Dienstag, 24. November 1925 175. Jahrgang Nr. 275 Erstes Biati tu General-Anzeiger für Oberheffen vruü und Verlag: vrühl'sche Universitütt-Vuch- und Sieinüruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstrahe 7. Fernsprechanschlüsse: Sd)rittleitung 112, Der» lag und ©ejdjäftsfteUe 51. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Sichen, pohscheakonto: KranlfurtamMain 11686. Unna.jine uou -’lnjelgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen ncn 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20°mehr Chefredakteur. Dr. Friedr. Wich. Gange Verantwortlich: ür Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Gange; ür den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. M Eichener Anzeiger tnCfvfa« ftnfitrtr ™ Des Kanzlers Locarnorede im Reichstag. Der Reichstag hat, um gegen alle möglichen Ueberräschunaen der Opposition gesichert zu em, eine ganze Woche für die parlamentarische Erledigung der Locarno-Verträge angesetzt. Diesmal soll das ganze Programm 'sich ordnungsmäßig abrollen, damit audi die Negierung einigermaßen dispome- ren kann. Der N e i ch s k a n z l e r aber hat sich vorbehalten, durd) eine offizielle Rede vor der Volksvertretung diesen letzten Akt zu eröffnen. Ob das klug roar, darüber kann man zweifelhaft sein, er will aber offenbar betonen, daß er selbst als Reichskanzler die Politik bestimmt. Sonst hätte er sicher kluger getan, den Außenminister, der in den Dingen doch viel tiefer fleckt, sprechen zu lassen,_ zumal da Dr. Luther offensichtlich mit seinen Kräften am Ende ist. Die Rede, die er zur Verlesung bringt, vermeidet alles, was den Rahmen eines reinen Rechenschaftsberichtes überschreitet. Auf dem Gebiete des Vertrages selbst vermag der Kanzler so gut rote nichts Neues zu sagen. Aber ein großer Teil von dem, was er sagt, ist in seiner Wirkung nicht lediglich auf die Opposition berechnet, sondern auch für die Kabinette der D e r t r a g 0 g e g n c r, um noch einmal eine authentische Interpretation zu geben; nicht lediglich für die Absichten, die Deutschland beim Abschluß des Vertrages hat, sondern auch für die Grenzen der Verpflichtungen und der Rechte, die wir aus dem Vertragswert heraus- lefen. Was Herr Dr. Luther an Neuem sagt, laßt sich in wenig Zeilen zusammenfassen. (St kündigt an, daß er beim (Eintritt in den Völkerbund den Widerruf der Kriegsschuldlüge noch einmal notifizieren will. Er deutet an, daß er ähnliches für die Auslegung des Artikels 1 6 plant, so daß sich dann keinerlei Din düngen mehr für Deutschland daraus ergeben können. Gr prägt das gute Wort, daß an die Stelle der Gewalt jetzt das Recht treten muh und läht auch keinen Zweifel darüber, daß niemand von uns über den Vertrag sonderlich zufrieden ist; daß vielmehr ganz Deutschland die Vcumung der zweiten und dritten Zone in absehbarer Zeit erwarte, weil für fremde Truppen auf deutschem Do- den kein Raum mehr fein kann, wenn der Geist von Locarno sich wirklich durchsetzt. Auch Herr Dr. Luther hat c3 vermieden, das inn erpolitische Thema anzuschneiden. Rur in den ersten Sähen streifte er kurz den Rücktritt der drei deutschnationalen Minister. Er bemerkt dazu, daß es an sich das Gegebene gewesen wäre, wenn daraus auch das Rumpf- fabinett die Konzessionen zog, daß es daS aber nicht getan hat, um d'.e Verhandlungen über Locarno nicht zu stören, und daß eS sich bei dieser Haltung in Liebereinstimmung mit dem Reichspräsidenten befunden habe. Dieser Satz ist zweifellos nicht zufällig hierhergestellt, er enthält eine nicht mihzuverstehende Warnung an die deutschnaf.onale Opposition, die sich bisher dem Reichspräsibenten gegenüber einer anerkennenswerten Zurückhaltung befleshigt hat, deren rechter Flügel aber doch bereits anfängt, gegen die Persönlichkeit Hindenburgs Sturm zu laufen. Man weih jetzt, wo der Reichspräsident steht. . Er mag feine Bedenken gehabt haben, aber er bedf die Politik des Kabinetts Luther- Stresemai.n und wird mit ihr bis zu Ende gehen. DaS hätten die Deutschnationalen vorher wissen können. Jedenfalls werden sie diese Warnung nicht überhören und wenigstens jetzt alles vermeiden, was sie hier in einen Konflikt hinern- treiben könnte, bei den: sie am kürzeren Arm deS Hebels sitzen. Sitzungsbericht. ' Berlin, 23. Nov. Bei stark besetztem Saale und überfüllten Tribünen begann heute die erste Beratung des Gesetzentwurfes über die Verträge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Der Sitzungsbeginn verzögerte sich bis 11.30 Uhr. Reichskanzler Dr. Luther und die Reichsminister Dr. Stresemann, Dr. Geßler, Dr. Brauns, Gras Kanitz und Kröhne nel r . ihre Plätze ein. Präsident Löbe eröffnete die Sitzung mit der offiziellen Mitteilung von dem Rücktritt des Reichsjustizministers Frenkel. Als dann dem Reichskanzler Dr. Luther das Wort erteilt wird, ruft ein Kommunist: „Der Vertreter des ame- rikanifchen Großkapitals!" Ohne weitere Störungen kann der ff Reichskanzler Dr. Luther feine Rede beginnen. Er weist zunächst darauf hin, daß er sich durch das Abschiedsgesuch der deutschnationalen Minister vor die Frage gestellt gesehen habe, ob er ebenfalls sein Rücktrittsacsuch einreichen sollte. Eine Bejahung dieser Frage, |o fährt der Kanzler fort, würde eine wesentliche Beeinträchtigung der wichtigen Verhandlungen über die Räumung der Kölner Zone und die Rückwirkungen von Locarno bedeutet haben. Das Kabinett wird nad) Erledigung der Verträge von Locarno zurücktreten, um eine Neubildung zu ermöglichen. Auch die Ausführung des Vertrags von Locarno muß durd) ein Kabinett erfolgen, dessen Zusammensetzung die positive Einstellung zum Vertragswerte gewährleistet. Der Kanzler gibt dann eine Darstellung des Werkes von Locarno und wendet sich zunächst den Rückwirkungen zu. Diese Rückwirkungen stellten im Verhältnis zum Vertragswert selbst in keiner Weise Gegenleistungen oder gar ein Hcmdelsobjekt dar. Die rheinische Bevölkerung habe es von sich aus in echt vaterländischem Geiste mit Nachdruck abgelehnt, daß irgenbroelche Vorteile für fie mit politischen Gesamtnachteilen erkauft werden. Der Sinn dieses Vertragswerkes könne kein anderer fein, als neue und bessere Grundlagen für die friedliche Weiterentwicklung aller Länder Europas zu schaffen. Diese Entwicklungsrichtung müsse fick; auch bei allen Deutschland auferlegten Beschränkungen auswirken, die mit einem wahren Friedenszuftand unvereinbar sind. Gerade in dieser Stunde, so erklärte der Kanzler weiter, roo die deutsche Reichsregierung sich mit fester Entschlossenheit zu dem großen Vertragswert von Locarno bekennt, muß ausgesprochen werden, daß auch vom Standpunkte unserer Bertragsgegner durch den Abschluß des Friedenswerkes die Besetzung deutschen Landes ihre innere Begründung verliert. Durch den Vertrag von Locarno ist insbesondere die von Frankreich stets geforderte Regelung der Sicherheilsfrage erfolgt. Angesichts dessen suhlt das deutsche Volk in doppelter Schwere, daß die bloße Tatsache der Besetzung als fortgesetzte Bedrückung und als Ausdruck des Mißtrauens empfunden werden muß. Das deutsche Volk rechne! darauf, daß gerade auch das französische Volk in der jetzt beginnenden Entwicklung dieser selbstverständlichen deutschen Einstellung Rechnung trägt. Der Kanzler weist daraufhin, daß das beutfdje Volk durch die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre mit einem solchen Argwohn gegen vertragsmäßige Vorgänge und grundsätzliche Verheißungen erfüllt fei, daß es weit eher geneigt fei zu glauben und zu vertrauen, wenn es Tatsachen sehe, deshalb das dringende Verlangen, alsbald eine Wirklichkeit von Rückwirkungen zu erleben. Unabhängig von der Frage der Rückwirkungen fei und bleibe für das deutsche Volk die Räumung der Kölner Zone. Das deutsche Volk habe nie begreifen können, daß man wegen eines an der Gesamtabrüstung gemeßen unerheblichen Restes der Mrüstung ein volles Drittel der Besetzung aufrechterhalten habe. Die Räumungstermine feien nunmehr festgesetzt, im übrigen verweise er auf das in der Entwaffnungsfrage vorliegende Weißbuch. Der Kanzler würdigte dann, was ratsächlich inzwischen an Rückwirkungen in Erscheinung getreten ist und betonte, daß hier nur eine durchaus nüchterne Betrachtung der Dinge am Platze fein könne. Der praktische Weg unseres Volkes nad) oben werde nur stufenweise vor sich gehen. Ein Rückblick auf das, was in den letzten Jahren geschehen sei, könne uns freilich mit dem stärkenden Bewußtsein erfüllen, daß dieser Weg trotz aller Not in seiner Hauptrichtung nach oben führe. Selbstverständlich sei auch bei den bisher vorliegenden Rückwirkungen noch eine nie ermüdende Ergänzungsarbeit zu leisten. Man müsse aber offen aussprechen, daß die bereits getroffenen Maßnahmen in ihrer Gesamtheit wesentliche Erleichterungen im besetzten.Gebiete bedeuten. Bei allen diesen Fragen werde der deutsche Rheinland-Kommissar eine besonders große und verantwortiingsvoUe Arbeit zu leisten haben. Der Kanzler gibt der bestimmten Hoffnung Ausdruck, daß aud) die Organisationen der Besatzungsmächte mit; helfen werden, das Los der rheinischen Bevölkerung und des gesamten deutschen Volkes nad) Möglichkeit 3U erleichtern. Die deutsche Regierung erblicke somit in dem Geschehenen und in Ausführung Begriffenen einen Beweis dafür, daß die Rückwirkungen sich vollziehen. Der Reichskanzler wendet sich bann der Frage des Citttritts Deutschlands in bett Völkerbund zu. Mit dieser Frage, so erklärte er, verbinden sich sehr ernste Sorgen, die sich auf die Oefamteinfteb lung Deutschlands in der internationalen Politik beziehen. Aber auch gefühlsmäßig bewege die Frage des Völkerbundes das deutsche Volk besonders. Hier laufen zwei Strömungen im deutschen Volke gegeneinander. Die eine sieht gerade in dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund eine neue Lebensgrundlage für das Staatenleben Europas und damit aud) einen festen Ausgangspunkt für die Wiedergewinnung der Deutschland gebührenden Stellung. Die andere Strömung ist davon beherrscht, daß der Völkerbund nach seiner Gründung zunäd)st nichts anderes zu fein schien, als ein Instrument zur Fortsetzung der gegen Deutschland gerichteten Politik von Versailles. Nun handelt es sich aber nichtckiur darum, in diesem Widerstreit der Meinungen die deutschen Interessen festzrchalten, sondern es bandelt sich um die Frage, ob sich Deutschland in seiner weltpolitischen Lage durch den Eintritt in den Völkerbund verändert. Dabei steht im Kernpunkt die Frage, ob durd) den Eintritt eine West Orientierung im Sinne einer Abwendung vom Osten sich vollziehen wurde. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich eine solche Option zwischen West und Ost bei Deutschlands geographischer Lage einfach für unmöglich halte. Nach dieser Richtung bin sind die Erklärungen des briti- ichcn Außenministers, daß dem Völkerbund und der Politik der Völkerbundstaaten jede aggressive Politik gegen Rußland fern läge, bedeutungsvoll. Daneben muß aber auch Deutschland von sich aus das Seine tun, um sich den Schutz gegen jede politische Gefahr zu fir'^rn, der unerläßlich ist. Hier stehen wir vor der großen Frage des Artikels 16 der Völkerbundssatzungen. So viele (Erörterungen bis jetzt auch über den Artikel 16 innerhalb und außerhalb des Völkerbundes stattgefunden haben, so unterliegt es doch nach den Satzungen und einer Entschließung der Vollversammlung keinem Zweifel, daß gegen den Willen feines Landes, also auch nicht gegen den Willen Deutschlands, jemals für das betreffende Land eine bindende Entscheidung darüber getroffen werden kann, ob im gegebenen Falle die Voraussetzungen für die Anwendung des Artikels 16 und gegen welchen Staat als Friedensbrecher nicht oor- liegen. Die Möglichkeit, daß wir uns in der einen oder anderen Form an einem Exekutionsoerfahren gegen einen Staat beteiligen müßten, den wir selbst gar nicht als Frleoensbrecher, d. h. als Angreifer anfehen, ist also von vornherein aus- geschaltet. Selbst wenn die Angriffslage zu Ungunften des einen oder anderen Staates bejaht wird, so ist keine Instanz gegeben, die etwa gegen unsere eigene Auffassung mit bindender Wirkung für uns darüber zu entscheiden hätte, welche konkreten Einzelmaßnahmen zu treffen wären. Es entscheidet aud) auf keinen Fall das Red)t eines anderen Bundesmittzliedes, uns in irgend einer Form gegen unseren Willen zu einer Exekutions- maßnahme, z. B. zum Durchmarschrecht, zu zwingen. Diese Auffassung findet einen sehr deutlichen Ausdruck in der betonten Bemerkung über das Genfer Protokoll, in der es u. a. heißt: „Jeder Staat entscheidet über die Art, wie er seinen Verpflichtungen nachkommen wird, nicht aber darüber, ob diese Verpflichtung besteht, d. h. jeder Staat behält die Entscheidung über das, was er tun wird, nicht aber was er tun soll." Dieser hier angeführte Satz bestätigt die Richtigkeit der soeben geschilderten juristischen Auffassung, auf der anderen Seite betont er den selbstverständlichen Grundsatz, daß dieses freie Ermessen der Einzelstaaten mit dem allgemeinen Grundsatz der loyalen Erfüllung der Bunoespflich- ten in Einklang stehen muß. Es ist weiter selbstverständlich, daß Deutschland dem Völkerbünde nur in aufrichtiger Bundesgesinnung und ohne jeden versteckten Vorbehalt beitreten kann. Es kann aber anderseits nicht