Nr. 255 Erstes Blatt ie Kirchengemeinde ein Recht gegen die bürgerliche Gemeinde auf Tragung der Daulast an diesen Gebäuden erworben hat. Hier wird ebenfalls bis zum Iabre 1712 d uni cf gegriffen und nachgewiesen, daß schon damals die bürgerliche Gemeinde bekundet habe, sie sei zu Holz- und Strohlieferungen für fragliche Gebäude verpflichtet. An Hand von weiteren Jahrhunderte alten Urkunden wird nachgewiesen, daß die bürgerliche Gemeinde ihrer Unterhaltungspfsicht stets nachgekommen sei. Für größere Reparaturen wurde ihr seitens her Klägerin stets nur ein freiwilliger Zuschuß bewilligt. Daraus ergibt sich, daß die bürgerliche Gemeinde seit unvordenklicher Zeit mit der Baulast für Kirche und Pfarrhaus als belastet galt. Ist dies aber der Fall, so hat die Klägerin das Recht auf Tragung der erwähnten Daulast durch die Gemeinde durch unvordenkliche Verjährung ertoorben. Und dieses Recht, das über Menschengedenken ausgrübt worden ist. ist rechtlich geradeso anzusehen, als ob es durch einen gültigen Rechtstitel erworben worden sei. Schließlich wurde vom Gericht noch fest- gestellt, daß die Auffassung der beiden Parteien, die auch der damals mitwirkende Vertreter des Kreisamts teilte, wonach die Dau- und Unter- Haltungspflicht der bürgerlichen Gemeinde mit der Ueberschreibung der Kirche aut die Klägerin erlösche, irrig fei, da die Unterhaltungspflicht auf einem besonderen Rechtstitel beruhe. Von einem Erlöschen der Baupflicht der Beklagten Tönne keine Rede sein, da in dem fraglichen Protokoll vom 18. Juli 1906 eine falsche Rechts- auffaffung enthalten sei. Auch das Protokoll des Kirchenvvrstandes. in dem gesagt fei, daß mit Ueberschreibung der Kirche auf die Kirchengemeinde von dieser nun auch die Unterhaltungskosten zu tragen seien, fei rechtlich ohne Bedeutung. Sogar das Schreiben des Oberkonsistoriums vom 7. Rovember 1911, in dem der Kirchen- gemeinde die Ansammlung eines Kirchenbau- fvndS empfohlen wird, sei bedeutungslos. (Obwohl mit diesem Schreiben das Oberkoirsistorium sich stillschweigend die Auffassung des Protokolls des Kircheiworstairdes zu eigen machte. Der Berichterstatter.) Aus dem Umstand, daß die bürgerliche Gemeinde auch nach 1906 noch Unterhaltungskosten für die Kirche eingestellt und auch getragen hat, habe sie ihre Verpflichtung auch fernerhin stillschweigend anerkannt. Das Urteil laufet dahin, daß der De- Hagten die Unterhaltungspflicht für Kirche und Pfarrhaus nach wie vor obliegt, und zwar auf Grund eines privatrechtlichen Titels (einer deutschrechtlichen Reallast). Es kann demnach kein Rede davon fein, diese Ausgaben durch Erhebung kommunaler kirchlicher Umlagen zu decken. Vorsorglich hatte die bürgerliche Gemeinde die Höhe des Klageanspruches bestritten, auch hierin obsiegte die Gegenpartei. Das Gericht erklärte den erhobenen Klageanspruch für gerechtfertigt. welcher Stelle, der Hilst dem Volk, der Wirtschaft und dem Staat. Wer spart, handelt deutsch! Gießener Mochcnmarttyrerse. EL tofteLcn auf dem gestrigen Wychenmarli: Butter 200 bis 21Ö, Matte 35. KÄe 70, Wirsing 8 Ls 10. Weißkraut 6. Rotkraut 10 bi- 12, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10. Spinal 25, Unter- Kohlrabi 5. Grünkohl 20, Losenhöyl 40, Feldsalat 100, Tomaten 40, Zwiebeln 10 biS 12, Meerrettich 35 bis 100, Schwar-wurzeln 50 bis 60, KürbiS 6, Kartoffeln 4. Aspfel 15 bis 20, Dirnen 30 biö 40, Aü/se 42, junV Hahnen 100, Suppenhühner 112, Gämse 120 bis 130 Pf. das Pfund; Sier 16 biS 18, Blumenkohl 20 bis 130. Salat 6 bis 15, Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 15 bis 25, Sellerie 10 biS 30. Bornotize«. — TageSkslender für Freitag. Stattheater: &/t Uhr „Die blaue ötunöe" (Ende gegen 91/* Uhr). — Verhaud reifender Kaufleute 8 Uhr »Hotel Schütz" Vortrag. — „Die Wanderer" Rad). Ges. 8Vi Uhr „ Frankfurter Hof" ordentl. Jahves-Hauptversammlung. — V. H. E. „Hopseld" 0I?cmatdtxrfaY7m[ung. — — Der Konzert'Derein schreibt uns, daß er am Sonntag, 1. November, abends 5 Uhr, in der Neuen Aula sein, wie die Uebersicht der Konzerte zeigt, sehr interessantes und reichhaltiges Winterhalbjahr begirmt, Er hat für dies erfte Konzert Herrn Walter Giefeking als stärksten Magneten, über den die deutsche PioniÜ«nvdt verfügt, gewonnen. Das von chm gewarnte Programm soll ihn als Interpreten alter, llosiftcher und neuester Musik zeigen. So bringt es nutzer Pack: S c ar- lat t i (Domenico, Sohn von AleAcmvro Sear- latti, * 1685, f 1757 zu Neapel), Schumann, Bufoni und Skrjabin. Ferruceio Busoni, 1806, t 1924, dessen Violinkonzert von Szigeti vor einigen Jahren hier zu Gehör gebracht wurde, gehört zu den erfolgreichsten Komponisten der Neuzeit, der durch ferne Orchester-, Klavier- und Kam- mernnrstkwerke rsthnrNchst bekannt ist und sich auch als trefflicher Pianist und durch seine instruktiven Ausgaben Dc-chscher Werte hervorgetan hat. Alexan der Skrjabin, 1872 zu Moskau geboren, hat lange Zeit am Moskauer Konservatorium als Klaviawro- sesior gewirkt und glkt als einer der bcgaVksten und interessantesten russischen Komponisten. * LU. Von der LandeS univerf i tä t. Sie erste feierliche findet morgen, Samstag, mtttass 12 Uhr, in der Kleinen Aula der Universität statt. *• Zur bevorstehenden Stgdtver- ordnetenwahl ist die Bereinigte Bürge r l i st e (Deutsche VrKSpartsi und Deutsch- nationale D»IkSpartri) mit der Liste ÜeS Zentrums verbunden warben. Die übrigen Parteien marschieren geireent Äc amtliche Veröffentlichung der WaMvorscWge erfolgt am 7. Rovember. •• Der Landhunger, den man in den letzten Jahren auch hier Bei GrunDstücksverpach- tungen vielfach benterfen fowtte, ist jetzt nahezu vollständig verschwunden. Mährend srch früher bei den Verpachtunastevoinen 2AO»schen- masfen drängten, hatten die Grund- stückSverpachtuntzen der Stadt dwfcen in dieser Woche nur genügen I»teresien tenzüspruch. Die Pachtgebote waren zurückhallend und ganz erheblich niedriger, als vor ebn gen IcchLLn. Durch die ausreichenden Derforgungsnwglichkeiten auf dem Markte, durch den Handel und in Geschäften ist der Anttneb zum 6e(bftbebauen von Pachtland wieder ve»'chwunden. ** Zuschüsse für o e r s o r g u ng s b e - rechtigte Offiziere des Friedens - und Beurlaubten st andes. Der Deutsche Offjzcers- birnd, Landesverband Hasten, schreibt tms: Zuschüsse für versorgunssberecttiate Offiziere ustv. des Friedens- und Scur(aubi6rtftanb*6, sowie für ihre Hinterbliebenen bei Nedürftitztoit werde« vom 1. April 1925 ab nachgezahlt, wenn sie vor dem 1. November 1925 beim Dersoraungsamt beantragt werden. Es wird daraus hmgewicsen, daß auch Stabsoffiziere, z. B. solche, die mit Regiments- komm ander erstellen bestehen waren, einen Zuschuß erhalten können, wenn sie nur auf ihre Der- forgungsgebührnifse angewiesen sind. Töchter verstorbener Offiziere können bei Bedärf- ttgkeit 24 Mk. laufend Unterstutzimg bekommen. Antrag ist sofort beim Versorgungsamt einzu- reichen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Hugo Stahl, Ingenieur. 10362D Gießen (Liebigstraße 97), den 29. Oktober 1925. Nieder-Bessingen, den 28. Oktober 1925 Statt besonderer Anzeige. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme, die uns beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen entgegengebracht wurden, sprechen wir auf diesem Wege unseren tiefgefühlten Dank aus. Im Namen der Hinterbliebenen: 10380D Marie Graulich geb. Lotz. Danksagung. 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Der Bahnhofswirt. 8ksk8W Litbig-Rsskvm Gießen JAHRESFEIER 1925 Öffentliche Dorträge am 31. Oktober 1925, abends 61/ Uhr, im Hörsaal von Herrn Prof. Dr. Schaum, Eingang Goethestraße: Geheimrat Prof. Dr. Pribram, Wien: Ucitetnlie Gntöeffunoen in iier Wich, 2. Geheimrat Sommer. Gießen: 'Der ATA-Cngo' ist vergnügt. H?eH Mine Arbeit nur 30 flreoh Jr hoHer Sfreude ruft er aus: /ESA gehört in Haus! Jahren sofort gesucht.. r. Nov., abends 9 Uhr, int Bootsbaus. T.-0: 1. Eingänge, •2. Berichterstattung, 3. Rechnungsablage, 4 Entlastung d. Dor- stande3,l>.VorstandS» wähl, 6. Verschieden. Um zahlreichen Besuch bittet 10400c der Vorstand. junge «je. junge Dahnen, junge Mben. MgewlieneSnien -r CarlSchwab, Seltersmeg 23 SAninlz Pfund 1.02 fiaMmOnfe o 4 Blsmard-ptöfej Ifl beringe Sonder- Angebot! Garantiert reines amerikanisches Schade & Füllgrabej Filialen in allen Stadtteilen I 1O4O3C ■ Cimtmrger M . Pfund 0.96 KönmetsOT. F-l-g-sa».«!». 1.40 Soudu-Me..... ...Pfund 1.30 Gomeö öeef..... .. 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Professor der Philosophie an der Technischen .Hochschule ernannt. <>u dem ersten Konflikt, der sich aus diesem ungewöhnlichen Vorgehen der Staatsregie- rung zwischen dieser und der Darmstädter Hochschule ergab, erhält das „Darmstädter Tageblatt" von einem bekannten Mitglied der . Demokratischen Partei die nachstehende Zuschrift: Die Politik des .hessischen Landesamts für das Bildungswesen zeitigt immer merkwürdigere Ergebnisse. Nach den mancherlei widerspruchsvollen Mahnohmen auf dem Gebiet des mittleren Schulwesens, mit denen sich die Oeffentlichkeit zu beschäftigen hatte, kommen nun auch die Hochschulen an die Reihe. Zum erstenmal -seit dem Bestehen unserer Technischen Hochschule hat das Ministerium einen planmäßigen Lehrstuhl der Hochschule unter vollständiger Nichtbeachtung des Vorschlagsrechts der Hochschule von sich aus besetzt, und zwar mit einer Persönlichkeit, die vom Lehrkörper nicht nur nicht vorgeschlagen, sondern einmütig und nachdrücklich abgelehnt wurde. Es handelt sich um einen der Lehrstühle für Philosophie und. Weltanschauung, die der Hochschule ohne deren Zutun als das merkwürdige Ergebnis des Parteihondels beschert wurden, welcher der letzten Neubildung der hessischen Regierung zur Beschämung aller Freunde eines vernunftgemäßen Parlamentarismus vorausging. Das Selbstbestimmungsrecht der Hochschulen Deutschlands und der übrigen Staaten des deutschen Kulturgebieles in der Auswahl des wissenschaftlichen Nachwuchses ist eines der wertvollsten Fundamente für die Größe und Blüte der Wissenschaft. Die eigenartige Verfassung der Hochschulen, die ihnen, obwohl Staatsinstitut, weitgehende Selbständigkeit und Selbstverwaltungsrechte einräumt, trägt einen durchaus demokratischen Charakter; sie bildeten von jeher eine „Gelehrten-Republik" für sich. In deren wissenschaftlich-geistige Belange sollte die bureau- kratische Vermaltungsmoschine so wenig wie möglich eingreifen. Abgesehen von der notwendigen Finanztontrolle hat das staatliche Aufsichtsrecht den Zweck, Mißbräuche und Auswüchse zu verhüten, die Entwicklung der Wissenschaften zu fördern und die Lehrgänge der in staatliche Laufbahnen zu übernehmenden Akademiker den Bedürfnissen derselben anzu- passen. Die Sicherung der wissenschaftlichen Qualität der akademischen Lehrer, die niemals nach dem Prinzip des „Ersitzens" eines Lehrstuhles zu erreichen ist, war immer die eigentliche Aufgabe des Lehrkörpers selbst. Nur wer selbst im wissenschaftlichen Leben mitten darin steht, wer den Stand und die Erfordernisse von Forschung und Lehre aus eigener Verantwortung kennt, kann aus dem zahlreich sich anbietenden Nachwuchs die Berufenen auswählen, und cs ist ein Ruhmesblatt der deutschen