Nr. 228 (Elftes Blatt rift20 ?iuf- chlag. Derantworllich ür Politrk n. Feuilleton: )r. Friedr Will) Lange; ür den übrigen Ted: Ernst Dlumschein:fürden Anzeigenteil: Ha,5 Beck, iämtlid) in «Liehen Kriegsschuldlüge und Sicherheitspakt. Die Reichsregierung widerruft die Anerkenntnis des Art. 231. Dre äleberreichung der deutsche« Antwort aut die letzte Rote der Entente, worin wir die Einladung zu einer internationalen Konferenz annehmen, scheint auf der Gegenseite sprengstoff- arttge Wirkungen auSgelöst äu haben: nicht so sehr wohl wegen der Rote selbst, als wegen der mündlichen Zusätze, die unsere diplomatischen Vertreter auf Geheiß der deutschen Regierung gleichzeitig mitzuteilen hatten, die sie aber vorsichtshalber, um Mißverständnissen vorzubeugen, am Schluß der Unterredung schriftlich zurückließen. Der Drehpunkt des ganzen Streites ist offenbar, daß Deutschland die Gelegenheit benutzt hat, um unter das Kapitel von Deutschlands Alleinschuld am Kriege endgültig einen Strich zu ziehen und in aller Form festzustellen, daß wir es künftighin a b l e h n e n, die moralische Der- antwortuna für den Ausbruch deS Krieges allein zu übernehmen, also gewissermaßen unsere erzwungene Unterschrift unter den Artikel 231 des Friedensdiktates zurückziehen. Damit ist eine Aktion zu Ende geführt, die länger als ein Jahr lief und eigentlich fd>on im vorigen Sommer in London zum Abschluß gebracht werden sollte: auch zum Abschluß gebracht worden wäre, wenn der damalige Reichskanzler Marx nicht Im letzten Augerwlick Angst vor dcr eigenen Eoucage bekommen hätte. Die deutsche Delegation hatte nämlich die Absicht, bevor in London das Schluhprotokoll unterzeichnet war, durch den Reichskanzler Marx eine Erllärung verlesen zu lasten, worin ausgesprochen wurde, daß Deutschland nur durch übermächtige Gewalt in Versailles dazu gepreßt worden sei, zuzugebeir, daß es den Weltkrieg durch seinen Angrift entfesselt habe. Zu allgemeiner Ueberratchung behielt dann aber Herr Marx diese Erklärung in seiner Tasche, wie er nachträglich gesagt hat, weil er die hoffnungsvolle Atmosphäre von London nicht stören wollte. Obwohl daran eigentlich nach der Unterzeichnung des Prot kolls nicht viel mehr zu stören war. Es wäre nur ein Alp von unserer innesren Politik verschwunden gewesen, wenn der Reichskanzler damals schon den Schritt nach vorwärts getan hätte. Irgendwelche politisch^ Wirkungen ober materielle Erfolge werden wir freilich dadurch, dah wir diese moralische Bürde von unseren Schultern abschütteln, nicht erreichen. Lloyd George hat zwar vor Jahr und Tag einmal gesagt, der ganze Versailler Vertrag sei a u f g c b a u t aut der Ueberzeugung von Deutschlcutds Schuld, und, falls dieser Grundstein weggenommen würde, breche das ganze Gebäude zusammen. Indessen, das hat er selbst damals wohl kaum ernsthaft gemeint. Der Vertrag ist aufgebaut auf der Tatsache, daß wir den Krieg verloren haben. Diese Feststellung schafft kein Mensch auS der Welt, und eben weil wir unS durch die Revolution selbst wehrlos gemacht hatten, glaubte eine Mehrheit der Weimarer Rationalversammlung. den Vertrag annehmen zu müssen, nachdem ein Versuch, gerade in den Chrenpunkten eine Abschwächung herbei- zuführen, erfolglos geblieben war. Die KriegS- schuldlüge war daher für die Entente weiter nichts als ein moralisches Mäntelchen, womit sie den schnöden Bruch der Abmachungen des Waffenstillstandes überdecken und den ungeheuerlichen Raub deutschen Bodens, deutschen Eigentums und deutscher Freiheit irgendwie rechtfertigen wollte. Wenn wir daher jetzt nach fünf Jahren die Erpressung, die damals an uns begangen wurde, öffentlich fc ft nageln, so ändert sich an den realen Geschehnissen weiter nichts. Immerhin ist es notwendig, dah wir mit diesem alten Märchen einmal aufräumen, schon um unsere Selbstachtung wieder zu Sctoinn en und um der Welt zu zeigen, daß ic Zeit, wo man aus Deutschland jede Unter- schrift herausprefsen konnte, endgültig vorüber ist. Nachdem Herr Marx in London die günstige Gelegenheit verpaßt hatte, ist dann auch schon bei den Verhandlungen des Re.chstages versucht worden, das Versäumte nachzuholen. ilm die Zustimmung der Deutschnationalen zu dem Londoner Protokoll zu gewinnen, wurde am 29. August 1924 ein amtliches Kommunique veröffentlicht, worin die deutsche Auffassung festgelegt wurde, mit dem Zusatz, daß die Verständigung und Versöhnung zwischen den Völkern nicht vollendet werden könne, solange Deutschland zum Verbrecher an der Menschheit gestempelt werde. Und Im Anschluß daran versprach die Reichsregierung, daß sie diese Erklärung den f r e m • denReaierungenzurKenntnisbrin- gen werde. Auch das ist damals nicht geschehen: soweit wir wissen, wiederum auf den Einfluß des Reichskanzlers Marx hin, der Angst hatte, daß dadurch internationales Porzellan zerschlagen werden konnte. Dafür hat dann die deutsche Regierung im August-September ein Memorandum an sämtliche zehn im Völkerbundsrat vertretenen Staaten versandt, worin sie ihre grundsätzliche Bereitwilligkeit zum Eintritt in den Völkerbund erklärt, dabei aber gleichzeitig ausspricht, daß bei dem besten Willen zur älebernahme internationaler Verpflichtungen irgendwelche moraTischen V o r w ü r f e gegen das deutsche Boll, die i n früheren Verträgen enthalten waren, nicht erneut anerkannt werden sollten. Aus der Gegenseite hat man das stillschweigend zu Protokoll genommen, keine der zehn Regierungen ist in ihrer Antwortnote auf diesen kaum mißverständlichen Sah noch zurückgekommen. Es ist also international nichts Kränkendes, sonbern eigentlich etwas Selbstverständliches. wenn Deutschlarrd sich auf den damaligen Schriftwechsel beruft und schon aus dem Grunde der Loyalität noch einmal a u 8 - drücklich feststellt. dah wir das Anerkenntnis unserer alleinigen «Schuld am Kriege für alle Zeiten zurückziehen. Mag man sich auf der Gegenseite auch sehr darüber entrüsten, eS war eine Forderung deS beutschen Gewissens. daß eine derartige Klarlegung einmal erfolgte. Und deshalb nehmen wir an. daß die Aufregung darüber in London und Paris sich auch sehr bald legen wird. Botschafter von hoesch bei Briand Die mündlichen Erklärungen zur Antwortnote. Paris. 29. Sept. (TDIB.) Der deutsche Botschafter v. hoesch wurde in Verfolg des Besuches, den er am Samstagnachmittag dem Generalsekretär des sranzösischen Außenministers, Berthe- tot. abgestattet hatte, heute nachmittag 5 Uhr durch den französischen Mtnlster des Aeuhern v r i a n d empfangen. Die Unterredung dauerte etwa eine Stunde. Oer Botschafter brachte nochmals die Annahme der an die Beichsregierung gerichteten Einladung zu einer Ministerbegegnung zwecks Verhandlung über den Abschluß eines Sicber- heitspakkes zur Kenntnis. 3m Anschluß daran kam eine Reihe mit der Einladung im Zusammenhang stehenden Fragen zur Sprache, von denen einige noch nicht geklärt sind. Ein bei Ausgang der Unterredung herausgegebenes Kommunique besagt, daß die alliierten Regierungen beschlossen haben, sich zunächst über den Sinn der von dem deutschen Botschafter gegebenen mündlichen Erklärungen zu verständigen, man rechnet entsprechend damit, daß eine Verzögerung der auf den 5. Oktober festgesetzten Konferenz eintreten wird. 3n der Berliner Wilhelms!raße werden halbamtlich folgende Gründe für die mündlichen Erläuterungen der deutschen Auslandsvertreter angegeben: Wenn die Vertreter des Reiches in den vier alliierten Hauptstädten bei Ueber- reichung der Zustimmungserklärung zu dem Konfe- renzplan auf die beiden Fragen eingegangen sind, die vorwiegend die deutsche öffentliche Meinung beschäftigen (Räumung Kölns und Kriegs- f d) u l d), fo ist das im Zusammenhang mit der Forderung der Gegenseite geschehen, wonach der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund dem Abschluß eines Sicherhellspaktes voranzugehen habe. Ein solcher Pakt kann aber nur zwischen Gleichgestellten. Gleichberechtigten, nicht zwischen Parteien abgeschlossen werden, von denen eine mit bim Stigma einer schweren moralischen Schuld den andern gegenüber belastet ist. Die diesbezügliche deutsche Aufastung ist so bekannt und ihre Behandlung im Zusammenhang mit der Völkcr- bundssrage ist unter der Kanzlerschaft Marx bereits solange feslgestellt worden, daß hiermit nichts Neues gesagt wird. Ls bedeutet einen Akt der Loyalität, wenn die Reichsregierung es nicht darauf ankommen ließ, die Frage erst aus den Verhandlungen selber luzuschneiden und diese damit zu belasten, und es ist selbstoersländlich, daß man in ganz anderer Weife auf positive Ergebnisse der Konferenz hoffen kann, wenn erst dieser seelische Druck von der deutschen Bevölkerung genommen worden ist. Die deutsche Aktion hat sich im übrigen auf Darlegungen der deutschen Auffassung zu diesem Punkte und zur Frage der Räumung der ersten Zone beschränkt, ohne die an andern Stellen der Auclandpresse genannten Probleme der übrigen Rheinlandbescßung. des 3nvesti- gationsrechts, der Saarfragen, der Kolonien und des Artikels 16 aufzuwcrfen. DieAuftasiung in England Paris. 28. Sept. (Wb.) Wie Havas aus Sondern berichtet, ist die Veröffentlichung des Textes der deutschen Antwortnote auf die Einladung zu einer Sicherheitspakt- lonserenz b i s Donnerstag verschoben morden. Die Kommentare, die Botschafter Sthamer zur Rote gegeben habe, berührten in seiner Weife den guten Eindruck, den in politischen und diplomatischen englischen und alliierten Kreisen die deutsche Rote hervorgerufen habe. Die englische Regierung vertrete angesichts der deutschen Demarche den Standpunkt, daß alle Fragen betreffend den Sicherheitsvakt. ob es sich um den rheinischen Sicherheitsvakt oder um östliche ober westliche Schiedsverträge bandele. in Locarno gelost werben könnten. Man crTläre in autorisierten Kreisen, es sei kein Grund dafür vorhanden, daß die Polen und die Tschechoslowakei betreffenden Fra- qen. die auf dem Programm der Konferenz stehen, nicht diskutiert würden. Die Tatsache. daß Reichskanzler Dr. Luther neben Außenminister Strefemann Deutschland auf der Konferenz vertrete, fei im Foreign Office günstig auf genommen worden. Mussolini habe wissen lassen, daß er persönlich nicht auf her Konferenz erscheinen könne, baß er aber eine besonders qualifizierte Persönlichkeit entsenden werbe. Ob die Konferenz am 5. Oktober beginnen werbe, könne erst nach den Verhandlungen, die Außenminister Briarid mit dem Botschafter Hoesch fahre, entschieden werden, da erst nachher über die Wahl des K o n - ferenzortes und über den Tag des Zusammentrittes bet Konferenz eine offizielle Ankünbigung erfolge. Die Beurteilung der Aussichten der bevorstehenden Paktkonferenz in Londoner maßgebenden Streifen ist, wie der Vertreter der Tele- graphen-älnion hört, nach wie vor recht optimistisch. Man hält eS indessen nicht für zweckmäßig, auf die nach Ueberreicf>ung der deutschen Antwort stattgefundene Unterhaltung zwischen dem deutschen Botschafter und Chamberlain näher einzugehen. Die Frage, ob 'es sich bei der gegenwärtigen Konferenz um eine Präliminarkonferenz oder um eine Konferenz, auf der endgültige Be s chlü-ss e gefaßt werben sollen, handelt, wird in London als eine Frage von untergeordneter Bedeutung bezeichnet. Gelänge es jetzt, eine wirkliche Einigung herbeizuführen, so käme es bei der möglicherweise stattfindenden zweiten Konferenz nur noch auf formale Dinge an. Gelänge es jetzt nicht, eine Einigung zu erreichen, so würde eine zweite Konferenz unbedingt notwendig werden. Zum Schluß verdient die Tatsache hervorgehoben zu werden, bah sich keiner ber leitenben Minister zur Zeit in Bonbon befinbet. Cs ist höchst unwahrscheinlich, daß im Laufe dieser Woche auch nur eine Kabinettssihung stattfinden werbe. Offensichtlich stehen die nicht im Ausland befinblichen Minister miteinander in Verbindung. Don einer verantwortlichen Stellungnahme der englischen Regierung zu irgendeiner großen Frage wie sie der Havasberichterstatter weiter oben offenbar gerne konstruieren mochte, kann zur Zeit schon aus dem Grund keine Rede sein, weil dazu die formalen Voraussetzungen fehlen. Äabinettsrat in Berlin und Paris Berlin, 29. Sept. Das Reichskabinett ist gestern 9 Lkhr abends unter dem Vorsitz deS Reichskanzlers Dr. Luther aufammengetreten. Wie die „Voss. 3tg.“ weiter aus diplomatischen Kreisen erfahren haben will, soll B r i a n b durch den deutschen Botschafter der Reichsregierung bestimmte Vorschläge gemacht haben, tote die Meinungsverschiedenheiten beigelegt werben könnten. Darüber habe bas Reichskabinett gestern abend beraten. Die Sitzung des Kabinetts war bis Mitternacht noch nicht zu Ende. Die Antwort der deutschen Regierung an den Botschafter von Hösch soll noch während der Rächt abgehen. Die Reichsregierung hat sich mit Locarno a l s Konferenzort und mit dem 5. Oktober a l s Datum der Konferenz einverstanden erklärt. Man erwartet aber noch eine endgültige Stellungnahme der Alliierten. Aus Paris wird gemeldet, baß bas französische Kabinett für heute mittag ebenfalls zu einer Sitzung einberufen worben ist, bie der Beratung der deutschen Antwort gewidmet sein wird. Chamberlain vor der Abreise nach Locarno. L o n d o n, 29. Sept. (WTB. Funkspruch.) „Daily Mail" meldet, Austen Chamberlain rüste sich zur baldigen Abreise nach 2t carno. Sein Begleiter werde der juristische Berater im Foreign Office, Sir Cecil Hurst, sein, der Großbritannien kürzlich auf der Iuristenkonserenz vertreten habe. Die Konferenz in L.carno werde wahrscheinlich eine Woche, bis zehn Tage dauern. Tschitscherin zum SicherheitLpatt. Der Gesuch in Warschau. Warschau, .29. Srpt. (SU.) Der russische Außenkommissar Tschitscherin erklärte einem Vertreter des 2lften-Ost-Suropa-Dienstes, er habe seine Reise zu Kurzwecken angetreten, er begebe sich zunächst nach Berlin. Mit dem polnischen Außenminister seien hauptsächlich Fragen, die mit dem Rigaer Vertrag in Zusammenhang ftün- ften, verhandelt worden: außerdem würden nach wirtschaftliche Fragen erörtert. Was bie großen politischen Fragen des Tages betrifft, kann ich nur sagen, führ Tschitscherin fort, daß die geographische Lage Polens es unmöglich macht, die polnische Regierung von der Erörterung großer Probleme auszufchließen. Der Pressevertreter stellte bann bem russischen Außenkommissar folgende Fragen: Frage: Werden bie bisherigen greunb- schaftsbeziehungen zwilchen Rußland und Deutschland beeinträchtigt werden. falls der geplante Sicherheitspakt zustande kommt? Antwort: Das wird die Zukunft zeigen. Je- denfalls kann jetzt schon gesagt werben, bah zur Stärkung dieser Beziehungen her Eicherheits- palt nicht beitragen kann. Das Ergebnis der Sicherheitskonferenz, wie es sich auch gestalten mag, kann für Rußland keine positiven Momente enthalten. ilm bie Stimmung in Ruhlanb in biefer Hinsicht zu charakterisieren, muh ich erinnern an einen Artikel einer amerikanischen Zeitung, in bem gesagt wirb, baß die Konferenz in der Schweiz zu einer ilmfteifung und Isolierung Rußlands führen wirb. Sie ec Artikel wird in Rußland vielfach zitier: Man nt in Rußland der Meinung, daß ein so. e» Experiment besonders von England a n gestrebt werde. Ich kann ■ an dieser Auffassung alles aus Wahrheit beruht. Ich kann mich aber diesem peinlichen Eindruck nicht ganz entziehen. Frage: Wie wird sich Rußland zu einem eventuellen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund stellen? Antwort: DaS hängt von den Bedingungen, unter welchen der Eintritt erfolgt, ab. Er wird aber in Rußland auf jeden Fall mit wenig Begrüßung aufgenon den, denn Rußland hält den Völkerbund für eine Stätte, wo die Schwächeren durch Stärkere ausgebeutet werden. Frage: Ist Ihre Reise nach Warschau als ein unfreundlicher Schritt Deutschland gegenüber anzusehen? Antwort: Mein Besuch hier kann keinesfalls unsere Beziehungen mit Deutschland schädigen. Meiner Ansicht nach kann auch Deuisci,- lanb kein Interesse daran haben, Rußland gegen Polen aufzureizen. Gestern abend fand bei dem polnischen Außenminister Grafen Ekrzynski ein Cssen i u (Ehren Tschitscherins statt, bei dem der russische Botschafter in Warschau und b r polnische Gesandte in Moskau zugegen waren. Skrzynski erklärte in seiner Rede, er betrachte den Besuch Tschi- tscherins in Warschau als eine Ancrfem ing des polnischen Strebens nach Frieden. Er hosse, tiefer Besuch werde neue Klärung der Verhältnisse zwisä.en Polen und Rußland auf politischem und uiiT in ;t- lichem Gebiet herbeiführen. Aus alle Fälle werde diese Zusammenkunst viel zur Beruhigung Europas beitragen. Darauf antwortete Tschitscherin, daß er der polnischen Regierung sehr dankbar für den freundlichen Empfang sei. Die russisch-polnische Annäherung dürfe n t tot eine Aktion gegen irgendeine Macht angefehen werden. Die Zusammenkunft solle nur bem Frieden dienen. Vie Memeler Minderheiten. Litauen protestiert vor dem Völkerbundsrat. Gens, 28. Sept (WTB.) Im Völkerbunds rat kam cs heute vormittag zu e uer langen Auseinander! ctzung über bie Fccig. ob das vom DölkerbundSrat angewandte Bei ihren zur Regelung von Streitfällen über Minderheiten auch a uf Beschwerden deutscher Minderheiten im Memel- gebiet angetoenbet werden kann. Auü tem von Guany - älrugay au8gcarbeilcten Ber cht geht hervor, daß tatsächlich bereits solche Klagen oem Dölkerbundsrat vorliegen. GalvanauSkas- Litauen vertr .t in sehr entschieden, teilweise außecorbentlich hesn,.n Wendungen die Taftache. bah ber Völker' at überhaupt fein Recht habe, sich mit TP;ii* derheitenfragen und anderen Besch.mr -en im Memelgebiet zu befassen, da diese Fragen d..ch die Memeler Konvention geregelt seien. Er verlangte, daß derartige Klagen auf bi;lcm<4- tischem Wege behandelt und durch R'cksrage bet Litauen geklärt werden, ohne daß Organ? bes Völkerbundes in Bewegung gesetzt werd n. Während der Debatte erinnerte GalvanauLkas daran, daß im Memelgebiet noch viele Deutsche !"b»n, die in regem Grenzverkehr mit Deutsch'and stehen. Gr verdächtigte in diesem Zusamm- >ang die Klagen und Petitionen ber beutschen M noarbeiten im Memelgebiet und erklärte, dah Litauen nicht in ber Lage fei, irgendein Verfahren zur B'- handlung fo entstandener Petit.orten vor dem Rat anzunehmen, wobei er Honzas ügte. da! ja in naher Zeit auch Deutschland iclbft ft inb ge.