Nr. 278 Erster Blatt 175. Jahrgang Kettag, 27. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Wonat$«Bejug$prei$: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trager» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Sichen. Postscheckkonto: Sranlfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen VruS und Verlag- vrühl'sche Univerfitäls-Buch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schnstlettung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7. Noveinber 1925 Annahme von Anzeigen für die Tagesrmmmer ois zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm ‘Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfeunig; für Re- klameanzeigeo von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°/. mehr. Lhefredakteur: Dr. 5riebt. Mlh. Lange. Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Will). Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein,- für den An- zeigenteil Hans Iüstel, sämttich in Giesten. Fortsetzung der Locarnodebatte. Die Vorlage in zweiter Lesung mit 271 gegen 159 Stimmen angenommen. Auf der Tagesordnung steht die 2. Beratung der Locarnoverträge. Am .Regierungstisch sitzt Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n. Abg. Dr. Landsberg (Soz.) Bei unserer Kritik, mag sie noch so scharf sein, müssen wir immer davon ausgehen, daß der Beweggrund des Gegners die Liebe zum Vaterlande ist. Unerhört ist es, wenn der frühere deutschnationale Abg. Roth sich erfrecht, in einem Blatte zu schreiben, jeder Befürworter der Locarnoverträge sei ein Vaterlandsver- räter. (Pfuirufe links.) Diese Zeilen beweisen den moralischen Tiefstand des Verfassers. (Lebhafte Zustimmung links.) Wir Sozialdemokraten begrüßen das Werk von Locarno und bekennen uns zum Pazifismus. Der Locarnopakt kann eine Schicksalswende im Völkerleben herbeiführcn. Die Deutsch- nationalen aber haben alle auf seinen Abschluß zielende Schritte unterstützt, aber im letzten Augenblick, schon nach der Paraphierung, haben sie die Regierung verlassen aus Furcht vor der Derantwof tung. Jetzt, nachdem der Vertrag paraphiert ist, würde ein Scheitern geradezu eine Katastrophe bedeuten, denn es würde uns zu der Last des Ver- failler Vertrages noch das denkbar größte Mißtrauen in die deutsche Politik bringen. Auch mir stimmen nicht mit Heller Freude dem Locarnovertrag zu. Es würde für uns erheblich an Wert gewinnen, wenn die Befreiung der Rheinlande möglichst schnell vollzogen würde. Aber haben Sie denn, Herr Graf Westarp, von Locarno die sofortige Befreiung des Rheinlandes erhofft? (Abg Graf Westarp: „Ja!") Abg. Landsberg fortfah- rend: Dann waren Sie allerdings mehr von der Locarno-Psychose erfaßt als wir! (Große Heiterkeit.) Wir denken nicht an irgendeine Feindseligkeit gegen Rußland. Auch die Regierung denkt sicher- lich nicht daran, denn kein Krieg könnte in Deutschland unpopulärer fein als der gegen Rußland. Wenn die Deutschnationalen mit dem Erfordernis einer Zweidrittelmehrheit die Reichstagsauflösung erzielen könnten, so wurden wir einen solchen Wahlkampf begrüßen. Aber rechtlich ist die Zweidrittelmehrheit für diese Vorlage nicht erforderlich. Der Locarnopakt kostet uns den Verzicht auf den Krieg, den wir doch nicht führen können und nicht führen wollen. Er bringt uns aber den Schutz vor weiterer Sanktionspolitik und die Aussicht auf baldige Befreiung der Rheinlande. Die Ablehnung des Locarnopaktes würde Deutschland einfach in die alte Rechtlosigkeit zurückstoßen. Die Politik der Deutschnationalen hat sich als unglücklich und damit als unmöglich erwiesen. (Große Unruhe bei den Deutschnationalen.) Wir Sozialdemokraten nehmen Locarno an. Möge die Annahme unserem Land und unserem Volk zum Segen gereichen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten — Zischen rechts — erneuter lebhafter Beifall und Händeklat- fchen bei der Linken.) Abg. Wallraf (Du.) Abg. Dr. Scholz empfahl uns Deutsch- nationalen die beiden StraßenbahnplaÜate „Nimm Rücksicht auf andere!" und „Springe nicht ab wahrend der Fahrt!" Das erste akzeptieren wir gerne. Es sollte in jedem Fraktionszimmer hängen. Der zweiten Mahnung bedürfen wir nicht. Die Straßeirbahn hat Haltestellen, an denen man aussteigen muh, weim man sieht, daß der Wagen falsche Richtung einschlägt. (Sehr gut bei den Deutschnationalen.) Wir Deutschnationalen sind ausgestiegen an der Haltestelle mit dem Ramen „Locarno — Re varietur". (Lebhafter Beifall bei den Deutschnationalen.) Was uns als Vorteil aus einer Annahme des Locarnovertrages geschildert wird, ist doch recht zweifelhafter Statur. Man sagt, Deutschland werde einen Sitz ün Dölkerbundsrat erhalten. Ein gleicher Sih sott aber auch Polen zugebilligt werden. Es steht fest, dah mahgebende Staatsmänner der Alliierten den Locarnovertrag anders auslegen als unsere Regierung, das; sie als seinen Hauptvorzug die Stabilisierung und freiwillige Anerkennung des Versailler Vertrages durch Deutschland bezeichnen. DaS Deutsche Reich darf keinen Vertrag unterzeichnen, der auch nur die Deutung zuläht. als wäre dadurch ein neues Anerkenntnis des Versailler Diktats und freiwilliger Verzicht auf deutsches Land ausgesprochen. (Dei- fall bei den Deutschnationalen.) Der „Matin" berichtet, dah an die Stelle der aus dem Rheinland abberufenen Zivildelegierten militärische Delegierte treten sollen. (Hört! Hört!) Aehnliche für uns ungünstige Anlündigungen bringt der „Ternps". Er bestreitet, daß die Räumung der ersten Zone nur ein Anfang sei. Er erklärt weiter, die Alliierten würden sich nicht einmal auf eine Unterhaltung über eine weitere Räumung ein- lassen. (Hört! Hort! bei den Deutschnationalen.) Wenn ein alter Rheinländer, wie der ehrliche und mutige Iustizminister F renken die Regierung verlieh, weil er mit Locarno unter keinen Llmständen einverstanden sein konnte, so muh das zu denken geben. Wir glauben an unser Volk. Darum wollen wir nicht durch die Annahme des Locarnopaktes die freie Bahn in eine bessere Zukunft unseres Vaterlandes versperren!" (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei den Deutschnationalen.) Abg. Dr. Dernbrrrg (Dem.) Die Deutschnationalen treiben eine Politik, die bedenklich an die verhängnisvolle Außenpolitik Holsteins erinnert. Wie auch die Abstimmung ausfällt, ob positiv oder negativ, in der Wage liegt das Schicksal Deutschlands. Die Welt nach Locarno ist nicht mehr die Welt vor Locarno. Locarno bedeutet einen Umtocg, der sich hätte vermeiden lassen, wenn Deutschland rechtzeitig in den Völkerbund eingetreten wäre. Die Bedenken gegen den Völkerbund werden am besten zerstreut werden, wenn wir erst gleichberechtigtes Mitglied des Völkerbundes find. Wir werden für alle nationalen Minderheiten die kulturelle Autonomie verlangen, und diese Haltung wird ihre Früchte tragen. Die Befürchtung, dah Deutschland mit dem Eintritt in den Völker- eine Option für den Westen gegen den Osten Europas Dornimmt, ist durchaus unbegründet. Wenn eine solche Haltung bei den Kommunisten noch verständlich ist, so ist sie bei den Deutschnationalen ganz unbegreiflich. Die Deutschnationalen treiben eine Politik der Isolierung Deutschlands, die der Dismarkschen Politik durchaus widerspricht. Wenn der Locarnopakt durch Deutschland zum Scheitern gebracht worden ist, dann ist Deutschlands Stellung in der Welt weit ungünstiger als zuvor. Dann wird die Hoffnung auf Befreiung des Rheinlandes und auf die allgemeine Abrüstung auch der Anderen ganz aussichtlos bleiben. Die deutsch« Wirtschaft braucht Auslandskredite. Glauben die Deutschnationalen, dah sie kommen werden, wenn sie Locarno ablehnen mit dem Gesang „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen!"? Wir erkennen als den Willen der großen Mehrheit unseres Volkes das, was Rathenau in Genua aussprach: „Friede! Friede! Friede!" (Beifall bei den Demokraten.) Abg. Hampe (Wirtsch. Vgg.) Aus der Debatte ergibt sich, daß keine Fraktion aus vollem Herzensgründe dem Locarnoabkommen zujubelt. Auch die Reden der Regierungsvertreter zeigten Enttäuschung darüber, daß das Maß der Rückwirkungen doch ganz uner- hedlich zurückbleibl hinter unseren Hoffnungen. Auch in unserer Fraktion bestehen Meinungverschio- denheiten für den ßocarnopgft. Ich spreche im besonderen für die Deutschhannoveraner und den Bayerischen Bauernbund. Wir haben immer gefordert, daß die Politik der Gewalt durch die Politik des Rechts ersetzt wird. Wir hegen gegen den Locarnopakt das große Bedenken, daß er als eine neue Bestätigung des Versailler Diktats gedeutet werden könnte, das der Ausdruck schlimmster Gewaltpolitik gegen Deutschland ist. Rach den Erklärungen der Gegenseite sind unsere Bedenken in dem einen Punkt zerstreut. Als eine neue Anerkennung des Versailler Vertrages kann d^r Vertrag von Locarno nicht betrachtet werden. Große Enttäuschung bereitete uns die u n g e n ü g e n d e D erwirk l i ch u n g der Rückwirkungen. Die Idee des Völkerbundes ist uns grundsätzlich durchaus sympathisch. Aber wir wollen nicht jetzt, wo wir gar nicht wissen, wie die künftige Regierung aussieht, eine solche Ermächtigung geben. Wir beantragen daher, dem Artikel 2 der Vorlage die Fassung zu geben: Die Ermächtigung der Reichsregierung, die für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erforderlichen Schritte zu tun, wird durch ein besonderes Reichsgesetz geregelt. Qlamens meiner Fraktion habe ich noch zu erklären, dah in Frage, ob die Locarnovorlage verfassungsändernd sei und zu ihrer Annahme im Reichstage eine - 3 Mehrheit erforderlich ist, wir uns auf den verneinenden Standpunkt des Gutachtens der Reichsregierung stellen. Wenn unfe- rem Abänderungsantrag oder einem ähnlichen anderer Parteien stattgegeben wird, werden wir . der Vorlage zustimmen. (Beifall bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Abg. Bayersdörfer (Bayr. Volksp.) betont, dah daS. was als Rückwirkungen der Locarnoverträge bezeichnet wird, nichts als die Erfüllung klarer Rechtsansprüche bedeutet. Der Redner schildert die drückende Besahungskast namentlich in der Pfalz und das durch sie hervor- getufene Elend. Das seien Rückwirkungen des Geistes von London. Wenn das Vertragswerk von Locarno überhaupt Wert haben soll, müsse die Aushebung der Besetzung oder wenigstens eine klare Festsetzung der Fristen sein. (Sehr richtig rechts.) Sanktionen müßten für alle Zukunft aufhören, nachdem die Möglichkeit der Schiedsverfahren bestehe. Das Rheinland für sich allein wolle nichts besonderes haben. Wenn die Lccarnoverträge nicht dem Gesamtinteresse dienten, mühten sie abgelehnt werden. Abg. Henning (Völk.) Diese Locarno-P'ychose muh endlich durchbrochen werden. Es muh einmal festaestettt werden, daß unsere Vertragsgegner dieselben Kreise sind, die im K'.iege die schlimmsten Lügen über uns verbreitet und die niemals die uns gemachten Zusicherungen gehalten haben. Ausgerechnet von diesen Vertragsgegnern nehmen jetzt Dr. Luther und Dr. Stresemann an, dah sie ihre Versprechungen halten würden. Damit schließt die Aussprache. In der Abstimmung die auf Antrag der Deutschnationalen namentlich ist, wird der Artikel 1 des Gesetzes, der die Annahme des Sicherheitspaktes und der Schiedsverträge feststellt, mit 271 gegen 159Stimmen angenommen. Dageoen haben die Deutschnationalen, die Kommu- nisten, die Völkischen, die Nationalsozialisten und ein Teil der Wirtschaftlichen Vereinigung gestimmt. Vor der Abstimmung über Art. 2, der Deuts ch- lands Eintritt in den Völkerbund ausspricht, beantragte Abg. Leicht (Bayr. Volkspartei) folgende Entschließung: Die Reichsregierung wird ersucht, von der Ermächtigung des Artikels 2 nur Gebrauch zu machen, wenn sich durch weitere Tatsachen die Auffassung der Regierung bestätigt, daß die Gegenseite in den schwebenden Fragen, insbesondere den Fragen der Rheinlande, eine Politik der friedlichen Verständigung eröffnet. Abg. Leicht erklärte weiter, seine Fraktion werde sich bei der jetzigen Abstimmung über den Artikel 2 der Stimme enthalten. Die Entschließung kann erst in der 3. Beratung am Freitag zur Abstimmung kommen. Namentlich wird daraus abgestimmt über einen Antrag der Deutschnationalen, der dem Artikel 2 folgenden Absatz anfügen will: Zum Eintritt Deutsch- lands in den Völkerbund bedarf es eines besonderen Gesetzes. Der Antrag der Deutschnatio- nalen wird mit 242 gegen 169 Stimmen bei 19 Stimmenthaltungen abgelebt. Ebenfalls wird der Antrag der Wirtschaftlichen Vereini- Für den „Geist von Locarno" ist es nicht gut gewesen, daß die Dauerkrise in Frankreich gerade die Zeit vor dem 1.Dezember so restlos ausfüllte, Brian d hat immer noch nicht Gelegenheit gehabt, die Locarno- Verträge dd r der französischen Kammer zu vertreten, was er eigentlich schon vor vier Wochen tun wollte; er hat auch noch nicht die Möglichkeit gehabt, im Kabinett den Beschluß durchzusetzen, dah dem Unfug der Prozesse gegen die sogenannten „beuttchen Kriegsverbrecher" ein Ende gemacht wird. Vielleicht wäre es für das Schicksal des zweiten Kabinetts P a i n 1 e D e besser gewesen, wenn die außenpolitische Debatte dazu benutzt wurde, um die Einigkeit der Regierungsparteien nach außen hin zu dokumentieren, statt dessen bissen die Parteien sich auf die Finanzvorlage fest und stürzten das zweite Kabinett schon nach 23 Tagen, nachdem es allerdings vom ersten Tage an schon kaum lebensfähig gewesen war. Herr Painlevä hat also sehr rasch abgewirtschaftet, er hat nicht viel Freude daran erlebt, daß er fernen Finanzminister Cai 11 aux falt stellte und selbst die Lösung des Finanzproblems versuchen wollte. Eigentlich ist er nicht einen Schritt weiter gekommen, als Caillaux. Denn was er wollte, war die Quadratur des Zirkels, und die läßt sich nun einmal auch parlamentarisch nicht lösen. Schließlich ist ja auch das Finanzproblem nur ein Ausschnitt aus den ganzen französischen Schwierigkeiten. Frankreich ist auf dem besten Wege, aus einer parlamentarischen Krise in eine Staatskrise hineinzurutschen, wenn die Berufsparlamentarier sich auch ängstlich hüten, davon nach außen hin etwas verlauten zu lassen. Liber sie können doch nicht verhindern, daß heute das ganze französische Volk wie hypnotisiert auf die Gefahr der Inflation starrt und jeder Regierung Schwierigkeiten machen wird, die nicht von heute auf morgen Abhilfe zu schaffen verspricht. Sie können auch nicht verhindern, daß der Franken stetig weiter finkt und dadurch das Gespenst der Inflation immer näher rückt. Merkwürdig genug, daß ein Volk von den Erfahrungen des anderen hier so gar nichts lernen will. Wir Deutschen hatten das Beispiel Oesterreichs und Polens vor Augen und haben uns doch selbst die Finger verbrennen müssen, wenn auch bei uns der Antrieb mehr von außen kam, weil die ständigen finanziellen Blutentziehungen, denen wir rücksichtslos unterworfen waren, einen Unterdrück in der Geldzirkulation herbeiführen mußten und schließlich auch in den Formen des Zusammenbruchs unserer Währung ihren Ausdruck fand. Dem find die Franzosen nicht ausgesetzt ge- wesen, sie haben sich bisher um die Bezahlung ihrer Kriegsschulden herumgedrückt, haben auch von Deutschland Geld genug bekommen, aber der Nationalismus derer um Poincars sorgte dafür, daß dieses Geld zusammen mit den inneren Anleihen ve r - pulvert wurde für Rüstungszwecke, für die militärische Unterstützung der östlichen Bundesgenossen und für Wiederaufbauskandale. Das ging schließlich gut, solange die große Phrase, Deutschland werbe alles bezahlen, noch Glauben erweckte, seitdem aber das Dawes-Gut- achteu Deutschlands Zahlungen wenigstens nach oben begrenzte und infolge der deutschen Wirtschaftskrise auch zutage trat, daß wir nicht einmal imstande sein werden, auch nur annähernd die Beträge zu zahlen, die das Dawes-Gutachten vorsicht, nachdem gleichzeitig auch Amerika auf die Verzinsung der Kriegsschulden drängte, brach dieses schöne Kartenhaus zusammen; es mußte Geld geschaffen werden. Der Ausweg einer Vermehrung der Zahlungsmittel bedeutet Inflation in