Hochschulen, daß sie trotz aller wechselnden Einflüsse ron den verschiedensten Seiten her, trotz der politischen und sozialen Umschichtungen der letzten Jahrzehnte diesen Standpunkt der reinen Sachlichkeit cufrechterhalten und dem wirklich Tüchtigen jederzeit den Aufstieg ermöglicht haben. Gewiß, auch an Sen Hochschulen geschehen Menschlichkeiten, sind Irrtümer und subjektive Fehler möglich. Aber die ifäUe, in denen aus diesem Grunde das staatliche choheitsrecht eingreifen mußte, um Mißbräuche zu verhüten, sind nur vereinzelt in dem einen oder an- ieren Bundesstaat zu verzeichnen. Nichts schadet einer Hochschule mehr al-s Inzucht. Nicht das jahrelange Sitzen an einer Universität darf die Berechtigung schaffen, endlich einmal etatsmäßig zu werden, sondern nur die wissenschaftliche Leistung. Alle Hochschulen des deutschen Kulturgebietes bilden in Liefer Beziehung eine große Gemeinschaft; sie unterrichten einander über den aufstrebenden Nachwuchs unb suchen im Wettbewerb immer den Besten und -Begabtesten an sich zu ziehen. So entsteht eine wirkliche Auslese; Kleinstaaterei soll es im großen Reich Tier deutschen Wissenschaft so wenig geben wie Klün- ^elwirtfchaft. Wo diese Bahn verlassen wird, zeigen iich bald die Folgen darin, daß Ansehen und Lei- ‘ilungen der betreffenden Hochschulen finken und die «Studenten abwandern. Es bltcb der derzeitigen demokratischen Regierung vorbehalten, bei unserer Hochschule den Anfang machen mit einer Durchbrechung dieser Grund- Ähe, zu der sich das frühere Regime niemals ver- itonden hat. Die Ratgeber, die allen fachlich begründeten Einsprüchen der Hochschule zum Trotz bei dem verantwortlichen Minister diesen Entschluß Alfred Bock: Kantor 5 ildköters Haus. Eine kritische Stellungnahme zu dem dichterischen Schaffen Alfred Bocks pflegt vor allem ein- inal mit dem Ordnungsfanatismus des Philologen, mit dem Bemühen, alles in eine „Linie" zu brin- xcn, feine Kunst mit Genugtuung in der Rubrik .Heimatdichtung" unterzubringen. Gewiß nicht mit Unrecht: Die Welt hat sich gewöhnt, Oderheffeu ■mb ben Vogelsberg mit ben Augen Alfred Vocks .zu schauen; aus dem innigen Verbundensein nvt ier hessischen Heimat, aus dem steten Sichversenken in die Seele seines Volkes schöpft er, wie aus nie versiegendem Born, Milieu und Gestalten; auch die Dichterische Formung, schmiegt sich der rauhen -Höhenluft, dem bargen, wortkargen Bauerntum 8er Heimat wundersam an. Und doch ist Alfred 1 Vocks Dichtung mit dieser literarhistorischen Eti- Icttierung nicht abgetan. Seine Bauern und Klein- türger, seine Hütejungen und Dienstmägde sind Menschen, Menschen von Fleisch und Blut, mit wenigen, knappen Strichen scharf herausgestellt, sic sind feine Staffage für dichterisch verklärte Heimat sästlderung, sondern fest umriffene Charaktere, deren Schicksale uns fesseln und bannen, uns erschüttern. Äatur und Landschaft sind eigentlich nicht Sache Des Dichters. Selten nur wird man in feinen Werfen breiter angelegte Naturschilderungen finden, lie über das Maß hinausgehen, dessen der Dichter Zur Charakterisierung von Ort und Zeit bedarf. Alles §yrisch-Weiche, aber auch alles Sentimentale, alles lleberftiegene liegt ihm fern. Einzig und allein den Menschen sucht er, und ihn schildert er in dem „kleinen Manne" aus dem Volk, in den Bewohnern unserer Landstädtchen, in ben Bauersleuten des Vogelsbergs und der Wetterau. So ist ferne Kunst auch feine Milieukunst schlechthin, wichtiger, einzig wesentlich ist bem Dichter stets der Mensch, jein Werden und Vergehen im Lebenskampf. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Zrettag, 30. Oktober (925 durchgesetzt haben, haben dem demokratischen Gedanken einen sehr schlechten Dienst erwiesen. Nur wirklich zwingende Gründe konnten einen so ungewöhnlichen Schritt und die dabei beliebten verletzenden Begleituinstände rechtfertigen. Es mutet merkwürdig an, wenn man glaubt, das Gehalt eines älteren Privatdozenten aus Klaffe 10 einsparen zu müssen, während man kurzerhand drei neue ctats- mäßige Professuren mit Klasse 11 12 einstellt, von denen die Hochschule zwei für entbehrlich hält. Es bedeutet eine Ungerechtigkeit gegenüber den zahlreichen anderen Privatdozenten und Extraordinarien an unserer und anderen Hochschulen, deren wissenschaftliche Leistungen sie weit eher zu einer Ernennung berechtigte, wenn man ihnen einen Kandidaten vorzieht, dessen wissenschaftliche Leistungen von der überwiegenden Mehrzahl berufener Fach- genofsen geleugnet werden, und es muß im höchsten Grade verbittern und verletzen, wenn man die zuständigen Organe der Hochschule monatelang drängt, eine geeignete Lehrkraft ausfindig zu machen, nach allen Seiten hin zu korrespondieren und um Aus- timfte zu bitten, während der Entschluß schon fest- stand, den genehmeren eigenen Kandidaten zu ernennen. Die Hochschule war der Meinung, daß für Darmstadt, wo ein so reges geistiges Leben herrscht, wohin durch die Tagungen der Keyserling-Freunde Vorgänge an der Landesuniversität, die in weitesten Kreisen der deutschen Hochschulen besprochen werden, lassen die gleiche Tendenz erkennen. Man scheint an der maßgebenden Stelle nicht zu wissen, daß ein derartiges Vorgehen in schroffem Wider- jprud) steht zum Geiste und Sinn dec Weimarer Verfassung, die ausdrücklich jedem deutschen Staatsbürger die Freiheit seiner politischen Ueberzeugung gewährleistet, und daß ein hochschul-Lehrstuhl fein Landratsamt ist. Man sieht nicht, daß auch vom parteipolitischen Gesichtspunkt dies eine ungeheuer kurzsichtige Politik ist. Die Koalitionen wechseln; die Minister kommen und gehen, und was heute opportun erscheint, kann in Kürze eine scharfe Waffe gegen die eigene Partei werden. Wer aus innerer Ueberzeugung die Freiheit der politischen Meinung für ein hohes Gut hält, empfindet diesen Standpunkt als kleinlich und beschämend; für die deutsche Wissenschaft bedeutet er eine Katastrophe. Wenn erst die Zugehörigkeit zu irgendeinem Parteiklüngel — gleichviel welcher Färbung — den Weg auf die Lehrkanzeln der deutschen Hochschulen eröffnet, ohne daß die wissenschaftliche Leistung und die Bewertung der Persönlichkeit als Mensch und Lehrer allein den Ausschlag gibt, wenn bureaukratischer Schematismus und engherzige Kleinstaaterei die kraftvollen Persönlichkeiten verscheucht und die Mittelmäßigkeit 1750 -1925 Samstag, den 31. Oktober, erscheint neben der Tagesnummer die Jubiläums-Ausgabe Giehener Anzeigers -im Umfang von 96 Seiten mit 55 Bildern von Künstlerhand als Iubelgabe an die Bezieher Abgabe anNeubestellerfürNovember erfolgt gleichfalls kostenlos Einzelverkaufspreis 1 Mark die Augen der weitesten Kreise gerichtet sind, nur die allerbeste Lehrkraft gerade gut genug sei; das Landesamt für das Bildungswefen aber ist der Auffassung, daß es sich ja um eine „technische" Hochschule handele, und für das Maß von Philosophie, das diese benötige, genüge auch eine Lehrkraft geringerer Ordnung: eine Auffassung, gleich schmeichelhaft für den ernannten Kandidaten des Ministeriums wie für die Hochschule! Man unterstellt ben Mitgliebern des Lehrkörpers, daß die politische und konfessionelle Richtung des 'Ernannten der Grund der Ablehnung fei, ohne ernsthaft zu prüfen, welches die Einstellung der von der Hochschule vorgeschlagenen Persönlichkeiten denn eigentlich ist. Man trägt auf diese Weise den Keim des Zwiespaltes in den Lehrkörper, in dem die Mitglieder aller Konfessionen und politischen Richtungen in selten ein- müfiger sachlicher Arbeit zusammenwirken, und vergißt dabei vor allem, daß für ein ersprießliches Zusammenarbeiten gerade in der Erziehungsarbeit das gegenseitige Vertrauen des Kollegiums eine der wichtigsten Voraussetzungen ist. Die wirklichen Untergründe, aus denen heraus die (Ernennung erfolgt ist, liegen für jeden, der die Personen und Verhältnisse kennt, klar zutage. Sie lassen leider die Erkenntnis nicht mehr von der Hand weisen, daßdie politische Parteizugehörigkeit nun auch bei der Besetzung von wissenschaftlichen Lehrstühlen in Hessen eine Rolle spielen soll. Durch die Presse ging unlängst eine Mitteilung, wonach der Leiter des hessischen Landesamts für das Bildungswefen die Aeußerung getan hat, er werde niemals einen deutfchnationalen Professor anstellen! Gewisse Bei dieser Grundeinstellung nimmt es nicht Wunder, welch seines Verständnis der Dichter gerade volkswirtschaftlichen Problemen entgegen: bringt. Die ökonomischen Gedankengänge in seinen Werken sind an sich keineswegs neu, aber eigenartig, welch dichterische Gestaltung die klar erkannten ökonomischen Zusammenhänge finden. Ich denke an das Wesen der ländlichen Darlehnskassen in den „Oberwäldern" — um nur eines der früheren Werke des Dichters herauszugreifen —, an die ausgezeichnete Schilderung der Zwangs- und Jn- flationswirtschaft mit ihren sozialen Folgen in dem 1924 erschienenen „Fünften Element", und schließlich an die, bei aller Prägnanz doch erschöpfende Darstellung des Warenhausproblems in dem soeben in zweiter Auflage erschienenen „Kantor Schildköters Haus" (vom Leipziger Verlag I. Weber in einfach geschmackvollem Leinenband herausgebracht). Ein erstaunlicher Sinn für die Realitäten des Lebens schildert hier den Kamps der auf ihren Lorbeeren eingeschlafenen, alteingesessenen Kaufleute gegen das Warenhaus, hinein verschlungen ist die Tragödie des Kantors Schildköter, der das Fazit seines Lebens in der verzweislungsoollen Selbst- anllagc zieht: „Ich wollte das Gute, und tu’ das Böse. Ich lechz' nach Frieden und habe streit. In mir wütet der Geist der Hölle und hetzt mich von Schuld zu Schuld." Der brennende Ehrgeiz um die musikalische Laufbahn feines Sohnes „hetzt ihn von Schuld zu Schuld"; um des Mammons willen vernichtet er die wirtschaftliche Existenz feines besten, wahrsten Freundes; die Tat wendet die Liebe seines Kindes von ihm, der Junge wandert mittellos in die Welt und stirbt den Verzweiilungs- tod, fern von der Heimat. Da packt der Wahnsinn den Vater, dem der Fluch des Goldes alles nahm, Freundschaft und Kindesliebe. In den Flammen feines Hauses — des neuen Warenhauses — findet er Ruhe vor grausamem Geschick. ins Kraut schießen läßt: dann eröffnen sich Perspektiven für die Zukunft der deutschen Hochschulen, die uns schaudern machen. Zu den Zeiten einer konservativ-autoritativen Staatsform haben die deutschen Hochschulen immer auch für bi$ Anhänger der politischen Linken die Lehrfreiheit gewahrt; sie werden auch unter veränderten Zeitläuften dieses Palladium hochhalten gegen jedermann. Die hessische Regierung kann bei anderen demokratischen Kultusministerien erfahren, wie man dort über diese Dinge denkt. Die Antwort wird nicht immer schmeichelhaft fein. Nur wenn es gelingt, den Hochschulen des Landes die besten und angesehensten Lehrkräfte zu sichern, lohnen sich die schweren Opfer, die das kleine hessenland für feine beiden Hochschulen immer gern gebracht hat; untergräbt man ihr Ansehen, so trägt nicht zuletzt das Land den Schaden davon. Es geht hier nicht um die einzelne Person; es geht um ein Prinzip: um die innere Unabhängigkeit der Hochschulen; ihre Reinhaltung von den Tages- erscheinungen kleinlicher Politisiererei. Man glaube doch nicht, daß es durch solche