Samstag, 21. Juni 1925 175. Jahrgang Nr. 148 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'sche Umverfttüts-Vllch« itftfc ttettikAckerri H. Lange tn Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jedeVerdindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig: für Re« Kiame-Anzeigen D.70n.m Breite 35 (Bolbpfcnnig, Platzvorschrist 20° n Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: j. D.: Ehrhard Evers; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschem: für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Diesten. E-Zcheint täglich, auster Sonn, und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblitter Heimat Im Bild. Monats-Bezugspreis: 2®olbmarh u. 20 Dold- pfennig für Trägerlohn, euch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Ferns prech-Anschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag undGeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richtenLnzeiaerGiehen. Postscheckkonto: firanffurt a. M. 11686. Was sagt Chamberlain? Chamberlains große Rede im englischen Unterhaus findet überall in der Welt ein etwas mißgestimmtes Echo. Sie hat bei aller Klarheit der Form nicht zu widerlegen vermocht, daß Chamberlain sich von Briand hat ins Hintertreffen drängen lassen. Diese Rede allerdings, sieht man sic als poli- tische Tat an, hat die Stellung der beiden Staatsmänner wieder wesentlich geändert. Zu Beginn seiner Ausführungen streifte der Außenminister die heikle Frage seiner Abhängigkeit von Briand, betonte aber dabei, daß nicht er allein, sondern das gesamte Kabinett hinter dieser Politik stünde. Es erscheint als ein wesenlliches Ziel der Rede, eine möglichst breite Grundlage im Parlament als Podium für ihre Ausführungen zu gewinnen. So zog denn der Minister eine Linie von der Politik des Kabinetts Macdonald zu dem feinigen, indem er betonte, sie alle, welcher Partei sie auch anqehörten, hätten nur das Ziel, den Frieden zu erhalten und einen Krieg unmöglich zu machen. Eine europäische Hegemoniepolitik lehnt er für die Zukunft ab, vielmehr soll der Friede nicht durch Bündnisse gegen einander, sondern durch Vertrüge miteinander gesichert werden. Freilich reserviert er sich für England das Recht der „splendid I s o l a t i o n", von der er zwar nach außen weit abrückt, doch dem Sinne nach sehr gern Gebrauch macht „in der weisen und klugen Anwendung seines Einflusses und seiner Macht zur Aufrechterhaltung des Friedens und zur Verhinderung eines neuen Krieges". Die Stabilität der Lage ist ihm eine Vorbedingung für jede gesunde Weiterentwicklung. Die Psychose der Sieger freilich hat auch ihn ergriffen, denn er hat in feinen Ausführungen mehrfach betont, die Angst vor einer Wiederoergeltung und Abrechnung hielte die ganze Welt in Atem. Wie ein Deutschland mit 100 «'00 Soldaten einer geschlossenen Front von bis an die Zähne bewaffneten Mächten irgendwelche ernsthafte Angst einflößen kann, ist nicht recht erfindlich. Die augenblicklich für Chamberlain bestehende Stabilität der Lage kann allerdings nicht hindern, daß ev für England volle Handlungsfreiheit fordert, und so betont er denn immer wieder, daß mit der deutschen Initiative und der soeben erfolgten französischen Antwort nichts, gar nichts von bindendem Wert gesagt fei. Lediglich das Vorspiel zu *■ Zbeginnenden Verhandlungen sei damit eröffnet, 'lieben der unbedingten Willens- und Handlungsfreiheit, die sich England vorbehält, ist jedoch noch ein weiteres Moment von Wichtigkeit, das Chamberlain für sich reservieren möchte: Die anzustredende Sicherung des europäischen Friedens darf keinesfalls eine noch weiter- gehende Belastung Englands im Sinne von neuen Verpflichtungen bringen, als ihm schon jetzt aus dem Friedensvertrag und den Dölkerbundssaßungen erstanden sind. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung will auch die offene Anerkennung sein, die der Minister „dem Mute, der Aufrichtigkeit und der Staatskunst der Männer, die die kühne Initiative ergriffen haben", ausgesprochen hat, ein Passus, der von dem dichtbesetzten Unterhause mit Beifall ausgenommen wurde. So erfreulich solche ritterlichen Verbeugungen des Gegners auch fein mögen, wir dürfen nicht die Gefahren vergessen, die sich dahinter verbergen. Chamberlain tut diele Geste in dem Bewußtsein absoluter eigener Sicherheit, denn als unmittelbar nach diesen Gedankengängen die Besprechung der Stellung Englands zu der deutschen Ostgrenze erfolgte, zeigte cs sich deutlich, daß die Situation, wie sie jetzt geschaffen werden soll, für England absolut eindeutig, desinteressant, für Deutschland dagegen außerordentlich verwickelt, in ihren Auswirkungen schon wieder fast bis zur Eindeutigkeit verzweifelt ist. Für den Fall eines Krieges zwischen Polen und Rußland, i.n dem Frankreich auf Grund seines De- fcnfiobünbnih'cs mit Polen den Durchmarsch durch das besetzte Gebiet fordert, Rußland jedoch Deutschland gegenüber zum Ausdruck brächte, daß es die Duldung dieser Aktion als feindliche Handlung auf« fassen würde, müßte unbedingt dazu führen, Deutschland in einen Krieg, sei es gegen Rußland, sei es gegen Frankreich, hineinzuziehen, ohne daß weder England, noch sonst eine andere Macht ein Interesse oder die Pflicht habe, Deutschland und seine Grenzen irgendwie zu schützen. In der Tat, überblickt man rückschauend die Rede Chamberlains, man_ kommt trotz ihres versöhnlich ausklingenden Schlusses zu der lieber- zeugung: „Die Furcht vor einem Kriege nimmt nicht ab, sondern f i e wäch st." Die Konzession an die Linke des Hauses, die Erwähnung der Abrüstungsfrage und die Art, mit der die Nichtabrüstung der Welt mit ziemlich klaren Worten ausgesprochen wurde, bestätigt das nur. Wenn die englischen Staatsmänner denselben „Mut, dieselbe Aufrichtigkeit und Staatskunst" beweisen wollten, wie es die deutschen nach englischem Urteil_ taten, auch den französischen Verbündeten gegenüb*, bann dürfte sich wohl ein Weg finden, auf dem die Verhandlungen geführt werden können. Stellen wir uns getrost zu Chamberlains Standpunkt : E s s o 11 e r ft b e g i n n e n; dann wird auch der neuen französischen Ungeheuerlichkeit des Sicher- heitsvorschlaaes ihre Spitze abgebrochen. Unsere Regierung ist es gewesen, die die Initiative in der wichtigen Frage des europäischen Friedens ergriffen hat. Gelingt es ihr, den groben Ketilenschlag des französischen Kontrahenten geschickt zu parieren und sich die Hände frei zu halten, so wird sie auch noch weiter in der Initiative bleiben können, um die Verhandlungen endlich und vielleicht zum ersten Male dahin zu bringen, daß Deutschland als gleichberechtigte Macht einen seiner Eigenart und seiner Bedeutung entsprechenden Platz in dem Rate der Volker erhält, die sich um die Erhaltung des Friedens in Europa sorgen. Denn ein Sicherheitspakt, Die Sicherheitsfraqe im Reichskabinett. Berlin. 26. Jenl (IDCM Das Leicht» f a b l n e f t hat sich In diesen Lagen mit der französischen Antwortnote zur Sicherheitsfrage befaßt, lieber das (Ergebnis der Beratungen erfahren wir an zuständiger Stelle Folgendes: Auf der letzten BoQoerfammlung des Völkerbundes war ein Protokoll über die friedliche Erledigung internationaler Streitigkeiten, das sogenannte Genfer Protokoll, ausgestellt worden. Ferner war durch im kreise der Alliierten gepflogene (Erörterungen über die Räumung der nördlichen Rheinlandzone gegen Ende des vergangenen Jahres das Sicherheitsproblem erneut in den Mittelpunkt der internationalen Erwägungen gerückt worden. Die deutsche Außenpolitik sah sich damals vor die Frage gefteUt, ob sie die Lösung der Sicherheitsfrage den allier ten IDe ff müßten allein überlassen, ober auf eine Lösung unter IRifbeteiligung Deutsch- lanbs hinwirken solle. Deutschland lag daran, den anderen Machten gegenüber klar zum Ausdruck zu bringen, daß es bereit sei, an einer Sicherheitsregelung mitzuwir- fen, deren Endziel die von Deutschland selbst erstrebte Entwicklung auf den Bahnen des allgemeinen Friedens durch eine wirkliche Befriedung Europas fein sollte. Demgemäß erfolgte feilens des Auswärtigen Amtes um die wende des Jahres eine entsprechende diplomatische Fühlungnahme. Reichskanzler Dr. Luther hat in seiner Rede vom 30. Januar vor der ausländischen Presse zum Ausdruck gebracht, bah Deutschland an der Verwirklichung des Sicherheitsgedankens ein reales Interesse habe und zur positiven Mitarbeit daran bereit sei. Im Einklang aus einem Ring von Sonderbündnissen gegen eine einzelne Macht bestehend, ist kein Sicherheitspakt. Erst wenn der Geist des Friedens und der Der- söhnung, von dem besonders im französischen Lager ununterbrochen geredet wird, von dem wir durch unsere tatsächlich bestehende Abrüstung schon mehr als einmal laut und deutlich als durch eine vollzogene Tatsache Kunde gegeben, erst wenn dieser Geist auch jenseits der deutschen Grenzen aus der toten Phrase zu lebendigem Besitztum ersteht, dann wirb dieser Versuch zur Herstellung einer gesunden Stabilität die Möglichkeit des Erfolges bieten. Eher nicht. Laillaux' Knanzprogramni. Paris, 26. Juni. (Wolff.) Nach Beendigung des M i n i st e r r a t e s ist den Pressevertretern milgeteilt worden, daß der Text der Finanzvorschläge erst nach Mitteilung an die Kammer mitgeteilt werden wird. Die Havasagentur glaubt jedoch bereits jetzt berichten zu können, was die Gesetzentwürfe in ihren Grundlinien enthalten: 1. Eine Erhöhung des Notenumlauf s um sechs Milliarden Franken und eine gleichzeitige ErhöhungderDorschüsse der Bank von Frankreich an den Staat, damit den Bedürfnissen des Schatzamtes für die nächsten Verfalltage Genüge geleistet werden kann. (Die Havasagentur gibt allerdings nicht an, ob in diesem Betrag die bereits provisorisch bis zum 15. Juli bewilligte Erhöhung des Notenumlaufs um vier Milliarden einbegriffen ist.) 2. Die Schaffung von 4projentigen, durch den Staat garantierten Schatzbands, die den Inhaber vor ferneren Währungsschwankungen schützen. Der Gesetzentwurf sehe eine ganze Reihe von Sispqfitionen vor, über die die Regierung sich Vorbehalte', dem Parlament die notwendigen Aufklärungen zu geben. Die Krise im Linkskartell beigelegt. Paris, 26. 3uni. (WTD.) Die Dorstände der zum Kartell der Linken gehörenden Kammerfraktionen haben heute nachmittag eine Sitzung abgehalten, in deren Verlauf die Sozialisten die Erklärung abgaben, daß das Ergebnis des Referendums weder den Bruch des Kartells noch die endgültige Aufgabe der Tlnterstühungspolitik bedeute. Die Sozialistische Partei bleibe im Gegenteil dem Grundsatz der Zusammenarbeit mit den anderen Parteien treu und sei geneigt, die Regierung zu unterstützen, wenn ihre Handlungen nicht im Widerspruch mit den Grundsätzen der Sozialisten stehe. Was die Finanzreform anbelangt, so wäre auf Antrag des Abgeordneten Laucheur beschlossen worden, eine vermittelnde Formel zu suchen, die es den vier Fraktionen des Kartells gestatte, dem Gesetzentwurf, den Laillaux eingebracht habe, zuzustimmen. Die Formel kann vielleicht darin bestehen, daß als Gegenmaßnahme für die Vermehrung des Rotenumlaufs Vorkehrungen getroffen werden zur Durchführung der finanziellen Sanierung und des allgemeinen Ausgleichs. Es soll also durch ein Amendement der jetzige Gesetzentwurf mit einem allgemeinen Sanierungsplan verbunden werden. Das Finanzprogramm vor dem Kammerausschuh. Paris, 26. 3uni (WB.) Der Finanzausschuß der Kammer hat nach Verhandlungen mit Finanzminister Caillaux den Vorschlag der Sozialisten, eine Abgabe vom Kapital vorzunehmen, mit 19 gegen 14 Stimmen ab gelehnt. Hierauf wurde mit 20 gegen 14 Stimmen beschlossen, in die Beratung des vorgelegten Gesetzentwurfes einzutreten. Der Finanz- nrtf Mefem Grundgedanken erschien es nach dem Lr- grimir der diplomatischen Sondierungen unter Berücksichtigung der außenpolitischen Gesamtlage dem Auswärtigen Amt für angebracht, den alliierten Regierungen zur Kenntnis zu bringen, auf welcher Grundlage eine Mitwirkung Deutschlands an der Regelung der Sicher- heitssrage in Betracht kommen konnte. Zu diesem Zweck wurde den alliierten Regierungen im Februar ein Memorandum überreicht, bas die verschiedenen Losungsmöglichkeiten zur Erörterung stellle. Nachdem die vom französischen Botschafter übegebene Note vom 16. Juni konkrete Vorschläge gemacht hat, die die deutscherseits bezeichneten Lö- sungsmöglichkeiten teils ändern ober miteinander verbinden und ihnen neue Vertragskonstruktionen hinzufügen, ist nunmehr das Kabinett zu einer Beratung des Gesamtkomplexes der dadurch aufgeroor- fenen Fragen zusammengetreten. Das Kabinett ist dabei übereinstimmend zu dem Ergebnis gelangt daß die in der französischen Note vorgeschlagenen Erörterungen zur Vorbereitung einer endgültigen Stellungnahme alsbald aufzunehmen sind Die deutsche Regierung, die im Einklang mit den Schlußworten der französischen Note auch ihrerseits das Zustandekommen von Verhandlungen begrüßen würde, die zu einer neuen und wirksamen Friedensgewähr führen, wird unentwegt an dem Ziel Deutschlands festhalten, im Sinne der vorstehend bargelegten Bestrebungen zu einem wirklichen Frieben zu gelangen, ber burch bas Sicherheitsabkommen auf volle Gegenseitigkeit begründet werben soll. ausschuh hat alsdann mit wenig redaktionellen Aenderungen die vier Paragraphen des Gesetz- entwurfes angenommen. Cs wurde ferner ein Zusatzparagraph genehmigt, der die Regierung verpflichtet, vor Ende dieser Session einen Plan finanzieller Sanierung vorzulegen, der die Amortisierung der öffentlichen Schuld zum Ziele hat. Diese Amortisierung soll durch eine Amortisierungskasse durchgeführt werden. dez-en Mittel durch besondere Einnahme- -quellen geschaffen werden sollen. Die Regierung wurde ferner verpflichtet, vor Ende der Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Erbs chafts st euer abgeändert wird. schwere Kämpfe in Marokko. Paris, 26. 3uni. (WTD.) Havas veröffentlicht den amtlichen Heeresbericht, der besagt, im Zentrum haben die feindlichen Einbrüche auf Ain-Maatouf keine Fortschritte gemacht. 3m Osten haben Dissidenten und Rif- kontingente, die im nördlichen Abschnitt am 24. und 25. 3uni gemeldet worden waren, ernste Einbrüche auf unsere Posten versucht. Auf der einen C^ite, im Tale von Oued-el-Kebir und im Hochtal von Leban und auif der anderen Seite, im Tale von Oued-Mooun sind sie auf den energischen Widerstand der franzosentreuen Stämme gestoßen, die mit Unterstützung französischer Streitkräfte einen heftigen Gegenangriff unternommen haben. Bei Oued-el-Kebir ist der Feind aüf 2000 Meter nöpdlich unserer Stellungen zurückgeworfen worden. Ebenfalls ist er im Tale von Mooun zum Stehen gebracht worden und hat sich unter Verlust von 30 Toten und 6 Verwundeten in Einordnung zurückgezogen. Das Flugzeuggeschwader hat stark zum Erfolg des heutigen Tages beigetragen durch heftige Bombardierung der Dissidententruppen und der feindlichen Dörfer, von denen die Angrifisbewegung ausgegangen war. Der polnische Zollkrieg. Auch gegen Danzig. Danzig, 26. 3uni (DD.) Der polnische Finanzminister hat das Landeszollamt ber Freien Stadt Danzig telegraphisch benachrichtigt, daß die vor einigen Sagen veröffentlichte R hmenverordnung betreffend d.s Einfuhr- verbot für bestimmte Warengattungen und für Waren, die aus Deutschland einge'süh t werden, Anwendung findet. Dee (Senat hrt daraufhin heute abend über die seitens der Freien Stadt notwendigen Schritte beraten und für morgen vormittag den Zusammentritt des Hruptaus- schusses bei dem Präsidenten des Dolkstages erbeten. Chinesisches. Eine amerikanische Vermittlungs- aktion? Paris, 27. Juni. (TU.) Aus Washington wird gemeldet, daß der chinesische Gesandte dem Staatsdepartement ein Exemplar der Note überreicht hat, die dem diplomatischen Korps in Peking ausgehändigt worden ist. Im Weißen Hause wird die Möglichkeit einer Dermittlungs- aftion Amerikas zwischen China und den ausländischen Mächten besprochen. Die Deutschen in Kanton unbehelligt. Berlin, 27. Juni. (TU.) Halbamtlich wird mitgeteilt: Das deutsche Generalkonsulat in Kanton meldet unter dem 25. Juni 1925: Die Deutschen in Sanfon sind in ihren Wohnungen in = j 3 a uonhiöusL qun uohsöunH uajqpijaofß uaq biteben und befinden sich alle wohl. Reid)sbantpräfibent Dr. Schacht in Darmstadt. Die gegenwärtige Währungs- und finanzpolttische Lage. Darmstadt, 27 3uni (Eig Drah b .r cht. i Gestern abend fand im Gebäude des hessischen Landtages in Darmstadt ein parlamentarischer Abend statt, der durch einen Dortrag des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über die gegenwärtige DährungS- und finanzpolitische Lage eingeleitet wurde Der Vortrag tumbe im Sitzungssaal gehalten, der mit Blattpflanzen reich geschmückt war. Staatspräsident Ulrich war wegen Krankheit am Erscheinen verhindert. Anwesend waren die Minister von Brentano. Heinrich und Raab, außerdem die Abgeordneten sowie zahlreiche geladene Gäste, vor allem höhere Beamte der Ministerien, Vertreter des Provinzial-Direktoriums, des Kreisamtes d r Stadt Darmstadt, der technischen Hochschule, ber Hanbels-, Handwerks» unb Lanbwirtschaßs- Kammem unb anderer Korporationen und Behörden 3m ganzen waren es ungefähr 200 Personen, die, soweit sie nicht im Saale anwesend sein konnten, auf den Galerien Platz nahmen, um dem Dortrag beizuwohnen. Der Reichsbankpräsident sprach einleitend davon, baß es notwendig sei, die finanzpolitische Frage einmal mündlich zu erörtern, ba bies burch bic Lektüre sehr schwer möglich sei. Der Redner verbreitete sich über bic Entstehung bet Rentenmark unb bezeichnete sie als einen psychologischen Eingriff in bic beutsche Dolkspsyche. Der Wert ber Renten mark liege barin, daß s i e im rechten Augenblick bas Dertrauen ber Wirtschaft unb besonders der Landwirtschaft gewann. Die Renten- mark sei niemals gesetzliches Zahlungsmittel gewesen unb sei es auch heute noch nicht, doch habe die Reichsbank ihr diese Bedeutung verschafft. Der Redner gab bann einen ileberblirf über die währungs- und finanzpolitische Lage bis zum Abschluß des D a wes - G u t a cht e n s. Als die Beratungen begannen, war die Stabilisierung schon durchgeführt. Die Beeinflussung der Reichsbank-Organisation durch das Gutachten ist nicht sehr bedeutend und für uns durchaus zu ertragen. Der Einfluß des Auslandes beschränkt sich darauf, daß ein G e n e r a l r a t gebildet wurde, in dem 7 Deutsche unb 7 Ausländer sitzen. Der (Sone r a l r a t wählt den Präsidenten der Reichsbank, nur müssen immer 6 deutsche Stimmen für den Kandidaten abgegeben werden. Wählen die 7 Deutschen denselben Kandidaten, dann braucht er nur noch 2 Stimmen der Ausländer. Unter den Ausländern befinden sich ein Schweizer, ein Holländer und ein Amerikaner. Außerdem habe der Reichspräsident ein zweimaliges Bestätigungsrecht. Der Einfluß des Generalrates auf die Geschäftsführung der Bank sei gleich Rull. Tatsächlich ist das alte Reichsbankdirettorium das neue Reichsbankdirektorium. Der Generalrat tritt einmal monatlich zusammen, um den Bericht des Kommissars entgegenzunehmen. Der Kommissar ist ein Holländer, der Rationalökonvm ist. Bisher ist die Zusammenarbeit mit den Ausländern reibungslos verlaufen. Die Golddeckung der Reichsbank erfolge teils in Gold, teils in Devisen. Wir müssen 30 Proz. des Rotenumlaufs in Gold und 10 Proz. in Devisen halten. Heute haben wir einen Goldschatz von über 1 Milliarde Reichsmark. Wenn wir Gold oder Devisen an die Wirtschaft geben, so wird dies nur gegen Bezahlung von baren Reichsmark erfolgen, b. h. die Wirtschaft muh aus dem Verkehr soviel Roten entziehen, daß sie die Reichsbank bezahlt, was praktisch einen Rückgang des Rotenumlaufes bedeutet. Die Kredit- beschränkung ist ein Druck auf die Wirtschaft, möglichst viel und möglichst billig zu produzieren, um aus der Produktion heraus neues Kapital zu schaffen. Das ist ber einzige Weg, auf bem ber deutsche Kapitalmarkt aufgebaut werden kann. Wir halten den Zins- f u ß möglichst n i edrig. Die Kapitalbildung ist heute das wichtigste für die deutsche Wirtschaft, was überhaupt geschehen kann. Sie wird durch die Steuerpolitik von Reich, Ländern und Kommunen nicht gerade gefördert. Die Derschwen- dungswirtschaft im Reich, in den Ländern und Kommunen ist ein kurzes Vergnügen, die Folge davon werden große sozialpolitische Äonfhfte sein. Handel, Industrie und Landwirtschaft wünschen langfristige Kredite. Wir haben daher veranlaßt, daß die D e r - sicherungs-Gefellsch asten unb andere öffentlich-rechtliche Kassen ihre Prämien unb Reserven langfristig an 3ndustrie, Handel und Landwirtschaft a u s l e i h e n. Diese Bemühungen sind von Erfolg gewesen. Der Redner wandte sich dann scharf gegen die landwirtschaftlichen Zölle. Diese seien fein produktionsförderndes Mittel. Der Landwirtschaft fehlt es vor allem an Geld. Die Kreditfrage fei daher für die Landwirtschaft viel wichtiger, als die Zollfrage. Der Redner schloß feine Ausführungen mit dem Satze: „3ch glaube, daß die ReichSbcnrk für sich ba£ Vertrauen in Anspruch nehmen kann, daß fi© e Eisen« unbeirrt lediglich nach großen wirtschaftlichen Gesichtspunkten ihre Politik führt, und hoffe, daß ich auch weiter die Garantie hierfür übernehmen kann." Landtagspräsident Adelung sprach darauf dem Redner den Dank der Anwesenden aus und wies auf die schweren wirtschaftlichen Röte . Hessens hin, das zur Hälfte besetzt sei. Rach dem Vorträge nahmen die Anwesenden in den Rebenräumen Platz, wo Erfrischungen gereicht wurden. lionen Mark aufzuweisen, die H e s i i s ch bahnoktiengesellschaft (Heag) habe ein I braucht werde, daß die hessischen Beamten immer noch nicht die schwarzrotgoldene Kokarde hätten, daß manche Kreis- und Provinzialdirektoren nicht Berfassungsfeiern beigewohnt hätten usw. Minister v. Brentano wendet sich gegen die Beschwerden des Vorredners über die Titel und belehrt ihn dahin, daß nicht alle Titel abgeschafft seien, sondern nur bestimmte Kategorien; es könnte ja sein, daß Abg. Schreiber wegen seiner Verdienste um die Justiz zum Geheimen Justizrat ernannt werden könnte, wogegen er sicher nichts einzuwenden habe (Heiterkeit). Daß die Minister von manchen Leuten mit Exzellenz angeredet würden, könnten sie doch nicht verhindern; sie könnten doch nicht ständig ein Schild mit sich herum tragen, auf dem stehe, ein Minister habe kein Recht, den Exzellenztitel zu führen. Um 11J Uhr tritt eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen verlangt auf Grund der GeschäftsordnungAbg. Galm (Komm.) vom Präsidenten Nuß Auskunft, warum die Regierung eine Kleine Anfrage der Kommunisten, wie die Regierung im Reichsrat zum Zolltarif gestimmt habe, noch nicht beantwortet hat. Abg. Galm wirft im Zusammenhang hiermit dem Präsidenten vor, daß er die Geschäftsordnung nicht einhalte. Präsident Nuß macht darauf aufmerksam, daß die Antwort bereits erteilt worden ist, womit sich der Abg Galm jedoch nicht zufrieden gibt und bann einen' solchen Lärm verursacht, daß er vom Präsidenten dreimal zur Ordnung gerucn wird. Der Präsident befragt dann das Haus, ob es gewillt