Ur. 255 Erstes Blatt (L) 175. Jahrgang Mittwoch, 28. Gvober (925 Der Rücktritt des Kabinetts Painleve W6 > » J? 5 r er. HU ° -1 o s 'S Nach einer Meldung aus Athen wird berichtet, daß der Rückzug der griechischen Truppen in Ausführung der Entscheidung des Dölkerbundsrates gestern vormittag begonnen hat. .Die Deutsche Volkspartei zur Lage. Die Reichstagssraktion billigt die Politik des Kabinetts ! *sl 2 ® " 2 »2 -L O 6: s St Z- i? 8r es des Kabinetts plötzlich vor die Tür gesetzt findet, hinter diesen Gesichtspunkten hat die franzisische Krise auch für uns sehr starke Bedeutung, weil sie die Kräfte der inneren französischen Politik aufbraucht und die Entscheidung über die Rückwirkungen zum mindesten verzögert. Painleves Demission angenommen. Paris, 27. Off. (WTB.) Ministerpräsident PainlevL Hal dem Präsidenten der Republik um 2.15 Uhr die Demission des Katz i n e l t s überreicht und das Elyfte tim3.30 Uhr verlassen. Der Präsident der Republik hat die Demission angenommen und im Laufe des Nachmittags bereits mit den Senols- und Kammerpräsidenten über die durch die Ministerkrise geschaffene Lage verhandelt. Um 6 Uhr abends verabschiedeten sich die Mitglieder des Kabinetts painlevL von dem Präsidenten der Republik. w n n 25 ,0 k en als gesetzliches Zahlungsmittel. Die „Saarbrücker Landeszeitung" fragt die Re- gierungskommission und den Völkerbund in scharfen Worten, wie lange sie noch die offene Schädigung und Verleumdung des Saargebiets mitansehen wollen. ÄS* Al 'n 2# daß ein Ministerium, das diese drei Namen in sich schlösse, eine Gewähr dafür bieten würde, in Der Kammer eine geschlossene Mehrheit zusammen zu schweißen, die Dazu beitragen würde, die größten Schwierigkeiten zu überwinden. Da das Kabinett nicht auf Grund einer Abstirnung im Parlament zurückgetreten sei, sei aber jede Voraussage i m Au genblick unmöglich. Man neige zu der Annahme, daß die Rückkehr PainlevLs zur Regierung wahrscheinlich sei, sei es nun mit der persönlichen Mitarbeit cherriots, sei es unter Mitarbeit einer gewissen Anzahl seiner parlamentarischer Freunde. Die Beibehaltung Briands als Außenminister unterliege für niemanden einem Zweifel. Die Wirtschaftskrisis im Saargebiet. Katastrophale Folgen des Frankenfturzes. Saarbrücken, 27. Oft. (TU.) Der scharfe Sturz des französischen Franken hat dem Saargebiet in den letzten Tagen eine derartige Preissteigerung gebracht, daß der kranke Wirtschastskörper kaum eine zweite Inflation über stehen wird. Die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Festbesoldeten sinken andauernd, während die Geschäftswelt aus dem Erlös der Waren kaum die Hälfte einkaufen kann. Besonders gefährlich wird die Lage für das Saargebiet dadurch, daß fast alle Kredite in Devisen oder in Franken auf toert- beständiger Grundla ge gewährt sind und so gegenüber den Substanzverlusten ihren Wert behalten. Die saarländische Presse fordert energisch in Erinnerung an eine Denkschrift anläßlich der Einführung der Frankenwährung die sofortige Abschaffung des Fran- Der Völkerbundsrat und der griechisch-bulgarische Konflikt. Paris, 28. Oft. (TU.) Der Bölkerbunds- rat hat nach Anhörung der Vertreter Bulgariens und Griechenlands sich auf heute vormittag 12 Uhr vertagt, da bis dahin die Antworten der beiden Mächte auf den Beschluß des Rats vorliegen werden. Der bulgarische Gesandte verlas einen Bericht über den Ursprung des Konflikts und hob zum Schluß hervor, daß Bulgarien die Vermittlung des Völkerbundes angerufen habe. Der griechische Gesandte Carapanos verlas eine Darstellung der griechischen Regierung, die mit der des bulgarischen Vertreters in schroffem Widerspruch steht. Chamberlain fragte beide Vertreter, wie weit die Truppen Bulgariens bzw. Griechenlands in feindliches Gebiet eingedrungen seien. Der bulgarische Delegierte führte ein angeblich offizielles Dokument aus griechischer Quelle an, nach dem die Bulgaren nur 6 Meter jenseits der Grenze stehen. Carapanos bestritt diese Angabe und meinte, es müßten 5—600 Meter sein. Auf die Frage, wie weit die griechischen Truppen auf bulgarisches Gebiet oorgedrungen sind, antwortete der griechische Gesandte: Sieben bis acht Kilometer. Diese Erna- rung machte auf die Anwesenden großen Eindruck, und es zeigte sich eine Mehrzahl Des Rats bereit, Bulgarien recht zu geben. AlWX Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdindlichkeit. Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 eim Brette ormch8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- Klame-Anzeigen o.TOmm Brette 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20"/, Auf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Or.Friedr. Wilh. Lauge; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießern Eine eigenartige Dublizität der Ereignisse )arden sei und deshalb die Schuld an dem stan- : higgen Rückgang des Franken trage. Wenn man nLessön die Zusammenhänge, die in dieser For- ■ nöl mehr agitatorisch festgelegt sind, perstehen Ml, muh man schon etwas tiefer fj intet die Miffen der französischen Politik sehen. Lind da ift zu sagen, daß die eigentliche Lirsache dieser ftutfe in dem bevorstehenden Zusammentritt her Kammer liegt. Als die Kammer in die Ferien ging, hatte hd| das Bild so verschoben, daß die bisherige L-nks mehr heil im Begriff war, ausein- cmderzufallen und durch eine neue Mehr- seit erseht zu werden, die sich aus Teilen der Reizten und des Zentrums zufammensehte, also die Rückkehr der Sozialisten in die Opposition bedeutete. Herriot, der auf ve-deih und Verderb mit seiner Linksmehrheit !r»bunden ist, hat sich dem widersetzt und nichts versucht gelassen, um die Sozialisten bei der flemge zu kalten. Er hat zwar nicht erreichen bnmen, daß die Sozialisten ihre Bereitwilligkeit |unt Eintritt in die Regierung aussprachen, inirr ihm sind sie doch von neuem zu einer wohl- tv-lumden Neutralität zu bewegen gewesen, und Ira gleichzeitig mit Locarno tagende Kongreß der ?>«dikalsozialisten endete eigentlich mit der Apo- höfc einer neuen Verbrüderung nach links. Der Stein des Anstoßes war dabei in irfdct Linie Caillaux, der den Sozialisten iijen längst verdächtig war und als ver- htDpter Finanzreaktionär galt. Er hat mit seinen I s hörigen Refovnplänen nicht allzu viel Glück iftabt. Zwar ist es ihm gelungen, eine Der- sändigung mit England über die lr^gsschulden zustande zu bringen, die eine wein Iliche Entlastung des französischen Etats behütete, dagegen hat er sich aus Amerika er bot, war den Bankiers in Wallstreet viel l wenig, und so muhte er sich mit einem fttovisorium begnügen, das zwar für die mähsten fünf 2ahre den französischen Haus- 11 entlastet, dem französischen Staat aber den forderlichen Kredit nicht zurückgibt. Die chro- iicfie Llnterbilanz im Staatshaushalt konnte Hamit nicht beseitigen, und infolgedessen hatte ie wertbeständige Anleihe, von der er sich viel versprach, einen negativen Erfolg. An- bl der 30 Milliarden, die er erhoffte, brachte - nur den fünften Teil zusammen, der nicht i'.mähernd entfernt ausreicht, um den starken iruid der kurzfristigen Anleihen von dem Bud- I zu nehmen. Eine weitere Folge war aber äickh, daß der französische Franken Schritt Jir Schritt zurückwich, er hat, ein sichtbarer 2eweis für das Miß trauen der internationalen Zimanzwelt, sich von dem belgischen Franken, ™ dem er bisher ständig parallel lief, getrennt ' mb seine Bewegung nach unten fortgesetzt, wäh° llnnb der belgische Franken eine steigende Ten- km; aufwies. Sie Sozialisten glaubten nun das Geheimnis entdeckt zu haben mit ihrer Forderung knet Kapitalabgabe, die sie schon seit Katzr und Tag forderten, aber bisher nicht üirhsehen konnten. Auch Caillaux hat sich Der» zvDselt dagegen gewährt, weil er von solcher lö^abe nach den Erfahrungen in anderen Staaten hic eine allgemeine Kapitalflucht ins 2ms land befürchtete, die wieder ihre Rück- hirlung auf den Frankenkurs ausüben muh. Teiche anderen Mittel er Vorschlägen wollte, ist nchl bekannt geworden, weil seine Pläne im Ka° b.ii Uhr: „Haus Rosenhagen' (Ende nach 10 Uhr). — Lichtspielhaus, Bahnhof» st raße: „Die vom Riederrhein". — Die Zentrumspartei beruft im heutigen Anzeigenteil auf morgen, Donnerstag, abend eine öffentliche Versammlung in das Kath. Vereinshaus ein. (Siehe Anzeige.) — Das Madrigal-Konzert der Darmstädter Madrigal-Vererstigmrg, das morgen Abend die Vortrags-Vereinigung in bet Reuen Aula veranstaltet, sei hiermit nochmals allen Musikfreunden in Erinnerung gebracht. Das Konzert beginnt bereits um 71/2 Uhr, ba die Künstler noch am Abend weiterfahren müssen. (Siehe heutige Anzeige.) O Herabsetzung der hessische« Verzugszuschläge für rückständig« S t a a t s st e u e r n. Rachdem durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen die Verzugs- Zuschläge für rückständige Steuern auf halbmonal- sich 3/4 Prozent herabgesetzt worden sind, Hai das Hessische Finanzministerium angeordnet, bah die erwähnte Reichsverordnung mit Wirkung vom 15. Oktober an auch auf die hessischen Staats» steuern anzuwenden ist. ** DieRovember-Miete in Hessen Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gibt bekannt: Di« Miete für den Monat Rovember , wird für das ganze Land einheitlich auf 88 | v. H. der Friedensmiet« festgesetzt. Iw übrigen wird an den bisherigen Bestimmungen nichts geändert. Warnung vor Falschgeld. -De: Polizeibericht in Frankfurt meldet: Folgende Sorten falschen Geldes sind im Berkchr feftgestelli Warden: Roten zu zehn Reichsmark bet Ausgabe vom 11. Oktober 1924, kenntlich ar verschwommenen Bild und den aufgedruckten Fasern. Ferner R e n t en 5 a nkschei n e zu lv Mark mit der Zkusgabe vom 1. Roveinber IM und der Reihenbezeichnung: E. 9395 ..., NV 03$ F. 0396, A. 0399. Diese Falsch,sch eine haben tritt aufgeLructte Fasern, teils ausgeprägte Wasserzeichen und sind teilä schlecht nachgeahmt. Auch falsche Dreimarkstücke tai-.chen wieder "auf, die teils kenntlich sind an dem Rand ohrre Randzeichen, teils an der schlechten Randinschrist „Einigkeit und Recht und Freiheit", sowie daran, daß statt dieses Spruches teils in wiederkebren- der Folge das Wort ..Einigk" in den Rand geprägt ist. RDD. Nochmals: Personalausweis mit Lichtbild erforderlich! Wie aus dem Rheinland mitgeteilt wird, kommen noch immer Br- ; ftrafungen solcher Personen vor, die in das besetzt ■ Gebiet ohne Pah bzw. polizeilichen Ausweis ein- ■ reifen. Der Rheinische Verkehrsverband weist baljer , mit Nachdruck darauf hin, daß zum Aufsuchen dv besetzten Gebietes alle über 16 Jahre alten Person«! im Besitze eines mit Lichtbild versehenen Personalausweises ober eines Reisepasies sein müssen. 2)it Ausstellung eines der beiden Ausweise erfolgt durch die Ortspolizeibehörde. S a n i t ä t e r b e f u ch i n G i e h e n. 2L-? Bad-Rauheim wird uns geschrieben: Tw des verdienstvollen Kolonnenarztes, Sanitätsratt kolonnc Bad--Rmlheim einen Lehrausflug und) der Universitätsstadt Gießen. Unter Führuns des verdienstvollen Kvlonnenarztes, Sanitätsra: ! Dr. Hahn, nahmen 41 Karner ab en daran teil Mitglieder der Gießener Frerwillige- Sanitätskolonne vom Roten Kreuz empfingen die Bad-Rauheimer Kameraden im 8 Uhr vormittags am Gießener Bahnhof. Aü einen kurzen Rundgang durch die Stadt schlaf sich zunächst die eingehende Besichtigung btf Anatomie an, die in cntgegenkommenbstv Weise gestattet worden war. Unter sachkunbige Führung des Ehrenkolonrrenführers und lang- jährigen Anatomiedieners Balser, Gießen, die fast zweistündige Besichtigung des lehrreiche'.: Instituts viel Anregung und WissensbcreichermiK und gab zu dem allgemeinen Wunsch Veranlassung, im kommenden Frühjahr die Besicht!" gung zu wiederholen. Der nächste Besuch galu dann der Hautklinik, woselbst im Hörsac^ Nicht die Farbe machts! Bei der Wertschätzung der Dinge läßt man sich leicht von äußerlichen 6mörütken bestimmen. Maßgebend aber ist der innere Schalt. So ist auch die Farbe eines Bieres kein Mahstab für seinen Reichtum an Sxlrakt. Ls gibt sehr dunkle Biere, die als Sesundheitsbiers angepriesen iverben, jedoch keinen anderen Nährwert besitzen als normale Exportbiere. ‘Dagegen ist es vor einiger Zeit nach jahrelangen Versuchen und (Erfahrungen durch Amvenbimg eines besonderen Verfahrens gelungen, ein vollkommen neues Bier her?::stellen, loekbes die im Maß enthaltenen Sxtraktroerte in einem bisher unbekannteil Höchstmaße erhält und die bei der Sährnng sich vollziehend« llmwandlung derselben in Kohlensäure und Alkohol auf ein Minimum beschränkt. Das auf diese Weise hergestellis neue Bier kommt unter dem Romeo in den Handel und hat sich bereits bank dieser Ligen- schäften als ein ausgezeichnetes Röhr- und Kräftigungsmittel für Gesunde und Kranke bewährt. Ls regt den Appetit an, ist vollmundig, von angenehmem Sc- schmack und erinnert im Trunk an schwer eingefottene alte ooijerische Viere. Das Harker-Rährbier ist zu haben in allen durch Schilder und Plakato^kenntlich gemachten Apotheken, Lebensmittel- und ZeinKost- geschaftsn. ‘2Han verlange ausdrücklich Hacker-Rahr- vier, nicht irgend ein Bier, welches nur mit Forbmah schioarr gefärbt ist und auch nicht annähernd den gleichen Rährwett hat. Alleinige HelstellcriniActien' gesellschoft Hackerbräu München, 500 Fahrs bestehendes Brauhaus. Alleinvertrieb für Gießen u. Umgebung: Firma • Georg Hebstrei't,Gießen, Klmilstr.2i, Fernruf 163. inneruna jj Wlck fat der Jk lof e lucher.^ richlE ■N'N Men ® u'at) ®'.'\ Sie mit P 3n der ■■ jc:l Aiehcn i-j einem (roten va raMN.1' in Sießen bie geböte niste m V« bruef. All solche Leh' bet W zische gemtinW hellilchen Solch« 2« llnlerstühi und nach geführt u Ivhani Die 5 t c. 3 Land zig Dintrrip! Pflegt au. spick, das korperbifd. mancherlck alle Derei Sellen, so schaslen, d unb A der unermüdliche Mittelstürmer waren hier die Besten. Das Ergebnis 5:0 ist keineswegs verdient, eine 3:1 würde eher dem Spielverlauf entsprechen. Schiedsrichter Seibert-Wetzlar war gut und jederzeit den Anforderungen gewachsen. Mit diesem Spiel kam Butzbach mit drei Siegen und einem Torverhältnis von 19 zu 2 an die Tabellenspitze, dem Bad-Nauheim 1860 mit 2 Siegen und dem Torverhältnis von 5:6 vor 1860 Marburg folgt. V. f. L. Marburg ist jetzt erst in die Runde eingetreten und soll eine sehr tüchtige Mannschaft unter Leitung von Oberleutnant Münch heraus- gebracht haben, so daß Ueberraschungen und Veränderungen nicht ausgeschlossen sind. Fechten im Gau Hessen (D. T.) Dutzbach. 26. Oft. Gestern fand hier das diesjährige Ausscheidungsfechten des Turngaues Hessen mit leichtem Säbel für Oungmannen statt. 26 jugendliche Fechter waren am Morgen zu den interessanten Kämpfen angetreten. Der Vorsitzende des Turn- und Sportvereins Dutzbach, Redakteur Schneider, entbot in kerniger Ansprache herzlichen Willkomm, und auch unser neuer Bürgermeister Dr. Jansen richtete an die Mitkämpfer herzliche Begrüßungsworte, darin viel Verständnis für die hohe Bedeutung der Leibesübungen bekundend. Die anstrengenden Wettkämpfe, die den ganzen Vormittag ausfüllten, hatten das folgende Ergebnis: I. Sieger Edgar Vogel. Mtv. Gießen (20 Treffer, 5 Siege); 2. H. Hennig, Mtv. Gießen (19 Treffer); 3. L. Krämer, T. u. Spv. Dutzbach (16 Treffer. 5 Siege); 4. K. Kühn, Tgm. Friedberg (17 Treffer, 4 Siege): 5. Otto Lach- mund, T. u. Spv. Marburg (14 Treffer, 3 Siege); 6. E. Lancke, T. u. Spv. Marburg (10 Treffer, 2 Siege); 7. H. Derlich, Tv. 1860 Bad-Rau- heim (8 Treffer. 2 Siege); 8. Hrch. Lampert, Tv. 1860 Dad-Rauheim (10 Treffer, 1 Sieg); 9. W. Fink, T. u. Spv. Marburg unb L. Gerhart. Tv. 1846 Gießen: 10 R. Malehke, T. u. Spv. Dutzbach und R. Lichte. T. u. Spv. Marburg; 11. F. Schlier. Mtv. Gießen, O. Brack, Tgm. Friedberg und Dethge, T. u. Spv. Dutzbach. Die vier ersten der oben genannten Sieger traten auf Grund ihrer Leistungen zur A l t - mannenklasse über. Der sich an die Wettkämpfe anschließende Gaufechtertag behandelte wichtige interne Fragen. 