llr. 229 (Erftes Blatt (L) 175. Jahrgang Mittwoch, 50. September 1925 Lrfchetnl tLgluh, außer Sonn» und Feiertags Beilagen: © te&en er Ja milienb lütter Heimat im Bild Monats-Bezugspreis: 2 Goldmark u 20 Goldpfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech.Anschlüsie: -»chriftleitung 112, Der- lagundGeschästsstellebl. Anschrift für Drahrnach- richten: AnzeiaerSietzeit. Postscheckkonto: zranlsurt a. M 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vruck und Verlag: vrkhl'sche Unioerfitälr-Vuch' und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Seschäftrttelle: Schulfttahe r. Annahme von Anzeigen für die Tagernummer oi« zum Nachmittag vorher ohne jebeTerbinblicbketL Preis fur 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm ‘Breite örtlichS, auswärts 10 Goldpfennig: für Ne» Klamc-Anzeigen v 70 > m Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift20 .Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. JeuiUetom Dr Friede. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil : Hans Deck, sämtlich in Gießen Der Notenwechsel zur Sicherheitskonferenz. Berlin, 29. Sept. (WTB.) Amtlich. Die Antwort der deutschen Reichsregierung auf die von der französischen, englischen und belgischen Regierung ausgegangenen Einladung zu Der Minister- Zusammenkunft ist am Samstag den 26. September in Paris, London und Brüssel überreicht worden und hat folgenden Wortlaut: Die deutsche Regierung beehrt sich, auf die von . . . (es folgen die Namen der alliierten Rllsslons- chess) überreichte Note zu erwidern, datz sie den Wunsch der alliierten Regierungen, die Verhandlungen über den Abschluh eine» SicherhcUspakkes nicht In die Länge zu ziehen, durchaus teilt. Sic hofft auch ihrerseits von einem .Zusammentreffen der Regierungsmitglieder der beteiligten Länder eine 3e- fchteunlgung der endgültigen Lösung der zur Erörterung stehenden Probleme und stimmt daher, gemätz ihrer Note vom 27. August, dem Vorschlag zu, diese Zusammenkunft alsbald ftatt- finden zu lassen. Als Zeitpunkt für die in der Schwei; geplante Zusammenkunft schlägt sie den 5. Oktober vor. Mit der vorstehenden Antwort haben die deutschen Missionschefs mündlich und durch Ileberreichung eines gleichlautenden Memorandums folgende (Srtlärung abgegeben: 3n dem Augenblicke, wo Minister der beteiligten Mächte im Begriffe sind, zu wichtigen Besprechungen über die Befestigung des Friedens zwischen ihren Ländern zusammenzutreffen, hält die deutsche Aegierung es für notwendig, der pp. Regierung in aller Offenheit ihren Standpunkt in zwei Fragen bekannt- z u g e b e n, die mit dem Zwecke jener Besprechungen auss engste verknüpft sind. Die alliierten Regierungen haben in dein vorausgegangenen Rotcnwechsel den Abschluß eines Sicherheitspaktes von dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund abhängig gemacht. Die deutsche Regierung hat der Verbindung der beiden Probleme nicht widersprochen, sieht sich aber dadurch vor die Rotwendigkcit gestellt, auf einen Punkt zurück- zukommen, den sie im Zusammenhang mit der Dölkerbundsfrage gegenüber den in dem Dölter- bundsrate v- rtretenen Regierungen bereits in ihrem Memorandum vom September 1924 zur Sprache brachte. Sie wiederholt aus diesem Memorandum die Erklärung, das; der etwaige (Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht so verstanden werden darf, als ob die damit zur Begründung der internationalen Verpflichtungen Deutschlands aufgestellten Behauptungen anerkannt würden, die eine moralische Belastung des deutschen Volkes in sich schlichen. Sie glaubt, daß die in diesem Sinne erlassene öffentliche Kundgebung dem Ziele der Verständigung und der aufrichtigen 'Versöhnung der Völker dient, und macht sich ihrerseits diese Kundgebung ausdrücklich in dem Wunsche zu eigen, dadurch einen Zustand gegenseitiger Hochachtung und innerer Gleichberechtigung herzustellen, der die Voraussetzung für den Erfolg der fetzt in Aussicht genommenen vertrauensvollen Aussprache bildet. Das angeftrebte Ziel einer Verständigung und Zersöhnung würde ferner beeinträchtigt werden, wenn es nicht gelänge, vor dem (Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und vor dem Mschlutz eines Sicherheitspaktes einen Streit aus der Welt zu schaffen, der jetzt noch trennend zwischen Deutschland und den alliierten Ländern steht: das ist die Räumung der nördlichen Rhcinlandzvnc und die Bereinigung der Lntwaffnungssragcn. Solange der gegenwärtige, vom deutschen Volk als unrecht empfundene Zustand der Verlängerung der Besetzung groher deutscher Gebiete fortbauert, kann das vertrauen auf eine friedliche Entwicklung, von dem die Wirksamkeit der in Aussicht genommenen internationalen Vereinbarungen abhängt, nicht wiederhergestellt werden. Die Reichsregierung gibt sich der Hoffnung hin, dah die pp. Regierung diese Mitteilung in dem gleichen Geiste der Loyalität aufnimmt, aus dem sie entsprungen sind, und dah sie in ihnen den aufrichtigen Willen erkennt, für das Zustandekommen des jetzt in Angriff zu nehmenden großen Friedenswerkes den Weg zu ebnen. Die italienische Regierung hat am gleichen Tage Abschrift der deutschen Antwortnote auf die Einladung sowie auch vorstehendes Memorandum erhalten. Bon der französischen Regierung ist hierauf nachstehende Antwort zugegangen: Die Regierung der Republik hat mit Befriedigung die Antwort erhalten, womit ihr die deutsche Regierung ihre Zustimmung zum Zusammentritt der Konferenz von Locarno mit- geteilt hat. Sie nimmt Vermerk davon, dah diese Zustimmung keinen Vorbehalt enthält. Die gleichzeitig vom deutschen Botschafter überreichte mündliche Erklärung bezieht sich auf zwei Fragen, die in keiner Weise mit den Verhandlungen von Locarno vermischt werden können, da sie in keiner Beziehung zu der Erörterung des Sicherheitspaktes stehen. Was die erste dieser Bemerkungen anlangt, so ist die französische Regierung der Ansicht, dah d i e Frage durch den Vertrag von Versailles geregelt worden ist, an dem. wie die französische Regierung in ihren Roten klar zum Ausdruck gebracht hat, die Verhandlungen über den Sicherheitspakt keine Aenderung vornehmen können. WaS die Räumung der Kölner Zone und die damit in Zusammenhang stehende Frage der Abrüstung Deutschlands betrifft, so erinnert die französische Regierung daran, dah eS nur von Deutschland selbst abhängt, ihre Bereinigung durch Erfüllung seiner Verpflichtungen zu beschleunigen. Die französische Regierung kann sich in dieser Hinfistt nur auf die alliierte Rote vom 30. 5. 1925 beziehen. Die französische Regierung nimmt Vermerk davon, dah die deutsche Regierung mit ihr darüber einverstanden ist. dah die in dem deutschen Memorandum niedergelegten mündlichen Bemerkungen nicht so anzusehen sind, als ob sie zu Bedingungen oder Vorbehalten für die Konferenz führten. Paris, den 29. Sept. 1925. Die Antwort der englischen Regierung kantet: Foveign Office, 29. Sept. Seiner Majestät Regierung hat mit Befriedigung die Erklärung entgegengenommen, wonach die Reichsregierung den Vorschlag zu der am 5. Okt. beginnenden Konferenz in Locarno angenommen hat. Seiner Majestät Regierung steklt mit Genugtuung fest, dah die Annahme ohne Vorbehalt erfolgt. 3n Beantwortung der gleichzeitig von Ew. Exzellenz abgegebenen Erklärung, beehre ich mich, von der Versicherung Ew. Exzellenz Kenntnis zu nehmen, dah die darin aufgeworfenen Fragen keine Vorbedingungen für die Zusammenkunft der Auhenminister bilden. 3n der Tal stehen diese Fragen in keinem Zusammenhang mit Den Verhandlungen über den Sicherheitspakt und hohen keinen Teil des vorbereitenden Meinungsaustausches gebildet. Hinsichtlich des Teiles der Erklärung, der Deutschlands Eintritt in den Völkerbund betrifft, stellt seiner Majestät Regierung mit Befriedigung fest, dah die deutsche Regierung keine Einwendung gegen diese wesentliche Ded ingung jedes Gegenseitigkeitspaktes erhebt. Die Frage der Verantwortlichkeit Deutschlands für den Krieg wird durch den geplanten Pakt nicht aufgeworfen. Seiner Majestät Regierung vermag nicht zu erkennen, warum die deutsche Regierung es für angebracht geholten hot, sie in diesem Augenblick aufzuwerfen. Seiner Majestät Regierung muh bemerken, dah die Verhandlung über den Sicherheitspakt den Dert rag von Versailles und ihr Urteil über die Vergangenheit nicht zu ändern vermag. Hinsichtlich der Räumung derKölner Zone beehre ich mich, zu wiederholen, dah der Zeitpunkt der Räumung ausschliehlich von der Erfüllung der deutschen Abrüstungsverpflichtungen abhängt, und dah seiner Majestät Regierung die Erfüllung dieser Verpflichtungen begrühen wird, weil sie den Alliierten eine alsbaldige Räumung der nördlichen Zone ermöglichen wird. Mit dem Ausdruck der ausgezeichneten Hochachtung usw. (für den Staatssekretär) Victor W eil e s l h. Ein deutscher Kommentar zum Notenwechsel. Berlin, 30. Sept. (TU.) Zur Veröffentlichung der deutschen Erklärung in London und Paris und der Antworten der französischen und englischen Regierung erfährt die Tclunion von gut unterrichteter Seite: Die Reichsregierung legte Wert darauf, dah bie, Veröffentlichung des deutschen Schrittes, der übrigens auch in Brüssel und Rom erfolgte, möglichst bald geschah. Chamberlain und Bande r v e l d e hatten in ihren Unterredungen mit den deutschen Missionsschefs die Frage der Veröffentlichung offen gelassen und der Direktor der politischen Abteilung des Pariser Auswärtigen Amts, Berthelet. den der deutsche Botschafter allein am Samstag sprechen konnte, benachrichtigte sofort Briand, der seine erste Unterredung mit Herrn v o n H ö s ch am Montag hatte. Briand machte dabei Vorschläge für die Veröffentlichung, mit denen sich am Montag am Spälabend das Reichskabinett beschäftigte . Da aber schon das deutsche Memorandum in der ausländischen Presse erwähnt worden war und um irrtümlichen Kombinationen entgegenzutreten, wurde bei dem gestrigen Empfang des deutschen Botschafters bei Briand beschlossen, den Rotenwechsel in vollem Umfang z u veröffentlichen. Was die französische Antwort an- geht, so muhte erwartet werden, dah sich Frankreich auf den Versailler Vertrag versteift, der den Passus über die deutsche Schuld am Kriege enthält. Was aber die Frage der Räumung der Kölner Zone angeht, so hat die Reichsregierung nie darüber einen Zweifel gelassen, dah ihr die Räumung der widerrechtlich besetzt gehaltenen nördlichen Rhemlandzone fein Verhandlungsobjekt bedeutet. An der Auffassung der Reichsregierung. dah sie einen Sicherheitspakt nicht abschlieh en kann, wenn nicht die nördliche Zone geräumt ist, hat sich aber nichts geändert und mit dieser Tatsache müssen die Alliierten rechnen. 3n diplomatischen Kreisen wird es aber immerhin als ein Fortschritt angesehen, dah in der Antwort auf den deutschen Schritt in der Frage der Kricasschuldlüge nicht wieder eine alliierte Einheitsfront in Erscheinung getreten ist Man verweist auf die wichtigen Stimme« auch im Ausland, die erst kürzlich betont haben, dah der Schuldartikel im VersaillerDertrag eine der größten Torheiten in der Geschichte gewesen ist Die Auffassung des belgischen Außenministers Vanderveldes hierzu liegt offiziell noch nicht vor. man weih aber, dah er der Ansicht ist dah die Frage der Kriegsschuld dem Urteil einer von Leidenschaft weniger durchpeitschten Zeit Vorbehalten bleiben muh. 3n diplomatischen Kreisen ist man ferner der Ansicht, dah die deutschen Demarchen in den alliierten Hauptstädten noch vor der Konferenz sich trotz der Gefahren als richtiger Weg erwiesen haben, da von der Gegenseite dabei der ehrliche Wunsch zutage getreten ist auf jeden Fall an der Konferenz in Locarno am 5. Oktober festzuhalten. Berliner Pressestimmen. Die Blätter betonen in ihren Kommentaren zu der Beröfsentlichuiig des biplomatischen Schriftwechsels über bie Paktkonferenz, dah nunmehr her Weg zu her Konferenz in Locarno frei fei. Die deutsche Delegation unter Führung des Reichskanzlers Dr. Luther und des Reichsauhen- Ministers Dr. Stresemann werbe am Samstag von Berlin nach Locarno abreifen, wo sie im H o - tel Esplanade Wohnung nehmen werde. Die Dr. Streseman nahestehende „Tägliche Rundschau" betont, dah die Differenz, die in den letzten Tagen zwischen Deutschland und den Westmächten entstanden war, sich nicht unmittelbar auf den materiellen Inhalt der in London und Paris übergebenen deutschen Memoranden bezoaen habe, sondern nur aus die Art und Weife, wie der deutsche Schritt öffentlich behandelt werden sollte. Im Lause des gestrigen Tages sei bann eine Vereinbarung über die Frage der Veröffentlichung erzielt und mit der Publizierung ein Strich unter den Zwischenfall gezogen worden. Das Blatt hebt dann weiter hervor, daß die Atmosphäre der Konse- renzocrhandlungen dadurch bereinigt fei, daß die in dem deutschen Memorandum erwähnten Fragen vor dem Zusammentritt der Konferenz geklärt worden seien, und zwar in einer Weise, die die deutschen Absichten völlig zur Geltung kommen lasse. Was insbesondere die Frage der Räumung der Kölner Zone anbelange, so unterstreicht das genannte Blatt, wie auch die „K r c u z z e i t u n g" und die „D e u t- sche Tageszeitung", dah die Räumung der Kölner Zone nicht etwa als Austauschobjekt für den Abschluß eines Sicherheitsvertrages zu betrachten sei, sondern dah es Deutschland einfach unmöglich sei, einen Sicherheitspakt abzuschließen, bevor die er sie Rheinlandzone auf Grund der vertraglich feststehenden Rechte Deutschlands nicht geräumt fei. Die Blätter heben schließlich noch anerkennend hervor, dah sowohl Botschafter S t h a rn e r als auch Botschafter o. H ö s ch die Ver- Handlungen äußerst geschickt geführt hätten. Die französischen Blätter zur Antwort Briands. Paris, 30. Sept. lW. T. B. Funkspruch.) „Petit P a r i s i e n" schreibt, bie von Briand erteilte Antwort sei so klar, bah sie keines Kommentars bedürfe. Der Schlußpassus zeige, daß ber Zwischenfall abgeschlossen sei, da die deutsche Regierung mit ber französischen Regierung bann ubereinftimme, obh bie Bemerkungen ber deutschen Verbal-Rote webe r als Bedingung noch als Vorbehalt für bie Konferenz zu bezeichnen seien. „Echo be Paris" schreibt, durch den nunmehr veröffentlichten Rotenaustausch seien Schwierigkeiten, bie anscheinend vorhanden gewesen seien, verschwunden und jedermann sei befriedigt oder tue so. Die deutsche Regierung habe gesagt, und zwar ziemlich derb, was sie habe sagen wollen und die Alliierten hätten ihren Willen bestätigt, die Konferenz in dem Rahmen, den man sich gesteckt habe, zu halten. Vorbereitungen in Locarno. Bern, 29. Sept. (Schweiz.Depeschenagentur.) Amtlich wird aus Paris gemeldet, dah die Ministerkonferenz über den Sicherheitspakt am 5. Oktober in Locarno eröffnet wird. Der Wunsch Italiens, die Konferenz in einer italienischen «Stadt stattfinden zu lassen, scheiterte an dem Einspruch einer alliierten Macht. Man ist aber Italien insofern entgegengetommen. als die Konferenz in einem italienisch sbrechenden Teil der Schweiz ftatlfinbet. Der französische Außenminister Briand hat mitteikn lassen, dah er bereits am Samstag noch Locarno abfährt. Mussolini wird an der Konferenz zunächst nicht teilnehmen, es ist aber nicht aus- geschlolsen, daß er im Laufe der 'Beratungen persönlich erscheinen wird. Die Zusammensetzung der deutschen Delegation wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Die Reichsregierung sowie auch die alliierten Regierungen haben ihre Delegationen aus das äußer st e bef chrä nkt. Die Dauer der Konferenz läßt sich heute noch nicht übersehen: es ist aber leum anzunehmen, bah sich die Fülle der zu lösenden Probleme in kurzer Zeit bewältigen läßt. Der Gemeinderat von Locarno stellt zur Konferenz den großen Saal des Gerichtsgebäudes zur Verfügung. 