- Mitglied des Dölkerbundsrates sein dürft? Das italienische Ratsmitglieb S c i a l o j a versuchte den Vertretern öitauc durch bi Versicherung zu beruhigen, baß es sellrftverl in üch sei, dah jeder Ratsstaat etwa ihm zu' mnc '.be Klagen nur nach genauer Unter, udyung vor den Ttai bringen toerbe. falls die Pr ung erbeten haben sollte, baß es sich tatsächlich um s' verwiegendes Material handelt. Jede T r e ober Mitteilung über Verst- ung ber Men ier Konvention trage zunächst für jeden Ra:s':aat nur den Charakter einer Information habe also nur administrativen und keinen juridischen Charakter. Das in der Memeler K onve.it i i n e- bcrgelegte Recht ber einzelnen RatSstaaten, schwerwiegenbe Klagen vor den CDö (- kerbunbsrat z y bringen, könne aber nicht angetastet werden. Als schließlich Lord Robert Cecil be? Vorschlag machte, dem Generalsekretär die Weisung zu geben, bei ihm eintreff ende Beschwerde n übet das Memelgebiet an bie Ra ts m i t - glieber zur Prüfung weiterzugeben, protestierte Galvanau»kas in sehr err ; : Weise, inbem er erklärte, baß eine solche Weisung gegen die Memeler Konvention sei und barm zum peinlichen Aufsehen der R e ^Mitglieder seinen Plcch am Rats tisch und den Ratssaal selbst verließ. Schließlich beschloß der Völkcrba.ndsrat auf Antrag Hy m a n S - Belgien den General clretät nicht damit zu beauftragen, eingeh en. e Be werden aus dem Memelgebiet an den Rat ttxriter- zulciten, sondern es dem Generalsekretär anheimzusteklen, in Fällen, die ihm int> i über die Ausgangsstellung hinausgegangen. Nachdem dies erreicht sei, wolle er sich jetzt dis notwendige Erholung gönnen. Sn unterrichteten Kreisen glaubt man, daß aller Wahrscheinlichkeit nach Marschall P e t a i n als Nachfolger Lyauteys zum Generalgouverneur von MaroSo ernannt werden wirb. Spanische Offensive gegen Adjir London, 29. Sept. (W. T. D. Funkspruch.) Aach einer Meldung der „Times" aus Tanger hat Abd el Krim im Hinblick auf die Gefahr, die ihm bei Adjir droht, eine große Anzahl von Dscheballah-Kontingenten aus der Umgegend von Karrich im Bezirk von Tetuan zurückgezogen und sie zur Unter st ützung der Rifleute in das von den spanischen Truppen bemann wurde immer w.eder der Umftanb befunden, daß sie sich nach ihrer Verhaftung keinesfalls nach dem Befinden des Professors Rosen erkundigte, ob er am Leben sei, oder nicht. <5ie erklärt das wie folgt: Als ich in Haft genommen wurde, war ich der Ansicht, daß es sich nur um einen Raubüberfall gehandelt habe. Mitgefangene im Polizeigefängnis wußten mehr als ich, sie erzählten mir. daß Rosen und Stock ermordet worden seien. Sch hatte aus diesem Grunde kein Interesse mehr, mich weiter zu erkundigen. Sm übrigen steht die Reumann auf dem Standpunkt, daß nur ein Raub vorgenommen werden sollte, die Täter aber gestört worden seien. Sie folgert das daraus, daß die Decken, die sie zum Fenster hinausgeworfen hatte, beim Eintreffen der Polizei an einer anderen Stelle lagen, als wären sie bereits zum Fortnehmen bereitgelegt worden. Frau S t a n d t k e, die Tochter der Reumann, betont nach wie vor ihre Unschuld. Sie habe mit kindlicher Liebe an Professor Rosen gehangen, der für sie sehr viel getan habe. Wenn sie bemerkt hätte, daß ihre Mutter irgendetwas Schlechtes im Schilde führe, so hätte sie Rosen sofort benachrichtigt, oder sie hätke ihre Mutter auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen. Typhus-Epidemie im Eulengebirge. Luftverkehr und der Sicherheit der Reisenden. Geheimer Regierungsrat Fisch erörterte das Thema insbesondere vom meteorologischen Gesichts- punkte aus. Zur Mordaffäre Rosen. Breslau, 28. Sept. (TU.) Allgemeines Interesse dürfte die Aussage der Hausdame Reumann und ihrer Tochter, der Frau Standtke, zu den neuesten Ermittelungen in der Mordaffäre Rosen Hervorrufen. Als Frau Reumann aus dem Munde ihres Verteidigers von der Beschuldigung des Arbeiters Paaschuk Kenntnis erhielt, blieb sie vollständig ruhig und äußerte, die Leute können nichts gegen mich aussagen, und wenn sie es täten, dann würden sie lügen. Als ein belastendes Moment für die Neu» der letzten Monate große Mengen von Flugschriften und Waffen eingeführt worden. derung und eine wener voraussehbare Steigerung der Preisverhältnisse eine genügende Grundlage bieten, zu bewirken uni> sich endgültig an diesen Preis zu binden: das auf Grund der Klausel ihm zustehende Recht ist damit erschöpft, und der andere Teil muh sich im Interesse der Sicherheit des Geschäftsverkehrs darauf verlassen können, daß er die Lieferung zu den gesorderten erhöhten Preisen nun auch wirklich erhält. Will der Lieferant sich im.Hinblick auf die Unsicherheit der weiteren Gestaltung der Preisverhältnisse nicht fest binden, sondern sich die Rechte aus der Klausel noch weiter sichern, so ist es sein« Sache, das mit genügender Deutlichkeit durch einen entsprechenden Vermerk zum Ausdruck zu bringen." Diese grundsätzlichen Ausführungen des Reichsgerichts find geeignet, die große Beunruhigung, die durch die Unverbindlichkeitsllausel in das Wirtschaftsleben noch immer getragen wird, zu beseitige und den Begriffe:: von Treu und Glauben wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen. Die Auswertung. Das Auswertungsgeseh wie auch das Gesetz über die Ablösung der ö.j.s e n t- lichen Anleihen enthalten eine Reihe von Fristen, deren Kenntnis und ganz besonders deren Innehaltung von größter Wichtigkeit ist. Der erste Termin ist der 3 0. September. Dis zu diesem Tage müssen Ansprüche auf Herausgabe von ausgelosten oder gekündigten Industrieobligationen und verwandten Schuldverschreibungen bei der Bank an- gemeldet werden, bei der die Stücke z. Zt. zur Einlösung eingereicht sind. Es handelt sich hierbei um solche Stücke, die zwar zur Einlösung eingereicht sind, die sich aber noch im Besitze der Bank befinden. Eine Auswertung derartiger Papiere findet bekanntlich auch dann statt, wenn bereits eine Abrechnung mit dem Gläubiger oder mit dem Schuldner, oder eine Hinter- Aus Stadt und Land. Gießen, den 29. September 1925. „Ohne Verbindlichkeit". sich endlose Preissteigerungen, ganz wie es dem Lieferanten beliebt, gefallen lassen müsse. Mit diesem Standpunkt räumt nun das Reichsgericht grundsätzlich auf, indem es anläßlich eines Einzelfalles folgendes ausführt: Äe Klausel „Die Preise verstehen sich ohne Verbindlichkeit" kann nicht dahin ausgelegt werden, daß sie dem Lieferanten das Recht gibt, bis zum Zeitpunkt der tatsächlichen Lieferung, je nach dem zwischenzettlichen Steigen der Preise, mit immer neuen Forderungen von Preiserhöhungen hervvrzutreten. Fordert er zu einer Zeit, wo die Lieferung in naher Aussicht steht, eine Preiserhöhung, so gibt er damit seinen Willen kund, die Lieferung zu diesem Preise, für dessen Berechnung ihm die zwischenzeitliche Aen- eingelettet. Erdbeben in Armenien. Moskau. 29. Sept. (WTB Funkspruch) Der 4104 Meter hohe Gipfel des Berges Ala- gvs in Armenien wurde durch ein starkes Erdbeben erschüttert. Gewaltige Felsmassen stürzten in die Täler. Die in Höhlen hausende 2Iomadeirbevölkerung dieser Gegend ist, von einem panischen Schrecken ergriffen, geflüchtet. unverzüglich vornehmen. Gießener Wocherrmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte das Pfund: Butter 190 bis 210 Pfennig, Matte 40, Käse 70, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Dohnen 20 bis 35, Unterkohlrabi 6, Grünkohl 20, Feldsalat 80, Tomaten 40, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 120, Rhabarber 20, Kürbis 6 bis 8, Pilze 40, Kartoffeln 4.5, Falläpfel 5, Aepfel 15 bis 30, Dirnen 20 bis 35, Zwetschen 18, Honig 35, junge Hahnen 100 bis 120, Suppenhühner 100 bis 110, Rüsse 45 bis 50, Preiselbeeren 45 bis 50, Weintrauben 60; das Stück: Eier 16, Dlumenkohl 40 bis 150, Salat 15, Salatgurken 20 bis 30,' Einmachgurken 2 bis 3. Endivien 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5, Rettich 10 bis 20. Sellerie 20 bis 35; das Bund: Radieschen 15, gebe Rüben 12. drohte Gebiet eingesetzt. Der Kreuzer „Paris" ist in der Ducht von Melilla eingetroffen, wo er mit anderen französischen Kriegsschiffen gemeinsam mit den französischen Fliegern das Vorgehen der spanischen Truppen gegen Adjir unterstützen werde. Die kommunistische Gefahr in Indien. führung von indirekten Steuern. Das Wohnungswesen in Preußen. Berlin. 28. Sept. Der Landtag setzt die Beratung des Wohlfahrtshaushaltes bei der Besprechung des Wohnungs- und Siedlungswesens fort. Abg. Häse (Soz.) verlangt besseren Bauarbeiterschuh. Während die Bautätigkeit zurückgegangen sei, habe gleichzeitig die Zahl der Unfälle im Baugewerbe erheblich zugenommen. Die preußische Staatsregierung fülle endlich ein Dauarbeiterschutzgeseh vorlegen. Vom Reichsarbeitsministerium sei für die Ar- ^beiterschaft nichts zu erwarten. y. Ministerialdirektor Conze weist darauf hin, daß die staatlichen Daukontrolleure im Zusammenhang mit dem allgemeinen Beamten- | 3 abbau zum großen Teil abgebaut worden seien. - Der Minister werde ihre Zahl gerne vermehren, wenn die Finanzlage es verlange. Im Jahr 1925 sei die Entwicklung deS Wohnungsbauwesens verhältnismäßig günstig. Bisher seien etwa 80 000 neue Wohnungen errichtet worden. Abg. Ladendorff (Wirtsch Berg.) richtet scharfe Angriffe gegen die sogenannten gemein- I nützigen Siedlungsgesellschaften, I die in Wirklichkeit in den meisten Fällen beit Leitern nur die Möglichkeit gegeben hätten, mit I den für gemeinnützige Zwecken hergegebenen öffentlichen Geldern Spekulationsgeschäfte auf eigene Rechnung zu machen. Ministerialdirektor Conze sagt eine gründliche Revision der Wohnungslisten zu . Rach der Rovelle der Finanznotvcrordlrung toerbe ein Teil des Ertrages der Hauszinssteuer auch für die Instandhaltung der alten Wohnungen verwendet werden. DaS Ministerium sei dankbar für die Mitteilung von Unregelmäßigkeiten und Uebelständen bei gemeinnützigen Siedlungsgesell- schaften, wenn sie so bestimmt mit Material belegt werden, daß dagegen eingeschritten werden kann. Das sei aber bei den von dem Abg. Lodendorff I angeführten Fällen nicht durchweg der Fall. I Man dürfe wegen solcher Einzelfälle die Sied- lingkgcsellschaft nicht allgemein verdammen. Minister H i r t s i e f e r teilte mit, daß nach den neuesten Feststellungen die Hauszins- steuer im Jahre 1925 210 Millionen für die Kommunen und 150 bis 160 Millionen für den Staat gebracht hat. Daraus müßte natürlich die gemeinnützigen Siedlungswesen gefördert werden, sofern sie auf sozialer Grundlage stehen. Damit I schließt die allgemeine Aussprache über das Wohnungs- und Siedlungswe^en. Beim Kapitel „Allgemeine Volkswohlfahrt und Erwerbslo'ensürsorge" wünschte Frau Ege (Soz.) größere Mittel zur Förderung der Kindererholungsheime. Der Reichsdisziplinarhof. Berlin, 28. Sept. (WTB.) Nach dem „Reiche anzeiger" wurden zu Mitgliedern des Reichsdiszipli- nargerichtshoses wicdererßannt: Als Präsident des Reichsgerichts S i m o n s, als stellvertretende Praß, denken Lobe und Mansfeld, als Mitglieder die Reichsgerichtsräte Zeiler, Warneyer, Ad. Mueller, Metz, sowie der bayerische Gesandte v. P r e g e r , als stellvertretende Mitglieder der sächsische Gesandte Reichsminister o. D. Grad- nauer, d-r hessische Gesandte Frhr. v. B i e geleben, der Hamburger Bürgermeister Peters en, der mecklenburg-schwerinsche Gesandte Tischbein und der braunschweigische Gesandte Boden. Ein Kundgebung der Universität Wien in der Anschluhsrage. Wien, 29. Sept. (WTB. Funkspruch.) In Ausführung der Beschlüsse des im Juni in Wien abgehalrenen Hochschultages erläßt die älniver- den, daß sie dem Lieferanten das Recht gibt, bis zum Zeitpunkt der tatsächlichen Lieferung, je nach dein zwischenzeitlichen Steigen der Preise legung zugunsten des Gläubigers stattgefunden hat. Hat die Bank solche Obligationen an den Schuldner nach dem 1. Juni 1925 abgeliefert, so gilt die Ablieferung als nicht geschehen. Die Anmeldung mutz alle notwendigen Angaben enthalten; insbesondere sind Rame, Wohnort, Wohnung des Einreichers, der Zeitpunkt der Einreichung, die Bezeichnung der Stücke nach Zahl, ■ Rennwert, Schuldner, Ausgabejahr, Zinsfuß, Serie und Rümmer anzugeben. Erfolgt die Anmeldung von einer Person, die nicht selbst die Stücke eingereicht hat, dann muh auch die Berechtigung des Anmeldenden zur Geltendmachung der Ansprüche nachgewiesen werden. Das Aufwertungsgesetz spricht den Alt- b e s i tz e r n von Industrieobligationen und verwandten Schuldverschreibungen eine erhöhte Aufwertung zu. Altbesitzer sind Personen, die die Stücke vor dem 1. Juli 1920 erworben und ununterbrochen im Besitz gehabt haben. D^e Schuldner, das find also diejenigen Gesellschaften. die die Obligationen ausgegeben haben, müssen bis spätestens 30. September 1925 die vorstehend erwähnten Altbesitzer durch Be- kansttmachung im Reichscmzeiger bzw. 'n den sonst für ihre Veröffentlichung zuständigen Blattern aufgefordert haben, ihre Altbesiheranspruche geltend zu machen. Daraufhin haben die Alt- besiher innerhalb eines Monats ihre Stücke bei dem Schuldner oder der von ihm zu bestimmenden Stelle anzumelden. Der An m e l d ung sind die Unterlage n, die geeignet f'tro, den Nachweis des Attbesihes zu erbringen, brizu- fügen, andernfalls müssen sie innerhalb eines weiteren Monats nachgereicht werden. Da bis zum 30. September 1925 die Aufforderungen zur Anmeldung von feiten aller industriellen Unternehmungen ergangen 'ind. möge sich der Altbesitzer, der die Bekanntm.e -Ingen nicht genau verfolgt hat, sofort durch Nachlesen im Deutschen Reichsanzeiger oder durch Anfrage bei der Gesellschaft davon unterrichten, bei welcher Stelle anzumelden ist, und möge die Anmeldung hierauf Kundgebung des Reichsbundes der llinderreichen. Essen, 28. Sept. (TU.) Im überfüllten Kruppsaal des Städtischen Saalbaues zu Essen hielten gestern vormittag die Provinzialverbände Rheinland und Westfalen des Reichs-- bundes der Kinderreichen eine Kundgebung ab, auf der über „Die Kinderreichen und die Berechtigung ihrer Forderungen" Medizinalrat Dr. Engelmann aus Kiel referierte. Er beleuchtete scharf die erschreckende Abnahme der Geburten und die ebenso starke Zunahme der Fehlgeburten und machte es den verantwortlichen Stellen zur Pflicht, alle Maßnahmen zu ergreifen, bevor der Verfall unseres Volkes besiegelt sei. Den Grund zu der Geburtenabnahme sah der Redner in bet wirtschaftlichen R ot und in der Unsicherheit der Arbeitsverhältnisse. Er forderte die Erhöhung der sozialen Zulagen der Erwerbslosen, Schulgeldermäßigung, Stellung von Wohnheim st ä t te n für erwerbslose Kinderreiche, Verpflanzung in ländliches Gebiet in Form von Siedlungen, Schutz vor Kündigung der in Miet- Häusern Wohnenden, steuerliche Schonung und die Besetzung öffentlicher Aemter und Regierungsstellen mit kinderreichen Beamten, da das die beste Sicherung zur Erhaltung des Staates sei. Rach der Rede nahm die Versammlung einstimmig eine Entschließung an. in der sie bessere Maßnahmen zum Schuhe der kinderreichen Familien und Bereitstellung aller verfügbaren Mittel (Boden und Geld) zum Bau von Wohn- Heimstätten und Siedlungen für kinderreiche Familien fordert, ferner Schutzmaßnahmen bei Lockerung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen und eine besondere Berücksichtigung bei Ein- i > Verwiegend erscheinen, ohne irgendwelche Stellungnahme und lediglich zu Informa t i o n s z w e ck e n an die Ratsmitglieder wei- terzüleiten. Der Völlerbundsrat trat dann noch zu einer nichtöffentlichen Sitzung zusammen. Er beschloß, die Entscheidung über den vom Oberkommissar des Vollerbundes in Danzig, Mac Donall, erhobenen Einwand gegen die Errichtung einer polnischen Wache auf der Wcstern- platte auf feine Dezembersession zu vertagen. - Ferner beauftragte er den estländischen General Laidoner, die jüngsten Vorgänge an der provisorischen Grenze des Mvssulgebie- t e s zu untersuchen. Damit ist die 35. Ratstagung geschlossen. Die nächste Ratstagung im Dezember wird in Genf und nicht in Madrid statt- finden. Die Einladung der spanischen Regierung, eine der nächsten Ratstagungen in Madrid statt- sindcn zu lassen, wird vielleicht im März des nächsten Jahres entsprochen werden. Pnrtilion« Die beiden japanischen Flieger sind Mon- JiUCRirin ^yaureys. tag nachmittag um - ,4 Uhr, auf dem Flug- Fez, 28. Sept. (Havas.) Marschall Platz Bourget gelandet und von dem Ver- Lyautey hat im Verlauf der heutigen Wochen- tretet der französischen Regierung, .Unterstaatssitzung-des Regierungsrates angekündigt, daß er sekretär Eynac, begrüßt worden. Auch zahl- die Regierung gebeten habe, chn von dem Posten reiche Vertreter der japanischen Kolonie hatten als Generalgouverneur in Marokko zu ent* sich eingefunden. Am späten Nachmittag legten heben. Im Außenministerium erklärt man, daß I die beiden japanischen Flieger einen Kranz am der ' Demissionsbrief des Marschalls heute i n I Grabe des unbekannten Soldaten nieder. Paris eingetroffen sei. Marschall Lyau- ^»n„i.^m«>-.nm,-nas^Katastrr,vk.e in China tey ist heute nachmittag v o m S u l t a n in einer ^berschWemraungs-Kcttaftroptze m ^na, Privataudienz empfangen worden. Der Mar- Der Danun deo Gelben S^^ Jt gebr^n schall begründet sein Rücktrittsgesuch damit, daß und hat oen südlichen B^ltk überschwemmt Man die Lage in Marokko jetzt gesichert erscheine, nimmt an, daß das , Die französischen Truppen hätten nicht nur ihre ^anal bi£ zum Jangtse J^rb. Stellungen vor Beginn des Feldzuges zurück- ^eb^chwemmung soll die schrecklichste sem, erobert, sondern seien an einigen Punkten sogar die lrch s e 11 d e m I a h r e 1 $ 8 7 ^eignet — - - - — -• - 1 Man schätzt das überschwemmte Gebiet auf etwa 1500 Quadratmeilen. Zwei Millionen Menschen sollen von dem Unglück betroffen und Hunderte sollen ertrunken sein. Die ' Internationale Kommission hat eine Hilfsaktion Wettervoraussage. Westliche Winde, wieder Regenfälle, vorwiegend bedeckt, kühl. Stärkere Wärmeausstrahlung bei schwach bewölktem Himipel haben die Temperaturen der letzten Nacht stark sinken lassen, in höheren Lagen bis nahe an den Gefrierpunkt. Der kontinentale Hochdruck verlagert sich unter geringer Abschwächung ostwärts, da bei; Nordmeertief bis nach Südfrankreich übergreift. Wenn auch der Kern des Tiefs nordostwärts wandert, so verstärkt sich für Si m la, 28. Sept. (TU.) Der indische Innen- I unser Gebiet zunächst wieder die westliche Luft- minifter Crerar machte im indischen Parlament strömung. während der Aussprache über den Anttag auf Gestrige Tagestemperaturen. Maximum 12,8 Gr. Freilassung der polittschen Gefangenen inter- Celsius, Minimum 2,6 Grad Celsius. Niederschlage esfante Angaben über den Umfang der kommu- 0,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 4,9 Gr. nistischen Propaganda in Indien. Er erklärte, Celsius. die Regierung habe schriftliche Beweise dafür in den Händen, daß die kommunisttsche Propaganda in Indien über China geleitet und hauptsächlich durch chinesische Kommunisten betrieben werde. Aus China seien während *' Die Wahlkartei zu den Stadtverordneten, Kreistags- und Provinzialtagswcchl liegen für jeden Wahlberechtigten auf dem Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Rr. 14, in der Zeit vom 2. bis 8. Oktober von 1/»8 bis 1/»1 Uhr vorm. und V23 bis 6 Uhr nachm., zur Einsicht aus. Räheres siehe heutige Anzeige. ** Die Df to ber miete. Der Minister für Mrbeit und Wirtschaft macht bekannt: Nach Anhoren von Jnteressentenvertretungen und Sachverständigen wird auf Grund des Artikels 9 der Hessischen Aus- fühungsoerordnung zum Reichsmietengesetz in der Fassung der Verordnung vom 20. August 1923 und der § 27 28 der Dritten Steuernotverordnung vom 24. Februar 1924 für die Berechnung der Miete für den Monat Oktober folgendes bestimmt: Die Miete für den Monat Oktober wird in gleicher Höhe wie für den Monat September festgesetzt. Auch an den übrigen bisher geltenden Bestimmun' gen, insbesondere über die gewerblichen Zuschläge usw., wird nichts geändert. ’* Personalien. Die in Rr. 222 deS „Gieß. Anz." vom 22. September wiedergegebene Notiz des Wolffbureaus über die Berufung Prof. Dr. Kadens an die Universität Genf bedarf insofern einer Richtigstellung, als Dr. Kaden bislang nicht Privatdozent an der Universität Gießen, sondern an der Universität Heidelberg war. ** Damenverein Gabelsberger Gießen. In unserem Bericht vom 26. d. Mts. über den Gabelsberger Stenographentag in Bad- Rauheim muß es heißen: In der Abteilung 200 Silben erhielt einen ersten und Ehrenpreis Fräulein Therese Schmoll vom Damenverein Gießen. " Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 296 Die Klauseln „Die Preise verstehen sich ohne Verbindlichkeit". „Lieferung freibleibend" usw. I hatten zur Inflationszeit gewiß ihre Berechtigung, ÄAd GllClT die auch vom Reichsgericht selbst da anerkannt _. .. , , -__wurde, wo der Wortlaut der Gesetzesparagraphen DteL-LockholmerLusLverkehrskottserenz dne derartige, den praktischen Verhältnissen Rech- Die Internationale Lustverkehrskonserenz wurde nung tragende Auffassung nicht ohne weiteres heute im schwedischen Reichsrat eröffnet. 