außer Betracht gelassen werden, daß die praktische Betätigung feiner Bundesgesinnung gerade bei einer etwaigen Anwendung des Artikels 16 in vielen Fällen besonders schwere Bedenken auslösen muß, zumal die Gefahr bei der völligen Entwaffnung Deutschlands und bei seiner zentralen Lage noch außerordentlich verstärkt werden wird. Aus diesem Grunde kam es darauf an, noch vor dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sicherzustellen, daß Deutschland nicht im Verfolg der durch seine besondere Lage gegebenen Anstände dem Vor- wurf illoyaler Gesinnung und damit der Gefahr moralifdjer Isolierung ausgesetzt ist. Dieses Ziel wird durch die in Locarno vereinbarten Erklärungen zum 'Artikel 16 erreicht, denn diese Erklärungen stellen fest, daß Deutschland zur Beteiligung nur insoweit verpflichtet ist, als das mit feiner militärischen und geographischen Lage verträglich ist. Diese Erklärung bezieht fid) auf die Verpflichtungen Deutschlands sowohl betreffs der wirtschaftlichen wie aud) militärischen Hilfsmaßnahmen, wie auch auf das Bundesdurchmarschrecht. Die Erklärung erkennt somit ausdrücklich an, daß Deutschland berechtigt ist, bei einer pflichtmäßigen Prüfung der Frage, ob und inwieweit es fid) an den notwendigen Exekutivmaßnahmen beteiliaen will, die geographische und militärische Lage in Betracht zu ziehen. Das ist an sich für Deutschland kein Ausnahmerecht, sondern nur die Anwendung der Grundsätze, die von den Organen des Völkerbundes allgemein für d'.e Durchführung des Art. 16 anerkannt worden sind. Daß aber diese ©rfäTung Deutschland gegenüber besonders abgegeben worden ist, trägt der besonde'en Tragweite Rechnung, die sich für Deutschland aus seiner geographischen und mili.'arischry Lage ergibt. Bei diesem ganzen von mir dacgelegten Sachverhalt stehe ich nicht an, zu ertlären, daß nach der jetzt gellärten Auslegung des Art. 16 sich auS ihm keine Gefahren für Deutschland ergeben. Wenn somit durch d e V'rhandftmgen in Locarno für Deutschland hinsichtlich Art. 16 die Grundlagen geschaffen worden sind, um in den Völkerbund eintreten zu können, so waren doch auch in der Dez'ehung zum Völkerbund selbst, und zwar nach Auffassung der Reichs reg'.erung vor Eintritt eine Reihe weiterer Fragen zu klaren und Zweifel airszuräumen. Ich erwähne nach dieser Richtung, bah das im Hohen Hause häufiger besprochene deutsche Völkerbunds- Memorandum vom September 1924 nach seinem ganzen Inhalt aufrechterhalten worden ist. Aus dem Schriftwechsel, der sich an dieses Dölkerbundsmemorandum angeschlossen hat und aus Erklärungen in Locarno ergibt sich, dah Deutschland eines Sitzes im Völkerbundsrat und einer entsprechenden Vertretung in der Völkerbundsverwaltung sicher ist. Wegen der Kolonialfrage ist das Recht Deutschlands auf Kolonialmandate ausdrücklich anerkannt worden. Wir erwarten, dah diesem seinen Anspruch auch praktisch Rechnung getragen w'rd. Was endlich die Frage einer Anerkennung moralischer Belastungen, insbesondere d e KricNsschrildfragc betrifft, so hat die deutsche Regierung vor Beginn der Verhandlungen in Locarno gegenüber den Verhandlungsgegnern ihre Auffassung in der Kriegsschuldfrage, insbesondere auch wie fie durch die Erklärung der Regierung Marr vom 16. August 1924 fest gelegt worden ist, förmlich zur Kenntnis gebracht und hat ihr Festhalten an ihrer Auffassung auch bei den Verhandlungen in Locarno ausgesprochen. Dieser Standpunkt der deutschen Regierung wird auch bei unserem Eintritt in den Völkerbund fest- gehalten werden. Sind somit die Voraussetzungen erfüllt, unter denen Deutschland feine grundsätzliche Geneigtheit zum Eintritt in den Völkerbund durch die Rote vom September 1924 zu erkennen gegeben hat, so ist der tatsächliche Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nur ein Voranschreiten auf der bisher g?geben:n und übrigens auch in der von mir abgegebenen Regierungserklärung vom 19. Äanuar ds. 3S. fest gehaltenen Linie. Gleichwohl möchte ich nicht unausgesprochen lassen, daß nach meiner Lieberzeugung die inneren Gründe für den Ein- trittSbeschluh in der Zwischenzeit an Gewicht zu genommen haben, denn ich vermag das Verhandlungsergebnis von Locarno, auf bas ich deS näheren noch zu kommen habe, nicht anders zu verstehen, als dah es einen wirklichen Fortschritt im Sinne der Stärkung der Fric- denSkräfte in Europa darstellt. Run unterliegt es gar keinem Zweifel, daß Deutschland fein? große innere Kraft überhaupt nur auf den Dah nen des Friedens zu entwickeln vermag. Deutschland wird also in dem Zustande, in dem es sich nach dem unglücklichen Ausgang? des Weltkrieges befindet/ fein natürliches Gc wicht im Völkerbund für alle fragen, die den deutschen Staat und die das deutsche Volk innerhalb und außerhalb der Staatsgrenzen bewegen, je mehr zur Geltung bringen können, je stärker die Kräfte des Friedens, in deren Anwendung Deutschland ein Gleicher unter Gleichen ist, zur Auswirkung kommen. Es ist für mich ein unverständlicher Kleinmut, anzunehmen, daß Deutschland, wenn es jetzt Mitglied beS Völker bunteS und des Völkerbundsrates ist, dadurd) nicht die Möglichkeit gewinnt, deutsche Inter essen kräftiger zu fördern. Das Maß dieser Mög lichketten wird nicht zuletzt von Deutschlands entschlossener Weiterarbei! auf der in Locarno beschrittenen Dahn abhängen. Zu den in Socarno mit allem Rachdruck gestellten Fragen gehört die allgemeine Abrüstung. EH ist ganz selbstverständlich, daß Deutschlands Friedenskraft erst dann voll und gan-, zur Geltung kommen kann, wenn aud) auf dem Abrüstungsgebiet die Llngleichhett beseitigt ist. Eine wirkliche Gleichheit der Lage zwischen entwaffneten und wafscnstarrenden Mächten ist nicht denkbar. Die bestehende ungeheuerliche älngleich- heit des Rüstungszustandes schließt sogar die unmittelbare Gefahr ein, daß immer wieder die Waffen kraft der betoaffneten Mächte zum Vorstoß in den an Waffen leeren Raum der abgerüsteten Staaten drängt. Gerade darum muß Deutschland alles daran fetzen, den Gedanken der allgemeinen Abrüstung, wie er im Versailler Vertrag feffgelcgt ist, jederzeit wachzuhalten und v 0 r w ä r t s z u t r e i b e n. Eine Wirksamkeit Deutschlands in der Richtung der Abrüstung ist praktisch nur im Völkerbund denkbar. Man braucht' die Aussichten in dieser Richtung nicht zu überschätzen, aber es darf auch nicht vergessen werden,. daß der Gedanke der allgemeinen Abrüstung zur Zeit nicht mehr ein bloßes Ideal oder eine bloße Utopie ist. Der Gedanke bildet vielmehr einen durchaus praktische Bestandteil der Politik der Kabinette, einen Bestandteil, der umso bedeutender ist, als er von sehr realen Interessen getragen wird. Die Reichsregierüng erblickt somit im Eintritt in den Völkerbund in keiner Weise eine Schwächung der deutschen politischen Lage, sondern umgekehrt die Octoinnung einer neuen Plattform, auf der es möglich sein wird, in angestrengter mühsamer Arbeit die Interessen des Deutschen Reiches und des deutschen Volles zu fördern. Die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund bekommt jedoch ihre ganz bestimmte Rote erst durch die Verbindung mit dem Sicherheitspakt und den Schiedsverträgen. Denn der S cherheitspakt und die Schicds- verträge stellen einen erheblichen Schritt zur Weckung und Stärkung gerade jener Kräfte des Friedens dar, die Deutschlands Stellung innerhalb und außerhalb des Völkerbundes zu festigen geeignet sind. Bevor ich nun den Hauptinhalt des Vertrages von Gocarno selbst schildere, muh ich in einem kurzen Wort auf die bisher vielfach geübte Art der Kritik eingehen. Das Kernsttick des Vertragswerkes bildet der W e st p a k t zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, England und Italien. Er ist bestimmt, unsere Grenzen im Westen zu befrieden. Dies bedeutet auf deutscher Sette den Schutz der Rheinlande. Die Rechte und Pflichten aus dem Versailler Vertrag bleiben unverändert. Was aber durch den Westpakt geändert wird, das ist die Handhabung der an sich unberührt bleibenden Vertragsrechte, die durch die -Unter» wersung dieser Rechte unter das obligatorische Schiedsverfahren auf eine neu' Grundlage gestellt wird. Damit wird der Politik der Dittatur und UÜimaten. die sich auf einseitige von Deutschland praktisch nicht zu verhindernde Dertragsaurlegung stufte, der Deden entzogen. Denn alle MeinungZoerschie''.enheiten über die Auslegung des Versailler Vortrages und das Rheinlandabkommen sind künftig ebenso wie andere 2 verhaft« Der fai in *« * renalun 8« de feststen.' Weben ne zu der jo<9 bei $er k von 2d ert Seutiih 15 lobe? nbeamte - ter Staat«- t. außerdem da sich bat i völlig un gen bet io öurüdflf: 5 ® q s b c - erachsen 'atsanwalle n: Das Ln- Gü:ernach!- Mäßig um von Drllir der Hoch s passirrta und Wim?. 'M Statt? 11 Sctflr- Itänbigle bi ite, die OHcl incHjug nad, ie Zwischen cm Wöhrens letenbe Tor !ef, er habe is zur Zwi- Hinwna er- kbzrljßluncj ly der um» LMion in tung hatte, beretts ab« : Zugreihcn» i Mens tS zu spät, en Süterzvg iu8 Richtung stellen. D« holt gestellte it voller iug in der er des Horb» Leben. Das r zu sehen ltjonsSeamten Aiegg von des Güter» y der Unter» Mona an» g habe aus» ^vorlrhrun» tet wird der j Bellinzona aet Deichen» leigcführt 8U eit l«:1* -I" »er *N> JJ Ltversamw KS w g t 2und rach g{J£ ®r. 3n d^r. Ar. timget; unt) nSS*u’n Ks $e> sl^.^nbetc nen Sol0' öch" Sseut' ircnfnj* njwindel großen Stils in Szene gesetzt. Er stellte einen Saft her, dem er eine d'.e Epilepsie heilende Wirkung zuschrieb, gründete mit einigen Angeklagten, denen gegenüber er sich den Doktortitel zulegte, großspurig die „ Leopoldwerke", in denen Dos ..Mediphacnin" benannte Heilmittel her- gestellt wurde und verkaufte es dann an diejenigen, die nicht alle werden. 3n Prospekten unb Inseraten wurde das Präparat als patentiertes Heilmittel angepriesen. Das Amtsgericht verurteilte Leopold zu fünf Monaten Gefängnis: vier Mitanqellagte erhielten wegen vor» lbotenen Heilmittelhandels Geldstrafen von 50 bzw. 100 Ml Schweres Linsturzunglück. In Sersaze bei Catanzora (Italien) ist während der Nacht ein Gebäude zusammengestürzt. 70 Personen wurden unter den Trümmern bc- graben. Man hat bisher 10 Leichen und eine Menge von Schwerverletzten geborgen. Brand in einem Krankenhaus. In dem Tuberkulosenheim bei Genua, das 300 Kranke, darunter 250 Kinder, beherbergt, brach heute Feuer aus, dos rasch um sich griff. 40 Kinder, die in der chirurgischen Abteilung waren, konnten nur mit Mühe gerettet werden. Als das Dach und der Mittelbau einftürzten, waren alle Patienten bereits in Sicherheit. Schwere Munitionsexplosion in Persien. Nach Berichten aus Persien ereignete sich in Ahwaz eine Pulver- und Munitionsexplosion, roo- bc-i 70 persische Soldaten getötet mürben. Die Munition war während der Unruhen des letzten Sommers konfisziert worden und wurde g c- schrotet, als die Explosion erfolgte. Die direkte Ursache ist noch unbekannt. Aus der provinzialhouptstadt. Gießen, den 24. Aovember 1925. Neue Bestimmungen für das Kaftsahrwesen. Der Reichsrat hat einer Vorlage des Reichs- verkehrsministers zugestimmt, die den Polizeibehörden eine bessere Handhabe gibt, den B e l ä st i g u n - gen der Allgemeinheit durch Auspuffgase, Auspuffgeräusche'und Warnungszeichen der K r a f t- fahrzeuge entgegenzuwirken und den Verkehr mit Kleinkrafträdern schär- ferzu überwachen. 11. q. werden die Kraftfahr- zeugsührer dafür verantworllich gemacht, daß eine Belästigung von Personen durch Rauch oder üblen Geruch in keinem Falle eintritt.Die Anbringung von Auspuffklappen wird verboten. Vorhandene Aus« puffktappen muffen beseitigt werden. Klangfarbe und Klangstärke der Hupen müssen so beschaffen sein, daß im Gefahrbereich befindliche Personen gewarnt, im weiteren Umkreis befindliche Personen aber nickt belästigt werden. Die Benutzung der Hupe zur Abgabe von Rufzeichen wird verboten. Alle Kleinkrafträder müssen in Zukunft ein polizeiliches Kennzeichen haben. Daneben enthält die Vorlage eine Reihe von Vorschriften, die den Kraftfahrzeugverkehr erleichtern sollen. Dreiachsige Kraftwagen werden bis zu einem Gesamtgewicht von 15 Tonnen zum Gemeingebrauch der Wege zugelassen, wenn sie Luftreifen haben und der Achsdruck bei keiner Achse 5 Tonnen übersteigt. Zwecks Schonung der Straßen wird für Vollgummireifen allgemein eine Mindest» ftärke vorgeschrieben. Für die Verwendung von Luftreifen und hochelastischen Vollgummireifen, die die Straßen weniger angreifen als Vollgummireifen, wird durch Zulassung einer höheren Fahrgeschwindigkeit für mit solchen Reifen ausgerüstete Fahr- zeuge ein Anreiz geboten. Die Vorschriften über Grenzen werden der neueren technischen Entwicklung angepaßt. Die Verwendung gelbroten Rücklichtes un Kraftfahrzeugen (Schlußlicht), gegen die im Hinblick aus die Gefahr der Verwechslung mit Eisenbahnsignalen bisher Bedenken bestanden, wird zu- gelasfen. Um die Einbürgerung von Zugmaschinen, namentlich in landwirtschaftlichen Betrieben, zu fördern, werden die Führer von Zugmaschinen bis zu einem Eigengewicht von 3,5 Tonnen und bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 15 Km. in der Stunde von dem Führerscheinzwang befreit Gictzenrr Wschenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt per Pfund: Butter 2 biS 2.30 Mk., Matte 40 Pf., Käse 75 Pf., Wirsing 10 bis 15 Pf., Weißkraut 8 bis 10 Pf.. Rotkraut 15 Pf., Gelberüben 15 Pf-, Roterüben 15 Pf., Spinat 40 Pf., Anker-Kohlrabi 8 Pf.. Grünkohl 20 b.s 25 'Pf.. Rosenkohl 40 bis 50 Pf., Feldsalat 1 Wk., Tomaten 1.20 Mk.. Zwiebeln 12 Pf.. Meerrettich 40 bis 80 Pf.. Schwarzwurzeln 50 Pf., Kartoffeln 3 bis 4 Pf., Aepfel 15 bis 18 Pf., Dirnen 30 Pf., junge Hahnen 1.20 Mk., Suppenhühner 1.20 Mk.. Gänse 1 bis 1.20 Mk., Müsse 60 bis 90 Pf., per Stück Eier 18 bis 19 Ps., Blumenkohl uO bu> iöO y,.. 