Mittelchen gelingen könne, den Hochschulen allmählich eine gewünschte politische Färbung angedeihen zu lassen. Wer Wind sät, kann Sturm ernten. An der höchsten Stelle des Unterrichtswesens soll ein großer und freier Geist herrschen, der die geistigen Strömungen der Zeit im ganzen übersieht und die Hochschulen als die höchsten Stätten des Geistes zu einem hort unabhängiger, im besten Sinn freier Geistesarbeit macht. Nur so können die Hochschulen auch ihre politische Aufgabe erfüllen: aus dem Gezänk der Parteien die großen einigenden Ideen wieder herauszuarbeiten Die rein menschliche Tragödie dieses Mannes, der sich vor die Entscheidung zwischen Freundschaft und Kindesliebe gestellt sieht, der in eine Situation gezwungen wird, die er nicht meistern kann, diese Tragödie bewegt und ergreift. Menschen des Alltags find es auch hier, die diesen Roman erleben, keine Helden, keine großen Naturen, schlichte Menschen, echt geschaut in ihrem Sinnen und Trachten, hineingerisfen in einen tragischen Konflikt der Pflichten, dem sie erliegen. L. Das Ende des Caf6 „Austria". Das moderne Berlin ist der Romantik abhold. Nachdem bereits das „Cafe des Westens" und das vielberühmte „Nollendorf-Kasino" ihrem früheren Zweck, den Dichtern, Malern und Musikern eine Heimstätte zu bieten, seit längerer Zeit entfremdet worden sind, ist auch die letzte frühere Zufluchtsstätte der Berliner Boheme dem modernen Leben zum Opfer gefallen. Das alte CafL „Austria" ist verschwunden, und an seine Stelle ist ein modernes Musik-Cafe getreten. Am Ende des vorigen Jahrhunderts und am Anfang dieses Jahrhunderts war das Cafe „Austria" vielleicht die berühmteste Künstlerstätie^ die Berlin auszuweifen hatte. Zwar war in dem kleinen Caf6 am Kurfürstendamm, das mit dem Cafe „Austria" in Wettbewerb getreten mar, eine unentwegte Schar von Dichtern und Künstlern wie Wolzogen, Wedekind, Kruse, h a r 11 c b e n , Bierbaum, Erich M ü h s a m Nacht für Nacht versammelt, aber wenn der Abend fortgeschritten war, lösten sich viele von ihnen aus diesem Cafe ab und wanderten nach der Potsdamer Straße in das Caf6 „Austria", wo hier meist eine fröhliche Tafelrunde beisammen war. hier war der Oberkellner Sucher, der Bruder des berühmten Kapellmeisters der damaligen königlichen Oper, und der Schwager der berühmten Wagnersängerin Rosa Sucher, still, vornehm und wie ein großer Herr tätig, kannte jeden seiner Gäste in eine neue Atmosphäre. Für den Hochschullehrer darf Politik niemals ein Geschäft, sondern immer nur ein geistiges Problem sein. Die Entwicklung, die in Hessen in den vorliegenden Fällen heraufzieht, ist so gefährlich, daß es gilt, die breiteste Oeffentlichkeit aufzuklären, hier liegen Gefahren für die Zukunft vor, bei denen es schon jetzt heißen muß: Prindpiis obsta! Oberhessen. Lanvkrcis (tiutfen. X Wiefeck, 29. Oft. Die in unserer Gemeinde geplante Vorführung des Bethelfi 1 mv war, wie noch erinnerlich, durch die Entwicklung von Kohlenoxydgas gescheitert. Solche Gefahren find nun ausgeschlossen, da Die Kirch e eine neue Heizung erhalten hat, die sich während der Wiederherstellungsarbeiten schon aufs beste bewährte. Der Film trifft am Montag, 2. Nov., hier ein und soll gegen Abend vornehmlich der Schuljugend und abends den Erwachsenen gezeigt werden. ■28g. Großen.Duseck. 29. Ott. Aach den häufigen Niederschlägen der letzten Tage ist die hiesige Kaiser st ratze stellenweise in einen wahren Sumpf verwandelt. Die Gemeinde hat sich entschlossen, diesem Aebelstande durch eine Äeuaufschüttung der Straße gründlich abzuhelfen. Zur Zeit werden die nötigen Materialien angesahren. Zu Beginn der nächsten Woche wird mit dem Eintreffen der Dampf- walze gerechnet. f Grünberg, 29. Ott. Die Gutsverwaltung Warthof, die bekanntlich dem Landwirl- schaftskammerausschuß untersteht, veranstaltet voraussichtlich in der nächsten Woche eine Schaf- a u 11 i o n. — Ein Landwirt aus der hiesigen Gegend hat festgestellt, daß ein Zentner gute Tafeläpfel hier 18 Mark, in Frankfurt im Großhandel 40 Mark und nn den Verbraucher geliefert 60 Mark kostet. Bei Abgabe eines Apfels werden 70 Pfennig gefordert. Kommentar überflüssig! o. Ober-Bessingen, 29. Oft. Obwohl man eine gemeinsame Kandidatenliste für die Gemein- deratswahl aufgestellt hatte, auf der die Namen der seitherigen Gemeinderäte enthalten waren, traf auf der Bürgermeisterei furz vor Ablauf des Ter- mins noch eine zweite Liste ein. Sie trägt Namen von Landwirten und Gewerbetreibenden. — In dem hiesigen Bafaltwerf wird nun wieder an allen Wochentagen gearbeitet, so daß alle Arbeiter dahier lohnend beschäftigt sind, was in unserer Zeit der vielen Arbeitslosen recht erfreulich ist. — Auch hier tritt bei einzelnen Kartoffelsorten starke Fäulnis in den Kellern auf. Man sieht der weiteren Entwicklung mit Besorgnis entgegen. Kreis Schotten. Schotten, 29. Okt Gegenüber der vor 3 Jahren abgehaltenen Wahl hat sich die Zahl der eingereichten Wahlvorschläge für die bevorstehende Gemeinderatswahl verdoppelt. Insgesamt liegen 6 Wahlvorfchläge vor, so daß mit äußerst reger Wahlbeteiligung gerechnet werden muß. Laubach, 28. Oft. Dieter Tage eröffnete die hiesige Konzert- und Vortragsverein i g u n g die Wintersaifon durch die Aufführung des Trauerspiels „Maria Magdalena" von Friedrich Hebbel im großen Saale des „Solmser Hofes". Mit Rücksicht auf die auswärtigen Mitglieder begann die Vorstellung erst um 9 Uhr abends. Die Spiel- gemeinde des Bühnenoolkbundes Gießen stellte die aufführenden Kräfte, die ihrer Aufgabe in bester Weise gerecht wurden. Der allgemeine Beifall stattete den Darstellern den wohlverdienten Dank der Hörer ab. „?“ Eichelsdorf, 29. Oft. Der Cant)“ Wirtschaftskammerausschutz für die Provinz Oberhessen beabsichtigt, im November dahier einen Obstbauinsch n i tt* und -Pflegekursus abzuhalten. Leiter der De» anstaltung, die für die Orte Eiche lsdorf, Ober-Schmitten und Bai rod in Betracht kommt, ist Obstbauinspektor Wiesner. Der reiche Ertrag der diesjährigen Obsternte dürfte den Obstzüchtern der hiesigm Gegend Deranlassung geben, diesem Kursus regstes Interesse entgegenzubringen. - - (Nächsten Sonntag findet im Lehr'schen Saale dahier der Bezirks- t ag für den Hassiabezirk Schotten statt. Kreis Alsfeld. (!) Groß-Felda, 29. Ott. Ursprünglich lagen hier zu der G e m e i n d e r a t s w a h l drei Wahlvorfchläge vor. Heute sind es deren acht. Davon entfallen auf den Bauernbund alle i n ~rr i ................... unb wußte mit ihnen ein ernstes Wort über die neuesten Errungenschaften der Oper, der Dichtung und der Kunst zu sprechen. Die Musikhochschule war damals in der Nähe dieses Cafös und zog eine Reihe von Meistern und Schülern an. Busoni war hier viele Jahre lang ständiger Stammgast. Artur Schnabel, der bekannte Klaoierkünstler, war täglich am Anfang dieses Jahrhunderts in dieser Künstlerstätte zu sehen, wie er sich beim Liederspiel in den oberen Sälen des Cafss abmühte. Neben ihm spielte der Altmeister der Berliner Bildhauerkunst Reinhold Begas, der zugleich ein Meister des Billardspiels war und mit Verachtung auf alle herabsah, die auf dem grünen Tisch herum- stümoerten. Seine edle, schmale Gestalt, fein feiner Kopf mit dem wallenden weißen Bart war eine Erscheinung, die man in diesem Cafs niemals zu vermissen brauchte. Einen Mittelpunkt künstlerischer Kreise bildete hier abends Strindbergs geschiedene Gattin und bis spät in die Nacht saßen an den kleinen Tischen die Künstler und Schriftsteller und kämpften heftig um die neuen Ideale der Kunst oder waren in Zeitungen vertieft, die hier in ungeheurer Fülle vorhanden waren. Späterhin, als die moderne Zeit sich bemerkbar machte und der starke Verkehr auf der Potsdamer Straße das idyllische Leben *i diesem Lokal zerstörte, verzog sich die Kunstterschar nach ruhigeren Zufluchtsstätten, wie sie das kleinere „Cafe des Westens" am Kurfürstcndamm bot, das der eigentliche Nachfolger des Caf6 „Austria" war, wenn es auch eine Zeitlang bereits ebenbürtig neben diesem Cate bestand. Das Caf6 „Austria" verödete völlig, denn das Bürgerpublikum gewöhnte sich nur s-hr schwer hierher und war auch durch Einführung von Musik nicht in das Cafe zu ziehen. Neue Kellner kamen, welche die alten Gäste nicht mehr kannten, und so wurde das Cafs gezwungen, seine Pforten zu schließen, um jetzt einer ganz neuen, modernen Gaststätte Platz zu machen. j fünf. Jeder größere Bezirk nufere» Marktfleckens hat einen Vorschlag ausgestellt. In K l e i n - F e l d a steht an 1. Stelle Landwirt Theodor Schüßler, in Schellnhausen Landwirt Jäckel, aus der Moos Landwirt Gustav V ö l z i n g, im Unter- dorf Landwirt Karl Karle und im Schnep- senhain Landwirt Dllo Schneider. Außerdem liegt ein Wahlvorschlag de» Gcwerbevei - eins vor mit Sattlermeister Bölzing als Spitzenkandidat. Der Bund der Siedler präfenr tiert Johannes Sentmler als I. Bewerber. Der 8. Wahlvorschlag beschließt den Beigen ;cr nominiert an erster Stelle das langjährige Gemeinderatsmitglied Adam Becker, Gastwirt. Troß der vielen Wahlvorschläge herrscht überall größte Toleranz und im ganzen Flecken vorbildliche Einigkeit. Kreis Lauterbach. WSN. Lauterbach, 29. Oki. Die Ingen d - Herberge aus der 5) e > chcnhainer f) ähe ist jetzt im Rohbau sertiggesttzllt worden. Das neue Heim, das etwa 1OU Betten umfaßt, durfte demnächst seinem Zweck übergeben werden. 1)1111. Lauterbach, 29. Ott. Am Dienstagmittag und -abend wurde in der hiesigen Sladtkirche der schon an vielen Orten gezeigte „B ethelfil m" zur Vorführung gebracht. Am Mittag fah eine zahlreiche Kinderschar das Leden und Treiben in den Segensanstalten von Bethel. Zur Abendvarführung, bei der Gemeindegefang die einzelnen Teile des Filmes umrahmte, hatten sich viele Hunderte eingesunden. Was hier in Wort und Bild vor Augen und Seele gestellt wurde, machte einen tiefen Eindruck auf die Anwesendeii. Die reiche Kollekte kam der Anstalt und dem Krüppelheimneubau in Weber-- Ramstadt zugute. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 29. Okt. Die Verhandlungen über die beiden K r a f t p o st l i n i e n im Kreise Büdingen sind nunmehr soweit gediehen, daß in einigen Wochen der Betrieb auf der Strecke Büdingen- Rinderbügen—Kefenrod- Wenings— Merkensritz (Vahnhof) und zurück nach Büdingen über Bindsachsen ausgenommen wird. Etwaige Fehlbeträge find von fast allen Ge- meinben durch Garantien gedeckt. Die Eröffnung der anderen Linie nach Hanau wird noch etwas länger dauern. Die Kraftpost wird nicht nach Hanau durchgeführt, da die Stadt Hanau die Hebernahme des etwa entstehenden Fehlbetrags mit der Begründung abgelehnt hat, daß sie fein Interesse an der Kraftpostlinie habe. Voraussichtlich fährt die Post nunmehr nur bis Langenbergheim über Düdelsheim— Lind- heim (Bahnhof) Hainchen und Himbach. Der Gemcinderat Büdingens hat in seiner jüngsten Sitzung die Garantie für beide Strecken mit 48,6 Proz. und vierteljähriger Kündigung übernommen. Für die in Büdingen zu erbauenoe Halle zur Unterbringung der Autos wurde vom Gemeinderat der erforderliche Betrag bewilligt. Das Geld soll geliehen werden. - - Büdingen, 29. Olt. Hier fand unter dem Vorsitz von Dekan S ch ä f c u eine Pfarr - konferenz unseres Dekanats statt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein sehr interessantes Referat von Pfarrer Lic. Wißmann, Wenings, über das bedeutende Buch des früheren Ober-Seemener, jetzt Frankfurter Pfarrers Lic. Rens, Heinrich Wallau„Die Einigung der Kirche vom evangelischen Glauben aus". Am Rachmittag weilte der 'Verfasser selbst in der Mitte der Konferenz und wußte als persönlicher Teilnehmer der Weltkonferenz für praktisches Christentum in Stoaholm teilweise an der Hand von guten Lichtbildern sehr viel interessantes über diese hochbedeutsame Tagung zu berichten. )( Ortenberg, 28. Okt. Am heutigen dritten K n l t e n m a r k t 1 a g stand vor allem die K alte m a r k t l o t t e r i e im Vordergrund des Interesses. Kurz vor 10 Uhr wurden nach altem Brauch unter den Klangen der Musik die ersten Preise, vier prachtvolle, aus dem Markt gekaufte Fohlen, durch die Stadt nach der Gastwirtschaft Hirzel geführt, wo unter Leitung des Bürgermeisters und oes Beigeordneten, sowie in Anwesenheit der Marti, und Lotterietommission die Verlosung begann. Die ersten Preise fielen auf folgende Nummern (ohne Gewähr): (1322, 908, 4377, 4341, 4074, 4281, 93, 2955, 2477, 257, 2026, 3900. Der zweite Preis soll nach B l e i ch e n b a ch gefallen sein, während der vierte von den Herren Georg Pfeiffer und H. Trumwheller gewonnen wurde. Wohin der erste Preis fiel, war noch nicht genau bekannt. Das ge- schastliche Leben flaute nach den beiden vorhergehenden Tagen mit einem noch selten gesehenen Massenbesuch natürlich stark ab. Die von gutem und warmem Wetter begünstigten Markttage wurden am Abend mit verschiedenen Vergnügungen geschlossen, dann traten Alltag und Arbeit wieder in ihre Rechte. Das elektrische Stromnetz war durch die glücklicherweise noch kurz zuvor an- geschlossene zweite Transformatorenstation allen Anforderungen gewachsen, wahrend die Wasserleitung nm Samstag wieder einmal selbst in den unteren Straßen gründlich versagte. Hoffentlich hat auch sic bis zum nächsten Markt eine Erweiterung erfahren. ' Ridda, 29. Okt- Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl ist innerhalb der gesetzlichen Frist nur ein Wahlvvrschlag „Vereinigte Liste" eingereicht worden, so daß eine Wahl nicht staltfindet und die auf dem Wahlvorschlag stehenden ersten 12 Bewerber als gewählt gelten. Wenn dies auch als gutes Zeichen für die Einmütigkeit der Einwohnerschaft anzusehen ist, so hat doch der Wegfall der Gemeinderatswahl für die am gleichen Tage stattfindenden Wahlen zum Kreis- nndDro- v i n z i a l t a g wahrscheinlich seine nachteiligen Folgen insofern, als die Wahlbeteiligung hier eine geringere sein wird. ES wäre wünschenswert, wenn die Wähler ungeachtet des Ausfalls der Gemcinderatswahl hinsichtlich der für die Gemeinde ebenfalls sehr wichtigen Kreis- und Provinzialtagswahl von ihrem Wahlrecht ausreichend Gebrauch machen würden. c. Nidda, 29. Okt. Am 1. November scheidet Schwester Anna Klaus aus unserem Städtchen. Familienverhältnisse zwingen sie, nachdem sie über 10 Jahre ihren Dienst im Verein Krankenpflege in mustergültiger Weise versehen hat, ihr arbeitsreiches und aufopferndes Amt einer anderen Kraft zu übertragen. Die aufopfernde Liebe und der aufrichtende Trost, den sie an so vielen Kranteu- lagern unseres Städtchens und der Nachbarorte erwiesen und gespendet hat, haben ihr viele Freunde in allen Kreisen geschaffen. Durch ihre selbstlose Mithilfe bei der Pflege der Verwundeten im hiesigen Lazarett, nicht zuletzt auch ihre ersprießliche Arbeit im Dienste der Gemeindearmenpflege erhöhen die großen Verdienste von Schwester Anna. Ihre Nachfolgerin ist Schwester Marie Ebling, die in früherer Zeit schon einmal im Dienste der Caritas hier wirkte. — Auch in der hiesigen I n - b u ft r i e macht sich die N o t l a g e u n s e r e r Z e i t bemerkbar, so daß in manchen Betrieben Einschränkungen öorgenommen werden muhten, deren Folge A r b e i t e r e n t l a s s u n g e n waren. Die starke Zunahme der Arbeitslosen gibt für den kommen- den Winter auch für unser Städtchen schwere Bedenken. Starkenburg. Darmstadt, 29. Okt. (WSR.) Die hiesigen Kohlenhändler geben in den Tageszeitungen bekannt, daß sie mit sofortiger Wir> lang die K o h l e n p r e i s e wie folgt herab- setzen: Hausbrand um 20 Pfennig, Fettstückkohlen und Briketts um 5 Pfennig und Ruhr- brechkoks um 20 Pfennig per Zentner. Preußen. Kreis Wetzlar. ] Wetzlar, 29. Okt. Straßenbau. Bekanntlich hat unsere Stadt in den Aachkriegs- jahren eine ganz erhebliche Zahl von Straßen ausgebaut. In Fortsetzung ihrer Straßenbau- Politik hat die Stadtverwaltung nunmehr den Ausbau weiterer wichtiger Straße n- züge in Aussicht genommen bezw. bereits vergeben. In dem Stadtteil Niedergirmes wird zur Zeit die Kirchstraße ausgebaut, in der Oberstadt eine dringend erforderliche Verbreiterung der Frankfurter Straße am Goldfischteich und eine Pflasterung derselben durchgeführt. Seit Montag haben auch die Arbeiten an einet teilweisen Verbreiterung der Aaubotner Straße begonnen, die dann ebenfalls mit Kleinpflaster versehen werden soll. Leider wird die Verbreiterung hier in dem zuerst vorgesehenen Maße nicht vorgenommen, weil der Einspruch eines Teils der Anlieger hiergegen vom Bezirksausschuß anerkannt worden ist. Da die Aauborner Straße später einmal sicher als Ausfallstraße für den Kraftwagenverkehr in südlicher und östlicher Richtung in Betracht kommt, wäre ein vollständiger Ausbau heute schon das zweckmäßigste gewesen. Die weitere Ueberbrücfung der Weh - doch scheitert heute an der Kostenfrage. Wie wir weiter hören, soll nunmehr auch Aussicht bestehen, daß noch im Laufe des Winters der Ausbau des Philosophen wegs in An- griss genommen wird. Dieser befindet sich durch Grdauffüllungen heute in einem Zustand, der auf die Dauer unhaltbar ist. Aach Fertigstellung dieses Weges wäre dann eine direkte Automobilverbindung vom Bahnhofs- Viertel nach Gießen und Frankfurt geschaffen, die eine erhebliche Verbesserung des heutigen Zustandes über große Promenade und Frankfurter Strahe bedeuten wird. Die in der Stadt infolge der wirtschaftlichen Aotlage der Industrie vorhandenen Arbeitslosen erhalten durch die geplanten Wegebauten eine dankenswerte Arbeitsgelegenheit, die sie im kommenden Winter mancher Sorge entheben dürfte. — Aeben ihrer stets auf technischer Höhe stehenden Freiwilligen Feuerwehr ist dec Stolz der Wetzlarer Bürgerschaft eine ebenso gut geschulte Freiwillige Sanitätskolonne. Das zeigte sich wieder am Sonntag bei der dies-, jährigen Hauptübung in der früheren Turnhalle des Seminars. In Anwesenheit des Landrats Dr. Sartorius, Bürgermeisters Dr. Kühn, vieler Vertreter der Vürgerschaft und sonstiger geladener Gäste gingen die Vorführungen unter Leitung des Inspekteurs Dr. Braun und von Dr. Sardemann von statten. Was hier von der Kolonne vorgeführt wurde, war von einer solchen Vielseitigkeit und zeugten von einer so hohen Stuse der Ausbildung, daß immer wieder nur ein Wort des Lobes zu hören war. Worte herzlichster Anerkennung und des Dankes für die geleistete Arbeit fand dann auch am Schluß der Hebung Dr. Braun. Anschließend hieran fand dann durch Stadtrat Winkelmann die Hebergabe des von der Stadt neu beschafften Sanitätskraftwagens statt, die dec Genannte mit Worten der Anerkennung und mit Wünschen lür das weitere Blühen der Sanitäts- kolonne verband. In einer Aachversammlung auf der „Schönen Aussicht" feierte Landrat Dr. Sartorius in längerer Ansprache die Verdienste des Sanitäters in Krieg und Frieden. Anschließend fand eine Ehrung alter verdienter Mitglieder statt. Ein von dem Kolonnenführer erstatteter Tätigkeitsbericht über das vergangene Jahr gqj) Zeugnis von her überaus vielseitigen und umfangreichen Tätigkeit der Kolonne Kum Segen der Wetzlarer Bürger» schäft. Möge sie auf ihrer erfolgreichen Bühn auch weiter fortschreiten, herzlicher Dank ist ihr gewiß. L ] Wetzlar, 29. Okt. Das in Aussicht stehende Reich sschulgefeh und das Konkordat beschäftigen die Gemüter auch in unferm Bezirk auf das stärkste. Das zeigte sich auch gestern in einer vom^ vangelifchen Reichs» eiternbund veranstalteten evangelischen S ch u l t a g u n g , die von vormbttaas 9 Hhr bis in die Abendstunden im Saale oeS „Grünen Laub" stattfand. Hm der Lehrerschaft die Teilnahme zu ermöglichen, war ein schulfreier Tag eingelegt worden. Der Besuch der Tagung durch Lehrer und Pfarrer aus Stadt und Kreis war denn auch ein ganz erheblicher; die Raume erwiesen sich als zu klein, und mancher Kinderfreund mußte wieder umkehren. Vorträge hielten Lic. Dr. Schmidt, Bonn, über das Thema „Die religiöse Krisis der Gegenwart", Studien- rat Heien brock, Berlin, über „Die cr- ziehungswissenschaftlichen Gegenwartsfragen des Protestantismus", Sanitätsrat Heienbrock über die Frage „Wo fällt die Entscheidung im Schulkampf" und Geschäftsführer Pfarrer L e n z, - Mors, über das Thema „Was können die evangelischen Eltern fordern im kommenden Kamps um das Reichsschulgesetz". Letzterer Vortrag, der am Rachmittag stattfand, war besonders auch für die Eltern und Erzieher vorgesehen. Sämtliche Vorträge, deren teilweise glänzender Inhalt bei den Zuhörern einen großen Eindruck hinterlieh, wurden mit stärkstem Beifall ausgenommen. In der Aachmittagsaussprache, von der reichlich Gebrauch gemacht wurde, kamen alle Richtungen zu Wort, Gegner wurden von den Referenten glänzend abgefertigt. Alles in allem bedeutet die Tagung einen starken Er folg für die christliche evangelische Volksschule, und ihre Veranstalter können mit ihr in jeder Weise zufrieden sein. — Am kommenden Freitag veranstaltet der Deutsche Lehrerverein. Kreisgruppe Wetzlar, ebenfalls eine öffentliche Kundgebung im „Schühengarten", in der Referent Lange, Köln, „Gegen die Zerschlagung der staatlichen Volksschule durch den Reichsschulgesehentwurf'.' sprechen wird. Herr Länge ist, soviel wir wissen, ein Freund der weltlichen Schule. — Eine weitere „W ahlkreisschultagung" veranstaltet die Deutsche D o l k s p a r 1 e i für den Wahlkreis Hessen-Aaffau am kommenden Sams- tagnachmittag in Gießen im Hotel Schütz. Hier wird der Landtagsabgeordnete Schulrat Schwarzhaupt über das Thema sprechen „Wichtige Gegenwartsfragen der Schulpolitik (Grundschule, Lehrerbildung, Reichsschulgesctz, Der gefesselte Strom. Roman von Hermann (Stegemann. 50. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Als Ruth ins Laboratorium trat, schlug Engelhardt schnell die Truhe zu, aber es war zu spät, um seiner Tochter zu verbergen, daß er feine chirurgischen Instrumente betrachtet hatte, die hier wohlverwahrt lagen. Sic gingen zu Tisch. Da stand neben den Dahlien plötzlich ein Rosenstrauch von fremder Art. „Wo kommt denn dos her, Joseph?" fragte Engelhardt. „Will die Gräfin Schreck von Rheinau da unten von uns Abschied nehmen?" Ruth War ans Geländer getreten und blickte auf den Anger, wo die steinerne Frau in den Heckenrosen stand. Die Wasjerpsortc war mit Brettern zu- acschlagen, uni die Italiener, die Hotz schon mit feinem alten Gewehr hatte bedrohen muffen, nicht mehr in Versuchung zu führen. „Nein, Herr Dokror, die hat anderes zu tun, feit hier die Tschinggen*) regieren, diese Amfelfresser und Messerstecher!" Er warf einen verächtlichen Blick auf die Barackenstadt, die von lautem Lärm widerhallte. Bunte Wäsche flog an den Leinen, kleine Lokomotiven pufften die kicsbelodenen Kippkarren den Berg hinauf, weithin glänzte der Strand nackt und kahl, Stämme und Kronen von niedergeschlagenen Dbftbäumen und Erlen laaen wie Tote auf Haufen geworfen und reckten die Arme in die Luft. Ein roter Ziegelbcm leuchtete, wie mit Blut bestrichen, in der Sonne. Das war das Bureau der Ingenieure. Es wimmelte von Arbeitern. Das Scharren ihrer Schaufeln, das Rollen der Feldbahn und das Kling- Klang eines Meißels, der irgendwo ins Steinbett getrieben wurde, schwollen zu einer eigenen Melodie, die längst alle Grillen übertönte. Nur der Lauffen rauschte noch unbekümmert in der Felsen- enge und schleuderte seine Regenbogendünste in den klaren Tag. Schweigend legte Eugelhart .Xnlanbcre Karte, die in den Rosen gesteckt hatte, auf Ruths Teller. Sie kam aus Berlin. Der Tag der Abreise von St. ;) Spottwort für Italiener. Joseph war ihm aus einer Mitteilung Engelhardts bekannt gewesen. Ruth spielte damit; plötzlich hielt sic ein Häuflein weißer Papierschnitzel in den Händen und, ans Geländer tretend, streute sie sic langsam in die Schattenwildnis des Grabangers. Aber den Strauß nahm sie mit in den Wagen.' Fest umschloß sie die kühlen Stiele. Wo die Feldbahn die Straße schnitt, muhten sic warten. Kräftig gebremst kam ein leerer Materialzug dic Höhe herab. Die Eisenkarren stießen sich wie gierige Hunde im Herabjagen. Die Räder schrien. Auf dem letzten Wagen stand Hanns Ingold neben dem Italiener, der die Bremse bediente. Einen Augenblick zitterten Ruths Lippen. Sie sah ihn kurz herüberblicken, die Hand an dic Mütze legen und mit dem Zug zwischen den Bäumen verschwinden. Beim Verlassen des Breaks fielen die Rosen in ganzen Büscheln, wie von nervösen Fingern zerpflückt, aus iyrem Schoß, Engelhardt sand sich am Bahnhof kaum zurecht. Schon waren zwei neue Vorschubgeleise gebaut, zogen sich Güterhallen an der Linie hin, wuchsen dic Grundmauern eines Bahnhofhotels aus der braunen 'Ackererde. Ruth sah alles mit einem leeren Blick. Noch einmal war dic Vergangenheit zu ihr zurückgekehrt und hatte sie nach den tagen eifriger Arbeit gerade in ihrer schwächsten Stunde überrascht. Als sie von ihrer Heimat Abschied nahm! Sie sah die Heimat nie mehr wieder, wie sie war. Aber vielleicht war es gut so. Gut, daß das alte Bild vertilgt wurde. Wenn sie im nächsten Frühling wiederkehrten, war das Werk im Bau. Sie fürchtete sich vor dieser Wiederkehr und sehnte sie doch herbei. Der Winter kam früh ins Land und währte lang. Sie lebten sich rasch ein in der heiteren und anmutigen Stadt, und selbst Engelhardt brachte es fertig, die Zeil lotzuschlagen. (Er sagte zwar, er müsse jeden Tag für sich besonders und jeden Sonntag zweimal erschlagen, aber wenn er auch keine Ruhe fand und m gesteigerter Menschenscheu allen Bekanntschaften auswich, so ging die lleberrointcrung doch besser üonftntten, als Ruth gefürchtet hatte. Sie selbst erlebte an sich, wie wohltätig cs ist, nach großen Erschütterungen den Ort zu wechseln. Dic stummen Zeugen ihrer Leiden standen nicht mehr um sie her, rascher, als sie geglaubt hatte, wich die Vergangenheit in imereichbarc Ferne zurück, und schon konnte sie beim Zurückschauen die Blicke darauf ruhen lassen, ohne Schmerzen zu empfinden. Sie nahm Anteil an dem Leben, das sic umspülte'und trug, besuchte das Theater und die Konzerte und spürte, wie ihre Lust am Dasein wieder die Schwingen regte. Stur,3 vor Weihnachten schrieb Hermann Ingold aus Waldshut, daß er nach einer mehrwöchigen Probezeit in die Prima des Gymnasiums ausgenommen worden sei und hoffe, in einem Jahr die Reifeprüfung abzulegen. „Ich weiß nicht, ob ich Ihnen das noch mitteilen darf und ob es Interesse für Sie hat. Aber ich muß es doch jemand sagen und bin Ihnen so treu ergeben wie immer. Mein Vater ist sehr alt geworden, aber er hält sich wieder aufrecht und nimmt keine Notiz von dem, was um ihn her vorgeht. Sicher wirft er im Frühjahr wieder das Netz. Ich glaube, er kann sich gar nicht vorstellen, daß sie wirklich an dem Lauffen rühren. Sie bauen jetzt eine Notbrücke bei St. Josephs Acker. Der Rhein selbst ist noch, wie er war. Ich möchte am liebsten Geologe werden, Fräulein Ruth. (Geologe, nicht Theologe, bitte nicht verwechseln!)" Ruth las den Brief mit beruhigtem Herzen und lächelte gerührt. „Ein Prackstbursch," murmelte Engelhardt, als er Ruth den Brief zurückgab. Er wollte noch etwas jagen, unterdrückte jedoch den Vergleich, den er zwischen den beiden Brüdern angestellt hatte, zur rechten Zeit und schwieg. Aber einen herzlosen Egoisten nannte er Hanns Ingold im stillen trotzdem. In der kleinen Pension an der Salzstraße, wo sic wohnten, wurde das Weihnachtsfest unter einem gemeinsamen Ehristbaum gefeiert. Ruth hatte aber selbst noch ein fußhohes Tännchen besorgt, ein halbes Dutzend Kerzen darangesteckt, ein paar Pfeffernüsse, rote Aepfel und kleine Freiburger Brezeln darangehängt und eine Kiste guter Zigarren darunter gestellt. Es schneite seit zwei Stunden, die Stadt war schon ganz weiß. Engelhardt war bei Tisch und angesichts des großen allgemeinen Christbaums noch wortkarger und unliebenswürdigcr gewesen als sonst. „Komm, Ruth, wir gehen Weihnachten im Schnee feiern," sagte er beim Stuhlrückcn und lief nach Mantel und Mütze. Im ersten Augenblick reute Ruth das Bäumchen, das in ihrem Zimmer wartete, bann lockte auch sic die Weihnachtsjtimmuna in den verschneiten Gassen. Schweifend stapften sie durch den «schnee. Es mar ganz still in der Stadt. Dic Klingeln der elektrischen Bahn tönten wie Weihnachtsglöckchen. Weich fielen die Flocken. „Ja, Mädel, nun rückt cs," sagte er auf einmal ganz laut. Sie wußte nicht, was er wollte, fragte aber nicht weiter. Wie die Flocken fielen uni) der Schnee sich häufte, war es ihr, als sänke hinter ihr dic Ge schichte ihrer Liebe ins Wesenlose. Vor her Haustür hielt sie den Vater zurück und ging voraus, um die Kerzen anzuzünben. Nun ftanben sie beide vor den Lichtern, die zwischen fremden Möbeln unruhig züngelten, als fühlten sie sich hier nicht zu Hause. Und beide überkam die Sehnsucht nach St. Joseph. „Du, Mädel, da ist noch etwas für dich gekommen." Er holte aus der Rocktasche einen großen Briefumschlag, zog daraus einen kleineren und übergab ihr diesen. Umständlich setzte er bann an bem ober ften Licht eine Zigarre in Branb und versengte sich babei den Bart. Ruth wog den Brief unschlüssig in der Hand und starrte in die Kerzen, die sich in ihren Blicken verhundertfachten. Da ging Dr. Engelhardt mit starken Schritten in sein Schlafzimmer hinüber. Ruth las Gerhart Tylanbers Brief. Er war nicht lang, begann mit einem Weill- nachts- und Neujahrswunsch, sprach von der Entwicklung, die bas Geschäft in diesem Jahre genommen habe, von der Notwendigkeit, die ihn im März nach Rheinau führe, wo dann die Arbeiten im großen Stil einsetzen würden, und von seiner Hoffnung und seiner Freude, Ruth wiederzufehen. (Fortsetzung folgt.) Mäntel, Kostüme, Kleider in vorteilhaften Preislagen Unsere Auswahl für den Winter ist jetzt besonders groß. Alle Größen auch für die starke Dame sind stets am Lager. Maßanfertigung in kürzester Zeit Die Hauptpreislagen von Mäntel, Kostüme, Kleider sind Mk. 39.- 45.— 58.- 65.— 79.— 89.- 98.- 115.— 135.— u.s.w. darunter Mäntel ganz auf Seide mit reichen echten Pelzbesätzen. Wagener K Schlöte! 5« l"n • fft1 ®e 6eL ]926 aus bcsch ft0® *"■ .«ui bauten 3U § ebenso der Sillen! abschüssigen, l' scheid und einer Mar auf. «« l vernichtet. D Flammen zun ist auf stark' zuführen. Saiger Krasiwagenfu! dorfer De ein Opfer ge' einer Kölner den Derg he> araphenm beiden Jnsajs( gen. Währe' brüchen und Krankenhaus der andere, 6 aufzuweisen verbänden na Franks» W6A. 5 heutige Polize blutige §r Allee folgen? kurz vor 4' ' Dr. Ernst Se Haus in der 1 um in die 61 der Königsva stur von der mine Fless dem Erschossen aus dem Hi zu der Tat scheint aber ii fein. Die Mo Tatort cr/d)ien, der in &ift i kam ins Heilig, We ich 2 Gi ins bei Uhr NAHt ausgepumpt wurde. Darauf wurde sie ms Stadt Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr für sie besteht nicht mehr. Irgendein Geständnis oder Aeuherung zu der Tal hat sie nach nicht getan. Soweit bis jetzt festgestellt wurde, hat die Flessa Dr. Seitz schon seit längerer Zeit verfolgt und ihm auch Drohbriefe geschrieben. Zeugen dafür haben sich bereit- gemeldet. — Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ist der Arbeitsbeginn in den hiesig en Bäckereien und Konditoreien wieder auf 5 Uhr vormittags festgesetzt worden. WSN. Frankfurt o. M., 29. Oft. Die seit einiger Zeit in Betrieb befindliche Frankfurter Autobuslinie soll einen weiteren 'Ausbau erfahren. Im Dezember soll eine zweite Linie mit sechs Wagen eröffnet werden, Ende Februar eine dritte Linie für den Dorortverkehr. Ferne» wird eine Auloverbindung mit Höchst. Fechenheim und Gries- heim geplant. Oberursel. 29. Ott. (WEN.) Hier wurde kürzlich im Klosett einer Wirtschaft die Leiche eines neugeborenen Knaben gefunden. Als Mutter kommt eine etwa 24jährige Frau in Frage, die in Begleitung eines etwa 22jähri- gen Mannes war, der Mantel mit Gürtel und Mühe trug. Sachdienliche Mitteilungen werden nach Zimmer 451 des Frankfurter Polizeipräsidiums erbeten. Streik Fulda. WSN. Fulda. 29. Ott. Oberbürgermeister Dr. Antoni teilte in der heutigen Stadtverordnetensitzung mit, dah eine Firma bei der stödti - scheu Sparkasse erheblich ihr Konto überschritten haben. Wie verlautet, soll es sich um die in Konkurs geratene Branntweinbrennerei „R h ö n d e st i l l e r i e" in Fulda handeln. Ein dreigliedriger Ausschuß wird demnächst eine Revision der Sparkasse vornehmen. —-- . j Kirche und Schule. X Wieseck, 29. Oft. Das bevorstehende Reformationsfest bringt unserer evangelischen Gemeinde die Erfüllung eines langgehegten Wunsches, da sich ihr die Kirche nach einer grüttdlichen Wiederherstellung im Innern und Aeußeren an diesem Tage wieder öffnet. Die Arbeiten wuchsen, als man besonders -am Turm und Dach auf große Schäden stieß, von denen man vorher keine Aynung hatte. Einmütig war aber der Kirchen- Vorstand mit der Kreisbauverwaltung der Meinung. Sah hier nicht gequacksalbert, sondern gründlich geheilt werden müsse. Bei dem Suchen noch alter Bemalung wurden keine großen Gemälde gefunden, wohl aber Ornamente von solcher Schönheit und Freudigkeit, dah sie die Geschlechter beschämen, die sie ohne Sinn für ihre Gröhe einfach zugeschmiert haben. Die gemachten Funde aus den Jahren 1400 (Hhor), 1620 (Schiff) und 1769 (Triumphbogen) hat Kirchenmaler Belte mit gewohnter Hingebung an die Sache neu erstehen lassen. Zu drn hierdurch erwachsenen Kosten wurde aus den dem Staat für die Zwecke der Denkmalpflege zur Der- fügung stehenden Mitteln ein Zuschuh erbeten. Was nun, dank auch freudiger Mitarbeit des einheimischen Handwerks, au- unserer Dorfkirche geworden ist, das mögen ihre Besucher, in der nächsten Zeit selbst beurteilen. Die Besichtigung ist von Sonntag ab gestattet. «iniui u «i i n9 . 'I Wß r-M WO -KW äSs I KM« Miestn th« 1 ?. von vovM??