14 Länder rechtfertigte. Infolgedessen spukt auch heute noch haben Vertreter entsandt. Unter den Anwesenden in den Kopsen zahlreicher Geschäftsleute dre Aufwurde auch der Generalsekretär der Internationalen I fassung, daß ein Besteller beim Vorliegen der Luftfahrtgesellschaft, M. A. R o p e r , bemerkt. Klausel von der Unverbindlichkeit der Preise sich Außenminister Und en betonte die Notwendigkeit endlose Preissteigerungen, ganz wie einer Zusammenarbeit der Nationen auf dem Ge- es dem Lieferanten beliebt, gefallen lassen müsse, biete des Luftverkehrs. Zum Vorsitzenden der Kon- Mit diesem Standpunkt räumt nun das R e i ch ^ ferenz wurde Generaldirektor Iuhim gewählt. I.gericht grundsätzlich auf, indem es anläßlich Alsdann begannen die sachlichen Beratungen mit eines Einzelfalles folgendes ausführt: einer Erörterung der Frage: Luftverkehr bei Die Klausel „Die Preise verstehen sich ohne Nacht, bei Nebel und im Winter. Das | Verbindlichkeit"^ kann^nicht dahin^ausgelegt wer- zweite Diskussionschema war die Frage der Maßnahmen zur Hebung der R e a e l m ä ß i g k e i t im fität Wien eine Kundgebung, in der cs u. a. heißt: „Wir erklären es als ein Gebot der Völkergerechtigkeit, daß dem einmütigen 'Willen des Volkes in Oesterreich entsprochen und ihm die durch das Völkerrecht und die durch seine geschlossenen Verträge ermöglichte staatliche Vereinigung mit Deutschland nicht behindert werde Oesterreichs erblickt in dieser Vereinigung die einzige Möglichkeit, seinen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bestand zu erhalten. Durch die Vereinigung würde cm Zustand wieder hergestellt, der über 1000 Jahre zu Recht bestanden hat. Wenn Oesterreich sich kraft den vom Präsidenten Wilson unter Zustimmung der ganzen Welt fei^lichst verkündeten S e l b st b e st.i m m u n g s r e ch t e s der Völker mit Deutschland vereinige, so wird dadurch das wirksamste Bollwerk eines dauernden Friedens in Europa errichtet." Die französischen Schuldenverhandlungen. P a r i s , 29. Sept. (WTB. Funkspruch.) Wie der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" aus Washington meldet, hat die zweite Sitzung der französischen und amerikamschen Schulden- fundierungskommission am gestrigen Rachmittag . 25 Minuten gedauert. Caillaur überreichte den Breslau, 29. Sept. lWTD. funkspruch.) Amerikanern eine Rote, in der neben neuen Vor- In der Kreisstadt Reichenbach nehmen die schlägen ausführlich die Zahlungsfähig- Ttzphuserkrankungen zu. Es sind dort innerhalb feit Frankreichs dargelegt wird. Rach dem I einer Woche neun Personen als typhuskranl Aufbruch der französischen Delegatton setzte die und drei weitere Personen als typhusverdächttg amerikanische Schuldenkommission die Sitzung fort. in die Krankenhäuser eingeliefert worden. Erne Um 4 Uhr ist die amerikanische Antwort grau ist verstorben . Auch jenseits des Eulen- bereits im Verlaufe einer neuen Vollsitzung den I gebirges nach der Reuroder Seite zu werden Franzosen überreicht worden. Aller Wahrschein- nunmehr Typhusfälle gemeldet. nM ÄXtÄÄ Zur °m--.k°m,chen schen Sachverständigen seien deshalb um 6 Uhr Rach einer Havasmeldung aus 2kuhork hat abends n o ch m al s mit den amerikanischen Kom- man die Hoffnung aufgegeben, das gesunkene Missionsmitgliedern zusammengetreten. Unterseeboot „S. 51 vor morgen zu beben. ‘21 $ Caillaux beabsichtigt, am Freitagabend an jebe Hoffnung, die Besahungnoch lebend Bord des Dampfers „2a France" Amerika anzutreffen, ist a u f g e g e b e n worden Zur zu verlassen. Er erklärte, daß er sich durch Zeit versuchen zwei Krane, das gesunkene U-Boot nichts an seiner Abreise werde hindern lassen zu heben. Sollte dieser Versuch nacht glucken, und daß er sicherlich ein Abkommen dann Plant man, unter den Tauchern einen mitbringen werde. Unwesentliche Einzel- Freiwilligen auszuwahlen, dec Ersuchen ton, beiten würden von den Sachverständigen unter durch eines der Lancierrohre in das innere ein- Leitung des französischen Bottchafters studiert zudringen. werden. Die japanischen Flieger in Paris. Ochsen, 42 Dullen, 934 Färsen unb Kühe, 311 Kälber, 248 Schafe. 1027 Schwein«. Bornotizen - TageSkalender für Dienstag Stabttfreaier: 7> •. Uhr .Luftiger Abend" von Professor Marccll Salzer. — Deutscher Reichs- bankgläubiger-Vcrband 7 ilfrr Saalbau Sauer Vortrag. — AuS dem S t a d t t h ea t e r b u r e a u wird unS geschrieben: Wir weilen in letzter Stunde noch einmal auf den heute stattfinbenden einmaligen „Heiteren Abend" von Professor Marcell Salzer hin. Landkreis Gießen. t Lauter, 28. Sept- Die hiesige Feld- bcccinigung hat sehr gute Fortschritte gemacht, so daß mit der Bestandsaufnahme bereits begonnen ist. Gleichlaufend soll auch die Dränie- eng auEführt werden. Die Kosten werden ™ Teil durch Erhebung vom Grundbesitz, zum Teil durch Berkaus von Massengelände gedeckt werden. - Durch Beschluß des Gemeinderats «oll die sehr veraltete und den Anforderungen aurchauS nicht mehr genügende Feuerspritze du>ch eine neue ersetzt werden. Die Bürger- meifterd hat bereits dementsprechend Schritte unternommen. Arris Friedberg. 5 Dad-Rauheim, 29. Sept Den Abteilungen Butzbach und Bad-Aauhetm der Deutschen Kolonialgesellschaft ift eS gelungen, Admiral v. Mantetz, den Leiter deS Instituts für Marinegeschichte und Borstand des Archtvs der Marine, den Verfasser deS Buches „2luf See unbesiegt", zu einem Lichtbildervortraa über die Skagerrakschlacht in oberhefsischen Orten zu gewinnen. Hier spricht der Redner am 7. Ott. Butzbach, 28. Sept. Die Beigeordneten- wahlen im AmtSgerichtSbeztrk Butzbach verliefen ohne erbitterte Wahlkämpfe: sie zeigen im Gegenteil, daß in den meisten Gemeinden größte Einmütigkeit herrscht Zu Stichwahlen kommt es im ganzen Bezirk nicht. GS liegen die folgende Ergebnisse vor: Ein stimmt g wieder gewählt, ohne daß Gegenkandidaten aufgestellt waren, wurden die seitherigen Beigeordeten: Peter Häuser in Hiebet- Weisel, PH. W. Müller in K t rch-G öns, H Schimpf in Ostheim, Schäfer in H o ch- Weisel, Dalthaset Huth in Langenhain- Ziegenberg, M. Philipps in Fauerbach v d H., Hofmann in Bodenrvd, Konrad Ruppel in Maibach, Gg. A. Streb in Griedel, Haub in TraiS-Münzenberg Etwas lebhafter ging eS, aber ohne die im Wahlkamps gestatteten Formen zu überschreiten, in den Orten zu, wo 2 Kandidaten ausgestellt waren. Es blieben Sieger: in Pohl-Gon S Kollmar, in Münfter Franz Wißbach. in Sambach Hch Doller V., in Münzen berg Otto Enders II. fr. Rieder-Florstadt, 27. Sept. Bei der heutigen Deigeordnetenwahl gaben von 1121 Wahlberechtigten 911 ihre Stimme ab. ES fielen 380 Stimmen auf den seitherigen Beigeordneten Zimmenneister Harsch unb 522 Stimmen auf den Kandidaten der SPD., Landtagsabgeordneten und Gastwirt Anton Q u f. 9 Stimmen waren ungültig. — Der Gemeinderat beschloß. für den Kochunterricht Raum und Geräte zu stellen. Da der infolge Abbau freigewordene Saal inzwischen anderweitig benutzt wurde, bietet die Raumfrage Schwierigkeit, die aber überwunden werden wirb. — Der Autoverkehr nach Friedberg ist wegen Reparatur der Straße sehr behindert. Die Wagen fahren über Bönstadt. Assenheim, Bruchenbrücken nach Friedberg und brauchen fast die doppelte Fahrzeit: das ist besonders für den ersten Zug morgens und den letzten abends sehr unangenehm wegen der frühen Abfahrt bzw. späten Ankunft. Der Fahrpreis ist derselbe geblieben. Etwa Ende dieser Woche wird wohl der Verkehr auf der neu hergerichteten Straße wieder auf genommen werden können. — Der Flugtag in Bruchenbrücken lockte trotz' der schlechten Witterung sehr viele Zuschauer von hier an. Aber auch die Da- Mübl. Wobu und Schlaiztm. an ruhig. HerrniDauerm u. eteinitr.SfillL SS" Met an ruhigen Herrn zu vermieten 07931 Sirchenvlatz 23 p. MI. MM zu vermieten 07935 (Brabenftr. 4 l. "Ml IDoBn- uüO SlvlaWmer an foL Dauermteter ver 1. Oft. zu verm. Diezitr. 12, Ml. Zimmei z. vermieten (0/907 KaiieraUee 44 l Mdi. 3imtner au vermieten Nah Tcknlttr. L.Papier- n-Tabakaeschäst. Schön möbl. Zimmer IN guter Wohnlage Wort zu oetmleieu. ■7924| ftnaus. Cctnllerftrahe ä Bureau unrtene gelegen. Mttte der Stabt zu vermieten. Tchrinl. Angeb. unter 07600 an den (Miet'; Anz. Schöne Garage per L 10.25 au venu. Schr. Angeb. unter 07923 a. d. Gieß. 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Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. unb Hit rund heimgebliebenen konnten am Dorsausgang nach Friedberg die Kunftflüge und den Fallschirmabsprung verfolgen. am. Staden, 29 Sept. Bei der Sonntag. 27. Sept, stattgefundenen Beigeordnetenwahl Laden in günstig. Geschäftslage für sofort zu mieten gesucht. Schr. Angeb. unter 07926 an den Gieß. An». 1 LülWtztt und 1 BnWndn stellt ein [07928 Albin Klein, Ber- lagSdruckerei. Oleßon Fernforecher 1362. Südanlage 21 Hassia-Bezirkstag in Gieszen. Sonntagnachmittag tagte im .Postkcllct" der Bezirkstag der Kriegervereine des Bezirks Gießen. Sämtliche Ukrcinc v.uren erschienen bis auf Treis a. d. Lda, der sich ent- fchuldigt hatte. Der Dorfitzende begriitite mit herzlichen Dorten den Präfidenten der Kriege:- kameradfchaft »Hassia", Oberft Schliepdake. die zahlreich vertretene Gießener Stauengru >oe und den Redner deS TageS. Oberwachtn.'.Ilrr Klee- Butzbach Pros. Dr. Krämer betonte, baü es eine bei wichtigsten Aufgaben der Kriegervereine fei. für die Opfer des Krieges mit aller Kräften einzutreten. Anschließend berichtete der Motorrad E. M. A., Modell 24, 2*/iP. 8., gut erhalt., zum Preise a 8&O -/ zu verkaufen. Cfiert um. 91t. 773 e. lene, Blockstr« he 5. vt h Gut eri). Herrei- auiüec u. MM»tek Bad-Rauheim hat der Reichsbund nur noch .v?ct Gruppen, alle übrigen haben sich den Kriegervereinen angeschlossen. Das zeigt, daß r-n: an' rrc Orgmnsation als Die Hassia n^cht nötig ist, ntfr daß sich die Kriegsopfer bei ber Hossio sicher vertreten fühlen und feine besonderen Beiträge leisten müssen. Heute ums acht die Lane ^gruppe bereits 11000 Mitglieder, welche den Zweck hat. im Wohnungsbau 'ur Kriegsopfer zu sorgen. Rächst« Woche findet in G i e ß e n eine Versammlung der BezirkSobmänner aus Oberhessen ftati, die über wichtige Organi- sationSfragen verhandeln werden. Zum Bezirks- obmarm für den Bezirk Gießen wurde ber sch-ver- kriegSbefckädigte Kamerad Döhn-Lostar gewählt. Oberst Hchliephake teilt mit, daß zum ReichSkriegertag in Leipzig (17. bis 19. Oktober) über 100000 alte Soldaten gem-.Idet seien, der Andrang sei ung^euer. Rachdem ein Mitglied den DezirkSta'g zu der erfolar?ichen Tagung beglückwünscht Hatto, schloß ber Vorsitzende die Versammlung. Hndn, Nttteransse. Tüchtiges Mädchen vom Lande «nicht unter 17 Jahrenl d. etwas kochen kann, auiS Land «Nähe Gteßen) gesucht. Schr. Angeb. unter 90361) a. d Gien- Anz. 3öng. Msieia ca. 17 Z. au» achtb. Familie, m. tauberer Handschr., von erster Firma ver sofort gesucht. Schriftl. Angebote unter (7919 an den Gieß. An». zu oerfaufen «j7912 Gurkbardoselden, Hau vtstroße 19.__ Junger Iagr>hANd billig in gute Hände abzu^eben, gebr. Klavier für200Mk., u. neuer einsachei. Diplomat 140.72, Helt Eiche, wegen VlotzmaugelS iu verkaufen. Schr. Ang. u. (f7914 an den Stech. Anz. 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A.: Hans Jüngst x a. i. 8962D 3. 4. 9048D P eppler Londorf, den 29. September 1925. 9055V zu berücksichtigen bitten. 9065V Der Wohnungsausschutz. lator mit Motor. 9064V Vogel,stellv.Gerichtsvollzieher Schöne Modelle la Qualität oiil lange MWW 9067a Das Verfahren wegen Aebertretung nach § 360 II St. G. B. wird eingestellL Der Angeklagte, Unterfeldwebel Paul Kunze, geb. 10 März 1900 in Pfalzdorf, 3. Komp., Inf.-Regt. 15 in Gießen wird wegen Vergehens gegen § 185, 186, 196, 200, 73 Str. G. B. zu einer Geldstrafe von 75 - fünfundsiebzig - Reichsmark verurteilt. Es wird ihm gestattet, dieselbe,in 3 monatlichen Raten zu zahlen. Der Beleidigte, Polizeiwachtmeister Krämer, wird für befugt erklärt, den entscheidenden Teil des Urteils im Gießener Anzeiger zu veröffentlichen. Die Kosten des Verfahrens hat der Angeklagte zu tragen. Die Richtigkeit der Abschrift der Ur- Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige Pflicht, ihre lieben Bundesbrüder von dem Ableben ihres lieben Alten Herrn teilsformel wird beglaubigt und die Voll- treckbarkeit des Urteils bescheinigt. Gießen, den 18. September 1925. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. September, nachmittags 2 Uhr statt 3n der Strafsache gegen den Unterfeldwebel Paul Kunze wegen Ruhestörung und Beleidigung hat das Amtsgericht in Gießen am 25. August 1925 für Recht erkannt: Die Turnerschaft i. 8. C. „Hasso-Nassovia“ Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Heinrich Metzger III. Wwe. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sowie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Wagner. MMklMIvO Babubosstr. 87 yernivr. 1631 Hausrat G2melnnWge Mveloersorguag für vos Mein-. Blain- und Mngeblel G.m.d.6. Gießen, Lindenplatz 1 Kurz.MnitteneS Mol i Gestellungen nimmt wieder entgegen SaWsWiml £ohdi ““d B. Nuhn A. G. SWkö-zOn.-wlAll. nächste Nähe des Bahnhofes gegen gleiche Wohnung in gleich guter Lage zu vertauschen. Offerten unter Nr. 772 an WN-W-BertiL Allen Familien, die Gäste der Gustav- Adolf «Vereins-Tagung freundlichst auf» genommen haben, sei auf diesem Wege nochmals herzlich gedankt, ebenso auch den Emilien, welche Quartiere freundlich zur Verfügung gestellt hatten, aber keine Gäste bekommen haben. Da eine größere Anzahl Quartiere auch für unangemeldete Gäste bereitgehalten werden mußte, ließ sich eine Absage der nicht benötigten Quartiere, nicht ermöglichen, was wir freundlichst Lieferungs-Vergebung. Für die Provinzial - Pflegeanstalt Oberhefsen in Gießen soll die Lieferung von 500 Zentnern Speisekartoffel auf dem Wege öffentlicher Ausschreibung vergeben werden. Die Lieferungs-Bedingungen können vom 30. lfd. Mts. ab von 9 bis 12 Uhr vormittags bei uns eingefehen werden. Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind unter Beifügung der Kartoffelproben bis zum 5. Oktober lfd. IS., vormittags 11 Uhr, bei uns abzugeben. Zuschlagsfrist 3 Tage. Gießen, den 28. September 1925. Direktion der Provinzial-Pflegeansialt __(Sicher Straße 74). [9047D Allgem.Ortskrankenkafse Gießen Stadt. Die rückständigen 'Beiträge zurKranken- kaffe, Invaliden- und Erwerbslosenver- ficherung für den Monat August 1925 können noch bis zum 6. Oktober dS. IS. ohne Kosten bezahlt werden. Aach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann DienStagS von 8 bis 1 Uhr bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto. Amt Frankfurt a. Main Ar. 10833 erfolgen. Gießen, den 28. September 1925. Hink ler, Rechner. 9046c Bekanntmachung. In der Zeit vom 2.-8. Oktober 1925 liegt während der üblichen Dureaustunden (7,8—7,1 Uhr vormittags und von 7,3 biS 6 Uhr nachmittags, Samstags von 7,8-1 Uhr vormittags), außerdem am Sonntag, dem 4. Oktober 1925 von 9 bis 1 Uhr vormittags, die Wahlkartei der in der Stadt Mieden mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald zur Wahl von Stadtverordneten, Kreistags« und Provinzialtagsmilgliedern Stimmberechtigten, auf dem Stadthaus Bergstraße 20 - Zimmer Ar. 14 - zu jedermanns Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist kann daselbst jeder männliche oder weibliche Angehörige der Stadtgemeinde, einschl. der zugeteilten Gemarkung, der zur Zeit der Wahl das 20. Lebensjahr vollendet hat, Einsicht von der Wahlkartei nehmen und erforderlichenfalls Einwen- wendungen gegen sie Vorbringen. Gießen, den 29. September 1925. Der Oberbümermeister. I. D.: Dr. Seib. 9059B Heute nacht verschied ganz plötzlich mein lieber Sohn, unser unvergeßlicher Bruder, Schwager und treuer Onkel Karl Metzger im Alter von 33 Jahren. • M liefern: WUMM in Eiche und Kiefer geport 120, 140, 160, 180 und 200 cm Büfett SlmtlHifflK »MM 2-3 Zimmer tu Süd- oder ölten löge von alleinstehendem Herrn bet Zahlung seltnem. Miere per alsbald gesucht. Schrisiltchc Angebote unter 07903 an den Gieß. Ans- erbeten. Mittwoch, den 30. September 1925, versteigere ich Neuenweg 28 im „Löwen" zwangsweise gegen Barzahlung: I. 2 Büfetts, 1 Kredenz, 2 Tische, 8 Stühle, 3Sofas, 3Nähmaschinen, 1 Bücherschrank, 2 Kleiderschränke, 1 Schreibtisch, 1 Derliko, 1 Kaffenschrank, 12 Damenhüte, 2 Oefen, 1 Zentrifuge, 10 Kochtöpfe, 14 Holz« labletten, 1 Kommode, 1 Teppich, eine Häckselmaschine, 2 Pflüge, 1 Chaiselongue. II. An Ort und Stelle (Bekanntgabe im Dersteigerungslokal): 1 Schleifmotor, 1 Dernickelungsbad, 3 Drehbänke, 1 Blechschneidemaschine, 500 kg Messing, 1 Pack braunes Papier, 1 Schreibmaschine, ein Schweißapparat. III. Bestimmt: 1 Warenschrank, 1 Aufsatz, 1 Lgdentheke, 4 Regale von Holz, 4 Glasscheiben, 6 Glasschilder, 1 Tisch, 1 Stuhl, 1 Schirmständer, 950 Zigarren, 1 Denti- Frische Fische Mittwoch trüb 9 llbr erste Sendung etntreffend: Prima Cabliau ohne Stopf, im ganzen Fisch, 3—Spfünbig, Pfund 40 Pf im Ausschnitt 4S Pf. Prima Angel-Sch llfische, 2—3vsündrg, Pfund 40 Pf. Schellfische im Ausschnitt Pfund 55 Pf. ff. Seelachs ohne Kops, im ganz. Fisch Pfund 35 PI., im Ausschnitt Pfund 40 M Frische PortiouS-Schellfiscke Mund 40 Pf., 3 Pfund 1.10 Mk. Goldbarsch o. Stopf, Psd 35 Pf. Grüne Heringe, Pfund 25 Pf. iWfcbe FischkotelettS Pfuno 45 und 55 Pf Bücklinge ÄÄe, baS Pfund 60 Pf., die Kiste mit netto 5 Pfund 2.50 Mk. Margarine, Radma, Blauband und Landon, Pfund 1 Mk., Merkur, Pfund 85 Pf. Palmin, feinste Bflanzenbutter, Mund 85 Pf. Kokosfett in l-Pfd.