3m früheren ReAierungsgebäude, dem Sitz des Äaufmänni- schon Vereins, werden Räumlichkeiten für die Journalisten hergerichtet. Die Tessiner Regierung übernimmt die Ordnuna der Sicherheit und die Polizeimaßnahmem Verschiedene Delegationen der Regierungen, bie an ixt Konferenz teilaehmen. Haven bereits in verschiedenen Hotels Zimmer reservieren lassen. Auch hat die Obertelegraph.ndrektion die nötigen Maßnahmen zur Verbesserung der Telegraphen- und Telephon ver Bindung en nach der übrigen Schweiz und in^vrson- dere auch nach dem AuSlande in Angriff genommen. Rußland und der Sicherheitspakt. Köln, 29. Sept. (WB.) Aus Anlaß i\-8 für Mittwoch erwarteten Eintreffens des r iifi- schon "Volkskommissars für Auswärtiges. Tschi t- scherin, in Berlin befaßt sich die „Kölnische Zeitung" in einem Aussatz ..Der Sichcrhcils- palt und die westliche Ostpolitik" mit den Befürchtungen Rußlands, daß Deutschland durch den Abschluß eines SichcrheitSvaltcs mit den Westmächten zwangsläufig ein Glied des von England erstrebten antirussischen Blocks würde und sagt 6a u. I aß das Sicherheitsangebot in seinen von Dcu.schlank) erstrebten Zielen in Moskau falsch verstanden werde. Obwohl man sagt. Tschitscherin käme etwas verstimmt i\pdj Deutschland, könne die deutsche Oefsentllchkeit hoffen, dah nach den Besprechungen Tschitscherins mit den maßgebenden Stellen die Dinge auch für den russischen Staatsmann anders auSfehen werden, als dies jetzt der Fall zu sein scheine. Deutschland erstrebt nach den unseligen Mißverständnissen. die sich in dem Verhältnis zwischen den beiden Volkern einschlichen. c i n gutes Einvernehmen mit Rußland, auf das es wirtschaftlich angewiesen ist und von dessen Freundschaft es nur gute Dinge erwartet. Rußlands Befürchtungen, daß Deut'ch- land bei feinem etwaigen Eintritt in den Toll r- bund sich gegen Rußland mißbrauchen lassen könnte, entbehren ebenfalls für uns der Grundlage. da. wie dies immer und immer wieder betont wurde, Deutschland sich den Bestimmungen des Art. IC des VölkerbundSpaltes nicht vorbehaltlos unterwerfen und sich nicht zu einem Werkzeug für fremde Interessen hergeben wird. Meuterei russischer Truppen Riga, 29. Sept. (TLI.) Rach Meldungen aus Moskau ist die Garnison Smolensk aufgehoben worden, weil sie sich weigerte, gegen Aufständische auszurücken Die Solda'en sind auf einzelne Strafbataillone verteilt worden. 3n der Festung Kusk in Trans- kaspien wurden von den Soldaien alle Offiziere und Unteroffiziere ni e berge- macht. 3n Kaukanb, Samarkanb und Tafch- fent weigerten sich bie Truppen ebenfalls gegen bie aufftänbifeben Dauern auszurücken. Die Verletzung deutschen Hoheitsgebiets. Verurteilung des französischen Fliegers CofteS. Freiburg, 29. Sept. (Wolff.) Heute vormittag begann vor dem hiesigen Dchösfeng.-richt unter dem Vorsitz des AmtsgerichtSdirettors Mayer die Verhandlung gegen den französischen Flieger CosteS, der bekanntlich im Höllental des Schwarzwaldes bei dem Versuch, deutsches Hoheitsgebiet zu überfliegen, zur Rot- lanbung gezwungen war. wobei seine Maschine zertrümmerte, er selbst leicht verletzt, ein Begleiter getötet wurde. CosteS, der infolge der erlittenen Verletzungen leicht hinkt, erklärte, er habe ein anormales Flugzeug gehabt infolge starker Belastung mit Betriebsstoff, der bei ber Länge bes Fluges nicht zu umgeben gewesen sei — ber Flug feilte nach b e m persischen Golf führen — bei einer Länge von etwa 6000 Kilometern. Der Abflug sei bei starkem Rebel vor sich gegangen. Man sei vom Startplatz bis zu den Vogesen mit dem Kompaß geflogen. Man habe bie Absicht gehabt, i n möglichst direkter Linie das Ziel ber Fahrt über Basel zu erreichen, und zwar ben Rhein entlang nach Konstanz und von dort in das 3nntal. Es habe sich um einen privaten Appara t gehandelt, mit dem ec und sein Kamerad den Weltrekord zu drücken beabsichtigten, der bisher für einen Flug auf direkter Linie mit etwa 3300 Kilometer gehalten werde. Heber Elsaß sei et dann von 1500 Meter auf *100 Meter heruntergegangen. An Hand der Karte habe man Breisach erkannt. Die Absicht, nach Süden auf Schweizer Gebiet aus'.uweichen. sei nicht zu verwirklichen gewesen, da nach Süden zu die Witterungsverhältnisse schlechtere gewesen seien. Costes gab zu, dah er gewußt habe, daß deutsche- Gebiet nicht ohne Genehmigung überflegen werben dürste. Man habe daher über den Titisee hmweg nach dem Rhein fliegen wollen. 3nfelge ber starken Belastung habe das Flugzeug nicht stark steigen können. Der Angeklagte erklärte auf Befragen weiter, es fei ihm bekannt gewesen, dah befthnmte Vorschriften über bie #re|e, Lra-fahigkeit usw. für 5Inaieuge bestünden, die deutsches Gebiet übecfläcen. Genaue Vorschriften habe er öfter nicht gekannt. Zur Frage ber bei dem Apparat gefundenen Karten erklärte Costes: Die auf den Karten eingetragene Linie |ei nur die Martlerung der Rekordlinie mit Entfernungsangaben. Nach Ansicht des Sachverständigen bedeutet die eingetragene rote Linie die Rekordlinie und die b l a u e die Fluglinie, zumal letztere größere Höhen umgehe, was bei der roten Linie nicht der Fall sei. Die blaue Linie habe südlich von Dreifach und Freiburg über den Schwarzwald nach dem Bodensee geführt. Diese Linie ist auch auf der zweiten Karte eingetragen, die vorwiegend über Schweizer Gebiet Auskunft gibt. Im weiteren Verlaufe erklärte der Angeklagte auf Befragen, das Flugzeug habe Doppelsteuerung gehabt zur gegenseitigen Ablösung beider Flieger. Zur Zeit des Uebcrfliegens des deutschen Gebietes hätten beide Flieger am Steuer gesessen. Die Vernehmung des Angeklagten schloß mit seiner Versicherung, daß nur die Witterungsver- h ä l t n i s s e die Flieger zum ^leberfliegen deutschen Gebietes gezwungen hätten. Sachverständiger Degen von der Deutschen Versuchsanstalt in Adlershof bezeichnete die Behauptungen des Angeklagten als unglaubwürdig. Sein Flugzeug habe den deutschen Vorschriften nicht entsprochen. Ohne Gefahr hätten die französischen Flieger trotz starker Wolkenbildung a m Rhein entlang fliegen können. Staatsanwalt Obkircher betonte, daß für die Flieger von Anfang an die Absicht bestand, über den Schwarzwald zu fliegen. Dom sportlichen Standpunkt aus sei daö Verhalten der Flieger verständlich, aber als Verantwortliche Flieger hätten sie anders handeln müssen. Er beantragte eine Geldstrafe von 5000 Ml. und die Deschlagnahme der Aeber- reste des Flugzeuges zugunsten des Staates. Der Verteidiger konnte dem Staatsanwalt nicht zustimmen in der Behauptung, daß der französische Flieger von Anfang an die Absicht gehabt hätte, deutsches Gebiet zu überfliegen, da nach der Erklärung des Angeklagten der Weg über Basel für den Flug kaum ins Gewicht gefallen wäre. Tatsächlich habe eine Notlage für die Flieger bestanden, was sich schon daraus ergebe, daß sie bei Breisach bis auf 150 Meter herabgehen mußten. Andererseits hätten sie ja in der einmal eingehaltenen Höhe von 1500 Metern bleiben können, wenn sie den Schwarzwald hätten überfliegen wollen. Die rechtliche Lage müsse er im übrigen bezweifeln, da die Bestimmungen der Verordnung vom 5. Mai 1922 und die Bestimmungen des Luftfahrtgesetzes vom 1. August 1922 nicht aus ausländische Flieger Anwendung finden könnten, sondern nur auf deutsche Flieger und Luftfahrzeuge. Er ersuche um Freisprechung des Angeklagten. Daö Schöffengericht erkannte wegen Vergehens gegen daS Gesetz über den Luftfahrzeugbau vom 6. Mai 1922 und wegen Vergehens gegen das Luftverkehrsgeseh vom 1. August 1922 auf 5000 Mark Geldstase oder fit: je 200 Mark Geldstrafe einen Tag Gefängnis. Durch die Untersuchungshaft gelten als verbüßt 2600 Mark. Die Ueberreste des Flugzeugs werden eingezogen. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen. — Eostes erklärte, daß er das Urteil, um die Untersuchungshaft nicht zu verlängern, an nehme, aber bitte, ihm die Strafe auf dem Gnadenwege zu erlassen und ihn in Freiheit zu setzen. Darüber wird das Gericht noch zu einem späteren Zeitpunkte zu entscheiden haben. — In der Urteilsbegründung wurde darauf hingewiesen, daß das Gericht eine besondere Notlage der Flieger ni'cht anerkennen konnte. Die Flieger hätten vielmehr ohne Gefährdung ihrer eigenen Sicherheit die Möglichkeit gehabt, durch tlnfliegen der Flugplätze Straßburg oder Habs- eint bezw. durch Abfliegen in Richtung Basel deutsches Gebiet zu vermeiden. Sie hätten vielmehr mit Absicht deutsches Gebiet überfliegen wollen, um den Rekord und die dafür ausgesetzten Preise zu gewinnen. Der von dem Angeklagten aus svortlichem Eifer begangene Verstoß gegen die deutschen Luftgesetze und die Tatsache, daß eine feindliche Absicht nicht anzunehmen sei, hätten das Gericht zu einer verhältnismäßig milden Strafbemessung bewogen. Französische MiMärjuftiz. Alzey, 29. Sept. (Priv.-Tel.) Gelegentlich einer Truppenübung war von französischen Soldaten die Tür der kleinen Wachtturms in der Näh« von Alzey auferbrochen und das Schloß der Tür entfernt worden. Der klein« Schaden wurde vorläufig ausgenommen und auf dem Amtsweg durch Oberbürgermeister Dr. Hille, Alzey, zwecks Regelung w e i t e r g e - reicht. Es handelte sich um 15 Mark für ein neues Schloß . Später wurde nun das gewaltsam entfernte Schloß in einer Ecke des Turmes wiedergefundeu und durch die Stadt für 5 Mark repariert und wieder angebracht. Das französische Militärgericht in Mainz hat nun den Oberbürgermeiler der Stadt Alzrt», Dr. Hilke, wegen wissentlich falscher Angaben in. Schadensfällen zu der ungeheueren Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Leon Bourgeois f. Paris, 29. Sept. (Sil.) Der bekannte französische Politiker und Staatsmann, Leon Bourgeois, ist heute im Alter von 74 Jahren gestorben. Seine glänzende politische Laufbahn ist aufs engste mit der neuen Geschichte Frankreichs verbunden. Am 29. Mai 1851 in Paris geboren, wandte er sich zunächst dem Rechtsstudium zu und hatte schon als junger Beamter in der Verwaltung große Erfolge zu verzeichnen. 1885 ist er Präsekt, ein Jahr später Direktor im Ministerium des Innern, darauf Polizeipräfekt von Paris. 1888 wurde er in die Deputierlenkammer gewählt, wo er sich der radikalen Linken anschloß und eifriger Gegner der Patriotenliga und Dou- langers wurde. Kurze Zeit darauf trat er als Unter st aatssekretär in das Ministerium des Innern ein. Bei den Kabinettskrisen der nächsten Jahre übernahm er verschiedene Mc- nisterposten. Unter dem Ministerpräsidenten Loubet war er Iustizminister und leitete den bekannten Panama-Prozeß ein, trat daraus jedoch zurück und wurde 1894 Präsident der Deputiertenkammer. Ein Jahr später ist er Ministerpräsident, wird jedoch bald gestürzt und tritt erst wieder zwei Jahre später in ein neues Kabinett Brisson ein. Fast ohne Unterbrechung ist er dann Minister in den verschiedensten Kabinetten, zwischendurch auch mehr- mels Präsident der Kammer Ms Außenminister ist er an dem Aoscyluß der Alge- ciras-Konferenz beteiligt. 1907 war er Bevollmächtigter Frankreichs auf der zweiten internationalen Friedenskonferenz im Haag. 1912 trat er in das sogenannte „nationale" Kabinett Poincares ein. Im selben Jahre wurde ihm von den Mehrheitsparteien di: Präsidentschaftskandidatur angeboten, die er jedoch ablehnte. Im Oktober 1915 ist er Minister im Kabinett B r i a n d. Nach dem Krieg wirkte er als Erster Delegierter Frankreichs an der Verfassung der Völkerbund st atuten mit. In der ersten Sitzung des Völkerbundrates im Januar 1920 wurde er zu dessen Präsidenten gewählt. Lord Curzon erklärte bei dieser Gelegenheit, Bourgeois sei zusammen mit Lord Grey der „Vater des Völkerbundsgedanlens". Bourgeois wurde auch die Überwachung des Propagandabureaus des Völkerbundes übertragen, das sich im fünften Stock des während des Krieges in Paris gegründeten „Maifon de la Presse" befindet. Der neue französische Senat nach den Wahlen vom Januar 1920 erwählte ihn zum Senatspräsidenten: jedoch trat er 1921 zurück, und hat sich seither auf seine Tätigkeit im Völkerbundsrat beschränkt. Der Streit um Mossul. Ein schwedischer Bermittlnngsvorschlag. Stockholm, 29. Sept. (WB.) Der Genfer Korrespondent von „Dagens Nyheter" telegraphiert: In gut unterrichteten Kreisen des Generalsekretariats glaubt man, die Hauptlinien des schwedischen Vorschlages zur Lösung der Mossulfrage zu kennen. Die Teilung des Mossuldistriktes in ungefähr östlich-westlicher Richtung längs der auch von der Völkerbunds- kommission als geeignete Grenzlinie anerkannten kleinen Zone soll in Vorschlag gebracht sein. Der nördliche Teil mit der Stadt Mossul und mit ungefähr einem Viertel der O e l - quellen des ganzen Gebietes sollen der Türkei einverleibt werden. Der südliche Teil mit den Hauptölquellen soll dagegen an das Irak fallen. Die Entmilitarisierung des ganzen Gebiets wird gefordert. Der ständige internationale Gerichtshof im Haag wird am 22. Oktober unter dem Vorsitz Professor Hubers (Schweiz) die juristischen Fragen im Mossulkonflikt beraten. Sehr wichtig ist die Frage, ob der Völker- bundsrat feine Entscheidung einmütig oder mit einer genügenden Mehrheit fällen muß und ob die Vertreter der streitenden Parteien an der Abstimmung teilnehmen dürfen. Die endgültige Entscheidung wird die Dezembertagung des Völkerbundrates bringen. Der englische Kolonialminister Amery erklärte Pressevertretern, er glaube nicht, daß die Türkei die Absicht habe, die geltenden Verträge zu verletzen und dem britischen Reich einen Krieg zu erklären. Die Türkei habe ebensowenig Rechtsansprüche auf Mossul wie etwa auf Bagdad oder Basra. Großbrttannien habe das Recht, bis zum Sommer 1928 das Irakgebiet beseht zu halten, doch könne es noch vor Ablauf des Vertrags über die endgültige Regelung Verhandlungen führen, um eventuell das Gebiet an eine andere Macht abzutreten. Die englische Regierung habe nie beabsichtigt, die englischen Beziehungen zum Irakgebiet im Jahre 1928 aufzugeben. Die spanische Offensive gegen Ajdir. Madrid, 30. Sept. (TU.) Trotz der ungünstigen Witterung in Marollo haben die auf Ajdir vorrückenden spanischen Truppen gestern heftige Kämpfe zu bestehen gehabt. Die Rifkabhlen verteidigen sich mit äußerster Zähigkeit. Es heißt, daß Abd et Krim einen großen Teil seiner regulären Truppen, die bisher in Reserve gehalten wurden, zur Verteidigung von Ajdir eingesetzt habe. Nach einer amtlichen spanischen Meldung sei die Einnahme von Ajdir nur eine Frage von Stunden. Die Spanier beabsichtigen, von Helllla aus einen Vorstoß zu unternehmen, um die Stämme der Beni Saä> zu unterwerfen und auf diese Weise mit den französischen Truppen in Verbindung zu treten. Auf dem Abschnitt sind starke Ka vallerieabteilun- g en eingesetzt worden. Man erwartet, daß die Franzosen von Süden her Vorstößen werden, um die Vereinigung mit den Spaniern zu beschleunigen. Der amtliche französische Bericht meldet, daß auf der ganzen Front Ruhe herrscht. Die große Offensive steht aber bevor. Es verlautet, daß das französische Riesenflugzeug, das bei Mechkrella abstürzte, von den Rifleuten erbeutet und der Flieger in Gefangenschaft geraten ist. Die Lage in Syrien. Beirut, 29. Sept. (Havas.) Die franzsöische Kolonne hat, nachdem sie S u e i ö a, das völlig zerstört worden sei, und wo kein Tropfen Wasser mehr vorhanden sei, einen Umstand, den die Drusen benutzten, um die französische Kaserne in Brand zu setzen, verlassen hatten, ihre Operqtionsbasis in die Gegend von Mussefra verlegt. Hier soll Wasser vorhanden sein. Die Kolonne bereitet sich auf die Durchführung des zweiten Teiles ihrer Aktion vor, nämlich die endgültige Unterwerfung der aufständischen Stufen. Trotz kleinerer Zerstörungen, die die Drusen an der Eisenbahnstrecke des Hedjaz vorgenommen haben, ist der Verkehr auf dieser Strecke keinen Augenblick unterbrochen gewesen. Die Telegraphen- und Telephonleitungen längs dieser Strecke sind niemals gestört gewesen. Der Kongreß der Cabour Party. Ausschluß der Kommunisten. — Der Dawesplan. Liverpool, 29. Sept. (Reuter.) Der Eröffnungstag der Konferenz der englischen Arbeiterpartei war durch bewegte Szenen zwischen Gemäßigten und Kommunisten gekennzeichnet. Die Feindseligkeiten kamen zum Ausbruch, als der Geschäftsordnungsausschuh empfahl, die Frage, ob K o m m un i ste n Mitglieder der Partei sein können, in Anbetracht der endgültigen Verwerfung des Kommunismus auf dem vorigen Parteitag, nicht auf die Tagesordnung zu sehen. Der kommunistische Versuch, diesen Antrag zu Fall zu bringen, wurde mit großer Mehrheit zurückgewiesen. Der Antrag „Ausschließung der Kommunisten aus d e r P a r t e i" ging mit großer Mehrheit durch Macdonald, der ihn unterstützte, bemerkte: Die Kommunisten können sich über mangelnden Edelmut der Partei nicht beHagen. Wäre er selbst ein gläubiger Kommunist, würde er sich nicht zum Eintritt in die Partei drängen. Die Kommunisten sollten draußen bleiben und draußen für ihre Ansichten werben. Die Ablehnung der beiden kommunistischen Anträge auf Angliederung der kommunistischen Partei und auf Zulassung bzw. Verbleiben von kommunistischen Vertretern in den Ortsgruppen der Arbeiterpartei erfolgte mit 2 954 000 gegen 321000 bzw. 2 870 000 gegen 3210000 Stimmen. In seiner Eröffnungsrede berührte der Kongreß- vorsitzende C r a in p auch den Damesplan, den einzelne Mitglieder seiner Partei