15 Pf., Endivien 10 bis 20 Pf., Ober-Kohlrabi 10 Pf., Lauch 5 bis 10 Pf.. Rettich 20 bi- 25 Ps., Sellerie 20 bis 50 Pf. Bornotizen — TageSkalender für Dienstag. Sladttheater: 7>'< iUjr .Der fidele Dauer" (Ende 10 Hhr). — Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Prater". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei auch an dieser Stelle darauf aufmerlsam gemacht, daß die morgige Aufführung von Romain Rollands Schauspiel „Spiel von Tod und Liebe" die letzte des spannenden Werkes ist. — Oberhessischer Geschichtsverein. Man schreibt uns: Der auf dem Gebiete der hessischen Geschichte rühmlichst bekannte Direktor des Marburger Staats-Archivs, Geheimrat K ü ch, wird am nächsten Donnerstag im Hörsaal des Physikalischen Instituts über „Mittelalterliche Siegel als geschichtliche Quelle" sprechen. Wir weisen unsere Mitglieder und alle Freunde der Heimatgeschichte auf diesen vielversprechenden Vortrag bin, der durch die Vorführung von Lichtbildern besonders anschaulich zu werden verspricht. (Siehe gestrige Anzeige.^ — Die Vortrags-Vereinigung teilt im heutigen Anzeigenteil mit, daß der für morgen, Mittwoch, angesetzte Filmvortrag infolge nicht genügenden Zuspruches ausfallen muß. (S. Anzeige.) L. 11. Don der Landes--1.1 niversi- t ä t Gießen. Die Theologische Fakultät unfern Landes-Hniversität hat den Dr. jur h. c. Adolf Damaschke in Berlin, „den hochgesinnten und warmherzigen Menschen, dem ein tief in seiner Religion begründetes Derantwor- tungSgefühl die Augen für die Wohnungsnot und ihre die Seelen zerstörende Gewalt geöffnet hat den genialen Forscher und Führer, der den Gedanken der Bodenreform in ernster wissenschaftlicher Arbeit ergriffen und begründet und in restlos tätiger Tapferkeit verkündet und verfochten hat", ehrenhalber zum Doktor der Theologie promoviert. Die Elektrizität im Haushalt. Diese Ausstellung, die bekanntlich vom städtischen Elektrizitätswerk die ganze vorige Woche hindurch im früheren Hotel Einhorn gezeigt wurde, hat beim Publikum außerordentlich starkes 3n- esse gefunden. Don Tag zu Tag steigerte sich der Andrang der Schaulustigen, und zeitweise herrschte in dem großen Ausstellungssaal ein Gewoge von Menfchen, das geradezu beängstigende Formen annahm. Die Gesamtzahl der Besucher wird von der Ausstellungsleitung auf rund 20 000 geschäht ** Eine Lautsprecher sch au, die am Samstagabend und Sonntagoonnittag vom hiesigen Radioklub im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts veranstaltet wurde, sand bei den Radiointeressenten lebhaftes Interesse. Der Vorsitzende des Ra- dioklubs, Dr. Müller, leitete die Veranstaltungen mit einem kurzen instruktiven Vortrag ein, an den sich praktische Lautsprechervorführungen anschlosien, bei denen das Publikum selbst eine Bewertung der verschiedenen Lautsprecher vorzunehmen hatte. Diese „Stunden der Arbeit", wie Dr. Müller die kritische Schau nannte, wurden allenthalben mit eifrigem Interesse für die Sache erfüllt. Das durch die Bewertung gewonnene Material wird zur wissenschaftlichen und technischen Weiterentwicklung der Laut- sprecherindustrie Verwendung finden. Turnen, Sport und Spiel. Dom Turngau Hessen (D. T.) (II. Bezirk.) — o — Zur ersten Bezirksvorturnerstunde im Turnjahr 1925'26 traten die Turn- marie bzw. Dorturner der Vereine des II. Bezirks (Gießen—Wehmr—Lich) am Sonntagnach- mittag zu Gießen in der Turnhalle des Turnvereins 1346 zusammen. Unter der Leitung des ersten Dezirlsturnwarts Paul Schüler (Wetzlar) wurden als Grundübungen durch- gearbeitet: Am Reck Kippen, die Felge und das Aufstemmen, am Barren das Kreisen im Barren und das Aufstemmen, am Pferd das Spreizen und die Kehre, von den volkstümlichen Hebungen Weithochsprung und Hangeln. Durch diese Hebungen, die bei weiteren Zusammenkünften im Laufe des WinterS fortgebildet und ergänzt werden, wird die breite Grundlage geschaffen, auf der sich dann die besonderen Wettkampfleistungen aufbauen werden. Festgelegt für die kommeirden Gauveranstaltungen sind dagegen die Freiübungsgruppen, die eingehend behandelt wurden und von jedem einzelnen Turner daheim um so mehr geübt werden müssen, als die Pslichtfreiübung erst im letzten Augenblick beim Antreten zum entscheidenden Wettkampf durchs Los bestimmt wird. Dadurch aber ist weiter die Gewähr gegeben, daß die drei Freiübungsgruppen durch saube're Ausführung ihre Wirkung als Massenvorführung bei den Turnfesten nicht verfehlen. Zu der sich anschließenden Sitzung führte die Bezirksoorturnerschaft zunächst die Wahlen durch, die von dem Gauoberturnwart Wilh. Will (Gießen) Geleitet wurden und für die nächsten zwei Jahre gelten. Zum ersten Be- flirfdturntoatt wurde der langjährige, bewährte Leiter Paul Schüler (Wetzlar) unter allgemeinem Beifall wiedergewählt, ebenso als zweiter BezirkSturnwart Karl Erb (Gießen), Der als Obcrturntnart des Turnvereins 1846 und besonders als erster Vorsitzender des Turn- auSschusses beim 32. Mittelrheinischen Kreis- turnfest in Gießen auch weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Zum Dezirksspielwart wurde Georg Hoffmann (Mtv. Gießen), zu Be- zirksturnwarten für das Dollsturnen Wi lh. Weiß (Großen-Linden) und Kurt Walter (Tr eis a. d. Lda.) bestimmt. Ferner war man sich darin einig, daß in den Vereinen und beim Bezirk die Turnfprache mehr gefördert werden muß, damit der Turner auch sprachlich einwandfrei toicbergeben kann, was er durch seine Hebungen körperlich zur Darstellung bringt, insbesondere an den Geräten. Ebenso sollen die Kampfrichter immer besser in ihr schwieriges und verantwortungsvolles Amt eingeführt werden. Da der Gausrauenturnwan R ud o l f Paul (Gießen) die Leiter und Leiterinnen der Frauenabteilungen Mitte Dezember zu einer Hebungsstunde vereinigen wird, soll die nächste Bezirksvorturnerstunde anfangs 3anuar statt- finoen. jedenfalls in Verbindung mit einem De- zirksverttetertag. Zum Wintergerätewetturnen wird sich der Bezirk Ende Februar in Gießen zusammenfinden, während zum BezirkSturnfest im Juni bereits Meldungen von 'Laubach und DurgsolrnS ergangen sind. ^irtfcöari. * FarbwerkeMeister.LuciusLBrü- ning, Höchst a. M. In der ao. H. D. der Farbwerke Meister, Lucius & Brüning, Höchst a. M. mären 28 Aktionäre mit 541 297 Stammaktien und 60 000 Vorzugsaktien vertreten. Nach kurzen einleitenden Ausführungen von Geheimrat Dr. Häu- I e r über die Notwendiakeit, an Stelle der bisherigen Interessengemeinschaft der Farbenindustrie die Fusion zu setzen, wurde der Derwaltungsanttag, das auf 194,8 Mill. Rm. festgestellte gesamte bewegliche Vermögen unter Einbeziehung des Geschäftsgewinns seit 1. Januar 1925 auf die Badische Anilin- unb Sodafabrik zu übertragen, einstimmig angenommen. Bekanntlich werden die Höchster Aktien gegen Badische Anilin-Aktien eingetauscht. * Der Rhein-Elbe-Union-Konzern ohne Dividende. Wie der „D. H. D." erfährt, kommt bei dem Rhein-Elbe-Union-Konzern die Verteilung einer Dividende nicht in Frage. Es ist mit einem Verlust zu rechnen, da das ganze Geschäfts» jahr bei sämtlichen Hütten-Werken des Konzerns un» ter den Einwirkungen ungenügender Beschäftigung und schlechter Preise stand. Diese Situation hat sich seit Anfang Oktober noch weiter verschlechtert. Srantinrt a.M. Berlin Banknoten. Berlin, 23 Novbr (Selb Frankfurter Abenbborse. Frankfurt a. M., 21. Nov. Im Einklang Dorfen kucke. (Ohne ®erodbr.) 112,50 81,10 59 70 12.445 5.87 111,94 80,70 59.40 12.-85 5.83 Goldrente 11,62, 44proz. Ungarn von 1924 11,35, 5proz. Goldmerikaner 42,25, 5proz. Silbermexikaner 18,87, 5 pro;. abgestempelte Tehuantepec 16/ Montanaktien : Ilse Bergbau 75, Kali Aschersleben 93, Devisenmarkt Der!!«—Frankfurt a. M. Telegraph'! tat Auszahlung. «.182 18,93 101.04 20.285 16,27 148,32 17.00 85,14 58,96 Amerikanische «Roten . . . . . Belgische Noren . Dänische Note« ...... Englische Tloteit ....... Französische Noten ..... Holländische Noten...... italienische Noten...... Norwegische Noten Temsch'Oesterr., i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweiler Noten Evanische Noten Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Noten . . . . Briet 4.202 19,03 104.56 20,385 16,35 10.16 17,08 85 5 59,26 mit den gebesserten Nachbörsenkursen verlief auch der Abendoerlehr slimmungsmäßig leicht befestigt. Die Umsatztätigieit war jedoch äußerst gerina. Einiges Geschäft tarn in ungarischen und mexikanischen Wer- ten zustande. Von deutschen Anleihen waren 5proz. Reichsanleihe etwas erholt. Die Börse schloß ruhig in beho pteter Haltung. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihe 0,170. Ausländische Renten: Ungar. Datum: 5% Deutsche Reichkanlethe 4% Deutsche RcichSanlcihe ■ SV?/, Deutsche Reichsanleiüe 3°/, Deutsche ReichSonleihe ■ Deutsche Svarprämienanleihe 4°/e Preußische KonsotS . • • 4° o Hessen .... . . 31/?/. Hessen ... 3% Hessen........... Deutsche Wertb. DoUar-Snl. bt3- Doll.-Schav-Anweiing.'l 4'/, Bofitürfen........ 5% Goldmerikaner . . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz und Privat-Bank Tarmst. und Nmionalbank . Deutsche Bank Deutsch. BereinSbank DiSeonto «Lommandit Metallbank.......... Mitteldeutsche CreditbaUk. ■ Ocsietreichische Credilanstall Weltbank Bochumer Guß Buder.^S ..... Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Haroener Bergbau..... Ziaiiwerke Äsche'.6ieben.... Kaliwerk Westeregeln. .... yaurnbüttc ..... Oberbedars ......... Pdouis Bergbau ..... Rheinitahl . ...... Riedeck Montan..... TelluS Bergbau. ..... Hamburg-'.'imerita Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . Cheramtsche D rlr Albftl . . HeutenUjje.t Heidelberg . . Pbilipv Holimann Auglo-Cont -Guano .... Badische Anilin Cvemiiche Maver Slavin . . Goldschmidt .... GrieS eimer Eleetron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkoblung ....... RütgerSwerke ........ Schetdeanslalt ttllg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkraftwerke ....... Schucken . . Siemens & HalSkr «dlerwerke Äleyer ..... Daimler Motoren Henligenstaedt ....... eauin..... . . . Motorenwerke Manubetm . Frankfurter Armaturen Konservenfabrik Bra-n Nketallgesell chaft Franlfurl. Pek. Union A.-a;. . . . Schab'adrik Hcr;...... Sichel. . ,Bcafto‘- «aldboi...... .'lucler-abrik Frankenthal . . . ‘.nderfabri! öaabäufel . . . Schlu!;.! fu.re ScUnip. ab«n> ■örit ■SÜflSfiS Kutl I kW» 21. ll. 23 11. 21. 11. 23 1L 0.181 1 0.1675 ■' 18 0.165 - — 3.1325 0 19 0 19 0.145 019 1.1825 J.25 0,25 0.2X5 — 0.11 0.105 ) 1125 0.11 0.19 0 19 0.19 .18 6 17 — 0.16 0.215 — 0,2 0.19 0.17 — 0 2 0.165 90.75 90.25 91,54 91 75 »7,2 97.2 17.7 97,5 7 5 — 6,675 - 43 4 .» 25 — — 128.5' 128,4* 129,5* 128* 93‘ 92,5* 93 5* 93- 102.5' 102 5* 103* 102,2* — — - 103.2* 102,5* — — 100.2* 100' 100,5* 100,4* 6J,25 67,75 — —— — ” — 7 1.5 7,13 7,95 7 25 0,03 — —' — • 64,4* 1,9* 31 28.5 30.4 27 —— 3 .4* 31.5* -• -• 63.4* 60.v* 61.62* 68.5* 66* 95.5* Hl* 91 5* 91/: 97 93 97 »4* 1U6 in 105 25 99 33 31.6 84 31.5 — - • 38.5* 36.25* 58.75* 56.13* 58.25* 57.5* —— — • 17.,5* 46* (it 50 61 59 42,5 42 - — • 68,25* 67.25* 68.5* — 69* 71.5* 70 4* 51 50,5 38,5 38 41 36,62 — — — 112.3* 108 5* >12,5* 110,5* — _ 52 6 62,5 54 5 50.3 110 5* 107 7* 111* 108,7* 111.2* 109,6* 41,25 40 — • 46.5* 50,75* 48 63,2.5 67.75 87,23* 87* 88.5* 89 5* 1 — • 63,.’ 61* 64 62 — — 57.62* —r 57.75* 6 .5* 74 72* .1.25* 21.75 20.' 22.5 20.75 18 2.5 13 18.75 19,5 IG 11 — 25,6 25 28 25,5 — - 28 2b 15 13 - - — — 83.5 83 — 63 53 50 .50 20.75 20 5 — — 1.5 1,4 — 1.5 >5 8 73 25 75,25 74 45 45.6 — 41 39.75 39,75 41,25 41 21 Novbr- 23 Nov r. Amtliche Noki runa Amtliche Notierung t^eld Briet Geld Briet Amn-llion tu 169.12 if>8.?0 169.Ü vuen.-SireS 1.747 1,751 1.745 1. 40 Brff-'dtnlw 19 01 19,05 IS.98 I9.fr? 6f)riftiania. 85,6' 85.91 85,1.9 85.61 .ec-penhagm 104.54 104,84 104,' 104,58 Slockhotm . 112.28 112,46 112,26 112,. 4 HelsingiorS 10,85 10,59 10,55 10,59 Italien. . 16,76 16.81 17.00 17,04 London. . «.324 M.3 4 20,324 20,37 4 Vironort . . 4.195 4,20.' 4.19' 4,21? TariS. . . 16.41 '6.45 16.29 16.3 Schwei; . . 85 81.05 80.8:1 <1,03 Spanien - 59.73 59,87 51,66 59.82 Japan . . . 1.783 1.787 1,784 1,788 'Hie de Ian 1.604 '.6J6 9.604 0.60; Dien tn D-- £tft. abgrft 59.10 59,24 59,12 59,26 Prag .... 12.422 12.462 12.42 I3.4o Belgrad . . 7.435 7.465 7,435 7.4.55 Dudewest. . a.875 3,895 >,885 j.885 Bulgarien 3,04 3,05 1,05 ;.O6 li'ffabon 21 275 »1,325 11,275 0,325 Dansig. . . 89 57 80.77 80.59 >0./9 Konstantin. 2,"2 2,33 2.295 3.305 «ilien. . 3.61 5.66 5 59 5.61 Canada. . . 4 197 4,2 7 4.197 4.207 Uruguay . . 