11. a. wurde beschlossen, den nächsten Gaufechtertag im April in Dad-Rauheim abzuhalten und ein Schulfechten damit zu verbinden. Verbunden mit der Veranstaltung des Gaues war die Feier des 5 0jährigen Bestehens Sonntag gleich starken beiden Spitzenmannschaften men. Aller Voraussicht nach wird hierbei i scheidung um die Meisterschaft fallen. morgen, 29. Oktober, auf eine 25jährige Dienstzeit im hiesigen städtischen Elektrizitätswerk zurückblicken. ** Ihren 70. Geburtstag begeht morgen Frau Katharina Kimmel Wwe., Schillerstraße 27 wohnhaft. Die alte Dame ist trotz ihrer sieben Jahrzehnte noch sehr rüstig und regsam. -i- Gesangswettstreite. Soweit sich die Verhältnisse auf dem Gebiet bet Gesangs- Wettstreite schon jetzt übersehen lassen, scheint das kommende Fahr nicht die hohe Zahl der Wettstreite aufzuweisen, wie sie uns dieses Fahr bescherte. Das Zahr 1925 wird jedenfalls Rekord- fahr in dieser Hinsicht bleiben. War es ihm doch beschieden, den Rahmen für die unter der Einwirkung des Krieges und der Inflationszeit verschobenen Zubiläumsfestlichkeiten der Gesangvereine zu bilden und so die Zahl der Wettstreite über Dedarf zu steigern. Für das kommende Jahr haben bereits Cinkadungen ergehen lassen die Gesangvereine ..Sängerkranz", Watzenborn. .Sängerkranz". Großen- Duseck; „Lieder kränz". Windecken. „Liederkranz". Herborn. .Frohsinn, Soden _ *• Postscheckkonto an geben! Diele Geschäftsleute, die ein Posffcheckkonto besitzen, unterlassen es immer noch, in ihren Zeitungsanzeigen, Werbedrucken, Briefbogen, Rechnungen, Postkarten usw. ihr Postscheckkonto anzugeben. Hierdurch ist mancher Geschästskunde im Zweifel darüber, ob der betreffende Lieferant ein Postscheckkonto hat unb begleicht seine Schuld anstatt mit gebührenfreier Uebertoeifung ober der billigeren Zahlkarte des Postscheckverkehrs mit der kostspieligeren Postanweisung; auch wird mancher Kunde auf eine Bestellung verzichten ober die Bestellung bei einer anderen Firma vorziehen, die ihr Postscheckkonto in den Werbeanzeigen angibt unb dadurch auf die billigere und bequemere Zahlungsmöglichkeit hinweist. Deshalb Geschäftsleute: Gebt in Zeitungsanzeigen, auf Rechnungen, Briefköpfen. Werbedrucffachen, auf Postkarten usw. das Postscheckkonto an einer leicht in die Augen fallenden Stelle und mit recht deutlicher Bezeichnung der Kontrollnummer an! Die Handballverbandsspiele im Turngau Hessen D. T. c. Dutzbach, 27. Oft Wenn der Herbst ins Uanb zieht, dann rüsten auch die Turner zu ihrem Winterspiel: dem Handball. Seit Beginn Megt auch der Hessengau dieses schöne Kampf- Ifiel, das in hohem Maße dem Spieler geist- und Srperbilbende Kräfte zuführt. Wenn auch imancherlei Umstände bewirkten, daß nicht mehr aJle Vereine Mannschaften für die Spielrunde ß-dfen, so sind es doch immerhin 8 Mann- schaften, die um die Meisterehre der Meiskr- icreb A-ÄIalfe kämpfen, einmal der langjährige Saumeister Turn- und .Sportverein 1 846 Dutzbach, 1860 Dad-Rauheim, H t». Dietzen, 1860 Marburg und D. f. L. zielbewußte Leitung bekommen, der es gelang, in angestrengter 'Arbeit die seit annähernd Jahresfrist emgeschlafenen Jugend - Meisterschafts- spiele wieder in Gang zu bringen. Am 18. d. M. begannen die Kämpfe auf dem grünen Rasen. Die Spiele werden in zwei Klassen husgeftagen, und zwar „Ligajugend" (1. Jugend-Mannschaft der Ligavereine) unb A»3ugenb, in der sämtliche übrigen Jugendmannschaften eingerecht sind. Gleich der erste Spieltag brachte in der 1. Klasse drei Begegnungen. Es siegte der B. C. Wetzlar über Dillenburg 4:0, der V. f. B. Gießen über Butzbach 3:1 und der Sportcluhl900 Gießen über den F.C. Wetzlar mit nicht weniger wie 8:1 Toren. In der 2.Klasse stieg nur das Spiel Weilburg I. gegen 1900 Gießen II. Die Gießener Jungen hatten einen schwe ren ©an, ' ‘ ~ jmals: Personalaus! d erforderlich! We Wi teilt wirb, kommen noch inrnz’. >t Personen vor, die in bas ty atz bzw. polizeilichen ihismit Mische Berkehr-oerband wchic barauf hin, baß zum alle über 16 Jahre allen Perl« ; mit Lichtbild versehenen M eines Reisepasses sein müßen, es der beiden Ausweise tnolgi i »Hörde. m. . . Lterbrsuchin Drehen., eim wird uns g^neben >rcn Kolonnenarztrs. samt« Häuf,eim einen ÄÄS .könne vom J5J srs-S t to0^nr®4nfü6r unb k omiedl««^ ' lehrö iindige 3e^;®end6creig Megung und$ dein gk * rtüisj; Ä’ftSf-*1’* vor ÄnnMUNg -ML ng zu machen, da Weilburg als Favorit Meisterschaft galt. Nach prächtigem Kampf kamen aber die beiden Punkte durch einen 4: 2-Sieg (Halbzeit 2: 0 für Weilburg!) doch nach Gießen. Der vergangene Sonntag sah abermals drei Spiele der Ligajugend. Sieger blieben in überlegener Weise V. f. B. Gießen gegen B. E. Wetz- lar 5:1, F. C. Wetzlar gegen Butzbach 4:2. 1900 Gießen gewann in Dillenburg nur ganz knapp 2:1, während man gerade hier ein hohes Resultat für 1900 erhoffte. Schuld daran mag wohl der kleine unbekannte Platz und der infolge Erkrankungen eingestellte Ersatz gewesen sein. Jedoch auch Dillenburg war daran beteiligt, das in ganz unritterlicher Weise in diesem Jugendtreffen Spieler Mitwirken ließ, die man erst kürzlich in Gießen bei Dillenburgs Liga spielen sah. In der /^-Klaffe siegte im Lokaltreffen 19 00 II. Jugend gegen die gleiche des V. f. B. mit dem Bombenergebnis von 8: 0. Bereits nach 12 Minuten Spielzeit stand der forsche Kampf 4: 0 für die tech nisch weit besseren 1900er. Weilburgs I. schlug F.E. Wetzlar II. 7:1. 1900s II. Jugend führt somit weiterhin in dieser Klaffe ungeschlagen und ohne Punktoerlust und wird sich auch so leicht der FechterabteNung des hiesigen Turn- und Sportvereins. Ein sehr feierlicher Festkommers fand abens im „Hessischen Hof" statt. Zahlreiche Ehrengäste und Vertreter der Vereine und Behörden nahmen daran teil. Auch der neue Bürgermister Dr. Jan sen weilte in der Mitte der tfeftgemeinbe unb nahm, wie am Vormittag, Anlaß, in einer kurzen, inhaltsreichen Ansprache der edlen Turnerei seine volle Sympathie zu bezeugen. Redakteur Schneider hielt die treffliche Begrüßungs- unb Festrebe. Ein langer Reigen ber Gratulanten übermittelte anschließend der Jubiläumsabteilung Glückwünsche unb überreichte ihr zur Erinnerung an ben denkwürdigen Tag kleinere ober größere Angebinde. Wir nennen hier nur bic Vertreter ber auswärtigen Fechterriegen, bie in ihren Ansprachen alle Bezug nehmen konnten auf bic engen Freundschaftsbande, bic sie mit Butzbach seit langem verknüpfen. Es sprachen für Mtv. Gießen Gg. Z ö r b, für Tv. 1846 Gießen A. Noll, für T. u. Spv. Marburg Groos, für To. 1860 Bad-Nauheim H. Reich- mein, für Tde. Friedberg F. Schütz. Im turnerischen Unterhaltungsprogramm des Abends nahm selbstverständlich das Fechten eine bevorzugte Stellung ein. Die Fechterriege des T. u. Spv. Butzbach zeigte unter Führung ihres Fechtlehrers, Karl Noll-Gießen, em erfreilliches Können. Lebhaften Anklang fanden auch bie Darbietungen ber feit vorigem Jahr bestehenden Gauwerberiege (fürs Fechten), bie einige Gänge in Säbel unb Florett meisterhaft durchführte. Höhepunkte turnerischen Erlebens waren bann noch bie Reigen unb volkstümlichen Tänze ber Frauenabteilung des Turn- und Sportvereins sowie bas gewandte Barrenturnen ber aktiven Turner. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. Der Herbsttoaldlauf. L Als Abschluß der diesjährigen leicht ach le- ttschen Veranstaltungen fand am Sonntag bei herrlichstem Herbstwetter der Herbstwaldlauf im Gießener Stadttvald statt. Die Beteiligung der Sportler und Sportlerinnen war sehr gut. Die Laufstrecke befand sich infolge der letzten Regentage in nicht gerade einwandfreier Verfassung. Trotzdem wurden recht befriedigende Zeiten gelaufen. Lieber das am besten eintrainierte Läufermaterial verfügen Gießen und Heuchelheim, die denn auch auf den von ihnen belegten Korrkurrenzen den Vogel abschossen. Die Veranstaltung bewies, daß auch dieser Sportzweig in dem 3. Bezirk ausgezeichnete Fortschritte gemacht hat und sich sehr gute Kräfte herangebildet haben, die an den kommenden Kreisveranstaltungen in erfolgvers brechender Weise teilnehmen tonnen. Die Äegerliste ergibt: 40 0 Meter für Sportlerinnen: Mannschaftslauf: 1. Fr. T. Gießeir Einzellauf: 1. Elise Diehl, Gießen; 2. Magdalene Flick, Gießen; 3. Höhs, Gießen, 4. Riim, Gießen; zunächst der Ue&etlegene: eine vvm Halbrechten getretene Ecke wurde direkt verwandelt. Gießen wurde jetzt wieder gefährlicher, um es nicht zu einer Riederlage kommen zu lassen, wobei schließlich das Glück ein toemg mithalf, indem ein Alsfelder Läufer in der Abwehr den Ball ins eigene Tor jagte. 2:2! Gießen hatte jetzt allgemein mehr vvm Spiel, eS gelang aber nicht, dies in Torei^ auSzudrücken, während Alsfeld ein weiteres Tor, daS anfangs zweifelhaft war, vom Schiedsrichter als gültig zugesprochen erhält. Alle Anstrengungen der Gießener Mannschaft, wenigstens cm Unentschieden herauSzu- holen, waren vergebens, die ganze Ausbeute waren 2 weitere Ecken, die aber verschossen wurden. Das Eckenverhältnis war 5:4 für Gießen. Gießens Mannschaft war auf altgewohnter Höhe, nur zeigte die Verteidigung eine ungewohnte Unsicherheit. 3n der Alsfelder Mannschaft ragte der Mittelstürmer, Halbrechte und Mittelläufer hervor. Auch hier ließ die Verteidigung, besonders die rechte Seite, zu wünschen übrig, während der Tormann reichlich unsicher im Fangen war. Der Schiedsrichter hätte in seinen Entscheidungen entschiedener sein müssen, manchmal traf er direkte Fehlentscheidungen. Daß beide Mannschaften die Ruhe bewahrten, zeugt von hoher Sportdisziplin. Damit haben die Serienspiele ihr Ende gefunden. Rach dem Spiel überreichte der De- zirksspielleiter Kegel. Wetzlar, mit einer kurzen ermahnenden Ansprache dem diesjährigen Dezirksmeister, der Freien Turnerschaft Gießen, das diesbezügliche Diplom. Gießen muß nun sehr eifrig trainieren, um bei den beginnenden Kreismeisterschaftsspielen unseren heimatlichen 3. Dezrrk würdig zu vertreten. Wieseck-Jugend—Wehlar-Jugend. Die Wiesecker Jugend bewies auch bei diesem Spiel, das sie 3:1 für sich entscheiden konnte, ihre aufsteigende Form. Gelingt es Wieseck, diese Mannschaft zusammenzuhallen, so verfügt sie mit den Jahren wieder über ausgezeichnete Spieler, die den guten Klang der früheren Wiesecker 1. Mannschaft wieder Herstellen können. Jugend-Futzbav. ö. Endlich hat auch bie Jugend im Gau Gießen-Wetz lar des W. S. D. wieder eine Wen 40 ®7»wti|en. tQtenUr das t» fiX"9 in l »33 wj riebtnämiete festgesetzt.' in bisherigen Seftümirj og bot Falschgeld. ! Ankmt meldet: Falzendes lees sind im Derkchr fefüti V^^chsmarl: 1924' kemssch 1 «öuv unb den au'gcbcudten ’ AentenLenkscheiye » Egabe vom 1. Aofem^' | | 558 iS&& Jugendliche: Mannschcrftslauf: 1. Fr. T. Gießen. Einzellauf: 1. Hirschhäuser, Odenhausen; 2. Eckstein, Alsfeld; Sie Teilnehmer von Professor Lkessionek herzlichst begrüßt wurden. Anschließend hielt Privat- vozent Dr. Rothmann. von der Kolonnen- lagung in Dad-Rauheim h«r noch in bester Erinnerung ber hessischen (Sanitäter, einen kurzen Dortrag über die Dekämpfung der Geschlechts- Icankheiten, dabei an der Hand von Wachs- rwdellen seine Ausführungen treffllch veranschaulichend. Eingehend wurde dann die Lupus- kbeilstätte besichtigt, deren Einrichtung viel Lehrreiches bot. MU. einem Desuch der CHirur- zischen Klinik fand der Vormittag seinen Wschluß. Rach einem gemeinsamen Mittagsessen ’ '*>ot der RachmUtag Gelegenheit zur eingehenden Desichttgung ter Feuerwache und des der -Sanitätskolonne gehörenden Depots. Diese Anlagen sanden den ungeteilten Deifall der De- ücher, die wünschten, daß bie vorbildlichen Ein- nchtungen der Gießener Kolonne auch für die Dad-Rauheimer Kolonne nach und nach ge- 'chasfen werden, denn ein internationaler Dade- *DTa9 wie Dad-Rauheim bedürfe einer Kolonne, iic mit jeder anderen Kolonne konkurrieren könne. unseren herzlichen Dank. 9984D D« uni uni uni: 10324D 9980D Wieseck, den 27. Oktober 1925. Pc arb net toi: W Kirchenvlatz 8. 08738 Trinke nach den guten Lessing-Kakao! T< MleMün 2i L 9992ss erbitten Anfragen. Gelb- „ 4.40 S @a imi Lani nefci neter 10304a 10336c ' .11 «5 kaufen. 99721) Sorten 08737 5933c HauS. Prospekte kostenlos durch dieSchulleitung nicht über 18 I., inkl.Pfarr-Haus- )alt des Vogelsbergs gesucht. Schrift!. 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Werden die Namen if)m im bevorzugten sommerlichen Aufenthalt zu Sivame oder Kissingen begegnet ist, der wird m bem einfach gekleideten Herrn im Gehrock kaum den Ausländer vermutet haben. Aber trotz all dieser selbstverständlichen Konzessionen an die moderne Kultur blieb der Dizekönig ein Muslim der streng.- fttn, für viele seiner Untertanen vorbildlichen Richuniform ohne Abzeichen und unterschied sich von den vier Europäern, die an der Reise teilnahmen, nur durch den roten Tarbusch. Nach der ersten Bekanntschaft kam das Gespräch auf die Ausgrabungen, an denen ich beteiligt war, die seit langem das höchste Interesse des Herrschers erregten, und über die er trefflich orientiert war. Dann wurden die archäologischen Probleme der Wüste und ihrer Oase gestreift, und mit einem Male war das Thema angeschlagen, dessen Leitmotiv in vielen weiteren Unterhaltungen wiederkehrte, die Frage der inneren .dftigung des Landes, der Förderung der reichen Hilfsquellen, die verborgen schlummerten, deren Wiederbelebung nach vieltausendjährigem Schlummer neuen Segen über Aegypten bringen würde. B er -iL W» und Der letzte Khedive. Ein Beitrag zum Kampfe der Aegypter um ihre Unabhängigkeit. Von Ewald Falls-Gießen. Längst ist das programmatische Wort in Erfüllung gegangen, das bald nach der Eröffnuna des Suezkanals der prachtliebende Ismail Pascha aussprach: „Mein Land liegt nicht mehr in Afrika, wir sind em Teil Europas!" Und kein zweiter KH-. führte diese Verbrüderung von Morgen- und Abendland so augenscheinlich in der Eigenheit seiner Person vor wie der künftige König Aegyptens der letzte Vizekonig Abbas Hilmi. Wer der markigen etwas untersetzten, von Gesundheit blühenden Gc-' statt des letzt ergrauten Herrschers zum erstenmal * Segenubersteht, dem verrat das klare, fast weichmutige Auge im Verein mit den liebenswürdigen Formen, über die Abbas verfügt, zunächst nicht den Kern der Erscheinung. Erst bei längerer Beobach- tung und vor allem aus seinen Erfolgen heraus offenbaren sich die Kraftnatur von ernstem eisernem Willen, der weite Blick für alles, auch für das scheinbar Kleine und Geringe, was den Fortschritt und die innere Kräftigung seines Landes zu bedingen vermag, seine soldatischen Tu- genden und diese ohne den leisesten Seelengedanken an Drill und Schema. Kein Berufenerer konnte ausziehen, das alte Aegypterreich von der Fremdherrschaft ujib Knechtung zu befreien, und keinem war diese Erfüllung der Sehnsucht eines ganzen Volkes weniger an der Wiege gesungen. England hatte sich seit sieben Jahren im eigent- lichcn Aegypten festgesekt und stets verweigert, diese Besitznahme auf absehbare Zeit zu begrenzen, als der achtzehnjährige Abbas heimberufen wurde, um beim Tode seines Vater Taufik (1892) die Schulbank der Wiener Ritterokademie mit einem Throne zu vertauschen. Bei aller Jugend besaß der neue Herrscher die Frühreife des Orientalen, und es verrechneten sich diejenigen gründlich, die mit den Okkupanten des Landes glauben mochten, mit ihm werde man leichtes Spiel haben. Aber so groß auch der Mut war, mit dem der Vizekönig auftrat, ja einen direkten Bruch mit England zu provozieren suchte, stärker blieben die fremdländischen Bataillone und Kanonen, und das Bestreben des Fürsten ging, als er die Schwäche seines Landes in ganzer Bedeutung erkannte, dahin, es erstarken zu lassen, zur aufgezwungenen Mithilfe der Usurpatoren gute Miene zu machen und bessere Zeiten abzuwarten. Diel Ungerechtigkeit und schiefe Urteile hatte diese, wollte er nicht schon Thron und Volk verlieren, einzig mögliche Politik im Gefolge, und selbst die eigenen Untertanen vermochten nicht immer „Effen- bine", ihren Herrn, zu verstehen. Wie oft frügen wich im Verlaufe meines Aegyptenaufenthaltes Eingeborene, seien es Fellahs oder Beduinen, warum den Effendine ein so offener Freund der Engländer sei, und es war nicht leicht, ihnen den Zwang in seiner ganzen Stärke und Bedeutung begreiflich zu machen, unter dem der Herrscher handelte und litt. Die Gebildeten erkannten natürlich die Lage besser, ihnen blieb aber auch die Schattenseite des englischen Danaergeschenkes nicht verborgen. Mit Sorgen sah die Nation, daß mit der allgemein anerkannten Verbesserung aller Einrichtungen, der Verwaltung, des Gerichtswesens, von Handel, Industrie, und vor allem der Kultur, mit der Hebung des Unterrichtswesens, ja selbst der militärischen Eigenkräfte immer und unzertrennlich die Stärkung des englischen Einflusses, die Erweiterung fremder Machtbefugnisse verbunden waren. Augenfälliger als zur Zeit der Errichtung des anglo-ägyptischen Krondominiums im Sudan und klarer als unter das Regime Lord Cromers, der erst 1907 von seiner Stellung als Konsul und vor allem Adviser „Ratgeber" der Regierung abdankte, trat das niemals zutage. Immer schwieriger gestaltete sich die Lage des Vizekönigs, der England erstarken und eigene Hoffnungen in weiteste Ferne gerückt sah. Später erst wurde die Erdrückung unter dem Joch der Fremdherrschaft der Nation als solcher merkbar, erwachte mit dem politischen und nationalen Fühlen der oberen Zehntausend eine antienglische, nationalistische Bewegung. Und die Zeit dieses Aufglimmerns und Aufflackerns des ägyptischen Patriotismus im letzten Jahrzehnt war wohl die schwierigchste für Abbas Hilmi, die gefährlichste für den vizeköniglichen Thron. Mehr wie einmal ging dos Gerücht, England wolle den Khediven absetzen und den ältesten Knaben des Herrschers auf den Thron erheben. Schlimmer aber waren diejenigen englischen Insinuationen — und Wünsche —, welche Abbas verdächtigten, er werde mit Englands Hilfe 1 Arabien erobern und sich eines Tages zum Kalifen ausrufen. Ich lernte den Vizekönig zuerst während jener großen Reife nach der Oase Siwah kennen, auf der ist sein Gast war und fast einen Monat lang die nordöstlichen Teile der Libyschen Wüste durchzog. Stundenlang fuhren oder ritten wir zusammen zu schiedenesj | gSöener WW W, gegw^l° " » oielhundertköpfige Karawane^ zur Verfügung des Vizekönigs stand. Abbas Hilmi trug einfache Khaki- ** BorgA tas- | Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) tung, Daß er seine Freitagsgebete in öffentlich- feierlicher Form verrichtete und an den großen Festen des Islams führenden Anteil nahm, brachte feine Stellung schon mit sich. Nicht minder gab er im intimen Privatleben seinem Hofstaate und dem Volk das gute Beispiel eines wahrhaft frommen Herrschers, selbst die außerordenllichen Umstände der Wüstenreije, auf der ich Abbas Hilm, begleitet, vermochten nicht, ihn von den Speisebesetzen des Islams auch nur vorübergehend abspenstig zu machen. Und während wir, seine Gäste, mit ihm tafelten, enthielt er allein sich des Alkohols, den er in liebenswürdiger Weise kredenzte. Sogar den Tabak verschmäht er in jeder Form. Sein Gebetsteppich begleitete ihn auf allen Fahrten, und wenn der Nachfolger der Pharaonen allabendlich nach be- schwerlichem Ritt niederkniete, um Allah in der Wüste zu preisen, dann war es mein Wunsch, die ganze Welt könnte sich an dem Anblick erbauen. Aus der Ehe des Khedive mit feiner ersten Frau, der Khedioa, gingen fünf Kinder hervor, von denen der Thronfolger Prinz Abdul Monein eine besonders intelligente und sympathische Erscheinung ist. Don den vier Töchtern heiratete Prinzessin Attiah Allah Hanem Esfendi einen Prinzen aus Konstantinopel, Seine Hoheit Mohammed Jellal Eddin Pascha, und die Hochzeit im Jahre 1913 war ein märchenhaftes Fest für die Kairener Gesellschaft. Naturgemäß bleibt dem Europäer der Harem des Fürsten verschlossen. Wo Staatsgeschäfte und prunkvolle Empfänge keine Ausnahmen erforderten, erschien Abbas Hilmi auch in seinen Schlössern nicht anders als ein ein- facher, liebenswürdiger Hausherr. Am heimischsten fühlte er sich im Palais von Montazah, einem Lustschloß, das in der Richtung von Rosette liegt, und dessen herrliche Umgebung er selbst im Laufe vieler Jahre aus reinem Steppenboden heroorzau- berte. Da die khediviale Dynastie erst seit dem Auftreten des Mazedoniers Mohammed Ali, also nun feit rund hundert Jahren, in Aegypten heimisch ist, und die ooraufgegangenen Vizekönige keine zeitgemäßen Schlösser hinterließen, übernahm Abbas Hilmi zu allem anderen noch die Aufgabe, würdige Herrschersitze zu schaffen. So entstanden neben den fast nur der