-Taf., Pfund 75 Ps., lose Pfund 68 Pf. Kokosichmalz, Pfund 1 Mk. Schweineschmalz, Psd. 1.14 „ hMWRl Eiche gebeizt MerWSuke WeWA Gerichtsschreiber des Heff. Amtsgerichts. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute tret der Firma Bohrgesellschaft Heffen-Daffau. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Die Firma ist erloschen. 9039c Gießen, den 18. September 1925. Hessijche-r Amtsgericht. £77/25 — Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 24. September 1925 ist der Verwaltungssekretär a. D. Gustao Frank aus Gießen wegen Trunksucht entmündigt worden. 9040c Gießen, den 24. September 1925. Hessisches Amtsgericht GewerksclialtM der Angestellten. Sonntag, 4. Qkt.: Treffen in Dutenhofen Jagdschlößcheu. Näh. Zreitag eX8c ArtillmMrm. Mmnienkuusl der Damen Donnerstag, den 1. Okt., nachm., im SchützenhauS. 07908 W Wichtige Besprechung. ARMAUD VIELE TAUSEND ALTE FREUNDE UND NOCH MEHR NEUE RAUCHEN HEUTE DIE S LEI PH ER VON BÄKSCHARI Kamelhaar- Kolter 20,- 2127, 36,- 40,- 52-, 85,- Mk. C. Röhr & Co. Bahnhofstr. 44 - Haltestelle der Elektr. 9044a Eberaickauf. Die Gemeinde Göbelnrod beabsichtigt, einen dienstfähigen, jungen lkber (veredeltes Landschwein) anzuschaffen. Angebote sind an die unterzeichnete Bürgermeisterei zu richten. Göbelnrod, den 28. September 1925. Hessische Bürgermeisterei. Weber. 9073D Photo-Haus /Winterhof f\ ® Kreuzplatz 9 1 Idas FachgeschäftJ \ für den gesamten 1 XPhotobedarf^ TTl»a Lämmer-Verkauf. Am Montag, dem 5. Oktober, werden in der Wirtschaft Ed. Betz zu Soden (Kreis Schlüchtern) 100 schölle weiße ßaslerlämoier verkauft unter aller Garantie. [9052D Tel. 27 Salmünster. Ed. Betz. 12 jüngere Handlanger gesucht. 9066D Gebr. Nicolaus Baudekvrationsgeschäft, _____Schiffenberger Weg Ar. 2. Empfehle la Kartoffeln im Sandboden gewachsen. 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Etm! mals wie herrschte, we die England mit gigantisl Indien für aber ein gigi an sich zog. hegende For der Compar derttausendei gebracht. (Hi nach einem wo er aus übertrat, un wals begann Reich des G, ladenftaak-n du bekomme v'plomatische «n Thron l R dafür m Scheu; 30 A Quf diese Art. §t dem Ra! ”er Kompaan «gerungen, d Spielt, dur. 'N in Fei, Angeld oon ^>,'ve an sich . ^!chlagen, es Unb "eitl ? Me '^nnte neue nächster S wS* ÄS. Fenstern Achtenden A Nr. 228 Zweites Blatt d.eusiag, September (925 Gietzener Anzeiger (ivenerat-rtnzelger jur wvecyetze», MAGGI und Westen läuft auf den tn n g I i f a> en Imperialismus a uf gelehnt bat, i-aien die Dinge in Persien eine Aend. r bdaimt tft, Maggis FlÄschbrüh.Würfel 1 ä,- (Romfifp und delikate Soften henuftel ermöglichen- es, kräftige Suppen, schmackhafte Gemüse und delikate Sohen herzustellen. 1 Würftl mir 4 Pfennig. l Achtung auf den Namen Maggi und die rot-gelbe Packung.] aus der Welt die Wende des farbide Armee die im Westen Europas zwar aber immer wieder in die Seitdem Ri^a Khan 1921 |i schäft mit Qlloslau gegen den ch binau*. die wachsenden deutschen Volke nicht räumen. Deshalb wird die um Jahrhunderts ausgestellte stärkere dauernd zu vergrößern versucht. weltliche'' chfll fd>- Frankreichs farbiges Heer Don Rittmeister a. D. Wilh. v. Trotha. Die weltbewegenden Ereignisse, die sich in Nord asrika und Vorderasien anzuspinnen beginnen, sind legten Endes mehr ober weniger auf die Schaifung und den Ausbau der französischen Militarmachl Aurudjuführen. Diese ist eng verknüpft mit seiner Kolonialpolitik und deren Ausgeburt des „farbigen französischen Heeres". Französischer Machthunger und französische Län- beraicr einerseits unb die sich für Frankreich allmählich zur Katastrophe auswachsende Verminderung der Bevölkerund auf der anderen Seite sind die Triebfebern, bie zur Behebung des Geburtenrückganges zu geradezu grotesken Erscheinungen sühren. Mütter mit reichem Kindersegen werden dekoriert. So hat z. B. eine Frau die Ehrenlegion erhalten, weil sie zahlreiche Kinder hat, und man denkt allen Ernstes daran, kinderreichen Müttern in Frankreich eine besondere Medaille zu verleihen. Immerhin dürfte das die Angst der Franzosen vor dem ständig Man erinnerte sich, daß Madras an der Ost- tüfte von Vorderindien liegt, damals eine kleine Handelsniederlassung der Osttndienkoinpanie, wo die Engländer ein unsicheres durch einjährlichen Tribut berechtigtes Leben führten. Aber keineswegs mehr. Etwas südlich davon liegt Pondicherry, damals wie jetzt noch Sitz der Franzosen. Dort herrschte, wesentlich beweglicher und weitsichtiger als die Engländer der Gouverneur Douplaix, der sich mit gigantischen Plänen zur Eroberung von ganz Indien für die französische Krone abgab, zugleich aber ein gigantisches Vermögen aus dem Goldlande an sich zog. Er griff an, Madras und das dabei- liegende Fort St. George wurde erobert, die Leute der Companie als Gefangene schmählich vor Hunderttausenden von Eingeborenen in Pondicherry ein- gebracht. Elive war vorher geflohen und hatte sich nach einem anderen Fort, nach St. David begeben, wo er aus der Schreibstube in den Soldatendienst übertrat, und mit 21 Jahren Fähnrich wurde. Damals begann Duplair seine Intrigue, um das ganze Reich des Großmoguls von Delhi mit all seinen Vasallenstaaten in seine, d. h. die französische Gewalt zu bekommen. Durch eine siegreiche Schlacht und diplomatische Künste fegte er eine Schattenfigur auf den Thron des Vizekönigs von Karnatik. Er ließ sich dafür mit vier Millionen Mark in Gold bezahlen, 30 Millionen Menschen beherrschte Duplair auf diese Art. Da griff Robert Clive, der unterdessen mit dem Ranae eines Hauptmannes die Truppen der Kompagnie befehligte, ein und stürzte durch Belagerungen,' die er gegen zwanziykache Uebermacht ausbielt', durch unvermutete Angriffe und kühne Züge in Feindesland das Reich Karnatik, so daß es fi* durch bedeutende Landabtvetungen und em Weingelb von 60 000 Pfund lösen muhte (wie viel Clive an sich nahm, ist nicht bekannte Duplair war geschlagen, es rächte sich, das; er, ber größte Diplomat und weitblickende Politiker, kein Krieger war, sondern Pulver wohl nicht riechen konnte. Aber er spannte neue Rege um die Engländer unb fein nächster Stof; galt ihrer Wiebcdaffung im (Bang.es-- bclta, in Kalkutta. Der Vizekömg non Bengalen Surebscha Dowla, ein Zwanzigjähriger, hyfterych ober epileptisch, babei von schwachsinnig gtaiijamen Instinkten, griff bei einem belanglosen Anlaß em, eroberte bie von kopflosen Hanbelsleuten besegle Faktorei unb nahm 146 Engländer gefangen. Er versprach, sie nicht hinHurichlen, sperrte sie aber in der glühendsten Nacht Bengalen:- ohne Waster und Luft in einen zwanzig Duadratfuß großen Raum, dessen Fenster verstopft waren. Die Bengalen standen an ben Fenstern unb freuten sich über bie Dualen ihrer nerburftenben, erstickenden Opfer. 23 schlichen am zwischen beiden liegenden Lände, dort P: r - s i e n, hier Deutschland, von |:,4) noch weiter abhängig zu machen. Robert Clive. (Zum 200. Geburtslage, am 29. September.) Don Dr. van Bleuten. Es läßt sich nicht leugnen, unsere berühmte geschichtliche Ausbildung ist Wege gegangen, bie zwar interessant unb humanistisch waren, bie aber grunb- verschieben sinb von dem, was uorroärtsftrebenbe Völker kennen lernen müssen unb kennen gelernt haben von ihrer unb anberer Staaten Vergangen- heil. Wir wissen über Themistokles, Aristibes, Pom- pejus genau Bescheid, wie aber z. B. die Eng. lönder ihr Weltreich in Indien grünbeten, ist selbst sehr Gebildeten saft unbekannt. Und dabei ist Aristides für uns eine hübsche Geste, während die Tatsache, daß z. B. die Schlacht bei Dlassey gewonnen wurde und England sich ein Jahrhundert die Taschen mit indischem Golde und Diamanten füllte, letzten Endes unsere Niederlage im Weltkriege bedeutete. Denn ein England, bas nicht reicher gewesen wäre, als wie wir selbst, hätte nicht ausgehalten. So lohnt es sich, heute einen Blick zu werfen auf das Leden des Gründers der englischen Macht in Indien, heute an dem Zage, da seit seiner Geburt am 29. September 200 Jahre vergangen sind. Es lohnt sich um so mehr, etwas über Robert Clive, ben späteren Baron von Plafsey, Peer von Irland, zu hören, ba bas Schicksal bieses Aden- teurer» sich wie die Inhaltsangabe eines schlechten * Kolportaaeromans ausspinnt. Bobby war ein verlorener Sohn; der Schrecken aller Schulen in der Umgebung seines Wohnortes, denn von jeder wurde er wegen Unbänbigteit, Unbotmäßigkeit unb wilden Taten wieder entfernt. Sein Vater, ein Rechtsgelehrter aus alter Familie, scheint auch nicht gerade durch besondere Begabung hervorgetreten zu sein, das Erbgut war bis zum letzten Dachziegel verschuldet. Bobbys Eigenart war es, mit (Blcidwe- flnnten eine Bonde zu bilden, die von den Geschäftsinhabern der nahen Stadt einen regelrechten Tribut in Lebensrnitteln, Leckereien und auch in Geld einzog, als Ablösung dafür, daß ihnen die Fen- sterscheiden nicht eingeworfen ober sonst Schaben xugefügt würbe. Den Siebzehnjährigen schob die Familie ab, als Schreiber der ostindischen Kompanie in Madras fand er eine Stellung, deren Gehalt so knapp bemessen war, daß man zum Leben in bescheidenster Weise etwa das Doppelte nötig hatte: das Fehlende waren die AngeftcUten durch Privat- geschäfte zu verdienen angewiesen und gezwungen, durch Reiswucher ober noch anrührigere Verdienst- möglichkeiten. Bobby, ber sich zunächst auf solche Weise nicht verstanb, hungerte unb schrieb fentimen- täte Briese nach Hause. „Wenn ich so großen Segen erfahren sollte, mein teures heimisches England wiederzusehen, ganz besonders aber Manchester, so würde alles, worauf ich hoffe, in e i n e m Augenblick vor mir stehen." In dieser Bedrängnis fand er beim Gouverneur von Madras eine Bibliothek unb begann zu arbeiten. Aber bie Rot stieg, zweimal fehle ber junge, aussichtslose Schreiber bie gelabene Pistole an bie Stirn, beide Male versagte sie: da ging es ihm ähnlich wie dem jungen Wallenstein: nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Pistole wirklich gut und richtig geladen war, sah er einen Wink des Schicksals darin, daß es ihn zu Großem bestimmt habe. Unb wirklich, es wartete schon auf ber Schwelle. anberen Morgen, kaum noch am Leden, aus biesem Loch, bie anderen 123 wurden in eine Grube geworfen und zugeschüuet. Suradscha saß in seiner Größe und hielt in Maurschedabad Hof. Da landete Clive mit einem Heer von etwa dreitausend Mann, eui Drittel davon Weihe, • nahm mdjrere feste Pläge im Gangesdelta und Kalkutta selbst, lieh sich dann aber in Verhandlungen mit Suradscha ein, bie zu einer Einigung führten, bie aber in Wirklichkeit auf die Vernichtung des benga- fischen Herrschers zielten. Ein glänzendes, verwert' liches Spiel von Betrug begann, Suradscha wurde sozusagen bei lebendigem Leibe ausgehvhlt, Clive zettelte eine Verschwörung an, deren Gegenspieler ein einflußreicher Bengale Omichund und der Minister Dschasfir waren. Suradscha begannn etwas zu merken und verhandelte wieder mit Duplah in Pondicherry. Omichund verlangte nun fünf Millionen. wenn er das Gefpinnft des Verrates, den Clive wob, feinem Herrn nicht verraten solle. Clive griff zu einem Theatereffekt plumper Art, etwa als wenn ein schwörender Dftlänber bas Wörtchen „nicht" einfchiebt ober ben Daumen einbiegt. Er stellte zweierlei 'J3crtraqc her, in dem einen wurde Omi- djunb das Ausbedungene versprochen, im zweiten stand nichts davon, unb biefer war ber richtige. Als ber englische Admiral Wettson den Schwindel nicht mitmachen wollte, sälschte Bobby kurzerhand die Unterschrift. Dann kam sein Vorstoß gegen Su- radscha, Dschasfir, auf den er fest gerechnet hatte, war aber vorsichtig unb abwartend und ging nicht zu ihm über. Gegen 65 000 Inder hatte Clive etwa 3000 Mann zu fetzen, darunter 1000 Engländer. Im geeigneten Augenblick griff er an und zersprengte die ganze Macht. Allerdings: nur 500 Feinde waren getötet, die anderen nach indischem Brauche fort- gelaufen. Clive hatte 22 Mann verloren. Suradscha floh aus seiner Hauptstadt, sein Iuwelenkästchen im Arme, und Dschasfir wurde zum DizekÖnig ein- gesetzt. Nun wies Omichund seinen Vertrag vor, Bobby erklärte ihm in sachlicher Weise, daß er betrogen worden sei. Nun kommt wieder ein Kolportageeffekt, Omichund sinkt um, erhebt sich und ist wahnsinnig. In wenigen Monaten siecht er hin, selbst dem hartgesottenen Bobby ein tiefer Vorwurf. Die Engländer erhielten von Dschasfir den annehmbaren Betrag von 16 Millionen, von denen aber etwa fünf in den klugen Händen Bobbys blieben. Im Grunde nichts anderes als der Tribut, den er als Junge mit feinen Genossen für Fensterscheiben, die er nicht ein- warf, zu erheben pflegte. Dabei bekam er noch eine Rente von etwa 600 000 Mark jährlich, Einkünfte aus einem „Lehen", bas Dschasfir ihm verleihen mutzte. Zunächst wirkte nun Clive auch für ihn: als es bem Groß-Mogul von Dehli plötzlich einfiel, wahrscheinlich auf Anstiften Douplaix', Dschaffirs Hauptstabt mit einem großen Heere zu bebrohen, eilte Clive mit 2500 Mann herbei, unb lebiglich ber Schrecken seines Namens zersprengte die Macht bes Großmoguls gänzlich, baß er nichts bavon übrig blieb. Dann begann Dschasfir — wohl nicht mit Unrecht — bie Englänber zu fürchten, unb zettelte im Geheimen eine Verschwörung mit ben Hollänbern an. Ehe noch eine offene Vereinigung zwischen diesen und Dschasfir möglich war, besiegte sie Clive im Gangesdelta vollständig. Dann fuhr er nach England. Hier beginnt der für bie Kenner englischer Verhältnisse köstliche Eiertanz um bie Wohlanftan- bigfeit. 1762 ernannte ihn der König zum irischen Peer unter dem Titel eines Barons von Plassey. Schon wurden Stimmen laut, daß er wie ein römischer Prokonsul Gold und Juwelen geraubt unb gerafft habe, ba brachen in Inbien wieder Unruhen aus, und Clive wurde als einziger, der dies Land beherrschen könne, hingeschickt, diesmal als Gouverneur von Bengalen. Er fand, als er kam, die kriegerischen Händel fast schon beendet, wirkte aber als "Diplomat und erlangte die Belehnung der Ost- indienkompagnie mit Bengalen, Bihar unb Orissa, bas waren wieder 15 Millionen Menschen. Unb nun sorgte Clive in vorbildlicher Weise für die Verwaltung, schuf auskömmliche Gehälter und verbot jede Art' von Bestechung (seine eigenen Gelder gab er allerdings nicht wieder heraus). Heimgekehrt nach Enoland, wurde ihm eine Art Prozeß gemacht. Er mufye sich vor einem Ausschuß des Unterhauses verteidigen, er tat es in einer ganz meisterhaften Rede, die erhalten ist. Wie aber zog sich der Ausschuß aus der Klemme? Sehr englisch: man beschloß dreierlei: erstens, Erwerbungen, die durch die Waffen des Staates gemacht worden sind, gehören dem Staate allein. Zweitens: diese heilsame Regel sei von manchen englischen Beamten in Indien verletzt worden, und Clive habe durch Erfolge englischer Truppen finanzielle Vorteile für sich selbst erlangt. Drittens, Lord Clive habe bem Vaterlanbe aroße unb wertvolle Dienste aeleiftet ... So beschlossen unb verkünbet. Unb bie Geschichtsschreiber Englands sind über dies Urteil baß enzückt. Clive aber hatte feine Reichtümer sicher, von denen er übigens, ab- gesehen von einer gewissen Verschwendungssucht, besonders für Verwandte, seinen Vater und sein Fa- miliengut lobenswerten Gebrauch machte. Aber nun kommt die innere Rache. Wir sehen ihn als Jungen unbändig, wir würden sagen psy- chopathisch. Als junger Mann wurde er von Anfällen von Verstimmung heimgesucht, die ihm zweimal die Pistole in die Hand drückten. Nun, als er alles hatte, was ein Mensch sich wünschen kann, verdüsterte die Enge ber englischen Kluft und die Dual, fidi nichts Unerreichbares wünschen zu können, feine Taae. Er kam zum Ovi'.immißbrauch, womit er schon in Indien begonnen hatte. Der Schatten Omichunds ging in seinem Schlosse um, ber Baron von Plalley verfiel in Unruhe und Trübsinn und am 22. No- nember 1774 lud er zum dritten Male die Pistole unb traf diesmal besser. Das Schicksal hatte nichts für ihn zu tim unb warf ihn weg. Wie er feinen großen Gegner Duplair weggeworfen hat: ihm nahm Frankreich seine ungeheuren indischen Reichtümer und ließ ihn als ärmlichen, gebrochenen Greis in einer dunkelen Seitenstraße sterben. In der Erschaffung dieser „farbigen Armeen" muß man vier Perioden unterscheiden. Die erste fällt in die Zeit von 1830 bis etwa um 1900 herum. In dieser wurden eigentlich nur bie Vorläufer der heutigen, ungemein starken französischen Armee, Turkos und Zuaven, geschaffen, die mannigfaltige Veränderungen durchgemacht haben. Die zweite Periode ist die vor dem Weltkriege. In dieser erkennen wir den bereits stark durch- geführten Willen der Franzosen, eine große farbige Armee zu schaffen, die bei einem europäischen Fest- lanbsfriege Verwendung finden sollte. In der zweiten Periode stellte Frankreich zunächst in seinen Kolonien farbige Truppenteile auf, und zwar in Nordafrika 54 000 Mann in 9 Eingeborenen-Schützen-Regimen- lern — ben sogenannten Turkos — mit zusammen 39 Bataillonen und 4 Eingeborenen-Reiter-Regi- meutern, den sogenannten Spahis. In den übrigen Kolonien, Afrika, Madagaskar, Mozambique und I n d o ch i n a hatten sie 52 000 Mann in 64 Eingeborenen Bataillonen formiert. Die dritte Periode fällt in die Zeit des Welt- krieges. Nach Kriegsausbruch wurde sofort eine marokkanische Division gebildet und nach Frankreich auf den Kriegsschauplatz herangezogen, der sehr bald sieben erstklassige weitere Divisionen aus Nordafrika folgten. Bis zum Kriegsende hat Frankreick)t folgende farbigen Soldaten farbigen ober gemifchen Formationen auf den Kriegsschauplätzen verwendet: 173 000 Algerier, 80 000 Tunesier, 40 000 Marok- kaner, 181 000 Senegalneger, 41 000 Madagassen, 49 000 Jndvchinesen, 3500 Somalincger. Das macht zusammen als Kampffoldaten 567 500 Farbige, von denen 68 000 Mann gefallen ober vermißt sind. Zu diesen Kampffarbigen kamen noch 310 000 farbige Arbeitssoldaten, so daß die nunmehr endgültig feststehende Zahl der gesamten, von Frankreich verwendeten Farbigen