-^Ulch^ i «Mfcr; S$,ie Mkhcen TW, MS- WL einen Jben mit ftätfcn Mr Ä wurde, k2 Gegner wurden br Mb abgcfcrtigL M ü.gunfl einen siarkenSr i'fUch« evangelG > ihre Deranstaiter M. nsc zufrieden fein. - wanftaltet der Deuts in "lsgruppeDeSlai ntliche Kundgebung in brr Äeserent Lanze erschiazung der staatliche: m Echsschulzesetzenttvutt Ange ist, soviel wir millt- Wr Schule. - Eine twi- schuitagung" Deranftal- Dolkspartei für ic assau am kommenden )iehen im Hotel ndlagsabgevrdnete ftfoilrii über das Thema spick 18fragen der Schul.- cbildung, Aeichsschrr:: Konkordat-". Auch diese Tagung dürfte von auherordentlicher Bedeutung für Eltern und Lehrer sein. * Launsbach, 29. Oft. Der hiesige Arbeiter-Gesangverein „Liedertafel" blickt 1926 auf sein SOjähriges Bestehen zurück. In einer auherordentlichen Generalversammlung beschloß der Verein, das Jubiläum am 5., 6. und 7. Juni 1926 in würdiger Weile zu begehen. Kreis Marburg. ]| Marburg, 28. Ott. In dem nur eine Stunde nordöstlich unserer Stadt bei dem Dorfe Michelbach gelegenen ehemaligen Deutschordenshose Görzhausen brach gestern abend gegen 9 Uhr Großfeuer aus, das sich in den umfangreichen Gebäulichkeiten rasch verbreitete. Den alsbald ein- treffenden Feuerwehren von Marburg und den umliegenden Ortschaften gelang es nach schwerem Bemühen, das Wohnhaus nebst den angrenzenden Gebäuden zu retten. Eine große, mit ungedroschenem Getreide gefüllte Scheune, das Brennerei- g e b ä u d e , das Gebälk großer Stallungen ufw. ging mit vielen Vorräten in Flammen auf, ebenso der Dreschwagen. Das Vieh wurde ins Freie getrieben. Der Schaden ist bedeutend. Die Entstehung des Feuers ist nicht bekannt. Dillkreis. Dillenburg, 29. Olt. (WSW) Auf der abschüssigen, kurvenreichen Straße zwischen Breitscheid und Schönebach ging ein Kraftwagen einer-Margarinesabrik in Slam men auf. Der Wagen wurde bis yuf das Gerüst vernichtet. Drei Zentner Margarine fielen den Flammen zum Opfer. Die Ursache des Brandes ist auf starkes Anziehen der Bremse zurück- zuführen. Haiger, 29. Olt. (WSR.I Der von den Kraftwagenführern sehr gefürchtete Allen - dorfer Berg hat heute vormittag abermals ein Opfer gefordert. Der Lastkraftwagen einer Kölner Firma kam in rasendem Tempo den Berg herab, fuhr gegen einen Tele - graphenmast und überschlug sich. Die beiden Insassen erlitten schwere Verletzungen. Während der eine mit mehreren Rippenbrüchen und schweren inneren Verletzungen im Krankenhaus in Haiger darniederliegt, konnte der andere, der mehrere Arm- und Beinbrüche aufzuweisen hat, nach Anlegung von Gips- verbänden nach Köln überführt werden. Frankfurt a. M. nnb Umgegend. WSR. Frankfurt a. M.. 29.' Oft. Der heutige Polizeibericht macht über das gestrige blutige Drama in der Wittelsbacher Allee folgende Feststellungen: Am 28. Oktober, kurz vor 41/_. Tlhr nachmittags, wurde der Arzt Dr. Ernst Seitz, als er im Begriffe stand, sein Haus in der Wittelsbacher Allee 4 zu verlassen, um in die Sprechstunde im Roten Kreuz an der Königswarterstraße zu gehen, im Hausflur von der Privatkrantenschwester Wilhelmine Flessa erschossen. Sie hat offenbar dem Erschossenen aufgelauert. Die Schüsse hat sie aus dem Hinterhalt abgegeben. Der Grund zu der Tat steht noch nicht einwandfrei fest, scheint aber in Eifersuchtsgründen zu suchen zu fein. Die Mordkommission, welche alsbald am Tatort erschien, konnte feststellen, daß die Mörderin Gift zu sich genommen hatte. Sie kam ins Heiliggeisthospital, wo ihr der Magen iei Tisch und angcsck- bt1 lhrislbaums noch tr.ifbw r gewesen als sonst. gehen 20etynatytn im Lchni etityiiiden unb lief N i mir Ruch das Jäumchro, waärir, dann ivckir auch na in drn vrrschnriiru Gch n sic durch drn Lchnre. Es v it. rir Wm der W chnachisMchen. Hoden. . rückt es,“ sagte er auf em vas er wollte, fragte M irt SÄ**»** *||W» na» »•a ist noch etwas für d'-h? einen 6em oh: »ntfS*** nüber. .. 11’Ianl'"5 mit ein» » n«, ‘fi,S * w® tjetzung^!^^^ d für Damen, Herren, Mädchen und Kinder Spangenschuhe Bei altbewährten Qualitäten billigst gestellte Preise W18D Günstige Gelegenheit für Geschenke jeden Standes, insbesondere für Vereine usto. Auch schon für das bevorstehende Weihnachts-Fest sehr zu empfehlen Kleine Strafkammer Metzlar. Q Wetzlar. 28. Oft. Wegen Fahrradle b st a h l s war der Walzmeistcr M. L. aus Wegen Umbau meinesLadensBahnhofstraßegewähre ich von heute ab auf alle Uhren, Gold- und Sifoerwaren 20 Prozent Rabatt Filz- und Kamelhaarschuhe Promenaden- und Leder-Gamaschen Elegante Stiefel Halb- und ■ Drucksachen aller M ftattung ItUrcin und^preirwert == dir Vrühl'sche Univrrsttätr-Vruckerei, R. Lange, Gießen, Schnlstr. 7 Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 31. Oktober: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis tz Uhr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters: Schlager. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde (für die reifere Jugend): Aus „Die rote Äoppel", eine Tiergeschichte von Svend Fleuron. 6.30 bis 7 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs: 22. Spe- zialvortraq: Herr Schwan: „Grundsätzliche Berech nungcn für Empfangsgeräte". 7 bis 7.30 Uhr: Funl Hochschule Frankfurt: „Goethes Weltanschauungs- aedichte", Vortragszyklus von Dozent Pfarrer Taeslcr — Vierter Abend: Goethes erotische Welt- anschauungsgedichte (Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere, Dauer im Wechsel, Die Well seele. Wiederfinden, Selige Sehnsucht, Marienbadcr Elegie). 7.30 bis 8 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung — Vortrag von Direktor W. Beckmann: „Schule und Bildung". 8 Uhr: lieber; tragung aus Berlin: „Iphigenie in Aulis", Oper in drei Akten von Gluck. Schuhhaus HsrbSft Gießen, Marktplatz 2 / neben der Engel-Apotheke _________________________________________________________________lli3!)~a Gsrichtsfaak. * Darmstadt, 29. Olt. Das Bezirks- schösse ngericht entlarvte den Ingenieur G. Dich, der aus Lorch stammt und jetzt in Reu-Isenburg wohnt, als einen eigenartigen Ordensschwindler. Er trat als Rittmeister d. R. auf mit dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse, sowie verschiedenen anderen Orden und wurde sogar Vorsitzendereines K r i e g e r v e r e i n s. Dies sollte zu Hochstapeleien dienen. Der Schwindel war ihm ermöglicht worden durch falsche Eintragungen in eine neue Stammrolle, weil die alte Dcrv baren gegangen war. Durch ehemalige Regt' mentsangehörige wurde festgestellt, daß Dietz es beim Militär nur zum ® cf reiten gebracht hatte. Das Urteil lautete auf 6 Wochen G e - f ä n g n i S und 100 Mark Geldstrafe ISie sparen Geld wenn Sie Ihre Mäntel Jacken [ Kleider I Röcke i Blusen und | Kinöer- I Konfektion | kaufen bei «Hh ! Bahnhofstr. 8. t 10396D Wetzlar vom Amtsgericht Wetzlar zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auf die Berufung des Angeklagten gegen dieses Urteil stand die Sache heute erneut zur Verhandlung. Rach der Beweisaufnahme schenkte das Gericht den Angaben de« Angeklagten keinen Glauben und sprach ihn der ihm zur Last gelegten Straftat schuldig. Es beurteilte aber die Sache milder als das erste Gericht und erkannte an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat auf 150 Mk. Geldstrafe unter Auferlegung der Kosten des Verfahrens. Wegen Milchverfälschung war der Milchhändler Sch. aus Wetzlar vom Amts- V Emil Otto Uhren-und Goldwarenhaus, Gießen, Bahnhofstraße49 Das Geheimnis unseres Erfolges beruht auf der betspielslosen, hervorragenden Qualität unserer Waren zu billigen Preisen. Dah ist der Grund, warum wir Familien schon über 50 Jahre bedienen, warum neue Kunden stets wiederkommen, warum unser Kundenkreis von Tag zu Tag zunimmt. Man soll über Erfolge nicht viel sprechen, aber in Ihrem Interesse . teilen wir Ihnen diese Tatsache mit, denn warum sollen nicht auch Sie die Vorteile genießen, die wir Ihnen bieten? Lmmericher Varen-Lxpedition Lindenplatz 1 :: Telephon 1257 Schöffengericht Gießen. e Gießen. 23. Oft Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Gustav H., die Wilhelmine H. und die Luise Gr., alle von Gießen, wegen Abtreibung verhandelt. Die H. wurde auf Grund des §51 StGB, frei- gesprochen, H. zu 8 Monaten ® cfäng- n i s abzüglich 6 Monate 2 Wochen Untersuchungshaft und die Gr. zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. geeicht Wetzlar mit 100 Mark Geld' strafe belegt worden, wogegen der Angeklagte und auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatten. Gelegentlich einer Milchrevision wurde fest gestellt, daß von der vom Angeklagten angebotenen Milch eine Kanne Milch um 10 Prozent verwässert war. Der Angeklagte bestritt jegliche Schuld und versuchte, die Schuld der festgestellten Verwässerung auf einen feiner Gehilfen abzuwälzen. Eine Zeugin sagte aus, daß die Schwiegermutter des Angeklagten einmal zu ihr geäußert habe, auf dem Geschäft des Angeklagten ruhe kein Segen, da er die Milch verwässere, was die ebenfalls als Zeugin gev ladene Schwiegermutter des Angeklagten jetzt zwar in Zweifel stellte: sie gab wohl die Möglichkeit einer solchen Aeußerung zu und wollte fic dann damals nur getan haben, weil zwischen ihr und dem Angeklagten ein gespanntes Vet> hältnis bestanden habe, auf keinen Fall sei aber eine derartige Behauptung wahr gewesen. Das Gericht erachtete als festgestellt, daß nur der Angeklagte die Derwässerung der Milch vorgenommen Haven lann. und beließ es bei der in erster Instanz erkannten Geldstrafe mit dem Hinzufügen, daß die Verurteilung im Wetzlarer Anzeiger auf Kosten des Angeklagten erfolgen solle. Frankfurter Kochkunstausstellung. Die Veranstaltung entwickelt sich täglich mehr zu einem ungewöhnlichen Erfolg, den bei einer Besichtigung am Dienstag auch der preußische Innenminister S e d c r i n g anerkannte. Die gastronomischen Leistungen bewegen sich durchweg auf hoher Stufe; von Gießen ist der Inhaber der Bahnhofswirtschaft E r n ft Niemann mit seinem Küchenchef Gg. Haaser mit hervorragenden Arbeiten aus den Gebieten der feinen Küche vertreten. Die im Haus der Moden (Messegebäude) auf langen Schautafeln arrangierten Darbietungen der großen deutschen Hotels, der bekannten Häuser der Kurorte, der Frankfurter Hotels und Restaurationen zeigen in unerschöpflichem Reichtum der Form und hochwertiger Materialverarbeitung neue Grundsätze der Gastronomie. Einzelne Arbeiten bereiten ein direktes ästhetisches Vergnügen, fast alle bewegen sich auf künstlerischer Höhe. Daß die deutsche Kochkunst heute den Beifall Brillat-Savarins, des großen Kultur- bistorikers der französischen Küche, finden würde, steht nach dem Urteil der aus den Koryphäen der deutschen Hoteliers zusammengesetzten Jury fest. Für das große Publikum von besonderem Interesse Ist die Schaustellung des Frankfurter Zoo-Restau- rateurs Emil Goll. Er zeigt in 110 Rezepten die Verwendung der Kartoffel. „Da staunt der Fach- mann und der Laie wundert sich." Auch der Humor kommt zu seinem Recht: man sieht einen Berg von Sauerkraut, aus dem allerhand Schweinernes hervorkommt, Ferkelgespann und allerhand komische Intermezzi appetitlichster Art. Auch die Kranken- haus-, die Diät- und die soziale Küche werden de. monftriert. Eine Schau über das europäische Backwerk findet viel Beachtung. Die Literatur ist reich vertreten, ebenso natürlich auch die gesamte Industrie und Wirtschaft des Hotel- und Restaurationswesens, sowie der praktischen Küche unb Haushaltung. 