Repräsentation dienenden Schlösiern von Ras el Tin und dem hochmodernen Abdin- schloß zu Kairo die großen Landsitze von Montazah und Kubb«. In letzterem Serail empfing der Khedive gerne. Es liegt sieben Kilometer von Kairo mitten im fruchtbarsten Boden des beginnenden Deltas und beherrscht unter anderem den von unzähligen Pilgern besuchten Marienbaum, eine uralte Sykomore, unter welcher die hl. Familie auf der Flucht geruht haben soll. Recht charakteristisch erschien mir auch, wie der Landesherr seine Bahnfahrten und Inspektionen im mareotischen Bezirk ausnutzte, um Bekannte zu empfangen und Besuche entgegenzunehmen. Mehr als einmal erschien denn auch während meiner Teilnahme an den Ausgrabungen in der Menasstadt eine Patrouille berittener Askari mit einer vize- kvniglichen Botschaft, die meine Anwesenheit an der nächsten erreichbaren Station wünschte. Lief dann der Hofzug mit seiner in blinkendem Kupserwerk reich verzierten Lokomotive in die kleine Wüsten- station ein, dann entstieg Abbas Hilmi zuweilen, begrüßt von der kleinen Askarigruppe, und war gerade Beduinenmarkt in der Nähe, so mischten wir uns unter die braunen Wüstensöhne, die ihren Herrn mit tiefem Saläm beglückwünschten. Oder aber der Dizekönig ließ seinen — mitunter höchst eigenhändig gelenkten — Zug nur halten, um mich aufzunehmen und um sich dann auf längerer Fahrt im Salonwagen alles das erzählen zu lassen, was sein Interesse wachrief. Am liebsten aber von allen Zusammenkünften erinnere ich mich an meinen Aufenthalt in einer jener kleinen „Wüstenresidenzen", die der Fürst sich an einigen Etappen seiner Nordwestbahn erbaute, von allem Amriah. Lud er mich dorthin, so ritt ich von der Menasstadt, von einem einzigen Beduinen begleitet, herüber. Mitten in der Steppe tauchte dann die kleine Oase und Bahnstation Amriah auf, der kleine khediviale Palmen- und Weingarten, der an die alte mareotische Fruchtbarkeit erinnert, und das kleine Palais, in dessen Tür Abbas Hilmi erschien, als wir einritten. Dann kam das Gespräch auf alte und neue Probleme der Landeskultur, auf unsere Grabungen in der Menasstadt, und die Lehren, die sich daraus für die Wie- bertultioierung der Wüste ergaben. Nach dem Essen bat er mich dann wohl, ihm meine ethnographischen Beiträge für die Tagesblätter vorzulesen, und seine Fürsorge ging soweit, daß er sich persönlich von der guten Unterkunst meiner Pferde und des Be- duinen überzeugte, bevor er mir gute Nacht wünschte. Auch solche kleinen Züge sind geignet, helles Licht auf die Person eines Mannes zu werfen, von dem Aegypten heute noch alles erwartet. Ein Herrscher, der im persönlichen Verkehr mit dem Solle dessen Bedürfnisse kennen lernt, der überall zu lernen sucht, und freilich dabei noch öfter unbewußt selbst belehrt, der die Kulturgeschichte seines Landes nicht nur kennt, sondern sie auch anwendet, ist zweifellos berufen, seine Untertanen glücklich zu machen. Die großen Probleme Aegyp- ten, die Erlösung der Fellahs, die Erschließung noch schlummernder gewaltiger Hilfskräfte des Landes. sie werden unter englischer „Aussicht" nur zum Teil verwirklicht, jedenfalls aber zum Schaden nationaler Entwicklung und Selbständigkeit, Zwar hat der unglückliche Ausgang des Wettkrieges den „besten Aegypter", Abdas Hilmi, seit Jahren in die Verbannung geschickt. Aber was bedeutet dieser gewaltsame Wechsel des Staatsoberhauptes für die Söhne des uralten Nillandes? Wir sehen Reiche und Throne entstehen, vergehen und Wiedererstehen. Diese Sonnenkinder hoffen auf die kommende Stunde. Sie haben Abbas Hilmi, ihren Herrn, nicht vergessen. Die latente ägyptische Krise, bk Englanb, wie bie „Times" vom 15. 9. 1925 zeigt, schwere Sorge bereitet, beweist es. Auch bie soeben burch bie Zeitungen ber Wett gemelbete Revolte in Tanta, ber Stabt des Heiligen Bedawi, des heutigen National» Patrons der islamitischen Aegypter, zeigt den Völkern der Erde erneut, wie grausam englische Herrsch- sucht das Niltal immer noch entgegen allen feierlichen Versprechungen und „heiligen" Verträgen drückt, den Ruf zur nationalen Befreiung der Nil- lande wird jedoch auch bie brutale Faust Englanbs nicht bämpfen können. Die Losung ber Aegypter lautet wie die unsrige: „Jnschallah, bufra!" — So Gott will morgen 1 Sir William Garstings, eines Willcock und Baker stets mit Bewunderung im Zesammenhang mit diesen Werken genannt werben, so soll boch nicht vergeßen sein, bah ägyptisches Gelb sie erbaute. Wie Mo° hammed Ali, ber Gründer ber khebivialen Dynastie, die dauernde Dettabewässerung zur Hebung der Baumwollenkultur einführte und den berühmten Nildamm bei Kairo errichtete, so war kein zweiter mehr darauf bedacht, die Lage der Fellahs und den Reichtum des Landes durch Verbesserung des Berieselungssystems zu fördern als der letzte Khedive. Großes war mit der Errichtung jener Riesenstaudämme erreicht, aber es war doch nur ein Anfang. Um Millionen armer Bauern aus oft selbst- gewollter Leibeigenschaft zu befreien, dazu bedurfte es der friedlichen Eroberung von Neuland. Ganze Provinzen des alten Aegypterreiches schlummerten mit ihren versunkenen Städten im Wüstensand. Abbas Hilmi machte es zu seinem Programm, sie Wiedererstehen zu lassen. Den großzügigsten Versuch hierzu bilden seine Unternehmungen in Nord- westägypten, wo unter seiner ständigen Kontrolle im Verlaufe von zwei Dezennien die glücklichsten Ansätze gemacht worden sind, die alte mareotische und die Marmarikaprovinz wieder aufleben zu lassen. Abbas baute quer durch die Wüste und Steppe eine eigene Bahn, deren Fortschreiten ich mit Bewunderung drei Jahre lang aus nächster Nähe verfolgt habe. Soldaten leisteten bie erste Arbeit, beutsche Ingenieure unb Techniker führten bie Eisenspur burch eine Gegend, die noch vor kurzem ganz unter ber Kontrolle ber Bebuinen stand. Als wir nach Siwah reiften, stampfte bas Dampfroß bis zu ben äußersten Grenzen ber Mareotis. Der großangelegte Plan bes letzten Khebioen, ber burch bas grobe Dreinfahren Englanbs verhindert warb, bezweckte bie Weiterführung des Schienenweges bis zum Golf von Sollum und zur Grenze der Cyre- naika. Welche Perspektiven sich aber aus einer derartigen Vollendung dieses seines Werkes einmal ergeben würden, das setzte mir Abbas Hilmi mit den Worten auseinander: „Mein erstes Ziel mit dieser ägyptischen Nordwestbahn ist die Eröffnung eines neuen, kürzeren Seewegs nach Aegyoten, nämlich Messina—Sollum (12 Stunden), und Dann haben wir hier die erste Hauptetappe einer neuen interkontinentalen Linie, der Strecke Konstantinopel—Marokko." Als wir nach ber berühmten Oase zogen, bie einst bas Ammonorakel barg, unb zu ber seit Alexander bem Großen kein Herrscher Aegyptens gepilgert war, auch ba hanbelte es sich nicht um bie Befriedigung einfacher Neugier ober einer königlichen Laune. Abbas Hilmi rechnete mit ber Erschließung neuen Lanbes unb neuer Verkehrswege. Wir prüften die Karawanenwege, die eventuell für Autvlinien sich eignen würden, und auf denen tatsächlich heute der englische Autobus rast, die Oasenprodukte und ihre Beförderung unb bie Quellen, unb ich erinnere mich mit Freuben baran, wie ber Khedive unb fein junger hessischer Gast mehr denn einmal gemeinsam im Sande knieten und den Boden aufwühtten, um nach Wasser zu suchen, nicht um einen Trunk zu erhaschen, denn Hunderte von Kamelen führten in Eisenbehältern gutes Wasser in Fülle mit, sondern um Kutturmög- lichkeiten zu bestimmen, Tiefe ber Wasserhahn, Salzgehalt unb anberes. Froh war ich bamals auf meine Vorbereitung auf bie Reise, bie sich insbefon» bere auf bie Nachrichten über bie alten Kulturen Mittwoch, 28. Moder 1925 erstreckt hatte, deren Besprechung stets willkommen war. Für einen so weitblickenden Geist unb eine so arbeitsfreubige Hand muhte es überaus schmerzvoll sein, nominell als Herrscher eines über alles geliebten Lanbes unb Volkes zu gelten unb boch in allen eingreifenben Beschlüssen von den Wünschen ber englischen „Ratgeber" abzuhängen. Abdas Hilmi oeryehtte benn auch niemals, wie sich feine ganze Natur immer roieber gegen biefen Zustanb aufbäume. Bei einem unserer Tischgespräche sah ich, wie sich bie Hanb bes Fürsten ballte, als er eine Episode erwähnte, bei ber sich Lorb Cromer wieber einmal ganz in ber Rolle bes Diktators aus- gespielt hatte. Unter ben bekannten Fürsten bes Morgenlanbes ist Abbas Hilmi ber am wenigsten „orientalische". Er führt weder bas sprichwörtliche Luxusleben ber Orientalen, noch hält er einen großen Harem. Wer wieder einmal Battankrieg? Von Dr. Arthur Dix. 93alb jährt sich zum zehntenmal ber Tag, an bem beutfdje unb bulgarische Truppen gemeinsam nach ber Ueberrennuna Serbiens unb Montene- gros auch griechischen »oben betraten, um bie Ententekräfte vor sich her zu treiben. Wieber sinb jene Grenzstreifen zum Schauplatz militärischer Verwicklungen geworden. Die Griechen behaupten ernsthaft, sich durch Teile der Bulgarien gestatteten Armee van 20 000 Mann bedroht zu fühlen, obwohl Bulgarien wirklich alle Hände voll zu tun hat, um im Innern die Ruhe und Ordnung einigermaßen aufrecht zu erhalten, unb bie Friedens» stärke bes griechischen Heeres bas Dreifache ber bulgarischen Heeresstärke übersteigt. Bisher waren es die Serben, bie beftänbig mit einem neuen Balkankrieg brohten, weil eine große Zahl mazedonischer Flüchtlinge in Bulgarien versammelt ist unb jreilid) bas politische Streben ver- folgt, bie alte Heimat selbständig und von dem Staate der Serben, Kroaten und Slowenen unab- hängig zu machen. Heute sind es zur Abwechslung einmal bie Gretchen, bie bas ewige Feuer auf bem Volkan schüren. Die Griechen, benen ber Friedens- schluß einen ßanbftreifen am ganzen Norbranbe des Aegäischen Meeres bis hin zum Schwarzen Meer überliefert hat, ber nur in einem Teil ber ftüftenftäbte ethnographisch als griechisch betrachtet werben kann unb ben Bulgaren den natürlichen Ausweg zum Aegäischen Meer absperrt. Als ich vor jetzt gerade zehn Jahren zu den ersten Deutschen gehörte, die den so heiß umstrittenen mazedonischen Boden im Kriegsverlause zu betreten Gelegenheit hatten, konnte ich mich auch mit einer ganzen Reihe gebildeter Serben unb Griechen über ben Charakter bes mazebonischen Lanbes in voller Zwanglosigkeit unterhalten. Das absolute Uebermiegen ber ausgesprochen mazeboni- sehen Bevölkerung, bie es nach Stammesgefuhl unb Sprache roeber mit ben Serben noch mit den Griechen hielt, wurde bei solchen Gelegenheiten stets unumwunden eingeftanben. Die offensichtliche Tatsache ist ja auch gar nicht aus ber Welt zu schaffen, baß bie politischen Flüchtlinge aus Mazebonien seit ben Anfängen bulgarischer Selbftänbigteit stets ihre Zuflucht eben in Bulgarien gesucht haben. Die Staatenkarte der Balkanhalbinsel ist auch heute noch zweifellos unbefriebigenb unb birgt einen Konfliktstoff in sich, ber immer wieber zu neuen Reibungen wie ben gegenwärtigen führen muß. Groß-Serbien verfügt an seiner abriatifdjen Küste nur über vom Innern bes Berglanbes schlecht zugängliche Häfen unb erstrebt gerabe in seiner heutigen Vergrößerung auch einen Ausweg nach bem Aegäischen Meer. Noch viel brtngenber be» barf Bulgarien bieses Ausganges, da seine Küste jetzt wieder ganz auf das Schwarze Meer beschränkt ist. Die vor bem Eintritt Bulgariens in ben Krieg an ber Seite Deutschlanbs mit ber Türkei geführten Verhonblungen hcttten Bulgarien bie Münbung ber Maritza gegeben, bie als ein ben ©ulnaren geheiligter Strom gilt unb in ben bulgarischen Volksliebern bie Rolle bes Rheins in ber beutfchen Dichtung spielt. Zu bem kleinen Hafen von Debeagatsch, ber ihnen bei biefer wichtigen Grenzberichtigung zuteil würbe, gesellte sich im weiteren Kriegsverlauf auch bie Reede von Porto Lagos. Mit diesen beiden Ausgängen in das Aegir- ische Meer wären die verkehrspotttisch begründeten Ansprüche der Bulgaren erfüllt gewesen. Wirt- schastspolitisch reizte sie dann bet den weiteren militärischen Erfolge der verbündeten Truppen noch meyr dos außerorbenllich reiche Tabakgebiet von Drama, lanÜji unb Kavalla, ein Lanb, bas nicht nur bie allerbesten Qualitäten ber sog. „türkischen" Zigarettentavake liefert, fonbem auch ertragreiche Baumwollkutturen tragen könnte, fobalb für Trockenlegung ber großen Sümpfe gesorgt würbe. Bisher sinb biese Sumpfgebiete nur bie Heimat wahrhaft phantastischer Mengen von Schlangen, Fröscyen unb Schilbkröten unb bieten baburch mittelbar auch ben Störchen eine so überreichliche Nahrung, baß auf einem kleinen Walb- hain bei Tanthi Hunberte von Storchenpaaren friedlich nebeneinander horsten. Uebrigens gibt ja auch gerade das bulgarische Familienleben dem guten Adebar eine ungewöhnlich reichliche Beschäftigung ... In der Gegend des hochromantischen Struma« tals rasseln heute wieder bie Waffen. Der Balkan ist von seiner alten Unruhe erfaßt. Die griechischen unb bulgarischen Kampfhähne stehen sich einander gegenüber. Der mazebonisch-thrazische Boben wirb aufs neue umstritten. Wenn aber einmal bie Funken auf bem Balkan, bie mindestens unter der Asche zu glimmen in diesem Völkergewirr niemals aufgehört haben, wieder frisch auflodern, dann kann niemand abmessen, wie weit der Brand sich über Europa ausbreitet. Da man aber füglich bezweifeln kann, daß in der gegenwärtigen Lage die Haupt- möchte ein Interesse daran hätten, das Feuer zu schüren, so wird in diesem Falle wohl ausnahmsweise einmal der Völkerbundsrat den starken Mann spielen. Wenn auf ber einen Seite 20 000 Mann bulgarische Miliztruppen stehen, auf ber anbern Seite einige 60—70 000 regulärer Griechen, benen aber gemeinhin kein allzu hohes Maß von Tavser- feit nachgesagt wirb, bann liegt es doch wohl selbst im Bereich ber sonst so zweifelhaften Fähigkeiten des Völkerbundes, ein Halbwegs entscheidendes Wort zu sprechen. Diese seltene Gelegenheit werden die Weisen von Genf sich schwerlich entgehen lassen. Da weder die Griechen irgendeinen Anspruch auf den Bulgarien verbliebenen Boden erheben können, noch eine Aufrollung ber neben Bulgarien und Griechenland in erster Linie das heutige Serbien angehenden mazedonischen Frage dem Völker- bunb zur Zeit irgendwie verlockend erscheinen 1750-1925 Samstag, den 31. Oktober, erscheint neben der Tagesnummer die Jubiläums-Ausgabe des Siebener Anzeigers im Umfang von 96 Seiten mit 55 Bildern von Künstlerhand als Subeigabe an die Bezieher Abgabe anNeubestellerfürNovember erfolgt gleichfaKs kostenlos Einzelverkausspreis 1 Mark kann, dürfte von Genf her wohl alles daran gesetzt werden, den bulgarisch-griechischen Sturm im Wasseralase zu beschwichtigen. Es ist überhaupt stilwidrig, Balkankriege zu beginnen, wenn der November naht. So etwas schickt sich nur im Frühjahr, wenn auf den Rho- dopen der Schnee schmilzt, wenn die wildromantische Kresnaschlucht sich mit betäubendem Flieder- dufl füllt und im Tal von Kasonlik die ersten Rosenknospen sprießen, wenn den Mazedonier das Heimweh packt und Dolch und Revolver im Gurt der Komitatschi lockerer sitzen als beim Niedergang des Jahres. Oberheffen. '. Landkreis Gießen. £ Wicfcck. 27. Ott. 3m Gegensatz zu früheren Gemeinderatswahlen, bei denen stets nur 2 Wahlvorschläge Vorlagen, sind für die nächsten Wahlen 3 Vorschläge eingereicht iporbcn. da die Kommuniste n mit einer eigenen Liste Vorgehen. Die Liste des Bürg er - vereins weist neben 2 Gewerbetreibenden 13 Landwirte auf, die Spitzenkandidaten sind: 1. Heinrich Werner III., Landwirt, 2. Karl Scherer, Schlossermeister. 3. Heinrich Kümmel III., Schreinermeister, 4. Karl Lang, Landwirt, 5. Heinrich Rodenhausen, Landwirt. Die Liste der Sozialdemokratischen Partei nennt folgende Bewerber an der Spitze: 1. Karl Benner. Gewcrtschastsbeamter, 2. Karl Bremer, Buchdrucker, 3. August Schmidt, Schlossermeister, 4. Heinrich Stein, Maurer, 5. Heinrich Laudon, Dreher. An der Spitze des kommuni ft ischen Wahlvorschlags stehen: 1. Karl Hildebrand. Schlosser, 2. Wilhelm Erb. Bahnarbeiter, 3. Friedrich Deibel III.. Weißbindermeister, 4. 3osef Schöffmann, Bahnarbeiter, 5. Emil Schnabel, Steinhauer. Bon einem eigentlichen Wahlkampf war bei früheren Wahlen kaum etwas zu merken, ob's diesmal so ruhig bleibt, erscheint angesichts der drei Wahlvorschläge fraglich. — In die Freude über die in diesem Jähre reichlich ausgefallene Kartoffelernte scheint ein bitterer Wermutstropfen zu fallen. Allenthalben hört man Klagen über (ehr stark auftretende Fäulnis. In besonderem Maße ist hieran die bevorzugte S^eisekartoffel Industrie beteiligt. Hier hat die Fäulnis schon besorgniserregende Verheerungen angcrichtet. In weniger starker Weise leiden die ,.Blaue Odenwälder" und die widerstandsfähigeren roten Sorten. Wenige Wochen nach der Ernte muh bereits begonnen werden, die Kartoffeloorräte durchzulesen, um sie vor völligem Verderb zu retten. Da die Kartoffelernte in diesem Jahre unter günstigen Voraussetzungen, bei trockenem, warmem Wetter vorge- nommen werden konnte, scheinen die vorhergehenden starken Regenfälle die sehr ungünstige Wirkung hervorgerufen zu haben. Diejenigen, die ihren Kar- tvffelbedarf von auswärts bezogen haben, sind in diesem Falle besser daran, da sie von dieser stark auftretenden Fäulnis noch nichts feststellen konnten. Vermehrte Viehhaltung wird wohl das Richtigste sein, um auf diese Weise zu retten, was zu retten ist. ==.= Watzenborn-Steinberg. 