Donnerstag, 25. Juni V)25 175. Jahrgang Ht. 146 Erstes Blatt Sicherheitsdebatte im englischen Unterhaus tokolls mungen unb Sankionen zu maji werde ihn auf die Gage int mals von der franzHsischen Regierung als eine volle Erfüllung der von Macdonald gegebenen Zusage angesehen worden, sondern nur als eine Abschlagszahlung. Dieses Protokoll sei für die jetzige britische Regierung unannehmbar gewesen. Sie habe sich darin in Alebereinftimmung mit dem gesamten britischen Reich befunden und weder irgendein Dominion noch Indien seien bereit gewesen, das Protokoll zu ratifizieren. Seme Verantwortlichkeit sei zu grob, in mancher Hinsicht zu unbestimmt und in mancher Hinsicht zu in Angriff genommen und es sei ihm gelungen, es zu einer befriedigenden Lösung zu bringen. Macdonald habe jedoch die französische Mitwirkung erhalten auf Grund einer Versicherung, die er gab, dah die britische Regierung bereit sei, zur Erwägung der Sicherheit s s r a g e überzugehen und zu sehen, wie die Sicherheit geschaffen werden könne. Macdonald versuchte, diese Zusage mittels des Pro- " zu erfüllen. Das Protokoll sei nieder französischen Regierung als eine schen Regierung gegeben habe, blieben unverändert bestehen und erforderten Erfüllung und Vervollständigung. Macdonald habe das dringlichste Problem der europäischen Unruhe, nämlich bas Problem der Reparationen. bringe. Chamberlain fuhr fort, fragen, welche Wirkung aus die westliche Garantie Großbritanniens und " ' ° Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichKeit. preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.TOmm Breite 35 Goldpfennig, Plahoorschrist A)'', Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: 3. V.: Ehrhard Evers; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein;für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Westen eintrete, wenn an der Ostgrenze Deutschlands Streit ausbreche und so die Stellung Großbritanniens durch die französischen Bündnisverträge berührt würde. Hier griff Lloyd George in uie Debatte und erklärte, noch ehe die östlich« Frage behandelt werde, möchte er erfahren, ob der Schiedsgerichtsvertrag auch ' auf eine Slu.oit .in'renbung finden werde, die von einer der Mächte auf Grund des Versailler Vertrages unternommen werd«. Chamberlain erwiderte, Lloyd George verlange von chm eine genaue Erklärung über die Bestimmungen eines noch nicht bestehenden Vertrages. Er wolle jedoch so deutlich wie möglich sein. Der ausgesprochene Zweck der Vorschläge sei, und diese Erwägung werde auch bei der Abfassung des Vertrages maßgebend sein, die Ursachen von Kriegen zu beseitigen und die Zuhilfenahme kriegerischer Maßnahmen nur zu gestatten, wenn ein des Rechtsbruchs Schuldiger in Mißachtung seiner Pflichten sein Unrecht durch Gewalt unterstütze, dann werde der übrige Teil der Welt herbeigerufen werden, um seinem Rechtsbruch Einhalt zu tun und ihn wieder zur Ordnung zurückzubringen. Chamberlain fuhr fort, er werde vielleicht gefragt werden, welche Wirkung auf die Lage im Westen irgendein Streit haben würde, der an den Ostgrenzen Deutschlands ausbrechen könne, und ob unter den bestehenden Verträgen Großbritannien unter allen Umständen berührt werden würde durch Verpflichtungen, welche zwischen Frankreich und Polen und Frankreich und der Tschechoslowakei bestehen. Chamberlain sagte, das Haus werde erkennen, daß er sich bei der Erörterung dieser Frage auf heiklem Boden befinde, weil er zum Zwecke der Beantwortung dieser Frage, deren Beantwortung, wie er glaube, das Haus wünsche, annehmen müsse, daß irgend jemand einen schweren Verstoß gegen seine Verpflichtungen verübt und seine Handlungen in verbrecherischer Torheit und Leichtfertigkeit begangen habe. Rach seiner Ansicht sei es das Beste, diese Möglichkeit vollkommen offen zu behandeln. Dies bedeute nicht, er erwarte, daß entweder Polen oder Deutschland eine Kriegsgefahr hervor» rufen oder plötzlich einander überfallen und angreifen würden, er müsse aber für seine Beweisfüh» rang annehmen, daß der eine oder andere in Nichtachtung von freiwillig übernommenen Verpflichtungen einen nicht herausgeforderten Krieg gegen feine Nachbarn führe. Wenn z. B. D e utschland unter Verletzung seines Schiedsgerichtsverfahrens Polen angreife, so trete Artikel 16 der Völker- bundssatzung sofort in Kraft. Frankreich würde unter allen Umständen berechtigt fein, eine solche (Ergreifung krieaerischer Maßnahmen von feiten Deutschlands gegen Polen als einen gegen Frankreich begangenen Akt zu behandeln. Aber in einem solchen Falle habe Großbritannien keine anderen Verpflichtungen als diejenigen, die ihm bereits kraft seiner Unterschrift unter der Völkerbundssatzung obliegen. Großbritannien habe Verpflichtungen, aber das seien Verpflichtungen aus der Völkerbundssatzung und keine ihm durch den vorgeschlagenen Pakt auferlegten neuen Verpflichtungen. . r _ Wann andererseits Polen in derselben Weise unter Mißachtung eines Schiedsgerichts- London, 24. 3uni. (WTB.) Das Unterhaus war angesichts der heutigen wichtigen Debatte über den Dicherheitspakt dicht besetzt. Die Debatte über die Vorschläge des Fvreign Office eröffnend erklärt Chamberlain, die Erörterung sei von der größten Bedeutung. Sie betreffe die im Weißbuch enthaltenen Vorschläge, beginnend mit der Rote der deutschen Regierung und endend mit der von der französischen Regierung nach Beratung und in Übereinstimmung mit Großbritannien und Belgien gesandten Rote. Das Weißbuch enthalte einen Auszug über die Besprechungen, die im Gange gewesen sind. Ratürlich hätten in dieser Frage Besprechungen in Beriin, Paris und London stattgefunden. Er, Chamberlain, wolle sofort dem Hause versichern, dah nichts in den Unterredungen vorgekommen sei, waS die Vollständigkeit der Informationen beeinträchtige, welche die Regierung dem Hause unterbreitet habe oder bereits besitze. Auf einen Zwischenruf Lloyd ® e p r - ges erwidernd erklärt Chamberlain, er müsse vielleicht wiederholen, daß die mündlichen Erläuterungen sich auf etwas bezögen, was seiner Ansicht nach Aufklärungen seien, die von der deutschen Regierung dem britischen Botschafter gegeben wurden und Aufklärungen in Destäti- ?ung der Ansichten der französischen und der ritischen Regierung. Chamberlain suhl fort, er wünsche vorher die Bemerkung zu machen, daß es unmöglich gewesen sei, Andeutungen zu übersehen, die gemacht worden seien, daß der Staatssekretär deS Aeuhern eine eigene persönliche Politik verfolge, die nicht die volle Zustimmung seiner Kollegen habe. Es sei anscheinend angedeutet worden, daß er der Atmosphäre von Genf zum Opfer gefallen sei und den verführerischen Kniffen Briands erliegend eine eigene persönliche Politik unternehme. vnd ohim Zustimmung seiner Kollegen die britische Regierung zu einer Haltung verpflichtet habe, die nicht ihre volle Zustimmung erhalten hätte. Er zögere nicht, zu sagen, daß ein solcher Gedanke der reinste Unsinn sei. Kein auswärtiger Minister könne, wenn er wollte, oder würde, wenn er könnte, eine solche persönliche Verantwortung aus sich selbst übernehmen. Jede Materie, die in dem Weißbuch erschienen sei, sei von seinen Kollegen sorgfältig geprüft worden, und jedes Wort, was er geschrieben habe, habe die Zustimmung des Ministerpräsidenten und die Autorität des Kabinetts erhalten. Cs sei natürlich wesentlich, daß es die Politik eines einigen Kabinetts sei, aber dies sei nicht genug; die Regierung wolle, dah die Politik, die für sie in Fragen von großer Bedeutung nicht nur für Großbritannien und für das Britische Reich, sondern für die gange Welt eingenommen werde, nicht die Politik der Regierung einer Partei, sondern die Politik oller Parteien und der Ration als Ganzes sei. Der Ministerpräsident habe schon diese Ansichten in seiner ersten Rede angedeutet, die er nach seiner Amtsübernahme auf dem Lordmayorbankett hielt, als er sagte: „Ich kann mit der vollen Zustimmung meiner Kollegen erklären, daß mit Bezug auf die auswärtige Politik das Ziel der britischen Regierung Stabilität und Kontinuität sein x toirb. Wir stehen zu den Friedensverträgen. Wir wollen gute Beziehungen mit den auswärtigen Ländern auf der Grundlage der Verträge pflegen. Daß diese Politik nicht eine Politik der Stagnation ist, wird durch die von der letzten unionistischen Regierung ausgeführte Aktion gezeigt, die direkt zmn Dawesbericht und zu der Londoner Konferenz zielte, die unter der fähigen Leitung Macdonalds so erfolgreich war)' Chamberlain bemerkte, die Regierung habe, im Geiste dieser Erklärung auf der von ihrer Vorgängerin zurückgelassenen Grundlage ausbauend. versucht und versuche weiter, die auswärtige Politik Großbritanniens weiterzuführen. Schließlich hätten sie alle, zu welcher Partei sie auch gehörten, rrtt das Ziel, den Frieden zu sichern und *en Krieg unmöglich zu machen. Chamberlain sagte weiter. Lloyd George habe, als er Premierminister war. b.eses Ziel mit derselben Beharrlichkeit verfolgt, wie die Regierung es jetzt verfolge. Lloyd George versuchte die Grundlagen dafür zuerst in den e ng l i s ch - am e r i k a n i sch en Garantievertrag zu legen, der jedoch scheiterte, als die Vereinigten Staaten es ablehnlen. ihn zu ratifizieren, und dann in Cannes durch den britischen Garantiepakt, der infolge politischer Episoden in einem anderen Lande scheiterte. Es sei ihm jedoch nicht beschieden gewesen, als er Premierminister war. diele Pläne zu einem Abschluh zu bringen. Diese Methoden seien die Methoden eines Garantiepaktes unter den Alliierten gewesen, der gegen Deutschland in gewissen Fällen gerichtet war. Ein solcher einseitiger Pakt xfonne jetzt von der britischen Regierung nicht angenommen werden. Die Versicherungen und Erklärungen, die Lloyd ®eor zu erfüllen hätte. Die menschliche Arbeitskraft ist der wichtigste Aktivposten unserer Volkswirtschaft, sie gilt es in jeder nur möglichen Weise zu hegen und zu pflegen. Verlangt deshalb überall die Einrichtung sportärztlicher Beratungsstellen, die sich am besten an die Stadtämter für Leibesübungen angliedern Dr. Fr.