Itt. 176 Erstes Blatt 175. Jahrgang Donnerstag, 30. Zull 1925 'cfcheint täglich, aufeer Sonn» und Feiertags Beilagen: ZiebenerFamilienblätter Heimat im BUd. ®oneti.Be)ig«prds: 2Colbmarh a 20 Bold- Nmnig für Trägerlohn, -Ich bei Nichterfchemen -.an einzelnen Nummern : folge höherer Gewalt. ;^trnfprech'Anfchlüise: Schriftleitung 112, Der- oiundGefchästsstette51. Anschrift für Drahtnach- chten: Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: irinffurt a. M. 11886. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. 5chriftleitrmg und Geschäftsstelle: Schulftratze T. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vir zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichNcit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtiichS, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Doldpfennig, Plahvorfchrift 20° .Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Die Einkommensteuer-Debatte. Die Zustände am Koniasplatz fangen all- räfrlicb an, peinlich zu werden. Die Zahl der .hfenden Abgeordneten wird immer größer, die s egierungSparteien, die eigentlich jetzt alle Kräfte indbieten mühten, um die Obstruktionsversuche bei Opposition unmöglich zu machen, verfügen rr Plenum nur noch über einen ganz geringen vdgeordnetenbestand, so dah man sich in der ffat fragen muh, welchen Verlauf die Dinge unter >«sen Umständen nehmen werden. Hinter den luliffen ist bei den Parteien des Regierungs- ocks anscheinend diese Frage ebenfalls erwogen i? orten, die mahgebenteTl Instanzen haben ein- ,xsehen, dah sie der Flucht der Abgeordneten m die Seebäder keinen Ginhalt zu gebieten mögen. Infolgedessen ist bei Beginn der Mitt- v>ch°Sitzung dem Reichstag ein Antrag der Regierungsparteien zugegangen, den R o t e t a t : 8 zum 8. August zu verlängern und, soll- diese Frist nicht ausreichen sollte, sie bis >um 31. Oktober auszudehnen. CS hantelt sich ratürlkfc hier nur um eine Bo rsichtsmaß- rahme, immerhin geht doch aus dem Antrag hervor, dah die Regierungsparteien jede Hoffnung aufgegeben haben, über den 8. August hinaus die erforderliche Anzahl Abgeordneter beisammen zu halten. Das ist ein Zustand, ter der Opposition die besten Aussichten eröffnet, die Erledigung ter vorliegenden Gesetzentwürfe bis las Endlose hinaus zuzögern. Auch am Mittwoch waren nur einige Dutzend Abgeordnete in Sitzungssaal, als die zweite Lesung ter Eteuer- dorlagen beim Kapitel Einkommensteuer fort- i-'setzt wurde, die bei der Beratung der Kirchenfeuer durch einen von den Kommunisten provo- iiertcn Tumult endloS hingeschleppt, wurde. Sitzungsbericht. Berlin, 29. Juli. Der Rotetat für 1925 Mißd ohne Debatte an den Haushaltsausschuh ütertviesen. Die zweite Beratung des Einkommen- steuergesehcs wird fortgesetzt. Bei § 50, der den Steuertarif regelt, begrüntet Abg. Brüning (Z.- einen Abände- lungSantrag der Regierungsparteien, wonach das feuerfreie C i n k o m m e n m i n i m u m auf 1100 Mark erhöht werden soll, für die Ehefrau um 100 Mark, für das erste Kind um IDO Mk., für das zweite Kind um 180 Mk.. für das dritte Kind um 360 Mark, für das vierte und jedes folgende Kind um ze 420 RA. Sinter im Alter von mehr als achtzehn Jahren, tlic Einkünfte beziehen, werden nicht gerechnet. Der Antrag, der in ter ersten Stufe um 25 Mark über die Regierungsvorlage hinaus- cehl. Iaht übereinstimmend mit dem Ausschuß- leschluh die Erhöhung um 360 Mark schon bet km dritten Kind eintreten. 3m § 52 wird ter Abzug folgender "Beträge vorgesehen: 1. 600 Mk. als steuer- Irtier Einkommens teil, wenn das Einkommen den Betrag von 10 000 Mk. jährlich nicht übersteigt. 112. für die Ehefrau und jedes minderjährige ‘ plitb je 8 Prozent des über 600 Mark hinaus- zefcenten Einkommens, jedoch mindestens für die itefrau 100 Mark, für das erste Kind 100 Ml., h'iw das zweite Kind 180 Mk. für das dritte linb 360 Mark, für das vierte und jedes fol= jerte Kind 450 Mk. und höchstens je 560 Ml. ,-üw die Ehefrau und jedes Kind, insgesamt nicht liefet als 8000 Mk. Zur Lohn st euer wird von den Regie- lungSparteien bei § 70 beantragt, dah außer km steuerfreien Existenzminimum von 960 Mark jitzrlich (30 Mark monatlich) vom Steuerabzug tc freit bleiten: für die Ehefrau und jedes miderjährige Kind je 10 Proz. teS Arbeits- lebaes. ter über das Existenzminimum hinauS- jeht. Mindestens sollen das sein für die Ehesrau 20 Marl jährlich, für das erste Kind 120 Mark 'jährlich, für das zweite Kind 240 Mark und für M dritte und jedes solgente Kind 600 Mark phrlich Abg. Bogel (Soz.) beantragt, das steuer- "teie Existenzminimum der Lohnsteuerpflichtigen tu f 100 Mark monatlich unb dann aber auch lie Abzüge für Frauen und Kinder zu erhöhen, ton Regierungsparteien fehle es an gutem A-llen zu einer sozialen Behandlung der Lohnst ucr. x Abg. Schneider (Dem.): Die jetzige Rege- lurg ter Lohnsteuer sei sozial aufreizend und ter Acnbromifjantrag ter Regierungsparteien bringe h rin keine Aenterungen. Die demokratische Fraktion wolle sich mit ter 3unggefellen- teuer abfinben, die in der zehnprozeiitigen Bete tening der Ledigen besteht. Bei der E h e - !r i u aber beanatrage die Fraktion die E r - Shu n g des steuerfreien Betrages von 90 Mark if 240 Mark. Bei bet ersten Abstimmung würden :e Demokraten für den sozialdemokratischen An- «g stimmen. Staatssekretär p o p i h wendet sich gegen die Infrage der Opposition, deren Annahme seiner Auch! nach einen finanziellen Ausfall von vielen hundert Millionen Mark herbeisühren würde. Abg. Hertz (Soz.) bezweifelt, dah die Daraus- >4« des Staatssekretärs sich bewahrheiten werde. Zisher seien alle Vorausberechnungen des Reichs- mmzminifteriums weit hinter dem wirklichen Auf- Dmmen aus der Lohnsteuer zurückgeblieben. Bei An- xifjine des sozialdemokratischen Antrags werde die Lohnsteuer mindestens den Ertrag bringen, auf den r nach dem bekannten Antrag der Regierungspar- kien begrenzt sein soll. Der Kompromißantrag der Regierungsparteien fei undurchsichtig und könne niemand befriedigen. Abg. Schneider (Dem.) betont, es sei ganz unmöglich, die finanzielle Wirkung des plötzlich ein- gebrachten Kompramihantrags genau zu berechnen. Nach dem vorliegenden Text des Antrages habe er eine ganz unsoziale Wirkung. Präsident L o e b c teilt mit, dah soeben von den Regierungsparteien ein handschriftlicher Antrag eingegangen fei, der eine andere Formulierung des Kompromißantrages zum §70 vorfiehi. Danach bleibe für die Ehefrau und für jedes minderjährige Kind je 10 Prozent des Arbeitslohns, der über das Existenzminimum hinausgeht, vom Steuerabzug frei. Es bleiben steuerfrei für die Ehe- frau 120 Mark, für das erste Kind 120 Mark, für das zweite Kind 240 Mark, für das dritte Kind 420 Mark, für das vierte und jedes folgende Kind je 600 Mark jährlich, wenn der nach Ziffer 1 bis 5 insgesamt steuerfrei bleibende Betrag höher ist als der nach Ziffer 1 insgesamt steuerfrei bleibende Be- traa. Auf Vorschlag des Präsidenten L o e b e wird die Abstimmung über die § 52 und 70 zurück- gesellt, bis der neue Antrag der Regierungsparteien gedruckt oorliegt. Die § 50, 51 und 53 werden nach der Ausschuß- Vorlage angenommen; ebenso § 54, der für die Einkommensteuer folgende Tarife festgesetzt: Bis 3000 Mark Einkommen 10 Prozent, für die weiteren 4000 Mark 15 Prozent, die weiteren 4000 Mk. 20 Proz., die weiteren 8000 Mark 25 Proz., hie weiteren 18 000 Mark 30 Pxoz., die weiteren 34 000 Mark 35 Proz. und für die weiteren Beträge des Einkommens 40 Prozent. Die weiteren Paragraphen bis § 60 werden unter Ablehnung der Aenderungsanträge der Opposition in der Ausschußfassung angenommen. § 61 bestimmt, dah zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet find Steuerpflichtige, deren Einkommen im Steuerdurch- schnitt den Betrag von 8000 Mark überfliegen hat, ferner alle Steuerpflichtigen, deren Gewinn aus ihren Büchern zu ermitteln ist, und diejenigen, die dazu vom Finanzamt besonders aufgefordert werden. Abg. Neubauer (Komm.) begründet einen Antrag auf Offenlegung der Steuerlisten. Die Regierung begünstige geradezu die ©teuerfabotage, die besonders von den Agrariern getrieben werde. Als der Redner in diesem Zusammenhang von .Steuerdrückebergern" spricht, erklärt Vizepräsident Graes: Ich nehme an, dah Sie damit kein Mitglied des Hauses meinen. Sie sollten aber Ihre Handbewegungen so einrichten, daß es nicht diesen Anschein erweckt. (Großes Gelächter bei den Kommunisten. Rus: Schreiben Sie doch in der Geschäftsordnung die Handbewegungen vor!) Abg. 91 c ii b a u e r schließt mit der Erklärung, die Kommunisten würden die Steuersabotage der Agrarier gebührend zu brandmarken wissen. Unter Ablehnung der Aenderungsanträge werden die Ausschußbeschlüsse bis zum § 68 c angenommen. Es folgen die § 69 bis 82 über die Entrichtung der Steuer. Abg. Frau Arning (Soz.) begründet zum § 73 einen Antrag, wonach bei Heimarbeitern, deren Lohn erfahrungsgemäß hinter dem Existenzminimum zurückbleibl, der Steuerabzug unterbleibt. Ein Regierungsoertreter erklärt, der Antrag würde das ganze System der Lohnsteuer durchbrechen. In den im Antrag berührten Fällen hätten die Heimarbeiter ein Rückerstattungsrecht. Abg. Dr. Hertz (Soz.) erklärt, die armen Heimarbeiter im Erzgebirge und Eulengebirge hätten meist gar keine Kenntnis von diesem Recht und könnten davon keinen Gebrauch machen. Abg Frau Dr. Behm (dn): Alle Parteien werden sich daran gewöhnen müssen, die Wer t- schähung der Frau auch in Mark und Pfennigen einmal auszudrücken. Dazu braucht man nicht so heftig zu sein, wie Herr Höllein. Warum schreit 3hr Euch eigentlich immer so an? Warum vertragt 3hr Euch nicht? (Sehr gut! Abg. Höllein: Das müssen Sie 3hren Brütern in Christo sagen!) 3ch bin mit dem Antrag ter Frau Arning, der aus ihrem prächtigen Herzen gekommen ist, nicht ganz einverstanden. Wir wollen durch das Heimarbeiter- geseh die Heimarbeiter im Lohn so gut stellen, daß sie mit Stolz auch Steuern zahlen können. Dah ich einer augenblicklichen Verbesserung der Lage der Heimarbeiter nicht entgegen bin, weih jeder, ter mich kennt. 3ch glaube, es wird auch das ganze Haus wieder mit mir gehen, wenn ich sage, nun gut, dann werten wir es machen! (Beifall.) Staatssekretär P o p i tz erklärt sich mit der Tendenz des sozialdemokratischen Antrages c i n- verstanden. Seine Formulierung mache ater seine Einfügung in das Gesetz so schwierig. Vtel- leicht lasse sich m der dritten Lesung eine bessere Formulierung finden. 3n den Aus- führungsbestimmungen werde die Regierung jedenfalls dem Derlangen des Antrages Rechnung tragen. Rach Ablehnung ter weiteren Änderungsanträge werten die § 68 bis 80 in ter Ausschuhfassung angenommen. 3nzwischen ist ter neue Komprvmihrmtrag zur Lohnsteuer eingegangen. Der neuere Antrag sieht durch eine genauere Formulierung ausdrücklich vor, dah die Mindestsätze für Ehefrau und Kinder gelten, wenn sie zusammen einen höheren steuerfreien Betrag ergeben als bei dem prozentualen Abzug. Dieser Antrag fintet 2 n- nähme. Der Einkommensteuerparagraph wird dann in ter Fassung des Ausschusses von den Regierungsparteien unter Ablehnung aller Anträge ter Opposition angenommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, der bei der Lohnsteuer die steuerfreien Abzüge für die Ehefrau und die Kinder gegenüber ter Ausschuß- faffunq und dem Kompromihantrag erhöhen will, ird in namentlicher Abstimmung mit 228 gegen 183 Stimmen abge^ehnt. Annahme findet auch hier die Kompromißfassung, die u. a. für die Ehefrau und das erste Kind 120 Marl jährlich steuerfrei lassen wollen. Für die solgen- den Kinder erhöht sich dieser Freibetrag. Abg. Schreck (Soz.) wendet sich bei der Besprechung des § 81, der die Art der Festsetzung ter Kirchen steuer regelt, gegen hierzu vorliegende Anträge ter Kompromiß- parleien, die den Reichssinanzminister ermächtigen wollen, Pauschbeträge für die Kirchensteuer feft- zusetzen, wenn die Landesregierungen dies nicht rechtzeitig tun. Abg. Dierath (Komm.) erklärt, es würde heute ein groher Luxus in ten Kirchen getrieben, ter vollkommen überflüssig sei. Man könne doch das Abendmahl auch in hölzernen Bechern reichen und brauche dazu nicht unbedingt goldene. (Lebhafte Unruhe rechts.) Bizepräsitent G r a e f bittet den Redner, doch die Gefühle eines großen Teils des Hauses zu schonen. (Lärm bei ten Kommunisten.) llnter großer Unruhe ter Rechten und deS Zentrums verlangt Abg. Dierath, daß diejenigen, die kirchengläubig sind, sich ihre Pfaffen selbst bezahlen möchten. Die Erregung erreicht ihren Höhepunkt, als Der Rednqc behauptet, die Kirche verdiene um so weniger die Unterstützung des Reiches, als sich gerade unter ihren Anhängern im Rheinland zahlreiche Separatisten befunden hätten. Abg. Esser (Zcntr.) springt erregt auf und rufet dem Redner zu: ,Unverschämter Lüg- n er!“ Beschimpfungen fliegen herüber und hinüber. DizÄpräs'.dent Graes ist es unmöglich, Herr des ungeheuren Lärms zu werden. Als Abg. Esser den Kommunisten zuruft: .Halten Sie 3 b r e Bande in Ordnung!" stürzt der kommunistische Abg. 3 a da sch aus den Abg. Esser zu. Der demokratische Abg. Dr. Heus versucht, den vorstürzenden Abg. 3adasch auszuhalten, wird von diesem aber zur Seite geworfen. Mehr Erfolg hat der Abg. Korell (Dem.), dem es gelingt, den Abg. 3adasch festzuhalten. Bevor es zu weiteren Ausschreitungen kommen kann, gelingt es dem Vizepräsidenten Graes, den Lärm so weit zu übertönen, das) er dem HauS mitteilen kann, er würde die Sitzung auf eine Viertelstunde unterbrechen, um mit dem Aeltesten- vat darüber zu beraten, welche Konsequenzen sich aus diesem Vorfall ergäben. Rach Wiedereröffnung der Sitzung teilt Vizepräsident Graes mit, ter Aeltestenrat habe sich mit den letzten Vorgängen beschäftigt. Er sehe sich genötigt, den Abg. 3adafch, weil er einen tätlichen Angriff gegen einen Abgeordneten versucht habe, für die Dauer dieser Sitzung auszuschließen. (Gelächter bei den Kommunisten.) Da Abg. 3adasch den Saal schon vorher verlassen habe, sei dieser Punkt erledigt. Die Kommunisten rufen erregt: Rein, der ist noch nicht erledigt! Sie müssen den Abg. Esser zur Ordnung rufen, der uns Bande genannt hat. Vizepräsident ®raef: 3ch habe feine Veranlassung, den Abg. Esser zur Ordnung zu rufen. (Großer Lärm bei ten Kommunisten.» Der von dem Abg. Esser gebrauchte Ausdruck ist durch die Provokation der anderen Seite veranlaßt worden. (Diese Erklärung wird von den Kommunisten und vielen Sozialdemokraten mit Protestrufen beantwortet.) Die Abg. Soenen (Korn.) unb Webber- meier (Som.) rufen zum Zentrum hinüber: Saubande! Räuberbanbe! — Vizepräsident Graes ruft die beiten Abgeordneten zur Ordnung, woraus bie Kommunisten rufen, er müsse auch ben Abg. Esser zur Ordnung rufen. Der Abg. Dierath will hieraus zum Rednerpult gehen, um seine Rede zu beenden. Vizepräsident Graef: Der Abg. Vierath hat seine Rede beendet. (Lauter Widerspruch bei den Kommunisten.) Ich nehme an, daß es dem Wunsch der Mehrheit entspricht, den Aba. Vierath nichl weitersprechen zu lassen. (Stürm. Protestruse seitens der Kommunisten und vieler Sozialdemokraten beantworten diese Erklärung des Vizepräsidenten. Der Lärm steigert sich noch, als Vizepräsident Graes erklärt: Ich erteile bas Wort zur Geschäftsordnung.) In dem allgemeinen Lärm forbert Vizepräsident Graes bann biejenigen Abgeorbneten, bie die Fortsetzung ber Rebe bes Abg. Dierath wünschen, auf, sich von ihren Sitzen zu erheben. Eine Beteili- gung an dieser Abstimmung ist nicht zu bemerken. Während die Kommunisten dauernd das Wört xur Geschäftsordnung verlangen, begibt sich ber sozial- bemokratische Abgeorbnete Müller (Franken) zu dem Vizepräsidenten und spricht mit ihm. Vizepräsident Graes unterbricht daraus unter tosendem Lärm die Sitzung wiederum auf zehn Minuten. Nach Wiedereröffnung der Sitzung nach 9.45 Uhr erklärt Vizepräsident Graef, er habe vor ber Unterbrechung bem Abg. Dierath bas Wort nicht erteilt, weil er annahm, biefer habe in ber vorangegangenen Sitzung feine Rebe beenbet. Er, der Vizepräsident, habe sich inzwischen davon überzeugt, daß das nicht der Fall war. Der Abg. Dierath könne also feine Rede fortsetzen. (Gelächter bei den Kommunisten.) Abg. Vierath (Komm.) erklärt, er habe in seinen Ausführungen nicht die Religion herabgesetzt, sondern lediglich die Auswüchse deS Pfaffentums gegeißelt. Vizepräsident Graef ruft den Redner wegen des Ausdrucks „Pfaffentum" zur Ordnung. Abg. Vierath kündigt an. daß feine Freunde die Beschlüsse der ReichStagsmehrheit mit einer regen Propaganda für den Kirchenaustritt beantworten würden Der kommunistische Antrag auf Streichung des Kirchensteuerparagraphen wird abge.ehnt und ter Kompromihantrag der Regierungsparteien angenommen. 