h «<■ °ten dj» A d'r toutben L?.e Ä*Ä ch^ns. j^ AvrdiA L?«">E y?7? MA*S ?Ä?LLtz ^ninbuna J5^^^fanb. gfoiibbti^,.^ Rubber. lAsKs ?u*Ä- m Valuten Ä- bie 'Qt unberänb^t ' Mittag - «e ««Ä^S* x^LL? I 75 195 6H 281, L .,% ®ärt 165 lai« 'S »iS 162, io, e™ S blau 12 bis 12,50,3. Zucker 20,10 bis 20,30. ck-Programm lksmter Tenders. nVadlo-Amschau".) »tag, 21 Oktober Ihr Die Stunde der 3ugtr- kkachmittagskonzert des Sfaw !. 6 bis 7 Ahr Vortrag b?i jamburg: „Dom Sinn, ©agr ZMmärchrn". 1 bis 7,3011fr Mmvmtz der TetzMtzxcri ntf‘, 2. Vvrtrag von M Hausen. 7,30 bis 8 Ahr fc"1' den Mißbrauch von Mil«' ig,Teschichtlichr Einleitung" N". Koch 8 bis 8,30 Ahr Englisch: is 9,30 Ahr Mozartzhklus der I bis 11 Ahr: Vilm Tlonde- t aus ihrer Järchentruhe". Jeder Weinhändler liefert: r »865 re" I. RHe. :|ge8 jr^GleBen,Selterewegg_ M * Äbrikr Htn5«f'e" rrii ®5> * *1 ES? IsSS*1 eringe?) 9993D -**rt Si-^< lv. I" llr. 252 Erstes Blatt (L) 115. Jahrgang Dienstag, 27. Oktober 1925 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesten vrvä und Verlag: vrühl'jche Univerfitätt-Vuch- und Steinöruderei H. Lange in Liehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Schulsttahe 7. Annahme von Anzeigen fürdieTagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jcdeDerbindlichkeit. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm 'Brette örtlich8, auswärts 10 (Bolbpfennig; für Re» Klame-Anzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20% Auf. schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrige» Teil: Ernst Dlumschein Würden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gieße» Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GietzenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monats-Vezvgrpreir: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Auschlüsse: schriftleitung 112, Der« lagundGeschäftsstellebl. Anschrift für Drahtnach« richten: AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. Laillaux und der Zranlensturz. Mit dem französischen Franken geht es seit Tagen rasend bergab. Er hat bereits seinen tiefsten Stand erreicht und wird noch weiter stürzen, mindestens solange, als die Situation in Paris keine Klärung erfährt. Eaillaux kämpft inzwischen einen erbitterten Kampf um sein Portefeuille und auch Painleve scheint im Innersten seines Herzens ebenfalls des Ansicht zu lein, das; die Wege, die er mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung Frankreichs gehe» möchte, den Franken nur noch näher an den Abgrund heranbringen. Rach außen hin kann er natürlich ein derartiges Eingeständnis nicht machen. Gegenwärtig sucht er jedenfalls verzweifelt nach einem gangbaren Ausweg, der sich aber bisher noch nicht hat finden lassen, während Eaillaux, der sich anscheinend sehr sicher fühlt, im Lande herum«: reist und den Franzosen ganz unverblümt die Loge so schildert, wie sie nun einmal ist. Wenn er zu dem Mittel der Aufklärung greift, so tut er das in der Hauptsache deswegen, weil er bisher gerade von der Bevölkerung in Stich gelassen worden ist, die sich mit durchgreifenden und einschneidenden Maßnahmen nicht anzufreunden vermag. Auffallen muß allerdings, daß die Franzosen aus unserem Ungemach in den Inflationsjahren nichts gelernt haben, oder besser gesagt, nichts lernen wollen. Auch sie sind von dem Zahlen- l a u m c l erfaßt worden, versuchen sich in der Devisenspekulation, flüchten aus dem Franken in den Dollar oder das Pfund Sterling und glauben auf diesem Wege schneller zu Wohlstand und Reichtum zu kommen. Aber auch das Erwachen wird eines Tages kommen und dann wird der französische Rentner feststellen müssen, daß er nicht reicher, sondern um vieles ärmer geworden ist. Ehe aber diese Erkenntnis Einkehr holten kann, muh und wird der Franken auf den Wert eines Centimes oder eines Bruchteils dieser kleinsten französischen Scheidemünzen heruntersinken. Gegen Unvernunft und Spekulationssieber wird auch ein Eailloux vergeblich ankämpfen. Daß man in Paris über Nächt zur Einsicht kommt, ist schwerlich anzu- nchmcn, wohl aber, daß der französische Finanz- Minister doch sein Amt wird niederlegen müssen. Schließlich kann auch der geschickteste Finanziers ein Budget nicht ausbalanziereu, wenn es fortgesetzt unter den Einflüssen noch nicht abgeschlossener und wahrscheinlich auch noch recht wandelbarer Kriegsereignisse steht. Eaillaux kann also froh sein, wenn er vorläufig noch einmal auf Wartegeld gestellt wird, er wird auch gut tun, im gegenwärtigen Augenblick auszuscheiden, da ihn das französische Volk eines Tages unter dem Druck des Frankensturzes doch wieder in sein Amt zurückholen wird. Die pariser ttabmelts-sirisis. Paris, 26. Okt. (T. 11. Funkspruch.) Die Entscheidung über den Rücktritt oder das Verbleiben Eaillaux' ist entgegen allen Erwartungen noch nicht gefallen. In politischen Kreisen verstärkt sich der Eindruck, das Eaillaux durch das Hinausschieben der Entschcidimg einen unbestreitbaren Erfolg da- vongetragen Hal und die Entscheidung vielleicht bis zum Wiederzusammcntritt des Parlaments noch aushalten wird. Drei Minister sollen die Absicht gehabt haben, gestern früh ihren Rücktritt zu erklären, um damit denjenigen Eaillaux' zu erzwingen und darauf wieder in das umgebildete Kabinett einzutreten. Diese Minister, darunter in erster Linie d e Monzie, der Hauptgegner Cail- laux', haben jetzt auf ihr Vorhaben verzichtet, da sie der Absicht des Finanzministers auf Eröffnung eines gerichtlichen Verfahrens gegen die Urheber der Frankenspekulation ihre Zustimmung nicht versagen dursten und jetzt persönliche Momente zurückgestellt werden .muhten. Man glaubt zu wissen, daß die von Eaillaux beschlossene Maßnahme, den Staatsanwalt mit der Nachforschung über den Ursprung der Frankenbaisie zu beauftragen, sich vor allem gegen eine bestimmte Pariser Großbank richtet, deren Direktor Finali von den Freunden Eaillaux' beschuldigt wird, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, auch durch willkürliche Yervorrufung von Frankenbaissen, den Sturz des Finanz mini st ers herbeiführen zu wollen. Ein nicht genannter Minister des Kabinetts Painleve erklärte einem Vertreter des „Journal": ..Die Lage ist unhaltbar. Eaillaux hat am 12. Juli entgegen unserer einmütigen Ansicht in der Kammer eine Haltung eingenommen, die die Linksmehrheit gesprengt hat. Seitdem hätte er seinen Fehler wieder gutmachen können, wenn er uns Finanzpläne, die unserem Programm,cnb iprechen, vorgelegt hätte. Er hat dies trotz unseres Drängens nicht getan und so sind wir der Gefahr ausgesetzt, mit ihm von den Linkspar- leien gestürzt zu werden. Entweder er geht oder wir gehen alle. Er will seine °Pläne, denen wir nicht zustimmen können, der Kammer vorlegen. Oie politische Frage geht heute der Finanzlage vor. Wir wollen zwar mit Eaillaux zurück- ireten, aber nicht mit i h in g e st ü r z t werden. Wir sind in der Mehrheit entschlossen, vor dem Zusammentritt der Stammer zu demissionieren. England und die kontinentalen Krisen. London, 27. Okt. (WTB.-Funkspruch.) Die Kabinettskrisen in Paris und Berlin stehen in den londoner Abendblättern im Vordergrund der Erörterungen. Während sich in den englischen Betrachtungen über die französische Krise unoerkenn- far die Hoffnung wicderspiegelt, bei einem möglichen Fall Eaillaux' neue Fundierungsverhandlungen mit Frankreich ausnehmen zu können, da die Augustregelung allgemein als unbefriedigend Kem Rücktritt des Kabinetts Luther. Das Ergebnis der ersten Woche innerpolitischer Auseinandersetzungen über das Schicksal der Locarnoer Verträge ist ein Haufen Scherben. Die Deutschnativnalen, die ja formell die Verantwortung dafür tragen, weil durch ihren Austritt aus der Regierung die Krise akut geworden ist. wollen die Schuld abwälzen auf die deutsche Delegation, die trotz dringender Telegramme aus Berlin die Verträge von Locarno paraphiert haben. An sich ist diese Beweisführung zutreffend, es kann fein Zweifel darüber sein, daß der Reichskanzler und der Reichsauß m- Minister sich nicht ganz in dem Rahmen ihrer Befugnisse verhalten haben. Das bedeutet aber sachlich keinen Vorwurf, weil sie glaubten. die deutschen Forderungen, soweit sie sich nicht aus die Rückwirkungen bezogen, hundertprozentig erfüllt zu haben und weil sie deshalb befürchten mußten, daß jede nachträgliche Aenderung der juristischen Formulierungen zu unserem Rachteil ausschlagen würde. Die Deutschnationalen bestreiten das wieder. Sie behaupten, daß weder die Bedingungen der Rote vom 20. Juli noch die Minimalforderungen, mit denen die Delegation nach Locarno ging, auch nur annähernd erfüllt seien. Man wird sich darüber ja noch zu unterhalten haben, es sei aber doch darauf hingewiesen, daß Graf W e st a r p im Auswärtigen Ausschuß ausdrücklich anerkannt hat, daß der Art. 1 des Rheinpaktes ganz unmißverständlich einen Verzicht auf Elsaß-Lothringen nicht enthalte und daß auch die Behauptung, die Frage der Investigationsprotokolle sei unbefriedigend geregelt, nicht stimmt. Hier ist von der Gegenseite die Erklärung abgegeben, daß an eine Verewigung de, Militärkontrolle nicht gedacht werde, daß vielmehr der Vollerbund sich nur vorbehalten habe, auf eine Anzeige hin die Tlntersuchung eines einzelnen Falles vorzunehmen, aber auch das erst, nachdem Deutschland vorher in Kenntnis gesetzt ist. Iinmerhin. über die Frage, ob der Rhein- Pakt nützlich und forderlich ist. darüber läßt sich in der Tat streiten. Richt ffreiten aber läß/ sich darüber, daß der Augenblick, in dem die Deuts chnationalcn sich zu einer endgültigen Klärung gedrängt fühlten, innenpolitisch wie außenpolitisch taktisch sehr ungünstig gewählt war. Die deutsche Delegation hatte an sämtliche Fraktionen das Ersuchen gerichtet, vorläufig noch keinen Beschluß über ihre Stellung zu den Locarnoer Verträgen zu fassen, auch bann nicht, wenn dieser Beschluß zustimmend ausfallen sollte, eben weil für d'.e weiteren Verhandlungen mit Frankreich noch der Trumpf gebracht wurde, daß wir nein sagen können, ilm so weniger lag für die Deutschnationalen eine Berufung vor, die Bilanz zu ziehen: sie stören damit die Kreise der deutschen Delegation, denn es ist unvermeidlich, daß jetzt von Paris her, falls dort die Re'.gung zu weitgehenden Konzessionen nicht besteht, ein solcher llmfaU mit der Haltung der Deutschnationalen begründet wird. Kommt infolgedessen eine Verständigung über die Rückwirkungen nich-t zustande, dann entfällt für das Zentrum, für die Deutsche Volks- Partei, vermutlich aber auch für die Sozialdemokraten, die den längsten Wunschzettel haben, die Möglichkeit einer Zustimmung zu dem Vertrag. Er würde also im Reichstag mit einer Mehrheit abgelehnt werden. Im Ergebnis wäre also das erreicht, was die Deutschnationalen wollten, nur um den Preis, daß darüber die bisherig« R eg ie r u n g s koal i t i o n kaputt gegangen ist. Denn selbst wenn heute bei den Deutschnationalen wie bei der Deutschen Volks- Partei der ehrlichste Wille besteht, alles zu vermeiden, was die freundnachbarlichen Beziehungen stören könnte, ist doch zu befürchten, daß im Laufe der Zeit und 'der Debatte sich die Temperatur erhitzt, und die Deutschnationalen sich in eine Opposition hineintreiben lassen, die scharfe Auseinandersetzungen herbeiführt. Das ist ja gerade das Aergerliche dabei, daß ohne jede Not schon ein f a i t a c c o m - pli geschaffen ist, das alles zu zerstören droht, was im vergangenen Jahre langsam aufgebaut wurde. Herr Dr. Wirth darf sich darüber freuen, er sitzt drüben in Amerika. Er hat sich vergeblich alle Mühe gegeben, das Zentrum zu seiner Politik herüberzuziehen und jetzt, während er selbst nicht das Geringste dazu tut, fallen ihm die Früchte von selbst in den Schoß. Denn man soll sich darüber nicht täuschen, daß gerade im Zentrum die Mißstimmung gegen die Deutschnationalen sehr groß ist. Alle diejenigen Kreise des agrarischen Zentrumsflügels, die zum Zustandekommen des Kabinetts Luther das Wesentlichste beigetragen haben und die bis zuletzt mit aller Energie auch auf eine Umbildung der Regierung in Preußen hinarbeiteten, um die Deutschnationalen heranzuholen, sehen angesehen wird, wird die Berliner Krise mit äußerster Zurückhaltung besprochen. Die liberale „W e firn i n ft e r Gazette" führt unter Hinweis auf den Rücktritt der deutschnationalen Minister u. a. aus: „Es ist Sache der Deutschen selbst und von niemand anderem zu sehen, welche Schritte folgen sollen, aber die allgemeine Annahme, daß Reichskanzler Dr. Luther in der einen oder anderen Weise — fei es durch Umbildung seines Kabinetts oder als letztes Mittel durch einen Appell an das Land — die Annahme des Paktes von Locarno erreichen werde, ist voll begründet, denn durch Verwerfung des Paktes würde sich Deutschland in eine weit schlimmere Lage gegenüber der Welt versetzen, als sich jetzt um die Aussichten auf Erfolg betrogen, der Linkskurs ist im Zentrum fest verankert, und wenn auch heute noch die Deutsche Volkspartei als Hemmschuh dient, so weiß sie doch nicht, ob sie stark genug ist, die Bewegung aufzuhalten. Das Reichskabinett hat inzwischen eine Proklamation erlassen, worin es sich zur Fortführung feiner Politik bekennt. Es will ohne Rücksicht auf das Ausscheiden der Deutsch- nationalen einen befriedigenden Abschluß des in Locarno begonnenen Werkes versuchen. Die inner- politische Entwicklung wird also für einige Zeit ruhen, erst ausgangs November werden sich die Folgen des deutschnationalen Schrittes überblicken lassen. Die Neigung der Sozialdemokraten nach Neuwahlen dürfte seit dem Sonntag erheblich obgeflaut sein. Die Ausbalancierung einer neuen Mehrheit im Reichstag aber bildet ein schwieriges Problem, das befriedigend gelöst werden kann nur, wenn es später in irgendeiner Form gelingt, die Deutschnationalen wieder heranzuziehen. Der Kabineltsbefchluß. Berlin, 26. Oft. (111.) Amtlich wird gemeldet: Das Reichs Ministerium trat heute mittag 12 Uhr unter dem Vorsitze des Reichskanzlers zusammen. Der Reichskanzler machte von dem Rücktritt dec Reichsminisier Schiele, von Sdjlieben und Reuhaus Mitteilung und widmete den scheidenden Ministern herzliche IDorte des Dankes für ihre Mitarbeit im Dienste des Vaterlandes. Rach Verabschiedung der Minister Schiele, v. Schlieben und R e u h a u s traten die verbleibenden Minister unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zu einem Minifterrat zusammen. um zu der durch das Ausscheiden der drei Minister gefchafsenen Lage Stellung zu nehmen. Das Reichskabinett fetzte feine Beratungen am Abend fort und gelangte zu folgender Stellungnahme: Das Reichskabinett betrachtet cs als eine selbstverständliche politische Pflicht, auf dem in Locarno begonnenen TDcge fortzuschrei- ten, um dem Reichstag rechtzeitig