21. Oft. Für die kommende Gemeinderatswahl sind in unserer Gemeinde drei Wahlvorschläge eingereicht. Es liegen vor eine bürgerliche und eine Mittelstandsliste, die sich aus Landwirten, Arbeitern und Gewerbetreibenden zusammensetzen, ferner eine Liste der Sozialdemokratischen Partei, s. Trohe, 27. Oft. Zu der jüngsten Bundesfahrt des Lahnhöhenbundes (Vereinigung der Wander- und Mandolinenvereine in hiesiger Gegend) nach dem Schiffenberg hatten sich rund 100 Mitglieder und Freunde eingefunbcn. Spaziergänger aus Gießen und der Umgegend drängten sich auch noch in den großen Saal, der bis auf den letzten Platz beseht war. Aach herzlichen Begrühungsworten des Vorsitzenden wurden mehrere Musikstücke gemeinsam unter der Leitung des Bundesspielleiters Pfeiffer-Wieseck zum Vortrag gebracht. Dazwischen spielten die einzelnen Ortsgruppen Märsche und Konzertstücke. Alle fanden wohlverdienten Beifall. Aufsehen erregten die Darbietungen einer Kindergruppe aus Wieseck, die von vorzüglicher Schulung zeugten. Um 5 Uhr schloß der Vorsitzende die außerordentlich schön verlaufene Tagung und gab der Hoffnung Ausdrück, daß sie dazu beitragen möge, das Band der Gemeinschaft immer noch fester zu schlingen. — Der Verein ..W andervogel" aus Steinbach erklärte seinen Beitritt. : Beuern, 27. Oft. Roch nicht gelöst ist bis heute in unserem Dorf das Problem des Denkmals für unsere im Weltkrieg gefallenen Krieger. Den schwierigsten Punkt, der zu überwinden ist, bildet die P l a h- frage. Wir haben in unserem Dorfe den Künstler. unseren Bildhauer Wilhelm Arnold, welcher der Schöpfer des Gießener Denkmals für die Angehör gen des 116. Infanterie-Regiments und noch vieler anderer schöner Ehrenmale ist. Wir haben ferner den prachtvollen Lung- stein oder Blasenbasalt, aus den hiesigen Stein- brüchen. der in den letzten 3af>ren schon oft zu Kriegerdenkmälern Verwendung gefunden hat. so z. B. bei den Denkmälern in Ermenrod und Ilsdorf im Kreise Alsfeld, Trais-Münzeitberg, Kr. Friedberg, Beltershain, Geilshausen, Ronnenroth, Rieder-Bessingen und Steinbach im Kreise Gießen. Auch dieGeldfrage spielt in unserer Gemeinde nicht die große Rolle wie in anderen Gemeinden, da infolge unseres Waldreichtums die Gemeinde gut gestellt ist. Es wäre auch die Denkmalsangelegenheit bei uns schon längst geregelt, wenn nicht die Platzfrage einiges Kopfzerbrechen machte. Unfer Friedhof, der recht ungünstig gelegen ist, kann als Platz für ein Kriegerdenkmal kaum in Frage kommen. In letzter Zeit werden nun drei Plätze genannt, über die vielleicht diskutiert werden könnte. Der eine Plan ist der, den Kirchplatz neben dem Treppenaufgang zur Kirche zu verwenden, oder die Turmwand selbst als Denkmalsstetle zu benutzen. Gedacht ist dabei an ein Relief im altertümlichen, unter Denkmalschutz stehenden Kirchturme. Ein anderer Vorschlag läuft darauf hinaus, d'e .Dreispitze" an der Straßenteilung nach Climbach, bzw. Geilshausen mit dem Denkmal zu schmücken. Der schönste und idealste Gedanke ist, das alte Schulhaus, jetzt als Rathaus benutzt, abzureißen und an dieser Stelle ein geeignetes Ehrenzeichen erstehen zu lassen. Wahrscheinlich wird aber der letzte Plan fallen müssen, denn im alten Schulhaus befinden sich noch zwei Wohnungen. die in der gegenwärtigen wohnungsarmen Zeit nicht abgebaut werden dürfen, ohne daß für Ersatz gesorgt wird. Um nun nicht mehr hinter anderen Gemeinden zurückzustehen, hat der Gemeinde- r a t beschlossen, an einem der nächsten Sonntage mit unserem Bildhauer Arnold die oben- genannten Plätze einer Einsicht zu unterziehen, damit endlich an die Ausführung des Denkmals herangegangen werden kann. Rach allem, was wir bis jetzt von unserem Künstler Amold gesehen haben, dürfen wir hoffen, daß er seiner Heimatgemeinde Beuern zu einem besonders fernen Chrenrnahl verhelfen wird. — Am Sonntagabend sprach in der hiesigen Kirche der Generalsekretär des evangelischen Bundes. Pfarrer Haupt von Gießen, über das Thema: Evangelische, seid auf der Wacht! Eine große Gemeinde lauschte den markigen Worten des Redners, der es meisterhaft verstand, die Zuhörer zu fesseln. — Rachdem man sich durch eine Vorwahl auf eine Einheitsliste zur Gemeinderatswahl festgelegt hatte, wurde am Samstagabend, 10 Minuten vor o e m Schlußtermin, eine zweite, bis dahin geheimgehaltene Liste eingereicht, die als Spitzenkandidaten den Ramen des Landwirts und Steinbruchsbesihers Karl Damm trägt. Dadurch wird nun unser Dorf von einem Wahlkampf nicht verschont bleiben. :—: Bersrod, 27. Oft. Infolge des anhaltenden Regenwetters der letzten Wochen gleichen die W iefen an der «M ichelba ch" an der Deuerner Straße einem See. Die Wiesen drohen völlig zu verderben, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird, indem tiefe Grüben angelegt werden, damit das Wasser abziehen kann. Row heute sitzt dort mitten im Wasser G r u m - m e t, das natürlich verdorben ist und nicht abgefahren werden kann. Einige Wiesen konnten sogar wegen des Wassers überhaupt nicht gemäht werden. Da in diesen an und für sich schon feuchten Wiesen im vorigen Jahr etliche Monate Wasser gestanden hat, so sind die Gräser sauer und für das Vieh fast nicht verwendbar. — An der Kreisstrahe 'Beuern, in der Gemarkung Beuern, ist man gegenwärtig mit dem Sehen junger 0 bstbäume beschäftigt. Rachdem diese Straße in den Besitz des Kreises übergegangen ist, darf die Gemeinde nur noch ihre ans früheren Jahren stammenden Bäume abernten. Geht nun ein Gemeindebaum ein, so wird die Rachpflanzung eines jungen Baumes durch den Kreis vorgenommen, welcher dann auch die Ernte versteigert. I—! Beltershain. 27. Oft. Beigeordneter Reitz ist göstern in fein Amt eingeführt worden. Das bis jetzt innegehabte Gemeinde- •amt hat er niedergelegt. — Für die bevorstehende Gemeinderatswahl wurde nur eine Liste ausgestellt. Grünberg, 27. Okt. Bürgermeister Iöckel ist als Standesbeamter und als Ortsgerichtsvorsteher verpflichtet worden. Die ilebergabe der Amtsgeschäfte ist bereits erfolgt. — Zur bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l sind vier Listen eingereicht. Die 5 ersten Kandidaten von jeder Liste sind: Bauernbund: Aug. Frank. K. Böß, Leonh. Großhaus. K. Iöckel I. und K. Trinkaus. Mittelstandsvereinigung: Oberstudiendirek- tor Angelberger, L. Zinher II., Gg. I. Hans, Hch. Schmidt II. und Gustav Hch. Roth. Volkslist e: E. Dchellhaas. K. Rühl. H. K. Weber, Ph. Schcnnber und E. Buß. Liste Gerechtigkeit: Hch. Schmidt IV., Ph. Müller II.. K. Wiegand. Wilh. Schmidt und Karl Dörr. t Grünberg, 27. Oft. In der Gemarkung Grünberg, nach Stangenrod zu, werden gegenwärtig Schürfungen nach Brauneisenstein vorgenommen. Ungefähr 19 Schächte sind bereits angelegt, die je eine Tiefe von 30 bis 45 Meter haben. Der Brauneisenstein wurde überall in ziemlich guter Qualität angetroffen und auch die Lager mit einer ziemlichen Stärke festgestellt. Die Ausdehnung des Lagers in der Breite kann jedoch nur als gering bezeichnet werden, und da die Steine in beträchtlicher Tiefe liegen, wird kaum ein lohnender Abbau in Betracht kommen. — Aehnlich roi£ im Vorjahr scheint auch in diesem Jahr die junge Saat durch Schneckenfraß heimgssucht zu werden. Viele leere Stellen zeigen die Verheerungen dieser Schädlinge. L i ch. 27. Oft. Der Aufmarsch der Parteien zur R e u w a h l des SradtvorstanLes ist nunmehr erfolgt. Vier W a h l Vorschlagslisten wurden eingereicht, die durchweg nach beruflichen Ständen gegliedert sind Je eine Lifte bringen die vereinigten Arbeiter, der Bauernbund (Landwirte), die Beamten und endlich der kaufmännische und gewerbliche Mittelstand. Es wird vielfach bedauert, daß eine derartige Zersplitterung eingetreten ist. Angesehene Männer unserer Stadl, denen an dem allgemeinen Wohl gelegen ist, haben sich ernstlich bemüht, eine einheitliche Liste auhufleHen, in der jede Richtung die ihr nach vorhergegangenen Wahlen zukommenden Sitze erhalten sollte. Aber das rühmliche Beginnen scheiterte. Hoffentlich hört die Spaltung auf. wenn die gewählten Herren am runden Tisch zusammen- sihen. Don den bisherigen Stadtvorstanüsmit- gliedern kandidieren drei nicht mehr, den übrigen neun sind auf den Wahlvorschlägen bevorzugte Plätze eingeräumt, so daß mit ihrer Wiederwahl mit einiger Bestimmtheit gerechnet werden kann. Um die drei übrigen Sitze wird wohl ein harter Kampf entbrennen. Es kandidieren an hervorragender Stelle: Beamtenliste: Ludwig Erb. Rektor. Jakob Schmidt, Kriegsbeschädigter, Heinrich Wilhelm Schäfer. Posthilfsschaffner. Ludwig Häuser, Stadtrechner. Iohs. Wahl, Oberbahnhofsv. i. R. Vereinigte Arbeiter: Konrad Schöne, Schuhmacher, Ioh. Ad. Schone III., Schreiner. Karl Kd. T r c ch s l e r, Straßenwart, Heinrich Walz, Schlosser, Leopold Alles, Schreiner. Landwirte: Ludwig Wolf II.. Landwirt, Ludwig Fischer, Landwirt, Heiirrich M ä r l e, Landwirt, Ehristian Eise, Landwirt, Christian Heller II., Landwirt. Handel-, Gewerbe- und Mittelstandsliste: Friedrich Wagner, Prolurist, Christian Fey, Bauunternehmer, Ludwig Heller, Metzger- meister und Gastwirt, Heinrich Heller IV., Drauereibesitzer, Hch. Jakob Menges, Schreinermeister. — Der unter der Leitung von Bürgermeister Völker stehende Verein für Volksbildung veranstaltete am Montagabend seinen ersten Vortragsabend für das begonnene Winterhalbjahr, der fehr gut besucht war. Als Vor- tragsftoff war das Thema gewählt „Aus dem Mär- chenland Indien". Die Lehrer Meckel und Füß - l e v zeigten etwa 100 Lichtbilder aus diesem Lande, die in anschaulicher Weise das indische Land, seine Urwälder und Prachtbauten, seine Bewohner, seine Religion, seine Sitten und Gebräuche den Zuschauern vor Augen führten. Die zu den Bildern gegebenen Erläuterungen waren mustergültig, so daß den Veranstaltern mit reichem Beifall gedankt wurde. Nach Mitteilung des Vorsitzenden sind weitere Lichtbildervorträge geplant, außerdem Rezitationsabende und ein Theaterabend des Bühnenvolksbundes Gießen, für den der 29. November vorgesehen ist. Es soll das Trauerspiel „Maria Magdalena" von Hebbel gegeben werden. "ri. L i ch, 27. Ott Im überfüllten Gemeindesaal sprach am Sonntag Missionar Laut von der Baseler Mission, der 11 Jahre lang m China tätig war, dort die ganze Kriegszeit verlebte und nach dem Weltkrieg im Jahre 1921 auf Befehl der alliierten Mächte ausgewiefen wurde. Er begleitete seine lebendigen Schilderungen von Land und Leuten in China und der Arbeit der Mission mit prächtigen, zum großen Teil farbigen Lichtbildern. Der hiesige Po - (aunendjot wirkte bei der Veranstaltung mit. Beim Ausgang wurden freiwillige Gaben für die Mission gesammelt, die den Betrag von 16 Mk. ergaben. Am Bormittag hielt Missionar Laut eine ^M i s s i o n s p r e b i g t im benachbarten Rieder-Bessingen. Auch dort wurde eine Kollekte für die Heidenmission gesammelt, die 20,50 Mk. ergab. Lich, 27. Okt. Die Arbeiten an unserer Turnhalle gehen ihrer Vollendung entgegen. Ein wirklich stattlicher Dau, auf den der Turnverein und die ganze Gemeinde stolz sein dürfen, ist erstanden. Am 8. Rovember^ erfolgt die feierliche Einweihung. Auswärtige Turner haben ihre Mitwirkung an dem geplanten Festabend zugcfagt. l. H u u g e n, 27. Oft Rach den aufregenden Wahlkämpfen bei den Bürgermeister- und Beigeordnekenwahlen ist es baut ber Einsicht ber besonnenen Einwohner unserer Gemeinbe gclun» geen, für bic Gemeinberatswahl eine Einigungsliste zustande zu bringen, die die verschiedenen Berufsarten: Landwirtschaft, Arbeiterschaft, Gewerbe und Handel, sowie das Beamtentum in gleicher Weise berücksichtigt, so daß ber künftige Gemeinderat aus je 3 Vertretern dieser vier Stände zusammengesetzt sein wird. Möge diese erfreuliche Einigung eine gute Vorbedeutung für die ersprießliche Tätigkeit des künftigen Gemeinderats sein, dem nur 4 bisherige Mitglieder angehören werden. — Nächsten Montag findet hier der bekannte, namentlich aus der Umgegend gut besuchte Aller- heiligen markt statt, an bem erfreulicherweise, nach langer Unterbrechung, infolge Erlöschens der Maul- .und Klauenseuche, auch wieder S ch w e i n e m a r k t abgehalten werden darf. > Holzheim, 27. Olt. Für die bevor» stehende Gemeinberatswahl sind drei Wahlvorschläge eingegangen. Man hatte nur mit zweien gerechnet, Die letzten Tage haben aber nod) eine Aenderung gebracht. Bei der Arbeiterpartei machte bic Aufstellung ber Kandidaten reine besonderen Schwierigkeiten. Anders war es im Bauernbund. Rach langem Hin und Her tonnte doch nicht bic anfangs geplante Einheitlichkeit zustande kommen. Bedauernswert ist, daß sich bic Partei in zwei Lager gespalten hat, von benen jebes mit eigener Liste vorgeht. Die eine Liste enthält im wesentlichen bie Ramen ber seitherigen Ge- meinberatsmitglieber, wahrenb bie anbere nur neue Ramen aufweist. Bisher war ber Bauern- bunb mit 9. bie Arbeiterpartei mit 3 Sitzen vertreten. Die neue Wahl wird wohl feine bedeutende Aenderung in 'Dieser Zusammensetzung bringen. Kreis Ariedberg. <£ Bad-Nauheim, 27. Qkt. Die 1 0 Wahl- vorschläge für die Stadtverordneten- mahl, von denen wir sprachen, sind mit den von uns genannten Spitzenkandidaten sämtlich einge- rcicht worden. Nur bic letzte stunde vor Ablauf des Einreichungstermins brachte noch eine lieber= rafchung. In Der Zentrum spartet kam es in einer Mitgliederversammlung in der Kandidaten- frage nicht ,ju einer Eini g'u n g. Die mehr rechts stehenden Parteimitglieder beharrten darauf, daß Konditoreibesitzer Franz Müller Spitzenkandidat werde, während die dem Reichsbanner nahestehenden Kreise der Partei, dis besonders nochmals zu der besagten Versammlung eingeladen hatten, für den seitherigen Stadtverordneten Bauunternehmer I. V. Hofmann den ersten Platz forderten, eo ist es gekommen, daß zwei Zen- t r u m s l i ft e n eingereicht wurden und unsere Stadt es insgesamt auf 11 Wah 1 Vorschläge gebracht hat. Der eine Wohlvorfchlag hat dos Kennwort „Zentrum", (Spitzenkandidat F. Müllers, der andere geht unter dem Kennwort „Katho11ke n" (Spitzenkandidat I. B. Hoftnann). Es fei aber bstant. daß wohl weniger politische Gegensätze der tiefere Grund zur Spaltung gewesen sind. In erster Linie dürften rem persönliche Fragen die Ursache der Trennung jein. — Die Speditionsfirma Meier hatte in voriger Woche sich zwei neue Pferde zugelegt, zunächst auf Probe. Sie entstammten der Scharmühle bei Rendel. Als das eine ber Tiers auf dem Hofe dem Tierarzt zur Untersuchung vorgeführt wurde, bot ihm das geöffnete Hoftor Gelegenheit, die Sehnsucht nach der allen Heimat zu stillen. 3n rasendem Galapp eilte es nach Friedberg zu, nahm seinen Weg über die Kaiserstraße nach Nieder- und Ober-Wöllstadt, von wo es aber durch ihm entgegentretenbe Leuts auf den Abweg nach Rodheim gedrängt wurde. Alle Bemühungen m den durcheilten Orten, den Durchgänger zu stellen, blieben erfolglos. Am nächsten Morgen wurde die Schutzpolizei Aufgeboten. Erft als sie ihre Streifen als nutzlos aufgegeben, kam von Wehrheim im Taunus die Nachricht, daß das Pferd, nachdem es 6 Stunden unterwegs gewesen, in der vorhergehenden Nacht eingefangen worden war. Schwalheim, 27. Oft. Für die Gern e i n b e r a t s w a h l liegen drei Wahl» Vorschläge vor, bic eingereicht sind von den Kommunisten, Sozialdemokraten und Dom Bauernbund. Die Sozialdemokraten, die stärkste Partei im Orte, rechnen auf bic Tlntorstützung ber Demokraten, zumal der neue Beigeordnete, Lehrer Ohl. der Vertrauensmann der Dsmo- kratischen Partei, kürzlich auch mit Hilfe ber Arbeiterschaft gewählt worden ist. X Ober-Mor l e n, 26. Ott. Zur gestrigen Rotiz über bie Bürgermeisterwahl teilen wir noch ergänzend mit, daß dem seitherigen Bürgermeister G c i b e l nur noch 49 Stimmen an der absoluten Majorität fchüen. Die genauen Stimmenzahlen sind bie folgenden: Bürgermeister Geibel 613, Anton (Sbuarb Schmidt 463, An ton Th. Mörschel 247, ungültig 11. Von 1481 Wahlberechtigten haben allo 1334 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, das sind gut 90 Prozent. Am 8. Rovembcr (8 Tage vor Den Gemeinderatswahlen) findet Stichwahl und damit zum vierten Mal in diesem Jahre Bürger m ei st erwähl statt. Für die Gemeinberatswahl sind fünf Wahlvorschläge eingereicht worben. — Mehr Einmütigkeit herrscht in unserer Rachbargemeinde Rieber-Mörlen, beren Einwohnerschaft sich ebenfalls fast ausschließlich zum katholischen Glauben bekennt. Dort sind infolge beträchtlicher Bevölkerungszunahme in den letzten Jahren diesmal zum erstenmal 12 Gemeinderätc zu wählen. Man hat sich, um den Wahlkampf zu vermeiden, auf eine Lifte geeinigt, die allen Parteien und Derufsgruppen gerecht wird. In ähnlicher Weise, wie es in Beuern im Kreise Gießen geschehen, sind durch eine D o r w a h l aus einer größeren Menge vorgeschlagener Kandidaten die zwölf mit der höchsten Stimmenzahl für den gemeinsamen. Wahtvorschlag bestimmt worden. Kreis Büdingen. 6 Ridda, 27. Okt. In der jüngsten Ge- meinderatssitzung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Das Brauereigebäude des von der Stadt erworbenen ehemaligen Kraft - schen Anwesens soll zu 4 Wohnungen, und zwar eine 5-Zimmerwohnung. zwei 3-Zimmer- wohnungen und eine 2-Zimmerwohnung. umgebaut werden. — Gegen bie Stellung ber Felsgruppen in Flur XVI^ Rr. 491 ufw. der Gemarkung Ridba unter Denkmalschutz hat der Gemeinderat keine Bedenken. Es wird aber Werk darauf gelegt, bah nicht bic ganzen Parzellen, sondern nur die Teile, in denen sich die Felsgruppen befinden, unter Denkmalschutz gestellt werden. — Der Bismarck st ein auf der Beunde soll hergestellt werden. — Ein Einzelfall gibt dem Gemeinderat Veranlaffung. zu beschließen, daß die Bestimmungen für die Benutzung der städtischen Wasserleitung vom Jahre 1896, wonach die Kosten der Zuleitung von dem Eigentümer selbst zu tragen sind, wahrend die Zuleitung nach ihrer Fertigstellung in das Eigentum der Stadt übergeht und von dieser dauernd unterhalten wird, für alle neue Wasserleitmrgsanschlüsfe in Anwendung zu kommen haben. A Ridda. 