verstärktem Tempo, der Ausweg der Kapitalabgabe bedeutet Kapitalflucht ins Ausland und Herabdrückung des Franken- llrrfcs von außen her. Das eine ist ebensowenig erfreulich wie das andere. Zu dem radikalen Mittel des Abbaus der militärischen Ausgaben aber will sich niemand entschließen. So doktert ma;i denn an einem unheilbaren Leiden herum und darf sich nicht wundern, wenn der Zustand des Patienten sich verschlimmert. g u n g , der inhaltlich dasselbe besagt, ebenfalls in namentlicher Abstimmuna abgeleh n t. Artikel 2 des Gesetzentwurfes wird hierauf in einfacher 'Abstimmung angenommen, desgleichen Artikel 3. Damit ist die zweite Lesung des Gesetzentwurfes beendet. Freitag 12 Uhr: Dritte Lesung des Locarno- gesetzes. (Bitte Entschließung der Mittelparteien zu denLocarno-Gesetzen In der Vollsitzung der Sraftionen des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten einigte man sich dann auf eine gemeinsame Entschließung, die bereits dem Reichstag oorlicgt. Es heißt darin, daß die Regierung aufgefordert wird, mit allen Kräften bemüht zu sein, um bis zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund eine dem Sinn des Vertragswerts von Locarno entsprechende Erweiterung der sogenannten Rückwirkungen zu sichern. Wie wir hören, werden auch die Mitglieder der Bayrischen Volkspartei dieser Entschließung zu stimmen, falls ihre eigene Entschließung zu dieser Frage abgelehnt werden sollte. Wie verlautet, werden die Sozialdemokraten die gemeinsame Entschließung der drei genannten Parteien unterstützen. Zumal, da die Sozialisten auch noch nebenbei ihre Sonderziele verfolgen. Rach den Kartellwahlen fanden sie es sehr beguem, aus der Verantwortung herauszubleiben, aber durch die Drohung ihres Austritts aus dem Kartell das Kabinett nach ihrem Willen zu lenken. Sie haben dadurch den Sturz Herrjots herbei- geführt, haben P a i n 1 e v e sich totlaufen lassen und sehen sich jetzt vor der Gefahr eines Bruches des Kartells, vielleicht sogar vor der Gefahr eines Wiederauftauchens Poin- c a r 6 s. Da erst sind sie klug geworden und haben von heute auf morgen den Beschluß gefast/, auch die Verantwortung zu übernehmen. Vorläufig allerdings nur in der Form, dah sie selbst ein Ministerium bilden wollen, dem Vertreter der übrigen Kar(cllparteien angehören dürfen, während im Kartell selbst der Wunsch nach einem Koalitionsministerium aus allen Kartellparteien vorherrscht. Daher die Rückkehr Herriots, die gleichzeitig auch als eine Rückkehr zu Herriot gedacht war. Herriot ist zweifellos im Kartell der populärste Mann; wo es nun auch ihm nicht gelungen ist, die auseinanderstrebenden Kräfte beisammen zu halten, ist es sehr zweifelhaft ob Briand erreichen wird, was Herriot versagt blieb. Jedenfalls wird in den Wandelgängen der französischen Kammer schon von der Möglichkeit einer Auflösung geflüstert. Das ist in der ganzen parlamentarischen Geschichte der Franzosen noch nicht da gewesen und würde tatsächlich den Staatsstreich. eine Tat der Verzweiflung, bedeuten. Aber schließlich steht den Franzosen das Wasser bald so am Halse, daß sie zu dem äustersten Mittel greifen müssen, wenn die allgewaltige parlamentarische Oberschicht sich nicht einigen kann. Herriots Mißerfolg. Die Weigerung der Sozialisten. Paris, 26. Roo. (TU.) herriot hat die Kabinettsbildung a b ge lehn t, weil die S 0 3 lall ft e n ihre Mitarbeit verweigert haben. Rach einer kurzen Besprechung mit Alb. Sarraut ließ der Präsident der Republik Briand zu sich bitten und trug ihm wieder die Regierungsbildung an. Briand hat den Auftrag angenommen. 3n politischen Kreisen ist man der Ansicht, dah Briand versuchen werde, ein Kabinett ohne Beteiligung der Sozialisten zustande zu bringen. In einer Sitzung der radikalen Äammcr- fraltion erklärte beute nachmittag Herriot. er habe geglaubt, in Anbetracht der kritischen Lage die Verantwortung für die Regierungsbildung übernehmen zu sotten. Rach Hinweis darauf, daß er gestern nacht den Vertretern der Parteien des Kartells der Linken offen crflärt habe, welche Politik er betreiben solle, habe er seinen Willen zum Ausdruck gebracht, sich mit allen Demokraten an die Arbeit zu begeben, um die Finanzkrise zu beseitigen. Frankreich verstehe, daß es Opfer bringen müsse, vorausgesetzt, daß es von starker Hand regiert werde. „Ich wurde," so fuhr Herriot fort, „im April im Senat gestürzt, als ich die Rotweudigkeit einer außerordentlichen Steuer auf das Vermögen und das Einkommen vertrat. Das sind die Grundsätze, an die ich erinnerte und die ich auch auf dem Kongreß in Rizza in den Vordergrund gestellt habe. Aus dieser Grundlage habe ich die sozialistischen Kollegen um ihre Teilnahme an meinem Ministerium gebeten. Um die regelmäßige Durchführung des Wirtschaftslebens im Lande zu sichern und um den laufenden Verpflichtungen nachzukommen, sind sofort Uebergangsmaßnahmen notwendig. Wenn ich trotz meines Abscheues vor der Inflation es abgelehnt habe, die Verpflichtung zu übernehmen, nicht zur Inflation'zu schreiten, dann geschah das, weil die Vernunft unb die Erfahrung mir Beweise gaben, daß es nicht einmal der entschlossensten Regierung mög.kcch war, gewissen Fatalitäten oder Manövern zu entgehen. Es handelt sich bei meinen Geöanken- gäugen nicht um doktrinäre Vorbehalte, son- Ein neuer Versuch Briands. bern um eine loyale Gewissenhaftigkeit. Ebenso habe ich bei Verteilung der Minister- sitze meinen sozialistischen Kollegen auseinander- gesetzt, daß ich durch ehrliche Anwendung dieser Grundsätze bereit wäre, mich- von den Entscheidungen der Kammerwahlen leiten zu lassen, d. h. die Verteilung entsprechend der Stärke der Kammerfraktionen vorzunehmen. Aus dem Beschluß, den die Sozialisten heute vormittag gefaßt haben, geht hervor, daß man die Mitarbeit verweigert, und daß die äleberstürzungspolitik, die wir beiderseits während zehn Monaten geübt haben, nicht in nutzbringender Weise von unserer großen Partei gefördert werden kann. Ich bin der Ansicht, daß ach unter diesen Bedingungen meine Pflicht erfüllt habe. Die Unterzeichnung des Loearnovertrages. Der Reichskanzler und Dr. Strescmann gehen nach London. Die „Tägliche Rundschau" meldet: Die Unterzeichnung des Locarnoverirags wird, wie jetzt fest- steht, nicht durch die Botschafter, sondern durch die Delegierten erfolgen. Die deutschen Delegierten in Locarno. Reichskanzler Dc. Luther und Rcichsaußenminislcr Dr. Stresemann, werden sich mit den Staatssekretären von Schubert und Kemp ner und Ministerialdirektor Gauß nach London begeben und die Unterschrift o o ll- ziehen. Für den Aufenthalt in London sind zwei bis drei Tage in Aufsicht genommen. Wie der amtliche engiische Funkdienst meldet, kann jetzt endgültig damit gerechnet werden, dah die Locarnovcrträge am nächsten Dienstag- morgen im Foreign Office von den Ministern unterzeichnet werden. Angesichts des Todes der Königin Mutter hat die englische Regierung notwendigerweise viele Feiern derDast- freundschaft absagen müssen, die sie gerne ihren Gästen geboten hätte. Trotzdem werden die ausländischen Minister mit ihrem persönlichen Erscheinen selbst zur erhöhten Bedeutung der Vertragsunterzeichnung beitragen. Der König wird selbstverständlich die Mi nist er empfangen, die trotz Absage des Staatsbanketts beim Ministerpräsidenten und beim Außenminister Gäste sein werden. 3m Auswärtigen A m t wird schon jetzt eifrig an der Herrichtung der Räumlichkeiten für den Llnterzeichnungs- akt gearbeitet. Der große Raum im Foreign Office ist von allen Möbeln befrei' worden. Auf seiner Rordseite wird quer öuix । das ganze Zimmer ein Podium errichtet wereen. 3n dem Raum haben über 200 Personen Platz. Die Rheinlandbesatzung. Englisch-französische Meinungsverschiedenheiten über die Verminderung der Rheinlandbesatzung. London, 27. Rov. (W. T. D. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter deS »Daily Telegraph" meldet: Die Verhandlungen über die Verminderung der Desahungstruppen der Rheinlande stoß-en auf beträchtliche Schwierigkeiten. Wie verlautet, fordern die französischen Behörden nachdrücklich, daß das französische Kontingent, das gegenwärtig etwa 90 000 Mann 'beträgt, annähernd in der Stärke, die vor der •. Ruhrbesetzung bestand, b i behalten werden soll und daß eine Verminderung höchstens um f 30 000 Mann zugestanden werden kann. Die französische Auffassung, daß die britische Rheinarmee noch weiter vermindert werden könnte, ist nach Ansicht britischer diplomatischer und militärischer Kreise unannehmbar, da das britische Kontingent im Vergleich zu der Stärke, die es vor drei Jahren hatte, bereits radikal vermindert worden ist. Rach einer Havasmeldung aus Mainz hat der General st ab der französischen Rheinarmee die Umgr uppierungsarbeiten infolge der Räumung Kölns bereits beendet. Die Besatzungstruppen werden danach in Zukunft aus drei Armeekorps und sechs Divisionen, darunter einer Kavalleriedivision, bestehen. Die französischen Truppen in Wiesbaden werden nach Mainz verlegt, wo sie die 42. französische Division ersetzen, die nach Frankreich verlegt wird, ebenso wie das 5. und 6. Kürassierregiment. Diese Truppen bildeten einen Ersah für die nach Marokko gesandten französischen Streitkräfte. Der Sih des Generalstabes des 30. Armeekorps wird nach Koblenz verlegt. Die Havasmeldung weist darauf hin, dah diese Maßnahmen die Lasten des besetzten Gebietes nicht vermehren, sondern daß dadurch die Truppenbestände im besetzten Gebiet vermindert würden. Neue Besatzungslasten für Koblenz. Koblenz, 27. Rov. 3n der gestrigen Stadtverordnetenversammlung teilte der Oberbürgermeister Russell zur Bestürzung der Stadtverordneten und der Bürgerschaft folgendes mit: »Wir hatten gehofft, daß der Vertrag von Locarno uns eine Erleichterung der Besetzung bringen würde. Heute nun ist die amtliche Erklärung eingegangen, daß neue 15 0 Fainilienwoh nungen und eine größere Anzahl Zimmer für unverheiratete Offiziere beansprucht tverden, da ein Telegra- phenbataillon und verschiedene andere Truppen- ici(c nach Koblenz verlegt werden sollen. Wir erheben schärfsten Einspruch dagegen, da wir in der Hoffnung auf eine Erleichterung der untragbaren Lasten getäuscht worden sind." Der Oberbürgermeister teilte dann noch mit, daß er bereits beim Äreißbelegierten Einspruch erhoben und sich fernerhin an das Auswärtige Amt, den Minister für die besetzten Gebiete und den Rcichs7ommissar drahtlich um Hilfe gewandt habe. Die polnische Militärnvache im Danziger Hafen. Danzig. 27. Rov. Aus Anlaß der Ansang Dezember beginnenden Tagung des Dölteround-- iatö beantwortete Senatspräsident Dr. Sa hm eine deutschnationale Anfrage, welche Maßnahmen die Regierung getroffen habe, um zu verhindern .daß Polen am Hafenausgang eine polnische Militärwache von 38« Mann zur Bewachuiig d es polnischen Munitionsdepots einrichte. Der Senatspräsident wies darauf hin. daß die Einrichtung einer polnischen Militärwache im Danziger Hafen zur Bewachung der polnischen Munition rechtlich nicht haltbar sei, weil die Sicherung dieses Munitionslagers der Danziger Schutzpolizei zukomme und weil die Errichtung der polnischen Militärwache der Genehmigung der gesetzgebenden Körperschaften in Danzig unterliege. Diese könne aber vom Danziger Parlament nicht erteilt werden, weil Danzig nach der Verfassung zu keinem Militäroder Marinelager Polens werden dürste. Die Danziger Regierung habe nunmehr dem Dölkerbundsrat einen Vorschlag unterbreitet, die umstrittene Frage der polnischen Munitions- Wache in der Weise zu lösen, daß der polnischen Regierung empfohlen wird, das polnische Munitionslager von Danzig nach dem polnischen Hafen Gdingen zu verlegen, weil Polen selbst diesen Hafen errichtet habe. Gegen den Personal- abbau der Reichsbahn. Berlin, 26. Rov. (SU.) Der Personalbestand der Reichsbahngesellschaft wurde bereits von einer Million um 279 000 Köpfe vermindert und bat für das ständige. Personal den Friedens lopfbe st and von 693 000 Beamten und Arbeitern erreicht. Trotzdem will die Reichsbahnverwaltung noch eine große Menge von Beamten und Arbeitern abbauen, anstatt dem Abbau ein Ende zu machen und die etwa notwendige Personalverminderung durch natürlichen Abgang (jährlich 15 000 Köpfe) herbeizuführen. Bei der dritten Lesung des Haushalts des Rcichsverkehrsministeriums wird es zu harten Auseinandersetzungen mit dem Derwaltungsrat und der Hauptverwaltung der Reichsbahngesell- schäft wegen dieser Vorgänge im Reichstag kommen. Der Reichstagsausschuß zur Prüfung der Rechtsverhältnisse bei der Reichsbahn nahm in seiner heutigen Sitzung bereits einstimmig folgende zwei Entschließungen an: 1. Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, unverzüglich auf die deutsche Reichsbahnverwaltung einzuwirken, daß der Personalabbau der Reichsbahn für b e e n'd et erklärt wird. 2. Die Reichsregierung zu ersuchen, auf die Deichsbahngesellschaft einzuwirken, die Pension s v e r h ä l t n i s s e der in das Arbeiterverhältnis überführten Beamten den Pensions- Verhältnissen der Reichsbahn anzupassen. Vie Eröffnung der Berliner Automobilausstellung. Geheimrat von Opel über die Lage der deutschen Automobilindustrie. Berlin, 26. Rov. (TU.) Unter zahlreicher Beteiligung fand heute morgen in der festlich geschmückten Automobilhalle am Kaiserdamm in Gegenwart des Reichspräsidenten von Hindenburg und zahlreicher Minister sowie hervorragender Vertreter der Regierung die Eröffnung der diesjährigen Automobilausstellung statt. Als Vertreter der deutschen Automobilindustrie ergriff Geh. Rat Dr. Wilhelm v. Opel das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er unter anderem folgendes ausführte: „Namens und im Auftrag des Automobilklubs von Deutschland und des Reichsverbandes der Automobilindustrie spreche ich zunächst Ihnen, Herr Reichspräsident, unseren tiefsten Dank aus für Ihren Entschluß, den Eröffnungsakt der Deutschen Automobilausstellung persönlich vollziehen zu wollen. Die heutige Eröffnung der Ausstellung fällt zusammen mit einem mehr als in einer Beziehung bedeutungsvollen Termin. Am 1. Oktober sind die Grenzen für die Einfuhr ausländischer Kraftfahrzeuge geöffnet worden. Mit allen nur denkbaren Mitteln hat die Automobilindustrie des Auslandes schon lange vorher für diesen Termin ihre Vorbereitungen getroffen, um den letzten vernichtenden schlag gegen die deutsche Automobilindustrie zu fuhren, um den deutschen Markt für sich zu erobern und droht das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft in eine mehr ober weniger große Abhängigkeit zu bringen auf den für die moderne Verkehrspolitik so überaus wichtigen Gebiet der Automobilisierung unseres Landes. Das Ausland, besonders Amerika, hat während des Krieges feine Automobilindustrie ungestört entwickeln können, während die deutschen Automobilfabriken durch die Ungunst der Zeit daran verhindert waren. Erst mit der Schaffung der festen Währung, also knapp vor zwei Jahren, war der Zeitpunkt gekommen, wo die deutsche Automobilindustrie mit ihren Umstellungsarbeiten beginnen konnte. Während wir im Vorjahre etwa 30 000 Kraftwagen hercmsbrachten, können wir heute tnühelos mit unseren Einrichtungen mehr als 100000 Kraftwagen erzeugen. Dah wir auch in konstruktiver Hinsicht uns mit dem Auslande messen können, beweist u. a. eine Reihe der glänzendsten sportlichen Siege, die deutsche Marken auf den schwierigsten internationalen Konkurrenzen errungen haben. Es wäre geradezu ein unübersehbares nationales Unglück, wenn ein Staat wie das Deutsche Reich barduf Verzicht leisten wollte, im eigenen Lande das neben der Eisenbahn wichtigste Verkehrsmittel selbst zu erzeuget'., und darum benutze ich, hochverehrter Herr Reichspräsident, die Gelegenheit Ihrer Gegenwart sowie der Anwesenheit der Herren Minister und zahlreicher hervorragender Vertreter der Regierung, um Ihnen die berechtigten Interessen der Automobilindustrie in bezug auf die verkehrs- wirtschaftliche Gesetzgebung, wie Steuerfragen und die große