verurteilen. Den Dawesplan zurückzuweisen, bedeute die Aufforderung an die deutschen Arbeiter, das heikle Gleichgewicht Europas zu stören und ihr Land wieder öem Schrecken einer militärischen Besetzung auszuliefern. Trotz aller seiner Mängel kommt Europa unter dem Dawesplan allmählich zur Stetigkeit, ein Zustand des Friedens wird wieder möglich sein. In allen meinen Unterredungen mit deutschen Sozialisten während der Ruhrbesetzung fand ich den brennenden Wunsch, die Besetzungsschmach loszuwerden, koste es, was es wolle, und dies kann man ohne weiteres verstehen, denn die Besetzung bedeutete nicht nur eine schwere wirtschaftliche Last, sondern eine bittere Kränkung für ein stolzes Volk. Obwohl wir anerkennen, daß kapitalistische Einflüsse dazu beitragen, in den Dawesplan manche tadelnswerte Bedingungen und manche Härten gegen den deutschen Arbeiter einzufügen, so sollen wir doch daran denken, daß der Plan gewisse greifbare Erleichterungen für einen großen Teil des deutschen Volkes' brachte. Die Schuldenübereinkommen zwischen den Alliierten sind der Grund dafür, daß die ün Betracht kommenden Schuldnerländer von Deutschland dementsprechende Zahlungen erwarten. Der Leitsatz der Arbeiterpartei ist, ein Heber- einkommen zur allgemeinen Löschung der Kriegsschulden herbeizuführen. Jugendfürsorge in Preußen. Preußischer Landtag. Berlin, 29. Sept. In 3. Beratung nimmt der Landtag den Entwurf des Wahlgesetzes für die Provinziallandtage und die Kreislandtage gegen die Deutsche Volkspartei und Kommunisten an. Die Wahlen finden am 29. November statt. Hierauf seht das Haus die Aussprache über den 3. Abschnitt des Wohlsahrtshaus Halles „Allgemeine Wohlfahrtspflege und Erwerbslosenfürsvrge" fort. Abg. Stuhr mann (Dn.): Gegen Schmutz und Schande muß die Jugend geschützt werden. Das heuttge Theater und Kino sind alles andere, nur nicht moralische Anstalten. Ebenso ist ein dringendes Gebot der Stunde der Schuh der Jugend vor dem Alkohvlismus. Grundlage der Volksethik für Sittlichkeit muß die Religion, muß das Christentum bleiben. Den sozialen Idealismus vertreten auch wir. (Beifall rechts.) Abg. Frau Heßberger (Z.) fordert vermehrte Staatshilfe zur Förderung der privaten Wohlfahrtspflege. ®le Zusammenarbeit der einzelnen Ministerien in der Wohl» fcchrtspflege lasse s ehr zu wünschen übrig. Man müsse energisch den Kampf aufnehmen gegen die Unzahl der Likörstuben, deren Nebenabsichten bekannt seien. ' Abg. Frau Voigt (D. V.) tritt für den Antrag der Deutschen Vollspartei auf Schaffung einer weiblichen Wohlfahrtspolizei ein, die fürsorgerisch aufgebaut sein soll, ohne in kriminelle Belange euuugreifen. Abg. Frau Dönyoff (Dem.): Ungleich höhere Beträge werden von den Gemeinden und den Privatvereinigungen für diese Zwecke her- gegeben. Don den Rennwetten und dem Totalisator muß ein größerer Betrag für die Förderung der Wohlfahrtspflege im allgemeinen verwendet werden. Wir fordern ein Reichsges eh zur Fürsorge für die kinderr eichen Familien. Frau Abg. Rechen berg (Dtschn.) empfiehlt besondere Unterstützung kinderreicher Familien. Frau Abg. Dr. Lauer (Zentr.) bekämpft die Versuche, das Wohlfahrtsministerium zu beseitigen, gerade heute, wo nach dem verlorenen Krieg alle Mittel angewandt werden müßten, das Volk wieder lebensfähig zu machen. Abg. Heidenreich (D. Vpt.) begründet einen Antrag, der ein Reichsgeseh zum Ver- bot der Nachtarbeit für Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr verlangt- Kleine politische Nachrichten. Wie der „Lokalanz." erfährt, wird Reichspräsident von Hindenburg vorausicht- lich im Laufe des Monats November der w ü r t- tembergischen Regierung einen Besuch abstatten. * Der preußische Staatsrat stimmte dem Entwurf einer Verordnung zur Aenderung der preußischen Pachtschuhverordnung mit einigen Verbesserungen zu. Die Loslösung des an Polen gefallenen Teiles Oberschlesiens vom Fürstbistum in Breslau ist nunmehr durch die Ernennung eines Bischofs von Kattowitz endgültig erfolgt. Der neue Bischof ist der bisherige apostolische Administrator des polischen Teiles Oberschlesiens, Dr. H l o n d , ein Salesianer Pater polnischer Nationalität. In Kreuznach wird unter dem Titel „Kreuz- nacher Dolksblatt" ein in Mainz gedrucktes Blatt herausgegeben, dessen s e p a r a t i st i s ch e Tendenz unverkennbar ist. Ebenso werden in Dilling e n die „Dillinger Nachrichten" herausgegeben, werden, die für das Saargebiet einen Autonomie- float unter französischer Oberhoheit propagieren. Aus aller Mett. Schweres Schadenfeuer. Die Gaststätte und Pension Raintaler bei Partenkirchen ist vollständig niedergebrannt und bis auf die Grundmauern zerstört worden. Nur ein einziges der 30 Zimmer mtt 55 Betten konnte noch geräumt werden. Sonst ist alles ein Raub der Flammen geworden. Die Angestellten und die Dienstmädchen, die sich im Hause befanden, konnten sich mit knapper Not in Sicherheit bringen. Ein Auto in den Neckar gestürzt. Montag nacht ereignete sich in der Nähe von Ilvesheim bei Mannheim ein schweres Autounglück. Infolge des starren Nebels war das Auto des Versicherungsdirektors Mord aus Mannheim, das von seinem Sohn gelenkt wurde, auf einen Feldweg geraten und stürzte bei dem Versuch, auf den richtigen Weg zurückzukehren, beim Rückwärtsfahren die acht Meter hohe Böschung in den Neckar. Mord sen. und dem zweiten Passagier, einer jungen Dame, gelang es, rechtzeitig abzuspringen, wahrend Mord jun. mit dem Auto im Neckar unterging. Erst heute morgen gelang es, den Wagen mit der Leiche des jungen Mord aus dem Neckar herauszuziehen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. September 1925. '* Eine Bit te des Reichs pwäs identen. WTB. meldet: Der Reichspräsident hat aus Zeitungsnotizen und Zuschriften davon Kenntnis erhalten, daß Verbände und Vereine beabsichtigen, an seinem bevorstehenden Geburtstag öffentliche Kundgebungen zu veranstalten, und daß sie zur Beflaggung der Häuser auffordern. Der Reichspräsident, der seinen Geburtstag in aller Stille auf dem Lande verbringen wird, bittet in dankbarer Anerkennung der ihm entgegengebrachten freundlichen Gesinnung von diesen Ehrungen, insbesondere der Beflaggung, Abstand zu nehmen. Zu dieser Ditte sieht sich der Reichspräsident außer durch persönliche durch die Erwägung veranlaßt, daß die angeregte Beflaggung zu parteipolitischen Auseinandersetzungen führen und neue Zwistigkeiten in unser Doll tragen könnte, dem gerade jetzt Einigkeit und Geschlossenheit besonders nottut. L.U. Don der Landesuniversität Gießen. Der ordentliche Professor für Hygiene und Bakteriologie an unserer Universität Dr. Emil Gotschlich hat den an ihn ergangenen Ruf als Ordinarius an die Universität Heidelberg angenommen. ** Den monatlichen Mindestver- brauch an Gas hat das Gaswerk mit Wirkung vom 1. Oktober ab auf 4 Kubikmeter festgesetzt. Die Gasabnehmer sind mindestens zur Bezahlung dieses Quantums verpflichtet. ** Geschäftsjubiläum. Das Tapetenhaus Jerd. Nennstiel, Plockstraße, kann heute auf fein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Das Unternehmen wurde von dem Vater des jetzigen Inhabers in der damals bestehenden Flügelgasse gegründet, später siedelte es in die Plockstraße über. Die Firma hat sich aus kleinen Anfängen zu einem der angesehensten Geschäfte unserer Stadt entwickelt. ** Aufnahme des Po st Überweisungsverkehrs mit Dänemark. Am 1. Oktober wird der Postüberweisungsverkehr mit Dem Königlich Dänischen Postgirokontor in Kopenhagen ausgenommen. Demgemäß können Postscheckkunden Beträge von ihrem Postscheckkonto in Deutschland auf ein Postscheckkonto bei dem Königlich Dänischen Postgirokontor in Kopenhagen und mngekchrt die dänischen Postscheckkunden Beträge auf Postscheckkonten in Deutschland überweisen. Die Ueberweisungen nach Dänemark, zu denen die innerdeutschen Postübeawei- sungsvordrucke zu verwenden sind, können in Reichsmark oder in dänischer Währung (Kronen und Oere) ausgestellt werden. Der Betrag der Ueberweisungen ist yicht begrenzt. Die Gebühr beträgt für je 100 Rm. 5 Pf., mindestens 20 Pf. Mitteilungen für den Empfänger sind auf dem Abschnitt der Ueberweisungen nach Dänemark zuzulassen. Das von dem Königlich Dänischen Postgirvkontor in Kopenhagen herausgegebene Verzeichnis der Postscheckkunden kann durch Der- mittlung der deutschen Postscheckämter zum Preise von 2 Kr. bezogen toeroen. Postüberweisungsverkehr besteht im übrigen noch mit Danzig, Oesterreich, der Schweiz und Ungarn. RDD. Erhöhung der Eisenbahn- Fundgebühren. Die jetzige Auslieferungsgebühr für Fundsachen scheint dem der Eisenbahnverwaltung aus der Behandlung der Fundsachen entstehenden Kostenaufwande nicht mehr zu entsprechen. Nach amtlicher Bekanntgabe soll die Gebühr vom 1. Oktober ab nach dem jeweiligen Zeitwert der Gegenstände bemessen wrden, der schätzungsweise zu ermitteln ist. Sie beträgt künftig bei einem Werte der Fundstücke bis zu! 10 Mark 50 Pfennig, bis zu 30 Mark 1 Mark, bis zu 50 Mark 2 Mark, bis zu 100 Mark 3 Mark, bis zu 300 Mark je 3 v. Sy und von dem Mehrwert 1 v. H. Bei Gegenständen tm Werte von weniger als 1 Mark kann von Erhebung der Derwallungsgebühr abgesehen werden. Bornotizen. — Lageskalender für Mittwoch, Lichtspielhaus Dahnhofstr.: „Jackie, der Heine Robinson". — Astona-Lichtspiele: »Das Rätsel der Affenschlucht". — Landkreis Girseen. X Allendorf a. d. Lahn, 28. Sept. Seit Wochen mühen sich die Landwirte, die noch nicht beendete Grummeternte unter Dach und Fach zu bringen, jedoch scheint diese bei dem stets trostlosen nassen Wetter dem Derderben ausgesetzt zu fein. Hierdurch geht ein großer Teil wertvollen Winterfutters für das Dieh verloren, welches um so nachteiliger ist, als durch die Dürre des Vorsommers ein erheblicher Teil des für den Winter bestimmten Heues verfüttert werden mußte. — Die Obsternte gestattet sich durch die Nässe ebenfalls sehr schwierig und die Leute sind gezwungen, das Obst bei Regenwetter zu pflücken, wenn nicht die Stürme die noch an den Bäumen befindlichen Aepfel zu Boden werfen sollen. Bei Zwetschen und Birnen ist eine Mißernte zu verzeichnen. — Am schwierigsten gestattet sich noch die Kartoffelernte, da der Boden stellenweise völlig schlammig ist. Obgleich das Kraut noch grün ist, hat bei den Knollen der besseren Sorten -bereits die Fäulnis eingesetzt, so daß ein längeres Belassen im Boden nur Verluste bringt. Wie bei der vorgeschrittenen Jahreszeit und den kürzeren Tagen alle Feldarbeiten beendet werden sollen, ist nicht abzusehen. — Unsere Clee- bach-Brücke ist seit einiger Zeit völlig neu und in sehr dauerhafter Weise hergestellt; besonders vorteilhaft ist die größere Breite derselben, so daß sich der Fuhrwerksverkehr jetzt ungehindert abwickeln kann. # Lieh, 28. Sept. Unter Führung des Fürstlichen Baurats Schuhmacher - Gießen, brr die notwendige Erläuterung und Aufklärung gab, fand gestern durch den Gesamtvorstand deS Turnvereins und anderer 3ntercffenten eine Besichtigung der im Rohbau fertigen erweiterten Turnhalle statt. Mit aroster Genugtuung konnte festgestellt werden, daß unser Verein nach dec inneren Vollendung und Ausschmückung deS Daues. dem eine grobe Galerie und ein Sit- zungs- und DerattmgSzimmer eir»gefügt wurde, nunmehr eine LIebungShalle mit geräumigem Turnplatz besitzt, wie sie kein gleich grober Ort der näheren Umgebung aufweisen kann. Die eingebaute Dühne entspricht den größten neuzett- lichen Anforderungen, so dab nicht bloh umfangreiche turnerische Uebungen darauf ausgeiuhrt werden können, sondern auch grobe Dererne für musikalische und Theaterdarbietungen hinreichend Platz finden. Alles in allem: eine bewunderns- werte bauliche Leistung. Dem hochherzigen Ent- gcaenkemmen des Fürsten zuSol ms -Hohen- folms-Lich, der das gesamte Bauholz und ca 250 Quadratmeter Vmtgelände stiftete, wie dem Opfersinn der Bevölkerung, durch deren Bereitwilligkeit nahezu 20 000 Alk. Daukapital ge- znchnet wurde, ist e« zu danken, dah das Werk biV5um heutigen Stand gefördert werden konnte. Die im Voranschlag festgesetzte Summe von 25 000 Mark hat sich durch zwischendurch notweichig gewordene Ergänzungen auf 35 000 Alk. erhöht. Dcr fehlende Betrag von 10 000 Mk. soll nach Beschluß des Vorstandes und der Bau- und Finanzausschüsse durch Erhebung einer 5. Rate und Veranstaltung einer Verlosung aufgebracht werden. Andere Turnvereine sollen, weil sie vielfach selbst mit gleichen Sorgen belastet sind» nach Möglichkeit mit dem Vertrieb der Lose verschont werden. Kreis Fricvbcrg. Sf. Friedberg, 28. Sept. In würdiger Weise beging gestern die hiesige Freiwillige Feuerwehr die Weihe ihreS neuen DannerS. Das Danner ist von den Frauen und Jungfrauen der Wehrmänner gestiftet und in der Donner Fahnensabrik hergestellt. Auf der einen Seite trägt es das Feuerwehrwappen, auf der anderen Seite das Stadtwappen, den doppelköpfigen Adler mit schwarz und weih geteiltem Brustschilde. Um 11 Uhr stellte sich die Wehr in Paradeaufstellung in der Hauptstraße auf, die beiden noch lebenden Mitgründer, Melchior Doll und M. Stahl, wurden unter den Klängen deS Prälentiermarsches vorbeigcfahren. Dann marschierte die Wehr mit Musik in die Stadt- kirche. Hier hielt vor dem Altäre Professor Keller die Weiherebe, der Kommandant der Feuerwehr, Zimmermeister Jean Füller, übernahm das Danner und übergab es dem Fahnenträger. Schloßgärtner S t a n n a r z. DaS Rieder- ländische Dankgebet beschloß die eindrucksvolle Feier. Am Abend versammelten sich die Mitlieder der Wehr zu einem geselligen Zusammensein im Hotel Trapp, wo Regierungsrat Dr. R i n d f u ß gelegentlich einer Ansprache die Verleihung von Shrenabzeichen vornahm. Im Ramen der Stadt sprach Bürgermeister Dr. Sehd. Ein reiches Programm, bestehend auS Orchester- vorträgen, gemeinsamen Gesängen und Darbietungen des Friedberger DvppelguartettS, hielt die Anwesenden bis zur späten Stunde in angeregter Stimmung zusammen. Ü Dad-Rauheim. 28. Sept. Der AuS- gang der Handelskammerwahl, die dem Führer und langjährigen Vorkämpfer der Hotina (Hotel- industrie) W. Schaller eine unerwartete Rieder- lage brachte, ist in den Wirtschaft-Verbänden -nd in den kommunal-politisch interessierten Kreisen Gegenstand lebhafter Unterhaltung. Gs ist noch nicht abzusehen, inwieweit sich das Ergebnis bei den bevorstehenden Vtadtverordneten- wahlen auswirken wird. Zunächst hat der Vorkämpfer des Hotelgewerbes den Vorsitz in folgenden von ihm ins Leben gerufenen Organisationen niedergelegt: Hotina: Arbeitsgemeinschaft: Hotina. Aerzteschaft und Einzelhandel: Hvtel- v erb and Rassau und Hessen: Ausschuß für die deutschen Bäder und Kurorte. Wie verlautet. bestehl die Möglichkeit, daß die Ersatzwahl zur Handelskammer für den Bezirk Bad- Rauheim. über deren Ergebnis wir schon berichtet haben, angefochten wird. Wie W. Schaller in einer öffentlichen Erklärung bekannlgibt. soll die von der Handelskammer Friedberg heraus- gegebene Liste der Wahlberech'.igten an einer „unglaublichen Mangelhaft gleit' leiden und außerdem in der Bedeutung der Wohlzettel ein irreführender .Tritt" angewandt worden sein Ä Dad-Rauheim. 28. Sept Die gestrigen Beigeordnetcnwahlen in den zum Amtsgerichtsbezirk Dad-Rauheim zählenden Gemeinden hatten daS folgende Ergebnis: In Rieder-Mörlen wurde der seitherige Bürgermeister H. W i h e l einstimmig wiedcrgewählt. In Wisselsheim, wo dr seits-erige Beigeordnete Mohr eine Wiederwahl abgelehnt hatte, fiel die Wahl auf Hermann May. der zwei Drittel der abgegebenen Stimmen erhielt. Eine einstimmige Wiederwahl des seitherigen Beigeordneten Ernst Zehner fand auch in Rödgen statt. In Ober-Mörlen, wo bei Gcmcindewahlen die Entscheidung im erstcnDaht- gang fo leicht nicht fällt, muh Stichwahl zwischen dem seitherigen Beigeordneten Th. Pfeifer (601 Stimmen) und W. Fedler (373 Stimmen) erfolgen, da ein dritter Kandidat noch 278 Stimmen auf sich vereinigte. Stichwahl ist auch in Steinfurth notwendig, und zwar zwischen dem seitherigen Beigeordneten Hrch. Falk (174Stimmen) und Konrad Philippi (197 Stimmen), da der drille Mitbewerber es auf 97 Stimmen gebracht Eine erfreuliche Einmütigkeit zeigte die Wahl in Schwalheim, wo früher die Wahlen schon öfters im Zeichen heftigen Parteikarnpfes gestanden haben. Gewählt wurde Lehrer Ohl. der von 370 abgegebenen Stimmen 345 erhielt. Die übrigen Stimmen waren zersplittert. Für den seitherigen Beigeordneten Reimer wurden nur 2 Stimmen abgegeben Butzbach. 