fei, den Abg. Galm noch weiter anzuhören? Das Haus lehnt dies ab, mit Ausnahme der Kommunisten und des einen Nationalsozialisten Hauck. Da Abg. Galm immer weiter redet, bricht der Präsident die Verhandlungen ab und beraumt für 10 Minuten später eine neue Sitzung an. Die neue Sitzung wird aber erst eine halbe Stunde später ausgenommen. Abg. Frau Roth (Komm.) erhält das Wort zur Geschäftsordnung; sie verliest den Artikel 38 der Geschäftsordnung über die Behandlung der Kleinen Anfragen. Sie führt dann aus, daß die Regierung die kommunistische Anfrage über ihre Haltung in der Zolloorlage nicht beantwortet habe und sich heute morgen auf eine weitere Anfrage der Kommunisten hier geweigert hätte, eine Antwort zu erteilen. Abg. Galm verursacht durch Zwischenrufe und andauerndes Reden trotz Einspruchs des Präsidenten einen solchen Lärm, daß dieser um 12} Uhr die Sitzung a b b r i ch t und die nächste Sitzung auf Dienstag vormittag 10 Uhr anberaumt. Aus Zwischenrufen des Abg. Galm ist zu entnehmen, daß er in der nächsten Sitzung den Widerstand fortsetzen wird. Als die Sitzung geschlossen wird, ist das Haus in großer Erregung und es fehlt nicht viel, so wäre es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten gekommen. Deutscher Reichstag. Verlängerung der 3. Steuernotver- ordnnng. Das Haus tritt in dre erste Beratung des Gesetzentwurfes der Regierungsparteien zur V er- längerung der Geltungsdauer der dritten Steuernotvervrdnung ein. Abg. Keil (Sok.) weist darauf hm. daß im vorigen Jahre die Deutschnationalen, als sie noch nicht Regrerungspartei waren, die Aufhebung der dritten Steuernotvervrdnung beantragt hatten. Heute hatten sie den Gesetzentwurf zur Derängerung der dritten Steuernotvervrdnung mitunterzeichnet. Die Sozialdemokraten würden diese Taktik und damit den Gesetzentwurf ablehnen. Abg, Korsch (Kom.) lehnt den Gesetzentwurf ebenfalls ab. In der A b st i m m un g nimmt das Haus den Gesetzentwurf in allen drei Siefungen an. Die dritte Steuernotderordnung gilt demnach bis zum 15. Juli 1925. Das Haus wendet sich dann der Beratung der Rovelle des Unfallversicherungs- g e s e tz e s zu. Die Rovelle enthält einen Aufbau der Sachleistungen mit den durch die Rach- kriegsverhaltnisse erforderlich gewordenen Abänderungen, teilweise mit rückwirkender Kraft, sowie ein Aufbau der Derlehten- und Hinterbliebenenrente. Abg. Becker- Herborn (Soz.) findet noch viel dringendere Wünsche in dem vorliegenden Entwurf nicht berücksichtigt. Hauptaufgabe müsse es sein. Unfälle zu verhüten. Abg. Schwarzer (Bahr. Bpt.) hebt hervor. daß die soziale Gesetzgebung zur Zeit leider beeinträchtigt werde durch die schwierigen wirtschaftlichen Berhällnisse. Auf den Gebieten der Invalidenrenten, der Arbeitslosenfürsorge und Erweiterung der Krankenfürsorge bringe der vorliegende Entwurf aber wesentliche Hilfe. Angestellte des Gastwirtsgewerbes, das Theater- personal und die Feuerwehr seien jedoch nicht berücksichtigt. Diese Wünsche seien berechtigt und müßten berücksichtigt werden. Das sei aber bei der jetzigen Rovelle nicht möglich, weil ihre Verabschiedung sonst hinausgezögert würde. Abg. Riedel (Kom.) erklärt, die Rechtsparteien wüßten offenbar sehr wohl, daß sich zu Gunsten dieser Vorlage nichts sagen ließe. Abg. Ziegler (Dem.) meint, die neue Un- fallvorlage bedeute einen Schritt vorwärts auf dem Wichten Gebiete der Sozialpolitik und eS fei namentlich zu begrüßen, daß die Kinderzulage für Schwerbeschädigte eingeführt sei. Damit schließt die Generaldebatte. In der Einzelberatung setzt sich Abg. A u f - Häuser (Soz.) für seinen Antrag ein, de Angestellten des Gastwirtgewerbes uno des Th-ater- Personals sofort in den Kreis der Unfallver- sicherungspflichtigen aufzunehmen. Ministerialdirektor Grieser gibt die Zusage der Regierung, daß sie die in dem Antrag Aufhäuser gewünschte Einbeziehung der erwähnten Derufsgruppen in einen besonderen Gesetzentwurf vornehmen werde und sich ernsthaft mit der Frage beschäftige. In namentlicher Abstimmung wird der sozialdemokratische Antrag mit 247 gegen 138 Stimmen abgelehnt. Damit ist der vorerwähnte Ausschußantrag angenommen. Annahme findet ein Antrag der Regierungsparteien, der festseyt, daß Renten von nicht mehr als einem Zehntel der Vollrente zwei Jahre nach dem Unfall durch den dreifachen Betrag einer Jahresrente abgefunden werden können. Rach Annahme weiterer weniger bedeutender Anträge wurde die zweite Lesung der Unfallvorlage beendet und die Vorlage, durch die angenommenen Anträge verändert, angenommen. fast eben so hohes Guthaben; man habe indessen in der Darmstädter Stadtverwaltung anscheinend nicht die Absicht, das Guthaben zur Deckung des Fehlbetrages zu verwenden. Der Redner warnt ebenfalls vor einer Finanzierung des Wohnunas- wesens durch ausländisches Geld und wendet sich gegen die Note der Entente, roorui die Aufhebung der Kasernierung für die Schutzpolizei verlangt wird. In großen Teilen Hessens, wo keine Reichswehr fei, könne unmöglich diesem Verlangen nachgegeben werden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen spricht der Redner über die Zuwendungen für die Kirchen ; er bedauert es, daß das Zentrum sich mit dem Etat und auch mit dem für die Kirchen bereitgestellten Betrag abfindet. Abg. Schreiber (Dem.) bringt eine Reihe von Einzelwünschen vor; er beschwert sich u. a., daß der Exzellenztitel in Hessen noch geLärmszenen im Hessischen Landtag. Darmstadt, 26. Juni. (Eigener Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9! Uhr. Nach Erledigung einiger Kleinen Anfragen der Kommunisten tritt das Haus in die Beratung des Staatsooranfchlags ein. Die Verhandlungen werden bei Kap. 27. Ministerium des Innern, fortgesetzt. Abg. Hofmann- Darmstadt (Zentr.) bringt eine Reihe von Wünschen zu diesem Kapitel vor. Er will, daß Maßnahmen gegen b i e Vergnügungssucht ergriffen werden. Ferner wünscht er u. a. Maßnahmen gegen die Teuerung. Der Redner weist darauf hm, daß in anderen Ländern mehr von Staats wegen geschieht zur P f a r r stellen- besoldung. Es müßten mehr Mittel eingestellt werden, denn aus der Kirchensteuer konnten die Mittel zur Pfarrstellenbesoldung nicht eingebracht werden. Im Anschluß hieran verliest Abg. Hofmann eine längere Liste über die Zahl der Katholiken, die in höheren Beamtenposten sind, und klagt über mangelnde Parität. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) legt im Namen seiner Partei ein Bekenntnis zur Selbst- v e r w a l tu n g ab, der größten Errungenschaft des 19. Jahrhunderts. Dis Selbstverwaltung fei schwer geschädigt worden, namentlich auch durch die Erz- bergersche Finanzreform. Das Selb st Verantwortungsgefühl müsse wiederkehren, namentlich in den Stadtverordnetenversammlungen und in den Gemeinderäten. In den größeren Städten werde gar nicht gespart; viele Beamte seien in den akademischen Besoldungsgruppen, die gar nicht dahinein gehörten. Die berechtigten Richtlinien über die B e - soldung der Gemeindebeamten würden, wenn sie zum Gesetz erhoben werden, den Tod der Selbstverwallung bedeuten. Die Gemeindebeamten in Städten und Orten mit Städteordnung seien sicher- gestellt und im großen und ganzen den Staatsbeamten gleichgestellt. Es sei unmöglich, diese Grundsätze auf die Landgemeinden zu übertragen. In der Vorkriegszeit habe das Ministerium des Innern 6fJ höhere Beamte gehabt, dabei feien ihm noch die Aufgaben des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft sowie des Landesbildungsamtes zugeteill gewesen; jetzt zähle das Ministerium 18 4 Beamte. Abg. Dr. Niepoth (D.Vp.) verlangt ebenfalls die Aufrechterhaltung der Selbstverwaltung der Gemeinden im Namen der Deutschen Volkspartei, allerdings bei finanzieller Selbständigkeit. Der Redner erklärt bann: Das Ministerium des Innern hat zwar nicht alle unsere Wünsche erfüllt, aber man hat doch die Ueberzeu- gung, daß es gewillt ist, die Wünsche der Gemeinden zu erfüllen. Die Vergnügungssucht weiter Bevölke« rungsschichten ist zu beklagen. Die Kreisämter sollten bei der Erteilung von Wandergewerbe- scheinen viel vorsichtiger sein. Die Bürgermeistereien können daher oftmals nicht gegen herum- ziehende Leute in wünschenswerter Weise einschrei- ■ten. Die Preisprüfungs stellen haben in der Inflationszeit versagt und tun es jetzt auch. I Kreisämter dürfen nur einschreiten, wenn z. B. das ■ Gemeindevermögen benachteiligt wird; Verwahrung * muß jedoch dagegen eingelegt werden, wenn ihnen , ein Aufsichtsrecht im Sinne der Regierungsmehrheit übertragen werden sollte, wie das der Abg. Ritzel will. Wir lehnen das ab. Auch was dieser Abgeordnete über angebliche Mißgriffe der Kreisämter gesagt hat, trist nicht zu; in Lauterbach und in Alsfeld z.B. arbeiten Kreisämter und Bürgermeistereien in vorbildlicher Weise zusammen. Die Wohnungsnot durch ausländisches Geld beseitigen zu wollen, ist gefährlich, denn es gäbe eine Krebitinflation. Die lieber« tragung frember Aufgaben an bie Bürgermeistereien ist abzulehnen, zum mindesten ist eine besondere Vergütung dafür zu fordern ober eine Berücksichtigung biefer Leistungen im Finanzausgleich. Das Land lehnt bie gebundenen Listen bei den Wahlen a b, denn es wählt immer noch lieber Persönlichkeiten. Es ist zu begrüßen, wenn bie künftige Gesetzgebung bestimmt, baß bie Wahlen zum Provinzialtag nicht mehr birett durch bie Wähler vorgenommen werben, sondern die Zusammensetzung über bie Kreistage hin erfolgt. Dasselbe System müßte auch für bie Wahlen zu den Kreistagen Geltung erlangen. Wir sind gegen bie Uebernahme von Kun st st raßen durch den Staat; bedauerlich ist es, daß die Ortsdurchfahrten von den Straßenherstellungen ausgenommen werden und man den Gemeinden die Kosten hierfür auf erlegt. Viele Gemeinden sind so arm, baß sie diese 2lufwendungen nicht allein tragen können; Kreis und Provinz müßten an den Kosten beteiligt werden. Der Redner verlangt weiter den Zusammenschluß offen!» licher Banken (Kommunalbank, Landesbank und Londeshypothekenbonk). Das Land muß auch b e - fähigte Lokalbeamte behalten, diese Dürfen nicht immer zu den Zentralbehörden verseßt werden. Das Ministerium des Innern hat bis jetzt allen Versuchen zur Politisierung der Verwaltung Widerstand geleistet; bei diesem Bestreben hat es immer die Deutsche Volkspartei zu seiner Seite. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Kindt (Dschn.) wendet sich gegen die viel zu hohe Einstufung vieler städtischer Beamter; die Regierung müßte hier einmal nach dem Rechten sehen. Der Haushalt der Stadt Darm- stadt habe einen Fehlbetrag non ungefähr 6 Mil- Zum dritten Punkt der Tagesordnung, Abänderungsverhandlungen über den deutsch-spanischen Handelsvertrag, gibt Ministerialdirektor Winzer namens der Reichsregierung eine Erklärung ab, aus der hervorgeht, daß bereits 30 Millionen Mark Kredite für die Winzer zur Verfügung gestellt seien. Hinsichtlich der Steuererleichterungen für den Weinbau habe die Reichsregierung, was die Reichssteuer anlange, die Finanzämter verständigt und auch auf bie Länderregierungen eingewirkt. Was die Weinsteuer anlange, so habe die Regierung im Weinsteuergesetz die möglichen Erleichterungen vorgesehen. Der deutsche Botschafter in Madrid habe sogleich bei der spanischen Regierung beantragt, sofort neue Verhandlungen über bie vom deutschen Reichstag ausgeführte Beschwerde einzuleiten. Eine Antwort sei zwar auf diesen Antrag noch nicht erfolgt, doch hoffe die Reichsregierung, auf dem Verhandlungswege zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen. Die Neugestaltung der Ausschüsse vor dem Aeltestenrat des Neichstages. Berlin, 26. Juni. (Wolff.) Der A e 11 e ft c n = rat des Reichstages hat heute die in der gestrigen Sitzung des Plenums beschlossene neue Einteilung der Ausschüsse vorgenommen. Außerdem hat sich der Aeltestenrat dahin geeinigt, daß zunächst alle Ausschüsse unter den alten Vor- sitzenden weiter tagen sollen, und daß sofort ein Unterausschuß eingesetzt werden soll, der sich mit der Frage beschäftigen wird, ob und wann in den Ausschüssen die Neuwahl der Vorsitzenden vorgenommen werden soll. Im Steuerausschuß des Reichstages hat heute vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsitzende Dr. Oberfohren die neue Schlüsselung der Mitgliederzahl des Ausschusses mitgeteilt. Danach haben die Sozialdemokraten 7, die Deutschnationalen 6, das Zentrum 4, die Deutsche Volkspartei 3, die Kommunisten 3, die Demokraten 2 Mitglieder, die Wirtschaftliche Bereinigung ein, die Bayrische Volkspartei ein und die Völkische Arbeitsgemeinschaft ein Mitglied. Insgesamt besteht der Ausschuß also wieder aus 28 Mitgliedern. Der Mindener Reichswehrprozeh. Minden, 26.. Juni. (TU.) In dem Prozeß wegen des Bovtsunglücks auf der Weser bei Minden wurde heute Oberst Stoppe vom Reichswehrministerium als Sachverständiger vernommen. Er tarn zu dem Ergebnis, daß Jordan den Vorschriften gemäß geha n- d e l t habe und daß er nichts verabsäumt habe. Das Unglück sei durch das Zusammentreffen vieler unglücklicher Umstände entstanden, die einzeln keine Gefahr bedeutet hätten. In ähnlicher Weise äußerte sich der zweite Sachverständige, Oberst v. Sommerfeld -Kassel. Der nächste Sachverständige, Regierungsbaurat K l e i n s ch m i 11- Minden, erklärt, daß die Fähre durchaus nicht zu stark belastet war, um sinken zu müssen. Bei richtiger Verteilung hätte noch eine Freibvrdhöhe von 25 Zentimeter erzielt werden können. Lediglich eine geringe Verschiebung der Last habe die Katastrophe verursacht. Regierungsbaurat Berlin- Hameln erklärte in seinem Gutachten, daß bei der Belastung der Fähre, wie sie am Unglückstage gewesen sei, eine glatte Ueberfahrt möglich gewesen wäre. Die Verhandlungen wurden auf Samstag 9 Uhr vertagt und sollen mit den Plai dohers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung beginnen. Äe Urteilsverkündung wird in den ersten Rachmittagsstunden zu erwarten sein. Das Urteil im Rathenau-Prozeh Leipzig, 26. Juni. (Wolff.) Im Ratbenau- Prozeß ßat der Vertreter der Reichsanwaltschaft, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Rückert, gegen Brand wegen Beihilfe zum Morde, begangen durch Unterlassung der Anzeige vom Mordplan eine Zuchthausstrafe von 3','j Jahren und wegen unbefugten Waffenbesitzes eine Geldstrafe von 500 Mark beantragt. Ein Jahr und ein Monat der Freiheitsstrafe sollen als verbüßt gelten. Bei Küchenmeister kam der Anklagevertreter zu dem Ergebnis, daß Küchenmeister von dem eigentlichen Zweck, dem das Auto dienen sollte, keinerlei Kenntnis hatte. Er beantragte deshalb Freisprechung. Am Abend wurde das Urteil verkündet. Der Gerichtshof hat sich hinsichtlich des Angeklagten Küchenmeister dem Antrag des Reichsanwaltes angeschlossen und auf F r e i - s p r e ch u n g erkannt. Bei dem Angeklagten Brandt wurde nicht Beihilfe zum Morde, sondern Vergehen gegen § 139 StGB, angenommen, jo daß nicht auf Zuchthaus, sondern auf Gefängnisstrafe zu erkennen war. Hinsichtlich der Länge der Strafe ist der Gerichtshof über den Antrag des Reichsanwalts hinausgegangen und hat auf 4 Jahre Gefängnis erkannt. Wegen unbefugten Waffenbesitzes wurde der Angeklagte Brandt außerdem zu 5 00 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die Geldstrafe sowie ein Jahr Gefängnis gelten als durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt. DerMoskauerStudentenprozeh Moskau, 26. Juni. (Wolff.) Schon jetzt wird ersichtlich, daß die Angeklagten Wolscht und K i n d e r m a n n, die auf Verteidiger verzichteten, sich dadurch schädigten, denn ihre Unkenntnis der russischen prozessualen Gepflogenheiten macht sich sehr störend geltend, trotz Zusicherung des Vorsitzenden, ihnen von Fall zu Fall Aufklärung zukommen zu lassen. Der Umsturz in Griechenland. Ohne Blutvergießen. — Militärregierung. Griechenland kann seit dem Jahre 1909 nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder wird es von Putschen und Unruhen heimgesucht, die den inneren Ausbau des Landes stören. Gestern haben nun rechtsstehende Offiziere die Regierung Michalakopulos gestürzt und die Mili- tärdiktatur ausgerufen, wei ldie jetzige Regierung zu schwach und außerdem unfähig fei, die inneren Verhältnisse der Republik zu festigen und bte Unzufriedenheit des Volkes zu beschwichtigen. Die Gärung in der Militärpartei hat mit dem Rücktritt des Generals Condylis, der das Ministerium des Innern innehatte, stärkere Formen angenommen. Was eigentlich Öfe Hauptz» Veranlassung gab, in diesem Qwgenblide diöMu« tärbiftatur auszurufen, geht auS den twrliegat^ den Meldungen nicht klar hervor. Wahrfcheintt^l ist, daß sie mit den Erklärungen, die der ÄrtegÄ Minister im Heeresausschuß der DatttmalVsv, sammlung über die Rü stungsmaßnahmen uny Waffenbestellungen abgab, in direktem Zusammen-- Hang stehen. Die Erklärung deS KriegSministevS,. daß die Regierung alles tun werde, um die Dev, teidigmrg des Landes zu sichern, und die An»! kündigung, daß ein außerordentlicher Rüstungs. kredit in Höhe von zwei Milliarden Drachmen dazu verwendet werden sollten. Dieses 3td zu erreichen, scheint der Militärpartei nicht genügt Zu haben, obwohl es eine Verdoppelung deS Heeresbudgets darstellt. Da der Putsch von Sakvniki auSgegangen ist, wird man annehmen können, daß auch das Derhatten der Regierung bei den Bündnis- Verhandlungen mit Jugoslawien eine große Rolle bei der Unzufriedenheit der Milttär- partei spielt. Man ist der Ansicht, daß die For- derungen Jugoslawiens, die versuche, Saloniki mehr und mehr zu einem jugoslawischen Hafen zu machen und die Bahn Gevjh^i—Saloniki in jugoslawische Hände zu bringen, von der Regierung viel energischer hätten zurückgewiesen werden müssen. Das Kabinett Michalakopulos hat sich den Forderungen der Militärpartei gefügt und ist zurückgetreten. Angesichts des immer weiteren Umsichgreifens des Putsches auf das Heer und die Marine, würde der Regierung wohl auch keine andere Wahl geblieben sein, da ihr nicht genügend Truppen zur Verfügung stehen, um der Bewegung mit Aussicht auf Erfolg entgegenzutreten. Wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, ist natürlich noch nicht geklärt. Sicher ist aber, daß die Militärpartei nur die Bildung einer Regierung zulassen wird, die die Interessen der Partei und der Offiziere im weitgehendsten Maße garantiert, die besonders über den zahlreichen Außerdienststellungen von Offizieren empört sind. Athen, 26. Juni. WTD.) Rach einet Meldung beS englischen Funkdienstes ist P a p a • n a ft a f i u mit der Bildung des Kabinett- 6e* traut worden. Die Redolution scheint ohne Blutvergießen durchgeführt worden zu sein. Eine Prokolamation der neuen Regierung. Athen, 26. Juni. General PangaloS hat eine Proklamation an das Voll gerichtet, das er als Hort der Revolution trat zeichnet. Darin stellt er fest, daß die ungeheure Mehrheit des Volkes, des Heeres und der Marine die Umsturzbewegung billige. Er verspricht dann eine gute Verwaltung, Gleichheit für alle, Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung, eine exemplarische Bestrafung aller Unterschleifen von öffentlichen Geldern, fofortige Reu- organisation der militärischen Kräfte und die Regelung der Flüchtlingsfrage. Die Lage bleibt noch ungeklärt. Pangalos wird zunächst die Ministerkrise regeln und längere Zett das durch die Revolution geschaffene Staatsoberhaupt fein. Aus aller Wett. Exploswn in einem Kinotheater. ft anfas City, 26. Juni (Wolff.) Gestern abend ist hier während der Vorstellung in einem ft i n o und Variete-Theater Feuer ausgebrochen, das eine furchtbare Explosion zur Folge hatte, die den Zusammen st urz der Bühne bewirkte. Der Verlust vieler Menschenleben ist zu beklagen. Rach der vorläufigen amtlichen Schätzung wurden 30 bis 40 Menschen getötet Zu dem Brandunglück wird noch gemeldet, daß nach der Explosion Flammen aus dem Dach herousschlugen und das Gebäude alsbald einhüllten. Die Feuerwehr und freiwillige Helfer retteten zahlreiche Menschen. Ein Mann wurde einige Stunden nach der Katastrophe noch lebend aus den Trümmern geborgen. Das Geböude, das zwanzig Läden und ein großes Mehllager enthielt, wurde vollkommen zerstört. Es ist noch ganz ungewiß, wieviel Leichen unter den Trümmern begraben find. Bet den Rettungsarbeiten wurde ein Feuerwehrmann getötet und zwei verletzt. Die Katastrophe ist vermutlich durch eine Ewlo- fion in einem Laden unter dem Theater verursacht worden. Die Decke und hie Galerien des Zuschauer- raumes stürzten ein. Die umherfliegenden Trümmer verursachten unter den zu den Ausgängen drängen- den Zuschauern eine furchtbare Panik. Luftschiff und Flugzeug. Berlin, 27. Juni. Bei dem gestrigen Festessen des Reichsverbandes der deutschen Presse äußerte sich Dr. Eckener über die wettere Entwicklung des Flugwesens dahin, daß für das Ueberfliegen von großen Sntfer- nungsspannen dys Luftschiff in Frage komme, dem dann das Flugzeug als Zuträger ober als Zustreuer des ihm Zugetragenen dienen könnte. Auf diese Weise würde sich ein durchaus glückliches Zusammenwirken zwischen Flugzeug und Luftschiff ergeben. Tagung des Deutschen Buchdrucker-Vereins. Wiesbaden, 26. Juni. Die Tagung deS Deutschen Buchdrucker-Vereins begann heute abend mit einer Begrüßungsfeier, bzw. einem Festmahl im kleinen Kurhaussaal. Der Kreisvorsitzende, M a h l a u , Frankfurt am Main, begrüßte im Ramen des Kreises II! des Deutschen Buchdruckervereins und der Bezirksvereine Wiesbaden und Mainz die aus' allen Teilen Deutschlands zahlreich erschienenen Vertreter der „Schwarzen Kunst", die vor nunmehr 525 Jahren am deutschen Rhein durch den Mainzer Bürger Gutenberg erfunden, sich zu größter Blüte entfaltete und heute unser ganzes Leben beherrscht. Hierauf sprach der Hauptvorsitzende des Vereins Deutscher Buchdrucker, Herr Zick- selb, Osterwieck, markante Worte über die Bedeutung der Buchdruckerkunst in der Entwickelung der Geschichte. Für Wiesbaden entbot Kurdirektor Rauch herzliche Grüße des Willkommens und wünschte der Tagung besten Ver- lau—Am Samstag wird hier die Hauptvorstandssitzung stattfinden, die sich mit internen VereinS- angelegenßeiten befassen wird. Die Hauptveranstaltungen finden am Sonntag und Montag in Mainz statt. Herrenwäsche jeder Art Erstklassige Maßanfertigung! Neuheiten ausgestellt! 