Streitfrage, ans Herz zu legen. Zum Schluß möchte ich einen letzten Appell an dös gesamte deutsche Volk richten: Unterstützt eure schwer, aber mit unerschütterlichem Willen und bestem Erfolg um ihre Existenz ringende deutsche Automobilindustrie, indem ihr der deutschen und nicht der ausländischen Industrie die Mittel zu- suhrt, ohne die sie nicht bestehen kann. Cs steht auf dem topiel die Existenz von 300 000 'Arbeitern und Angestellten, die in der Automobilindustrie und in der Zubehörindustrie tätig sind. Wenn alle drei Faktoren, Regierung, Volk lind Automobilindustrie, zusammeuwirken, den Automobilverkehr in Deutschland zu fördern und ihn mit eigenen Erzeugnissen des Vaterlandes durchzuführen, so kann der Erfolg trotz aller Schwierigkeiten nicht ausbleiben." Nach der Ansprache wurde die Alisstellung für eröffnet erklärt. Die Berliner 3ntendantenkrifi§. Der Intendant der preußischen Staatsoper von Schillings fristlos entlassen. Berlin, 26. Nov. (TU.) Der Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung hat in einem Schreiben an die Intendantur der Stagtsoper die fristlose Entlassung des Intendanten, Professor Max von Schillings, ausgesprochen. In dere Begründung wird darauf Bezug genommen, daß der Intendant sich geweigert habe, zur B e - ratung des Etats für 1926 zu erscheinen. Demgegenüber wird von einer dem Intendanten nahestehenden Seite erklärt, daß er seit drei Monaten auf wichtige Entscheidungen über den Etat von 1925 warte. Max von Schillings wird vorläufig weder die Räume der Intendanz noch die der Staatsoper betreten. Die vorläufige Leitung der Staatsoperbetriebe übernehmen Generalmusikdirektor Kleiber und Geheimrat Winter. Als eventueller Nachfolger Schillings wird von den Blättern der Intendant des Kasseler Staatstheaters, Paul B e k - k e r, der frühere Musikreferent der „Frankfurter Zeitung", genannt. Bekker soll schon vor einigen Tagen in Berlin gewesen sein, um mit dem Kultusministerium zu verhandeln. Rach Bekanntwerden der Entscheidung des Kultusministeriums haben sämtliche Per- svnalvertreter der Staatsoper folgende Entschließung gefaßt: „Die Personalvertreter der Staatsoper haben anläßlich der sogen. Schillings- friie in einer heutigen Versammlung einstimmig erklärt, daß sie ihrem Intendanten nach wie vor das voll st e Vertrauen entgegenbringen und seine bisherige Amtsführung in jeder Weise billigen und vertreten. Sie haben ferner eine Versammlung auf Freitag abend nach der Vorstellung einberufen, um dem gesamten Personal Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Ereignissen der letzten Tage zu geben.“ Die neue Regierung in Vaden. Karlsruhe, 26. Rov. Der badische Landtag trat zur Reuwahl der Regierung zusammen. Vor Beginn der Wahl gaben die Vertreter der Deutschen Volkspartei, der Bürgerlichen Vereinigung (Deutschnationaler Landbundund Wirtschaftliche Vereinigung), der Demokraten und dcr Kommunisten Erklärungen ab, daß sich ihre Fraktionen bei der Wahlhandlung der Stimme enthalten würden. Hieraus wurden, entsprechend den Vereinbarungen zwischen Zentrum und Sozialdemokraten folgende Abgeordneten zu Ministern gewählt: Abg. Remmele (Soz.) zum Minister des Innern und zum Minister des Kultus und Unterrichts. Abg. Trunk (Ztr.) zum 3ustiz- Minister und Abg. Dr. Köhler (Ztr.) zum Finanzminister. Zu Stadträten wurden gewählt: die Abg. Waldhaupt (Ztr.), Mar u m (Soz.) und Maier- Heidelberg (Soz.). Die drei gewählten Minister haben schon der bisherigen Regierung angehört, in der Dr. Hellpach Un- lerrichtsminister war., Zum Staatspräsidenten wurde Justizminister Trunk gewählt. De rsozinlistische „V o l ks f r e und" schreibt zur Regierungsbildung: Aus der Tatsache: daß Innenminister Remmele auch nach das .Unter- richstministerium übernahm, sei schon ersichtlich, daß es sich hierbei nur um einen vorübergeh enden Zustand handeln könne. Es werde lediglich auf die Demokraten ankommen, wie lange dieses Provisorium bestehen bleiben soll. Aus aller Welt. Dom Moskauer Schachturnier. Moskau, 26. Rov. (D. Z.) Die gestrige 12. Runde des Moskauer Schachturniers brachte den aufsehenerregenden Sieg des Mexikaners Torre über Lasker. Lasker hatte als Rachziehender in einem Damengambit bereits eine Gewinnstellung erlangt, aber er über» sah eine naheliegende Komdinaticn deS Gegners, durch die er mehrere Bauern und daher die Partie verlor. Capablanca gewann durch ein interessantes Bauernopfer gegen CH Stirn i r s k i. Doppelraubmord im Auto. Braunschweig. 26. Rov. satz antretenden „H e s s e n" - G I e ß e n ein unenb schieden 0:0. 1900 Gießen trat gegen den B. C. Wetzlar aus unbekannten Gründen nicht an. Sämtliche Spiele waren durch die schlechte Boden- beschaffenheit sehr beeinträchtigt, lieber die Aussichten der Teilnehmer läßt sich z. Z. noch kein endgültiges Uuteil bilden. Am spielstarksten scheinen y. C. Wetzlar und „Hessen" Gießen. Kreisoffenes Schwimmfest in Darmstadt. vo. Das kreisoffene Schwimmfest des S. D. Möve Darmstadt, das am Sonntag in Darmstadt seine Erledigung fand, zeigte nicht das. was man erwartet hatte. Die Abwicklung des Festes und die Organisation ließen zu wünschen übrig. Die Veranstaltung ließ erkennen, daß man im Westen bereits zur Winterruhe übergangen ist. Der Versuch Berges' vom Jungdeutschland Darmstadt, einen neuen 200-Meter-Nekord aufzustellen, mißlang ihm. Er erzielte nur 2:29. Einige Ergebnisse sind: Erstschwimmen 100 Bieter: 1. Waltersdorf, S. V. Frankfurt 1:13,8 4xlOO-Meter- Lagenstaffel für Senioren: 1. Offenbach 96 5:31; 2. Jungdeutschland Darmstadt 5: 40. 11. Seniorfreistil: 1. Grühner, Offenbach 96 1:10,4; 2. Seid, Franks. S. V. 1:10,6; 3. Lieret, Bayern 07 1:10,7. 1. Seniorspringen: 1. Pfordte, Möve Darmstadt 50- 3 P.; 2. Herbert, Mainzer S. V. 01 49-/3 P. I. Senior bei. 100 Meter: 1. Grühner, Offenbach 96 1:11,4; 2. Lieret, Bayern 07 1:12,3. — Wasserball: Möwe 1: S. C. Jungdeutschland Darmstadt II 1:4; Franks. S. D.: Jungdeutschland Darmstadt I. 1:7. Schrvimmklubkampf Poseidon Köln — Dortmund 96. oo. Der Kölner Schwimmklub Poseidon und Dortmund 96 trugen am Sonntag in Köln einen Klubkampf aus, der bei gutem Besuch zur Befriedigung aller Zuschauer verlief, Köln war durchweg überlegen. Sämtliche Staffeln, wie auch das Wasfer- baüfpiel waren Poseidon nicht zu nehmen. Die Ergebnisse: 5mal-60-Meter-Staffel beliebig: 1. Poseidon Köln 3:4,4; 2. Dortmund 3:9. — 3mak-100-Me- ter-Bruststaffel: 1. Poseidon Köln 4:14,6; 2. Dortmund 96 4:18. — Schwellstafsel: 1. Poseidon Köln 6:2,4; 2. Dortmund 6:4,2. — 4mal 100-Meter-Lagen- ftaffel: 1. Poseidon Köln 5:2,8; 2. Dortmund 96 5:6. — Wasserballspiel: Poseidon Köln—Dortmund 96 7:1 (4:0). Allein 6 Tore schoß Treis (Poseidon). — Im Gesamtergebnis blieb Köln mit 10:5 P. Sieger. — Ein Wasserballspiel Poseidon 2. M. gegen eine Kombination Trier-Bonn-Koblenz-Oberkassel im Rahmen der Veranstaltung endete 10:0 (6:0) für Köln. IxamclhaarstofT- niedertreter Filz- und Ledersohle Größe 3G-42 4.35 3.95, itindbox-Damen- •itlefel, warm ge- fütter, sehr bequeme Um .........15.90, Besetzte Sohntileustlolel mit Ledersohle. Größe 36-42 3.75, Gr 31-35 3.20, Z Größe 25-30...... den, welch letzteren man die zwei Pluspunkte ihres überraschenden Sieges über Hessen 09 (3:2) wieder abgezogen hat auf Grund der bereits im Vorbericht genannten Affäre Keinel. Nachdem die Frage des Abstiegs aus der Bezirks- in die Kreisliga noch nicht geklärt ist, kann Münden so noch in den Abstieg yineingezogen werden, falls ihm bis zum Schluß der Spiele kein Punktgewinn mehr gelingt. Die Abstiegsfrage lautet: Wird der ja durck) den Zusammenschluß mit dem D. f. B. Marburg eigentlich gar nicht mehr existierende Spv. Kurhesfen Marburg m die Zahl der drei Absteigenden einbezogen oder nicht? ~ StMD GUT WTO PBESWERT Tanzschuhe besonders preiswert. Spielwarem , . _ . . . waren zum Verkauf gelangenden sogenannten Knallkorken, da deren Sprengstoffinhalt die für 22 Spiele 35 Punkte 20 „ 33 „ 22 „ 29 „ 22 „ 28 „ 23 „ 28 „ 20 „ 26 „ 23 „ 26 „ 20 „ 25 „ 21 „ 22 „ 22 „ 16 „ 23 „ 14 „ 22 „ 10 „ 26 „ 9 „ 22 „ 7 „ Schuhhaus Herbert I ta$e«ii Gieflen, Marktplatz 2, naben der Engel-lpolheke e. G. m. b. H. Echter Nordhäuser ... 1/1 FL KL 2.50 Bittern ’/Tl.M. 2.90 iMIbel Krankenweine in Ihrem Konsumverein! 11203a swww ww 3 Kamelhaar, Kragen-, Schnallen- und 11198a Hausschuhe lOMla 6 Akte 0 Akte. HOlÜa Preisen 09455 Verkäufe j nachiu. 09529 Wilbelmstr. 2 I. fluf Wunsch werden Handlungen nachgewiesen Z Filz-Schuhe und -Stiefel mit und ohne Lederbesatz, T uch- u. 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Scholz in Mainz und K. Thienemann in Stuttgart der heutigen Nummer unserer Zeitung beilegten? Da haben sich ja die namhaftesten Künstler und Schriftsteller zusammengefunden, um allen Ktndern, den reichen und den armen, den Allerkleinsten wie den Schulbuben und Madels, ja gar dem Jüngling und Backfisch etwas Lebendiges, Festliches und Anregendes zu bescheren! Deshalb müssen alle Eltern, denen es ernst ist um die Reinheit und Fröhlichkeit kindlichen Herzens, um eine kraftvolle, starke, begeisterimgs- fähige Jugend, diese Beilage recht etn- gehend studieren, sie ausheben für kommende Weihnachten, auch für Geburtslage, und an Hand dieser vielen Bildproben und übersichtlichen Znsammenslellung die schönsten ^.hienemann-Jngendbücher au^ • wählen, die jede gute Buchhandlung, sowie die fröhlichsten Scholz-Bilderbiicht" die jedeseinsdiläg. Geschäft vorrätig ha>. I8GD Burgund.-Punsch'/2F1. M. 3.00 Zwetschenwasser'/,,Fl. M. 230 Kirschwasser.... '/äFl. M. 2.80 Kümmel........7, Fl. 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On haben auf dem Qebi und ömerifflner feite -er letzteren, auch auf -er Petroleumguellen günstige, weil sie es si die ersten zehn Milli, lürlich ist das Fehlen Lande, das, wie wanenstratzen für schuh für die wirtsch die 160 Kilometer Ei noch völlig in Verse Es ist nun rech Mischung Englands 1921 jii beobndjlen, / wb große Gfaatsmo fyinb als Sitiator । grissen hat. 5)a dieser die von ihm reorgani Höll, braucht er aus bei sicht zu nehmen, wie Mussolini auf das j ,®aB das schlaffe, traft o großen Mann unb wnnte wundernehmer ™fa Chan ein Sur Wrt, dar sich seit b, mn immer durch beii ausgezeichnet hat. Angesichts dieser griffen die Englände und truljer jn Asiei SÄ toitit mit Geld gearbeitet. ?t öer orientalischer dol'tiker bilde SbN für diele Men sowohl ttiu.hj Telephon 898 Feinkost! Oelsardinen, Hummer, Langusten, Lachs, Gänseleber, Filetheringe in Mayonnaise,Lachsbutler,Anschovis- Paste, Sardellenbutter, Fleischsalat mit Mayonnaise, Ochsenmaulsalat. Feine Braunschweiger Wurstwaren. 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Das seit drei Jahrhunderten wirtschaftlich immer tnehr herabgekommene und militärisch ganz ohnmächtige Persien war schon seit längerer Zeit, namentlich seit 1858, bekanntlich ein besonders viel umstrittenes Kampfobjek: zwischen der britischen und russilchen Orientpolitik. Im allgemeinen erwies sich dabei die legiere fast immer als die stärkere, beson- ders seit 1897, nachdem der sehr russenfreundliche 'M u s a f f e r e d Din den Thron bestiegen hatte. Nach dem Tode des Schahs im Jahre 1907 fand die englisch-russische Rivalität ihr vorläufiges Ende in dein in denselben Jahre abgeschlossenen Abkommen über Persien. Dieses Abkommen, in dem England leine sicheren Vorteile erlangte, hatte eine weit über Persien hinausgehende weltpolitische Bedeutung, denn durch diesen Vertrag wurde der Ring um das eingekreiste Deutschland geschlossen. Nachdem im Weltkriege der Zarismus zusammengebrochen war, verstanden es die Engländer, das ganze Land mit einem ziemlich starken Truppenauf- gebot in ihre Gewalt zu bringen, so daß man das Jahr 1918 -als den Höhepunkt der britischen Vorherrschaft bezeichnen kann. Aber mit dem Erstarken der roten Armee in Sowjetrußland nahm diese englische Hegemonie sehr bald ein Ende, denn bereits 1920 mußten die britischen Truppen die Küste des Kaspischen Meeres und Aserbeidshan in einem fluchtartigen Rückzug verlassen. Und der letzte Rest des britischen Einflusses in Teheran hatte im Beginn des Jahres 1921 ein Ende, als im Februar das jo- vrjetrussisch-persische Schutz- und Trutzbündnis abgeschlossen wurde. Erst durch diesen Vertrag wurde die tatsächliche Abhängigkeit Persiens sichergestellt und das Land gegen alle britischen Vergewaltigungen wirksam geschützt. Und in demselben Jahre wurde Mirsa Risa Chan Pahlawi, der eigentliche Schöpfer des neuen Persiens, Kkiegsminister. Was die wirtschaftlichen Verhältnisse betrifft, so befanden sich noch 1920 etwa drciviertel des persischen Außenhandels, in dem die Ausfuhr von Petroleum, Teppichen, Opium und getrockneten Früchten die Hauptrolle spielt, ganz in englischen Händen. So bedeutend der russische Teehandel auch immer gewesen ist, so war doch am Import von Tee aus Ceylon, der in Persien besonders beliebt ist, natürlich ausschließlich England beteiligt. Die Einfuhr von Zucker und Textilwaren wurde bisher vorzugsweise von Rußland besorgt. Im Laufe der letzten fünf Jahre haben auf dem Gebiete des Handels auch Deutsche und Amerikaner festen Fuß gefaßt. Die 'Aussichten der letzteren, auch auf dem Gebiete der Ausbeutung der Petroleumquellen, sind besonders deshalb sehr günstige, weil sie es sind, die dem zerrütteten Lande die ersten zehn Millionen Dollars vorgestreckt. Natürlich ist das Fehlen von Verkehrswegen in einem Lande, das, wie vor Jahrtausenden, nur Karawanenstraßen für Kamele besitzt, ein arger Hemmschuh für die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei sind die 160 Kilometer Eijenbaynen in den letzten Jahren noch völlig in Verfall geraten. Es ist nun recht interessant, die weitere Einmischung Englands in die persische Entwicklung seit 1921 zu beobachten, nach dem der wahrhafte Patriot und große Staatsmann Risa Chan mit eisenfester Hand als Diktator die Zügel der Regierung ergriffen hat. Da dieser persische Mussolini die Armee, die von ihm reorganisiert wurde, fest in der Hanv hält, braucht er auf den Medshilis ebensowenig Rücksicht zu nehmen, wie der willensstarke Italiener Mussolini auf das Parlament seines Vaterlandes. Daß das schlaffe, kraftlose Persien jetzt plötzlich einen so großen Mann uno Patrioten hervorgeoracht hat, könnte wundernehmen, wenn man nicht wüßte, daß Risa Chan ein Kurde ist, allo einem Volke an- aehört, das sich seit den Zeiten Alexanders des Großen immer durch beispiellose Tapferkeit und Energie ausgezeichnet hat. Angesichts dieser völlig veränderten Sachlage griffen die Engländer wieder zu ihrem altbewährten und früher in Asien stets erfolgreichen Methoden. Die britische Politik hat bekanntlich in Asien stets mit Geld gearbeitet. Die Käuflichkeit und Bestechlichkeit der orientalischen Fürsten, Minister und führenden Politiker bildete überall die willkommene Grundlage für diese Politik, bei den kleinen indischen Fürsten sowohl, wie in Afghanistan und Be- ludschistan, wobei die von England erkauften Länder nicht allein mit Gold, sondern auch mit hohen Ehren überhäuft wurden. Wenn nun, wie in der markanten Persönlichkeit Risa Chans den Engländern ganz unerwartet ein lauterer, unbestechlicher Charakter gegenübersteht, jo sind sie fast fassungslos. Vor der Ehrenhaftigkeit dieser neuen Männer in Asien, mögen sie nun Karabekir Pascha oder Risa Chan heißen, bricht die englische Orientpolitik, die bisher alle festen Positionen mit dem goldbeladenen Esel er- stürmte, wie vor einem unübersteiglichen Wall zusammen. Trotzdem haben die Engländer in den letzten Jahren in Persien an dem alten Schema festgehal- Prinzip, so bequem es europäischen Beutejägern erscheinen mag, hat in der persischen Malle des Volkes, wie Überhaupt in Asien, keinen rechten Boden mehr. Die englischen Nachrichten vom bevorstehenden Königtum Risa Chans sind deshalb sicher nicht richtig, denn dieser Mann weiß, daß er als Diktator seiner Heimat mehr nutzen kann als ein Monarch. Den größten Einfluß im