vor dem 1. Dezember, dem Tage, der für die Unterzeichnung des in Locarno paraphierten Vertrages vorgesehen ist, ein Gesamtergebnis für die Beschlußfassung unterbreiten zu können. Aus diesen Erwägungen erachtet es das Reichskabinett für geboten, von einer Demission abzusehen und die Reichsgeschäste weiterzuführen. Der Reichskanzler, der im Laufe des Rachmittags Vertreter der Relchstagsfraktionen empfangen hatte, hat dem Reich spräfidenten über die politische Lage Bericht erstattet und zugleich seine Vorschläge über Vie zukünftige Gestaltung des Kabinetts unterbreitet. Der Reichspräsident hat die Entlafsungsgesuche der Reichsminisier Reuhaus, Schiele und v. Schlieben genehmigt und unter Billigung der Fortführung der Reichsgeschäste durch das jetzige Kabinett mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsminisiers der Finanzen den Reichskanzler Dr. Luther, des Reichs- Ministers des Innern den Reichswehrminister Dr. G eßt er und des Reichswirtschasts- minifter 5 den Reichsoerkehrsminisker Dr. Kröhne beauftragt. Dis Haltung der Parteien Reichstag nub Locarnovertrag. Zu der gestrigen Besprechung des Reichskanzlers Dr. Luther mit den Führern der Reichstagsparparteien melden die Blätter, daß V o l k s p a r t e i und Zentrum gewillt seien, unter allen Umständen den Kanzler zu unter- st ü tz e n , um das Werk von Locarno nicht zu gefährden. Der Vertreter der Demokraten, Minister a. D. Koch, betonte laut „Berl. Tagebl.", daß die Demokraten selbstverständlich nicht eine Außenpolitik desavouieren wollten, die in ihrer Linie liege, sie müßten es aber ablehnen, gegenwärtig als bloße Lückenbüßer zu dienen. Die Verantwortung für die gegenwärtige Politik oder gar die Beteiligung an der Rsichsregierung kämen nur in Frage, wenn ausreichende Garantie dafür gegeben werde, daß eine Wiederholung der augenblicklichen Situation unmöglich gemacht werde. Die Führer der Sozialdemokraten wiesen, dem „Vorwärts" zufolge, daraufhin, daß eine definitive Stellungnahme der Sozialdemokraten erst nach der Sitzung des für Mittwoch einberufenen Vorstandes der Reichstagsfraktion erfolgen könne. Sie ließen jedoch keinen Zweifel an ihrer Auffassung, daß die Sozialdemokratie nicht daran denken könne, die Deutsch nationalen der Verantwortung in diesem Reichstag zu entheben. Wenn die Deutschnationalen den Vertrag ablehnten, dann würde nur übrig bleiben, den Reichstag ans- zulösen und das Volk selbst entscheiden zu lassen. Daß der gegenwärtige Reichstag trotz des Ausscheidens der Deutschnationalen den Vertrag von Locarno genehmigen wird, kann nach den Stimmen der Presse des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten nicht gut angenommen werden, denn aus allen drei Parteien liegen, wenn auch noch nicht Beschlüsse, so doch bemerkenswerte Meinungsäußerungen vor, daß diese Parteien nicht daran denken werden, ohne die Deutschnationalen die Ratifikation des Vertrages auszusprechen. Infolgedessen wird in allen Parteien schon stark mit einer Auflösung des Reichstages gerechnet. Das Kabinett Luther hätte indessen wohl die Möglichkeit, zu dem in Locarno vereinbarten Termin anfangs Dezember den Vertrag von Locarno zu unterzeichnen und er st danach den Reichstag zur Vor nähme der Ratifizierung zu berufen. Sine vorherige Beschlußfassung des Reichs- tages, die das Kabinett zur Unterzeichnung bevollmächtigen würde, wäre nicht erforderlich. Die Entscheidung des Reichstages liegt erst bei der Beschlußfasfung über die Ratifizierung. Die Auflösung des Reichstages braucht also die Unterzeichnung des Vertrages nicht aufzuhalten. Der späteste Termin für Reuwahlen ist mit 60 Tagen nach der Auflösung verfassungsmäßig festgesetzt. Der Zusammentritt de. neuen Reichstages müßte spätestens 30 Tag. nach der Wahl erfolgen. Selbstverständlich wür den in diesem Falle die Fristen nach Möglich feit verkürzt werden, so daß es nicht ausge schlossen erscheint, daß der neue Reichstag, wem er überhaupt aufgelöst wird, noch vor Weih nachten zusammentritt. Berliner Pressestimmen. Die deutschnationalen Zeitungen lassen durchblicken, daß eine zukünftige Zusam menarbeit der Deutschnationalen mit dem gegen wärligen Reichskabinett rächt ausgeschlossen se Die „Kreuzztg." betont, die Haltung de. Deutschnationalen zu dem Rumpfkabinett Luthe:, werde mir von sachlichen Gründen diktiert und von der Verantwortung vor lebenswichtigen Snb scheidungen für die Ration getragen fein. Der ,.Derl. Lokalanz." hebt hervor, daß trotz der sachlichen Meinungsverschiedenheit über de» jetzigen Beschluß der Deutschnationalen alle Gründe der inneren Politik, alle Gründe der Wirtschaft gebieterisch mahnen, es bei der Zusammenarbeit der bisherigen Re- gierungskoalitivn zu belassen. Die „Tägl. Rundschau" bezeichnet es als bemerkenswert, daß die „Germania" einen außerordentlich heftigen Ton gegen die Deutschnationalen anschlägt und sagt: Es versteht sich von selbst, daß im Zentrum jetzt alle diejenigen Oberwasser bekommen, die ihre Partei immer ungern in der Regierungsgemeinschaft mit den Deutschnationalen gesehen haben. Die Deutsch- nationalen werden sich gewiß selbst bald über die Dinge hier wundern, die sie außen- und innenpolitisch angerichtet haben. Die Räumung Kölns. London, 26. Off. (TA.) Der amtliche englische Aunkspruch bestätigt die Instruktion an den britischen Truppenbefehlshaber in Köln, die Kölner Zone zu räumen. Die Räumung wird natürlich einige Zeit erfordern, jedoch werde sie, „wenn alles gut gehe", in den ersten Tagen des neuen Jahres bereits erfolgt "fein. Da die Rheinlandbesehung eine alliierte Angelegenheit fei, werde sich England weiter an der Besetzung beteiligen. Die hierzu notwendigen Truppen werden in der Umgebung von Wiesbaden untergebracht werden. Die Stärke der britischen Truppen im Rheinland liege bereits heute unter der im Ariedensvertrag von Versailles fefigelegten Zahl. Die Sonntagswahlen. Die beiden Wahlen, die am Sonntag erfolgt sind — in Berlin und in Sahen — können beanspruchen, daß sie über ihre lokale Bedeutung hmaus symptomatisch beurteilt werden für die Stimmung des gesamten Volkes, weil sowohl die in den Großstädten angehäuften Massen als auch das flache Land die Möglichkeit zur Aeuße- rung hatten. Wenn man deshalb mit Rücksicht auf die Gefahr einer Neuwahl, die jetzt auch im Reich ernstlich in die Erscheinung tritt, aus den Wahlen allgemeine Lehren ableiten will, so ergibt sich zunächst als allgemeine Tatsache eine erschreckende Wahlmüdigkeit. In Berlin ist die Wahlbeteiligung gegenüber den letzten Reichstagswahlen um 15 Prozent heruntergegangen, in Baden noch mehr, so daß der Badische Landtag, der auf je jemals seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages. Deutschland würde dann endgültig die Politik der Versöhnung verworfen haben/' Deutschland würde sich alle die Sympathien verscherzen, die es unter der harten Behandlung seiner vormaligen Feinde gewonnen habe. Die Räumung des besetzten Gebietes würde auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Die französischen Rationalisten würden wieder auf der Bildfläche erscheinen mit ihren Sanktionen und Strafexekutionen. es würde ein Elend für alle werden, aber am schlimmsten für Deutschland." Das Blatt drückt dann Die Zuversicht aus, daß dies nicht geschehen werde und fährt fort: „Es ist befriedigend, zu sehen, daß die britische Regierung mit den Vorkehrungen für die Räumung der Kölner Zone voranschreitet. Dies hat mit dem Locarno-Pakt nichts zu tun, es hängt genau genommen nur von der Frage ab, ob Deutschland seine Abrüstungsverpflichtungen gemäß dem Versailler Vertrage erfüllt habe, aber ein ehrlicher Wunsch, diese Frage billig $u behandeln, und keine technischen Gründe zu finden oder zu erfinden, um ihr auszuweichen, wird zweifellos im gegenwärtigen Augenblick von großer Wichtigkeit fein und Dr. Luther helfen, seinen Landsleuten zu beweisen, daß er nicht mit leeren Händen von Locarno zurückgekehrt ist. 10000 Stimmen ein Mandat erhält, um mehr als ein Dutzend Sitze verringert wird, ein Ergebnis, daß vom Gesichtspunkt der Sparsamkeit und der politischen Arbeitsmöglichkeiten aus nur zu begrüßen ist. Nehmen wir zunächst Berlin, so ist hier zu sagen, daß mit Ausnahme der Kommunisten eigentlich keine einzige Parier Grund zur Befriedigung hat. Die Sozialdemokraten hatten eine starke Propaganda entfaltet, weil sie die Hälfte aller stimmen haben wollten, sie haben nur ein Drittel bekommen. Sie haben sich nach zwei Richtungen verspekuliert: einmal in der Hoffnung, daß die Unzufriedenen von der Deutschnationalen zu ihnen zurückströmen würden, zum anderen aber auch darin, daß sie glaubten, sie würden die Erbschaft der Kommunisten 'antreten. Ganz im Gegenteil. Die Stimmenzahl, die für die K o m m u n i st e n abgegeben wurden, beweist, daß die Radikalisierung der Volksstimmung erneut im Steigen ist. Daß Berlin die bürgerliche Mehrheit verlieren würde — es stehen 107 (gegen bisher 115) bürgerliche Abgeordnete 118 (gegen bisher 110) sozialdemokratischen und kommunistischen gegenüber —, war von vornherein zu erwarten. Es ist aber ernstlich kaum anzunehmen, daß die Sozialdemokraten mit der kommunistischen Unterstützung allzu viel anfangen können, ihr wirkliches Ziel wird wohl gewesen sein, daß sie in dem Berliner Stadtparlament eine Art Weimarer Koalitionsregierung auftun könnten. Aber auch darin haben sie sich getäuscht, die Demokraten, die mit so großen Hoffnungen in den Wahlkampf gingen, haben gegenüber der letzten Reichstagswahl 80 000 Stimmen, das ist ein volles Drittel, verloren, während das Zentruin mit der gleichen Einbuße abzieht. Ob es unter diesen Umständen überhaupt möglich ist, feste Mehrheitsverhältnisse im Berliner Stadtparlament zu schaffen, steht noch dahin. Rein zahlenmäßig wäre das durch die Große Koalition möglich, eine Lösung freilich, für die bei der Deutschen Volkspartei feine Neigung bestehen dürfte. Auch die Deutsche Volkspartei hat ein rundes Drittel ihrer Stimmen verloren gegenüber den letzten Reichstagswahlen, während ihr Rückgang gegenüber den früheren Stadtverordnetenwahlen noch wesentlich größer ist, sie läßt zwei Drittel ihrer Mandatsstärke auf der Walstatt. Der Ausgang in Baden aber zeigte, daß für diesen Mißausfall in Berlin nur lokale und persönliche Gründe maßgebend sind, denn in Baden ist gleichzeitig die Deutsche Volkspartei die einzige, die einen sehr starken Erfolg zu verzeichnen hat, während die D e u t s ch nationalen, die sich in Berlin gut schlugen, in Baden die Hauptleidtragenden sind. Dafür haben das Zentrum, die Sozialdemokraten und Demokraten Einbußen an Stimmen und an Mandaten erlitten, die über die verminderte Wahlbeteiligung hinausgehen. Ein Ergebnis, das sicherlich nicht dazu anreizen wird, das Experiment jetzt auf das ganze Reich zu übertragen. Zwar ist in Baden die Mehrheit der bisherigen Regierungs- toalition aus Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten nicht erschüttert, die Beziehungen zwischen dem Zentrum und den Demokraten sind aber so gespannt geworden, daß noch keineswegs fest- steht, ob diese Vernunftehe die Wahlen überdauert. Das amtliche Wahlergebnis von Groh-Berlin. ‘Berlin, 26. Oft. (TU.) (Nach einer vorläufigen Berechnung der amtlichen Ergebnisse der Berliner Stadtverordnetenwahl sind insgesamt 1 853 115 gültige Stimmen abgegeben worden. Die Verteilung der Stimmen und bet neuen Mandate, wobei das Wahlergebnis vom 16. Oktober 1921 in Klammen hinzugefügt ist, ist folgende: Sozialdemokraten 604 704 (682 453), Mandate 74 (87), Deutschnationale 385 326 (319 273), 47 (40), Dt. Vclkspartei 111 432 (266 771), 14 (36), Kommunisten 347 332 (162 575), 42 (20), Demokraten 171961 (126 696), 21 (16), Wirtschaftspartei 73 264 (36 808), 9 (12), Zentrum 63 265 (63 183), 0 (8), 2SP. 14 608 (-), 2 (3). Völkische 27 543 (-). 3 (2), Deutschsoziale 25 200 (12 302), 3 (1). Die restlichen Stimmen find zersplittert. Sozialdemokraten und Kommunisten verfügen also in der neuen Stadtverordnetenversammlung über 113 (110) Sitze gegenüber 107 (115) Sitzen der bürgerlichen Parteien. Entspannung auf dem Balkan. Rumänische Verwicklung. — Griechen land zieht seine Truppen zurück. Athen, 26. Oft. (Agence d'AthHnes.) Der rumänische Gesandte hatte heute mit dem Ministerpräsidenten Pangalos eine Unterredung, in der ec im Ramen seiner Regierung und auf Ersuchen der bulgarischen Regierung die Räumung des bulgarischen Gebiets durch die griechischen Truppen anregte, um der Gefahr neuer Zwischenfälle zu begegnen. Bei v^'ler Anerkennung der Berechtigung des griechischen Vorgehens, das eine Folge fort- währender Herausforderungen der Komi tatsch is sei. deren Urheber der Völkerbund fest st eklen sollte, ersuchte der Gesandte die griechische Regierung, aus Ehrerbietung für den Völkerbund die Berufung an diesen anzunehmen, unter der Voraussetzung, daß das bulgarische Gebiet nur geräumt werde, wenn die Bulgaren die vcn ihnen besetzten Posten ihrerseits geräumt hätten. Da die^griechische Regierung sich jedem Versuch, den Frieden zu sichern, anzuschließrn wünscht, nahm sie den rumänischen Vorschlag an. Der Beschlich Des Bölkerbundsrats. Paris, 27. Oft. (TU.) Der im Quai d'Orsey zusammenberufene Völkerbundsrat wurde von B r i a n d mit Vegrüßungsworten an die erschienenen Delegierten eröffnet. Der Minister gab zunächst eine kurze Darstellung der Gründe, die ihn zur Einberufung des Rates veranlaßt hätten. Darauf erstatteten die Gesandten Bulgariens und Griechenlands Bericht über den Konflikt. Die Sit- zung wurde bann geheim fortgesetzt und beschlossen, Bulgarien und Griechenland aufzufordern, daß sie sich innerhalb 24 Stunden bereit erklären, ihre Truppen hinter die Kre n z e z u r ü ck zuziehen. Die Ausführung dieser Maßnahme muß innerhalb 60 Stunden vollzogen sein. Pekinger ZoAkonserenz. Peking, 26. Okt. (WTB.) Die Internationale Zollkonferenz wurde heute im Winterpalast eröffnet. Der chinesische Ministerpräsident Tuan Tschi Wui hielt die Begrüßungsrede, deren wesentlichster Punkt btc Forderung der Zollautonomie für China war. Die europäijchen Großmächle sollen ihre Zustimmung kundgeben, daß alle bestehenden Tarifbeschränkungen beseitigt werden. China ist bereit, den Binnenlandzoll aufzuheben und einen Reichstarif nicht später als am 1 Januar 1929 einzuführen. Vor der Auferlegung eines allgemeinen Zolltarifs soll eine Zusatzabgabe von fünf Proz. von den gewöhnlichen Waren, Wein und Tabak und 20 Proz. von öurusmaren eingeführt werden, deren Erhebung drei Monate nach Unterzeichnung des Vertrages beginnen soll. Die Antworten der Delegierten Frankreichs und Amerikas waren in friedlichem Ton gehalten, die Antworten Englands und Japans kennzeichneten jedoch die verwickelte Lage in China. Die Vertreter dieser beiden Mächte kritisierten in a b - lehnendem Sinne die geforderte fünfprozentige Zollerhöhung, erklärten sich aber bereit, darüber in freundschaftliche Verhandlungen einzutreten, machten ihr Inkrafttreten jedoch abhängig von dem Aufhören der Jnlandzölle und der Unruhen durch die neue zentralisierte Reichsoerwaltung. Immer noch gespannte Lage in Syrien. Paris, 27. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die letzten aus Syrien eingegangenen Depeschen lauten besonders beu nruhigend. Die Ruhe ist noch nicht wiederhergestellt. Die Bevölkerung verläßt DamaSlus. Die Drusen, die sich unterworfen hatten, haben ihr Wort zurückgenommen. An zuständiger Stelle erklärt man, daß die französische Artillerie in der Rächt von Samstag zu Sonntag und am Montag morgen das Stadtviertel in Damaskus bombardiert hätte, in dem die Drusen einen Ausstand hervorgerufen haben. Der Sachschaden sei nicht bedeutend. aber man berichtet von 50 Toten. Englands Palästinamandat. G e n f. 26. Oft. (WTB.) Die Mandatskommission des Völkerbundes behandelte Heu britischen Bericht über die Verwaltung von Palästina und Transjordanien. Der britische Vertreter gab Aufschluß über das Verwaltungssystem und die Iudeneinwanberung. system und die Iudeneinwanderung. Durch nicht nur durch die Ginwanderung einer arbeits- samen Bevölkerung, sondern auch durch die Einwanderung von Kapital und Industrie. Die jüdische Einwanderung nach Palästina betrage 1924 12 358 Personen bei einer Gesamteinwanderung von 13 553 Personen. Die Einwanderung werde beaufsichtigt, damit sie nicht über die im Land vorhandenen Gxistenzmöglichkeiten hinausgehe. In der Landwirtschaft seien die jüdischen Einwanderer zuerst auf Schwierigkeiten gestoßen, da sie sich in Diese Beschäftigung nicht hätten hinein- finden können. Sie hätten sich aber jetzt angepaßt und erzielten befriedigende Ergebnisse. Ungarn und Locarno. Ciue Rede Apponyi. B u d a p e ft, 26. Okt. (WTB.) 3n einer in Ja- spereny gehaltenen Rede erklärte Graf Apponyi, der ungarische Delegierte zum Völkerbund, u. a.; Der Völkerbund hat, abgesehen von der Hilfe im finanziellen Wiederaufbau, weder in der Frage der nationalen Minderheiten, noch in der allgemeinen Abrüstung etwas geleistet. Trotzdem wäre der Austritt aus dem Völkerbund nicht zu billigen, und amar um fo weniger, als mit der Aussicht auf den bevorstehenden Eintritt Deutschlands nicht vorauszusehen ist, welche Aenderungen diese Institution dnrchmachen wird. Das Abkommen von Locarno ist zu begrüßen, vorausgesetzt, daß es nicht der Abschluß, sondern der Beginn der Befriedung ist. Auch in Mitteleuropa muß dafür gesorgt werden, daß in Genf die Behandlung der ungarischen Frage nicht einschläft. Die Berufung des Reichstags im Sinne der ungarischen Recktskonstitution darf nur durch den König ober dessen Vertreter erfolgen. Eine freie Königswahl wäre jedoch nach der Auffassung des Regners nichts anderes als eine Prätorianerherr- l'chaft. Auch ich trete für ein nationales Königtum ein. Karl IV., der letzte Habsburger, Kaiser Karl I., hat jenen Teil seiner Familien- trabitionen, der sich gegen bie Selbstänbigkeit des ungarischen nationalen Lebens richtet, aufgegeben. Darum war seine kurze Herrschaft epoclxrrnachend. Diesen Gedanken verpflanzte er auf seinen Sohn. Ich kann Zeugnis dafür ablegen,, daß dieser noch nicht ganz 13jährige Jüngling von rein ungarischen unabhängigen staatsrechtlichen Auffassungen erfüllt ist. Der russische Budget-Voranschlag für 1926. Moskau, 27. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die Sowjetregterung prüft gegenwärtig den Voranschlag der Sowjetunion für das Finanzjahr 1925/26, der eine Gesamthöhe von 3,785 Milliarden Rubel und damit 900 Millionen Vubel mehr als im Vorjahre aufweist. Das Budget schließt ohne Defezit ab. Die nicht steuerlichen Einnahmen aus Industrie, Verkehr und Handel werden 600 Millionen Rubel mehr als im Vorjahre betragen. Für l a n d w i r 1- schaftliche Zwecke sind 550 Milliren Rubel also doppelt soviel als im Vorjahre, vorgesehen. Das Kriegsbudget macht mit 624 Millionen Rubel 16' j Prozent des Gesamtbudgets aus und damit ebensoviel wie im Vorjahre und 21/» Prozent weniger als vor dem Kriege. Ein neuer Prozeh Daudet. Paris, 28. Oft. (WTB.) Heute hat vor dem Schwurgericht in Paris ein Prozeß begonnen, der die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Der 15jährige Sohn des ehe- maligen royalistischen Abg. Leon Daudet des Herausgebers der Action Francaise hat sich bekanntlich vor etwa 18 Monaten in einer Kraftdroschke das Leben genommen. Daudet hat in der Action Fran?aisc und in einer Eingabe an die Behörden den Chauff eur der falschen Zeugenauss age beschuldigt, um den Einwand zu entkräften, Kommunisten hätten seinen Sohn ermordet. Der Chauffeur klagt nun wegen Verleumdung und fordert 200000 Franken Schadenersatz. Daudet hat etwa 100 Zeugen laden taffen da er die Absicht hat, die ganze Angelegenheit. die politischen Anstrich hat. im Laufe ^es Prozess cs wiederaufzurollen, obgleich seine Beschuldigung nach längerer -Untersuchung seitens des Gerichtes zurückgewiesen wurde. Kleine politische Nachrichten. Zu Ehren des in Berlin weilenden ehemaligen englischen Ministerpräsibenten Macbon alb fanb beim englischen Botschafter Lord b'Aber- n o n ein Empfang statt. Dienstag mittag wirb der Reichsaußenminister Dr. Strefemann zu Ehren Macdonalds ein Frühstück geben. ♦ Die Hessische Zentrumspartei hielt gestern unter dem Vorsitz des Reichstagsabge- ordneten Dr. B o ck i u s , Mainz, in Frankfurt einen Parteitag ab. In einer Entschließung' wurde die Zustimmung zu der seitherigen Zentrumspolitik ausgesprochen. Eine weitere Entschließung verlangt auf Grund der Aeichsver- fassung die Errichtung von Bekenntnisschulen in Hessen. Der Württembergische Stäbtetag hat mit zwei amerikanischen Bankhäusern eine 7proz. Anleihe in Höhe von 8,4 Millionen Dollars abgeschlossen. Der Betrag verteilt sich auf 23 württembergische Städte. Rund die Hälfte entfällt auf Stuttgart. Die Anleihe soll in Amerika und Rolland aufgelegt werden. Die Bürgschaft für die Anleihe übernimmt der württembergische Staat. Beiden Lohnverhandlungen imRuhr- b e r g b a u wurde von den Bergarbeiteroerbänden eine Lohnerhöhung von 15 Prozent beantragt. Wie angesichts der Notlage im Ruhrbergbau zu-*r- warten war, sind die Verhandlungen e r g e b n i s - l o s verlaufen, da die Arbeitgeber erklärten, eine Lohnerhöhung unter keinen Umständen bewilligen zu können. Die Bergarbeiterverbände werden den Schlichter anrufen. Aus aller Welt. Johann-Strauß-Feiern in Oesterreich. In ganz Oesterreich sanden am Sonntag große Straußseiern statt. Vom frühen Morgen bis in die späten Abendstunden herrschte überall reges Leben. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten in Wien bildete die große Huldigungsfeier vor dem Strauhdenkmal im Stadtparf. Hierzu war das ganze offizielle Oesterreich mit dem Bundespräsidenten Hai- n i s ch an der Spitze erschienen. Bundespräsident Hainisch sagte in einer Ansprache, daß es ihm unerklärlich sei, wie eine wilde Trommelmusik die schönen Wiener Walzer habe verbreiten können. Wirbelstum in Amerika. Rach Meldungen aus Reuyork fino die Süd- unö Oststaaten von einem heftigen Wirbelsturm heimgesucht worden. Zn Tory wurden 16 Personen getötet. 3n Reuyork tarnen drei Personell ums Leben. Zahlreiche Häuser in den Vorstädten sind abgedeckt. Mehrere Schiffe haben Rotsignale gesandt. Dreister Raubiibersall. Ein dreister Rauüberfall wurde in der Küsterei der Matthäuskirche in Berlin- Steglitz verübt. Ein junger Mann, der dort vorsprach, um angeblich feinen Wiedereintritt in die Landeskirche anzumelden, bat die Sekretärin um Angabe des hierfür zuständigen Pfarramtes. Plötzlich zog er einen Revolver und zwang mit der vorgehaltenen Waffe die Sekretärin, ihm das Geld im Kaffenschrank zu zeigen. Der Räuber entnahm dem Schranke 500 Mk. Rachdem er die Sekretärin noch geknebelt hatte, stahl er weitere 500 Mk. Kunst und Wissenschaft. Frankfurter Theater. Zum 100. Geburtstage des Walzertönigs Johann Strauß veranstaltete die Oper eine Sestvorstellung der ..Rächt in Venedig'. Das Werk an sich gehört sicher nicht zu den stärksten Kompositionen des Meisters, aber es ergeben sich große Inszenierungsmöglichkeiten aus der bewegten, in der schönen Lagunenstadt spie- enden Handlung. Aus diesen Gesichtspunkten siel die Wahl auf die „Rächt in Venedig" und bet festlich erleuchtetem, total ausverkauftem Hause feierte diese Operette neue Triumphe. • ^cr Handlung hat durch Ernst Ma- rlschka eine Auffrischung erfahren und Erich Wolfgang Korngold hat die dazu notwendig gewordene instrumentale Bearbeitung aus dem Melodienretchtum Strauß' geliefert. Außer der famosen Darstellung machte sich das Künstler- Triumvirat Krauß. Waller stein und Sievert um die 100jährige Geburtstagsfeier verdient. Prof. Krauß hatte die schwungvolle musikalische Leitung übernommen, Dr. Wallerstein zeichnete für die stimmungsvolle Inszenie- rung verantwortlich und Ludwig Sievert schuf Bühnenbilder von seltener Schönheit und gab • einen phantastisch schimmernden, wirklich festlichen Rahmen. Künstler und Publikum waren so in Stimmung, daß sich der Vorhang des letzten Aktes mit dreiviertelstündiger Verspätung unter reichem Beifall über der Szene senkte. Eine ungemein interessante Sonderaus- “ ellun g im Rikolaus Manskopsschen musithistorlschen Museum erzählt vom Wirken und Leben Strauß', dessen ganzes Sein mit klingenden Melodien erfüllt war und dessen „Fledermaus". „Zigeunerbaron". „Geschichten aus dem Wiener Wald" und „Blaue Donau" als unsterbliche Klange über den Jazz-Rhythmus der Gegenwart triumphieren werden. Zeichnun- gen, Bilder. Theaterzettel, eine Reihe Schattenrisse und dergleichen mehr spiegeln das Bild eines Künstlers, welcher eine glücklichere, längst veriorengegangene Zeit die seine nannte. Dom hessischen Künftlerkartell. ' Darmstadt, 27. Oft. Aach der Eröffnung oer Ausstellung des Hessischen Künst- V? nr teils in der Kunsthalle in Mainz hielt daS Kunftlerkartell seine Herbst-Vollver- fammlung ab. Wie der Vorsitzende in seinem Geschäftsbericht erwähnte, hat das Kartell, unter Beteiligung der ihm angefchlossenen Vereine, fünf größere Kunstausstellungen veranstaltet und zwar in Darmstadt, Mainz, Bad-Rauheim, Stuttgart und Baden-Baden. Die Unternehmungen waren durch das Lanbesamt für das Bildungs- toefen unterstützt worden, das ebenso Stipendien für bildende Künstler bereitgestellt hatte. Auch die Stadtverwaltungen von Worms. Mainz uiiü Offenbach stellten Mittel für den gleichen Zweck zur Verfügung. Die Versammlung beschloß, das Hessische Künstlerkartell in das Dereinsregister eintragen zu lassen. Semesterbeginn in Darmstadt. * S a r m ft a b t, 27. Oft. Das Wintersemester der Technischen Hochschule in Darmstadt beginnt Dienstag, den 27. Oktober. Die ilcbec» gäbe des Rektorats durch den Prorektor Professor Dr. Schlink an den neuen Rektor Professor Eberle-findet Mittwoch, den 28. Oktober, statt. Eine Darmstädter Uraufführung. * Darmstadt, 27. Oft. Auf dem am 31. Oktober stattfindenden Pressefest des Landesvereins Hessischer Zeitungsredakteure wird die Komödie „B r a b a m a n t“ von Ernst Legal, dem Intendanten des Hess. Landestheaters, hier ihre Erstaufführung erleben. Rektoratsübergabe in Marburg. ][ Marburg, 15. Okt. In der Aula der Universität fand heute mittag in hergebrachter Weise die feierliche Einführung des neuen Vektors der Universität, Prof. Dr. Phil. Lemma tz s ch , statt. Im Anschluß an den Bericht des seitherigen Rektors, Kons.-Rat Prof. D. Bor n h äuser , erinnerte diesckr an die 400- Iahrseier 1927, die Ende des Sommersemesters ftattfinben soll. Die Vorbereitungen hätten begonnen und nachdem alle Schwierigketten beseitigt seien, dürfte wohl auch m5 dem 03au des Kunstinstituts begonnen werden. Die für beste Leistungen auf dem Gebiet der Leibesübungen von Kurator und Rektor gestifteten Wanderpreise (ein Bild Hindenburgs und des Straßburger Münsters) wurden den Vorsitzenden der Akademischen Sportvereinigung und dem Corps Rhenania, Straßburg, überreicht. Der neue Rektor hielt bann einen Vortrag über -Die Bedeutung und das Schicksal des Rheinlandes für das römische Reich". Vorträge des akademischen Chors unter Leitung des Musikdirektors Dr. Stephani eröffneten und beschlossen die Feier. Wettervoraussage. Wolkig bis bedeckt, frische Winde aus westlicher Richtung. Temperaturen wenig verändert, zunehmende Riederschlagsneigung. Wie vorausgesehen, ist das Tiefdruckgebiet wieder in östlicher Richtung zurückgewandert. Seine Ausläufer haben bereits heute in Mitteldeutschland vielfach Riederschläge bewirkt, die sich in den nächsten Tagen noch verstärken! werden. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 13, Minimum 8,1 Grad Celsius. Riederschläge: 0,7 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 8 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 27. Oktober 1925. *' C i n Achtzigjähriger. Am 30. Oktober f.t.ri D.Vision spsarrer i.R. Adam Büttel zu Schleswig seinen 80. Geburtstag. Büttel entstammt dem Hefsenlande und ist am 30. Oktober 1845 zu Biebesheim am Rhein geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Darmstadt und studierte von 1864 bis 1868 in Gießen Theologie. Während seiner Studienzeit gehörte er dem Korps Starkenburgia an. Hieraus war er Mitglied des Evangelischen Predigerseminars zu Friedberg und wurde am 21. Rovember 1869 in seiner Heimatkirche zu Biebesheim ordiniert. Rach den-, er Vikarstellen zu Framersheim, Groß- Gerau und Michelstadt bekleidet hatte, kam er im Jahre 1874 als Pfarrer nach Mainz. Im Jahre 1884 wurde er Divisionspfarrer zu Schleswig. Kurz vor dem Weltkriege trat er in den Ruhestand, aber der Krieg rief den 69jährigen wieder in den Dienst. Im Anfang war Büttel Festungsgarnisonpfarrer zu Wesel, wo ihm auch 'die Seelsorge an den evangelischen Kriegsgefangenen übertragen war, dann ging er wieder nach Schleswig, wo er am 21. Rovember 1919 fein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feierte. Am Palmsonntag hielt er in der Schloßkirche zu Gottrop seinen letzten Militärgottesdienst. Büttel ist während seiner ganzen Dienstzeit und auch noch in der Zeit seines Ruhestandes ein eifriger Förderer der Gustav-Adolf-Sache gewesen. Dom Jahre 1867 an bat er an 30 Hauptvereinsfesten teilgenommen, zum erstenmal 1867 in Worms, zum letztenmal in diesem Jahre in Gießen. Für die Gemeinde Kastel bei Mainz stiftete er 1878 die Gustav- Abols-Glocke. für die Gedächtniskirche zu Speyer 1907 die Lutherglocke. In Anerkennung seiner Verdienste um die Gustav-Adolf-Sache verlieh ihm bei dem Gustav-Adolf-Feste, das vom 20. bis zum 23. September ds. Is. in Gießen stattfand, die Theologische Fakultät unserer Landes- Universität bie Würde eines Doktors der Theologie. ** Hebung der Jagd. Man schreibt uns: Schwere Sorge lastet auf den echten Weidmännern. Zu tief waren die Wunden, die Krieg, Revolution, Inflatton. Aasjägerei und Fleisch- macherei unseren Wildstänben geschlagen haben. Es will nur langsam aufwärts gehen mit dem Wiederaufbau. Allenthalben im Reich regen sich darum heute brave Weidmannsherzen, um in gemeinsamer Arbeit und unter persönlichen Opfern einzustehen für bie Wiebererstehung unserer Jagden. Bei uns muß bie Hauptsorge dem Rehwild gelten, das unserer besonderen Hege bedarf, wenn es nicht den Weg gehen soll, den Wisent, Biber oder Rothirsch des Vogelsbergs gegangen find. Darum soll auch bei uns versucht werden, bie Revierinhaber zu vertrauensvoller Aussprache zusammenzurufen. Der hiesige Iägerverein „Hubertus" lädt im Anzeigenteil der gestrigen Rurnmer Mitglieder und Richtmitglieder dazu^ein. Wir wollen einen Wildstand, wie ihn der Stand der Bodenkultur gestattet, der wieder wahre Weidmannsfreude verheißt, der der hohen voltswirtschaftlichen Bedeutung der Jagd entspricht und das Herz des Ratur- und Heimatfreundes erfreut. Hoffentlich folgen recht viele Jäger dem an sie ergangenen Rufe. i. Hessischer Vaterländischer Block. Im Anschluß an einen im Wettbewerb zurück- gclegten Geländemarsch über 20 Kilometer und an ein Mannschafts-Preisschießen auf den Ständen des hiesigen Schützenvereins und besonders hergerichteten Schießstänben im Walde fand am Sonntagnachmittag auf der Liebigshöhe eine sehr stark besuchte vaterländische Kundgebung statt. Hauptredner der Veranstaltung war bei Land- tagsabg. Kindt- Darmstadt, der über die politisch e Lage sprach. Der Redner erinnerte zunächst an bie vielfachen Leiden und Enttäuschungen, die unser Volk in den bisherigen Rachkriegsjahren zu ertragen hatte und bie sich auf den verschie- rvoraMzc. SSF« WZL .