sind, machen fast den Eindruck eines gewaltigen Museums. Eine überwältigende Menge von Juwelen und histo- rischen Gebrauchsgegenständen sind hier versam- meü, von der edelsteinbesetzten Krone Peters des Großen bis zum Tragstuhl Karls XII., der in der Schlacht bei Poltawa erobert wurde. Langsam bricht die Abenddämmerung herein, wir verlassen das große Kremlpalais und vorbei sieht es an dem großen Denkmal Alexanders II. über den alten Parade- und Zarenplatz, auf dem von der Uebung heimkehrenden Rotgardisten die Abendparole empfangen, zum Spaßkija-Tor hinaus auf den Roten Platz, auf dem sich zur Linken, von der sinkenden Abendsonne beschienen, das gewaltige Grabdenkmal desjenigen befindet, der dem ganzen heutigen Rußland seinen Stempel aufgedrückt hat, und der bestimmt von der zukünftigen Geschichtsschreibung zu den bedeutendsten Köpfen des 20. Jahrhunderts gezählt werden wird: Wladimir Uljanoff Lenin. Während im Saal ein Redner auf den anderen folgt, machen wir einen Rundgang durch die anliegenden Räume. Im Vorzimmer ist die Preste zahlreich vertreten und auch die nie fehlenden Photographen sind anwesend, um die „Größten der Großen" im Bilde festzuhalten. Weiter schreiten wir durch die prachtvollen Räume und treten in den Andreas-Thronsaal, der den 1896 zur Thronbesteigung Nikolaus II. angefertigten Thron enthält und f;e je einen Zehn- oder Fünfmarkschein (Goldmark) eingelegt. I Versuchen Sie unsere Marke, wenn Sie sich von ihrer Qualität noch nicht überzeugt haben. Kaufen Sie in ■ ‘hrem eigenen Interesse nur ein geschlossenes Paket! Prüfen Sie selbst, daß „ Welt“-Höleer imprägniert ■ sind! verwechseln Sie nicht „Imprägniert*• mit „paraffiniert1*. Imprägniert I heißt: Sie können ein ausgeblasenes Zündholz weg werf en, ohne daß jemals ein Schaden entsteht, weil das n Holz nicht nach glüht. Brandschäden auf Kleidern, Blusen, Decken, Teppichen usw. durch abfallende H glühende Zündholzköpfe gibt es nicht mehr. Verlangen Sie deswegen stets in Ihrem eigenen gfi Interesse die guten „Welt -Hölzer. ö Es wird Sie interessieren, zu erfahren, daß wir in einem Jahr z einen Wald von 50000 haushohen, dicken Bäumen verarbeiten. 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Es stürmen in der Tat immer wieder neue ungünstige Erscheinungen auf den Effektenhandel ein, so daß die Ansätze zu einer Erholung der Kurse bisher leider stets nur Ansätze blieben. Während wir vor acht Tagen auf die Schwierigkeiten beim Kahnkonzcrn Hinweisen mußten, haben sich jetzt die angesehenen Audi-Auto- mobil-Werke unter Geschäftsaufsicht begeben und die Rheinmetall A. G. offiziell zum Zwecke der Sanierung der Finanzen eine neue Kapitalzusammenlegung im Verhältnis von 3:1 beantragt. Die mißlichen Verhältnisse bei Rheinmetall sind zwar in Börsenkreisen längst bekannt gewesen, doch führen derartige Entwicklungen zu einer oft übertrieben pessimistischen Beurteilung der Verhältnisse auch bei anderen Unternehmungen bzw. Wirtschaftszweigen. Infolgedessen kommt eine optimistische Stimmung ä la longe nicht auf. Dies