27. Okt. Don einem Plötz- lichen Tod wurde heute früh der Viehhändler Moses Katz von hier ereilt. Als er sich um 1 >5 Tlhr am hiesigen Bahnhof in den Zug begeben und zum .Kalten Markte" nach Ortenberg fahren wollte, wurde der 59 Jahre alte, kräftig und gesund ausfehende Mann auf dem Bahnsteig Plötzlich von einem Herzschlag betroffen und war sofort tot Der Verstorbene worein rühriger Geschäftsmann und auf allen größeren Diehmärktcn in Oberhefsen und über dessen Grenzen hinaus mit Viehtransporten anzutreffen. )( Ortenberg, 26. Okt. Zum Kalten Markt, der sich eines sehr starken Besuchs zu erfreuen hotte, waren noch amtlicher Zählung bereits am Sonntagabend allein in Ortenberg über 500 Pferde und Fohlen eingestellt, dazu kamen heute morgen die zahlreichen Pferde, die in den Nachbargemeinden untergebracht waren, so daß schließlich 800 bis 1000 Pferde noch allergeringster Schätzung zum Verkauf standen. Allgemein fiel die Güte des Pferdematerials auf. Der Handel entwickelte sich infolge der allgemeinen Geldknappheit nur sehr langsam, die Preise waren wesentlich niedriger als im vorigen Jahre. Gute Durchschnittstiere im Alter von 2—3 Jahren kamen ouf 500—800 Mk., je nach Raffe, Alter und Güte, 6jährige tadellose Pferde 1000—1500 Mk., erstklassige Dollblut-Luxuspferde 2000—3000 Mk. Infolge des riesigen Angebots schienen die Preise im Verlauf des Tages noch zu fallen. Das anhaltende schöne Wetter übte seine Anziehungskraft aus, so daß der Nachmittag eine riesige Menschenmenge auf dem Festplatz faß und der Platz sich als zu klein erwies. Dis große Zahl der Schaubuden sowie die Mannigfaltigkeit der Darbietungen konnten jeden Geschmack befriedigen. —Usenborn, 27. Okt. In dankenswerter Weife trägt die Reichspoft den Derkehrswünschen des flachen Landes durch Einrichtung von A u t o p o st l i n i e n Rechnung. So wird z. F. eine Autopostlinic Büdingen —Merken- r r i tz geplant. Dabei scheinen aber die Gemeinden Usenborn. Gelnhaar, Bergheim unbe- rück'ichiigt zu bleiben. Es märe zu wünschen, daß sich die maßgebenden Behörden, insbesondere die Bürgermeistereien und Gemeinderätc, Kreisamt und Post und die sonst in Betracht kommenden Persönlichkeiten der Sache einmal annähmen. Die Vinte könnte wohl so eingerichtet werden, daß auch die arbeitende Bevölkerung, die heute in aller Frühe und am spaten Abend oft weite Wege nach der Arbeitsstätte zurückzulegen hat, Vorteile von diesem Verkehrsmittel hätte. Kreis Schotten. s^s L a u b a ch, 27. Oft. Zu der bevorstehenden Gemeinderatswahl sind nicht weniger als sieben Wahlvorschläge eingereicht worden. Dies die Listen: 1. Andre. Forstrat, Birnbaum, Kammerdirektor, Pitz, Landwirts 2. Hartmann Braun, Landwirt (Landbund): 3. Friedrich Diehl. Metzgerineister (.Arbeite mit Fleiß"). Diese drei Listen find vereinigt: 4. Otto Schm idt, Architekt (Gewerbetreibende): 5.Aug. Ent melius , Kaufmann (Geschäftsleute); 6.W.l- Helm Friedrich Wagner. Landwirt. Friedrich Rudolf Stotz I.. Landwirt; 7. Gundling. Fabrikarbeiter (Arbeiter). Eine wesenllich veränderte Zusammensetzung wird der neue Ge- meinderat kaum zeigen. Eichelsdorf, 27. Okt. Unter starker Beteiligung der beiden zum Kirchspiel gehörenden Gemeinden wurde am Sonntag das Ernte- d a n k f e st in der hiesigen Gemeinde gefeiert. In einem Erntedankfestspiel gedachten die Konfirmanden in finniger Weise des Schöpfers und feiner Gaben und legten mit entsprechenden Worten Früchte und Blumen des Herbstes am Altäre nieder. — Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß es unbedingt notwendig ist, Möglichkeiten zu schaffen, die verhältnismäßig kleine Kirche gründliöi durchlüften zu können, damit es nicht immer wieder vorkommt, daß Kirchenbesucher in der dumpfen, kaum erneuerten Luft mit Ohmnachtsan- fällen zu kämpfen haben. lg. Gedern, 27. Oft. Hier verstarb infolge eines Herzschlages der in weiten Kreisen bekannte Alterssenior der hiesigen israelitischen Gemeinde, Benedikt Voehl. Er erreichte das Alter von 84 Jahren, und war bis in die letzten Tage noch verhältnismäßig rüstig. — 2ln Stelle der bis vor kurzem an ber hiesigen Privai-Hofkaplaneischule tätigen Lehrerin Frl. Goltz, bie eine Stelle an ber stabt! fchen Mittelschule in Pollnow (Pommern) an- trat, tritt bemnächst Studienassessor Betz ans Gießen (seither tätig an ber dortigen Ober* rcalschule) in den Lehrkörper dieser Anstalt e,>. gtfs bi--; AK»- untergebrochl waren, jo i s 1000 Pferde nach aller ■ fc g M Berkaus standen. Ahe e des Pserdematttials auf. Ttt | |id) infolge der allgemeinen Crl> । r langsam, die Preise marr r als im vorigen Jahre. <8'2 n älter oon 2-3 Jahren kam- je natf) Waffe, älter und @ü Pierde 1000-1500 M., e rusMe 2900-3000 M. ) Lntzedois Mnrn die Preise ir . noch zu fallen. Das anhali^ e seine Anziehungskraft aus, I; tag eine riesige Menschemm^ ia'n unb der Platz jid) als t 9 gn)he W tcr Schaubuden is> I [tiateit bet Darbietungen konnten . °tz; Sä -ne Li? ben ^QQ t ju MM ZdK-Z Edingen. *,!« »urbflf S* ®c. ?rdenea pRm? ?• ö a u b e ■ iu 4 fr[‘9en Krass! «tfe. .y^en, und mc 2'3i^b l u"3iminer, " j?S>. um- LLur XVlS^S der tttoda unter fr'491 ufto f u ^Jmab darauf flerJ ZMen. Es )n^MÄWj>ic epn * Ä b-«M i »ÄlAijA ^tischen Dafs?^.^ Ke ^^ÄohnL;rluonfl > Eigentümer selbst *u L?“' äS* Oft. Bon einem dliii. >e heute früh der VieMM» 1 hier ereilt. Als er lick -asl $°Ä! in den Zug bf fö« Macke- nach Orten- tc- vurde der 59 Jahre alte > flitfWenhe Mann auf dm L"k'"V'rzfchlagbe. tot. Der verstorbene Var illsmann und auf allen gröfir n Oberhessen und über befte t Dichtranspvrlen anzutreffcr 9/ 26. Oft. Zum Ratten emc5 sehr starken Besich y :en nach amtlicher Zählung bc- ibend allein in Ltlenberg über Kreis Alsfeld. OKü.dc, 27. Oft Die Schneckenplagc ist gegerrtoärlig m unserer Gegend so grob, trxie wir es selten erlebt haben. Schon einige Wochen lang sieht man auf den Kornädern Leute in ge- tbudter Stellung einhergehen und diese Tiere entweder zerschneiden, oder sie in alte Eimer lesen und dann mit nach Hause nehmen, wo sie überbrüht werden. Manche Leute behaupten, an einem Tag mehrere Lausend Stüd dieser Tiere gelesen zu haben. m. Flensungen, 27. Olt. Für die hiesigen Gemeinderatswahlen sind drei Wahldorschläge eingereicht worden, der erste von der Arbeiterpartei, die über die weitaus größte Stimmenzahl verfügt, der zweite von den Bürgerlichen und der dritte von der Flen- sunger Müde, die seither keinen eigenen Wahl- Vorschlag eingereicht hatte. SMM«chliW-Aelm für bie Samstagsnummer können nur bis Freitag vormittags verbindlich angenommen werden, gwecks wirksamer Satzausstattung erfolgen Bestellungen zweckmäßig bereits im Lause des Donnerstags MW ses Weiler Moers , 9818D 0 Kirtorf, 27. Oft. Unsere Stadt wird mehr und mehr durch die nahe bevorstehenden Wahlen in Bewegung verseht. Handelt es sich doch um die Wahl eines neuen Stadtrates. Doch nicht genug: andere Orte haben die Neuwahl des Bürgermeisters bereits hinter sich — uns steht dieselbe noch im Lauf des nächsten Jahres bevor. Nun wird sich bei der Wahl des Stadtrates zeigen, wie die Aussichten für den neuzuwählenden Bürgermeister sind. Es liegen drei Wahlvorschläge vor. Man ist aufs Höchste gespannt, wie der Kampf enden wird, ^lnd man hofft, daß nicht Partei- und Sonder- interefsen, sondern die Förderung des Allgemeinwohles für die Wähler ausschlaggebend sein wird. 0 Erbenhausen, 27. Oft. Unsere Gemeinde feierte am Sonntag das Crntedank- f e st. Die Konfirmanden und Schulkinder hatten es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Fest die Kirche besonders schön zu schmücken. Den Gang von der Kirchentür bis zum Altar überdachten paarweise angebrachte, bogenförmige Dirken. Der Altar war reich geziert mit den besten Erträgnissen der Felder und Gärten, sowie mit prachtvollem Blumenschmuck — alles zeugte von einer groben Liebe. Die Schulkinder überraschten die Gemeinde noch mit dem Dort rag eines von Lehrer Müll er eingeübten Festliedes. DerOrts- geistliche, Pfarrer Rheinfurth. hatte seiner Predigt Psalm 145, Bers 15 und 16 zugrunde gelegt. Möge die schone Feier alle Anwesenden in ihrer Liebe und Treue zur Heimatscholle gefestigt und ihr Verlangen nach der ewigen Heimat gestärkt haben. Kreis Lauterbach. Schlitz, 27. Oft. In unserer Stadt sind fünf Wahlvorschläge eingereicht worden. Die Beamten marschieren getrennt Es gibt eine allgemeine Deamtenliste und eine Liste der Gräflichen Beamten. An der Spitze der ersteren steht Reallehrer Hahn. Rektor Adolph, der bei der vorigen Wahl die De° amtcnliste führte und die Beamten im letzten Gemeinderot vertrat erscheint diesmal auf dem Wahldvrschlag der Deutschen DvlkSpar- t e i, dessen Spitzenkandidat Direktor Haag ist. Weitere Wtchlvorschläge haben die Gewerbetreibende und die Sozialdemokratische Partei eingereicht. Preußen. Herabsetzung der Steuer-Verzugszinsen. Der preußische Finanzminister teilt mit: Die Verzugszuschläge, die bei der verspäteten Zahlung der Steuern erhoben werden, tourten nicht nur für die Reichssteuern, sondern auch für die preußischen Staats- und Gemeindeabgaben mit Wirkung vom 15. Oktober auf 8 t t>. H. halbmonatlich und l1/. v. H. monatlich herabgesetzt. Was die Mahngebühren anlangt, so liegt dem Reichsrat gegenwärtig ter Entwurf einer Verordnung vor, wonach die Mahngebühren auf etwa die Halste der gegenwärtig geltenden Sätze herabgsctzt werten sollen. Nach Verabschiedung dieses Entwurfs ist für Preußen eine entsprechende Regelung in Aussicht genommen. Kreis Wetzlar. t. Großrechtenbach, 27. Ott Der Landwirt und Fuhrmann Wilh. Brücke! jun. von hier geriet auf der Heimfahrt vom Felde beim Ab- steigen vom Wagen infolge Ausgleitens unter bie Räder, die ihm über das linke Bein gingen. Brückel erlitt einen Knochenbruch am Unierfchenkel und mußte nach der Klinik zu Gießen überführt werden. Kreis Biedenkopf. Q Fellingshausen, 27.Oft. Tot aufgefunden wurde im Krofdorfer Walde der invalide Iohs. Weber VH. von hier. Wie die ärztliche Llntersuchuna ergab, ist der Verstorbene von einem Herzschlage betroffen worden und in einen Wassergraben gefallen. Kreis Marburg. WSR. Marburg, 27. Okt. Bei Gemünden an der Wohra (Kreis Frankenberg) ist gestern abend kurz nach 6 Uhr eine Schafherde von dem nach Kirchhain fahrenden Zuge überfahren worden. Angeblich sollen die Schafe durch die grellen Lichter eines Automobils scheu geworden und in Richtung auf den daherbrausenden Zug gerannt fein. Dabei sind 18 Schafe dem Unglück zum Opfer gefallen. Teils touiVen sie einfach durchschnitten, teils fo schwer verletzt, daß sie sofort abgeschlachtet werden mußten. Frankfurt a. M. und Umgegend. PSN. F r a n k f u r t a. M., 27. Okt. In der heutigen Stadtoerordnetensitzung fand die Einführung des neuen Stadtkämmerers, des bisherigen Bürgermeisters von Höchst a. M., Asch, der der Sozialdemokratischen Partei angehört, statt. Die Deutschnationalen und Bolksparteiler blieben, entsprechend ihrer Stellungnahme bei der Wohl, der Einführung fern. Oberbürgermeister Landmann wies in seiner Ansprache auf die Schwierigkeiten und Gefahren hin, denen die städtische Finanzwirtschaft und damit die Selbstverwaltung ausgesetzt sei und sprach die Gewißheit aus, daß der neue Kämmerer trotz seiner politischen Einstellung fein Amt objektiv verwalten werde. Stadtrat A s ch betonte in feiner Erwiderung, daß nur auf dem Boden der Selbstverwaltung der demokratische Staat gedeihen könne. Er umgrenze feine Aufgabe dahin, das noch vorhandene Vermögen der Stadt zu erhalten, die Ausgaben den Einnahmen anzupassen und die Aufnahme von Anleihen fo zu beschränken, daß der Zlnsendienst tragbar fei. — Die Oberreal- schule in Frankfurt-S achsenhausen, die mit über 600 Schülern eine der stärkst besuchtesten höheren Schulen in Frankfurt ist, begeht Ostern 1926 ihr 2 5 i ä b r i g e 5 Bestehen. fpd. Höchst a. DJL, 27. Okt. Um den durch die Berufung des seitherigen Bürgermeisters A f ch zum Stadtkämmerer nach Frankfurt frei gewordenen hiesigen Bürgermeisterposten bemühen sich bisher mehr als 50 Kandidaten. Unter diesen befindet sich auch ein früherer sozialdemokratischer Ministerpräsident aus Thüringen. Mit der Sichtung und Auswahl der Kandidaten für den engeren Wettbewerb ist ein aus elf Stadtverordneten gebildeter Wahlausschuß beschäftigt. Turner-Tagung in Stehen. —0— Gießen, 26. Okt. Zur Einführung in die Arbeit des kommenden Frühjahrs traten am Sonntogvormittag die Mitglieder des (Sau* Turnausschusfes in der Turnhalle des Turnvereins 1846 zur ersten Gauvorturnerstunde zusammen. Unter Leitung des (Bauober* turnwarts Wilh. Will (Gießen) wurde der Turnstoff des neuen Uebungsplanes sachlich und methodisch überarbeitet und zur Darstellung gebracht, um demnächst in den sechs Bezirken durch Vorturnerstunden an die Vereinsturnwarte weiter- gegeben zu werden. Rach einigen Ordnungsübungen wurden insbesondere die Freiübungen für die (Bau- Veranstaltungen eingehend besprochen und durch- geübt. Sie sind aus zackigen und zügigen Bewegungen in ansprechender Form zu drei Uebungsgruppen zujammengestellt und werden ihre Wirkung als Massenübung bei den Turnfesten um so weniger verfehlen, als jeder Turner sich ihre gute (Einübung schon angelegen sein lassen muß; denn die in die Wettkämpfe eingebaute Pflichtsreiübung wird in Zukunft nicht mehr durch einen Beschluß des Turn- ausschufses ausgewählt, sondern unmittelbar vor Abmarsch der Riegen zum Wettkampf durch dos Los bestimmt. Ferner wurde der Stoff für die Geräteübungen in bezug auf Schwierigkeit und Ausbildungswert einer sorgfältigen Prüfung unterzogen und bestimmt, daß die Winter-Geratewettkämpfe, bei denen der Erfolg der Uebungsarbeit nachgewiesen werden soll, in den Bezirken am 1. März k. I. beendet sein müssen. Für die Bezirksturnfeste, bei denen in der Hauptsache die Ausbildung in den volkstümlichen Hebungen zur Wertung kommt, soll ein Zeitpunkt über den 12. Juni hinaus ausgeschlossen fein. Zur Einschränkung von festlichen Veranstaltungen soll es beitragen, daß die Meisterschaften im Dolksturnen diesmal nicht gesondert, sondern in Verbindung mit dem (Bauturnfeft in Nidda anfangs Juli ausgetragen werden. Schon bei der Anmeldung zum Taufest muß sich jeder Turner von jetzt ab entscheiden, ob er beim Zehnkampf oder beim Zwölfkampf in Wettbewerb treten will, die beide in Zukunft außer in der Oberstufe auch in der Mittelstufe zur Ausschreibung kommen werden. Bei der erfreulichen Entwicklung des Frauenturnens ist eine Verbindung mit dem Männerturnen auf Kreisfesten organisatorisch nicht mehr gut durchführbar; deshalb wird am 6. Juni kommenden Jahres zum erstenmal ein felbftän* diges Kreisfrauenturnen in Wiesbaden stattfinden. Das Wetturnen der Frauenabteilungen im (Bau ist auf den 16. Mai festgesetzt. Die erste Gaufrauenturn- st u n d e mußte auf Anfang Dezember d. I. verschoben werden, ebenso die Versammlung der Gauwarte für das Volksturnen. Der Hermannslauf nach dem Teutoburger Wald im August d. I. ist im Gau Hessen gut durchgeführt worden, trotz einiger noch in letzter Stunde mitgeteilter Aenderungen in den Laufzeiten; besonders in Marburg verlief der Stafettenwechsel um Mitternacht in erhebender Weise. Dem Gau sind an 100 Mark Ausgaben für Nachrichten- und Begleitdienst erwachsen; 100 Vereine mit 2420 Läufern und 129 Begleiter waren beteiligt, jeder Verein erhält eine Urkunde. Durch Beschluß des Gau-Turnausschusses wird dem Turnverein Bad-Nauheim der Sieg bei der Weidig-Staffel und damit die Weidig-Plakette aberkannt, weil ein vereinsfremder Turner in der Staffel mitgewirkt hat; Sieg und Plakette fallen an den Turn- und Sportverein Butzbach. Ferner erhält ein Verein einen Verweis, weil er ohne Genehmigung des Gauvorstandes gauoffene Wettkämpfe veran ftaltet hat. Schließlich soll ein Turner den als gleich, zeitiges Mitglied des Westdeutschen Spielverbandes gewonnenen Wertpreis wieder zurückgeben oder von seinem Verein ausgeschieden werden, und außerdem soll über diese Doppelmitgliedschaft der Kreisvor- stand entscheiden. Nachmittags kurz nach 2 Uhr eröffnete der erste (Bauoertreter Artur Pfeiffer (Wetzlar) im Saale des „Bayrischen Hofes" die Tagung der D e r e i n s v o r s i tz e n d e n , die der Vorbereitung der Derwaltungsarbeiten im neuen Turnjahr galt. Die Versammlung war sehr zadlreich besucht und wird ihren Einfluß auf die Beschlüsse des ordentlichen (Bauturntages im Frühjahr nicht verfehlen. Von besonderem Interesse war der Entwurf der Richtlinien für die Tätigkeit der in den letzten Jahren in die Organisation des (Baues neu eingeglic* berten Bezirksvertreter, die neben der technischen Leitung durch die Bezirkstumwarte die Derwaltungsaufgaben des Gauvorstandes im Bezirk durchgreifend unterstützen sollen. Ferner wurde die Frage der Mitgliederbeiträge erörtert und bei allem Verständnis für den größer gewordenen Aus- gabenfreis in einer Entschließung an den Kreis und die Deutsche Turnerfchast zu äußerster Sparsamkeit aufgefordert, ganz besonders im Interesse der kleineren Landoereine; daß der (Bau Hessen äußerst sparsam wirtschaftet, wurde dabei allgemein anerkannt. In einer weiteren Entschließung billigt die Versammlung durchaus die Schritte und Beschlüsse des Hauptausschusses der D. T. in Sachen der Zugehörigkeit zum Deutschen Reichsaus- f ch u ß. Nachdem noch zeitgemäße Anregungen zur Einschränkung und äußeren Gestaltung der turnfestlichen Veranstaltungen in lebhafter Aussprache ver arbeitet worden waren, schloß der Vorsitzende gegen 6 Uhr die inhaltreiche Tayung mit dem Wunsche zu gedeihlichem Weiterwirken daheim in den Vereinen. Don der Wohlfahrtsarbeit. ^ Jahresversammlung der Ober- hessischen evangelisch-kirchlichen Frauenvereine. Unter dem Vorsitz Ihrer Durchlaucht ter Fürstin Elisabeth-Erbach tagte gestern die Jahresversammlung der Oberhessischen evangelisch-kirchlichen Frauenvereine. Nach einer Begrüßung der zahlreichen Anwesenden durch Dekan Guhmann - Kirchberg gab die Vorsitzende einen lleberblick über die finanziellen Verhältnisse des Vereins, die als gute bezeichnet werden können. Daraus hielt Schwester Margareta vom Diakonissenhaus Elisabethenstist-Darmstadt einen eingehenden Vortrag über die Notwendigkeit der Gründung einer Zufluchtsstätte für gefallene Mädchen. Sie gab erschütternde Bilder aus ihrer Wirksamkeit an der Darmstadter „Zuflucht", konnte aber auch von vielen guten Erfolgen dieser Arbeit erzählen und forderte zu eifriger Mitarbeit auf. Pfarrer Ausfeld, hier, berichtete übet die „Zufluchts"-Arbeit des hiesigen allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege, der im Garten des Evangelischen Schwesternhauses dahier eine Zuflucht und Krippe errichtet hat, die z. Z. ihrer Fertigstellung entgegengeht. Die Stadt Gießen hat dazu 10 000 Mk. gespendet, auch Kreis und Provinz werten wohl noch Llnterstühungen bewilligen. Die Inneneinrichtung des Hauses ist teilweise schon beschafft. Pfarrer Waldeck-- Lang-Göns, ter vom 1. November an 5um 2. Pfarrer am Elisabethenstift- Darmstadt ernannt worden ist, berichtete über die Arbeit des Zufluchtspfarrers Ihnemeher- Hildesheim in seiner Anstalt „HirnmelStür" und trat für die Notwendigkeit dieser Rettungsarbeit sehr innig ein. Dasselbe tat Medizinalrat Dr. W a l g e r, hier, der diese Arbeit als christliche Liebesarbeit forderte. Im nächsten Frühjahr soll wieder eine Hauptver- samnilung dahier stattfinten. Herren- u. Damenkleider werben in ciniaen Tagen tabellos chemisch gereinigt u. gefärbt. Traucriachen innerhalb 24 Stunden. Bsttfedcrn werben tabelloS gereinigt u.umgesüllt, auf Wunsch in einigen Siunben. 