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Juli beginnenden -Ziehung 4 Klaffe kommen Iß 000 Gewinne zur Ausspielung und in der sich anschließenden Schluß- klaffe 131 000 Gewinnc unb 2 Prämien im Gesamtbeträge von runb 30 Millionen Reichsmark. Kauf lose find jetzt noch in einer Anzahl Einnahme" vorrätig. o337id Aus Stadt und Land. Gießen, den 27. Juni 1925. Sommerfrische. Wer dieses Wort liest ober hört, denkt Viel- ■ leicht an ein Sommeridhll in den Bergen, im Walde an der See oder irgendwo, nur nicht daran, bah wir die ersten Sommertage haben unb daß diese programmwidrig frisch sind. Ich habe dieser Tage abends an die Hände gefroren und muhte mir erst nachdrücklich einreden. dah wir in den letzten Junitagen sind, um mich davon zu überzeugen, dah eS kein Aprillüftchen wäre. Mari hat uns des langen unb breiten eine neue Hitzwelle prophezeit, unb viele schwitzten idoon bei dem Gedanken, daß es nun wieder eine endloS lange Reihe von Tagen geben würde, too man den Kops hangen läßt, weil man nicht tveih an welchem (üblen Ort man fein Haupt zur Ruhe betten soll. Es läßt sich ja auch so schwer schlafen in den heißen Abendstunden, und die Mücken zeigen bann eine besondere Borliebe für allerlei Belustigungen ihrerseits, bie recht verdrießlich werden, bis man so wach ist. bau man sich h-rumquält unb ben Schlaf vertreibt. Diese Sorge war also nutzlos: es ist recht kühl am Abenb. Manchs Frauen machen dann sogar Feuer an und fühlen sich sehr behaglich. wenn sie mit einem angewärmten Zimmer aufwarten können. Der Umschlag kam zu plötzlich unb zu kräftig: er Pahl einem nun hoch nicht, trotzdem man noch vor etlichen Tagen gern ettoad von der Kühle gehabt hätte. Wer aus dieser Sommerfrische in ble „Sommerfrische" flieht, wirb dort wohl kaum finden, was er suchte, denn man hat es ja in vergangenen Sommern genugsam erlebt, daß eS bei solcher Temperatur am besten zu Hause ist. unb es gehört wirklich eine starke Portion von Urlaubsfteude dazu, um dann den Kopf nicht hängen zu lassen. H 1 Wenn man nervös ist. Ich ging dieser Tage durch die Straße so für mich hin und da lies nur mein Freund Max in die Quere. ..Hallo, aller Junge, Ma?, wie geht cs Dir?" Max sah mich betrübt an. „TBic es mir gebt? Frag mich nicht, ich bin am Lieberschnappen." — „Ueberschnappen? Wieso denn. Teuerster?" — .Mensch, Iah mich zufrieden, meine Aervenstrange reihen nächstens. Ich halte das nicht mehr aus. Der Hund, der Hund macht mich noch tot." Besonders geistreich mag ich nicht gerade ausgesehen haben, denn ich blickte beim besten Willen durch diesen Ausspruch Marens nicht durch. War er etwa in die Klauen einer Derbrecherbande gefallen? — „Der Hund. Max?..— „Ja doch, der Hund macht mich tot. das Hundevieh." — ..Aha," bei mir dämmerte es. .Denke dir." erzählte Max. und er erzählte viel lebhafter und mit bildhafteren Worten, als ich sie hier wieder geben kann, „denke dir, mein Hausnachbar hat einen Hund, der die Aachteile aller Rassen und Züchtungsarten auf sich vereinigt. Wenn meine Frau Wäsche im Garten aufhängen läßt, bellt er. kriecht durch ben Zaun, hopst nach ben Wäschestücken und amüsiert sich damit solange, bis die Objekte seiner Niederträchtigkeit bloh noch zum Fensterpuhen zu gebrauchen sind. Wenn bei uns die Haustür aufsteht, schleppt er uns den Flur voll Knochen unb zerfressene Lumpen, für bie er eine besondere Dorliebe hat. unb macht einen Heidenspektakel. Wenn ich Flöte übe (Max nennt die Flöte ein königliches Instrument. blafft bet Hund unb heult wie ein Zauberpriester der Fidschi-Insulaner. Wenn ich mittags schlafen will, kläfft das Diech. wenn ich abends schlafen will, kläfft das Diech: wenn ich morgens aufstehe, kläfft das Diech Ich habe eine Preisrätfelfrage bov: „Wann bellt der Köter von nebenan nicht?" Ich befürchte nur, dah sich bei mir sämtliche Gedankenfaden durch das Gejaule versitzt haben werden, bevor ich die richtige Antwort gefunden habe. Was soll ich machen? Reulich wollte ich den Köter mit dem Pusterohr eins aufbrennen, da ging das Ding nicht, und als ich nachher probierte, schoh ich im Rachbarhaus die Fensterscheibe ein. Zu packen kriegt man den Hund nicht, dah man ihn verprügeln könnte. Unb ich glaube, er ist auf ben Mann dressiert. Rein, weiht du. ich verzweifele. Was soll ich tun, um nicht noch ganz verrückt zu werden?" „Ser Klügere gibt nach, Max. Verkaufe dein Sjau« und ziehe in die Einöde," riet ich ihm. Doch da sah er mich wütend an unb lieh mich kurzweg ohne Gruh stehen. Ich kann es ihm nicht übelnehmen. Ohm hat er mich also auch noch im Magen.2k. Belchlagnahmeirete 3—4-Zimmer-Wohng. in gutem Haufe ob. 3-4 leere Räume bei alleinstehendem Herrn ober Dome gegen entfor. Abstn- bung gesucht. Evtl, kann Tauichwoh- nung i. nächster Rahe Stehens auf b. Lande gestellt werben. Schr. Angeb. unter 0648t a. d. Sieh. Anz. Die Juli-Miete in Hessen. Das Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft macht bekannt: Der für den Monat Juni festgesetzte Mietlatz von 80 v. H. der Friedensmiete bleibt auch für ben Monat Juli bestehen. Zur Beratung bes stäbtischen Haushaltsvoranschlags für 1925 ist bie Stabtverorbneten-Dersammlung auf Donnerstag, 2. Juli, nachmitags 4 Uhr, in ben Stabtocr- orbnetensitzungssaal einberufen worben. Eine weitere bemerkenswerte Borlage betrifft die Beschaffung eines Mittels zur Staubbekämpfung in ben Straßen. Schließlich wirb bas Stadl - Parlament u. a. noch über bie E r richtung eines Anbaues an bie Bezirksschule in bcr Westanlage zu beschließen haben. ** Das vorläufige (Ergebnis bet Volkszählung in Gießen. Bei ber Volks-, Berufs- unb Betriebszählung am 16. Juni wurden in unserer Stabt, nach der vorläufigen Feststellung, gezählt: Männliche Personen 15 732, weibliche Personen 17 560, Militär 561, insgesamt also 33 853 Einwohner. Die Volkszählung vorn 8. Oktober 1919, bie hier vergleichsweise zu betrachten ist. hatte folgende Einwohnerzahlen sestgestellt: Männliche Personen, einschließlich Militär, 16 776, weibliche Personen 16 646, insgesamt also 33 422. Das Ergebnis der Berufs- unb Betriebszählung vom 16. Juni liegt noch nicht vor. ** Vermeidung von Staubentwicklung bet Bauten. Das Polizeiamt Gießen erinnert im neuesten AmtsoerkhirbigungsblaU baran, baß biejenigen Bestrafung zu gewärtigen haben, welche es unterlassen, be iDauten, namentlich beim Abbruch von Gebäuden und bei ber Erneuerung bcs Verputzes, alle Vorkehrungen zu treffen, bie geeignet sinb. Gefahren für Vorübergehende unb eine beläftigenbe Staubentwicklung zu verhinbern. 5ns- befonbere ist dafür Sorge zu tragen, baß 1. ber Verputz unb bas Mauerwerk vor bem Abschlagen unb währenb dieser Arbeiten ausreichend benäht wird, 2. Bauschutt nicht auf die Erbe abgeworfen, sondern abgetragen ober in Gefäßen abgelaffen unb hierbei ebenso wie beim Auflaben auf Wagen unb Abfahren ausreichenb benäht wirb, 3. berartige Bauarbeiten, bei benen eine Staubentwicklung nicht ganz zu oermeiben ist, nur in den frühen Morgenstunden vorgenommen werden dürfen. Die Polizeibeamten sind mit ber Ueberwachung beauftragt **2lufgehobeneStraßensperre. Vom Polizeiamt Gießen wirb uns mitgeteilt: Die von uns unterm 24. April angeordnete Sperrun bes Wiesen- wcgs nach dem Philosophenwald zwecks Erneuerung bes Wiesecksstegs würbe aufgehoben. Ebenso würbe bie wegen Weißbinberarbeiten am Hause Kaplansgasse Nr. 3 aegeorbnete Sperrung ber Kap- lansgaffe aufgehoben. •• Gesperrt. Dom Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Wegen Vornahme von Instand- setzungsarbeiten wird die Brücke zwischen Klinik- strahe und „An den Bahnhöfen" von heute ab bis auf weiteres für jeglichen Verkehr — ausgenommen den von Fußgängern — gesperrt. *♦ Dom Dersorgungsamt wirb uns mitgeteilt: Die ben aktiven Offizieren unb Beamten der früheren Wehrmacht unb beren Hinterbliebenen für den Monat Juli zustehenben Ruhegehalts- usw. Bezüge werben am Dienstag, 30. Juni, vormittags C. O. Reuter Seltersweg 73 6366a Hoher Verdienst bietet sich rührigem Reisevertreler welcher Privatkundschaft besucht, durch den Vertrieb meiner patentierten Haushaltartikel. Zahle höchste Provisionen. Schrift!. Angebote unt. 6324V an den Gießener Anzeiger. Wohnungitau8ch| inniimiiiininnninmnmii WoilDDDIlM. ertöne Parterrewohnung <6 Zimmer) »u tauschen gegen größere 1. oder 2. Stock Schrillt. Angebote unter 6370D au ben Gieß. Anz. erbeten. 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Auch einem Institut wie dem Frankfurter Opernhaus, das über einen sehr großen Per- fonalförper verfügt, ist ein Gastspiel mit „Carmen" hier nur dadurch möglich geworden, daß in Frankfurt jetzt die Theaterferien einsetzen unb ein Teil der Mitglieder den Antritt der Erholungsreise bis nach Absolvierung dieses Gastspieles verschoben hat. Die Aufführung französischer Opern, die nach bem Ruhreinbruch der Franzosen längere Zeit unmöglich war, ist jetzt wieder zulässig, unb so dürfte diese Aufführung von Bizets Meisterwerk, das ja der getarnten musikalischen Welt gehört, doppeltes Interesse erwecken. Ium Mittelrheinischen Kreisturnfest. Dor einigen Tagen nahmen der ShrenauS- schuß und der Zestaus'chuh für das 3 2. Mitte I- rheinische Kreisturnfest in Gießen Gelegenheit, die bis jetzt errichteten Festbauten eingehend zu besichtigen und im Anschluß daran einen erschöpfenden Bericht über die bis heute geleisteten Vorarbeiten anzuhören. Die Angehörigen der beiden Ausschüsse und die Mit- glieber des Geschäftsführenden Ausschusses hatten sich recht zahlreich eingefunden. Zunächst wurde ein Rundgang durch den Dolkshallebau unternommen und hierbei festgestellt, dah die Bauarbeiten in erfreulicher Weise voranschreiten. Der Bau wird bekanntlich runb 3000 Menschen Daum bieten, mit einer großen Bühne ausgestattet sein, wie sie in gleichen Ausmaßen weit und breit nicht au finden ist. und eine ganze Anzahl Duffetstände haben, die eine schnelle Bedienung der Gäste ermöglichen. DaS neue Bauwerk wird bestimmt bis zum Kreisturnfest fertig sein, die Turner werden eS als erste in Benutzung nehmen. Auch auf den neuen großen Turn- und Sportplätzen ist mittlerweile noch viel Arbeit geleistet worden. Das geräumige Festpodium hat einen schlichten, aber würdigen Schmuck be- kommen, in dem es sich trefflich präsentiert. Am Eingang zu den Turnplätzen von dem Festplatz her ersteht eine große Ehrenpforte, die sich gut in den Rahmen des Ganzen einfügt. Tlebrigens sind die Plätze durch Hinzunehmen eines weiteren Gelände ftückes für die Turn fest- zwecke noch wesentlich erweitert und in ihrer Beschaffenheit recht vorteilhaft verbessert worden Im Anschluß an die Besichtigung, bei der man zahlreiche Aeuherungen der Zufriedenheit über die geleistete Bauarbeit hören konnte, fand auf der Liebigshöhe eine gemeinschaftliche Sitzung statt, in der der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses Gg. Kling Bericht über die bisherige Arbeit der Ausschüsse erstattete. Daraus ist hervorzuheben, daß alle Vorbereitungen planmäßig und tatkräftig im Gange sind. Die Lösung der Quartierfrage bedarf auch weiterhin die weitgehendste Unterstützung der gesamten Bürgerschaft, damit allen Gästen eine befriedigende Unterkunft geboten werden kann: recht weitgehende Ergebnisse sind bislang erfreulicherweise schon zu verzeichnen. Mr die musikalische und gesellige Ausstattung des Festes hat der Musik- und Der- gnügungsauSschuh in bester Weise vorgesorgt, um das leibliche Wohl der Gäste ist der Wirtschaftsausschuß in sehr umsichtiger Weise bemüht: auch nach dieser Richtung hin ist damit zu rechnen, dah alle Wünsche Erfüllung finden. Die Eintrittspreise sind recht bescheiden bemessen, man hat daraus gesehen, jedermann den Zutritt zu ermöglichen. In dankenswerter Weise werden die Giehener Gesangvereine und die Radfahrer das Unterhaltungsprogramm mit ihren Darbietungen bereichern. Für den Festzug find die umfassendsten Vorbereitungen im Gange, er dürste aller Voraussicht nach ein Glanzpunkt in der Geschichte unserer Stadt werden und Sehenswertes bieten, bas weit über Gießens Mauern hinaus Interesse finden wird. Der Presseausschuh bringt in diesen Tagen im ganzen Mittelrheinkreis das beim Plakatwettbewerb mit dem ersten Preis gekrönte Werbeplakat heraus, bald darauf erscheint das Festbuch zugleich mit dem Festabzeichen. Eine Festpostkarte soll mit einer Rheinland-Gedenkmarke versehen werden. Alles in allem ist zu sagen, daß mit einem in allen Teilen befriedigenden Verlaus des Festes gerechnet werden kann. Die Herren des Ehren- und des Festausschusses erklärten sich in allen Teilen als sehr zufrieden- gestellt und hoffnungsfroh, wenn unsere Einwohnerschaft auch weiterhin kräftig mithilft. Das neueste Junkers-Großflugzeug in Giesten. Die Einweihung bes Gießener Flugplatzes am 5. Juli wirb unserer Stabt eine ganz befonbere Flug-Denkwürdigkeit bringen. Der Leitung ber Luftverkehrs -A.-G. Oberhes - sen-Lahngau ist nämlich bestimmt zugesagt worben, baß bei biesem bebeutfamen Gießener Ereignis bas neueste Junkers-Großver« kehrsflugzeug zugegen fein soll. Diese Flug- maschine, bereu Type jetzt auch zu bem bekannten Siebenstaatenflug ber Presse benutzt würbe, wirb von brei Motoren getrieben, sie saßt 12 Personen unb bietet allen Reisekomfort ber Neuzeit. Prof. Junkers, ber geniale Erbauer dieser Flugmaschinen, wirb mit bem Großflugzeug in direktem । Flug von Dessau nach Gießen kommen, um selbst bei ber Feier zugegen zu sein. Voraussicht- bung unb Sonnen wendscier findet morgen bei Ober-Hörgesn bzw. auf Burg Münzen- berg start. Näheres im heutigen Anzeigenteil. ' Einziehung von Freimarken. Die seit bem 25. jebruar 1924 zugunsten ber Deutschen Nothilfe vertriebenen besonderen Wohlfahrtsmarken zu 5, 10, 20 unb 50 Pf. mit Bildern aus bcr Reihe bcr sieben Bilbwerke ber Barmherzigkeit in bcr Elisabechgalerie auf ber Wartburg verlieren mit Ablaus bcs Monats Juni 1925 ihre Gültigkeit zum Freimachen von Postsenbungen. * Die Ehescheidungen in Hessen nehmen an Zahl zu. Nach ben ..Mitteilungen ber Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" fielen auf bas Jahr 1922 457 Ehescheidungen. 1923 403, 1924 49tz. Die meisten Ehescheidungen entfaUcn aus Stadtbewohner, die meisten bcr Ehen wurden nach 2- bis lOjährigcr Dauer geschieden. In der Mehr- zahl bcr Fälle handelt es sich um kinderlose Ehen. In 228 Fällen wurde ber Mann, in 141 Fällen bie Frau und in 127 Fällen beide Teile für schul- big gesprochen. Die meisten bcr Geschiebenen fton- ben im Alter von 25 bis zu 30 Jahren. " Die Fleischbeschau in Hessen. Im Jahre 1924 wurden ber Schlachtvieh- unb Fleischbeschau in Hessen unterzogen: 2415 (3389) Pferbe unb onbere Einhufer. 9701 (4422) Ochsen, 2603 (1796) Bullen, 37 174 (28 039) Kühe, 32 549 (18 897) Junarinber, 68 942 (44 821) Kälber (bis 3 Monate alt)/ 185 588 (71 967) Schweine, 20 265 (11528) Schafe, 10 260 (10 693) Ziegen unb 1 (0) Hund. Die Zahlen in Klammern sind bie von 1923. •• Die Kapelle Topp ocranftaltete am Donnerstag abend auf bcr „Liebigshöhe" ihr zweites Äbonncmmlslcnzc.t Der Besuch war wieder recht gut. Em gut zusammengestellte« Programm, das flott abgewickelt wurde, brachte der Kapelle reichen Beifall ein und bereitete den Besuchern einige Stunden angenehmer Unterhaltung. e Wettervoraussage. Heiter bis wollig, nördliche bis westllch« Winde wenig Temperatur-Aenderung, stellenweise Riederschläge. Während die Lage des Hochs und deS östlichen Tiefs sich nur wenig geändert hak zeigt sich heute über Island ein neue« Fallgebiet, das zunächst noch keinen Einfluß auf unsere Wetterlage hat. Die Temperaturen sind In Mitteleuropa auf S bis 11 Grad gefallen. Beim ©In- strömen westlicher Winde sind daher vorübergehende Riederschläge wahrscheinlich Spielp'der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag. 28. Juni: Eröffnung der Sommerspielzeit. Zum erften Male- Die große Unbekannte, Operette in 3 Akten von Franz v. Supps. Montag, 29. Juni bis Sonntag. 5. Juli täglich: Die große Unbekannte. Schauspielhaus. Sonntag. 28. Juni: Emer von unsere Leut. Montag, 29.: Einer von unsere Leut. Dienstag. 30.: Der goldene Schnitt. Mittwoch, 1. Juli: Einer von unsere Leut. Donnerstag. 2. Juli: Die drei Zwillinge. Freitag, 3.: Louis Ferdinand, Prinz von Preußen Samstag, 4.: Die drei Zwillinge. Sonntag 5. Bummel st uden t en. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgulachten sind ohne Verbindlichkeit be: Redaktion.) SS. Unser sachverständiger Mitarbeiter empfiehlt Ihnen, sich an bas dortige Steueramt zu wenden und Ihre Einwendungen zu Protokoll zu geben. 6091D von 40— Mark an. Backofen - Industrie Lauterbach 192 i. Hessen. jjenflon Btonöl Neuen Baue 22 Sonnige möUl.Simmer GuteDervficguna. Tel. 1085. ^,0 a Äk Simrntr m. Balkon 0. Herren, Damen, ob. ruzgi. 1 kl. Zimmer, als Kürte emzurirtten, an kinderloses Ehepaar au verm. [»«n Miuikftrake 22 IL BerufStät., finberL Ehevaar furtt leeres oder möbl. Zimmer. Schrull. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die überaus reichen Kranz- und Blumenspenden bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen, ebenso für die vielen Aufmerksamkeiten während ihrer langen Krankheit sagen wir allen auf diesem Wege innigsten Dank. Gestern nachmittag 61/» Uhr entschlief nach langem schwerem Leiden unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Im Namen dertrauemdenHinterbliebenen: Marie Jordan geb. Ruckstuhl. Für die trauernd Hinterbliebenen: Jakob Hartmann II. Gießen (Ludwigstraße 64 I), Lollar, den 25. Juni 1925. Die Beerdigung findet Montag, den 29. Juni, um 2'/s Uhr nachmittags, auf dem Neuen Friedhöfe statt. 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Die großen Gehaltsempfänger, die neben dem Lohnabzug noch Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten haben, haben außer der Kirchensteuer vom Lohnabzug (Steuerbescheid) auch bei Entrichtung ihrer Einkommensteuer- Vorauszahlung von dieser noch Kirchensteuern zu entrichten. 3. Ebenso wie den Lohnstcuerpslichtigrn war besteht. —o— Großen-Linden, 26. Juni. Schon seit längerer Zeit trägt sich die Eisenbahnbehörde mit der Absicht, der hiesigen B a h n h o f s a n l a g c ein Vie Kirchensteuer-Veranlagung. Als Antwort auf ein Eingesandt in Ar 130 des „Gieß. Anz." wird uns vom Finanzamt Gießen geschrieben: Für die Kirchensteuerveranlagung 1925 ist im Einvernehmen mit den Kirchenbehörden und den hessischen Aegierungsstellen folgendes Verfahren festgelegt worden: 1. Die Kirchen-(Kultus-)steuern 1925 werden von denjenigen Steuerpflichtigen, die Einkommcn- steuervorauszahlungen zu leisten haben, in Form Bezugspreis einschließlich aller Beilagen 2 Mk. monatlich und oq lierlatten- Bretter und Dielen in allen Stärfen, ebenso Eichen. Luchen- und Eichenschnittware liefern in allen Stärken franko jeder Station. 2196c Eugen Dürr & Co., Bietzen Telephon 149. Aus der Provinz. Landkreis Gießen. £ Wieseck. 27. 3uni. Aach dem E.gcbnis der Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. 3uni beträgt die Einwohnerzahl unserer Gemeinde 3566. Davon sind 1696 männlichen und 1870 weiblichen Geschlechts. Bei der letzten Volkszählung am 8. Aug. 1919 ergaben sich 3358 Personen, wovon 1568 männlichen und 1790 weiblichen Geschlechts waren. Die Zunahme beträgt also 208 Personen oder 6 Prozent. Wohnhäuser sind 597 vorhanden. Die mit der diesmaligen Zählung verbundene Betriebszählung ergab 202 Gewerbebetriebe und 579 lano- und forstwirtschaftliche Betriebe. Bei den letzteren ist allerdings zu be- Die Folgen der polnischen Zollexperimente Bekannllich hat Polen vor einem Monat für etwa 200 Warenpositionen eine Erhöhung des Einfuhrzolls cingesührl, wobei die rein fiskalischen Zölle um 400—500 Prozent, die Schutzzölle um 40 bis 100 Prozent gesteigert wurden. Dabei hat^Polen sich große Mühe gegeben, seinen Verbündeten Frankreich möglichst zu schonen. Desgleichen wollte man mit der Tschechoslowakei, mit der man kurz vorher einen Freundschaftsvertrag und ein Handelsabkommen abgeschlossen hat, nicht vor den Kopf stoßen. So ließ man die französischen Weine, Seiden und Halbseiden, Automobile und kosmetischen Artikel, Parfüms, Kognak und Liköre unangetastet, während für die hauptsächlichsten Exportartikel der Tschechoslowakei eine 10—lbprozentige Steigerung der bisherigen Zollsätze oorgenommen wurde. Trotzdem sind sowohl Frankreich als auch die Tschechoslowakei mit der Heraufsetzung des polnischen Zolltarifs keineswegs zufrieden. Frankreich lieh bereits durch- blicken, daß es bei seiner demnächst erfolgenden Zoll- tarifrevision für gewisse Exportartikel Polens höhere Sätze einführen werde, die Tschechoslowakei aber ließ in Warschau erklären, daß sie die Erhöhung der polnischen Zolltarife als einen unfreundlichen Akt gegenüber der Tschechoslowakei betrachte. Sollten die Tarife nicht wieder herabgesetzt werden, so würde die Tschechoslowakei das Polen zugesagte Kohlen- einfuhrkontingent außer acht lassen und das polnischtschechische Handelsabkommen nicht ratifizieren. Zur Zeit finden zwischen Warschau und Prag wegen des Einspruchs der Tschechoslowakei gegen die polnischen Zolltariferhöhungen lebhafte Verhandlungen statt. Die Situation gilt hier in eingeweihten Kreisen als direkt zugespitzt. leben, gibt es hier nur wenige. * Treis a. d. Lda., 26. Juni. An dem vom Gesangverein „Liederkranz" anläßlich seines 60jährigen Bestehens und 50 jäh. rigen Fahnenjubiläums am kommenden Sonntag veranstalteten Gesangswettstreit beteiligen sich 16 Vereine, während im ganzen 36 Vereine erscheinen werden. Mit dem Feste soll das diesjährige Jugendfest verbunden werden. Die Reichsbayn läßt am Sonntag anläßlich des Festes einen Sonderzug verkehren, der abends 8 Uhr in Treis abgeht und 8.28 Uhr in Gießen an- kommt, so daß dort Anschluß nach allen Richtungen den Landwirten im Aotgebiet (Oberhessen), denen gegenwärtig die Einkommensteuervorauszahlungen gestundet sind, die Kirchensteuer durch De- ,-----. . . . - scheid anzufordern. Die Grundlage für die Ueberholungsgleis anzugliedern, und zwar Kirchensteuer bildete hier die Einkommensteuer- längs der östlichen (Leihgesterner) Seite, ausgehend Vorauszahlung 1925, die die Landwirte zu ent- von der Kreisstraße Großen Linden—Lethgestern. richten gehabt hätten, wenn keine Stundung vor- I Bei dem ersten Bahnübergang in nördlicher Rich- (ägc tung aber, wo ein Feldweg den Bahnkörper kreuzt, 4. Die Kirchensteuerbescheide sollten Ende stößt die beabsichtigte Gleisanlage auf den land- April 1925 in den Händen der betreffenden wirtschaftlichen Fuhrwerksverkehr, und die damit Steuerpflichtigen sein. Die finanzielle Lage der gegebenen Schwierigkeiten sollen dadurch beseitigt Kirchen erforderte eine solche Beschleunigung. Die werden, daß als Ersatz für den Wegfall dieser Ausfchlagsähe wurden erst Ende April bekannt. Ueberfahrt etwa 80 Meter weiter nördlich in der Die unter 2. genannten Steuerpflichtigen Nähe des kleinen Viaduktes eine entsprechende 11 n - (Lohn- und Gehaltsempfänger) sollen die Kirchen- terführung in den Bahnkörper eingebaut wird, steuer von dem im Lohnabzugsverfahren ein- Im Interesse der drängenden Festlegung des neuen behaltenen Steuerbetrag entrichten. Dieser war Wegenetzes der Feldgemarkung mußte die hiesige jedoch für 1924 nicht festgestellt worden und Feldbereinigungskommission nun wissen, ob und bis konnte auch jetzt nicht mehr ermittelt werden, wann den zugesagten Unterführungsbau in Angriff weil damit eine erst in Monaten zu bewältigende zu nehmen beabsichtigt sei. zumal schon fett Mo- Arbeit verbunden gewesen wäre, für die weder naten die schönen Lindenbäume auf dem östlichen Zeit noch Personal zur Dersügung stand. Es Dahnstcig entfernt worden sind: 'n ihrem IBeftfjeiö wurden deshalb Pauschsähe festgelegt und diese fordert die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., die im Cinzelsall. je nach Berufsart, dem Kirchen- | durch die Feldbereinigung aufzubringende kosten. steuerausschlag zugrunde gelegt. Diese Pausch- sähe stellen somit die vom Arbeitslohn einbehaltenen Steuer betrüge dar. Sie betragen für: 1. gering entlohnte Arbeitnehmer 34 Mk. 2. Taglöhner und Arbeiter 50 Mk. 3. Facharbeiter, tote Bäcker, Metzger, Konditoren Persil rücksichtigen, daß es sich in der Hauptsache um Klein- und Zwergbetriebe handelt, da deren Inhaber oder Familienmitglieder noch irgendeinem anderen Crwerbszweig nachgehen. Landwirte, Ertrag ihrer Landwirtschaft betrag bildete die Grundlage für die Kirchensteuerveranlagung. Cs beträgt beispielsweise bei einem der unter 3 ausgesührten Facharbeiter der Pausch- fah 85 Mk. 3si c nun verheiratet und bat neben der Ebcsiau 2 Kinder, so find für diese Familienangehörige 3 > 10 " 30 o oder 25 Mk. an dem Pauschbetrag von 35 Mk. abzufeyen. Bon dem hiernach vetbleibenden Aestbetrag von 60Mk. wird die Kirchensteuer errechnet. Die Einreihung der einzelnen Lohnfteuer- pflichligen in diese Gruppen hatte durch daS Finanzamt zu erfolgen. Wurde aus eigener Kenntnis des einzelnen Falles festgestellt, daß ein Lohnsteuerpflichtiger in eine andere (höhere oder niedere Gruppe) gehörte, so stand einer dementsprechenden anderen Eingruppirrung nichts im Wege Die Einstufung erfolgte nach B.nufsarten. 