sich auf 877 500 Mann beläuft. In der jetzigen vierten Periode haben die Franzosen, aufbauend auf die Erfahrungen des Weltkrieges bei der Neuausstellung und Formierung ihr Nachkriegsfriedensheer auf 700 000 Mann, davon 200 000 für die farbige Armee, festgelegt, und zwar Algerier 73 000, Tunesier 14 000, Marokkaner 17 000, West- und Aequatorial-Afrika 48 000, Indochina 18 500, Madagaskar 13 500, Syrien 6000 Mann. In Summa find also bei der Fahne rund 200 000 rein eingeborene Farbige. Nach Truppengattungen sind sie formiert in 31 nordafrikanische Tirailleur-Regimenter, 5 Saharakompagnien, 15 gemischte Kolonial-Jnfanterie- Regimenter, 2 farbige Kolonial-Infantereie-Regi- menter, 21 Kolonial Schützen-Regimenter, 11 selbständige Kolonial-Schützen-Bataillone und 5 selbständige Kolonial-Schützen-Kompagnien in zwe >i Bataillonen. An Kavallerie sind 13 reine Spatji-fRegimenter und zwei gemischte Reiter-Regimenter Vorhand n. Außerdem besitzen die Franzosen noch 9 Ma- schlnengewehr-Bataillone von Farbigen, die aber alle nebst 17 Tirailleur-Reaimentern und 4 Späh - Regimentern in 40 französischen Garnisonen längs ber verschiebenen französischen Grenzen auf bem Festlanbe liegen! Die Zahl ber somit in Frankreich liegenden farbigen französischen Soldaten kann man mit 60 000 Mann annehmen, zu denen noch 9 Ti- raiUeur- und 2 Spahi Regimenter kommen, die in Deutschland im besetzten Gebiet Verwendung fin- den und nach Abmarsch ber hierin nicht eingered)» rieten marokkanischen Division aus ber Pfalz noch immer mit etwa 12—15 000 farbigen Franzosen angegeben werben können, von benen aber oor- übergehenb immer roieber Truppenteile nach Marokko unb Syrien entfanbt werden. Deutsche, die ins alte Reichsland, z. B. nach Metz unb Straßburg im Elsaß kommen, mutet es eingenartig an, wenn sie z. B. farbige Vorgesetzte weiße französische Soldaten auf Wache in ben Festungstoren fommanbieren sehen. Ein Zeichen dafür, baß das französische Volk schon derartig entartet ist, bah es kein Rasseempsinben mehr hat. Der Teheraner „Brot-llrawall". Richt gerade zur unrechten Zeit wird über London auS Persien gemeldet, daß in der Residenz Riza Khans. des schneidigen Resor- mators. Unruhen ausgebrochen sind, b;e. obwohl sie ihre Ursachen in CScotfalamitäten haben sollen, nicht ohne politische Färbung sind. Richt zur unrechten Zeit deshalb, weil in Verbindung mit dem Sicherheitspakt die beiden Konkurrenten In Mittel- und Dorderasien, der russische Staat und daS britische Imperium, in drastischer Weise von sich reden machen. Die Gleichheit der Gegensätze zwischen den beiden im Osten russischen Beziehungen Hine nge'p. i d auch die russischen Hoffnungen auf e.ne allmähliche Verschlingung Persien» stark in den . -b gedrückt haben. Die Sowjet-Univ', batte sich von der Kündigung der alten Ukrträge ; 'dien Teheran und Öonbon sowie zw. scheu Zcbcran und der Zarenregierung ein H i n ü b e > s chw e n- f e n der persischen Entwicklung nach der Moskauer Seite versprochen. Wie es ihr aber in Afghanistan ergangen ist. toc dort die neue Regierung des reformierenden Emirs Qlina- nullab schließlich doch eigene Wege ging, ohne Rücksicht auf russische Gegenforderungen für Vertragsaufhebungen, so hat sie auch in Persien ein Fiasko nach d^m anderen erlitten. Der Drang des russischen Staates jeder Fasson nach den sprichwörtlich gewordenen ..natürlichen Grenzen" entpuppt iid> tagtäglich deutlicher auch bei den Bolschewisten als Imperialismus der gewöhnlich^en Marke. Die Londoner Meldungen über die Unruhen in Teheran wollen wissen, daß auf feiten der Aufständischen d e Sympathien der verdrängten persischen Dynastie seien, daß die russisch? Gesandtschaft in Teheran von Militär geschützt norden muß. Auch die bloße Andeutung solcher MDglich- feiten — die Berichterstattung aus jenen Tetten Asiens läßt noch immer manches zu wünschen übrig — beleuchtet die Lage sehr kraß. Die innerpolitische Lage Riza Khans zeigt sicherlich eine Reihe schwacher Stellen, an beneit Las Kabinett überaus leicht verwundbar ist. 'Roch bis heute ist es nicht zu einem Ausgleich zwischen den Anhängern des alten Qtci mes und den Freunden eines steten und sicheren Fortschrittes gekommen. Gesellen fio Einflüsse von außen her hinzu, so ist es nicht *r- wunderlich, wenn das Kabinett seine Armee ur Hilfe heranzieht. Belastend für diese trotz a ler Festigung noch unsichere Stellung ist die bolschewistische Propaganda, die sich aus den mittelasiatischen Gebieten Rußlands, über den Kaukasus und die persischen Häfen am Kaspischen Meer auf tausend Schleichpfaden nach Persien vordrängt. Auf der anderen Seite glauben die Engländer Grund zu der Befürchtung zu haben, daß sich auch in Persien da« afghanische Beispiel toieberbDlt. Rachdem ber junge afghanisch Emir 1919/20 das englische Protektorat von sich abgeschüttelt hatte, ging der Boykott alles c . gli- schen Interesses soweit, daß Amannlla Khan eigenhändig mit der Schere Löcher in die Anzüge seiner Beamten schnitt, toemi ihnen bi? englische Herkunft anzusehen war. Die Wirtse',sittliche und 8um Teil auch finanzielle Abhä.'.^gkeit Afghanistans von Indien aber schob be.i Emir allmählich auf den Weg der Kompromiss»', die für England aber so unbedeutend sind, daß es bis heute an dem Bestreben festhält, die Frvmde des alten afghanischen Regimes gegen Ama' (la Khan zu mobilisieren. Die Aufstände in jenen (Segenben. von denen man von Zelt zu Zeit Kenntnis erhält, finden fast immer ihre Erklärung in dieser Richtung. So sehr der persische Rachbar milden englisch- amerikanischen Interessen an Petroleum, Handel und Berkehr auch liiert ist, das Haudtrie! seiner vor Jahren begonnenen Umgestoktlmg. die g hl- mögliche Unabhängigkeit von den G oN- mächten, verliert er nicht au- dem A ige d-e fortschreitende Stabilisierung Persiens, b : Steigerung der persischen Äauftraft unb Pro on reizen das englische Kapital noch mehr dnu, feine Tätigkeit politisch zu intensiviere. D-mn das darf im Westen nicht überleben werden, daß die Staaten Border- und Mittelasiens ebenso toio die im fernen Osten auf dem Wege sind ist- ? iichustrielle Produktion so zu ftrigern. daß Fe nur in geringem Maße auf Me Ginfuhr ans dem AuÄand angewiesen sind. Wen -, solche PI ' z'm Teil auch noch in die Zukunft ceueren, so acht der englische Weitblick, daran doch nicht vorüber, Borbereitungen auf weite Sicht sind schon immer bai besondere Merkmal englischen Vordringens gewesen. Alle diese Vorgänge brauchten uns letzt, kurz vor einer der wichtigsten Entscheidungen im Westen, nicht sonderlich zu interessieren, wenn f:e nicht auch hinter den Kulissen der europä - schen Diplomatie mitsprächen. Hat doch de polnische Presse z. D. erst txr wenrn-n Dänen in pompöser Aufmachung erklärt. d'ß Polen dem russischen Drang nach Osten in ied-r Weile -Entgegenkommen woste ymal ia aruy d e russilch-f ran , ösifchen Interessen in Do der- und Mtttelasien gleich liefen. Kunst und Mffenst'st. Neuere archäolon sche " unde in Italien und Tripolis. Am nächsten Freitag w rd Professor Dr. Walter Amelung aus Rom über neuere archäologische Funde in Italien und Tripolis sprechen ls. den Qln^e G»nteif; Gs handelt sich, wie man uns mitteilt, um - eine ganze Reihe neuer Funde, d e vom 5. vorchr. Jahrhundert bis inS 3. nachchr. reichen, und um die sich daraus ergebenden Fragen. En ge D'nk- mäler, an die der Vortragende anknüptm w'rd, hat er selbst in den Magazinen des vatikanischen Museums, wo sie unter einer dicken Stautzschrcht verborgen schlummerten, in den Jahren 1921 und 1922 entdeckt. Andere sind in Tripolis zutage gekommen, wo die Italiener die alten Städte Leptis Magna und Gab rata ausgegraben haben, von denen sich unter dem schützenden Flugsand erstaunlich viel erhalten hat. — Prof. Amelung hat schon vor dem Kriege als unabhängiger Gelehrter in Rom lebend, der Wissenschaft von der antiken Kunst die größten Dienste geleistete Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind die zwei inhaltsschweren Doppelbände der Skulpturen im vatikanischen Museum und die durchgreifenden Neubearbeitungen von Helbigs Führer durch die Antiken-Sammlungen in Vom hervorzuheben. Gr hat lange als freiwillige Lehrkraft in Verbindung mit dem Deutschen archäologischen Institut in Rom gewirkt und jedem, der an ihn herantrat, aus der Fülle seines bis in die entlegenen Winkel des italienischen Antikenbestandes reichenden Wissens Unschätzbares mit- geteilt. Aach dem Frieden übernahm er dann unter den schwierigsten Umwänden die Leitung des altehrwürdigen Römischen Instituts und führt dieses hohe Amt zu Nutz und Ehre der deutschen Wissenschaft in freundschaftlichem Zusammenwirken mit den italienischen Fachgenossen. In G i e h en ist Prof. Amelung vielen durch die Vorlesung seiner formvollendeten Heber- setzung der Antigone des Sophokles bekannt, die im Jahre 1920 im großen Hörsaal der Universität stattsand und auf die zahlreichen Zuhörer einen gewaltigen Eindruck machte. Möge kein Freund der antiken Kunst die Gelegenheit versäumen, ihn zu hören. Der Ertrag des Vortrags ist für die F. G. Welcker-Samm- lung bestimmt. ___________ Der Steuerabzug vom Arbeitslohn ab 1. Oktober. Von Dr. Paul R u p r echt - Dresden. Die neuen Bestimmungen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn, die am 1. Oktober d. I. in Kraft treten, teilen die Einkommen der Arbeitnehmer in solche über und unter 8000 AM., von dem ein Betrag von monatlich 80 AM. oder jährlich 960 AM ohne Rücksicht auf die Gesamthöhe steuerfrei bleibt Diese Summe zerlegt das neue Gesetz in drei Teile: 1. das Existenzminimum von 600 AM., 2. je 180 AM. als Abgeltung für Werbungskosten bzw. Sonderleistungen. Diese Pauschbeträge können erhöht werden, toeim die Steuerpflichtigen den Nachweis von größeren Ausgaben für diese Zwecke erbringen. Als solche sind nach § 17 und § 56 Sink.-St.-Ges. anzusehen außergewöhnliche Belastungen durch Unterhalt oder Erziehung einschließlich Berufsausbildung der Kinder und der Steuerpflichtigen, durch Der- pflichtung zum Unterhalt mittelloser Angehöriger. durch Krankheit, Körperverletzung, Verschuldung, Hnglücksfälle u. dgl Wie bisher, so sind auch künftig A^üge von dem dem Steuerabzug unterliegenden Einkommen für die Ehefrau und die minderjährigen Kinder des Steuerpflichtigen zulässig. Dieser durchaus richtige Grundgedanke hat in den neuen Bestimmungen eine Verfeinerrmg dadurch erfahren, daß man das bisherige System der prozentualen Sozialabschläge mit dem der festen Ermäßigungen kombiv'ert hat. Nach dem System der festen Ermäßigungen bleiben folgende Beträge steuerfrei: a) f. d. Ehefrau b) f. b. 1. Kind c) f. d. 2. Kind d) f. d. 3. Kind e) f. d. 4. und jed. folgende Kind Reichsmark 120.— 10 — 2.40 0.40 0.10 120— 10.— 2.40 0.40 0.10 240.— 20.— 4.80 0.80 0.20 480.— 40.— 9.60 1.60 0.40 c s o K :O o 600.— 50.— 12.— 2.40 0.50 Das prozentualeShstem besteht darin, daß außer dem sonst steuerfreien Betrag von 960 AM. n o ch ein Abzug von je 10 Proz. für die Ehefrau und jedes minderjährige Kind zu- . lässig ist. Zum leichteren Verständnis mögen beide Systeme an je einem Beispiel aus der Praxis ddrgestellt werden. Beispiel für feste Abschläge: * Bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit »drei minderjährigen Kindern und einem Iahres- arbeitslohn von 3000 Am. stellt sich danach das ;Bild folgendermaßen: 3000 AM. abzügl. 960 AM. f. d. Steuerpflichtigen 120 „ „ die Ehefrau 120 ., das 1. Kind 240 „„ „ 2. Kind ___________________480 „ „ 3. Kind_______ 3000 AM. — 1920 AM. = 1080 AM., wovon 10% — 108 AM. Steuern zu entrichten sind. Beim prozentualen System ergäbe sich folgendes Bild: 3000 Am.— 960 Am. = 2040 Am., wovon je, 10 Prozent für die Frau und Kinder, also 4X10 Prozent von 2040 = 816 Am. abgehen, so daß 1224 Am. mit 12 2,40 Am. zu versteuern wären. Wenn der Steuerpflichtige aber anstatt 3000 Am. an Lohn 3720 Am. bezieht, bann ist nicht das System der festen, fonbem das der prozentualen Abzüge für ihn günstiger, wie folgende Berechnungen zeigen: 3720 AM. — 960 = 2760 AM. abzüglich 4X10% von 2760 = 1104 „ 1656 AM. hiervon 10% Steuer — 165,60 AM. Bei Anwendung der f e st e n Abzüge dagegen wären wie vorhin 1920 Am. von 3720 Am. abzuziehen und von dem Rest von 1800 Am. 10 Prozent Steuern, also 18 0 R m. zu bezahlen. Ob im einzelnen Falle das eine ober andere System anzuwenden ist, richtet sich danach, welches Sy st em in seiner Gesamtheit für den Arbeitnehmer günstiger wirkt. Es ist also nicht zulässig, für einzelne Familienangehörige das System der prozentualen rermäFiinurTqen. für die übrigen Familienangehörigen das System der freien Abzüge anzuwenden, wie die hierzu vom Reichs- finanzministerium herausgegebenen Merkblätter sagen. Das System der f e st e n Abzüge wirkt günstiger bei niedrigerem Lohneinkommen: das System der prozentualen Ermäßigungen wirkt günstiger bei höherem Lohneinkommen. Es ergeben sich je nach dem Familienstand bestimmte Schnittpunkte. Für Lohneinkvmmen, die unter dem Schnittpunkt liegen, ist das System der festen Abzüge, für Lohneinkommen, die über dem Schnittpunkt liegen, ist das System der prozentualen Ermäßigungen anzuwenden. Für Lohneinkommen, die im Schnittpunkt selbst liegen, liefern beide Systeme oasselbe Ergebnis. Die ein einen Schnittpunkte je nach dem Familienstand ergeben sich aus einer vom R. F. M. her- ausgegebenen Tabelle. Hat beispielsweise ein verheirateter Arbeitnehmer mit vier minderjährigen Kindern ein monatliches Gehalt von 340 Rm., so führt das System der prozentualen Ermäßigungen und das System der festen Abzüge zum gleichen Ergebnis. Bezieht dieser Arbeitnehmer aber nur 300 Am. monatlich, so kommt das System der festen Abzüge zur Anwendung: bezieht er dagegen 400 Am. monatlich, so kommt das System der prozentualen Ermäßigung in Betracht. Es kann sonach bei den verheirateten Arbeitnehmern und bei den verwitweten Arbeitnehmern, die Kinder haben, an der Hand der Tabelle feftgestellt werden, welches System anzuwenden ist. Von dem unter Berücksichtigung dieser Abzüge errechneten Betrage sind bei Anwendung der festen Sozialabschläge 10 v. H. als Steuer abzuführen. Das prozentuale System kommt — wenn auch auf ilmtoegen, die das genannte Merkblatt erklärt, und wie es bei dem angeführten Beispiel gezeigt worden ist —, zu der gleichen Kürzung. Deshalb sagt auch das Reichs- ftnanzminästerium an dieser Stelle: „Praktisch bedeutet demnach die Regelung in dem neuen Einkommensteuergesetz gegenüber dem bisherigen Rechtszustand — abgesehen von dem Wegfall der Ermäßigung von 2 v. H. für das zweite bzw. dritte minderjährige Kind — keine Aenderung. Es empfiehlt sich daher, zur Vermeidung von Irrtümern das alte System bei der Steuerberechnung auch weiterhin anzuwenden." Besonders geregelt wird in den neuen Vorschriften noch die Besteuerung von Akkord- und Heimarbeitern, die nur nach dem Erfolg der Arbeit und ohne Rücksicht auf die dazu verwendete Zeit bezahlt werden. Der Kreis dieser Arbeitnehmer aber ist zu beschränkt, um hier näher darauf einzugehen. Während aber, wie bereits gesagt, die Erhebung der Lohnsteuer nach den hier dargelegten Vorschriften erst vom 1. Oktober ab erfolgt, ist eine für manche Arbeitnehmer wichtige Bestimmung schon am 2 9. August in Kraft getreten; sie besagt folgendes: „Gibt ein Lohnsteuerpflichtiger seinen Wohnsitz in Deutschland auf, so unterliegt fein Arbeitslohn nicht dem Steuerabzug." Ein Arbeitnehmer z. D., der von seiner Firma auf eine ihrer aus- länbifdjien Betriebsstellen geschickt wird und dort seinen Lohn erhält, ist vom Tage des Antritts dieses Dienstes an, nicht mehr dem Lohnsteuerabzug unterworfen, bis auf etaxiige Nachzahlungen, die ihm auf Grund seiner im Inland geleisteten Dienste überwiesen werden. Eine weitere Erleichterung für den Arbeitnehmer bringen die neuen Vorschriften für den Lohnsteuerabzug mit der Neuordnung der Steuerpflicht für D i e n st a u f w a n d s- entschädigungen u. dgl., wofür die Zweite Steuernotverordnung bekanntlich höchst rigorose Bestimmungen gebracht hatte, die lebhafte Proteste der davon betroffenen Kreise hervorgeru- sen hatten. Sie hatten dahin geführt, daß jetzt Dienst aufwandsentschädigungen steuerfrei bleiben, soweit sie ihrer Höhe nach nachaewiesen sind, oder ihrem Umfange nach die tatsächliche Aufwendung offenbar nicht übersteigen. Als Maßstab dafür sollen bei den im Privatdienst stehenden Angestellten die den im Reichsdienst stehenden Beamten mit dem entsprechenden Einkommen zugebilligten Entschädigungssätze anerkannt werden. Es ist kaum anzunehmen, daß sich mit einem solchen Spartanertum die Interessen von Handel und Industrie vereinbaren lassen. Es fehlt der Raum, um an dieser Stelle ausführlich auf die Fälle der hierfür gegebenen Bestimmungen cinzugehen. Es sei deshalb nur gesagt, daß sich der Arbeitgeber, wenn er die Spesen steuerfrei auszahlen will, den Dienst- aufwand im einzelnen nachzuweisen oder etwaige Pauschalentschädigung so bemessen muß. daß offenbar die wirklichen Ausgaben nicht überschritten werden. Die hier geschilderten Abzüge sind aber nur zulässig bei Gehältern oder Löhnen, die 8 000 Am. mit sonstigen Einnahmen im Jahre nicht übersteigen. Für die über diesen Betrag hinausgehenden Einkommen findet die ordnungsmäßige Veranlagung nach den gestaffelten Sätzen der Cinkommen- fteuer aus Grund einzureichender Steuererklärungen statt. Diese sind auch von den Steuerpflichtigen, "deren Gehalt oder Lohn unter 8000 Am. bleibt, einzureichen, wenn sie neben den Einnahmen dieser Art noch anderweitig mehr als 500 Rm. jährlich verdienen. Obwohl die sozialen Erleichterungen bei den über 8000 Rm. hinausgehenden Gehältern nicht mehr plahgreifen, so hat der Arbeitgeber doch den Steuerabzug vom gesamten Gehalt vorzunehmen. Wenn das Gesamturteil ü'oer die hier besprochene Neuregelung des Lohnsteuerabzuges auch nur anerkennend lauten kann, so darf doch nicht verschwiegen werden, daß darin eine den Absichten des Gesetzgebers widersprechende und wohl infolge Heberlaftung des Reichstags übersehene Härte liegt. Während nämlich die neuen Vorschriften für die kleinen Einkommen eine Ermäßigung und für die meisten anderen wenigstens keine Erhöhung zur Folge haben, tritt letztere bei allen Arbeitnehmern, die mehr als 280 Rm. monatlich verdienen und drei oder mehr Kinder haben, ein. Wer z. B. 430 Rm. hat, muß künftig bei 3 Kindern 42 Rm., bei 4 Kindern 78 Am. und bei 5 Kindern 102 Am. jährlich mehr Steuern zahlen wie bisher. Diese im Drange der Geschäfte sicherlich übersehene Folge .der neuen Vorschriften steht so sehr im Widerspruch zu der Absicht des Aeichstags, das Kinderprivileg zu verstärken, daß anzunehmen ist, daß er nach Beendigung feiner