4,315 4,-25 4.315 4,325 Westeregeln 101. Chemische Aktien: Badische Anilin 110, Scheideanstalt 67,75, Holzverkohlung 40. Bankaktien: Commerzbank 93, Darmstädter Bank Ultimo 102,50, Deutsche Bank 102, Dresdner Dank 100, Mitteldeutsche Creditbank 88,50, Reichsbank 127, Kreditaktien 7,12. Jndustrieaktien: AEG. 88,62, Elektrisch Licht Und Kraft Ultimo 85, Eßlinger Maschinen 27,50, Holzmann 38, Löwenbräu 162, Badischer Zucker 39,75, Frankcnthalzucker 43,50, Stuttgartzucker 43, Monastir 9,12. — An der Nach- b ö r s e wurden die leichten Deckungskäufe fottgcsetzt. so daß die niedrigen Tageskurse Erhöhungen bis 1 Proz. erfuhren. Am Montanaktienmarkt wurden vereinzelt die schwachen Anfanasnotierungen wieder erreicht. Ufaaktien gingen bis 49—47i zurück. Schiff» fahrtsaktien erwiesen sich nach der anfänglichen Schwäche vor den anderen Werten als widerstandsfähig. Heimische Anleihen nachträglich erheblich gebessert. 2m einzelnen hörte man Harpener 91z, Gelsenkirchen 66, Rheinstahl 46t, Höchster Farben 109ü. Berliner Börse. Berlin, 23. Nov. Die neue Woche nimmt an der Börse einen außerordentlich deprimierenden Beginn. Die vorübergehend letzthin eingetretene Beruhigung ist wieder einem a l I» gemeinen Pessimismus gewichen, so daß man fast lediglich Briefkurse hörte. Diel besprochen wurde der Selbstmord eines hiesigen Maklers infolge finanzieller Schwierigkeiten, die aus den seit langen ungünstigen Börfenverhältnissen herrühren. Anlaß $ur Zurückhaltung gaben ferner die heute beginnenden parlamentarischen Kämpfe um den Locarno- Vertrag und neue verstimmende wirtschaftliche Nachrichten. So verlautet, daß sich der Richard- Kahn-Konzern unter Geschäftsaufsicht begeben wolle, nachdem sich die Sanierungsmaßnahmen als nicht ausreichend erwiesen hätten. Daneben wurde bc kannt, daß die Gesellschaften der Rhein-Elbe- Union nicht nur keine Dividende verteilen, sondern voraussichtlich noch mit Verlusten abschließen werden und die Geschäftslage bei diesen Unternehmungen sich im Oktober weiter verschlechtert hat. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes nimmt einen unverändert ungünstigen Verlauf. In wichtigen Industrien stehen neue Betriebseinschränkungen bevor. Konkurse und Geschäftsaufsichten mehren sich. Der Konkursantrag der Aga kam allerdings für die Börse weniger in Betracht, da bei diesem Unter nehmen besondere Verhältnisse oorliegen. Zu diesen Erscheinungen kommt noch das Ausbleiben der Publikumsaufträge hinzu, wodurch die Stimmung nachteilig beeinflußt wird. Viel beachtet würbe schließlich die Vermutung, daß die Neuyorker Bun des-Reservebank in dieser Woche, voraussichtlich am Mittwoch, eine Erhöhung ihrer Diskontrate vor nehmen wird, und der französische Fran'enkurc gegen Mittag scharf nach unten tendierte. Paris hörte man vormittags mit 122,5 bis 123,5 bei Börsenbeginn dagegen 125,5. Am Geldmarkt stellte sich tägliches Geld auf 7,5—9 Proz., Monatsgelb 10—11 Proz. Am Devisenmarkt war außer ber Frankenbewegung eine bemerkenswerte Festigkeit bes Lira kur ses zu bezeichnen. Die Reichsmark notierte in Paris 6,05, London 20,35, Amsterdam 59,20. Frankfurter Schlachtdiehmarkt. lStgener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 23. Rov. Auftrieb: 1313 Rinder (darunter 307 Ochsen, 49 Bullen, 957 Färsen und Kühe), 479 Kälber, 571 Schafe. 3254 Schweine. Rinder. Ochsen: Vollfleischigc ausgewachsene höchsten SchlachtwertS 54 bis 60, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 43 bis 53: Bullen: Vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlacht:rerts 48,54, vollfleischige jüngere 40 bis 47: Färsen und Kühe: Vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 52 bis 58, vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 2 ahren 45 bis 54, wenig gut entwickelte Färsen 41 bis 51, ältere ausgemäste'e Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 44, mäßig genährte Kühe u. Für,en 25 b. 34, gering gen. Kühe u. Färsen 15 b. 24, Kälber: Feinste Mastkälbcr 75 b. 80, mittl. Mast- und beste Saugkälber 65 bis 74, geringere Mast- und gute Saugkälber 55 bis 64, geringe Saugkälber 45 bis 54. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 52, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 24 bis 32. Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kg. 92 b s 95, unter 80 Kg. 84 bis 90, von 100 b's 120 Kg. 93 bis 96. von 120 bis 150 Kg. und Fettschweine über 150 Kg. 93 bis 95, unreine Sauen und geschnittene Eber 75 bis 85. Marktverlauf: Langsamer Handel, bei Schweinen nicht ganz ausverkaust. Frankfurter Getreidebürfe. ' (Eigener Drahtberich: des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a.M., 23. Nov. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer 24 25 bis 25,50; Naggen, inländischer 17,50 bis 17,75; Sommergerste für Brauzwecke 21,75 bis 24; Hafer, inländischer 18,50 bis 1875; Mais, gelb 19,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,50 bis 40; Noggenmehl 25,50 bis 26; Weizenkleie 10 bis 10,25; Roggenkleie 10,25 bis 10,50; Erbsen 30 bis 36: Linsen 40 bis 70; Heu, süddeutsches, gut unb trocken 10 bis 10,50; Weizen- und Roggenstryh 55; Treber, getrocknet 18 bis 18,50 Mk. Tendenz: fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 23. Rov. Reuerdings kräftig erhöhte Preisnotierungen aus dem Auslande waren für Berlin erneut der Anlaß zu größerer Dek- kungsfrage in Weizen. Das Angebot vom Inland war gering. Doch eilen den täglich steigenden Geboten die Forderungen meist sehr stark voraus, so daß sich nur schwer ein Geschäft entwickelte. 3m Zeithandel waren die ersten amtlichen Rotterungen für Weizen bis drei Mark erhöht, wahrend Roggen nur wenig gebesserte Rotierungen herausbringen konnte. Gerste fest. Hafer mäßig höher. Für Mehl herrschte einige Kaufneigrmg bei erhöhten Forderungen. Futter-- artifel im großen und ganzen ohne Veränderungen. Die Kartoffelpreise für Erzeuger unverändert. ES notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märt 235 biS 238, do. Dez. 252 bis 250 bis 251, do. März 257,50 bis 257 bis 258,50 bis 258, do. Mai 260 bis 260 50 bis 260, Roggen, märt. 152 bis 155, do. Dez. 172 biS 171 biS 171,50. do. März 185 bis 184,50 bis 185,50, do. Mai 187,50 bis 188, Gerste märt 188 bis 214, Futtergerste 152 bis 165, Hafer, märt 170 bis 181; für je 100 Kilo: Weizenmehl 29,25 bis 34,50, Roggenmehl 22,25 bis 24.50 Weizenkleie 11,50 biS 11,60, Roggenkleie 9.60 bis 9,70, Diltoria- erbsen 24 bis 32, Heine Speiseerbfen 23 bis 24, Futtererbfen 18,50 bis 20,50, Peluschken 16,50 bis 18, Ackerbohnen 20 bis 22, Wicken 21 bis 25, Lupinen, blau 11,50 bis 12,50, do. gelb 12 bis 12,50, Rapskuchen 15 bis 15,50. Leinkuchen 22 bis 22,50, Trockenschnitzel 7,60 bis 7,70, Torfmelasse 9,10 biS 9,30. Kartoffelslocken 14.60 bis 15, Soya-Schrvt 20,60 bis 21,10. Heute morgen 9*/, Uhr entschlief sanft nach kurzem, Q schwerem Leiden mein innigstgeliebter Sohn, unser Eg lieber Bruder, mein lieber Bräutigam Karl Stadler, Friseur im Alter von 23 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Eti Margarethe Stadler und Kinder Eg Liescl Grün. W Gießen (Mühlgasse 6), den 23. November 1925. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. November, W nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Fried- Eg hofes, aus statt. 09465 M Mittwoch, 25. November, abends 8 Uhr im Großen Hörsaa! der Universität Kauenvortrag von Frau Anna Martens, Aerziiri, Trogen (Schweiz). — Thema: Krauenlehen, -lieben und -leiden Jur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 80 Pf. für Gäste und 50 Pf. für Mitglieder erhoben NaLurheilverein. Vortmgr-vemnigWg Zilm-Vortrag j am Mittwoch, den 25. November fällt aus! Verführung von Jiu-Jitsu durch 3 Mitglieder des Wiesbadener Clubs am Mittwoch, dem 23. Rov», nachm. <>7« Ubr. in der Turnhalle des Realgymnasiums. 11108D Eingang Ludwigftrahe. Eintritt frei. Mein. Wirö MetateM Lom L Dezember können noch einige Personen an meinem 09167 Mh-Kursus teilnebmen. Alle vorkommenden Arbeiten wie Kleider- und Weinzeugnähen können gründlich erlernt weiden. $. Nomemarm Damen-Schneidermeisterin, staatl. gepr. (tzroner Stcinweg 14. UWekll.MeiMWiz Pfd. 1 Mk. ’c Rollmops Brat Heringe Bismarck Her. Heringe ».Gelee die bSiter- Dole ca. 2 Pfund Mk. 1.10 Qeinmarinaden.Llsardinen Hummer, Sardellen, Krabben, '.viavonuaise, ttavern «iw. die Ü-Pfund-Zkiite llttk. das Pfund 50 Pf. MANA Mittwoch früh 9 Uhr einirefsend. Günstige Preise diese Woche: Pa. Schellfische o. 5k., Pfd. 35 Pf. Nordsee Schellfische m.K.,z.Koch. u. Back.. Pfd. 35 Pf., 3Pfd.I Mk. Brat,chellfische,Pfd 2LPf.,3Psd. 65 Pf. Cabliau o. K., im ganzen Fisch C21,—Svfünb I Pfd. 35 Pf., im Ausschnitt Pfd. 40 Pf. Pa.Seclachs o. K., im ganz. Fisch Pid. 30 Pf., im AuSschn. 35 Pf. Goldbarsch o. St, Pso. 25 Pf. grüneHeringe.P,d.35.)>3Pfd.l Nordsee Schollen, Pfd. 45 Pf. frische Fiickkoteletts Pfd. (2-4 SU 40 und 45 Pf. Palmin. Pid. 88 Pf CocoSsett, Pfd. 68 und 75 Ps. Margarine Laudbu, Rabma, Blauband Pfd. 1 Mk. UW WWW Bahnhofsir. 27 Fernspr. 1631 | Vermietungen | [Mietgesuche| 2-3-3lmmerVolmg. |Ste"Henangeböte| Buverläsf-, sauberer taste* S-n.i-Z.-Woha.OJteu- bau) in. Bemralh. zu vermieten. Näh. 0«a Crednerllr. 1« I BW. ZiMMkk zu vermieten [09454 HoOöeimer Str. 23. Selbständiger Bäcker sofort gesucht. Näheres in der Geschäftsstelle d. Gtesi. Anzeigers. 11121D evtl. 1 bis 2 leere Zimmer, geg. hohe Miete au mieten ges. Schr. Angeb. unter 09453 and. Gtesi. An» Stub. sucht ruhiges Zimmer evtl, mit Vension. Schr. Angeb. unter 09461a. d Giesi.Anz. a. liebst. üomVanbe, gesucht 11116D HotelHindeuburg. (Stellengesuche! Tüchtiger, selbständ. Konditor sucht Stellung. Schr. Angeb unter 09464a d.G.An».erb. Putz- oder Waschfrau sucht Beschäftigung. Schrtstl. Angeb. unt. 09450 a. d. (Mich. Anz. Herrschaft sucht für ihr sehr willig gut.Mädchen Pfliicnöt Stellt in gutem Haufe. Schrtstl. Angeb. unter 11123D an den (Sieb. Anz. erbeten. Luche zum 1 ober 15. Februar 1926 Stellung zu Kindern. Dienirmädchen muh Vorhand fetn. „i„D A Bersch, Darm- itadt, Vukasweg 24 l. Verkäufe ] MW gut.GkbrauchShund, 3. Feld, kurzhaarig, abzugeben. 11117D ► ellcrewey; 79. Wegen Platzmangel billig zu vertäu en: 1 Türe (2,10 m zu 95 cm), eine Treppe 19 Stuf, hoch, 82 cm breit, nach recht» gewunden), 8 Meter WandbrÜfinng. Niih.BlkiGr.rip Gießen (Schiffenberger Weg 43), 21. NE. 4H25 Laubach (Oberhessen), den 23. November 1925. 11129D Die Beerdigung findet Donnerstag, 26. Nov., nachm. 2‘/4 Uhr, statt. i 11105c nennt. Preisen 09455 Baer, Nordanl. 1. Eeerenolisl- 09113 Mein nnoD Tel .'24O auch nackt» 11124c ein. gestern 11127D 6 Akte. Verstärktes Orchester! Gewöhnliche Eintrittspreise! 11119c 6 Akte. Nachhilfeunterricht in all. Fächern (mit Ausnahmen. Latem) der unteren u. nntll. Kl ssen der höheren Schulen, sowie zum lieber tritt an§ der Slrundschnle erteilt erfahr, penf. Lehrer. Näh. in d. Geschäftsstelle d. G. Anz. 109456 Konkursverfahren. Hebet das Vermögen des Dieb- Händlers Berthold Berlin in Beuern wird heute am 20. November 1925, nachmittags 6 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Lottis Althoff in (Sieben wird zum Konkursverwalter er- WM MnmwM nur Kirchenpiatz 8,1, Stock Benutzen Sie diese Gelegenheit zur Deckung Ihres Weihnachtsbedarfs 6. S. MWnn Lahnbofitrasie 59 Telephon 66. Konkursforderutigen sind bis zum 5. Dezember 1925 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung deS ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigeraus- schuffeS und einttetenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag, den 18. Dezember 1925, vormittags 9'/g Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Saal Qlr. 101, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung In Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 5. Dezember 1925 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht in (Sieben. Acker hint. b. Sch.AuSücht, ca. 1 Morgen, sofort zu verpachten. Fran Ww. Rörl* Frankfurter Str. 89. Fußmatten undTiliwlagen in allen Größen stets lagernd Gebrauchtes MkMWliL GlMMk für Strickwolle ge° eignet, zu kaufen nesucht. Schriftliche Anqeb. unter 09463 an b. Gtesi. Anz. erb. PwnstiMapeten Wachstuche und Tisch - Linoleum in allen Breiten und verschied. Mustern Wasche mir der Typ der deutschen Frau in Prater Erlebnisse zweier Nühmädchen. Echtes Wiener Praterleben. GraHer RSumungsver kauf wagen Verlegung meines Geschäftslokales In der Zeit vom 24. bis 30. Nov. 1925 gewähre ich auf sämtliche Artikel «Rtisrtt Frische MW treffen Mittwoch, Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen Stadt. Die rückständigen Beiträge zurKranlen- kaffe, Invaliden- und Erwerbslosenvcr- sicherung für den Monat Oktober 1925 können noch bis zum 1. Dezember VS. Js. ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann Dienstags von 8 bis 1 Llhr bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto, Amt Frankfurt a. Main Nr. 10833 erfolgen. Gießen, den 23. November 1925. Hin Her,Rechner. 11118c Altes Blei iBletröhrem kauf: Brühlsche Drucker« D" . Schulitr 7'9 Cafe Amend Morgen abend 8 Uhr: 8. Sonder-Konzert mit verstärkter Hauskapelle, unter Leitung des Kapellmeisters Henn CLAUS MAY NB. Sonder-Konzerte finden jeden Mittwoch statt 9771c Herrenwäsche wirb zum Waschen und Bügeln angenommen. [09460 Atterweg 9 Htb. SeMwmHaus L Bernhardt Gießen, Schulstraße 10, Telephon Nr. 1435 Niederlage: Grofien-Lindcn, Kaiserstraße 34, Telephon 12 MiiimIrM der Or.