8 92A regelt die Rücker st attung der zu viel eingezogenen Lohnabzüge. Hierzu wird mit den Stimmen des Zent-umS ein sozialtemo- kra i'cher Antrag angenommen, wo ach die Rückerstattung auch dann erfolgen ioll, wo, wie be« den Heimarbeitern, der Lohn nicht für einen bestimmten Zeitraum bezahlt wird. Die toeLe:en Bestimmungen des Sinkommen- sieuergefetzes werden ohne wesentliche Debatte in der Ausschußsassung angcnomn.en, so daß um 10.45 älhr die zweite Beratung der Steuervorlage erledigt ist. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 2 Uhr nachmittags. Tagesordnung: Zweite Beratung der Körperfchaftssteuer. Die Krisis des Ruhrbergbaues. Die Unternehmer bed Bergbaues beim Reichskanzler. Berlin, 29. Juli. (T. U.) Heute vormittag empfing der Reichskanzler in Anwesenheit bes Reichsarbeitsministers unb bes Reichs- wirtschaftsministers bie Vertreter ber Bergarbeiter unb Bergbauangestellten. Es waren erschienen bie Vertreter ber Gewerkschaften christlicher Bergarbeiter, bes alten Bergarbeiterverban- bes unb ber Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, ferner Delegierte ber Spitzenvcrbändc bes A.D.G.V. unb bes Deutschen Gewerkschastsbunbes. Auch die belben TtetaUarbeiteroerbänbe hatten Vertreter ent- sanbt. Die Aussprache brehte sich vor allem um bie Frage, w i e bie sozialen Lasten $u Derminbern seien, um bie Unterbringung ber Entlassenen unb bie Arbeitszeitfrage in Vsrbinbung mit ber steuerlichen Belastung ber Betriebe. Auch bie Frage ber 5 u b f i b i e n für ben Bergbau ist erwogen worben. Die nächste Entwicklung ber Verhältnisse im beutschen Bergbau hängt eng mit ber Entwicklung ber englischen Hohlen- krise unb mit ber Lage bes Bergbaues im 'S a arge b i e t zusammen. 3n der Besprechung forderte Abg. ßc m m er eine Untersuchung über den Umfang der steuerlichen Belastung der Montanindustrie in Westdeutschland, um authentisches Material über die wirkliche Belastung ter Industrie zu erhalten. Bei ter Vorbesprechung im Reichsarbeitsministerium sei das aufgestellte Zahlenmaterial der Arbeitgeber für tendenziös und übertrieben erklärt worden. Der Reichsarbeitsminister sagte die Veröffentlichung iefl statistischen Materials über den Umfang der Sozialbelastung der Ruhrindustrie zu und begrüßte die Anregung zur Durchführung einer Steuerenquete. Abg. Grabmann wie» auf die allgemeinen wirtschaftlichen Gründe bet schweren Krise an ter Ruhr hin. die nur durch eine Reorganisation der Arbeitsteilung der europäischen Produktivkräfte behoben werden könne. Kredite der Golddiskontbank an den Ruhrbergbau. Essen, 30. 3uli. (WTD.) Die Golddiskontbank hat dem Ruhrbergbau einen Kredit von 15 Millionen Mark gegen einen Dreimonatswechsel der Ruhrtohlen-Aktiengesellschaft gewährt. Auf Verlangen ter Golddiskontbank haben die D.-Danken ten Wechsel mit unterzeichnet. Die Verwendung ter Kredite ist in ter Weise gedacht, daß die Ruhrkohle QI. G. ihrerseits durch Kredite den Zechen Anreiz geben soll, ihre Haldenbe stände zu verringern. Streikunruhen in Wales. Noch keine Viuistung im enalischen Bergbau. London 30. 3uit. (TU.) Baldwin hat gestern ben ganzen Tag mit ben Grubenbesitzern unb ben Bergarbeitern verhandelt. Arn späten Abend wurde noch einmal eine Konferenz abgehalten. Trotz aller Bemühungen sind keinerlei Fort- schritte erzielt worden, da beide Parteie» auf ihren Standpunkten beharren. Die optimistischen Meldungen über eine baldige Verständigung sind als verfrüht zu betrachten. Die von Baldwin in Aussicht gestellte Unterstützung des Bergbaues durch staalliche Gelder stößt im englischen Kabinett auf ft arten Widerstand. Man glaubt allgemein, daß die Verhandlungen auf bem toten Punkt angelangt finb. Im walisischen Kohlengebiet kam es. bereits in der Gegend von Carmarthenshire zu Streikunruhen. Die Ausständigen stürzten sich auf eine Kohlenzeche, und der Pöbel überwältigte zeitweise die Polizei. An verschiedenen Stellen wurden Sprengstoffe zur Explosion gebracht, aber dadurch nur geringer Schaden angerichtet, außer, daß ein paar Fensterscheiben in Trümmer gingen. Ein Sonderaufgebot- von Polizei wurde in das Gebiet der Unruhen entsandt. Um das englische Flottenprogramm. Die Opposition der Linken im Unter Lrau^. London, 30. Suli. (SU.) 3m Unterhaus sand gestern eine große Debatte über das Schiffs- bauprogramm statt, an der sich besonders Mac- d o n a l d und Lloyd George beteiligten. Der Jinanzsekretär der Admiralität erklärte, daß der Schiffsbau in diesem Jahre 527 000 Pfund losten würde. Sowohl Macdonald wie Lloyd George fragten die Regierung nach den Gründen, die ein so großes Schiffsbauprogramm für England notwendig machten. Beide erblicken in der gegenwärtigen Lage Englands und Europas keine Notwendigkeit für so große Rüstungen. England sei von keiner Seite bedroht, vor allem nicht auf der See. Höchstens käme eine Verstärkung der Luftflotte in Frage. Auch die internationalen Handelsbeziehungen Englands seien nirgendwo in Gefahr. Die Ration könne kaum die ihr auferlegten schweren Steuerlasten tragen und könne daher nicht die großen Kosten des Flottenbaues auf sich nehmen. Das Schiffsbauprogramm sei ein Werk der Diktatur der Admiralität über das Kabinett. Echatzkanzler Churchill verteidigte die Admiralität und lobte sie für ihre entschiedene Haltung in der Flottenfrage. Die Regierung habe nicht mehr gefordert als zur Verteidigung des Reichs notwendig sei. Das Floltenbauprogramm sei auf ein Minimum beschränkt worden. Auch wenn England gegenwärtig nicht bedroht sei. so müsse doch die britische Marine eine große Anzahl brauchbarer vchiffe zur Verfügung haben, die sich mit den Schiffen aller anderen Mächte messen könnten. Dos Bauprogramm solle nur zur Aufrecht- erhaltung der englischen Seemacht dienen und verfolge keine anderen Zwecke. Kritische Lage in China. Paris, 30. Juli. (SU.) Wie „Chicago Tribüne" berichtet, hat sich im chinesischen Volke durch die Unfähigkeit der Mächte ein Abkommen abzuschließen, besonders aber die Ueberbrückung der englisch-chinesischen Gegensätze zu erreichen, die Lage in Schanghai zu einem Kampfe aus Leben und Tod zwischen den Engländern und Chinesen entwickelt, der die Zukunft des Hafens in verheerender Weise treffe. Die Chinsen ständen gegenwärtig den englischen Interessen so feindselig gegenüber, daß sie augenblicklich entschlossen seien, selbst die Vorteile aus der Wa-- shingwner Konferenz schwinden zu sehen, um die kommerzielle und finanzielle Oberherrschaft Englands zu brechen. Die örtlichen Organisationen, wie beispielsweise die Handelskammer, hätten alle ihre Mittel zur Beilegung des Streikes erschöpft. Die erfolglosen Bemichungen, den Zwischenfall beizulegen, hätten auf die Zolleinnahmen eine sehr nachteilige Wirkung ausgeübt. Diele ausländische Kaufleute seien durch die Unsicherheit entmutigt worden und beabsichtigten die Aufgabe ihrer Riederlafsungen in Schanghai. Die Hafenarbeiter hätten zwar die Arbeit wieder ausgenommen, aber der Streik in der Schiffahrt und in den Spinnereien lähme den Hafenverkehr vollständig. Amerikas Rüstung im Pazifik. Reuhork, 30. Juli. (SU.) Bekanntlich tritt der Marine-Staatssekretär W i l b u r n für eine erhebliche Verstärkung der Luftflotte an der amerikanischen West - k ü st e ein und möchte hierzu die „Los Angeles" und die „Shenandoah" nach San Diego in Kalifornien verlegen. Die gesamte Oeffentlichkeit beschäftigt sich eingehend mit dem Plan Wilburns und mit dem Ausbau der Flotte im Pazifik. Präsident Coolidge ist dieser gegen Japan gerichteten Rüstung durchaus abgeneigt und sucht daher im Kongreß Stimmung gegen die Verlegung der Luftschiffe zu machen. In der Politik Coolidges liegt es, alles zu vermeiden, was in Japan die öffentliche Meinung gegen Amerika erregen könnte. Die Pläne des Marine-Staatssekretärs finden in Marin Kreisen weiteste Unterstützung. Kritische Lage in Marokko LebhaftcKampftätiqkeitderRiftruPPen Paris 29. Juli. (121.) Der amtliche französische Heeresbericht meldet, daß die Lage im allgemeinen keine Veränderung erfahren hat. Bei den Riftruppen, die ihre Schanzarbeiten im westen und Osten der Front, besonders aber in der Gegend von Fez, mit aller Sorgfalt durchführen, wird erhöhte kampftäti.gkeit beobachtet. An anderen Stellen der Front übt Abd el Krim einen verstärkten Druck auf die dort wohnenden Stämme aus, indem er eine intensive Propaganda entfaltet und bei Anschlußverweigerung ihre Dörfer anzündet. Es scheint, daß Abd el Krim sich in den Besitz der Straße von Fe; nach Taza und des Ortes O u e ; z a n sehen will. In Madrid wird den französischen Meldungen aus Marokko kein Glauben mehr geschenkt, da sie sich oft widersprechen und die Lage der Franzosen viel günstiger darstellen, als sie tatsächlich ist. Spanische Meldungen aus Fez besagen, daß die Franzosen in den letzten Tagen verschiedene Stellungen verloren haben, und daß Taza ernstlich bedroht sei. Die Kabylcn seien nur noch drei Kilometer von der Stadt entfernt. Abd el Krim habe sich aus gefange- ’ien Simegalnegern eine besonders zuverlässige und tüchtige Leibwache zusammengestellt. '•rianb und Caillaux besuchen London. Paris, 30. Juli. (WSB. Funkspruch.) Die Ankündigung englischer Blätter, wonach Außenminister B r i a n d zugleich mit dem Finanzminister Caillaux demnächst nach London reisen wird, hat in Paris Beachtung gefunden. Rach dem „Petit Parisien" habe der Quai d'Orsay es nicht als unwahrscheinlich hingestellt, daß Briand zugleich mit Caillaux im Laufe des August diese Reise nach London unternehmen werde, was jedoch noch nicht entschieden sei. Entwaffnungsnote und Garantiepakt. Paris, 29. Juli. (WTB.) Der „Temps" verzeichnet mit Befriedigung die Nachricht, daß die Neichsregierung einen Ausschuß eingesetzt habe, dem die Aufgabe zufallc, die Entwaffnungsfrage in Gemeinschaft mit der Interallierten Militärkommission zu regeln. Das Blatt schreibt: Die Tatsache ist insofern interessant, als man darin die Absicht der Reichsregierung erblicken muß, daß sie zur Regelung dessen schreiten will, was in der interalliierten Note als notwendig bezeichnet wurde, bevor zur Räumung der Kölner Zone geschritten werden kann. Man muß natürlich die Vorschläge der deutschen Kommission abwarten, bevor man sich darüber aussprechen kann, in welchem Maße und in welchem Geiste Deutschland erfüllen will. Aber im jetzigen Augenblick, in dem die französisch-britischen Verhandlungen über den Sicherheitspakt sich, in glücklicher Weise entwickeln, unternimmt Berlin eine ernste Anstrengung, um praktisch das Entwaffnungsproblem zu lösen. Das ist eine Tatsache, die geeignet ist, eine günstige Atmosphäre für den Fortgang der Verhandlungen zu schaffen. „I o u r n a I" ist dagegen der Ansicht, daß das bloße Einsetzen einer Kommission noch keinen Fortschritt bedeute; es liege auf der Hand, daß die Kommission die drei Kategorien der alliierten Forderungen, u. a. die Zerstörung des Geschützmaterials bei Krupp, die von Stresemann in seiner letzten Rede als undurchführbar bezeichnet worden sei, ebenfalls verwerfen werde. Die Frage sei jetzt, ob die Alliierten sich von der deutschen Kommission bis zur Unterzeichnung des Sicherheitspaktes Hinhalten lasten würden, ober ob sie sich entschlössen, die Fortführung der Garantievertragsverhandlungen von der vorbehaltlosen Annahme sämtlicher Bedingungen der Entwaffnungsnote abhängig zu machen. Erleichterung des deutschösterreichischen Verkehrs. Berlin, 29. Juli. (WB.) Im Auswärtigen Amt ist heute das zwischen der deutschen Regierung und der östereichischen Bundesregierung vereinbarte Abkommen über die Beseitigung des Sicht- oermerkszwangs vom Reichsaußenminister und dem österreichischen Gesandten Dr. Franck unterzeichnet worden. Nach dem Inhalt des Abkommens können die Angehörigen des einen Staates auf das Gebiet des anderen Staates über jede amtlich zugelassene Grenzübergangsstelle jederzeit lediglich auf Grund eines gültigen Heimatpasses, aus dem sich die Staatsangehörigkeit des Pahinhabers einwandfrei ergibt, ohne Sichtvermerk betreten und verlassen. Für Kinder unter 15 Jahren genügt an Stelle des Paffes ein amtlicher Ausweis über Namen, Alter, Staatsangehörigkeit und Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt des Kindes. Der Kinderausweis muß bei Kindern über 10 Jahre mit einem von der ausstellenden Behörde abgestempelten Lichtbild versehen fein. Für den gemeinschaftlichen Grenzübertritt von Personengruppen, die aus deutschen Reichsangehörigen oder österreichischen Bundesangehörigen oder aus Angehörigen beiber Staaten bestehen, gilt eine von zustänbiger Stelle ausgestellte Sammelliste als Paßersatz. Das Abkommen wirb am 12. August in Kraft treten. Nusfisch-polnischer Grenz-grvischensall. Moskau, 30. Juli. (Meldung der russischen Telegraphenagentur. — WTB. Funkspruch.) Während einer Inspektion an der Grenze des Bezirkes I a m p o l wurde der Kommandant der sowjetrussischen Grenztruppen von polnischen Grenzsoldaten ermordet. Die Tat erfolgte nach Ueberschreiten der Grenze durch die polnischen Soldaten, die alsdann die Leiche verschleppten. Erst später wurde die Leiche den Sowjetbehörden ausgeliesert. Im Bezirke Jam- Pol hatten sich in den letzten Monaten bereits mehrere Angriffe regulärer polnischer Truppen auf s o w j e t ru s si s ch e m Boden ereignet. Im Zusammenhang hiermit überreichte heute das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten der polnischen Gesandtschaft eine Protest-Denkschrift; ferner begibt sich heute eine gemischte Kommission an die Grenze, um Ermittelungen über die Angelegenheit anzustellen. Aus den Reichstags- ausfchüffen. Im Haushaltsattsschutz des Reichstages erklärte Ministerialdirektor Dr. Lochholz auf verschiedene Anfragen, daß die Regierung beabsichtige, bis zum 1. Oktober die Vierteljahreszahlung der Beamtengehälter einzuführen. Aber eine wechselmäßige Verpflichtung könne sie angesichts der Lage bei der Eisenbahn und bei den Ländern nicht eingehen. Bei ber Beratung ber Haushaltsgesetze würbe ein neuer Paragraph beschlossen, ber ben Finanzminister ermächtigt, ben Hunbertsatz bes W o h n u n g s g e l b z u - schusseszuerhöhen. Angenomemn wurde auch eine sozialdemokratische Entschließung, wonach ben Reichsbeamten ab 1. August 100 Proz. bes gesetzlichen Wohnungsgelbes zu gewähren finb. Der Ausschuß beriet bann eine Reihe von Entschließungen mehrerer Parteien zur c i d) s p o ft« Verwaltung. Eine Entschließung forbert, baß bie Reichspost für 1925 einen lieber}d)ufo von mindestens 25 Millionen Mark einsetzen müsse. Eine Zenttumsentschließung forbert andere Zusammensetzung bes Verwaltungsrates unb Aenberung des Postfinanzgesetzes, so bah eine möglichst rechtzeitige Abführung von Ueberschüssen an bas Reich bewirkt werde. Ein beutschnatio- naler Antrag Dr. Quaatz sieht vor, baß im Reichshaushalt jährlich ein bestimmter Betrag ber Reichs- poft ben allgemeinen Reichsausgaben beigesteuert roerbe. Zur Begrünbung erklärt Abg. Quaatz, baß die Post eine Thesaurierungspolitik treibe und dadurch, daß sie über ihre Finanzpolitik dem Reistag keine Mitteilung mache, sich ben Vorwurf per Geheimniskrämerei zuziehen müsse. Staatssekre- tar oauter vom Postministerium wies biefen oeSn-lr- “nb bezeichnete bie Einsetzung eines ,Überschusses aus rechtlichen und tat- sachlichen Gründen als nicht möglich. Ein solcher Betrag könne nicht erübrigt werden, ohne baß bie Gebührenpolitik anbere Wege gehe. Die Beschlußfassung vertagte ber Ausschuß auf Donnerstag. Im Rechtsausschutz beantragten bei der Weiterbcratung des Am- nestiegesehes die Sozialdemokraten die Einsetzung eines Ausschusses, der aus fünf Vertretern der groben Parteien bestehen würde, und der dieabgelehnten Amnestieanträge nachzuprüfen hätte. Gegen diesen Antrag wandten sich die Vertreter der Regierungsparteien und der I u st i z m i n i st e r, der erklärte, er bedürfe keiner Hilfe und keiner Unterstützung, um sein Amt zu führen. E r trage die Verantwortung und weise es entschieden zurück. Der Ausschuß könne die politischen Gesichtspunkte besser würdigen als die Justizverwaltung. Rechtspflege habe mit Politik nichts zu tun. Er lehne jeden derartigen Eingriff ab. Die Weiterberatung wurde vertagt. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages führte heute bis auf die Bezeichnung des Termins des Inkrafttretens der Zollvorlage die erste Lesung der Vorlage zu Ende. Eine ausführliche Debatte entspann sich über den Antrag der Regierungsparteien, der die Regierung ermächtigen will, im Falle dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses mit Zustimmung bes Reichsrats und des Ausschusses des Reichstags die Eingangszölle für zollpflichtige Waren zu ändern. Dazu erklärte Landwirtschaftsminister Graf v. K a n i tz , die Reichsregierung hat keine Veranlassung, von ihrem Standpunkt zum Ermächtiguvgskompromiß abzuweichen. Die Ermächtigung soll nur in Funktion treten in gewissen Ausnahmefällen, z. B. wenn wir bis zum Außerkrafttreten der mäßigen Zölle zu keinem Handelsverträge gekommen sind. Wenn wir einen solchen Handelsvertrag abgeschlossen haben, der dann die Vertragssähe festlegt, würde die ganze Ermächtigung hinfällig werden. Es könnte aber auch ein Handelsvertrag abgeschlossen werden, der nicht alle Positionen restlos umfaßt. Dann würde wiederum die Ermächtigung in Funktion treten und zwar entsprechend den jeweils bestehenden wirtschaftlichen Verhältnissen. Es könnte sich dann sehr wohl ergeben, daß man von den autonomen Sätzen herunter- gehen müßte, um eine bessere Basis zu schaffen. Im Plenum wollen wir das deshalb nicht tun, weil ein Ausschuß schneller arbeiten kann und nicht soviel politischen Konfliktsstoff bietet, wie eine Beratung der Einzelpositionen im Plenum. Cs muß vermieden werden, den innerpolitischen Zvllkampf zu verewigen. Man muh alle Möglichkeiten ergreifen, die Einzelfragen in einem möglichst kleinen sachlichen Gremium zur Erledigung zu bringen. Sämtliche Anträge der Kompromihparteien wurden dann angenommen, auch ein neuer Kompromißantrag, der auch die Zölle für Vieh und Fleisch befristet. Von sämtlichen Anträgen der Opposition wurde nur ein demokratischer Antrag angenommen, der die Befristung für die ermäßigten Zölle vom 31. März 1926 bis zum 31. Juli 1926 verlangt. — Volksbegehren in der Aufwertungsfrage. Berlin, 29. Juli. (MB.) Die Arbeils- gemeinschaft ber Aufwertungsorganisationen hat in ihrer heutigen Sitzung im Hinblick darauf, daß die vom Reichstag beschlossenen Aufwertungsgesehe vom Reichspräsidenten am 16. Juli verkündet worden sind, einstimmig beschlossen, eine Neuregelung der Auswertung im Wege des Volksbegehrens herbeizuführen. Die Vorarbeiten hierzu sind von der Arbeitsgemeinschaft bereits in Angriff genommen und werden mit Beschleunigung durchgeführt werden. Räumungsvorbereitungen in Mülheim. Mülheim (Ruhr), 30. Juli. (TU.) Die Räumungsvorbereitungen sind in vollem Gange. Täglich verlassen Züge mit Kriegsmaterial den Bahnhof. In den letzten Tagen wurden allein 17 Tanks mit der Dahn abtvansportiert. Die französischen Verkaufsstellen sind bereits aufgelöst worden. Aus aller Welt. Rekordflug Frankfurt—Erfurt. Das Passagierflugzeug D 564, das den täglichen Flugdienst Berlin — Leipzig — Erfurt- Frankfurt a. M. versieht, legte Mittwoch die 200 Luftkilometer lange Strecke Frankfurt a. M— Erfurt in der Rekordzeit von 62 Minuten zurück. Die planmäßige Flugzeit beträgt 1 Stunde 40 Minuten. Raubüberfall. Barmen, 27. Juli. (WTB.) heute nachmittag erschien ein junger Mann in einer Parterrewohnung unb erklärte ber ihm öffnenben Frau, baß er ihren Mann sprechen müsse. Die etwa 59jährige Frau ließ ben Fremben eintreten. Kaum hatte er bie Tür hinter sich geschlossen, als er bie Frau zu Boden warf, ihr einen Knebel in ben Munb zwängte unb sie mit einer Schußwaffe be> drohte. Dann raubte er aus ber unverschlossenen Kommode etwa 500 Mark, sprang aus bem Fenster unb entkam unerkannt. Eisenbahnunglück in Frankreich. Paris, 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) Gestern nacht ist ein O-Zug auf der Strecke Le Mans-Tours in der Rähe von St. Antoine-du-Rocher entgleist. Rach den bisherigen Feststellungen wurden 3 Personen getötet und 12 mehr oder weniger schwer verletzt. Wettervoraussage. älnbeständig, später aufklärend, tagsüber wärmer, sonst kühl, noch einzelne Regenschauer. Rach kurzer Tlnterbrechung ist durch das Dorrücken einer neuen Rordmcer-Zyklone nach Skandinavien das warme, meist heitere Wetter des gestrigen Tages von regnerischer, kühler Witterung verdrängt worden. Die Ausläufer des Wirbels reichen tief nach Mitteleuropa hinein. Beginnender Druckanstieg im Westen und Nordwesten läßt ein langsames Abwandern des Wirbels nach Osten erwarten. Gestrige Tages-Temperaturen: Maximum 23,2 Grad Celsius, Minimum 13 Grad Celsius. Niederschlagsmenge: 2.5 Millimeter. Aus Stabt und Land. Gießen, den 30. Juli 1925. i Ium Kreisrurnfest in (Biegen. Die Ausschmückung der Straßen unserer Stadt für das 32. Mittelrheinische Kreisturnfest ist seit gestern in vollem Gange. Ehrenpforte^ werden errichtet, Flaggenmasten gesetzt, die Häuser mit Girlanden unb Wimpeln geputzt. Dazst kommt, daß viele Hausbesitzer in den letzten DZochen ihre Häuser in anerkennenswerter Weise mit frischem Verputz und vielfach auch mit sehr gefälligem Anstrich versehen ließen, wodurch das Straßenbild außerordentlich gewonnen hat. Man kann gewiß sein, daß unsere Stadt an den Tagen des Kreisturnfestes ein Bild zeigen wird, das man um seiner Schönheit willen noch lange in Erinnerung behält. Morgen, Freitag, nachmittag 5 Ahr werden die Saarturner ankommen. Ein Sonderzug wird etwa 1200 dieser Volks, genossen bringen. Die Gießener Turncrschaft wird die Gäste von der Saar am Bahnhof in feierlicher Weise empfangen, daran anschließend wird der gemeinsame Einmarsch in die Stadt erfolgen. Der Zug wird am Landgraf-Philipp-Platz enden, von hier aus werden die Gäste in ihre Quartiere geführt. Im Hinblick auf das besondere Leidensschicksal, das diese Brüder unb Schwestern unter dem schweren Drucke der Völkerbund-Regierung und der übermütigen französischen Machthaber zu tragen haben, darf man wohl sicher sein, daß ihnen von der ganzen Bürgerschaft ein besonders herzlicher Empfang bereitet wird. Auf eine ebenfalls recht freundliche Aufnahme dürfen natürlich auch die übrigen Gäste unserer Stadt rechnen. Am Freitagabend findet in der Fe st hall« eine Begrüßungsfeier zu Ehren der Turner aus dem besetzten Gebiet statt. Oberbürgermeister Keller wird hierbei die Gäste im Ramen der Stadt willkommen heißen, die vereinigten Gießener Männergesangvereine werden zwei größere Chore zum Vortrag bringen, turnerische Darbietungen einer Riege aus dem Saargebiet und einer Frauen-Riege des Mainzer Turnvereins werden weitere Höhepunkte des Abends sein. Vielseittge andere Darbietungen! tragen zur weiteren angenehmen Ausfüllung des Abends bei. Im heutigen Anzeigenteil gibt der Finanz, ausschuß die Verkaufsstellen für E i n- trittskarten bekannt. Der Verkehrsausschuh teilt mit, wo Fahrräder, Motorräder und Autos a b g e stellt werden können. Ergänzend fei hierzu bemerkt, daß das Mitneh- m en von Hunden auf den Festplah nicht gestattet ist. Man lasse den lieben Wau-wau ruhig zu Hause, damit er dort seinen Wachdienst versehen kann. Verkehrs-Regelung für die Kreisturnsest-Tage. Das Polizeiamt Gießen hat eine Der- kehrs-Polizeiver ordnung für die Dauer des Kreisturnfestes erlassen, in der folgendes bestimmt wird: Die Kaiserallee toirb von der Abzweigung der Licher Straße bis zur Abzwei- gung der Straße Gießen —Reiskirche «nm 1. August von 1 11 l>r nachmittags bis 10 Uhr abends, am 2. und 3. August jeweils von 8 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends für den Verkehr mit Fahrzeugen jeber Art, einschließlich Kraft- und Fahrrädern (nicht Krankenräder) mit Zustimmung des Kreisamts gesperrt. älmleitung des Verkehrs erfolgt über Wieseck, Alten-Buseck, Großen-Duseck unb umgekehrt. Für den Verkehr an den näheren Ortschaften kommt für Fahrten in nördlicher Richtung nach den Straßen Gießen—Reiskirchen, Giehen- Rödgen und nach Wieseck aixfr die Benutzung der 6. Schneise des Stadtwaldes in Betracht, für Fahrten in umgekehrter Richtung (nach Süden) die 5. Schn eise be£ Stadtwaldes. Dies ist wichtig für Festbesucher, die mit Fahrzeugen, Kraft- und Fahrrädern auf bet Licher Straße in Richtung Festplatz fahren wollen. Aller Fahrzeugverkehr — einschließlich des mit Kraft- und Fahrrädern — von und nach dem Festplatz hat durch die Licher Straße zu erfolgen. Die Aufstellung von Fahrzeugen jeder Att darf nur auf dem von der Festleitung vorgesehenen Platze (Kasernenhof) stattfinden. Kraft- und Fahrräder dürfen nicht auf den F e st p l a tz mitgebracht werden. Für den Fußgängerverkehr von und nach dem Festplatz dient die Kaiserallee. Es ist — in der Dewegungsrichtung — rechts SU gehen. Der Seltersweg wird für den Durchgangs verkehr mit Kraftfahrzeugen, Kraft- und Fahrrädern (nicht Krankenrädern) jeweils für die Zeit von 8 Ahr vormittags bis 9 Tlhr abends gesperrt, also nicht für Fahrten zu geschäftlichen oder privaten Erledigungen in dem Seltersweg. In gleicher Weise wird die für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und Krafträdern überhaupt gesperrte Mäusburg für den Durchgangsverkehr mit Fahrrädern gesperrt. Am 2. August werden von 2 Ufjr nachmittags ab folgende Straßen, durch die sich ber Festzug bewegt, für die Dauer des Fest- zuges für jeden Verkehr gesperrt: Walltorstraße, Lindenplatz, Marktplatz, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Kreuzplah, Mäusburg, Marttplatz, Schulstrahe, Reuen Bäue, Südanlage, Goethestraße, Ludwigstraße, Kaiser- alles. Die Steinstraße wird von 1 Ahr ab toäfjrenb der Dauer des Aufstellens des Zuges gesperrt. Fahrzeuge jeder Art, Kraft- und Fahr- rüder haben in allen Straßen der Stadt, soweit möglich, die rechte Straßenseite — in der jeweiligen Fahrtrichtung — einzuhalten. Die Vorschriften für den Vermehr und den Schuh bet elektrischen Straßenbahn vom 8. Rovember 1909 sind zu beachten. Beim Einbiegen in eine Straße ist nach rechts in kurzer Wendung unb nach links in weitem Bogen zu fahren. Die angeordneten Sperren gelten nicht für Dienstfahrten der Feuerwehr, des Militärs, der Polizei, der Post unb des Sanitätsdienstes. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeioer- ordnung werden mit Geldstrafen bis zu 90 Reichsmark bestraft. S&#Sg SÄg ^l£^=£ 1 <‘x^ °a bon her Wzv ■ aßc bis jur Wz> zr—!Rei8t\x.<^tx- xchmittazL dis 10 Ä M jeweils ton 8 ü* adends für den Str agen jeder Art, tb ahrrädun (nicht Äto mg des Kreisamts ge s Verkehrs crfcs ifeck, Srvßen'Dllsexk c den näheren Ortfchch xördlicher Richtung k -Reisstnhen, Giehn cd autfr die Qtamta )todltvald-s in 'Mai Ehrler Richtung (m c des Stadttoaldcs. ir Festbefuchu. die ■ id Fahrrädern auf t1 ig Fest Platz fahren voll! ^verkehr - « ast- und 5abrrabcrn Festplah hat durch h rfolgen. .. » m Fahrzeugen ML n du Festlextung wrgi @HKÄ ent TC(f)t! jungHW re I Dir» M dw D»2 ’ftWT'S t. ltejSwen”w «rd ^'d^L-rch«^ ,8geft.crlt, M nti Sie®«!? ae|»«! Derkehr A,ß 3d? enplatz. «freuzrj- ^k^Reuen^- rt> E LtzLL 5tra^üe - ln »•SfeS; dehr un? " hn 6tra6eJ L Gießener Wochenmarktpreisc. am 30. 3uli 1925 (Hänblerpreise). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210, Matte 40, Käse 65. Wirsing 30, 'IDciMraut 35, Rotkraut 40, gelbe Rüben 50, rote Ruben 20, Spinat 40, Röinischkvhl 15, Dohnen 30. Srbsen 30. Mischgemüse 15, Tomaten 40. zwiebeln 20, Pilze 35, Kartoffeln 8. Frühäpfel 25. Jalläpfel 8—10, Dirnen 40- 70, Dörrobst 40. Kirschen 30, Heidelbeeren 60. Stachelbeeren 35, Johannisbeeren 35—40. Himbeeren 60. Pflaumen 30. Pfirsiche 120, Mirabellen 90, Reinekl.nuden 90* Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pf das Pfund: Eier 14. Dlumenkohl 10 bi- 100, Salat 10—15, Salatgurken 60, Einmach- gurken 3—5. Ober-Kohlrabi 15. Rettich 20—30 Pfennig das Stück; Radieschen 25 Pf. das Dund. Pornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. (Siebener Rodsahrcroerein 1885 : 9 Uhr Versammlung im .Hessischen Hof. — D. s- B.: 8j Uhr „Poft- feiler" außerordentliche Generalversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Fridericus Rex und „Gießen im Film". — Aftoria-Lichtspiele: „Hyänen des Meeres". — 2luS dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wir weisen nochmal« auf die Ausführung deS überaus heiteren und flotten Schwanke .Der wahre 3atob" von Fran; Arnold und Ernst Dach, der am Freitag, 31. 3uli, in Szene geht. hin. 3n Hauptrollen sind beschäftigt di« Herren Goll, Dolck. Teleky, Hoffmann. Daum und 3uhnke und die Damen: Basedow, Relsen und Andre. Herr Goll, der Spielleiter der Aufführung ist, hat für eine sorgfältige Einstudierung gesorgt. Der Desuch dieser Dorstellung kann jedem und besonders auch den Gästen des Turnfestes bestens empfohlen werden. * L. U. Don der Landesuniverstät Gießen. Der Prioatdozent Dr. S p i r a hat einen Ruf auf die planmäßige ordentliche Professur für Englische Philologie an die Universität Königsberg zum 1. Oktober 1925 erhalten. •• S i n übereifriger auswärtiger Derichterstatter, der es offenbar mehr mit der Fixigkeit als mit der Richtigkeit hält, hat bei dem Prozeß gegen den Mörder S t e u l eine „Glanzleistung" vollbracht. Dieser schneidige Reporter verließ am Dienstagnachmittag gegen 5.45 Uhr den Sitzungssaal des Gießener Schwurgerichts, als die Zeugenvernehmung beendet war und der medizinische Sachverständige den entscheidendeix Teil seines Gutachtens fror» getragen hatte, ilm 6 ilfor vertagte der Vorsitzende des Gerichtshofes die Weiterverhandlung auf Mittwoch früh, damit der Staatsanwalt, der Verteidiger und das Gericht mit frischen Kräften an den Höhepunkt des Prozesses gehen sollten. Der gute Zeilenmann aber lieh tn seinem Bericht an alle möglichen Blätter und Rachrichtenbureaus den Staatsanwalt, den Verteidiger und auch den Gerichtshof noch am Dienstagabend sprechen und „in später Abendstunde" das Todesurteil fällen. Die in den wirklichen Prozehverlauf eingeweihte Mitwelt war nicht wenig erstaunt, am Mitt» w o ch f r ü h in den Zextungen schon Anllage- urxd Verteidigungsreden zu lesen und ein Urteil zu vernehmen, von denen die in Betracht kom» menten Personen noch kein Wort über ihre Lippen hatten kommen lassen. Das Erstaunen über diese „Gipf«l"-Leistung verwandelte sich natürlich in schadenfrohe Heiterkeit, als man hörte, daß hier ein Schrecker-Streich den betreffenden Zeitungen und auch dem sonst so überaus vorsichtigen Wolsfbureau, das die Rachricht noch in der Rächt herauSgab, einen Bärendienst erwiesen hatte. •• Die Auto- und Pferdedroschken beim Kreisturnfest. Das Polizeiamt teilt mit, daß auch in der Zeit vom 31. Juli bis einschließlich 4. August anläßlich des 32. Mittelrhein. Kreisturnfestes nur solche Automobil- ober Pferbedroschken zu jedermanns Gebrauch auf öffentlichen Wegen, Straßen unb Plätzen Aufstellung finben dürfen, die hierzu die polizeiliche Erlaubnis haben unb außerbem im Besitze einer vom Polizeiamt zu- geteilten Nummer sind. Die Führer der betreffenden Droschken müßen im Besitze des für die Stadt Gießen gültigen Droschkentarifs sein, unb sind gehalten, denselben auf Ansordern dem Fahrgast oorzuzeigen. •• VvlkShallebau-Lotterie Man schreibt unS: Zur Fertigstellung weiter notwendiger Arbeiten in der Volks Halle auf dem Trieb sind noch Mittel erforderlich, die durch die Veranstaltung einer front Hess. Ministerium genehmigten Wertlvtterie aufgebracht werden sollen Da die Halle geschaffen wurde, um ganz Oberhessen Gelegenheit zu schaffen, größere Versammlungen und Ausstellungen für landwirtschaftliche und gewerbliche Erzeugnisse in ter Provinzialhauptstadt Gießen abzuhalten, darf man wohl annehmen, daß die Bevölkerung von Oberhessen die Möglichkeit, ihr Scherflein zum Dau ter DolkShalle in Gießen beitragen zu können, mit Freuden begrüßt und diese Bestrebungen nach Kräften unterstützt, um so mehr alS für die Käufer fron Losen die Möglichkeit besteht, für wenig Geld wertvolle Gewinne zu erhalten. (Siehe heutige Anzeige.) " Fe st genommen tourten hier zwei Personen weaen "Betrug«, eine wegen Fahrraddiebstahls, eine wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen und eine wegen Hochfrerrats. G e st o hl e n wurden hier eine silberne Damenuhr mit schmalem Goldrand, eine goldene Brosche von ovaler Form mit zwei schwarzen Steinen und eine silbern« Taschenuhr mit schwarzem Anhänger. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienlich« Angaben hierzu nimmt die Kriminalpolizei entgegen. Q D i e Borbereitung für den gor- fterbienft. Wie wir erfahren, soll die Borbereitung unb Ausbilbung für den Försterbienst in Hessen durch eine neue Berorbnung geregelt werben. Die Befähigung zur Anstellung als Förster im hessischen Staatsdienst wird fortab erlangt burch: 1. eine dreijährige Beschäftigung mit Walbarbeiten bei einem hessischen Forstamt, 2. den Besuch der staatlichen Försterschule in Schotten unb 3. eine sich hieran anschließende dreijährige praktische Tätigkeit im Forst- dienst. Die Zulasiung zur Försterlanfbahn erfolgt nach Bollenbung des 17. Lebensjahres auf Grund einer Prüfung, in der die Kenntniste einer zehn- klassigen Volksschule nachzuweisen sind. Wer zur Försterlaufbahn zugelasien ist. führt künftig die Bezeichnung Forstlehrling. Die Forstschüler, welche die Prüfung auf der Försterfchule bestanden haben (die Schulzeit beträgt ein Jahr), werden hierauf einem Forstanxte (als ,'orftgehilfe) zur Beschäftigung über- wielen. Nach bestandener Försterprüfung führen die Forstgehilfen die Amtsbezeichnung „Hilfsförster". • • Gin neuer Personenzug zwischen Vad-Rauheim und Friedberg. Vom 9. August an wird die jetzt zwischen Vad-Rauheim und Friedberg bestehende Personenbeförderung bei Cilgüterzug 6292 (Vad- Rauheim) ab 10.50, Friedberg an 10.58 nadxin. beledigt und dafür ein Personenzug 716 eingelegt, der bis zum 30. September täglich, ab 1. Oktober nur Sonn- und Feiertags vermehrt. Abfahrt in Vad-Rauheim 10.40 nachm., Ankunft in Friedberg 10.46 nachm. • • Auf trieb auf dem heutigen Frankfurter S ch 1 a ch t v i e hm a r k t: 18 Ochsen. 