29. Sept. Bei Ziegenberg im Usatalc. unweit der LandeSgrenze. wurden dieser Tage zwei Wilderer aus dem preußischen Grenzorte Eransberg von dem Förster Dender auS Wernborn zwischen 7 und 8 Uhr abendS bei ihrem unerlaubten Handwerk überrascht. Bei der Begegnung wurde der bei der Post in Frankfurt beschäftigte 22jährige 2. Rupp erschossen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bereits den Tatbestand ausgenommen. in der Oeffentlichkcit ist über die Art. wie sich der Vorfall zugetragen, aber noch nichts Bestimmtes bekannt. Kreis Büdingen. lH Nidda, 29. Sept. Aus der jüngsten G e • meinderatssihung ist zu berichten: Cs wird Kenntnis davon genommen, daß der Zuschuß der Stadt Ridda zur hiesigen Gewerbeschule für das Schuljahr 1925/26 sich voraussichtlich auf 775 Äm. beläuft, und beschlossen, diesen Betrag der Gewerbeschule vorerst zu überweisen. — Eine Eingabe der Fischereipächter um Einschränkung des Kahnfahrens auf der R"dda zum Zwecke des Schuhes der Fischerei toi elf zurückgcstellt. — Es liegen eine Anzahl Gesuche um Gewährung von Dau- d a r l e h e n vor. Soweit die Gesuche Gewährung von Darlehen aus dem Sondersteueraufkommen für 1926 betreffen, werden sie an das KreiSamt Büdingen weitergereichl. da eine Stellungnahme des GemeinderatS jetzt noch nicht möglich ist. Die Gesuche um weitere Gewährung von Darlehen aus Mitteln der Sondersteuer vorn bebauten Grundbesitz füv 1925 mutzten restlos abgelehnt werden, da die Mittel erschöpft sind. — Die vorliegenden Baupläne des Turnverein 1859 Ridda wegen Erbauung einer neuen Turnhalle und der Geschwister Walther wegen Aenderung einer Hofeinfriedigung werden gutgeheitzen. — Die für Erweiterung der Wasserleitung in der Raun erforderlichen Grabenarbeiten sollen ausgeschrieben werden. Kreis Schotten. □ Laubach. 27. Sept. Gestern nachmittag 2 Llyr wurde im „Großen Saal" des Solmser Hofs die Obst - und GemüfeauSstellung für Laubach und Wetterfeld durch Herrn Geh. Regierungsrat B ö ck m a n n auS Schotten eröffnet Der Redner sprach über die Bedeutung deS Obst- und Gemüsebaues. Dar allem müsse man wirtschaftliche ^Inabhängigkeil vom Ausland erstreben Ungezählte Summen entgingen tonst der Heimat Eine torgfältige Pflege des OdsteS fei von hoher Bedeutung für die DolkSgcsundheit. Daß auch die Heimat auf diesem Gebiete etwas Besonderes leisten könne, beweise die heutige Aus stell ung. die vom Fortschritt deS Züchter- Neiße- deutliches Zeugnis ablege. Sine umfassende SammelauSstellung hatten das Grästiche Haus (Hofgärtner Buchholz), die KreiS- strahenverw-iltung (Dauinspektor Sommer- korn) und die Gemeinde Laubach geboten. Heber 50 Aussteller zeigten außerdem ;n etwa 450 Schalen die Zeugnisse ihres Fleißes. Die feinsten Tasclsorten und treffliches Wirtschaftsobst waren zu sehen. Don edlen Aepfelsorten sind in erster Reihe zu nennen: Schöne von DoSkoop, Landsberger Reinette, Danziger Kant, DanmannS Reinette. Doldreinette von Blenheim. Von W irisch a f t s o b st waren an Aepfeln vertreten: Jakob Löbel. Geflammter Kardinal Bolken, SchasSnafe. Als Lokalsorte ist Ixwvvrzu- heben: „Schöne von 'Detterfeld" An feinen Tafelbirnen sielen auf: GellertS Butterbirne.Reue Poiteau. HosratSbirne, Doppelte PhittopSdirne Als Wirtschaftsobst bemerkten wir von Dirnen: Pastorenbirne. Butterbirne Elairgeau: sehr schöne, reich behangene Tomaten (Lucullus) hatte Hosgärtner Buchholz auSgesteltt. wofür ihm der 1. Preis zuerkannt wurde. Für prächtige Quitten bekam Lehrer Weil den ersten Preis, äleberhaupt konnten viele „Erste Preise" verteilt werden. Auch viele Obstkonserven. Obstwein. Honig usw. waren ausgestellt. Eine Verlosung (Tombola) fand reißenden Absatz. Der Obst- und Gartett-Verein deS Kreises Schotten sowie der Ausschuß der Landwirtschaftskammer in Gießen, insbesondere Herr Obstbauinspektor Wiesner aus Gießen haben sich durch die umsichtige Einrichtung der Ausstellung ein großes Verdienst erworben. Eine reiche Sammlung von Schriften aus dem Gebiete der Obstkultur hatte die Buchhandlung Hotz-Elbe ausgestellt. Der Besuch der Veranstaltung war bereits gestern, besonders aber heute, seh? rege. — Zur Versteigerung des Ob st es an de n hiesigen Kreis- st r a ß e n. die in dieser Woche stattfand, waren viele Liebhaber von nah und fern erschienen. Dirnen und Ztoetschcn waren in sehr geringer Menge vorhanden. Feinere Apfelsorten kamen aus 9 bis 10 Mk., Wirlschafts- äpsel auf 5 bis 7 Mk. pro Zentner im Durchschnitt. — Dom 1. Oktober ab können Sonn- tagska rten von Station Laubach nach Gießen und Frankfurt gelöst werden; schon nm Samstag mittag 12 Ahr kann eine solche Sonntagskarte benutzt werden. Diese Vorteile sind den Dmnühungen des Fabrikanten Michel za verdanken, der hier die Handelskammer vertritt. Leider sind die 'Bemühungen zur Wiedereinrich- tung der Haltestelle „Laubacher Wald" erfolglos geblieben. — Autzcr der Holzschnciderei Schmidt ist hier, an der Stätte der früheren Dorfschaft ..Germershaufen", in neuester Zeit ein Privathaus zur Aufnahme von Sommerfrischlern errichtet worden. Die Fundamente von gegen 20 Häusern dieses Dorfes, das 1340 genannt wird und um 1400 einging, wurden hier vor 2 Jahrzehnten auSgegvaben. lg. Gedern, 27. Sept. Aus der letzten Ge- meindcratssitzung. Die Vorlage über die Abrechnung der Wasserleitung ergab, dah der im Vorjahre erzielte Ueberschutz jedenfalls vollständig verwandt werden muh für die umfangreichen Reparaturarbeiten, die zur Zeit vorgenommeii werden. In Zukunft haben die Hausbesitzer die Verpflichtung, die Kosten der Reparaturen von Abflüssen bei Wasserleitungsausbesserungen selbst zu übernehmen. — Das Gesuch der Wasserlei- tnngsarbeiter betreffend Erhöhung wird dahin erledigt, daß ihnen rückwirkend eine Aufbesserung in Höhe von 80 Pfennig Stundenlohn ge- TT I. nill—BffllH IIIMI» wahrt wird. — Ein au» der Gemerndeoertretun^ heraus gestellter Antrag, betreffend Anbringung von Watferm eifern für sämtliche hiefigen Autv- beliyer. findet Annahme. — Für erforderliche Arbeiten tm SchukhauS erhält Schreinermeister Griemetz den Zuschlag. ebenso wird der Buchhandlung Limpert dahier für eine für die gewerbliche Abteilung der Fortbildungsschule anzuschaffende Schultafel der Zuschlag erteilt — Es wird beschlossen, für einen zu verkaufenden Schafbock Ersatz zu schaffen durch Ankauf eineS folcbat von H. Dir?. Am Schaftrieb soll ein neuer Weg angelegt werden. - Die Abgabe von Gemernde- gelande an die Interessenten der Kolonie Schön- bcu'cn zwecks Anlage von Vorgärten wird zum Preise von 1 Mk. pro Klafter gutgebetben. — Die Gemeindewiesen bei der Schönau sollen zur Hebung der Ertragsfähigkeit mit einer entsprechenden Menge Kali und Thomasmehl bestreut toerben. - Die Beteiligung der Gemeinde an der AuSlandanleibe durch den ®im>ctbanb wird abgelcbnt, ebenso die weitere Erhöhung der Steuer aus bebauten Grundbesitz. -- Der Vertrag, bett eineS KreiSbaudarlehenS. wird durch älnterschrift genehmigt. — Eine an die Gemeinde ergangene Vorstellung, betr deS Besuches der Landwirt- schastlichen Schule in Schotten, wird daßin beantwortet, daß die Schüler sich infolge der ungünstigen Verbindung mit der Kreisstadt in Pen- sion begeben inützten, zu deren Zahlung die meisten Landwirte nicht in der Lage seien, weshalb der Besuch der Landwirtschaftlichen Schule in Büdingen vorgezogen wird. — Was die Versetzung des Franseckydenkmals betrifft, so beharrt die Gemeindeverwaltung auS SparsamkeitSrück- sichten auf ihrem früheren Beschluß, die Ausstellung des Denkmals in kleinerem Umfange in dem Gärtchen vor der Lehrerdienstwohnung vorzunehmen. — Die durch WitterungSeinflüsse am Kirchen dach notwendig gewordenen Reparaturarbeiten werden genehmigt, ebenso die Schaffung eineS neuen Lagers für die große Glocke. — Eine Deschiverde deS Hausbesitzers Ernst Strauß wegen Beschädigung seines HaufeS durch Hvlz- fuhrwerke wird dahin erledigt, daß die Eisenbahn- Verwaltung durch das Kreisamt veranlaßt werden soll, Mahnahmen zu ergreifen, daß die Holzfuhrwerke am Bahnhof drehen können. Die Gemeinde hat bereits das Rückwärtsfahren in den Orts- stratzen verboten. Starkenburg und Nheinhcffcn. Darmstadt. 29. Sept. (WTB.) In ihrem Zimmer in der Dessunger Straße wurde das Dienstmädchen H a s e m a n n von ihrem Geliebten Schwarz durch Drustschüsse lebensgefährlich verletzt. Schwarz brachte sich dann selbst zwei Schüsse bei, die ihn so schtver verletzten, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M, 29. Sept. In der Berson der 25jährigen Else I a n z aus Gries heim wurde hier eine Mansardcneinbre cherin fest genommen. 2llS ihr Versuch, die Tür mit einem Sperrhaken zu öffnen mißlang, holte sie einen Schlosser, gab sich ihm als Wohnungsinhaberin aus und ließ sich die Ture öffnen. Aus der Manjarde entwendete fU- dann einen erheblichen Posten Kleider und Wäsche Ges^äftlr^e-. Praktische Winke für bk Küche. An teurem Fleisch und Brennmaterial spart die Hausfrau, wenn sie die zum Trinken und Kochen, zu Suppen und Soßen benötigte Fleischbrühe aus MozgiS Fleischb«Ühtoürseln herstellt. Anstatt das teure Fleisch der Suppe wegen auszulochen, brät man es lieber und stellt die zur Suppe benötigte Fleischbrühe rasch und nnih'los aus Maggis Fleischbrühwürfeln her. Gemüse, wie Dohnen, Karotten, Erbsen. Kartoffeln, Weih- oder Wivftnatohl, in Fleiscl>brühe aus Maggis Fleischbrilhtoarfeln gargekocht und mit etwas Mehl gebunden, schmecken wie mit Fleisch zubereitet. Sonifertdg, öea 1. Mim 1925,1 jur AdenM nfldimiffnnc ) 1lhr 1 ernv>ehle ich Der Nachlahverwalter. I Schriftliche Angebote unter L A. 594 Dietz. Rechnungsrat. |(9090ss) an den Gießener Anzeiger. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Georg Karl Sehrt, Rektor i. R. laffung. - In dem Hause wird seit langen Jahren (1827) ein flottgehendeL Klempner- und Installationsgeschäft betrieben. 9081E) 2 übt versteigere ich im „Sfötoen“, Neuenweg, dahier, zwangSweiie gegen Barzahlung: Lollar, den 28. September 1925. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 1. Oktober, um ys3 Uhr statt Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 9094D HM-Weigm MM. den 1. flftoöer 1.3s., oormittags 11 Hör soll un Hause Hosstadt Dr. 8 in Wetzlar der Rachlab des Klempnermeisters Anton Wrldschmidt von da öffentlich freiwillig er. bwc versteigert werden, und zwar: 1. Wohn- und Geschäftshaus, Flur 16, Rr. 222, Hosstadt Ar. 8, groß 79 qm 2. Lagerhaus. Flur 14, Rr. 207, Scheunen- gaffe Rr. 6, groß 46 qm nebst darin befindlichen Handwerkszeugen und Malerialienvorräte für Klempnerei und Installätion sowie Warenlager in HauShaltungsgegenständen und Spielsachen. Kaufgeld zahlbar bei Oluf» Heute abend 10 Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden meine Hebe Gattin, unsere herzensgute Mutter und Großmutter Frau Katharine Sehrt geb. Seim im fast vollendeten 71. Lebensjahre. 1 Kastenschrank, 1 Sieppmaschine, 1 Nähmaschine, 3 Schreibtische, eine Schreibmaschine, 2 Dertikows, zwei Büfetts, 1 Küchenbüfett. 1 Diwan mit 2 Sesseln, 1 Bücherschrank, eine Standuhr, 1 Toilettenspiegel, 16 m Anzugstoff, größeren Posten Herren- und Damenstieiel, 4 Mill. Zigaretten, 1 Fatz Talg, 40 kg Rüböl, 65 Hoboks. Dern, Gerichtsvollzieher in Gietzen __Stelnstratze 13.________9123c Jur Führung unserer Filiale im Personenbahnhof Gießen (Eisenbahn - Klosett - Betrieb) suchen wir einen im Rechnen und Schreiben bewanderten Herrn, abgebauten Beamten oder Sozialrentner. in öetannt guten Qualitäten la marin. Heringe leinene Marmage) Bratheringe Rollmöpse ftronfarbinen diverse Käie, sowie iämtl. Feinkost. J. M. 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"*• Der Vorstand. »22» Der Schi^ Ion u Italien dagec der Rheinfra halb der Kleu über der stand diese 5 das Desintei Mit der beit und Italiens sen." Man I von einer E [lowakei anz opportune F Tschechoslotvc liens keinen will keinei nergrenz und der sich außer di rantiepaktes f.ßfg, uno j (WlM!! fiat lne Tsche geschlossen, ° goimtiie vde Mwritaien Dr. Der schon aus d ausg-E treiben- -3 t der M"[ ' sters Dr- oÄtes übern ,°I^A "Siabet im um einen ou Timeo stawischcr i aS. in Dr. Den Äiederla- veüvchtt ivm stötte ihre $ dies Wasser und deutsche Prag i s o l i e genialen Echa dig DeutsG einen ®at würde eirai Deutfchla tendeutsd er bomtt den Lektion erteil A, Die deut Ausgabe g?s| für die von bieten Hal Landkarte zei vina reichend stowakei ein« to; die tot Eine ec ist ein 5 die Pol, Men, daß fe und daß nimmt. dg-^Mel Sm junge n W!' Möer s Ätz! r $ W Nr. 229 öweitesbiati«siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, 3V. Septemder <925 Deutsch-tschechischer Schiedsgerichtsvertrag? Don unserem Wiener Berichterstatter Dr. Ernst Niest ner. Timeo Danaos, dona ferenies. Bietet ein slawischer Politiker plötzlich seine Freundschaft an, dann ist stets Vorsicht und Zurück- Haltung am Platze. Die Tschechen haben einen ihrer fähigsten Diplomaten, den Gelehrten Dr. Krofto, mit der Vertretung ihrer Interessen in Deutschland betraut; und dieser hat am 19. September im Berliner Auswärtigen Amt der Reichsregierung den Vorschlag seines Auhemnini- sterS Dr. B e n e s ch auf Aofchluh eines Garantie- pattes übermittelt. Hinsichtlich des Inhaltes eines solchen Vertrages lieh Dr. Denesch der deutschen ReichSregieruna freie Hand; doch ist man sich darüber im Klaren, daß eS sich hier um einen vollen Garantiepakt hcnrdeln soll, der die Fragen der Grenzgarantierung regelt, und nicht um einen bloßen Arbitragevertrag, der sich bioh auf Grenz- und Pahschwicrigkeiten, aus Verkehr-- und juridische Fragen erstreckt und als Amendement zu einem normalen Handelsvertrag angesehen werden könnte. Einen solchen Vertrag hat die Tschechoslowakei kürzlich mit Polen abgeschlossen, ohne dah dabei von einer Grenz- aarantie oder von dem Schicksal der nationalen Minoritäten die Rede gewesen wäre. Dr. Denesch wlll mehr. Dies erkennt man schon aus den Ursachen, die seine überraschende Stellunanahine bedingten. Die östlichen Nachbarn Deutschlands sind von den die westlichen Grenzen Deutschland berührenden Paktverhandlungen ausgeschaltet worden. Vornehmlich auf Betreiben Italiens. Mitte September schrieb der Mussolini recht nahe stehende römische „Mesfagßrv“: »Italien ist nicht abgeneigt, das Recht auf die Sicherheit Polens und der Tschechoslowakei anzuerkennen und eventuell durch eine opportune Formel neu zu bekräftigen, obschon die Tschechoslowakei heute auf die Freundschaft Italiens feinen groben Wort legt. Aber Italien will keinerlei Verquickung der Dren- nergrenze mit den Grenzen Polens und der Tschechoslowakei, denn es wlll sich au her den allgemeinen Bindungen des Garantiepaktes nicht noch weiter binden. Frankreich hat einen Bündnisvertrag mit der Tschechoslowakei und freundschaftliche Beziehungen politischer und militärischer Natur mit Polen. Italien dagegen hat eine gute Freundschaft mit Polen und korrekte Beziehungen zur Tschechoslowakei. Daher wird in dieser Hinsicht die Polllik der beiden lateinischen Länder, Frankreichs und Italien«, ihre eigenen Wege gehen müssen." Man kann daraus erkennen, daß Italien von einer Einbeziehung der Brenner Grenze in die Paktbestimmungen Bindungen befürchtet, die ihm vielleicht hinsichtlich der Dchandlung der Deutsch-Südtiroler auf erlegt würden und daher jede Verquickung der Brennerfrage mit der Rheinfrage ablehnte; ebenso auch jede Verbindung mit der Grenzgarantie für di: Tschechoslowakei und Polen, zumal Italien, das auf)er- hall» der Kleinen Entente stehende P ölen gegenüber der Tschechoslowakei favorisiert. Man verstand diese Sprache in Paris, wo schon vorher das Desinteressement Englands an den deutschen Ostgrenzen Eindruck gemacht hatte und lieh die Tschechen endgültig fallen. Dr. Denesch hatte seine erste diplomatische Niederlage erlitten. Dah es den Tschechen verwehrt wurde, in der Rheinfrage mitzusprechen, störte ihre große Machtlllusion; zugleich war dieS Wasser auf die Mühle der kommunistischen und deutschen Opposition Man fühlte sich in Prag isoliert. Nun glaubte Dr. Denesch einen genialen Schachzug zu tun, wenn er f e l b ft ä n - big Deutschland gegenüber auf trat und diesem einen Garantiepakt vorschlug; dadurch würde einmal das Desinteressement Deutschlands am Schicksal der Sude- tendeutschen festgelegt bleiben; überdies hatte er damit den vergeblichen Freunden in Paris eine Lektton erteilt. Die deutsche Reichsregierung ist nun vor die Aufgabe gestellt, abzuwägen, was die Tschechen für die von ihnen so ersehnte Grenzgarantie zu bieten haben. Ein Dlick auf die europäische Landkarte zeigt, dah die von Eger bis zur Duko- toina reichende G renzzieh ung der Tschechoslowakei eine geographische Karikatur darstellt; die weit ausgezogenen Grenzen und dazu Camorra. (Sine echt italienische Diebsgeschichte. Don M. Drill. ES ist ein seltsames Volk in diesem Land, in dem die Polizisten und die Dauner Drüder — und Kinder sind. Man muh sie kennen und wissen, dah selbst ihre Verbrechen Grazie haben und dah sie glücklich find, wenn man sie nicht ernst nimmt. 