Serien eine diese Ungerechtigkeit beseitigende Gesetzesänderung herbeiführen wird. Das ist um so wahrscheinlicher, als am 3. ds. Mts. ein Gesetz herausgekommen ist, das geradezu eine Erhöhung der Steuerabzüge für kinderreiche Familien vorschreibt, toertn die Einnahmen aus der Lohnsteuer in zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren 600 Millionen Mark überschreiten. Schöffengericht Wetzlar. fi Wetzlar, 28. Sept. Der Walzer I. W. aus Kinzenbach wird wegen Sittlichkeitsverbrechens cm feiner minderjährigen Stieftochter, deren Vormund er zugleich war, zu 8Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Ülnter- suchungshast verurteilt. Wegen Verbrechens im Amte hat sich der Rangiermeister D. aus A l l e n d v r f zu verantworten. Als Eisenbahnsekretär war der Angeklagte Verwalter der Stationskasse in Haiger und hatte auch die Besoldungen der Bahnbeamten auszuzahlen usw. Im Laufe der Zeit hat es der Ang-lllagte verstanden, durch allerhand Ma- nipulationen, falsche Buchungen usw. Geldbeträge zu unterschlagen und im eigenen Nutzen zu verwenden. Der Gesamtbetrag der Veruntreuungen beläuft sich auf nahezu 5000 Mk. Der Angeklagte ist im vollen älmfange geständig, bereut tief feine Tat und verspricht, die Reichsbahnverwallung schadlos zu halten. Er bringt zu seiner Entschuldigung hervor, daß er den an ihn gestellten Forderungen nicht gewachsen war, zumal er vordem eine Kasse noch nicht verwaltet hatte, daß bei der Umstellung auf Goldmark er ein verhältnismäßig hohes Defizit zu verzeichnen hatte und von diesem Zeitpunkte an in ungeordnete Verhältnisse geraten ist. Das Gericht billigt dem Angeklagten mildernde Hmftänbe zu, bringt aber andererseits zum Ausdruck, daß, um den deutschen Deamtenkörper rein zu halten, solche Verbrechen nicht gering zu ahnden sind. Es erkennt auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Der Angeklagte hat von dieser Strafe zunächst drei Monate zu verbüßen. Führt er sich während der ©trafgelt gut, dann wird ihm für den Rest der Strafe eine Dewährungsfrist von drei Jahren bewilligt. Ferner spricht das Gericht dem Angeklagten auf die Dauer von drei Jahren die Fähigkeit ab, öffentliche Aemter zu bekleiden. Die beiden Einbruchsversuche in die Post- agentur in Hochelheim, über die seinerzeit berichtet worden ist, fanden in der heuttgen Verhandlung ihre Sühne. Aus derUntersuchungs- haft vorgefuhrt, erscheint der Arbeiter H. St., der trotz seiner Jugend — er ist 24 Jahre alt — schon zweimal erheblich wegenEigentumsvergehens vorbestraft ist. Trotzdem er die letzte Strafe, für die ihm Dewährungsfrist bewilligt war, noch nicht verbüßt hat, ist er doch wieder auf die abschüssige Bahn gelangt. Außer den beiden Einbruchsversuchen in die Postagentur werden dem Angeklagten noch ein weiterer Einbruchsversuch und vier vollendete Einbruchsdiebstähle zur Last gelegt. Von diesen gibt er nur zwei zu, wo er seine eigene Schwester und deren Ehemann^ bestohlen hat; im übrigen bestreitet er die Täterschaft- Da Schwester und Schwager des Angeklagten feinen Strafantrag gestellt haben, erfolgt bezüglich dieser Diebstähle Einstellung des Verfahrens, bezüglich der anderen Diebstähle in die Postagentur Hochelheim ergibt die Verhandlung folgendes: In der Nacht vom 16. zum 1Z. IE stieg der Angeklagte gegen 2 Uhr durch bc® offene Kellerfenster der Posthilfsstelle ein unft gelangte auf diese Weise in das Haus. In dem Postzimmer durchsuchte er alles und versuchte mit einem spitzen Gegenstand das Stahlgelaß im Postschrank gewaltsam zu offnen. Dies gelang ihm jedoch nicht, und der Angeklagte begab sich in daS im ersten Stock des Hauses befindliche Schlafzimmer des Posthalters, um dort nach den Schlüsseln zum Postschrank zu suchen. Er fand sie aber nicht und flüchtete, als er merkte, daß der Posthalter erwacht war, unerfarmt. Der Angeklagte ließ sich jedoch nicht abschrecken und wiederholte zehn Tage später in der Nacht vom 26. zum 27. Juni das Einbruchsmanöver. Wieder durch den Keller gelangte er in das Innere des Hauses, begab sich gleich in das erste Stockwerk, wo er sich auf einen Sack niedersetzte, als ein Kind zu weinen crnsing. Das war ihm jedoch zum Verhängnis geworden, denn er schlief in dieser Stellung ein und wurde am anderen Morgen von bem Posthalter erwischt. Das Gericht sieht als erwiesen an, daß der Angeklagte es in beiden Fällen auf die Postkasse abgesehen hatte. Das Urteil lautet auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus: 1 Monat Untersuchungshaft geftmgt zur Anrechnung. Amtsgericht Wetzlar. Q Wetzlar, 28. Sept. Vor dem Einzelrichter kamen folgende Fälle zur Verhandlung: Die Geschwister F. aus Krofdorf hatten einen amtsrichterlichen Strafbefehl über je 20 Mk. Geldstrafe erhalten, well sie in ihrer Gastwirtschaft alkoholische Gettänke (Bier) an Personen unter 16 Jahren zum eigenen Genuß verabfolgt hatten. Die Angeklagten hatten gegen diesen Strafbefehl Einspruch eingelegt, da ihnen die Geldstrafe zu hoch erscheint. Das Gericht ermäßigt diese auf jtz 10 Mk. Unter dem Vorwurf, 5 Pfund Landbutter einer hiesigen Gastwirtsfrau entwendet zu haben, hat sich der Elektriker R. aus Wetzlar zu verantworten. Der Angeklagte bestrettet den Diebstahl an sich nicht, will aber an jenem Tage derart sinnlos betrunken gewesen sein, daß er nicht wußte, was er tat. Das Gericht rechnet dem Qlngeflagten die Trunkenheit mildernd an und erkennt an Stelle einer Gefängnisstrafe von 15 Tagen auf eine Geldstrafe von 75 Mk. Der Arbeiter B. aus Wetzlar hat sich wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfälle zu verantworten. Am 5. Juni kam der Angeklagte stark angeheitert in eine hiesige Gastwirtschaft, wo er beim Fortgehen vom Kleiderhalter ein Jagdgewehr mitnehmen wollte. Der Eigentümer deS Gewehrs folgte ihm jedoch und nahm ihm die Waffe wieder ab. Der Angeklagte gibt an, an jenem Tage viel getrunken zu haben. Als er feststellen mußte, daß er sein Geld fast völlig verzecht hatte, habe er in der Verzweiflung nach dem Gewehr gegriffen, um sich damit zu erschießen. Eine diebische Absicht hierbei gehabt zu haben, bestrettet der Angeklagte. Aach das Gericht glaubt, daß der Angeklagte, der als alter „erfahrener Fachkenner" sicher anders gehandelt haben würde, wenn er das Gewehr habe stehlen wollen, in diesem Falle dies nicht hat tun wollen und spricht den Angeklagten frei. Dem Ziegelmeister R. aas Wetzlar, Ver- treter S. auS Schwalbach und Arbeiter H. aus L a u s d v r f wird zur Last gelegt, im Februar 1924 ohne polizeiliche Genehmigung im Besitz von Sprengstoffen (Romit) gewesen za fein. Die Angeklagten behaupten aher, daß es sich hier nicht am Romit, fonbern um Schwarzpulver gehandelt hat, das der Angellagte H. zum Aus- toben von Wurzeln im Walde benutzt hatte. Die Angaben können den Angellagten nicht widerlegt werden. Da Schwarzpulver aber nicht za den Sprengstoffen im Sinne des Sprengstoffgesehes gehört, maß Freisprechung erfolgen. ,.s Aerger darüber, daß er selbst angezeigt worden ist, hat der Landwirt M. den Arbeiter H. auch angezeigt: und zwar sollen die Hühner des H. ohne Sicherung und Aufsicht herum- gelaufen sein und auf fremdem Eigentum Schaden angerichtet haben. Die Polizeiverwaltung Ehringshausen hat auf Grand dieser Anzeige dem Angellagten eine Geldstrafe von 5 Mark zu- diktiert. Hiergegen hat der Angeklagte Antrag auf gerichtliche Entscheidung gestellt und jegliche strafbare Handlung bestritten. Da auch nicht einmal der Anzeiger unter seinem Eide behaupten kann, daß die fremden Hühner, die in seinem Garten herumliefen, dem Angellagten gehörten, muh Freisprechung erfolgen. Turnen. Sport und Spiel. Qfyort tit Wetzlar. tz. Die Herbstveranstaltungen des Verbandes für Leibesübungen des Kreises Wetzlar ging mit der Durchführung der Hauptstaffel am vergangenen Sonntag in 9 Klassen vor sich. Den Löwenanteil der Erfolge errang der Wetzlarer Fußball- club von 1905, der mit sechs Mannschaften (= 70 Läufern) teilnahm und die Hauptstaffel mit 20 Läufern über 500 Meter „Durch Wetzlar" mit zirka 200 Meter Vorsprung in der guten Zeit von 12! Minuten gewann. Ebenfalls blieb er in der Klaffe der 2. Mannschaften und in den beiden Jugendklassen jeweils vor der deutschen Jugendkraft und dem Ballspielklub siegreich. Der Ruderver - ein Wetzlar gewann die Staffel der nicht Athletik treibenden Vereine, und in der Landvereinsttasse siegte der Turnverein Braunfels. Trotz des schlechten Wetters ging die Veranstaltung glatt von- fiaten. Die Zuschauer beliefen sich in die Tausende. Oie Lichtwirtschaft lehrt, wie man die dem licht innewohnenden wirtschaftlichen und kulturellen Kraste nutzbar macht. Sie will dem Verbraucher von licht zeigen, wie mit richtig angewandtem Licht Produktion, Absatz, Sicherheit des Verkehrs und Behaglichkeit gesteigert werden. 3 Der gefesselte Strom. Qtoman von Hermann Stegemann. 22. Fortsetzung (Nachdruck verboten ) Lylander lehnte im verstellbaren Lehnstuhl. Sein kräftiges Gesicht verriet nicht» von einer Krankheit. Ein ironisches Lächeln zuckte in feinen Mundwinkeln, als er Hanns begrüßte. „Lehen Sie nur. wie schön meine Selbstbinder sind, Fräulein Engelhardt! Herr Ingold hat den Knoten so schön geschlungen, wie Harrt, Walden. Und mir legt man einen Strick um den Hals." Er blickte aus seine starken weihen Hande, die kraftlos auf den Armlehnen lagen, unfähig, etwa- zu verrichten, was Geschicklichkeit verlangte. Er war deshalb auch gezwungen, allein zu speisen. ..Die Selbstbinder werden nicht aus dem Gebrauch kommen und sogar die Farben noch m der Mode sein, wenn Sie wieder selbst den 'enoten machen," erwiderte Ruth lächelnd. .Gnädiges Fräulein, haben Sie eine Ahnung! 3;e Dinger hab' ich im März geschenkt bc- fommen von Mama. Kurz vor dem Knacks. Und letzt gebt'» in den August. 3n der Mode sind He schon heute nicht mehr." ..Davon haben wir in Rheinau allerdings leine Ahnung. Herr Tylander," entgegnete sie mit gespieltem Ernst. Hanns sah mit Erstaunen, wie heiter und gewandt sie sich gab. Ihr Wesen schien über Rocht zu voller Reife aufgeblüht zu fein. Die herbe Zurückhaltung war wie eine Fessel von ihr gefallen. Auch Thlander empfand den starken Reiz und die sinnliche Wärme, die heute von Ruth auSstrahlten. ES war der erste Tag, an dem er nicht unter dem Dann litt, in den ihn der elektrische Strom geschlagen hatte. Hanns Ingold spürte den Hauch der Zeit, als Tylanber von dem groben Betrieb erzählte, aus dem er jäh herausgerissen worden war. Und plötzlich begann ihm der Boden unter den Füßen zu brennen. ..Sehen Sie sich unsere Werkstätten einmal an, wenn Sie der Weg nach Berlin führt," sagte Tylander. „Sie hoben ja in Amerika die Sache im größten Ausmaß kennen gelernt, aber an Intensität und Anspannung nehmen wir eS schon lange mit den Amerikanern auf." Er sprach jetzt bestimmt und klar, auf der hohen crtirn, von der die Haare schon zurück- flohen, stand die scharfe nervöse Falte des rasch disponierenden DeschäflSherrn Einen Augenblick reckte sich der Industriekapitän auS seinen Worten, von dem Engelhardt seiner Tochter gefabelt hatte. Bon dem Schiffbruch, den Ingold in der Heimat gelitten hotte, wußte er nichts. Zu den Patienten von St. Iofeph war davon kaum ein Widerhall gedrungen, und Engelhardt und Ruth fchwiegen darüber. „Die kleine Co will Sie noch einmal sehen. Herr Ingold," sagte Ruth und begleitete ihn auf dem Wege zu Co. die am Pfirsichspolier auf dem Ciegestuhl ruhte. Ihre Mutter wurde in wenigen Togen von ihrer Schweizerreise zurück- erwartet. ..Ist Ihnen dos erste Rhein bad gut bekommen?" fragte HannS fic heiter, um ihr zu Helsen. Aber sie war gar nicht verlegen „Gs ist mir nur noch ein bißchen eklig im Magen und ich fall' noch manchmal wie von der Schaukel, aber ich danke Ihnen trotzdem viel-, vielmal, Herr Ingold, daß Sie mich herausgeholt haben." Er ergriff ihre schmalen Finger und bekam einen sportmäßigen Handdruck zu spüren, daß sein Handgelenk knackte. Da mußte er lachen. „Ich habe Sie ja gar nicht herauSgeholt. Mein Baier hat Sie im Reh gefangen, Fräulein Co." Er erzählte ihr und Ruth den Hergang und schloß: „Wenn jemand ein Berdienst um Ihr Ceben bat, Co, dann ist es der Tater. Aber sagen Sie ihm ja nichts davon, er hat seine eigene Rechnung mit dem Rhein " Ruth bückte sich über das Mädchen, das schon einen zarten Anflug frischer Farbe auf den durch- fichtigen Wangen hatte. „Wir schreiben ihm zusammen einen lieben Brief, Co. Lind mit der Ciegehir machen wir bald ein Ende. Aber du mußt mir versprechen, nicht mehr allein an den Rhein zu gehen. Ber- sprich mir'S." Plötzlich zitterte die ganze Angst und Aus- regung, die sie heule morgen ausgestanden hatte, in ihrer Stimme. ..Ich war ja gar nicht schuld. Der Iunge hat nicht oufgepaßl." rief Co heftig und verleugnete Hermann, „ich wollte überhaupt nicht mit ihm gehen." Hann» zog die Brauen zusammen, doch Ruth blickte ihn bittend an. Da gab er Co die Hand zum Abschied. „Morgen lind Sie wieder so gesund wie ein Fisch im Wasser — Pardon — das hätte ich nicht sagen sollen." Sie reichte ihm zögernd die Finger. Es zuckte um ihren Mund, als sie leise fragte „Wo ist er denn?" „Wer?" „Der — Hermann Ingold," stieß fic hastig hervor und wurde rot. Hanns und Ruth blickten sich an, und ein weiches Licht erschien in ihren Augen. Die unschuldige Frage des Kindes rührte sie, und alle Geheimnisse und Erinnerungen ihrer Iugend sprangen plötzlich wieder auf. eine große selige Freude ließ ihre Herzen schneller schlagen, unwillkürlich sanden sich ihre Hände und vereinigten sich in einem Druck, der sie bis ins Innerste durchdrang. „Der findet den Weg sicher zu dir zurück," sagte Ruth weich und begleitete dann den Geliebten bis zum Tor. „Leb' wohl, Ruth! Der Rhein ist mir heut' über dem Kopf zusammengeschlagen und ich bin trotzdem obenauf geblieben. Es war keine Heldentat Wir tennen uns, die grüne Fluter und die Ingolds. Ich komme wieder, und ich sprenge den Lausfen und baue das Werk, bau's. weil ich muh, weil es an den Tag will. Der Rhein rauscht nicht so laut, wie mir der Gedanke im Blut rauscht, Ruth, und nun ich dich habe, ist mir so leicht, so siegesgewiß! Sie haben mir nicht die Rippen gebrochen und die Energie gestohlen, aber freudlos hatten sie mich gemacht, gemein schien mir gestern noch, was ich angriff, weil sie es mir schlecht gemacht hatten. Aber bann hast du mit deiner Liebe mich wieder frei und früh gemacht!" Er küßte ihr kn raschen Antrieb die Hände. HannS. ich weiß nicht, wie eS gekommen ist. aber als alle gegen dich aufftanben. da hat eS mich zu dir blnübergeriffcn. Da beb’ ich nur noch wie du. nur noch für dich gedacht. Spreng' den Lausfen, stürz' alieS um. mach' mit uns. waS du willst, ich fühl's. daß du mußt!" „Und du hälft zu mir, du wartest auf mich, Ruth?" „Zu dir gegen alle, und ich warte, diesmal wart' ich, und wenn eS wieder sieben Jahre dauert." Sie lächelte bei dielen Worten, aber ihre Seele war von dunklen Ahnungen beschwert, und als er antwortete, in sieben Iahrcn stände daS Werk und sie wäre längst seine Frau, da wurde ihr plötzlich die Gewißheit, daß sie ihn noch nicht besah und daß der Kamps um ihre Liede erst begonnen hatte. Er ging, und sie blieb zurück. Sie lab ihn rasch auSschreiten und quer über seine Wiesen und Aecker den Feldweg gewinnen, um Zeit zu sparen. Zwei Stunden später fuhr Hannv Ingold, ohne seinen Tater und seinen Bruder wieder geleben zu haben, an St. Iofeph vorbei, und nahm seinen Plan, das gewaltige Raturdenkmal der Rheinschnellen zu vernichten, den Frieden der Landschaft zu zerstören, und dadurch auch den Fischern die Wasserweide zu rauben, und die Kuranstalt des Doktor Engelhardt dem Untergang preiszugeben, mit sich in die Ferne. Ruth Engelhardt verschwieg ihrem Tater, bah Hanns nicht auf feine Plane Verzichter hatte. Er glaubte, wie die Rheinauer alle, der tolle, phantastische Gedanke sei wie eine Seifen« blafe schillernd emporgestiegen und zerplatzt Unb die Tage spannen sich wieder still und ruhig ab, Kurgäste kamen und gingen, Geldsorgen brückten unb würben von einer Schulter auf bie anbere gewälzt, der Sommer bräunte die Sichren unb färbte das Obst, unb lauter oder leiser, je nach bem Stand des Wassers, sang der Rhein sein rauschendes Lied. (Fortsetzung folgt.) Klnderzeltung .Der kleine (Toro* ober ble Lachreitung .Fips" gratis 145 Wie spart man das halbe Äuttergeld ohne 25utter entbehren zu müssen? Antwort: Man kaufe „Rahma butterq1eich"! ,:Rabma Margarine buttergleich" ist ein Edelerzeugnis, zu dem feinste Frischmilch venvendet wird. Oie , Jkbnu' kann sich in bezug aus Nähr, wert und edlen Wohlgeschmack der feinsten Lutter an die Seite stellen, ist aber noch nicht einmal halb so teuer wie diese. ^2 Pfund nur 50 Pfennig. 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Aach einer amtlichen Veröffentlichung studierten im Winter-Semester 1924/25 an den deutschen Hochschulen insgesamt 9685 Ausländer. Am zahlreichsten sind darunter die Bulgaren vertreten, deren Zahl 1924 betrug. Es folgen dann Rumänien, die Tschechoslowakei, und Rußland. Der größte Prozentsatz an ausländischen Studenten stammt überhaupt aus den östlichen Ländern. t: = 5 K _ die die be- hinzu — lauteten: Vivant Faciles Vivant Vivant Faciles ts h 5"$ licher Weise getan hatten. Jetzt haben wir wieder den gleichmäßigen Pendelschlag erreicht: die neuen ziemlich sein antikes Ansehen behalten, obgleich einige Verse ganz weggelassen sind, wodurch der Wohlstand beleidigt wurde und welche nach den akademischen Gesetzen nicht öffentlich abgesungen werden dürfen." So erhielt denn das Lied die Fassung, in der es noch heute und wohl für alle Zeiten von alten und jungen Akademikern gern und begeistert gesungen wird. Zum Schluß seien noch einige Angaben über das Leben des Magister Kindleben gemacht. Im Jahre 1748 in Berlin als Sohn eines Hand- toerferd geboren, bezog er im Oktober 1767 die ülniversität Halle, um hier Theologie zu studieren. Rach Beendigung des Studiums war er zunächst als Hauslehrer tätig, wurde 1773 Pfarrer in Kladow bei Potsdam, mußte sein Amt indessen bereits nach drei Jahren wegen einer unsauberen Weibergeschichte aufgeben. Cs folgte eine unstete Hauslehrertätigkeit, bis er 1778 bei dem bekannten Philanthropen Basedow in Dessau unterkam, wo jedoch infolge seines liederlichen Lebenswandels seines Bleibens auch nicht von langer Dauer war. Rach kurzem Aufenthalt in Leipzig und Berlin erwarb er 1779 in Wittenberg den Titel eines Magisters und Doktors und lieh sich zu Anfang des folgenden Jahres in Halle nieder, wo er mehrere moralische Wochenschriften herausgab und einen Roman „Leben und Abenteuer des Küsters von Kummersdorf Willibald Schluterius", ein Gegenstück zu Jacobis „Sebaldus Rothanker", veröffentlichte. Im April 1781 habilitierte er sich nach großen Schwierigkeiten in der philosophischen Fakultät der Tlni- versität Halle, mußte diese inMfen bald wegen! der von ihm herausgegebenem sicherlich zu Än- reckt von der preußischen Regierung beanstandeten und konfiszierten „Studentenlieder" verlassen. Gr ging nach Leipzig, sank von Stufe zu Stufe und ist um das Jahr 1785 — wo, läßt sich nicht nachweisen, vielleicht in Dresden — gestorben. Das Volk der Deutschen nicht untergehen. „Alle Zeitalter, alle Weisen und Guten, 8 Farbe in die Schule! Von Dr. Hermann Dreyhaus. Ubi sunt qui ante nos Venies ad tumulos, Cineres et vermes sunt, Surge, surge, vigila in hoc mundo fuere? si eos vis videre. Garnes computruere. semper esto paratus. Woher das heutige Eingangswort „Gaudeamus“ stammt, ist bisher noch nicht nachgewiesen. Jedenfalls gab es bereits im 15. und 16. Jahrhundert Trinklieder, die mit „Gaudeamus“ begannen. Erich Schmidt nimmt an, daß der Anfang der Liedes einem Weihnachtsltede aus dem 15. Jahrhundert nachgebildet ist. welches also endet: „Gaudete, gaudete. Gaudeamus, iocundemur itaque.