1 Dulle. 4 Färsen und Kühe, 702 Kälber, 110 Schafe, 440 Schweine. Verband hessischer Warmblut- züchler. • Darmstadt, 28. Juli. Ein Verband Hessischer Warmblutzüchter ist am Sonntag in Darmstadt gegründet worden. Die Veranlassung zu der Tagung ging von dem Erb- grasen Alexander zu Erbach-Erbach aus: cs wohnten ihr Landstallmeister Schörke, Oekonomierat Müller, Vorsitzender des Hessischen Landespserdezuchtvereins, Dr. R o s von ter Landwirtschaftskammer und Dr. Kohl« vom Reichsverband für Zucht und Prüfung deutschen Warmblutes sowie etwa 50 Pserdezüchter und Landwirte bei. Dr. Kohls empfahl in einem Dortrag die Warmblutzucht. Kein Pferd habe während des Krieges gezeigt, daß es Hitze und Kälte. Hunger und Durst so gut ertragen könne wie der Warmblüter. Er sei auch das geeignetste Pferd für den deutschen Landwirt, denn die Unterhaltung sei billiger und die Lebensdauer länger als beim Kaltblüter. Weitere Ausführungen des Redners galten der Reichsorganisation der Warmblutzüchter. Die Gründung des hessischen Verbandes wurde in der Weise beschlossen, daß ein vorläufiger Vorstand gebildet wurde. Es sollen zunächst in den einzelnen Provinzen Versammlungen abgehalten werden und dann eine Hauptversammlung, in der ter Vorstand endgültig gewählt wird. Den geschäftsführenten Vorstand bilden: Erbgvaf Alexander zu Erbach-Erbach als erster Vorsitzender, H. Andreae als Geschäftsführer und Herr Losch, ferner je zwei_Mi1glieder aus den Provinzen, und zwar für Starkenburg Thomasberger und Walther, für Oberhessen Röder von Diesburg und Bausch, für Rhein- Hessen Knauf und Feudner. 3n die Kommission für Leistungsprüfung wurden gewählt: Schaffner, Goddelau, Schilling, Dittelsheim, und Heß, Dortelweil. Die Versammlung beschloß ten Beitritt zum Reichsverband und zum LanteS- psertezuchtverein sowie die Angliederung an die Hessische Landwirtschast«kamm«r Buntes Allerlei. Eine neue photographische Kamera. Die neue von Leih in Wetzlar hergestellte Klein-Kamera mit 24x36 Millimeter Bildgröße verwendet gewöhnlichen Kinofilm für je 36 Einzel- aufnahmen, die sich deshalb viel billiger als Platten-. Rollfilm- oder Filmpackausnahmeu. stellen — eine Aufnahme kostet 4 Pfennig. Di« Brennweite des Objektivs ist sehr kurz, ähnlich der des menschlichen Auges, wodurch die Bilder eine hervorragend plastische fast stereoskopische Wirkung erhalten. Außer Zeitausnahmen sind durch Schlitzverschluß Momentaufnahmen bis zrt 1 .oo Sei. möglich. Mit einem Vergröherungs- apparat kann man die Bilder nachträglich auf Postkartenformat bringen. Die Schärfe deS Objektivs und daS besonders kleine Kom des Film» ermöglichen sehr starke, bis zu Ibsache Vergrößerung. Der nur 13x5, 5x3 Zentimeter große Apparat wiegt 450 Gramm. Drei Filmrollen für 108 Aufnahmen wiegen kaum 100 Gramm. Prof. H. Erhard, Gießen. Ans bem . lungsblatt. •* Da« AmtsverkündigungSblall Rr. 60 vom 28. Juli enthält: Rachtrag zu den Friedhofsordnungen mit entsprechenden Polizei-- verordnungen der Gemeinden Annerod und Leihgestern. — Maul- und Klauenseuche in Bellersheim und Londorf. J ■'-tot4-' (Geschäftliches. Die Anttalkoholbewegung ein schwärmerischer Irrtum. 1. „Alle kreatürlichen Dinge sind Gaben Gottes unb verlieren diese Eigenschaften nicht schon bo- burch, baß sie durch menschliche Kulturarbeit verändert werden." 2. „Die Herstellung und der Genuß geistiger Getränke sind nicht schon an sich Sünde, sondern die sie mißbrauchende Genußsucht, deren Ausartung zum Laster der Trunksucht nicht nur pathologisch» sondern auch sittlich au beurteilen ist." 3. „Die völlige Ausrottung aller geistigen Getränke ist ein utopisches Ziel, und die Meinuna, burch eine gesetzlich aufgezwungene Alkoholfreiheit eine sittliche unb physische Erneuerung unb Höherentwicklung unseres Volkes herbeiführen zu köw- nen, ein schwärmerischer Irrtum, ber bic Macht ber sünblichen Begierbc im Menschen verkennt und dar Vorhandensein anderer, nicht auf den AlkohoUs- mus zurückzuführender, aber ebenso schlimmer sittlicher unb sozialer Nöte in unserem Volksleben übersieht." 4. „Die Enthaltsamkeit von bem Genuß bestimmter Dinge ist an sich nicht sittlich vollkommener, als ihr bantbarer Genuß." (Leitsätze ber Eo. Kirchenkonferenz Eisenach 1912. Mitgeteilt von ber Berliner Gastwirtszeitung Nr. 21/1925.) 7650 Kräftig! Ausgiebig! Feines Aroma! Köstlicher Geschmack! sind die allgemein anerkannten Vorzüge meiner stets frisch gebrannten Kaffees Spezialmischung I edler Sorten, Pfd. M.A.- Weitere Sorten Mk 3.60, 4.40, 4.80 Heinrich Driesch Seltersweg 70 7267a Freitag und Samstag *^90 4 MM 1.00 Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 34 Fest-Programm Fridericus Rex Ein Königsschicksal Ab heute bis einschließlich Sonnta<: (.Teil: Sturm und Drang und II.Teil: Vater und Sohn Großes verstärktes Orchester Werktags nur 2 Aufführungen um 4 Uhr und 8 Uhr. Von V37—8 Uhr (»dich Gießen im Film Sonntags 3 Aufführungen um 3 Uhr, 5.30 Uhr und 8 Uhr. Jugendliche haben zur Nachmittagsaufführung zu ermäßigtenPreisen Zutritt. Abends und Sonntags alle Vergünstigungen aufgehoben. Ab Montag: Fridericus Rex III. und IV.Teil. Astoria-Lichtspiele:: Seltersweg sowie täglich Gulasch, Sauerbraten und warme Wurst. 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Ein Päckchen koftet 20 Pfennig ich habe alles eingepackt,\: Doch hait;an die KöpfmdRhe habe ich nicht gedacht! Holen Sie fchnell noch Statt Karlen Jakob Adler und Frau Rosi geb. Hirschfeld danken bestens für die ihnen anläßlich ihrer Hochzeit freundlichst erwiesene Aufmerksamkeit Frankfurt o. M., Sandweg 46 I 7292» MWWlWlW (Sieben. Während des Festes, vom 1. bis 3. August, können. Fahrräder, Motorräder sowie Autos in der Neuen Kaserne gegen eine Gebühr von Fahrräder 40 Pf-, Motorräder 1 Mk., Autos 2.50 MA. unter Aufsicht des hiesigen Militärs eingestellt werd«h Der Empfangs- u. Derkehrs-Ausschutz. Weisel, 1. Dorsttzender. tato Telephon 1062 Marktplatz 17 Der Vorstand. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: H Karoline Kuppe geb. Veite Walltorstrahe 36 H. Telephon 1154. Nieder-Walgern, 30. Juli 1925. 06347 Der Vorstand. 7282V im 64. Lebensjahre. (V Gießen (Steinstraße 19), den 30. Juli 1925. 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B wurde heute eingetragen: 1. bei der Firma Rinn & ElooS. Aktiengesellschaft in Heuchelheim: Durch Beschluß der Generalversammlung vom 27. Juni 1925 ist das Grundkapital auf 3 000 000 Reichsmark, eingeteilt in 3 000 Aktien zum Nennbeträge von je 1000 Reichsmark umgestellt und die §§ 5 und 22 der Satzungen geändert worden: 2. bei der Firma Oberhessische Holzhandelsgesellschaft mit beschränkter Haftung in Giehen: Durch Beschluß der Gesellschafterversammlung vom 9. Jan. 1925 ist das Stammkapital auf 3000 Reichsmark umgestellt worden. Gießen, den 21. Juli 1925. 7270c Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung Die Stadtverordneten - Versammlung hat durch Beschluß vom 20. d. M. für das Grundstück Flur XXVIII Rr. 302 49(100 nördlich der Rodheimer Straße sfrüher Trvhsches Gelände) einen Bebauungsplan nebst Ottsbausatzung aufgestellt. BebauungSplanundOrtsbausahung liegen in der Zeit vom 31. Juli bis zum 14. August 1925, auf dem Stadtbauamt, Asterweg 9, während der üblichen Dienst stunden zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen dagegen sind binnen der gleichen Frist bei Meidung des Ausschluffes bei mir vorzubringen. Auf den AuShang der Ortsbausahung in den städtischen Aushängekästen wird verwiesen. Gießen, den 25. Juli 1925. Der Oberbürgermeister. 3. D.: Dr. Frey. 72858 Tüchtiger pttoflitelfenöet ffir Wee aefuebt. Schriftliche Angeb unter 06328 an den Gieff. Anz. Hlnisimr liksM zum Verkauf eines leicht verkäuflichen Turuses!-Artikels, iltäbeieö im Verlag Aivin Klein. Gietzen, Südanlage 2l. Lin orbentl. 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Der Endzweck feiner Tätigkeit war also die Ab- qibe eines entscheidenden Votums über die ^rage der militärischen und milttär-polittschen Verantwortlichkeiten. 3n Ausführung befer Aufgabe hat der 4. Unterausschuß die nachstehende Entschließung angenommen, die an ter Spitze des jetzt erscheinenden Werkes Der« Nfentlicht wird. Der 4. Unterausschuß hatte die Aufgabe, tie Ursachen deS deutschen Zusammenbruchs im Jafcrc 1918 klarzustellen. Er stellt zunächst die Grenzen fest, jenseits deren es nicht möglich war. M klaren Ergebnissen zu kommen. Der Unterausschuß hat über ein Urteil über tote rein strategischen und taktischen Maßnahmen btt deutschen Kriegführung verzichtet. Hierzu t ,hl1e angesichts der Meinungsverschiedenheiten teer Sachverständigen die Grundlage. Er be« Ichränkt sich in dieser Hinsicht darauf, auf die anbei veröfsentlichten Gutachten hinzuweisen, zu men Ausarbeitung alle amtlichen Archive zur Verfügung standen, sowie auf die Aussagen von Vertretern der früheren O H L., die im Derhand- I^ngsbericht wiedergegeben sind. DaS Hauptgewicht der Untersuchung mußte t>er Unterausschuß als beauftragtes Organ der Volksvertretung auf die Klarstellung der politischen Verantwortlichkeit legen. Die Untersuchung richtete sich in dieser Hinsicht zunächst aus die Handlungen und Unterlassun- (tm der politischen wie militärischen Leitung. Anschließend wurden das Verhalten des Reichs« und die Vorgänge in der Heimat unter« sucht. Dabei fanden die Bemühungen der nicht« antlichen Kreise zur Herbeiführung des Frie« drnS und die Bestrebungen zur revolutionären Umgestaltung Deutschlands („Dolchstoß"-Frage) besondere Drücksichtigung. Entsprechend dem erhaltenen Auftrag beschränkte sich der Untersuchungsausschuß auf die Stellungnahme zu bestimmten einzelnen Fragen. Diese sind in zwei Teile zusammengefaht und. trtoeit das möglich war. nach der zeitlichen Rolge der Begebenheiten gruppiert: Erster Teil. Der militärische Zusammenbruch. I. DaS Verhältnis deS Kaisers, der Reichs- reglerung und der OH L. zueinander. In höchster Instanz war der Kaiser für iHe militärischen und politischen Fragen ent« •) „® i c Ursachen deS Deutschen Zusammenbruchs im Iahre 19 18.“ Vierte Reihe im Werk des Untersuchungsausschusses der Deutschen Verfassungsgebenden Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages 1919—1926. Verhandlungen — Gutachten — Urkunden. Im Auftrage des Deutschen Reichstages. Unter Mitwirkung von Dr. Eugen Mischer als Generalsekretär und Dr. Walther Bloch als Sekretär des 4. Unterausschusses her- ausgegebeii von Dr. Albrecht Philipp. LI. d. R.. Vorsitzendem des 4. Unterausschusses. J ) Bände. I. Band: Verhandlungsbericht. Stenographische Protokolle. Entschließungen usw. II. Band: Gutachten des Sachverständigen Oberst rD. Bernhard Schwertfeger. III. Band: Gutachten des Sachverständigen Generals der Infanterie a. D. von Kuh l. Korreferat des Sachverständigen Geheimrat Prof. Dr. Hans D e l b r ü ck. 1925. Deutsche Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8. scheidend. Unter ihm trug die politische Verantwortung der Reichskanzler (®ra‘ v. Hertling. Prinz Max von Baden) mit seinem ressortmäßigen Stellvertreter, dem Staatssekretär des Aeußern (v. Kühlmann. v. Hintze. Dr. Sols): außerdem war die Stellung eines verantwortlichen Vizekanzlers (D. Payer) geschaffen. Die Verantwortung für die Kriegführung trug der Chef des Generalstabs des Feldheeres (Generalfeldmarschall v. Hindenburg): ihm war als Mitarbeiter beigegeben der Erste General« quartiermeister (General Ludendorff): diesem bei seiner Berufung volle Mitverantwortlichkeit neben dem Ches des Generalstabes des Feldheeres zugesichert. Organisatorische Unterlassungen in bezug auf die Verbindung zwischen der Reichsregierung und der O.H.L. oder einer dieser Stellen mit dem Kaiser sind nicht festgestellt worden. Seit dem Abgang des Reichskanzlers v. Beth- mann Hollweg hat sich die Ueberlegenheit der O.H.L. gegenüber der Reichsregierung in steigendem Maße weiterentwickelt. Diese Heber- legenheit blieb auch bestehen, als im Ianuar 1918 eine Entscheidung des Kaisers zustande kam. welche die ausschließliche Leitung der politischen Angelegenheiten durch den Reichskanzler anerkannte und für die Zukunft festlegte. II. Die deutschen Friedensziele und die Frie- denSmöglichkeiten Anfang 1918. In bezug auf die Kriegsziele herrschte in Deutschland keine einheitliche Ausfassung. Bei einer Richtung ist der Gedanke des reinen Verteidigungskrieges niemals aufgegeben worden: hier Hot daher immer grundsätzliche Bereitwilligkeit zu einem Verständigungsfrieden bestanden. Bei riner anderen Richtung bestand die Meinung, für die ungeheuren Opfer des Krieges müsse ein Ausgleich geschaffen werden durch positive Erfolge und erhebliche Erweiterung der politischen und wirtschaftlichen Machtstellung Deutschlands. Zwischen diesen beiden Ausfassungen stand eine dritte, welche je nach der Lage ihre Ziele enger unff weiter stecken zu können glaubte. Hinsichtlich der Frage der Friedensmoglich- keiten im Frühjahr 1918 wird auf die Verhandlungen des 2. Unterausschusses verwiesen'). Der vom Obersten Haeften im März 1918 im Haag unternommene Versuch einer Anknüpfung mit amerikanischen Kreisen war ohne Bedeutung. Er wurde ohne Vorwissen der O.H.L. und der politischen Reichsleitung begonnen und nicht weiter verfolgt. Die zunehmenden Wirkungen der Hungerblockade ließen bei den Feinden die Geneigtheit zu einem Derständigungsfrieden geringer werden, da man durch die Aushungerung einen Erfolg selbst für den Fall einer militärischen Riederlage erhoffte. III. Der Entschluß zur Offensive 1918. Die Reichsregierung stand Anfang 1918 vor der Frage, ob man weiterkämpfen oder versuchen solle, einen Frieden durch Opfer an deutschem Gebiet zu erkaufen. Sie hat letzteres im Hinblick auf die damalige Lage abgelehnt. Der Entschluß der O.H.L. zur Frühjahrsoffensive 1918. dem sich die Reichsregierung anschloh, beruhte also einerseits auf der Ueberzeugung, daß ein Friede ohne Opfer im Westen nicht zu erlangen sei, andererseits auf der Zuversicht der O.H.L.. den Endsieg zu erringen. Der Reichskanzler hat seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß die Westmächte es abgelehnt hätten, sich i) Die Ergebnisse des 2. Unterausschusses sollen in Reihe II dieses Verles veröffentlicht werden. _______ an den Friedensverhandlungen auf Grund der russischen Vorschläge-) zu beteiligen. - Die O.H.L. hat das Eintressen amerikanischer Truppen für das Frühjahr 1918 zutreffend vor- ausberechnet und bei ihrem Entschluß zu einer möglichst frühzeitigen Offensive berücksichtigt. Sic Hoffnungen auf einen Erfolg muhten geringer werden, je weiter die Zeit fortschritt. Auch die schwierige Ersatzlage drängte zu schneller Entscheidung. Der Geist der deutschen Truppen im Frühjahr 1918 berechtigte durchaus dazu, die Offensive zu wagen. Auch die mit den Abwehrschlachten verbundenen Verluste sowie körperlichen und seelischen Leiden drängten zur Offensive. IV. Die Offensiven des IahreS 1918. Es haben sich keine Tatsachen ergeben, aus denen der Ausschuß ein Pflichtversäumnis der O.H.L. bei der Vorbereitung und Durchführung der Offcnfioe des Iahres 1918 herleiten könnte. Im einzelnen waren auf Grund der Gutachten der Sachverständigen des Ausschusses folgende Feststellungen möglich: Obgleich infolge des Friedens von Brest- Litowsl und durch die Besetzung der Ukraine im Osten noch starke militärische Kräfte gebunden blieben, wurde an der Schlachtfront im We- ften eine Ueberlegenheit an Mannschaften über den Gegner erzielt. Die weitere Heranziehung von wesentlichen für den Angriff geeigneten Streitkräften aus dem Osten kam im Hinblick auf die dortigen Schwierigkeiten nicht mehr in Frage. Die Versorgung mit Wafsen und Munition war für die Offensive ausreichend. An Pferden und Betriebsstoff bestand Mangel. Mit Rücksicht auf die gefamte militärische Lage ist es im Frühjahr 1918 der O.H L. nicht möglich erschienen, weitere österreichisch-ungarische Kräfte außer den schon vorhandenen schweren Batterien an die Westfront zu bringen. Für die Ausbildung und Ausrüstung der deutschen Truppen im Hinblick auf die Offensive war das denkbar Mögliche geschehen. Das Fehlen rückwärtiger Stellungen erklärt sich aus der Verwendung aller kampffähigen Truppen und aller militärischen Arbeitskräfte an der Front und der Unmöglichkeit, der Heimat weitere Arbeitskräfte zu entziehen. Für den Verlauf der Offensive ist Mangel an Munition und sonstigem Kriegsmaterial bis in den Iuli 1918 nicht entscheidend gewesen. Der Ausbau der Tankwaffe wäre 1918 nur möglich gewesen unter Einschränkung der Herstellung von anderem Kriegsmaterial, insbesondere von solchem mit Motoronbedarf. Die physische Leistungsfähigkeit der Truppen war gegenüber früher namentlich infolge der knappen Verpflegung zwar vermindert, entsprach aber den Erwartungen. Der Fortschritt der Offensive ist durch unzulässigen Aufenthalt einzelner Truppenteile in Proviant- und Alkohollagem ohne Zweifel in einigen Fällen beeinträchtigt, aber im ganzen nicht entscheidend gehemmt worden. V. Der Rücktritt des Staatssekretärs v. Kühlmann. Der Rücktritt des Staatssekretärs v. Kühl- mann ist unter starker Mitwirkung der O.H.L. erfolgt. Den Hauptanlah gab die aus der Denkschrift des Obersten v. Haeften vom 3. 