ist auch der Grund, warum das Publikum vor Efsektenkäufen immer noch zurückschreckt. Die Spekulation bat sich ebenfalls aus diesem Anlaß von den bisher führenden Spekulationsgebieten abgewandt und sich dafür einigen Spezialmärkten verschrieben, die jetzt stärker in den Vordergrund getreten sind. Hierzu gehören, wie in den täglichen Börsenberichten schon gemeldet, in erster Reihe diejenigen Werte, die aus der beabsichtigten Freigabe des beschlagnahmten deutschen Vermögens in Amerika voraussichllich Vorteile ziehen werden. Es handelt sich um Schifffohrtsaktien, Kanada, Orenstein & Koppel, Stoehr, Hammerfen, Berliner Handels-Anteile, Alfen Zement, Hemmor Zement usw. Ferner hat die inzwischen endgültig beschlossene Wiederaufnahme des Zinsendienstes für mexikanische Anleihen diesen Werten wieder einen etwas breiteren Markt geschaffen. In sonstigen Werten sind die Umsätze oft lächerlich gering. Dies wird z. B. dokumentiert durch die Tatsache, daß dieser Tage der Kurs der Rationalen Automobil-Gesellschaft (RAG) bei ^öör- senbeginn um 4 Prozent sank, weil ein Angebot von 4000 Mk. nom. vorlag, und einige Zeit darauf infolge eines Kaufauftrags über 250 Mk. nom. wieder um 1,5 Prozent stieg. Deutsche Petroleumaktien erfuhren am gleichen Tage eine Steigerung um 2,5 bei einem Umsatz von 450 Mk. Krasser kann die derzeitige Geschäftslage am deutschen Effektenmarkt nicht gekennzeichnet werden. Das Termingeschäft hat zwar eine mäßige Belebung der Abschlüsse in den hiervon betroffenen Werten ergeben (zu denen sich Anfang November noch weitere 22 Paniere gesellen werden), dagegen scheinen aber die Voraussetzungen für eine durchgreifende Geschäftsbelebung zur Zeit noch zu fehlen. Diese können auch nicht durch rein börsentecynische Maßnahmen geschaffen werden. Sie sind eng verknüpft mit der Entwicklung des inneren deutschen Kapitalmarktes. Die Kapitalbildung vollzieht sich in Deutschland infolge der Überall angespannten Geld- verhältnisie noch viel zu langsam, um zu einer spürbaren Erleichterung zu führen. Außerdem ist jedoch zu betonen, daß auch seitens der Börsenorgane selbst kaum alles getan wird, um Effekten- käufe zu erleichtern. So hat man mit Wirkung ab November die Maklergebühren ermäßigt, aber vergessen, dabei auch die Kassawerte einzubeziehen. Man hätte erwarten dürfen, daß nach der im Frühjahr ausdrücklich nur für die Sommermonate bestimmten Courtageerhöhung jetzt wieder ein Zurück- führen der Gebührensätze auf den früheren Stand erfolgt wäre. Wenn die Börse steuerliche und andere Erleichterungen für sich in Anspruch nimmt, bann kann sie auch selbst dazu beitragen, die Spesen bei Effektengeschäften zu vermindern. In dieser Richtung liegt übrigens die jetzt energisch betriebene Aufnahme des Effektengiroverkehrs, der demnächst versuchsweise für einige Papiere eingeführt und schon in kurzer Zeit bedeutend erweitert werden soll. DieseMaßnahme, d. h. die Sammlung aller Aktien in zentralen Depots, wird sich ohne Zweifel als eine der wirksamsten Rationalisierungsmaßnahmen im Bankgewerbe