“ Die älteste bekannte Fassung des Liedes findet sich in einem handschriftlichen Studentenliederbuche, daS um daS Jahr 1740 von dem Baron Ernst Friedrich von Crailsheim auf der Tlniversität Altdorf zusammengestellt ist. Hier folgt, wie es dann auch Kindleben tat, jeder lateinischen Strophe eine entsprechende deutsche Hebersetzung in Reimen. Das Lied bestand indessen damals nur aus folgenden drei Strophen: Gaudeamus igitur luvenes dum^umus! Post molestam senectutem Nos habebit humus. Ubi sunt qui ante nos In mundo vixere? Abeas ad tumulos Si vis hos videre. Vita nostra brevis est, Brevi finietur; Venit mors velociter Neminem veretur. LZ 5 .... die jemals auf dieser Erde geatmet haben, alle ihre Ge- danken und Ahnungen eines Höheren umringen euch und heben flehende Hände zu euch auf; selbst, wenn < c erst bewiesen zu werden. Deshalb bietet die Notwendigkeit der Erneuerung des Anstriches eine Gelegenheit zur Anbringung von Färben, die der Jugend entgeqensprechen, ohne besondere Kosten zu verursachen. Dadurch wird der kasernenhafte Charakter so vieler Schulen vermieden und vor allen Dingen die Freude des Schülers an dem Raum unb dem Gebäude, wo er einen erheblichen Teil seines Für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Speslalknranatalt Hol- heim i. Tannas bei Fra kfurt a M Behagl. eingerichtet vorzügliche Verpflegung (auch Diät-Kuren). Mäßige Preise Prospekt durch I>r. M. Schulze-KahleyHR, Nervenarzt. Wie wir sehen, enthält hier jede Strophe nur vier Verse. Der fünfte Vers wurde später dadurch gewonnen, daß -nach der beim Gesang wiederholten dritten Zeile jeweils eingefügt wurden „post exactam iuventutem“ bzw. „transeas ad superos“ bzw. „rapit mors atrociter“. So ist uns das Lied überliefert durch ein Jenenser Blatt aus dem Jahre 1776. Hier ist das Lied auch schon auf sechs Strophen angewachsen. Die vierte beginnt wie heute: „Vivat academia“, schließt aber „vivant nutritores“. („Dies ist der' offizielle Titel der fürstlichen Pfleger der herzoglich sächsischen Gesamtuniversität Jena", wie der eingangs erwähnte Durdach erläutert.) Die beiden folgenden Strophen — Kindleben fügte dann noch eine siebente, heute an sechster Stelle stehende Das steht nirgendwo geschrieben. Vielmehr weiß jeder, daß alle Klassenrmunen nach Lage im Gebäude, insbesondere aber durch die Schüler, die sie besuchen, einen eigentümlichen Charakter haben. Warum bringt man den nicht zum Ausdruck?! Der Sextaner liebt eine andere Umgebung als der Tertianer oder Primaner. Man gebe jedem das Seinige! Die Sorge um den pädagogischen Einwand des Ablenkens schlage man nicht zu doch an, sie ist mehr theoretischer Natur und kann dec halb hier uncrörfert bleiben. Nein, man banne soweit wie möglich den Grundsatz der Eintönigkeit aus den Klassens Im besonderen trifft dies für den Schmuck der Klasse zu, gleichviel ob er in Wandbildern oder in Bildwerken besteht. Nach den Grundsätzen des Arbeitsunterrichtes, wie ihn mit befonben m Nachdruck die preußische Schulreform vorsieht, soll Lernen Erleben sein, ede Klasse stellt einen eigentümlichen Lebensabschnitt dar. Das Erleben ist selbstverständlich am nachhaltigsten, wenn es unmittelbar i" 'def-Klasse geschieht. Dadurch wird die Individualität jeder Klasse noch mehr betont. Was bedeutet, daß zum Problem der Altersstufe noch die Frage nach Stoff- und Erziehungsziel hinzukommt. Dadurch wird ihre Aus- statturch bestimmt. Mit dem Worte Ausslattung ist allerdings heute noch allerlei Schmerzliches verknüpft. Es ist abhängig von der jeweiligen Finanzlage des Patronats der Schulen. Da müssen wir uns allerdings gestehen, daß unter dem Joche von Versailles die größte Sparsamkeit geboten ist. Aber schließlich, wo ein Wille ist, kommt auch ein Weg. Man stelle sich mir erst einmal in die vorstehend gezeichnte Richtung der Schulausstattung ein, man beginne mit der Farbe in der Schule und in den Klassen, der Bildschmuck wird sich bei Gelegenheit schon finden. Die Anteilnahme und Freude des jungen Geschlechtes wird sich später auch schon einmal in klingender Dankbarkeit auswirken, wenn den Aufgaben des Geschichtsunterrichts stehen klar vor unseren Augen, handeln wir danach! Krieg auf dem einzelnen wie auf dem Staate ruhen. Das deutsche Volk will wieder emporfommen, und deshalb sucht es nach Kräften, die Zeichen des Verfalles, mochten sie auch schon recht weit gediehen sein, wieder zu vertilgen. In diesem Eifer um sichtbaren Wiederaufbau läßt die Schulbehörde einen Ruf vernehmen, der sich zwar in erster Linie an die Bauämter von Staat und Gemeinden wendet, und mit Recht! Darüber hinaus verdient er aber wegen seiner großen pädagogischen Wicktigkeit das Interesse der Allgemeinheit. Die Schulbehörde verlangt: „Farbe in die Schule!" Sie begründet ihre Forderung damit, daß sie darauf hinroeift, wie mit „beklagenswerter Ausschließlichkeit^ die meisten unserer Schulgebäude das Grau beherrscht, „die Farbe des Alters, des Verzichts und der Lebensverneinung". Unsere Schulen aber gehören der Jugend. Und wie sehr diese zur Farbe drängt, braucht wohl nicht Freilich nicht nur der Geschichtsunterricht, sondern unser ganzes Schulleben muh von staatsbürgerlichem Geiste durchdrungen fein. Der Heranwachsende Schüler muh aus der Gemeinschaft in Erziehung und Tlnterricht die Gewißheit gewinnen, daß sein Leben und sein Wollen unlösbar mit dem Ganzen verbunden sind, dah er dem Staate gegenüber starke sittliche Verantwortung trägt. Staatsbürger zu werden, muß fein wichtigstes Ziel werden, dem Staate zu dienen, seine höchste Aufgabe. Die Freiwilligkeit der Betätigung des Schülers in Jugendverbänden und Jugendorganisationen darf deshalb von feiten der Schule kein Einhalt geboten werden. Die pädagogischen Bedenken, die gegen solchen Eintritt in mehr oder minder parteipolitisch gefärbte Jugendorganisationen geltend gemacht werden, sind sehr ernst zu nehmen. Rachdem aber — in völlig unpädagogischer Weife und sehr zum Schaden unserer politischen Verhältnisse — in der Verfassung das Wahlrecht auf das 20. Lebensjahr festgesetzt worden ist, muh die Möglichkeit der Sammlung gleichgesinnter Jugendlicher, denen diese wichtige politische Betätigung bald zufällt, bestehen. Wollte man — wie vorgeschlagen — den Eintritt der Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten in solche Organisationen von feiten der Schule verbieten, so würde das eine Minderung der Rechte dieses Teiles der Heranwachsenden Jugend gegenüber der aus der Volksschule entlassenen Jugend bedeuten, die vom 14. Lebensjahr ab das Recht völlig freier Selbstbestimmung hat. Allen Bedenken gegenüber müssen wir es immer und immer wieder betonen: Die Jugend hat das Streben zum Zusammenschluh, zur Betätigung ihrer Ideale. Mögen Elternhaus und Erziehung dafür sorgen, dah diese Ideale gesund sind! Die Derantwortung für diefen Zusammenschluß trügt der Heranwachsende Schüler, trägt das Elternhaus. Die Schule hat nur darüber zu wachen, dah Jugendliche nicht nach einseitigem Willen etwa dieses oder jenes Lehrers in Verbände hin- eingepreht werden und dah nicht Kampf und Gegenfählichkeit in politischer Hinsicht in das Schulleben hineinspielen. Eine große Derantwortung tragen indes die, die berufen sind, Jugendorganisationen zu führen. Hält man sich hier von jeder Verhetzung fern, zerrt man die Jugend nicht vorzeitig hinein in Parteileidenschaft und Parteiseindschaft, legt man die auch hier zu leistende Erziehungsarbeit ganz an auf positive Auf arbeit, auf Stärkung politischen Verantwortungsgefühls, kurz auf staatsbürgerliche Erziehung, so arbeitet man mit an der großen Aufgabe der politischen Erziehung unseres Volkes. Mit der ewig wiederkehrenden Klage, daß wir das politisch unreifste Volk her Welt seien, ist nichts getan. Sorgen wir dafür, daß unsere Jugend politisch erzogen wird, dann wird das Volk politisch reif fein. Xi r t Wie das „Gaudeamus igitur“ entstand. Von Dr. Erich Sellheim Halle, die alte Musenstadt, die von ihrer Gründung an in der Geschichte der deutschen Uni- versitäten und des beutfd)en Studententurns stets an führender Stelle gestanden hat, darf für sich ben Anspruch erheben, den Mann in ihren Mauern beherbergt zu haben, der einem unserer markantesten und beliebtesten Studentenlieder, dem „Gaudeamus igitu r“, die jetzige und wohl endgültige Fassung gegeben hat. Es war dies der Magister Christian Wilhelm K i n d - leben, ein höchst begabter, aber moralisch haltloser Mensch, der das Lied in seine 1781 erschienenen „Studentenlieder" aufnahm. Ein „dissolutes" Talent nennt ihn Konrad Durdach, der anläßlich der 200-Jahrfeier der Halleschen Universität 1894 einen Reudruck der Kind- [ebenfd>en Studentenlieder besorgte und dem wir auch in den nachstehenden Ausführungen als Gewährsmann folgen. Als der erste Vorläufer des „Gaudeamus“ ist wohl ein Vagantenbußlied „De contemptu mun- dano" anzusprechen, daS in einer Handschrift aus dem Jahre 1267 vorliegt. Es handelt sich um ein ehemaliges kirchliches Weihnachtsfest, mit dem Teile aus mittelalterlichen Vagantenliedern verschmolzen worden sind. Es finden sich hier u. a. folgende Verse: Vita brevis, brevitas Mors venit velociter. Omnia mors perimit Surge, surge, vigila in brevi finietur; et neminem veretur; et nulli miseretur semper esto paratus. Die politische Erziehung unserer Jugend. Von Staatsminister a. D. Dr. Doelih . M. d. pr. L. Die Forderung nach völliger Entpolitisierung der Schule wird heute mit demselben Recht erhoben wie die zwingende Forderung nach stärkerer Erziehung der Jugend zu politischem Denken und zur Fähigkeit und zu dem Willen staatsbürgerlicher De- t ä t i g u n g. Dcide Forderungen bilden keineswegs^ einen unversöhnlichen Gegensatz. So sicher die wchule Erziehungsschule ist und ihr Ziel die Erziehung zum Staatsbürger sein muß, so sicher hat sie sich fernzuhalten von einseitiger politischer oder gar parteipolitischer Beeinflussung der Jugend, vor allem der noch unreifen Jugend, deren Mißbrauch zu parteipolitischer Betätigung etne Versündigung an der Jugend bedeutet. Jeder vernünftige Mensch wird deshalb der Forderung beipflichten, daß die Parteipolitik aus der Schule völlig und unter allen Tim ständen z u verbannen ist. Der Lehrer steht vor seiner Jugend als vor einer Summe von Individualitäten, von denen jede einzelne innerlich bestimmt ist durch Herkunft und Milieu. Die höchste Aufgabe des Lehrers und Erziehers kann deshalb nur darin bestehen, unter Vermeidung einseitig parteipolitischer Festlegung, jeden einzelnen nach seinen intellektuellen und moralischen Anlagen zu fördern und zu erziehen, daß ihm die Grundlage zu selbständiger Stellungnahme zu den politischen Problemen der Gegenwart gelegt wird. Der Heranwachsende Schüler muß ergriffen sein von der sittlichen Idee des Staates, von der Tleberzeugung von der Rotwendigkeit staatlichen Lebens und von dem Ethos, dem Staate zu dienen. Wie er später dem Staate dienen will, von welcher prattisch-politischen Einstellung aus, das darf ihm nicht vorgeschrieben werden, das muß er sich selbst erarbeiten. Erarbeiten vor allem aus den Lehren der Geschichte. Daher die hohe Bedeutung des neuerdings vermehrten G e s ch i ch t s u n t e r r i ch t e s für die Reugestaltung unseres politischen Lebens. Geschichte lernen, Geschichte verstehen, um die Gegenwart richtig zu deuten und Kräfte zu gewinnen für die Formung der Zukunft, das ist die eminent wichtige Seite der politischen Erziehung der Jugend. Es ist deshalb aufs freudigste zu begrüßen, daß die soeben veröffentlichten Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens diese Aufgabe des Geschichtsunterrichts ganz klar Herausstellen, wenn sie verlangen: „Der Geschichtsunterricht will dieGegenwart aus der Vergangenheit begreifen lehren und den Heranwachsenden Menschen dadurch befähigen, zu den ihm im politischen Leben gestellten politischen Aufgaben kritisch Stellung zu nehmen, sowie durch die Einsicht, daß nur willens» starkes, entschlossenes Handeln zu geschichtlicher Wirkung führt, Tatbereitschaft und politisch iS Verantwortungsgefühl bei ihm wecken." Zu unserem Schmerz und zu unserem schwersten Schaden Hal die Schule der Vergangenheit in der Frage der Erziehung der Jugend zu politischem Denken, ja zu weltpolitischem Denken i gründlich versagt. „Historische Tatsachen" wogen schwerer als selbständiges geschichtliches Denken; x Erziehung zu politischem Denken trat fast ganz zurück. Die Revolution brachte dann das neue v Evangelium der Erziehung der Jugend zur Döl- - kerVerbrüderung, zu internationalem Kosmopoli- ■ tisrnus. zu schwächlichem Pazifismus. Man beklage sich in den Reihen der internationalen ' Vollsbeglücker nicht darüber, daß schon bald nach der Revolution der Pendel nach der anderen Seite zu weit ausschlug. Mancherlei Klagen über einseitige „Rechtseinstellung" in der Erziehung, über das „Richts-gelemt-haben" aus der Vergangenheit, sind zurückzuführen auf die schnöde Beleidigung, mit der man den Heldenmut unserer Truppen, die gewaltigen Kriegsleistungen des Weltkrieges vor den Augen unserer Jugend herabsehen zu können glaubte, die selbst diese Tage miterlebt hatte, und mit der man vor allem auch den Tausenden von Lehrern zu nahe trat, die ihre Pflicht im Weltkriege in vorbild- trieben und zu einem gewissen Teil verwirklicht wurden. Diese waren die Reaktion auf die reinen Nutzbauten, die uns die Gründerzeit aus den ersten Jahrzehnten des jungen Deutschen Reiches hinterlassen. Naturgemäß gingen sie im wesentlichen darauf hinaus, auf eine mehr künstlerische Gestaltung des Schulgebäudes von außen zu bringen. Städtebauliche Fragen oder örtlich ästhetische Momente spielten die Hauptrolle. Auf das Innere des Gebäudes, insbesondere die Ausgestaltung der Klassenräume, kam man noch nicht zu sprechen. In diesem Rahmen bewegt sich auch jetzt noch die Schulbehörde mit ihren Wünschen. Deshalb sieht sie die Mitwir- kuna des Landeskonservators oder eines besonderen künstlerischen Sachverständigen vor. Nur zwangsläufig kommt sie auf die I n n e n r ä u m e und ihre Farbengebung zu sprechen, wobei sie allerdings wertvolle Richtlinien gibt, bei der Mannigfaltigkeit des Gegenstandes aber der individuellen Auswirkung freien Spielraum gestattet. Damit ist der Punkt angeschnitten, der bestimmt ist, in unserem Schutteben noch von größter Wichtigkeit zu werden. Denn die Erkenntnis von der würdigen Gestaltung der Schulgebäude ist allmählich Allgemeingut geworden, hingegen gehen die Meinungen über die Schulräume noch ziemlich auseinander. Einig ist man sich über den Festsaal der Schule, die Aula. Sie sott feierlich, repräsentativ wirken, deshalb darf ihre Ausstattung etwas kosten, dafür ist schließlich der knauserigste Stadtverordnete zu haben. Aber die Klassenräume, die „Wohnstuben" der Schüler — da gibt es gar vielerlei zu bedenken. Bisher ist fast ausschließlich das anspruchslose Grau beliebt worden. Denn — so pflegt man zu begründen — es ist praktisch, well es nicht so schnell schmutzt (hat also noch den vermeintlichen Nebenerfolg, daß man an ihm spart!); es schadet dem Auge nicht, da es nicht blendet, und schließlich hat er sogar pädagogischen Wert, weil es nicht ablenkt. Alle diese Gründe sind stichhaltig, bloß wollen sie bei der Jugend nicht viel Anerkennung finden. Man sieht vielmehr bisweilen Reaktionen, die man jedoch schnell abtut mit den schulmähigen Urteilen Indiszi- pljn ober gar Vandalismus. Sicher treffen diese in vielen Fällen zu, aber man gestatte auch einmal eine andere Erwägung, die sich bereits unter den bisherigen Verhältnissen als nutzbringend erwiesen hat. Man darf wohl sagen, daß ein Raum mit gutem Anstrich, auch wenn die Farben nur grau und weiß sind, nicht gerade ein ästhetisches Unbehagen auslöst. Der Begriff Sauberkeit schafft hier das anheimelnde Element. Hangen nun noch ein paar gute Bilder in dem Raum, so wirkt er wohnlich und traulich. Die Kunst ist nur, ihn möglichst lange Jo zu erhalten. Hier gilt es, eine bestimmte ästhetische Einstellung des Schülers hervorzurufen und zu pflegen. Er muß einsehen lernen, wie das Schöne und feine Wertung dem Auge wohltut, also Behagen hervorzaubert, wogegen seine Verletzung Schmerz bereitet Ich glaube nicht, daß meine Beobachtung mich täuscht, wenn ich behaupte, daß in der großen Mehrheit der Klaffen die Zahl der natürlich das Schöne empfindenden Schüler überwiegt, gegenüber der von Haus aus völlig Äulturlofen. Die Pflege des.Schönheitssinnes wird also zu einem bedeutsamen Erziehungsmittel. Denn unschwer lassen sich oie ästhetischen Normen auf die Gebiete der Moral und Ethik übertragen, so daß unmittelbar die Gestaltung des ganzen Menschen beeinflußt wird. Ist aber die Mehrzahl der Schüler einer Klasse in dieser Richtung eingestellt, so ist nicht nur der Bestand des Schönen nach Möglichkeit gewahrt, auch die innerlich Ablehnenden werden sich zum mindesten in die Formen des Schönen finden und vielleicht gar eingewöhnen, womit ein Maximum an Erziehungskunst geleistet wäre. Naturgemäß läßt sich die Erziehung zum Schönen am wirksamsten durchführen, wenn recht viel schöne Einflüsse in recht viel Zeit dem Schülergemüt nahetreten. Das heißt aber wieder den Klassen- raum als den wichtig st en Aufenthaltsort des Schülers recht eindrucksvoll gestalten! Und hier ist der amtliche Ruf abzuwandeln: „Farbe in die Klassen!" Welcher Zwang besteht, alle Klassen in denselben Farben zu halten?! Pereat trifolium: Pereant philisti, Lictor atque famuli, Lictor atque famuli Nobis odiosi. Eine gute gereimte Aebersetzung her drei