3uni 1918 entnommene Aeußerung des Staatssekretärs v. Kühlmann in dessen Reichstagsrede vorn 24. 3uni 1918, daß der Krieg mit den Waffen allein nicht entschieden werden könne. VI. Die Beurteilung der Sage im Iuli 1918 und der Rückschlag in der Offensive. Mitte Iuli 1918, vor Antritt seines Postens als Staatssekretär, verstand Herr v. Hintze eine 3) Rach Abschluß des Waffenstillstands-Vertrages der verbündeten Mittelmächte mit Rußland sind auf Vorschlag Rußlands die Der« handungen über den Frieden vom 25. Dezember 1917 bis zum 4. Ianuar 1918 einschließlich unterbrochen worden, um allen im Kriege befindlichen Mächten Gelegenheit zu geben, sich an den Friedensverhandlungen zu beteiligen. ihm auf seine Frage erteilte Antwort de- Ge- nerals Ludendorff dahin, cs werde gelingen, mit der jetzigen (Reims-) Offenfive den Feind endgültig zu bc'icgcn und hat diese Aeußerung in seiner Polin! zunächst berücksichtigt. BiS zum 15. Iuli 1918 hat die O H. L. den Standpunkt abgclcljnt, daß der Feldzug mit den Waffen nicht mehr gewonnen werden könne, und hat zu Fricdensverhandlungcn auf der Grundlage eines militärischen „Unentschieden" keine Anregung gegeben, obgleich General Lu« dendorsf den Inhalt der von jener Voraussetzung ausgehenden Denkschrift deS Obersten v. Haeften vom 3. Iuni 1918 billigte. Die O H L hielt jede öffentliche Betonung des Standpunktes der Haestenschen Denkschrift für militärisch und politisch verhängnisvoll. VII. DaS Scheitern der Offensive deS IahreS 1918 und die Beurteilung der Sage nach dem 8. August. Das durch die Riederlage vom 8. August deutlich gewordene Scheitern der Gesamtossen» sive erklärt sich daraus daß durch die unerhörten fortgesetzten Kampfe die seelische und körperliche Leistungsfähigkeit der Truppen erschöpft wurde und daß an der Front der Mannschasts- erfah und die Vorräte an Kriegsmaterial nicht mehr ausreichten. Gras v. Hertling hat auch noch nach der Besprechung in dem Kronrat vom 14. August 1918, die sich an eine vertrauliche Aussprache zwischen General Ludendorff und Staatssekretär v. Hintze vom 13. August anschloß, an einer optimistischen Auffassung der Gesamtlage festgehalten. 3m Sinne der in diesem Kronrat gemachten Aeuße- rung des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg, „er hoffe, daß eS dennoch gelingen werde, auf französischem Boden zu bleiben und dadurch schließlich den Feinden unseren Willen auszuzwingen" glaubte er auch damals noch an einen für Deutschland günstigen KriegSausgang und bewirkte dementsprechend die Aufklärung der Oefsentlichkeit. Die nach dem 8. August von der Reichs« regierung gemachten Versuche, noch zu einem Verständigungsfrieden zu kommen, standen im Zeichen der militärischen Ereignisse. Staatssekretär v. Hintze hat — seiner Auffassung der Ge- famtlagc entsprechend — vom 14. August 1918 ab alle diplomatischen Schritte zur Beendigung des Krieges getan. Er hat das Mögliche versucht, konnte aber angesichts der militärischen Lage zu keinem Crrfolge gelangen. VIII Der militärische Zusammenbruch. Die Offensive, die im Märrz, April und Mai große taktische Erfolge, aber keine operative Entscheidung gebracht hatte, kam im 3uli 1918 zum Stehen nicht wegen ungenügender Leistungen der Truppen, sondern deshalb, weil bei abnehmender eigener GefechtSkraft die Stärke der Gegner an der Schlachtfront ständig wuchs. Der Krieg war militärisch verloren, als während der Rückverlegung der deutschen Westfront im September 1918 der Zusammenbruch Bulgariens, dem der Oesterreich-UngamS folgte, auch dis Lage des deutschen Feldheeres völlig verändert hatte. Von da an erschien jeder Versuch, m;t nur militärischen Mitteln zum Frieden zu kommen, zwecklos. XI. Die WaffenstillstandSfordernug vom 29. September 1918 und ihre Folgen. Arn 29. September war die O-H.L. auf dem Punktte angelangt, daß sie zur Rettung vor der militärischen Riederlage einen tunlichst sofortigen Waffenstillstand forderte. Die Waffenstillstandsforderung der 0^.0, kam der Reichsregierung völlig überraschend: diese war aber außerstande, nachzuprüfen, ob etwa bie Beurteilung der militärischen Lage durch die O.H.L. zu ungünstig sei. Alle der Regierung außerdem zugegangenen Mitteilungen bestätigten daS Urteil der O.H.L. Von da an erschien jede Tätigkeit der Reichsregierung zur Herbeiführung eines erträglichen Frieden- aussichtslos. Die Staatssekretäre v. Hintze und Gras Roedern handelten nach den ihnen vom Kaiser am 29. September 1916 in Spa gegebenen Wei- •Brief aus Luzern. Don Ehrhard Evers. Vierwaldstättersee I Du bist in Wahrheit ifaS Herz der Schweiz. Deine Vielzackigkeit ragt ljinein in die vier Kantone, die deinen Rcimen 2uhm und Ehre brachten vor allem. Du belebtest sie mit dem Wellenschlag deines Blutes, nrie sie dir den Odem ihrer weiten, grüne« Almen zurückgeben, der deinem blauen Wasser weihe Schaumkronen aufseht. Riesiges Rüstzeug M markigen Körperbaus deiner Landschaft, ragt tir im Westen der massige Bau des Pilatus, ßhmückl dich nordöstlich mit scharfer Kante geo- aietrifcher Konstruktion die Spitze des Rigi, leide kündende Herolde aufsteigenden und geleitende Boten sinkenden Tagesgestirnes. Eng slHnürt dich ein die lebenpulsende Axenstraße, «cuf der Autos, Bahnzüge, Radler und Fußgänger, dicht nebeneinandergedrängt, über deine weite Fläche hinüberschauen und Grüße hinauf- "Hicken zu den Spitzen der Riederwaldener Berge, lei der sie einen Augenblick verweilen an jener •Ctelle, da der Schweizer 3äger den kalten Land- )vgt mitleidloseren Wellen übergab too sie drüben die Stelle suchen, von wo der Schweizer Frei« eitskampf aus dem Feuer liebeheiher Herzen 116 Flamme hinaufgetragen ward auf die Berge, dne Todesfackel aller Bedrückung. Deine Vergangenheit ist ewig in deinen Bergen. Deine Gegenwart lebt und sprüht in 2uzern. Don fünf Richtungen donnern die klektrischen Züge in die Halle des Bahnhofs, auf vier großen Landstraßen gleiten unaufhörlich Motorwagen ohne Zahl dem großen Magneten, bem Hafenplatz am See, zu, an zwei langen Molen ankern die Schiffe von vier Dampfer- iinicn, und Tausende von Menschen fluten all« äglich in Massen und einzeln, langsam und nit höchster Geschwindigkeit, durch die Straßen bet Stadt. Am frühen Morgen gingen wir durch das Üelsprachige Gewoge am Quai national, und bie Musik spielte Puccini, Wagner, Bizet: die Taufende fremder Lippen summten die bekannten Melodien mit, und bei dem Strauß schen Walzer vielten Augen und Füße nur widerwillig ungleichen Takt. Du, blauer See, trugst die Klänge und Bilder hinüber zum unfernen Alfer, entlang der alten hölzernen Brücke, auf der Schritt um Schritt, doppelwandig bemalt, uns Schweizer Geschichte in stummer Bilder Handlung grüßt: du, klares Wasser, mischest die Farben bunter Toiletten mit dem letzten Weiß des sommerlich dunklen Pilatushauptes: du, helles Rah, wehst Kühlung in die tropische Hitze des gegipfelten 3ahres. Des Abends liegst du dunkel, nur selten silbern, und blaue Schatten greifen langsam die Wände deiner Berge hinauf, bis letztes Erglühen schnellen Abschied des Tages kündet und hohe Lichter grühend ins Tal winken. Hoch oben ob Kriens stand ich und schaute hinab in deine Fluten. Lautlos stieg rotfunkelnd aus dir die Rakete, versprühend in rotgoldener Fächerpalme. Spät erst drang schwach der Knall in die Berge hinauf. Und wollte das Sprühen und Leuchten nicht enden. Deine schwarze Fläche wimmelte von hundertfältig buntaufglühenden Booten, und aus dunklem Schlund schossen unaufhörlich die Garben spielenden Lichtes. Perlmutterglänzende Segel zogen stumm, kaum merklich, ihre Bahn, und dann erlosch Licht bei Licht in den strahlenden Wänden der großen Hotels, bis die Rächt ihre Hand milde auf alle Dinge legte, Lärm und Bewegung langsam löschend. Rur noch die großen Sterne funkelten hell, und wetteifernd mit ihnen blinkten nahe die Lichter der Menschen von den Gipfeln dec Berge. So schliesst du, See, still die Rächt, bis erste Morgenröte strahlend von hohen Häuptern ringsum dich grüßte. Weiß löstest du die Schleier deiner Rebel, warfst sie hinauf in den werdenden Tag, in dessen Bläue sie schmolzen und schwanden. Bis glutrot im Osten über den Ketten ferner Berge tec Sonnenlall heroufroll e 3ube?ancaren des Lichts ausgiehend, tief hinein in die Spalten nächtlich felfigen Gebirges, die zarten Allorde schmelzender Farben ballend zum gewaltigen Unisono strahlender Helle. Dann trug uns der Dampfer Stunden übet dich hin, bis wo der Bristenstock auf Flüelen her- abschaut und die Bahn im Tal der Reuh hinauf- zieht, wo Altdorf, schwer von Geschichte, den Fremdling aufnimmt, ihn grüßend mit der Linde, an der der Schütze mit der Armbrust den Llpfel auf dem Haupt des Kindes traf. Vierwaldstättersee! Du gehörst deinen freien Schweizern, du gehörst aber auch uns, deren Größten einer dich uns fand und schenkte, du gehörst allen, die dich lieben und mit allen Zungen deine Schönheit preisen. Ich grüße dich! Man! Eine Plauderei von R. Krauß. Drei harmlose Buchstaben zu einem Wörtchen zusammengefügt, das sich höchst ungefährlich ansieht und anhört. Hinter dem aber alle Tücken der Charakterlosigkeit lauern. Don einem unbestimmten Fürwort reden wir beschönigend — aber gerade die Unbestimmtheit ist es, an die sich die Unheimlichkeit hangt. Dieses „man" entwindet sich unseren Händen wie eine Eidechse und wechselt unablässig die Farben wie ein Chamäleon. Heute bedeutet es die Mehrheit, morgen die Minderheit; jetzt begreift es alle Welt in sich, dann wieder nur einen einzelnen — sofern sich überhaupt ermitteln läßt, wer und was unter den Begriff fällt. Es beansprucht, die Allgemeinheit, die Oeffentlichkeit, zum mindesten je- doch die „kompakte Majorität" zu vertreten. Bei Licht besehen, sind es meist nur wenige, die unter diesem Deckmantel Unfug treiben, die ihren persönlichen Willen durchsetzen und im Trüben fischen wollen, indem sie sich hinter das unpersönliche „man" verkriechen. „Man sagt!" Wern klingt nicht bei dieser Einleitung Basilios Derleumdungsarie in den Ohren? Sie ist Dorwand und Entschuldigung für den erbärmlichsten Klatsch, für Gerüchte, die unheil- schwanger im Verborgenen schleichen, für Verdächtigungen aller Art, für tödliche Schmähungen und Beleidigungen. Man sayt! Hinter das „man", das einem anonymen Brieffchreiber zu vergleichen ist, zieht sich der Verbreiter der Sage alle Verantwortung ablehnend zurück und nie kommt jemand der wirtlichen Urheberschaft auf die Spur. Das „man" ist allmächtig, weil es sich nicht fassen, packen, an- flagen, verurteilen, strafen, einkerkern, hinrichten läßt. Sollte es aber je einmal gelingen, es in einzelne Teile zu zerlegen, [o ist auch damit nichts gewonnen: denn einer Hydra wachsen für jeden ab- gehauenen Kopf zwei neue. „So was tut man doch nicht!" Diesmal sind es alle wohlanständigen und hochvernünftigen Leute, die sich zusammengefunden haben. Und sie ziehen in einer Wolke verknöcherten Herkommens, erstarrter Tradition, veralteter Sitte, unbegründeten Vorurteils einher. Frage sie nur, warum man so was nicht tut: sie werden keine Antwort wißen und verlegen schweigen. „Man weiß, daß ..." — eine beliebte Wendung, einen Satz zu beginnen. „Wer weiß, daß.. ." Jedermann ober wenigstens jeder Gebildete, und sofern er es nicht weiß, müßte er es eigentlich wissen. Manchmal ist es aber auch nur der Autor selbst, der mit wenigen Eingeweihten die Wissenschaft darum hat und aus einer gewissen Koketterie jo tut, als ob es allgemein bekannt sein müsse. Viele schieben das geduldige „man" vor, um nicht mit ihrem Ich hervortreten zu müßen, was unter Umständen sogar für unfein gilt, um nicht Farbe bekennen, für ihre Handlungen und Behauptungen einstehen zu müßen. „Laß doch das viele Rau- djenr bittet die um die Gesundheit ihres Eheherrn besorgte Frau. — „Du hast ja recht," seufzt er. „Aber man ist eben schwach." Damit hat er die persönliche Verantwortung für feine Leidenschaft, die er freilich mit Millionen teilt, von sich auf die unpersönliche Menge abgewälzt. Häufig ist es bloße Bescheidenheit oder soll es doch folche vorstellen, wenn der Schriftsteller statt „ich" das farblose „man" setzt, etwa schreibt: „Man kann das soundso auf« raffen, erklären ..." Aber sieht es anderseits nicht wieder nach Anmaßung aus, die persönliche Meinung mit dem Kollektivurteil des „man" zu identifizieren? Ja, es gibt Leute, die sogar in der Alltagsunterhaltung nicht feiten das „ich" mit dem „man" vertauschen. „Was tut man in solchem Falle?" fragt einer einen anderen ober gar sich selbst. Dieses „man" ist, falls nicht etwa rein scherzhaft angewanbt, bezeichnenb für ben menschlichen Herdeninstinkt. „Man" will bie Entscheibung treffen, wie „seinesgleichen", wie ber unpersönliche Normalmensch. Uebrigens reben Schwachsinnige mit Vorliebe von sich in ber Man-Form ähnlich wie Kinber sich bis zum dritten Lebensjahre gern mit der dritten Person bezeichnen, weil ihr Ich-Be- wußtsein noch unentwickelt ist. Ebenso gut wie zur Verschleierung der eigenen Persönlichkeit kann das „man" zu der einer fremden dienen. „Man" nennt sie nicht mit Namen, weil sie unerheblich ist. Vielleicht auch nicht aus Diskretion. Das ist immerhin em annehmbarer Grund. Es ist wirklich ein häßlicher Kobold, dieses Wörtchen „man", und nur ein schwacher Trost Hegt darin, daß es allen sogenannten modernen Kultur» sprachen angehött und nicht bloß unserer deutschen. Das Abscheulichste liegt aber darin, daß „man" nur schwer entbehren und auf bie Dauer kaum ganz umgehen kann. Wir werden bie lästige Fessel ver. mullich für Zeit unb Ewigkeit burch unsere Unterhaltungen und unser Schrifttum fortschleppen. jungen und auch im Sinne der O.H.L., wenn sie sich in Berlin um die Bildung einer neuen Regierung aus der Grundlage des parlamentarischen Systems bemühten, um den baldigen Abgang einer Rote an Wilson zu ermöglichen. Der Reichskanzler Prinz Max von Baden hat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittet erschöpft, um den von ihm für falsch erachteten Schritt eines sofortigen Waffenstillstandsangebots zu vermeiden. Nach Abgang des Wafsenstillstandsangebotes berechtigte die militärische Lage im Hinblick auf die Schwierigkeiten, mit denen der vordringende Feind zu kämpfen hatte, trotz der mangelhaften rückwärtigen Stellungen zu der Hoffnung, an der Westfront noch einige Zeit in der Abwehr verharren zu können. X. Zusammenfassung. Die O.H.L. hat ihre Handlungen stets in dem guten Glauben begangen, damit dem Wohl des gesamten Vaterlandes zu dienen. Es entsprach ihrer militärischen Anschauungsweise, daß solange, als es irgend möglich erschien, den Gedanken an einen militärisch guten, später wenigstens erträglichen Frieden vertreten hat. Die deutsche Kampffront hat bis zuletzt alles geleistet, was in ihren Kräften stand. Die Reichsregierung hat sich auf das Urteil der O.H.L. verlassen, bis diese selbst die Unmög- lichkeit des Sieges zugestand. Sie verfügte über keine Persönlichkeit, die sich gegen den Willen der O.H.L. durchzusehen vermochte. XI. Schluß. Der Unterausschuß hat inbezug auf die von ihm behandelten Fragen des deutschen militärischen Zusammenbruchs 1918 keine Feststellungen getroffen, welche es rechtfertigen, nach irgendeiner Seite hin zu einem Schuldurteil zu gelangen. Wohnungsnot und Wohnungsneubau in Hessen. Die hessische Regierung hat eine Denkschrift veröffentlicht, die das Wohnungswesen in Hessen behandelt. Hierin wird ausgeführt, daß die Zahl der in den Jahren 1919 bis 1923 in Hessen errichteten Wohnungen 11 970 beträgt. Der Ausfall an Wohnungen für diese vier Jahre und für die Kriegszeit wird, gestützt aus die Ziffern der Vorkriegszeit, auf rund 15 000 berechnet. Die Zahl der neu errichteten Wohnungen blieb, der Denkschrift zufolge, ohne Einfluß auf den örtlichen Wohnungsmarkt, der bei dem überaus, großen Mangel an Wohnungsangeboten den Bedarf nicht im entferntesten decken konnte. So sind heute noch in manchen Städten Anträge aus dem Jahre 1922 unberücksichtigt geblieben. Ein besonderes Lob erhält die Zentralflüchtlingsstelle in Darmstadt, weil es ihr gelungen xft, die ausgewiesenen Familien während der Zeit des passiven Widerstandes unterzubringen. Der Staat Hessen hat, wie wir weiter der Denkschrift entnehmen, neben der Bereitstellung erheblicher Mittel zur Förderung des Wohnungsbaus seit 1919 staatseigene Gebäude mit 340 Beamtenwohnungen in den Städten und größten Landgemeinden errichtet und außerdem eine Reihe von neuen Dienstwohnungen geschaffen, und auf diese Weise die Wohnungsnot in Beamtenkreisen erheblich gemildert. Zur Förderung der allgemeinen Wohnungsbautätigkeit im Jahre 1924 wurden staat- licherseits aufgewendet: Zur Gewährung von Baudarlehen 2 230 000 Mark, für besondere Förderung des Wohnungsbaues im besetzten hessischen Gebiet aus allgemeinen Staatsmitteln 600 000 Mark, ferner für die Errichtung staatseigener Beamtenmietwohnungen 387 515 Mark. Die Aufwendung für die von 1919 bis 1923 errichteten staatseigenen Beamtenmietwohnungen beträgt schätzungsweise 1700 000 Mark. Für das Baujahr 1925 wurden aus dem Aufkommen der staatlichen Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz zur Förderung des Wohnungsbaues bereitgestellt 4 292 000 Mark. Für Errichtung weiterer ftaatseigener Beamtenmietwohnungen im r Jahre 1925 sind vorgesehen 1374 000 Mark. Rach Erhebungen in den hessischen Gemeinden über 500 ^Einwohner haben diese im Jahre 1924 rund acht , Millionen Mark für den Wohnungsbau aufgewendet. r Für 1925 sind von diesen Gemeinden für den gleichen Zweck 15 Millionen vorgesehen. Im besetzten hessischen Gebiet waren zu Beginn des Jahres 1924 im ganzen 2240 selbständige Wohnungen beschlagnahmt, dzw. dem örtlichen Wohnungsmarkt entzogen. Inzwischen wurden 1126 Wohnungen, darunter 293 Wohnungen in Holzhäusern und Baracken, neu geschaffen, so daß zur Zeit noch 1114 Fräulein Fob° Roman von Anders Eje. 32. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Als aber Herr Fellips diese frühe Morgenstunde gewählt hatte, um auf der Veranda seinen Tee zu nehmen, war es nicht, um sich- an diesem schönen Gemälde zu ergötzen, das von Walter Leistikow stammen könnte, sondern aus ganz anderen Gründen. Außer Herrn Fellips selbst befand sich noch ein zweiter Herr auf der Veranda, ein Herr, mit dem Fellips ungestört eine Weile sprechen wollte, der Waldhüter und Privatdektiv des Bankdirektors, Herr Lynn. Wie sich der Leser erinnert, hatte Herr Lynn an einem gewissen Tage ein Eiltelegramm aufgegeben, und dies dürfte einer der vornehmsten Ursachen zu Fellips plötzlicher und unerwarteter Ankunft in Warminge gewesen sein. Der Bankdirektor wollte nähere Aufklärungen über den ihm unbekannten Herrn haben, der im Telegramm erwähnt war. „Sag Lynn," fragte er, „was ist mit diesem Milltorp, was macht er hier?" Unter anderem scheint es mir, daß er die Disziplin auf dem Gut untergräbt.“ „Die Disziplin untergraben? Wie ist dies möglich? Hier hat doch niemand mit ihm was zu tun.“ „Nein, das nicht. Aber der Herr Bank- direktor wissen vielleicht nicht, daß er hier in der Legend der Reformator genannt wird." „Wieso?“ „Ja, das ist deswegen, weil er aus Amerika gekommen ist, vollgepfropft mit einer Menge )vn Freiheitsideen. Das wirkt ansteckend und iann, wie gesagt, gefährlich für die Disziplin werden. Und wenn mir eine Bemerkung gestattet ist, so glaube ich, daß man dem nicht ruhig zusehen soll." “Gut. Wir werden den freiheitsliebenden Reformator im Auge behalten. Nun, und wie ist er sonst?' Der Waldhüter konnte ein etwas unverschämtes Lächeln nicht unterdrücken und antwortete: Wohnungen fehlen. Die Reichsregierung hat für die heimkehrenden Ausgewiesenen für 1925 zur Errichtung neuer Wohnungen Geldmittel bereitgestellt. Die Denkschrift macht weiter darauf aufmerksam, daß die Städte für 1925 großzügige Bauprogramme aufgestellt hatten, aber „die inzwischen allgemein auftretende Geldknappheit hat auf alle auf diesem Gebiete getroffenen Maßnahmen und Vorbereitungen lähmend gewirkt. Aller Voraussicht nach wird vorerst auf die öffentliche Beihilfe zum Wohnungsbau und einen zentralen Ausgleich bei der Verteilung der öffentlichen Mittel zur Förderung des Wohnungsbaues noch nicht verzichtet werden können." Als eine höchst unliebsame Erscheinung auf dem Baumarkt wird die ganz allmählich fortschreitende Verteuerung der Baukosten bezeichnet, die ihre Ursache zum Teil in der Lohnsteigerung und der Verteuerung der Baustoffe hat. Die Verteuerung betrug im April das l,85fachc gegenüber dem Stand von 1914. Bemerkenswert ist, was die Denkschrift über die Mieten sagt. Es heißt da: „Im Zusammenhang mit den hohen Zinssätzen (11 v. H. und mehr) für kurzfristiges Leihkapital ergeben sich Mietpreise bis zum Dreifachen der Vorkriegsmiete gleichartiger Wohnungen. Solche Mietpreise stehen in keinem Verhältnis zu der Leistungsfähigkeit der weitaus größten Mehrheit der Wohnungsbedürftigen, und find untragbar. Dadurch entstehen den Gemeinden- neue Lasten durch unabwendbare Miet- ober Zinszuschüsse, die aus dem allgemeinen Betriebsfonds gedeckt werden müssen. Es ist deshalb zur Gesundung der Bauwirtschaft unbedingt notwendig, die die Vorkriegsmieten für Altwohnungen in kürzeren Zeitabschnitten, als es bisher üblich war, zu steigern und so der rentierlichen Miete neuer Wohnungen zu nähern." Aus der Provinz. Landkreis Gießen. > Aus der nördlichen Wetterau, 29. Juli. Auch hier macht die Ernte gute Fortschritte. Nachdem der langersehnte Regen niedergegangen ist, sind die Wünsche des Landmanns erfüllt. Mit neuem Mut und gesteigerter Arbeitsfreudigkeit zieht er an Oie Erntearbeit hinaus. Roggen und Gerste sind zum größten Teil geschnitten. Bei ersterem ist der Ertrag sehr gut, während die Gerste stellenweise eine mangelhafte Halmentwicklung aufweist. Hier und da hat der Haferschnitt schon begonnen, und der Weizenschnitt, die Haupternte unseres Gebiets, steht nicht mehr allzu fern. In zwei, höchstens drei Wochen dürften die ©rntearbeiten beendet sein. Kreis Büdingen. „?" Aus dem Niddatal, 29. Juli. Die Wespen treten in diesem Jahr in ungeheurer Zahl aus und werden zu einer nicht ungefährlichen Plage für Küche und Haus. Gerade jetzt, wo die Hausfrau mit dem Kochen von Gelee beschäftigt ist, und allerlei Süßes zum Naschen anlockt, stellen sie sich scharenweise ein, stürzen sich in den süßen Saft und umfliegen groß und klein mit beängstigendem Summen. Auch die Imker haben stark unter ihrer Zahl zu leiden. Sind doch die Bienenstände ein äußerst begehrenswertes Objekt für die lästigen Tiere, und alle BÄämpfungs- und Vernichtungsmittel, die der Jucker anwendet, reichen nicht aus, sie von seinen Honigstöcken femzuhalten. Nur eine allgemeine Bekämpfung durch Aufstellen von Fangflaschen in jedem Haus könnte ihre Zahl so vermindern, daß sie auf ein erträgliches Maß zusammenschrumpfen würde. — Abweichend von der Gepflogenheit früherer Jahre, in denen man das geschnittene Getreide möglichst lang im Felde lieh, damit es „auszog", zeigen die Landwirte jetzt eine ganz besondere Eile, es unter Dach und Fach zu bringen. Das vergangene Jahr mit seiner durch Regen verdorbenen Ernte ist noch in zu frischer Erinnerung. Auch in diesem Jahre vertraut man nicht auf die Beständigkeit schöner Erntetage. Kreis Wetzkar. 1*1 Dutenhofen, 29. Juli. Im Alter von 81 Jahren ft a r b hier der Altveteran von 1866, 1870/71 Johannes Weber. Ferner verstarb einer der ältesten Einwohner unseres Dorfes in der Person des Georg Müller. Er erreichte das Alter von 84 Jahren. „Wäre es da nicht besser, die gnädige Frau zu fragen? Es scheint mir, als ob sie und Herr Milltorp alte Bekannte wären." Fellips runzelte die Augenbrauen, und Herr Lynn hatte seinen gewohnten, respektvollen Gesichtsausdruck sofort wieder zurückgewonnen. Nach einigen Minuten des lieberlegene hatte Fellips einen Entschluß gefaßt. „Sattle sofort die Corahl“ Eine Weile später saß Herr Fellips zu Pferde und trabte über die Schloßbrücke in den stillen Morgen hinaus. Der Waldhüter hatte ihm genau den Weg beschrieben, der zum Landgut Milltorps führte. Herr Fellips war nicht unempfänglich für die Schönheiten der Natur, aber daß er jetzt während des Rittes einen plötzlichen Umschlag seiner ziemlich gereizten Stimmung feststellen konnte, hatte nur höchst mittelbar seine Ursache in den sonnenglänzenden, lichtfunkelnden Bildern. Der Reiter spornte die Stute, nahm einen Graben zur Rechten und setzte in Karriere über ein Brachfeld, ein instinktiver Ausdruck seiner gesteigerten Stimmung. Drüben am Waldrand nahm er die Zügel wieder locker und setzte seinen Weg im Schritt auf der Straße fort. Herr Fellips fühlte sich erfrischt vom scharfen Ritt, vor allem von den verführerischen Bildern, die sich vor seinem inneren Auge abspielten. Er hatte — ganz unbewußt — wieder an Gabby zu denken begonnen, deren besonders unerwünschtes Erscheinen auf einer Bühne, auf der er so wenig als möglich Akteure wünschte, ihn anfangs nur in gereizte Stimmung gebracht hatte. Als jetzt ihr Bild aufs neue vor ihm auf« stieg, zeigte es sich schon etwas anders. Abgesehen von den ilmftänöen, unter denen ihr Weg den seinen kreuzte, war sie auf alle Fälle ein süßes, ganz entzückendes Mädchen. Wie ein gerade reif gewordener Pfirsich war sie, sammt- weich, appetitlich und lockend, — vielleicht nicht so leicht zu pflücken, aber ..... Die Stute ging mit schlappen Zügeln ihres Weges, während der Bankdirektor sich seinen weitschweifenden Gedanken hingab. Nicht so leicht zu pflücken, nein ..... aber Schwierigkeiten hatten Herrn Fellips niemals abgeschreckt, eher im Gegenteil. Außerdem gab ]:[ Hochelheim, 29. Juli. Hier fand am Sonntag unter großer Beteiligung eine R h ein - I a n bf e i e r statt. Gegen 3 Uhr bewegte sich ein stattliche^ Festzug, voran die Schuljugend, mit Girlanden und Fähnchen in den rheinischen Farben durch das Dorf nach dem Festplatze „Unter den Linden“. In passenden Gedichten und Liedern und zündenden Ansprachen wurde des herrlichen Rheinlandes und seiner Bewohner gedacht. Die erhebende Feier fand ihren Abschluß mit dem mit Posaunen begleiteten Deutschlandliede. Im Namen der Gemeinde legte dann Vorsteher Jung an unfern Kriegerdenkmal zur Ehrung unserer Gefallenen einen Kranz nieder. Hierauf spielte der Posaunenchor, während die Fahnen der hiesigen Vereine vor dem Denkmal gesenkt waren, das Lied: „Ich halt' einen Kameraden". — Am Sonntagabend erein- nete sich hier ein Unfall, der zum Glück keine bösen Folgen hatte. Das Pferd eines Landwirtes aus Kleinrechtenbach, der an der Rheinlandfeier teilgenommen hatte und nach Hause fahren wollte, ging durch und raste durch das Dorf, den Besitzer ein Stück mit sich schleifend. Auf dem Wagen saßen ein hiesiges 12jähriges Mädchen und das dreijährige Mädchen des Landwirtes. Ersteres sprang in der Nähe von Klein- Rechtenbach ab, ohne ernstlichen Schaden zu nehmen, während das kleine Kind in dem Wagen liegen blieb. Ein Lehrer aus Großrechtenbach, der mit seinem Motorrad dem Gefährt entgegenkam, kehrte, die Gefahr erkennend, um und verfolgte das scheue Pferd. Es gelang ihm, dieses in Kleinrechtenbach einzuholen und gegen eine Mauer zu drücken, wo es von einigen Männern ergriffen werden konnte. Außer einigen Hautabschürfungen erlitten der Landwirt und die Kinder keine weiteren Verletzungen. • — Gestern morgen geriet unser Ort abermals in große Aufregung. Nachdem am Freitag vor acht Tagen in der billigen Postagentur eingebr ochen worden war, hatte der Dieb, damals verscheucht, ihr abermals einen Besuch abgeftottet, diesmal ganz sicher auf Deute hoffend. Er war um 12 Uhr burcb den Keller eingedrungen. Da er alle Türen verschlossen fand, wollte er in einem Bor- ratsraurne warten, bis sich das weinende Kind eines Verwandten des Postagenien beruhigt hatte. Infolge A l k o h o l g e n u s s e s ist er aber bann eingeschlafen und erst am Morgen aufgewacht, als die Hausbewohner aufstanden. So wurde er bann überwältigt und gefesselt in das Spritzenhaus gebracht, begleitet von den Dorfbewohnern, die auf den Lärm herbei geeilt waren. Der Landjäger D r a u n aus Großrechtenbach brachte den Spitzbuben nach Wetzlar ins Gefängnis. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 29. Juli. Der erst seit 14 Tagen verheiratete 24jährige Mechaniker Rudolf Boller aus Harreshausen bei Babenhausen verlor am Montag durch zu schnelles Fahren die Gewalt über sein Motorrad, so daß er gegen eine Mauer fuhr und sich den Schädel zertrümmerte. Er war sofort tot— Vor einigen Tagen stürzte der Händler Johann Arnold von Hausen mit seinem Motorrad. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er im Krankenhaus in Lorsch gestorben ist. — In Rüsselsheim kam bei einem Hausbrand ein Kind im Alter von ungefähr zwei Jahren in den Flammen um. Der Wiederaufbau des Bergsriedes auf der Starkenburg fs. Heppenheim, 28. Juli. Vorige Woche tagte hier eine von ' Kreisdirektor Pfeiffer einberufene Versammlung, die sich mit dem Wiederaufbau des Bergfriedes auf der Starkenburg beschäftigte. Es gatt in erster Linie festzustellen, inwieweit die an der Starkenburg anteilnehmenden Körperschaften zur Leistung von Beiträgen zu den Wiederaufbaukosten bereit sind. Als Vertreter des Ministeriums nahmen an der Versammlung die Ministerialräte Wagner, Dr. Hofmann und G u ft t r u m teil. Hierbei erläuterte Ministerialrat Dr. Hofmann an Hand vonZeichnungen, in welcher Weise der Wiederaufbau des Bergfriedes von der Regierung geplant ist. Neben den idealen, historischen Gesichtspunkten sotten auch Erwägungen praktischer Art ihre Auswirkung finden. Nach der Wegräumung der Schuttmassen des gesprengten alten Turmes zeigte der es da noch einen anderen, ganz besonderen Anreiz: es müßte doch ein ganz außerordentliches Vergnügen fein, diesen Idioten Kehler zu ärgern, der sich ordentlich verschossen zu haben schien. Die gar nicht so kurze Strecke durch den Wald hatte Corah in dem ihr beliebigen Tempo zurückgelegt, so daß der Bankdirektor auf Milltorps Gut nicht zu früh, sondern fast um dis besuchsmähige Stunde eintraf. Herr Fettips brauchte nicht zu fragen, ob er sich nicht verirrt habe. Als er in die kurze Pappelallee einbog und das weihgetünchte Wohngebäude im Hintergrund erblickte, wußte er nach der Beschreibung Lynns sofort, daß er sich auf dem Gute des- „Reformators" besand. Allzustattlich sah es nicht aus, die Wege waren geharkt und die Hecken sorgfältig beschnitten, aber wenn es eine Art Musterfarm sein sollte, so mutzte er schon sagen ..... Die Kritik des Bankdirektors wurde plötzlich von einem Knecht unterbrochen, der höflich fragte, wen er suche. „3d) suche Herrn Milltorp. Seien Sie so gut und sorgen Sie für das Pferd." Der Knecht nahm sich der Stute an und rief irgendein Dienstmädchen herbei. Herr Fellips reichte diesem seine Starte und wurde von ihm sofort in Milltorps Salon geführt. Wenn feine kritischen Beobachtungen der Außenseite des Gutes rascher als er gewünscht hatte, abgebrochen wurden, so hatte er nun Gelegenheit, um so gründlicher das Interieur zu studieren, wenigstens soweit es sich in der Einrichtung von Miltorps Salon spiegelte. Herr Fellips war damit sehr zufrieden. Dessen spartanische Einfachheit gab ihm nämlich Anlaß, die Reflexionen zu beenden, die er draußen im Hof begonnen. Der Bankdirektor liebte es, sich mit einer fast sybaritischen Pracht zu umgeben, er konnte sich einen Salon gar nicht vorstellen ohne daumendicke Teppiche und Gewebe, ohne eine Menge tiefer Fauteuils und Divane, ohne Wände, die bis auf ba$ letzte Fleckchen mit auserlesenen Kunstwerken bedeckt waren, und ohne eine Luft, die vom Duft exotischer Blumen schwer gesättigt war. Die Fenster von Herrn Milltorps Salon waren mit einigen einfachen Topfpflanzen ge- Durghof eine so prächtige und eindrucksvolle Raumgestaltung, wie man sie weit und breit nicht schöner finden kann. 51m diese neue und schöne Raumbildung zu erhalten, soll der neue Turm nicht wieder auf seinen alten Platz, in die Mitte des Burghofes gestellt, sondern nach dem Westeingang, neben das frühere Tor vorgerückt werden. Der Torbogen wird auf dem alten _ Torfundament wieder errichtet und an den südwestlichen Eckturm angelehnt. Der Turm selbst soll nicht lediglich wieder ein Aussichtsturm werden, man will ihn vielmehr auch praktischen Zwecken dienstbar machen. Die auch zur Erhöhung der Standfestigkeit des Turmes vorgesehenen Zwischendecken teilen den Turm in acht Geschosse, in welchen Jugendherber, gen u. a. m. untergebracht werden können. Die Verbindung der einzelnen Geschosse wird durch eine in der Ostmauer des Turmes hochgeführte Wendeltreppe hergestellt. Zum Schuhe der Burganlagen ist an der nördlichen Turmseite die Errichtung einer Först er Wohnung vorgesehen. Durch diese Anbauten erhält der Turm Verbindung mit dem übrigen Ruinengemäuer, und die ganze Burg wird sich künftighin viel wuchtiger und plastischer in dem' Landschaftsbild der Bergstraße abheben. Die Gesamtbau- ko st en sind auf ungefähr 115 000 Mk. veranschlagt. Vorerst stehen aber nur 30 000 Mk. zur Verfügung, welche die Volkskammer v. I. für die Instandsetzung des baufällig "gewordenen alten Turmes bewilligt hat. Die Bewilligung weiterer Mittel wurde mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage für nächstes Jahr zurück- gestellt. An freiwilligen Beiträgen haben die Stadt Heppenheim 10 000 Mk., die Stadt Wein- heim 1000 Mk., die Kreise Heppenheim und Bensheim je 3000 Mk. bis jetzt schon bewilligt. Weitere namhafte Beiträge sind von der Provinz Starkenburg, von der Stadt Bensheim, von dem Corps „Starkenburgia“, dem Odenwald- I klub, dem Verkehrsausschutz der Bergstraße u. a. in Aussicht gestellt. Es kann hiernad) damit gerechnet werden, daß ungefähr ein Drittel der Gesamtbaukosten von den nichtstaatlichen Körper- fdjaften aufgebracht wird. Hierdurch ist die Grundlage geschaffen, mit den Wiederaufbau- arbeiten in allernächster Zeit zu beginnen, so daß man damit rechnen kann, das alte Wahrzeichen der Bergstraße im nächsten Jahr vollends wieder erstehen zu sehen. 