freien Persien haben jetzt jedenfalls die Bolschewisten, die seit dem Vertrage von 1921 auf alle imperialistischen Vorteile der zaristischen Politik verzichteten und nicht mit Unrecht als Retter und Befreier des Landes vom englischen Joche gelten. So hat jetzt die britische Politik in Persien vollEin Nürnberger Spielzeug-Roman von G. iS*. «Mevleirr-Kom esMökit seit gestevrr im »GteHenev Amsisev" LleubesteUev süv Dezemvev sschMe« die Äummeeu bis «Lnde Ksvembev nebst LnbiSSums-Anssabe ksstenlss tcn, ohne dem Zeitgeist Rechnung zu tragen und die jetzt völlig veränderte Mentalität der asiatischen Volksmassen zu berücksichtigen. Wit englischem Gelds wurde der später fälschlich den Bolschewiken in die Schuhe geschobene Aufstand der Jomud-Turkmenen angezettelt, der jedoch, ebenso wie andere Revolten der unruhigen Oren^ftämme, von Risa Chan in kurzer Zeit siegreich medergeschlagen wurde. Da diese Turkmenen an der seit 130 Jahren regierenden Dynastie der Kadsharen, die bekanntlich türkischen Stammes sind, feschielten, also streng monarchistisch gesinnt waren, so liegt es auf der Hand, daß dieser Aufstand nur im englischen Interesse liegen konnte. Die Engländer haben bann, anscheinend in völliger Verkennung der in ihrer Entwicklung durch Risa Chan mächtig geförderten Volkskräfte, ihre persische Politik auf ein sehr brüchiges Fundament eingestellt. Nämlich auf den Willensschwächen Schah Achmed, den Sohn des 1909 abgesetzten Mohammed Ali Schah, einen jungen Lebemann, der sich seit 1921 mit einer sehr anständigen Zivilliste in Frankreich amüsiert, auf die in Persien ganz besonders rückständige Geistlichkeit, und auf die grundbesitzenden Magnaten, die als die ärgsten Ausbeuter und Leuteschinder im ganzen Orient bekannt waren. Die letzteren sind mittlerweile von Risa Chan enteignet worden, was hier jedenfalls volkswirtschaftlich dem Lande zum Gegen gereichen wird. So wurde bei den letzten Wahlen zum Medshilis mit englischem Gelde eine reaktionäre Mehrheit erzielt, die jedoch gegenüber dem starken Willen des Diktators sich als belanglos erwiesen Hot. Denn das monarchische ständig abgewirtschaftet und muß sich daran genügen lassen, ihren Einfluß in Indien aufrecht zu erhalten. Wie lange ihr das noch möglich fein wird, kann nur die Zukunft lehren. Wenn aber die schon bestehenden Beziehungen zwischen Risa Chan und Kemal Pascha noch engere werden, so dürfte das vielleicht nicht mehr sehr lange möglich sein . . . Gegen Fortsetzung der Kontumazurtette. Don feiten des Deutschen Of fiz ier- b u n d e s geht uns folgendes an den Herrn Reichskanzler in Angelegenheit der kriegsgerichtlichen Verurteilungen erneut gerichtetes Schreiben zu: Herr Reichskanzler! In einem Schreiben vom 25. März des Jahres hatte ich die Ehre, als Dundespräsident des Deutschen Osfizierbundes bei Eurer Exzellenz vorstellig zu werden in Angelegenheit der kriegsgerichtlichen Verurteilungen Frankreichs und Belgiens. Ich erlaube mir, im Hinblick auf die damals noch schwebenden wirtschaftlichen Verhandlungen mit den obigen Staaten anzuregen, daß auch bei dieser Gelegenheit mit Rachdruck auf die Beseitigung des die Ehre des gesamten Volkes stets erneut angreifenden, rechtlich gänzlich haltlosen und. schmählichen Vorgehens gegen deutsche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften hingewirkt würde. Auf diese Eingabe habe ich eine Antwort nicht erhalten. InPelzmärLel, Ein Rürnberger Spielzeugroman. Rach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. E b e r l e i n. Copyright 1925 bh A. Scherl G. m. b. H., Berlin. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Waren daher in einem Hause schon vier oder fünf Kinder vorhanden, und man wollte aus Bescheidenheit nicht noch ein sechstes aus dem Brunnen herausfischen, so beauftragte man Panz einfach die Störche, irgendwo in der Ferne in einem Garten zu suchen oder im Kelch einer Nelke oder zwischen den Blättern der Pfefferminze oder nnterm Kleeblatt oder gar im Kahlkopf, sofern die Pflanzen nicht gerade zwischen Disteln standen. Die Störche sind nämlich sehr gut für solche Geschäfte zu gebrauchen, sie wissen besser als jeder andere, wo und wie die Kleinen: zu finden sind. Auf den Dächern lebend, hören und sehen sie alles, was in den Häusern vorgeht, und können daher besser als die Leute selber beurteilen, was ihnen frommt. Sie werden nie Len Fehler begehen, ein böses Kind in das Haus einer guten Mutter zu tragen, während hingegen die gute Mutter, wenn sie einmal ein Kind zwischen Disteln findet anstatt in einer Relke, es aus Versehen nach Hause mitnimmt. Dies ist schon mehr als einmal vorgelornmen. Wie gesagt, im alten Nürnberg gab es damu.'s weder Flugzeuge noch Automobile und nicht einmal Lokomotiven, dagegen Vögel mit Ian;e i Schräteln und von unve.g e chlicher Weisheit die sic •' gerne zu allen möglichen Diensten hergaben und' besser unterrichtet waren als der Bürgermeister, dce Stadtväter und die Richter, die sich alle ro-dfer dünkten als der König Salomo, die husteten, niesten und sich räusperten, indem sie gewaltige Mengen Tabak schnupften, um den Eindruck zu öru-ecken, als hätten sie olles begriffen — während oft gerade das Gegenteil zutraf, wie wir gleich im Falle von Peter Tand sehen werden. Der 23. Dezember war her gekommen und Puppenpeter richtete das Schaufenster für Weihnachten her. Obwohl der Laden des Meisters Leopold der älteste und schönste in' her Stadt war, wie ich schon erzählte, bestand er nur aus wenigen Räumen: neben einem bis an die Decke mit Kisten und Schachteln vollgestopften Lager öffnete sich ein Hinterzimmer, wohin sich Meister Leopold mit seinen großen Äontor- büchern zurückzuziehen pflegte, wenn er Briese zu schreiben oder Rechnungen auszustellen hatte. 2m Verkaussraum selber erwarteten die beiden Gehilfen, Peter Tand und Tlbraham Schloß, die Kunden. Das einzige Schaufenster war klein und hatte grünliche Scheiben, die von innen her beleuchtet wurden. Aber alle Mütter wußten, daß hinter diesen Scheiben im Lichte der rauchenden Lampe wahre Schätze ausgespeichert waren, um Kinder selig zu machen, und heute, einen Tag vor dem heiligen Abend, hatten sie sich in Menge eingefunden, um mit Puppenpeter zu beratschlagen. Nie hatte es so viel Auswahl gegeben; Peter war glücklich. „Was wirst du in die Auslage tun?“ fragte der bucklige Abraham Schloß, der, geschwätzig und träge, wie er war, immer unnütze Fragen stellte, nur um etwas sagen zu können und nicht dabei denken zu müssen. Peter schaute ihn erstaunt an: „Nun — Kunigunde natürlich! Sie ist das Schönste, was wir haben. Unb dann unseren Hans Sachs mit seiner Laute und schließlich, wenn er hineingeht, auch Karl den Großen. Freilich scheint es mir, um aufrichtig zu sein, als hätten sie ihm den Bart etwas zu lang gemacht; denn wenn er einmal essen müßte. i,deren Arm überlassen, nicht rechts rrvch links schauen. Es war zweifellos das Desto, was er wollte, Franziska bezweifelte Das nicht, aber es war etwas in ihr, das sich auflehnro gegen diese enge Einschließung in seinen Wille.r Sie wagte nicht zu widersprechen, weil sie den Frieden liebte, Doch Hafte war eine Kampfnatur. Wo es etwas auszufechten gab, schickte man Hasse hin, gab es ein Terrain zu erobern, so wurde er ins Treffen geschickt, er kam niemals unverrichteter Sache zurück, er setzte sich überall durch And er glaubte, daß man dies bei den Frauen auch erreichen könne. Er wollte, dah jeder zu ihr aufsehen sollte, er war glühend ehrgeizig für sie. Er versuchte ihrem Wesen jenen Adel zu verleihen, die Frauen seines Kreises manchmal besaßen, doch er vergaß, dah starke, ausgeprägte Raturen feinen Veränderungen unterworfen find. Franziska fühlte, dah er nac ihr Bestes wollte. So versteckte sic ihre Anruhe, verbarg ihren inneren Kampf, unterdrückte ihre Angst. Hand von Beispielen das Aufwertungsgesetz und gab bereitwilligst Auskunft über persönliche Aufwer-- tungsfragen. Der überaus gute Besuch der Versammlung bewies die Notwendigkeit eines solchen Vortrages. • Oppenrod, 27. Rov. Zu der Meldung über einen Umbau unseres Kirchturmes („Gieß. Anz." vom 21. Rovember) ist berichtigend zu bemerken, dah ein solcher Beschluß des Gemeinderats bis jetzt nicht vorliegt. Der Ge° meinderat hat in seiner jüngsten Sitzung am Montag erst beschlossen, bei der Forstaufsichts- behörde einen Extrahieb im Wald zur Beschaffung von Geldmitteln zu beantragen. Wenn diese Frage gelöst ist, wird weiteres erst noch zu entscheiden sein. v. Londorf. 26. Rov. Hier wurde nach einem Vortrag von Oberst K l e i n h a n s aus Gießen ein Schühenverein mit Älein* kaliber gegründet, dem über 30 Mitglieder beitraten. 5 Lich, 26. Nov. Am Montag fand nach längerer Pause eine Stadtvorstandssitzung mit einer ziemlich umfangreichen Tagesordnung statt. Gegen ein Gesuch der Firma K. Köhler, dahier, um Errichtung einer Einfriedigung an ihrem Lager in der Bahnhofstraße wurden Einwendungen nicht erhoben. — Mehrere Landwirte suchten um Erhöhung der ihnen bereits durch einen früheren Beschluß zugestandenen Entschädigung von 5 Mk. pro Morgen für Hochwasserschäden an ihren Wiesen im Wiesengrund nach. Seitens der Versammlung wurde darauf hingewiesen, haß die Forderung zu weit gehe, da nachgewiesen sei, daß die in Frage kommenden Wiesen schon feit Jahren versumpft sind und der Ernteausfall an Grummetgras nicht allein auf die durch Veranlassung der Stadt erfolgte Stauung der Wetter und durch plötzliches Hochwasser entstandene Ueberschwemmung zurückzuführen sei. Lediglich aus Billigkeitsgründen wurde seitens des Stadtvorstandes einer Erhöhung der Entschädigung auf 7,50 Mark pro Morgen stattgegeben und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht, evtl, spätere Ersatzansprüche wegen des sumpfigen Zustandes der fraglichen Äiesen abzulehnen. Mit dieser Sache in Verbindung stand ein weiteres Gesuch um Schadenersatz für eine beschädigte Kartoffelernte. Der Schaden ist durch städtische Organe bei der Ernte festgestelll worden. Die zu leistende Entschädigung wurde auf 30 Mk. festgesetzt. — Der hiesige Turnverein suchte darum nach, ihm die städtische S o n d e r st e u e r für die Turnhalle für das Jahr 1925 ganz zu erlassen, da der im laufenden Jahre vorgenommene Turnhallenerweiterungsbau seine Mittel aufgezehrt habe. Sem Antrag wurde stattgegeben. — Nachdem die seither fürstliche Obermühle in städtifchen Besitz übergegangen und eine Verwendung für die Stadt zur Zeit nicht ins Auge gefaßt ist, beschloß man, sie auch weiterhin dem seitherigen Pächter Bayer- l e i n auf eine Reihe von Jahren pachtweise zu überlaffen. Für den demnächst abzuschließenden Pachtvertrag wurden Pachtpreis und besondere Bedingungen festgelegt. — Auf einen Antrag des k n - tholischen K i r ch e n v o rst a n d e s um unentgeltliche lleberlassung von Heizmaterial für die hiesige katholische Kirche wurde beschlossen, der katholischen Gemeinde einen Betrag zur Beschaffung des Heizmaterials in dem gleichen Verhältnis zu bewilligen, wie sich das Steueraufkommen der evangelischen Einwohner zu demjenigen der katholischen Einwohner verhüt. — Ein weiterer Punkt der Tagesordnung, dessen Beratung längere Zeit in Anspruch nahm, war von erheblicher Bedeutung. Es wurden die Grundsätze für die Erhebung des Wasfergeldes im Rj. 1926 beschlossen. Unterschieden nach drei Klassen, entsprechend der Größe der benutzten Wohnungen (Klasse 1 bis zu 2 Zimmer und Küche, Klasse 2: 3—5-Zimmer- wohnung, Klasse 3: 6—8-Zimmerwohnung) zahlen einzelstehende Personen jährlich, 4 bzw. 6 bzw. 9 Mark, Familien von 2 und 3 Personen 6 bzw. 8 bzw. 12 Mk., Familien von 4 und 5 Personen 8 bzw. 12 bzw. 16 Mark, Familien von 6 und mehr Personen 10 bzw. 15 bzw. 20 Mark. Für größere Wohnungen bilden 50 Mark die Höchstgrenze. Für die Wasserversorgung vdn Badeeinrichtungen ist pro Kopf ein Betrag von 1,50 Mk zu entrichten. Der gleiche Grundsatz gilt für Wasserspülklosetts. Bei den Gewerbebetrieben, wie Brauereien, Gutshöfen, Metzgereien, Gärtnereien und Betrieben mit Dampfkesseln werden vom 1. April 1926 ab Waffe r m e s s e r eingesührt. Für Gewerbebetriebe wie Wirtschaften, Bäckereien usw. sind besondere Zu- schl^c^^i^^^zwifchei^^und^^Mar^bewe^ Die Anruhe gab ihrem Wesen einen neuen Reiz, sie hauchte ihr Farben an. gab den großen dunllen Augen etwas Phosphoreszierendes. Sie klagte über Herzklopfen . . . Hasse fühlte ihren raschen Puls. „Das kommt nur von eurem un= Deinunftigcn Leben", sagte er. „Du hörst ja nicht . . Es ist sicher, daß man etwas, das sich in unserer nächsten Umgebung vorbereitet, wittert, ehe man Gewißheit davon hat. . Hasse wurde von beständigen Ahnungen gequält, Daß Franziska heimliche Wege ginge. Er mußte an. Stephansberger denken, den Sieger über alle Frauenherzen, wenn er sich auch als Mamr unmöglich vorstellen tonnte, wie man an einem solchen Riesen Gefallen finden konnte. Was formte Bezauberndes an dem Mann fein? Dagegen hatte sein Kollege Tiefental, ein bedeutender. vortrefflicher Mensch, geachtet als Arzt und dazu geschaffen, eine Frau auf Händen zu tragen, kein Glück bei Frauen. Seine zweite Verlobung war bereits zurückgegangen. Franziska zuckte die Achseln. „Männer mit so einer Simjonmähue sind unsereins Reutrum. Der soll sich erst einmal fesche Kragen angewöhnen und mehr auf sein Schuhwerk halten. Solche Knollen, wie der an den Füßen tragt, die schrecken einen allein schon ab." Dieses ehrliche Urteil Franziskas war bezeichnend für die Frauen des Rätsels Lösung waren vielleicht nur Tiefentals Schuhe. Jetzt wurde ihm auch Har, weshalb Worth mit seinen Habighüten, den durchgebügelten Hosen, den Lackschuhen und den blanken weißen Kragen bei den Frauen so leichtes Spiel hatte. Wie alles doch so einfach war, wenn man Dahinterkam, wie klar, wie trifte im Grund genommen. Die weihen Mause, dachte Hasse lächelnd. Er hätte sich abgemüht, ihr etwas Don seiner Lieblingsb schäftiguna, seinen Versuchen milzutei-- len, und schließlich nahm Franziska an, daß Mäuse tri Spiritus lebten. Aber waren sich nicht alle Frauen gleich? Hasses Bekanntschaften mit Frauen waren bisher nur flüchtiger Art. Auf schwierige Gebiete hatte er sich mit ihnen nie gewagt, vielleicht war er früher deshalb so gut mH iHerrn ausgerominen. Seit er die Der- (Fortsetzung folgt.) Linderung Frairziskas wcchruahm, geriet alles in ihm in Aufruhr. Wie gewöhnlich suchen die Menschen die '• Veränderungen niemals in sich selber, sondern ; in den anderen. Hasse suchte und kam auf diese rote Mieze. Die beiden neuen Freundinnen gingen täglich zusammen im Park spazieren. „Fran- ■ ziska," sagte er, ihre beiden Hände an sich nehmend, „tu mir den Gefallen und laß diese. Person aus unserem Haus, dies ist bein Reich, wenn die Rote es betritt, ist es beschmutzt. Wenn ich einmal Spuren von ihr finde, Franziska, — ich kann brutal werden." Franziska beruhigte ihn und strich ihm über Das kurzgeschorene Haar. Sie fand, daß dies | immer noch das beste Mittel tvar, ihn ruhig j zu machen. Besser als reden, dann redete man : sich oft in eine Falle... Er hatte sie nicht verstanden, wenn sie ihm gesagt hatte, ich brauche dich, wie ich diese Freundin nötig habe. Hasses Berus, „sein Geschäft", wie sie es nannte, interessierte sie nicht, sie mochte nichts Don Kranken hören, und sie mochte auch nicht immer von ihrem Beruf sprechen. Anterhal ■ tungen über Kunstfragen ging sie aus dem Weg, denn Hasse hatte nicht die Duldsamkeit großer (Keister, den kleineren Geist neben sich auch etwas fühlen, finden, denken zu lassen. Da ihn ihre Theatergeschichten nicht interessierten, so kam es oft zu fangen Pausen zwischen ihnen, und ihre Abende hatten etwas Gequältes. An einem Donnerstag abend gegen sieben . Ahr kam Franziska mit Paketchen beladen nach Hause, Das Mädchen zündete gerade die Lampe Körper, sicher mußte fle heut' einspringen — i immer pünktlich, als das Telephon klingelte. Das Theaterbureau. Franziska zitterte am ganzen Körper, sicher mußte sie heut einspringen — i