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D. oberschr SporivereinScho Im Endspi Mdda auf den - sportverein Standund ligo in Die Tabell eigentümliche schusses: „Das Fulda 2:1 ist f> der Plahmarki^ Plahmarlimmg sein, die einwan les zu unterbind fdjtm ziemlich frt eine hat der 2 werden in M größter Sorgfalt fingen das varr ist eben Perfönli cs einen Dmilt russia-Fulda rück anderen germgfü stehende Tabckle: Kurheflen Kaf Sport Kassel Borussia Fuld . 05 Göttingen Spieü). KM Hellen 09 Xaffi 6.6.03 falJel E.H. Götkinge Marburger 6p.1 6. 2g. tynrnZ Ära $. 6. ( er 6. L l1 ' Kurhessen Marb Osterot« lZur Bervollstän! durch die Bereit D.f.B. ausgeschie betten nach wie Kommenden ( Ful 6. 2g. Münden- ©ottingen werde: Fußball-L Ilowakei ^2or etwa 30 ( hie fiör WflM und Jugoflc W Hot W »L in"6,,:6-1 S.^lionjcah fünfen vorm i f«heute Lof und A^?ustrj Jec Fg'??vvn > »Wettest n der näck'i ünn folgen Men 3( Werben _ 18386a eidung löge itel en eidung ppen äntel osen ■■lllllllllllllll । Rebstock Es ladet em SantstyflM «chl- iSuppt Samstag und Sonntag SOG i M. Nr. 255 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Zreltag, 30. Gttober (925 Turnen, Sport und Spiel. Spiele getv. Verl. Tore Punkte Dittoria Nidda Aenderungen zeigt nach- 18 Spiele 31 Punkte die Durch die Vereinigung dem Marburger CB. f. B. ausgeschiedenen Kurhessen eingefügt. Sie werden nach wie vor amtlich in der Tabelle slowakei Jugoslawen 7:0 4 4 4 4 2 0 D. f. D. Oberschmitten Sportverein Schotten 18:3 12:6 4:15 0 2 4 8 4 0 19 19 21 20 18 18 19 18 20 20 19 26 21 der mit Dor etwa 30 000 Zuschauern standen sich am Mittwoch die Ländermannschaften der Tschechoslowakei und Jugoslawien auf dem Slawiaplatz in weitergesührt.) Kommenden Sonntag starten: Kurhessen Kass' el—Borussia Fulda. Sport Kassel—Giehen 1900. S. Dg. Münden—S. Bg. Göttingen. Kassel und Göttingen werden Sieger bleiben. rsuhball - Länderspiel Tschecho- -mderen geringfügigen liehen de Tabelle: Kurhessen Kassel Sport Kassel Borussia Fulda 05 Göttingen Spielv. Kassel Hessen 09 Kassel S. S 03 Kassel 3m Endspiel um die Gaumeisterschaft stöbt Nidda auf den Meister des 1. Bezirks, Polizei- sportverein Friedberg. Stand und Vorschau der Bezirksliga in Hessen-Hannover. Die Tabelle ändert sich zunächst durch die eigentümliche Entscheidung des techn. Bezirksausschusses: „Das Spiel 05 Göttingen—Borussia Fulda 2:1 ist für Göttingen infolge unzureichender Platzmarkierung verloren." Unzureichende Plahmarlierung kann selbstverständlich ein Grund lein, die einwandfreie Durchführung eines Spieles zu unterbinden, doch dann mühten die Linien schon ziemlich kreuz und quer gezogen sein. Das eine hat der Ausschuß erreicht: Die Vereine Verden in Zukunft ihre Plahmarkierung mit größter Sorgfalt vornehmen. Dah gerade 05 Göt- lingen das warnende Beispiel abgeben mußte, 'ist eben persönliches Pech. 3m übrigen trifft • 30 , . 26 . . 26 „ „ 25 „ . 24 . . 21 „ » 19 . . 18 , , 16 „ „ 14 , , 10 . D 9 , , 7 „ Tabelle sind Die FuhballverbandLrunde im 2. Bezirk des Taunus-Gaues im Süddeutschen Fuhball-Derband. c. Mit dem Spiel Nidda — Schotten (3:1) am Sonntag fanden die Derbandsspiele des 2. D^irks im Taunusgau (Nidda-Schotten) ihren Abschluß. Ursprünglich nahmen fünf Vereine, „Viktoria" Nidda, Sportverein Schotten, D. f. B. Oberschmitten, „Vorwärts" Echzell und „Viktoria" Eichelsdorf, an den Pflichtspielen der S-Klasse teil. 3nfolge verschiedener Umstände, namentlich mangels Unterstützung, traten Echzell und Eichelsdorf von den Spielen zurück, so dah in dem an und für sich kleinen Bezirk nur drei Bewerber um die Bezirksmeisterschaft antraten. Seit 3ahren stellt Nidda schon eine gute Mannschaft, die sich auch in dieser Spiel- runde vollauf behauptete und alle Spiele gewonnen hat, somit auch dktz B ez i r ks m e ister- s chaf t. An zweiter Stelle kommt V. f. D. 06er- S chm i tten, der Schotten im Vor- und Nachspiel einwandfrei schlagen konnte. Schotten, daS eine recht eifrige und ansprechende Mannschaft stellt, konnte nie als Sieger das Spielfeld verlassen und beschloß ohne jeden Punkt die erste Spielrunde im neuen Verband. Die Tabelle hat folgenden Stand: S. Da. Döttingen Marburger Sp. Da. S. Dg. Hann.-Münden Wetzlarer F C. 05 " Gießener 6. C. 1900 - Kurhessen Marburg Osterode (Zur Vervollständigung Prag gegenüber. Das Spiel ergab den erwarteten Sieg der Tschechen, wenngleich man die tatsächliche Ueberlegenheit nicht so hoch angenommen hatte. Schon beim Wechsel führten die Einheimischen 5:0, und sie hätten diese Torziffer leicht verdoppeln können, begnügten sich aber mit einem 7:0 Sieg. Am Schluß gab es einen wahren Beifallssturm für die Nationalmannschaft. Lporlvocschau für Sonntag, 1. November. Da der Reformationstag in verschiedenen Ländern als Feiertag gilt, finden auch schon am Samstag, 31. Oktober, mehrfach größere Sportveranstaltungen statt, insbesondere in Sachsen. Rasensport. Dresden trägt zwei Städtespiele aus, gegen Leipzig und Plauen (31. Oktober); Städtespiel Chemnitz—Stettin in Chemnitz (31. Oktober). — Landesverband Norddeutschland—Westdeutschland in Hamburg (1. November). — Städtehandball- spiel Dresden—Berlin in Berlin (1. November). — Sonst finden im Fußball, Handball und Hockey nur die üblichen Punkt, und Freundschaftsspiele statt. Turnen. Dereinswettkampf im Kunstturnen zwischen Nürnberg, Frankfurt, Hannover und Kassel in Kassel. Schwimmen. Berbandsoffenes Wettschwimmen des Neuen S. D- Breslau; Berbandsoffenes des Berliner S. C. Delphin; Jubiläums-Wettschwimmen des S. V. Eisenach. Boxen. Boxkampfabend in Frankfurta. M. (31. Oktober); Internationale Boxkämpfe in Gelsenkirchen: Samson-Körner—Frank Rose (31. Oktober); Hay- mann—Grimm (2. November) in Leipzig. Fechten. Mannschafts-Säbelfechten um den „Großen Sachsen-Wanderpreis" in Leipzig. Reit- und Turniersport. Großes Reit- und Fahrturnier in Berlin. Sport[piegel. Für die deutschen Winterkampfspiele in Garmisch-Partenkirchen ist folgendes Programm festgelegt worden: 12. Februar Großer Langlauf über 16 bis 18 Km.: 13. Februar Staffelmeister schäft über ca. 40 Km., Damenlauf, Ausscheidungsspringen; 14. Februar Großer Sprunglauf an der Kochelbergschanze. Zahlreiche Vereine des Deutschen Stiuer- b a ndes haben sich entschlossen, ihre Vereinshütten sämtlichen Mitgliedern des D. S. D. zugänglich zu machen. Der 5. Reichswehr-Marathonlauf wurde bei seiner Austragung in Langen - salza von Wanderer, Potsdam, in 2:50:52 gewonnen. Den Länderkampf im Ringen De ft erreich—Ungarn gewann Ungarn mit 25:11 P. Den Tennis-Länderkampf Deutschland-Schweden gewann Schweden mit 3:2 Punkten. Del den Leipziger Radrennen wurde im Gesamtergebnis des Dauerrennens über 100 Kilometer (in zwei Läufen zu 40 und 60 Kilometer Sieger der Holländer Dickentmann 99,850 Kilometer vor Feja, Breslau, 97,980 Kilometer; Wegmann (Schweiz) 97,880 Kilometer; 3unghans, Chemnitz, 94,070 Kilometer und Rommel, Leipzig, aufgegeben Bei der Kilometerrekordfahrt des Gaues VII a des A. D. A. C. erzielte der BMW.- Fahrer Werner eine Stundengeschwindigkeit von 135,3 Kilometer. * Eine von englischer Seite aufgestellte lieber- sicht über die Beteiligung de» verschiedenen Staaten am Weltflugverkehr besagt, daß Deutschland mit 17 im Betrieb befindlichen Flugstrecken anderSpitze steht, vor Frankreich mit 13, England mit 5 und den U. S. A. mit 2 ständigen Luftverkehrslinien. Wirtschaft. * DieamilicheGroßhandelszifser. Die auf den Stichtag des 28. Oktober berechnete Srohhandelsindexziffer des Statistischen Reichs» ocmtes ist gegenüber den: Stand vom 21. Oktober (123,3) um 0.6 Proz. auf 122,5 zurückgegangen. * D I e Fusionsverträge in der chemischen Großindustrie. Wie die Badische Dnilin- und Sodafabrik mitteilt, hat der Auf- srichtsrat in seiner gestrigen Sitzung den Abschluß wan Fusionsverträgen mit den Firmen Farbenfabriken vorm. Fr. Beyer in Leverkusen, Höchster Farbwerke vorm. Meister, Brüning & Lucius, Höchst a. M., A.-G. für Anilinfabrikation, Berlin, Chemische Fabrik Griesheim Elektron, Frankfurt a. M., Chemische Fabriken vorm. Weiler btt Mer, Aerdingen a. Rh., sowie den dadurch bedingten Kapitabserhöhungen, Statutenänderung »m und sonstigen Anträgen zugestimmt. * Zum Lohnkampf in der chemi- sHen 3 n d u st r i e. Die Zahl der Streikenden wirb Ausgefperrten in der chemischen und Gummi- Industrie beläuft sich zur Zeit in 26 Betrieben auf 15 413; davon entfallen allein auf die Höch- sSer Farbwerke in Höchst a. M. etwa 9000 Arbeiter. Es kann damit gerechnet werden, daß in der nächsten Zeit weitere Aussperrungen erfolgen, wodurch die Zahl auf etwa 26 000 ftei» g cn dürfte. * Deutsche Dunlop-Gummi-Comp-, T.-G., Hanau. Die Dunlop-A.-G. hat infolge des Tussperrungsbeschlusses in der chemischen Industrie her gesamten Belegschaft gekündigt. Von der Aussperrung werden 1500 Mann betroffen. • Philipp H olzmann A. - G., Frankfurt a. M. Die Compania General de Ob ras Publicas in Buenos Aires, an der die Holzmann A.-G. in Frankfurt a. M. maßgebend beteiligt ist, hat den Auftrag auf die Gründungsarbeiten für ein neues großes Kraftwerk in Buenos Aires erhalten. Das Objekt soll sich vorläufig auf 11 Millionen Goldmark belaufen. * A.-G. für Automobilbau (Aga), Ser« l i n. Wie der D. H. D. erfährt, hat das Reichswirtschaftsministerium seine Intervention in der Aga- Angelegenheit versagt. Auch kommt ein Kredit von feiten der Reichskreditgesellschaft nicht mehr in Betracht. Die Verhandlungen mit den Banken zwecks Sanierung der Aga haben ebenfalls noch zu keinem Ergebnis geführt, jedoch hat Dr. Edm. S t i n n e s sich zu weitestem Entgegenkommen bereit erklärt, da es ihm nur auf die Befriedigung der Gläubiger anfommt, und sein Aktienpaket zur Verfügung gestellt. Durch die Geschäftsaufsicht ist erreicht worden, daß das gesamte Vermögen der Aga-Dinos-Bugatti dem Zugriff der Gläubiger unterliegt. Auch haben sich die Verhältnisse inzwischen so geklärt, daß mit einem schnellen Verlauf eines evt. Konkursverfahrens gerechnet werden kann. Hinsichtlich des Aktiengeschenkes an die Arbeiterschaft des Unternehmens dürste mit Schwierigkeiten nicht zu rechnen fein, da man der Ansicht ist, die Angelegenheit durch Errichtung eines Unterstützungsfonds leicht aus der Welt zu schaffen. Nachdem der Bericht der Treuhänder einen durchaus aktiven Status und die Rentabilität des Unternehmens ergeben fjat, hofft die Geschäftsaufsicht noch immer, daß, wenn die Gläu- bigerfrfjaft durch langfristige Stundungen den Wiederaufbau^ des Werkes unterstützt, auch die Banken mit Rücksicht auf das Entgegenkommen von Dr. Stinnes sich bewogen fühlen, zur Sanierung des Unternehmens beizutragen. • A us la n da n 1 eih e der Stadt Ful- d a. Die Stadtverordnetenversammlung von Fulda stimmte der Aufnahme einer Ausland- anlcihe in Höhe von 1,25 Mill. Reichsmark zum Ausbau der Gas- und Wasserwerke und der Kanalisation zu. * Die Düsseldorfer Amerika-Anleihe überzeichnet. Die in Neuyork und Chicago aufgelegte Dollar-Anleihe der Stabt Düsseldorf in Höhe von 1750 000 Dollar ist überzeichnet worden. Der Emissionskurs bewegte sich zwischen 937,'s und 100 Prozent je nach der Fälligkeit. Die Anleihe ist bekanntlich mit 7 Proz. verzinslich. Börsenkurse. ______________(Ohne Gewähr ) Frankfurt a.M. Berlin S8)lu ,• Kur. 1-H6C- Rute vchluh. flirr« Anfang Daknnn | 28. 