ursprünglichen Strophen hat der gleich Kindleben talentierte, aber schließlich auch verkommene 2tiriter Johann Christian Günther Im Jahre 1717 geliefert („Drüber, laßt uns lustig fein“). Da unternahm es im Jahre 1781 der Magister Kindleben, ein ehemaliger hallefcher Student dem „Gaudeamus" eine neue Fassung zu geben, und zwar nach seinen eigenen Worten aus folgendem Grunde: „Ich habe mich genötigt gefeljen, dieses alte Durschenlied umzuschmelzen, well die Poesie, wie in den meisten Liedern dieser Art sehr schlecht war; indes hat es doch man so sagen darf, die Vorsehung und der göttliche Weltplan bei Erschaffung eines Menschengeschlechts, der ja nur da ist, um von Menschen gedacht und durch Menschen in die Wirklichkeit eingeführt zu werden, beschwöret euch, seine Ehre und sein Dasein zu retten. Ob jene, die da glaubten, es müsse immer bester werden mit der Menschheit, und die Gedanken einer Ordnung und einer Würde derselben seien keine leeren Träume, sondern die Weissagung und das Unterpfand der einstigen Wirklichkeit, recht behalten sollen, oder diejenigen, die in ihrem Tier- und Pslan- Äenleben hinfchlummern, und jedes Auffluges in höhere Welten spotten: — darüber ein letztes End- urteil zu begründen, ist euch anheimgef allen. Die alte Welt mit ihrer Herrlichkeit und Größe, sowie mit ihren Mängeln, ist versunken, durch die eigene Unwürde und durch die Gewalt euerer Väter. Ist in dem, was in diesen Reden dargelegt worden, Wahrheit, so seid unter allen neueren Völkern ihr es, in denen der Keim der menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten liegt, und denen der Vorschritt in der Entwicklungderselben aufgetragen ist. Gehet ihr in dieser eurer Wesenheit zugrunde, so gebet mit euch zugleich alle Hoffnung des gesamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Uebel zugrunde." (Aus Fichtes „Reden an die deutsch« Nation".) ---------- 1 Ausländer an den deutschen Seit der Stabilisierung der Währung sieht man ganz Deutschland in der schönen Jahreszeit in bisher noch nie gekanntem Ausmaße Maler und Anstreicher, Bauhandwerker und Schlotter eifrigst tätig, die Schäden an Haus und Hof, privaten und städtischen bzw. staallichen Anlagen wieder aue- Aubefjern. lieber ein Jahrzehnt hat eine pflegliche Behandlung gefehlt, so daß jetzt der Mängel gar Diele sind. Leider fehlen die Mittel, um sie gleich im wünschenswerten Umfange zu beheben, aber nach und nach wird doch alles wieder in Ordnung kommen trotz aller Lasten, die durch den verlorenen 4 Dienstag, 29. September 1925 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ivderheffen) Nr. 228 Drittes Blatt Börsenkurse 103,75 0.028 0,028 Gegenstand einer 65,2.5 121.5 94.5 62,25 26 Septbr. bandspreise tabeisen und für Bleche) ÜTiter ■inge gegen isdiutzmi 65.2> 56.1 49.5 41 70.5 94.25 72.5 48.5 89 70.75 75.1 104.75 0 235 0.28 0.46 0 275 118,25 56,13 71 93,25 94,25 62,5 77,75 4",5 41,25 88.25 59.5 69.5 117.75 118.5 57.25 94,25 87.5 57,75 77,5 41,5 40.3 103.25 102 25 37,75 52 72.13 16.25 75.25 126. S 95 108.5 87,13 56.5 40,5 41.1 1,708 18.88 86,M 101,78 112,88 10,605 17,13 40,376 4.2,5 19,91 81,18 60.58 1,718 0.591 59.34 12,465 7.46.5 5,895 i.065 '0,125 80.83 6.11 4.205 4.195 62,5 1 31.5 5.5 i 88,25 60 56,t 65.25 57.5 <1.22 5 0.2075 0.ZK1 0 145 0.26 0.27 0.255 0.25 116.6'. 117,8 70 13 60,5 65.5 118,25 119 55,75 93.25 94.4 72.25 62,5 77,25 41.5 39,65 73.25 58 1 75.75 102,3 117.9 19.4 38.13 52.75 7< 25 57 5 168.76 1,699 18 58 88,09 101,17 112,81 10,56 17,07 20,324 4,195 19,86 81,01 60,37 1,714 0 588 59,20 12.425 7,44 5,865 3,065 21 075 80,62 6 09 4,197 4,185 malen Sorten und Dirnens van 2—4 Wochen die Regel , 2375 0.295 0.285 0.455 d.U2> 0.2875 0. 7 0.26 0,25 91 75 95 25 Kopenhagen Stockholm HclstngforS. atalkn . . . London. . 'JituDort • ■ Pari«. . . Schwel, . . Spanien . . Japan - . - Rio de Jan. Wien in D■’ £.590 59,34 13,415 7,46 5,885 3,075 21,125 80.82 2,325 6.11 4,207 ».195 Julie Bonde------ -------- und Wielands, der hochbedeutenden Berner Art- ftofralin. die im Geistesleben ihrer Zeit von austerordentlichem Einflnst war. widme! Lilli Haller einen liebevollen Aufsatz Schließlich noch zwei Wetter ausgreifende Arbeiten: „Schwei- zer Balladen" stellt Lllbert Tischli von ihren Anfängen bis zur Gegenwart zusammen, manch imbctamrter Schah ist darunter, den man sich gern zu eigen machen wird. Heber die Mund- artdichtung der deutschen Schweiz beridtfet Otto von Greperz umfassend und aus- Quxdi+äfa-öchubweme^Jbre Schube, Sieben wie v neu , und hatten vieJ länger. ds Zeil 716 Mill. Zloty. Das Deftzil der Handelsbilanz beträgt also in den ersten sieben Monaten d. 3. i, Milliarde Zloty. nieder. Neuen Ideen wird damit trotz aller Widerstände in philologischen Kreisen der Weg gebahnt, Ideen, die in ihrer Eigenartigkeit und Großzügigkeit frappieren, ob sie sich durchsetzen werden gegenüber den Berlin. 28. Sept Der Produktenmarkt hatte sehr ruhiges Geschäft. Umsätze kamen la um zustande. Die Preise gaben auf schwächere Auslandsmeldungen weiter nach. Cs notierten per 1000 Kg.: Weizen, märt 202 bis 207, do. Oft 224 biS 225, do. Dez. 228.50. Roggen, märt 148 bis 153. do. Ott. 164 bis 164,50. do- Dez. 172 bis 173. Gerste, märt 206 bis 230. Futtergerste 170 bis 175, Hafer, märt 172 bis 180. Raps 345: per 100 Kg.: Weizenmehl 27.50 bis 31.25. Roggenrnebl 22 bis 24. Weizenlleie 10. Roggenkleie 9,20, Viktoriaerbsen 26 bis 31. Futtererbsen 21 bis 24. Wicken 24 bis 26, Rapskuchen 5. Leinkuchen 21. Trockenschnitzel 11,40. Torsmelasse 8 bis 8.20. Kartofselllocken 16, Zucker 20,30. Buntes Allerlei. Affen als Biehräuber. In der afrikanischen Kenja-Kolonie in Ostafrika ist von der Regierung ein Preis auf jeden Pavian gesetzt worden, der geschossen, gefangen oder vergiftet, lebendig oder tot eingebracht wird. Zu dieser Maßnahme bat man sich entschlossen, weil der Pavian ein unverbesserlicher Dieb und Räuber ist, der sich zu einer wahren Landplage ausgewachsen hat Dah die Paviane aber auch Viehräuber im Grohen sind, das hatte man früher nicht geahnt und diese Entdeckung hat zu dem jetzt aufgenommenen heftigen Kriege gegen sie geführt. Seit einigen Zähren herrscht in der Kenja-Kolonie eine beunruhigende Epidemie von Viehräubereien. Diele Schafe und Kühe werden zerrissen aufgefunden. Bei den großen'Viehherden, die mehrere tausende Schafe oder Rinder umfasten, waren manchmal mehr als 200 Lämmer und Kälber an einem Tage verstümmelt. Stets waren die Wunden lange tiefe Einschnitte, wie wenn sie mit Mestern beigebracht wären. Zunächst hielt man den Regerstannn der Mastai für die Liebeltäter, aber da daS Vieh diefer Eingeborenen ebenso angegriffen wurde wie daS der Weihen, so glaubte man schließlich, eS mühten wohl Löwen, Leoparden, Hyänen oder gar Ameisenfresser sein, welch letztere lange scharfe Klauen haben. Späh« Der Eingeborenen bekamen ab« endlich Heraus, daß Me Biehräuber Paviane waren. Die Asten gingen dabei sehr schlau zu W«ke. Geführt von einem .Auffeh«--Pavian*, wie man die älteren Führer d« Herden nennt, kamen zuerst junge Tiere, um zu rekognoszieren. Durch ihr lautes Geheul zogen sie die Aufmerksamkeit der Hirten nach der einen Seite der Weide, während ünterdesten das ganze Pavi- anenhe« auf der andern Seite üb« die Lämmer herftel. Die Paviane töten die Tiere, indem sie mit den Daumennägeln reihen, aber bisweilen verwenden sie auch sämtliche vi« „Hände" und z«- reihen die Ti«e buchstäblich in Stücke. D« eingeborene Hirte, nur mit Pfeil und Bogen od« Spe« bewaffnet, ist gegen eine heranrückende Pavianschar machtlos und fürchtet sie sehr. Dom Hunger getrieben, greifen diese Affen nicht selten ganze Dorf« an und stehlen die Vorräte aus den Hutten. Die Eingeborenen opfern dann den .Paviangöttern Bier und Getreide, um sie zu versöhnen. MMlWMW Am 1.10. 25, 10 Uhr norm, werben in der Neuen Kaserne 5 ausgemufterte Dienstpserde öffentlich versteigert. 0042V I. (Hess.) Ball. 15. Inf.-Regt. Devisenmarkt Berlin-Frankfurt wus- fultur und die Kunst der homerischen Epoche, vor allem aber an Hand des alten Lageplans der Odnisee zu begründen. Allem mgthischen und sagenhaften Beiwerk entkleidet, entsteht so das Evos in neuer, reiner Horm, von Fr. Rütcr mustergültig übersetzt, ohne sprachliche Dergemaltigungen, in feinsinniger Einfühlung in das Dorbild l 15 Der Kultur der Schweiz und ihrer ÖC* ücbunflcn zum deutschen Geistesleben widme: der Leipziger B«lag H Haesiel seit langem grostr Auftnerkfamkc't lieber zahlreichen preisa>eilen und habet geschmackvoll ausgestatleten RenaiiS- gaben Schwerzer Dichter, genannt sei hier nur T $ Mever. gelangt die lit«aris3' betrach' nbe Seite ebenfalls in einer Reihe interessant« Bmd- chen zur Darstellung. 2lls neueste Erlcheniung-n " unS vor eine tiefschurfenhe Büchertisch. Eine neue sechsbändige Ausgabe von Schillers Werken bringt soeben der Verlag 3. G Cotta in Stuttgart auf den Düchertisch. in einfach, geschmackvoller Ausstattung und sorgfältig textkritischer Bearbeitung durch C. von der Hellen. Die Auswahl umfaht alles Wesentliche von Schillers Schöpfungen, sämtliche Dramen, Gedichte, die bedeutendsten philosophischen Schriften, von den historischen aber leid« nur die Heineren unter Weglassung des niederländischen Befreiungskampfes und des Dreißigjährigen Krieges, die man doch nur ungern entbehrt. Erfreulich ist dagegen die Aufnahme d« erzählenden Prosaschriften, alles in allem eine Auswahl, bie der bewährten Tradition des altberuhmten Klassilerverlages voll gerecht wird. (Preis Gzl. 33 QHT.) 453 Homers Odyssee in ihrer Urgeftalt. I. W. Dörpf eld: Wiederherstellung des ursprünglichen Epos von der Heimkehr des Odysseus. II. H. Stüter: Ikbertragung des ursprünglichen Epos von der Heimkehr des Odysieus, 2 Bde. mit zahlreichen Karten, Skizzen. Tabellen und Zeichnungen auf Grund der Äusgrabungsergebniste, Ganz!. 16 Mk., Verlag Buchenau u. Reichert in München. — Dorp- seid, der bekannte Archäologe, legt hier in um° Wirtschaft. Dom rheinisch-wesisälischen (Eifenmarhf. 2luf dem rheinisch-westsalischen Eisenmarkt ist I in der letzten Zeit das Geschäft nicht schlechter, aber end) nicht besser geworden. Diese Xlagc erscheint inertwürdig, da allgemein von der fonschreiienden Verbandsbildung eine Belebung des Geschäftes er- hofft wurde. Die markttechnischen Folgen der Ser 'wndsbildung werden aber noch für längere Zeit ."isgeglichen durch die sehr beträchtlichen Voroer- änse, die vor dem Zustandekommen der Verbände 'bgeschlossen worden sind. Weiter spielt eine Rolle, baf; vor Tätigkeit der Verbände viele Verbraucher i-nb Händler in Erwartung stark anziehender ! reise mit solchen Mengen Material sich eingedeckt haben, daß der tatsächliche Bedarf auf längere Zeit »edeckt ist: vielerorts waren die Bestellungen teil- weise so nmfangreid), daß jetzt aus den Vageroor- raten starke preisdrückende Entlastungsoerkäufe vor nennimnen werden müssen. Eine große Rolle spielt und) immer noch die zu große Erzeugungsfähigkeit der Eisenindustrie. Auch nach den zahlreichen »etriebseinschränkungen (völlige Betriebsstillegungen sind nur in verhältnismäßig wenigen Fällen vor- genommen), besteht vielfach noch eine Ueberpro- buflion, ein Umstand, der u. a. darin zum Aus- druck lammt, daß viele Werke nicht einmal für die von der Rohstahlgemeinschaft beschlossene Ser- rlngerung der Produktion um 35 Prozent Beschäftigung haben. Man hat zwar versucht, durch Aus- tausch von Quoten das Geschäft zu bereinigen; da- durch hat man aber keine Verminderung erzielt, sondern nur eine Uebertragung der Produktion von dem einen auf das ander Werk. Der Ankauf von Quoten unter Stillegung der Werke hat nur in seltenen Ausnahmefällen durchgeführt werden können. Um so mehr verspricht man sich von den Zusammenschlußbestrebungen großer westdeutscher Werke hinsichtlich einer besseren Anpassung der Erzeugung an den Bedarf. Zur Zeit liegen die Verhältnisse so, daß sogar der Gedanke einer weiteren Erhöhung der Einschränkungsziffer der Rohstahlge- melnschaft (teilweise wird sogar 45 bis 50 Proz. •genannt) ernsthaft erörtert wird; die noch relativ gut beschäftigten Werke würden jedoch vermutlich gegen eine solche Einschränkung Widerspruch erheben. Der Kampf um den Markt ist noch wie vor | scharf; jedoch ist die Kaufkraft des Inlandes sehr begrenzt; das 'Ausland kommt wegen der scharfen ausländischen Konkurrenz und wegen der hohen Zölle, Frachten usw. kaum in Bettacht. Die Kapitalnot hat zur stärksten Vorsicht im Geschäft geführt. Die Werke verkaufen nur das, was sie zum Fälligkeitstermin bezahlt zu bekommen hoffen, wäh- reud die Verbraucher und die Händler nur die Mengen eindecken, für die sie ebenfalls bestimmt mit bezahlter Absatzmöglichkeit rechnen. Daß der- artige Geschäfte nur selten sind, ist klar. Zur Zeit ist die Zahlungsweise so schleppend, daß Barzahlungen überhaupt kaum Vorkommen und daß im Wechselverkehr Prolongationen ober Protesterklärungen an der Tagesordnung sind. Eine Bess«ung aller dieser Zustände wird all- gemein nur von einer tatsächlichen Steigerung des Vedarss der verarbeitenden Industrie erwartet. Daß diese schon bald in größerem Umfange etntritt, bafür sind die Aussichten gering. Eine Steigerung der Be- schäftigung über das jetzige Maß hinaus wird nur ganz langsam gemäß der zunehmenden Kap,talneu- bilbung im Inlanbe erfolgen können. DieAusstchten auf eine balblge unb burchgreifenbe Besierung der Lage auf dem Eisenmarkt sind also nicht günstig, wenngleich auch anbererseits mit einer stärkeren Verschärfung wohl nicht zu rechnen ist. Die Preise haben eine wesentliche Deränberung nicht erfahren. Für viele Eisenerzeugnisse sinb Der- Briel 4.22 18,35 101,45 20,392 19,9. 169.21 17,21 84,33 59.28 112,85 81.16 >0.54 12.445 5.85 2.u ach frage . ach täglichem Gelb hat sich sehr verstärkt. b?r Latz war 9’ . bis 11 Proz. Geld einige Tage über dem Ultimo stellte sich aus 10' biS 12 Proz. Monatsgeld 10 bis 11 Prpz. 3m internationalen Devisen verkehr waren feine nennenswerten Kursvrränberungen zu verzeichnen. Warschau und Oslo wurden zu den letzten Kursen gehandelt. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,35, Paris 5.02'Amsterdam 59,20. Frankfurter Schiachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers'.! Frankfurt a. M.. 28. Sept. Aufgetrieben waren 4782 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd Lebendgewicht: Vollfleischige von 80 bis 100 Kg. 92 bis 94, unter 80 Kg. 82 b.ö 91. von 100 bis 120 Kg. 95 bis 98. von 120 biS 150 Kg. 95 bis 98, Fettschweine über 150 Kg 95 bis 97, unreine Sauen und geschnittene Eber 80 bis 90. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M„ 28. Sept. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 23, Roggen (inländischer) 18, Sommergerste (für Brau^wecke) 25 bis 27,50, Haser (inländischer) 20 bis 21, Mais (gelb) 20, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 38, Roggenmehl 26 bis 26,50, Weizen- und Roggenlleie 10 bis 10,25. ®<[b n^sT" 1.699 18,81 86,» 101,62 112,60 10.665 17.09 20,326 4,195 19,87 80,98 60,42 1,714 0.589 59.20 12,425 7,455 5,875 3,055 21,075 80/.5 2.295 6.09 4.195 4.181 | Meld 4,20 18,25 100.95 20,292 19,85 168,57 17,13 *3,91 58.98 112.29 80,76 0.24 12.385 5.81 Börse. Berlin. 28 Septbr Amerikanische Note« .... Belgische Noten ...... Dänische Noten Englische Noten ....... Französische Noten ..... Holländische Noten ..... Italienische Noten Norwegische Noten Dentsch-Qesterr.ä 100 Kronen Nnmänische Noten Schwedische Noten ..... Schweizer Noten Svanisch« Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . ... Berliner Amtliche Notierung Dries "Wüt dto- Toll--Schay-Anireisna.' *!• Zollnirken...... I 5‘ o Toldmerikaner I Berliner Handel-acselltchast kommen- und Pnvat ^ank .'.dnniL und Nauonaloank Teiitlche Bank Teutsche BereinSdank ... DiSconto Lommandit MetaUdank Mitteldeutsche Lretitbank . . ü csicireichische Lrrditanstalt Weltbank Bochumer Suh ..... BudcruS Taro . Deutsch Lnremburg Sclscnnrchriier Bergwerk« . Hmpencr Bergbau .'toliwerkr Aschersleben. . . . fiohmert Westeregeln liauratjütU........... Ldcrdcdars Pbontr Bergbau ...... R beinskahl THicbcd Montan ..... TellvS Bergbau tzamdurg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... Theramische Werke AlbM . . ZemcnNverk Heidelberg . . Philipp Holzniann Auglo-Tont -Guano .... Badische Anilin Edemische Mayer Alapin . . Goldschmidt GrieSleimer Elccrron .... Höchster tzardwerke ..... NütgerSwerke ....... Schetdeanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkrastwerfe ....... Echllckert ......... Siemens & HalSke . . • • ». Adlerwrrke Äleyer ..... Daimler Motoren. ..... I Heyligenstaedt ....... Meguin Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen Konscrvensabrik Braun . . . Btctallgesell^chaft ffrantfurt . Pet. Union A--G. Echublabrit Herz Sichel Zellstoff Waldhos Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 28. Septbr. Amtlich« Rotiernng c^eld I Bries Rundfunk-Programm des frankfurter TcnderS. Dienstag, 29. September. 4.30 bis 6 Ahr: Aachmittagökonzert de- Hausorchesters: Reue Op«etten. 6 bis 6.3'0 übt: Die Lesestunde (Meisterwerke bet Weltliteratur,: Aus „Don Quichote" fron Cervantes. 6.30 b>s 7 Llhr: ^Albanien". Vortrag von P'irrer Lic. Dr. Dr. Schwarzlose. 7 bis 7.30 1h- Ueber- tragung von Kassel: Vorttag von n^daktcnrr Wiesner: .Arbetterdichter.'. 7.30 bis 8 Uhr: Dor- tragszhNuS des StadtgefundheitsamteS: „’Sxt Zahlpslege in aller Welt", Vortrag von Dc. Tboluck. 8.30 biS 10 Mr: Der Strom. Drama in drei Auszügen von Mae Halbe. 10 bis 11 Konzert des Original Miesbach« TerzettS. Mittwoch, 30. September. 4L0 bis 6 Llhr RachmittagSton^ert des Hausorchesters: Handwerker-Opern. 6 biS 7 Llhr: Kinderstunde. 14. Sagennachmittag 7 bis 7.30 ilbr: Vortrag Don Rektor St Wehrhan: ./Die Stunde der Jugend im F-anfturter Rundfunk- Programm". 7.30 bis 8 ilbr: Funkbvchfchule Frankfurt. „Aus dem Städclschen Kunst Institut II“, Dorttag von Dr. Oswald Götz. Assistent am Städelschen Kunstinstitut. 8 bis 8.30 Ahr: Vortrag von Professor Dr. Johannes M. Derweyen- Donn: ,Diotcchni5V 8.30 Uhr: DaS Streichorchester: 1. Die Zeit bis Beethoven. Geschäftliches. Die Kukirol-Fabrik Groh-Salze bringt einen neuen Artikel heraus, unb zwar eine neuartige, patentamtlich geschützte Kukirol-Eiulege» sohle. Diese Kukirol-Einlegesohle erzeugt Warme unb stellt somit einen wirksamen Schutz gegen falte unb nasse Füße unb beren Folgeerscheinungen dar. Für die Güte des neuen Kukirol-Fabnkais bürgt wohl der Weltruf der Firma, deren Präparate heute in 56 Staaten bekannt unb beliebt sind. Die Kukirol-Einlegewhlen sinb in ben Apotheken unb Drogerien erhältlich , Xrant'Brf a M Berlin Sä'.ub p--r» “ l,d * • r • Tahmr. 26 9. 2 1 9. | 26.9. 28 9