und richtig, die Ebenhausen war heiser, und sie sollte die Redda singen. „Getviß, ich komme", . antwortete sie, „aber Sie müffen warten, bis ich da bin." Sie wußte nicht, wie sie sich angekleidet hatte und in einen Wagen gcEommen war. Das Theater Xdox schon festlich erleuchtet und Bereit, die Garderobiere erwarteten sie und der ungeduldige Friseur. gen, zu zahlen. Für ein Stuck Großvieh werden 2 Mark, für ein Schwein 1 Mark und eine Ziege 50 Pf. berechnet. Für Hausgärten wird ein Wasser- geld von 2 bzw. 1 Pf. für den Quadratmeter Gar- tensläche für Wasserstrahlpumpen 1 Mark, für Kraftfahrzeuge 15 Mark und für Bauzwecke je 100 Mark Bauwert ein Zuschlag von 5 Pf. erhoben. Im Falle der Wasserabgabe nach Messung werden neben der üblichen Wassermessermiete für jeden Kubikmeter 20 Pf. berechnet. Besondere Ermäßigungen für größere Abnehmer oder Gewerbebetriebe werden in Rücksicht auf die allgemeine Herabsetzung des Wasierpreises nicht zugestanden. Lediglich das von der Brauerei Jhring-Melchior abgenommene Ueberfchußwasser wird mit 10 Pf. für den Kubikmeter berechnet. Die Wassermessermiete für kleine Wassermesser beträgt monatlich 30, für mittlere Wassermesser 50 Pf., während größere Messer kauf' lich zu erwerben sind. Falls die Wasserabnehmer mit den genannten Sätzen nicht einverstanden find, ist ihnen die Berechtigung zugestanden, sich auf ihre Kosten einen Wassermesser fotzen zu lasten. — Sodann brachte der Vorsitzende eine Zuschrift des Oberhessischen Geschichtsvereins in Gießen über dieEr Haltung desalten Stadlwaldes und der Stadtma tFe-t-n zur Kenntnisnahme. In einer späteren Sitzung will man auf die Angelegenheit zurückkommen. — In Verbindung mit dem nm 14. Dezember stattfindenden Weihnachtsmarkt wird der Geflügel- und Vogelzuchtverein Lich und Umgegend eine Geflügelaus- stellung (Jubiläumsschau) in der hiesigen Turnhalle veranstalten. Der Verein suchte um Bewilligung eines Betrages von 50 Mark zur Beschaffung von Ehrenpreisen nach. Der Stadtvorstand bewilligte den erbetenen Betrag. — Die Miete für den von der Stadt Lich gemieteten 2 ch u l s a a l am stiftischen Gemeindesaal wurde auf Antrag hin vom 1. April 1925 ab auf jährlich 120 Mk. erhöht. — Ern an die Stadtverwaltung gerichtetes Ansinnen, auf _ die demnächst stattfindende Aufwertung alter Stadtanleihen bereits eine Abschlagszahlung zu gewähren, wurde dahingehend erledigt, daß der Gesuchstellerin das Anerbieten gemacht werden soll, die alten Anlelhestücke zu 121 Prozent für die Stadt zurückzukaufen. — Weiterhin fanden noch verschiedene kleinere Vorlagen ihre Erledigung. Kreis Friedberg. WSR. Bad-Rauheim, 26. Rov. Wusik- direftor Julius Schröder, ein geborener Rauheimer, der seit drei Jahren als zweiter Kapellmeister hier wirkt, hat sein Amt zum 1. April 1926 zur Verfügung gestellt. Schröder beabsichtigt, nach Amerika zu gehen und sich dort weiter künstlerisch zu Betätigen. <> Steinfurth, 26. Nov. Wie die S ch ä d- lingsbekämpfung durch Anlegen von Klebgürteln wirkt, konnte man in der letzten Zeit an dem Baumbestand eines hiesigen Bürgers beobachten. Die Klebgürtel wurden anfangs November angelegt. Nach etwa vier bis fünf Tagen waren sie dermaßen voll von Frostspannern, daß sie erneuert werden mußten. Nach der Erneuerung war der Erfolg derselbe. Man konnte an sämtlichen Klebringen feststellen, daß die Weibchen der Frostspanner unzählige Eier abgelegt hatten. Trotz dieses sichtbaren Erfolges ist es geradezu eine Seltenheit, in hiesiger Gemarkung, Bäume mit Klebgürteln versehen anzutreffen. Bekanntlich übt die Behörde hinsichtlich der Beseitigung dürrer Obstbäume einen Druck auf die Gemeinden aus. Wäre es nicht an- «, wenn man auch die Bekämpfung der Schäd- !s Obstbaues durch Anlegen von Klebgür- teln den Gemeinden durch Gesetz zur Pflicht machte, 1 zumal die Kosten für das Anlegen pro Baum und Klebgürtel sich nur auf etwa 10 Pf. belaufen? Dies wäre im Interesse des Obstbaues sehr zu begrüßen, denn man kann die Wahrnehmung machen, daß der Raupenfraß, verursacht durch den Frostspanner, mit jedem Jahre zunimmt. Hat man doch im letzten Jahre ganze Baumbestände gesehen, welche, infolge der Raupenplage gänzlich kahl gefressen, nicht einen 1 einzigen Apfel trugen. Kreis Büdingen. y. Nidda, 26. Nov. Auf Veranlassung der hiesigen Landwirtschaftlichen Bezugs- und Äbsatzgenossenfchaft sprach im „Darmst. Hof" in einer von Interessenten gut besuchten Versammlung Diplomlandwirt Gräf aus Darmstadt über „Künstliche Düngemittel". Der leicht verständliche, zum Teil durch Lichtbilder erläuterte Vortrag fand großen Beifall der Zuhörer, in deren Namen der Vorsitzende der Genossenschaft, Gast- und Land- Wirt Ludwig Wagner, dem Vortragenden herzlichen Dank aussprach. —/— Hirzenhain-Gelnhaar, 26. Bov. 3m Dienstag und Mittwoch wurde in unseren Gemeinden der Lut Hers i lm vorgeführt. Er fand mit seinen vortrefflichen z. T. ecgrmfenoen Aufnahmen bei klein und grob zahlreiche und dankbare Zuschauer. 13 Zwecks Erweiterung der städtischen Wasserleitung und Kanalisation, sowie für Melioration sollen 50 000 Mk. bei der Auslandanleihe ausgenommen werden. Verzinsung und Tilgung geschieht aus den Einkünften der betr. Betrieben. Die Pachtgelder für die st ä d t i s ch e I u n g v i e h w e i d e , die sich außerordentlich bewährt, wurden auf 12 Mk. pro Morgen festgesetzt. Die Weide, ca. 30 Morgen groß, ist in verschiedene Koppel eingeteilt, mit Wasserleitung versehen, das aufgetriebene Jungvieh wächst auf dieser Weide gesund und stark heran. Einigen Bauherren, die Neubauten im neuen Bauviertel über der Pfarrgalle errichtet haben, wurden städtische Baudarlehen von je 1000 Mk. bewilligt. Zur Zeit sind etwa 15 bis 2 0 Arbeitslose vorhanden. ' Diese werden bei den eben vorgenommenen Kanalisationsarbeiten beschäftigt. Auch soll die sog. Alte Frankfurter Straße neu hergestellt werden, wobei mtt den Arbeiten die Arbeitslosen verwendet werden sollen. lg. Gedern, 26. Nov. Die hiesige, in einem Nebengebäude des Schlosses untergebrachte I u - gendherberge wurde im Jahre 1925 benußt von Dolksschülern 121 (davon 108 männlich und 13 weiblich), von Schülern höherer Lehranstalten 40 ^männlich 40, weiblich 0), von Schulentlassenen 36 (männlich 36, weiblich 0). Die Jugendherberge weist 26 Betten auf und steht unter Leitung des verdienstvollen Borsitzenden des hiesigen B. H. C.-Zweig- oereins, Apotheker Beesenmeyer. -S- Herchenhain, 26. Bov. Auf Veranlassung der Fortbildungsschule Herchenhain und llmgegenb veranstaltete bas Kali- shndikat, landwirtschastliche Auskunftsstelle Darmstadt, in den Orten Herchenhain, Volkartshain, Sichenhausen und Burkhards an vier aufeinanderfolgenden Tagen Lichtbildervorträge. Die Aufnahmen zeigten nacheinander vorschriftsmäßig angelegte Diingurgsversuche und richtig gedüngte Felder und Wiesen. Weiterhin wurden Vilder aus der Kaliindustrie, wie Verarbeitung und Behandlung der Hart- und Kalisalze und die Arbeiten des Bergmanns unter Tage in den Kaliwerken vorgeführt. Dann wurden u. a. noch Lichtbilder gezeigt, die die Bekämpfung der Ackerunkräuter, vor allem des Streie Schotten. *■ Schotten. 25. Aov. Dick' Schneeflocken fallen unaufhörlich, ein richtiger «chneewinter scheint leinen Einzug zu halten. Nur etwas Frost fehlt, imd der rechte Nobel- und Schneeschuhsport kann beginnen. Auf den Höhen, Hoherodskopf, Oberwald liegt der Schnee außerordentlich hoch. Der Wintersport kann hier voll zu seinem Recht kommen. Das Postauto blieb auf seiner Fahrt Ulrichstein—Lauterbach stecken. Auch die Bahn hatte heute ihre Mühe, zu uns zu gelangen und kam bei dem vielen Schnee mit Verspätung an. Wünschenswert wäre, wenn die Reichsbahn auch unserem Vogelsberg mehr Beachtung schenken würde und für die W i n t e r s p o r t l e r , die gern den Vogelsberg besuchen wollen, aus Gießen, Frankfurt, besonders an Samstagen und Sonntagen, bessere Bahnverbindungen (Sgnder- züge) schaffen wollte. — Aus der Gemeinde- ra t s s i tz u n g: Zwei nachfolgende Mitglieder wurden vom Bürgermeister in den Gemeinderat eingeführt. Der Bürgermeister berichtete über den Stand der PoPautolin^enverbindung und über die in letzter Zeit stattgehabten Verhandlungen mit den interessierten Gemeinden. Ein Postauto soll in Ulfa stationiert werden. Don dort soll es in der Frühe nach Nidda und zurück fahren, danach nach dem Bahnhof Eichelsdorf die Leute bringen, die in Schotten zu tun haben. Das Auto fährt von dort über Ulfa nach Hungen, um dort Anschluß zu den zweiten Zügen nach allen Richtungen zu haben. Don Hungen ist eine Rückfahrt vorbei wieder an den Ortschaften Langd, Rodheim, Rabertshausen, Ulfa nach Eichelsdorf vorgesehen. Hier werden die von Schotten um 1 Uhr zurückkommenden Passa- Siere nach Ulfa abgeholt. Eine weitere Autoverbin- ung soll Anschluß nach Gedern/gewinnen über die Orte Eschenrod, Wingershausen, Eichelsachsen, Glashütten (hier Treffpunkt mit dem von Nidda kommenden Postauro), Steinberg, Gedern evtl, wei- tergehend bis Ober», Mittel- unö Nieder-Seemen. Allen zum Kreis Schotten gehörigen Orten wäre durch diese günstige zweimalige tägliche Autoverhindung eine bequeme Gelegenheit geschaffen, nach Gedern und in die Kreisstadt Schotten zu gelangen. Man glaubt nicht, daß die Reichsbahn irgendwelche Schwierigkeiten macht, da ihr diirch diese Verbindung ja keinerlei Konkurrenz entsteht, im Gegenteil das Auto der Bahn nur Zubringerdienste leistet. Auch nach der Stadt Laubach (möglichst über Einartshausen, Gonterskirchen) soll Anschluß gesucht werden. Verhandlungen schweben darüber noch. Der Gemeinderat legt großen Wert auf die Förderung all dieser Linien, da mit dieser Anschlußgewinnung an all die verschiedenen größeren Plätze, wie Alsfeld,'Lauterbach, Ulrichstein, Groß-Felda, Gedern, Laubach, Schotten, Ulfa, -Nidda, Hungen der Verkehr ganz allgemein im Vogelsberg stark gehoben wird und etwas mehr pulsierendes Leben in unseren meist stiefmütterlich behandelten Vogelsberg kommt. Der Gemeinderat will jedenfalls die weitgehendsten Opfer für all diese Linien bringen. Aus der Ge- fcyäftswelt und der Bürgerschaft kommen starke Klagen über herrschende Geldknappheit und Zahlungsschwierigkeiten. Der Gemeinderat hat daher die Fälligkeit der Steuer- i" ziele für Grund- und Gewerbesteuer auf den 1. Dezember, 1. Februar, 1. April und 1. Juni festgesetzt, die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz ist fällig am 10. der Monate Januar bis Juni. Hederichs erkennen liehen, und die vernichtende Wirkung des fein gemahlenen Kainits, richtig angewandt, klar zeigten. Hand in Hand mit den Lichtbildern erfolgten die nötigen sachgemäßen Erklärungen des Vortragenden, Diplom-Landwirts Gräf der es sehr gut verstand, durch längere Ausführungen dem ganzen Abend das Gepräge eines wohldurchdachten Aufklärungsvor-- träges zu geben. 1 lg. Aus dem Vogelsberg, 26. Nov. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß neuerdings der in manchen Orten unseres Gebirges, namentlich im Winter betriebenen Hausindustrie wieder größeres Interesse entgegengebracht wird. Auch erfährt sie hier und da eine zeitgemäße Aus- gestaltung und Erweiterung, indem man | sich mehr als seither aus die Anfertigung von Schneeschuhen verlegt und dadurch manchem Einheimischen Deranlasiung gibt, Jünger dieses schönen Sportes zu werden. Im übrigen beschränkt sich unsere Vogelsberger Hausindustrie auf die Anfertigung von Rechen, Sensenwürfen, einfachen Küchen- und Spielgeräten, Spinnrädern (Helpershain), Sieben u. dgl. mehr Als wichtigste Orte für sie kommen in erster Linie die hochgelegenen Vogelsberger Orte Rebges- hain, Helpershain, Sichenhausen u. a. in Betracht. Sollte die Hausindustrie, wie es den Anschein hat, eine neue Belebung erfahren, so wäre dies ein begrüßenswerter Schritt auf dem Wege zur Erkenntnis, die gerade heute mehr als je Allgemeingut werden müßte, daß auch jetzt noch das Handwerk einen goldenen Boden hat und seinen Mann ernährt. Starkenburg. WSB. D a r m st a d t, 26. Bov. Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, einem Platz im Borden der Stadt den Barnen Fried- rich-Ebert-Platz zu geben. — 3n der unteren Anna st raße trat gestern abend plötzlich eine Erdsenkung ein. Es entstand mitten in de r Straße ein ein Meter breites Loch, das sich nach unten erweiterte. Vor etwa einem Jahre ist ganz in der Bähe der Stelle ein Kohlenwagen buchstäblich in der Erde versunken. Die .Unterhöhlung war seinerzeit dadurch entstanden, daß die Wurzeln der die Straße flankie^nden Bäume die Kanalisation durchbohrt hatten, so daß der Grund durch den Kanal fortgeschwemmt worden war. Die Untersuchung des neuen Falles ist im Gange. Darmstadt,, 25. Bov. Der elfjäh- r i g e S ch ü l e r K a r l B r a u n ließ sich gestern in der Bähe oes Südbahnhofs von einem Zuge überfahren. Das Kind war sofort t o t. Der Grund zur Tat ist unbekannt. * Darmstadt, 26. Bov. Zu der Meldung von der in P f u n g st a d t unter Altmaterial auf» gefundenen Frauenhand wird angenommen, daß die Hand aus einem Krankenhaus stammt, weil sie ursprünglich in Spiritus gelegen hat. Eine Mordtat nimmt man nicht an. Rheinhessen. Mainz, 25. Bov. (WSB.) Geh. Schulrat Dr. Friedrich Bö m Held, langjähriger Direktor der höheren Mädchenschule, ist gestern nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben. WSN. Mainz, 25. Nov. Eine gestern stattgefundene Führung durch den Mainzer Dom hat Gelegenheit gegeben, die bisher erzielten Fortschritte bei den Sicherungsarbeiten zu beobachten. Bekanntlich mußten, da die Pfahlroste, auf denen die Mauern des Domes stehen, infolge Vermorschung keinen Halt mehr boten, sämtliche Fundamente des Domes mit Beton unterfangen werden. Bis jetzt sind 6500 Kubikmeter Beton eingebaut, während 4500 Km. noch unterzubringen sind. Aus den Ausführungen der Professoren Rüth und Becker ging jedoch hervor, daß der Dom noch von einer weiteren dringenderen Gefahr bedroht ist. Von dem großen achteckigen Westturm fallen infolge der unsicheren Fundamente ständig Steine ab, worüber man sich schon feit Jahrzehnten wunderte, ohne daß man damals die eigentliche Ursache erkannte. Der Turm wird deshalb jetzt mit einem gewaltigen Eisen- anker versehen. Die Gurtbögen sollen bis zur endgültigen Befestigung des Bauwerks mit eisernen Unterlagen gestützt werden. Die Baukosten für den schwer gefährdeten Dom sollen bekanntlich durch eine Lotterie aufgebracht werden. Preußen. Aireie Wetzlar. 