^ledecichlage bewirst die ^en noch verstärken Mcrotucen: matimum n • «n* heutige Morgentemperatur: vinzialhauMM. hB. den 21. Oktober 1925. tgiahriger. 2m 30. O> sv'arrrr i.2. AdamDüttet 180. Geburtstag. Lüttel cnb lande und ist am 30. Oktober i am Rhein geboren. Kr be- 'ium zu Tamstodt und (tu- is 1868 in Giehen?her- Mr Studienzeit gehörte er burgia an. hierauf ttxir er elikchrn Predigerseminars zu vrcrde am 21. Rvdrmber 18c- chr zu Mbeshem ordinier eklen zu Framersheim, Grof- ladt bekleidet -alte, kam er in arrer mch Minz. 3m Jahre ivisioMarrer zu Schleswig, ltkriege trat er in den Ruhe- ieg ries den Whriaen wieder Ansang tvar Mtek FestMgs- । Drsel. lvv ihm auch die evangelischen KriegsMgrncu nn ging er wieder nach Schier- November 1919 sein sünszig- (äum fehlte. Am Palmsonntag chlobkirch- zu Gottrop smeo W «UM iI* iftaeit und auch noch in oa K -7-Mr Fordere^ aeweftn. Dom Jahre 185 uptvereinssesten l*"' LtWS* stiftete" die Gustaf ie Gedachtnislirch- iu In Anerkennung Iw« ^Gustav-Wols-SachrveA unserer Landes- »» [am aulvarls Kgcn sich in es nichl ^^^,i^ch d6 Ai™V “J ngen I|nJ; ycDierinbat>ct A itiTunl MÄÜ 3M" .^cr®1!,6 Utto Ätt» a“l KSS? TkrJn* 3l*, h,-: ude , lünJ^ lnh in A-Mr «St :t9a&e in M , 15. Okt 7tbut9. lte mittaai^ Na k, vä fr*; ÄSt *■ LT» an hx» «i'jn« Qt Prof, o ^nde fic die teC * uni> =2? ÄSE*g»*2?tS * wsJy-’w*- unter örihL^,ta9e des ini "*"« uyg densten Gebieten äußerten. Weiter wies er auf die Folgen des DaweSgutachtens hin. die er als unheilvoll bezeichnete. Schließlich kam der Redner auf Locarno zu sprechen. Er hob seine Bedenken gegen den Vertrag hervor unb gab seiner Genug, tuung darüber Ausdruck, daß seine Partei die Unterzeichnung dieses Vertrages abgelehnt hat. In Beantwortung der Frage, was nun werden solle, betonte der Redner u. a.. daß der Fort» bestand der europäischen Kultur von dem Fortbestehen und der Wohlfahrt des deutschen Volkes abbänge. Diese Laifache würden auch unsere Gegner nicht unbeachtet lassen. Der Vertrag von Ver- saiiles und das Dawrsgatachten mühten verschwinden. wir mühten wieder ein freies Volk werden, alle mühten am Wiederaufbau der Wirtschaft Mitarbeiten, jedoch sei dieser Wiederaufbau undenkbar ohne den Wiederaufbau der Macht. Dazu mitzuhelfen sei Hauptaufgabe der vaterländischen Verbände. Der zweite Redner. Graf Georg Friedrich zu Svlms-Laubach. hob hervor, die vaterländischen Verbände seien Träger der deutschen Freiheitsbewegung. Dieser Wille zur Freiheit werde und müsse sich durchsetzen. Es gelte, dem Geist der Väter zu folgen und den bisherigen Weg weiter zu gehen. Aushalten und vorwärts! Dann werde der heutige Tag von wirklichem Werte für die vaterländischen Verbände sein. Anschliehend nahm Oberst a. D. Kleinhans - Giehen die Preisverteilung vor. Es erhielten: Für Marschleistungen: 1. Ehrenpreise: Klasse 1 Mainzlar-Allen- dors. Klasse 2 Iungdo Wetzlar. Klasse 3 Groh- selda. 2. - Anerkennungspreise: Klasse 1 Wicking Braunfels. Klasse 2 Wicking Offenbach a. M., Klasse 3 Stahlhelm Lauter, Stahlhelm undIungdo Giehen. Annerod, Ruppertsburg und Lumda. Kleinkalibcr-Schiehen: Ehrendreise: Klasse 1 Oberbreitenbach, Klasse 2 Iungschützen- bund Giehen, Klasse 3 Schiehverein Lich. —.— Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband hielt am Donnerstagabend im Kaufmännischen DereinShaus eine öffentliche Versammlung ab. Zunächst sprach der Kreisgeschäftsführer R o t h a a r - Wiesbaden über das Thema „Unsere Forderungen an Staat und Wirtschaft". Der Redner erklärte u. a.: „Es ist unbedingt notwendig, daß die Reichsversicherung für Angestellte und die Krankenkassen derart ausgebaut werden, daß jeder Angestellte auch im Alter versorgt ist. Denn unter den heutigen Verhältnissen ist es unmöglich. dah der kaufmännische Angestellte für seinen Lebensabend Ersparnisse Aurücklegen kann. Eine Hauptschwierigkeit ist. daß die meisten Arbeitgeber den Tarifvertrag nicht mehr anerkennen, sondern nur noch nach Leistungen bezahlen wollen. Der Verband muh alles aufbieten, um die Gefahr, die dem Achtstundentag droht, zu beseitigen: ebenso verhält es sich mit den Angriffen gegen die Sonntagsruhe. Die Gewinnbeteiligung an dem Umsatz des Geschäftes ist anzustreben, denn nur dann hat der Angestellte und Arbeiter ein Interesse am Aufblühen des Llnternehmens. Staat und Wirtschaft sind verpflichtet, jÄ>en Angestellten und Arbeiter so zu bezahlen, dah er außer einer angemessenen Lebenshaltung in der Lage ist, sich I ein eigenes Heim zu gründen, in dem er sich nach anstrengender Arbeit wohlfühlen kann. Sehr I wichtig ist die Frage des Rachwuchses. Rur Personen mit Eignung und Interesse am Kaufmannsstand sollen sich ihm widmen. Lehrlinge sollen nicht zu den gewöhnlichen Arbeiten eines Haus-- burschen benutzt, sondern müssen intensiv in dem Kaufmannsberuf ausgebildet werden. Rach dreijähriger Lehrzeit ist von dem Lehrling eine Prüfung abzulegen. Alle jungen Leute sind zu warnen, sich dem kaufmännischen Beruf zu widmen, da die Aussichten sehr trübe fi nb.“— W arum warnenwir vordem Eintritt in die Bank lehre?" war das Thema, über das Kreisgeschäftsführer Schultz- Giehen sprach. Er sagte u. a.: „Seit der Stabilisierung der Mark ist der gröhte Teil der Bankangestellten ab- aebaut oder kurzerhand entlassen worden, und über den Häuptern vieler hängt auch heute noch das Damoklesschwert des Abbaus. Durch billige weibliche Angestellte und Lehrlinge suchen die Banken ihren Betrieb weiterzuführen. Da die Aussichten im Dankfach als sehr schlecht bezeichnet werden müssen, so sind alte Eltern zu warnen, ihre Kinder bei den Banken in die Lehre zu tun. Industrie und Wirtschaft werden nicht in der Laae sein,' die aus der Lehre entlassenen Bankangestellten unterzubringen." An die Vorträge schloß sich ein« rege Aussprache an. in der noch manche Frage, die die Röte und Wünsche der kaufmännischen Angestellten betrifft, zur Erörterung kam. ** ,Die fremdenfeindliche Bewegung in China unddieMission“. Heber dieses Thema sprach am Freitagabend in der Stadtkirche der MissionSdirektor Dipp er aus Basel vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft. In überaus fesselnden Ausführungen gab der Vortragende Einblicke in die dortigen Verhältnisse. Zunächst schilderte er mit groher Sachkenntnis die Chinesenunruhen seit dem Mai d. I. Sodann wies er hin auf die vielfachen Knebelungen des chinesischen Volkes durch die ausländischen Mächte in den früheren Iahrzehnten. schließlich erörterte er die Einflüsse Ruhlands auf China in der jüngsten Zeit. Hierzu sagte der Vortragende u. a.: „Der Bolschewismus hat es ganz besonders auf China abgesehen, denn ein Volk von über 400 Millionen bedeutet ein Viertel der ganzen Menschheit. Ströme von russischem Gold ergießen sich über China. Die Studentenklubs und Arbeiterorganisationen sind in Moskau an- 'eschlossen. Von dort aus arbeitet man klug, ent- schlossen und zielbewuht: hinter den demonstrierenden chinesischen Studenten stehen die Drahtlicher aus Moskau." Schweres Kopfzerbrechen 'erursachen die Ereignisse int fernen Osten den Diplomaten der Großmächte. Eine Strafexpedition tausgeschlossen und von vornherein zuntScheitrcn verurteilt. Ob eine Verständigung möglich ist? Aber auch gegen die Mission wendet sich die üemdrnfeindliche Bewegung mit scharfer Spitze. Seit 1922 ist vor allem unter den Studenten eine qegenchristliche Bewegung im Gange, die durch -i>ie letzten Vorgänge neue Rahrung empfangen. Bei den Demonstrationsumzügen wurde nicht nur ein Plakat mit dem Bilde eines Hindu und der Schrift getragen: „Dieser Mann hat kein Vaterland: die Engländer haben es ihm geraubt. Erhebt Luch und verteidigt euer Land gegen ein gleiches Schicksal!". sondern auch andere Plakate: eine mit einem Schwert durchbohrte Bibel oder ein mit Aexten zerhacktes Kreuz darstellend. Kein Wunder. wenn die Bewegung von Moskau aus ihre Rahrung erhält, denn der Bolschewismus sieht in Christus seinen Hauptgegner, dem er nicht gewachsen ist. Auch die chinesischen Christen kommen in sehr schwierige Lagen. In einem Flugblatt, I das auf unserer Station Kahin verbreitet wurde, werden sie als Vaterlands Verräter gebranbmarft Dor allem wendet sich der Groll der Chinesen gegen englische und amerikanische Missionen. Diese haben denn auch bereits alle das Inland der Kantonprovinz verlassen, während unsere unsere deutschen Missionare bis jetzt noch bleiben konnten. Üleberaus lehrreich ist folgende Episode: Ein deutscher Missionar sieht auf einem Flußboot die schwarzweihrote Fahne: erfreut rudert er hin und hofft einen Landsmann begrüßen zu können: statt dessen findet er einen französischen Pater, der sich unter der deutschen Flagge am besten geborgen wußte. Die Chinesen wissen genau zu unterscheiden zwischen deutschen und anderen Missionaren. Ausdrücklich heißt es in einer Veröffentlichung: „Die deutschen Missionare haben uns nur Gutes erwiesen und sich nie mit Politik besaht." Don ungeheurer Bedeutung ist es, welcher Geist in China siegt, ob der Geist der europäischen Ausbeutungssucht oder auch der Bolschewismus, welche beide derselben Wurzel, dem krassen Egoismus, entsprossen, oder ob der Geist der selbstver leugnen den Liede Christi die Herrschaft erlangt. Dafür arbeitet die deutsche Mission. Darum ist es unsere heilige Pflicht, sie mit allen Kräften zu unterstützen." Pfarrer Mahr handelte im Sinne der groben Versammlung, als er dem Vortragenden in deren "21 amen Worte herzlichsten Dankes widmete. —.— Werbevortrag des Deutschen Kanuverbandes. Am Samstagabend fand in dem Vortragssaal der Buchhandlung Keißner ein gut besuchter Werbevortrag des Deutschen Kanuverbandes- Oberrhein- und Mainkreis, statt. Für die Veranstaltung hatte man den bekannten KanufporLsmann Fritz Saurmann (Mainz) als Hauptredner gewonnen. Zu Beginn des Abends schilderte Kreispressewart Brand die trostlose Lage des hiesigen Kanuklubs, der nach dem Kriege gegründet wurde, aber zur Zeit wieder am Ausgangspunkt angelangt sei. so daß dieser Abend der Reugründung eines Gießener Kanuklubs den Boden bereiten helfen müsse. Redner streifte die Anschaffung des Bootes für den einzelnen und sagte, daß die finanziellen Schwierigkeiten keinen Hinderungsgrund bar- stellen würden. Wie der Skiläpser nicht aus die Berge steige, um Höchstleistungen zu erreichen, sondern das Wahre und Große, das Mächtige und Ewige der Ratur zu bewundern, so sei auch das Ziel sämtlicher kanusportlichen Wanderfahrten, die Schönheit der Ratur und das Verwachsensein des Menschen mit ihr erkennen zu lassen. Ganz besonders diene der Kanusport der körperlichen Ertüchtigung der beiden Geschlechter. Bei dem Betreiben des Kanusports werde nämlich der Unterkörper nur indirekt angestrengt, während der Oberkörper (Herz und Lunge) um so mehr direkt leisten mühten. Hierauf sprach Saurmann (Mainz). Er gab einen Vertikalschnitt durch die technisch-historische Bedeutung des Kanus. Ausgehend von der Erklärung der verschiedenen Begriffe und Typen, zeigte er mit Hilfe eines Lichtbildapparates die eigene bzw. gemeinschaftliche Herstellung eines Bootes, anschließend im Bild eine Wanderfahrt auf dem Altrhein. Herrliche Landschaftsbilder und interessante Aufnahmen aus dem echten Leben und Treiben der Kanuergemeinschaft zeigten den Anwesenden die Bedeutung und den hohen Wert des Kanusports. Die Versammlung dankte mit lebhaftem Beifall. Zum Schluß gab Kreispresse- toart Brand bekannt, daß in diesen Tagen eine Gründungsversammlung des Kanuklubs ftattfin- den soll. Bornotizcn. — Lageskalender für Dienstag. Stadttheater: 7*'2 Uhr „Ein Spiel von Tod und Liebe" (Ende gegen 91 /2 Uhr). -- Deutsche Dau- und Siedlungsgemeinschaft: 8 Uhr „Postkeller" Mitgliederversammlung. — Astoria-Lichtspiele. „Treue um Treue". • — Gesellschaft Liebig-Museum. Die Iahresfeier 1925 findet am 31. Oktober mit zwei öffentlichen Vorträgen statt. Räheres in der heutigen Anzeige. Die Frankfurter Kochkunstausstellung. Kochkunst, Hotel und Gastwirtsgewerbe, — das sind die drei Grundbegrüffe einer Ausstellung, die als erste ihrer Art in Deutschland nach dem Kriege unter starker persönlicher Beteiligung gastronomischer Kapazitäten deS In- und AuSlmrdes in der Festhalle und dem Hause der Moden in Franfurt a. M. abgehalten wird. Die kulturelle und verkehrspolitische Bedeutung derartiger Ausstellungen steht heute weniger denn je auher Zweifel: man darf nicht an epikureische Schwelgerei denken, denen die Küchen- kunst hier dient, es sind ernste soziale Dinge, um die es sich dreht und die zur Genüge gewürdigt werden durch die Anwesenheit so ziemlich der sämtlichen Spitzen bet deutschen und ausländischen Hotel-, Gastwirt- und Küchenernäh-- rungsgewerblichen Organisationen und Autoritäten. Der Doyen der europäischen Küchenkunst, der greife Escofier ist von