3m Hotel .Italia", dem einzigen Gasthof in dem Deinen süditalienischen Dorf war Großbetrieb. Nello, der hübsche junge Barbier, musizierte heute zum letzten Male. Im nächsten Winter vielleicht wird Netto, der Gentleman im weihen Darbierkittel, wieder einen kleinen Laden auf dem Dorfe haben und den extravaganten jungen Ausländerinnen, die hier weilen, Die Duoenköpfe frisieren, aber jetzt, in der Saison, spielt er — im fashionabelsten Hotel von Sorrent - in der .Tarantella" die Mandoline^ Ein richttger italienischer Darbier muh alles können. Die Mandolinen klingen zusammen . Ein paar junge ortsfremde Italiener singen, alte neapott- tanische Lieder, alles fang mit, „Santa Lucia Contana“ — und die einheimischen Fischer, -Anhänger der Camorra, sitzen friedlich neben oem Brigadiere, dem obersten Hüter der „öffentlichen Sicherheit“. „ ,, . 21uf dem Höhepunkt der Stimmung erscheint Don Michele, 5er ungekrönte König von P. . . . Don Michele, der Camorristenhäuptling. Anführer der Fischerslotille — er, der alles weih und in alle Handel verwickelt ist, der mit unfehl, batet Sicherheit alles „Verlorene“ zurückbringt: Bademäntel, Laternen und Cameras kamen auf sein Geheih wieder zum Vorschein, wenn sie ein loset Vogel entwendet hatte. Don Michele hielt streng auf Ordnung, besonders, wenn ein anderer stiehlt - jetzt beftettte er ein Abendbrot die bedenklich starken, kulturell dem Etaatsvvlk zumeist überlegenen nationalen Minoritäten sind es, berenttoegen die Gründet de« tschechischen Staates bis heute keinen ruhigen Schlaf gesunden haben. Als Hiuptgefahr von außen droht die deutsche Umtlammerung und die magyarische Revanche-Idee. Die Furcht vor der deutschen Umklammerung lieh auch bisher die Tschechen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland absolut ablehnen. Die Furcht vor der kulturellen Ueberlegenheit der deutschen Staatsbürger im eigenen Lande entfachte bei den Tschechen eine nervöse Hast nach Unterdrückung alles Deutschen in Schule, Amt und. öffentlichem Leben. Dor wenigen Tagen erst wurden die Erlasse des Prager Landesschulrates veröffentlicht, wonach in Döhmen allein neuerlich 2000 Schulklassen an deutschen Schulen aufgelöst wurden, das sind mehr als ein Drittel der gesamten Klassenzahl! Im ganzen Staatsgebiet wurden mit Beginn des heutigen Schuljahres 4000 deutsche Schulklassen gesperrt, so dah der Stand des deutschen Schulwesens auf den Stand von 1870 zurückgedrängt wurde, obwohl sich inzwischen die deutsche Bevölletung um 40 Prozent vermehrt hat. Die Schülaranzahl in den deutschen Schulen Böhmens beträgt heute 75 gegenüber 50 in den volksreichsten Gegenden Deutschlands. DieS ist nur ein schmaler Ausschnitt aus der tschechischen Kulturpolitik, die in ihrer Gesamtheit eine recht üble Begleitmusik zum Garantieangebot in Berlin macht. Man hat stets einen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund damit begründet, dah dann Deutschland besser die Möglichkeit habe, I die Rechte der Auslandsdeutlchen zu wahren als bisher. Man wird sich hüten müssen. | die Rechte der deutschen Minoritäten schon gelegentlich des Abschlußes von Garanttepatten preiSzugcben Die Sudetendeutschen stellen mit nahezu vier Millionen Seelen die stärkste Gruppe des Auslandsdeutschtums als nationale Minorität dar. Ohne Gewährung einer vollen Autonomie für das geschlossene deutsche Sprachgebiet und ohne Desinteressement der Tschechoslowakei a n der Anschlußf rage wird ein deutsch-tschechischer Schiedsgerichtsvertrag nicht zustandekom- men dürfen. Verbandstag der hessischen Hausbesitzer. (Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".) : : Bad-Nauheim, 27. Sept. Der Verband hessischer Hausbesitzer-Vereine hielt gestern und heute hier seinen LandeSverbandstag ab, dem Vertreter aller ihm angefchlofsener Vereine in großer Zahl beiwohnten. Die Verhandlungen wurden vom Der- bandsr»is"h nden, Lcurdt.'g abg.H a u r Y - Darmstadt mit Umsicht und Sachlichkeit geleitet. Die gestrige Delegierten-Versammlung im Hotel „Durt" wurde von Dr. W a I g e r, dem Vorsitzenden des hiesigen Hausbesihervereins, begrüßt. Herzliche Worte der Begrüßung sand auch der Verbandsvorsttzende, der anschließend gleich zur Erstattung deS Jahresberichts überging. Schars wendet er sich gegen die Zwangswirtschaft. nut deren Aushebung auch die Wohnu.igs- not beseitigt würde Der hessischen .legte... .g. die die Eingaben des Verbandes ni±t in einem befriedigenden Sinne beantwortet habe, (teilte er Bayern als Muster vor, wo man mehr Verständnis für die Rotlage des Hausbesitzer zeige. Der 2. Verdondsvorsiyende. Ketser - Ose dach a. M. erstattete Bericht über die im August in Marburg stattgcfundene Tagung des acntral- wrbanDcS der Deutschen Hausbesiyervereine. Es fei ein Genuß gewesen, den Ausführungen 'er Führer und Vorkämpfer deS deutschen HauS- befiyes, der ReichStagSabgeordneten H u m a r • München und' Dr I ö r i f s e n - Köln, folgen zu dürfen. In drei Referaten wurde dann der ganze Fragenkomplex, der heute jeden Hausbesitzer beschäftigt. aufgerollt und biS ins einzelne zu Hären versucht. Zunächst sprach der Verbands- Geschäftsführer Z i e g l e r - Darmstadt über das AustoertungSgefeh. Der Redner führte zunächst allgemein dazu aus, daß es sowohl gegenüber der Dritten Steuernotverordnung als auch gegenüber Dem ursprünglichen Regierungsentwurf eine ganz wesentliche textliche Erweiterung erfahren habe und auch gesetztechnisch besser durchgearbeitet sei Eine Reihe der Zweifelsfragen werde noch durch die Rechtsprechung auszullären sein, und gerade in Derartigen prinzipiellen Fragen sei es notwendig, daß der Hausbesih gut vertreten sei, Damit sich nicht eine Rechtsprechung zu seinen Ungunsten herausbilde. An den Aufwertungsverhanolun^en im Reichstag sei zu beanstanden, daß diese nicht nach wirtschaftlichen Grundsätzen geführt, sondern auf das politische Gebiet gedrängt worden seien. Gerade die Frage der Aüctwirtung. die ein Vorbild in der Geschichte nicht habe, sei nur aus dem Grunde derart weit ausgedehnt worden, weil politische Parteien im Reichstage weitgehendste Versprechungen gemacht hätten. Eingehend verbreitete sich der Redner dann ülnr Den Inhalt des Gesetzes insbesondere über Die Hypothekenaufwertung, dabei die Fragen der Vorbehalte und der Vergleiche gründlich erörternd. Bei der Besprechung der Durchführung der Auswertung. Die an Hand anschaulicher Beispiele erfolgte, ging Der Redner näher auf die Kaufgeldf orderi-.nqen (sog. Restkauffchillinge) ein. Syndikus Ziegler bezeichnet die Lasten der Auswertung für Den Hausbesitz deshalb als befonders drückend, weil er noch unter der Zwangswirtschaft fehr zu leiden habe. Befreiung von allen Zwangs- vorfchriften sei deshalb für den Hause - iy das Gebot der Stunde. Landwirtschaft und Industrie, auf deren Lasten oft hingewiesen werde, feien ln der Lage, ihre Belastung auf Die Konsumenten adzuwähen, für den Haus besitz aber werde diese Möglichkeit absichtlich unterbunden. liebet Die neuen Steuerges ehe referierte Von der schm i t t -Dad-Nauhetm, vornehmlich die Sondersteuer und ihre Verwendung einer scharfen Kritik unterziehend. Die größte Aufmerksamkeit fand das von Ziegler- Darmstadt erstattete Referat über den »Wiederaufbau des RealkreditS" das den Weg zeigen wollte, wie sich der Hausbesitzer Kredit für Rückzahlung der aufgewerteten Hypotheken (1932) beschaffen kann. Weil eS sich hierbei um ganz neue Gedanken und Pläne handelt, sei auf die Ausführungen ausführlicher eingegangen. Redner hält, da die Hypotheken? rage eine Lebensfrage für Den deutschen Hausbefitz sei, die Unabhänaigkeit des frcDitbeburftigen deutschen Hausbesihes von Der Hochfinanz wie auch von den fletnen Hypothekenschiebem für eine Aufgabe, Die der Unterstützung des gesamten deutschen Hausbesihes wert sei. Der Wiederaufbau unserer Wirtschaft erfordere gebieterisch, daß der deutsche HauSbesih Die Frage des Realkredtts selber löse und sich von dem Großkapital unabhängig mache. Nach genauer Prüfung aller Möglichkeiten ist der Zentralverband der deutschen Hausbesitzer dahin gekommen, eine Selbsthilfe-Organisation inS Geben zu rufen. Diese Organisation baut sich auf zwei Grundgedanken auf: auf der DerwertungSmöglichsett der Eigentümergrundschuld und einem auf 20 Jahre berechneten Sparsystem. Die Verwertung der Grundschulden ist in folgender Weise gedach: Die Hausbesitzer lassen sich für ihre Eigentümergrundschuld einen Grundschuldbrief nach § 415 D. G. D. auf sich selbst ausstellen. Die Grund- Was bietet derGichenerAnzeiger feinen Lese n? 3n der Politik klare, für jedermann verständliche Stellungnahme nn Sinne vale, ländischen Aufbaues zu allen wichtigen poiitifchen Fragen der Welt und des Reiches, wie auch der ijeffijchen Heimat, der Provinz Gberhefsen nebst den preutzi scheu Nachdargebieten und der Stadt Gießen, schnellsten und zuverläsfigen Nachrichtendienst Aus der Provinz eine reichhaltige, sorgfältig bearbeitete, tägliche Zeitgeschichte in provinziellem und örtlichem Rahmen. Nach den «reifen übersichtlich zusammengestellte Tagesnachrichten über alle Vorgänge von öffentlichem Belang aus den einzelnen Gemeinden und Städten der engeren Heimat, ihres Kultur- und Wirtschaftslebens Zm allgemeinen Teil zahlreicheSonderadteilungen, die in ihrer Vielgestaltigleit und Reichhalligkeit Unterriäftung und Anregung bringen aus dem Leben überhaupt. führende Manner kommen zum Worte in eigenen Aufsätzen über ihre Arbeits- und Wissensgebiete. Das Rundfunkprogramm, ve- richteüberTurnen.Sportund Spiel,findzulefen Sonderbeilagen zum Eichener Anzeiger Gießener gamilienblätter der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorgfältig ausgewählten literarischen Lesestoff Die Scholle vonKennernder Heimaterde fürLandwirtschaft und Gartenbau treibende Leser bearbeitet Aus der Wirtschaft kurz gefaßte, das oberhesfische und benachbarte Wirtschaftsgebiet besonders berührende, aber auch darüber hinausgreisende, wichtige Berichte über Wirtschaft, handel und Verkehr, über Industrie-, Waren- und Arbeitsmärkte, über Zrankfurtcr und Berliner Geld- und Produktenbörse nebst Kursen, Indexzahlen u. dgl. Aus der Provinzialhauptstadt eingehende eigene Sonderberichte über das gesamte öffentliche Leben der Stadt Gießen und ihrer Verwaltung, ihres Verkehrs- und wirt- schaftswesens, über die hessische Landesuniver- fität, über künstlerische und wissenschaftliche Bestrebungen und Veranstaltungen, über Vereins-, Schul- und Kirchenwefen und dergleichen 3m unterhaltenden Teil vorbildliche geistige Kost, die den wirtschaftlich schwächeren Kreisen Ersatz bieten soll für das gute Buch. Der tägliche Roman, die Rätsel- und Schachecke, das Feuilleton werden in besonderen Abteilungen gebracht, vor allem gehören hierher die in eigener Schristleituna bearbeiteten und im eigenen Betriebe gedruckten Heimat im Bild der heimatlichen Landschaft, ihrer Eigentümlichkeit und Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Sonderfeiten Aus Natur und Technik, Aus dem Reich der Stau, Der Büchertifch, Jugend und Hochschule unb einen Wein — er sonnte sich eine Zeitlang in seinem Ruhm — um) dann mischt auch er sich unter Die berauschte Menge und tanzt mit einer blonden Deutschen (blond muß sie fein!) Die Tarantella. UnD dann begann Die Sache: Der Wein floß in Strömen, Die «Stimmung wurde wilder. Endlich zog die ganze Gesellschaft, über unzählige Fettentreppen, als Gäste in mein hoch gelegenes Haus. Netto bot mir seinen Arm. Der rote Landwein wirkte schwer und ermüdend — ich weiß nur noch daß ich mich bald zurückzog. Am nächsten Morgen aber, als ich mir — nach dem Frühstück — meine Zigarette anzünden Will, fehlt Die Zigarettenschachtel — und gleich darauf vermisse ich auch meine Darschaft. Fatal. Schnell entschlossen ziehe ich hinunter ins Dorf; ich muh auf dem schnellsten Wege Don Michele aufsuchen, er wird Rat wissen. Vor der Tür seines Ladens steht Netto. Er zieht mich mit seltsam bedrückter Miene beiseite. „Signora — ist Ihnen in Ihrem Hause heute früh nichts ausgefallen?“ — „Gewiß." antwortete ich zurückhaltend. „Haben «Sie etwas vermißt?“ — .3a,“ sage ich, — „meine ganze Darschaft!“ .Ich habe einen Verdacht," erklärt Netto — rätselhaft genug. „Ich werde mit dem Drigadiere sprechen und Ihnen in einer halben Stunde Bescheid geben." Ich sah, wie er sich zur Beratung nut dem Polizeigewalttgen zurückzog, dessen Gesicht länger und länger wurde. Eine halbe Stunde sank Netto, oben m meinem Haus, mit Leichenbittermiene in einen Stuyl. Don Michele hat das Geld“ berichtete er. .Ich sah in der Nacht, wie er die Hand zuerst in Ihre Börse und dann iir seine Tasche versenkte. Ich habe ihn gleich gestellt — und den Brigadier aufmerksam gemacht — aber er sagte, er habe nur eine Zigarette genommen — und letzt leugnet er alles. Ich habe heute früh meinen Kram nach Sorrent verladen, und bin mir hier geblieben, um diese Sache zu regeln. Ich stehe zu Ihrer Verfügung, und ich reise mcht eher ab, bis das Geld zurückgegeben ist. Ich will nicht, dah ein Verdacht an mir hängen bleibt." Die Situation konnte — diplomatisch gesehen — gar nicht verwickelter sein. Das Dorf, die Polizei und die Camorra war beteiligt: ein Diebstahl, in einem gastlichen Hause, unter Den Augen des Polizeichefs! Kein Polizist würde, das wußte ich, dem Camorristenhäuptting ein Haar krümmen — und gab Michele das Geld nicht gutwillig heraus, so — flog Der Drigadiere. Darauf baute ich meinen Plan. Ich erklärte Nello, dah ich weder gegen ihn, noch gegen Don Michele auch nur eine Sekunde lang einen Verdacht gehegt, und daß ich auch jetzt noch dem Don Michele höchstens einen Scherz zutraue. Reilos Gesicht leuchtete auf. „Sagen Sie das — unter vier Augen — dem Don Michele — er wird sich keinem andern als ihnen stellen." Am Nachmittag mache ich mich auf den Weg, den schweren Gang zu Don Michele. Als ich an der Polizeistunde vorbeikvmme, öffnet sich die Tür. Reilos weihe Mühe erscheint — und hinter ihm der Drigadiere — und das Apachengel icht des Don Michele. Ich verstehe — und verschwinde hinter Der Tür. Don Michele streckt mir Die Synxb entgegen — ich schüttele sie herzlich und augcmnnngemD. Der Polizeichef markiert Würde .Wir haben den Dieb, und wir werden ihn nicht entwischen lassen. Dis zum Abend haben Sie Ihr Gut zurück.“ „Ich wußte es, sagte ich. „Ich habe immer gewußt, daß in diesem Ort niemand stiehlt. Ich habe nie an einen Diebstahl geglaubt — höchstens an einen Scherz — sie willen, Don Michele — Die Bademäntel?“ Michele lächelt, wissend und beglückt. „Aber Diesmal bin ich es nicht gewesen.“ Eine Stunde fbatet hatte ich mein Geld. Es stimmte genau. Ich blieb Dabei, dah alles ein Scherz gewesen sei und mein OebennniS bleiben würde. Seitdem bin ich bei der Camorra Respeksperson ersten Grades. Don Michele selbst liefert mir Die Fische, Hummern und Krabben — frisch aus Dem Meer — körbeweise ins Haus. Ich weih genau: er wird mir nichts geschehen lassen. UnD selbst Die Gassenjungen fühlen sich tcitbem bewogen, mir des öfteren Ständchen zu bringen. Italien I Die Exzellenz. Don Alfred Flemming. Der Staatsminister Exzellenz B. hatte sich bewogen gefühlt, feiner ehemaligen Universität inkognito einen Besuch abzustatten. Bald sü-cte ihn auch das schnaubende Dampfroh nach dem fieinen älniveriitätsstädtchen. Obwohl sich Der Bahnhof und das Städtchen etwas verändert, war doch Die Universität die gleiche geblieben. „Stimmt es nicht, mein lieber Itzenplih," meinte Exzellenz zu dem ihn begleitenden Regierungsrat. .stimmt es nicht, dah alles noch wie früher ist? Sie haben ja selbst hier studiert." .Jawohl, Exzellenz" stimmte jener bei. Als sie die Hörsäle betraten und alles unverändert fanden und selbst noch einem Der alten Professoren begegneten, konnte sich Exzellenz kaum fassen Mit Wehmut rief er aus: „Sehen Sie, sogar die alten Dozenten von ehedem halteir ruxf> ihre Vorlesungen. Ist das nicht rührend?" Beim Deitergehen erblickten sie einen Couleurstudenten, der eine Dame am Arme, dem Ausgange zustrebte. Exzellenz erkannte in den Farben der Mütze und des Schlagbandes einen attiven Burschen seiner ehemaligen Verbindung. Er vertrat ihm den Weg und sagte: „Gestatten Sie, mein Herr, soviel ich weih, ist es bei Ihrer Verbindung verboten, in Couleur mit Samen spazieren zu gehen" „Das stimmt, aber diese Dame tst meine Schwester“, entgegnete Der Student, indem ec weiterging. „Sehen Sie," meinte Exzellenz läayJnb, „ganz genau noch derselbe Schwindel wir zu meiner Zett." Preis 50 Pfennig das Halbpfund in der bekannten Packung. -7,V, X" Befreiung von den Fessln M :-«S' N .,m. .. .n HUK«-. .