3 Wetzlar, 26 Bov. Bekanntlich finben am kommenden Sonntag auch im hiesigen Kreise die Wahlen zum Kreistag und Provinziallandtag statt. Während für den Kreistag 5 Wahlvorschläge eingereicht sind beträgt die Zahl für die ganze Rheinpro- v i n z deren 14 Stück. Für d: . Kreis Wetzlar kommt wohl für die Anhänger der bürgerlichen Parteien in erster Linie der Wahlvorschlag Br. 3 der Deutschen Volkspartei für die Provinzwahl in Frage, auf dem an der Spitze Oberbürgermeister Dr. Jarres, der bewährte Vorkämpfer für deutsches Recht und deutsche Freiheit steht. An zweiter Stelle ist ein Sohn des Kreises Wetzlar, Kaufmann Christian Eloos-Wetzlar verzeichnet, der sich in der Stadt sowohl als auch auf dem Lande größter Beliebtheit erfreut. Es steht zu hoffen, daß bei einer guten Wahlbeteiligung Herr Cloos als Vertreter des Kreises gewählt wird. Für den Kreistag kommt für die bürgerlichen Parteien nur die Liste Br. 15, genannt „Arbeitsgemeinschaft für Stadt und Lan d", in Betracht. Diese Liste vereinigt die Deutschnationale und die Deutsche Dolkspartei, den Kreisbauernverein und die Mittelstandslistc in sich. Die nächsten Tage werden noch sehr harte Kämpfe bringen, während bis heute die Agitation anscheinend noch mehr unter der Decke verläuft. Die diesjährige Kreistagswahl ist insofern von besonderer Bedeutung, als der neue Kreistag voraussichtlich tn einem der nächsten Jahre vor die Frage der Beuwahl eines neuen Landrats gestellt sein wird, da der jetzige Landrat die Altersgrenze bald erreicht hat. Daher wird auch dem Ausfall der Wahl allseits großes Interesse entgegengebracht. Schätzungen hierüber sind schwer, beim man weiß nicht, wie hoch sich der Prozentsatz der bürgerlichen Wähler belaufen wird. Es wird jedoch allgemein auch auf dem Lande mit einer guten Wahlbeteiligung gerechnet. Wird dies zur Wahrheit, so dürste der neue Kreistag ebenfalls wieder eine knappe bürgerliche Mehrheit erhalten. Kreis Biedenkopf. dH. R o d h e i m a. d. Bieber, 26. Bov. Der in letzter Zeit in Deutschland und vorher in Bordamerika gezeigte B e t h e l f i l m wurde jetzt auch in unserer Kirche für die Gemeinden Rodheim-Bieber und Vetzberg vorgeführt. Wohl alle Anwesenden hatten von den Bodel- schwinghichen Anstalten in Bethel bei Bielefeld schon gehört und gelesen, aber niemand wird sich das Werk dieses Mannes nach Größe und Bedeutung so vorgestellt haben, wie sich ihm hier im bewegten Lichtbilde zeigte. Groß ist der Segen, welcher schon von Bethel ausgegangen ist, und noch soll das Werk weiteren Segen stiften, dazu bedarf die Anstalt, die ihr Bestehen zum größten Teil auf christlicher Liebestätigkeit auf- baut, her älnterstützung aller derjenigen, welche für ihre notleidenden Mitmenschen ein Scherflein erübrigen können. Cs ist aber auch von großer Bedeutung, daß den Gebern einmal gezeigt wird, welcher Segen aus ihren Gaben erwächst, Unb dazu wurde den Anwesenden in jeder Hinsicht reichlich Gelegenheit geboten. Sämtliche Bilder wurden von einem erklärenden Vortrag begleitet, durch den ihre Anschaulichkeit noch vertieft wurde. Mancher Besucher, der früher für die Bot in Bethel noch kein rechtes Verständnis gezeigt hat, wird wohl in Zukunft einer Bitte um eine Gabe für dieses christliche Liebes werk kein Ohr und seinen Geldbeutel leichter öffnen als bisher. Am Bachmittag war die gleiche Vorstellung für die Schulkinder der drei Dörfer Rodheim, Bieber und Vetzberg. XX Frankenbach, 25. Nov. Die Nachfrage nach Christhäumen steigert sich hier von Jahr zu Jahr, kommen doch selbst von Frankfurt Händler in unsere Gegend, um hier ihren Bedarf zu decken. XX Wilsbach, 25. Nov. Pfarrer Gründ- l e r dahier wurde von der Kirchengemeinde Sinn einstimmig als Nachfolger für Pfarerr Enke gewählt. Bis zum Jahre 1899 gehörte unser Dorf in kirchlicher Beziehung zu der Nachbargsmeinde Erda (Kreis Wetzlar). Das hiesige Pfarrhaus, von der Zivilgemeinde erbaut und im Stockbuch als evangelisches Pfarrhaus eingetragen, war in einer langen Reihe von Jahren als Schule und Lehrerwohnung benutzt worden und infolge dieses Vorkomm, nifses führte die Ablösung von der Pfarrei Erda zu einem langjährigen Streitverfahren zwischen bürgerlicher und kirchlicher Gemeinde, das bis heute noch nicht gelöst ist. Man hat sich dahin geeinigt, daß im unteren Stock die Schule weiter gehalten wird, während die oberen Räuine, die früher die Dienstwohnung des Lehrers bildeten, dem Pfarrer als solche eingeräumt worden sind. Wilsbach zählt nur 287 Bewohner, mithin eine leichte Pfarrei. Der häufige Wechsel des Pfarrers mag wohl in den Wohnungsverhältnissen begründet sein. Oberlahnkrcrs. Weilburg, 26. Bov. WSB. Das große Los der Lotterie vom Verband für deutsche Jugendherbergen mit der Anwartschaft auf ein vollständiges Holzhaus ist auf Br. 22294 gefallen. Der glückliche Gewinner ist Kreiswohl- fahrtsob^rsckretär Weil von hier. — Die beiden Zwillingsbrüder Philipp und Anton Schäfer feiern heute in voller Rüstigkeit ihren 8 6. Geburtstag. Maingau.. WSN. Frankfurt a. M., 25. Nov. Auch in der Provinz Hessen-Nassau ist eine erhöhte Spartätigkeit zu bemerken. In den ersten neun Monaten des lausenden Geschäftsjahres sind insgesamt 52 184 900 Mk. neu zur Einzahlung gelangt, gegenüber 19 731 000 Mk. im Vorjahre. Da ein großer Teil der Spargelder zu Zwecken des Wohnungsbaues Verwendung finden wird, ift zu erwarten, daß bei weiterer erhöhter Spartätigkeit auch das furchtbare Gespenst der Wohnungsnot endlich verschwinden wird. — Das Verfahren gegen den Architekten Willi Lutz, das vor ca. 10 Monaten wegen Wohnungsschiebungen beim hiesigen Wohnungsamt eingeleitet wurde, ist nunmehr eingestellt worden. — Der 28jährige .Koch Paul Kirchner hat seinem Arbeitgeber in 'Aschaffenburg aus dessen Lager unter erschwerenden Umständen Champagner, Wein, Liköre, Zigarren, Zigaretten, Schokolade und die feinsten Konserven gestohlen. Er brachte die Beute hier zu einem Bekannten in der Ludwigstraße. Dort wurde das Lager von der hiesigen Kriminalpolizei entdeckt und mit einem Wagen abgefahren. Kirchner ist am 20. d. Mts. aus dem Gefängnis in Aschaffenburg entwichen, wurde aber am gleichen Tage bei einem Freunde in Darmstadt, bei dem er sich Geld für eine Auslandrsise holen wollte, festgenommen. Ein Kriminalbeamter in Frankfurt erfchofsen. Frankfurt a. M., 26. Bov. WSB. Heute früh gegen 4 Ahr wurde am Westendplah der Kriminalastistent Otto Sack, der sich eigentlich in der Oeffentlichkeit wenig betätigt hat, erschossen aufgefunden. Sack kam von einer Sittenstreife zurück und hatte sich fuc& vorher von einem Kollegen getrennt, um sich in seine Wohnung, Lllmenstraße 37, zu begeben. Die Leiche wies zwei Drustschüsse, einen Schuh in der linken Hand und eine Verletzung am Hinterkopf auf. Der Hut lag unmittelbar rechts neben der Leiche. Von Bewohnern der Rhein -und Savignystraße. sowie des Westendplatzes sind kurz vor zwei älhr Schüsse gehört worden. Man hörte Laute Schmerzensrufe, die sich nach dem Westendplah zu verloren, sah auch, wie ein Mann zum Westendplah in schwankender Haltung ging und glaubte anfangs. es fei ein Betrunkener. Dieser Mann fiel am Westendplah zur Erde, erhob sich jedoch wieder und ging dann weiter. Vermutlich hat sich die Tat an der Ecke Rhein- und Savignystraße abgespielt. Don den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Kreis Fulda. WSB. Fulda, 26. Bov. Der „Fuldaer Zeitung" zufolge wurde gestern in Fulda der 25jährige Zigeuner Franz Winter, der an der Ermordung seines StammesgenoKen Johann W i n t e r st e i a in Frankfurt-Cckenheim beteiligt war, verhaftet und ins Gefängnis eingclicfert. Amtsgericht Gießen. * Gie hen, 23. Nov. In der Nacht vom 15. znm 16. August sah der Polizeiwachtmeister W. von hier, wie 2 Personen aus der Wirtschaft von Sauer herauskamen, und die Straße durch Urinieren verunreinigten. Er ging auf sie zu, woraus der eine weglief, und stellte die Personalien des anderen fest. Dabei ergab sich, daß es ein in Zivil befindlicher Reichswehrsoldat E. war. W. teilte ihm mit, daß er ihn anzeigen müsse, worauf ihm E. er widerte: „Ich bin 7 Jahre Soldat, ich zeige Sic an. Sie haben mich belästigt." W. ließ sich durch diese Aeußerungen nicht stören, worauf E. noch hin zufügte: „Ein Gießener Schutzmann ist für mich überhaupt nichts, den p .... ich an." E. bestreitet diese Aeußerung, er will lediglich gesagt haben: „Die Gießener 'Polizei taugt überhaupt nichts, wenn ein Krawall ist, läßt sie sich nicht sehen, abends dagegen schreibt sie Leute auf, die nichts gemacht haben." Nach der Aussage eines etwas später hinzuaekom- menen Kameraden sagte er auch noch, er lasse sich das nicht bieten, werde es vielmehr seinem Bataillon melden, es sei eine Gemeinheit, daß man vom Bürgersteig heruntergeworfen werde. Das Gericht schenkte den beeidigten Aussagen des Polizeiwachtmeisters W. vollen Glauben und stellte dementsprechend fest, daß der Angeklagte nicht nur die von ihm zugegebenen und die von seinem Karne roden bekundeten Aeußerungen getan, sondern daß er auch die Worte gebrauchte, die W. wiedergegeben hat. Wegen dieser schweren Beleidigungen, die in ihrer Geringschätzung kaum Überboten werden können, wurde er zu einer G e l d st r a f e o o n 5 0 M k. verurteilt. Strafkammer Gießen. * Gießen, 20. Nov. Die beiden wegen des selben und wegen ähnlichen Deliktes vor bestraften Brüder Hermann und Hugo K. von L i d, standen unter der Anklage des Wilderns. Der vor ihnen mitgeführte Hund hatte während der Schonzeit einen Hasen im freien Feld verfolgt und toL gebissen. Die Angeklagten nahmen diesen Hasen mit nach Hause, zogen ihm das Fell ab, konnten ihn aber nicht essen, well er nicht genießbar roar; sie bestritten aber, jegliche Absicht des Wilderns gehabt zu haben. Doch schenkte das Gericht ihren Angaben keinen Glauben, hielt sie vielmehr auf (Bruno der Beweisaufnahme für überführt und verurteilt« fic unter Aufhebung des Urteils des Amtsgerichts Lich zu einer Geldstrafe von je 100 M k., die im Uneinbringlichkeitsfall mit je 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind. Ein Viehhändler von Büdingen war von dem Amtsgericht Büdingen zu einer Geldstrafe von 30 Mk. verurteilt worden, weil er den von dem Kreisamt Büdingen zwecks Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche erlassenen Vorschriften zuwidergehandelt hatte. Gegen dieses Urteil verfolgte er Berufung, da er sich nicht schuldig fühlte, ließ sich dann aber eines Besseren belehren und bat lediglich um Herabsetzung der Strafe. Wie die heutige Verhandlung ergab, hatte er nicht böswillig gegen die Verordnung verstoßen. Deshalb wurde die Strafe auf den geringft zulässigen Betrag von drei Mark herabgesetzt, im übrigen mußten ihm aber sämtliche Kosten auferlegt werden, da er ursprünglich zum Zwecke der Freisprechung Berufeung eingelegt, aber insofern mit der Berufung nicht den gewünschten Erfolg hatte. Gegen drei Viehhändler von Pohl-Göns bzw. Kirch-Göns waren durch das Amtsgericht Butzbach Strafbefehle erlassen worden, weil sie im Frühjahr 1924 es unterlassen hatten, die für sie vorgeschriebenen Ein- und Verkaussbücher zu führen. Auf ihren Einspruch hin waren sie durch das Amtsgericht Butzbach freigesprochen morden. Auf die seitens der Staatsanwaltschaft ei' ?gte Berufung wurde der eine Angeklagte für schuldig befunden, und insoweit das erstinstanzliche Urteil aufgehoben. In Anbetracht, daß die Verordnung mittlerweile aufgehoben worden ist, wurde er mit einer geringen Geldstrafe belegt, während es bezüglich der beiden anderen Angeklagten bei dem ersten Urteil verblieb. Weiter hatte sich der Georg H. von Gießen wegen Unterschlagung einer größeren Anzahl von Tischdecken zu verantworten. Durch das Amtsgericht Gießen war er bereits zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt worden, doch mußte die Sache nochmals verhandelt werden, da sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte gegen das Urteil Berufung verfolgt hatten. Da der Angeklagte in der heutigen Hauptverhandlung noch eine Reihe von Zeugen namhaft machte, mußte die Sache zwecks Beiladung der weiter benannten Zeugen nochmals vertagt werden. Halt’ bei Verfehlet tnung, Hüften, H-nferkeit, faye echte Sodener stets bereit. Ein Würfel nur 4 Pfennig, 11209c fleisdibruh-. j rietouiurun rlAUVl Würfel In Qualität einzig! Verkauf! im Ausstellungsraum. 11192c Mk Rheinwerft Telephon 31 50 Der Vorstand Zum Konfekt-Backen | Mk SültantalaIft,ÄO.ßO u,uu tn Handtuch-Säckchen 0.80 5 Pfund 1.60,10 Pfund 3.10 Korinthen.... 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November an im Turmhaus am Brandplatz: KMIerhilfe 1925 Aflsslellung von Kunslwerhii hess.Kiinsller Oelgemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Graphik alter Art, Plastik veranstaltet durch das hessische Landesamt für das Bildungswesen. Die Ausstellung ist geöffnet: Sonntags von 11—1 und 3—6; Montags von 10—1; Mittwochs von 11—1 und 3—7; Freitags von 11—1 Uhr. Der Eintritt ist für jedermann frei. Lose zur Ausspielung ausgestellter Kunstgegenstände an der Kasse sowie in den durch Plakate kenntlich gemachten Geschäfte erhältlich. Loseziehung: Montag, den 21. Dez., nachm. 3 Uhr, Eintrittspreis 1 Mk. 11194p einzeln und kombiniert Bandsägen 1T Bobel- masehinen Klein & Stiefel Fulda G.A. Nr. 278 Drittes Matt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheben) 5reitag, 27. November 1'125 Intensiv oder Extensiv? Ein Wort zur Lage der deutschen Landwirtschaft. Don Dr. August Kilbingcr, Drehen. Schwer ist die Aotlage der Landwirtschaft und He wird von Tag zu Tag schwerer. Die Unmöglichkeit, die Aotkredite zurückzahlen zu können, verbunden mit der Notwendigkeit, Getreide und Kartoffeln zu den heutigen niedrigen Preisen verkaufen zu müssen, sind die Ursachen für diese Erscheinung. Es mag daher dem einzelnen richtig erscheinen, in Zukunft so extensiv wie möglich zu arbeiten, und es fehlt nicht an Ratgeber», die dein Landwirt empfehlen, seine Betriebsweise auf das äuherste einzuschränken. Da die heutigen niederen Produktenpreise durch ein starkes Angebot bedingt sind, hofft mancher, daß durch geringere Produktion uird dadurch geringeres Angebot in Zukunft die Nachfrage gehoben werden tonnten. Er vergibt aber- dabei völlig, das; der deutsche Landwirt nur einen sehr geringen Einfluh auf die Preisbildung der Welt hat. Eine geringe deutsche Ernte bedingt also noch lange nicht hohe Preise. Sie wird im Gegenteil^ zu einer erneuten Katastrophe führen, zu einer Katastrophe, die um vieles schlimmer wäre als die tollste Inflationszeit. Wenn in Deutschland weniger erzeugt wird, muh aus dem Auslande eingeführt werden. ■Unter Einfuhrüberschuh hat jetzt schon eine Höhe erreicht, die kaum tragbar ist, da ihr eine entsprechende deutsche Ausfuhr, die Geld ins Land bringen würde, nicht gegenübersteht. Eine weitere Steigerung der Einfuhr würde also noch mehr Geld aus dem Lande hinaustragen und würde somit die Währung, das heiht den Bestand der Nation, in äußerste Gefahr bringen. Eine Inflation ist nicht mehr möglich, da Kapitalien, die einer Inflation zum Opfer fallen könnten, nicht mehr da sind. Cs würde also nur eine Katastrophe größten Umfanges eintreten können. Die Frage, ob extensiv oder intensiv gewirtschaftet werden soll, kann daher überhaupt nicht gestellt werden. So intensiv wie möglich wirtschas- ten muh heute die Parole heißen. Der kranke, blutleere Organismus des deutschen Wirtschafts- körpers muh geheilt und muß mit frischem Blut gefüllt werden. Wenn dies nicht von außen her geschehen kann, so muh die Hilfe von innen heraus kommen. Eine Bluterzeugung von innen heraus ist aber gleichbedeutend mit intensivster Anstrengung. Don einer möglichsten Herabsetzung aller Tätigkeit kann daher keine Rede fein. Der Tod des Wirtschaftskörpers wäre die unvermeidliche Folge. Die von tiefer Niedergeschlagenheit getragenen Extensivierungsvorschläge sind gewiß verlockend, aber jeder einzelne wird bei kühler Ueber- legung sofort zugeben müssen, daß im Betriebe sofort Schwierigkeiten eintreten, wenn keine Der- kaufsmöglichkeiten vorhanden find. Sämtliche De- stellungsarbeiten wie Pflügen, Aussaat ufw. bleiben dieselben: ohne Anwendung der Dünger sinken jedoch die Ernten so stark, daß gerade noch der Selbstbedarf des einzelnen gedeckt wird. Schnell ist eingeritten, schwer aber wieder auf» gebaut. Der Bauer ist der größte Abnehmer der inländischen Industrieprodukte. „Hat der Dauer Geld, so hat's die ganze Welt." Gewiß, der Bauer wird auch bet extensiver Wirtschaft nicht gleich verhungern, aber wenn er als Abnehmer der Industrie und des Handtverks ausfällt, wenn der dazwischen stehende Handel sein Brot verliert, dann wird ein Millionenheer von Arbeitslosen entstehen, das den Bestand des Staatswesens in Frage stellt. Nur von dieser Schicksalsgebundenheit aus kann die heutige Wirtschaftslage betrachtet werden. wenn die ungeheure Krise endlich von allen erkannt wird und zur Einkehr mahnt. Noch ist zu hoffen, daß die Regierung in letzter Stunde Maßnahmen ergreift, um der Landwirtschaft in ihrer unverschuldeten Notlage zu helfen, aber auch der einzelne muh fein Aeuherstes hergeben, um durch intensivste Produktion das drohende älnheil abzuwenden l Wirtschaft. Don der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft. Die Betriebsergebnisse im September. Im Monat September sind folgende Betriebsergebnisse erzielt worden: Einnahmen: 1. durch Personenverkehr 126 133 000 Rm., 2. Güterverkehr 248 841 000 Rm„ 3. Sonstige Einnahmen 26 211000 Nm., zusammen 401 185 