32. Mittelrhein. Ursistmnftst Iu^enbweLtschwimmen. Zu dem gestrigen Jugendwettschwim- men hatte sich trotz des windigen Wetters eine große Anzahl Schüler und Schülerinnen eingefunden, um ihre Kräfte gegenseitig zu messen. Sieger wurden: Altersstufe l, 19 11 bis 1913 gebo - I reue Schüler: 1. Wilh. Rau, 2. Georg Herbert, 3. Ludwig Lesch, 4. Fritz Werner, 5. Walter Holzigel, 6. Karl Schwinn. 7. Hugo Baumann, 8. Richard Croon, 9. Friedrich Schütz, 10. Walter Ger- Hardt, 11. Ludwig Häuser. 12. Üudwig Ranft, 13. Werner Gujot 14. Martin Barmester 15. Friedrich Rau, 16. Franz Peters. 17. Ernst Häuser, 18. H. Vogt, 19. Siegfried von Biiltzingslöwen. Alters st use II, 1909 und 1910 gebo« re ne Schüler: 1. Karl Schaum, 2. Walter Weiß, 3. Wilhelm Zimmer, 4. Kurt Horeyseck, 5. Walter Borst, 6. Erwin Ziegler, 7. Wilhelm Kalbfleisch, 8. Kurt Hertz, 9. August Philipp. Altersstufe III, 1 908 und 1907 geborene Schüler: 1. Paul Gröninger 2. Hermann Kraft, 3. Leonhard Müller, 4. Siegfried Schröder, 5. Karl Duill. Altersstufe I, 1911 bis 1913 geborene Schülerinnen: 1. Lenka Handrich, 2. Erna Althaus, 3. Luci Scheel, 4. Marie Burger, 5. Anna Pfund, 6. Hildegard von Bültzingslöwen, 7. Else Keil, 8. Ester Ruth Schott, 9. Annemarie Drünning. Altersstufe II, 1909 bis 1910 geborene Schülerinnen: 1. Hanneli Weeg 2. Emmy Münich, 3. Elli Zipp, 4. Elisabeth Blum. MM m SiMM Korpulenten und allen zum Starkwerden Veranlagten, in der Apotheke 60 Gramm Toluba-Kerne zu kaufen. Die echten Toluba-Kerne wirken bei völliger Unschädlichkeit fettzehrend und ansahverhindernd. Die Bestandteile sind auf der Packung angegeben. schmückt, und auf der ovalen Platte des Mitteltisches stand eine Vase voll Feldblumen, — Offizinalis und Vulgaris. Sein Blick glitt mit ironischer Zufriedenheit über die Wände, deren mattes Grün sehr spär- lid) von einigen Radierungen und farbigen Lithographien unterbrochen war, die Herr Fellips auf ihren künstlerischen Weit gar nicht schätzen wollte. Ein weniger parteiischer Beurteiler würde in dem Zimmer, in dem es nicht ein Möbelstück und nicht ein Bild zuviel gab, allerdings ohns Schwierigkeit den persönlichen Stil gefühlt haben. Dieser spartanisch eingerichtete Raum trug viele Charakterzeichen seines Besitzers: rauh unbfdjroff, vielleicht ein wenig ungastlich aber durchdacht. Schließlich wurde Herr Fellips seiner Reflexionen über das Zimmer, in das man ihm geführt, müde. Schon einigemale hatte er mit steigender Ungeduld seine Uhr gezogen. Herr Milltorp ließ ihn unverantwortlich lang antichambrieren. Als Herrn Fellips' Aerger über diese Nichtachtung gegenüber dem größten Gutsbesitzer der Gegend seinen Höhepunkt erreicht hatte, öffnete sich endlich die Tür und Milltorp trat herein. In der untersetzten, kräftigen Gestalt mit dem scharfgezeichneten, jetzt stark gebräunten Gesicht erkannte Fellips sofort jenen, der einmal, bei einem unangenehmen Zwischenfall, sein Gegner gewesen. Auch Milltorp wußte seinerseits, wer sein Gast war. Es galt also gegenseitig Komödie zu spielen. Die Herren begrüßten sich höflich, Milltorp lud Fellips ein, Platz zu» nehmen, einige gleichgültige Worte wurden gewechselt, und dann entstand eine kleine Verlegenheitspause. Das heißt, die Verlegenheit lag ganz und gar auf Fellips' Seite. Milltorp hatte ja nur zu warten, um die Ursache dieses Besuches zu erfahren. Fellips, dec in der Absicht gekommen war, mit allem Gewichte seine Autorität hier geltend zu machen, begann in seinem Entschlüsse schwankend zu werden. Mit seiner gewohnten Geschmeidigkeit wechselte er sofort die Taktik. Er spielte den Höflichen und Liebenswürdigen, während er die ganze Zeit hindurch in der innerung die rasende Demütigung durchlebte, die er von seinem Gegenüber erfahren. (Fortsetzung folgt.) Der Z 2 norm »e-'C » in 3®Lfen i \ 6$ S 6 . Sctmjt Aiel'stnhl jn M 2'ä-rM 8FsS Urnen, ErftiMw mittel fu> Lon Ka Für den Spi Sommer empsmi Jahreszeit. W Hitze aus den S btanfl, aus Die wirkt, wie HM bers 2urstge,uh! neue uni) wicht welche Grfrijdjm eigneten sind 3 Meinungen. 3m allgemein als Ermüdung je sähigkeil, in den tulatur oder das strengender Xätic sestgestellt, datz beruht, datz das stnngenTpannkr leistung hält Spannkräfte, a: geleistet wird, lerer 3nanfpru zwischen Derbrc gjn bedarf erft neue Spannträf. fache der ßrmüb. Miet Forschung der betretenden i die entsprechende! üben. Brei oorzüglü uni Ermüdung i kämpfen. Zuer ein Bad der man diese einig Wasserleitung od Blut abgekühlt i dar ganze den Ki 2as zweite M gegen Surft. Es schein Masse eine merkliche, sei kiihluny der M dritte Echischun Wörtliche Erschlc sport sehr em; Lustbad vor entkleide sich o daraus, datz G Kleidung misst mit handbädei m allerkürzeste W, uni man feine sportlicher Zur Lek -ommerfport q Sportler t)at k Qui das er sch, nie ein Spöttle. ^eignet wäre Wunqen einfte ‘■bitt [V Sporta 1 ^Nch der Du oerhä Mtarftem ’Nlanb nie trh? SÄE o *< 'N d Wit, lird ’u lenen iD2 Spitteln .'^QuinxiU limbeerfGit V >«ugenbiL ® höchsten @r ij'it bei | Attest,ter 27 werden 53? ber Zit Soffer h 7>res, iehr9 für den Srm 9uten ifei lefeufr Äft t9? toitt> au! xDt* -Ä"K ÄS®? '3u9tnuUnn in MVf-^tber, L^°K S* »hs 'LS"L l'fet F'Sr 'K ammer 4’ p ZUr fyft*.’’S $*»*•&.* i Schülerinnen einge» inseitig zu messen. bis 1913 gebe» %au, 2. Troia f)er. ritz Werner, 5. Malier 7. Hugo Baumann, 8. Tchufi, 10. Waller Ter. 12. Ludwig Sanft, 13. Barmefter 15. Friednch Emst Häuser, 18. h. Zültzingsläwen. 9 und 1910 gebo. -chaum, 2. Waller Wck iri horey/ech 5. ffialit; 7. ffllfjelm ffalbfleili nipp. 3 und 1901 geb», sröninger 2. Hermann 4. Siegfried Schröder, 1 bis 1913 gebe- 1. Lenka handlich, 2 ^eel, 4. Marie Burger, rd von Bultzingslöwen, ; Schott, 9. Ännemam )9 bis 1910 gebo. 1. hanneli Weeg 2 pp, 4. Elisabech Slum. ist ganz besonders |U lästig. Wir raten ,m Starlwerden Beran« Sramm Tvluba-Aerne zu Kerne wirken bei völlig« und ansahverhlndernd. der Packung angegeben. lenHättHsHiel' voll Feldblumen. - ironildxr 3« ™»*; gen mH«*«* ?ar, die Herr ffi £ ab« »"*£ ***»-*, sKs wrf« ®;- »t flar der einmal, -ort j ®lllorP gegen- ■:S£ite stand '^[Itgen^f W M DZ AM' SM* 5 Mxlfxrter Qlbtnbbirlc Dörsenkurse. negen der Bitterkeit entfernen! — in das kochende Zucker wasser hineingelegt und kurz ausgekocht. Ein anderes, icbr erfrischendes und unschädliches Getränk für den Sommersport. Man brühe zehn Gramm guten echten Tee mit einem halben Liter Waster auf. laste ihn fünf Minuten ziehen, siebt ihn und stellt ihn kalt. Indessen löst man 15 Gramm 'ristallisierte Zitronensäure in einem halben Liter Master aut, ebenso 350 Gramm Zucker in einem halben Liter Master. Man mischt dann Tee, Zitto- Der Prozeß gegen den Mörder Sleul. Todesurteil. • (Stehen, 29. 3uli 1925. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtberichi des .,Gießener Anzeiger»".) Frankfurt a. M., 28. Juli. Es wurden notiert: Weizen, Wetteraucr 24—24.50, Roggen, inländischer heuer Ernte 21,50—21.75, Hafer, inlän- bi (her 20,50—23,50, Mais, gelb 21,50—22. Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 37,75—38,25, Roggenmehl 30—31,50, Weizenkleie 11,90—12,25, Roggen- kleie 12,25—12,75. Tendenz: Leicht befestigt. Berliner Produlienbörse. Berlin, 29. Juli Der Produktenmarkt verlief ruhig, bei fester Stimmung. Die Preise im allgemeinen unverändert. Mehl wenig begehrt. Fu'terartikel etwas lebhafter gehandlr Es wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, märt. 24b bt« 249 do. Juli 268 biS 267. do Sept. 253 bi« 252 do. Olieber 254. Roggen, mark. 192 biß 197. do Juli 206 biS 204,50, do Sept. 202, do. Oft. 206.50. neue Futtcrgersie 198 biß 212 neue Wintergerste 187 bis 195. Hafer, 3uli 186 b.ß 187 bis 186. do. Sept. 192. do. Oft 19b. Mais, loko Berlin 212 bis 214. Rap« 350 biß 355; für 100 Kilo: Weizenmehl 33 biß 35, Hoggcnnicbl 2750 bis 2950. Weizenkleie 13,70. Aoggenkleie 1380 bi« 13.90, Diktoriaerbfen 27 bis 35. kleine Erbsen 25 biß 27. Futtererbsen 23 biß 26,50. Peluschken 23 biß 26,50, Ackerbohnen 24 bi« 26. Wicken 26 bis 28. Lupinen, blau 12 biß 13.50, do gelb 15 biß 16,50. Rapskuchen 16.80 bis 17, I Leinkuchen 23.40 bis 23.60. Trocken schnitzel 12.20 bis 12,40, Torftnelasse 9.80 bis 9,90, Kartofsel- slvcken 26 bis 26,30, Zucker 22 bis 22,40. :3 39 28 9,6 60 7» Frankfurt a. HL. 29. Juli. Die «tt Befriedigung aufgenommenc Erklärung der Firma I 21. Maffei-München. dahingehend, dah die verlchiedenen Beteiligungen ihre« früheren Prokuristen Dr. Hugo v. Maffei die Firma I 2 Maffei nicht berühren und dah. soweit Wirtschaft. ReichsbankpräsidenL Dr. 5d)ad)i über die WirtzchasLsiage. Leistungen beweisen! Dieser Wahlspruch der AGA Aktiengefellfchaft für Autvmobilbau Berlin, wurde ai^s neue in vorbildlicher Weise bei der diesjährigen Oefterreichischen Alvenfahrt befolgt, die nach den übereinstimmenden Berichten der Preste die schwerste Autonwbilprufung gewesen ist, die bisher in Deutschland und Oesterreich stattgefunden hat. Gelang es doch Frl. Elarv-Aore cturne« mit einem völlig normalen 6120 P. S.-CXga-öerientoagen ohne Bierradbremfesdie ungeheuren Anforderungen dieser klassischen Gebirgsfahrt anstandslos zu bewältigen und als einzige Dame einen wertvollen Sonderpreis für hervorragende Leistungen zu erringen. Wenn auch dieser neue große Erfolg für den Äenner des Aga-Wagens keineswegs überraschend ist. so verdient er doch auch an dieser Stelle besonders hervorgehoben zu werden. 7273c 1 96,SO I a7,5O I 74,75 I 56,25 43,75 45 65 • Zunahme der Spareinlagen in Bayern. Rrch Mitteilung des bayerischen statistischen Landesamtes sind bei den bayerischen öffentlichen Sparkassen die Spareinlagen von 70,2 Millionen Mark Ende Mai auf 76.6 Millionen Mark Ende Juni, also um 9.1 Proz. gestiegen • Harpener Bergbau Ä. G Dortmund. Wie der D H. D. von Berwaltung.s- feite erfährt, sind irgendwelche Einschränkungen oder Stillegungen bei der Gesellschaft in der letzten Zeit nicht erfolgt. Die Gesellfchaft verfolgt. wie in der letzten H.-D. bereits mitgeteilt worden ist. ein ganz allmähliches Abbaupro- gramm. welches die Betriebe rationeller gestalten soll, jedoch find größere Entlassungen. Einschränkungen oder Stillegungen im Gegensatz zu allen umlaufenden Gerüchten bisher weder erfolgt noch zu befürchten • DeutfchLurembur gische Berg- werksgefellschast. Zu dem Berkaus de« Aktienpaketes von 21 Mill. Am. der Deutsch- Lu remburgifchen Bergwerks- und Hütten 21. G. aus dem Besitz von Hugo Stinnes an die Fa. I. Henry Schröder & Co. in London erfährt bie Aeuyorler Herold Tribüne aus privaten Quellen, dah eine amerikanische Gruppe unter Führung von Dillon Read & Co. an der Ueber- nahme des Postens beteiligt sei. — Weiter verfaulet in Berlin, dah Dillon und Schroder die Aktien nicht für sich selbst erworben haben, sondern dah sie entweder direkt an das Publikum verkauft oder in einem sogenannten Invest einen t Trust eingebracht werden sollen. Rach einer anderen Version sollen auch deutsche Industrielle an der Uebernabinc der Luxemburg-Aktien im beträchtlichen Umfange beteiligt sein, und zwar nennt man in diesem Zusammenhang vor allem die A E G Es wäre wünschenswert, von den deutschen Stellen zu diesen Derinutungen näheres AU erfahren Zunächst wird behauptet, dah von einem Wiederverkauf des Aktienpaketes an einen deutschen Konzern nichts bekannt sei • ©ute Tabakernte in Bulgarien. Die diesjährige Tabakernte Bulgariens wird auf rund 45 Millionen Kilogramm Tabak geschätzt. Sie übertrifft die Ernte des Vorjahres um ca. 8 Millionen Kilogramm. Zur Zeit verfügt der bulgarische Tabarmorkt über 80 Millionen Kilogramm Tabak. I 58,25 ' HL5 I 78 112.75 113 66 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum ng.) Die Uhr der Johanneskirchc. Seit beinahe zwei Tagen geht die Uhr der Jo- hanneskirche ganz verkehrt. Wer hat dafür zu sor- gen, dah es für eine so lange Zeit nicht Vorkommen kann? Allmählich ist man in Gießen daran gewohnt, dast die öffentlichen Uhren verschieden gehen, das dürfte aber nicht Vorkommen. Ist es der eoangel. Kirchengemeinde nicht möglich, die dauernde Beob- achtung' in die Hände eines tüchtigen, gewissenhaften Uhrmachers zu geben, damit endlich wenigstens die zwei Uhren 'der evangelischen Kirchtürme mit der Bahnzeit, die doch maßgebend sein muß, übereinstimmend gehalten werden. Dankbar werden dies die Gießener begrüßen, nicht zuletzt die vielen Schüler, die dauernd in der Gefahr schweben, zu spät in die Schule kommest. O. T. nenfäure und Zuckerwasser, gießt bann noch ein achtel Liter Wasser dazu und erhält bann ein äußerst angenehm schmeckendes und äußerst durststillendes, sehr bekömmliches Sportgetränk. Andere Erfrischungsmittel für den 'oinmerUchenSpoN sind noch: kalter Tee. «alter schwarzer Kaffee. bittere Schokolade und schluckweise genommen Quell- oder Brunnenwasser, das man aber vorsichtshalber vorher immer erst mit ein paar Tropfen Kognak oder Zitronensäure immunisieren soll. Gerichtsfaal. • Darmstadt, 29. Juli. Der vielfach | toegen Diebstahl« vorbestrafte Händler Peter 2öth in Mannheim, der aus Siei>elSbrunn im Odenwald flammt, hatte Landwirten in verlchiedenen Odenwaldorten Pferdegeschirre ge- ßohlen und weilerverlaust. Das Bezirksschöften- i Gericht verurteilte ihn, unter Versagung mit- । ietnber Umstände, au zwei Jahren Zucht- t au« und fünf Jahren Ehrverlust. Turnen, Sport und Spiel, tkrsrischungs- und Austrischungs- mittel für den Sommcrfnort. Von Karl «Dl e 11 n e r • 5) e rf e r L Für den Sportler find Ermüdungsfaktorcn im Sommer empfindlicher als in der kühlen und kalten Jahreszeit. Jeder Sportler weiß, wie unangenehm Hitze auf den Körper, auf den sportlichen Arbeits- brang, auf die Schaffenskraft und Schaffensfreude wirkt, wie hemmend und „schlapp machend" besonders Durstgcsüht nsirlt. Darum ist cs alliahrstch eine reue und wichtige Frage in der Sporlgemeinde, welche Erfrischunge und Auffrischungsmittel die ge- cignctftcu sind zur Bekämpfung der Ermudungser- I fqjcinungeii. Im allgemeinen, wie im Sport, bezeichnet man als Ermüdung jenen Zustand geringerer Leistungsfähigkeit, in den arbeitende Organe, z. B. die Muskulatur oder das Gehirn, nach fortgesetzter oder anstrengender Tätigkeit Gelangen. Die Wissenschaft hat fistgestellt, daß das Wesen der Ermüdung darauf t-eruht, daß das jeweils tätige Organ bei seinen Lev stungen Spannkräfte verbraucht. Bei mäßiger Sport- lnstung hält der Wiederersatz der verbrauchten Spannkräfte, auf deren Kosten die sportliche Arbeit geleistet wird. Schrill mit ihrem Konsum, bei (tür- lerer Inanspruchnahme entsteht ein Mißverhältnis zwischen Verbrauch und Wiederersatz, und das Or- t an bedarf erst einer Ruhepause, der Erholung, um licue Spannkräfte zu sammeln. Eine weitere Ur. suche der Ermüdung besteht nach sportwftsenschaft- licher Forschung darin, daß sich bei der Tätigkeit der betreffenden Organe Ermüdungsstoffe anhäusen, £ die entsprechenden Einfluß auf die Leistungen aus- iiben. , Drei vorzügliche Mittel gibt es, um Abspannung I unb Ermüdung infolge der Hitze beim Sport zu bekämpfen. Zuerst nehme man jede Stunde ein Bad d e r Handgelenke vor, derart, daß man diese einige Minuten unter den Strahl der Wasserleitung oder -pumpe hält. Hierdurch wird das Älnt abgekühlt und nicht nur der „Puls", sondern das ganze den Körper durchrieselnde Blut neubelebt. 