-Nbg. •• Sine öffentliche Sitzung des Vrovinzialausfchuffes der Provinz Oberhefsen findet am kommenden Samstag, vormittags 8'/, Uhr beginnend, im Regierungsgebäude zu Gießen statt. Tagesordnung: 1. Antrag des Kreisamts Büdingen auf Entziehung des dem Heinrich Wilhelm, genannt Bernhard Schäfer in Nidda erteilten Führerzeugnisses zum Führen eines Kraftfahrzeuges. 2. Antrag des Schreiners Otto Stein zu Götzen auf Enteignung von Baugelände, hier: Beschwerde des Karl Fritzges IV. daselbst wegen Festsetzung der Ent- fchädigungssumme im Bescheid des Kreisamtes Schotten'(BezirkswohnungSkommifsar) vom 7.4. 1925 . 3. Berufung des Johann Christian Reining in Blitzenrod gegen die Entscheidung deS Kreis- ausfchuffes des Kreises Lauterbach vom 18. Mai 1925 in Sachen des Ioh. Christian Reining um Erlaubnis »um Betriebe einer Gastwirtschaft. 4. Klage des Fritz Kunde. Hotelier in Vad- Nauheim. gegen den Bescheid des KreisamteS Friedberg vom 12. Dezember 1924 wegen Vertagung einer Konzession gemäß § 33a der Gewerbeordnung. 5. Beratung und Verkündung des Urteils in Sachen Antrag der Firma Gebrüder Stein in Alsfeld auf Erteilung der Genehmigung zum Betrieb einer Anstalt zum Trocknen und Einfalzen von Fetten: hier: Berufung der Firma Gebrüder Stein gegen das Urteil des Kreis- ausfchufses des Kreises Alsfeld vom 29. beläßt. Memento mvri! ruft ein jeder Tag uns zu. denn .du weißt weder Tag noch Stunde". wann du gbfcheiden mußt- — Mit einem sehr zeitgemäßen Thema beschäftigte fich in voriger Woche der hiesige Lehrerverein, zu dessen Tagung auch einige Nichtmitglieder als Gäste erschienen waren, als Zeichen, daß der zur Tagesordnung stehende Vortrag allgemeines Interesse beanspruchte. Prof. Dr. 'M e i g c n • Gießen sprach in außerordentlich klarer, fesselnder Weise über .Wesen und Ziel der Bodenreform“. In feinen Ausführungen stützte er sich auf Dr. Adolf Damaschke. einen ehemaligen DottSschuttehrer. den Vater dieser Bestrebungen. der mit willenSstarker Liebe zu feinem Volke Diele Bewegung geschaffen und seither mit überaus großem Erfolg geleitet hat. und berichtete, daß die .Reform" im deutschen Volke viele Freunde und Anhänger in allen politischen Parteien habe Mit Genugtuung hob er hervor, daß sowohl der jetzige Reichspräsident von Hindenburg wie auch fürforgenbe sürst- fürstliche Persönlichkeiten, so der Großherzvg Ernst Ludwig von Hessen und seine Gemahlin Mitglieder des Bundes der Bodenreformer seien, und betonte die Notwendigkeit, daß zahlreiche Mitglieder des Bundes in die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Länder einzlehen, dami.'j-arch gesetzlich« Maßnahmen eine Besserung v bisher unwürdigen Zustandes herbeigeführt werde. Durch Anfragen und eine recht eifrige Aussprache wurden die Ausführungen des Vortragenden noch weiterhin geklärt und unterstrichen und dadurch den Anwesenden starke Anregung gegeben. Gewiß hat mancher der Hörer den Entschluß gefaßt, in Zukunft auf diesem Gebiet noch mehr wie bisher alS Pionier an Deutschlands Gesundung mitzu- arbeiten. Mehr derartige Vorträge in öffentlichen Versammlungen wären vonnöten, damit der Dttck des Volkes für diese Dinge geschärft würde Herzlicher Dank der Versammlung wurde dem Referenten durch den Vorsitzenden ausgesprochen. t Grünberg, 23. Juni. Aus der geflogen Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Zur Vergebung der Arbeiten zur Erweiterung des Wasserwerks waren drei Angebote ein* Wochentage ausgedehnt. d. Dornholzhausen. 24. Juni. Bei der Volks-, Berufs- und Betriebszählung wurden in der hiesigen Gemeinde fest- gestellt: 237 männliche und 244 weibliche Personen. außerdem 93 landwirtschaftliche und 26 gewerbliche Betriebe i). Niederkleen. 24. Juni. Rach der Volks- Betriebs- und Berufszählung find in der hiesigen Gemeinde vorhanden: 541 Personen (260 männlich: und 281 weibliche), 102 landwirtschaftliche und 29 gewerbliche Betriebe. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 24. Juni. Der K r e i «t a g des Kreises Darmstadt hielt gestern eine Sitzung ab, in der der Voranschlag beraten wurde. Dieser sieht in Einnahme und Ausgabe 1 086565 Mark vor, rund 400 000 Work mehr als hrt Vorjahre. Die Mehrausgaben sind verursacht u. a durch Wohlfahrtspflege, höhere Löhne und Gehälter. — Gestern machte fich ein Angehöriger der Schutzpolizei mit einem Spreng- körperzu schaffen. Dieser explodierte und verletzte den Polizisten leicht, während seine Mutter durch Sprengstücke schwer verletzt wurde und in Lebensgefahr schwebt. Beide Der- unqliidte wurden in das Krankenhaus gebracht, Hessen-Nassau. bl. Dillenburg, 23. Juni. Mtt dem G r- weiterungsbau des hiesigen Krankenhauses gedenkt man im Lause diese- Jahres zu beginnen, nachdem die Stadtverordnetenversammlung in ihren früheren Sitzungen sich mit der Frage oftmals beschäftigte und dem Anbau zustimmte. Pros. Winderstein f. Vad-Nauheim, 24. Juni ®int Trauerbotschaft, die heute früh in unserer Stabt bekannt würbe, nahm die gesamte Bevölkerung mit tiefempfundener Teilnahme auf. Der Leiter des staatlichen Kurorchesters, Generalmusikdirektor Hofrat Prof. Hans Winderstein. ist in, 69. Lebensjahre in Gießen nach einer Operation verstorben. Der Derblichene konnte auf eine lange, an Erfolgen reiche Dirigentenlaufbahn zurückbliden. die ihn durch fast ganz Europa geführt Hal. Dor allem ist der Künstler Befamtt geworden durch die Bcgründrmg des Phttharvro- nifchen l,Winderstein"-) Orchesters in Leipzig Auch als Komponist hat sich Winderstein durch Ordjefterftüde und Lieder einen Namen gemocht. 3n Dad-Nauheim wirkte er feit fast zwei Jahrzehnten. in dieser Zeit hat er den hohen Ruf des WeltkurorteS als Musikstadt begründet, erhalten und genährt. Mit den Jahren war Generalmusikdirektor Winderstein hier eine im besten Sinne des Wortes populäre Persönlichkeit geworden. Seine angeborene Liebenswürdigkeit. die er jedermann gegenüber bewies, trug neben seinen künstlerischen Qualifikationen toefent- lich dazu bei. daß er der oft gefeierte Liebling, der Kurgäste und Einwohner geworden. Daß Winderstein schon an der Pforte deS Greisenatters stand, fah man dem immer heiteren, lebendigen und frischen Mann nicht an. im gefeH- festlichen Verkehr nicht und noch weniger, wenn man ihn auf dem Dirigentenpult bis in die letzten Tage bewundern konnte. Noch bei dem für morgen vorgesehenen Claire-Duff-Konzert sollte der Meister dirigieren Heber den LebenSlaus WindersteinS erfahren wir noch folgende Einzelheiten: W. wurde am 29 Oktober 1856 In Lüneburg geboren. Nach feinen Musikstudien am Leipziger Konservatorium nahm er schon 1884 eine Dirigentenstette in Winterthur ein. um 1887 dann als Dirigent nach Nürnberg überzufiedeln und 1893 die Leitung des Kann-Orchesters bt München zu übernehmen. 1896 schuf er ein eignes Orchester in Leipzig. daS Philharmonische Orchester. daS er zusehends förderte und daS Gelegenheit hatte, auf Künstlerreisen in Deutschland und im Auslände den guten Ruf seines Dirigenten noch weiter zu heben. Don 1906 a» mar W. als Nachfolger D Bruchs in Bad- Nauheim tätig, anfangs nur während der Saison (im Winter war das Orchester dan, wieder in Leipzig), fett einigen Jahren, nachdem tvi« Kur Orchester staatlich geworden, mtt dem »emder 1924 •• D i e Schulfeier des 11. Au g u st. Das Landesamt für das Bildungswesen erinnert Die Schulleitungen Daran, daß die Schulen, für Die Der Verfassungstag in die Ferien fällt, die Feier in Den ersten drei Tagen nach Wiederbeginn des Unterrichts abhalten sollen. Am Tag der Feier fällt Der Unterricht aus. ♦* Gesundheitsschädliches Aussteller: von Wurst-, Fleisch , Fett, und Fischwaren. Das Polizeiamt schreibt uns: Die warme Jahreszeit veranlaßt uns, darauf hinzuweisen, daß vielfach in Lebensmittelgeschäften die daselbst ausliegenden Fleisch-, Wurst-, Fett-, Käse- und Fischwaren sowie auch andere leicht verderbliche Nahrungsmittel nicht genügend vor der Derunrein,. e.unq durch Fliegen geschützt werden. Abgejehen von dem ekelerregenden Eindruck ist die Gefahr der Krankheitsübertragung bei der Hitze und dem hierdurch sehr geförderten Verderb der genannten Waren besonders groß. Das Polizeiamt wird gegen birientgen Ladeninhaber vorgehen, welche sich diesen . msachen hygienischen Forderungen und dieser selbst, verständlichen Rücksichtnahme gegenüber der Bevölkerung entziehen. " Die Einfuhr von Geflügel aus Italien ist vom Ministerium des Innern aus seuchenpolizeilichen Gründen bis auf weiteres verboten worden. ** Personalien. Ernannt wurden der Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Lauterbach, Friedrich Kanngießer. zum geschäftsleitenden Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Wald- Michelbach: die Polizeiwachtmeister auf Probe Heinrich Lön II. aus Weiten-Gesäh und Christ. Weisel aus Laubach (Kreis Schotten) zu Polizeiwachtmeistern mit Wirkung vom 1. Juni 1925; der Kanzleiassistent bei Dem Amtsanwalt in Alsfeld, Joseph Staubach, zum Kanzleiassistenten bei dem Amtsgericht Alsfeld. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Dvllsschule zu Bad-Nauheim, Johannes Wehr- grippeartige Erkältungserscheinu»- i|tn in starkem Maße bemerkbar, so daß die Aerzte stark beschäftigt sind. Man lehnt sich wieder nach warmen, sonnigen Tagen, und auch der Landwirt blickt nach der Sonne auS. um das letzte Heu bergen au können und Damit daS ins Stocken geratene Wachstum wieder neu belebt wird Kreis Lauterbach. V Lauterbach, 23. Juni. Die schon kürzlich erwähnte Aufführung von Schönherrs „Glaube und Heimat" durch den E v a n g. Bund findet zum erstenmal im R i e d e f e l s che n Schloßpark in Eifenbach statt. Die Dar- steller, die zumeist Mitglieder des Gießener Evans. Arbeitervereins sind, fahren mit dem Lastauto nach Lauterbach und zurück. Die Leitung hat der bekannte Gießener Schauspieler Bech stein übernommen. Die Kostüme sind von dem Londes- theater in Darmstadt entliehen. rr. Schlitz. 23. Juni Wie schon berichtet, hatte unter Männergesangverein .Harmonisches Kränzchen" auf dem Wettstreit in Lauterbach den 1. Preis davongetragen. AuS diesem Anlaß veranstaltete der Verein mit seinen Familienangehörigen eine fröhliche S i e» gesseier. bei welcher der langjährige Dirigent A. Mohr für feine Verdienst durch ilcbcr- reichung einer goldnen Taschenuhr geehrt wurde. Außerdem erhielten die Herren Postschaffner Habermehl. Sparkafserechner Reinhardt. Schuhmachermeister Trier und Schl off ermerster Decher das Ehrenzeichen für ihre 25jährige aktive Mitgliedschaft. — Während man sonst viel von harten Wahlkämpfen Bei den Bürger- mei st erwählen liest, sind sie bis dahin tm Schliherland völlig ruhig verlaufen und führten durchweg zur Wiederwahl. So wurden einstimmig wieder gewählt. Bürgermeister Fischer-Pfordt, H o h m e i e r - Frau-Ranlach» L i p s - Unterschwarz. Huhn- Unrer-Wegfurth. Fif cher - Huydors. In Queck fand die einmütige Wiederwahl des bisherigen verdienstvollen Bürgermeisters Christian Hoffman» durch Abstimmung von 80 Prozent der Dorfbewohner statt, die 269 Stimmen auf ihn vereinigte. Kreis Wetzlar. D. Hochelheim, 24. Juni. Dic Kraft- personenpost Wetzlar—Hochelheim, die bisher nur an Montag». Mittwoch- und SamStag- Dormittagen BiS hierher verkehrte, hat ihre Fahrten nunmehr auf die Vormittage der übrigen V Klein-Linden, 24. Juni, meinderat hat beschlossen, die mei st erwähl vom 5. Juli auf den 12. Juli zu verschieben, da am 5. Juli der unter Leitung des Musiklehrers Wilhelm Schütt le r stehende Gesangverein „Eintracht" sein 6 0 j ä h^ i g e s B e st e h e n , verbunden mit einem größeren G e - sangswettstreit, abhält. Auch diesmal ist man sehr gespannt auf den Ausgang der Wahl. Kamen vorher ungefähr acht Kandidaten in Frage, so einigte man sich in den letzten Tagen auf drei, unter denen sich wiederum der seitherige Bürgermeister Jung befindet. — An dem obenerwähnten Ge - sangswettstreit nehmen 19 Gesangvereine aus dem Kreise Gießen sowie aus der Marburger, Niddaer und Weilburger Gegend teil. Ungefähr 30 bis 35 Gastvereine aus der näheren und weiteren Umgebung haben gleichfalls ihr Erscheinen zugesagt und nehmen am Festzuge teil. - Lich. 24 3uni. Wie überall, so herrscht auch in unserem Städtchen immer noch Wohnungsnot, die manchmal bedenkliche Formen annimmt. Die Baulust ist deshalb groß und die selb Cßon t des Rechl den nich Irianon schehen, [ lächelt. Ji politischen von der ! worden fu ist als er Offenheit Leleidigun wäre. Nur würdigen von der ! Demokrati den Munt Aber dani des jacro wütend a die nieder Verteidigu >n den'§ "Nicht um K Der S nationaler lascher im westpossag, LL porbameril Querte, öl Schon vor °ber berej veine Gpo Jed'tion i Wei 7 die flr y nn d WtQn9 ?°u>en, Qn, LZ D h°° Ä- «ää* Der Lie^ Volkes Lage bcr eine Handlung' geführt-, avsland'l foimtmj der <6*5 sie keiner- AM'N vÄE- and 6,nflr ««« ”9« ab und c Reaktion < Hai und 1 Diese Tatsache, gung lffl' in der Die 2lnp sich, lo ' ändern r Militärs von ihr« lichkeit ff Die Mel Kanton i hinzudeut die Ernrc Hospitals Degienml greisen, k Mrd, sw schließlich In 5 wist man Japans n fache der bereiten t Kriegs China toi der Dur, Sie köm Fengs ur gegeneinc erklärmg z ung Tso aus Jas wollen. - Englands Hauptsack wurde, li termg w für Cngl> Wirkung nung teil terhaus vielleicht Geschäfts-Verlegung! 6276D A. Kretzschmar,Pelzwaren Tei. 882 Inh.: Hermann Kretzschmar. lei. 882 Einem verehrlichen Publikum von Gießen und Umgebung zur gefl. 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Nach Beendigung desselben Kritik. 12 Uhr mittags: Empfang der Gastvereine. P/2 Uhr nachmittags: Festzug, nach Ankunft auf dem Festplatz Begrüßung, Festrede, Singen der Gastvereine, Tanz und Volksbelustigung. 6 Uhr nachm.: Preisverteilung. Montag, den 29. Juni: 10 Uhr vormittags: Frühschoppenkonzert. 1 Uhr nachmittags: Festzug, Volksfest, Tanz. Eintrittspreise für Sänger 50 Pf., für Nichtsänger 70 Pf., zum Wettsingen Mk. 1.00. Zugverbindungen: Ab Bietzen 8 9.48 Uhr norm., 3.08 Uhr nachm., 8.30 Uhr abends, ab Londorf S 7.28 Uhr vorm., ab Grünberg 1.10 Uhr nachmittags. Nack) Dietzen: 8.00 Uhr abends (Sonderzug) Gießen an 8.28 Uhr, nach Londorf 9.00 Uhr abends. [05431 Gießen (Bahnhofstraße 51), den 25. Juni 1925. 6275D 05418 Haus", Walltorstratze. [05428 Vermietungen] Mietgesuche Schlafzimmer auf lange Teilzahlung Lindenplatz 1 6274a Dr. Stuhl Dr. Geyer. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Emma Fuhr geb. Lohmann. Die Beerdigung findet Freitag, den 26. 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Salandra und mit ihm das ratifizierende Rumpfparlament haben aber noch andere Sorten von der mit Recht so beliebten Logik auf Lager. Das deutsche Wort für Annektierung, so verkündet dieser Professor (der Philologie offenbar^, ist Anschluß. Demnach sind also die Tiroler, die Kärntner und Siebenbürger, die Deutschböhmen, Oberschlesier, Westpreußen und Ostpreußen nicht etwa gewaltsam annektiert worden, nein, sie haben sich dem Fremdstaat fremder Zunge mit derselben Begeisterung angeschlossen, mit der sich heute Oester- reich an Deutschland anschließen würde. Durchaus ähnlich verfuhr man anläßlich dieser denkwürdigen Ratifizierung mit der Brennergrenze, dem Sicher- heitspakt und anderen hochpolitischen Dingen. Die Verteidigung der Menschenrechte blieb einem — Kommunisten vorbehalten. Und cs muß rückhaltlos anerkannt werden, daß sich dieser Abgeordnete Ri boldi seiner aussichtslosen Aufgabe mit Würde und Geschick unterzog. Wahrhaftig, wenn das kommunistische Rußland und das sozialistische Deutschland nicht so kläglich versagt hätten, man fühlte sich versucht, sich jenen Weltanschauungen zu nähern, denn was sich heute die Weltheuchelei unter dem Mißbrauch der Vaterlandsliebe leistet, das schreit zum Himmel. Schon die selbstverständliche Auffassung, cs müsse ein Selbstbestimmungsrecht für alle geben, trug dem Redner den Zuruf „Oesterreicher! Oester- reicher!" als Schimpfnamen ein. Richtig war es dagegen vom italienischen Standpunkt aus, wenn Salandra die deutschen Aeuße- rungen, die Brennergrenze und Anschlußfrage könnten nicht mit der deutschen Politik verquickt werden, weil Deutschland ja gar nicht an Italien grenze, als unbegründet zurückwies. Denn diese gemeinsame Grenze mit Italien ergibt sich ja tatsächlich automatisch für Deutschland in dem Augenblick, wo die unnatürlichen Grenzpfähle zwischen den Bruder- ftämmen fallen. Es wäre also richtiger, sich nicht auf solche Knifflichkeiten einzulasien, die bei der augenblicklichen Offenherzigkeitspolitik in Italien unmöglich verfangen können, ganz abgesehen davon, daß man in Rom ausgezeichnet über die wahren Gefühle in Berlin und Wien unterrichtet ist. Denn nachdem es sich um eine germanische Frage handelt, fehlen natürlich auch die Verräter nicht. Sie machen glänzende Geschäfte. Es kann nur eine Politik für die Millionen und Abermillionen unterjochter Deutschen geben: Offen die Fahne des Selbstbestimmungsrechtes entfalten. tief ins Hessenland hinaus bekannter — Kunst gehört, die schon mehr ein täglich erneutes kulturelles Schassen bedeutet. 