Montecarlo nach Frankfurt gekommen, in Extrazügen find die Strategen der Küche und Hotelleitungen aus der Schweiz gekommen, aus Skandinavien. Arne- rika, Frankreich, Belgien und anderen Ländern sind Ramen von Klang und Bedeutung in der Fachwelt in Frankfurt versammelt. Die letzte Ausstellung fand 1911 statt, veranstaltet von dem Internationalen Verband der Köche, dem Gastwirteverein Frankfurt und dem Verein Frankfurter Hotels, die im Iahre 1915 eine neue Ausstellung folgen lassen wollten, die sich aber erst jetzt, nach 14 Iahren. verwirklicht. Die Frage, ob es in den hinter uns liegenden Iahren eine Fortentwicklung in der gastronomischen Kunst gegeben, wurde von den Veranstaltern bejaht, und so entstand ein Unternehmen, das in der Tat als ein zeitgeschichtliches Kulturdokument von allerdings rascher Vergänglichkeit bezeichnet werden kann. Die Beteiligung ist überraschend stark. In fünf Abteilungen gliedert sich unter Entfaltung eines ungemein geschmackvollen Dekoratronsaufwandes eine von 400 Objekten bestrittene Schau der gastronomischen Platten, dann kommen Rahrungs- ,und Genuhmittcl aller Art. das ganze Sr- nährungsgewerbe umfassend, Maschinen und Einrichtungen, darunter große technische Spezialbetriebe, Bäckereien, Küchen u. dgl. Es folgen Fachliteratur und Lehrmittel, und schließlich werden in zahlreichen Kiosken, Pavillons und Aufbauten Getränke aller Art geboten. Das ganze Arrangement macht einen ungewöhnlich großzügigen und modernen Eindruck, von besonderem Reiz sind die Demonstrationen der großen Hotels und Gaststätten, die in teilweise kunstgewerblich hochwertigen Milieus, in Verbindung mit gepflegtester Raumkunst und alten Kunstwerken ihre Küchenkunst vorführen. Die Frankfurter Schulkinderspeisung befindet sich ebenfalls unter den Ausstellern, sehr interessant ist eine Schau über das Gebäck des Auslandes. Während der Ausstellung finden Spezialkonkurrenzen und verschiedene deutsche und internationale Kongresse statt. L. W. Zürnen, Sport und Spiel. Eine Werbeveranstaltung der Freien Turner Wiesecks. £ Am Samstagabend fand im überfüllten Braunschcn Saale eine wohlgelungene Deranstal- tung der Freien Turnerschaft Wieseck statt. In flotter Folge wickelte sich das vorzüglich aufgebaute Programm ab, das wirklich keine Langeweile aufkommen ließ. Neben dem Geräteturnen wurden neuere Arten von Freiübungen, rhythmische und gymnastische Uebungen gezeigt, die sämtlich den lebhaftesten Beifall fanden. In der Natur der vache liegt es, daß die Volkstänze mit ihren neckischen Liedern, die von den Schülerinnen gezeigt wurden, besonders gut gefielen. In die Leistungen des Abends teilten sich alle Abteilungen des Vereins: Schüler und Schülerinnen, Turnerinnen, Jugendliche, Aktive und Altersriege. Der Gesangverein „S ä n g e r k r a n z" trug mit seinen Herr, lichen Licbervorträaen wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Das mit Orchesterbegleitung gesungene Lieder „Mer sitzen unterm Aeppelbaum" der Sänger und das von der „Spinnerin" der Sängerinnen mußten wiederholt werden. Besonders lebhaften Beifall fanden die wuchtigen gemischten Chöre von 120 Sängern. Eine markige Ansprache des Vorsitzenden Karl Schäfer erläuterte die Ziele des Arbeiterturnerbundes einerseits und den Zweck der Leibesübungen überhaupt. Den Beschluß bildete die Preisoerteilung von dem kürzlich stattgefundenen Ab turn en. An diesem hatten sich 65 Vereinsangehörige beteiligt. Bei den Aktiven und Jugendlichen wurden nur die erzielten Resultate verlesen, während den Schülern und den Schülerinnen nach wie vor die Freude gemacht wird, einen „Preis" mit nach Hause zu nehmen. Die ersten Sieger der letzteren beiden Abteilungen sind: Schülerinnen: 1. Hilde Bremer 150 P., 2. Erna Seibert 123 P., 3. Lina Schäfer 121 P„ 4. Lina Bötz 115 P., 5. Ottilie Werner 102 P., Turnerinnen: 1. Klara Bremer 133 P., 2. Thekla Körber 125 P., 3. Anna Wagenbach 120$ P„ 4. (Emma Schäfer 119 P., 5. Emma Schnabel 1184 P. Schüler, Oberstufe: 1. Ernst Schöffmann 172 P., 2. Hugo Kreiling 159 P., 3. Willi Seibert 151 P., 4. Karl Hofmann 138 P., Heinrich Schnabel 137* P. Schüler, Unterstufe: 1. Otto Weller 1571 P., 2. Willi Benner 152 P., 3. Adolf Abel 147* P., 4. Karl Weller 131* P., 5. Adolf Volzel 128* P. Der erste Sieger der Aktiven im volkstümlichen Sechskampf ist Otto Spuck mit 63 i P., im gleichen Wettkampf der Jugendlichen stehen an erster Stelle Ludwig Kreiling mit 103$ P. und Rudolf Oßwald mit 100 Punkten. Allseitig begrüßt wurde die Aufforderung der Vereinsleitung, nach Beendigung des turnerischen Teils (es war trotz schnellster Folge 11 Uhr geworden), alle schulpflichtigen Kinder nach Hause zu bringen. Wird künftig immer so verfahren, sind diese Abende auch für unsere Kinder ein Gewinn. Kirche und Schule. I Watzenborn-Steinberg, 26. Ott. Gestern feierten unsere Kirchspielgemeinden ihr diesjähriges Erntedankfest. Sowohl hier wie auch in G a r b e n t e i ch waren die Gottesdienste sehr stark besucht. In der Muttergemeinde Watzenborn-Steinberg zogen die Konfirmanden, die am selben Sonntag in den Konfirmandenunterricht ausgenommen wurden, in feierlichem Zuge, jedes (Erntegaben tragend, zur Kirche. Nach feierlichem Orgelspiel legten sie mit passenden Schriftworten und Liedversen ihre Gaben am Altar nieder. Ergreifend erklang nach der Predigt über Luk. 12, 15—21 das von den Gemeinden unter Glockengeläute stehend gesungene „Nun danket alle Gott". Am Schlüsse des Gottesdienstes fand eine schlichte Feier zur (Eröffnung des Konfirmandenunterrichts statt. Die Zahl der zum Kon- finnanbenunterridjt Angemeldeten beträgt für Watzenborn-Steinberg 55, für Garbenteich 23. Kleine Straffammer Gießen. " Gießen, 23. Oktober. Der Ingenieur Viktor Gr. in Fri edberg hatte mehrere Schuhpolizeibeamte schwer beleidigt durch Ausdrücke. wie „rote Hunde". „Bluthunde" u. dgl., und war daher vom Amtsgericht zu 16 0 M k. Geldstrafe verurtellt worden. Er berief sich in der heutigen Hauptverhandlung darauf, daß er einen Sprachfehler habe und deshalb von den Polizeibeamten gar nicht habe verstanden werden können. Deren eidliche Bekundungen waren jedoch so bestimmt, dah an seiner Schuld nicht gezweifelt werden formte. Seine Berufung wurde daher verworfen. Der Viehhändler Salomon St. von Büdingen war vom Amtsgericht zu 30 Mart Geldstrafe verurteilt toorben, weil er eine quarantänepflichtige Kuh zu einem gesunden Rind In den Stall gestellt hatte. Er stellte heute ganz neue Behauptungen auf, die eine Vertagung der Sache notwendig machten. Eine umfangreiche Beweisaufnahme erfolgte in der Strafsache gegen den Agenten Adolf R., früher in Dad-Rauheim, jetzt in Rieder- Weisel wegen Betrugs und Preiswuchers. Er hatte seiner Zeit für eine Gießener Firma an zwei Rauheimer Geschäftsleute Comed Beef für 150 Billionen Mark pro Kiste verkauft, die im Einkauf etwa 50 bis 60 Billionen kostete. Dabei hatte et einen Bäckermeister in Bad-Rauheim veranlaßt, ihm außer der Zahlung der Ware noch einen Scheck und Wechsel über 600 und 1000 Billionen auf seinen Ramen auszustellen unter der Angabe, so hoch sei der Diskont für den ausgestellten Wechsel, er werde auch diesen Betrag an seine Gießener Firma abführen. In Wirklichkeit behielt er ihn für sich, der Diskont war bereits in den Kaufpreis der Ware eingerechnet. Das Gericht erster Instanz erblickte in biciem Verhalten Betrug und Preiswucher und verurteilte R. zu 5 Wochen Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. Seine Berufung hatte insofern Erfolg, als die Tatbestandsmerkmale des Betrugs von der Strafkammer nidjt fest gestellt werden konnten. Soweit Verurteilung wegen Preiswuchers erfolgt war, erfolgte Ttertpcrfung der Berufung, die Strafe erster Instanz wurde jedoch herabgesetzt. Endergebnis: 4 Wochen Ge- sä ngniS. 500 Mark Geldstrase. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 22. Okt. Zwei Nachbarn R. und St. in A l l e n b o r f a. b. Lba. sind wegen eines zwischen ihren Hofreiten befinblidjen Winkels seit längerer Zeit streitig. Im Juli brang infolge eines heftigen Regens bas Wasser in bie beiberseitigen Keller. Damit bas Wasser besser ablaufen könne, verföchte der Enkel bes R., den Winkel etwas auf« zuraumen, ließ jeboch auf bas Dazwischentreten des St. baoon ab. Als bann ber alte R. bieselde Arbeit fortzusetzen suchte, kam es zwischen ihm und St., ber bies nicht zu lassen wollte, zu einem Wort' wechsel, in besten Verlauf St. ben R. durch Schimpfworte beleibigt unb schließlich auch burch Stoßen mit beiden Fäusten im Gesicht verletzt haben soll. St. erhob deshalb Privatklage gegen St., ber mit einer WiberNage antwortete. Nachbem bie beider seifigen Angehörigen vernommen worben waren, kam es unter ben Parteien zu einem Vergleich. Darnach wurden die zwischen ben Parteien unb ihren Angehörigen gefallenen Beleibigungen bei- berscits mit Bebauern zurückgenvmmen. St. verpflichtete sich, ben Winkel auf seine Kosten burch einen Mauermeister in Allenborf a. b. Lba. ordnungsmäßig zementieren zu lassen unb bie Kosten des Verfahrens einschließlich eines Teils des Sonderhonorars des Anwalts des R. zu zahlen, während ber andere Teil von R. selbst übernommen wurde. Ein junger Bankbeamter hat seinen Hausherrn wegen Beleidigung uyd Hausfriedensbruchs verklagt. Dieser soll sich trotz wiederholter Aufforderungen nicht aus der Küche des Mieters entfernt und besten Ehefrau mit den Fäusten auf Kopf und Nase geschlagen haben. Nur infolge des Dazwischentretens dritter Personen sei er verhindert worden, die Frau auch noch mit einem Strick zu schlagen. Die Beweisaufnahme gestaltete sich infolge der Vernehmung unbeteiligter Zeugen sehr zugunsten des Hausherrn, so daß es der Bankbeamte schließlich vorzog, seine P r i v a t f l a g c zurückzunehmen. Die Folge hiervon ist, daß er auch die Kosten des Verfahrens zu tragen hat. Er ist inzwischen in eine andere Wohnung umgezogen. Amtsgericht Wetzlar. ß Wetzlar, 24. Oft. Der Händler Christian M. aus Wetzlar unb die Händlerin Anna T. aus Gießen hatten sich wegen ilcbei - tretung des Wandergrwrrbesteuergesetzes zu verantworten. Ersterer hatte ben Handel mit Ferlcln im älmherziehen ausgeübt, ohne den erforderlichen Wandergetoerbeschein zu besitzen, während letztere die Auftraggeberin des M. war. Dieser- halb waren beide Angeklagte durch gerichtlichen Strafbefehl mit je 80 Mark bestraft worden. Hiergegen erhoben sie Einspruch. Während M. bestreitet, gehandelt zu haben, behauptet die T., der Meinung gewesen zu fein., M. besitze einen Wandergewerbeschein. Die Schweine hätten ihr gehört, doch hätte M. für sich verkauft. Das Gericht erkannte auf die ursprünglich festgesetzten Geldstrafen, hilfsweise 16 Tage Haft unter solidarischer Mithaftung beider Angeklagten für Geldstrafe, Kosten und entzogene Steuer. — Die Ehefrau Heinrich R. von Riederkleen, die wegen Milchverfälfchung unter Anklage war. wurde freigesprochen. — Wegen Betrugs hatte der Landwirt Wilhelm F. aus Rieder- L e m p durch Strafbefehl des Amtsgerichts Wetzlar 100 Mark Geldstrafe zudiktiert erhalten, wogegen er Einspruch erhob. Wie die Verhandlung ergab, war der Angeklagte im Iuni als Zeuge in einem Hauptverhandlungstermin vor dem Iu- gendgericht Wetzlar vernommen worden. Gelegentlich der Anweisung der Zeugengebühren machte er dem anweisenden Beamten unwahre Angaben, so daß er mehr erhielt, als ihm eigentlich zustand. Er gab damals an, er fei Landwirt, und verlangte für Zeitverfäumnis 8 Mark, worauf ihm auch der Höchstbetrag mit 7,50 Mark zugebilligt wurde, was nicht geschehei, wäre, wenn er sich als im Betriebe seines Vaters tätig bezeichnet hätte. Auch heute behauptete ber Angeklagte, damals einen Verlust von 8 Mark gehabt zu haben. Das Gericht sah den Angeklagten, der schon wegen ähnlicher Delikte vorbestraft ist, als des Betrugs überführt an und erkannte auf 100 Mark Geldstrafe, hilfs- weise 20 Tage Gefängnis, und Auferlegung der Kosten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsc!::tachtcn sind ohne Verbindlichkeit der Redaktion.) K. D. Es kommt darauf an, ob Sie dem Agenten gegenüber eine schriftliche Erklärung abgegeben haben (Unterschrift genügt). Ist daS nicht ber Fall unb behaupten Sie, vom Agenten arglistig hinsichtlich ber Prämienhöhe getäuscht toorben zu sein, so kann, sofern sie das beweisen könnensder Agent wird seitens der Gesellschaft benannt werden und voraussichtlich für Sie ungünstig aussa gen!), eine Klage für Sie nicht ungünstig ausgehen. %C*bruic50'5 GjLCCtuS • Gießen, den 25. Oktober 1925. 9979D Die Beerdigung findet in Wetzlar in aller Stille statt. nur Gießen, Seltersweg 57 III. '«SD Kassentage in Lieh (Hessen), Braugasse 9 Stellengesuche %>aä dankbare Seifenpuiver des Friedhofs aus statt. 99971) gut 9999c tag ein Ästorla-Llchtspiele 9983c. dort. Tel.24vauchnachtZ A Die Beerdigung findet Mittwoch, den 28. Oktober, nachm. 2Vs Uhr, vom Trauerhause Gießener Str. 61 aus statt. Dazu bietet Dir zu günstigen Bedingungen Gelegenheit Friedericke Wahl geb. Gossi Med.-Rat Dr. Schäfer Auguste Schäfer geb. Wahl Pfarrer Wilh. Wahl Gustel Wahl geb. Weiß Johanna Wahl Ludwig Wahl Elisabeth Wahl geb. Chelius. 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Gott der Herr rief heute meinen lieben Mann, unseren lieben Vater und Großvater, den Kirchenrat und Dekan a. D. im 73. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen: Bernh. Hermanni, Major d. L. a. D. Beienheim, Butzbach, Gimbsheim, Friedberg, den 26. Oktober 1925. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 29. Okt„ nachmittags 21/, Uhr, in Friedberg von der Kapelle L Nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden entschlief Sonntag abend 10 Uhr in der Klinik zu Gießen unser lieber Sohn und Bruder Heinrich Platt, Buchdrucker nach vollendetem 22. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Oberpostschaffner Konrad Platt und alle Angehörige. Stadttheater Mittwoch, Z.Mlw0ly-MU.-vlst. von7'/,b. nach 10Uhr Ms MentzMn Schauspiel in drei Aufzügen von Halbe, eeeeeeeeeeee /ßec kLeine. Coco *odec ff Memm zugelaufen. 9995D Emil Otto, IBahnhofstraste 49. Z 2. Nov. \ /'Beginn neuer Kurse 'N Vogtsche \Handel88chule Gießen/ \ Goethestraße 32 J X 99561 y Wo? häuft man Musikinstrumente nebst Zubehör Bezirkssparkasse Gießen in Gießen, Johannesstraße 9 D. theol. Wilhelm Wahl im 78. Lebensjahr durch einen sanften Tod zu sich in sein himmlisches Reich. Rodheim a. d. Bieber, den 26. Oktober 1925. 08692 VolfciiocHiile. Morgen Mittwoch. 