000 Rm. Ausgaben: 1. Persönliche Ausgaben (einschl. Löhne der Bahnunterhaltung- und Werkstättenarbei- ter) 197 616 000 Rm, 2. Sächliche Ausgaben 110 554 000 Rm., 3. Zinsendienst 700 000 Rm., 4. außerordentliche Ausgaben (für werbende Anlagen) 17 502 000 Rm., 5. Dienst der Reparationsschuldverschreibungen 49 805 000 Rm., Rückstellungen 20 000 000 Rm., zusammen 396177 000 Rm. Die Finanzlage der Reichsbahn hat im September 1925 gegen die Vormonate wesentliche Aenderun- gen nicht erfahren. Abgesehen von unbebeutenben Ausfällen im Personenverkehr, die durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse in der zweiten Hälfte des eeptember entstanden, entsprechen die Gesamteinahmen im allgemeinen der normalen Verkehrsentwicklung. Die Ausgaben für den Reparationsdienst wurden ordnungsgemäß geleistet. Dem Generalagenten für die Reparatioszahlungen sind 50 Millionen Goldmark gezahlt worden, die als Vorausleistungen auf den Schuldoerschreibungsdisnst des zweiten Reparationsjahres (1925 26) gelten. Daneben hat die Reichsbahn im September aus dem Erträgnis der Beförderungssteuer, die für sie nur ein durchlaufender Posten ist, an den Generalagenten die erste Monatsrate im Betrage von rund 28 Millionen Goldmark abgeführt. Die Berkehrsentwickiung im Oktober. In den vorläufigen Ergebnissen der Wagengestellung im Oktober drückt sich trotz der immer noch darniederliegenden deutschen Wirtschaft eine Steigerung des Gesamtgüterverkehrs aus. Bei einer Mehrgestellung von etwa 422 500 Wagen — 8,5 Proz. mehr im Oktober (27 Arbeitstage) gegenüber dem Vormonat September (26 Arbeitstage) betrug die durchschnittliche arbeitstägliche Wagengestellung im Oktober etwa 152 000 Wagen, .also 10 400 Wagen mehr als im September. An dieser Verkehrs st eigerung sind hauptsächlich beteiligt: Kohlen mit etwa 63 000 Wagen, Kartoffeln mit etwa 40 800 Wagen, Brotgetreide und Mehl mit etwa 1300 Wagen, Rüben und Schnitzel mit etwa 251 800 Wagen, Zucker mit etwa 16 700 Wagen. Bei den Kohlentransporten muß berücksichtigt werden, daß auch die Binnenwasserstraßen den ganzen Monat über voll leistungsfähig blieben und in keinesfalls geringerem Umfange als bisher für Kohlentransporte ausgenutzt wurden. Die Ursachen her Absatzsteigerung sind u.a. zurückzuführen auf stärkere Abrufe für Hausbrandzwecke, auf den Ausgleich der infolge des Wirtschaftskrieges mit Polen ausgefallenen Zufuhren aus Polnifch-Ober- schlefien und auf vermehrten Bedarf der Zuckerfabriken. Trotz der absolut höheren Wagengestellung für Kartoffeln ist doch der bei der günstigen Ernte relativ geringe Versand bemerkenswert, wie ein Vergleich mit den Vorjahren ergibt. Es wurden verladen im Oktober 1925 68 000 Wagen, dagegen im Oktober 1924 102 000 Wagen, im Oktober 1923 108 000 Wagen, im Oktober 1922 163 500 Wagen. Hier spiegelt sich unverkennbar die gesunkene Kaufkraft der deutschen Verbraucher wider. Eine erhebliche Zunahme zeigte auch der Fischverkehr von den Häfen der Wesermündung, zu dessen Bewältigung 127 Mschzüge mit 3960 Wagen gefahren werden mußten, gegenüber 110 Zügen mit 3370 Wagen im Vormonat. Demgegenüber ist im Verkehr anderer Güter auch ein Rückgang zu verzeichnen. So wurden weniger gestellt für Zement 7800 Wagen, künstliche Düngemittel 21 000 Wagen. Die beförderten Kali- und Stickstoffladungen wurden zum großen Teil nach dem Auslände abgesetzt. Das ist wohl darauf zurückzuführen, daß die deutsche Landwirtschaft heule nicht in der geldlichen Lage ist, künliche Düngemittel selbst bei den erleichterten Bezugsbedingungen in dem Umfange zu beziehen, wie es für die gesamte Volkswirtschaft erwünscht wäre. D i e amtliche Großhandelsindex- Ziffer. Die auf den Stichtag des 25. November berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande des 17. November (121,0) um 1,4 v. H. auf 122,7 gestiegen. Ä Einlösungskurs von Goldmark- r e i ch s sch a tz a n w e i s u n g en. Dem „Reichsanz." zufolge beträgt der Einlösungskurs für die am 1. Dezember 1925 rückzahlbaren auslosbaren Gold- mark-Reichsfchatzanweisungen K von 1923, sowie für die am 1. Dezember 1925 fällig werdenden Zins- scheine dieser Schatzanweisungen eine Reichsmark für eine Mark Gold. * Friede in der chemischen Industrie. Zwischen dem Arbeitgeberverband der chemischen Industrie, Schien 7 und den Gewerkschaften fand in den heutigen Mittagsstunden eine Aussprache statt, worin beiderseits die Anerkennung des Schiedsspruchs vom 13. November 1925 festgestellt wurde. Auf Grund der Aussprache darf man mit einer reibungslosen Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben der chemischen Industrie der Provinz Hessen-Nassau und des Freistaats Hessen nunmehr rechnen. * Vor einem Zigarettenzwangs-- sy.ndikal Wie die „Kölnische Zeitung" hört, wollen sich die Verbände der Zigarettenindustrie, darunter der Verband der deutschen Zigaretten- industrie, erneut an das Reichswirtschaftsministerium zwecks Schaffung eines Zwangssyndikats auf gesetzlicher Grundlage wenden. Das-Zwangs» shndikat ist sowohl als Produktions- wie auch als Preiskartell gedacht. Dem Vernehmen nach soll das Reichswirtschaftsministerium den Bestrebungen der Zigarettenindustrie nicht ablehnend gegenüberstehen. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) B e r I i n , 27. Nov. Im Laufe des heutigen Vormittags erfuhr der französische Franken in Reaktion auf die kürzliche Schwäche eine erhebliche B e f e ft i g u n g. Paris befestigte sich gegen London von 129,50 im Frühverkehr auf 126,50 und gegen Mittag auf 124,25. Diese Tatsache beruhigte die Stimmung an den Aktienmärkten und trug zu einem weiteren Umsichgreifen der freundlicheren Tendenz bei. Auch die Beurteilung der politischen Lage ist in Börsenkreisen günstiger geworden, die Deckungskäufe der Spekulation setzten sich daher fort. Trotzdem fanden die meisten Umsätze in einigen Spezialwerten statt, bei denen man auch Meinungskäufe zu beobachten glaubte. So lagen bei Beginn vor allem Kali- werte prozentweise gebessert; sowohl die amtlich notierten wie die unnotierten Werte verzeichneten Besserungen bis zu 5 Prozent. Daneben wurden Montan-, Chemie- und Elektrowerte bevorzugt. Schiffahrtswerte fetzten unter dem Einfluß der Emissionsbestrebungen ihre Auf- wärtsbewegung fort und wurden um 2—3 Prozent höher. Schließlich waren- die amerikanischen Freigabewerte zum Teil um 3—4 Prozent gebessert. Die übrigen Aktienmärkte lagen zunächst vernachlässigt. Der Geldmarkt war etwas angespannt. Tägliches Geld notierte 8—8,5 Prozent, Äo. natsgeld 10 —11,5 Prozent. Im Devisenverkehr waren außer der Frankenbewegung keine nennenswerten Veränderungen festzustellen. Die Reichsmark notierte in London 20,34, Zürich 123,65, Paris 6,15, Amsterdam 59,22'. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"! Frankfurt, 27. Nov. Tendenz fest und lebhaft. Die Annahme der Locarno-Verträge bei der zweiten Lesung im Reichstage bot her Börse einen neuen Impuls und bewirkte im Zusammenhang mit anderen sich günstig auswirkenden Faktoren eine recht ansehnliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Im allgemeinen tritt deutlich zutage, daß man den günstigen Meldungen größere Beachtung zu schenken geneigt ist, was dadurch zum Ausdruck kam, daß das Scheitern der deutsch-englischen Wirtschafts- Verhandlungen auf die feste Haltung keinen Einfluß gewinnen konnte. Die Umsatztätigkeit erreichte anfangs einen bedeutenden Umfang, wobei unter dem Eindruck der besseren Außenhandelsbilanz im Oktober weitere größere Kurssteigerungen erzielt werden konnten. 2ln der Spitze der Aufwärtsbewegung hielten sich Anilinwerte. Der gute Geschäftsgang im Anilin-Konzern brachte dem Geschäft neue Käufer und führte zu weiteren Gewinnen bis zu 1.50 Proz. Am Momanmarkt konnte sich in der Erwartung, daß ein Zustandekommen des Montantrustes nicht ausgeschlossen ist, gutes Geschäft entwickeln bei weiteren Kurssteigerungen bis zu 2 Proz. Auch Kaliwerte . lagen sehr fest, ebenso Elektrowerte. Für Bankaktien bestand weniger Interesse, die Kurse waren kaum verändert. Stärker beachtet waren Schistahrtswerle unter dem Einfluß der Fusionsbestrebungen. Hapag waren um 1,5 Prozent gebessert. Motorenwerte setzten ihre Steigerungen fort. Auch am Kassamarkte der Industricpapiere setzten neue Kurssteigerungen ein, die sich allerdings in engen Grenzen hielten. Karlsruher Maschinen erzielten infolge des guten Geschäftsberichts eine Steigerung von 3,75 Prozent. Zucker- und Terrainaktien zagen weiter an. Der Anleihemarkt lag ruhig bei kleinem Geschäft. Ausländische Renten waren etwas vernachlässigt, die Kurse behauptet. Der Freioerkehr blieb ohne Anregung. Api 0,375, Benz 26, Entreprise 8, Growag 40, Krü- gershall 71, Ufa 50, Unterfranken 50 Prozent. Das Geschäft, das anfangs durch neue Meinungskäufe und durch Käufe für ausländische Rechnung einem recht lebhaften Charakter zeigte, flaute bald ab, und es kam zu Kursabbröcklungen. Der Geldmarkt war weiter leicht. Tägliches Geld 8,5, Monatsgeld 10 bis 11 Prozent. Bankdiskont 7 Prozent, Industrieakzepte 9 Prozent. Im Devisenverkehr ging Paris durch starke Interventionen gegen London bis auf 125,80 zurück. London notierte gegen Kabel 4,84g. Die Reichsmark liegt unverändert. Börsenkurse. 27. Novbr. 26 Novbr. Tittint: [ Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegrap hifche Auszahlung. Frankfurt Amst.-Rou. Buen-AireS Brss. Antw Christlania. Kopenhagen Stockholm . Selsingfors Italien. . . London. ■ Ncuyork . . Paris. . . Schwei; . . Spanien . Japan . . . Rio dr Jan. Wien in D-- £eft. abgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada. . Uruguay 5°/> Deutsche Rcichsanlcibe . 4% Deutsche Rcichsanleilje . 3l/a°/n Deutsche Rcichsanleihe 8% Deutsche Rcichsanleihe . Deutsche Svarprämienanleihe 4% Preußische Konsols . . . 4° o Hessen ... 3’/-% Hessen ...... 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Aul. dto. Doll.-Schay-Anwcisng/) 4’/0 Zolltürkcn 5% Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pnvat-Bank Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Vereinsbank .... Tisconto Commandit . ■ . Mctallbank........... Mitteldeutsche Creditbank . . Oesterreichische Creditanstalt. Wcsrbank .......... Bochumer Guß . . Buderus . . . Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau .... . Kaliwerke Aschersleben. . • Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte Oberbcdarf. ......... Phönix Bergbau ...... Rheinstahl Riebest Montan Tellus Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd .... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann Anglo-Cout -Guano . . . .. Badische Anilin Chemische Mayer Alaptn . . Goldschmidt . Griesheimer Electron . ... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ........ Rülgerswcrke Scheideanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkraftwerke ....... Schlickert . Siemens & HalSke ..... Adlcrwerkc Kleyer...... Daimler Motoren. ..... Hcyligenstacdt ....... Meguin Motorenwerke Mann beim . Frankfuner Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Ptt^Union §°G ^rtul^urt • Schuhfabrik Her; . . . Sichel Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . .Zuckerfabrik Waghäusel . . . Sd)!u3«| l«Ut>r* | Schluß. 1 Anfang Kurs ! Kur» | Kur» Muro 25. 11. | 27.11 | 26. 11 | 27. 11. 0 1925 0,193 0.185 0,1975 0.17 — 0.'21 0.21 0.19 > — 0 20'. 0,21 u.25 — 3.2825 0,315 0.095 — 0.115 —— O.ljb — 0,195 1.21 — — 0,2 — —— — — — - 0,17 — 0 195 — 90. <5 — 91.75 — 07,2 — 97.5 — 7.-75 7,54 7,3 _ —- 42 — — 130,5* — 133,5* 134.5* 93,5* 93* 91* 04 • 104.5* 104 5* 104* 103.2’ 104* — 101,7* 101* —— - 1)1* 101* 101,5* 101,2* 09,5 70 — 89,5* — _ 7,13 7 7,13 7 12 — 0,03 66' — 66.4* 67* 31,75 Jj 33 35 75 — — 34.25 — 65* — 64,9* —* — 71.9* 72,62’ 97,5' 99.75 99 25* 100* 99 101 98 102.25 103.5 106 102.5 106 33 — 33 — — 40 75 — 62.5* 64* 62.75* 64* 51,75* —— 51,9* 52,75* 63 65,75 62 40 — — 72* 75,5* 73 75* 73,5* 75* 76,5’ 7i* 76 5* — 53 53,5 — _ 1 42.75 44 5 42 — 114,5* 116,2* * 65 Ha,2* 68 116,2* —- —- 54,75 55 54 67 117,5* 115* 114,2* 117,5' 115,7* 114* 115,2* 43,5 - 53,5* 54,75 53.3 51,25 73 — — - 90* — 91,75* 92.5* 61.75* 65* 66* 61,75 — 57,5* — 60 62* 61.4* 75* — 76* 76,75* 24 26,75 23,1 24.5 23 25 22.7 24.5 15 — 25 — 25,5 — — — 40 — 17 — — — — — — — 82 82,5 — — 53 53 51.5 — 20,6 20,5 21 — — —— ■ 3.5 74 73,1 — 43 49,5 — — 40 41,5 40,5 — Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld Brief 168.57 168,99 168.: 4 168,99 1.741 1.715 1.741 1,745 18 99 19,03 19,00 19,01 85,44 85,6b 85.59 85,69 104,52 104,78 104,45 104,68 112,29 112,41 112,21 112,49 10,55 10,59 10,555 10,565 16.94 16.98 16,945 16,985 30.322 30,3-2 20,32 20,37 4.195 4.20, 4,195 4.2)5 15,80 15,84 16,38 16.42 80.78 80.98 80,74 ->0.94 59,23 59,37 54,48 59,62 1,793 1,797 i,811 1.81, I 597 1.599 1.595 0.595 59.14i 59,285 59,16 59,30 12,42 12,46 12,415 12,455 7.43 ' .45 7,415 7,435 5,875 5,895 J #87 3.0,5 1,055 21 325 il ,375 21,475 1,425 80 .'9 80.79 80,585 80,785 2.265 2,275 1,215 2,275 5 11 5.56 6.49 5.51 4.197 4,2 7 4.197 4.207 4,285 4,295 4.285 4.295 Banknoten. Berlin. 26 Novbr Geld Brief Amerikanische Noleu..... 4.181 4.201 Belgische Noten ....... 18,93 19,03 Dänische Noten ....... 101.19 104,71 Englische Noten........ 20,287 20.387 Franjöslsche Noten...... r-,78 15 83 Holländische Noten..... I68,2o 169,04 Italienische Noten...... 16,96 17,04 Norwegische Noten...... Teutsch-Ocsterr, 2 lüO Kronen 85,16 58.95 85,58 59,25 Rumänische Noten..... Schwedische Noten..... 111,87 112,43 Schweizer Noten...... 80,51 80.93 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 58.90 59.20 12,585 12.44) Unaar,sche Noten....... 5.82 5,86 Berliner Produktenbörse. Berlin, 26. Nov. Die gestrige schwache Kursentwicklung an den ausländischen Produktenbörsen hatte schon im weiteren Verlaufe an der hiesigen Börse eher schwächere Notierungen im Gefolge. Diese Stimmung wirkte sich im heutigen Vormittagsverkehr zu ziemlich unentschiedener Geschäftstätigkeit aus. so daß man allgemein für Brotgetreide niedrigere Kurse nannte. Bei Beginn des amtlichen Verkehrs dagegen ziemlich beträchtlich gesteigerte Weizenkurse aus Liverpool vor. Im Verein damit gingen die d.. ' rinf?'; kungs- und Kauflust recht scharf über das Vortagsschlußniveau hinaus. Im Zeithandel besserte sich Weizen per Dezember um 5 Mark März- lieferung um) 5 und Mai sogar um 8 Mark pro Tonne. Roggen niedriger. Gerste bleibt gesucht. Hafer ruhig. Es kosteten 1000 Kilo. Weizen, märkischer 242 bis 245. dto. Dezember 255 bis 256, dto. März 265 bis 264 bis 265, dto. Mai 270, Roggen, märt. 155 bis 158, do. Dez. 163 bis 170 bis 169,50, do. März 187,50 bis 185,50 bis 185,75, do. Mai 191 bis 192, Gerste mark. 195 bis 215, Futtergerste 153 bis 166, Hafer, mär*. 171 bis 181, do. Dez. 179, do. März 189, Raps 354 bis 356; es kosteten 100Kg.: Weizenmehl 30,50 bis 35,50, Rogegnmehl 23 bis 25, Weizenkleie 11,40 bis 11,50, Roggenkleie 9.60 bis 9,70. Viltoriaerbsen 21 bis 32. Kleie Speiseerbsen 23 bis 24, Futter- erbfcn 18.50 bis 20.50. Peluschken 16,50 bis 18. Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 20 bis 22, Rapskuchen 14,30 bis 15,30, Leinkuchen 22' • bis 23. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 27. Nov. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 25 bis 25,25, Roggen, inländ. 17,75 bis 13. Sommergerste für Brauzwecke 22 bis 24,25, Hafer, inländ. 