2ln seinem Ehrentage spielte er den Dusterer im „G ewissenswur in". Tiber theater- geschichtlich steht die Tatsache auf, daß einst kein Geringerer als 3bfen diesem Künstler, der — welch beneidenswertes Geschick! — heute noch in der Vollkraft seines Wirkens steht, seinen John Gabriel Borkmann zur ersten lebendigen Gestaltung übertrug. Frankfurt durfte dies.es Jbsenwerk um Arthur Bauers willen, den Ibsen als den reichsten Schilderer seiner IHännerge- stalten außerordentlich schätzte, zuerst in Deutschland aufführev. Das sind Dinge, die mitschwingen in der Atmosphäre eines bedeutenden Künstlers, der seit 30 Jahren in Frankfurt nicht nur un traditionellen Sinne ein Liebling des Publikums ist. nein, der in noch viel höherem Maße als Mensch und darstellender Künstler wegen der Lauterkeit seiner Gesinnung in beiden Eigenschaft ten, wegen des Reichtums seiner Begabung und wegen seines warmblütigen Menschentums geschäht und geliebt wird. Ob er eine klassische Dramengestalt verkörpert oder den Bolz in den Journalisten, ob er Shakespeare oder Anzengruber spielt, immer ist es ein bei Ibsen bis zum grüblerischen gesteigertes, kluges, liebenswürdiges, frohgemutes oder von düsterer Große beschattetes Menschentum, dessen Wirkung sich niemand entziehen kann. Die nicht geringe Schar der Kunst- und Theaterfreunde, die sich den Weg von Gießen und anderen Städten bis nach Frankfurt nicht gereuen lassen, um sich an einem Dichterwerk von den Widerwärtigkeiten des Alltags zu erholen, die werden mit demselben Interesse wie die Frankfurter selbst von diesem dreißigjährigen Wirken vernehmen, dem das Publikum ebenfo dankbare als herzliche Sjulbigungetj bereitete. c- Selbstbestimmungsrecht (Don unserem römischen Korrespondenten.) Rom, Anfang Juni. Sechs Jahre nach der Drachensaat von Versailles auch Italien das „Dokument des Triumphes Rechts und der Gerechtigkeit" ratifiziert, samt nicht minder ruhmreichen Anhängseln von Trianon lind Reuilly. Dem Recht ist Genüge geschehen, Frau Justitia nimmt die Binde ab, und lächelt. In der Erwägung, daß inzwischen auch dipolitischen Kinder, die zehn Jahre lang ihr Sprüchlein von der deutschen Kriegsschuld aufsagten, groß geworden sind und nicht mehr an den Storch glauben, ist als erster der Siegerstaaten Italien zu jener Offenheit übergegangen, die zynisch zu nennen eine Beleidigung des göttlichen Prinzips der Ehrlichkeit wäre. Rur ein einziger Redner nahm in jener denk- würdigen Parlamentssitzung die Ammenmärchen von der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, von der Demokratie und dem Schutz der kleinen Rationen in den Mund, wenn auch nur in ironischer Wendung. Aber damit kam er schön an. Salandra, der Mann des sacro egoismo, verstand keinen Spaß, er fuhr wütend auf und verwahrte sich entschieden gegen die niederträchtige Behauptung, die Entente sei zur Verteidigung der genannten christlichen Grundsätze in den Krieg getreten. Mit erhobener Stimme: Richt um der Gerechtigkeit willen, nicht aus humaniDer Aufruhr in China. Die Anabhängigkitsbewegung des chinesischen Bolkes nimmt immer größeren Umfang an. die Lage der Ausländer gestaltet sich von Tag zu Tag schwieriger. Die Versuche der ausländischen Vertreter, mit der chinesischen Regierung über eine Beilegung des ganzen Konfliktes in Verhandlungen zu kommen, haben zu keinem Erfolg geführt. Selbst die Andeutungen, dah sich die ausländischen Mächte zur Aufgabe gewisser Konzessionen unter Umständen bereitfinden würden, konnten daran nichts ändern. Die letzte Rote der chinesischen Regierung zeigt deutlich, dah sie keinesfalls geneigt ist. den Forderungen der Mächte irgendwie nachzugeben, dah sie vielmehr verlangt, die Mächte sollen alle Maßnahmen und Eingriffe abstellen, die den Anfang für die ganze Bewegung bildeten. Die Regierung streitet aus durchsichtigen Gründen das Vorhandensein einer eigentlichen fremdenfeindlichen Strömung ab und deutet die jetzige Bewegung als eine Reaktion auf die falschen Mahnahmen in Schanghai und anderen Orten. Diese Erklärungen ändern aber nichts an der Tatsache, daß sich die fremdenfeindliche Bewegung immer weiter aus dehnt, und dah fie in der Regierung ihren Rückhalt findet. Die Angriffe auf einzelne Ausländer mehren sich, so daß die Mächte jetzt wohl ihre Taktik ändern und die Verhandlungsbereitschaft durch militärifche Vorgehen ersehen werden, weil sich von ihrem Standpunkte aus keine andere Möglichkeit bietet, der Bewegung Herr zu werden. Die Meldung, dah Japan der Regierung in Kanton den Krieg erklärt habe, scheint daraus hinzudeuten. Als Anlaß dazu sollen die Japaner die Ermordung des Kassierers des japanischen Hospitals in Kanton und die Anfähigkeit der Regierung genommen haben, die Mörder zu ergreifen, daß es sich hier um keinen politischen Mord, sondern um einen Raubmord handelt, tut schließlich nichts zur Sache. In Londoner Regierungskreisen will man vorläufig an diese Kriegserklärung Japan- nicht glauben, vielleicht, weil die Tatsache der Regierung einige Unannehmlichkeiten bereiten würde. An sich würde natürlich die Kriegserklärung für die Verhältnisse in Ehina von enormer Bedeutung sein, weil dadurch der Bürgerkrieg von neuem ausbrechen könnte. Sie könnte dazu führen, dah jetzt die Truppen Fengs und die Truppen Tschangsolins den Kampf gegeneinander beginnen, und dah mit der Knegs- erfiärung die Japaner ihrer offenen Unterstützung Tschangsolins. der bisher nur seine Gelder auS Japan bezog, ein Mäntelchen umhängen wollen. Daß auf diese Weife die Stellung der Engländer in China, gegen die sich ja in der Hauptsache der Hah richtet, stark erschüttert wurde, liegt auf der Hand. Und diese Erschütterung würde sich natürlich um so unangenehmer für England auswirken, da sie nicht ohne Rückwirkung auf Italien bleiben könnte. Mit Spannung wird man deshalb der Erklärung im Unterhaus am Mittwoch entgegensetzen können, die vielleicht einige Klarheit schafft. Sogleich nach meiner Rückkehr vertraute ich meinen Plan meinem Freunde Axel Steen an, dem zweiten Direktor am Meteorologischen Institut. Mit einem Empfehlungsbrief von ihm reifte ich nach Hamburg, um meinen Plan dort der größten zeitgenössischen Autorität in Fragen des Erdmagnetismus vorzulegen, nämlich dem Geheimrat Professor Dr. G. v. Reumayer, damals Direktor der Deutschen Seewarte. Unter seiner persönlichen Leitung erhielt ich denn auch eine Zeitlang Unterricht an der Deutschen Seewarte. Und bann kam endlich der große Tag, wo der Plan Frithjof Nansen vorgelegt wer- den sollte. Ich glaube, Mark Twain ist es, der einmal von einem Menschen erzählt, der so winzig war, daß er zweimal durch eine Tür gehen mußte, bis man ihn sehen konnte. Aber die Unbedeutendheit jenes Menschen ist gleich Null im Vergleich mit dem Gefühl, das mich an jenem Morgen beherrschte, als ich in Nansens Villa an die Tür seines Arbeitszimmers klopfte. „Herein!" rief eine Stimme von innen. Und dann befand ich mich von Angesicht zu Angesicht dem Manne gegenüber, der feit einer Reche von Jahren als etwas — Uebermenschliches, hätte ich beinahe gefügt, — vor mir gestanden hatte, dem Manne, der Taten vollbracht hatte, die jede Fiber in mir erzittern liehen." Und erst als Nansen dann seinen Plänen Beifall zollte, hatte Amundsen das Gefühl, sich für voll nehmen zu dürfen. Sein Werdegang als Polarforscher war zu Ende — die Meisterjahre hatten angefangen. * AusdemFrankfurierKunstleben Seit 30 Jahren gehört Arthur Bauer dem Frankfurter Schauspielhaus an. In diesen drei Jahrzehnten hat sich das Schaffen des Künstlers, den eine große und liebevolle Tradition zu uns Jüngeren geleitete, mit dem Wesen der Frankfurter Ttzeaterkunst so eng verbunden, daß Dauer zu den lebendigen Elementen hei- mifcher — und weit über Frankfurt, so z. B. täten ober demokratischen Erwägungen heraus haben I wir uns geschlagen, nein, wir haben den Krieg | wegen Italien gemacht und Italien darf mit dem Erfolg zufrieden fein!" Wenige Tage vorher hatte Rom die zehnjährige Feier dieser Kriegsmache begangen und Mars in einer unverhüllten Nacktheit gehuldigt. Heute dröhnt das ganze Land von den Salutsaloen zu Ehren des Re Soldato, der fein fünfunbzwcmzigjähriges Rc- ,ierungsjubiläum begeht und sich als feine größte Tugend in überschwänglichen Kundgebungen die Tatsache bescheinigen lassen muß, daß er, als Italien keinen Feind hatte und die Feiglinge im Parlament den Frieden zu erhalten wünschten, das Schwert aus der Scheide riß. Gegen den Bundesgenossen. Er war eben, il Re Saggio, Viktor Emanuel der Weise, um den neuen Beinamen zu gebrauchen, „tiefer Kenner unferer Geschichte und nicht weniger tiefer Kenner der Bedürfnisse der Volksseele". Um mit Mussolini zu reden. Tatsächlich steht heute das ganze Volk hinter ihm in Liebe und Verehrung, selbst die Opposition hebt die Arme zu ihm empor und erfleht seine Huld und seinen Schutz wider den Bösen, den Faszis- mus. In welchem unbeschreiblichen Zustand patriotischer Ekstase sich das heutige Italien befindet, zeigt der silbergetriebene Schild, den die Kriegsverstümmelten ihrem überhaupt nur noch in Wolkensphären schwebenden Commandante, nämlich d'Annunzio, überreichten. Da sieht man den militc ignoto, den unbekannten Soldaten, eins geworden mit Christus, von dem Heiligenschein umgeben. Den Sieg des Lichts über die Finsternis, den Triumph des heiligen Kreuzzuges der