-Diehl-, Hassia- und Salvator-Stiefsl zu den billigsten Preisen Werkstätte für orthopäd. Schuhmacherei Maß- und Reparaturarbeiten imiD tahÄiue Seerenobststräiiciier Himliejrsträuclier empfiehlt innuTüeft fruchtbaren Sorten, ba jetzt nünst.Pslanz- zeit. Daselbst drei junge Foxterrier billig abzugebcn. Gärtnerei Oönyos Giesien, Marb.Str.67 ***♦*♦»»*♦** Nähmaschine gebraucht, aber gut erhalten, zu kaufen gesucht. Sehr. Ang. m. Preis n. Fabrikat unter 09466 an den Gtesi. Anz. erbeten. Todes-Anzeige. Heute entschlief sanft infolge einer Herzlähmung unser lieber Schwager, Onkel und Vetter Eduard Andre Großherzoglicher Forstmeister i. R. Im Namen der Verwandten: Mathilde Andr£ geb. Gocker. 200 Zentner Strohmist au verkaufen, eotl. gegen Haier ob. Dick- mut\ au vertauschen. Heinrich Renltng. Schiffen b. 'Weg 18. Tel. 935. ntmn entlaufen. Gegen Belohnung abzugeben Schmidt. Löberstr. 10 p. Stadttheater Mittwock,25.Nov. Z.miiiiyodi-^ün.-BtfL u. 7l/a b. geg. 9'/, Ubr 3iim letitcit Male Gin Sniel nun Ino nno rikve o. Romain Rolland. •eeteoeeeeee Tapeienhaus Fenl.lteHBSti«] Blockstraße 14/16 mosa WeihnacMsbäume 1500 —3000 St, schön gewachseu, neß.Stoffe zu kanien gesucht. Eilzuschrifieu an Vüiil Avtzls l Frankiurt a. M. Hardenbergstr. 25. |Empfehlungen! Hansa Handelsschule /. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 vorn. Hermes Neue Kurse täglich.A n 1 nähme GM.KMW Ecke Liebig- und Wilsonftr. Telephon Nr. 1320 empfehlen- laWtoO stets frisch 1,1,2D pro Laib 52 Ps. Sämtliche WS» für dasWeihnachtssest Erste Qualitäten. Besonders günstige Preise. 2°/„ Rabatt auf alle Lebensmittel. Jeder Kunde verlange unser Rabattsparbuch Lichtspielhaus Sahen Sie schon Max Linder ;= Komiker ????? in Circus König ????? W* Wahre Lachetürme! "V! Ferner: Henny Porten AM Sie werben sich davon überzeugen, dasi man Ms»- instrumente,Zubehörteile, Notenmaterial, Saiten und Theater» literatur vorteilhaft kauft im lu06c Musikhaus Kirchner Wehsteingaffe 8 Nähe Lindenplatz. Sämtliche ßkM ziiignnsslSlnMerel liefert gut und preiswert ni0‘a üeiiiricl UiÄÄ SelterSweg 70. WM kauft au den höchfien Damen finden liebevollen, streng diskr. Ausent- hattz. Entbindung, auch lanabauernb.in GebirgSstädtchen Mittel-DemschlandS. 'Arzt, Säuglingsschwester). Schrtstl. Ansrag. unt. 11110D an den Gtesi. Anz. erbeten.__ Junger, hellbrauner , glatthaariger englischer Windhund (30 cm hoch und 40 cm lang) seit Mmöligtt WcGjMlMW 1 Wteriroß zu verknusen. c845e Bahnholitr. 26 EL p. Gebrauchte Nähmaschine au verkaufen. Oxst Miililftrasie 20 p. hackjpäne AbsaUholz Schwartenholz abzugeben lllllu J. Weilhöler Fernsvrecker 743. Die glückliche Geburt eines Töchterchens : zeigen in dankbarer Freude an | Ingenieur Bruno Fuchs und Frau Dina-5ophie geb. Lepper I verfielen, denn die Briese kamen nicht nur aus Kollegen kreisen, auch Damen der Gesellschaft schrieben an ihn. So einfach war es indessen nicht, mit einem zurückgewiesenen Verehrer Partien zu singen. Es gab Momente, da er sie in seine Arme nehmen mutzte, sie hörte, wie er zwischen dem Singen mit den Zähnen knirschte, das Herz schlug ihr schon, wenn er seinen grotzen, muskulösen Arm nach ihr ausstreckte. Er konnte auch tückisch werden, oft lenkte er es, daß sie Len Einsatz verfehlte, und Sicherheit war nicht Franziskas Spezialität. Sie hatte angstvolle Augenblicke, so oft sie zusammen spielten, er hatte so einen festen Griff, mit dem er sie herrisch an sich zog. — Lind jedesmal wurde er kühner. Aur zu, der Lag kommt doch noch einmal, wo du dich nicht mehr sträubst. — Dieses naive Sicgesbewutztsein eines von den Frauen ver- wöhnten, blasierten Mannes empörte sie. 11 nb sie hatte in ihrer Annahme recht. 3m Grund war StephanSberger ein kühler Mensch, sinnlich, aber fal:. Gesellschaft von Männern war ihm lieber, und er zog eS vor, statt wie die Kollegen mit den Kolleginnen Ausflüge zu unternehmen, täglich an seinen Stammtisch in die „Bavaria" zu gehen, wo er auch einmal mit Leuten von anderen Berufen zusammenkam und man bei einem ausgezeichneten Bier politisierte. Er fanb einen so energischen, festen Widerstand bei Franziska, datz er es aufgab. sie in der Garderobe während der Pausen aufzusuchen, doch er gab die Hoffnung, diesen zu brechen, nicht auf. Er wartete nur. „Diese Bott ist doch eine fade Gans", sagte der innere Worth eines Tages zu Hasse, als sie in ihren weihen Kitteln beim Agarkochen vor dem mit Linoleum bespannten Lisch im Laboratorium standen. Hasse ging einer Erfindung nach, bei der ihm Worth aus Gefälligkeit assistierte, weil man sich auf den La- boratoriumSdiener nicht verlassen konnte. „Gestern hat sie das Zerl'.nchen gespi lt wie eine Pimpernell, da ist mir die Ebenhausen am Heinen Finger lieber." (Fortjegung folgt.) :rt hui Males 925 I tekung ritt Hock. unfern toi. MivseMr- iktober 1925 nber ds.P> frist «W Beitreibung, nttags von affe oder aus >t Frankfurt n. er 1925. ter. 11118c ------ eint# „IN Saschtil (S wen 0 Htb. iii^D cker och.AusW ornen, soso« »achten. Ww.Rerk urierStt^: littbK jmen liebeoollell. diSkr-Aulent' EkiibME Gien- An;- ger, v glatt* e/englii^r ndhund E n !»"»> , in®» tlai'fe»- n Jtl*""9 g«b,n.ht sSt Nr. 275 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 24. November 1925 Franziska. Roman von Liesbet Dill. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Diese Geige bezauberte alle, die an den Tischen sahen. Die Paare faßen Hand in Hand, ihre Rerven vibrierten be idem Gesang, der sich durch die laue Sommernacht in ihre Herzen, ihre Rerven vibrierten bei dem Gesang, dev von diesem Zaubertrank, der wie ein süßes Gift durch ihre Adern rann. Die Kellner lehnten an den Tischen mit halbgeschlossenen Augen, und Franziska kamen die Tränen. Sie war so glücklich. Sie wäre für ihn und mit ihm gestorben. Er war einer der Männer, deren Temperament eine Frau mit in den Tod reihen kann. Es war, als ginge ein Feuerstrom durch ihre Adern, als lodere in ihrem Herzen eine immerfort brennende Flamme. Sie fühlte ihren Puls schon rascher schlagen, wenn sie seinen festen Tritt auf der Treppe hörte, und wenn er eintrat, setzte ihr das Herz fast aus. „Du verbrennst mich," sagte sie oft, wenn sie sich aus seinen Armen löste, „du erstickst mich!" Sie schöpfte Luft, ritz das Fenster auf, es war ihr, als nehme er ihr alles, Atem, Worte »die kühle lleberlegung, mit der sie bisher allen Männern gegenübergetreten war. Bei ihm vergaß sie alles. Alles übrige versank, verblich erlosch, sie sah nur ihn, dachte nur an ihn und lebte für ihn. Eines Tages zeigte Franziska ihm einen Brief ihrer Mutter, auf billigem, rauhem weißen Bogen, von einer unbeholfenen Hand geschrieben mit vielen Fehlern und ohne Züchen. Franziskas Mutter hatte sich die Karriere ihrer Tochter anders vorgesteltt: das Theater war für sie eine Schaubühne, von der herab ein Mädchm sich um so vorteilhafter verheiraten konnte. „Und wenn's ein Heiner Beamter ist," schrieb die Mutter, „nimm ihn." Die Muttes zürnte in jedem Brief, Franziska sollte wieder zurückkommen nach Wien, in die Bähe, dann konnte sie bei der Mutter wohnen imb hatte doch ein Heim. Adolf Damaschke. Don Oberbaurat Otto B e r t h. Dem jüngsten Ehrendoktor unserer Lan- desunioersitöt widmen wir zu seinem 60. Geburtstag gern folgende warme Schilderuna seines Lebenswerkes, ohne selbst dazu kritisch Stellung zu nehmen oder in eine Diskussion ,einer 'Bestrebungen eintreten zu wollen. Hin- gcwiesen sei nur noch auf seine bei Grethlein & Co. in Leipzig erschienenen „Lebens- erinnerunge n", deren zweiter Band soeben vorliegt. D. Red. Am 24. November d. I. wird Adolf Damaschke 60 Jahre alt; ein Mann von vielen geliebt, von manchen gefürchtet, von anderen wieder verkannt. Woher kommt Damaschke, wie ward er zu dem, was er ist, was ist er? Damaschke ist ein Kind des Volkes. Die Tischlerwerkstatt seines Vaters und die kleine Wphnung lagen im zweiten Hof einer Berliner licht- und luft- armen Mielkaserne. Arbeit, Arbeit in Not und Dunkelheit das Gebot, unter dem die Eltern standen; Elend, Kummer, Verbitterung das Los der zu- fammepgepferchten Hausgenossen. Ein weiches, unter der Umgebung schwer leidendes Herz hat der Knabe, einen festen Willen, der sich gegen diese schändlichen Zustande.mitten in der stolzen Kaiser- ftadt aufbäumt, einen scharfen Verstand, der früh schon auj Wege, ihnen zu begegnen, sinnt. Lehrer und Geistliche werden bald auf den wissenshungrigen fleißigen Knaben aufmerksam. Der begabte Sohn des armen Mannes ergreift die Laufbahn des Lehrers, 1886 tritt er als Volksschullehrer in den Dienst der Stadt Berlin. Begeistert für seinen Beruf, gibt er sich ganz den ihm anvertrauten Kindern, aber, will die Saat auch auf» aehn? Er sieht bald, wie Wohnungselend, wirtschaftliche Not und der daraus entspringende Alkoholis» mus das verwüstet und verwüsten muß, was er ausgestreut hat. Woher das Elend, roorin wurzelt es? In rastloser Arbeit verliest er sich in das Studium der Geschichte, der Philosophie, der Volkswirt- Jahre 1890 hält der Bund für Bodenbesitzreform in Berlin eine Tagung ab, der Damaschke als Zuhörer beiwohnt. Diese Bewegung, die dis in das 18. Jahrhundert zurückgeht, hatte neuerdings durch das Buch des Amerikaners Henrn George „Fortschritt und Armut" (1879) einen starken Anstoß erhalten. George zeigt, daß der Boden nicht vermehrbar ist, also Monopolcharakter hat. Da jede Beschäftigung des Kapitals und der Arbeit die Benutzung von Grund und Boden erfordert, hat also der private Bodenbesitzer die Macht, sich einen Teil von deren Ertrag anzueignen und das um so mehr, je ertragreicher die Arbeit ist; er ist also, ohne etwas dazu zu tun, Nutznießer der Arbeit der andern, durch die der Wert seines Besitzes steigt. Das begründet letzten Endes den Unterschied zwischen arm und reich. Als Mittel dagegen will George dem Staat das Recht auf Einziehung der Grundrente geben, eben jenes unverdienten Mehrwerts, durch eine Steuer, die alle anderen Steuern ersetzt. Ein Hauptvertreter der Goorgeschen Lehre in Deutschland war Michael F l ü r s ch e i m , Gründer des Bundes für Bodenbesitzreform und der Hauptredner auf der erwähnten Tagung des Bundes im Jahre 1890. Gedankenvoll verläßt der junge Damaschke die Versammlung; das dort Gehörte laßt ihn nicht los. Er denkt nach. Woher die Mietkaserne, die den armen Mann vergiftet und heimatlos macht? Der hohe Preis des Bauplatzes ist chr Urheber.er zwingt dazu, jeden Fleck auszunutzen und soweit in die Höhe zu gehen, als irgend möglich. Woher der hohe Preis? Auf die Arbeit des Dorbesitzers ist er nicht zurückzufühen; die starke Nachfrage nach Grund und Boden für Bauzwecke hat den Preis in die Höhe getrieben, und sie ist lediglich die Folge der tüchtigen Arbeit der Allgemeinheit, des Aufblühens von Staat und Stadt. Der Vorbesitzer des Grundstücks steckt also einen gänzlich unverdienten Wertzuwachs in die Tasche und diesen Wertzuwachs müssen bis in die fernste Zukunft alle verzinsen, die auf dem Grundstück wohnen und arbeiten; er ist die Ursache, daß das Volk sich eng zusammenpfercht. Damaschke erkennt, daß es eine soziale und — überaus nationale Pflicht ist, gegen diesen unverdienten Wertzuwachs anzugehen, ihn seinem Urheber, der Allgemeinheit, zuzuführen und für soziale Zwecke zu verwenden; eine vor Wucherhänden gesicherte Heimstätte für jede tüchtige deutsche Familie zu ermöglichen, den entwurzelten Deutschen wieder Heimatfest zu machen wird sein Lebensziel. Heimstätte, Nahrung, Kleidung — Urelemente, Vorbedingungen jeder Kultur; alle Bestrebungen zur Hebung des Volkes bleiben nutzlos, wenn jene Vorbedingungen nicht erfüllt find. Damaschke wird Mitglied des Bundes für Bodenbesitzreform; in unzähligen Versammlungen vertritt er feine Ueberzeugung, er entfaltet eine reiche schriftstellerische Tätigkeit. Um sich ganz seinem hohen Ziele widmen zu können, gibt er Lehrerberuf und Beamtenrechte auf. 1898 wird er Vorsitzender des Bundes; vorher hatte er die Annahme eines Programms durchgesetzt, das alles lltopistischc ausschloß. Der von ihm geprägte Satz: „Der Bund deutscher Bodenreformer tritt dafür ein, daß der Boden, die Grundlage alles nationalen Daseins, unter ein Recht gestellt werde, das seinen Gebrauch als Wohn- und Werkstätte fördert, das jeden Mißbrauch mit ihm ausschließt und das der Wertsteigerung, die er ohne die "Arbeit des einzelnen erfährt, dem Volksganzen nutzbar macht" ist feit dieser Zeit das Programm der deutschen Bodenreformer. In kluger Beschränkung auf das Erreichbare, mit der nachhaltigen Energie des geborenen Führers entwickelt er nun die ganze Stoßkraft des Bodenreformgedankens. Der Bund, früher ein in theoretischen Betrachtungen sich ergehender Debatlierklub, wächst und wächst, viele Zehntausende strömen ihm zu. Die neben der „Deutschen Volksstimme" (jetzt Bodenreform), einer Wochenschrift, zwanglos erscheinenden Hefte der „Sozialen Zeifragew gewinnen außerordentliche Verbreitung; die Bodenreform erhält eine feste Kampfgrundlage in dem Hauptwerk Damaschkes: „Die Bodenreform, Grundsätzliches und Geschichtliches zur Erkenntnis und Ueberroinbung der sozialen Not". In den „Aufgaben der Gemeindepolitik" gibt Damaschke den Gemeindeverwaltungen ein wahrhaft klassisches Lehr- und Handbuch, dessen Einfluß mehr und mehr im Wachsen ist. Der Politik entsagt, nachdem er einige Jahre Friedrich Naumanns national- sozialer Partei angehört hatte, der Neifgewordene; über den im wesentlichen durch