erweisen, da sie wirklich erhebliche Arbestsersparnisse, somit aber Kostenersparnisse, bedeutet. Die Bankkundschaft hat sich bisher im allgemeinen mit den Aufnahme des Effektengiroverkehrs einverstanden erklärt, und es ist nur zu empfehlen, daß dies auch alle diejenigen tun, die sich noch nicht über ihren Entschluß im klaren sind. Am Geldmarkt hat sich der diesmalige Ultimo nicht nennenswert ausgewirkt. Die Banken hatten» reichliche Gelder zur Verfügung, um die Bedürfnisse zu decken. Die Anspannung der Geldsätze, die seit zwei Tagen spürbar ist, rührt demnach nicht von einer Versteifung der Geldlage überhaupt, sondern nur von der zum Monatsschluß üblichen Erhöhung der Leihsätze. Vor allem öffentliche Institute konnten dem Markt, und zwar auch über den Ultimo hinaus, bemerkenswerte Beträge zur Verfügung stellen. Am Privatdiskontmarkt hat sich bisher eine Erhöhung der Notierungen nicht als notwendig erwiesen, trotzdem mit dem bevorstehenden Ultimo mehr Material an den Markt gelangt. Die neuerdings reger nach Deutschland fließenden Beträge aus ausländischen Anleihen werden voraussichtlich auch für die nächsten Wochen zu einem Anhalten der verhältnismäßig leichten Verfassung des Börsenaeldmarktes führen, wenn auch nicht zu verkennen ist. daß sich jetzt mit dem Beginn des Wintergeschäftes der Geldbedarf allgemein stark geltend machen wird. Zuladungen zum frankfurter Börsenterminhandel. LU. Vorn 2. Qiobember 1925 ab sind die nachstehenden Wertpapiere in den beigesehten Abschlüssen und einem Mehrfachen hiervon zum Frankfurter Dörsenterminhandel zugelassen: Berliner Anilin-Aktien (3000 Am.). Badische Anilin- Aktien (3600 und 6000 Am.). Bergmann Eleftr.- Aktien (3000 Am.). Chemische Werke Griesheim- Elektron-Aktien (3000 Am.), Deutsche Erdöl- Aktien (4000 und 6000 Am.), Elberfelder Farbwerk-Aktien (3000 Am.), Höchster Farbwerke- Aktien (3000 Am.), Ilse-Bergbau-Aktien (3000 Am), Mannesmannröchren-Aktien (3000 Am.), Rheinische Braunkohle-Aktien (3000 Am.), Ritt» gerswerke-Aktien (3000 Am.), Olavi-Minen- und Cisenbahnen-Gesellschafts-Anteile (50 Stück), Elektrisch Licht und Kraft-Aktien (3000 Am ), Elektrizitäts-A.-G. norm. W. Lahmeher & Co. (3000 Am.), Aombacher-Hütte-Aktien (Mindestbetrag 3000 Am. und das Mehrfache hiervon) und Aheinstahl-Aktien (Mindestbetrag 3000 Am. und das Mehrfache hiervon). Die Aotierung zu veränderlichen Kursen für diese Wertpapiere wird vom gleichen Tage ab eingestellt und an deren Stelle neben der Notierung des Einheitskurses nur eine amtliche Kursfestsetzung für Zeitgeschäfte (Medio bzw. Ultimo) vorgenommen. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) 39 6: i05* 105 4' 49,5 i 119 9 i I 19 120 62,25 88.5 87 94,75* | 92.75' 30 27 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt 68.5 64,5' 95 57 118.4 118 40 1'8,25 118.62 36 48' 95 55 24.1 2,7. 81 65 60,5 69.13' 72.25' 94' 74 39 75 38,75 69 25' 17.25 35.13 . ;Ü 25 ' 86 .119.25 2.9 83.5 65 51 69.75' 49 37.75 69,25' 26,5 29.25 25 31 118.25 । 