'Die Berufsart war den Finanzämtern durch die im Oktober 1924 durch die Haushaltungsvorständ« aufgestellten Wohnungslisten bekannt. Wenn hierbei Lehrlinge oder Haustöchter zur Kirchensteuer herangezogen wurden, so hat dies feinen Grund darin, daß die betreffenden Personen in der Wohnungsliste von dem Haushaltungsvorstand z. B. als Bankbeamter und nicht als Danklehrling. als Maurer und nicht als Maurerlehrling oder als Kontorist ufto. (was vielleicht vor einigen 3ahren zutraf) und nicht als Haustochter ohne Beruf eingetragen werden. Die von dem Herrn Einsender in Ar. 130 des „Gießener Anzeiger" gerügten Fehlveranlagungen, die. nebenbei bemerkt, im Verhältnis zu I der großen Zahl der Steuerpflichtigen verschwindend gering waren, ließen sich unter b;n obwaltenden Lim ständen trotz größter Sorgfalt nicht vermeiden, da die Bezüge eines jeden Einzelnen den Finanzämtern nicht bekannt waren und die Veranlagung (im Bezirk des Finanzamtes Gießen ca. 20 000 Posten) innerhalb weniger Tage durchgeführt werben muhte. Eine Einforderung von Gehaltslisten bei den Arbeitgebern war. da diese zur Einreichung nicht verpflichtet waren, nicht möglich und hatte auch, sofern die betreffenden Arbeitgeber dazu bereit gewesen wären, die Der- anlagungsarbeiten auf Wochen und Monate hinaus verzögert. Welche Erwägungen für die Fassung der Kirchensteuerbcscheide maßgebend waren, ist nicht bekannt, da die Bescheide amtlich geliefert wurden. Oberhefsens und des angrenzenden Lahngebieles ist der seil 175 Jahren erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen anerkannt hervorragend ausgestatteten, in eigenem Redaktions- und Buchdruckereibetrieb bearbeiteten Beilagen Gießener Familienblätter Dienstags und Samstags Heimat im Bild Donnerstags Die Scholle Ratgeber für Viehzucht-, Feld- und Gartenbau Freitags Exports nach Polen ausgeschaltet hat, um seine Zahlungs- und Handelsbilanz zu retten, mit dem- selben Recht konnte jetzt Deutschland die Kohlen- irnportrnengen, durch die seine eigene Handelsbilanz belastet wurde, herabsetzen. Aus diesem Grunde er- cheint er recht merkwürdig, daß sich die polnische Presse über die Handlung des deutschen Kohlenkom- missars aufregt, während sie kurz vorher die Handlung des polnischen Wirtschaftsdiktators guthieß. Aber nicht nur gegen den deutschen Ausfuhr- handel hat sich der revidierte polnische Zolltarif ver- ünfcigt, sondern besonders auch gegen die Lebens- nteresien Oesterreichs, über das die polnische Presse chon seit Jahren schrieb, daß es in uneigennützigster Weise wirtschaftliche Freundschaft mit Polen unterhält. Ein großer Teil der bisherigen österreichischen Einfuhr nach Polen wird durch den polnischen Zolltarif vollständig unterbunden. Darum hat auch Oesterreich in Warschau mit scharfen Gegenmaßnahmen gedroht und dabei erklären lassen, daß es selbst vor einer Kündigung des österreichisch-polnischen Handelsvertrags nicht zurückschrecken werde. Um so mehr muß man sich über die schädigenden wirtschaftlichen Maßnahmen Polens gegen Oesterreich wundern, als es Polen sehr darum zu tun ist, Oesterreich als billiges Tranfitland für seine natürlichen Produkte zu gewinnen. Es haben bereits zwischen Warschau und Wien Vorverhandlungen übe ein Zusatzabkommen zum bisherigen polnisch- estcrc'-'chischen Handelsvertrag stattgefunden, wobei Polen feine Wünsche nach möglichst weitgehender Herabsetzung der österreichischen Transittarife äußerte. Rur dank einer weitgehenden Herabsetzung der österreichifchen Transittarife wäre eine größere Zu- nähme dcs polnischen Kohlenexports nach Italien, Südslawien und Ungarn möglich. So hat also Polen alle Ursache, um Oesterreichs Gunst zu werben. Die Warschauer aber verbauen der österreichischen Export den Weg nach Polen und sind andererseits so naiv, zu glauben, daß Oesterreich das alles ruhig über sich ergehen lassen wird. Aber diesen Gefallen hat Oesterreich der polnischen Finanz- und Zollpolitik nirt.f gelan. Gegen die übereilte Handlungs- weise Polens haben übrigens auch Spanien und Italien protestiert. Spanien hat sogar den Handelsvertrag mit Polen gekündigt. Mit Recht verlangt der vernünftige Teil der polnischen Presse, daß die Regierung in Zukunft bei allen Zollerhöhungen das internationale Terrain genau rekognosziere und Vorbereitungen treffe, die vom Ausland gegen Polen unternommene Gegenmaßnahmen ausschließen. Es wird der Regierung zum Vorwurf gemacht, daß sie bei der Zollerhöhung den Sejm vollkommen umgangen hat, obwohl sie durch Gesetz verpflichtet ist, sich bei solchen Maßnahmen der Kontrolle durch das Parlament zu unterziehen. Man verlangt die Abschaffung des jetzigen Zolltarifs, der einen vorwiegenden Derbrauchscharakter hat, und dafür die Einführung eines Zolltarifs mit einem ausgesprochenen Protek- | tionscharakter. Der Regierung wird ferner vor- Am meisten aber wurden durch die Zollerhöhung Deutschland, Oesterreich und Italien betroffen. Da ich zwischen Deutschland und Palen wegen der Sperrung des polnischen Kohlenimports nach Deutschland sowieso eine sehr schwierige Situation herausgebildet Hot, die die deutsch-polnischen Han- delsverlragsverhandlungen zumindest für längere Zeil verzögert, so wird sich Deutschland gegen die Zollerhöhung Polens offiziell zwar nicht wenden können, doch kann man in Warschau nicht ableugnen, daß die Revision des polnischen Zolltarifs die Position Polens gegenüber Deutschland wesentlich ge* chwächt hat. Denn durch die Steigerung der Zolltarife ist ein bedeutender Teil des Exports nach Polen unterbunden worden, und dies mag wesentlich zu dem Angebot Deutschlands auf Zulassung eines rheinischen Kohlewimports in Höhe von 60 000 Tonnen monatlich geführt haben. Ebenso wie Polen, ohne Deutschland zu befragen, durch Heraufsetzung der Zolltarife einen beträchtlichen Teil des deutschen Die Untat von Serajewo. (28. Juni 1914.) Bon Professor Ferdinand Dreher, Friedberg. Am 28. Juni, dem Tage der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares, sind es elf Jahre her, daß der zündende Funken des Weltkrieges in das europäische Pulverfaß sprang. Dec serbische Geschäftsträger Gruitsch in London hatte den Raget auf den Kopf getroffen, als er am 8. September 1911 nach Belgrad berichtete: Sowohl Frankreich wie auch feine Bundesgenos (en find der Ansicht, daß der Krieg auf spätere 3eit, das ist auf d i e Jahre 1914(15 verschöben werden müsse." Zehn Jahre lang lag über dem unseligen Attentat von Serajewo Halbdunkel. Run hat Ljuba Zowanowitjch, 1914 serbischer Unterrichtsminister, in seiner Schrift „1 9 1 4— 1 924, Blut des Slawentums" (Belgrad 1924, Druckerei Cawa Radenkowitsch, Uskotschkastra 10) den berghohen Entlastungsbewesi. zugunsten der Mittelmächte neues, entscheidendes Entlastungsmaterial hinzugefügt, nämlich das unumwundene Eingeständnis, daß die serbische Regierung bei der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand mittätig war! Der Mord von Sera- jewo schloß eine lange Kette als letztes Glied. Er war das Werk eines wohloorbereiteten Anschlages, er war die Kriegserklärung Serbiens an Oesterreich- Ungarn. Oberstleutnant D » m i t r i j e v t c, damals Chef der Nachrichtenabteilung im serbischen Großen General st ab, leitete b i c Ermordung des Erzherzogs, und zwar in vertraulicher Fühlungnahme mit dem russischen General st ab. Sämtliche Mitglieder des serbischen Kabinetts hatten bereits Ende Mai oder Anfang Juni 1914 Kenntnis von dem geplanten Attentat und ließen den Dingen absichtlich ihren Lauf. Um sich im Notfall den Rücken decken zu können, erging zwar an die serbischen Grenzbehörden der „Befehl", den Uebertritt der Attentäter auf österreichisches Gebiet zu verhindern, aber die Mordbande wurde von den Grenzwächtern glatt über die Drina nach Bosnien geschmuggelt, da diese Beamten ebenfalls zu dem großserbischen Geheimbund „Schwarze Hand" gehörten, der jetzt die Art an den Stamm Oesterreichs legte. Noch hätte die serbische Regierung das drohende Unheil abwenden können, aber sie beschränkte sich lediglich darauf, dem österreichischen Minister für Bosnien Dr. v. Bilinski, gegenüber (5. Juni 1914) die Teilnahme des Erzherzogs Franz Ferdinand an den Manövem in Bosnien als unerwünscht zu bezeichnen. Der serbische Gesandte bat Dr. v. Bilinski ausdrücklich, diese Aeßerung nicht als offiziöse Mit- teilung zu betrachten. Don dem in Erfahrung gebrachten, aus den 2 8. Juni 1914 fe ft gefegten A n - schlag ließ die serbische Regierung nichts verlauten, unternahm auch keine Schritte, um die Grenzbehörden, die Helfershelfer bei dem Attentat, zur Derantwortung zu ziehen und suchte überdies die Mordbuben unauffindbar zu machen, damit es Wien nicht gelinge, irgendwelches Einverständnis zwischen dem offiziellen Serbien und den Mördern festzustellen. Es kann sonach gar keinem Zweifel mehr unterliegen, daß Oesterreich das Recht, ja die Pflicht hatte, Serbien zu züchtigen, und wir fragen, ob eine andere Großmacht, z. B. England, im gleichen Falle nicht noch weit schärfer ins Zeug gegangen wäre als die Donaumonarchie. Langsam aber unaufhaltsam bricht sich die Wahrheit Bahn und beleuchtet die im Artikel 231 des Zwangsdiktates von Versailles niedergelegte Behauptung von Deutschlands Schuld und Schadenersatzpflicht' immer greller als den größten Betrug der Weltgeschichte. „Es ist fein Beweismaterial erschienen, das dartut, daß die deutsche Regierung oder das deutsche Volk den Weltkrieg gewünscht oder im geheimen geplant hat. Ebensowohl vor wie auch nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand waren die Absichten der Wilhelm st raße (Berlin) ebenso friedlich, wie ihre Politik ungeschickt war" (aus: G. P. Gooch, „Germany". Ernest Benn, London, 1925, S. 110). geworfen, daß sie durch die letzte Zolllarisrevision Polens Ansehen in den vorher genannten Ländern schwer geschädigt habe, da das xluslanb den Eindruck gewinnen müsie, daß man in Polen dauernd Experimente anwendet und von einer zielbewußten Finanz- und Wirtschaftspolitik keine Ahnung habe. allein verwenden! Persil enthält beste Seife in feinster Verteilung so reichlich, daß jede Mitverwendung von Seite und SeiTenpulver Verschwendten? wäre. Ge- naue Befolgung der Gebrauchsanweisung sichert höchste Waschwirkung! freie Ueberlossung des zur Herstellung des lieber- holungsgleises notwendigen Geländestreifens, ferner die Neu- bzw. Wiederbefeftigung der in den Umbau fallenden Feldwege und schließlich einen Bauplatz in der Bahnhofstraße in der Größe von 1200 Quadratmeter. * Gr. - Linden, 26. Öuai. ->>.e reisst r a h e Gr. -Linden—Lang-Göns ist wegen Vornahme von Walzarbeiten bis auf weiteres für jeden Verkehr gesperrt. Der Durchgangsverkehr wird von Gießen über Leihgestern und umgekehrt geleitet. !*! Lich, 26.3uni. Auf der 31. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft erhielt der als Züchter des deutschen Edelschweines in den Kreisen der deutschen Viehzüchter bekannte Oekonomierat Hofmann von Hof-Güll für seine Zuchttiere verschiedene hohe A u s z e i ch n u.n gen. * Bellersh im, 26. Juni. Dieser Tage hattß der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, eine Sitzung mit dem hiesigen Kirchenvorstande wegen der Besetzung der hiesigen Pfarrstelle. Dem Wunsche der ganzen Gemeinde, nach siebenjähriger Vakanz wieder einen eigenen Pfarrer zu bekommen, wurde entsprochen Die Stelle soll im Juli ausgeschrieben'und im September besetzt werden. Eine größere Bewerberzahl wird es wohl geben, da die Verhältnisse für einen Pfarrer hier recht günstig sind. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 26. Juni. In der gestrigen Stadtverordnetensihung wurde zu Beginn der wiedergewählte Beigeordnete Winde ck e r verpflichtet, zugleich sprach der Bürgermeister ihm den Dank für seine achtzehnjährige ersprießliche Tätigkeit aus. Windecker dankte und versprach, auch in Zukunft den Interessen seiner Vaterstadt nach besten Kräften zu dienen. — Der Bürgermeister verlas dann die eingelaufenen Baugesuche, welche von der Stadt mit Baudarlehen unterstützt toerben sollen Eine Anzahl Gesuche von solchen, die bereits gebaut haben, aber mit ihren Mitteln nicht auskommen und deshalb um Vachtragkredite einkommen, wurden einzeln behandelt und in den meisten Fällen Nachschüsse bewilligt, es wurde ober zugleich beschlossen, daß in Zukunft kein Pfennig Nachbewilligung mehr geleistet werden soll, da keinesfalls über die zur Verfügung stehende Summe von 326 000 hinausgegangen werden kann. Auch soll keinesfalls die 'Beleihungsgrenze von 75 Prozent überschritten werden, das bewilligte Geld der Regel nach direkt an die Handwerker ausgezahlt werden und die Vorschüsse der Stadt (für Gas, Elektrizität, Wasser ufto.) in Abzug gebracht werden. Der Zinsfuß soll in den ersten drei Jahren 5 Prozent, in den drei folgenden 10 Prozent und später der Wirtschastslage entsprechend betragen. — Dem Gesuche der Turn- gemeinde um Gewährung eines Zuschusses zu dem Gau turnfeste wurde insofern entsprochen, als dem Verein die Hälfte der Q3er* gnügungssteuer erlassen wird, von den Turnern und Kampfrichtern wird keine Steuer erhoben. — Das Gesuch des Turn- und Sportvereins Fauerbach um Leberlassung eines Sportplatzes wurde genehmigt. — Der von dem Beigeordneten Dr. Leuchtgens begründete Antrag, die Vergnügungssteuer für Karussells, Schießbuden ufto um 100 Prozent z u erhöhen, wurde mit 16 gegen 9 Slimnrrn angenommen. - Der Antrag Leuchtgens auf Aenderung einiger Bestimmungen betreffend Straßenreinigung wurde nach längerer Debatte auf Antrag des Stadtv. Schröder auf leine der nächsten Sitzungen verschoben, dann -soll die ganze Frage der Straßenreinigung zu- *fammen behandelt werden. — Eine sehr erregte Aussprache rief die Vergebung von Arbeiten 'und Lieferungen für die Kanalisation des südlichen Stadtviertels hervor ; auch dieser Punkt soll in einer späteren Sitzung behandelt werden, nachdem vorher der Stadtbaumeister noch nähere Erkundigungen eingeholt hat. Bad-Nauheim, 25. Juni. Der Turn- verein 1 860 hielt heute eine gut besuchte Mitgliedervers ammlung ab, die vom 1.Vorsitzenden, Turner Ph. Weiß, geleitet wurde. Der 2. Vorsitzende, Rektor Staubach. gab einen Leberblick über die turnerische Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Halbjahr und beglückwünschte die Turner zu den zahlreichen Erfolgen, die sie für den Verein eingebracht haben. Es wurden errungen: Beim Bezirks- gerätetoettumen 16 Siege, beim Frühjahrsgeländelauf des 5. Bezirks im Gau Hessen 6 Siege, darunter 3 erste, bei den nationalen: Wettkämpfen in Offenbach 11 Siege (3 erste), beim Gaufrauenwetturnen in Butzbach 23 Siege (3 erste), beim volkstümlichen Dezirksturnen in Nieder-Weisel 9 Siege, bei den Gausporttvett- kämpfen in Marburg 24 Siege (11 erste), beim Feldbergfest 12 Siege. Beschlossen wurde, dem Vereinshaus ein neues äußeres Kleid zu geben. Der Voranschlag von 2700 Mk. fand Genehmigung. Zum 1. Oktober soll die Neuverpachtung der Wirtschaftsräume der Turnhalle ausgeschrieben werden. Der vom Vorstand und dem Wirtschaftsausschuß vorgelegte neue Pachtvertrag wurde angenommen. Eingehend wurde das Gauturnfest in Friedberg besprochen, an dem der Verein mit einer großen Zahl feiner Mitglieder teilnehmen will. Außerdem waren die Vorbereitungen zum Kreis- turnfest in Gießen Gegenstand der Aussprache. Es wurde den Turnern als Pflicht auf* erlegt, in allen Kreisen der Bevölkerung und auch unter den Kurgästen fleißig für den Besuch des Gießener Festes zu werben. Turner Oswald regte im Zusammenhang damit an, die Saar- 1 u r ner gelegentlich ihres Aufenthalts in Gießen zu einem Besuch unserer Badest a d t einzulaüen und ihnen hier einen würdigen Empfang äu bereiten. Der Vorschlag fand allseits Beifall. Es sollen schon in nächster Zeit Schritte in der Angelegenheit unternommen werden. <£ Bad-Nauheim, 26. Juni. Im Krematorium zu Friedberg sand heute die Einäscherung von Generalmusikdirektor Pros. Hans Minder st ein statt. Der oorausgegange- nen Trauerfeierlichkeit wohnte eine große Trauergemeinde bei. Nacy der Predigt von Pfarrer N i t - t e r (Friedberg) sprachen Ministerialrat W i n d i s ch für das hessische Ministerium, Badedirektor B o e h - m e r für die Bad- und Kurverwaltung, Bürgermeister Dr. Kayser für die Stadt Bad-Nauheim, Musiker Schulz für das staatliche Kurorchester, Hofrat M e i st e r (Bad Homburg) für den Orchesterverband. Das Kurorchester erwies mit dem Vortrag von ernsten Tondichtungen seinem langjährigen verdienstvollen Leiter die letzte Ehre: Berge von Blumen und Kränzen legten Zeugnis ab von der hohen Wertschätzung, deren sich der Künstler und Mensch Winderstein erfreut hat. Die ganze Feier war von erhebender Wirkung. Der Verstorbene hat in voriger Woche, am Tage, bevor er sich nach Gießen zur Operation begab, noch das Sinfoniekonzert geleitet. Noch in den letzten Tagen hatte er Vorbereitungen getroffen für eine Reise nach Spanien, auf der er Hannelore Ziegler begleiten wollte. Auch im März dieses Jahres war Winderstein noch in Spanien gewesen, wo er in Madrid und Barcelona Konzerte dirigiert hat. I Bugbach, 27. Juni. (Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz.") In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde der Bürgermeister Willi I o e * r i ck e aus Laucha (Unstrut) zum er st en Berufs- bürgermeifter unserer Stadt auf Grund der neuen Städteordnung gewählt. Bürgermeister I o e r i ck e steht im 37. Lebensiahr, ist aus dem mittleren Justizdienst hervorgegangen und war seit 1914 als Bürgermeister in Laucha tätig. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 25. Juni. Heute nachmittag fand im Saale des Gastwirts Becker dahier die offizielle Gründung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr statt. Dazu waren Regierungsrat Weber und Kreis- feuertoehrinspektor E b e r h e i m von Schotten erschienen. Ersterer eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Begrüßungsansprache, in der er auf die hohe Bedeutung der Freiwilligkeit im Feuerwehrwesen hintoies und ferner Freude Ausdruck gab, daß bereits 66 Mitglieder ihren Beitritt erklärt hätten. Da der Kommandant der seitherigen Pflichtfeuerwehr, Fr. Geiß II., die Wahl zum Befehlshaber der neuen Wehr ablehnte, wurden von der großen Versammlung einstimmig folgende Herren in den Vorstand gewählt: Zum 1. Kommandanten Wilh. Port II., zum 2. Kommandanten Wilh. Lein, zum Schriftführer Otto Stein, zum Rechner Heinr.D ö ch e r. Die Aussprache über die Lnisormierung führte noch zu keinem festen Entschluß. In einer Gemeinderatssitzung wird festgesetzt werden, welchen Anteil die Gemeinde dazu leisten will. Der erste Kommandant dankte in seinem und 'der Mitgewählten Namen für daS Vertrauen und hob in schönen Worten des Dankes die Verdienste der seitherigen Wehr bei den verschiedensten Bränden in der Gemeinde hervor. Regierungsrat Weber wünschte der neuen Wehr eine gute Entwicklung und schloß mit den Worten: „Gott zur Ehr', den Nächsten zur Wehr!" Kreis Alsfeld. ----- Alsfeld, 26. Juni. Der Hessen- Fliegeroerein für Luftschiffahrt in Darmstadt beabsichtigt im Laufe dieses Sommers tn unserer Stadt Flugveranstaltungen größeren Stils zu veranstalten. Geboten werden im Kunftfluge: Loopings, Trudeln, Luftkampf und Fallschirmabsvrünge. Ferner finden an dem Fluatage auch Passagierflüge statt. Der Deutsche Luftwettbewerb 1924 sowie der Fünfländerflug, der von dem Hessen-Fliegeroerein für Luftschiffahrt arrangiert wurde, hat' den Namen dieses Vereins weit über Deutschlands Grenzen hinausgetragen: die besten deutschen Piloten sind Mitglieder des Vereins. Er hat ferner 3 Vereinsmitglieder, die als glänzende Fallschirmabspringer bekannt sind und die das Publikum mit ihren kühnen Sprüngen aus dem Flugzeug in helle Begeisterung versetzen. Es dürste für die Stadt Alsfeld von wesentlichem Interesse fein, einen solchen Flugtag zu unterstützen und sein Zustandekommen durch eine weitgehende Unterstützung zu sichern, da ein solcher Flugtag ein sportliches Ereignis ersten Ranges für unsere Stadt werden würde. Kreis Büdingen. —/— Ortenberg, 26. Juni. Die Vorbereitungen zu dem am 5. Juli stattfindenden Schützen fest, das mit der Weihe der neuen Vereinsfahne verbunden ist, find in voUem Gange. Das Fest wird am Samstag abend durch Döller-- schiehen, Zapfenstreich und Kommers ein^eleitet. Am Sonntagmorgen geht der Fahnenweihe, die am Kriegerdenkmal durch Amgerichtsral Dr. A n d r a e vollzogen wird, ein Festgottesdienst voraus, bei dem der Stockheimer Musikvcrein Mitwirken wird. Am Nachmittag beto.gt sich ein Festzug nach den schön gelegenen Schießständ'en, auf denen um 1 Lhr das Schießen beginnt. Das Schießen stndet am Montag seine Fortsetzung. Außerdem findet am Montagnachmittag des Iugendfest statt. Kreis Wetzlar. * Wetzlar, 26. Juni. Nach der am 16. d. M. Dorgenommcnen B o l k s z ä h l u n g hat die Stadt Wetzlar einschließlich der vorübergehend anwesenden und ausschl. der vorübergehend abwesenden Personen 16 603 Einwohner, darunter 8044 männliche und 8559 weibliche. Nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung am 8. 10. 