28., Beginn der Kurse: Die Religion der Mimen, Prof. Schmidt Veetüooen, Studicnral Kraust Sllmlsbllrgerrvnoe. flies. Holtzmann GyiNNlM iFrauew, Vorbesprechung Frau Werner. Oberrealschnle, 8 llbr. Anmeldung Heute früh entschlief sanft meine geliebte treue Frau, unsere liebe gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Hermine Hermanni geb. Furthmann Cafe Amend Morgen abend 8 Uhr: 5. Sonder-Konzert mit verstärkter Hauskapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn CLAUS MAY NB. Sonder-Konzerte finden jeden Mittwoch statt 9771c nachmittags 2 älhr versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: I. 3 Schreibtische, 4 Kassenschränke, 4 Bücherschränke, 1 Schreibmaschine, 1 Ladenkaffe, 2 Büfetts, 4 Stühle, 2 Sofas, 2 Bertikos, 2 Tische, 2 Nähmaschinen, 1 Waschkommode, eine Standuhr, l Kredenz, 1 Chaiselongue, 1 Partie Kinderspielsachen, 14 Stufenleiter. II. An Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal): 2 Eismaschinen, 1 Stanzschneid, maschine, 1 komplette Esse mit Gebläse. 9998D Vogel, stellv. Gerichtsvollzieher. Xitr heute und morgen: Treue iimTreue Eine Geschichte von Menschen und Hunden in 6 Akten. Ferner: 9994c „Er“ in zwei tollen Mesta Heute morgen 9 Uhr verschied nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsre gute Mutter, Großmutter Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Fanny Kahn geb. Und Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Markus Kahn. M!» Mittwoch früh 9 Uhr: W Pa.grostc Schellfische ubitcSloVi ff. Cabliau o. K Psd. 45/50 <) W Seelachs o. Kopf Pfd. 35 40 W Portions-Schellfische Pfd. 30 ) tÄ Grüne Heringe . .Pfd. 30 ) M Goldbarsch Pfd. 40 4 ^WÄ.sMM Lj* Bahnhositraste 27. w,c Dunkelgr-, kräftiger Deutscher Schäferhund entlaufen, trägt Stachelhalsband. Geg. Belohn, abzug. Frankfurt. Str. 2S Mittelbau. 08701 (Nroster Wolfshund zugelauicn.Besitzer melde sich ^rank furt. Str. 13II. 0868» Schwarze C8W WM mitJnbalt verloren. Abzugeben geg. Be- lohnungausd.Fund- burcau der Polizei. | Vermietungen] 3-Kimmer- Wohnung iAeubau) b. 1200 Mk. Mietvorauszahlung ioiort zu verinielen. Nah. b.QttoSchcel, Miihlslr. 24. n.7M Bureau mit sr. Raum zuvermieten. Schr. Angeb. unter 08696 n. d. tatest. Anz. [Stelienangebotel Zwei jungen Damen auö guter Familie ist Gelegenheit geboten, sich in chem. Untersuchungsan- statt als Laborantinnen auszubtlden. Schriftl. Betverbungen unter 9982V an den Gtest. Anz. 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Doch noch in weiterem Sinne wird er Vermittler: dir Nähe der großen europäischen Kunstmetropole, Paris, in der gerade damals der Impressionismus sich zu seinem Siegeszuge durch die Kulturstaaten rüstete, begann ihn wohltätig zu beeindrucken, wie denn anderseits die holländischen Reisen gleichfalls nicht ohne nachhaltigen Einfluß auf den Künstler blieben. Auch die Auswahl des Stoffes traf er nach neuen, damals modernen Gesichtspunkten. Don der sozialen Strömung der Zeit genährt, belebte seine künstlerischr Phantasie die Landschaft mit Staffage von Dauern und Arbeitern, die nicht in koketter Spielerei, sondern in strenger Arbeit mit Sachlichkeit und Ernst in das Bild gestellt wurden. Sie waren weder ^Motiv" noch Staffage", sondern untrennbares Glied der Landschaft. In Karlsruhe war es auch, wo Kallmorgen der Blick für die Straße aufging, und seit jener Zeit finden wir ihn überall mit Strahenbildern beschäftigt: die engen Gassen der Hafenstadt, d e barocken Silhouetten Dresdener Häuser, im Licht der Sonne oder dem Spiegelglanz der Regennässe. 1899 gab er ein Buch heraus: „Ins Land der Mitternachtssonne", das wichtig geworden ist für Karlsruhe als Ausgangspunkt einer Umwälzung des damaligen Steindruckverfahrens. Er, ter für seine Skizzen und Studien weit lieber mit dem korrekten Bleistift als mit Kohle und Kreide zeichnete, er als Mitglied der Karlsruher Materschule, die an sich dazu neigte, die Landschaft mit schlichten, einfachen Strichen zu bändigen, er war auch der geeignete Mann für die im Löwen! ienschranlc, ibmaichM, 4 StW, che,2Aäh- imobe. eme 1 6W Ipieljachen. Bekanntgabe gslolal': io*®»; ffflc Wil $ 99980 Ausstellungsbesucher, Kunstfreunde. Käufer und Sammler allzusehr in ihren Bann zieht und der lebendigen Malerei der Gegenwart abspenstig zu machen droht." Damals. 1910, war das alles noch lebendige, kämpfende Gegenwart. Heute, nach 15 Jahren, sind über jene Schlachten die Akten geschlossen und mit neuen Fahnen steht eine andere Generation auf neuem, damals noch verschlossenem Land. Aber die Situation im Verhältnis von „Akademie" und „Sezession" ist die gleiche. Rückschauend erblicken wir jene Epoche bereits weit außerhalb des heute umstrittenen Schlachtfeldes. und wir vermögen sie in ihrer historischen Entwicklung fine ira et studio mit jener Objektivität zu betrachten, deren Voraussetzung innere Llnberührthcit und geruhige Sicherheit sind. Wir nennen es Sachlichkeit. Friedrich Kallmorgen wurde am 15. November 1856 in Altona geboren. Durch seinen Vater, dessen Wunsch es war, daß der Sohn gleich wie er Baumeister werden sollte, zu Papier und Stift gedrängt, sand er bald selbst die Farbe dazu, und unter dem Einfluß seines Onkels, des Landschaftsmalers Küchel. fant_ es ihm 8um Bewußtsein, daß er Maler werden müsse. Auf ter Altonaer Kunstgewerbeschule und später auf der Düsseldorfer Akademie begann er seine ernste Arbeit, die er als 21jähriger noch Karlsruhe verlegte. Der begeisterte Verehrer von Natur und Landschaft, dem in der lebendigen Hamburger Hafen- und Wasserwelt das Sitzen in dem geschlossenen Zeichensaal nur sehr wenig gefallen hatte, fand jetzt in dem froheren Süden Land und Leute, die seiner Künstlernatur weit mehr zusagten, a^s in dem konventionell steifem Norden. Bei Gude fand er mit vielen andern begabten jungen Kräften eine gründlich? handwerkliche Zucht. Sehr bald auch erkannte er in Margaret? Hormuth. einer begabten Schülerin Ferd. Kellers, die Frau, die ihm durchs Leben folgen sollte. Nach Erledigung seiner Militärpflicht ging er 1880 nach Berlin, kehrte jedoch M ssgS tend end 8 Uhr; •-Konzert pelle, unter Leitung des rrn CLAUS MAY den jeden Mittwoch statt sparen! : Du damit beginnen und idei,regelmäßiges Sparen Dillkreis. bl. Nieder-Roßbach, 26. Oft. Am Samstag wurde hier in feierlicher Weise das neue Sch ulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Das Schulhaus hat Raum für 80 Kinder. bl. Medenbach, 26. Okt. Die Basalt« b r ü ch e unserer Gemarkung haben den Betrieb größtenteils wieder eingestellt. Es handelt sich hierbei um Betriebe, die im Frühjahr neu erschlossen wurden. Ebenso verhält es sich mit der Kalkst e i n i n ö u ft r i e , die im Rückgang begriffen ist. bl. Eibelshausen, 26. Okt. Der hiesige Turnverein erbaut eine neue Turnhalle. Eine Lotterie brachte den größten Teil des Geldes auf, dazu konnte das Gelände äußerst preiswert erstanden werden. Im Frühjahr nächsten Jahres soll die Halle fertiggestellt sein. fgett: tut che»"Dd “* lOic D» insa .lsschu,e zelmann tghnhoh1'-60 flirmH t Kar$‘ veniberJ pari- *L Oktober) mahnen die n aller Länder "glich zur Sparsamkeit h viel welchen Berufsund m sparen, wenn er vor- MrhB «SS* littellNHL—SS ---(Wr < Wolfshund bist über wenigen getreu gewesen, ich will dich über viel sehen: gehe ein zu deines Herrn, Freude." Für das Kreisschulamt Gießen sprich Professor Alles aus Gießen, für den Lehree- verein des Bezirks Lich ter Obmann Lehrer Sprenger aus Bellersheim. Eine überaus große Zahl von Kränzen wurde niedergelegt von der Gemeinte, dem Schulvorstand, dem Kirchen- Vorstand. von Vereinen, Schülern und Freunden des Entschlafenen. Seine Schulkinder sangen ihm ein Grablied und warfen ihrem geliebten Lehrer Blumen in die Gruft. Auch ter Gemischte Chor, den er gegründet und mit viel Liebe und Hingebung geleitet hat. ehrte ihn durch ein Lied. Einstimmig trat die hohe Wertschätzung und herzliche Liebe zutage, die diesem echt deutschen und christlichen Mann von allen, die ihn kannten, cntgcgengebracht wurde. Rodheim a. d. Horloff, 26. Otl. Zur bevorstehenden Gemeinderatswahl haben sich hier, wie schon jedesmal, die Wähler auf eine Einheitsliste geeinigt, indem der Bauernschaft einer, der Arbeiterschaft drei Sitze zugebilligt wurden. Die Arbeiterschaft gewinnt damit einen Ratssitz, wie das auch dem Zahlenverhältnis entspricht: denn da Bürgermeister und Beigeordneter auch zur Bauernschaft gehören, hätten die Arbeiter mit nur zwei Sitzen eine Vertretung, die ihrer Zahl — etwa J, der Wähler — nicht entspräche. Kreis Friedberg. c. Rockenberg, 26. Okt. Während zu der vorigen Gemeinderatswahl eine Einheitsliste zustande kam, sind zu der bevorstehenden Wahl sechs Wahlvorschläge eingereicht worden. Der seitherige Gemeinderat setzte sich aus 6 Landwirten, 2 Sozialdemokraten, 2 Beamten und 2 Vertretern der christlichen Gewerkschaften zusammen. Diese Verteilung entsprach allerdings nicht dem Verhältnis der Berufsgruppen und Parteien, worin auch die Ursache der getrennten Wahllisten zu erblicken ist. Wahlvorschläge haben eingereicht die Bauern, Sozialdemokraten, Christliche Arbeiter und Gewerbetreibende, zu denen diesmal zwei Beamtenlisten — evangelische und katholische — kommen. — Die sehr 'rührige Freiwillige Feuerwehr gründete im letzten Winter eine Musikkapelle. für die sie unter Beihilfe der Bevölkerung und Vereine in kurzer Zeit die notwendigen Instrumente onschasfte. Um diese noch zu vervollständigen, veranstaltete sie ein Preis schießen, das sehr gut besucht war und heute im Horstschen Saale bei Konzert der Kapelle beendet wurde. s N i e d e r - F l o r st a d t, 26. Okt. Der G e - meinde-Steinbruch ist von jeher Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen im Ge- meinderat und auch innerhalb der Gemeinde. Er wurde auch zeitweise stillgelegt und bei der: Durchführung der produktiven Erwerbslosen- fürsorge wieder in Betrieb genommen. Nachdem die Betriebsleitung geändert wurde, erhöhte sich die Leistung. Man verlegte sich auf die Produktion von Kleinpflastersteinen, nach denen bei den Straßenreparaturen große Nachfrage besteht, legte neue Geleise an und erbaute eine Halle, um den Basalt gegen den schädlichen Sonnenbrand zu schützen. Während des Sommers konnte denn auch das Material gut abgeseht werden, zeitweise überschritt sogar die Nachfrage die Produktion. Die Gemeinde selbe bezog eine große Menge verschiedenartiger Steine, die sie beim Ankauf in einem anderen Bruch ca. 4000 Mk. gekostet hätten. Die Zweifel an der Rentabilität des Bruches wollten jedoch nicht verstummen, deshalb und auch um die Produktionskosten der einzelnen Steinorten kennen zu lernen, wurde in der letzten Gemeinderats- sihung eine Kommission aus Vertretern der einzelnen Parteien bestimmt, die die Einnahmen und Ausgaben seit 1. April 1925 prüfen und zusammenstellen sollte. Diese Prüfung ergab einen Lieber schuß von etwa 7000 Mark, von denen etwa 6000 Mk. auf Vorräte entfallen. Mit dieser Feststellung dürfte ein Punkt der Wahlagitation entzogen sein. Ein großer Verkauf ist der Gemeinde inzwischen in bestimmte Aussicht gestellt, so daß die gesamte Produktion an Kleinpflaster- st e i n e n mindestens für dreiviertel Jahre schon im voraus seinen Abnehmer hat. Die Zahlung erfolgt ratenweise und wird zur Deckung der Betriebskosten verwendet werden. — Zum gestrigen Erntedankfest war die Kirche reich mit Blumen geschmückt, und die Früchte des Feldes waren auf dem Altar ausgesetzt. Der überaus reichen Ernte wurde in einer würdigen Friedrich Kallmorgen. Zur Ausstellung seiner Bilder im Turmhaus am Brand. Im Jahre 1910, als die allerersten Ansänge jener großen Umwertung erst in ganz extremen Kreisen Aufnahme und Lebensmöglichkeit fanden, schrieb Max Osborn in F. Bruckmanns Monatsheften »Die Kunst" über Friedrich Kallmorgen: „Seit Jahr und Tag erleben wir Berliner bei ten Eröffnungsreden der zwei großen Sommer- ausstellnngen ein anmutiges iunstpolitisches Geplänkel. Die Sezession ist meist die erste auf dem Plan, und als ihr „Bruder Redner" fuhrt Max Liebermann einen eleganten Angriffshieb. 'Wenige Tage später rückt dann die „Große Berliner" an, und es erfolgt der Gegenschlag, ausgeführt entweder vom Vertreter der preußischen Regierung oder vom Ausstellungsprasi- tenten. oder auch, weil doppelt besser hält, gelegentlich von beiten gemeinsam. Diesmal war das Gefecht aus der Ferne besonders reizvoll, da ter Sezessionsvater, von feinen eigenen jüngeren Knaben scharf bedrängt, mit milder Strenge Besonnenheit ter Arbeit und Solidität des Handwerks predigte, und weil der Beherrscher von Moabit sich die Krisis der radikaler, linken Fraktion zunutze machen konnte, um für feine akademische Ausstellung Propaganda zu machen. Friedrich Kallmorgen, ter in diesem (Sommer, tote schon einmal vor fünf Jahrm. am Lehrter Bahnhof das Szepter schwingt, ließ sich die günstige Gelegenheit nicht entgehen, und, mit einer diplomatischen Reverenz vor dem großen Duellgegner Liebermann, teilte er ten hypermodernen Llltras, ter übertriebenen Auslondsschwärmerei. den snobistischen Auswüchsen des Kunstmarrtes em paar derbe Schwerthiebe aus. wobei er jedoch in seiner treuherzig deutschen Ehrlichkeit nicht versäumte. auch ter modisch überspannten Begeisterung für die Kunst vergangener Jahrhunderte eins auszuwischen, die in jüngster Zeit in Berlin KSK »S Ä, hort. sS*Ä sag Feier gedacht, bei ter der Kirchenchor unter Leitung von Pfarrer Kappeher und die Oberklasse ter Volksschule, geleitet von dem Organisten Lehrer Rühl, mitwirkten. Kreis Büdingen. nb. Nidda, 25. Okt. In erhebender Weise wurde heute in der hiesigen evangelischen Kirche das Erntedankfest gefeiert. Als Einleitung sang die Mädchenvereinigung des Kirchspiels unter Leitung von Lehrer Dieter das Lied: „Wie pflügen und wir streuen". Bei dem Altardienst ließ Pfarrer Laut von einigen Konfirmandinnen aus blumengezierten Körbchen Obst und Feldfrüchte, von Knaben Aehren und Feldblumen am Altar niederlegen, der bereits mit einem prächtigen Erntekranz geschmückt war. Jedes der Kinder sagte dabei einen passenden Bibelspruch, eine Strophe eines Lob- und Dankliedcs aus dem Gesangbuch oder eine Stelle aus Luthers Erklärungen des 1. Artikels und der 4. Bitte auf. Die Festpredigt hielt Pfarrer Köhler über den Spruch aus dem 34. Psalm: „Schmecket und sehet Gottes Freundlichkeit!" Das Gotteshaus war fast überfüllt von Andächtigen. Zum Schlüsse sang nochmals die Mädchenvereinigung ein Erntedanklied. Die Kollekte zu einem Fonds für die Renovierung der Kirche ergab einen recht ansehnlichen Betrag. Auch der Nachmittagsgottesdienst, in dem Pfarrer Laut über Dank und Freude am Erntedankfest predigte, war sehr gut besucht. Oberhessen. Landkreis Gießen. '£ Wieseck, 26. Okt. Aus der letzten G e - m e i n d e r a t s s i tz u n g ist zu berichten: Die Klage der Kirchengemeinde gegen die politische Gemeinde ist in erster Instanz, vor dem Landgericht Gießen, entschieden. Es handelt sich hierbei um die Frage, wer die B a u l a st e n für die