Erwerbsinteressen getrennten Parteien stehend, will er für das Ganze wirken. Tatsächlich sammeln sich um sein Banner Männer und Frauen aller politischen und religiösen Schattierungen. Mit der Vierteljahrsschrift „Jahrbuch der Bodenreform" schafft er ihr „einen wissenschaftlich durchgearbeiteten Hintergrund", seine „Geschichte der Nationalökonomie" wird zu dem am meisten begehrten Werk seiner Art. Es kommt der große Krieg. Damaschke sagt sich, die fieberkranke Zeit nach 1871 darf sich nicht wiederholen. Ihm, dem Bodenreformer, ist es nicht zweifelhaft, daß ein neues Reich nur dann von ' Dauer sein kann, wenn es jeder redlichen Arbeit ehrliches Brot und eine unpfänbbare unverlierbare Heimstätte gewährt. Er gründet den Hauptausschuß für Kriegerheimstätten. Es ist bekannt, wie die Kriegerheimstättenbewegung begrüßt und warm unterstützt von den Heerführern, insbesondere Hindenburgs das ganze Volk ergriff, und wie ihr Ziel schließlich sich nicht verwirklichen ließ infolge des unglücklichen Ausgangs des Krieges und — der Wühlarbeit der heimlichen und offenen Gegner Damaschkes. Es ist klar, daß ein Mann, den den Boden jeglicher Schacherei entziehen, den unverdienten Wertzuwachs der Allgemeinheit zusühren will, Geg- nre haben muß; der spekulative Grundbesitz in der Stadt, der Rentengroßbesitz auf dem Land fühlten sich bedroht. Schon 1912 hat sich ein kapitalstarker „Schutzverband für Grundbesitz und Realkredit" ge- bildet zwecks Bekämpfung der Bodenreform. Aber der Kampf, der sich nun enspann, lenkte gerade die Aufmerksamkeit auf die Bodenreform und führte ihr Mengen von Anhängern zu; die bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der Rechts- und Volkswirtschaftslehre, es seien nur Rudolf Sohrn und Adolf Wagner genannt, treten nun offen auf die Seite Damaschkes. Die für die Kriegerheimstätten geleistete Arbeit ist nicht vergeblich, aus ihr entwickelt sich dos aanz mit hodenreformerischem Geist durchtränkte Reichsheimstättengesetz. Damaschke" wird Vorsitzender des „Ständigen Beirats für Heimstättenwesen" im Neichswirtschaftsministerium, eines Ausschusses zur Förderung der Heimstättenarbeit, in dem die Berufsorganisationen der Arbeiter, Angestellten und Be- amten aller Richttmoen vertreten sind. Und schließlich findet feine Mühe ihren Lohn in der Fassung des Artikels' 155 der neuen Rcichsversossuna der die Bodenreform zu einem Grundrecht des deutschen Volkes macht. Noch ist dieses Grundrecht nicht zur Sie führte alle die Freundinnen an, die sich kürzlich glänzend und reich verheiratet hatten. „Verkauft", nannte eS Franziska, sie schcmderte. Hasse legte den Vries fort, ohne ein Wort zu sagen. Sie nahm seine Hand, um mit seinem Wappenring zu spielen. „Es ist schad, daß die Mama so denkt, aber du mußt das nicht mißverstehen, das ist einmal so ihre Art. Well sie mich nicht mehr im Haus hat, will sie ihre Fittiche über mich breiten, auch wenn ich weit fort bin. Für sie ist die Che der Unterschlupf für die Frau; obwohl sre's, weih Gott, nicht beneidenswert hat, macht' sie mich am liebsten doch verheiraten. Sie kennt das Theater und weiß, wie's da zugeht, aber begreiflich machen könnte ich es ihr doch nicht, daß ich glücklich bin." Unö sie nahm plötzlich seine schmale Hand und drückte sie an ihre Lippen, ohne daß er eS hindern konnte. Hasse schmerzte der grobe Vogen und diese unorthographisch-: Schrift; er dachte, was muh sle für eine Erziehung gehabt haben und was für ein Zuhause. Lind er Iah seine Mutter in ihrem prünesarbigen Damllleid vor dem Heinen Douletisch ihre nach Reseda duftenden Vrief- chcn zaubern, diese schöne, geistvolle Frau, die immer zu ihrem Sohn sagte: Genieße dein Leben, aber binde dich nicht. Seine Mutter würde diese Verbindung mit Franziska verstehen, sie sogar billigen, aber den Gedanken an eine Heirat mit einer Dühnendame, deren Ruf noch nicht einmal über die Grenzen ihres Theaters gedrungen war, würde sie ihm nie verzeihen. Und im Grunde genommen dachte Hasse wie seine Mutter. Dieser einfache Brief schloß sie noch enger an ihn. Sc fühlte, er war ihr Halt, ihr Beschützer, ihr Erzieher geworden, äu ihm rettete sie sich, wenn wieder der dunkle Strom des Theaterlebens gegen sie anbrang. An Franziska wagte sich niemand mehr heran, sie war von einer Kälte, einem Stolz, gepanzert mit einer saft beleidigenden Richt- achtung allen Huldigungen gegenüber. StephanSberger, der Dariton, der über alle Frauen siegte, wenn er als Torero, „in dem Stierrampfe Durchführung gelangt, aber Millionen Deutsche stehen dazu bereit Das hat in den letzten Tagen erst eine Abstimmung im preußischen Abgeordnetenhaus bargetan. Ein hochgesinnter, warmherziger und dabei kluger und fester Mensch, der uneigennüjugft in voller Wahrhaftigkeit einem erreichbaren Ziele zur wirklichen Hebung und Sicherung seines Volkes und Vaterlandes zuftrebt, und dem auch der grimmigste Feind die weiße Weste lassen muß, das ist Adolf Damaschke, der nun Sechzigjährige; feit 1919 Ehrendoktor der Universität Münster und nun auch unserer Gießener alma mater. Die beste Kenn- Zeichnung seines Lebenswerkes hat vielleicht Hans Thoma gegeben, der die Stiftung feines berühmten Bildes „Der Hüter des Tals" an den Bund deutscher Bodenreformer mit den Worten begleitet: „Das ist hohe Kunst und vielleicht höchster Staatsberuf, die Selbstsucht wie auch die Gewissenhaftigkeit zu organisieren, lebensfähig zu machen zum Segen für das Volk." Oberhessen. Landkreis Gießen. L Wieseck, 23. Rov. Anläßlich des 20jährigen Bestehens der Freien Turner- schäft W i e s e cf findet im kommenden Jahr am 3., 4. und 5. Juli das Bezirksturnfest des 3. Bezirks, 9. Kreis im Arbeiter-Tur n- und Sportbund hier statt. In einer gutbesuchten auße.ordentlichen Generalversammlung wurden die erforderlichen Ausschüsse für die Durchführung des Festes gebildet und gleichzeitig beschlossen, mit dem Jubi'ärmsturnsest die Weihe einer neu anzuschaffenden Fa--ne zu verbinden. Schon vor einiger Zett wurde seitens der Ge-- meinte ein genügend großer Festplatz im „Ried" zur Verfügung gestellt. Infolge der zentralen Lage Wiesecks wird die turnerische Beteiligung sehr groß und auch sonst das Turnfest von den Vettrksvereinen stark besucht werden. Die nun- meyr zur Eröffnung kommende Autoverbindung Wieseck—Gießen wird zur Delebung des Verkehrs wesentlich beitragen und bei dieser Gelegenheit d'.e Feuerprobe der Bewältigung größeren Verkehrsandranges bestehen müssen. Bg. Großen-Buseck, 22. Rov. Anläßlich des T o t e n f e st e s fanden hier z w e i Gotte s d i e n st e statt, von denen der zweite dem Gedächtnis der Gefallenen geweiht war. Während beim Vormittags^ottesdienste der M ä d ch e n ch o r zur feierlichen Ausgestaltung beigetragen hatte, beteiligte sich bei der Gedächtnisfeier der Gesangverein Sängerkranz durch Vortrag zweier Chore, die stimmungsgemäß und tiesempfunden unter Leitung deS bewährten Dirigenten K. Ricolai zu Gehör gebracht wurden. Zu beiden Seiten des Atars standen die umflorten Fahnen genannten Vereins und der Kriegerkamerad» schäft Großen-Buseck, die stark vertreten war. Der Posaunenchor erweiterte die Feier durch ein Vorspiel und das Lied „Ich hatt einen Kameraden". Die Gedächtnisrede des Ortsgeistlichen forderte Pflichterfüllung von jedem Einzelnen in gleicher Weise, wie sie von Öen Gefallenen betätigt worden sei. Unter Glok- kengeläute wurden öie Ramen der Gefallenen verlesen, worauf die erhebende Feier ihren Abschluß fand. • Oroßen-Duseck, 21. Rov. Heute nachmittag wurde d'.e von der Firma Magiros gelieferte 12 Meter hohe fahrbare m echa n i sche Feuerwehrleiter in Anwesenheit des Beigeordneten als Vertreter der Gemeinde, e uer Abteilung der Fre'.w. Feuerwehr und eines V.r- treters der liefernden Firma durch Kreisfeu.r- wehrinspektor D i ck o r e nach Vornahme der vertraglich vorgesehenen Belastungsproben a & genommen und bei i Beigeordneten für die Gemeinde übergeben. Die Belastungsproben haben allen Anforderungen entsprochen. :—: Beuern, 23. Rov. In der am Sams agabend stattgesunde en ö sentiichen Sitzung des ©emeinberatS, die wichtiger Punkte haiber von Interessenten stark besucht war, wurden nachfolgende Entschließungen angenommen: Um die Wiesen an der Michelbach, an der Kreisstraße nach Bersrod, vor völliger Versumpfung zu bewahren, wird der vorhandene Graben aufgeräumt, eine Schleuse errichtet und ein neuer Graben gezogen. Diese Arbeiten sollen -I.-W- ' W rrr PFvrrrpwpgm' l « jw i»■ u ■ wi myo iiyTwmi Sieger", den Schal über der Schulter, überlebensgroß mit seinen schonen Augen und blitzenden Zahnen auftrat, neben dem der weißblonde Heine Tenor Wühler und der dicke Drast wie Zwerge -erschienen, die er in seiner Faust zermalmen konnte, lobte sie dafür. ..Cs ist wirklich brav von Ihnen, Franzerl," sagte ihr Landsmann, wenn sie wieder vor ihm zurück- wich, und er ritz sie an sich, daß sie fast erstickte. „Entschuldigen, gnädiges Fräulein," lachte er. „Qlber bei meinem feurigen Spiel läßt sich so was net vermeiden . . Das nächste Mal küss ich Ihnen die Hand." Cr hatte e3 in der ersten Zett als amüsantes Spiel betrachtet, eine nach der anderen zu erobern. Diese leichten Siege reizten ihn längst nicht mehr, er nahm sie zum Zeitvertreib mit, wie der Athlet mit seinen Hanteln spielt, um seine Kraft zu erproben, aber er lietz die Deuts bald aus den Händen entgleiten und warf sie weg. Und es gab dennoch Frauen, die sich an ihn festklammerten und ihm verzweifelte CifersuchtSszenen machten, tim StephanSberger fanden jeden Tag heimliche oder öffentliche Szenen hinter den Kulissen statt. Der Kammersänger konnte eine Zigarre dazu rauchen und seine Rolle studieren, so waS warf ihn schon längst nicht mehr auS dem Gleichgewicht, das waren Töne, die er oft gehört. Ebenso gleichgültig verhielt er sich gegen die bunten Briefe, die ihm nach den Vorstellungen zuflogen. Sc heizte seine Stube damit oder las sie den Kollegen in den Pausen vor, mit und ohne RamenSunterschrift, und korrigierte daS Deutsch mit roter Tinte. »Ihr müßt besser schreiben lernen," sagte er zu den Kolleginnen, ..orthographische Fehler in Briefen stören mich mehr als ein Loch im Schleier. Kannst du denn wenigstens einen ordentlichen Brief schreiben 7' fragte er Franziska. „Reden Sie mich nicht immer mit du an," flammte sie auf. - „Run, das hab ich mir so angewöhnt auf den damischen Provinzbüh- nen." entschuldigte sich der StephanSberger heuchlerisch, „da versprech ich mich als einmal wieder." FranziSka zerbrach sich den Kopf darüber, | warum die Frauen gerade auf diesen Mann in den nächsten Tagen vergeben werden. Als Mitglieder des WiesenvorstandeL wurden neu gewählt Jakob Schomber, als Ersatzleute Philipp Sommeriad 6. und Ph. Wilhelm Sommerlad. Die am 1. Dezember stattfindende Viehzählung soll durch Beigeordneten Heinrich Arnold 5. und die Gemeinde, a.smttglieder Phi ipp Arnold, Daniel Ludwig Sommerlad und Jakob S ch o m b c r vorgenommen werden. Der Antrag einiger Interessenten, betrefsend Preisnachlaß für Bauholz zum Scheunenbau, ähnlich wie bei Beschaffung von Wohnungen, wurde vertagt. Alm die neubebaute Straße, die Sche i b e n - gaffe, für den kommenden Winter einigermaßen passierbar zu machen, sollen Fron- s a b r t e n aller Fuhrwerksbesitzer geleistet werden. Rachdem der weitaus größte Teil der Fuhrleute diese Arbeiten bereits vollbracht hat, sollen diejenigen Leute, welche noch nicht gefahren haben, aufge ordert werden, in nächster Zeit die Straße mit Schutt zu befahren. Dem Antrag eines hiesigen Bürgers um A n kauf eines Reihengrabes auf dem hiesigen Friedhof konnte nicht zugestimmt werden, da ein gegenteiliger Beschluß des Gemeinderats im Vorjahr gefaßt wurde und auch die Friedhofsordnung dies nicht mehr zulätzt. Da sich für den bevorstehenden Winter etwa 50 Mann, darunter viele Arbeitslose, am Holzmachen beteiligen wollen, die zuständige Oberförsterei aber der Meinung ist, nur 30 Mann einste en zu können, wurde der Bürgermeister beauftragt, mit der Obersörsterei in Unterhandlung zu treten wegen Einstellung dieser 50 Leute. Cs wurde als dringende Rotwendigkeit be i achtet, allen, die es nötig haben, unbedingt Beschäftigung zu geben, auch wenn die Arbeitszeit dadurch verkürzt werden müßte. v. K e s s e l b a ch , 23. Rov. Dieser Tage sand in der hiesigen Gemeinde eine Bürgerversammlung statt, um über den Ankauf des zirka 14 Morgen großen Linden st rutschen Gutes nebst Wohnhaus, Scheuer, Stallung usw. zu beschließen. Von den Gegnern des Ankaufs wurde insbesondere die zu hohe Forderung, die schwierige Geldbeschaffung und die zu große Unrentabilität hervorgehoden. Der Ankauf wurde dann auch nach lebha,.er Dllkwsion abgelehnt. Sll'Clt? jylticö&CUQ. WSR. Friedberg. 23. Rov. Zum Brande in der Kr> chschen Getreidemühle in Asfenheim wird noch mitgeteilt, daß d'.e Mühle bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt ist. Dec Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Man spricht von einer Versicherungssumme von rund 2llz Millionen Mark. * Bad-Rauhei m, 23. Rov. Der F i - nanzaußschuß des Landtags besuchte am Samstag Vad Rauheim, um sich von der Rotwendigkeit der Forderungen für Wiederherstellungen am Dach, den Speisesälen usw. zu überzeugen, ebenso die Beschaffung neuer Stühle für den Konzertsaal des Kurhauses und die anderweitige llnterbringuung deS medizinischen Instituts zu prüfen. Für die Wiederherstellung des Daches werden 40 000 Mk. gefordert, sür die neuen Stühle 25 000 Mk. Beschlüsse wurden vom Ausschuß nicht gefaßt; die Angelegenheit soll am Dienstag in der Sitzung des Finanzausschusses entschieden werden. 