Entente wider die scheußlichen Mächte der Unterwelt, die Mittelmächte, kann man noch heute, in unsagbaren Bildern dargestellt, in italienischen Hotels bewundern. Eine Symbolisierung, die nun freilich nicht mit dem stolzen Bekenntnis Salandras übereinstimmt, nur der sacro egoismo habe die Waffen Italiens geführt. Aber wie gesagt, augenblicklich ist Offenherzigkeit Trumpf, und so kann man noch ganz andere Dinge schwarz auf weiß lesen. Deutschland erscheint da nicht nur als von reißenden Wölfen Überfällen, nein, die Stärkeren rühmen sich noch ihrer größeren Kraft, und beteuern, daß nur der Erfolg den Ausschlag gebe, Macht Recht sei. England wollte sein koloniales Weltreich zusammenschweißen und die deutsche Flotte vernichten, Frankreich kämpfte nur um den Besitz der deutschen Rohmaterialien, der Schächte, Märkte und Kolonien. Und wenn sich nun eines Tages Deutschland erhebt und sich als Waffenloser mit Gift und Bazillen verteidigt, so ist es durchaus im Recht, schon heute lehnt Italien das dann entstehende „blöde Geschrei der Angelsachsen und das Gequäke der ganzen Welt" ab. Also bitte, das schreibt ein einflußreiches faszistisches Blatt in der Weltstadt Rom. Und weiter: „Das Nationalitäten- prinzip und die demokratischen Sentiments waren nur Werkzeuge, um die Völker hochzubekommen, nichts weiter/' _ Aber man würde nicht fertig werden. Stellen wir kurz und sachlich fest: Die Entente gibt heute zu, und zwar mit stolzem Bekennermut, daß die „Ideologien", die sie auf ihre Fahnen schrieb, nichts anderes waren als Waffen, wie die Tanks, die Giftgase und andere moderne Kriegsmittel. Folglich muß sie, das ist ihre Selbsterhaltungspflicht, in dem Augenblick diese nämlichen Ideologien als verwerflich be- kämpfen, wo der Feind sie auf greift. Man glaube nur ja nicht, das fei eine Sophisterei. Mit der ihm eigenen Entschlossenheit hat Mussolini bereits den ersten Schritt in diesem Feldzug getan und das mächtigste Kampfmittel des Weltkrieges, das Selbstbestimmungsrecht der Völker, als den Feind erklärt. Die Tatsache mag grotesk erscheinen, sie wird aber damit nicht aus der Welt geschafft: Die Entente bekriegt heute ihre eigenen Grundsätze, die sie in dem Vertrag von Versailles als verwirklicht besiegelte: mit anderen Worten, sie zieht jetzt, im opportunen Augenblick, die Decke von der für die politischen Kinder damals als Friedensvertrag bezeichneten Höllenmaschine, sie schwingt die Kriegserklärung von Versailles. . Alle die Harmlosen, denen nun die Schuppen von den Augen fallen, werden nun ihre Augen hilseheischend nach Genf richten. Aber der unvergleichliche Salandra erstickt auch dieses Manöver im Keime. Der Völkerbund ist so beschaffen, ruft er aus und reibt sich dabei auf seine sympathische Weise die Hände, daß er die Einstimmigkeit braucht, wenn etwa eines der unterjochten Völker den Grundsatz für sich proklamieren wollte, der während des Weltkrieges als ideologische Waffe seine Schuldigkeit getan'hat. Und diese Einstimmigkeit wird Italien um jeden Preis verhindern. Das ist der Völkerbund: einer gegen alle. Wenn hundert dafür sind - und nur einer, der egoistisch I Interessierte, dagegen ist, so gibt der Völkerbund Wie Amundsen Polarfahrer wurde. Der Name Roald Amundsen gelangte zu internationaler Berühmtheit, als es dem großen Polarforscher im Jahre 1905 gelang, die sogenannte Nord- westpassage zu beroältigen, indem er fein Expeditionsschiff „Gjäa" glücklich zwischen dem -King- Williams- und Viktoria-Land einerseits und dem nordamerikanischen Festland andererseits hindurchsteuerte, was vorher noch niemandem gelungen war. Schon vor dieser Expedition hatte sich Amundsen aber bereits mehrfach als Polarforscher betätigt. Seine Sporen verdiente er sich bei einer Südpolexpedition in den Jahren 1897/98. Im 2ahre 1901 erforschte er ferner Nordostgrönland, um im Jahre 1903 die große Expedition anzutreten, die zur Erforschung der Nordwest-Passage s ährte, und von der er erst im Oktober 1906 nach drei schwierigen lieber- Winterungen im Polargebiet zurückkehrte. Im Herbst 1911 gelang ihm endlich feine zweite Großtat, Oie Bezwingung des Südpols. Schon in frühester Kindheit kannte Roald Amundsen keinen heißeren Wunsch, als sein Leben der Eroberung der unbekannten Polargegenden zu weihen, angezogen von dem Reiz des Unbekannten, dem Wissensdrang des geborenen Forschers und der geheimnisvollen Lockung romantischer Gefahren und Abenteuer. Insbesondere das Problem der Nord- west-Passage hatte es ihm schon frühzeitig angetan. In dem wundervollen Werk, das er hierüber veröffentlicht hat („Die Nordwest-Passage", Verlag von I. F. Lehmann, München), schildert er selbst seinen Werdegang wie folgt: „Wohl keine Tragödie des Paloreises hat die Menschen so tief ergriffen wie die von John Franklin und seinen Leuten. Keine hat sie so erschüttert, aber auch keine zu so einer erbitterten Wiederaufnahme des Kampfes angespornt. Man wußte: Es gab einen Seeweg nördlich von Amerika: aber man wußte nicht, ob Schiffe hindurchkommen konnten. Diese ungelöste Frage ließ Arbeitersportler von Gießen und Umgcgenb ein guter zu werden verspricht. Die sportlichen Veranstaltungen werden zuerst morgens aus der Lahn beginnen. Dom Bootshaus des IDaffer- sPortvereins Hellas werden ald 1. Punkt einige Fahrten seitens des Vereins „Hellas" ausgeführt. Weiter wird ein Wrufchwmmcn um 9 Ahr für aktive Schwimmer <100 Meter) und Schwimmerinnen (75 Meter), außerdem ein Staffelfchwiminen stattfind.m. Am 11 Ahr ist ein Stafettenlauf um die Anlagen geplant, die Strecke ist 2900 Meter lang, beginnend am Stadttheater. Später, um 1 Ahr. beginnen die leichtathletischen Einzelwettkampfe su. Aeltcre und Jugendliche auf dem Sportplätze der Freien Turnerschaft «Trieb). Die Einzelkämpfe werden sich wie folgt abfpielen: Turnen der Freien Turnerschaft unter Zuziehung auswärtiger Sport- aenosfen. Wettkämpfe von Mitgliedern des Kraft- und Sportklubs. Ringen. Diskuswerfen. Wettlaufen ufw. Der Schluß der sportlichen Veranstaltungen auf dem Sportplätze wird ein interessantes Fußballwettspiel, der Fußball.ib!c lang der Freien Turnersckmft Gießen und einer auswärtigen Mannschaft sein. Ab 5 llbr ist auf der Liebigshöbe Konzert und gemütliches Beisammensein. wo ebenfalls die Prcisverteilung, stattfindet. Einige sportliche Darbietungen, wie Aufstellen von Pyramiden und andere Vorführungen der Arbeitersporllcr. sowie Gefangsvor- träge des Gesangvereins „Eintracht" ii>erbcn Oie Stunden bis zum Heimgänge ausfüllen. Als Eintrittspreis für sämtliche 'Veranstaltungen wirb ein Eintrittsgeld von 30 Pfennigen erhoben, mit Rücksicht auf die vielen Veranstaltungen, tue bisher stattgefunden haben, so daß es jedem möglich ist, sich an den sportlichen Darbietungen, die zum ersten Male seitens deö Arbeitersport- kartells geboten werden, zu beteiligen und der Sache zum Erfolge zu verhelfen. Mancher, per bisher Gegner des Sportes überhaupt ist, wird, wenn er sich einmal die Leistungen der Arbeitersportler ansieht, davon überzeugt, daß der jugendliche Arbeiter ebenfalls Sport treiben muß will er seine Gesundheit erhalten, um seinem Beruf nachgehen zu lönnen. Mehr Sport und weniger Alkohol ist. was der arbeitenden Jugend dringend nottut. um die Widerstandskraft des Körpers gegen die Gefahren des zukünftigen Berufes zu stärken, diesen Gedanken in der Jugend zu erwecken, das soll auch eine der Aufgaben des Reichsarbeitersporttages von Gießen und Am- gegenb sein. Hochschulnachrichten. ][ Marburg. 23. Juni. Der Professor der Geschichte. Dr. Phil. Karl Wenck. wurde von der Berliner Akademie der Wissenschaften zum lorrefpondierenden Mitglied gewählt. - Ferner ernannte die evangelisch-theologische Fakultät der Aniversität anläßlich der Rheinlandfeier den Professor der Rechte Dr. jur. et Phil. CB re bt anläßlich der Rheinlandfeier zum Ehrendoktor der Theologie. Kirche und Schule, t Gießen. 