08693 Färberei E. F. Eroon Fabrik und Laden: Marburger Straße 40 Filiale: SelterSweg 25. Televh. 869. 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Im Mittelpunkt der darstellenden Personen stehen außer Blücher und von Schill vor allem 10327c Königin Luise Theodor Körner Mfflisto fette. MW ta froh Montag, den 2. November, abends 8 Llhr. - Allseitiges Erscheinen erbeten. Der Vorstand.10309p 9939D per 50 kg Rm. 6. - mit Sack ab Station Ranstadt, versendet unter Nachnahme OaltHM. mtt'MM Sind Sie sich klar darüber, wievielSie sparen können, wenn Sie statt des teuren Bohnenkaffees den echten Kathreiners Malzkaffee verwenden, von dem das Pfundpaket nur 50 Pfennig kostet und der dabei so vorzüglich schmeckt? Ab Donnerstag, den 29« Oktober, haben wir einen großen Transport ostpreutzische hochtragende Whe...MMr aus besten milchreichen Niederungsherden z. Verkauf stehen I. u. G. Stern, Gießen Telephon 236 08735 Nordanlage 11 Gießener Konzertverein Sonntag, 1. Nov. 1925, nachm.SUhr, Universitätsaula Erstes Abonnements-Konzert Walter Gieseking Klavier Werke von Bach - Scarlatti - Schumann Busoni - Skrjabin. 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Ich bringe ihm ein Opfer, ja, meine Liebe. Aber nicht mich selbst. Dazu bin ich nicht gemacht. Ich bin aus dem Weg getreten, das ist alles. Er steht frei als freier Mann vor der Wahl. Und er wird nicht das Weib wählen, sondern das Werk." „Und wenn eines Tages der andere kommt und seine Werbung erneuert?" „Papa, ich bitte dich, sprich nicht von der Zukunft, ich bin ja noch am Begraben!" erwiderte sie mit bebender Stimme. „Verzeih mir, Ruth, ich bin es noch nicht gewohnt, in meinem Kind das Weib mit seinen eigenen Schmerzen zu sehen!" ' Er faßte ihre Hände, besann sich einen Augen- blick, ob es wohl schicklich sei, und küßte ihr dann die Finger, die heute das Skalpell geführt und tapfer ins eigene Herz geschnitten hatte. „Ferrum sanat, ferrum sanat," murmelte er ungeschickt tröstend. In dieser Nacht begrub Ruth Engelhardt ihre Jugendliebe. Die Erkenntnis, daß sie ihm das Opfer gebracht hatte, um ihm sein Werk möglich zu machen, machte ihr den Verzicht nicht leichter. Und das Bewußtsein, daß Hanns Ingold das Weib geopfert hätte, geopfert hatte, das zerriß ihr Innerstes. Darüber halfen ihr jetzt, da es geschehen war, keine Opfergedanken hinweg. Im Augenblick, als er, alles vergessend, ungestüm nach dem Manne gefragt hatte, der ihm fehlte, war der Konflikt entschieden gewesen, hatte Hanns Ingold das Weib geopfert um seines Werkes willen. Und nun stand in dem Brief, den sie ihm geschrieben, der Name des Mannes, der Schicksal spielen sollte. Diesmal hatte sie nicht gezaudert, ihn zu nennen. Hanns Ingold kam nicht wieder. Ruth weinte in dieser Nacht lang gesammelte Tränen. Der Abschied von ihrer Jugendliebe, von all dem, was sich damit verband, was sie hineingetragen hatte, war sehr, war unendlich schwer. Aber rätselhafte Regungen ihrer Seele beschäftigten sich schon in dieser Nacht mit der Zukunft, und die Frage, die sie dem Vater verboten hatte, tauchte nun aus ihren eigenen Gedanken auf. Und wenn Gerhart Tylander kam und seine Werbung erneuerte? Konnte, durfte, würde sie dann ja sagen? Chaotisch hoben und senkten sich ihre Gefühle, wällten ihre Empfindungen, und auf einmal geschah es, daß sie in dieser Nacht die nackten Arme ins Leere reckte und laut sprach: „Ja, Hanns, ich habe dich geliebt. Auf mancherlei Art. Als Kmd wie mein liebstes Spielzeug und meinen einzigen Kameraden. Als Siebzehnjährige in grenzenloser Schwärmerei; als du fort warst, dich sogar in einem geliebt und gehaßt, mit nach dir gesehnt und mich gescholten, daß ich es tat. Du hast mich viel weniger geliebt, Hanns. Ich habe dich geliebt, wie du bist, und über alles, du mich nur so, wie ich dir in dein Leben paßte. Hanns, lebe wohl! Nun bist du frei, nun baue dein Werk!" Gleichtöniger Regen schlug schon lange durchs Laub, als Ruth Engelhardt so mit ihrem Herzen sprach, und der Lausten sprang schon wieder, von großen Bodenseegewittern trunken, mit vollem Rauschen über den Hungerstein. Am frühen Morgen hielt Ruth Ingolds Antwort in Händen. Sie hatte keine gewünscht, keine erwartet. Nach kurzem Zaudern öffnete sie den Brief. Einen Augenblick schlug die Flamme einer Hoffnung in ihr auf, die sie zugleich erschreckte und besiegelte. Dann las sic: „Ruth, nun weiß ich, daß es aus ist. Ich ahne den Zusammenhang. Du wirst ihn heiraten. Aber das Werk, das feid'Jhr mir jetzt schuldig geworden. Ich nehme es aus seiner Hand, denn ich bleibe doch der lebendige Schöpfer. Er muß wollen. Will er nicht, so mußt Du ihn zwingen. Ja, ich gebe zu, ich sage es frei, ich konnte, ich darf nicht schwanken zwischen meinem Werk, meinem Lebenswerk, und der Geliebten. Ich kann mich nicht anders machen, als ich bin. Aber ich will nicht auf das Weib verzichten und das Werk trotzdem verlieren. Morgen sind die Pläne und die Einladungen zum Beitritt in seiner Hand. Ist er der Kopf, für den man ihn hält und für den ich ihn als Teilhaber der Firma Tylander und Kompagnie ansehen muß, so greift er zu. Um der Sache willen, um der Größe des Unternehmens willen. Gehen Tylander und Kompagnie mit, so holen wir mit fünfzigtausend Pferdekräften, für deren Verwendung dann gesorgt werden wird, so viel Kraft aus dem totrom, daß die Mehrkosten sich bezahlen. Ob ich die Kanalschleuse verbreitern muß, rechts und links Abfindungen zahlen, gleichviel, ich baue ein paar Turbinen mehr ein, und das Werk geht seinen Gong. „3d) habe Sie sehr geliebt, Ruth, aber ich kann diese Liebe nicht über die Lebensenergie stellen, die mich vom Schraubstock ins Bureau und von Aegyp- tcn nach Amerika gepeitscht hot und die nun in die- em Kraftwerke, das ick) gegen alle Welt durchsetzen muß, ihr Höchstes leisten will. Und deshalb taten Sie vielleicht recht, dieses Verlöbnis aufzuheben. Daß es ein Opfer ist, das Sie mir bringen, kann und will ich nicht glauben. Ich wünsche Ihnen das beste Glück und danke Ihnen für Gutes und Schlimmes. Ihr aufrichtiger Hanns Ingold." „Für Gutes und Schlimmes," wiederholte sie mit ruhigem Lächeln und schüttelte den Kopf. „Wie meinst du," fragte Engelhardt, von seinem Journal aufsehend. Schweigend reichte sie ihm den Brief. Engelhardt las. Bei dem Abschiedsgruß fuhr er in die Höhe. „Er ist ein —" „Papa," mahnte sie leise. „Na, ja, ich bin schon ganz still." Er legte den Bries beiseite und fuhr fort: „Wir erwarten morgen die Jschiaspatientin, Kind. Hast du genügend Fango besorgt?" „Ja, Papa, Joseph hat die Holzwanne schon aufgebaut." Der Betrieb lief weiter. Drei Tage darauf schrie .Tylanders Autotrompete vor dem Tor. Ruth saß auf der Terrasse bei den Kranken, die Liegekur macksten. Der wilde Klang rief keinen Schrecken, keine Ueberraschung in ihr wach. Gleichzeitig sah sie auf St. Josephs Acker Männer mit Arbeitsgerät erscheinen. Stangen wurden aufgerichtet, rote Pflöcke in den Kies geschlagen. Don der Lauffenbrücke blitzte ein Meßinstrument, Hammerschläge weckten das Echo des Tales. Der Vater ließ sie bitten, zu kommen. Sie schrieb noch die Temperatur der kleinen Russin ein, die nun doch nicht mehr als Rekonvaleszentin von einer trockenen Brustfellentzündung gelten konnte und St. Joseph bald mit Davos vertauschen mußte, und ging dann hinunter. Unterwegs preßte sie die Hand fest auf die Brust. Engelhardt war mit Tylander im Refektorium zusammengetroffen. Hier saßen sie am kalten Kamin in den weißen Korbsesseln und sprachen von dem Bau des Rheinwerkes. Mander sprang auf und ging ihr eifrig entgegen. „Ich komme Sie auslogieren, Fraulein Engel- Hardt," begrüßte er sie scherzend. „Ja, er will mich veranlassen, der Gesellschaft St. Joseph für teures Geld zu verkaufen," rief der Vater und sah dabei gar nicht bekümmert aus. „Es wird Ihnen sowieso nichts anderes übrig bleiben, wenn wir bauen," sagte Tylander zu beiden gewandt. „Sprechen Sie von dem Kraftwerk, Herr T'ylan- der?" fragte sie kühl. „Wie sprachen davon, gnädiges Fräulein." Er legte den Ton auf die Vergangenheitsform, und seine Blicke baten um Entschuldigung. Ruth wußte Bescheid. Eine große Ruhe kam über ihr Herz. Als er sich nach kurzem Besuche wieder verabschiedete und mit Ruth allein durch den Garten ging, kam er darauf zurück. „Ich habe mich seit unserer Fahrt nach Konstanz dafür interessiert und Zeit gehabt, mich zu informieren. Dann erhielt ich eine kurz«» Abfrage des leitenden Ingenieurs, und die Pläne und Berechnungen waren so bestechend, daß ich unser Haus mobil machte und selbst sofort hierher eilte. Das „sofort" war indes nicht durch das Werk bedingt." Sie überhörte die Andeutung und fragte: „Und sind Sie entschlossen, sich zu binden?" „Wenn die Firma denkt wie ich, ja." Eine rote Welle stieg in ihr Gesicht. „Das freut mich," erwiderte sie unwillkürlich und atmete tief. Eine kleine Pause entstand, sie fanden die richtige Wendung nicht, um zu Enge zu kommen. Endlich sagte er: „Ich habe Herrn Ingold übrigens schon vor einem Jc-hre hier bei Ihnen kennen gelernt. Bei der Affäre mit der kleinen Lo " sagte er ohne jede andere Absicht als die, den Abschied noch hinaus- zusck-ieben. (Fortsetzung folgt.) Wie herrlich, daß wir jetzt die Kinder sich nach Herzenslust austoben lassen dürfen, — daß wir um ihre hübschen Kleidchen, die saubere Wäsche dabei JUNUOHT Neuer Preis nicht mehr in Sorge sind! Abends gibt es eine kleine Wäsche mit LUX Seifenflocken und schon für den nächsten Tag liegen all die Röckchen. Schürzchen, Höschen, Socken und Strümpfe frisch und sauber wieder bereit. SEIFENFLOCKEN GLSLUJCHAFTA. O MAANHUM-ßHUNAU Heute wurde uns ein Junge geboren Beigeordneter Dr. Seid und Frau Paula geb. Koehler Gießen, 27. Oktober 1925 Ihre am 24. Oktober stattgefundene Vermählung geben bekannt Werner Legler Susanne Legler geb. Bunde Der verehrten Einwohnerschaft von Großen-Buseck und Umgegend zur gefl. Kenntnis, daß ich ein großes Lager in Gefen, Herden, ' llupserkeffeln und dergleichen übernommen habe. Besichtigung ohne Kaufzwang zu jeder Zeit gestattet. Karl Altham,Grotzen-BuseS Ieilstraße 28. 087„ MKsim-ÄW Q offene und geschloffene Karosserien, Geschäfts- u. Lieferwagen, Verdecke, Seitengardinen, Aufarbeiten gebr. Wagen. Lieferung schnellstens. Men Mauerstoie la I ■ B Feldbrand u. Ringof.,ebenso rhein ■11 Schwemmsteine liefert prompt und billigst, C. Rübsamen, Gießen Fernsprecher 1659.______1860c Abendkurse 1 in allen kaufmännischen Fächern I Beginn: 2. November Anmeld. erb. an die Schulleitung der | Vogtsclien Handelsschule Gießen, Ooeihestraßa 32 ,J880a 5 Den Arbeitgebern in Industrie und Großhandel bringen wir hiermit zur Kenntnis, daß der NeichSarbettS- minnter mit Berfüanng v. 16 10. 25 (IV 3878/33) die intt dem Abeilgebervcrband für Lahngau und Oberbeffen vereinbarten Gehaltssätze und Tarisbestimmungen für kaufmännische und technische Angestellte für die Kreise Gießen, Friedberg, Birdttigen und Schotten mit Ausnahme der Firma Bamag-Megutn, Butzbach ab 1. September für allgemeinverbindlich erklärt hat. Alle Arbeitgeber der Industrie und des Großhandels sind daher gesetzltch verpflichtet, die Tarifgehälter zu zahlen. Die betreffenden Gehälter können etngeklagt werden. Gilt auch iur Lehrlinge. Auskunft erteilt: Deutschnational. Handlungsgehilfen-Derband Gießen, Nordanlage 1. 10325c MeineFußschmerzen sind durch Pneumette verschwunden. 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Es ll die es haben l gelebt, sonder zumal Don b! das Leben der gemacht wird, übernehmen, Sorge davor, eintreten tön sich wirtlid) außen verbin notwendige ' da, daß sie ü ^nenff i'e. ^wendig wie bi Igelnden Di beiMtner ffl £*N«f)en >n über di yn. Das if: “Moangeiiu, x Für das N, fcna, ob | fe Einfluß wf? ,ommen ’tV kj, fragen > ÄS ° 3uri tri? Dir spür der einzelne feines Seite- sehr die Stl bod) jum gn Wir haben da im Kriege gel in feiner gan, wir uns begn wirken (dem tums willen d chrisUichen Ans heilen versagen schmähen, auf und durch du Seinen? Wir einen Weg v auch einen 'S M M M Stille? Wan schlossen [ein? den und @n 'Parteien und damit ihrer t N, Toanaelu rode dar §vm Lurch das auch nicht übet fien Strömung Achn, geifti Sotfej werden Ngungsfudit ®ie mit einen Wichen ^iche dabei j X 15’* Ulb1^ Ö 9m9 'hr eifri ,™9- «1 "'i*«ä? “i*bfian'Qäu!!'»; «W; Wrvr« 3°>t geh^A ^onftcn, "h eine k '^Z su infor' und die PLGoge de; iechend, dak ;* , , Verech, JJ j°fort hierher^. f)»!l5 rL^'Lr- »y®» ■ ^8°ld übrigens schon Dßr ’.^nen kennen gelernt MÄ-JS lefeunfljoigt) Wmzen Wneumette jwmden. >h verpachtet, Ihnen dah ich mit Ihrer -Mage*) sehr zu- t. Seit Jahren litt sehr schmechchen gerkrankung.die Berus mich zu einer Lebensweise zwingt, hlimmerte. Mit sehr efühlen lieh ich mir neumette verord- ?r (Erfolg? (Oleine nti) verschwunden, btt tzrvtzere W mehmen, habe wieder gelernt. Dafür danke ;erzlichst und werbe lassen, bei Gelegenheit zette zu emsehlen. H.D., W- iette, die weltbekannte }e Fußstütze, ist d>e bch gegen Übermüdung und feien daraus aufmerksam le Pneumette an ieder Probe abgegeben wird aus Metropol ltersweg 19.jm MM jjgnzplatz 9 lesamwi1 tion.- «"Vin° Radart m. 255 Drittes Blatt ttirche und öffentliches Leben. Von Generalsuperintendent Professor D. Dr. Schian Breslau. Zwei Anschauungen stehen sich, sofern es sich um die Stellung der evangelischen Kirche zum öffentlichen Leben handelt, schroff gegenüber. Die eine will, daß die Kirche nur Evangelium predige; die andere will, daß sie auch mit kräftigem Nachdruck in den Lauf des öffentlichen Lebens eingreife. Welche Anschauung hat recht? Di« erste scheint die innerlichere zu sein. Tatsächlich wird sie vielfach von pietistischen Strömungen vertreten. Wichern fand sie in süddeutschen 'Pietistenkreisen. Heute nehmen die religiös-sozialen Kreise eine ähnliche Haltung ein. Die Kirche hat das Kreuz zu predigen; olles andere, was sie tut, ist vom Uebel: so etwa hat sich vor kurzem einer aus dieser Gruppe geäußert. Man kann non diesem Standpunkt aus gegen Veräußerlichung' des kirchlichen Betriebes, gegen Zersplitterung der pfarramtlichen Arbeit, gegen Einmischung in die „Dinge dieser Welt" ganz trefflich und beweglich polemisieren. In der Tat: Je mehr sich die Kirche in das öffentliche Leben hjneinwagt, um so mehr entsteht die Gefahr, daß ihr Augenmerk vom Zentrum der Frömmigkeit abgelenkt werde. Es wird auch nicht ganz zu leugnen sein, daß die Gefahr der Verstrickung in die Kämpfe der wirtschaftlichen Gruppen, der Stände und Berufe, ja, der Parteien damit verbunden ist. Und das sind wirkliche Gefahren. Aber mir kommt es vor, als ob, wer diese Meinung verficht, sich ein wenig (alle Gleichnisse hinken) schuldig mache jener Torheit, die einen Goldschatz, um ihn ja nicht zu profanieren, sorglich verhüllt und versteckt. Ich gebe zu: Das Beispiel trifft an einem wichtigen Punkte nicht zu. Das Evangelium wird ja allemal in der einzelnen Seele, die es ergreift, etwas wirken; es wird sie mit Kräften der Ewigkeit erfüllen. Aber das Gleichnis trifft — aufs ganze gesehen — doch zu. Die Auswirkung des Evangeliums wird auf den engften Kreis persönlichen Lebens und religiöser Gemeinschaft beschrankt. Es wird der großen Wirksamkeit entzogen, die es haben kann, wenn es nicht nur vom einzelnen gelebt, sondern auch von großen Organisationen, zumal von der Kirche, als sittlicher Maßstab für das Leben des Volkes und seine Ordnungen geltend gemacht wird. Wer will die Verantwortung dafür übernehmen, wenn es versäumt wird? Soll die Sorge davor, daß jene oben geschilderten Gefahren eintreten können, wirklich maßgebend sein? Läßt sich wirklich Innerlichkeit mit einer Wirkung nach außen verbinden? Würden Gefahren Hemmnisse für notwendige Arbeit werden? Sind sie nicht dazu da, daß sie überwunden werden? Wir spüren heut noch mehr als früher, wie eng der einzelne in das Wesen, Werden und Leben seines Volkes verflochten ist. Betonen wir noch so sehr die Selbständigkeit des einzelnen: er gehört doch zum großen Ganzen, ist von ihm abhängig. Wir haben das, wenn wir es nicht bereits wußten, im Kriege gelernt. Der Begriff „Volk" wurde uns in seiner ganzen Wucht deutlich. Und nun sollten wir uns begnüaen, lediglich auf den einzelnen zu wirken (dem übrigens mancher um des Christentums willen dann auch noch die Betätigung feiner christlichen Anschauungen in öffentlichen Angelegen- Heiken versagen will)? Sollten den andern Weg verschmähen, auf die öffentliche Meinung zu wirken und durch die öffentliche Meinung auf die einzelnen? Wir sollten erkennen, daß es nicht bloß einen Weg von einem zum andern gibt, sondern auch einen Weg vom ganzen zum einzelnen, vom Volk zum Menschen, von der Oeffentlichkeit in die Stille? Warum sollte dieser $ßeg der Kirche verschlossen fein? Warum soll sie nicht zu ganzen Ständen und Gruppen, zu Klassen unb Richtungen, zu Parteien und Regierungen reden dürfen? Würde sie damit ihrer eigentlichen Aufgabe untreu? Hört sie auf, Evangelium zu predigen? Nein, sie macht gerade das Evangelium für das Volksganze wirksam. Durch das ganze Volk hindurch gehe», wenn auch nicht überall in gleicher Stärke, dieselben großen Strömungen auf den Gebieten des religiösen, sittlichen, geistigen Lebens. Ganze Schichten des Volkes werden zur selben Zeit von gesteigerter Vergnügungssucht erfaßt; in weiten Kreisen erschlaffen wie mit einemmal die von früher her überkommenen sittlichen Anschauungen. Soll da nicht öffent- lich geredet werden? Soll nicht die evangelische Kirche dabei ihre Stimme lautschallend erheben? Das ganze Volk leidet unter der Schärfe der sozialen Spannungen. Angesichts der fraglos vorhandenen Not unter den Arbeitnehmern drängt sich die Notwendigkeit auf, zu ernster Prüfung oufzu- rufen, wie dieser Not abzuhelfen sei. Angesichts mangelnden Verständnisses weiter Schichten der Ar- beitnehmer für die bitteren Erfordernisse unserer wirtschaftliche» Lage meldet sich die Forderung, ihnen über diese Lage ein ausklärendes Wort zu sagen. Das ist Sache der Kirche, gerade- weil sie das Evangelium zu verkündigen hat. Für das Volk als Ganzes ist es von höchster Bedeutung, ob feine Gesetze den religiösen und sittlichen Einfluß bei der Jugenderziehung zu