1919 betrug die Gesamteiiiwohnerzahl der Stadt abzüglich der Kriegsgefangenen 15 721. §§ Groß-Rechtenbach, 26. Juni. Die Volkszählung zei.ig^e im Benrk ter hie i.en Bürgermeisterei folgendes Ergebnis: Dornholzhausen 237 männliche, 244 weibliche zusammen 481 Personen; Ebersgöns 223 männl., 221 weibl., zus. 447 Pers.: Groß-Rechtenbach 304 männl., 307 weibl., zus. 611 Pers.: Hochelheim 465 männl., 454 weibl., zus. 919 Pers.: H 5 rnheim 331 männl., 329 weibl., zus. 660 Pers.; Klein-Rechtenbach 160 männl., 156 weibl., zus. 316 Pers.; Lützellinden 573 männl., 597 weibl., zus. 1170 Pers.: Münchholzhausen 430 männl., 493 weibl., zus. 923 Pers.: Niederkleen 230 männl., 281 weibl., zus. 541 Pers.: Oberkleen 260 männl., 284 weibl., zus. 544 Pers.: Reiskirchen 207 männl., 219 weibl., zus. 426 Pers.: Vollnkirchen 115 männl., 133 weibl., zus. 248 Pers.; Volpertshausen 163 männl., 173 weibl., zus. 336 Pers.: Weid en Haus en 116 männl., 124 weibl., zus. 240 Pers. Das Gesamtergeb- nis aus den vorstehend angeführten Orten ist: 3847 männl., 4015 weibl., zus. 7862 Pers. d. Groß-Rechtenbach, 24. Juni. Am Sonntag hielt hier der Kreisverband Wetz- far ber Jungfrauenvereine fein sechstes Kreisfest ab. Wenn auch trotz des unbeständigen Wetters eine Anzahl Vereine, die ihr Erscheinen zugesagt hatten, nicht eingetroffen waren, so hatten sich doch eine größere Anzahl Gäste eingefunden. Nachmittags 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Dors nach dem Festplatze in den „Eichgärten". Dort wurde das Fest durch Posaunen- chöre und gemeinschaftlichen Gesang der Festgemeinde eingeleitet. Nachdem Pfarrer Heider - Dorlar kurze Einleitungsworte gesprochen hatte, erfolgte die Begrüßung der Festgemeinde durch den Ortsgeistlichen, Pfarerr Cappel-Klein-Rechten- bach. Nach Erledigung des ersten Teiles der Festordnung mußte die Feier wegen des plötzlich stark ein- setzenden Regens abgebrochen und zum Teil in die Kirche, zum Teil in das evangelische Dereinshaus verlegt werden. Hier sprachen abwechselnd Pfarrer Ha sselma nn-Essen (früher in Hermannstein), der Vorstand der Diakonieanstalten zu Bad Kreuznach, Pfarrer D Reich- Kreuznach und Pfarrer Koch- Lützellinden. Das Schlußwort sprach wiederum Pfarrer H e i d e r - Dorlar. Zur Verschönerung der Feiern trugen die Jungfrauenchöre durch den Gesang einiger Lieder bei. d. Lützel lind en, 26. Juni. Die hiesige Gemeinde hat einen hier zur Zucht nicht mehr verwendbaren Vogelsberger Bullen, der ein Gewicht von 17Vs Zentnern batte, an ein Gut in Westfalen verkauft. Der Bulle erhielt auf dem vorjährigen Tierschaufest im Finsterloh zu Wetzlar den Ehrenpreis. — Hauptlehrer Hoffmann von Garbenheim hielt hier einen Vortrag über die Aufgaben des Volks- bundes „Deutsche KriegSgräberfür- svrae". Es wurde eine Ortsgruppe gegründet, die sich der Dezirksgruppe zu Koblenz und dem Dolksbund zu Berlin anschließen will. ^Vorsitzender der Ortsgruppe ist Lehrer Gou- beanb. d. Münchholzhausen, 24. Juni. Der hiesige Kriegerverein feierte am Sonntag und Montag sein 50jähriges Stiftungsfest. Trotz des herrschenden Regenwetters hatten sich zahlreiche Gäste und auch eine Airzahl auswärtiger Kriegervereine eingefunden. Bürgermeister S ch n e i d e r - Groß-Rechtenbach sprach dem Verein den Glückwunsch der Gemeinde aus. Die Festrede hielt Studienrat Kauer von Wetzlar. ' " 'n d. Aus dem Kleebachtal, 26. Juni. Das Regenwetter der letzten Tage, welches die Landwirte schon lange ersehnten, hat es ermöglicht, daß nunmehr mit dem Setzen der Runkel- und Kohlrüb enpf la nz en begonnen werden konnte. Kaum ein Landwirt ist tagsüber zu Hause anzutreffen. Mit der ganzen Familie befindet er sich im Felde, um das günstige Wetter für das Anpflanzen der Futterrüben auSzunuhen. Hessen-Nassau. Frankfurt a. M. 26. Juni. (WTB.) Als vorläufiges Ergebnis der Volkszähluna vom 16. Juni ist, wie die Städtische Nachrichtenstelle mit« . teilt, für Frankfurt a. M. die Zahl der ortsan- wesenden Bevölkerung vom Statistischen Amt mit 457 831 festgestellt worden. fpd. Frankfurt a. M., 26 Juni. Unter Betonung ihrer adligen Abstammung, obwohl sie ganz schlicht bürgerlicher Herkunft ist und mit Vorname Dorothea heißt, versucht die 28jährige Krankenpflegerin Dorothea Rühe hei- ratslustige Männer zu prellen. Gelingt ihr das nicht, so spielt sie die rvegen rechtsradikaler Einstellung Verfolgte. Ganz unter ihrem Einfluß steht der 38jährige Hauptmann a. D. Egon Weisert aus Metz. Die Rühe, die vorzugsweise unter den Namen Komtesse von Keherling, Magda von Sacken, Magda von Lieven, Helga Ballestrem oder Helga von Brückenau auftritt, wurde erst kürzlich aus einer süddeutschen Strafanstalt, wo sie wegen Lrkundenfälschung neun Monate verbüßt hatte, entlassen. Sie treibt sich jetzt wahrscheinlich in der Umgebung herum 7 Ns Dein Amtsvc .vignugsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt N r. 51 vom 26. Juni enthält: Die Provinzialumlagen für das Jahr 1925. — Straßensperre Gro- ßen-Linden—Langgöns. — Landespolizeiliche Prüfung des Entwurfs zur Verbesserung der Rangieranlagen am Bahnhof Gießen. — Baupolizei. — Nachtrag zu den Friedhofsordnungen mit entsprechenden Polizeioerordnungen der Gemeinden Ruttershausen, Weickartshain und Ettingshausen. Hessischer ArLillerrftsntag. Man berichtet uns: Das Großh. Artilleriekorps (1. Hess. Feldart.-Rgt. 25) und das 2. Großh. Hess. i5eldart.-Rgt. 61, die beiden Darmstädter Schwester- Regimenter, zu denen auch die Bürgerschaft Gießens enge Beziehungen hat, hatten zu einer Wie - dersehensfeieroer ehemaligen hessj. schen Feldartilleristen nach Fulda ein- geladen. Am 20. und 21. Juni trafen sich die alten Kameraden in der Bonifaziusstadt mit ihrer Traditionsbatterie, der 1. (Hessischen) Batterie Art.-Rgt 5 der Deutschen Reichswehr. Die beiden Tage gaben allen Teilnehmern unauslöschliche Eindrücke. Aus dem Hessenland, |elbft jenseits des Rheins, aus allen Gauen des Reiches, sogar aus Hinterpommern und Schlesien waren die allen hessischen Feldartilleristen in großer Zahl erschienen. So manchem war Fahrt und Aufenthalt nach und in Fulda kein leichtes geldliches Opfer gewesen, sie haben es aber gebracht, galt es doch, der unverbrüchlichen Kameradschaft get.'eu, die Wasfensreunde wiederzusehen und den Zauber der Zusammengehörigkeit unter der lieben alten Waffe zu fühlen, den Blut und Kriegsnot, Kampf, Opfermut und Sieg zusammen tritt der heldenhaften Vergangenheit beider Regimenter geschaffen haben. Da sah man manchen Vater mit seinem Sohne, die beide, wie ihre Vorväter, bei diesen stolzen Regimentern gedient hatten. Junge und alte, dic Führer aus den letzten Kriegsjahren mit ihren tapferen Mannschaften in wechselseitiger Treue als echte Kameraden, fühlten sich eng wie einst nahe beieinander. Vom Bahnhof durch Angehörige der Traditionsbatterie in die Quartiere geleitet, fanden sich die Gäste am Abend des 20. Juni zur Begrüßung im historischen Stadtsaal ein. Unter den Klängen des straff geleiteten Trompeterkorps wurde im Kreise der Traditionsbatterie mancher Händedruck, manches Erleben nach Jahren der Trennung getauscht. Hervorragende turnerische Darbietungen und soldatisch gesprochene Worte der Vertreter der Regimentsvereine und deren Ortsgruppen feffelten die Aufmerksamkeit der alten und jungen Kameraden. Der Traditionsbotterie wurden Geschenke überreicht, um das Gefühl der kameradschaftlichen Zuneigung auch äußerlich festzuhalten. Was-die alten Regimentskameraden mit den frischen, gutgeschulten Reichswehrkameraden empfanden, das kann nur der Mitempfinden, der im Sinne treuer Kameradschaft Friedens- und Kriegsdienst für das Vaterland geleistet hat. Am Sonntagmorgen versammelten sich die alten Kameraden auf dem Domplah der festlich geschmückten Stadt. Don dort ging der Zug zu den Denkmälern der ehemaligen 47er Feldartilleristen, der Krieger von 1870/71 und der 8. Hoktzendorfer Feld- artiueriften auf dem Kasernengelände, bei denen jeweils Kränze niedergelegt uno der Gefallenen in Ehrfurcht gedacht wurde. Alsdann begannen die Vorführungen der Traditionsbatterie auf dem Exerzierplatz. Äie bespannte Batterie stand in Paradeaufstellung unter dem Befehl ihres Führers, Hauptmann Korte, der die alten Kameraden herzlich begrüßte. Eine glänzend gefahrene Geschützquadrille eröffnete den Aufmarsch. Der Parademarsch in Trab und Galopp zeigte ein militärisches Bild, das jedem Teilnehmer klugen und Herz erstrahlen ließ. Die weiteren Vorführungen gaben den Beschauern die Gewißheit, daß die Pflege altmilitärischer Mannes- zücht und der auf ihr ruhenden soldatischen Leistung in gute Hände gelegt ist und die hohe Ueberlieferung der Stammregimenter 25 und 61 bei ihr eine Heimstätte gefunden hat. Ein Mittagessen aus der Trup- penküche versammelte alle Gäste auf dem Kasernenhof. Eine Auszählung der Gesamt- und Einzel- leistungen der Traditionsbatterie am Nachmittag in Spott, Fahren und Reiten würde hier ermüden. Aber man kann kurz sagen, auch hierin wurde Vorzügliches gezeigt. Den Höhepunkt bildete schließlich eine Reitguadrille in den alten Uniformen des Großh. Hess. Attilleriekorps- eine glanzvolle Erinnerung an die vergangenen Tage dieses ruhmbedeckten und ältesten Artillerieregiments Deutschlands, das sich in vielen Feldzügen und ungezählten Schlachten in manchen Ländern Europas nur mit Auszeichnung geschlagen hat, ein Erinnerungsbild, wehmütig und doch stolz zugleich, allen in Treue zum hessischen Stammregiment unvergeßlich. Der leider einsetzende Regen konnte die frohe Stimmung nicht dämpfen. Der Abend versammelte die Gäste und die Batterie in den geschmückten Stadtsälen zum Festkonzert. Eine markige Ansprache Se. Exzellenz des Generalleutnants von Müller griff Den alten und jungen Soldaten ans Herz und wies den recht zahlreich erschienenen Fuldaer Bürgern die tiefe Bedeutung dieses Wiedersehenstages. Die geschichtliche Ueber- Dr. Thompsons Seifenpulver (Marke Schwan) das Paket 30 Pf. 5 p § I ^seifenpulvkr. Näherin perfett im Schneidern u. Weis,nähen, nimmt noch Kunden an in u. außer dem Hause. Schr. Ana. u. 05162 an d. G. Anz. 15-20000 man v. solidem Handelsunternehmen gegen gute Sichertest und Zinsen gesucht. Ber- mlttL verb. Diskret. Schr. Ang. u. 6318V an den Gieß. Anz, 1104V eeeeeeeeeee® zugleich AULA Kernseife i, höchste Schonung der Wäsche, daher Arbeit, Zeit und Geld sparend. sind selbst für die feinste Wäsche verwendbar, ausgiebig und sparsam im Gebrauch Madras-Garnituren echtfarbig Mk. 4.95 Pianinos und Flügel und andere Weltmarken Messinggarnitur vermessingt. Mk. 1.85 Etamine 130 cm br.,Mk 1.15p.m Bekanntmachung. Die für jeden 2., 3. u. letzten Montag im Monat angesshtcn Sprechstunden über die Angestellten - Versicherung betreffende Fragen werden in der Zeit vom 28. Iuni bis 26. Juli 1925 nicht abgehalten. Dom 27. Juli 1925 an werden sie dann in der gewohnten Weife im Stadthaus Gießen, Gartenstraße 2, Haupt- bou. Zimmer Ar. 2 (Wanderfürsorge) wieder stattfinden. 6322v Gießen, den 24. Juni 1925. Revisions- und AuskunstSstelle der ReichS-Derstcherungs-Anftatt für Angestellte, (gez.) Buffe. Beachten Sie meine Preise £ Besichtigen Sie meine Qualitäten Sie finden bei mir gro^e Vorteile Auf Wunsch langtristigeTeilzahlungen Tüll- u. Eiamine-Garniiur SSu.»? Bekanutmachnng. Die Gemeinde Watzenborn-Steinberg beabsichtigt einen zirka. 15 Zentner schweren, jungen Simmentaler Bullen auf dem Submifsionswege wegen einge- tretener Dienstuniauglichkeit zu verkaufe. Offerten pro Zentner Lebendgewicht find bis zum Mittwoch, dem 1. Juli, nachmittags 6 Llhr, einzureichen. Der- kaufsbedingungen liegen offen. Watzenborn-Steinberg, den27.Zuni 1925. Hessische Bürgermeisterei. Schäf er.63690 Mfchenversteigerung der Gemeinde Bettenhausen. Mittwoch, den 1. 3ult d. I., nachmittags 4 Uhr. wird die Kirschenernte von zirka 40 Bäumen an der Straße Bettenhausen—Mufchenheim und Langer- berg versteigert. Zusammenkunft an der Straße Bettenhausen-Mufchenheim. Bettenhausen, den 26. Iuni 1925. Bürgermeisterei Bettenhausen Roth. 63440 Pianohaus Robert Schönau Seltersweg 91 633ia kalt-ohne Kochen2 alle Stoffe u. Kleldungs- stücke aus Wolle, Seide, g M Baumwolle Einfach - bequem - billig 5M5ag Marke „Fuchskopf Im Stern“ Erhältlich In Drogerien, Apotheken usw. Teppiche, großeAuswahl,'"-Mö.ecn A III A. Seifsnpiiiver A I 11 Schmiea t Schell Rj™ mit Keraselfen-Schnitzel Ofl & <1 Rothonbargo T-N6raberg Einblick in die Siegerlistc standen die Ergebnisse der Oberstufe und des Alterstt^tens leider nicht zur Dersügung, so daß in diesen Stufen die Sieger aus unserem Gau erst später bekannt- gegeben werden können. Oberstufe (336 Bewerber): 1. K Kurt. Eo. Bieber, 90 P: 2. T. Spieler. Tv. Aichaffen- burg-Damm. 87 P.: 3. 3 Greif, To. Völklingen (Saar), 85 P. (Ergebnisse des Gaues Hessen können' erst später folgen') Zugendturner (551 Bewerber. 447 Sieger): 1. P. Bumb. Tv. Dieber, 79 P: H Rieth Tv. Bieber. 3 Kehr, Tv. Bieber, F. Jäger. Tv. Bürgel. E Pape. Tv. Seulberg, 78 P.: 3 F. Ries. Tv. „3a&nu Mainz. K. Gertenbach. Tgm. Hanau. A. Gros, Tv. 1844 Idstein, H Eller. Tgm Bockenheim 77 P.: 4. K- Schmidt. Tv. Sinn (Gau Lahn-Dill). Erich Dilges. Tv. 1 8 4 6 Gießen. Karl Reitz, T v. 1846 Gießen, 76 P.: 5 Wilh. R ei h. Tv .1846 Gießen, 75 P, 7. F. Morn eweg. Tv. Klein-Linden. Hrch. Lang. Tv. Kirch- Hain, W. Gondolf. Tv. 1860Dad-Rauhe im 73 P: 9. Werner Rohl, Tv. 1846 Gießen, 71 P.: 10 K. Faah, Tv. 1860 Dad- Rauhei m. W. Schäfer. Tgm. Friedberg. Hans Felfing. M t v. Gießen. Peter Klop- pel. Tv. Wallenrod, 70 P.: 11. 3. Wolf, Tv- Rieder-Mörlen. 69 P.: 12. HanS Peters. Mtv. Gießen. 68 P: 13. Hrch. Schröder. Tv. 1860 Dad-Rauheim, 67 P : 14. H. Schneider. T. u. Spv. Butzbach, Erich Müller, T. u. Spv. Butzbach. L. Großmann. T. u. Spv. Butzbach, Kurt Adler, T. u Spv. Butzbach. Hrch. Brauburger. Tv. Rieder-Mörlen, 66 P.: 15. K. Fischer, Tgm. Friedberg. E. Römer, Tv Kirchhain, H. Hantel, Tv Kirchhain. 65 P.: 17. Walter Loh, Tv. 1846 Gießen. Hrch. Schäfer. Tgm. Marburg. 63 P: 19 W Decker, Tv. Sinn (Lahn-Dill-Gau), 3. G Weil, Tv. Rieder-Mörlen, 61 P: 20. W. Kaiser, Tv. 1860 Dad-Rauheim. W Oehring, Tgm Friedberg. K Reibling. Tv. Rieder- Wöllstadt. 60P.: 21 W.Mootz. Mtv Gießen, H. Pfeifer. Tv. Ober-Mörlen. 59 P.: 22. W. Roth, Tv. 1860 Dad-Rauheim: A Heyd T. u. wpv. D u h b a ch. 58 P.; 23 W. Stoll. Tv. 1860 Dad- Rauheim 57 P.: 25. Hrch. Reuter, Tv. Rieder-Mörlen. 55 P.: 26. E. Swoboda. Tv. Sinn (Gau Lahir-Dill), 54 P. Altersturner, Jahrgang 38—45 Jahre (35 Bewerber): 1. W Durkert. Tv. 1860 Frankfurt a. M, 82 P.: 2. 3. Haß. Tv. «Vorwärts Bockenheim, 79 P.: 3. W. Arlt. Tv. Bad Ems. 76 P.: 10 Hrch. Lang Tv. Klein-Linden, ^Alters turn er. Jahrgang 46 Jahre und älter (31 Bewerber): 1. A. Pfeifer, T. u Spv. Mainz. 75 P: 2. F. Huthmann. Tgs. Darmstadt 71 P.i 3. 3. Launhardt. T. u. Spv. Praunheim, 70 P. (Soweit beim Altecsturnen noch Sieger des Gaues Hessen in Frage kommen sollten, können ihre Ramen auch erst spater mitgeteilt werden, da Einblick in die Sregerltste noch nicht möglich war.) Turnerinnen (166 Bewerberinnen): 1 Hanni Weher, Tbd Wiesbaden. 85 P.: 2. Else Müller. Tv. „Vorwärts" Bockenheim. Else Hartung. Tsch. Groß°Auheim. 74 P.: 3. A. Urban. Tgs Bruchköbel, 72 P.: 9. Amalie vchwnrz. Tam Friedberg, 65 P: 12. Minna Stoll, Tv 1860 Dad-Rauheim. 62 P.: 16. Dina Stoll, Tv. 1 860 Dad-Rauheim, 58 P : WWasts-PeMchjyllg. Die Wittfchastsräume mit Saalge. schatt und Kegelbahn nebst zugehöriger Wohnung in der Turnhalle des unter» zeichneten Vereins, sind vom 1. Oktober 1925 ab neu zu verpachten. Verttagsbedingungen können gegen ein Entgelt von 5 Mk. bei unserem 1. Vorsitzenden Herrn Philipp Weiß hier, Bismarckftrahe Rr. 9, bezogen werden. Bewerber werden gebeten, schriftliches Angebot bis spätestens 24. Juli 1925, bei dem 1. Vorsitzenden einzureichen. lütn-Betein M-MlM e.B. tticgrnndet 1860, 6348 V Sommerstoffe verkaufe ich mit 10 % Rabatt! Auf alle ander. Artikel bringe ich 5 % Skonto in Abzug für die Dauer von 18. Lilli Esbach, Mtv. Gießen. 56 P: 19. Marie Rahmig. Mtv. Gießen. Elisabeth Wagner. Tv. 1860 Dad-Rauheim. 55P: 20. Elli Langbein. T. u. Spv. Duyb och.54P. Die Mannichastskämpfe hatten sol- gende Ergebnisse: Drunhildisschild (im viermal 75-Moter-Louf von Turnerinnen aus- getragcu. 8 Vereine): 1. Tv. .Vorwärts" Docken- l>eim, 44.3 Sek. Jahn-Schild (fünfmal 100 Meter, Turner. 4 Vereine). 1. Tgm Docken heim 59.4 Sek. Döllungenborn (verteidigt von Tv. Dieber): Sieger Tv. „Vorwärts" Bockenheim. Wimpel st reit der Jugend (Freiübungen. Volkstänze. Singen): 1. Tgm Rödelheim: 2. Tgm. Friedberg für Gau Hessen: 3. Tgm. Friedberg: 4. Tv. 1846 Gießen. Die Wettspiele zeitigten die folgenden Ergebnisse: Handball: Tgm. Schwanheim — Tgm. Riederursel 5:3 Faust ball: Tv. 1860 Frankfurt a. M — Tgm. Friedberg 2:0. Schlagball: Tv. 1860 Frankfurt a M. — Tbd. Wiesbaden 39:56. Amtsgericht Wetzlar. Q Wetzlar. 24. Iuni. Die Ehefrauen P. und K, von Wetzlar waren von der Polizeiverwaltung Wetzlar mit Geldstrafen von je 5 M a r k belegt worden, weil sie bei einem Streit, den sie mit einer 3. Person hatten und der schließlich in eine Schlägerei ausartete, einen Mcnschenauflauf verursach', und dadurch groben Unfug verübt hatten. Auf ihren Antrag auf gerichtliche Entscheidung wurden sie f r e i gesprochen. da die Verhandlung ergab, daß nicht sie. sondern die dritte Beteiligte, die als Zeugin geladene B. den Anlaß zu dem Streit gegeben hatte, und daß, da die Vorgänge sich auf dem Hofe des von den Beteiligten bewohnten Hauses abgespielt hätten, kein öffentliches 3n- tereffc vorläge. Der W. K. aus Erda, der wegen groben Unfug« 10 Mark Polizeistreife erhalten und hiergegen Antrag auf Gerichtsentscheidung gestellt hatte, schnitt wesentlich schlechter ab. Bei ihm erhöhte das Gericht die Strafe auf 2 0 Mark einschließlich der Kosten. Die Arbeiter W., M. G. und wch. sämtlich aus Wetzlar wurden aus ihre Einsprüche gegen Strafbefehle des Amtsgerichts Wetzlar uoer je 100 Mark wegen verbotenen Wafsenbesitze5 freigesprochen, da der Zeuge H., der s Zt. die Anzeige erstattet hatte, heute erklärte, er fei damals nur durch andere zu der Anzeige aufgeheyt worden. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der ..Radio-Umschau".) Sonntag, 28. Iuni: 8—9 Uhr Morgenfeier, veranstaltet vom Wan- burgverciu anläßlich des 77. Bundesfestes des Westdeutschen Jünglingsbundes, Ansprache von Bundes wort Lic. P. Humburg-Barmcn. 3 Uhr: Bilder von der Mainregatta. Direkte Uebertragtmg der 34. In ternntionalen Jubiläumsregatta des Frankfurter Re- gatta-Ausfchusfes und Süddeutschen Rud-rvcrban- des. (Zweiter Tag.) Mitteilung der Start-, Fahrt- und Zielergebnisse, Uebertragung der Ansprachen, Konzerte, Preisverteilung usw. 7—8 Uhr Stlinde Ganz besonders empfehle ich meine reichhaltige Auswahl in Spitzen und Stickereien, die ich zu «ehr müßigen Preisen absetze. LTeitler, Bleien Dammstraße 25 p. Kein Laden Gegenüber d. höh. Mädchenschule des Rhcin-Mainischen Verbandes für Volksbildung: ..Gesellschaft und Erziehung", Vortrag von Proseffor Tesar Wien. 8.30 Uhr Bunter Abend. Anschließend Nachrichtendienst. Wettermeldung, Sportbericht. Montag, 29. Juni: 12 Uhr Nachrichtendienst. 3 und 4 Uhr Wetterbericht der Gießener Wetterdienststelle. Wittschafts- Meldungen. 4.2" Uhr Nachrichtendienst. 4.30—6 Uhr Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Tfchaikow- fty-Smetona. 6 Uhr Wirtfchaftsmelungen. 6 bis 6 30 Uhr Die Lcseftunde (Die Novelle): „Michael Kohlhaas" von Heinrich von Kleist. 6.30—7 Uhr Vortrag von Dr. Pfeiffer-Belli: „Dühnenhumor II". 7 Uhr Wirtschaftsmeldungen. 7—7.30 Uhr Stunde des Südmestdeutfchen Radioklubs: Vortrag von Schauff: „Transformatoren". 7.30—8 Uhr Vortrag von Kriminaloberinfpcktor Heber: ..Identifikationen". 8—8.30 Uhr Englischer Unterricht. 8.30—9.30 Uhr Rhein und Wein. Lieder und Duette. 9.30 Uhr Nachrichtendienst, Wettermeldung. 10—11 Uhr Uebertragung von Kassel Operettenabend. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, den 28 Iuni. 3.n. Trinitatis. Stadtkirche. 8: Pfr. Becker. Zugl. Christenlehre für die Reukonfirmierten auS der MarkuSgemcinde. 9',: Pfr. Mahr. 11: Kinderkirche für die Matthäus- gemeinde Pfr. Mahr. - IobanneSkirche. 8: Pfr- Ausfeld. Zugl. Christenlehre für d- Reukonfirmicrten aus der Iohannesgemeindc. 9* ,: Pfarraffistent Schultheis. 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarraff. Schultheis. — Kirchberg. 10. 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend. - Wtefeck. 91 ; 10"/.: Kinderkirche. — Wakenborn- Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 97, (mit Christenlehre). Garbenteich 1. Katholisch« Gemeinde«. Gießen. Samstag, den 27.3uni. 4',', u. 7 Beichte. Sonntag. 28.Zuni.4. Svnntagn.Pfingsten.6",Beichte, 7Meße, 8Kom.. 9 Hochamt m. Predigt, 11 Meße mit Predigt, 2 Ehristenlchre u. Andacht. Freitag/3. Juli, 6 Segcnsamt. - Grünberg. 9'/, Meffe m. Predigt. - Hungen. 9' , Hochamt mit Predigt. - Lich. 7'/, Meffe mit Predigt. _________________ Teppiche- und Gardinen-Abteilung Halbstores mit äch8nen Änw. 3.50. «.so Halbstores schön4k-F&5o.“Äio.3o. 15.00 MöhelhausJJttmann,GieSen,Bahnhofstr.28 Inhaber; A. Brumüik 6368a ........................... (ieferung der hessischen Artilletteregimcnter erstand auf, und der Dank ihrer Angehörigen an die Traditionsbatterie und ihren Führer für da» Erleben dieser beiden Tage wurde durch den Mund des Red. ners allen aus der Seele gesprochen. Noch manches Manneswort wurde gehört, und tausendfach scholl der Hurraruf für das Vaterland. Hessischer Feldattilleristentag' Wer ihn mit- erlebte schied von seinen Kriegsgesahrten mit dem Gebot an sich, das nächstemal unbedingt wieder- zukommen, und unter denen, die nicht dabet waren, auf ihr Mtlkommen hinzuwirken. Was der Dienst in harter Friedensarbeit, was der Krieg in höchster Anspannung in felsenfester Kameradschaft ;usam- mengeschweißt, das kanan kein Gebot besiegter Siegerstaaten uns nehmen. Treue im kleineren Kreise und darüber hinaus dem ganzen, geknechteten Volk und Vaterland, das ist der Inhalt dieser Erinnerungsfeiern. der Grundstein neuen Aufstiegs. Turnen, Sport und Spiel. Feldbergfest 1925. Erfolge des Tnrugaues Hessen. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) Allmählich kann man mit Bestimmtheit damit rechnen, daß es am Feldbergfest regnet. Mag der Himmel wochenlang das freundlichste Gesicht gezeigt haben, wenn Hunderte von Turnern und Turnerinnen sich am Fuße der TaunuSberge auf dem ehemaligen Ererzierplah der Homburger Garnison versammelt haben — auf dem Gipfel be6 Feldberges haben feit 'sieben 3ahren die Kämpf« nicht mehr stattgefunden —. dann drohen meist schon am Vorabend die „schönsten" schwarzen Wetterwolken, die das Herz der Kleingärtner entzücken können, von denen jedoch die Turner nichts wissen wollen. So auch diesmal wieder! Schon am Vorabend gelegentlich der Sonnwendfeier der mittelrheinischen Turnerjugend gab es einen tüchtigen Guß: am Sonntag drückte und drückte es auch fo lange, bis der Himmel endlich seine Schleusen öffnete. Teilnahme und Besuch des Publikums ließen trotzdem nichts zu wünschen übrig, wenn auch die 24-Stundens63501? llirschenverstelgerung der Stadt Gießen. Montag, den 29. Juni d. I.» nachmittags IV, Ähr, wird ein Teil der Kirschenernte von den Bäumen auf dem Trieb in ca. 80 Lofen möglichst bäum- weife öffentlich meistbietend versteigett. Zufammenkunst an der Kaiferallee bet der Wirtschaft „3ur Germania-. Gießen, den 23. Juni 1925. Der Oberbürgermeister. I. V.: Vr. R 0 f e n b e r g. 62658 Bekanntmachung Die Errichtung eines Stockwerks auf dem Backhaus in Salzböden soll fofort vergeben werden. Die Zeichnungen liegen bei dem Herrn Gemeindevorsteher in Salzböden aus. Von diesem werden auch Angebotsformulare abgegeben. Die Eröffnung der eingehenden Angebote erfolgt am Samstag, dem 4. Juli ds. IS., vormittags 9 Ähr, auf dem Bürgermeisteramt. Krofdorf, den 24. Juni 1925. Der lom. Bürgermeister. Brockmeier. 