118.4 47 66 5' 85,5' 29 103' 108.5 114 35 46 bS 54 69 48 67* 70 5' .67.25' 170.25’ 64 50,25 Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) I 69' 39,8 38.9' 67,9* I 75 9’ 10.', .' ,118,25 111, 5 l 36 ’ 46.5' j 68 4' i ö l 4* 28,25 31,75 70.9' 56.13' 70 5.5 | 69,25 | 48. 69.5* I I 59.5 118.13 I 118 62 Bochumer Gug ....... BudcruS...... Caro Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . tarpener Bergbau aliwcrke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte ■ ....... Oberbcdars Phönir Bergbau Rhciustahl .......... Riebcck Montan ...... Tellus Bergbau...... Homburg-Amerika Paket. . .! Norddeutscher Llolid . . .j Cheramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann Anglo-Cont.-Guano Badische Anilin Chemische Mayer Alapin . . Goldschmidt . Griesbeimer Electron . . . . Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ........ Rütgerswerke ......... Scheideanstalt ........ Allg. ElektrizitätS-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke..... . . Schuckert ♦. . Siemens A Halske ..... Adlerwerke Klcyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyltgenstaedt ........ Meguin............. Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell^aft Frankfurt. Schuhfabrik Herz . . . ‘ i * *. Sichel. Zellstoff Waldbof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . I 92.5' ! 73,25 | - 64,75* 183,57’ 26 29,25 — 55.5 — 2» - ' 2.25 - ; 81 25 - 55.75 — I 50,5 a. M. Frankfurt a.M. Berlin Schluh- Kur» Sdjlufen. Aden). :8rk Schlub. fiu.» S.tlufofr Mittag Mrh Datum: 29. 11. 31.10. 29. 10. 30 10, 5°/,, Deutsche Ncichsanlcihe 0 2 0.2:2 0.225 i 22'5 4% Deutsche Ncichsanlcihe . — 0.25 0.2925 3'/-;. > Deutsche NcichSanleihe 0.26 0.27 0,246 0.28 3°/., Deutsche Reichsanleihe • 0,445 0,412 0,4525 Deutsche Sparpramicuanleihe — 0,13.5 4°/o Preußische Jlonfotö . . . — 0.16 ,2425 1.2625 4% Hessen......... — — — 0.215 3’/,% Hessen.......... — — — 0.225 3"/o H-nen........... _ 0.23 Deutsche fflevtb. Dollar-Anl. 90.2 > _ 91 8 dto. Doll.-Schatz Anlreisug.*) 97 — 4% Holltürkcn......... 5% Goldmerikaner ..... 7.5 7.45 _ 7,1 44,5 43,5 — Berliner Handelsgesellschaft- Commerz- und Pnvat-Bank 94.15* 132* 05' 135 5* 94,75« 153' 95' Tarmst. und Rationalbank • 104.;* 104.5* 105,5* 104,2* Deutsche Bank......... 106.2* 105* 10 ' 105' Deutsche Bcrcinsbank .... — 68 — DiSconto Commandit 102 2* 1 2.5' 103* 102,75 Metallbank.......... Mitteldeutsche Creditbank. . 78,25 •• 89,75' SO' 90 89,5' Oesterreichische Kreditanstalt 7,13 7 Weltbank ......... 0.03 0.031 Banknoten. (Ohne Gewähr.) 29 Oktbr. 30. CftJr. Amtliche )2oti rung Brief Amtliche Notierung Geld Geld Brief Amst.-Non I68.f2 169,24 168,79 169,21 Buen.-AireS 1.726 19,04 1.130 1.724 19 04 1.728 Brn-Antw 19,08 19,08 Christiania. 85,69 85,91 85,49 85,79 Kopenhagen 104,42 104.68 104,47 IU4.73 Stockholm . 112,29 112,57 112,36 112,64 Helsingfors. 10,545 10,585 10.54 10,58 Italien. . . 16,56 16,60 16,59 16.63 London. . 20,33 20,38 20,329 20,379 Neuvork . . 4.195 4,235 4.195 4,20’ Paris.... 17,55 17,59 17,70 17.71 Schwei; . . 80,82 81,02 80 865 81.06» Spanien . ■ 59,9? 