Kirche und das Pfarrhaus zu tragen hat. Im Jahre 1906 kam zwischen dem damaligen Gemeinderal und dem Kirchenoorstand unter Mitwirkung eines Vertreters des Kreisamts ein Beschluß zustande, nach dem die seither im Besitz der bürgerlichen Gemeinde sich besindenden Gebäude (Kirche und Pfarrhaus) in das Eigentum der Kirchengemeinde überschrieben wurden. Gleichzeitig wurde von den vertragschließenden Parteien vereinbart, daß mit der Ueberschreibung auch die Baulasten von der Kirchengemeinde zu tragen seien. Als nun nach Jahr und Tag dieser zweite Teil des gemeinsamen Beschlusses durchgeführt werden sollte und der Gemeinderat die weitere lieber: nähme der Baulasten auf Rechnung der bürgerlichen Gemeinde ablehnte, verfolgte der andere vertragschließende Teil, die Kirchengemeinde, richterliche Entscheidung. Das Urteil, das nunmehr gefällt wurde, und auf das wir ob feiner weit- tragendem Bedeutung noch zurückkommen, geht dahin, daß der damals (1906) gefaßte Beschluß der beiden Vertragskontrahenten ohne rechtliche Verbindlichkeit und demzufolge die bürgerliche Gemeinde auch in Zukunft zur Tragung der Baulaften verpflichtet fei. Nach eingehender Besprechung der Angelegenheit wurde vom Gemeinderat beschlossen, die Entscheidung, ob gegen das Urteil Berufung eingelegt werden soll, auf eine spätere Sitzund zu vertagen. — Wohnungs - Verhältnisse, ein stereotyper Punkt auf den Tagesordnungen fast aller Gemeinden standen auch hier wieder zur Beratung. Eine in Aussicht genommene Befchlagnahme einer Wohnung unterblieb nach einstimmigem Beschluß des Gemeinderats, da sich herausstellte, daß der fragliche Hauswirt in vollkommen korrekter Weise verfahren sei. Dieser hatte das Freiwerden einer Wohnung vier Wochen vorher der Gemeindeverwaltung angezeigt, diese aber dem Gemeinderat hiervon keine Kenntnis gegeben und auch nicht für anberroeite Vermietung gesorgt. Selbstverständlich konnte der Hauswirt die Wohnung, als sie frei wurde, leer stehen lassen und vermietete, da er seitens der Gemeindeverwaltung ohne Antwort gelaßen war, eben ohne Gemeinde. Die Finanzkommission wurde beauftragt, bis zur nächsten Sitzung eine Formel auszuarbeiten, nad) welcher die Bauherren, die gegenwärtig unter starker Mithilfe der Gemeinde Wohnhäuser errichten, gehalten werden, die Mietwohnungen nur unter Mitwirkung der Gemeinte zu vermieten. Diese Bindung erscheint natwendig, da ein- mal ein Teil der Häuser ihrer Vollendung entgegengeht, zum andern die Gemeinde die großen Aufwendungen nur machte, um die Wohnungsnot in etwas zu mildern. — Für die am 15. November stattfindende Gemeinderatswahl soll es bei der seitherigen Einteilung der Wahlkommission bleiben. — Die Straßenbeleuchtung des Weiten Wegs läßt zu wünschen übrig. Das Elektrizitätswerk soll Vorschläge über die weitere Anbringung von Straßenlampen machen. Noch trostloser sind die Straßenverhältnisse des Neuen Wegs an sich. Da jetzt die Kanalisation zur Ausschreibung gelangt ist, soll hier gleichzeitig mit Abhilfe geschaffen werden. In später Stunde schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung an. * Lollar, 26. Okt. An den drei Sonntagen, 4., 11. und 25. Oktober, hielt der Veteran en - und Kriegeroerein Lollar zum erstenmal wieder seit 1913 auf seinem neuhergerichteten Schießstand ein Scheibenschießen ab. Die 10 besten Schützen wurden mit Preisen, sämtlich Gebrauchsgegenständen, bedacht. Am gestrigen Sonntag würde nod) eine Anzahl Ehrenscheiben geschossen. Die Teilnahme war an allen brei_ Sonntagen reckst rege, vornehmlich ber letzte Sonntag führte dem Schießen eine große Anzahl Sports- freunbe, worunter auch Auswärtige zu verzeichnen waren, zu. ri. Nieder-Defsingen. 26. Olt. Eine unübersehbare Menge folgte gestern dem Sarge unseres lieben Lehrers und Organisten Ludwig Graulich, der 34 Jahre lang an unserer Schule als Lehrer und in unserer Kirche als Organist tätig war. Der Ortsgei ft liche sprach am Grabe nach der Degräbnisliturgie über das Wort: „Ei, du frommer und getreuer Knecht, du jeden Fall ist unsere Einwohnerschaft bereit, alles zu tun, diese Verbindung unbedingt aufred)tjuer» halten. Haben doch der Gemeinderat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Kuhl und unjer anerkennenswertem Eintreten von Rittergutsbesitzer C. O. Oppermann sich ohne wckteres dazu bereit erklärt, die erforderliche Garantiesumme zu zeichnen. Kreis Lauterbach. A Lauterbach, 26. Oft. Von der Bürgermeisterei wird uns mitgeteilt, daß die geplante Postautolinie Freiensteinau — Stockhausen—Lauterbach vorn Reichspostmini- fterium genehmigt wurde. Mit der Eröffnung dieser Linie wird begonnen, sobald ber hierfür bestimmte Wagen eintrifft. Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 25. Oft. Am heutigen Sonntag feierte die Evangelische Gemeinde das 25jährige Bestehen ihres Kinder- gottesdienstes. Während ehedem die Kinder in ter sogenannten Sonntagsschule von unseren Gemeindeschwestern im Gebäude des früheren Deutschen Ortenshauses in christlicher Weife unterrichtet wurden, errichtete vor nunmehr 25 Jahren die Evangelische Gemeinde einen regelrechten Kindergottesdienst in ter Hospitalkirche. Sonntag für Sonntag sehen wir hier unsere Heranwachsende schulpflichtige Jugend versammelt, um unter Leitung eines der Pfarrer und unter dankenswerter Hilfe eines größeren Helferkreises ihren Kindergottesdienst abzuhalten. Der heutige Sonntag war daher für Eltern und Kinder ein Tag des Dankes und der Freude. Schon ter Festgottesdienst um Vo 10 Tlhr in der Hospitalkirche gab hiervon Zeugnis. Während die Kinderschar die Emporen füllte, war der untere Teil ter Kirche von Eltern und Freunden bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Festpredigt hatte Pfarrer Koch-Soest übernommen, einer ter besten Kinderpfarrer des Westens, während der Kirchen» chor mit zwei Chören die Feier verschönern hals. Nachmittags 1/23 Mr versammelten sich erneut die Kinder in ter" Hospitalkirche, um von dort aus unter Vortritt eines Dläserchors in geschlossenem Zuge nach dem Schützengarten zu ziehen. 400 bis 500 Kinder mögen es gewesen sein, die dort an die schön gedeckten Tische geführt und mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Für die Erwachsenen bliel) bei der Fülle fast kein Sitzplatz mehr übrig und Hunderte mußten zu ihrem Leidwesen wieder zurückkehren. Ein für die Kinder vielleicht zu reichhaltiges, aber schönes Programm wickelte sich dann in dieser Familienfeier ab. Gemeinsame Gesänge, Vorträge von Kindern, gesangliche Darbietungen der Helfer und Helferinnen, eine Begrüßungsansprache von Pfarrer Lu hl, eine Festansprache von Pfarrer Koch Soest und ein Schlußwort von Pfarrer Schmidt bildeten die Hauptpunkte. Alles in allem eine gut vorbereitete und gut durchgeführte Erinnerungsfeier, die noch lange in den Herzen ter Kinder und ihrer Eltern nachwirken wird. Mögen auch in dem neuen Diertelhundert Pfarrer und Helfer sich finden, die mit innerer Freude und Bereitwilligkeit an dem inneren Aufbau unserer Kinder so erfolgreich arbeiten, wie dies hn vergangenen Diertelhundert geschehen ist. XX Krofdorf, 26. Okt. Die hiesige erfte Schulste11 e (Rektorstelle) war seit 1. Juli v. 9. unbesetzt. Nunmehr hat ber Schulvorstand seine Einwilligung dazu gegeben, daß die Stelle dem Lehrer Echternach aus Vetzberg übertragen wird. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 26. Oktober. Die im Frühjahr gegründete Freiwillige Feuerwehr zählt bereits 60 Mann. Vollständig neu uniformiert, trat sie am Sonntag ihren Dienst an. Aus diesem Anlaß fand gemeinsamer Kirchgang statt, um sich gleichsam für ihr wichtiges Amt itn Dienste der Nächstenliebe einsegnen zu lassen, getreu ihrem Wahlspruch: „Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!" — Zur bevorstehenden Gemeinde- r a t s w a h l sind hier drei Wahlvorschläge eingereicht, und zwar ein Vorschlag, der nur Bauern enthält. Auf den beiden anderen finden wir Bauern, Handwerker, Arbeiter und Beamte. — Das gelinde Weller ber letzten Tage hat bie Natur ganz vergessen lassen, baß es Herbst ist. Hier unb ba sieht man 'Apfelbäume mit vollständig entwickelten Blüten. Vereinzelt blühen die Heckenrosen. An Rainen und in Wäldern findet man zahlreiche blühende Erd- und Himbeer- b ü s ch e. Gestern abend zeigte man dem Schreiber dieser Zeilen frisch gepflückte reife Himbeeren. Beim Pflügen kommen viele Maikäfer zutage. An ten warmen Abenden fliegen Iohanniskäserchen umher. Und doch ist es Herbst! — Am nächsten Freitag kommt in unserer Kirche der berühmte Bethel-Film zur Vorführung, unb zwar nachmittags um 2 Uhr für bie Kinber und abends 8 Uhr für Erwachsene. Auch die Bewohner der Umgegend sind dazu eingeladen. Der Besuch kann jedem aufs beste empfohlen werden. Kreis Alsfeld. O Erbenhausen, 26. Okt. 9n dankenswerter Weise hat der Gemeinde rat beschlossen, den Aufgangsweg zu unserer hochgelegenen Kirche neu Herrichten zu lassen. Bei nassem Wetter oder Schneefall unb Glatteis ist es mit Lebensgefahr uerbunben, über diese ausgetretenen Stufen, die dem Fuß keinen festen Halt mehr bieten, den Weg zur Kirche zu machen. Möge der gefaßte Beschluß baldigst verwirklicht werten, damit auch älteren Gemeindegliedern die Möglichkeit gegeben ist, ihrer guten Sitte treu zu bleiben, Sonntags das Gotteshaus aufzufuchen. (D Lehrbach, 26. Okt. Wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, hat sich die A u t o p o st - Verbindung Kirchhain — Kirtorf bis jetzt sehr gut rentiert. Wir begrüßen diese Mitteilung insofern besonders, als unser von allem Verkehr abgeschlossener Ort gerade durch diese Linie die denkbar beste Verkehrserleichterung erhielt. Man verfügt zwar in einer rein ländlichen Bevölkerung im Spätsommer unb Herbst wegen ber (Srntearbeiten nicht so wie in anberen Bezirken über Zeit, Gelegenheit unb Geld, um die bargebotene Verkehrsmöglichkeit so auszunutzen, wie man gerne möchte. Vielleicht läßt sich bie zustänbige Oberpostdirektion in absehbarer Zeit dazu bereit finden, den Fahrpreis pro Kilometer von 10 Pf. auf etwa 6 ober 7 Pf. zu e r - m ä ß"i gen. Eine nach diesem Entgegenkommen mit Sicherheit anzunehmenbe noch größere Inanspruchnahme der Fahrgelegenheit würde den finanziellen Ausgleich zweifellos herbeiführen. Auf Belebung des damals sehr im Argen liegenden Steindruckes. So dem Handwerklichen vertraut, ter Natur verbunden, war er berufen, einen Kreis von Schülern um sich zu sehen, und so folgte er 1902 einem Ruse an die Berliner Hochschule als Nachfolger Brachts, der nach DrÄden ging. So erscheint fein Werk auch noch heute, als eines aufrechten Mannes Tat. ter, frei von Doktrinen und starren Eigenheiten seinen erkannten Weg unbeirrt um den Streit der Meinungen geradeaus ging, ein Mittler zwischen Nord unb Süd, zwischen Frankreich und dem Böhrnerwald. e-s. Eine Bühnenklasse in Düsseldorf. Ans der Einsicht, daß das moderne Theater an den Szenenbildner ungleich höhere künstlerische Anforderungen stellen mutz, als sie früher an ihn herantraten, hat Dr. Kaesbach, der neue Direktor der staatlichen Kunstakademie zu Düsseldorf, dort eine Bühnenkunstklasse geschaffen. die berufen sein wird, dem oft peinlich bemerkten Dilettantismus vieler Bühnenbildner ihren Aufgaben und ten technischen Leistungsmöglichkeiten des Theaters gegenüber avzuhelfen. Einer literarischen Vorarbeit, die sowohl die geistige Sphäre des Dichters und der Dichtung wie ihre charakteristische dramatische Ausdruckssorm aufzuweisen erstrebt, folgt die eigentllch bühnenbildnerische Arbeit, für die eine große Reihe von Motellbühnen mit allem Zubehör, einschließlich ter Beleuchtungsanlagen, vorhanden sind. Die literarische Behandlung liegt in der Hand des Literarhistorikers D. H. W. Klein, ter Leiter der bühnenbildnerischen Abteilung ist der bekannte rheinische Bühnenbildner Walter von Wecus. Ebenso aufmerksam verfolgt diese neue Bühnen- kunstklasse, die erste in Deutschland, die neuen Probleme ter Filmbildkunst und sieht ihr letztes Ziel in einer Experimentierbühne, auf ter die bühnend ildncrische Arbeit im Zusammenhang mit ter des Spielleiters und Schauspielers ihre Bedeutung erst voll zu erweisen vermag. bl. Schönbach, 26. Oft. Die Schönbach- Rother-Basaltwerke sollen zusammengelegt werden. 2(us Zweckmäßigkeitsgründen wird die Zentrale auf den„Hinterstein" verlegt, wo dann alle Gruben Zusammentreffen. Ausgeschlossen bleibt der Bruch „Steinringsberg". Gegenwärtig ist man schon nm Abbruch. Der Geschäftsgang des Unternehmens ist im allgemeinen gut. Der Betrieb gehört der Firma R e e h - Dillenburg. bl. Breitscheid, 26. Okt. Die Gemeinde beabsichtigt die Erbauung eines neuen Schulgebäudes. Die jetzigen Verhältnisse sind äußerst ungünstig. Der Bauplatz wurde bereits orworbem. Das neue Schulhaus soll' 6 Klassen erhalten, damit wird allen Bedürfnissen Rechnung getragen. Ferner ist hier ein Armenhaus im Bau, die Kirchengemeinde errichtet ein Vereinshau s. Diese beiden Gebäude sollen im November fertiggestellt werden. Wirtschaft. Die Deutsche Reichsbahn- gesellschast im September. Wenn auch die deutsche Wirtschaftslage im September keine bemerkenswerte Besserung erfahren hat, so ist doch der Güterverkehr der Reichsbahn nach der gestellten Wagenzahl gestiegen. Im Durchschnitt wurden arbeitstäglich etwa 5000 Wagen mehr als im Vormonat gestellt. Die Gründe dafür sind in erster Linie der zunehmende Ernteoerkehr, der gesteigerte Versand von Kohlen, Düngemitteln, Kartoffeln und Baustoffen. Es ist auch gelungen, infolge mannigfacher Verbesserungen im Güterbeförderungsdienst Verkehr vom Auto wieder für die Reichsbahn zurückzugewinnen. Dagegen sind in letzter Zeit bedeutende Gütermengen, die bisher auf der Bahn transportiert wurden, auf die Binnen-Wasserstraßen abgewandert. Der Personenverkehr war in der ersten Monatshälfte noch stark. In der zweiten Hälfte trat ein merklicher Rückschlag ein, ausgenommen in Bayern. Die Zahl der geleisteten Zugkilometer betrug im August 1925 im Personenverkehr insgesamt 30142 000 (Juli 29 790 000), im Güterverkehr 17 589 000 (Juli 18 017 000), bei Dienstzügen 328 000 (285 000), insgesamt wurden demnach 48 059 000 (48 092 000) Zugkilometer geleistet. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß sich diese Ziffern auf den Monat August beziehen. Die Betriebsergebnisse im Monat August ergaben an Einnahmen zusammen 415 954 000 Rm.. an Ausgaben zusammen 314 073 000 Rm. Im einzelnen betrugen die Einnahmen im Personenversehr 156 867 000 Rm., im Güterverkehr 233 030 000 Rm., sonstige 26 057 000 Rm. Außerordentliche Ausgaben für werbende Sln- lagen erforderten 23 198 000 Rm., der Dienst der Reparationsschuldverschreibungen 99 840 000 Rm. Es wurde die zweite Halbjahresrate für den Dienst der Reparationsschuldoerschreibungen gezahlt. Frachtausfälle entstanden im Güterverkehr infolge des Bauarbeite^treiks. Aus den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen ist zu schließen, daß auch im Monat September die Gesamtwirtschast der Reichsbahn den Erwartungen entspricht. * Kunstfeidesabriken in "Brasilien unter deutscher Beteiligung. 