-4- rod ei nährte Zwangswirtschaft und die Selbständigmachung auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet als die groben Ziele, die der Hausbesih erreichen müsse. Mit Worten der Mahnung an die Hausbesitzer, sich fest zusammenzuschließen, beschloß Landtagsabgeorneter Haury die Tagung. Vom Derwallungsgerichishos. ' D a r m st a d t, 28. Sept. Der D e r w a l - tungsgerichtshos verhandelte in seiner letzten Sitzung über die Besoldung des Bürgermeisters und der Gemeindebeamten in Gontershausen bei Homberg a. d. O. Der Kreisausschuh Alsfeld hatte die Gemeinde verurteilt, dem Bürgermeister und den Gemeindebeamten bestimmte Gehälter zu bezahlen. Der Kreisdirektor legte hiergegen Berufung beim Provinzialausschuß ein, der das Urteil aufhob. Hiergegen hat Beigeordneter Weber Revision eingelegt. Diese Revision wurde jetzt vom Verwaltungsgerichtshof verworfen, weil keine Mängel des Verfahrens nachgewiesen seien. Ferner verhandelte i er Gerichtshof in einer Vorentscheidung gegen den Gendarmeriewachtmeister Szcerbowsli in Homberg a. d. O., dem zur Last gelegt wird, daß er verschiedene Personen veranlaht haben soll, ihm Lebensmittel zu liefern. Der Vertreter des Staatsinteresses wies darauf hin. daß man den Angeschuldigten wegen seines scharfen Vorgehens von seinem Posten bringen wolle. Die ihm zur Last gelegten Fälle logen Jahre zurück und hatten sich zur Zeit der schwierigsten Lebensmittelbeschaffung ereignet. Eine Äeberschreitung derAmtsbefug- nisse liege nicht vor. Die Weiterverhandlung der Sache wurde vom Verwaltungsgerichtshof auf den 10. Oktober vertagt. Turnen, Sport und Spiel. „Hessen" Frankenberg - D° f. B. Metzen 0:4. Frankenberg rechtfertigt den ihm vorausgehenden guten Ruf voll und ganz. Dab es gegen den besser spielenden V. f. B. verlor, kann ihm diesen Ruf nicht schmälern, im Gegenteil, die Mannschaft kämpfte bis zum Schlub trotz der erdrückenden Lleberlegenheit des Gegners mit Ruhe und Vornehmheit und legte ein glänzendes Zeugnis von Disziplin ab, als sie einen zu LInrecht diktierten Elfmeter ohne Widerrede hinnahm. Spielerisch bewertet ist die Mannschaft den meisten Kreisliga- und vielleicht auch mancher Gauligamannschast gleichzustellen. Besonders gefielen das Verteidigerpaar mit dem sehr sicher arbeitenden Torwart, die den übrigen Mannschaftsteil erheblich überragten. V. f. D. trat in der Aufstellung: Vöckler, Muchtar, Kretz II., Dickhardt, Henrich L, Bergener, Fischer, Kretz I., Möller, Mandler und Kleinke an. Vöckler brauchte nur wenige Male in Aktion zu treten und hatte wohl nur zweimal Gelegenheit, seine Kunst zu zeigen. Die Verteidigung war nicht sicher, gegen Ende etwas leichtsinnig. Am besten gefiel die Läuferreihe Dickhardt, Henrich I. und Bergener. Der „Ersatzmittelläufer" enttäuschte angenehm. Die Kombination klappte im Sturm diesmal sehr gut, manchmal sogar zu gut, besonders vorrn Tor. Anstatt zu schlietzen, wurde der Ball immer nochmal abgespielt. Den sauber vorgetragenen Angriffen, die immer und immer wieder gegen T>as Frankenberger Tor rollten, hätten mehr erfolgreiche Torschüsse folgen müssen. Die Tore fielen durch Mandler, zwei, Möller und Kretz I. je eins. Herr Sack aus Heuchelheim war ein gerechter Spielleiter und traf seine Entscheidungen korrekt und sicher. Die eine Fehlentscheidung ist.zu verzeichnen, zumal er sich durch versperrte Aussicht getäuscht haben mag. — Alles in allem war es ein frisches und sehr faires Spiel. Steuerkalender für Oktober. Im Monat Oktober werden folgende Steuern fällig: 1. Oktober: Rentenbankzinsen neuer Art. 5. Oktober: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis 30. September 1925 einschl. der sür die Zeit vom 1. bis 10. September 1925 bzw. 11. bis 20. September 1925 einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträgen ohne Rücksicht auf deren Höhe. 10. Oktober: Einkommen- und Körperschasts- sieueroorauszahlung sür Einkünfte usw. im Monat Juli bis September 1925; vorl. Gewerbesteuer vom Ertrag für den Staat Hessen 20 Proz., die Stadt Gießen 30 Proz., die Provinz 4 Proz., den Kreis Gießen: a) von den Pflichtigen in der Stadt Gießen 3 Proz., b) von den Pflichtigen in den Landorten 18 Proz. der Einkommensteuer- bzw. Körperschafts- steueroorauszahlungen; — Umsatzsteuervorauszahlung für Umsätze usw. im Monat September 1925 und für dos 3. Viertel des Kalenderjahres 1925; Landwirte zahlen Umfatzeuer auf Grund der bekanntgegebenen Richtzahlen und sonstigen Umsätzen usw. für das 1. Viertel des Wirtschaftsjahres 1925/26 (Juli—September 1925); — Kirchen- und Kultussteuern der auf Voranmeldungen zahlenden Einkommensteuerpflichtigen für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1925, und zwar: a) Kirchensteuer, allgemeine eo. und kath. je 15 Proz., b) Kirchensteuer, örtliche Gießen ev. 7 Proz. und kath. 5 Proz.; — Kirchensteuer, örtliche Heuchelheim und Klein-Linden ev. je 10 Proz., Kirchensteuer, örtliche Wieseck ev. 7 Proz.; — c) Kultussteuer, Landjudenschaftsbeitrag 8 Proz., — d) Kultussteuern, örtliche Gießen 30 Proz. und Wieseck 10 Proz. der Einkommensteuervorauszahlungen. 15. Oktober: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. Oktober 1925, sofern der Gesamtbetrag mehr wie 50 RM. beträgt. 18. Oktober: Vorläufige staatl. Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz, 4. Ziel 1925 (gleicher Betrag wie beim 3. Ziel 1925). 2 5. Oktober: Lohnsteuer für die Zeit vom 11. bis 20. Oktober 1925, sofern der Gesamtbetrag für genannte Zeit oder mit den sür die Zeit vom 1. bis 10. Oktober 1925 einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 50 RM. beträgt. Mit Ausnahme der Lohnsteuer können die angeführten Steuern noch innerhalb der siebentägigen Schonfrist ohne Zuschläge bzw. Zinsen gezahlt werden. Buntes Allerlei. Eine Radwettfahrt um die Welt. In London ist der deutsche Bcrufsradfahrer Paul Vogel aus Gera angetommen, der an einer Radwettfahrt um die Welt teilmmmt. Die beiden anderen Wettbewerber sind der Engländer Morrison und der Amerikaner Davidson. Die Wettfahrt begann in Hamburg am 22. Februar; die Teilnehmer sollen die ganze Erde tn 10 Monaten umkreisen und dabei mindestens 28 750 einer groben die in der Einzelthemen in zeichnete die >. Er brachte behandelten und be- 6er schuldbrjefe treten die Hausbesitzer an die zur Durchführung vom Zeutratverband geschaffene Gesellschaft ab. Beteiligt sich nun ein erheblicher Teil des ganzen Hausbesitzes in Deutschland an dieser Maßnahme, so kommt die Gesellschaft in den Besitz von Grundschuldbriefen, die zusammen eine Realkreditbasis in einer Höhe oarstellen, daß die Aufnahme eines Darlehens gegen Verpfändung dieser Grundschuldbriefe in erforderlicher Höhe unschwer erreichbar ist. Die Gesellschaft würbe als Gegenleistung für die Lieber- cignung des Grundschuldbriefes die Schuld des Hausbesitzers hinsichtlich der Rückzahlung der aufgewerteten ersten Hypothek übernehmen uno sich dem Hausbesitzer gegenüber verpflichten, den Hypothekengläubiger rechtzeitig zu befriedigen. Damit wäre der Hausbesitzer seine Sorge mit einem Schlage los. Ferner würde die Gesellschaft dem Hausbesitzer Mittel beschaffen, um die Rückzahlung nachstelliger Hypotheken zu ermöglichen. Auch die Mittel für große Jnstand- sehungsarbeiten könnten auf diesem Wege flüssig gemacht werden. Die Gesellschaft würde auch ihren Einfluß geltend machen, daß die Zinssätze für Hypotheken einheitlich und beit Verhältnissen angepaßt stabil bleiben. Die einzig finanzielle Verpflichtung des den Grundschuldbrief an di? Gesellschaft übereignenden Eigentümers bestehe darin, daß er, berechnet auf die Dauer von 20 Jahren, jährlich einen Betrag cm die Gesellschaft zu entrichten habe, der 0,3 Prozent des berichtigten Mehrbeitragswertes seines Hauses betrage. Dafür übernehme der Zentralverband die Wegfertigung der 1. Hypothek bei Fälligkeit, oder er bezahle nach 20 Jahren den 2l,'..fachen Betrag der Einzahlungen aus und gebe gleichzeitig die abgetretene Grundschuld zurück. Die Vorbereitungen zur Gründung der Selbsthilfe- Organisation seien im vollen Gang, die Gründung selbst werde schon in nächster Zeit erwartet. Der Vortrag, der mit einer ganz neuen Materie vertraut machte, wurde mit größtem Interesse verfolgt. In der Aussprache fand der von Stadtrat H u m a r - München geschaffene Plan der Selbsthilfe, dem der Grundgedanke zugrunde liegt, den deutschen Hausbesih schuldenfrei zu machen, begeisterte Zustimmung. An alle Referate schlossen sich sehr lebhafte Aussprachen, an denen u. a. Rikolaus- Gießen und Launspach-Giehen wiederholt beteiligt waren. Alle Redner gaben der Meinung Ausdruck, daß die Belastung des Haus- besihes den Höhepunkt erreicht habe und mit einem Abbau der Lasten begonnen werden müsse. Aufhebung der Zwangswirtschaft und Erhöhung der Mieten waren die Forderungen, die immer wieder erhoben wurden. Einen besonderen Standpunkt vertrat Tietz- Offenbach, der ausführte, er wolle gar keine höhere Miete, nur die Zwangswirtschaft müsse fallen. Rachdem noch mit Mehrheit beschlossen worden war. einen Vergünstigungsvertrag mit dem Stuttgarter Versicherungsverein zu tätig'n, konnte der Vorsitzende die für die Hausbesiyrr anregend verlaufene Versammlung schließen. Äm Sonntag fand im Kurhausc eine öffentliche tzausbesitzerversammlung statt, bei der der ReichstagSabg. Prof. Dr. B r e d t - Marburg über „D i e politische und wirtschaftliche Lage des Hausbesihes" vor engt. Meilen auf dem Rade zurücklegen. Vogel glaubt, daß er einen Vorsprung von 1000 engL Meilen vor seinen beiden Rivalen habe, die jetzt in Reuyork eingetroffen sind. Die Wettfahrt soll die größte Zuverlässigkeitsprcche darstellen, die mit dem Zweirad je unternommen wurde, und ein Preis von 200 000 Ml., von dem d'e Hälfte an den Sieger fällt, ist von 28 Radfahrfavriken und Sportorganisationen in England. Amerika und auf dem Kontinent zusammengebracht worden. Vogel, der die Strecke von Liverpool nach London (200 engl. Meilen) in 13 Stunden zurückgelogt hatte, hat noch 7500 engl. Meilen vor sich. Auf der bisherigen Strecke von 21 250 engl. Meilen hatte er 194 Reifenschädrn, und er hat 9 Mäntel und 18 Schläuche verbraucht. Warum könne« die Katzen auch im Dunkeln sehen? Wie die Londoner Zeitschrift „Qlature“ berichtet, sind neuerdings Untersuchungen über die Gründe angestellt worden, die einige Tiere befähigen, auch bei Rächt zu sehen. Diese Rachttiere nehmen nicht nur den Teil des Spektrums wahr, den wir auch sehen, sie können vielmehr auch noch einen größeren oder kleineren Bezir^aus dem Ultravioletten unterscheiden. Die Llntersuchung ging in der Weise vor sich, daß verschiedenen: Tieren die Augen herausgenommen und ein kleiner Teil des Augenhintergrundes abgetragen wurde. Die so geschaffene Oeffnung wurde durch eine kleine Quarzscheibe verschlossen. Das so vorbehandelte Organ wurde vor einem Spektrometer ausgestellt, dessen Optik ebenfalls aus Quarz hergestellt war, da Glas die ultravioletten Strahlen nicht passieren läßt. Als Lichtquelle diente eine Wolframlampe. Von ihrem Licht wurde zunächst ohne Zwischenschaltung eines anderen Mediums ein Spektrum entworfen. Danach folgten die Spektren, die sich ergaben, wenn man das Licht erst das vorbehandelte Auge des Versuchstieres hatte passieren lassen. Sie zeigten bald mehr, bald weniger von dem ultra* violetten Teil des Spektrums. In steilgender Reihenfolge ließen sich ordnen: Mensch Löwe, Bär, Katze und Tiger. Eule. Daß der untersuchte Rachtraubvogel das beste Gesicht aufweist, erscheint sofort verständlich, da ihm ja der scharfe Geruchssinn der Räuber aus dem Säugetierslamm abgeht. Der Selbstmord am 100. Geburtstag. Großes Aussehen erregt in Italien der Selbstmord einer Hundertjährigen. Anna Conti, die in der Rähe von Bergamo lebte, feierte am letzten Montag ihren 100. Geburtstag, und unmittelbar nach der Feier erschoß sie sich mit einem Revolver. Sie hinterließ einen kurzen Brief, in dem sie erklärte, daß sie dieser Welt müde sei und daß sie sich nach der anderen Welt und Gott sehne. ---------------------- । Briefkasten der Redaktion. (RechtSa::lcichten sind ohne Verbindlichkeit de; Redaktion.) 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Sie leitete den großen Haushalt mit derselben Sicherheit, die sie sich in Yen letzten Jahren erworben hatte, aber chr Wesen war freier und milder geworden. „SS ist mehr Sonne In ihr," sagte Engelhardt zu Frau von Äothammer, die mit ihm über die sichtbare Entfaltung ihres bisher verschlossen ge- Siebenen Innenlebens sprach. Heber die Gründe dieser Qkränberung gab er sich keine Rechenschaft Hermann Ingold hatte den Weg zu Lo nicht wieder gefunden. . _ Da war Ruth mit Frau Manderfeld ms Haus des FifchmeisterS gegangen und hatte den Dater gebeten, den Knaben zu ihr zu schicken. „Der Bub ist rin Träumer geworden er hat lein Qluge mehr für den Rhein. Aber ich bmd ihm den Willen nicht. Sr sitzt über feinen Büchern, und der Rektor sagt, eS stecke etwas Besonderes in ihm. Dielleicht hat der Rektor recht, aber ich habe auch schon ein Dutzend Fische cis Lachse inS Dey schießen sehen, und alS ich sie in den Händen wog, waren eS grätige Rasen. gerade gut für daS Salzfaß." Lächelnd erwiderte Ruch: „QTber einmal war eS ein schönes Mädchen. Herr Fischmeister, und wer weih, ob In dem Knaben nicht damals die wahre Ola tut erwacht ift, alS der Rhein chm sein erstes Erlebnis bescherte. Schicken Sie ihn zu Lo. In vierzehn Tagen reist sie ab.* „Ach ja, bitte, Herr Ingold, schicken Eie un8 den Jungen, wir wissen ja, daß ihn keine Schuld trifft. Weine Tochter ist in den letzten vier Wochen so aufgeblüht, daß man auf den Gedanken kommen könnte, daS unfreiwillige Rhein- bad habe dazu den Anstoß gegeben." Frau Manderfeld mußte chre Stimme an- tzrengen, denn chre rasche norddeutsche Sprechweise war im Hause deS FischmeisterS imterm Lausten kaum verständlich. „Das rauscht ja in dem Haus wie in einer Weerrnuschel", sagte sie dann auf dem Heimwege zu Ruth. Olls Hermann Ingold von feinem Dater auf- gefordert wurde, nach St. Joseph zu gehen und as Mädchen zu besuchen, daß durch ihn in den Rhein gestürzt worden sei, rauschte in seinen Ohren das Blut, und er fühlte, tote ihm das Herz in den Fingerspitzen schlug. An einem Dachmittag ging er hin. Wie zum Richtplatz. Qlber er ging. Er hatte die Flscherjacke -In den letzten Wochen nur getragen, toenn er dem Dater helfen mußte. Hnb das war selten der Fall, denn die große Zeit war vorbei. Den Hecht fing Ingold mit der Schleppschnur und sah dann allein in dem kleinen Einbaum, der, aus einem Stück gehöhlt, tote ein Trog im Wasser lag. aber weit oberhalb der Schnellen von einem einzigen kurzen Schaufelruder bewegt werden konnte und wie ein Baumstamm dahintrieb, vor dem bet Hecht auch am hellen Tag nicht scheute. Hermann hatte die langen Haare schön gescheitelt und mit einer feuchten Dürste fest- gedrückt. Schneeweiß erschien der Ansatz seiner hohen Stirn unter dem braunroten Haar. Auf der kurzen Oberlippe unter der schmalen hochrückigen Olafe glitzerte der erste Flaum. Der schwarze Anzug machte einen jungen Herrn aus ihm. Silberglänzende Wollen ballten sich über dem Schwarzwald. Die Sonne stach, und die Fische sprangen. Im Garten zu St. Joseph war es still. Dur zuweilen klangen die Krockethämmer vom Spielplatz herüber, wo Lo über ein paar Damen, die als freiwillige ParMer eingesprungen waren, und einem Herrn von Gaggenau, den sie dazu gepreßt hatte, den Zepter schwang „Sie sind b'ran, Herr Hauptmann, schieben gilt nicht! Frei auS der Hand schlagen. Herr von Gaggenau!" Sie schlug die Kugel zurück, die et mit vor- gesetztem Fuß durch die Glocke geschoben hatte. Fräulein Lo, Sie sind mein Todl* seufzte et. "®a hat man sich auf dem Exerzierplatz die in den letzten 15 Jahren, besonders in Hessen zu erklären. Man sollte von vornherein annehmen, daß die wirtschaftlichen, 'eelifchen und körperlichen Auswirkungen der überstandenen Kriegejahre außer in der rapiden Abnahme der Lebendgeburten in und nach dem Kriege auch in einer erhöhten