60.13 60.02 60,18 Japan . . . 1,727 0.633 1,731 1,734 0.627 1.738 Rio de Jan Wien in D-- 0,635 1.629 Oest. abgest 59,125 69,265 59,12 59,26 Prag .... 12 42 12,46 12.42 12,46 Belgrad . . 7,43 7,45 7.45 7,47 Budap-'t. . 5,88 6,90 5.88 5,90 Bulgarien 3,055 3,015 3.035 3,045 Lissabon 21,175 <0,225 21 175 21.225 Danzig. . . 80,65 80.85 80,65 80.85 Konstantin- 2,365 2.375 2,365 2,375 Alben. . 5.62 5.64 5.62 5.61 Canada. . . 4.197 1.207 4,197 4,207 Uruguay - 4,255 4,26) 4,255 4.2-5 Berlin, 30 Oktbr Geld Brief Amerikanische Noten ..... 4,176 4,19.> Belgische Noten ...... . 18,93 19,03 Dänische Noten ...... 104,19 101,71 Englische Noten. ....... Französische Noten ...... 20,29 20,39 17,70 17 78 Holländische Noten...... 168,41 169,25 Italienische Noten...... 16.56 11,61 Norwegische Noten...... Deutsch-Lestcrr-, ä 100 Kronen 85,30 85.72 58.95 59,2 > Rumänische Noten...... — —— Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... 112.05 80,62 59.85 112,61 81,02 Spanische Noten....... >0,15 Tschechoslowakische Noten . . 12,88 12.41 Ungarische Noten..... 5.81 5.YÜ e Detriebseinschränkung bei Daimler. Angesichts der weiteren Verschlechterung der Marktlage sieht sich die Daimler- Motoren-Gesellschaft in gleicher Weise wie die übrigen Automobilfabrikanten genötigt, für die Wette in Untertürkheim und in Sindelfingen eine weitere Betriebseinschränkung dergestalt vorzunehmen, daß in nächster Zeit die Entlassung von einigen Hundert Marm erfolgt. • Don den internationalen Schienenv erhandlnngen. Bekanntlich versucht man bereits seit längerer Zeit in englischen, französischen und belgischen Kreisen die Gründung eines Internationalen Sch'.enenkartells. Don Monat zu Monat wurden die Verhandlungen vertagt, bis man für Ende Oktober wiederum eine Zusammenkunft in Brüssel ankündigte. Diese Besprechungen sind nun auch wieder auf unbe- Rätsel-Ecke. Silbenrätsel. Aus den Silben: a — au — brau — chen — de — dorf — e — eif — fei — gen — grie— Hirsch — i — ie —-ko — land — lev — li — lid — mo — na — ne — neu — non — noto — ohls — rci — rij- — rot — far— ta — tra — tur — türm — bi — za sind 14 Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, letztere von unten nach oben gelesen, einen beliebten Komponisten und eines seiner Werke ergeben. Die Worte bedeuten: 1. Körperteil, 2. Blume, 3. Industrieunternehmen, 4. berühmtes Bauwerk, 5. Wild, 6. Körperübung, 7. Getränk, 8. Ort bei Hamburg, 9. Ort bei Berlin, 10. Terdi- oper, 11. Stadt in Pommern, 12. Fluh, 13. Schmetterling, 14. europäischer Staat (sch gilt als ein Buchstabe). Homogramm. A A A B B E E E E E E K K L L L L M M R S Die Buchstaben der Figur sind so umzuordnen, daß die wagrechten Aeihen mit den entsprechenden senkrechten gleichlautende Worte ergeben: 1. Tragtier, 2. Bogel, 3. Blütenstand. Kreuz-Scharade. 