2as zweite Mittel hilft gegen Erschlaffung und gegen Dürft. Es ist auch ganz einfach: mit frischem Wasser gurgeln. Hierdurch entsteht eine merkliche, sehr wohltuende Erfrischung und Ab- tühlung der Mund- und Halsschleimhäute. Das dritte Erfrischungs- und Auffrischungsmittel gegen ^örtliche Erschlaffung, das auch für den Wanderport sehr empfehlenswert ist, ist ein kurzes Luftbad von etwa zehn Minuten Dauer. Man mtNeide sich an windgeschützten Stellen und sehe darauf, daß während der Zeit des Luftbades die Kleidung auskühlen kann. Verbindet man Luftbäder mit Handbädern und Gurgeln, so verwandelt sich n allerkürzester Zeit Abgespanntheit in frisches Gefühl, und man geht gern und mit neuer Kraft an eine sportlichen Ausgaben. Zur Bekämpfung des Dur st es beim Sommersport gibt es sehr viele Rezepte. Fast jeder Sportler hat sein Lieblingsgetränk als Kühlmittel, Iauf das er schwört. Genauer betrachtet, hat noch nie ein Sportler ein Unioersalmittel gefunden, das geeignet wäre, brennenden Dürft, der sich nach > Sportleistungen an heißen Tagen unweigerlich einstellt und einstellen muß, zu löschen. Grundregel: Es ist nicht gut, an heißen Tagen bei der Sportarbeit viel zu trinken, weil dadurch der Dürft zwar momentan gelöscht wird, aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder in verstärktem Maß auftritt. Wein soll man m purem Zustand nie trinken. Rach Genuß von Wem wachst, wie die Soortpraris lehrt, das Durstgefühl lehr rasch. Dagegen wird von vielen Sportlern eine Mischung von Wein mit Mineralwasser^— mehr Minerolwasier als Wein! — sehr gelobt. Sogar gefühlter Most, das Labemittel der Landleute zur Erntezeit, wird als sportliches Erfrischungsmittel angeführt. Der Sportler greift vernünftigerweise ui jenen sommerlichen und durststillenden Erfti schunasmitteln, die die nachteiligen Eigenschaften -icht aufweisen. und auch nicht, wie z. B. Soda mit Himbeersaft, durch ihren siiken Geschmack nur für Augenblick durststillend sind, um nach kurzem, -'n höchsten Grade wieder durstig zu machen. Anzu -nten ist bei .sportlichem Training ober sportlicher ’lrbcit im oommer ganz schwach gezuckerte Zitronen limonade. Roch bester ist gekochte. Die Herstellung ist ganz simpel: 200 Gramm Zucker werden in ein Viertelliter Master zum Kochen gebracht, zwei Zi- •ronen werden in Scheiben geschnitten — Kerne Devisenmarkt Berlin—Irankfurt a. M. ,c.n «ta'oitn Mark auLoedrü-tt fSvenot-SircS. .London. Rta- ö SÄ StfSSÄft sät«.) Tele graphische Auszahlung. In der jüngsten Zentralausschußjiyung der Reichsbank führte Reichsbantprastd.nl Schacht aus: Seit der letzten Zeniralausschuß- sitzung am 23. Mär; hat sich die immer noch ge- brückten Lage der deutschen Wirft duft auf dem (Selb* und jljpilalmarll deutlich wiedergesviegell. Die große Nachfrage nach lang- und kurzfristigem Kapital hat nicht nachgelassen. Die Reicksbank hat auch un vsrflostenen Bieneliahr ihre Ausgabe darin gesehen, der deutschen Wirtschaft so wett zu helfen, als es mit dem Schutze der Währung irgendwie ver- einbar ist. Auf das Mittel der K r e di t r a t i o n i e- rung können wir dabei auch weiterhin nicht verzichten, wenn wir nicht den Zinsmarkt vollftän- big in Unordnung bringen wollen. Es ist kein Geheimnis, daß in den letz'en Monaten die Nachfrage nach Devisen auf dem deutschen Markte sehr stark gewe-en ist. Die Ursache dieses Abflusses liegt zum , Teil in unserer Handelsbilanz begründet. Ein erheblicher Teil der Wirtschaft wendet dem Export nickt diejenige Ausmerkfamkeit zu, die im Interesse unserer Zahlungsbilanz erwünscht ist. Andererseits wird die Kaufkraft des inländifchen Marktes durch die vielfach verkehrt gehandhabte Be- wirtfchaftung öffentlicher Gelder künstlich erhöht und täuscht damit eine Konjunkturbelebung vor, die bei der steuerlichen Belastung der Wirtschaft notwendigerweise ein rasches Ende finden muß. Die so notwendige dauernde Stärkung der inneren Kaufkraft kann nur durch Produktions- oerbilligung und insbesondere durch Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion erzielt werden. Eine weitere Ursache der Deoisennachsragc war die aus mehreren Anlässen, teils politischer, teils wirtschaftlicher Natur, erfolgte ! Kündigung kurzfristiger Auslandkredite. Die Reichsbank hat die deutsche Wirtschaft auf das Bedenlliche solcher kurzfristigen Ausland- lredite wiederholt hingewiesen. Der vorsorglichen Politik der Reichsbank ist es zu danken, dah Schwie- rigfeiten bei der Rückzahlung nicht entstanden sind. Die Wirtschaft wird sich aber vor Augen halten müssen, dah die Reichsbank auch fernerhin gegebenenfalls Devisen nicht gegen Kredite, sondern nur gegen Martzahlung abgeben wird. Endlich darf nicht vergessen werden, daß auch aus den Reparationsoerpflich- t u n g c n eine erhebliche Deoifcnbelaftung für die deutsche Wirtschaft' refultiert. Die Zahlungen für den Zinsendienst der Dawesanlcihc. für den Recooeri)- Act und für diejenigen Derwaltungs- und Okkupationskosten, die seitens der Empfänger in fremde Valuta um gewandelt werden, haben bisher den Betrag von 250 Millionen Reichsmark Devisen sicherlich überschritten. Daneben belasten selbstverständlich auch die Sachlieferungen unsere Zahlungsbilanz direkt durch die für diese Sachleistungen erforderliche Rohstoffeinfuhr, während andererseits unsere Handels- bilanz als Ganzes durch die Gratissachleistungen erheblich verschlechtert wird. Trotzdem ist die Reichsbank in der Lage gewesen, ihren I Goldbestand auf nunmehr über 1100 Millionen Reichsmark zu erhöhen. Wir beabsichtigen, an der Vermehrung unseres Goldbestandes | weiter fortzufahren. Es ist cHrculid), daß die Reichsbank in der Lage gewesen ist, allen an sie gestellten Deoisenansorderungen gerecht zu werden, ohne daß sie eine Einschränkung ihrer bisher gewährten Kredite hat vornehmen müssen. Mit einer Erhöhung der Kreditgewährung seitens der Reichsbank darf aber zur Zeit nicht gerechnet werden. Wo immer sonst Erleichterungen für die Wirtschaft seitens der Reichsbank möglich scheinen, sind wir bemüht, solche herbeizufiihreii. Sodann legte der Vizepräsident des Reichsbank- direktoriems, Kauffmann. die Gründe dar, die gegen eine Disfontermäfjigung der Reichsbank sprechen. Der mit seinen Mitgliedern und Stellvertretern fast vollständig erschienene Zentralausschuß billigte den Standpunkt des Direktoriums einstimmig und hielt eine we-tere Diskontherabsetzung in Anbetracht der derzeitigen Lage des Geldmarktes nicht für möglich. Prokuristen Dr. Hi I. 2. Waffei nickt Dr Hugo v. Maffei auf Grund feiner Prokura in einwandfre,cr W:Ue die Firma verpflichtet hat, die Firma in der Lage fei, ohne Schwierigkeiten diese Berpflichtungen zu erfüllen, übte auf bfn Abendverkehr eine stark beruhigende Wirkung auß und trug dazu bei, daß die vorherrschende Berstuumung einer freundlicheren Aufsa'fung Platz machte Ohne wesentliche Belebung de» Gefchäfies fetzten fick auf geringe AüLäufe anfehnlicke Kurserholungen durch, die am Montanmarkt biß zu 1 Prozent betrugen. -Auch Chemie- und Slektrowerte wiesen leichte Beffcrungen auf Am Bankaktienmarkt zogen Berliner Handelsgefcllfchaft um 1 Prozent an. während alle übrigen Werte nur geringe Veränderungen zeigten. Schifsahrtsaktien ge'djäftß- loe Auch deutsche Anleihen waren leicht erhoft. Kriegsanleihen wurden zu 0,232' .. gehandelt. Pfandbriefe und Städteanleihen schloffen sich der befielen Haltung an. so daß die Abendborfa bei stillem Geschäft in gebesserter Stimmung schloß. Deutsche Anke he: Schutzgebieteanleihen I 4300. Bankaktien: Berliner HandeIsge'ellschast 127, Commerzbank 95, Darmstädter Bank 115, Deutsche Bank 116,12, Diseontoge'ellfchaft 105, Dresdner Bank 100, Mitteldeutsche Creditbank 95 75 Rheinische Creditbank 89, Oesterreichtscke Cr'edualtien 7.70. Montanaltien Deutsch-Lurcm- burg 63, Mansselder 57.50, Phoni? 77, Kali Aschersleben 123, Kali Westeregeln 136. Chemische Aktien: Badische Anilin 122,50, Th-Gold- schmidt 97. Jndustrieaktien: AGG. 96,75. Dycker- Hofs & Widmann 37, ®ebr. Junghans 70, Siemens & Halske 75,50. Berliner Börse. Berlin. 29. Juli. Die bereits gestern hervor- getretene schwächere Tendenz Der Kurse verschärfte sich heute. Die Unterstützung der englischen Kohlengruben durch die Regierung und die gegen wörtig bestehenden Aussichien des dortigen Berg arbeücrftreils führten dazu, daß die letzthin etwas beffere Meinung für Montanaktien nicht fort- bestand. Diese unterlagen vielmehr durchweg neuen Ku r sabschlägen, die sich dann mich auf die übrigen Märkte ausdehnten Man wie» hierbei auch auf die gestrigen Ausführungen des Rcuhsbanlprästdcitten hin, der bekanntlich u. a. bargclegt Hal, daß an eine Herabsetzung bet Diskontrate, entgegen jeglichen Börsengerüchten, vorläufig nicht gedacht werden kann. Auch die Aussuh- ninq'en über den starken Devisenbedarf auf den deutschen Märkten und die Ankündigung der Un- Möglichkeit einer Erhöhung der Kreditgewährung seitens der Reichsbank wurden lebhaft beachtet. Bedeutenden Umfang nahmen die Kursverluste jedoch nicht an, da Der Ultimo bereits als überwunden netten kann und von dieser Seite keine Beeintrack- ttqung des Marktes zu erwarten ist. Tägliches Geld unverändert 8,5 bis 10 Prozent, Monatsgeld 10,5 br- 11,5 Prozent. Geld einige Taae über den Ultimo hinaus 11 bis 12 Prozent. Am Devisenmarkt lenkten die nordischen Devisen die Haupt aufmertiamfeit auf sich. Die starke Befestigung zu Wochenbeqinn unterlag, wie zu erwarten war, einer leichten Senkung, so daß Kopenhagen- London mit 21,23, Oslo-London mit 26,4b genannt wurden. Im übrigen traten keine nennenswerten Veränderungen ein. Die Reichsmark notierte in London 20,41», in Paris 5,03. 0.225 0.2C> 0,23 0.1 > 0.255 0. 2 0.25 0,27 91.75 93.9 : 6.25 33 1 127 95 5 114 5 116.5 — 105 \ — 96,25 7.90 I 0,1 62 46.5 39 62 , 53 99,75 123,25 1 20,40 40.13 46.5 75,90 I 58,5 73,5 l 51.13 .»3,13 , Hellen * Vk'l-x Hellen........ »i, Hellen ------ DelMche -iPertb. ToCar-Änl. Mo L oll e<6'i6-Hnrttt1ug.e) «•/. .................. 5% Grtbmmfaner ... Brrthitr HanüelSqeleNlchafl. tommerv unb Prn>al--Bank Tarmfl. nnb Nallonatbank - TtutiCbe Pank ...... Dru.i^r BcremSbauk Dtfliunio ^ommanvt» MeloNbaut .....- - TMttrlbeutldJt ttrtbifbant - Etftcrrtictintfie LrevttanstaU Wellbank Sod)unter (tznß .»»»»*». Buderu» Caro - - -..... DeMtlh l.'urembnm ..... KefteuNrchener Perawerlr. . Harpener Bergbau - Kaliwerk- SlfdjerSteben. • . » Äulinh rt Lesterrsetll. . • • • Hanta butte ..«•••• Qdetbcdart..... PhoMr Bergbau istbeiuuabl ....... ptubeck Montau........ Tellns Bergbau • ...... Hamburg ttmerlka Paket. . . Rorddenkscücr Llovd . . . Lheramtsche Werke Hlblo »• Zementwerk Heidelberg . . . Pdiltvv Holtmann Anglo-Tont.-Gnano . . « . . Badilkhe AuiUu Chemische Mover AlavtU -. «vtdlchnNdt ...... v'ricS> eimer Glcctrea .... höchster Farbwerke ..... -olzvcrkoutuua ..... RüigerSwcrke Scheideanftal» ...... - »Illg LlekrrUUStg-SesellschLft 8i*rauuuin .......- . Mainkraftwerke ....... Schubert • • • Siemens 4 Hotök» ..... ttdterwerke Kiever ..... Daimler Motor«. ..... Hevlttienstaedt ........ > ! 'fflunq getötet, also Mord begangen zu haben. I remgemäh wurde er z u m T o d e v er urt«11 • II außerdem wurde auf die üblichen Rebenstrafen ! 'Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf ' Lebenszeit) edannt und die Mordwaffe einge- y>gen. Der Angeklagte hörte mit stillem Weinen Ctn Richterspruch an Frankstirl a.M Berlin Aura Schtu«,. nur» S»lRh» Minaq I'Srlr Datum: 28. 7. 1 29 7. 28. 7. 29 7 0.235 1.2325 2375 - \ — 0.30 0,29 — 0.255 I 0.48 0.42 11.51 0.175 * 0,17 ' 0.26 0,25 । .267 — 1 — 0,34 0.275 — 0 31 0.275 0:275 0.31 89.7j 8«.75 91,75 93.15 1 93.8 1'3.85 6.50 6.40 6.5 — 31 127 | 1271 126 95.50 95 96 115 115 116.5 116,13 117 6? — 104.75 105 105.50 82.5 Hl — 95.75 95,75 95,2 7.80 7.70 7.90 0,0!5 0,085 0.1 ■ 63.5 63.75 46,25 45.75 47.50 4.3 42 Ti 63 62.90 52 51.5 52.50 101.5 100 101.75 124 123 123.75 137.5 136 2'1.50 40 10 40.25 43 45 46.5 77,50 77 78.62 61.50 58.50 60,9 74,5 72.5 74.5 52,5 52 — 52,60 52 52.40 54 63 54 71 70 — 58 57,75 58.5 — — 93 123.13 122.5 123.5 0.45 0 45 — 78 97 77 113.50 112,25 113,5 113,90 112,90 114.2 5,85 5.70 — 66 65 25 67 IUU 100 — 97,25 96.75 96.75 72.60 72.50 73.1 82.5 82.25 — 58 1 58.25 58,10 77 | 75,50 77 56,5 56 57 50.5 50.2. 50.1 37.75 35 5 — 45 45 44 1 66,75 0.42 0J2 — 0.77 0,755 0,75 9*1 99 — 73 72 74 40 4C 39 24 27 — 9.55 9.45 9.65 71.25 7( — 62 50,75 60.25 27 Juli 28 Juli__| «mttiche Non rnna Amtliche Notierung (Selb Bries Wflö i^rici_____ 1 rimll-Noii Bncn.-EircS Brll-Äliiw- — \tiOT I68u9 1,690 L694 19,375 19.415 168.39 1.691 19,40 168,81 1,695 19,44 77,40 96,2? 113.01 10,608 15,40 Gbrifünnia. flopenhaflen Sioädolm • HclsinzsorS- 77,50 77,70 97,18 97.42 112.66 112,91 10.573 10,613 15.32 15.36 7« ,20 95,93 112,72 10.568 15.36 Lonvon. 20.373 ».42:1 ?0,376 20,428 | 92 ent) ort . • Barls. . . 1.195 4,205 19.82 19.86 4.195 19,90 4,20.; 19,94 Schwei, . . Spanien - • Japan - • • Wo de Jan 81.42 81.62 .10,84 61.00 1,718 L722 0 488 '-490 '1.45 60.77 1.72' 1.491 81,65 60.91 1,732 0.493 Wien in D - Sell abgeft Prag Belgrad - • Budapell. - .19,077 49,207 12.454 12,474 59,067 12,434 59,207 12,474 7.40 7,42 5.595 5.915 7,265 5.215 7,58» 5,915 j Butnarien VifTabou .1,035 3.04a -0 825 0,875 ■1,03a .0,825 J,04.i *0,875 | Danttg. . - Konstantin- «wen. . 1.15 2.335 2,345 C 69 6.71 80.90 2,325 .69 81.10 4,335 6.71 Banknoten. Berlin. 29. Juli. (Mb Briet VlmrrittmUAt 3?OtOI , . . . . 4.177 4.197 Velgtsche Noten Dänilche Noten 1945 96,0» 19,45 96,54 30,442 19.96 Englische Noten. -•••••• 20.342 19.86 Aolläot'.iche Noten...... 168,08 168.92 italienische •Unrnvaifdlt 15,52 15,60 Noten...... 77.51 77,89 Deutsch-Qesterr . i 100 Stttraxn 59,15 59,45 Romanische Roten...... — Schwedische Noten...... 112,37 112,93 eCbnxiicr Noten....... 81,60 82.00 60.82 Tschechoslowakische Wota . . 12,40 12,46 Uno arische .......... ■V sand ß088ss 1290 .M SMDGWtiMD WHSWHM^ 995 J4 7274a B Tel. 240 auch nachts An die Einwohner von Gießen! die Häuser festlich zu schmücken! Der Oberbürgermeister 724OD Für die Dauer des Festes werden in der Stadt und in für ent- Gießen, den 29. Juli 1925. 7271V Olm Freitag, dem ab: Der Ausschuß. ab: am u. 11, von 2 Uhr nachm. ab außerdem 2. August 1925: von 6 Uhr morgs. ab: am am am Dauerkarten und Beikarten zur Verfügung. 7295c Der Finanzausschuß Ich richte an die Einwohner von Gießen die Bitte, zum 32. Mittelrheinischen Kreisturnfest x y prnsfmänns Jehübe Kaffen 7, 8, 9 Samstag, dem Kaffen 7. 8, 9 Kaffe 5, Sonntag, dem 31. Juli 1925: von 5 Uhr nachm. und 11, 1. August 1925: von 7 Uhr vorm. Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 vorm. Hermes 3. August V neue Kurse. i Es wird wiederholt auf den bis einschliehlich Samstag, nachmittag 4 Uhr stattfindenden Vorverkauf von Dauerkarten hingewiejen und dringend empfohlen, diese Karten möglichst im Vorverkauf zu lösen, um an den Hauptfesttagen die Kasten zu entlasten. Zudem steht auch nur eine beschränkte Zahl von V Nächste erkaufsstellen Gießen, Bahnhofstraße 58 Fulda, Marktstraße 17 Aschaffenburg, Landingstraße 6 Herrenhalbschuhe schwarzu.brann sämtliche Kasten, Montag, dem 3. August 1925: von 6 Uhr mrgs. ab: Kaffen 7, 8, 9 u. 11, von 2 Uhr nachm. ab: außerdem Kaffe 5, Dienstag, dem 4. August 1925: von 8 Uhr mrgs. ab: Kaffen 7, 8, 9 u. 11. 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Weinfässer Linmachständer Waschbütten Iauchefasser Schiebkarren Leiterwagen Külerei Sonimerkorn, Bleichstr. 10. la Handkoffer sehr billig 1606c Carl Schunck der Aähe des Festplatzes insgesamt 11 Verkaufsstellen Eintrittskarten eingerichtet und zwar: Kaffe 1: Am Bahnhof, „ 2: 3m Alten Rathaus, am Marktplatz * 3: Ecke Ludwigsplah - Roonstraße „ 4: Ecke Kaiserallee - Moltkestrahe „ 5: Ecke Kaiserallee - Licher Strahe „ 6: Ecke Kaiserallee - Wolfstrahe „ 7: 3n der Aähe der Germania • - _ 8: 3n der Aähe der Germania im Teleg^E 9: Am Alten Aödger Weg , 10: Hinter dem Schützenhaus „ 11: Am Philosophenwald. Die Kasten werden dem zu erwartenden Verkehr sprechend wie folgt-geöffnet sein: Man überzeuge sich Wohnungs-Einrichtungen undsämtlicheEinzelmöbel von. einfachsterbis feinsterA usführung f 5, Aug.X Beginn neuer Kurse Wogtsche ^andelsscliuleGieße^ \. Qoethestraße 32 A TischtuUrG PWtller in allen Größen J. Weinert, Papierwaren, Neuenweg 9. '"'P Volkshallenbau- Lotterie Weitgehende Opferwilligkeit der Bürgerschaft in Gießen und rege Mitarbeit weiter Kreise haben es ermöglicht, innerhalb weniger Wochen auf dem Trieb die über 3000 Personen fassende Dolkshalle im Rohbau fertigzustellen, so daß sie gelegentlich des 32. Mittelrheinischen Kreisturnfestes erstmalig in Benutzung genommen werden kann. Jur Fertigstellung noch notwendiger Arbeiten sind weitere Mittel er- forderlich, die durch 1Ä# ntforia Veranstaltung einer •® wIIHOsIiWhI“ aufgebracht werden sollen. Der Vertrieb der Lose erstreckt sich über ganz Oberhessen. Jur Verlosung gelangen u. a.: 1 (Mipi. herrenWMl. 1 tompl. SSlaszimmer io Eiche 1 Hioioiroö, Sknen- u. Damenfabccööec, NoWoschioeü 5tonönl)ten ofro. / NeWge milMkers-ziogZW Ziehung am 10. August 1925 Lose ä 1 Mark sind in den mit Plakaten gekennzeichneten Geschäften zu haben. Geschäftsinhaber, die den Verkauf von Losen beabsichtigen, wollen sich umgehend an Herrn Stadtverordneten Th. 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