6347 D Bekanntmachung. Das erste Ziel der städttfchen Sonder- steuer 1925 und das erste Ziel Kanal-, Müllabfuhr- und Slraßenreinigungsge- bühren 1925 können noch bis 5. Juli 1925 ohne Zuschläge bezahlt werden. Gießen, den 27. Juni 1925. Stadtkaffe Gießen. 6351B Arbeitsvergebung. Der Reuanstrich des Stadthauses, Gartenstraße Rr. 2, soll vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum 1. Juli ds. IS., vormittags 10 LIHr. einzureichen. - Zuschlagsfrist acht Tage. Gießen, den 26. Ium 1925. Stadtbauantt: Braubach. 6333b Möbel-Abteilung OAkUMmmnr mit 3-tür Schranken. Wasch bcnlatzimmer kommode m. Spiegel,2"Bettsteil 2 Nachtschränke - - Mk- 295, 350, 400 Qnhlaf-yimmor in echt Eiche. Mahagoni, Birke. OCnialZlllllilCl echt nußbaumpoliert, reizende Modelle Mk. 450, 650, 950, 1250 schöne Formen, echt Eiche. Speisezimmer rejc^ geschnitzt, geschl. Glas, Büfett. Kredenz. Tisch, 6 Lederstühle Mk. 550, 650, 850, 1350, 1500 Unnnnn-rimmDr echt Eiche Mk. 450, 550, Herrenzimmer eso, »so, 1250,1500 In«Mam Metallbetten — Holzbetten I KrilHlI Matratzen In Kapok, W olle I UUtlUII Deckbetten in großer Auswahl | /flfir Cfthr 11 ftyfyflflö Ä Schaukochen... V)U3 Uljl WUlUst _ Stadttheater Gießen Freitag, den 3. Juli 1925 WmlMMttWWUNl Carmen Oper in 4 Akten von Henry Meilhac und Ludwig Halevy- Musik von Georges Bizet. 6328c Der Vorverkauf findet vom Dienstag, dem 30. Juni an, täglich in den Kassenstunden von 10 bis 1 Uhr statt. 1 .......... ......... Liebigshöhe Sonntag, den 28. Juni, von 4-7 Uhr Großes Konzert Eintritt frei 6338D Eintritt frei w IungdEUtfche >k Kundgebung \ J und xx Zonnenwendfeier am Sonntag, dem 28. Juni Von 11.30 Uhr vormittags ab: WlHWiim Sei Sttl-Msm pon 5.00 Uhr nachmittags ab: 634OD SlMMküWlWSNMMW Ium Schluß Beleuchtung der Burg. Lüge ab Gießen 6.41 vormittags, 12.25 nachmittags: ab Münzenberg 8.02 und 10.40 nachmittags. Alle Freunde der jungdeutschen Bewegung sind herzl. eingeladen. Gesmverä Liederkranz Treis a.d. Lda. Samstag, 27., Sonntag, 28., Montag 29. Juni 1 MW und 58. Fahnen-Jubiläuui I Gesangverein „Eintracht" I H lllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliuilllllllllllllllllllllllllllllll W I ltlein-Linden I = lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll = i 60. Stiftungsfest | S verbunden mit Gesangswettstreit W == = = am 4., 5. und 6. Juli ü = = M Beginn des Wettsingens Sonntag, den 5. Juli, morgens 9 Uhr, == W in den Sälen der Wirtschaften „Jur Deutschen Eiche" und im W M „Turnerheim" (früher „Bernhardtshäuserhos"). W W Auf dem Festplatz: W | Gesangsvorträge, Konzert und Tanz j g Montag, den 6. Juli: Volksfest 63570 W = = ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ Jung’, hab’ ich dir nicht „Aguma” gesagt? Jetzt hast du mir wieder was andres gebracht I I AGUMA, der neue Gersten-KAFFEE Dealichu Rdehi-Patent 337163 in allen einschlägigen Geschäften erhältlich S. ö. - BWotorräder sämtliche Modelle sofort lieferbar Ersatz-Zubehörteile in reich Auswahl. Reparaturwerkstätte. Fr. Linker & Sohn, Ludwigstraße 16 D.-Motorrad, Ge- lrlebemaschtne, tn bestem Zustand, eleklr. Licht, 700 Mk., Leicht-Motorrad mit D. K. W. 200 Mk. a Sicherheit lung. Verkaufe, da Auto an- schaffen werde. ^“D wer, U lei Hiite in. rmkige verfette Selineiderio empfiehlt sich in und außer dem Hause. Näh. oSai tileli vorher Msangreiche schäste und später aus kennenlernte. Views durch kerige Anfrc eine Leihe । Dunschenswi englische enthielt eine liche Etiinmu ') „Sie k'nette 1871- lchen Akten trage des von Johann ZlUhvldh, Isolierung d Wie au bi Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Gveryenen, Kr. 148 Drittes Blatt Samstag, 2t. Juni 1925 Der „Novembersturm" von 1908. Kaiser Wilhelm II. über die Die schwerste innenpolitische Krise des Deut» schen Kaiserreichs, zu der die bekannte Veröffent- lichung eine- Interviews Kaiser Wilhelms II. mit dem englischen Oberst Etuart-Worthh im „Daily Telegraph" im November 1908 führte, ist seit langem eine Quelle von wahren, halbwahren und falschen Erzählungen und Legenden gewesen. Erst durch die Memoiren-Literatur der Nachkriegszeit, vor allem die aufschluhreichen Werke Otto Hammanns, ist ein wenig Licht in die' trüben Vorgänge gekommen. Die Große Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes legt nun das Material der verantwortlichen Reichsbehörde vor und wird so dem «Historiker und Politiker neuen wichtigen Stoss für die Beurteilung dieses Falls liefern, der mit Recht als ein Symptom f ü r das ganze Regierung s s y st e m der wichtigsten Epoche der Monarchie Wilhelms II. von Mit- und Nachwelt gewertet worden ist. Wir bringen im Folgenden aus dein jetzt erscheinenden 24. Bande der Drohen Aktenpublikation des Auswärtigen Amts') erstmalig einen Privatbrief des Fürsten Bülow aus dem September 1909 an seinen Nachfolger- Herrn von Dethmann Hollweg zum Abdruck, der rückblickend eine Darstellung der Krise gibt, die freilich nicht frei von Einseitigkeiten ist. Veranlassung zu dem Schreiben hatten schwere Angriffe der „Märkischen Volkszeitung" sowie - ; „Kreuz-Zeitung" auf die Haltung des damaligen Kanzlers gegeben, der nun eine amtliche Ehrenrettung erstrebte und sich deshalb an den Staatssekretär von Schoen und an Herrn v. Deth- mann Hollweg wandte. Aus den Randbemerkungen des Kaisers zu dem Immediatbericht Deth- manns. der sich gegen ein Dementi und die damit gegebene erneute Aufrollung des Streitfalles aussprach, ergeben sich charakteristische Abweichungen von der Dülowschen Vorstellung- sie legen wor allem Zeugnis ab über die tiefe Verstimmung, die bei dem Träger der Krone nach dem Verhalten seines ersten Deamten und vertrauten Freundes zurückgeblieben war. Diese Kluft wird doch auch als tiefste und letzte Ursache für den Rücktritt des Kanzlers im Juni 1909 und damit das Ende der schicksalsschweren „Aera Bülow" zu betrachten sein. Reichskanzler a. D. Fürst von Bülow an den Reichskanzler von Bethrnann Hollweg Privatbrief. Reinschrift. Norderney, den 28. September 1909. Verehrter Freund! Echoen wird Zehnen gemeldet haben, dah ich gegenüber den unwürdigen Verdächtigungen, denen ich seit einiger Zeit ausgesetzt bin, ein amt- liches, unzweideutiges und entschiedenes Dementi für notwendig halte. Die gegen mich verbreiteten Anschuldigungen sind dreiste und unsinnige Lügen. Cs ist nicht wahr, dah ich von dem Inhalt des im „Daily Telegraph" veröffentlichten Artikels vorher etwas gewußt hätte. Ich hahe das umfangreiche Manuskript im Drange der Geschäfte und im Vertrauen auf meine Untergebenen f. Z. nicht selbst gelesen und war überrascht und entsetzt, als ich es einige Wochen später aus der mir vorgelegten Wolff-Depesche kennenlernte. Die Veröffentlichung des Interviews durch Wolff ist spontan erfolgt, ohne vorherige Anfrage bei mir. Das Interview enthielt eine Reihe allgemeiner Betrachtungen über das Wünschenswerte e-ter Verbesserung der deutsch- englischen Deziehungen. die harmlos waren. Es enthielt eine Bemerkung über die englandfeindliche Stimmung weiter deutscher Kreise, die besser ’) „Die grobe Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914." Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsius. Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Thimme. 4. Reihe: „Die Isolierung der Mittelmächte." Zweite Abteilung: Band 22 bis 25. Im Verlage der Deutschen Derlagsgesellschast für Politik und Geschichte in Berlin W 8. ,,Daily-Telegraph"-Affäre. nicht Seiner Majestät in den Mund gelegt worden wäre, aber relativ unschädlich war. Das Interview enthielt aber weiter drei Punkte, auf welche die Sensation zurückzuführen war. die es in der Welt hervorrief und die Erregung, die in Deutschland entstand: Die Behauptung, dah Seine Majestät der Kaiser Ruhland und Frankreich verhindert hätte. England bis in den Staub zu demütigen: die Behauptung. dah Seine Majestät für England den Feldzug gegen d i e Duren ausgearbeitet hätte, und dah dieser Plan mit dem von Lord Roberts durchgesührten ziemlich identisch gewesen wäre: die Behauptung, dah wir unsere Flotte mit dem H ntergedanken bauten, sie im Stillen Ozean, d .h. gegen Japan zu verwenden. Ich habe, bevor das Interview erschien, nicht geahnt, dah Seine Majestät sich über diese drei Punkte in der im „Daily Telegraph" angegebenen Weise in England ausgesprochen hätte, geschweige denn mich nachträglich mit einer solchen Sprache einverstanden erklärt oder gar dazu geraten. Ich habe Gerne Majestät wahrend meiner Amtszeit stets eindringlich um Vorsicht und Zurückhaltung in politischen Gesprächen gebeten. Ich habe einen großen Teil meiner Zeit und Arbeitskraft darauf verwenden müssen, die stattgefundenen Entgleisungen und Indiskretionen wieder gutzumachen. Ich habe Seine Majestät speziell gebeten, den Engländern kein Wort zu sagen, das Russen und Franzosen, Japaner und Amerikaner nicht wieder erfahren könnten. Ich wäre mir natürlich nicht einen Augenblick im Zweifel darüber gewesen, dah eine so drastische Anschwärzung der Russen und Franzosen bei den Engländern von letzterem "nur als ein Versuch ausgefaht werden würde, die von ihnen angebahnte Annäherung an jene Länder zu durchkreuzen, und dah damit das gerade Gegenteil der gewünschten Wirkung erzielt werden muhte. Die allerhöchste Aeuherung über den Feldzugsplan gegen die Duren kann ich schon deshalb nicht angeraten oder gutgeheihen haben, weil ich den betreffenden Dries Seiner Majestät an die Königin Viktoria gelesen hatte und wuhte, dah derselbe aphoristisch« und akademische Detrachtungen über Kriegführung enthielt und für den Ausgang des südafrikanischen Feldzugs nicht von praktischer Dedeutung gewesen sein konnte, ilnb was endlich Japan angeht, so habe ich Seine Majestät immer und immer wieder gewarnt, dieses empfindliche und mihtrauische Volk nicht noch argwöhnischer zu machen, als es durch mancherlei Vorgänge („Völker Europas, 'wahrt Eure heiligsten Güter", Reden über „yellow peril" ufto.) ohnehin geworden sei. Ich entsinne mich, dah ich vor zwei oder drei Jahren telegraphisch einen schon seit mehreren Tagen abgegangenen Dries Seiner Majestät an Roosevelt zurückgehalten habe, weil er mir, als ich nachträglich von feinem Inhalte erfuhr, unvorsichtig eWendungenüber Japan zu enthalten schien. Ich kann mich nicht erinnern, Seiner Majestät im Herbst 1907 während seines Besuches in England überhaupt über die von ihm geführten Untenebungen geschrieben zu haben. Ich glaube es nicht. Das aber kann ich mit der äußersten Bestimmtheit erklären, dah ich mich gegenüber Seiner Majestät mit Aeuherungen wie die vom „Daily Telegraph" wiedergegebenen über jene drei Punkte niemals schriftlich noch mündlich, weder brieflich noch telegraphisch einverstanden erklärt habe, noch einverstanden erklären konnte. Die „Deutsche Tageszeitung" behauptet, Seine Majestät der Kaiser habe gelegentlich Briefe von mir, in denen ich meinem Einverständnis Ausdruck gegeben hätte, „einem Politiker" gezeigt. Man zeige mir diese Briese. Sie existieren ebensowenig wie der fragliche Politiker. Ich habe die in Rede stehenden Aeuherungen Seiner Majestät vorher ebensowenig gekannt, wie ich vorher etwas wuhte von dem Brief an Lord Tweedmouth, von der Derioahrung gegen die Kandidatur des amerikanischen Botschafters Wie ich Tisch rückte. Don Karl Etilinger. Schuld an der ganzen Geschichte ist meine Braut, dieResi; sie wollte durchaus den Napoleon!, sprechen. Sie hat ihn was Wichtiges zu fragen. Nämlich, sie wohnte neulich einer spiritistischen Sitzung bei, und da erschienen der Neihe nach Friedrich der Große, Julius Cäsar, Plato, das Mädchen aus der Fremde, Schopenhauer, Till (fplen(piegel, Mohammed und der Ässe, von dem die Menschen abftammen, und seitdem hat Nest einen Tisch im Kopf, der rückt beständig hin und her. „Gut", sagte ich schließlich, „der Schönere gibt nach!" Und ich veranstaltete eine soiritistische Sitzung, oder wie man auf deutsch sagt, eine Söance. Vorher sah ich noch schnell in der Grammatik nach, wie bon jour auf französisch heißt, damit ich mich nicht blamiere, falls der Napoleon wirklich kommt. Hoffentlich ist er gerade anderswo beschäftigt, denn ich habe da kürzlich ein Buch ge- lesen „Napoleon und die Frauen", und ich muß sagen: Er ist kein Verkehr für meine Nesi. Aber vielleicht hat er sich nach seinem Tod gebessert. Ich habe ja auch die Absicht, das zu tun. Also die Nesi, mein Freund Maxi und sein Darfl Lumpl tarnen abends zu mir. Ich befahl dem Lumpl, sobald er den Napoleon riecht, soll er ein Zeichen geben. Durch Heben seines linken Hinterbeines. Dann ruckte ich den Tisch in die Zimmermitte, machte dunkel, und die Nesi schreit ,Au!", weil ich sie gezwickt hatte. Denn, wie das Sprichwort sagt: Je dunkler, desto munkler. Und weil mich die Nase so juckte, flüsterte ich: „Resi, ich spür' schon was! Ich glaub, er kommt!" Und richtig, auf einmal fängt der Tisch an sich zu bewegen. Mir lief's eiskalt über den Rücken, denn mein Tisch ist sonst ein wohlerzogenes Möbel, und ich wünschte nicht, dah er sich das Spazierengehen angewöhnt. Denn wenn ich einmal einen Brief zu schreiben hätte, und mein Tisch machte derweil einen Tagesausflug, nein, dazu habe ihn nicht gekauft! „Brr!" machte ich, damit der Malefiz- tifch einhielte, und ärgerte mich, daß ich nicht wußte, wie „Brr" auf französisch heißt. Aber der Tisch schlepperte weiter, und plötzlich wispert der Tisch mit einer Grabesstimme, als ob der Geist im Hamlet unpäßlich wäre und sie ihn vertreten müßte: „Wir fühlen deine Nähe, seliger Geist! Wer bist du?" Und nach einer Weile, in der der Tisch den reinsten Foxtrott getanzt hat: „Es ist der Sakra» tes!" „Sokrates dort?" rief ich. „Falsch verbunden! Läuten Sie ab!" Jetzt wurde die Resi sehr böse. Sie behauptete, ich verscheuche die Geister. Aber ich erwiederte falt: „Solange ich die Miete zahle und nicht der Sokrates, bestimme ich, wer hier erscheinen darf!" Wir un» terhielten uns eine Stunde über diesen Punkt, und wie ich wieder zu Worte kam, sagte ich: „Versuchen wir's noch einmal!" Wir saßen also wiederum da wie die Oelgögen — es war wirklich schade um die schöne Dunkelheit — und auf einmal — das Haar sträubte sich mir — hebt der Lump! das linke Hinterbein. Gesehen habe ich's nicht, aber gehört. Und schon saust der Tisch im Zimmer herum, von einer Ecke in die andere, holterdipolter, und ich nahm mir vor: beim nächsten Pferderennen lasse ich ihn mitlaufen! Die Resi aber stöhnte: „Diesmal ist es der Napoleon!!" Da nahm ich all mein Französisch zusammen und redete ihn an: Bon jour, madame, Eau de Cologne, rien ne va plus, Chambre separs Louis quatorze!" Und weil der Tisch gar nicht aufhorte, in meinem Zimmer Karussell zu fahren, drehte ich kurz entschlossen das Licht an, und — da sahen wir die Bescherung: der Lumpl war mit seiner Leine an das eine Tischbein angebunden und zog den Tisch im Zimmer umher. Das linke Hinterbein hatte er nicht aus Spiritismus gehoben, sondern weil er so stubenrein ist, der gute Hund. Mein Zimmer aber ist feit dieser spiritistischen Sitzung wie verhext. Gestern z. B., wie ich von dem feuchtfröhlichen Iunggesellenabend nach Hause kam und mich auf das Sofa legte, ritt das Sofa mit mir im ganzen Zimmer herum. Fünfmal bin ich heruntergefallen und wie ich aufwachte, saß ich angezogen im Kleiderschrank. Und da kann nur der Spiritismus dran schuld fein — oder die Spirituosen?! , Hill, von der Swinemünder Depesche an den Prinz-Regent von Bayern, voi dem Telegramm an den Fürsten von Lippe, von sehr viel.m Reden, von der Hunnen-Rede des Sommers 1900 bis zur Schwarzseher-Rede im Manöver 1906. Die gegen mich gerichteten Angriffe enthalten noch andere und zahlreich« Unwahrheiten. Ich habe nach meinem Rücktritt keinen anderen Wunsch als den, jedes Hervortreten in der Oeffentlichkcit zu vermeiden und ein friedliches und unabhängiges Leben zu führen. Ich habe aber das Recht, zu verlangen, daß derartigen niederträchtigen Verleumdungen entgegengetreten wird, die sich gegen die Ehre eines Mannes richten, der unter schwierigen Verhältnissen und nicht ohne Erfolg 12 Jahre Minister und 9 Jahre Reichskanzler war. Wohin soll cs führen, wenn diese Derleumdungskampagne weitergeht, weirn ich schließlich nicht länger schweigen kann, wenn es vielleicht zu Prozessen kommt, und wenn meinen Erklärungen, die ich auf meinen Eid nehme, angebliche Aeuherungen Seiner Majestät entgegengehalten würden. Es würde das eine der traurigsten Wendungen in der deutschen Geschichte sein, die ich der Krone und dem Lande ersparen möchte.---- Wenn der „Reichsanzeiger" ein deutliches und entschiedenes Dementi bringt, Seine Majestät mich bei meiner in der zweiten Hälfte Oktober bevorstehenden kurzen Anwesenheit in Berlin sieht und ich dann nach Rom übersiedele, wird das ganze elende Getratsche aufhören. Das Dementi muß aber, wenn es wirken soll, klipp und klar feststellen, daß die von einer Reihe von Blättern übernommenen und ausgeschmückten Angaben der „Märkischen Volkszeitung", sowohl was das Interview im „Daily Telegraph" angeht, als hinsichtlich des Verhältnisses Seiner Majestät zu mir in allen Punkten unwahr sind. Ich zweifle nicht daran, daß Sie. verehrter Freund, der Sie alle Mühen und Kämpfe dieses Winters mit mir durchgemacht haben, im Interesse der Dynastie wie des Vaterlandes weiteren Schaden und ilnfjeU vorbeugen werden. Mit herzlichem Gruß Ihr treu ergebener Bülow. Der Reichskanzler v. Dethmann Hollweg an Kaiser Wilhelm II. Telegramm. Entzifferung. Geheim. Linderhof. den 28. September 1909. Euerer Majestät bedauere ich berichten zu müssen, daß nicht nur Zentrumsblätter, sondern neuerdings auch die „Kreuzzeitung" tn eine Polemik über die Vorgänge bei den Veröffentlichungen des „Daily Telegraph" und den Rücktritt des Fürsten von Dülow eingetreten sind und damit erhebliches Aufsehen hervorgerufen haben. Die Darstellungen laufen darauf hinaus, daß Fürst von Dülow von den Unterredungen Euerer Majestät in Highcliffe vorher Kenntnis gehabt und sie mündlich und schriftlich gebilligt habe'). Die später im „Daily Telegraph" erschienene Publikation fei also von Fürst von Dülow veranlaßt, das ihm seinerzeit in mehreren Ab- 3ügen2) überfanbte Manuskript sei im Auswärtigen Amt vom Unterstaatssekretär Stemrich und Geheimrat Klehment gelesen2) und daraufhin habe der Reichskanzler in Äorderney') die Veröffentlichung genehmigt*). Im Zusammenhang hiermit wird der Rücktritt des Fürsten von Dülow auf diese Vorgänge und nicht auf die Abstimmungb) in der Erbschaftssteuer-Frage zurückgeführt. Fürst von Dülow hat in einem an den Staatssekretär des Auswärtigen Amts gerichteten Driefe die Richtigkeit dieser Darlegungen bestritten^) und ein Dementi im „Reisanzeiger" beantragt, da es nicht angängig fei, das Odium seines Rücktritts von den Parteien, die gegen die Erbschaftssteuer gestimmt hätten, abzuwälzen. Auch die wichtigsten Zeitungen verlangen eine amtliche Erklärung der Regierung ... Ich kann es nicht für opportun halten, mit einer amtlichen Erklärung hervorzutretenH. Die Tatsachen selbst sind mir nicht aus eigener Anschauung bekannt: ich könnte mich nur auf die Akten des Auswärtigen Amtes berufen, die gerade über die von dec „Kreuzzeitung" relevierten Vorgänge nicht ersvchöpfend sind. Die Allerhöchste Person Euerer Majestät aber in den Streit zu ziehen, indem ich etwa die mir von Euererer Majestät Hessische Vereinigung für Volkskunde. Die Hejs. Vereinigung für Volkskunde hielt am 20. Juni 1925 zu Michelstadt i. O. ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Die Mitgliederzahl der Vereinigung ist in erfreulichem Wachstum begriffen; sie beträgt jetzt 820. Die Vereinigung gibt die Hessischen Blätter für Volkskunde heraus, wovon bis jetzt 22 Bände erschienen sind. Band 23 ist eben im Druck und wird in den nächsten Tagen ausgegeben. Seit langer Zeit besaßt sich die Vereinigung mit der Sammlung der hessischen Flurnamen: zwei Arbeiten sind gedruckt, für weitere Veröffentlichung fehlen vorläufig noch die Mittel. Der größte Tell der Flurnamen ist bereits gesammelt; die Handschriften werden im Staatsarchiv in Darmstadt aufbewahrt. Dem Ar cki o der Bereinigung in Gießen gingen im abgelaufenen Jahr eine größere Anzahl wertvoller Stücke zu. Im kommenden Geschäftsjahr soll der neubearbeitete Fragebogen versandt werden. Die Antworten auf den vor etwa 20 Jahren ausgegebenen Fragebogen find sehr sorgfältig geordnet worden und bilden eine außerordentlich wertvolle Quelle für die volkskundliche Forschung. Reiche Unterstützung hot die Bereinigung erfahren durch den hessischen Staat, durch die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft in Berlin, durch das amerikanische „Relief Committee for German and Austrian Science and Art" und auch von privater Seite. Der Borsitzende sprach allen Gebern den Dank der Bereinigung aus. Die legte Nummer der Zeitschrift „Bolt un b Scholle" wurde als volkskundliche Nummer ausgegeben; sie wird allen Mitgliedern zugesandt. Im Anschluß an die Geschästssitzung hielt Stadtbibliothekar N o a ck aus Darmstadt einen Vortrag über „Wilhelm v. Plönnies als Mitbegründer der Hessischen Volkskunde". . v v. Plönnies lebte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts unb war hessischer Offizier. Als leidenschaftlicher Jäger hielt er sich oft im Odenwald auf unb erkuschte dort in Spinnstuben und be: Volksfesten über 500 Volkslieder, die er zum Teil mit den Weisen aufzeichnete. Angeregt wurde gemachten vertraulichen Mitteilungen her Oeffent- lichkeit prcisgebe, ist fclbftrcbcnb ausgeschlossen*). Auch erscheint cs bedenklich, tüc Richtigkeit einer feierlichen Erttarung der Staatsregierung, wie diejenige im November v. I noch einmal zu bestätigen und damit einer erneuten Diskussion oder Interpretation zu unterziehen. Endlich würde meines Erachtens dem Polemisieren nur neuer Stoff zugeführt werdend Ich glaube daher, ehrfurchtsvoll die Ermächtigung Euerer Majestät dafür erbitten zu sotten, daß von einer Erklärung nach dem Anträge des Fürsten von Dülow zunächst noch abgesehen^) und abgewartet werde, ob etwa dir Preß-Erörterungen sich fortsetzen und einen bedenklichen Grad erreichen. In diesem Falle würde ich mir erlauben, Euerer Majestät ein: entsprechend: Vorlage zu machen. Alleruntertänig st Dethmann Hollweg. Randbemerkungen Kaiser Wilhelms TL: • ') Nichtig. 2) 1 Abzug. s) dafür hat Dülow Klehmet ja aus dem Amt gejagt! ... 4) ja! sein Einverständnis ist mir schriftlich zugcgangen. ®) falsch! Er ist wegen beider Sachen gegangen. hauptsächlich aber wegen der Erbschaftssteuerabstimmung e) sie sind richtig. ') unter keinen Umständen. *) richtig. 9) richtig! Sie darf nicht statthaben unter keinen Tlmständen. Der Eichener Haushalts-Voranschlag für 1925. in. (Schluß.) 