3m Staate Sao Paulo in Brasilien ist, wie die „Texril-Woche" mitteilt, der Bau einer Kunstseidefabrik in Angriff genommen. An dieser Gründung sind außer englischen auch deutsche Kunstseidefabrikanten beteiligt. Die neuen Werke sollen eine Produktionskapazität von 500 Kilogramm täglich erreichen. Auch in Rumänien 'plant man, dem gleichen Blatt zufolge, die erste t Kunstseidesabrik des Landes mit einer TageS- t leistung von ebenfalls 500 Kilogramm in Mediao - zu errichten. !S Lockerung der Beziehungen zwi- . scheu Krupp und Rheinmetoll. Wie der DHD. aus Kreisen der Rheinmetallverwallung erfährt, berät man im Direktorium der Rheinmetall A. G. zur Zeit über die Lockerung der Beziehungen zu Krupp. Man will allerdings das freundschaftliche Verhältnis nach wie vor aufrechterhalten, lieber Einzelheiten der beabsichtigten Schritte wird bei allen beteiligten Stellen Stillschweigen bewahrt, wahrt. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M.. 26. Okt. Die Abend- borse verkehrte in der Erwartung, daß die Kabinettskrise auf ihren bisherigen Stand vielleicht beschränkt bleiben könne, in etwas zuversichtlicherer Stimmung. Bei etwas lebhafterem Verkehr zeigten die Kurse im allgemeinen gute Erholungen. Stärker beachtet waren die sogenannten von Amerika abhängigen Aufwcrtungswerte. für die etwas Kauflust bestand. Besonders Schifffahrtsaktien wiesen gute Besserungen auf. Auch Baltimore zogen ansehnlich an. Interesse bestand ferner für mexikanische Werte, die weitere Steigerungen aufwiesen. Der Anleihemarkt war weiter verödet. Die Abendbörse schloß in befestigter Haltung. Deutsche Anleihen: bproz Reichsanleihe 0,215, Echutzgebietsanleihen 5,05. Ausländische Renten: bproz. Goldmexikaner 43,5, bproz. Silbermexikaner 17,70, 8proz. Mexikaner 12,6, Zolltürken 7.47. Bankaktien: Commerzbank 93,87, Darmstädter Bank Ultimo 106, Deutsche Bank Ultimo 106,25. Discontoaefellschaft 102,50, Ultimo 102,50, Dresdner Bank 100, Metattbank 77, Oesterreichische Kreditaktien 7, Montanaktien: Deutsch-Luxemburg 70,5, Ultimo 70,5, Gelsenkirchen 77. Mansfelder 67, Kali Aschersleben 114,50. Chemische Aktien: Chemische Griesheim 117,25, Scheideanstält 90, Th. Goldschmidt 60,50, Höchster 118, Holzverkohlung 46,75. Transportwerte: Hapag Ultimo 63, Aordd. Lloyd Ultimo 75,50, Baltimore 62, bproz. Tehuanthepee 17. Industrieaktien. AEG. Ultimo 94. Dyckerhoff 32, Elektrisch Licht und Kraft 90,75, 3nag 0,43, Lahmeyer 79,12, Siemens u. Halske 84,50, Wald- Hof 83, Zucker Heilbronn 54,75. 0 216 0 215 0.23 0,26 0 13 97 105 103,5* 103 7 7 <0 75 70.5' 0' 65' 119 25 118,13 64 63 90 32 31 | 30 93 64 50 62.25 48.6 Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) 0 39 0.144 0,24 58* 71 56 54 I u 21 ; 0.255 <0,2173 66,n* 73,5* 95 38 34 105* 115.4 121.25 3». 5 95.5* 75,75 41 9 41 °* 71,25* i 05,5 116.13 116,0 60.5 117.25 118 46.75 94* 74,25 30 39,75 WA* 67.5 90.25 96,7 7.55 41.6 130* 94* 105,2* 2 5 83 5 67 13* 8i,6* 33,25 32 87,25 117,62 118,25 Kt* 107' 50,13 93 119,75 7.6 0.03 58 25,5 103.5* 114,5 118.5 35 0.26 0,24 131.2* 95* 106,2* 108* 0.03 0 25* 41 0.2» 0.43 0.135 0.24 84 57 54 3.5 !,75 24.1 2,76 83 53.5 52 >•'3.9* 106" 106.2* 81,5* 31 , 68' 73.75' .65.25* ! 85,5* I 32 33 78 41.3 39 71,5* «0.5* 106* 115 120.3 102,5* 77 i 104.7» 113,7 117.25 84.5 11.2275 । 0,22 0 26 0.21 91.75 97 | 7.5 H.73* ;36.75* 1 70,5 49 88 1 118,9 71‘ 56 60,25 48 68* 7ö,5* 68, 117,62 118.13 49 «4.5 90.5 ar 75 ■ 7t 5; 66.25* 85,5*' 5°/o Deutsche Rcichsanlethr 4% Deutsche Reich« anlcihe • BV3% Deutsche Rcichsanlcibe 3% Deutsche ReichSauleibe • Deutsche Svarpramienanlerhe 4% Preußische MorrfolS ■ . • 4°-o Hesse» • • 3Vfl% Hessen 3% Hen'en Deutsche Sknb. Dollar-Änl. dto.Doll.-Schav-Antrrikng.*) 4% Boatürfe»......... 5®/o Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-vank Dannst. und Nanonalbank ■ Deutsche Bauk Deutsche vercinSbank .... Discomo Commandit . . Metallbank.......... Mitteldeutsche Treditbauk . . Oesterreichische Crcditanstalt Weltbank ....... Bochumer Guß ...... BuderuS........... Caro Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpcner Berabau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahütte Oberbedarf Phönix Bergbau ..... Rbetnstabl Mebeck Montau ....... TelluS Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket.. . Norddeutscher Llovd .... Cheramische Werke »lbiu . . I Zementwerk Heidelberg .. . I Philipp Holzmann......j Anglo-Cout.-Guauo . . ... Badische Anilin..... .. Chemische Mayer Slobin .. Goldschmidt GrieS teimer Electron . . . Höchster Farbwerke...... Holzvcrlovlong ....... RütgcrSwcrle ......... Schetdeanftalt ...... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke . ...... Schuckert Siemens Kou I68..-4 169,26 168.87 169.29 Bucn.'Aires 1.727 1.131 1.723 1.727 Brss.-Antw 19,12 19,16 19 13 19.17 tibrifttnitla. 84 99 85,21 85,21 85.51 «openbagen 103,37 103,63 103.57 103,83 Stockholm . 112,26 112,54 112.31 112,59 HclsnigforS 10.8.5 10.59 io r.e 10,60 Italien. . 16 66 16,70 16.65 16.70 London. ■ 20,325 28,375 -0,345 20,39» Vicuhort . . 1.195 4.215 4.195 4.20 Paris. . . 17.38 17.42 17,12 17,16 Schweiz . ■ 60,76 10,96 •iO 74 80,9' Spanien • 60,0? 6J.i3 60.12 60.28 Japan . . . •Mio de Ian 1.718 «.635 1,722 1.720 1.7’1 '1.637 1.635 1.6.7 Wien in D.° Ceft. abgeft 59,12 59,36 59,12 69,26 12,46 Prag .... 12.42 12.46 12,43 Äelzrad . . 7.42 7.46 7.42 7,44 Budapest. . 5,875 6,895 o.885 6,90» Bulaarien .1.03 (.06 3.045 3,055 Lissabon 21,135 0.175 21 125 31,175 80.18 Danzig. . 80,61 •iO.Sl 80.63 fionft ntin. 2,375 2.385 2.-85 2.395 Athen 5.24 5.26 5.49 5.51 Canada. . 4.19, 4.205 1.195 4,205 Uruguay — — 4,255 4.2'15 Banknoten. Berlin, 26 Oktbr Geld Briet Amerikanische Noten ».17h 4.199 Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... 19,06 103.39 19,16 10.1,91 Englische Noten........ 20.815 20,415 Französische Noten ...... 17,20 17 28 Holländische Noten ..... 168,53 169,37 Italienische Noten...... 16,68 1 >,76 Norwegische Noten...... S5.ll 85,53 Denlsch-Oesterr, d 100 Kronen 58.94 59.24 Numanilchc Noten...... w Schwedische Noten...... 111.97 112.53 Schweizer Noten....... 80,55 60.95 Spanische Noten....... 59.93 .0 23 Tschechoslowakische Noten . . 12.88 12.44 Ungarische Noten 5.8« 6.885 berliner Börse. Berlin. 26. Okt. Die Börje begann die neue Woche in flauer Haltung, die sich an den Aktienmärkten durch Prozentweisen Rückgang der Kurse auswirkte. Nachdem die Börse noch am Samstag unter dem Zeichen des Befehls der Räumung Kölns stand, ist die Lage durch den Austritt der Deutschnationalen aus der Regierung nunmehr völlig unklar, so daß die Börse in der Beurteilung der weiteren Entwickelungsmöglichksiten recht unsicher war. Diese Unsicherheit kam in Verkäufen der Spekulation zum Ausdruck. Angeregt wurden diese noch durch den Sturz des französischen Frankens auf 121.25 gegen London (nach 117). Wie schon erwähnt, bedeutet diese Tatsache eine Verbesserung des französischen Exportgeschäftes. Es liegen bereits Rachrichten vor, daß französischen Firmen infolge der Franken-Baisse größere Aufträge erteilt worden sind. Der Anleihemarkt lag ebenfalls heute recht schwach. Kriegsanleihe gaben cuf 0,210 nach. Für die Werte drs E h e m i e- marktes üvten die Rachrichten über die Aussperrungen und die damit verbundenen Betriebsstillegungen infolge der Lohnstreitigkeiten weiter einen sehr ungünstigen Einfluß aus. Unter dem Eindruck dieser Tatsache hrrte man anfangs lediglich Tiefkurse. Am G 'Idmarkt hat sich die Lage infolge des herannahenden Ultimos versteift, doch erfuhren die Sätze noch keine Veränderung. Die vorhandenen öffentlichen Mittel durften die Ueberwindung des Ultimo wesentlich erleichtern. Am Devisenmarkt fand der eingangs erwähnte Sturz des französischen Frankens große Beachtung. London war gegen Kabel auf 4.84'/z gebessert. Die Reichsmark notierte in London 20.37, Paris 5,90, Amsterdam 59,19' Zürich 123,72V2. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. Okt. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23,50 bis 23,75, Roggen, inländ. 17,25 bis 17,50, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 25, Hafer, inländ. 19 bis 21.50, Mais gelb 18,75 bis 19. Weizenmehl, inländ.. Spezial 0 37,25 bis 37,75, Roggenmehl 25 bis 25,50, Weizenkleie 9,75 bis 10, Roggenkleie 10,25 bis 10,50, Erbsen 30 bis 36, Linsen 40 bis 70, Heu, süddeutsches, gut, trocken 10, Weizen- und Roggenstroh 5, Treber, getrocknet 18 bis 18,50. Tendenz ruhig. Amtliche Rotierungen für Speisekartoffeln: Industrie aus hiesiger Gegend 2,90 bis 3. gelbfleischige 2,60, weihschalige 2,20. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 26. Okt. Auftrieb: 1470 Stück Rinder, darunter 351 Ochsen, 42 Bullen, 1077 Färsen und Kühe: 347 Kälber, 215 Schafe. 4136 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Rinder: Ochsen, vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 55 bis 62, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere audgcmäftetc 45 bis 51. müßig genährte junge und gut genährte ältere 35 bis 44; Bullen, vollst, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 56, vollst, jüngere 42 bis 49; Färsen und Kühe: vottfl. ausgemästete Färsen höchsten Dchlachtwerts 53 bis 60, vollst, ausgemästeteKühr höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Ibhren 48 bis 56, wenig gut entwickelte Färsen 42 bis 52, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere^ Kühe 38 bis 46, mäßig genährte Kühe und Färsen 26 bis 36. gering genährte Kühe und Färsen 12 bis 25. Kälber: Feinste Mastkälber 78 bis 86, mittlere Mast- und beste Saugkälber 68 bis 76, geringere Mast- und gute Saugkälber 58 bis 64, geringe Saugkälber 48 bis 53. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 44, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 24 bis 34. Schweine. Vottf^ von 80 bis 100 Kg. 87 bis 90. unter 80 Kg. 80"Vis 86, von 100 bis 120, von 120 b's 150 und Fettschweine über 150 Kg. 88 bis 90, unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bis 80. Marktverlauf: Sehr gedrückter Handel in allen Viehgattungen, bei Schweinen und Rindern Aeberstand. Berliner Produktenbörse. - Berlin. 26. Okt. Der Produktenmarkt war bei kleinem Geschäft gut gehalten. Das schlechte Mehlgeschäft stört aber weiter. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, märt 212 bis 215, do. Dez. 230 bis 231. do. März 235 b's 236, Roggen, mark. 143 bis 147, do. Okt. 164 bis 162, do. Dez. 165,50 bis 166. do. März 175,50, Gerste, märk. 198 bis 218. Futtergerste 157 bis 163, Hafer, märk. 165 bis 175, do. Westpreußen 157 bis 162, do. Dez. 182 bis 182,50; für 100 Kilo: Weizenmehl 26.75 bis 30.75, Roggenmehl 21 bis 23,25. Weizenkleie 11 bis 11,30, Roggenkleie 8,90 bis 9,20, Viktoriaerbs-en 26 bis 32, kleine Speiseerbsen 25 bis 27, Futtererbsen 20 bis 23, Peluschken 18 bis 19, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 22 bis 25, Lupinen, blau 12 bis 12,50, Rapskuchen 15 bis 15,20, Leinkuchen 21,80 bis 22. Trockenschnihel 8,30 bis 8.60, Torfmelasse 9,40 bis 9.60, Kartoffelflocken 13,60 bis 14, Zucker 20,20 bis 20,30. Rundsrmk-Programm (Aus der „Radio-Umschau-.) des Armrkfurtsr Senders. Mittwoch, 28. Oktober: 4,30 bis 6 Ahr Rachmiitagskonzert des Haus- orchesterL: Aus zeitgenössischen Opern. 6 bis 7 älhr Die Stunde der Jugend. 7 bis 7,30 älhr Vortrag von Regierungsrat a .D. Dr. Keck: „Die neue Veranlagung zur Einkommensteuer". 7,30 bis 8 Uhr: Vortrag von Postrat Thurn- Berlin: „Aufgaben und Ziele des Rundfunks". 8 bis 8,30 tifyt: Schachstunde. 8,30 bis 9,30 ilfcr Liebertragung von Kassel: Kasseler Zissel. 9,30 bis 11 Ähr: „Am Leetisch", Lustspiel von Slvboda. Für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spozlalkoranstelt Hol- heim 1. Tannas bei Frankfurt a. M Behagl. eingerichtet, vorzügliche Veroflegung (auch Diät-Kuren). Mäßige Preise Prospekt durch Dr. M. Schulee- Kahleyss, Nervenarzt. Ralf bei Verschleimung, Duften, Heiserkeit, fitys echte Sodener stets bereit. SCHUHHAUS Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann. 47. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Mit einem Schlag war alles anders geworden, verflogen der Rausch der Stunde, sie standen sich wieder als Kämpfer gegenüber wie einst. Und Ruth Engelhardt dachte an die Tage in Frankfurt und begann damit, ihn daran zu erinnern, daß sie zusammen aufgewachsen seien und daß keine konoemionelle Verlobung sie bände. Auch keine rosenrote Liebschaft. Er habe sein Leben für sich, wie sie das ihre. Aber er wolle und könne nicht mit dem Maß gemessen werden, das die landläufige Einteilung habe. Er stehe und falle mit seinem Werk. „Stehen ja, aber fallen?" unterbrach er sie Und hörte dann wieder mit unterdrückter Unruhe und Ungeduld weiter zu, denn Ruth hatte sich nicht aus der Fassung bringen lassen und erklärte, sie meine das nicht wörtlich, er habe ja selbst von China gesprochen, und wenn er dort auch seinen Mann stände, so wäre er doch nicht mehr der Hanns von heute und vor allem nicht mehr der Hanns Ingold, den sie geliebt habe und für den sie alles täte. Da Unterbrach er sie zum zweitenmal. „Du sagst, du habest mich geliebt," forschte er mißtrauisch. Einen Augenblick zögerte sie, dann griff sie fest an ihr Herz und entgegnete: „9a, so habe ick aesagt. Ich habe dich geliebt, das will heißen, ich habe dich einmal geliebt, um dich heiraten zu wollen. Das war früher, war aber vielleicht schon an dem Tag nicht mehr, als ich dir in Frankfurt Lebewohl sagte. Erinnere dich dieses Tages, Hanns! Vielleicht weiß ich es auch erst feit heute, daß ich dich nicht mehr liebe, um deine Frau au werden." ,Mas soll denn das heißen? Weil der Bau —" „9a, Hanns, der Bau, das Werk, aber nicht der Bau des Werkes, sondern das Werk selbst. Ich bitte dich, mir auf die Frage zu antworten: Liebst du mich mehr als dieses Werk?" „Unsinn!" brauste er auf. „Unsinnige Vergleiche, die du aufstellst! Das kommt nicht aus dir! Dein Vater spricht aus dir! Run, ja denn, in diesem Werke stecke ich drin, tief und ganz! Wann habe ich das geleugnet? Dränge mich nicht in Konflikte, die sich nicht zu mir drängen!" „Wir sind schon mitten in diesen stillen Konflikten, Hanns. Und was ich dir in Frankfurt gesagt habe, wiederhole ich heute: Du bist frei, ganz frei." „Das bin ich nicht," entgegnete er heftig. „Wenn ich dich freigebe, bist du es'." Schweigen. Das Rauschen des Windes in den Baumkronen drang herein. Hanns ging ung