4- Dad-Rauheim. 23. Rov. Der B i I - dungSverein, der durch seine reichhalttge Bücherei und durch die im alten Rathause am Markt befindliche öffentliche Lesehalle durchs ganze Jahr eine stille, aber segensreiche Arbeit im Dienste der allgemeinen Volksbildung leistet, tritt während der Wintermonate durch Vortragsveranstaltungen noch besonders hervor. Seine dieswinterliche Tätigkeit in dieser Richtung eröffnete er heute mit einem gut besuchten Abend im Kurhause, der dem Gedächtnis von Conrad Ferdinand Meyer gatt. In den Dienst der Veranstaltung hatten sich Frl. Porth lGesang) und Mitglieder der hiesigen Singakademie (Chor) unter Leitung von Musikdirektor Rosenrneyer gestellt. Chor und Einzelgesang gaben ehr unmittelbares Bild von Meyers Dichtung, gesteigert durch daS musikalische Element. Den Höhepunkt des Abends >7.1 bete der geistreiche Vortrag von ©tutienrat Daldt über ,.C. F. Meyers Werke I» seinem Leben". Ser Redner zeigte, u><: •> Visse Motive der Novellen zusammeichängen mit der merkwürdigen Iugendsnkwicklung des Dichters, wie der eigentümliche Lebcnsrhythmus Ijin- weist aus einen Teil des Stoffgebietes ferner Gedichte, ferner wie irdische uird gcist.gr Heimat Meyers sich in den Werken spiegeln oder die Werke bedingen. Die Mitwirkenden gaben ihr Bestes und ernteten dankbaren Beifall. Z Butzbach, 23. Nov. Unsere Stadt darf für sich den Ruhm tn Anspruch nehmen, nicht nur die rührigste Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Hessen, sondern auch im Vergleich zur Emwohner- zahl die stärkste Ortsgruppe der Kolonialgesellschaft in Deutschland zu besitzen. Unter der wirklich rührigen und aufopfernden Leitung von Oberstleutnant a. D. Seiner, eines alten Kameruners, sind der Abteilung aus allen Devölkerungsfchichten Mitglieder geradezu zugeströmt, jeder neue Vortragsabend brachte neuen Zugang. Auch der koloniale F a m i l i e n a b e n d , der dieser Tage den Saal des „Deutschen Hauses" bis zum letzten Platz füllte, war wieder Beweis dafür, wie stark das koloniale Interesse in unserer Stadt lebendig ist; Reichswehrhauptmann Köhl, der sieben Jahre im Kolonialdienst gestanden, hielt einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Lichtbilderoor- trag. Von der Versammlung wurden 100 Mk. für das Elisabethhaus (Wöchnerinnenheim) in Windhuk gespendet. Oberstleunant a. D. Leßner führte aus, daß zufolge sicherer Nachrichten von dem Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft in Berlin unter den Westmächten jetzt ernstlich die Rückgabe eines Teils unserer Kolonien erwogen würde. Aufgabe des Kolonialen Vereins sei es, durch geeignete Maßnahmen unserer Regierung den Rücken zu steifen. Es wurde daher einstimmig von der Versammlung eine Entschließung angenommen, in der die Wichtigkeit des Kolonialbesitzes für unser Volk und unsere Wirtschaft hervorgehoben wird. — Nachdem der Gesangverein „Eintracht" unter Leitung seines Ehormeisters R ö m e r mit einem auf hoher künstlerischer Stufe stehenden Konzert den Reigen der musikalischen Veranstaltungen dieses Winters vielversprechend eröffnet hat, folgt am nächsten Sonntag ein groß angelegtes Konzert des Musikvereins „Gemischter Chor . Das Programm enthält „Die Kreuzfahrer" von Niels W. Gabe und Szenen aus der Oper .Lorelei" von Mendelssohn-Bartholdy. *** Gambach, 23. Nov. Gestern wurde, wie allgemein üblich in der evang. Christenheit, das Totenfest auch in unserer Gemeinde gefeiert. Der Ortsgeistliche sprach im Vormittagsgottesdienst Worte des Trostes und der Erbauung zu den Gemeindegliedern, die die Kirche fast bis auf den letzten Platz füllten. Der Gesangverein Harmonie" unter Leitung seines Dirigenten S a m e s - Holzheim und der P o s a u n e n ch o r unter Leitung von Otto Klein wirkten bei der Feier mit. Im verflossenen Jahre starben in unserer Gemeinde im ganzen 18 Personen, 9 männlichen und 9 weiblichen Geschlechts, davon 1 im zarten Kindesalter, 1 im Jünglings-, 5 im mittleren und 11 im hohen und höchsten Atter. [2 Nieder-Florstadt, 22. Nov. Unsere Gemeinde hat noch kein Denkmal für die Gefallenen. Anregungen zur Errichtung eines solchen sind aus allen Kreisen der Bevölkerung gegeben worden, eine stattliche Summe Geldes oar gesammelt, aber die Inflation entwertete es, ehe der Bau durchgeführt werden konnte. Die Gedächtnisfeiern des Reichsbanners wurden deshalb aus dem Fried- Hos an den Gräbern der hier beerdigten Kriegs- . opfer gehalten. Nun haben die Freiherren v. L ö w eine Ehrentafel gestiftet, die im Chor der Kirche aufgehängt ist und Namen und Todestag der 95 gefallenen Florstädter enthält. Am Totensonntag wurde diese Tafel im Dormittagsgottes, dienst e i n g e w e t h t. Die überfüllte Kirche war durch Kränze, die die Angehörigen gestiftet hatten, schön geschmückt. Trauerflor gemahnte an den Ernst der Handlung. Sämtliche Vereine waren geschlossen erschienen, das Reichsbanner mit umflorter Fahne. Der Schülerchor, Gesangverein Ober-Florstadt und Germania, Nieder-Florstadt brachten entsprechende Chöre zum Dorttag. Nach dem Weihespruch des hiesigen Geistlichen, Pfarrer Kappeßer, wurden Kränze von der Gemeinde Nieder-Florstadt, Ober- Florstadt, der Kirchengemeinde Florstadt und vom Reichsbanner niedergelegt. Das hiesige Lehrerkollegium gedachte seiner 7 gefallenen Kollegen, von denen 5 aus dem Schuldienst in unserer Gemeinde, zum Heer berufen wurden, indem es durch Lehrer Heller einen Kranz für diese niederlegen ließ. Zum Schluß gedachten die Stifter der Ehrentafel, Baron 21 u g u ft und Robert von L ö w in warmen Worten der Gefallenen und übergaben einen Kranz. Die würdige Feier zeigte die Dankbarkeit der gesamten Bevölkerung gegenüber denen, die im Kampfe fürs Vaterland ihr Leben ließen. Kreis Büdingen. nd. N i d d a , 22. Nov. Recht würdig wurde heute m der Kirche das T o t e n f e ft begangen. Der Kirchenchor trug unter Leitung von Regierungsrat .Kleeberger zwei Sterbelieder vor, die einen liefen Eindruck auf die große Menge der Besucher des Gottesdienstes machten. Ebenso ergreifend, aoer auch trostreich war die Predigt des Pfarrers K ö h - l e r. An dem Gottesdienst nahmen auch die Kriegervereine von hier und Michelnau geschlossen mit ihren slorumhüllten Fahnen teil. Aus der Kirche mar schierte der Kriegeroerein Nidda zunächst an das Kriegerdenkmal von 187 0/ 7 1. Hier hielt Amtsgerichtsrat Muhl, der 1. Vorsitzende des Vereins eine Ansprache, worin er in herzlichen Worten der großen Taten und der gewaltigen Folgen und Errungenschaften, der in jenem Kriege gefallenen Helden und der noch sieben in unserer Stadt lebenden Veteranen gedachte. Nachdem der Redner einen Kranz niedergelegt hatte, marschierte der Kriegerverein zum neuen Kriegerdenk- mal am Johannesturm. Hier gab der 2.Vorsitzende des Vereins, Bankoorstand Hermann S e u m , der selbst den Weltkrieg mitgemacht hat, in feurigen Worten den Gefühlen der Trauer und des Dankes Ausdruck, den die Gegenwart den mit unsterblichem Ruhm bedeckten gefallenen Kameraden schuldet. Unter Niederlegung eines Kranzes fand die einfache, aber würdige Totenfeier ihren Abschluß. — In dem verflossenen Kirchenjahr sind in unserem Kirchspiel 48 Personen kirchlich beerdigt worden, und zwar in Nidda 37, in Kohden 3, in Unter- Schmitten 6 Personen, in Michelnau und Bad-Salz- fyaufen je 1 Person. — In dem Filialorte Unter- Schmitten veranstaltete der dortige Krieger- verein am Kriegerdenkmal der Gefallenen des Weltkrieges eine würdige Gedenkfeier, an der sehr viele Einwohner des Ortes und die Vereine leilnaymen. Lehrer Wolf fand in feiner Gedächtnisrede die passenden Worte, um die Gedanken und Gefühle auczudiücken, die jeden Anwesenden in dieser ernsten S dnbt erfaßt hatten. Das Denkmal jpar dicht mit Kränzen geschmückt. lg. Gedern, 23. Nov. Das Ministerium des Innern genehmigte für unsere Gemeinde die Abhaltung eines Prämiierungsmarktes für den 8. Juni nächsten Jahres. Die Prämiierung wird sich erstrecken auf Simmentaler und Vogelsberger Vieh, um die Zucht dieser beiden für unsere Gegend besonders in Betracht kommenden Rassen zu Heven und ihr einen neuen Ansporn zu geben. Der Land- wirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen wird die Prämiieruna mit einem Beitrag von 120 Mk. unterstützen und stellte weiterhin in Aussicht, bei der Vorbereitung des Marktes, der Ernennung der Preisrichter ujro. nach besten Kräften mitzuwirken. — Das Ministerium des Innern hat den von der Gemeinde vorgelegten Orts- b a u p l a n für das Gelände „A m Brüh l" mit einigen geringfügigen Abänderungen genehmigt. — Ein im Bergwirtshaus dahier stattgehabter Licht- dildervortrag über unsere ehemalige Kolonie Deutschostafrika wurde recht beifällig aufgenommen. Der Vortragende, Dietz- Darmstadt, ehemaliger Sekretär der deutschen Verwaltung, zeigte sich als vorzüglicher Kenner der dortigen Verhältnisse und verstand es vortrefflich, an Hand von 103 farbenprächtigen, zum größten Teil auf eigenen photographischen Aufnahmen beruhenden Lichtbildern die Zuhörer mit den Schönheiten dieses Landes bekannt zu machen. Die Küstenstädte Tanga und Dar-es-Salam, die eigenartige Vegetation und Fauna des Landes, die schwarzen Bewohner desselben mit ihrer seltsamen Kleidung, ihren Sitton und Gebräuchen, Eisenbahnen und Flüsse mit ihren nach europäischen Begriffen gefährlichen Brücken, der Tanganjika-See und der sich trotz der dort herrschenden tropischen Sonnenglut in die Region des ewigen Eises erhebende, 6010 Meter hohe Kilima-Ndjaro, alles das zog an unserem geistigen Auge vorüber. Besonders gedachte der Vortragende der ehemaligen Schutztruppe, die, zum Teil aus Eingeborenen (As- karis) bestehend, sich unter der Führung ihres tapferen Vorkämpfers, des Generals von Lettow- D o r b e ck, unvergänglichen Ruhm erworben und dem deutschen Namen alle Ehre gemacht hat. Der Vortragende schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an die Versammlung, die Kolonien nicht zu vergessen und dem Gedanken zu dienen, daß diese früher oder später wenigstens teilweise dem Mutterlande, das feine- Kolonisations- fahigkeit bewiesen hat, zurückgegeben werden müßten. , T Eichelsdorf, 23. Bob. Der Totensonntag bedeutet immer für die dörfliche Wett einen Höhepunkt kirchlichen und gottesdienstlichen Lebens. 3n dem HauptgotteZdienst, der bei übervoller Kirche gehalten wurde, wirkten der hiesige Gesangverein und ein Schülerchor nvt, die mit ihren gesanglichen Darbietungen der Andacht eine besondere Weibe gaben. Am Rachmitbag wurden aus den Friedhöfen der beiden Pfarrgemeinden Eichelsdorf und Ober-Schmitten nochmals Totengedenkfeiern abgchaltcn, die in Wort und Lied auf Vergänglichkeit, Glaube und Hoffnung abgestimmt waren. Wie alljährlich an diesem Tage trugen alle Gräber Kranz- und Dlumenschmuck, und Tannenzweige, das ewig- grüne Symbol der Unvergänglichkeit des Lebens, verhüllten die grau« Scholle. )—( Ruppertsburg, 23. Rov. Nachdem sie bereits im vorigen Jahre mehrere Edel- kirschbäume hatte sehen lassen, ließ unsere Gemeinde in diesem Herbste eine größere Kirschenanlage auf den beiden westlich und südwestlich des Dorfes gelegenen Triften Loh und Hasentänzer pflanzen. Etwa 100 veredelte, recht schöne, kräftige Bäumchen, die von Gerns- rode Im Harze stammen, wurden gepflanzt. Das Vorgehen der Gemeinde verdient Rachahmung, ist doch die Kirsche dasjenige Obst, dessen Anbau auch beute noch lohnt. Als frühestes Obst sind die Kirschen sehr begehrt. Die Rachfrage nach ihnen wächst beständig. Die Konkurrenz des Auslandes, die unseren einheimischen Obstmarkt so sehr schä- !digt, hat der Kirschenbauer nicht zu fürchten. Gute Absatzmöglichkeiten sind natürlich nur dann gesichert, wenn größere Mengen aus einer Gemarkung zur Verfügung stehen. — Dieser Tage fanb dahier Treibjagd statt. Die Deute war außerordentlich schlecht, wurden doch nur ein Hase, ein Fuchs und ein Fasan erlegt. Was an dem geringen Hasenbestand schuld ist — ob der nasse Sommer oder die große Zahl der Hunde —. ist unbestimmt. Weit günstiger ist der Reh- bestand. — Wie alljährlich, so fand auch am Totensonntag auf unserem schön geschinück- Friedhöfe an der Gedenkhalle eine Gedächtnisfeier statt, an der sich die Gemeinde sehr ^hl- reich beteiligte. Der Posaunenchor verschönerte dir Feier durch seine Weisen. Pfarrer D. Fritsch sprach über den Text: ^Christus der ist mein Leben und Sterben mein Gewinn I" Kreis AlsseLD. 