3m Vergleich zu den Vorjahrsziffern weisen die S t e ü e r t i t e l des neuen Voranschlages durchweg wesentliche, zum Teil sogar recht bedeutende Erhöhungen der Einnahmeansähe auf. So werden aus der Getränkesteuer jetzt 100 000 statt 70 000 Mk. im Vorjahre, also ein Mehr von 80070Mk. erwartet; der Voraussicht! che Anteil an der Reichseinkoinmen- und Körpcrschaftssteuer ist von 307 990 Ml. in 1924 um 262 010 Mk. auf 570 000 Mk. für 1925 hcraufgefetzt worden; den Anteil an der Reichsurnsahsteuer hat man von 59 290 Mk. in 1924 um 35 710 Mk. höher auf 95 000 Mk. veranschlagt: die Grunderwerbsteuer, die für 1924 mit 10 000 Mk. angesetzt war, soll int neuen Jahr 45 000 Mk. mehr, also 55 000 Mk. bringen; bescheiden ist die Erhöhung der Vergnügungssteuer, die von 40 000 Mk. im Vorjahre letzt um 10 000 Mk. auf 50 000 Mk. herauf- fommen soll; ebenso bescheiden ist der Mehr- ertrag aus der Hundesteuer veranschlagt, die statt 25 000 Mk. im Vorjahre jetzt 4000 Mk. mehr, also 29 000 Mk. bringen soll, wobei jedoch zu beachten ist, dah die Erhebungskosten von 2000 Mk. im Jahre 1924 auf 4000 Mk. im neuen Jahre anwachsen werden; der stärkste Sprung nach oben bleibt aber der Gebäude-. Grund-, Gewerbe- und städtischen Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz Vorbehalten, denn der Ertrag aus diesen Quellen soll von 647 529,07 Mk. im Jahre 1924 um 462 470.93 Mk. auf 1110000 Mari anwachsen. Als Ausgleichsmitlel sind 300 000 Mk. vorgesehen. Das sind Ziffern und Erhöhungen, die nicht leicht zu nehmen sind. Man wird aber trotzdem nicht behaupten können, daß n.it der Dewilligung dieser Anforderungen allen Erfordernissen Rechnung getragen werden könne. Inwieweit die Stadtverwaltung bei der De- rechnung der Dotanschlagssähe die steuerlichen Cinnahmemöglichkeiten ausgeschopft hat, wissen wir nicht. Der Voranschlag gibt keine Auskunft über die Höhe der einzelnen Ausschlags- sähe. ebenso ist darin keine Angabe übet die Zenfitenzahl zu finden, aus der man Rückschlüsse auf die Demessung der Ausfchlagssätze ziehen könnte. Die entsprechende Aufklärung wird nun die Stadtverordneten-Sitzung am kommenden Donnerstag bringen, in der man sich mit dem Voranschlag beschäftigen wird. Es ist in diesem Zusammenhang aber von Interesse, zu er hierzu durch Uhlands Sammlung alter hoch» und niederdeutscher Volkslieder, die 1842 erschienen mar. Auch seine Soldaten brachte v. Plönnies zum Singen und Erzählen. Neben den Volksliedern sammelte er eifrig Märchen, Legenden, Sagen, Sprüche und Sprichwörter. Seine Lieder sind in Urfo Liederhort aufgenommen worden. Der Vortragende brachte noch eine reine Fülle persönlicher Etnzclzüge des wackren Offiziers und gab somit ein wohlabgerundetes Bild dieser Persönlichkeit. Nach einer kurzen Pause nahm das Wort Oberstudiendirektor Dr. Georg Faber aus Friedberg und sprach über die Volkskunde im Unter- richt, zier Begriff Volkskunde ist noch nicht genau bestimmt, ihr Gebiet noch nicht scharf umrissen. Abstammung, Wohnung, Kleidung, Beschäftigung, Gerätschaften, alle volkhaften Eigennamen, die Mund- art, die volkstümlichen Redensarten, Volksrecht Spiel und Tanz, Märchen, Sagen, Sprüchwörter, Rätsel unb anderes meyr machen das reiche Feld der Betätigung für den Volkskundler aus. Die Volkskunde erstreckt sich nicht nur auf die unteren Volksschichten, sie umfaßt das gesamte Volk. Möglichst viele Volksgenossen sollten oammler werden. Doch müssen sie das Volk kennen und seine Sprache verstehen. Redner beklagt die Zersplitterung und Verfremdung unseres Volkes und hofft, hier Waydel zu schaffen durch eine gründliche Durchdringung des Unterrichts mit deutschem Geiste. Volkskunde soll nicht als besonderes Fach gelehrt, sondern der gesamte Unterricht soll damit durchtränkt werden. Er zeigt dann im einzelnen, wie das geschehen kann und was alles dabei zu beachten ist. Zum guten Gelingen hält er es für notwendig, daß die jungen Lehrkräfte aller Schulen sich gründlich mit der Volkskunde vertraut machen. Dazu ist unerläßlich, daß in den neuen pädagogischen Akademien gründlicher Unterricht in der Volkskunde erteilt und daß an der Landesuniversität ein Le h r° st u hl für Volkskunde errichtet wird. Ferner bezeichnet der Redner es als besonders wichtig, daß in jedem Dorf ein volkskundliches Archiv gegründet werde, zum Teil im Arbeitsunterricht, das dem Lehrer den notwendigen Lehrstoff bietet. Die Darbietungen boten den zahlreich Erschienenen wertvolle Anregungen und sie dankten mit lebhaftem Beifall. Dr. t—x. &■■■ 0BBEE oaee GBBB Pappela Wtler rieselten winn hn einfach 1 Aoulett- mchr ge insähei gemeinst bevor b schon fei Botte unter @ chäftsst, aetommi dar S, genomm^ 6. 8^' Herr varen^ et selbst obere" SlienE nant licht vB forderte sollten.' dieses 2 sx s ffir n?7 W r^t Junge. / Saft. D Hunderte hören, welche Ausschlagsähe man in den anderen großen hessischen ©tagten für die neuen Wirtschaftspläne zugrunde gelegt hat bzw. legen will. Aach unseren Erkundigungen kommen in Betracht als Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz in Darmstadt 70 Pf.. Mainz 75 Ps, Worms 65 Pf.. Offenbach 60 Pf. für je 100OKI. Steuerwert: als Grundsteuer in Darmstadt 36 Pf. bis 50 000 Mk. Wert. 48 Ps. über 50 000 Mk. Wert, Offenbach 50 Pf., Mainz 28,2 Pf., Worms 24 Pf. für je 100 Mk. Steuer- wert: als Gebäudesteuer in Darmstadt 32 Pf., Offenbach 30 Pf., Mainz 21 Pf., Worms 15,5 Pf. für je 100 Mk. Steuerwert: als »G e ° werbe st euer in Darmstadt 72 Pf. vom Anlage- und Betriebskapital für je 100 Mk. Steuerwert, 40 Proz. der Borauszahlungen (Ertrag), Mainz 90 Pf. bzw. 50 Proz., Offenbach 70 Pf. bzw. 40 Proz., Worms 54,9 Pf. bzw. 30 Proz. Man darf gespannt sein, in welchein Verhältnis die Gießener Sätze zu den vorgenannten stehen werden. Erst wenn diese Frage beantwortet ist, wird eine endgültige Stellungnahme zu der hiesigen Steuerpolitik möglich sein. Warten wir also die Donnerstag-Sitzung des Stadtparla- ments ab. Vom grundsätzlichen Standpunkt aus möchten wir aber doch schon heute einige Bemerkungen zu den Steuertiteln unseres Haushalts machen. Es versteht sich von selbst, daß bei der Bemessung der Steuern der Bogen nicht überspannt werden darf, weil sonst die Leistungsfähigkeit der Steuerzahler so hart betroffen würde, dah daraus statt Buhen nur Schaden für die Kommunalwirtschaft entstände. Auf der anderen Seite darf man aber auch nicht' allzu stark am Steuermaß beschneiden wollen, weil sonst bedeutsame öffentliche Interessen nicht gebührend befriedigt werden können. Wir haben den Eindruck, dah zahlreiche Ansätze in unserem städtischen Haushaltsplan auch diesmal wieder zu knapp bemessen sind, und ferner steht die Tatsache fest, daß für eine ganze Reihe dringender Aufgaben entweder gar keine, oder nur ganz ungenügende Mittel im Voranschlag enthalten find. Die einzige Erklärung, die wir für diese knappe Bemessung bzw. für dieses völlige Beiseitelassen finden, ist die, daß die Steuerschraube einige Umdrehungen weniger machen sollte. Diese Politik nfag vom Standpunkt des Steuerzahlers aus angenehm sein, uns erscheint sie aber unter dem Gesichtswinkel einer gedeihlichen und kräftigen Aufwärtsentwicklung bzw. der Erfüllung längst fällig gewordener Rotwendigkeiten in dec Stadt weniger lobenswert. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an verschiedene drängende Aufgaben, die wir in den beiden ersten Teilen dieser Abhandlung erwähnt haben und an manche weittragende, ebenfalls der schnellen Inangriffnahme bedürftige Probleme, die wir kürzlich in unserer eingehenden Betrachtung über „Gießener Zukunftsaufgaben" besprachen. Die Einstellung der Steuerpolitik nach dem Gesichtspunkt des allernotwendigsten Augenblicksbedarfs kann sehr leicht schwere Rückschläge zur Folge haben, die dem Steuerzahler dann ganz außerordentlich fühlbar werden können. linier Umständen kann sich dann sogar die unabweisbare Dotwendigkeit ergeben, von einem Etatsjahc zum anderen eine Heraufsetzung der Ausschlagssätze vorzunehmen, die im höchsten Maße drückend sein würde. Wenn man derartigen finanziellen und steuerlichen Komplikationen vorbeugen will, so muh die Finanz- und Steuerpolitik bis zu einem gewissen Grade auf eine Heberschuß- und Vorratswirtschaft eingestellt sein, genau ebenso wie ja jeder vorsichtige Kauf- i mann, Industrielle oder rechnende Handwerks- meister auch darauf bedacht ist. und sogar bedacht 5 sein muh, nicht nur seinen unmittelbaren Bedarf herauSzuwirtschaften, sondern auch noch etliche - Rücklagen für unvorherzusehende Fälle und für den Ausbau seines Unternehmens zu machen. Es war, wie wir früher schon einmal gesagt haben, zweifellos ein Fehler, daß das Stadt- parlament vor etwa einem halben Iahr durch einen umfangreichen Steuerverzicht auf Grund von gewissen Stimmungsmomenten Einnahmen schwinden lieh, die im neuen Haushaltsjahr sehr gute Verwendung hätten finden können. Die Kapitalaufnahme der Stadt, die der Haushaltsplan für 1925 auf rund 1 340 000 Mk. beziffert, hätte jedenfalls durch das verlorene Mehr vom Vorjahr vermindert werden können, oder man hätte mit diesen großen Geldmitteln anderen drängenden Aufgaben Erfüllung verschafft, die jetzt den Haushall noch belasten bzw. in ihm gar nicht vorgesehen sind. In der Bürgerschaft muh eben allenthallen das Bewußtsein die Oberhand gewinnen, dah von der Stadtverwaltung nur dann eine großzügig schaffende Tätigkeit erwartet werden kann, wenn die dafür notwendigen Mittel auch zur Verfügung gestelll werden. Die Einwohnerschaft fordert mit Recht, dah alles getan wird, um ein Zurückbleiben unseres Gemeinwesens gegenüber den benachbarten Städten zu verhindern, möge sie daraus aber auch in finanzieller Hinsicht die richtige Folgerung ziehen, denn das eine ist nicht möglich ohne das entsprechende andere. Wenn diese Erkenntnis sich überall durchsetzt und unsere kommunale Steuerpolitik in großzügiger Weise beeinflußt, dann können wir, die heute in der Front des Ringens stehen, die Genugtuung empfinden, dem Gießen unserer Rachkommenschaft einen leichteren Weg bereitet zu haben. Die Strahenbahnsrage Gießen — Wieseck. In unfern Rr. 141 druckten wir eine Zuschrift aus den Kreisen des Wiesecker Gemeinde- rats ab, die sich mit dein Straßenbahn- Projekt Gießen-Wieseck beschäftigte und es als gescheitert bezeichnete. Für die breitesten Kreise der Bevölkerung Gießens und Wiesecks war diese Mitteilung eine unangenehme Heber« raschung, sehr überraschend war diese Wendung der Dinge, die wir sogleich als höchst bedauerlich bezeichneten, aber auch den maßgebenden Stellen der Stadtverwaltung und vielen Stadtverordneten. Die Gießener Stadtoerwallung wird ja wohl auch noch etwas zu dieser Angelegenheit zu sagen haben, vielleicht tut sie es, einer alten Gepflogenheit entsprechend, in der bevorstehenden öffentlichen Stadtverordneten-Sitzung. Wir möchten heute einige Hauptpunkte der ganzen Angelegenheit einer näheren Betrachtung unterziehen. Zunächst ist festzuhrlien, daß das Aueeinan- derkommen der beiden Derhandlungsparteien wir halten es nach wie vor nur für ein zeitlich, vielleicht sogar kurz begrenztes, nicht aber für ein endgültiges - nicht auf eine Abneigung gegen das Strahenbahnproseit zurückzufuhren ist. Wir find überzeugt, daß es Wieseck mit seinem Bemühen sehr ernst unb ehrlich war, und es ist weiter anzunehmen, dah man in Wieseck auch jetzt noch der Straßenbahnverbindung den Vorzug geben würde vor einer Antolinie. wenn eine Verständigung ermöglicht würde, die Wieseck wirtschaftlich tragbar erscheint. Die Tatsache, daß wir nachdrücklich und mehrfach für diesen Strahen- bahnbau eingetreten sind, macht es uns zur Pflicht und gibt uns auch das Recht, hier zu betonen, daß man sich in Wieseck in einigen Punkten stark irrt und davon ausgehend unzutreffende Schlußfolgerungen gez gen h..t Es ist nicht zutreffend, wenn man in Wieseck annimmt, „daß die Stadt das nötige Interesse für den Dau der- elektrischen Bahn nach Wieseck leider vermissen läßt". Wir möchten hier einmal daran erinnern, daß der Oberbürgermeister Keller kurz nach der Uebemahme des Oberbürgermeisteramtes im Frühsommer 1914 das unter feinem Amtsvorgänger OK e c u m gescheiterte Straßenbahnprojekt Gießen—Wieseck aus eigener Initiative wieder aufgegriffen hatte, um es einer für beide Gemeinwesen gedeihlichen Lösung zuzuführen. Der Krieg und die schweren Rach- kriegsjahre haben dann die Verwirklichung des Gedankens unmöglich gemacht. Aus dieser Tatsache geht hervor, daß der Leiter der Gießener Stadtverwaltung bei dem Wiederauferstehen des Projekts nicht von Gegnerschaft beseelt war, und das gleiche gilt auch für andere Herren der Stadtverwaltung und für viele Stadtverordnete, wobei wir keineswegs verkennen wollen, dah es im Stadtparlament auch andersgesinnte Mitglieder gibt. Man kann also nicht gut sagen, bei der Stadt Gießen habe es an dem nötigen Interesse gefehlt. Wir erblicken den Grund für den jetzigen verfahrenen Zustand in etwas ganz anderem. Vor allem halten wir es für unzweckmäßig und auch verhandlungstechnisch nicht für richtig, ein Projekt von derart überragender Bedeutung so zu beraten, wie es bisher geschehen ist, daß man nämlich, abgesehen von zwei persönlichen Besprechungen mit vorwiegend informatorischem Charakter, sich auf den wechselseitigen Schriftverkehr mit zeitlich und örtlich getrennten Kommiss ionsberatungen beschränkt hat. Wir meinen, hier hätte eine von beiden Seiten genügend beschickte Verhandlungskommission, in der die beiden Verwaltungen wie auch die beiderseitigen Gemeindevertreter mitzuwirken hatten, gebildet werden müssen, die sich an einen Verhandlungstisch setzen und in ständigen persönlichen Beratungen das Problem seiner Lösung zuführen muhte. Bei einem solchen Verfahren wären Mißverständnisse und Unterlassungen, die jetzt eine so unliebsame Wirkung gehabt haben, von vornherein ausgeschlossen worden. Es kann ferner nicht verkannt werden, daß Wiesecks Beschwerde über das absolute Stillschweigen Gießens vom 12. Mai bis 16. 3uni der Berechtigung nicht entbehrt. Ein sog. Zwischenbescheid von Gießen nach Wieseck wäre u. E. am Platze gewesen, zumal ja doch eine ganz ausreichende Begründung darin vorlag, daß der Oberbürgermeifter in der fraglichen Zeit eine Woche verreist und dann auch der direkt beteiligte Dezerirent, Beigeordneter Dr. S e i b, zwei Wochen auf Urlaub abwesend war. Dieses lange Stillschweigen kann man bedauern. Richt minder zu bedauern ist aber Rätsel-Ecke. .Victtenrätfci. Es sind 23 zweisilbige Worte zu suchen: die letzte Silbe jedes Wortes ist zugleich die erste des nächstfolgenden, die letzte Silbe de- letzten Wortes ist gleich der Anfangssilbe des ersten Wortes: Vogel, Wissenschaft, Wohnungsgeld, Pflanzengift, geographische Bezeichnung, weiblicher Vorname, militärischer Rang, Fluh in Palästina, italienischer Dichter, Gesangsstimme, Oper von Bellini, weiblicher Vorname, Märchenfigur, Aeltestenrat, Reptil, Zeitpunkt, weiblicher Vorname, Rähgerät, griechischer Buchstabe, Schulgerät, Gesteinsblock, weiblicher Vorname, Münze. Silbenrätsel. be — che — e — el — fall — gard — hi — irm — ker — ko — ko — korb — la — taub — lie — mi — na — nep — Phi — prak — rei — ro — rung — se — ft — sto — tal — te — ti — tun — un — ur — ver. Aus den vorstehenden Silben sind Wörter von folgender Bedeutung zu bilden: 1. Planet, 2. Fluß, 3. Zweig der Arbeiterverficherung, 4. Kunststil, 5. Dienstunterbrechung, 6. ein in .seinem Fache erfahrener Mann, 7. Briefmarkenkunde, 8. weiblicher Vorname, 9. britische Kolonie, 10. Raine eines Sonntags, 11. Gepäckstück. Die von oben nach unten zu lesenden Anfangsbuchstaben der Wörter und die Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, nennen ein Erzeugnis der graphischen Kunst, das seit nunmehr 100 Iahren der Kinderwelt viel Freude bereitet hat. L. Rbg. Viersilbige Scharade. Bruchteile, Mehrheiten von 1 und 2, Sie sagen, wie schwer etwas ist, Und ebenso klären auf 3 und 4, Wie lang es, wie breit und wie hoch. Für's Ganze benötigt, wer gut ist zu Fuß, Beim Wandern ein Viertel der Stunde etwa. L. Rbg. Kreuzworträtsel. Es bedeuten. Von links nach rechts: 1. Mineral, 4. Männlicher Personenname, 6. Männlicher Personenname, 7. militärische Truppe, 8. französischer Schriftsteller, 9. Teil des Hauses, 10. Seesäugetier, 11. Dichtungsart, 13. ehemals bevorzugter Stand, 14. Sitzmöbel, 16. Tischgerät, 17. Mündungsarm des Riger. Von oben nach unten: 1. Edelwild, 2. europäische Hauptstadt, 3. Aichtungspunkt, 4. Gotenkönig, 5. ehemaliger englischer Minister, 6. Erzeugnis der Kochkunst, 7. Figur aus dem Nibelungenlied, 12. tartarischer Fürstentitel, 13. Schlußwort eines Gebets, 15. Laufvogel, 18. französische Schriftstellerin, 19. Rebenfluß des Rheins. Auflösungen. Kreuzworträtsel. Rätsel. -- Gelockt. Silbenrätsel. „Um Gutes zu tun, braucht's feine Heberlegung.“ (Göethe.) 1. Urzeit, 2. Matthäus, 3. Grammatik, 4. Uhrkette, 5. Töpferei, 6. Eisenbahn, 7. Sellerie, 8. Zulu, 9. Unze, 10. Tagedieb, 11. Urkunde, 12. November, 13. Blutegel, 14. Rosin«, 15. Angerburg, 16. Uhu, 17. Champignon, 18. Huldigung. Entzifferungsaufgabe. „Rot macht erfinderisch." Schüsselworte: 1. Horst, 2. Feige, 3. Same, 4. Conrad. Dersteckrätsel. Theodor Körner. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStisch Unnötige Enthaltsamkeit. Der gefeierte Schauspieler, der zu einem Gastspiel in die kleine Stadt gekommen war, ah an der Abendtafet bei seinen Wirten, die ihn ausgenommen hatten, nur sehr wenig. Auf die besorgte Frage der Hausfrau, ob es ihm nicht schmecke, erwiderte er, daß er vor dem Auftreten stets nur wenig zu sich nehme, well er dann besser spiele. Die Hausfrau blieb zu Hause, um noch alles mögliche vvrzubereiten. während der Hausherr der Vorstellung beiwohnte. „Run, wie war's?" fragte die Frau, als ihr Gatte heimkam. „Er hätte gar nichts essen dürfen", lautete seine lakonische Antwort. Programmänderung. Eine wandernde Schauspielertrupoe erließ am Abend vor der Vorstellung folgende Ankündigung! „Wegen eines Schnupftuches wird heute statt „Othello" „Die Räuber^ gegeben." Kleinigkeiten. Die kleinen Dinge sind es, die uns die größten Schwierigkeiten bereiten. Mein Haus konnte ich gestern abend noch mit Leichtigkeit finden, aber das Schlüsselloch — unmöglich! Tiere und Menschen. Meinem Sechsjährigen erzähle ich, daß im Zoo das Schimpansenweibchen gestorben ist und Das Männchen nun still in einer Ecke sitzt und nichts mehr frißt. Nach einigem Nachdenken, wobei er wohl an feine kürzlich verstorbene Tante denkt, sagt er: „Sag mal, Mutti, sitzt der Onkel Heinrich nun auch immer in der Ecke und ißt nichts?" auch, dah man von Wieseck aus nicht einmal eine Anfrage nach Gießen gerichtet hat, wie weit denn eigentlich die Sache gediehen fei; man hätte zweifellos genügend Ausschluß bekommen, und dann wäre wohl auch die Stellungnahme eine andere geworden, als wir sie jetzt vor uns sehen. Immerhin muß man sagen, daß auch dieses fünfwöchige Schweigen Gießens uns noch nicht ausreichend erscheint zum Abbruch von Verhandlungen, die auf alle Fälle von beiden Seiten mit dem ernstlichen Willen, ein gutes Ergebnis herbeizuführen, begonnen worden waren, und die sich in beiden Gemeinden der Sympathie der breitesten Einwohner- schichten zu erfreuen hatten. Wieseck ist schließ- lich noch in einem erheblichen Irrtum befangen, wenn es das Straßenbahnprojekt in Parallele stellt mit der Errichtung der Dolkshalle und der Flugplatzanlage. Wir möchten hierzu der Ansicht Ausdruck geben, daß die schnelle Errichtung dieser Baulichkeiten bedingt war von der Einhaltung ganz naheliegender Termine, und vor allem von der Tatsache, dah an beiden Bauten Privatkapital beteiligt ist: wir glauben, daß keines dieser Bauwerke jetzt oder in den nächsten Iahren erstanden wäre, wenn sie aus öffentlichen Mitteln allein hätten bezahlt werden sollen, denn das kann sich die Stadt ganz aus eigener Kraft nicht leisten. Erfreulicherweise hat sich Wieseck bis jetzt noch nicht anderweitig gebunden, und auch von den Gießener maßgebenden Stellen glauben wir mmehmen zu dürfen, daß ihre Liebe zur Sache durch das aus Mißverständnissen und Unterlassungen entstandene Zwischenspiel nicht völlig abgekühlt worden ist. Es handelt sich nun darum, den abgerissenen Faden schleunigst wieder aufzunehmen und fest zusammenzuknüpfen. Ob Wieseck oder Gießen selbst das heute wieder tun können und wollen, sei hier absichtlich nicht erörtert. Wir möchten aber vorsorglich nicht verfehlen, eine umgehende Vermittlungs- a f t i o n anzuregen, für die vielleicht der Kreisausschuß die gegebene Stelle sein dürfte, denn ihm wird zweifellos viel daran liegen, die beiden wichtigen Gemeinwesen des Kreises in einer Frage einig zu sehen, die für beide Teile von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Mit uns würden sicherlich die weitesten Kreise hüben und drüben einen derartigen freundschaftlichen Schritt zur Wiederanknüpfung des gab end begrüßen, der, wenn er geschickt getan wird, wohl auch von niemand als ein Eingriff in die Selbstverwaltung angesehen werden könnte. UvHimü^olurrDom Alex Krank A. Köln a.RH. ♦ Hamburg/ (hilehaus ♦ Berlin Potsdamer Straße 22 a SuniMchotr Luv LILL f 38-5 XflteWi LUSM SttvlerMr -^ÄüaLyrl. 4S-LM Stubenhocker (das lieget zu nahe, flamm es flie meisten Menschen über ehen). Unfl womit reget man flie Verdauung auf flie unschäfllichste/ sicherste und angenehmste Weise an? Mit einem kleinen Gläschen flcs aus tzielrn gcsunfl- heitspenflenflen Kräutern hergestellten köstlichen Likörs Ur-Krank Kölner Dom, fo flem Magen wohltuec unfl ein gar wonniges Behagen erzeuget. Also, floß man sich gut aufgeroumet Litt wahres LebenSelmr allo nennen unsere wohkefllenKreunfle om Rheine/ derenFamilien schon -seit mehr als 70 Jahren unsere treuen Kunden sind/ den köstlichen litte. Das sind gar wuaderherrliche Krapfen für alle/ so an schlechter Laune und verdrießlicher Stimmung leiden/ aufgeregt/ unrnhlg/ zerstreut/ vergeßlich/ melancholisch/ appetitlos — kurz/ nervös sind. Denn, was ist die Ursache nervöser Beschwerden? Jn den mehrsten Kallen eine mangelhafte Verdauung — die Krankheit aller fühlet unfl froher Laune wird, mehr Appetit bekommet und wieder Lust am Leben und ca der Arbeit findet — was man auch äußerlich wahrnehmen kann, weil alsdann das Aussehen durch Krische/ Roslgkeit und Verjüngung trefflich gewinnet. Wo man Ur-Krank Kölner Dam bekommet? Wo man danach fraget. Wo nicht/ Wersen wie auf Wunsch Bezugsquellen nach. Auf Ur-Krank Meinbranü/ öen Keinbranö (kein ausländisches Getränke kann besser unfl efller sein) sei auch aufmerksam gemacht. QQQEII3 mein mnmni innron BO0 0QBB3B suamroia gib El SB d Gl K3 83 BH G1QB013 0BT3B0 13111® BBBI3 am®ri 13 Pl 131 G3EI3CICJ „Oiebanmbetxxmdtfl. rot, impair, pass«, b«* um einen ®rab eine- Geschäfts- beginnt Mittwoch, den 1. Juli Gebrüder ImheUSCr • Marktplatz 9-10 M Sonntag. Dem 5. Juli 1925. nmtnntogs 3 lllt Men- nntl findet die i Einweihung Verkaulsbureau: Gießen, Schanzenstr. 16, Tel. M durch DIESEL MOTOREN i 3 motoren-werke MANNHEIM A.