24. Juni. Heute fand hier im Konfirmandensaale der Johanneskirche die diesjährige Prvvinzialkonferenz der evangelischen Pfarrer Oberhessens statt, die außerordentlich zahlreich besucht war. Die Versammlung wurde geleitet von dem neuen Superintendenten, Oberkirchenrat Wagner. Der Vorsitzende gedachte nach der Eröffnung der Konferenz durch das von Dekan D o l p - Laubach gesprochene Gebet, zuerst des Amtswirkens seines Vorgängers lIehcimerats D. Petersen, der 22 Jahre hindurch die Superintendentur Gießen innehatte. Daran schloß sich die Ramensnennung der seit der letzten Provinzialkonferenz verstorbenen Konferenzmitglieder, deren Andenken man in der üblicher, Weife ehrte. Als Konferenzvortrag wurde das Thema: „Der Pfarrer und die Bibel" von Pfarrer D i t t m a r - Haufen und Pfarrer Waldeck- Langgöns behandelt. wg. Schotten, 24. Juni. Anter dein Vorsitz von Dekan D o l p - Laubach sand hier die dritte diesjährige Konferenz der Geistlichen des Dekanats Schotten statt, zu der sich auch der Superintendent der Provinz Oberhessen. OberNrchenrat Wagner- Darmstadt eingefunden hatte. Pfarrer Job- Burkhards eröffnete mit Schriftlesung und Gebet, babei_ besonders gedenkend des 400jährigen Jubiläums von Luthers Eheschließung.und Damit auch des I evangelischen Pfarrhauses. Hierauf folgte eben- Turnen, Sport und Spiel. Frauenausschüsse in der Deutschen Turnerschaft? Ein Vorschlag des Oberturnwarts der D. T. vo. Die Rotwendigkeit der aktiveren Mitarbeit der Frauen in der Turnerschast ist auch bei der Tagung für die körperliche Erziehung der Frau wieder erörtert worden, und zwar mit dem Erfolg, dah an der Tagung teilnehmende Frauen sich zu tatkräftiger Mitarbeit erboten haben. Da ist nun die Frage, in welcher Form dies geschehen soll. Es ist klar. dah. sofern in den einzelnen Anterausschüsfen etwa eine Frau Sitz uno Stimme hätte, diese infolge des un-' günstigen Abstimmungsverhältnisses kaum zur Geltung fonrmen konnte. Hier schlägt nun der Oberturnwart der D. T. K u n a t h vor, in der Deutschen Turnerschast einen besonderen, nur aus Frauen bestehenden Ausschuß einzufehen, der in erster Linie über die Fragen berät, die die Eigenart der Frau betreffen, besonders über Dinge, die auf geistigem und sittlichem Gebiet liegen. Rach dem Vorbild dieses Ausschusses wären dann auch in den einzelnen Kreisen und Gauen Frauenausschüsse zu bilden. Vom Arbeitersportkartell. In einer am Montag abend abgehaltenen Sitzung von Delegierten des Arbeitersport- kartells von Gießen wurde der erste Beschluß, wonach am 5. Juli der Reichsarbeitersporttag in Gießen statt- finben sollte, dahingehend umgeändert, dah die Veranstaltung mit Rücksicht auf die Einweihung des Flughafens der Stadt Gießen am Stolzen- morgen, die an diesem Tage stattfindet, am Sonntag, 2 3. August, abgehalten wird, und zwar auf dem Trieb. Wegen verschiedener Veranstaltungen anderer Vereine mußteber Termin etwas später verlegt werden. Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, daß dieser Tag für die die Sache nicht zur Ruhe kommen, hauptsächlich aber mich nicht, seit die Berichte über John Franklin zum erstenmal meine acht- bis neunjährige Phantasie gefangen nahmen." Der 30. Mai 1889 brachte vollends das entscheidende Erlebnis für den Knaben. Es war der Tag, an dem Frithjof Nansen von seiner Grönlandreise zurückkehrte. „Ich ging an jenem Tag", so er- zählt Amundsen weiter, „mit klopfendem Herzen zwischen Flaggen und Hurrarufen dahin. Alle meine jahrelangen Knabenträume waren zu stürmischem Leben erwacht. Und zum ersten Male ging es wie ein klares bebendes Flüstern durch meine tiefsten Gedanken: „Wenn du die Nordwest-Passage zustande bringen würdest!" . . . Dann kam das Jahr 1893, und Nansen zog aufs neue hinaus. Mir war, als müßte ich mit! Aber ich war zu jung. Meine Mutter bat mich, daheim und bei meinen Studien zu bleiben. Und so blieb ich. Dann starb meine Mutter. Eine Zeitlang kämpfte meine Liebe zu ihr einen schweren Kampf, ob ich ihrem Wunsche treu bleiben sollte. Aber bann konnte ich nicht anders. Nichts konnte meinen Drang, dem Ziel meiner alten und einzigen Sehnsucht nachzujagen, unterdrücken: ich warf mein Studium über Bord und beschloß, die notwendigen langen vorbereitenden Studien in Angriff zu nehmen, die für den Polarforscher durchaus unerläßlich sind. Im Jahre 1894 fuhr ich mit der alten „Magdalene" als Leichtmatrose von lönsberg aus auf den Seehundfang im Eismeer. Das war meine erste Begegnung mit dem Eise — und sie gefiel mir! Die Zeit verging, und meine Ausbildung machte Fortschritte. In den Jahren 1897/99 fuhr ich als Steuer- mann mit der belgischen antarktischen Expedition unter Adrien de Gerlaches Leitung nach den südlichen Eisregionen. Und während dieser Zeit reiste mein Plan: Ich wollte den Traum meiner Kindheit von der Nordwest-Pasiage mit dem wissenschaftlich an und für sich viel wichtigeren Ziel verbinden, die gegenroärtige Lage des magnetischen Nordpols fest- zustellen. Icllö durch Pfarrer 3 ob die wissenschaftliche und praktische Erklärung von Epheser 2. 11—18. Sodann erstattete Pfarrer Römer- Schotten, der kürzlich zum Leiter des evangelischen Wohlfahrtsdienstes für dcu Kreis Schotten gewählt worden ist, ein hochinteressantes Referat über die Fürsorgetätigkeit und die Oluf gaben des Dekanatserziehungs- und Deka- nats°Missionsvereins. Man konnte daraus ersehen, in welch hohem Maß: durch diese beiden Vereine in unserem Dekanat kirchlich- soziale fürsorgerische Arbeit schon seit Jahrzehnten geleistet wurde und noch jetzt mit viel Hingebung und Liebe getan wird. Außerordentlich klar wurde — was übrigens jeder Fachmann auf diesem Gebiete weih —, daß die Kirche mit ihrer Inneren Mission in der Sache der Wohlfahrtspflege bahnbrechend gewirkt und der Humanitären Fürsorge erst den Weg gewiesen hat. An das Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Rach Erledigung der geschäftlichen Eingänge wurde die Konferenz von Dekan V o l p geschlossen. Gerichtssaal. * D a r m st a d t, 24. Juni. Vor dem Schwurgericht hatten sich mehrere Leute zu verantworten, die in Haßloch (Kreis Groß-Gerau) im Februar schwere A u s s chr e i t u n g e n , nach vorausgegangenem Wirtschaftsbesuch, begangen hatten. Zwei von ihnen, der Schlosser Wilhelm Herrmann aus Frankfurt und der Hilfsarbeiter Georg Schäfer von Königstädten waren die Anführer. Schäfer hatte eine alte Frau mit der Faust auf den Kopf geschlagen, daß sie zusammenbrach, eine Gehirnblutung erlitt und einige Tage darauf starb. Schäfer wurde zu sechs Monaten Gefängnis und zu 130 Mark Geldstrafe verurteilt. Herrmann kam mit einer Geldstrafe davon. Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel im Mai. Die deutsche Einfuhr im Mai beläuft sich auf 1084 Millionen Reichsmark gegenüber einer Ausfuhr von rund 732 Millionen Reichsmark. In der Zeit von Januar bis Mai betrug die Einfuhr rund 5765 Millionen Reichsmark und die Ausfuhr rund 3444 Millionen Reichsmark. Die reine Waren-Einfuhr zeigt im Mai gegenüber dem Vormonat eine Abnahme von rund 13 Millionen Reichsmark, die Waren- Ausfuhr ist dagegen um rund 58 Millionen Reichsmark gestiegen. Die Passivität stellt sich im Mai auf 266 Millionen Reichsmark gegen 337 Millionen Reichsmark im Vormonat. Die Lage der europäischen Kohlenmärkrte. Die Absatzoerhältnisse in Kohle sind in den einzelnen Ländern während der letzten Wochen eher noch schlechter als besser geworden. In England arbeiten die Bergarbeiterführer auf ein Kohlensyndi- kat nach deutschem Muster hin, da nach ihrer Meinung nur durch ein solches Syndikat die Preise für englische Kohlen so gestaltet werden können, daß die Gruben in der Lage seien, den Arbeitern auskömm- , liche Löhne zu zahlen. Die Kohlenausfuhr Englands ist nach einer geringen Besserung im März im April neuerdings zurückgegangen, hat sich allerdings im Mai wieder etwas gehoben. An die Ausfuhrziffern der gleichen Zeit der letzten Jahre reicht der gegen- l wärtige Kohlenexport Englands jedoch picht heran. - Im Mai d. I. wurden 4 652 464 Tonnen verschifft, " gegen einen Monatsdurchschnitt von 6,62 Millionen ■t Tonnen 1923. In der letzten Zeit ist d/r Südwalliser Markt etwas lebhafter geworden, da sich die Werke einerseits wegen der bestehenden Streikgefahr ein- deckten und weiterhin auf Preisermäßigungen nicht mehr rechnen. Günstig ist die Lage der Gruben eigentlich nur in Frankreich. Die Förderung der französischen Gruben hat mit einer Monatsleistung von 4,2 Mill. Tonnen einen Rekord erreicht. Die Tagesleistung beträgt 160 400 Tonnen gegen 136100 Tonnen im Jahre 1923. Frankreich bezieht nur noch geringe Mengen englischer Kohlen, auch die französischen Staatsbahnen haben kürzlich 'das seit Jahrzehnten in Cardiff bestandene Kohleneinkaufsbureau aufgehoben. Fräulein Fob. Roman Port Anders E j e. 4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Herr Fellips sah sein Vis-a-vis an. Rein, bei ©ott, sie scherzte nicht. Dieses Mädchen, das ruhig zugestand, seine Toilette ausgeborgt zu haben, und das Austern mit einem auf langjährige Hebung deutenden Geschick ah, war voll von originellen Einfällen. Fellips sah einer an Heberraschungen reichen Rächt entgegen, und er sollte sich nicht täuschen. „Sie lieben Austern", bemerkte er, mehr, um überhaupt etwas zu sagen. „Ja, ich liebe Austern sehr," erwiderte bad Mädchen, „aber nicht wegen des Geschmackes, sondern mehr wegen ihres Duftes. Wenn man etwas richtig lieb hat, so garu leidenschaftlich, verstehen Sie, und man findet dann etwas, das an dies erinnert . . . " „So liebt man es auch." „Ganz richtig, Herr Fellips. Das Lächerliche ich dann nur, daß man mitunter m das Surrogat mehr verliebt wird, — besonders, wenn der Gegenstand der Liebe so weit entfernt ist, — oder ganz unerreichbar. Riechen Sie an Ihren Austern, Herr Fellips. Ist es nicht wie ein Duft vom Meer, — vom Meer, das ich so liebe " Fellips roch pflichtschuldigst. „Sie haben Recht, Fräulein Lisa", sagte er. „Alle unsere fünf Sinne können uns da gute Dienste leisten. Ich kenne jemanden, der hat die größte Freude, wenn auf dem Klavier ein Opernpotpourri geklimpert wird, — er erlebt dann die Vorstellung in erneuter Stärke, ja oft sogar in ganz verklärtem Licht. Die Hauptsache ist, daß man nicht phantasielos ist Hnd das sind Sie wahrscheinlich nicht." Fräulein Lisa löste mit geübter Hand ihre zehnte Auster aus der Schale „Rein, daraus können Sie- sich verlassen", murmelte sie. Andersen serv.ierte mit lautloser Raschheit Wein und Wasser, — das Wasser für die Dame, den Champagner für den Herrn. Herr Fellips nahm die Champagnerflasche In Oesterreich hält das überreichliche Angebot an Kohlen an. Die Lage des Bergbaues wird von Woche zu Woche ungünstiger. Die billigen Angebote fremder Steinkohlen beeinträchtigen den Absatz in heimischer Braunkohle auch deshalb, weil sich durch diese Angebote an hochwertiger Kohle manche In- dustrieunternehmungen von der Umstellung auf Braunkohle fernhalten. Auswärtige Steinkohle wird in Wien franko mit 480 Kronen je Kilo angeboten Diese Preise bürften für die Lieferanten einen starken Benust in sich schließen, denn die Kohle ist bis Wien mit rund 300 Kronen Fracht und Nebenspefen belegt. Man hofft daher, daß es sich bei diesen Preisen nur um eine vorübergehende Erscheinung handelt. Ueber den deutschen Kohlenbergbau ist in letzter Zeit mehrfach berichtet worden. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber die Tatsache, daß end- gegen den ungünstigen Absatzverhältnissen im Inlands die Kohlenausfuhr Deutschlands ansteigt. Während tm Monatsdurchschnitt 1924 nur rund 233 000 Tonnen Kohle exportiert wurden (1923 nur 100 000 Tonnen, betrug die Ausfuhr im Januar 1925 schon 1,4 Mill. Tonnen Steinkohle. Die Koksaussuhr stieg auf 72 000 Tonnen im Monat, die Ausfuhr an Steinkohlenbriketts auf 40 300 Tonnen im Januar 1925 (gegen 8200 Tonnen im Monatsdurchschnitt 1924). In letzter Zeit kamen in deutscher Steinkohle Abschlüsse mit griechischen Abnehmern und in Koks solche mit italienischen Abnehmern (durchweg in Konkurrenz mit englischen Gruben) zustande. Hierbei wirb allerbings berücksichtigt werden müssen, baß ber deutsche Bergbau zur Räumung ber übergroßen Haltenbestänbe zu Anfang bieses Jahres sicherlich Exporte vornehmen mußte, bie unter normalen Marktverhältnissen unb Preisdebingungen unterblieben wären. * Deutsche Phönix Versicherungs A.-G. in Frankfurt a. M. — Providen- tia, Frankfurter Versicherungs QI.» G., Frankfurt. In der heutigen Hauptversammlung der zum Allianz-Konzern gehörenden Deutschen Phönix Versicherungs A.-G. wurde der Abschluß genehmigt und eine Dividende von 6 Prozent aus einem Reingewinn von 72 239 Mark verteilt. 38 536 Mk. werden vorgetragen. — Sn der Hauptversammlung der Providentia, Frankfurter Versicherungs A.-G. wurde der Abschluß genehmigt und aus dem Reingewinn von 78 980 Mk. eine Dividende von 6 Prozent aus- geschüttet. 17 703 Mk. werden vorgetragen. Heber den Geschäftsgang wurde von der Verwaltung keine Mitteilung gemacht. Berliner Börse. Berlin. 24. Juni. Die Meldungen aus Paris, daß die französische Regierung Vorbereitungsmaßnahmen für die Räumung des Ruhrgebietes eingeleitet hat, boten dem Effektenmärkte gestern Abend eine Stühe. Auch heute vormittag war das Kursniveau im Verkehr von Bank zu Dank gegenüber den gestrigen Schluhkursen weiter gehoben. Bei Beginn des offiziellen Verkehrs wurde dazu noch bekannt, daß die deutsche Außenhandelsbilanz für den Mai eine bedeutende Verringerung der Passivität gegenüber dem Vormonat erfahren hat. Die Tendenz war infolgedessen allgemein freundlicher. Auch Vorkriegs-Pf and- brief e und heimische Staatsanleihen waren befestigt. Man wies hier auf die angeblichen Aeußerungen des Reichspräsidenten bei der gestrigen Besprechung mit den Aufwertungsverbänden hin, wonach in der Auswertungsfrage noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Die Rachrichten über das Anhalten des bisherigen Rekordabsahes der Kali-Industrie löste Gewinnwirkungen aus. Das Geschäft in Kaliwerten war jedoch verhältnismäßig klein. Interesse bestand für Südsee-Phosphate, die von 40l/3 auf 43V2 anzogen. Am Geldmärkte hält zwar die leichte Verfassung des Marktes für tägliches Geld an .doch hat es den Anschein, als wenn im übrigen die große Kreditknappheit letzthin noch eine Verschärfung erfahren hat. Die Einstellung der Kreditgewährung durch die Roggen-Rentenbank und die Zurückziehungen von Ausleihungen anderer Geldinstitute scheinen dies zu bestätigen. An der Börse selbst verlangt man für tägliches Geld 7V. bis 91/2 Prozent, Monatsgeld IOV2 bis IP/3 Proz. Am internationalen Devisenmarkt gaben die Währungen Frankreichs, Belgiens und Italiens erneut etwas nach, während die nordischen Devisen recht fest lagen. Die deutsche Reichsmark wurde genannt in London mit 20,43, Zürich 122,55, Amsterdam 59,33, Paris 5.091/,,. Böclenkur'ie. Datum: 5®/o Deutsche MetchSanlethr 4% Dcri'lchc NcichSanlcihe S'/,'/. Deutsche RcichSanlcihr 3°/n Deutsche Rrichsanleihe Deutsche Svarpramienanlethe , Goldschmidt ..... ©rieSbchntr Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung..... Rütgerswerke ...... Scheideanftalt ........ »llg «lektrUttätS-Ges-llschaft Bergmann Mamkrastwerke ....... Schlickert Siemens & HolSke ..... Adlerwerkr Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt ........ Meguin. Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . .. Konservenfabrik Braun . . . MctaNgesellichaft Frcmkfm». Pet. Union A.°G Schuhfabrik Her, Sichel Zellstoff Daldhof Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . .. Frankfurt a.M. Berlin Schlich» Kur» ScylutjU 5ric Schluß ftur» s Schluß» 1 mittag 1 Mvb 23. 6 , 24 «. 23. 6. 24 6. 0.3925 n.410 0.3925 0.415 — 0.51 0.58 0,55 0,52 0.5.32 o.5b 0,535 0.7 0.73 0.72 0.75 0,26 0,3 0,24 0,295 0.525 0.505 0.545 0,5475 O.h 0.60 — 0,67 — — — — 0.465 — 0.5 0,51 89,75 89.75 91.75 91.75 93,37 93,5 93 3 93,4 7.50 1 7.60 — i 7,4 37 I 36 38 I .39 120 121,75 120,1.3 120.1 98 »7,. 5 98 98 120.5 120 75 120.50 120.1.3 120 5 120,5 120 120,25 68 . 68 — — 108,25 108.62 108.40 108.40 91 2.60 — — 98 97,5 — 97 7,3 7,4 7.40 7.50 9,1 0,1 0,15 — — 57 56.75 53,25 53 5.3 54.75 52 51 .5,4 48 69.50 71,6 69 70 56,5 •)'J 58 58,50 106 111.75 107,25 110,75 12.5 12.62 12.6 13 104 108 16 16,1.3 45.5 46,25 45,5 46 5.4 5.35 5.4 5.50 91.2 > 93,25 90,7 92,6 70 72,5 _ -3 74.5 75 — 74,5 2,3 2,3- 53 53,5 53,5 55,25 59 58,25 57.62 59 ?1 71,25 61 61,9 — ' 62 — 95,75 95,5 117,25 117,5 116,75 118,25 0.48 0,475 83 83.75 82,9 83,25 107.75 108.75 108 109 109.50 109,25 108,52 109 25 6 5,85 — 61 66 65 66,75 106,5 108 91.5] 92,63 91,50 94 72 70,75 — 70,62 81 81 59 58.5 59,40 60 78,50 80 25 79 79.25 59.75 60 60,13 60,25 57 59 57,25 57,5 4.3 42.5 4.3 42 43 — — 65 70 0,42 0,43 — 0,875 0.9 0,9 0,8 104 106 — 71.5 70,35 2.2 2,2 2,75 2,75 3.1 37 ! .37 .36 .37 9,25 3.62 0,4 9,62 92 । 95 - 59: 60,75 60 62 S;evif2nntar?i Berlin—Frankfurt cu M. (Sn Billionen Mark ausgedrückt. BuenoS-MreS, Loudon, Neu- York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest kür 106000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 23 Jam 24. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld ortet Geld Brjcf Umft^Nou. 168,31 168,73 168,26 168,68 Buen.-Aires 1.679 1.683 1,686 1,691 Brss-'Antw- 19,55 19,59 19,37 19,41 Chrtsttanta. Kopenhagen 71,£4 71,82 72,46 72,64 81.42 81,62 i 81,95 82,15 Stockholm . HelsmgforS- 112,20 112,48 112,24 112,52 10.565 10,605 10,565 10,605 »kalten. . . 15,63 15,67 15,52 15,56 London. , . 20,888 20,440 20,385 20,438 Neuhork . . 4,195 4.205 4.195 4,205 Parts. . . . 19,72 19,76 19,53 19,57 Schweiz . . 81,46 81,66 81 45 81,65 Spanten. . 60,87 61.03 60.95 61,11 yapan . .. 1,703 1,707 1,698 l,<02 Rio de Ian. Wien in D-- 0,462 0,464 0.464 0,466 Oft abgest. 59,052 12,433 59,19. 59,057 59,197 Krag . . . . 12,47.3 12.435 12,475 Belgrad .. 7,245 7,265 7.205 7,225 Budapest. . Bulgarien . 0,885 3,042 5,915 3,052 5,895 3,035 5,915 3,045 Lissabon 20,495 20,525 20 475 20,525 Danzig. . . 80,88 81,08 80.95 81,12 Konstantia. 2,28 2,29 2.265 3.275 Athen. . 