feinem Recht kommen lassen. Soll die Kirche die Gesetzgebung in diesen und anderen für sie lebenswichtigen Fragen denen allein überlassen, die nicht vom Christentum bestimmt sind. Nichts wäre verkehrter nls das. Nein! Die evangelischen Kirchen müssen in die Oeffentlichkeit hinein wirken. Sie müssen das Ge- famtleben des Volkes im Sinn evangelischer Frömmigkeit und Sittlichkeit beeinflussen. Sie müssen die Gesichtspunkte des sozialen Verständnisses, der Nächstenliebe, der sittlichen Reinheit zur Geltung bringen. Täten sie es nicht, so machten sie sich schwerer Unterlassung schuldig. Ihre Zurückhaltung in Öen sozialen Frage» ist den evangelischen Kirchen zum schwere» Vorwurf gemacht worden. Zumal die Arbeiterschaft, die von den Kirchen forderte, daß sie Anwalt ihrer Bedrängnis würde», haben der Kirche, weil sie nicht nach dieser Forderung tat, vielfach abgesagt. Nun fernn selbstverständlich die evangelische Kirche nicht einem Stand zu Willen sein. Aber daß es Sache der evangelischen Kirche ist, für soziale Gerechtigkeit (die ja nicht einseitig fein darf) einzutreten, das darf nicht bestritten werden. Und es ist doch wohl richtig, daß dis evangelischen Kirchen nach dieser Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen) Mittwoch, 28. GNober (925 Jugend und Hochschule. Der Vertretertag des deutschen Hochschulringes. Hohensyburg, 25. Ott. In der Dienstagabendsitzung der Führerschaft des DHR. wurden lediglich formale Vorbereitungen getroffen. Der Lanze Mittwoch und Donnerstagvormittag standen außerdem im Zeichen vertraulicher Aussprachen der 6Ührerschaftsrnitglieder aus den verschiedene» Gauen sowie der Vorsitzenden der hochschulpoli- tischen Ausschüsse der einzelnen Verbände, die sämtlich schon eingetroffen waren. Den ganzen Donnerstag tagte alsdann der Führerausschuß, um zu den Punkten der Tagesordnung Stellung zu nehmen. Trotz mehrfacher Schwierigkeiten, die zuerst ewer glatten Abwicklung der Verhandlung im Wege standen, kam man bald zu einer roeitgehen- ben Einigung. Eingehende Beratung erforderte eigentlich nur die grundsätzliche Frage, ob ange- f*d)t5 des großen Arbeitsstoffes mancher Aemter und angesichts der Tatsache, daß eine möglichste Stetigkeit unb Führung gegenüber ben Ortsverbanden in den Arbeiten der einzelnen Gebiets vorhanden fein muß, eigene Geschäftsführer statt ehrenamtlicher studentischer Mitarbeiter zur Mitarbeit herangezogen werden sollen. Diese Frage wurde verneint, da die studentische Arbeit ihren Charakter als Arbeit junger Studenten nicht »ersteren soll. Dagegen war sich die Führerschaft einig, daß nur in der Hochschulpolitik bewährte und erfahrene Mitarbeiter mit der Führung der einzelnen Aemter betraut werden sollen. Am Spätnachmittag vertagte sich der Führerausschuß, um für die Sitzungen der Gaue ihre Mitglieder frei zu geben. In ben am Donnerstagnachmittag abgehaltenen Gaufitzungen hatte die Sitzung des Verbändebei- rats des Deutschen Hochschulrings eine befonbere Bedeutung. Hier wurde die Stellung des Deutschen Hochschulringes vom Standpunkt der Verbände ein- Kehendst betrachtet. Anlaß dazu bot der neue Satzungsentwurf, der von dem Verfassungs- ausschuß dem Führerausschuß unterbreitet worden war unb nach dessen Genehmigung von ihm dem Verbänbebeirat zur Stellungnahme weitergeleitet würbe. Wie bei der Beratung Herr Dr. Gerlofs (WSC.) in einer großen Rebe barlegte, offenbarten sich zwei Einstellungen innerhalb ber Verbänbe. Die eine, deren Exponent insbesondere Herr Dr. Dam rau, der Vorsitzer des Hochschulpolitischen Ausschusses der Deutschen Burschenschaft war, zielt darauf hin, dem Deutschen Hochschulring möglichste Handlungsfreiheit zu sichern und den Einfluß der Verbände zug> 'ten möglichster Führung des Vorstandes unb bcv Führerausschusses zurückzudrängen. Der anberen Richtung gaben mehrere Rebner, ins» befonbere Dr. Gerlofs, Ausbruck, inbem er mehr Einfluß ber Verbänbe anerkannt wissen wollte. Am Freitagmorgen wurde die erste Vollversammlung des Vertretertages durch den Tagesleiter, Dr. Somrau, eröffnet. Alsdann erteilte er dem der- zeitigen Vorsitzenden des Deutschen Hochschulrings, Dr. Kolbe, das Wort zu feinem Bericht über das vergangene Arntssahr. Der Redner ging dabei von der letzten Ver- tretertagung in Spandau (Oktober 1924) aus. Bei dieser Tagung habe sich erwiesen, daß der Aktivis- mus des Deutschen Hochschulrings, wie er sich in den vorhergehenden Jahren stets gezeigt habe, nicht mehr vorhanden war und einer Krisen- ft i m m u n g Platz gemacht habe. Der Gegensatz zwischen Sollen unb Sein sei beutlich zum Ausdruck gekommen, unb man habe sich ernstlich über die Daseinsberechtigung des Deutschen Hochschul- ringes Gedanken gemacht. Das Berichtsjahr 1925 habe nun die Aufgabe gehabt, eine Entscheidung über die Zukunft dieser Akademikerbewegung her- beizüführen. Heute könne er mit Genugtuung sest- stellen, daß sich die Zukunftsberechtigung des Deutschen Hochschulrings erwiesen habe. Die Ortsverbände seien zu neuer Tätigkeit erwacht und, was besonders wertvoll sei, auch die Verbände hätte» ihr erneutes Interesse der Hochschulring bewegung entgegengebracht. Besonders erfreulich sei es gewesen, daß der Deutsche Hochschulring anläßlich des Elberfelder Akademikertags mit Erfolg auftreten und eine starke Stellung einnehmen konnte. Die Vitzendurger Tagung des • HHRS. habe alsdann den Konflikt mit ber A 11 h e r r en f ch a f t aus dem Wege geräumt, so daß für Hohensyburg lediglich Zukunftsarbeiten zur Beratung ständen. Dr. Kolbe streifte nun die allgemeine Lage der völkischen und vaterländischen Bewegung und wies auf die Krise hin, in der sich alle Bewegungen befänden. Aber, führte er aus, diese Krise sei eine gesunde, und man könne mit Zuversicht an die weitere Arbeit' gehen. Im Lause des Nachmittags waren die sachlichen Beratungen des Vertretertages abgeschlossen worden. Dr. Kolbe hielt hierbei ein ausführliches Referat über die studentische Auslandarbeit. Der Redner, der eingangs ausführlich auf die Entwicklungsgeschichte studentischer Auslandar- arbeit eingegangen roar^ forderte, daß insbesondere die national gesinnte Studentenschaft sich dieses Arbeitsgebietes annehme und draußen in der Welt zeige, wie die heutige Studentenschaft, die die Generation von morgen sei, denke. Der Leiter des Grenzlandamts, Friedrich Heiß, legte dem Ver- tretertag einen mit großem Beifall aufgenommenen Plan für die großdeutsche Arbeit des Deutschen Hochschulrings vor. Es wurde beschlossen, teils durch Schulungswochen, teils durch Arbeit in den einzelnen Verbindungen den großdeutschen Gedanken, besonders mit Betonung der Anschlußsrage, durch- zuardeiien und als Abschluß eine Wiener Kundgebung des Deutschen Hochschulrings zu veranstalten. Zum Schluß wurde einstimmig Dr. I o ch - mann (Breslau) zum Vorsitzenden für bas kommende Arbeitsjahr gewählt. Am Samstag hielt in einer Nachmittagsoer» fammlung Professor Henning (Düsseldorf) einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über Rhein und Ruhr in der Politik der Gegenwart, in dem er die 1000jährige Geschichte des großdeuffchen Rheins beleuchtete. Am Sonntag fand mit einer großdeuffchen Kundgebung der diesjährige Vertretertag des Deutschen Hochschulrings auf ber Hohensyburg sein Enbe. Nachbem aus allen Gauen ber Grenzgebiete Rebner ihr Treuegelöbnis zum Reich abgelegt hatten, faßte ber ehemalige Vorsitzenbe, Dr. Kolbe, bie gesprochenen Worte zu einem Bekenntnis zu dem großbeutschen Reich ber Zukunft zusammen. An seiner Aufgabe wolle bie nationale junge Aka- bemikerschaft mit Ernst unb Pflichtbewußtsein Mitarbeiten. Richtung hin ihre Stimme früher lauter hätten erheben sollen. Ei» Einwand, ben man früher oft horte, war ber: bie Stimme ber evangelische» Kirche werde ja doch nicht gehört werden; die Zersplitetrung in viele einzelne Landeskirchen bewirke, daß jede Aeußerung verhallen müsse. Nun, die Dinge liegen jetzt anders. Seit 1923 sind die deutschen evangelischen Landeskirchen im Kirchenbunb zusammengeschlossen. So hat jetzt ihre gesammelte Stimme mehr Gewicht. Bereits hat auch der Kirchenbund in Sachen der soziale» Gerechtigkeit im Frühjahr 1924 eine große Kundgebung erlassen, die — wen» sie auch noch größere Beachtung wert gewesen wäre — doch keineswegs wirkungslos verpufft ist. Nehmen wir diese Kundgebung als ein Zeichen eines neuen Anfangs! Die evangelischen Kirchen müssen hinein in bie volle Oeffentlichkeit! Sie müssen helfen, baß bas evangelische Christentum bas gesamte Leben des deutschen Volkes durchdringt. Universitäten in Amerika Von Elisabeth Koffka-Ahlgrimm. Ich komnie von einer deutschen Universität: ein Gebäude, wo zu bestimmten Zeiten die Studenten aus» und eingehen. Alles Leben spielt sich innerhalb der vier Wände ab, draußen merkt man nicht viel. Und setzt bin ich auf einer amerikanischen. Ich gehe über den Campus, jenen grünen Park mit den alten Bäumen, in dem verstreut bie Universi- tätsgebäube liegen. Fahr- unb Fußwege durchkreuzen ihn, auf denen Autos hin- und hersause», Menschen stehen und entlang schlendern. Meist in Gruppen, schwatzend und lachend. In einem Auto, das normalerweise Platz hat für zwei, sitzen sie zu fünf unb sechs, teils draußen auf ben Trittbretter» hängenb, in weißen Oxfordhemden unb bunten Wollsweatern. Stubenten. Fröhliche, junge, »nver- ftubierte Gesichter. Irgenbwie sehen sie sich alle ähnlich. — Drüben steht eine Gruppe in grau- unb rotgestreiften Jacken. Anbere tragen kleine graue Iockeymützen schief über bem rechten Ohr. — Auch Stubentinnen sieht man. In (eibenen Strümpfen unb auf Sockelschuhen, in kurzen Kleibern nach ber neuesten Mobe, mit gepuderten Gesichtern unb rot gemalten Lippen. — Ab unb zu werde ich angehalten und mir eine Zeitschrift oder ein Flugblatt aufgenötigt. Die „Graphic", auf bem Titelblatt ist eine große Aufnahme von bem Fußballtrainer der Universität, auf Öen Innenseiten Lanösckafts- ausnahmen der llmgegcnö, Stuöenten, öie sich auf irgenöeine Weise ausgezeichnet, «meistens im Sport, Professoren, die besonders populär oder von ciher Reise zurückgekehrt ober neu berufen worben. — lieber mir im Turm ber Bibliothek beginnen jetzt bie Glocken zu spielen, eineMelobie nach ber anbern, darunter auch deutsche. Ich suche mir eine Bank, um mich etwas auszuruhen. Die Eindrücke sind so zahlreich und verwirrend. So sieht also eine amerikanische Universität aus. Mir ist, als wäre ich in Öen Parkanlagen eines Kurorts oöer in einem Lanb» erziehungsheim ganz großen Stils, so farbig ist bas Bilb unb locker! Wie kommt bas? Ich habe schon gesagt, ich bin auf einer Unioer- sität — Cornell Univerlity in Jthaca im Staate Neuyork. Die amerikanische Universität ist heroor- gegangen aus bem College, unb viele amerikanische Universitäten finb auch heute noch bloße Colleges. In ber Universität finb mehrere Colleges vereinigt, die ungefähr unseren Fakultäten entsprechen, aber nicht mit ihnen zusammenfallen. Dem alten College entspricht das College für „arte and Sciences“ (philosophische Fakultät), bazu kommen bann bie Fachcolleges (Mebizin, Landwirtschaft usw.) unb bie sog. „graduate-school“. Die ..graduate-school“ ist bem Wese» nach unserer Universität sehr ähnlich; eine Fachschule für Gelehrte unb solche, bie sich auf einen akademischen Beruf Dorbereiten. Sie umfaßt die „graduate-stu- dents“, das sind solche Studenten, bie schon brei ober vier Jahre Stubium hinter sich haben, schon ben B. A. (baccalaureatus), ben niebrigften akade- mischeu Grab erworben unb sich in weiteren brei Jahren unb länger auf bas Doktorexamen vorbereite». Ganz anbers bas alte College, bas sich in ber Universität als College für „arts and Sciences“ erhalten hat. Es ist eine Erziehungs» unb allgemeine Bildungsanstalt für bie breiten Massen. Jeder, der es irgend möglich machen kann, einerlei, was er später werden will, geht drei oder vier Jahre aufs College, um sich eine allgemeine Bildung anzu- schaffen und abgesehen davon „have a good time“ (sich gut zu amüsieren). Am Schlüsse dieser drei oder vier Jahre graduiert er, b. h. er wirb B. A., unb gewöhnlich verläßt er bann bie Universität. 90 Prozent gehen, nur 10 Prozent bleiben unb rücken nun in bie „graduate-school“, werben also Stubenten in unserem Sinn. Das Wesen der Universität aber unb ihr Leden wird nicht von diesen 10 Prozent „graduales“, sondern von den 90 Prozent „under- graduates“ bestimmt, von denen rede ich hier deshalb auch vor allem. Es gibt in ben Vereinigten Staaten 780 Universitäten unb Colleges, 618 000 Slubierenbe (ein Drittel weibliche), 50 000 Lehrkräfte. Diese Zahlen wären selbst in Amerika nicht möglich, wenn die Universität ausschließlich ober auch nur in erster Linie Forschungsinstitut fein würde. Die meiste Forschungsarbeit wird auf den aus Privatmitteln geschaffenen Universitäten geleistet (wie z. B. Chikagv, Columbia, Harward), die deshalb auch die größte Anzahl von „graduate-stu- dents“ haben (allerdings überwiegen auch dort die ..undergraduates“). Das Ziel ber Staatsuniverfi- taten (110 von ben 780), also bei weitem die kleine re Zahl) ist vor allem „educalion ’ (Erziehung) des Volks, darauf ist ber Betrieb eingestellt, obwohl natürlich auch auf ihnen rein wissenschaftlich gearbeitet wirb. Es ist kein Zufall, daß sich gerade in Amerika die Universität zu einer Masfenbildungsanstalt entwickelt hat. Es gibt eine kleine Anekdote aus den » ersten Jahren der Cornell-Universität. Eines Tages kommt ein junger Mann in bas Zimmer von Ezra Cornell, bem Gründer ber Universität. Ezra Cornell fragt ihn, was er ftubieren will. Die Antwort: „Ich möchte lesen lernen." — Das ist kraß unb ein komischer Ausnahmefall (ber Mann würbe felbftoer- ständlich wieder nach Haufe geschickt). Aber es zeigt die Situation. Die amerikanische Bevölkerung ist zusammengeworfen aus allen Erdteilen, ein großes Dölkergemisch, mit ganz verschiedenem kulturellem Hintergrund. Wenn es einen gemeinsamen habe» • will, muß es sich erst einen schasse». Und daß es sich einen schafft, ist notwendig, um das Gefühl der Einheit in diesem Gemisch zu kräftigen und zu ver tiefen. — Man könnte einroenben, bas ist doch Sache ber höheren Schulen, bie Leute mit einer Allgemein- bilbung zu versorge», bas geht doch bie Universität nichts an. Aber die höheren Schulen in Amerika finb nicht bas, was unsere finb, soviel steht wohl fest. Das Lehrmaterial ist schlechter, ferner gibt es kein Abiturientenexamen. Es hat also schon seine Grünbe, baß sich bie Universität ber Allgemeinbilbung an nimmt. Der beutsche Akabemiker -sieht leicht etwas hochmütig auf ihren „schulmäßigen Betrieb" herab — wgs er gewöhnlich nicht siebt, baß bie Bedingun gen für bie Hochschulen in Amerika sehr anbers finb unb waren als bei uns, sie sich folglich auch anbers entwickeln mußten. Ein paar Einzelheiten ber Organisation: Der Lehrplan entspricht ungefähr bem unserer höheren Lehranstalten, er ist eingeteilt in mehrere Gruppe», unb jede Gruppe muß der Student mit einer bestimmten Anzahl don Stunden belegen, den andere» bars er sich selbst wählen. Währenb unb am Schluß jedes Semesters werben Arbeiten angefertigt, für die es Zeugnisse gibt. Eine Reihe schlechter Zeugnisse unb ber weitere Besuch ber Universität kann verboten werben. Zum Beispiel mußten am Schluß bes Wintersemesters 200 Stubenten Cornell verlassen, weil sie nicht genügenb „Kredit" hatten. (Verbummelte Stubenten trifft man daher auf amerikanischen Universitäten kaum.) Dieses.Arbeiten nach Vorsd)rift und unter Aufsicht gibt ber amerikanischen Universität das „Schulmäßige". Die verschiedenen Jahrgänge unter ben Stubenten bilben verschiebenc ftjafien, bie sich durch Namen und zum Teil auch durch äußere Merkmale voneinander unterscheiden. In Cornell tragen die „freshmen“ (Studenten in den ersten zwei Semestern) kleine graue Mützen, die bann am Schluß des 7 Jahres auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt werden. Die einzelnen Klaffen haben auch ihre besonderen Veranstaltungen. In Cornell ist besonders bekannt das „senior-singing“. Jeden Donnerstag und Samstag in den letzte» Wochen des akade mischen Jahres versammeln sich die „seniors“ (bie ältesten unter den „undergraduates“) in ihre» farbigen Jacken vor einem Gebäude auf dem Campus und fingen Studentenlieber vor einer Schar von Zuhörern. Aus solchen paar Beispielen sieht man schon, baß das Leben auf dieser „Schule" alles eher als eng unb gebrückt ist. Ja, in mancher Beziehung ist es sicher weiter unb bunter als auf unseren Unioerfi • täten, obwohl bort jeber so ziemlich mache» und lassen kann, was er will. Gründe gibt es dafür eine ganze Reihe ;einer ber wichtigsten scheint mir, baß der Begriff ber Allgemeinbildung so sehr weit gefaßt wird. Aufgabe der Universität ist, den Gesamt- menschen zu erziehen mit all seinen Kräften: geistigen, moralischen, religiösen, soziale» usw. Gerade aus Öie sozialen roirö besonderes Gewicht gelegt. Die Veranstaltungen der einzelnen Klassen z. B., von denen ich oben gesprochen, sind nicht nur Vergnügungen, sondern zugleich Mittel, Gruppentätigkeit Zu entwickeln. Eine ganze Reihe anderer Einrichtungen haben denselben Zweck. Um nur ein paar zu nennen: das Studententheater in Cornell, das regelmäßig an bestimmten Tagen spielt — eine ausschließlich von Studenten geleitete Zeitung, bie «Daily Sun", welche täglich erscheint (abgesehen von den Examenswochen) oder der Papier- und Bücherlaben oben auf bem Campus, auf kooperativer Grunblage aufgebaut unb hauptsächlich von Stubenten betrieben. In gewisser Weise gehört auch ber Sport hierher, trotzbem ber sicher darüber hin aus noch starken Eigenwert besitzt. Was ber sport für Amerika bebrütet, würbe mir zuln erstenmal ganz klar bei ben großen Fußdallwettspielen im Herbst in Cornell. Das Stabion, bas 30 000 Personen faßt, war bis zum letzten Platz gefüllt, babei hat bie Universität nicht mehr als 5000 Stubenten! Don weit her kamen bie Leute, Extrazüge waren eingelegt, unb bie „Neuyork Times" brachte am nächsten Tag auf ber ersten Seite einen langen Bericht über den Verlauf bes Spiels. Ich habe zu fchilbern versucht, wie bie amerikanische Universität heute für einen unbefangenen Menschen aussieht. Wie sie sich weiter entwickeln wirb, läßt sich noch nicht voraussagen. Es gibt Strömungen, sie mehr unb mehr ausschließlich zu einem wissenschaftlichen Forschungsinstitut zu machen unb bie Erziehungsarbeit auf bie Colleges zu oeschränken. Wann unb ob überhaupt solch eine Trennung je möglich, weiß hettte wohl noch keiner. Wenn bie amerikanischen Universitäten Bolksbil- bungsanftalten bleiben, so besteht natürlich immer bie Gefahr, daß der große Zustrom ihre Qualitätsarbeit beeinträchtigen und die öffentliche Meinung in ihren verschiedenen Organen von außen Einfluß auf sie zu gewinnen sucht. Der Fall Scopes und der Kampf gegen die Entwicklungslehre ist dafür ein schlagender Beweis. Um aber diese „politischen" Schwierigkeiten der Universität wirklich verständlich zu machen, muß man die gesellschaftliche Schichtung Amerikas beschreiben, unb das würde hier zu weit führen. Der Akademische Fliegerring. Am 23. November 1919 wurde in Breslau von heimgekehrten Fronffliegern die Akademische Fliegerschaft „Dädalia" an der Universität gegründet. Bold wurde sie auch an der Technische» Hochschule angemeldet und der Rektor und andere Professoren traten der Altherrenschaft bei. Nach Jahres- ihrten erten, Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. DSrsenkurse. Ohne Gewähr.) , , „ . , , iörse schon eit längerer Zett Gerüchte über neue Kapitolzu« -----ilegungen im Umlauf, und man neigt dazu, 4,177 18,79 103.54 20.303 17,76 168,48 16,66 58.94 113.02 80,57 69.90 12,387 5.835 4.197 18,89 104.06 20,403 17 84 169,32 16,74 69,24 112,58 80.97 30.20 12.447 6.875 Amerikanische 9? ölen . . . .. Belgische Noten..... » . Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ..... Holländische Noten ...... Italienische Noten ..... Norwegische Noten...... Dentsch-Ocsterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten..... Schweizer Noten ..... Spanische Noten ...... Tschechoslowakisch« Noten . . Ungarische Noten . . . . . Montag begann, wie der „Hannoversche Kuriermitteilt, auf der vor etwa zwei Monaten im Kreise Celle fündig gewordenen Bohrung der Oleum A. G. ein heftiger Ausbruch, nachdem tzps Bohrloch bis auf 790 Meter vertieft worden isi. Die Produktion hat sich im allgemeinen verbessert, so daß seit einigen Tagen ungefähr 25 000 bis 30 000 Kilogramm wasierfreies, leichtes Del gewonnen werden. 5% Deutsche Relchsanle he • 4% Deutsche Reichsanleihe . SV»°/° Deutsche RcichSanlethe 3°/0 Deutsche Rcichsanletbe . Deutsche Sparprämicnanlelhe 4% Preußische Konfols . . . 4e/0 Hessen......... • 3V/Vo Hessen 3°/o Hessen . . . . - - - • • • • DeuNche Wertb- Dollar-Lnl. dto- Doll.-Schatz-Anweisng-') 4*/o Zolltürken 5% Toldmerikaner .... Berliner Handelsgesellschaft • Lommerz- und Privat-Bank Dannst. und Nationalbank ■ Deutsche Bank......... Deutsche DereinSbank .... DiSconto Commandtt ... Metallbank. ......... Mitteldeutsche TredNbank. . Oesterreichische Eredttanstalt. Westbank .......... Bochumer Guß ..... BuderuS..... Taro . Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben...» Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte......* * • • • Oberbedarf ......... Phönix Bergbau ...... Rhetnstahl........... Nicbeck Montan ....... Tellus Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ..... Theramtsche Werke Albin . . I Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann I Anglo-Tont-Guano Badssche Anilin........ Chemische Mäher Alapüt . . Goldschmidt GriesI«imer Electron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ....... RütgerSwerkc ......... Schetdeanstalt ....... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkraftwerke ...... Schuckcn ........... Siemens 4 Halske ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedt......... Meguin........... . Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Brann . . . Metallgesell'chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G........ Schuhfabrik Herz....... Sichel.......... Zellstoss Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . . . Berlin, 27. Dkt. Der Beginn der heutigen Börse stand noch völlig unter dem Zeichen der innerpolttischen Vorgänge, deren endgültige Klärung durchaus unsicher ift. Die Nervosität, bk gestern den Markt beherrschte, ist daher nicht gewichen. Sie verschärfte sich noch durch das jetzige Bekanntwerden der Sanierunasabfichten der Rheinmetall A. G., die eine Zusammenlegung ihres Aktienkapitals im Verhältnis von 3 zu 1 beabsichtigt. Bekanntlich sind an der Börse schon SÄi: I Wirtschaft. feieren lebt aber jetzt wieder unter dem Namen baß Dbjeft der von der Reichsbabngesellschaft an den Ikarus- auf. Während der Tagung des Deutschen Stahlwerksverband gegebenen Auftrage insgesamt Schutzbundes Pfingsten 1924 wurde in Graz die ca. 480 000 Tonnen Oberbaumatenal im Werte von Akademische Flieger chaft „Wieland- gegründet, die I ca. 64 Millionen Mark. Der Auftrag ist so elnge- einen ungeahnten Aufschwung nahm. In Berlin ist teilt, daß er bis Ende Mai 1926 vollkommen fertig- inzwischen die Akademische Fliegerschaft „Lilien- gestellt werden muß, und zwar in Raten von je tbaP ins Leben getreten. Diese Fliegerschasten haben 80 000 Tonnen monatlich. Der Preis betragt 133,75 Nch ,u bem Akademischen Fliegerring" Mark für die Tonne, liegt somit etwas unter dem xukimmenaefchloffen. Noch außerhalb dieses Rin- ca. 135 Mk. pro Tonne betragenden Preise für ges steht fre "Akademische Fliegerschaft „Marcho- Stabeifen. Trotzdem wird festgestellt, daß die Mit- Silefia- Breslau welche die gleichen Grundsätze güeber des Stahlwerksoerbandes, auf welche der roie die' anderen Fliegerfchaften hat. Die Flieger- Auftrag umgeleat werden soll, bei diesem Preise auf W nnb farbentragenbc_Serbinbungen. ihr-,Rechnung kämmen dürften.^.Edrich L Bayer L Co., Leverkusen. Der Aufsicktsrat Um die Kosten der stimmte in seiner Sitzung am Montag dem Abschluß KaCHCAou eines Fusionvertrags mit der Badischen Anilin- und yesstscyen weroer l0) ©obafabrit zu (Hauptversammlung am 5. Nov.). Frankfurt a. M.. 27. Okt. Gestern * ^leum Erdöl 21.®., Hannover. Am taateim „Domrestauront" unter dem Vorsitz des Bürgermeisters der Stadt Srlebberfl eiiw Versammlung der Vertreter von hessischen Städten und Landgemeinden mit gewerblichen Lehranstalten. Das ^ndes- amt für das Dildungswesen und das Ministerium des (5nnern hatten je einen Vertreter zu dev Versammlung entsandt, während von dem Ministerium der Finalen niemand erschienen war. . - Frankfurter Abendbörse. »Ten TrTe Fr-n-skr. ° M, 27. Ott. Die Haltung der ä?w?r b?f L u len Wie der Vorsitzende au3-* Abendbörse war im Einklang mit den festeren Shrte bat der hessische Staat bis heute eine Notierungen der Nachborfe gut befestigt; die Umsätze cÄekliche Regelung über die Kostenverteilung waren aber im allgemeinen bescheiden und nur in Li An gewe?blichen Lehranstalten nicht herbei- einigen Spezialwerten, wie Schiffahrtsaktien die «tfübrt S txÄ nunmehr, auf Grund des größeres Interesse beanspruchten, etwas reger. Wei- Naatsvoranschlaas die Gemeinden zu Tragern ter gut beachtet blieben mexikanische Werte, ohne ^xE^be chulen zu machen und sie mit wesent- indes wesentliche Kursveranderungen ^zeigen, lich bohren -Beiträgen als seither heranzuziehen. Deutsche Anleihen waren geschaftslos. Sm freien Wie^ dte Aussprache ergab, nehmen die Ge° Verkehr gingen 5proz. Reichsanleihen zu 0,217z um. melnden gegen diese Absicht des Staates ent- Die Abendbörse schloß m fester, für Schiffahrte- Stellung und verlangen, daß der Staat aftlen in lebhafter sonst ruhiger Haltung. Deut che !n orftcr Öinie wie es auch bei den land- Anleihen: Schutzgebietsanleihen 4,9. Ausländische wirtschaftlichen Schulen der Fall ist. die Person- Renten: 1913er Oesterreichische Rente 3,175. Göldschen Kosten der Gewerbeschulen übernehmen Mexikaner 43,25, 3prz. Mexikaner 12,62, 3rrtga= fnH Es wurde beschlossen, alle Rachforde- tionsanleihe 26. Bankaktien: Allgemeine Deutsche rungen^an die Gmieinden aus den Jahren Kreditanstalt 80, Bank für Brauindustrie 88,75, 1093 imb 1924 abzulehnen. Ferner wurde Commerzbank 94, Darmstädter Bank 106, Ultimo hn« Verlangen gestellt, den nach Erklärung eines 106,12, Deutsche Bank 106,62, Discontogesellschaft ^deraSerir?t^ vorliegenden Otefe- i02,50, Ultimo 102,75, Dresdner Bank 100,12, r ent en ent tour f über die Kosten der ge- Mitteldeutsche Creditbank 90, Reichsbank 135,75, werblichen Schulen den Gemeinden zwecks Oesterreichische Kreditaktien 6,95. Montanaktien: Vrüfuna und Stellungnahme dazu zugänglich Deutsch-Luxemburg Ultimo 70,50, Harpener Ultimo »u machen Der Vorsitzende wurde ermächtigt. 106, Caro 38,50, Rheinstahl 57,75. Chemische Aktien: einen entsprechenden Antrag bei der Regierung zu Badische Anilin 121,75, Scheideanstalt 89,75, Elber- fteUen. Alsdann soll eine neue Besprechung der fe[ber Farben 119,37, Th. Goldschmidt 66, Höchster Angelegenheit in einer demnächst einzuberufen- Farben 119,37. Transportwerte: Hapag 70, Nordd. Ln Ärsammlung der beteiligten Gemeinden Lloyd 75, Baltimore 65, Monastir 10,62. Industrie- stattfinden aktien: AEG. Ultimo 94,50, Gement Heidelberg ----------- 65, Dyckerhoff 32,25, Elektrisch Licht und Kraft 91,25, Holzmann 49,25, Gebr. Junghans 58,75, Kirche und Schute. Lahmeyer 79,25, Lechwerke 69,10, Neckarwerke , * . 11nrmpmpinbc bc- Stammaktien 77,25, Schuckert 671, Siemens und 4 ÄTw “ÄnTil.. Sa W* UUimo 85_^6 unb Sre,ta6 66,2b. zahlreich waren Besucher aus fern und nah ge- Berliner Dorfe. kommen, daß das Gotteshaus sich als zu klein (eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers .) erwies.'Der Ortsgeistliche, Pfarrer Hofmann-' - ~ ' 1 ' *’ Hopfgarten, machte am Anfang seiner Weihepre- digt davon Mitteilung, daß wir mit der Glocken- weihe auch die Feier des 25Ofäbrlgen Bestehens unserer Kirche verbinden könnten, die in 1923 versäumt worden sei. Aus einem alten Kirchenbuch gab er u. a. bemerkenswerte Eintragungen aus dem Jahre 1673 bekannt, die sich auf den Kirchenbau und erhaltene Unterstützung des damaligen Landgrafen, Ludwig VI., bezogen. 3n packender Rede schilderte bann der Geistliche - die Aufgaben der Glocken, und bezeichnete sie im Hinblick auf den harmonischen Zusammenklang als ein Vorbild für die Familie und die Gemeinde. Die beiden neuen Glocken sind größer als die im Kriegsjahr 1917 abgelieferten, sie stammen aus der Gießerei von Franz SlyillingSöhne - Apolda. Der hiesige Männergesangverein verschonte die Feier durch gesangliche Vorträge. Eine Nachfeier mußte mit Rücksicht auf das ebenfalls heute stattfindende ttirmestrelben auf den kommenden Sonntag verlegt werden. ammenlegungen tm umlauf, uno man neigi oazu, ile zu erwartenden Vorschläge der Rheinmetall A. G.-Berwaltung als ein Anzeichen für die Richtigkeit dieser Vermutungen anzulehen. Die Sanie- rungsmaßnahmen der Rbeinmetall A. G. nicht au einem starken Angebot in diesen die gestern schon stark ermäßigt waren, sondern es bestand im Gegenteil eine rege Nachfrage für dieses Papier, so daß bei der ersten Kursfestsetzung zum Erstaunen der Börse an den Tafeln Pluszeichen er- schienen. Stark beachtet wurde ferner die außerordentliche Geldflüs sigkeit, sowie der Große Straftammer Gießen. I fgntnfates uit? die oorltegeden neuen Aufträge * Dießen. 27 Ott. Unter Ausschluß der bei Thyssen. Die Grundtendenz war unter dem Öffentlichkeit wurde die Berufung des Schlvs- Einfluß dieser Momente etwas freundlicher M Heinrich Karl Hermann von Petter- gestimmt. Die a m e r i k a n i, ch e n 5 re i g a b e = to?U der vom sSffengericht wegen schwerer werte konnten heute weiter anziehen, doch Dürfte Etlicher Verfehlungen ^Knaben und Mädchen dies mehr eine Reaktion auf d e vorangegangenen »u vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. stärkeren Verluste fern. Der Geldmarkt war unverhandelt. Aach umfangreicker Delveisauf nähme, verändert flüsiig. Im De oNenverkeb r fetzte dte^wchaus ungünstig für den Angeklagten der- der Pariser Franken fernen Sturz nicht fort. Die lies nahm dieser seine Berufung zurück: es bleibt | Reichsmark notierte in London 20,34, Paris 5,62, mithin bei vier Jahren Zuchthaus. Amsterdam 59,12. Frankrurl a.M- Berlin Schlub- flure SchluhK. Adrnv- oörfe Schlutz. flut» Schlutz» Mittag bSri, Datum: 26. 11 27. ia 26. 10. 27 10 0 215 ) 2175 u 21 0,215 0,245 I 0,255 U.2d 1,247a ,2425 0 39 j 0,39 — 0.410 , 144 0.126 0.13 0,13 0,24 , 0,24 L2275 1,23 — 0,22 0 21 — — 0 26 —— 0.18 0,18 0.21 0 215 90.25 90.95 91.75 91,8 96,75 97 97 97,1 7.47 7,5 7.5 7.5 43,5 43,25 — 45,75 —• 134* 138* 134 5* 93.9* 94* 85* 95* 106* 106,1* 107* 106,7* 106,2* 106.6* 107,2* LO. ,6* — 66 — w 102,6* 102.7* 103 103.2* 77 77 — — 90* — —- 7 6,95 7 7 0,03 0.03 — 70,25* 70.5* 70.5* 72.25* 41 41 40.75 40,75 — * 38,5* — 70,5* 70 5* 70* 71* 77* 78.5* 77* -8 5* 103,5* 106* 104.7* 105 5* 114,5 114,9 113,7 113,5 118^51 117,25 117,25 117.25 35 36 34.5 36.7 —w 47* — w 49.25* 71* 73.25* 71,75* 72.75* 66 57.75 56.75* 57,5 69,25 70,5 70,5 70,5 48 48,5 — — 68* 70* 68* 70.6* 75,5* 75* 73,75* 75,25* _ _ 62.25 65 — — 1 48.5 ! 49,25 49 48,3 — —- 88 86 118,13 121 75 118,9 120.2 — — 60,5 66 65.5 66,62 117,25 118.75 116.13 118,25 118 119,9 116,9 119,75 16.75 46.5 — — — 64 63 63,13 90 89,75 — 94* 94,5* 94* 94.75* 73.5 — 74,25 75,75 72,75 70.75 — — 67. b* 66.25* 67 25* 84,5* 85* 85,6* 85,75* 31 31.5 32 31.5 31 32,5 33 33,5 25 25 — — 31 31 30 30 34 25 25 — — ■■ 95 95 w — 57,75 57 57,5 57 24.1 24 5 25.25 25.13 2,75 3.13 2 5 2.5 82 84 83 5 83,6 55,5 56 — 62 52 — 1 — 26 Oftbr. 27. Oftbr. Amtliche Noftcrung Geld । Brief Amtliche Notierung Geld । Brief Amst.-Ron. Bucn.-AireS Brfl.-Antw. Chrifftanla. Kopenhagen Stockholm . HelssngforS. Italien. . . London. . V7ent)ort . . Pari«. . . e-weiz . . «vanien. . Havan . . - Rio de Jan. Wien in D-- Oest. abgest. Prag .... Belgrad . . Dudapess. . Bulgarien - Lissabon . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Tanada. . • Urugnah - . 1ÜS.Ü7 1.723 19 13 85,21 103,57 112,81 10.56 16,65 20,845 4,195 17,12 80 74 60,12 1,720 0.635 59,12 12,43 7,42 5,885 3,045 21 125 80,68 2,385 5.49 4,195 4,255 B 169,29 1,727 19.17 85,51 103,83 112,59 10,60 16.70 20,395 4,205 17,16 80,91 60,28 1,724 1.637 59,26 12,46 734 6,905 8,055 21,175 80.88 2,895 5.51 4,205 4.265 anknote 168.12 1.725 18,88 85.49 103,82 112,26 10,55 16,70 26,338 4,195 17,78 80,79 69,97 1,722 0,635 69,12 12,42 7,42 5,88 8,035 .21,175 80,67 3,36 6J9 4.197 4.255 N. 169,24 1.729 18,87 85,71 104,02 112,54 10,59 16,74 20.388 4,205 17,82 80,99 60,18 1,726 0.637 69,26 12,46 7,46 5,90 3,015 '-0,225 80,87 3,87 5.61 4,207 4,265 Berlin, 27 Oktbr. Geld Brief Mudviehmarkt tu Dteheu. h. Gießen, 27. Oft. Bei dem heutigen Aindviehmartt waren 1030 Stück Großvieh und Kälber aufgetrieben. Der Handel war ziemlich schleppend. Bezahlt wurden für Kühe 1. Qual. 450 bis 500 Mk.. 2. Qual. 300 bis 400 Mk., Schlachtkühe 150 bis 200 Mk. das Stück. Einige sehr gute Tiere wurden über Aotiz gehandelt. Kälber kosteten 60 bi« 70 Pf. das Pfund Lebendgewicht. frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 27. Oft. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23,75 bis 24, Roggen, inländ. 17,25 bis 17,50, Sommergerste für Drau- * zwecke 23 bis 25, Hafer, inländ. 19 bi« 21,50, Mais, gelb 18,75 bis 19, Weizenmehl, mläkch., Spezial 0 37,50 bis 38. Roggenmchl 25 bis 25,50, Weizenkleie 9,75 bis 10, Roggenkleie 10,25 biS 10,50. Tendenz befestigt. Berliner Produktenbörse. D « r l i n, 27. Ott. Der Produttenmartt toar anfangsbehauptet, wurde aber später unsicher. In Terminware bestand große Deckungsfrage besonders für Roggen. Hafer stark gefragt, Gerste in guter Brauware gesucht, sonst still. Futterartikel ruhig. Es notierten pro 1000 Kg.: Weizen (mark.) 215 biS 218, Weizen (Oktober) 232, Weizen (Dezember) 232 bis 231.50, Weizen (März) 237.50, Roggen (märt) 145 bi« 149, Roggen (Oktober) 164 bis 164.50, Roggen (Dezember) 165 bis 167, Roggen (Mätz) 177 biS 175.50. Gerste (märk.) 198 bl« 218, Futtergerste . 157 bis 163, Hafer (märk.) 166 bis 176, Hafer (März) 187; für je 100 Kg.: Weizenmehl 26.75 bis 30.75, Roggenmehl 21.25 bis 23.25, Weizenkleie 11.30, Roggenkleie 8.90 bis 9.20, Diktvrta- erbsen 26 bis 32, kleine Speiseerbsen 25 biS 27, Futtererbsen 20 bis 23, Peluschken 18 biS 19, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 22 bis 25, Lupinen (blau) 12 bis 12.50, Rapskuchen 15 bi« 15.20, Leinkuchen 21.80 bis 22, Trockenschnitzel 8.40 bis 8.70, Torfmelasse 9.40 bis 9.60, Kartoffelflocken 13.60 bis 14, Zucker 20.30 bis 20.40. Rundfunk-Programm (Aus der „Radio-Tlmschau".) des Frankfurter Senders. Donnerstag, 29. Oktober: 4.30 bis 6 Uhr Nachmittagskonzert des Haus- orchefters: Ouvertüren. 6 bis 6.30 Uhr Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr Stenographischer Fvrtbil- dungskursus für alle Systeme, Diktat von 150 Silben an aufwärts. 7 Uhr Uebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus „Eine Nacht in Venedig", Dperete von Johann Strauß. Geschäftliches. — Eine erfreuliche Rachricht für alle Hausfrauen ist die Preisherabsetzung für Lux-Seifenflocken der Dunlicht Gesellschaft QL®. Dieses Edelerzeugräs der deutschen Deifenindu- strie bat in überraschend kurzer Zeit Gingang in alle Kreise der Bevölkerung gefunden und wird nicht nurf vom einschlägigen Handel, sondern auch von führenden Damen der Hausfrauenbewegung als auch von den Lieferanten der verschiedensten Zweige der Derttlbranche empfohlen. Schuhhaus W. Benner die altbewährte Bezugsquelle für beste und preiswerte Schuhwaren 10Ma lermaccar-om Filiale Kaffee, erlesenste Mischungen Wir empfehlen: Kaisers Gießen Kirchenplatz 12 das Pfd. RM. 2.40 2.60 2.80 3.00 3.40 3.80 4.00 4.20 4.40 4.60 Kaiser s Tee, wohlschmeckend u. fein aromatisch das Pfd. RM. 4.00 - 4.60 - 520 - 6.00 - 7.00 - 8.00. Kaiser*« hochfeine Schokolade, Pralinen, Napolitains, Kakao, Bonbons, Knuspergebäck etc. Eine Kostprobe der 5 feinsten Marken Kaiser’s Schokolade bei Einkauf für Mk. 1.— (Zucker ausgeschlossen.) »Eine praktische Kaffeedose (Altsilber-Imitation) eine Zierde für jede Küche * 1 bei Einkauf von 1 Pfund Kaiser’s Kaffee in unseren oben bezeichneten Filialen vom 29. Oktober - 7. November. KAISER 'S KAFFEE-GESCHÄFT Europa s grösster Ka ffeetösterei - Betrieb I k Eiaene Schokolade - Zucker - u. 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