41 Nieder-Gemünden, 22. Nov. Am heutigen Totensonntag wurde die n e u e , zum Ersatz für die seiner Zeit zu Kriegszwecken abgelieferte, von Gebr. Ulrich- Apolda hcrgestellte Bronze- glocke eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Der feierliche Gottesdienst in der vock- besetzten Kirche wurde durch Liedervorträae des hie- Ü.gen Männergesangvereins verschönt. Die Gemeinde ist nun wieder im Besitz ihres vollen Geläutes, das aus drei Glocken besteht. Der Kirchen- mufikmeister Professor Mendelssohn aus Darmstadt hat die neue Glocke geprüft, in ihrem Tone einwandfrei und das harmonische Zusammenklingen aller Glocken ausgezeichnet befunden. l. B r a u e r s ch w e n d, 23. Nov. Vor einigen Wochen besuchten zwei „Domen" die Familien unseres Ortes und warben Teilnehmerinnen zu einem Z u f ch n e i d e k u r s u s für Wäsche. Die Lernbegierigen mußten eine Anzahlung von 5 Mk. leisten. Wie sich jetzt herausstellt, handelt es sich um eine Täuschung. Die beiden Schwindlerinnen hoben hier und in den umliegenden Ortschaften recht erfolgreich „gearbeitet". Rülfenrod, 23. Nov. Jetzt hat man auch tn der hiesigen Gemeinde mit dem Bau einer Wasserleitung begonnen. Oberhalb unseres Dörfchens hat man eine Quelle entdeckt und gefaßt. Wie überall, wird auch hier der finanzielle Teil ein Punkt sein, bei dem man noch auf Schwierigkeiten stoßen wird. Starkenburg. D a r m st a b t. 23. Rcv (WSR : D e Ga£- fernversorg un g für Larmstab! ist jetzt in greift,a e Nähe gerüdl. Wie wir erfahren, haben sich die vereinigten Ausschüsse der Stadtoerord- netenve 'ammlung bereits eingehend mit dieser äußerst wichtigen Angelegenheit befaßt und die Vergesellschaftung der hiesigen Werke in eine Aktiengesellschaft in Aussicht genommen. • Darmstadt, 23. Aov. 3n Griesheim bei Darmstadt wollten einige jungen mit einem Flobert Spatzen schießen. Hierbei traf der 15jährige Karl Rees den 13- jährigen Schüler Görlisch, den Sohn einer Kriegerwitwe, so unglücklich ins Auge, daß der Verletzte sogleich starb. — Der Dar, der, wie gemeldet, einem Bärenführer abhanden gekommen war. ist in der Rähe von Worms ermittelt und seinem Besitzer wieder zugestellt worden. WSR. Offenbach a. M., 23. Rov. Auf tragische A r t u n d W e i s e ist gestern nachmittag der im hiesigen Dankhause S. Merzbach & Co. tätig gewesene Dankbeamte Friedrich Seickel ums Leben gekommen. Gegen 5 Ähr nachmittags kehrte Seickel ermüdet von einem Fußballspiel zurück, nachdem er mit seinen Freunden für den Abend eine neue Verabredung getroffen hatte. 3n seiner Wohnung bereitete er sich auf einem Samowar Tee. Während das Wasser zu kochen anfing, legte sich Seickel aus das Sofa und schlief ein. Das Wasser kochte dann über, wobei die Flamme ausgelöscht wurde, so daß das Gas ungehindert aus der ßeitung entströmen konnte. Die durch den Gasgeruch aufmerksam gewordenen Hausbewohner veranlaßten gegen 9 Ahr die Oeffnung des Zimmers, wobei Seickel tot aufgefunberr wurde. Gr stand im Alter von 21 Jahren. Rheinhessen. WSR. A l z e 1), 23. Roo. Dei einer in der Sigen Gemarkung veranstalteten Treibjagd en die Llagdpächter fast 500 Hasen zur Strecke gebracht. Preußen. Kreis Wetzlar. n Wetzlar, 23. Nov. Bekanntlich hat die Staotgemeinde das alte Deutsche Ordensbaus, in dem bis zum vorigen Jahre das Kinderheim untergebracht war, zum städtischen M u s e u m umbauen lasten. Nachdem nunmehr alles aufs schönste eingerichtet ist, soll die feierliche Einweihung am kommenden Freitagnachmittag stattfinden. Zu dieser Einweihung sind seitens des Bürgermeisters eine große Zahl Einladungen ergangen. 3 Wetzlar, 23. Nov. Auf tragische Weise ist in dem nahen Burgsolms der Postschaffner Müller ums Leben gekommen. M., ein äußerst tüchtiger Beamter von nur 32 Jahren, war als Vertreter des erkrankten Postboten feit einiger Zeit in Burgsolms tätig, wo er auch mit feiner Familie wohnte. Am Samstag wollte er, wie alltäglich, zu dem *7 Uhr morgens auf dem Bahnhof Burgsolms-Oberndorf eintreffenden Postzug gehen, um die Post für Burgsolms abzuholsn. Etwa 50 Meter vor dem Bahnhof kreuzt die Bahnlinie die Landstraße, die von Oberndorf kommt. Durch irgendwelche Umstände, die noch nicht aufgeklärt werden konnten, ist Müller, der einen Postkarren bei sich führte, auf die er Wegkreuzung zu Fall gekommen. In die em Augenblick kam der Zug herangefahren und chleiste Müller, lrotzdem der Lokomotivführer im letzten Augenblick mit aller Macht bremste, eine Strecke mit. Hierbei erlitt der Mann so starke Verletzungen am Kopfe, daß er kurze Zeit später verstarb. Der Verunglückte, der auch in Burgsolms allgemein beliebt war, hinterläßt eine Witwe mit zwei unversorgten Kindern. Es wird von dem Ergebnis der Untersuchung abhängen, inwieweit sonstige Umstände, wie die anerkannt schlechte Beleuchtung sowohl der Maschine wie auch oes Bahnhofs mit an dem Unglück schuld sind. Kreis Biedenkopf. XX Biedenkopf, 23. Nov. Der Flächeninhalt des Hinterlandkreises beträgt 67 697 Hektar. Mit dieser Ziffer nimmt unser Kreis unter den 18 Kreisen des Regierungsbezirks Wiesbaden die erste Stelle ein. Die Gemeinden umfassen nach der Volkszählung am 16. Juni d. Is. eine Gefarntbevölkerung von 53 351 Köpfen, 26 030 männlichen und 27 321. weiblichen Geschlechts. Mithin nach der vorletzten Zählung (1. Dezember 1910) eine Zunahme von 4765 Personen. 4 Königsberg, 22. Nov. Am Totensonntag wurde auch hier eine Gefallenen« Ehrung veranstaltet. Zur Verschönerung der Feier trug der Gesangverein durch stimmungsvolle Lieder bei, die Schulkinder sprachen Gedichte. Nach einer Ansprache von Pfarrer N e u b i n g in der Kirche sprach Lehrer Becker am Denkmal ergreifende Worte und trug ein sehbstverfaßtes, sinnreiches Gedicht vor, in dem den Gefallenen Dank zum Ausdruck gebracht wird. XX Gladenbach, 23. Nov. Bei der Abtrennung des Hinterlandkreises im Jahre 1866 vom Großherzogtum Hessen ist von maßgebender Stelle in amtlicher Form das Versprechen gegeben worden, aus dem hessischen Hinterland solle ein preußisches Vorderland werden. Diese Förderung hätte nur geschehen können, wenn rechtzeitig und in richtiger Linienführung Eisenbahnen in Hin- re r l o n d gebaut worden wären. Heute kann diesem Uebel nur dadurch abgeholfen werden, daß K r a f t w a g e n l i n i e n der Verkehrsnotwendig- i'eit Rechnung tragen. Hoffentlich wird die von Gießen über Krofdorf bis Fellingshau- f_e n vorgesehene Autoverbindung bis zu unserem Städtchen weitergeführt. Kreis Marburg. v. R o r d e ck, 22. Rov. Am heutigen Totensonntag fand am Kriegerdenkmal der hiesigen Gemeinde eine erhebende und eindrucks- noilc Gedenkfeier für die Gefallenen unter Beteiligung des Krieger- und des Gesangvereins, sowie ocr ganzen Gemeinde statt. Die Feier eröffnete der Gesangverein mit dem Liede: „Stumm schläft der Sänger", worauf der Ortsgeistlich?, Pfarrer Hilpert, tiefergreif'en te zu Herzen gebende Worte an die Anwesenden richtete, anknüpfend an das Wort: „Sei getreu bis j in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens ' geben". Krieger- und Gesangverein legten je einen Kranz nieder, worauf der Geistliche ein ernstes Gebet und den Segen sprach. Mit dem stimmungsvollen Vortrag des Liedes: „Das letzte Geleit" be chloh der Gesangverein die würdevolle Seiet. ÄNa! «statt. WSD. Frankfurt a. M., 23. Nov. Der im Hause Fahrgasie 34 roobnenbe Schreiner Karl Obel wurde heute vormittag gegen -10 Uhr von seiner zu Besuch gekommenen Schwägerin tot im Bette aufgefunben. Die Frau d-. Obel lag zu Bett und schlief. Die Mordkom :.on nahm den Tatbestand auf und veranlaßte bic Sistierung der Frau. Heber die Todesursache des Mannes herrscht noch Unklarheit. Die Leiche wies keinerlei Verletzungen auf. Es ist denkbar, daß ein Schlaganfall vorliegt. Die Frau selbst £atte ein blaues Auge, was auf einen Familienstteit schließen läßt. In der Nachbarschaft ist bekannt, baß die Ehegatten Samstags und Sonntags sich viel in den Wirtschaften aufzuhalten und dann nicht ganz nüchtern heimzukehren pflegen, wobei es häusia zu Tätlichkeiten gekommen sein soll. Die Untersuchung dürste Licht in die Angelegenheit bringen. — Der kürzlich in Eckenheim durch einen Halsstich getötete Zi - neuner heißt nicht, wie bis jetzt angenommen, Karl Kreutz, sondern Johann Winter st ein. Als vermutlicher Täter kommt der 26jährige Zigeuner Kinophas Schmidt aus Mühlheim am Neckar (Württemberg) in Frage, der angegeben hat, Adolf Winter zu heißen und Papiere auf mehrere falsche Namen eingenäht bei sich trug. Er hat bei der Tat selbst eine leichte Stichverletzung am Bauch und eine ungefährliche Neoolverschußver- letzung im Oberschenkel bavongetragen. Er ist verhaftet und leugnet die Tat, hat aber unzweifelhaft ben Winterstein mit einem bei ihm vorgesun- benen blutigen Klappmesser erstochen. Die etwa 30 vernommenen Zeugen (meistens Zigeuner) sagten übereinstimmenb aus, baß Winterstein unF Schmid! die zusammen zahlreiche Wirtschaften besucht hatten, dabei miteinander Streit bekommen haben. Gegen -2 Uhr nachts suchte der Täter bann Unterkunft im Wohnwagen der Zigeunerfamilie Walther, wurde aber abgewiesen. Der Ermordete folgte ihm nach und hat zwei Schüsse in den Wagen abgegeben, von denen einer den Schmidt leicht traf. Dieser stürzte sich bann von hinten auf Winterstein unb versetzte ihm einen langen tiefen Schnitt in ben Hals. Der Ermorbete hatte noch soviel Kraft, dem Täter zu folgen, hat möglicherweise auch zweimal den Re volver abgebrüeft; doch sind diese Patronen als Versager festgestellt worben. Er ist bann zusammen gebrochen und hat sich verblutet. Auch sein Revolver war stark mit Blut besubelt. Wie jetzt feststeht, ha! der Mörder ben Namen Winter nur beshalb an genommen, weil er Pfingsten 1924 an einem Zigeuner namens E ck st e i n eine schwere Kör perverletzung begangen hat, wegen der er sich demnächst noch vor dem Amtsgericht Reinheim i. £*. zu verantworten haben wirb. „Altes und neues Spielzeug." 3m Haus Werkbund hat die Frankfurte>- Messe- und Ausstellungsgesellschaft eine eigenartige, vom kulturhistorischen Standpunkt aus ungemein interessante Spielwar nschau veranstaltet. Direktor Sutter und Dr. Lübbecke haben sich in allererster Linie um das Gelingen dieser reizvollen Ausstellung verdient gemacht. Das Historische und Dölkermuseum sowie eine ganze Reihe Frankfurter Familien haben d'esern ausgezeichneten Gedanken ihre praktisch wertvolle Unterstützung angedeihen lassen. Dereitwilligst haben sich alte Sp'.elwarenschränke geöffnet, Dinge, mit denen einst Urgroßvater oder -mutter spielte, an das Licht unserer Tage zu fördern. M'i Freuden haben viele, all das, was zu den Tributen einstiger schöner Kinderzeit gehörte, zu der Ausstellung beigesteuert und durchwandeln m t liebevollem Stolz die Räume, da ihre Herrlichkeiten unter Glas den Besucher entzücken. Es sind auf diele Weise prachtvolle alte und neue Spielzeuge zusammengekommen. Man sieht Dinge, die von dürftigem Dürgertume erzählen, die kleinen Spezereiwaren- und Puhläden, die behaglichen alten Küchen mit dem mächtigen Rauchfang und bem Kupfergeschirr an den Wänden, und die ganz prächtigen alten Puppenhäuser, deren ganzer architektonischer Aufbau rrebft Wohnungseinrich tung ein getreues Spiegelbild ihrer Zeit sind. Alt-Frankfurt mit seinem behaglichen Leben ersteht aus diesen Spielzeugen, bei welchen sogar der Dleichplatz nicht fehlt rrnd ein getreues Abbild der Hauptwache mit prächtigen Frankfurter Regimentern den Höhepunkt bildet. Schönere Zetten werden in diesen Dingen lebendig. ..Was verloren, kehrt nicht wieder, aber ging es leuchtend nieder, leuchtet's lange noch zurück?" Etwas von diesem Leuchten liegt über den Räumen, die diese Spiefwaren beherbergen. — Aber auch die neueren unb ganz neuen Spielzeuge sind von nicht nur Kinderherzen begeisternder Schönheit. Sehr oft kommt frischer Humor dabei zum Ausdruck, hauptsächlich bei den Tieren und Puppen. Wenn sich das alte Puppenhaus durch seine oft geradezu kostbaren Einrichtungen auszeichnet (man sah Möbel aus S'lber), so ist das Puppenhaus von heute als Demonstrationsobjekt unseres sogenannten Zeitalters der Technik äußerst interessant. Ueberall ist elektrisches Licht eingebaut, der Rad'oapparat und das Grammophon dürfen nicht fehlen, man baut Erker und Wintergärten an. Sehr schon sind auch die elektrischen Straßen- und Eisenbahnen, die bei Jungens wahre Begeisterungsstürme auslösen. Die Aufstellspiele bilden ein Kapitel für sich. Besonders sehenswert ist die SttuwwelPeteraus- gabe in allen Sprachen der Welt und die Ausstellung der Orig'nalzeichnungen dazu. Es ist eine Freude, die Reihen dieser von künstlerischem Geiste und großer Liebe zeugenden Spielzeuge zu durchschreiten: echte Wc hnachtssiimmung bemächtigt sich unser beim Anblick dieser Grund- Posten des Paradieses der Erinnerungen, aus welchen der Mensch nie vertrieben werden kann. Lent Wüst. Rundfunk-Programm des 5kran7>nrt7r Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Mittwoch, 25. November: 4.30—6 Uhr: Nachmtttagskonzert des Hausorchesters: Solisten-Nachmittag. 6 bis 7 Uhr: Die Stunde der Jugend. 7 bis 7.30 Uhr: „Der Othello" non Verbi, Vortrag von W. W. Göttig. 7.30—8 Uhr: Stunde des Sübwestbeutschen Nabio- klubs: E. Becker: „Die physikalischen Vorgänge in der Elektronenröhre". 8—8.30 Uhr: Englischer Unterricht. 8.30—9.30 Uhr: Konzert des Hausorchesters. Anschließend: 10 Minuten „Literarisches Preisausschreiben". 10—11 Uhr: Ucbertragung von Kassel. Lceber-Abenb. r\?T Rach Münzenberg. Es war bereits am 16. Rovcnnber im „Gießener Anzeiger" bekannt- gegeben worden, daß die Rümmer vom 18. (preußisc'er Buh- und Tettag) ausfällt. Die Ursache lag in einem ilebcrcinlommen mit unserer technischen Mitarbeiterschaft, die tariflich Anspruch auf einen achten Feiertag im 3ahr hat. Dieser Tag fiel für das laufende 3ahr auf den Buh-- und Beklag. SS?" für Äüngee/ Äportsleme/ Raucher