Säugiingssierblichke l ihren ziffernmäßigen Ausdruck fänden, und die Korrelation zwilchen Lebendgeburten und Säuglingssterblichkeit gelöst hätten. Ein Blick in die E.erblichkeits- ziffem der letzten Jahre belehrt aber darüber, daß das Gegenteil der Fall ist, und das Tempo des AbftnkenS der Säuglings- wie der Kindersterblichkeit raicher noch als früher vor sich geht. Während die Säuglingssterblichleit in Heften, die sich schon immer unter dem Reichsdurchfchnilt hielt, noch 1911/12 121,6 pro Tausend betrug, war sie 1918^19 nur noch 181,2 auf Taufend; 1923 24 ist sie auf 82 abgcfunlen, und damit ganz nahe an die schon immer geringste Säuglingssterblichkeit der nordischen Länder heran- gekommen. Diese Zahlen beweisen, daß noch ein weiterer, recht erheblicher Faktor für ihr Absinken verantwortlich gemacht werden darf, lind wir gehen nicht fehl, wenn wir ihn in der Einrichtung der allgemeinen Säuglingsfürforge, im Besonderen der „Hessischen Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürforge" erblicken. Sie erntet hier reichsten Lohn für ihre praktische und aufklärend wirkende Tätigkeit. Fraglos werden wir auf dem Wege der Aufklärung, „der dauernden sachgemäßen Belehrung der werdenden und gewordenen Mütter über die wissenschaftlich und praktisch alS richtig anerkannten Grundsätze vernünftiger Behandlung und Ernährung des Kindes im zartesten Lebensalter", noch weiter kommen unb die Säuglingssterblichkeit noch weiter herabdrücken können. Gibt eS doch kaum ein Gebiet menschlicher Krankheiten, auf dem sich so viel Aberglaube, überkommene, widersinnige Dehandlungsweife und Unfenntnid naturgemäßer Dorgänge und Erscheinungen breit macht, als in der Pflege urtZ> Behandlung des Angeborenen und deS Säuglings! Hier bietet sich noch auf lange Jahre hinaus ein reiches Betätigungsfeld für die im Dienste der Säuglingsfürforge stehenden Personen. Leider sind ihrem Wirken durch die geringen zur Verfügung stehenden Mittel, die eine größere Verwendung von Helferinnen in der praktischen Kleinarbeit und Fürsorge nicht zulassen. Schranken gesetzt. Es bedeutet aber ein ehrendes Zeugnis für ihre Tätigkeit, wenn bei dem Schreiber dieser Zeilen ein Aücklicher Vater sich beschwerte, daß ein Kind kaum geboren sei und schon werde die Mutter von der Fürsorgerin besucht und beraten. Der schroffe Ausspruch entspricht leider nicht der Wirklichkeit. Die geringe Zahl der Helferinnen läßt, wie schon gesagt, ein Ausspinnen der praktischen Einzelfürsorge auf breitester Grundlage nicht zu. Um fo mehr muß hier die Vorsorge eintreten: die Belehrung weiter Schichten durch Anschauungsmaterial. Diese Forderung sucht nun die Wanderausstellung „Mutter und Säugling" des Deutschen DuttemplerordenS. die wir in einigen Wochen in Gießen begrüßen dürfen, zu erfüllen. Die ist zu Anfang des Jahres 1914 auS dein Bewußtsein heraus, daß „vor allem für uns Deutsche, deren Vollstum schon damals bedroht war und deren VollSgefundheit bedenkllch schwankend geworden ist", und daß „gerade auf dem Gebiete der Mutter- und Säuglingspflege schon mit der bloßen Aufllärung sehr schnell ein verhältnismäßig sehr großer Erfolg errungen werden kann", gegründet worden. Ihrer aufklärenden Tätigkeit Dürfen wir einen nicht geringen Anteil am Sinken der Säuglingssterblichkeit gutschreiben. In sieben Abteilungen führt sie den Beschauer von den körperlichen und seelischen Bedingungen zur Elternschaft, über die Vorbereitung des WeibeS zur Mutterschaft, die Grundlagen des Der- erbungSmechanismus, über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zur Entwicklung und Pflege des Säuglings und zur Kenntnis der ihm drohenden Gefahren. Drei weitere Abteilungen bieten statistisches Material über den Geburtenrückgang und die Ursachen der Säuglingssterblichkeit, sowie über t* Organisation der Wuttee- und Säuglingsfürsorge unb ihr« Erfolge Die Ausstellung bietet eine Fülle von bildlichem, plastischem und Anschauungsmaterial in Tabesieiftorm zum SZugltngselenb, zu seinen Ur- fachen, ihrer Vermeidung und zur Aufzucht eineS gefunden Nachwuchses. Wan dars hoffen, daß sie sich auch hier des gleichen regen BefuchS und der Aufmerkfamkeit erfreut, die ihr in einet großen hessischen Stadt vor kurzer Zeit erst zuteil wurde. O. Ehe, Geburt und Tod in Hessen 1924. In Hessen wurden im Jahre 1924 10 048 Ehen geschloßen (1923 12 957): ihnen stehen 505 Ehescheidungen gegenüber (1923 408). Die Zahl der Lebend- geborenen betrug 27 095 (27 43«); davon sind 24 791 ehelich und 2304 unehelich. Torgeboren waren ehelich 781. unehelich 99. Die Zahl der Gestorbenen (ohne Totgeborene) bellet sich auf 15 287 (1928 16 206). davon waren Säuglinge 2070 = 7,6 Pro-. (1923 2434 — 8,9 Proz.). Die meisten Ehen wurden im Dezember geschlossen, dann folgen mit ziemlich gleichen Ziffern November, Juni unb April; die geringste Zahl der Eheschließungen hat der Januar aufzuweisen. Die Geburtenzahl weicht in den einzelnen Monaten nicht wesentlich voneinander ab (März 2654 Höchstzahl und August 2132 Mindest- tahl). Den im Januar 1616 Gestorbenen stehen 967 im September gegenüber; auch die Säuglingssterblichkeit war im Januar am größten. Don den Eheschließungen waren 5800 evangelisch, 2292 katholisch, 21 andere christliche, 109 israelitische, 10 sonstige. Die Hahl der Mischehen betrug 1816; davon war. bei em em evangelischen Manne, die Frau in 768 Fällen katholisch, in 22 ander» christlich, in 8 israe- littsch, in 32 sonstig; bei einem römisch-katholischen Manne war die Frau in 823 Fällen evangelisch, in 5 ander» christlich, in 6 israelitisch, in 8 sonstig. Nach dem Familienstand der Eheschsießenden waren in 8639 Fällen Mann und Frau ledig, in 186 die Frcm verwitwet, in 124 die Frau geschieden; in 599 Fällen war der Mann ucrroitroct und die Frau lebig, in 207 die Frau verwitwet, in 52 die Frau geschieden; in 159 Füllen der Mann geschieden unb die Frau ledig, in 36 die Frau verwitwet und in 46 die Frau geschieden. Nach dem Alter her Eheschlie- fjenben waren Mann und Frau zumeist in den Altersklassen von 20 bis zu 30 Jahren. Die Statistik verzeichnet aber auch die folgenden absonderlichen Fälle von Ehen; bei einem Alter des Mannes unter 20 Jahren war die Frau in 27 Fällen unter 20 Jahre alt, in 24 20—24 unb in 5 25—30 Iabre. Bei einem Alter des Mannes von mehr als 60 Jahren war die Frau alt: Imal unter 20 Jahre, 3mal 20—24, 6mal 25—29, 7mal 30—34, 7mal 35—39, 26mal 40—49, 23mal 50—59 unb 13mal 60 unb mehr Jahre. Von den Nieberkünften bes Jahres 1924 waren (Scbenbgeborene) 26 465 einfach, 618 Zwil- lingsgeburten unb 12 Drillingsgeburten. Die Tobe»- fälle trafen am meisten bie Altersklassen von 70 unb mehr Jahren; unter ben Tobesursachen stand Altersschwache voran, bann folgen Lungentuberkulose unb Lungenentzünbung. Die Zahl her Selbstmorde belief sich auf 275. Wirtschaft. • Französische Industriekäufe t m Rheinland. Der „Kölnischen Zeitung" zufolge sind die Verhandsirngen, die zwischen der Friedrich Krupp A. G. und der französischen Inter- efsentengruppe über den Verkauf der der Firma Krupp gehörenden Gewerkschaft .Dorddeutsch- lcmd" geführt wurden, zum Abschluß gelangt Die Gewerkschaft sei jetzt zu einem für Krupp günstigen Preise in den Besitz der französischen Gruppe über gegangen. * Günstiger Geschäftsgang in der Rheinischen Draunkoylen-Inbustrie. Wie die „Köln. Zeitung" erfährt, ist das Rheinische Braunkohlensyndikat bi» zum nächsten Frühjahr ausverkauft. Der Abruf gestaltet sich nach wie vor sehr flott, und die Nachfrage in Briketts übersteigt die Erzeugung. Der Rheinische Braunkohlenbergbau hat in ben Sommermonaten roeber einen Teil seiner Erzeugung auf Lager nehmen, noch Feierschichten einfuhren müßen. * Eine große Werftanlage von I Blohm & Boß am Rhein — Hernekanal. Verven ruiniert, um hier Krocketgriffe zu klopfen! Bin ich denn 7wch nicht gestraft genug?" Aber er war gar nicht so unglücklich. Doktor Engelhardt hatte ihm zuerst Aspirin und Phramidon abgewöhnt. Joseph Hotz ihn gewickelt und geknetet, die Sonne tm RheinkteS ihn bestrahlt und zuletzt die Welle zwischen den Faschinen ihn mit kräftigem Wurf stromab getragen, bis er das Behagen wiederkehren fühlte und die Rerven sich entspannten und lösten. Run spielte er alS Kompagniechef im zweiten Bataillon deS zwölften badischen Infanterieregiments und Vater von zwei Kindern mit einem grätigen Backfisch und zwei mittelalterlichen Damen Krocket und befand sich dabei so wohl wie nie. Das Mädel war aber auch eine Augenweide! Gr mußte immer an Lena denken, Lena vor siebzehn Jahren! Mit einem Knall fuhr Los roter Ball seinem grünen in die Flanke. „Donnerwetter, Sie sind ja der reine Bom- benschmeiher!" rief er ausschreckend und zog den geprellten Fuß hoch wie ein Gaul. Los Gesicht war zart gebräunt, und in ihrer linken Wange lachte ein Grübchen. Sie wollte gerade mit raschen Schritten zu ihm bin, da wurde sie plötzlich blaß, dann rot, blieb stehen und ließ den Hammer sinken. Ruth kam mit Hermann Ingold den Kiesweg entlang auf sie zu. ES war doch Hermann Ingold? 2a. er war's, fte spürte, wie sie rot wurde, und warf hochmütig den Kopf zurück. Lo und Hermann hatten sich auf das Wiedersehen vorbereitet. Doch nun kam alle- ander-, Lo drückte ihm einen Hammer in die Hand, und einen Augenblick später schlug et, ohne zu wissen, wozu und warum, einen roten Ball btS in die Rhabarberstauden. „Ra. nun hat ja Reserve Ruh'", sagte Hauptmann von Gaggenau zu Ruth. Hnb aus einmal standen Lo und Hermann allein auf dem geschorenen Rasen zwischen den verlassenen Torbogen. Roch zwei, drei Schläge, und ihre Befangenheit wurde so groß, daß ihnen auch oaS Krocket nicht mehr half. . Lo warf den Hammer weg. Sr folgte ihr wie ein Schatten. Krocket ist fad. Spielen Sie Tennis?" fragte Lo und riß im Weitergehen die Blätter von den Johannisbeersträuchern. Hermann blickte auf ihre weißen Schuh« und antwortete leise: „Rein." Sofort ftürate sich Lo in eine zungenfertig« Lobpreisung ihres LieblingsspieleS. aber sie sprach nur. um keine anderen Fragen aufkommen zu lassen, und riß dabei immer heftiger an den Blättern. Sie waren in die wildaufgeschossenen BuchS- baumhecken geraten. Der Schatten der tvpaS- farbenen Gewitterwolken rann auf sie herab. An den Pappeln begannen die Blätter aufgeregt zu zischeln. Lauter und näher klang daS Rauschen des RheinS. Plötzlich blieb Hermann stehen. „Sind Sie mir böse, Fräulein Lv?" fragt« er leise. Sie verstummte, zerbiß ein Blatt, verzoa den Mund und spuckte bie bitteren Reste rasch auS. „Ree — waren Sie schon einmal da oben?" Und ohne seine Antwort abzuwarten, ging sie auf den Hügel zu, auf dem der schwarze Ho- lunderbaum kauerte. Als er oben ankam, saß sie auf dem Tisch und schlenderte mit den Beinen. Sie hatte den Zopf kurz gebunden und eine große schwarze Masche darin, die stand rechts und links hervor und rahmte ihr schmales Gesicht mit den dunklen Augen und dem blahroten Mund köstlich ein. Die Sonne war hinter den Wollen verschwunden. deren Ränder wie Gold glänzten, der Himmel tiefblau und der Lauffen kreidigweiß. AlleS. waS sonst grün war, erschien beinah« schwarz. Die gedeckte Drücke hing tote ein langgestreckter Sarg über dem kochenden Strom. „In vierzehn Tagen reisen wir nach Hause", sagte Lo nach einer Weile. Hermann tat, als wäre bafi noch ring Ewigkeit, . (Fortsetzung MöW . / Wir dem D. H. D. gemeldet wird, errichtet die Hamburger Werft Blohm & Voß in Bladenhorst am Rhein—Hernekanal eine Werft, die nach ihrer Fertigstellung 2000 Mann beschäftigen soll. * Phönix A.-G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb. Die Verwaltung des Hördcr Vereins teilt mit, daß der Betrieb im Martinswerk, im Thomaswerk und im Blockwalzwerk ab 1. Oktober wieder ausgenommen wird. Auch der Betrieb des Stahlwerks wird am 1. Okto - er wieder ausgenommen. Die Abteilungen wa.en wegen Ausbesserungsarbeiten bekanntlich stillgelegt worden. * Vollständige Stillegung des Baroper Walzwerkes. Das Baroper Walzwerk hat am Samstag seinen Betrieb vollständig stillgelegt. Nachdem bereits vor fünf Wochen das Martinswerk mit 150 Mann stillgelegt wurde, wurden am Samstag die Belegschaften der anderen Betriebe, im ganzen 450 Arbeiter und 30 Angestellte, entlassen. Als Grund werden Umbauten angegeben. Es heißt, daß das Werk erst im Januar 1926 wieder in Betrieb genommen werden soll. * Stillegung bet Thyssen. Auf der August-Thyssen-Hütte wird in den nächsten Tagen die Stlikasteinsabrik, eine der wenigen Betriebe, die bisher fast ohne Feierschichten gearbeitet haben, stillgelegt. Dörsenkurfe. Datum: y/0 Deutsche Rcichsanlethe ■ 4% Deutsche ReichSanleipe . 3’/»% Deutsche Reichsanlethe 3°/.> Deutsche Retchsanlcthe . Deutsche Sparpramienanlethe 4% Preußische KoniolS . . . 4% Hessen ... ..... 3*/3°/o Hessen.......... 3% Hellen Tenstche Vertb. Dollar»Anl. bfo- Doll-Schatz-Anweisng.') 4*/,; Zolltürken 5% Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Kommerz- und Privat-Bank Darmst. und Nanoualbauk . Deutsche Bant Deutsche Vereinsbank .... Disconto Kommandit . . . Metallbank.......... Mitteldeutsche Kreditbank. . Desterrcichischc Kreditanstalt. Westbank ....... Bochumer Guß ...... Buderus • . ........ Caro Deutsch-Luxemburg .... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Lanrahütte *. . ♦ Oberbcdarf • • • • Phönix Bergbau ..... Rocinstahl........ Ricbeck Montan ....... Tellos Bergbau * , Hamburg-Amerika Paket.. . Norddeutscher Llovd . ... Kheramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann ...... Anglo-Cont.Guano .... Badische Anilin........ Chemische Mäher Alavüt . . Goldschmidt . . Griesheimer Electron . . . . Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung RütgerSwerke ....... Scheideanstalt ....... «llg. ElektrizitSir^esellschaft ScroTnartn . . . ♦•••••• MawkraftwerK ........ Schnckrrt . . ......... Siemens k HalSke ..... t Adlcnverke Kleyer ...... , Daimler Motorm. ..... y Heyligenstaedt ......... * Megutn . . , Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konseroenfabrik Braun . . . ' Meiallgesellichast Frankfurt. Bet. Union L-»G. Schnhiabrik Herz ...... Sichel.............. Zellstoff Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurt a M. Berlin Schluß- fturi Schluß!:. Abrnö. 6rlr Schluß Ku.» Schlich» Mittag hörte 28. 9. 29 9. | -8. 9. 29 9. 0.235 0 225 J 2375 0.235 — — 0.295 0.295 0.28 0,285 0.285 0,2875 0,46 0,450 0.455 •1.460 — — 0.1»25 0,147:» 0,275 0.285 0.2875 0.2825 — — 0.27 0,27 — 0.29 0.26 0,275 — 0,275 0,25 0,24 — 90.25 >'l 75 91.75 95,2 95,3 95.25 95.25 7.35 7,4 7.4 7,5 — 40,5 — 126 125] 126,5 126 95.5 95 95 95 108,5 106.75 108.5 107 109 108 109 108 55 56 — 103 102.25 103.25 102,5 76 76,25 u- 94 98,5 94.5 94 7.6 7 4 7.50 7,5 0,028 0,028 d — 66.5 69 67,75 49.5 48,13 49 47 41 39.75 68.5 40,25 39,5 70,5 69 68,9 74,, 73 73 72,5 10.3 101.5 102 25 101,4 — 117 25 117 75 um 126 125 19.1 18,75 39 37.6 37,75 3.« 53 51 52 51 .2 70 72.13 73 56 55,25 56,25 55 7 — 73 75,25 74,25 6) 60 60,5 60 60,5 60,5 65 64,75 65.5 65,5 65.25 65 * 57,5 55,75 57 55,25 —■ — 941 94,25 121,5 133 121 120,25 — 70 68.25 69 69 117 116.4 116.62 116.5 118,25 117,25 117,8 117,4 56,13 54 — 71 72 70.18 72,5 98,25 93 *• — 94,25 98 94.8 83.75 78 — 78 73,25 —» » 77 —■ — 82,5 61 63 61.75 77,75 6 5 77 76.5 40,5 39,5 40.5 40,25 41,25 39,13 41,1 40 28 28 — — 36 36 36 36 — — 48 48.5 — 0,8 — — — —» —» 99 99,5 — — 62 62 M 40 — 31 33 31 — 4.62 4 5 4.5 88.25 87.5 87,13 87.5 59.5 58.1 — — 66 56.25 56,5 55,25 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. igin VMrmen Mark auSgedrückt. Buenos-Aires. London, «en- hott, Japxm. Rio de yaneiro für eine Einheit. Wien and Dadave-it für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten. 28 Seplbr. 29. Septbr. Amtliche Geld lloti rung Briet Amtliche Notierung Geld Brief Amst.-lltou. 168.76 169,18 168,69 169,11 Buen-.AireS 1,699 1,708 1,699 1.703 Brll.-Antw. 18 33 18,37 84,21 18.34 18,38 Khristiania. 83,99 82,75 82,95 Kopenhagen 101,17 101,43 100,92 101,18 Stockholm . 112,61 112,89 112,66 112,95 HellingforS 10.56 10,60 17.11 10.686 10,602 Htaiien. . . 17.07 17,03 17,0. London -0.324 -•0,375 30,316 20,866 NetWork . . 4.195 4,206 1,195 4,295 Paris. . . 19,86 9,90 19,87 19,91 Schweiz . 81 01 81,21 80,96 81,16 Spanien. . 60.87 60,53 60,27 60,43 Yap cm . . . Rio de Jan 1,714 1,718 *.714 1,718 0 588 '.590 1.585 0.587 Wien inD-- Oest. abgeft 59,20 59,34 59,20 59,31 Prag .... 12,425 12,416 12,425 12,465 Äelgrod . . 7.44 :,46 7,435 7,45. Budapest. . Bal.arten . 5,865 3,065 5,885 3,075 5,865 3.065 6,88." 