13,50 bis 2125, Mais (gelb) 20. Weizenmehl, inländ. Spezial 0 40,50 bis 41, Roggenmehl 26 bis 26,50, Wcizenkleie 10,25, Roggentleie 10,50. Tendenz: Fest. Büchertrsch. — Die a 11 st e i n z e i 11 i ch e Höhlensied - lang von Treis a. d. Lumda von Heinrich Richter. Mit Tafeln 1 bis 25 und 36 Textfiguren. Frankfurt a. M. 1925. (In Kommission bei Dr. Wolfgang Meyer, Gießen.) — Das hochbedeutsame Werk wird vom Verfasser bescheidener Weise als erster Teil von alljährlichen 'Ausgrabungsberichten bezeichnet: rein äußerlich mit Recht, da er darin tatsächlich nur die Ausgrabungen während des Jahres 1924 behandelt: aber in Wirtlichkeit ist es ein in sich abgeschlossenes Ganzes mit so wichtigen Resultaten, daß es völlig als Eittheit wirkt. Unsere Provinz ist im Laufe dieses Jahres von dem „Gießener Anzeiger" wiederholt durch kurze Führungsberichte auf den wichtigen Fundplatz aufmerksam gemacht war den, namentlich nachdem ein größerer.Aufsatz in den Familienblättern aus der Feder von Professor Harrassowitz die durch die Entdeckung der Stelle auf- gerührten Fragen beleuchtet hatte. Nun liegen die Erfolge der Arbeit, praktische wie wissenschaftliche, vor uns, und man steht staunend vor der Fülle des Erarbeiteten. Dabei ist eins von besonderem Wert: Bei aller Gründlichkeit, mit der der Verfasser das gelehrte Rüstzeug seiner Wissenschaft meistert, verfügt er doch gleichzeitig über eine klare, allgemeinverständliche Ausdrucksform, die es auch dem Laien leicht macht, seiner Darstellung zu folgen. So kommt es, daß dem Leser der spröde Stoff eingeht, und daß er sich zum Schluß als überzeugt bekennt. Wir wollen es gar nicht leugnen, daß den meisten das Paläolithikum, die Zeit des Eiszeitmenschen, ein Buch mit sieben Siegeln war, ja daß man den bisherigen Forschungsergebnissen mit Mißtrauen und Unglauben gegenüberstand, und dies um so mehr, als Mitteldeutschland bis jetzt als fiebelungs leer oder doch wenigstens als fiebelungsarm wäh rend der Eiszeit galt. Frankreich dagegen mit seinem Reichtum an Höhlen war neben Spanien das eigentliche Kulturland des Frühsteinzeitmenfchen: infolgedessen ist es auch dort zuerst zu einer wissenschaftlichen Systematik des Paläolithikums gekommen, die den Anspruch auf Allgemeingültigkeit machte. Damit scheint es aber nun, nach den unwiderleglichen Beweisen Richters, vorbei zu sein. Nach einer kurzen, aber leicht verständlichen Erörterung der geographisch-geologischen Verhältnisse des Lumda- tales und der Fundstelle wendet sich der Verfasser der Schilderung der im regenreichen Jahr 1924 besonders mühseligen Ausgrabungen zu, die den Leser um so wohltuender berührt, als er seine eigene Persönlichkeit überall hinter der seiner Mitarbeiter zu- rücttreten läßt: man lebt mit ihm und seinen Helfern bei der Arbeit und freut sich mit ihm an der Entdeckung der Höhlen, der reichen Knochenfundc von sozusagen vorsintflutlichen Tieren und des überwältigend großen Materials an künstlich zugeschlagenen Steinen. Den Mittelpunkt des Werkes bildet die weitgreifende Ableitung der Steingeräte aus den Grundformen: hier liegt der Hauptwert der Arbeit, da sie es zum ersten Male nicht nur versucht, sondern auch einwandfrei fertig bring.!, eine genetische Bearbeitung der aus Quarzit hergestellten Stein- artafalte im lückenloser Reihenfolge aufzuwcisen. In den Höhlen von Treis haben, soweit sich bis jetzt feststellen läßt, Menschen nicht gesiedelt, sondern gearbeitet: sie haben auf Steintischen das spröde Material durch Schlagen und Pressen zu den für sie benötigten Formen zubereitet, und aus den fertigen Gebrauchsstücken wie aus den Absplitterungen und Splissen hat Richter nicht nur die Arbeitsweise, sondern auch das Arbeitsziel der Paläolithiker heraus- geschält und in ein System gebracht. Eine Fülle von auf 25 schön hergestellten Tafeln dargestellten Steinwerkzeugen erläutert und beweist die Worte des Verfassers. Er kommt zu dem Schluß, daß in der Höhle, die jetzt durch Gesteinseinbruch in drei kleinere Teile zerlegt ist, zur Eiszeit Menschen gewirkt haben, die in die sogenannte Mousterienkultur, aber als selbständige, unabhängige Eigenarbeiter gehören: in einer späteren Zeilstufe, als die Höhlen schon durch Löß und Geröllgeschiebe von oben her verschlämmt waren, siedelte ein anderes Geschlecht mit anderen Werkzeugen aus anderem Gestein auf der darüberliegenden Plattform. dürfen dem Werk weiteste Verbreitung wünschen. Fernruf Nr. 1367 Gießen Bahnhofstr.öSB August Förster Filiale: LICH, Butzbacher Str. 12. - Gegr. 1876 Reichhaltige Auswahl preiswerter Instrumente Was sich unser Mond alles gefallen lassen muh. Eine harmlose Plauderei von Harry Pohlmann. Der Verfasser des heute an unserem Sladttheater zur Uraufführung gelangenden Lustspiels „Der Teufel durch Veelze- b u b“ hatte die Freundlichkeit, uns folgende Plauderei zur Verfügung zu stellen. D. Red. Guter Mond, du gehst so stille Durch die Abrndwolken hin. Ja, wahrhaftig, ein guter Mondi Richt mit Anführungsstrichen geschrieben, denn dann tonnte man so etwas wie Ironie vermuten, sondern gesperrt gedruckt. Also eine Verstärkung des Adjektivs. Eigentlich hast du recht, guter Mond, das; du zu allem, was die Bewohner dieser Erde dir antun, dein ewig lächelndes Gesicht zeigst, das Symbol, der vollendeten Wurschtigkeit und zugleich däs Zeichen, daß du dich über nichts fuchst und durch nichts dich aus ixir. r Ruhe bringen läut. Du wandelst deine Bahn und spendest toci’ ter dein herrliches Eilbeclicht üoer die spottende, nörgelnde und schmähende Menschheit. — Aber gleich hier, also schon in den ersten Zeilen unserer Plauderei, flößen wir auf den ersten älndank gegen den Spender dieses Zauberlichtes, das in schönen Sommernächten die Liebenden be° und entgeistert, das in den Dollmondnächten des Wonnemonats Mai Philomele im Fliederbusch zu ihren süßen Gesängen erweckt und das in den kalten Winternächten den ost ziemlich unsicher Heimkehrenden den Weg weist. Richt dein ist nämlich dieses Licht. Rein, du, hast es — — entlehnt, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, und nun prunkst und protzt du mit diesen geborgten Schätzen. — An diesen ersten Vorwurf schließt sich, gleichsam naturgemäß, ein zweiter an: Du bist nämlich alle vier Wochen einmal „voll". Jedes Kind weiß es und jedes Kind erzählt es dem anderen auf der Straße. Ra, ja! Aber man gönne doch dem alten Herrn diese Abwechslung. Alle vier Wochen oder, korrekter anßgeörüdt, alle 29 Tage einmal voll zu fein, ist doch nicht schlimm, und hier umsoweniger, als er die anderen 23 Tage ganz solide nach einem feststehenden Plane schlafen geht und wieder aufsteht. Im übrigen scheint sich der Mond aus diesen beiden Festnagelungen nicht viel zu machen, denn just an jenen Tagen seines Dollseins zeigt er das vergnügteste Gesicht von der Welt, daß er aber schon am nächsten Tage, jedenfalls als Revanche für die Mißgunst des 29. Tages, in griesgrämige Falten legt, dann immer faltenreicher gestaltet, bis er es etwa nach zwei Wochen gänzlich verbirgt, die Menschheit im strengsten Sinne des Wortes im Dunkeln lassend, wie das verborgene Gesicht denn nun eigentlich aussieht. Was sie doch alle, ach, so gerne einmal sehen mochten. Wir sind gerecht genug, um anzuertennen, daß diejenigen, die den Mond mit dem gepumpten Licht und dem vierwöchentlichen Dollsein anzurempeln versuchen, tatsächlich nicht gerade unrecht haben, sie dürfen nur nicht übersehen, daß, wenn der Mond diese beiden Eigenschaften nicht hätte, er ein ziemlich langweiliger Geselle am Firmament wäre, dessen Existenzzweck leicht bestritten werden könnte. Diese Dedenken, die sozusagen kosmischer Ratur sind, halten wir also für erledigt: nun kommt aber eine ganze Reihe von Behauptungen und Anschuldigungen pro- fan-i r d i s ch e n Charakters, und da müssen wir allerdings vorweg sagen, daß ihnen keinerlei Rechtfertigungsgründe zur Seite stehen, sondern daß sie sogar um so frivoler erscheinen, als an ihrer älrheberschaft keine geringeren Faktoren beteiligt sind, als — — die schonen Künste. — Unglaublich, aber wahr! „Die schonen Künste?" — Jawohl. Verehrtester! Als da sind: Poesie, Musik und Malerei. Was mußt Du, bedauernswertester aller Monde, in dieser Beziehung von den Dichtern und Dichterlingen geduldig hin» nehrnen! Zu oft schauderhaften Gedichten verzapft mit noch schauderhafteren Jamben, Trochäen, Daktylen und Anapaesten mußt du fast in jedem Poem die wunderschönen Reime Herz und Schmerz, Liebe und Triebe, Lust und Brust verschlucken. Und wie oft wirst du noch bei diesen Gelegenheiten als Eideshelfer der Liebesschwüre beansprucht. Gewiß und zweifellos mit Recht hoben wir zu Anfang unserer Predigt hervor, daß dein herrliches Silberlicht gleichsam der Liebesbote zwischen Ihm und Ihr sei, womit aber nicht gesagt ist, daß dessen Mißbrauch auf dein Konto zu schreiben wäre. O nein; wo ein solcher vorkommt, ist er Schuld des Menschenkindes und man kann es dir daher auch nicht verübeln, wenn, wie behaftet wird, sich dein sonst so mildes Lächeln bei einem Liebesschwur zu einem höhnischen Grinsen verzieht. Du weißt nämlich ganz gut aus den Aeonen deiner Praxis, daß Schwüre dieser Art nur selten gehalten werden. Wie gut, daß sie nicht unter das bürgerliche Gesetz fallen. Wo sollten die Staatsanwälte alle herkonrmen, um die Frevler zur Strecke zu bringen. wo die Gefängnisse alle Platz haben, um die Meineidigen ihre gerechte Strafe abbrummen zu lassen?! Wir glauben nicht zuviel zu sagen, wenn wir die These aufstellen: Und wenn jede Kneipe im lieben deutschen Daterlande — und deren hat es doch wahrhaftig nicht wenige — vorn fashio- nabelflcn Weinrestaurant mit Sektkübeln und elektrischer Beleuchtung an bis zur kleinsten Win- kelpinte mit Schnapsglas und Tranfunzel zu Kittchen umgebaut werden würden, so würde immerhin nur ein Prozentsatz der zur Aufnahme „Berechtigten" Platz finden können, die Mehrzahl wäre aber nicht unterzubringen. Alle diese Millionen von ungesühnten Meineiden, lieber Mond, hast du aber anhören müssen. Und da bist du nicht davon gelaufen? Wahrlich, ein jeder andere hätte es getan! — Wie die Dichtkunst dich profaniert, guter Mond, so auch die Musik. In allen Tonarten und Tempi von Moll und Dur, vom zartesten Adagio an bis zum rauschendsten Furioso wirst du an- komponiert, d. h. angesungen und angeschrieen, angeschmachtet und angefleht, angedudelt und angeklimpert, angeblasen und angepfifsen und schutzlos bist du dem daraus sich ergeberrden Höllenspektakel, diesem Massengequake und Riesen- gewinsel preisgegeben. Aber noch ist das Maß deiner Leiden nicht voll, noch lange nicht. Zunächst kommt alö dritte im Bunde der dich mal- trailierendca „schonen Künste", die — — Malerei. Auf jedem obskuren Wirthausschilde bist du abkonterfeit, bald „voll", bald „ein“-, „zwei"- vder „dreiviertel", jedenfalls aber mit einer gräulichen Fratze, so recht zum Andenken für den Zechbruder geschaffen, der dich denn auch geradezu angrohlt und anblöckt, wenn er gerade bei Stimmung. Sein Beispiel greift auf die Tierwelt über: Jeder zottige Dorfkoter glaubt das Recht zu haben, dich anzubellen und anzuheulen, jeder liebeglühende Kater auf dem Dache miaut dich an.-- Wir kommen nunmehr zum Aberglauben, dem Hauptkapitel unserer Plauderei. Wie seht der dir zu! Zu allen Zeiten und in allen Arten. Das erklärt sich hauptsächlich aus der dem Menschenauge häufigen Sichtbarkeit des Mondes, noch dazu in den verschiedensten Phasen. Es gibt, selbst in unserer heutigen „aufgeklärten" Welt, eine Menge von Verrichtungen des alltäglichen Lebens in Haus, Familie und Geschäft, die je nach den Sichtbarkeitsverhältnissen des Mondes, nach seinem Zu- oder Abnehmen, ausgeführt oder unterlassen werden, Jedesmal aber im Rahmen eines mehr oder minder starken Mond- aberglaubens. Von den fast unzähligen Beispielen dieser Art nennen wir nur die folgenden: Die Erforschung des zukünfttgen Ehegatten oder desgl. Ehefrau (Kreuzweg in der Mitternachts- stundc des Vollmonds); Saat von Feld- und Getreidefrüchten (nur in der Zeit des 3. bis 20. Tages des zunehmenden Mondes); das Schneiden der Haare und der Rägel (vom 5. Tage vor Vollmond an dis zur Vollmondnacht, aber nicht über Mitternacht hinaus): Aderlässe oder sonstige künstliche Blutentziehungen (sollen möglichst nur zur Zeit deS Reumondes erfolgen; bei anderen Mondphasen dürfen die Instrumente keinesfalls vor Gebrauch den Mondstrahlen ausgesetzt werden, sonst — — katastrophaler Aus- gang der Operation). — Reue Kleider sind möglichst zuerst am Tage des ersten Mondviertels zu tragen; andernfalls ist die Haltbarkeit der Kleider nur gering. Ob unsere Damen sich an diese „Regel" binden wer- ben. wollen wir dahingestellt fein lassen. — Reisen sollen nur in der Zeit des zunehmenden Mondes angetreten und Geschäfte nur in der gleichen Zeit eingeleitet rcsp. abgeschlossen werden. denn der abnehmende Mond hat für geschäftliche Erfolge keine Chancen. In der Küche und im Haushalt richtet der Mond arges Unheil an. Eine neu zugezogene Magd soll z. B. an den drei ersten Abenden nicht in den dunklen Himmel gucken, wenn Mondschein im Kalender steht. Geschieht es doch, so bleibt sie nicht lange im neuen Dienst. Der Vollmond darf nicht in das Kammerfenster der Magd hineinscheinen, sonst zerbrechen ihr in kurzer Zeit viele Topfe und anderes Geschirr. Küchenregel: „Scheint der Mond in den Braten, wird er dir nicht gut geraten". Was übrigens fein Aberglaube fein, sondern auf einer realeren Grundlage beruhen dürfte. Gegen Mißachtung der gesellschaftlichen Hoslichkeitsformen scheint unser Erdtrabant aber recht empfindlich zu fein. Wenn du, verehrter Leser, nämlich spielst, Karten", Würfel, Domino, Schach oder bergt, und du kehrst dabei dem Monde den Rük- ken zu, so verlierst du. Womit aber nicht gejagt ist, baß, nimmst du die entgegengesetzte Stellung an. du nun auch gewinnst. Merkwürdig ist, daß der leuchtende Mond, gleichviel in welcher Phase, falls er so ober so in Aktion tritt, immer etwas .Unangenehmes bringt; der Reu mond dürfte etwas zugänglicher sein. Zwar zollt auch er dem Aberglauben seinen Tribut, aber nicht immer in einer für den oder die Beteiligten ungünstigen Weise, sondern auch manchmal in den gegenteiligen. Wenn z. D. „der Aeumond in den Deutel scheint", d. h. wenn du am Tage des Reumonds kein Geld hast, so wirst du auch während des ganzen Monats aus dem Dalles nicht heraus kommen. Sehr fatal! Aber: Wenn du an diesem kritischen Tage (Reumond) „Geld zum Zählen" hast, so wird es dir überhaupt daran fehlen. Bravo, verehrter Reumond! — Der (Phasen-)Mond ist außerdem o£t nicht nur der Ankündiger von Kriegen, Revolutionen, größeren Unglücksfällen, Ueberschwemmungen, Erdbeben, Dulkanausbrüchen, Seuchen. von Dürre, Teuerung und anderen schönen Dingen, sondern auch der Anstifter davon. Die ^undankbare Menschheit macht also den Mond zu einem gar schlimmen Patron, dem man alles zutrauen kann — nur nichts GuteS. Wie sehr übrigens der Mondaberglaube mit Todesahnungen ober Todesfällen und deren Begleitumständen verknüpft ist, dürfte durch lleber- lieferung von G-^chlecht zu Geschlecht bekannt fein. Von einer weiteren Erörterung dieses Kapitels nehmen wir also Abstaub, um so mehr, als es nicht gerade ein Unterhaltung^ thema ist, sondern eher ein solches zum Gruseln, und ein solches dürfen wir mit Rücksicht auf die zarten Verven unserer verehrten Leserinnen nicht zur Besprechung bringen. Zum Schluß kommen wir auf den Anfang unserer harmlosen Plauderei wieder zurück. Wir haben eine kleine Blumenlese von denjenigen .Unbiiben gebracht, welchen die Menschheit bir, lieber Mond, fort und fort zufügt. Und da wundert man sich immer mehr über deine Langmut. Es ist wahrhafttg nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten: „Alles läßt bu dir gefallen.' — Der treue Begleiter unserer Erde wird aber antworten: „Der Artikelschreiber hat nur bis zu t'inem gewissen Grade recht. „Alles" alles lasse ich mir denn doch nicht gefallen. Daß man mich zum Urßeber menschlichen Unheils macht, mithin zum Verbrecher am Menschengeschlecht, will ich, obwohl es nicht wahr ist, auf mich nehmen: baß man mich zum „Sündenbock für alles" stempelt, will ich mir auch noch gefallen lassen, ferner alles andere, was der Llberglaube bisher über mich produziert hat und eventuell ferner noch produzieren wird, aber — — daß man solche Artikel über mich schreibt, wie diesen hier, — nein, bas lasse ich mir nicht gefallen!“ lag un^ M 2 W lohn, aU $inenei) infolge 1 9nn( Jcr hen MS." riinfl W in. 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