6.69 6,71 6 69 6.71 Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 24. Juni. Bei allgemeiner Geschäftslosigkeit zeigte die Abendbörse keine nennenswerte Veränderung. Die Kurse bewegten sich zumeist auf dem leicht erniedrigten Stande ber Nachbörse, so baß man von einer gehaltenen Stim- „Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen, Fräulein Lisa?" fragte er. „Rehmen Sie Wasser mit einigen Tropfen Champagner. Rur einen Fingerhut voll. Sie werden sehrn, daß es nicht so übel schmeckt." Dann fügte er leise hinzu: „Wenn schon aus keinem anderen Grund, so doch wegen Andersens Sie machen ihn glücklich damit. “ Das Mädchen blickte auf den Kellner, der sich nach alter Gewohnheit noch um einige Grade tiefer verbeugte. ..Also meinetwegen." sagte sie, „aber nur einige Tropfen." Zu Herrn Fellips' und Andersens dankbarer Freude billigte sie die Mischung. Sie tat einen tiefen Schluck und erklärte, daß das Getränk, wenn es schon nicht verbessert wurde, so doch wenigstens nicht schlechter schmecke. Fellips füllte einen Löffel mit eiskaltem Kaviar und legte eine zitronenbefeuchtete Auster auf dies schwarze Bett. „Sie lieben also das Meer so heiß", sagte er unb lieh den leckeren Inhalt des Löffels ihba- ritisch auf dem Gaumen zergehen. „Da wundert es mich, daß ich Sie int Sommer so tief drinnen im Lande traf, mindestens hundert Kilometer von dem anspruchlosesten Gewässer entfernt. An der Küste gibt es doch so viele gute . hm . . " „Restaurants", fiel das Mädchen lustig ein. »Sie haben ganz Recht, mein Herr. Aber die Sache hat ihre Hrsache Wollen Sie. daß ich ganz ehrlich gegen Sie sein soll?" „Ich wünsche nichts Anderes." „Also hören Sie. Mein Existenz droben in . . Wie hieß nur der Ort?" „Presto." „Danke droben in Presto beruhte auf einer Mystifikation, einer Mys—ti—si—ka—tion." Herr Fellips nidte: „Sie wurden ganz einfach betrogen Das kommt vor Sie glaubten, in ein Seeidyll zu kommen und wurden zwischen fünf Berggipfel eingeklemmt. Hnd als Sie den Zusammenhang entdeckten und den Betrug, war es zu spat Sie konnten nicht mehr fort, trotz der Eisenbahn " Das Mädchen klammerte sich mit großem Eifer an dies Wort. Die Eisenbahn. Es war doch die Eisenbahn, der man die erste Begegnung zu danken hatte. Oder richtiger das Geschäft, das große Eisenbahngeschäft. Die Sache drehte sich um schwindelnde Summen, nicht wahr? Traurig genug, daß so wenig hievon beim Mittagessen durchgesickert war, — aber doch wieder genug, um ein armes Mädchen grün vor Reugier zu machen. Rur daran zu denken! Hier, an der einen Seite «des Tisches, sah ein dicker Herr, der erklärte: „Ich verkaufe meine Eisenbahn für hundertzwanzig Millionen", und dort, auf der anderen Seite, ein schlanker, ber sagte: „Ich kaufe sie, — Prosit!" Hundertzwanzig Millionen! Man wartete nur darauf, baß ber schlanke Herr die Millionen aufzählen werde, eine nach der anderen, auf dem Mittag- tisch. zwischen Flaschenbatterien und funkelnden Kristallgläsern. Aber beim näheren Rach- benfen, — Herrgott, es hätte ja eines ganzen Wagens bedurft, um all die Danknotenpakete auszuladen. Hn dann die Artikel in den Zeitungen, ganze Spalten lang, über die Aktien und die Verteilung und die Staats-Einlösung und die Verwaltungsratssihungen all dieser erregten Herren . . . . Das Mädchen verlor beinahe den Atem. Man merkte, daß ihr jedes Detail in dieser Eisenbahnkampagne vertraut war, in diesem wilden Ringkampf zwischen Käufer und Verkäufer, und daß jeder Draht dieses verwickelten Handels zwischen ihre Finger gelaufen. Für Fräulein Lisa war dies alles wie ein riesig spannender Roman, aber ein Roman ohne Anfang und ohne Schluß, — und bad sagte sie auch ihrem Kavalier. „Hnd jetzt soll ich Ihnen den Roman fertig schreiben?" Fräulein Lisa nickte, während sie einen schmalen Spargelstengel zwischen ihre weißen Zähne gleiten ließ. „Ja, wenn Sie so freundlich wären." Herr Fellips lächelte herablassend. „Sie haben keine kleinen Ansprüche. Ein Romankavitel zu jedem Bissen . . Ich, der ich noch die kalten Schauer über meinen Rücken laufen fühle, sehe nur das Titelblatt des Romans. inung |pred)en?fann. Interesse bestand für kein Gebiet. Krieganleihe sank bei ruhigem Geschäft auf 0,410, und wurde im freien Verkehr spater ,ju 0,403 genannt. Schiffahrtsaktien umsatzlos.. Die Börse schloß geschäftslos mitt Neigung zum Nach- geben. " Deutsche Anleihen: 5proz. Ncichsanleihe 0,410, 3iproz. Preußische Konsols 0.555, Schutzgebietsanleihe 5,009. Bankaktien: Commerzbank97,75, Darmstädter Bank 120,25, Deutsche Bank 120,50, Discontogesellschaft 108,62, Dresdner Bank 102,25, Mitteldeutsche Creditbank 97.50, Reichsbank 123,25, Rheinische Kreditbank 90, Oesterreichische Kreditaktien 7,37 Montanaktien: Mcmsfelder 59,50, Phönix 93,25, Kali Aschersleben 12,62, Kali Westeregeln 108. Chemische Aktien. Badische Anilin 117,50, Th. Goldschmidt 83,75, Rütgerswerke 66. Jndustrie- afticn: Adlerwerke Kleyer 60, AEG. 92,62, Rheinmetall 35,50, Zucker Offstein 58,25. Bank n 0 t e n. Berlin, 24. Juni- Meld Bries Amerikanische Noten ..... 4 '0 Belgische Noten ....... 19,27 1M7 Dänische Noten ....... 81,84 82.86 Englische Noten........ 20.357- ... '0.453 Fran;ösischc Noten ...... 19.52 19.62 Holländische Noten ...... 1(57,85 168 69 Italienische Noten ...... 15J2 15,70 Norwegische Noten..... 72.4.2 72,78 Dcutsch-Oesterr., -100 Kronen Rumänische Noten...... 59,11 59.41 Schwedische Noten...... 111,92 Schweizer Noten....... 81,52 81,92 Spanische Noten....... 10,75 61,05 Tschechoslowakische Noten .. 12.415 12.475 Ungarische Noten..... 5.84 5.88 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt, 24. Juni. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 21,50—23,50, Roggen, inlän- discher 18,50—20,50, Hafer, inländischer 18,50 bis 22,50, Mais, gelb 21—22,50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 35,75—36,75, Roggenmehl 28,25 bis 29, Weizenkleie 11,60—11,75, Roggenkleie 12,50 bis 12,75. Tendenz: Behauptet. Berliner Produktenbörse. Berlin, 24. Juni. Der Produktenmarct war auf höhere ausländische Rotierungen für Weizen unb Roggen höher. Gerste in guter Brauware sehr knapp. Hafer in Auslandware mehr Rachfrage als nach inländischer. Futterartikel nur einzeln beachtet. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, märt. 266 bis 269, do. Juli 264 bis 262, Roggen, märk. 218 bis 222, do. Juli 214,50 bis 213,50 Gerste, märk. 226 bis 245, Futtergerste 200 bis 216, Hafer, märk. 231 bis 239, do. Juli 193,50 bis 192, Mais (loko Berlin) 211 bis 215, Raps 360 bis 370; für 100 Kilo: Weizenmehl 34 bis 36,25, Roggenmehl 29 75 bis 31, Weizenkleie 13,20 bis 13,30, Roggentteie 14 bis 14,20, Viktoriaerbsen 26 bis 31, kleine Erbsen 25 bis 26,50, Futtererbsen 21 bis 24 Peluschken 21 bis 23, Ackerbohnen 21 bis 22. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus ber „Radio-Hmschau".) Freitag, 26. Juni. 12 Hhr: Nachrichtendienst. 3 und 4 Hhr: Wirtschaftsmeldungen. 4.20 Hhr: Rachrichten- bienst. 4.30 bis 6 Hhr: Hausfrauen-Rachmittag in Musik unb Wort. Programm u. a.: „Haus- wirtschaftliche Berufsbildung", Vortrag von Frau Direktorin Dertuch. 6 Hhr: Wirtfchaftsmelbun- gen. 6 bis 6.30 Hhr: Die Lesestunde (Meisterwerke ber Weltliteratur): Aus „Soll unb Haben" von Gustav Freytag (Fortsetzung). 6.30 bis 6.45 Hhr: Iuristenrundfunk. 6.45 bis 7 Hhr: Die Besprechung. 7 bis 7.30 Hhr: Stenographischer Fortbildungskursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7.30 bis 8 Hhr: „Rörb- lingen, die alte Reichsstadt im Schwabenlande". Vortrag gesprochen von O. W. Studtmann. 8 bis 8.30 Hhr: Hebertragung von Kassel. 8.30 Hhr: Die Forster-Christel, Operette in drei Akten von Georg Jarno. — Anschließend: Rachrichtendienst, Wettermeldung, Sportbericht. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft Sabbatseier den 27. Juni 1925. Freitag abend 7.45, Samstag vorm. 8.00 Predigt, nachm. 4.30, Sabbat- ausgang 9.40, Wochengottesdienst morgens 6.30, abends 7.00 C^n zu erleben, — nein, das ist etwas ganz anderes." „Eines können Sie npr aber wohl auf alle Fälle sagen," beharrte das ML.«chen, „wer war der Betrogene?" Herr Fellips hob die Augenbrauen. „Der alte Thorben war es nicht", sagte er Die Augen des Mädchens blitzten auf. „Also waren es Sie?" „Rein," beteuerte Herr Fellips nachdrücklich, „ich war es auch nicht." „Aber die Zeitungen behaupten doch . . . ich erinnere mich ganz deutlich: entweder die Exellenz oder ber Bankdirektor Ein drittes gab es nicht." „Man soll den Zeitungen nicht glauben," dozierte der Bankdirektor, „zuweilen spielen sie die Rolle der Zauberer früherer Zeiten: den Leuten etwas vorzugaukeln. Ich bilde mir ein . . . “ „Was denn?" Herr Fellips bereute es, sich soweit eingelassen zu haben. ..Das ist gleichgültig Reden wir von gemütlicheren Dingen." Fräulein Lisa schüttelte unzufrieden dcn Kopf. „Meinetwegen, leben wir also von Ihnen." Fellips rückte seinen Stuhl näher an den des Mädchens. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag ein Kompromiße wenn Sie es so nennen wollen. Reden wir — von uns beiden." Das Mädchen schnitt ein Gesicht. „Ist es zu früh?" fragte Herr Fellips leise. Fräulein Lisa brauchte nicht zu antworten Denn nach einem diskreten Klopfen wurde die Tür von Herrn Mumm geöffnet, ber mit Andersen im Kielwasser den Wunsch äußerte, den Tisch abzudecken. Herr Fellips nickte resigniert und bestellte Kaffee mit Likören verschiedener Art und Farbe. „Zigarren und Zigaretten?" fragte Herr Mumm. , ^gte. er kurz, .,Rauchzeug habe ich selbst. Hierbei wandte er fein Profil dem Mädchen zu, das ihm gegenüber auf dem Sofa sah. (Fortsetzung folgt.) 5ortW SeilE 2®o%k2to< London, Mmberlcnns e fition flam I Jener Ansicht üb Jer deutsche Bors Er erklärte, Sanken unb Ziele 2loi)b ®eOry, \(\x sü, übnr'm. Den S Ober Arc fcn®er S'«iÄ8e 1 Dett.!/'chen (Zr 2,d°ch wissen gestattet werden l»nb dabei ein 1 S5' was es z ™ -Md Flöt Englifrj Than London ' ^richtete SP ÄS läge ZMbQ yr das Wort. Er schloß si wünschung mutigen Schrille Noten an Fran nur eine haltun e5 bie Mkerbu wägung schließe Macdonald M separater p chlagen scheine, einen Krieg Ml Westgrenze sei e an einem eure werde. Er glaube Ursache eines n werde. Angenoir Streit mit Wer Hinblick aus sein land um ein D u nach Polen, mem daß es die Erl eine feindselige i Deutschland gezu zu widersetzen gegenüberzulrete ein Garantien und weil Rußlau in einen europäi brirannien würdi nach dem Gense: tung gestanden gesehenen Versal An die Aw die Rede Li