3,075 Lissabon Damtg. . . ."itonft.ntin. 21 075 21.125 21.075 20,125 80.62 80.82 80,57 80,77 2,315 2,325 3,307 2,317 Athen ■ . 6.09 6.11 6.09 641 Kanada. . . 4,197 4,207 4,195 4,205 Uruguay 4,185 ) .196 4,181 4,195 Berlin, 29 Septbr. Geld Brief Amerikanische Noten ..... 1,20 4,22 Belgische Noten ....... 18.28 18,8t 101,15 Dänische Noten ....... 100.65 Englische Noten........ Französische Noten ...... 20,287 19,84 20,387 19 94 Holländische Noten...... 168,30 169.14 italienische Noten ...... 17,09 17,17 Norwegische Noteu...... -12.59 83.01 Deutsch-Oefterr, i 100 Kronen 58,98 59,28 Rumänische Noten...... — — Schwedische Noten...... 112,34 112,90 Schweizer Noten....... 80,76 81,16 Spanische Noten..... . 60.05 60,35 Tschechoslowakische Noten . . 12,89 12.45 Ungarische Noten....... 5.81 5,85 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin LS. Sept. Di« Börse begann heute in ausgesprochen schwacher Tendenz, obwohl eine Reihe wirtschaftlicher Meldungen Vorlagen, die geeignet gewesen wären, die Haltung in günstigem Sinne zu beeinflussen, so insbesondere die Ueber-eichmmg der Bayerischen Arne- rila--Anleihe, die Lagerberichte aus der Braun- kohlen-Jndustrie und die aus dem neuen Reichsbankausweis ersichtliche Entlastung dieses Institutes. Diese Moment« traten jedoch hinter den jetzt plötzlich aufgetretenen großen Geldansprüchen zum Ultimo zurück, die in dieser Starke nicht mehr erwartet wurden. Die matte Verfassung der Effektenmärkte führte man daher in der Hauptsache auf die Ultimoregulierungen zurück, die von einer weiteren Versteifung des Geldmarktes begleitet war. Tägliches Geld erfordert 9 bis 10> 2 Prozent, Geld wenige Tage übe rden Ultimo IO1/2 bis 11 Prozent. Monatsgeld nominell IOV2 bis 11 Vs Prozent. Stark verstimmend wirkte die Meldung über eine größere Illiquidität bei dem Giesche-Montan» Konzern. Auch aus anderen Wirtschaftskreisen lagen Meldungen über finanzielle Schwierigkeiten vor, die die Auffassung der Borke über die Wirtschaftslagen pessimistischer gestalteten. Am Devisenmarkt waren der Gulden und Warschau leicht gebessert. Stärkeren Schwankungen unterlagen nordische Devisen, die Tendenz war eher schwächer. Die Reichsmark notierte in London 20,35, Amsterdam 59,20, Zürich 123,35. Paris 5,03. Rach Festsetzung der ersten Kurse trat zwar eine leichte Besserung ein, die aber die Abschläge nicht wettmachen konnte. Das Geschäft beschränkte sich in der Hauptsache auf heimische Anleihen und Montan-Aktien Frankfurter Abenövör'e Frankfurt a. M., 29. Sept. Die Abendbörse verkehrt« bei belanglosem Geschäft auf dem Niveau der schwächeren Nachbörsennotierun- gen. Auch für Anleihen trat eine neue Senkung ein. Die Abendbörse schloß in schwacher Haltung. Deutsche Anleihen: 5prozentige Reichsanleihe 0,225, Schutzgebietsanleihen 5000. Ausländische Renten: Ungarische Goldrenten 9,50. Bankaktien: Commerzbank 95, Darmstädter Bank 106,75, Deutsche Bank 108, Dresdner Bank 100, Mitteldeutsche Creditbank 93,50, Reichsbank 135, Oesterreichische Credi'.altien 7,40. Montanaktien: Rombacher Hütte 33,50, Phönix 70. Industrieaktien: Daimler 39,12, Elektrisch Licht und Kraft 94, Hoch- und Tiefbau 42,25, Neckarsulmer 58, Rheinmetall 21,25, Rütgerswerke 72, Zellstoff Waldhof 87,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 29. Sept. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 22,50 bis 22,75, Roggen, inl. 17,50, Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 27, Hafer, inl. 19,50 bis 20,50. Mais (gelb) 20, Weizenmehl, inl., Spezial 0 37 bis 37,50, Roggenmehl 25,50 bis 26, Weizen- und Roggen- flete 10. Tendenz: Flau. Frankfurter Schlachwiehmarkt. Frankfurt a. M., 29. Sept. Austrieb: 1319 Stück Rinder, darunter 296 Ochsen, 42Dullen, 981 Färsen und Kühe: 311 Kälber, 248 Schafe. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Rinder: Ochsen: Dollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 62 bis 68, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 54 bis 61, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 43 bis 53; Bullen: Vollfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 54 bis 60, vollst, jünger« 45 bis 53, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 38 bis 43; Färsen und Kühe: Vollfl. ausgemästet« Färsen höchsten Schlachtwerts 57 bis 64, vollst. auSaemästete Kühe höchsten Dchlachtwerts bis zu 7 Jahren 52 bis 60, wenig gut entwickelte Färsen 48 bis 56, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bis 50, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 biS 40, gering genährte Kühe und Färsen 15 diS 20. Kälber: Feinste Mast- kälber 80 bis 85, mittlere Mast- und beste Saugkälber 70 bis 78, geringere Mast- und gute Saugkälber 60 biS 68, geringe Saugkälber 50 bis 57. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 55 bis 58, geringere Masthämmel und Schafe 46 bis 48, mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 30 bis 35. Marktverlauf: Ruhiger Handel, voraussichtlich etwas Ueberstand. Berliner Produk'.evbörfe. Berlin, 29. Sept. Der Prodicktenmarkt ist abermals sehr matt. Die Kauflust ist unter der Einwirkung der abfallenden Auslandpreise gering. Auf dem Weltmarkt hört man nur Angebote, so daß die schwache Tendenz weiter anhalten dürfte. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märf. 200 bis 205, do. Sept. 221,50, do. Oft. 221,50-bis 219, do. Dez. 225 bis 223, Roggen, märf. 146 bis 150, do. Oft. 161 bis 160,50, do. Dez. 170 bis 168,50, Gerste, märf. 206 bis 230, Futtergerste 169 bis 174, Hafer, märf. 172 bis 180, do. Oft. 174 bis 173, do. Dez. 183 bis 182, Raps 345; für je 100 Kilo: Weizenmehl 27,25 bis 31, Roggenmehl 21,75 bis 23,75, Weizen- kleie 10, Roggenkleie 9,20, Viktoriaerbsen 26 bis 31, Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 24 bis 26, Rapskuchen 15,40, Leinkuchen 21, Trockenfchnihel 11,40, Torfmelasse 8 bis 8,20, Kartoffelflocken 16, Zucker 20,20. Kleines Schöffengericht Gießen. • Gießen, 28. Sept. Hinter verschlossenen Türen ivurde gegen die Ehefrau A D. aus Götzen verhandelt. Sie hatte hn Jahre 1923 ihrer ledigen Tochter, die in anderen Umständen war, Beihilfe zur Abtreibung geleistet. Es wurden der Angeklagten in weitgehendem Maße mildernde Umstände zugebilligt, da sie Mutter von 14 lebenden Kindern ist. Das Urteil lautete auf 1 Monat 2 Wochen Gefängnis. Der Kaufmann L. W. aus Garbenteich wurde wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Gr braucht« Geld für eine Reise nach Göttingen, wo er ein« Stelle in Aussicht hatte. Er machte sich deshalb an einen hiesigen Sortierer heran, erhielt auch auf feine Bitten eine Musterkollektion Zigarren und versprach, Bestellungen auf Zigarren aufzusuchen. Er brachte einige Aufträge, die aber fingiert waren, ließ sich die angeblich bestellten Zigarren aushändigen und verkaufte sie unter Preis. Weiter fertigte er drei Bestellscheine an, die er mit fremden Namen unterschrieb, und legte sie vor. Mildernde Umstände wurden ihm zugebilligt, die in seiner Jugend und in seiner Notlage gefunden wurden. Büchertisch. — Die soeben erschienene 7. Lieferung des „Kleinen Brockhaus" bringt uns wieder viel Interessantes. Eine Uebersicht über die Entwicklung der Musik unb der Oper geben uns ein klares Bild des ganzen Werdegangs des Ton- reiches. Pilzsammler finden zwei reichhaltige Pilztafeln in zum Teil farbiger Ausführung. Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". W Problem Nr. 30. Don Otto Dehler. Schwarz. -iß. Matt in drei Zügen. Weiß: 9 Steine. Kdl, Tal, Ld7, Le3, Sd6, Bb4, Be2, Bf4. Schwarz: 4 Steine. Kd5, Te8, La6, Bb5. Sf5 11. 5. 5. c7-c5! Position den Vorzug verdienen. 14 15. Sd4xc6 l6. Dh4-h6+ 17. Dh6-h3 1. e2-e4 2. d2-d4 3. Sbl -c3 4. Dd 1 — g4 1. e7-e6 2. d7-d5 3. Lf8-b4 4. Ke8-f8! 14. g7-g5 15. SeTxcö 16. De5-g7 17. Dg7-f6 Ein sehr guter Zug; in ähnlicher Stellung wurde von Rett gegen Dogoljubow im Breslauer Turnier an dieser Stelle §7—g6? , welches die Glossatoren als stärksten Zug empfehlen, gezogen. R6ti machte jedock) verschiedene Male hiermit schlechte Erfahrungen. 5. e4-e5 An dieser Stelle dürft« sich ein Entwicklungszug, z. B. Ld3, mehr empfehlen, da Schwarz nunmehr sofort durch Runde des Debrecziner Meisterturniers am August 1925 gespielt. Französische Partie. Weiß: Mattison (Lettland). Schwarz: Dr. Nagy (Ungarn). Partie Nr. 21. Die nachfolgend« Parti« wurd« in der zweiten das weihe Zentrum unter Feuer nimmt. 6. a2-a3 6. Dd8-a5 7. Lei - b2 7. c5xd4 8. Dg4xd4 8. Sb8-c6 9. Dd4-f4 9. d5-d4! 10. Sc3-e2 10. 8x8-«7 11. Ld2xb4 11. Sc6xb4 12. 0-0-0 12. Sb4-c6 13. Se2xd4 14. Df4-h4 13. Da5xe5 Nach dem Damentausch würde di« schwarze 18. Lfl — b5? 19. Dh3-c3 20. Dc3-c5+ 21. Tdl-el 22. Dc5xe5 23. Kcl - bl Weiß gibt auf. 18. Sc6-d4 19. e6-e5 20. K18-g7 21. Lc8 — f5 22. Ta8-c8 23. Sd4xc2 Lösung des Problems Nr. 29. 1. Dc4-g8! Varianten einfach. Aus der Schachwelt. Süddeutsche Mei st erschaff. Bei dem Wettkampf um die Süddeutsche Meisterschaft erzielten Gebhard, München, mit 5 Punkten den 1. Preis und Ludwig Schmitt, München, und von Lennep (Dr. Thönes), Speyer, mit je 4*/z Punkten den 2. bis 3. Preis. Dann folgen Wiedermann, Rutz, Krautheim und Weißinger mit je 21/? und Eiche mit 2 Punkten. Gebhard, München, ist somit Süddeutscher Meister. Geza Maroczh. Dieser Tage^seierte der ungarische Großmelster Maroczy ein seltenes Jubiläum : eine 30jährige Schachtätigkeit. Er kann auf viele schachliche Triumphe zurückblicken, und was mehr ist, auf eine seltene Beliebtheit. Ueber- all hat er nur Freunde. Die bedeutendste schriftstellerische Leistung war bekanntlich seine Ausgabe des Morphy-Duches. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonSttsch. Der Wettbewerb. Beim Nachtisch veranstaltet der Papa einen kleinen Wettbewerb: „Also Kinder — wer mir den schönsten Kuß gibt, der kriegt noch ein Stück Kuchen!" Der kleine Kurt läuft zur Tür und ruft in den Korridor: „Minna! Kuchen essen!" Harmlos. Merkwürdig, wie verschieden die Nachbarn mein Klavierspiel beurteilen! Don links wird ein Stein ins Fenster geworfen, und von rechts schreit im nächsten Augenblick einer Bravo!" Zoologie. „Wie hübsch uns die kleinen Schwäne begleiten!" — „Du Gans, das sind ja Enten!" Auf dem Rummelplatz. „Wollen wir nicht noch ins Flohtheater?" — „Nee, ich mache mir nichts aus Kleinkunstbühnen.- Hojvtoho-ol „So ein Bonbon steckt der Sänger Meiritzki stets vor dem Austreten in den Mund." — „Zu wenig! Eine ganze Tüte sollt' er nehmen, dann könnte er wenigstens nicht mehr fingen l“ Pygmalion. Kammerspiele München. In der Pause nach dem Vorspiel, das auf halb verdunkelter Bühne abläuft und vom Geschrei der Liza beherrscht wird: „Du, was heeßt d'n das, Bichmahl'chon?" ,,'ch weeß je ooch nich genau ... 's is so was Aehnlich's wie Gamähl'cbon . . . Ee ward doch ooch eegahl anderschd . . . „'s ward schon so seihn ... — Gamähl'chon heeßt's bei de Diere un Bichmahl'chon bei de Menschen." Jedem bringt die Lieferung ettvaS ReueS; sie läßt erkennen, daß der „Kleine Brockhaus" ein unerschöpflicher Quell des Wissens ist. Der ermäßigte Subskriptionspreis gilt' nur noch für Bestellungen bis zum 29. September. — Die Deutsche Kritik. (Verlag Franz Ducke, Chemnitz.) Mit Beginn der neuen Spielzeit ist ein bemerkenswerter Ausbau dieser interessanten Theaterzeitschrift, die bekanntlich aus mehr als 200 der größten deutschen Tageszeitungen die Kritiken über Uraufführungen, Erstaufführungen, Neuinszenierungen und Neueinstudierungen sammelt, erfolgt. In den verschiedenen Städten haben bereits Uraufführungen stattgefunden, worüber die Septemberheste der Deutschen Kritik berichten. Den Anfang hat Stuttgart mit dem Schauspiel „Esther La- barre" von Franz Schulz, gemacht. Die im Laufe der letzten Jahre gesammelten Erfahrungen hat sich Die Deutsche Kritik insofern zunutze gemacht, als nun bei Uraufführungen und wichtigen Erstaufführungen nicht nur die Kritiken vom Orte der Aufführung selbst, sondern auch aus anderen Städten veröffentlicht werden. Es ist jedenfalls außerordentlich interessant, an Hand der Deutschen Kritik das seit 1. September außergewöhnlich stark pulsierende deutsche Theaterleben zu verfolgen. Die Deutsche Kritik erscheint in zwei Ausgaben. Ausgabe A enthält die Schauspielkritiken und Ausgabe B die Opern- und Operettenkritiken. — Jakob Schaffner, Die Schürze. Engelhorns Romanbibliothek. Ganzleinen 1.75 Rm. Jakob Schaffner, der berühmte Träger des Schweizer Schillerpreises, schenkt uns hier einen humoristischen Roman, den niemand ohne vergnügliches Schmunzeln lesen wird. Die sichere Charakterzeichnung verrät ebenso den überlegenen Menschenkenner, wie die urwüchsige Sprache den originellen Dichter. 514 — Der Schwimmsport, von Dr. Willy Meisl und Philipp lötnter. 3m Ullstein-Verlag, Berlin. Ein Buch vom Schwimmen, mit vielen Bildern und Skizzen, wo an den Beispielen unserer besten Schwimmer gezeigt ist, „wie's gemacht wird". — Die neuen Aufwertungsbestimmungen mit Umrechnungstabelle an Hand praktischer Beispiele für den Dolksgebrauch erläutert von Dr. K. Delz. Verlag „Unitas" G. m. b. H., Bühl (Baden). 519 — Fr. W. van Oestsren. Es wäre besser gewesen. Engelhorns Romanbiblio- thek. Ganzleinen 1.75 Rm. Die schlichte Geschichte eines schönen Mädchens aus bescheidenen Verhältnissen, das durch eine Geldheirat innere und äußere Konflikte heraufbeschwört, wird von Oestören in seiner poetischen Art schlicht und dabei doch überaus farbig erzählt. 513 — Monika Hunnius, »Mein Weg zur Kunst". (Eugen Salzer, Verlagsbuchhandlung, Heilbronn.) Das Buch umfaßt vier Hauptabschnitte: 1. Kindheit und Jugend. 2. Studienzeit. 3. Wirken in der Heimat; und der letzte Abschnitt erzählt vom Weltkrieg und der Nachkriegszeit. Aus einem reichbewegten Leben trete:: uns Gestalten von eigenartiger Prägung und farbenfrohe, fesselnde Bilder entgegen. Und in allen schwingt eine feine Seele, di« dieses Leben in seiner tiefsten Innerlichkeit und Schönheit erfaßt und ihm beredetsten Ausdruck zu verleihen fähig ist. 64 Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag, 1. Oktober. 4.30 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert deS Haus-Orchesters: Neue Schlager. 6 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde (Aus fernen Ländern): Aus dem Buch: Unter Indianern Südamerikas, von Prof. Dr. Max Schmidt-Berlin. 6.30 bis 7 Uhr: Nur für Kassel: Vortrag von Oberftuöienbireftor Dr. Hermann Küster: „Das Auslanddeutschtum, seine kulturelle und wirtschaftliche Ded'euwng" (nachgeholt). 7 bis 7.30 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radio- Clubs: „Sinn und Bedeutung der elektrischen Maßeinheiten", 21. Spezialvortrag von Herrn Schneider. 7.30 bis 8 Uhr: Vortrag von Herrn Ernst Schoen: „Neue Musik, Musikfeste und Rundfunk". 8.30 bis 9.30 Uhr: Tanzmusik der Tanzkapelle Steinmetz. 9.30 Uhr: Nachrichtendienst, Wettermeldung. 9.35 Uhr: Die Spätankündigung: „Ausrufungszeichen!" 9.45 Uhr: Sportfunkdienst. 10 Uhr: Zeitangabe. 10 bis 11 Uhr: Übertragung von Kassel: V. Kasseler Mundart-Abend, ausgeführt von Herrn Carl Sömmer. WUtig für cvllekieflilelekLLkuÄWW einkommensteuergesetz vom 10. August 1925, daß Lotteriegewinne künftighin steuerirct sind. Dadurch werden die Zweifel, die btftber bei dem Publikum über die Frage entitanbrn und, ob es überhaupt lohne, in der Votierte zu svleleu. Es steht nunmehr unbedingt iest, bah im Halle eines Gewinnes in der Preukiich-Siiddentichcn Klassenlorterie lediglich die planmäßigen 2 ■' , und roeiter nichts, insbesondere keinerlei Steuern gekürzt werden. Auch ist der Ge- winn dem zuständigen Finanzamt nicht als Ein- kommenzuwachs aufzugeben. Demgemäß werden dem Spieler eines AchtelloseS, das nur 3 Reichsmark in jeder Klasse kostet, im Falle eines Gewinnes von 100i>00 Mark, die schon in ieber der vier Bor- klassen als höchste Gewinne ausgespielt werden, 10000 Reichsmark und, falls er daS große Los in der Haup:- und Schlußklasse gewinnen sollte, 50000 Reichsmark bar aus gezahlt. Es sind dies Sumrnew die in heutiger Zeit schon ein großes Vermögen bedeuten und die glücklichen Gewinner von jeder Sorge befreien. Wer noch kein Los hat, säume daher nicht, sich fofort ein solches zu sichern, da dem Vernehmen nach bet der bevorstehenden 26.'252 Preußisch-Süddeutschen Klaffenlotterie, deren Plan erhebliche Gewinnverbesserungen aufweist, bereits eine solche Nachfrage nach Lolen eingesetzt hat, datz abermals mit einem Ausverkauf zu rechnen ist. Tie Ziehung 1. Klaffe findet bereits am 16. und 17. Oktober d. statt. 53371a