-A. PElZOWd AU IHORM e DRESDEN Generalvertretung und Kommissionslager: Ph. Herrmann, Gießen Telephon 1165, Bureau u. Lager Seltersweg 12H. 5946D Unser Saison-Ausverkauf KRAFT und- Kammerjäger Müller-Kassel ist hier und vertilgt Hutten nnö tote, SWüM dbö Münzen unter Garantie. Bestellungen wolle man sofort an die Geschäftsstelle deS (Siebener Anzeigers senden. 05501 Schlitz (Oöerhessen)*". Tal gelegenes Burgstädtchen, unvergleichlich schön im Frühjahr, Sommerund Herbst Behaglicher Aufenthalt Volle Pension von 3.50 an, in Gasthäusern und Privatlogis. Herrliche Laub- und Nadelwälder. — Prospekt und Wohnungsnachweis durch den Verkehrsverein. niers." Wimmer war ost genug in Monte Tarlo ge* wesen, wo er ein« gewisse Routine als Lrou- bter erworben batte. Seine Entscheidungen sielen für) und knapp Gan; anders alS der Leutnant erhob er seine Stimme nickt über den trockenen Bescheid . . manncs, und die Regelung von Gewinn und Verlust geschah mit der Virtuosität eines Klavierspielers. der seine Hände leicht über bie Montag, den 29. Juni, abends 8 Uhr pricht im Saale des Schipkapasses, hier, Bahnhofstraße Herr O. Kurpat aus Leipzig über Beamtenrecht, Besoldungsfragen und die neuen Gehaltsforderungen Herr Kurpat ist ein genauer Kenner der Beamtenfragen und Leiter der Beamtensektion. Zu dieser Versammlung laden wir alle Beamten und Armeswlllen. welche bei Reichs-,Staats-und Gemeindebetrieben beschäftigt sind, besonders dringend ein. Bemntenfetlion des ©emeinöe- und StcfllsotdeltEtoertonds ungemeiner Deutfdiet Beamtenüand. sWv Tasten gleiten läßt Horace MMtorp lieh seine zwei Zehner aus rot stehen. Jetzt hatte er den Zettel zwischen den Fingern Siehe da. — es war kein Geld. Eine so arellrotc Farbe hatte keine Banknote. E mindesten nicht in Europa. <3r glättete den icrjettcl aus seinem Knie. Was stand denn yf? Tran . . tranvia . . Wahrhaftia! mnöet« i“"6 na‘ » iic Äln «inf .u uns i Nr. 148 Viertes Blatt Samstag, 27. Mi (925 Gießener Anzeiger (General-Anzeigerfür Merheße^ Krank urt a.M. 25. 6. 26.6. 35 IH3 108.25 l. >3,13 15.60 bis Eingesandt Publikum »es 0,9 a. M. Berlin -Zrantsurl Miet-Pianos Pianohaus Banknoten. Geld Filiale: Lieh (Oberhessen) c der echte Südfrychtpudding 92.6 ■2.25 4 75 34 10 62 Trocken- 10, Kar- 120.13 0.485 -i, 112 120,10 98 120.13 120.25 0.412 0.548 0.69 0,30 0,55 0.60 0.50 89.75 91,25 97 7 5 98 120.25 121 68 56 60.8 0,51 91,75 93.45 7.25 38.25 121.90 98 120.25 54 50 51 71 60.25 112.25 13.4 110 47 5,35 । 92.7' 73, 74 2,3: 53.75 | 58.44 74.25 I 61 9 .2.65 61.5 94 71.5 61.40 79,5 60,40 59 42,75 66 93,75 72 83 63 68.5 61 75 59,5 13,5 42,5 55.25 60.25 Gegründet 1876 Bahnhofstr. 65b Gießen Fernruf Nr. 1367 neigung und das Mißtrauen q:gcn uns abn:h . en und baß sich andere Perspektiven eröffnen werden, als Streitigkeiten, Rassenhaß und Kämpfe. 94.25 i 70,5 83 1 60 79,90 61; 57,5 43,5 । 0.41 0,53 U 52 0.69 0,80 0.545 94 72,50 62.75 79.80 62 59 41,11 70 57.50 56 53 70,25 'M 62 14,13 17.10 49 5,50 9.3 0,53 91.75 93 45 0.54 0 715 0.32 0,54 19.10 82.44 »J.356 19,26 15,32 72,64 >9,12 113,12 81,52 ■>0.80 12.405 5.83 I 98,75 121 25 84.9 I 113 113 69 108.40 97 ' 7.50 (Sn Billionen Mark auSgedrückt. BuenoS-AirrS, London, Neu. hort, Japan, Rio de Janeiro für eine Etndelk, Wien and Budapest für 100000 Einheiten, alle« übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 98 7 40 0,1 der Börse durch eine kräftige Erholung fast sämtlicher Märkte fortgesetzt. Es wirkte hierbei der feste Verlaus der Frankfurter Alwndbörfe und des heutigen Dorbörfen-De- fchäftes mit. Zur chemische Werte. die sich gut erholten, bestand dab:i Nachfrage infolge der guten Beschaffenheit des AnilinmarkicS und der Beschäftigung des Anilinkonzerns. Am Montan markt wirkten die Meldungen stimulierend. das; die internationalen E'.lenverhand» langen der letzten Tage in großen Zügen doch zu einem Ergebnis geführt hätten. Zu dielen Momenten komm »hinzu. daß die Spekulation zur Erfüllung ihrci Bissc-Engagements bei der ein- tretenen Kurstefcftigung Deckungskäufc vornahm und teilweise wohl auch Zwangsdeckungen erfolgten. die ihrerseits bei der bevorstehenden Slückknappheit wiederum Mcftigcnb aus das Kursniveau einwirkten Auch Käufe zum Wochen- schlus; waren z »beobachten. Lebhaftes Treiben entwickelte 'ich am Anleihemärkte, der schon vorbörslich sestlag und dessen Kurse weiter anzogen. Auch Zndustricobligationen konnten sich befestigen. Pfandbriefe waren ohne Umsätze Tie Nachfrage nach täglichem Beide bat sich etwas gesteigert, der Ultimo kann jedoch als überwunden angesehen werden. Tägliches Seid 8' bis 9' . Proz. MonatSgcld 11* 2 Proz. Am Devisenmarkt waren keine nennenswerten Veränderungen zu verzeichnen. Die Reichsmark wird gemeldet aus London mit 20,43, Paris 5,16'2. Amsterdam 59,50, Zürich 122,55. Frankfurter rÄc'reidebörse. Frankfurt a. M. 26. Juni. CS wurden notiert: Weizen. Wetterauer 21,50 bis 23,50, Roagen. inländ. 19 bis 21. Hafer, inländ. 18,50 bis 22,50, Mais (gelb) 21 bis 22.50. Weizenmehl, inländ.. Spezial 0 36 bis 36.50. Roggenmehl 28 50 bis 29.50, Wcizenkleie 11,60 bis 11,75, Roggenlleie 12,50 bis 12,75. Tendenz stetig Berliner Produktenbörse 0,9 2.2 8 36 10.40 62 60.13 94 119.50 83.6 111.5 110.90 68 51 69 60 113 13.75 114.9 50 5.4 91.75 73,5 74,75 2. 5 56 60 0,43 0,85 106 70 2,75 10,35 91 61,75 0.56 89,75 93,5 I ’ 35,75 120,5 98 120.25 120,5 67.5 108,25 94,50 97.75 7.4 0.1 120,25 0,48 i 84 110,80 . 0,43 0,83 106 70.5 2,75 38 9,75 82,5 61,5 «echMMSU Zu haben in Drogerien, Parfümerien und Friseur- geschäften Witwe Plank; Rettlekuren mit Masiagebehandlung bei E. Koch, Seltersweg 75, O. Gath, Bahnhofstraße 61 63301) Berlin, 26. Juni. Der Produktenmarkt lag ohne nennenswerte Preisveränderungen still. Gerste, Hafer, Mehl und Futterartikel unverändert. Es wurden bezahlt für 1000 Kilo: Weizen, märt. 266 bis 269. do Juli 260.50 bi« 261 Roggen, märt. 218 bis 222. do. Juli 212 bis 211.75. Gerste, märl. 226 bis 245. Futtergersta 200 bis 216, Hafer, märt. 231 bis 239. do. Juli 192 bis 191,50, Mais (loko Berlin) 213 biS 217, do. Iuli 192. Raps 360 bis 370; für 100 Kilo. Weizenmehl 34 bis 36,25, 'Roggen- mehl 29,75 bis 31. Weizenkleie 13 bis 13,20, Roggenkleie 14, Diktoriaerbsen 26 bis 31. kleine Erbsen 25 bis 26,50, Futtererbsen 21 bis 24, Peluschken 21 bis 23. Ackerbohnen 21 bis 22. Wicken 24 bis 26. Lupinen, blau 11 bis 12.75, do. gelb 14 bis 15,50. Rapskuchen M 15 80 Leinkuchen 22,50 bis 22,80, schnitzel 10,20 bis 10.50, Torfmelasse toff cif loden 21,20 bis 21,60. Lnglo Loin.-Äuano .... Badische Äniltn kdrmische Waber Alavt» .. Soldschmtdi .... @rte5feimer Elccrrou .... Höchster Farbwerte Holz Verkohlung ....... RStgerSwcrke......... echcideanstalt «llg- CleltrfUtüt*«®efeUfd>«tt B-^gmann . - ..... . 'ITcamtrafttoerte........ Echuckerl....... . . . Siemen- A HolSk« ...... Adicrwerke Siebet ...... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt. . ...... Meguin...... Motorenwerke Mannheim - Sranrfnner Armaturen .. onservenfabrik Braun . . . Metallgefell^chaft Frankfurt. Del. Union A--G . . . . . etbnbfabrt: Herz Sichel • 112 - 120,13 6,25 | 6 67 , 68.5 107,5 । 10 i,50 55 55.50 49,5 70.75 60.5 111 1.3,4 16.75 49 5,5 ! Draht 3 Wochen. • Deutsche Hol-Verwertungs- 21.-®.. Frankfurt a. M. Zn der o. H.-B. wurde der dividendenlose Abschluß für 1924 genehmigt. von den 7407 Rin. Reingewinn werden 4250 Rm. der Rücklage überwiesen und der Rest vorgetragen. Das Stammkapital wurde von 180 000 Rm. auf 450 000 Rm., das Dorzugskapital von 20 000 Am. auf 50 000 Rm. erhöht. । * Daimler Motoren-Gesellschaft in Berlin. Zn der in Stuttgart stattgesunde- nen Hauptversammlung wurden die Regularien genehmigt. Eine Dividende kommt nicht zur Ausschüttung. * D i e D e r b a n d s b i l d u n g in der Drahtindustrie. Wie der D. H. D. erfährt, sind in Düsseldorf neue Besprechungen über die Bildung einer Derkaufsvereinigung für 23er» feinerungsdrähte ausgenommen worden, da sich die großen Jndustriewerke grundsätzlich mit einem derartigen Verband einverstanden erklärt haben. Man hofft, die Verhandlungen nunmehr in kurzer Zeit zum Abschluß bringen zu können. * Weitere Besserung des Arbeitsmarkt cs in Bayern. Am 16. 3uni waren nach Zusa nmenstellungen des statistischen Landesamtes in Bayern einschl. der Pfalz 31 566 (15. Mai 37 302) männliche und 13 086 (15. Mai 14 667) weibliche Arbeitssuchende vorhanden, bei 5238 (3482) bzw. 4967 (4481) offenen Stellen. Mitte Juni wurden noch 17 316 (2. Juni 9696, 15. Mai 24 060) männliche und 3142 ( 3401, bzw. 3950) weibliche Hauptunterstützungs - Empfänger und 28 93ö (33 282 bzw. 39 853) Zuschlagsempfänger in der Erwerblosenfürsorge gezählt. Frankfurter Olber.dbörfe. Frankfurt a. M., 26. 3uni. 3m Einklang mit der rückläufigen Kursbewegung im Rachbörsenverkehr neigte die Stimmung der heutigen Abendbörse zu weiteren Rückgängen, die aber unbedeutend waren. Das Geschäft war lautlos und infolgedessen kamen nennenswerte Umsätze nicht zustande. 3n Anleihen ruhte das Geschäft. Für Kriegsanleihen hörte man einen Kurs von 0.410 D., 0,412 ® Von ClektroakFen waren 2lEG nach holländische, Art Das liebliche Aroma (keine Essenzen) und die glücklich gewählte Eigenart seiner Zusammenstellung verleihen dem Mondamin - Delikatess - Pudding seinen pikanten Geschmack. Mondamin - Delikatess - Pudding ist etwas ganz Leckeres wie jeder MGS4OAMIN-FEINKOST-PUDDIH6 Verfolgungswahn. Ein polnisches Bekenntnis. Die Warschauer Zeitschrift .Prawda" hat vor wenigen Tagen einen Artikel veröffentlicht, in dem der polnischen Oessentlich'e i Wahrheiten gesagt werden, wie sic wohl noch kein einziges Blatt der polnischen Presse zu verkünden gewagt hat. Der polnische Drrfolgungs- wahn, der sich nur auS der Konsöbera- tionspshchose vergangener Zeiten er- Ilären läßt, wird wahrscheinlich auch von der jetzigen polnischen Generation nicht überwunden werden. Verschwörer glauben sich von allen Seiten umstellt und sehen in ihrer Vorsicht mehr Gefahren, alS in Wirklichkeit vorhanden sind. 3n der Freiheit kann diese Doppelsichtig- feit jedoch verhängnisvoll werden. Den Rachbarn nimmt sie das Vertrauen und der eigenen Landcsbevölkerung den Frieden zur nutzbringenden Arbeit. Der bemerkenswerte nationalpolnische 2$kirnraf hat in deutscher Uebersehung folgenden Wortlaut: DaS polnische Volk befindet sich bereits feit längerer Zeit im Kampf Wenn man einen Durchschnittspolen fragt, wer die Feinde seines Vaterlandes find, so werden neunzig von hundert ohne Bedenken antworten: „Die Deutschen. Russen und Juden." Diese Antwort wird eine Art politischen Glaubensbekenntnisses bilden, zwar ein negatives, aber doch schon unstreitig ein Programm. Man braucht nicht hinzuzufügen, daß die Lage der Allgemeinheit, deren gesamte Orientierung sich auf das unerschütterliche Bewußtsein dreier Feinde stützt, von denen jeder genügt, um das Leben des Dolkes und Staates im höchsten Maße zu kompli- zieren — in sich etwas tief Tragisches birgt. Wohin wir das Auge auch immer wenden mögen, begegnen wir in der Auffassung der Qlllgcmein- heit einer dieser Gefahren, die nicht nur den Grundton des gesamten polnischen politischen Denkens, sondern auch der polnischen politischen Psyche bilden. Wir leiden unter einem allgemeinen Verfolgungswahn! Fortwährend erwarten wir irgendeinen Stoß, lauschen der gegen uns geschmiedeten Ränke, es scheint uns, als ob die ganze Welt voll wäre von Verschwörungen gegen Polen, von denen wohl nur Gott und die Franzosen die Finger ablasscn. Wir sind wie ein Ichweikranker Reurastheniker, der an niemandes Gewogenheit glaubt, ja der — im Gegenteil,— von dem Wahne befangen ist, daß alle nur seine Vernichtung herbeiwünschen. 3n einer solchen Auffassung unseres Verhält- nisses zu den übrigen Völkern liegt zweifellos eine große Dosis schädlicher und gefährlicher Ücbertrcibiing. Wer weiß, ob wir außer diesen drei grundsätzlichen Feinden Polens, gegen die wir jederzeit bereit sind, in dieser oder jener Form in den Kampf zu ziehen, nicht auch die Engländer einer besonderen Ungunst uns gegenüber verdächtigen müssen, weil sie die Deutschen nicht hassen können: oder die Italiener, weil sie ihre unverhohlene Qlbneigung gegen die Franzosen auch zum Teil auf uns übertragen, ferner die Tschechen, weil sie nach Rußland hinüberschielen: die Balten weil sie an eine Annäherung an Litauen denken: die Schweden, weil sie Berlin gegenüber Sympathien hegen, oder schließlich gar die Vereinigten Staaten, die angeblich durch die hinterlistige jüdische Propaganda gegen Polen aufgewiegelt sind. ES ist wahr, daß Polen seinerzeit von seinen Rachbarn schweres Unrecht zugefügt wurde, als sie es in Stücke rissen. Das Gefühl der angetanen Gewalt und die lebendige Erinnerung daran dürfen jedoch nicht für alle Zeiten den Ausgangspunkt für unsere politischen Bestrebungen bilden. Die Teilung Polens war nicht nur Werk äußerer Kräfte: sie wurde durch unsere Unfähigkeit und unsere eigenen Sünden ermöglicht. Dies müßten wir unS vor Augen halten und unter diesem politischen Gesichtswinkel jederzeit unser neues Leben korrigieren. Die düstere Theorie von der vermeintlichen AllerweltSfeind- schaft. die unentwegt gegen uns besteht, enthält nicht viel den Gesundungsprozeß Förderndes. Sie schafft nur eine gewisse Psychose und diese wird uns sicherlich anderen Leuten gegenüber weder klüger, noch stärker, noch liebenswürdiger er- (Für Form und 3nhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem ~ - flr- >' antwortung.) Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin. 26. 3unt. Die nur zögernde Befestigung des gestrigen Tages wurde bei Beginn 0.4125 0,485 0,67 0.28 Berlin scheinen lassen. Wir stehen im Mittelpunkt Europas und rufen unausgesetzt nach der Polizei. Uns will jemand berauben oder überfallen! Es ist dies ein wenig würdiges und nach unserer Ansicht Aergernis erregendes Schauspiel. Gs mehren sich zudem die Anzeichen am Himmel und auf der Erde, daß diese unsere Pose bereits allen lästig geworden ist. Rur das einzige Frankreich duldet sie noch, indem es das Fehlen des politischen Sinnes polnischerseits und die Hysterie gegenüber Deutschland gleichsam als Vogelscheuche ausnüht. Frankreich mag unser so häufiger Angstschrei so- gar wirklich gelegen kommen. Ob er unserer eigenen Sache jedoch in irgendeiner Weise dienlich fein kann, daran zweifeln wir nicht erst heute. Für ein Volk, das endlich einmal fein Dafein normieren will, ist ein Weg immer vorhanden: die Verminderung der Zahl der Streitfälle nach innen und nach außen und an Stelle eine® Programms unausgesetzter Kämpfe wenigstens der Versuch, die eigenen 3ntereffen mit denen der anderen in Einklang zu bringen. Hören wir endlich auf. uns in steter politischer Häirde'.sucht zu gefallen. Beginnen wir mit dem Verzicht auf die Kämpfe mit unseren Minderheiten und berücksichtigen wir ihre berechtigten Ansprüche bis zu den weitgehendsten Grenzen der Möglichkeit. Verstehen wir es. sie davon zu überzeugen, daß sie im polnischen Staate in dieser oder jener Form Freiheit. Zukunft und Wohlfahrt erlangen können. Und bann prüfen wir genau unsere Beziehungen zu den Rachbarn. Wenn wir dies tun werden, wird es sich bald zeigen, daß die Ab- Bric) 4,199 1:1,20 82.86 20,459 19,36 168,67 16,411 73,00 59.42 112,6b 81,92 61.10 12.465 5,87 •ffif S5S ”ir* jMc 25. 6 26 6. • D i e verkürzten Lieferfristen in der rheinisch-westfälischen Eisen - industrie. Die Lieferfristen in der rheinisch- westfälischen Eisenindustrie haben sich laut Fachblatt „3ndustrie-Kurier" auch weiterhin verrin- , -... .. gert. Sie betragen für Halbzeug durchschnittlich Äfab® Äentbäl 2 bis 4 Wochen, Grobstabeisen 4 bis 5 Wochen, Hutfcrfabrif Waghäusel Feinstabeifen 6 Wochen, Formeisen 4 Wochen, ...... „ Universaleisen 3 Wochen, Bleche 2 bis 3 Wochen, I und Lahmcyer leicht erholt. Don Bankaktien schwächten sich Reichsbanlantcile um 1 Prozent ab Die Abendbörse schloß geschäftslos in schwächerer Haltung. Deutsch: Anleihen: Schutzgebietsanleihe 5800. Bankaktien Commerzbanl 98. Darmstädter Bank 120.25, Deutsche Dank 121. Discontogescllfchast 108, Dresdner Bank 102,25, Mitteldeutsche Ered tbank 9S. Reichsbank 124.75, Rheinisch? Kreditbank 90. Oesterreichifche Kreditaktien 7.40 Montanaktien: 3lse Bergbau 98.50. Phönix 91.75, Kali Aschersleben 13,75. Chemische Aktien: Badische Anilin 120.12. Scheideanstalt 108.50. Th. Goldschmidt 86, Höchster Farben 120 12. Transportw:rte: Rordd. Lloyd 60. Baltimore 57,75. 3ndustrieaktien: AGG. 93,75, Dingwerke 58 Dyckerhoff 40 25, Fuckis Waggon 0,65, Ludwig Ganz 0,140, Gebr. 3unghans 67,25, Doigt il Häffner 74, Lahmeyer 72. Börsenkurse. Berlin, 26. Juni. Amerikanische Note» . . , ,, Belgische Noten ....... Innifcbe Noten ....... Englisch- Noten........ französische Noten ...... holländische Noten ..... Italienische Noten Norwegisch» Noten Deuilch-Cesterr. i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schwerer Noten SvanilL.' Noten....... Tschechoslowakische Noten •. Ungarische Noren . . . Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. 3n einigen Sagen ist der Quartalsultimo erreicht, der bezüglich der Gestaltung des Geld- und Kapitalmarktes mit einiger Spannung erwartet wurde. Soweit sich die Lage bisher übersehen läßt, sind für die Anforderungen der Wirtschaft von den führenden Kreditbanken genügend Bereitstellungen gemacht worden, so daß wohl mit ernsthaften Schwierigkei'en kaum zu rechnen ist. Allerdings handelt es sich bei diesen Mitteln fast durchweg um kurzfristige Gelder, während die Beschickung des Geldmarktes mit Monatsgeld recht knapp ist. Der Dörsengeldmarkt liegt gegenwärtig noch, fünf Tage vor dem Ultimo, für tägliches Geld direkt fluffig. Sowie aber Anforderungen einige Tage über den Monatswechsel gestellt werden, müssen hierfür Zinszuschläge von 2 und mehr Prozent per anno bewilligt werden. Selbstverständlich wirkt sich diese hohe Zinsbelastung für die Geldnehmer behinderlich aus, für die bei der gegenwärtigen Lage des Warengeschäftes und der Effektenbörse die Möglichkeit der Gewinnerzielung eng begrenzt ist. ilebcr- haupt ist die Effektenbörse gegenwärtig in einem Stadium, in dem alles schwarz in schwarz gesehen wird. Rach der wochenlangen Verslouung und dem immerhin doch starken Abbau des Kurs- aebäudes der Fondsbörse hätte in normalen Zeiten eine Meldung, wie die der Vorbereitung der Ruhrräumung, einen sofortigen Umschwung nach oben herbeigesührt. Man hat ihn zwar । auch jetzt erwartet und sich nach Bekanntwerden der ersten Rachrichten im Kontorgeschäft unter den Banken reichlich eingedeckl, mußte aber schon an der nächsten offiziellen Börse feststellen, daß alle Mitläufer etwa aus Publikumskreisen nach Westdant ........ wie vor fehlen. Ueberhaupt ist der Auftrags- «ofiumer ®n6 .. eingang bei den Banken zur Zeit wieder auf einem Tiefstand angekommen. Es erfolgen weder Deunch L'urcmbara Häufe noch Verkäufe für die zweite Hand, fo Gelsenkirchener Bergwerke. • daß der Hauptanteil der gegenwärtigen Umsätze ßXcrk Äkn: :: auf solche innerhalb der Börse entfallt. Für die Kaliwerk Westeregeln. . . .. Kulisse wirkt dies selbstverständlich wenig er- U°Uütte ........ mutigent). Trotzdem scheinen gewisse Hoffnungen &!robaa '..'. auf eine doch noch erfolgende kursmäßige Aus- »tptnniabi Wirkung der hoffentlich für August zu erwarten- den Ruhrräumung zu bestehen, was darin zum Ausdruck kommt, daß per Ende August letzthin ' .' in Montanaktien, namentlich in Harpener zahl- ttl)crQin,((fte U^ke aibin .. reiche Prämienabschlüsse erfolgt sind. 3m übrigen Zementwerk Heidelberg . . . ist man jedoch eher ä la baisse eingestellt, da | Dbilrvv HoUmann ..... I die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland aus den schon vielfach erörterten Gründen für die nächste Zeit doch noch keine Aussichten aus eine durchgreifende Besserung erfahren. 3n den Generalversammlungen der letzten Zeit, ferner in sämtlichen jetzt tagenden industriellen Verbandsversammlungen kommt diese Meinung zum Ausdruck. Für die nächsten Tage werden auf die Börse Wohl auch innerpolitische Ereignisse stärker einwirken, wie etwa die nunmehr eröffnete Beratung der Zolltarifvorlage und die gleichfalls bevorstehende Lesung der Aufwertungs- gesetzentwürfe in der Plenarversammlung 6c- Reichstages. ___________Tnrnm-. 5*/« Deutsche NrlchSanlekd« 4% Tewsche RrlchSnnlcihe 8'/,° Deutsche Reichranleid« ■?,„ Tratsche RcichSanleihe Ternsche Svarpramienanleid« 4*/0 Prcuhiiche Honlol« 4* o Hellen •'/»*/-> Hessen 3*/o Hessen Deutsche Eenb Dollar-Anl. dto- Toll.Schas-Anwetsna-'i 4*/0 Zoll türken 5% Solbmtrifanet ... • vcrlMer Handelsgesellschaft Lommerz- und Pnvat Bank TannfL und Naiionalbank Deutsche Bank . . . Ternsche BcretnSbank ■ • ■ DiScoiUo Lommandst Metallbank Mitteldeutsche Trcditbank . . Lcsterreichlsche Kreditanstalt Verkehrspolizei? Außer einem großen Teil der Straßenpassanten scheint auch das hiesige Polizeiamt noch nicht von der Wichtigkeit dieser Einrichtuny überzeugt zu fein, sonst dürste es doch wahrlich nicht Vorkommen, daß an der unübersichtlichsten und gefährlichsten Straßenkreuzung Gießens, Sonnen- ftraße — Neuen Däne, selbst in den verkehrsreichsten Zeiten kein Polizeibeamter zu sehen ist. 5)äufig verunglücken hier Radfahrer, Motorradfahrer, Automobile usw. Ich halte es für die unbedingte Pflicht der Polizei, an solchen Punkten gewandte Beamte zu postieren, die den teilweise ausartenden Verkehr in vernünftige Dahnen lenken. Vielleicht kann aus diese Weise auch chanchem das Rechtsfahren beigebracht werden. Ein Radfahrer. Sonntagsdienst d. Aerzte «.Apothekenam 28.6.25 Dr. Menerlwn. Dr Kivver virschavoiheke. Zahnarzt: Dr. Gonter, Plockitrane. 25 3 nt 26 Juni Amtliche 9toti rung Amtliche Notierung <5'.cld Briei (Selb Brief hmft.0,390 20.442 20.390 20,442 Neunork . - 4,195 4,20.5 4.195 4,205 Paris - ■ - 19,34 19,38 19.31 19.35 Schweiz . - 81.43 81,63 81 47 81,67 Spanien - 61.00 61.16 61.02 61,18 Japan . . - 1,698 1,702 1.703 1.707 Nio de Ian. 9.464 3.466 0 467 1.469 Wien in D « Etft- aboeft 39,057 59,19- 59,05- 59,197 Prag - - ■ 12.43 12.47 12.434 12,4:4 Belgrad . . 7.205 7,225 7.30 7,32 Budapest. 1,8-5 5,905 5.895 5,915 Bulgarien 3,025 3,035 3.035 3.045 Lissabon 20,475 20,525 20 175 -0.525 Danzig. . 80,97 81.17 81.06 ■1.26 Konstantin. 2,26 2,27 2 225 2,265 Alben- 6.6° 6.71 6 69 6.71 g»|lllllll|IWi|l||i||l|lllll|fl||lll|l||ll|l.....Illi......llllll|lll|ll||||||llllllllllllll||||||||||||||||l|||IW................................................................. ! hH||H||U!|| j|^|H||U!||N||||H,J|Hi||r;i||;!||||^|MI^ W Unser diesjähriger Saison-Ausverkauf III!!!!IIIII!!!III!I!I!!I!IIIII!!I!!IIII!I!!!!II!III!IIIIIIIIIII!IIIWIIIIlIII!II!llII!I!IIIIIII!III!IIIII!!!!I!!!I!l!IIl>!II!IIII!!IIII!II!IIIII!!IIIIIIIIII!IIIIIIIIII!II!IIIlIIIIII!IIUIIIII!IIII!II!I!IIIIIIIIIII!I!I!!!IIl!WIIII!IIIIIIIIIIIII!I!IIIIIIII1III!IIIW!IIII!!!lIsIIIIII!I!!I!I!III!IIIIII!I!II!!!!!I!IIII!IIIIIIIIIII!!IIIIW!IW| beginnt Mittwoch, den 1. 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