10 | 29 10 28 10 29 10 5*/, Ternsche Rcichsanlcihe ü 2175 0 2 1 225 0.225 4% Deutsche Ncichsanleihe . 0,25 0.253 0 25 3'/»% Deutsche ReichSanleibc 0.25 0.26 0.2421 0,245 3% Deutsche Rcichs.inleibe - 0 4 — 0.4'5 0,412 Deutsche Sparprämienanlcihe 4°/o Brcusuiche ökonsols . . - 0,126 ■ 0,13 0,235 — 0.235 1,2425 4% Hessen......... — — 0 22 3V«°/o Hessen.......... — — —— 3% Hessen ........... 0.21 0.22 - Deutsche Serlb. Dollar-Aul. 90.25 92 dto- Doll.-Schav-Anweisng.') 97 — 97 1 — 4% Bodtürtcn......... 5% Goldmcrikaner ... . 7.55 43,.-) 7.5 44.5 7,5 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank —• - 124,5' 135 5' 95* 94.75' 95' 94.75* Darinsl. und Nationalbank - 105* UM.,- 105 ?' 105,6' Deutsche Bank......... 106.2* 107,2' 10 * Deutsche DereinSbank .... 6G DiLconlo Commandit . . . 102.7* 102.2- 103 103' Metallbank.......... 78.25 78,25 Mitteldeutsche Crcdjtbank. . Ocsteireichische Credilanstalt — ’ 89,75' 89.75' 90 7 05 7 7 7.13 Weltbank ......... 0,03 0.03 - Bochumer (Suh . ....... —• — 69,75' Buderus ........ 41.75 39 75 40,5 40 Caro ............ 39* 38.75 37.75 Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 70- 69 25- 70/>- 69.25* 78- 77.in- 79' ,7 5' Harpener Bcrgban...... Zkalnverke Aschersleben.... — • 105' 105,5' 105.4* 113.25 112,10 Kaliwerk Westeregeln..... 117 — 117,75 117.25 Laurabütte. .......... — 36 35,4 35,13 Obcrbcdarf........... Pbönir Bergbau ...... ___* 48- 47* - - 71- ■ 2 25' 70.9* Rheim'tahl .......... Niebeck Montan........ 56,75 :o G48.5 55.5 69,25 56.62' W3* Tellus Bergbau. ...... 48 Hamburg-Amenka Paket. . .1 Norddeutscher Llovd . . 69* 69.5' 73' 71.25' 74,5' 69.13' 72.25' Chcramtsche Werk» Albin . . _ Zementwerk Heidelberg . . . 64 — — _ Pbilivv Holzmann...... I 49,75 49,5 49.5 Anglo Cont -Guano..... — — 87 Badische Anilin........ 120,4 119,9 120,75 120 Chemische Mayer Alapia . . — — Goldschmidt......... Gries i eimcr Electron .... 65 —— 67.1 ' - 118.75 118.25 118.25 118,2.5 Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung ........ 119.13 17,6 118.4 47 119 118,62 Rütgerswerke ......... 62-25, 62,1 62,25 Scheideanstalt ........ 90 88.5 Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 94' 94.75' 94,13' 94' Bergmann .......... Mainkraitwerke........ — — 77,75 74 70 — Schuckcrt........... Siemens & HalLke ...... 67,75* — 67' 66 5' 85,5' 86' 85,5' Adlerwerke Äleyer ...... 30,5 28.25 30.5 29 Daimler Motoren....... 33 31,75 29,75 Heyligenftaedt......... Meauin............. 27 5 31 _ Motorenwerke Mannheim . •W —— Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . 26 — — Metallgesell'chaft Frankfurt. 95 95 — Pct. Union A.-G...... 57 57 67 — Echuhlabrik Her; ...... — —• 25,25 — Sichel. .......... . 2,8 2.9 2 —— Wellston Waldhof....... 84 83 5 84,1 — Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Wagbäusel . . . 55,5 61.5 65 51 — — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 28 Oktbr. 29 CttJr. Amtliche Noti rung Geld 1 Brief Amtliche 'Notierung Geld 1 Bries Amst.-Non Bucn-Aircö Brss.-Antw Cbristiania. Kopenhagen Stockholm - HclsingforS Italien. . . London. . 'Jkutjotl . . Poris. . . Schweiz . . Spanien. . Iavan . . . Rio de Jan Wien in D-- Oest. abgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulaarien Lissabon Danrig. . . Konstantin. Alben Canada. . . Uruguay . 168.79 1.727 18 98 85,37 103,72 112,2 • 10.55 16.54 iO.335 4.195 17,41 80 87 60.02 1.725 0 639 59.085 12.42 7.42 5.88 3,035 21 175 80 70 2, “75 5 61 4,197 4,255 Dc 169,21 1.731 19.02 85.59 103,98 112,57 10,59 16.58 20,385 4,205 17.45 81,07 60,18 1,729 1.641 59,225 12,46 7,44 MO 3,045 2t,22o 80 90 2.385 5.6** 4,207 4.2'i5 nlnote 168,?2 1.726 19,04 85,69 104,42 112,29 10.545 16,56 20,33 4.195 17,55 80,82 69,97 1,727 9.633 59,125 12,42 7,4 i 5,88 3,035 21.175 80.65 2.365 5.52 4.197 4,255 n. 169,24 1.730 19,08 85,91 104,68 112,57 10,585 16,60 20,38 4,2)5 17,59 81,02 60,13 1,731 0.635 69,265 12,46 7,45 6,90 3,015 -0,225 80.85 2,375 6.64 4,207 4,26j Berlin, 28 Lktbr Geld I Briet Amerikanische Noten .. . .. Belgische Noten ...... Dänische Noten ...... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten...... (stalicnische Noten ...... Norwegische Noten...... Dcuisch.Oesterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schmetter Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten . . ... * .177 18,92 103.44 20.30' 17,41 168,40 16.51 85,16 58.94 112,04 80, 2 59.81 12,38 6,84 4,197 19,02 103,96 20,400 17 49 169.24 1 > ,59 85.58 69,24 112,60 81,02 i0.ll 12.44 5,88 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 29. Oft. Während der Vormittagsstunden trat im Freioerkehr von Bureau zu Bu- reau der Banken eine neue ft arte Kurs- abschwächung der Effektenwerte ein. Der offizielle Börsenbeginn brachte zwar gegenüber diesen ermäßigten Sätzen eine gewiße Erholung, doch hielt sich die Mehrzahl der ersten Notierungen unter dem Vortagsnioeau. Das G e - schäft war dabei völlig bedeutungs- l o s. Die Spekulation hielt sich wegen der Unklarheit über den Verlauf der innerpolitischen Schwierigkeiten zurück und neigte eher zu Abgaben, während die Beteiligung des Publikums fast gänzlich fehlte. Infolgedessen haben die bisher führen- den Marktgebiete von ihrer Bedeutung viel verloren. An ihre Stelle traten auch heute eine Reihe von Spezialwerten, insbesondere ausländische Renten, von denen wiederum Mexikaner infolge der nunmehr bevorstehenden endgültigen Wiederaufnahme des Zinsendienstes bevorzugt waren. Die Werte, für die die amerikanische Ver- mögensfreigabe von Bedeutung ist, konnten sich der allgemeinen Verstimmung nicht entziehen, sondern gaben, wie die Mehrzahl der sonstigen Papiere, mäßig nach. Völlig einflußlos blieb die Lage des G e ldmarktes. Die Zinssätze haben im Hinblick auf den bevorstehenden .Ultimo unabhängig von der bestehenden Flüssigkeit eine leichte Erhöhung erfahren. Tägliches Geld 8,5, bis 10,5 Pro- gent, Monatsgeld 10,5 bis 11,5 Prozent. Die leichte Veranlagung des Geldmarktes wurde auch durch den neuesten Ausweis der Reichsbank dokumentiert. Am Devisenmarkt zeigte Paris gegen London leichte Schwankungen, es stellte sich auf 115,75 bis 116. Im übrigen hielten sich die Kursveränderungen in engsten Grenzen, nordische Devisen waren unwesentlich befestigt. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,36, Paris 5,67, Amsterdam 59,174, Zürich 123,75. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M, 29. Oft. Es worben notiert: Weizen, Wetterauer 24, Roggen, inlänb. 17,25 bis 17.50, Sommergerste für Drauzwecke 23 bis 25, Hafer, inlänb. 19 bis 21,50, Mais, gelb 18,75 bis 19, Weizenmehl, inlänb., Spezial 0 38 bis 38,50, Roggenmehl 25 bis 25,50, Weizen- fleie 10, Roggenkleie 10,25 bis 10,50. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtbiehmarkt. (Eigener Drahtbericht des .Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M, 29. Oft. Auftrieb: 4 Ochsen, 12 Färsen und Kühe, 766 Kälber, 732 Schafe, 563 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mast- kalber 75 bis 82, mittlere Mast- und beste Saugkälber 65 bis 74, geringere Mast- und gute Saugkälber 58 bis 64, geringe Saugkälber 45 bis 50: Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 40 bis 46, geringere Masthämmel und Schafe 30 bis 38, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merz- fchafe) 20 bis 28: Schweine: VoUfleischige von 80 bis 100 Kg. 87 bis 90, unter 80 Kg 84 bis 86, von 100 bis 120 Kg. 88 bis 91. von 120 bis 150 Kg. 88 bis 92. Marktverlauf. Bei Kleinvieh gedrückter Handel, Schweine ruhig und ausverkauft. Norddeutsche Mastkälber wurden über Notiz gehandelt. Büchertisch. — Carl Haeberlin, Blätter au8 meinem Lebensbuche, HeimatschoUen-Ver- lag, A Bernecker, Melsungen. (612) Das Werk eines Arztes und Seelenkünstlers. Man hört die Stimme eines reinen Herzens, man folgt einem Denker, den erhöhtes Lebensgefühl zu den Quellen der Weisheit führt. Haeberlin ist von der Notwendigkeit der Naturgesetze durchdrungen, darüber hinaus spürt man, wie für Ihn die letzten Gründe der Erkenntnis mit der Gottesnähe sich berühren. Wir begleiten den Arzt auf dem morgendlichen Gang zu seinen Patienten. Menschen, von dunklen Schicksalsgewalten nieder- gehalten, von wilden Schmerzen gemartert, treten auf den Plan. Daneben sprüht gesunde Lebens- energie auf, offenbart sich wunderbarer Einklang von Willenskräften. All diese Vlder. im Wandern und Schauen ersaht, wachsen in ihrer feinen Koloristik aus der täglichen Erfahrung des Menschenkenners und Arztes heraus. Uncebingt 3U loben in dem gehaltvollen Buch ist das Charakteristische des Stils. Haeberlin besitzt die Fähigkeit die Besonderheit feiner Gedanken auf «besondere Weise darzustellen. Wer in einer Feierstunde dieses Lebensbuch auf sich wirken läßt, der wird es nicht mehr vergessen. A. B. — Die Aufwertungsformulare. Eine Mustersammlung der in Aufwertungsfragen benötigten Formulare von Dr. Warnetzer, Reichsgerichtsrat in Leipzig und Dr. Koppe. Rechtsanwalt in Berlin. Preis geb. 5 Mk. (Industrie- verlag Spacht & Linde, Berlin W. 10.) — Die Aufwertungsgefehgebung vom 16. 3uli 1925 stellt alle an der Aufwertung Beteiligten vor völlig neue Aufgaben. Eine Fülle von Fristen und Terminen sind zu beachten und Anmeldungen vorzunehmen, Anträge zu stellen, um alle Rechte, welche die neuen Gesetze bieten, richtig auszu- nuhen. Warneher und Koppe haben für den Handgebrauch in Aufwertungssachen ein Formularbuch zusammengestellt, in dem alle wichtigen Muster für derartige Anmeldungen und Anträge gegeben sind, so daß auch derjenige, der feine Zeit hat, sich mit der neuen Materie eingehender zu beschäftigen, ohne weiteres das für ihn zutreffende Muster übernehmen bezw. sich vergewissern kann, ob seine Anträge in Ordnung gehen. 628 — Was die gewaltigen Llmwälzungen des fernen Ostens für seine Völler und für uns zu bedeuten haben, nicht nur in nationaler, sondern auch in kultureller und religiöser Hinsicht, setzt auf Grund eigener Beobachtungen ein genauer Kenner, Dr. 3. Witte, in dem soeben erschienenen Novemberheft von Velhagen & Klassings Monatsheften auseinander. August den Starken schildert Prof. Dr. Paul HaaVe auf Grund neuer Forschungen. Der fesselnd geschriebene Aufsatz ist mit vielen seltenen Bildern geschmückt. Als eine Vorweihnachtsplauderei ist Käthe Kruses Beitrag „Wie meine Puppen entstanden" zu begrüßen. Der farbig illustrierte Künstle rauf sah des Heftes aus der Feder von Prof. Dr. Gerhard Schott gilt dem unerreichten Maler des Weltmeeres. Prof. Hugo Schnars- Dlquist, dem Siebzigjährigen. i! Küchenchef: Rahma - tmttcrqlekti# W MARGARINE ? Rohrmobei ßlomeokrippen Korbwaren Vermählte Telephon 1581. Steinstratze 73. Dresden, im Oktober 1925 Jahrelang: i»”®D Telephon 82it 9412c Hans. Kaffee-Mischung, sehr öelieöl! Äb 1.00 M- 3 10392a SchuhhausW. Benner 1 Treppe! Schnupfen nCLJMC » DAS IN APOTHEKEN UtnlNt * BESTE u. 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