1 1 3 2 ' 4 1—4 Zeugen bei einer feierlichen Handlung, 2—3 Tonstück für drei Instrumente, 1 2—3—4 Vaterlandsfreunde. Nätscl. Im Weltkrieg gar manche Schlacht gewann Der deutsche Soldat — er sitzet zu Pferd' —; Fügst du ihm ein „e" zu und werden alsdann Die Lestern vermengt und umgekehrt, So wird es ein Dichter, ein deutscher Poet, Bei vielen beliebt, geschätzt und verehrt. Auflösungen. Silbenrätsel. „In deinen fröhlichen Tagen fürchte des Tlnglücks tückische Aähe." (Schiller: „Die Braut von Messina".) 1. Infanterie, 2. Nazareth, 3. Dogge, 4. Elba, 5. I allen. 6. Norne, 7. Englisch, 8. Nikolaus, 9. Fidschi. 10. Reinick, 11. Offerte, 12. Efeu, 13. Humboldt, 14. Lucius, 15. Innsbruck, 16. Chinese, 17. Efau, 18. Nebel, 19. Trauung, 20. Arsen, 21. Gneiseipuu, 22. Euripides, 23. Novelle, 24. Fahrrad, 25. Urahne, 26. Element, 27. Rettich. Kreuzworträtsel. Effi M sl (Ä N x|h| E|L|1 □I Bll M Duchstabenrä.srl. Kraut — Braut. Scharade. Nachtlicht. Ein Erlebr.iS. „Stradella": Aat, Ella, Akel, Salta. Stelle, Star, '211t, Esel, Stall, Tale, Saale, Adler. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakiionSiisch. hieb und Stich. Bei einer Vorstellung von Glucks „Atteste" behauptete ein Spötter: „Mademoiselle Le Vasseur singt falsch und zerfleischt mir das Gehör." „Wenn Sie dadurch ein anderes Paar Ohren bekommen," meinte d'Attmbcrt, „so können Sie recht zufrieden sein." Der Graf von Rochester, der sich durch seine heitere Laune auszeichnete, begegnete eines Tages dem großen Mechaniker Barrow. „Doktor," sagte der Graf zu ihm, „ich bin Ihr Diener — bis zum Schwerpunkt!" „Und ich, lieber Graf, der Ihre — bis zu den Antipoden!" „Adieu, Doktor, Ihr Ergebener — bis in die äußerste Hülle." „Leben Sie wohl, Mylord, doch erlauben Sie, daß ich Sie hier verlasse!" • Durchlaucht scheinen sich zu langweilen?" fragte pikiert ein hoher Herr, der den Fürsten von Kaunitz besucht hatte; Kaunitz hatte diskret gegähnt. „Oh, ich langweile mich nie," sagte der Staatskanzler Maria Theresias, „man langweilt mich höchstens." Als ein gewisser Abbe, der einen Buckel hatte, ins Vorzimmer Ludwigs XV. trat, rief einer der Hofleute so laut, daß der Abbe es hören konnte: „Seht, da kommt unser Aesop!" „Dieser Vergleich, meine Herren," erwiderte der Abbs, „schmeichelt mir sehr, denn Aesop brachte in seinen Fabeln die Tiere zum Reden." * Ein eingebildeter Gelehrter machte dem Präsidenten Montesquieu über dessen Schrift „Der Geist der Gesetze" ein höchst lächerliches Kompliment. „Alles," so schloß er, „würde ich Ihnen als Zeichen meiner Dankbarkeit hingeben, den Kopf selbst, wenn . . . ." „Abc bitte," fiel Montesquieu ihm ins Wort, „ich würde es auch mit Dank entaeaennehmen, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft." * Der Graf Bussi-Rabutin, ein Edelmann am Hof Ludwigs XIV., u.,.r sehr geistreich, aber auch sehr zügellos in seinem Lebenswandel. Fräulein von Scud^ry schrieb einst an ihn: „Ihre Tochter hat so viel Verstand, als wenn sie täglich Ihres Umgangs genösse, und dabei ist sie so tugendhaft, als wenn sie Sie in Ihrem ganzen Leben nicht gesehen hätte." stimmte Zeit vertagt worden, da augenblicklich keine Möglichkeit vorhanden ist, zu der beabsichtigten Gründung zu gelangen. Frankfurter Abendborse. Frankfurt a. M. 30. Oft. Die Abendbörse, die unter dem Zeichen großer Lustlosigkeit stand, verkehrte weiter in schwacher Haltung. Auf neues Angebot setzten sich die Aück- gänge auf allen Märkten bei völlig belanglosem Geschäft fort. Nur Bankaktien waren gehal en. Die Abendbörse schloß geschäftslos und schwach. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihe 0.222. Ausländische Renten: 5proz. Goldmex'.kaner 431 '2. Montanaftien: Gelsenkirchen 76,25, Marisfelder 65,25, Phönix 68,10. Bankaktien: Commerzbank 93.75, Darmstädter Bank Medio 104,50, Deutsche Bank 105, Dresdner Bank 100, Metallbank 77, Mitteldeutsche Creditbank 90, Reichsbank 135, Österreichische Kreditaktien 7. Transportwerte: Baltimore 62.5. Industrieaktien: AEG. 92,75, Adlerwerke Kleher 26,50, Ehlinger Maschinen 37,50, Elektrisch Licht und Kraft 91,75, jammerten Spinnerei 100, Inag 0,40, Rheinmetall 21, Julius Sichel 2,75, Offsteinzucker 50. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 30. Oft. Da sämtliche Dividenden- Papiere ziemlich vernachlässigt liegen und bei der Geschäftsunlust in diesen Werten eine Tendenz- Bildung kaum erfolgte, fand die Spekulation bei Börsenbeginn überraschend ein neues Tätigkeitsgebiet in heimischen Staatsrenten. Die Llmsähe waren hier in den ersten Stunden im Gegensatz zu der übrigen Stagnation recht lebhaft. Ihren Ausgang nahm die feste Entwicklung der heimischen Renten von Auslandskäufen, namentlich der holländischen Arbitrage in 3proz. deutschen Reichsanleihen und 3l, 2t>r°8- Preuh. Kvnsols. Beide Papiere, die bekanntlich zum erheblichen Teil im Auslande plaziert sind, hatten größere' Kurssteigerungen zu verzeichnen. 3proz. Deutsche Reichsanleihe stiegen auf 0,460 gegen 0,412 am Vortage, 31/«3 prozentige Preuh. Konsols auf 0,292V- gegen 0,245. Kriegsanleihe mit 0,236 und Schuhgebietanleihe mit 5,57V- verzeichneten durch diese Anregung Besserungen. Außerdem bestand von ausländischen Renten einiges Interesse für Russenwerte. Im übrigen Verkehr blieb die Tendenz vollkommen farblos und dieGeschäfts- unlust steigerte sich an den Aktienmärkten in einem Maße, daß von einem lethargischen Zustande gesprochen werden kann. Da sowohl Käufer wie Verkäufer fehlten, zeigten die Notierungen nur geringfügige oder gar feine Schwankungen, so daß das Niveau des Vortages im allgemeinen erhalten blieb. Am Geldmarkt machte sich eine Versteifung bemerkbar, die Sähe zogen etwas an. Tägliches Geld 9 bis 10 Prozent, Geld einige Tage über den Ultimo 10 bis 12 Prozent, Monatsgeld 10,5 bis 11,5 Prozent. Am Devisenmarkt unterlag Paris Schwankungen. Der Kurs stellte sich gegen London auf 115,25 bis 115,50. Im übrigen waren keine Veränderungen zu verzeichnen. Die Reichsmark wurde notiert: in London 20,35, Paris 5,64, Amsterdam 59,16V*. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 30. Oft. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 23,75 bis 24, Roggen (inländischer) 17,25 bis 17,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 23 bis 25, Hafer (inländischer) 19 bis 21,50, Mais (gelb) 18,75 bis 19, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 37,75 bis 38,25, Roggenmehl 24,75 bis 25,25, Weizenkleie 10, Roggenlleie 10,25 bis 10,50. — Tendenz: Ruhig. Berlins: Produktenbörse. Berlin, 36. £A. Der Produktenmarkt war bei starker Zurückhaltung ruhig und etwas abgeschwächt. Roggen vom Inlande vermehrt angeboten und niedriger. Gerste und Hafer in guter Ware wohl gefragt, aber ohne nennenswerte älmsähe. Mehl still, desgleichen Futter» artifel. Es wurden notiert per 1000 Kilo: Weizen, märk. 214 bis 217, do. Oft. 235,50 bis 237, do. Dez. 232 bis 233, do. März 237, Roggen, märt 144 bis 147, do. Oft. 164,75 bis 165, do. Dez. 165, do. März 174,50, Gerste, märk. 195 bis 216, Futtergerste 151 bis 163, Hafer, märt 166 bis 176, per 100 Kilo. Weizenmehl 26,75 bis 30,75, Roggenmehl 21,25 bis 23,25, Weizenkleie 11,30 bis 11,50, Roggenkleie 9 bis 9,30, Viktoriaerbsen 26 bis 32, Heine Speiseerbsen 25 bis 27, Futtererbsen 19 bis 22, Peluschken 18 bis 19, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 22 bis 25, Lupinen, blau 12 bis 12,50, Rapskuchen 14,80 bis 15, Leinkuchen 21,30 bis 21,90, Trocktti- schnihel 8, Torfmelasse 9,40 bis 9,60, Kartoffelflocken 13,30 bis 13,70, Zucker 20,40 bis 20,50. Spielplarr der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 1. Nov., abends 7 Ähr, Eine Nacht in Venedig. Montag, 2.: Der Waffenschmied. Dientag, 3.: Die Boheme. Mittwoch, 4.: Carmen. Donnerstag, 5.: Cavalleria rusticana. Hierauf: Der Bajazzo. Freitag, 6.: Eine Nacht in Venedig. Samstag, 7.: Lohen- grin. Sonntag, 8., abends 67» Llhr: Der Rosenkavalier. Schauspielhaus. Sonntag, 1. Nov., abends 71/" Ihjr: Der Kreidekreis. Montag, 2.: Kabale und Liebe. Dienstag, 3.: Wie es euch gefällt Mittwoch, 4.: Ernst (Bunburh). Donnerstag. 5.: Wie es euch gefällt. Freitag, 6.: Ein Volksfeind. Samstag. 7.: Der älnwidersteh- liche. Sonntag, 8, abends V/2 üfjt: Einer von unsere Leut'. w/x -üt’ NWwWliiikeiMSlAii?! Doppelialzziegel M. , ©en1 (Eingett Gegründet 1901 Fernsprecher 898 § Lindenplatz 1. 8618V Telephon 31 Rheinwerft 2. Mannesmann Höchste Leistungsfähigkeit Höchste Zuverlässigkeit / der Mannesmann-Motorenwerke, Remscheid. 10426V Eücnbahn Strafe 4 25 ATtlltt KAR51W ZENTRALE HAMBURG Ms- Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr: a) des Vorstandes; b) des Aufsichtsrates. Genehmigung der Jahresbilanz- Ersatzwahl für den Vorstand. Ersatzwahl für den Aufsichtsrat. Beratung eingelaufener Anträge. m - Schlager Damen [trumpfen (feilte uns unfer FabnkaKonsliaus Pa-Fb. wgsdibare Kunst» sei'de. Sohle,Sprtzeu. Ferse aus bes. verstärk temSei'denflor.Nur' erste Wahl .Best. Ersatz. furecMeTramasei'de. Prima Seidenpor. Kräftige äußerst halb bareCottonware mitbreitem Doppel rand SohlG^Spitze und Hochferse dreifach. Rci cheLessen3en — Die Marke der Renner. Pallabona-Puder reinigt und entfettet da» Haar auf trockenem Wege, macht es locker und leicht zu frisieren, verleiht feinen Duft. Zu haben in Friseurgeschlften, Parfümerien, Drogerien u. Apotheken. 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