iir. 197 Erstes Blatt 175. Jahrgang Montag, 24. August 1925 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drurf und Verlag: Brühl'fche Unioerfitütr-Such und Steinöruderei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Sefchästrftelle: Schulftrahe 7. Annahmc von Snzetgen für die lagtenummtr ois zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichlieit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite Sr1lich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re» Klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20*/, 2Iuf» fchlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen Erscheint täglich, außer Somu und Feiertags. Beilagen: GiebenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monats.vezugspreir: 2 Goldmark u. 20 Gold» Pfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Snschlüsse: Schriftleitung 112, Der» lagundGeschästsftellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSiehen. postfchecNonto: $ranffuri a. M. 11686. England und China. Drohende Isolierung (Englands im fernen Osten. London, 23. Äug. (TOD ) Der diplomatische Sondermitarbeiter der „Sunday Expreß" schreibt über die schwierige Lage, in die die britischen SchiffahrtSkreise durch den D o y» t oi t der Regierung in Kanton verseht worden sind Don maßgebender Stelle verlautet, das beunruhigendste Merkmal der Lage sei die Ent» deckuna, daß Amerika und Japan wahrscheinlich Großbritannien keine Unterstützung gewähren würden, falls sich die britische Regierung durch den Boykott der britischen Schiffahrt gezwungen sehen würde, eine Aktion der britischen Flotte anzuordnen. Die Gefahr, daß Großbritannien allein stehen würde, wenn es die Politik verfolgen sollte, die nicht nur kostspielig sein, sondern auch dazu beitragen würde, sich die Freundschaft Chinas in der Zukunft zu entfremden, verursacht in amtlichen Kreisen große Besorgnis, da die Meinung bestehl, bah eine isolierte Aktion Großbritanniens eine Ausdehnung der Dovkottpoli- tik gegen England über China hinaus auf andere britische Märkte, z. B. in Indien, Burma und anderen östlichen Handelszentren. unabmehbaren Schaden für den britischen Handel zur Folge haben könne. In feinem Leitartikel weist auch der „Ob eroer' auf den Ernst der Lage in China hin und chreibt unter anderem: Wenn auch britische Untere scn in erster Linie bedroht sind, so muß die endgültige Regelung gemeinsam mit den anderen Nationen gesunden werden und bei jedem Schritt aus die Interessen der anderen Nationen Rücksicht genommen werden, was eine rasche und unabhängige Aktion verbietet. Der non der Negierung in Kanton gegen britische Schiffe, die Hongkong anlaufen, dekredierte Boykott, ist die äußer st e Herausforderung der Stellung Großbritanniens in China. Das nächste, was ge- Icheheu muß, ist die Entsendung eines Vertreters von hervorragender Stellung mit der Fähigkeit zur Behandlung dieser britischen 'Angelegenheiten in China. Die britische Negierung muß maßgebenden Rat und Informationen direkt aus China haben, und sie muß weiter eine solche Unterstützung Amerikas und Japan s zu erlangen suchen, die sie selbst zu geben bereit sein werde, falls diese beiden Länder in eine ähnliche Lage versetzt sein würden, wie die, in der sich Großbritannien jeht befindet • Die britisch- I.inesifchen Verhandlungen gescheitert. H a n f a u, 22 Aug (Rruter.) Die Derhand- hingen ztrifck:., dem britischen Generalkonsul und dem chia fischen Kommissar für auswärtige Angelegenheiten über die Verteidigung des Konzessiv nsgebietes, insbe'onLere das Zusammenwirken mit der chinesisch: i Pilizei, sind gescheitert. Der K?mmissar forderte eine Entschädigung von 7500 Pfund für die bei den Unruh n am 11. Juni Geloteten und Ver- trunbet en. Der Genrrallonsnl verließ daraus das Derhantlungszimmer und die Beratungen wurden ergebnislos abgebrochen. Laillaux' Reise nach London. TtürmifNic Zwischensalle itt (Calais. Baris, 24. Aug. (111.) Caillaur ist gestern mittag nach London abgereist und hat auf dein Pariser Nord'oalmhof vor Zeitungsvertretern eine Erklärung verlesen, in der cs heißt: Nach englischen yiättcrflimnun wird damit gerechnet, daß ich in London ein G e n t l e m a n - A b k o m m e n unterbreiten werde. Ich glaube aber, daß ein solches Angebot nur eins ist, das man auch tatsächlich halten kann. Die französische Regiening hat daher mich nur Vorschläge solcher Art ins Atigc gefaßt. Sie habe volles Vertrauen auf den Gerechligkeits- fmn des edlen britischen Volkes und sei davon über- Ztl'gt, daß Schaßkanzler Churchill die Intcresscnge« meinschast der beiden Länder durchaus begreife. Bei der Abfahrt von Calais kam es zu lebhaften Kundgebungen. Dr. Deroide, Führer der royalistischen Ortsgruppe, gab, als Cail- laur in den Zug flieg, das Signal zu dem Ruf: „Nieder mit Caillaux! Es lebe Calrne11e (der von Frau Caillaur seinerzeit erschossene Figaroredakteur. D. Red.), es lebe C I e m c n c e a u!" Dr. Deroide wurde verhastet. Die Presse will wissen, daß Cciil- laur dem englischen Schaßkanzler präzise V o r- chläge unterbreiten wird, die sich wie folgt zu» fammenfanen lassen: Jeweilige Nevision der fran- zostschen Zahlungsfähigkeit und Ueberprüfung der interalliierten Schuldenbeträge je nach den Schwankungen auf dem Devisenmärkte. Caillaux nimmt sich außerdem vor, den Nachweis bafür zu erbringen, uronfreid) entgegen der Auffassung der englischen Bloter 1926 weit mehr Steuern entrichte als Großbritannien. Englische Presseftimmen zu Caillaux' Mission. London, 23. Aug. (WB.) Die gesamte britisch» Presse erörtert bereits mit lebhaftestem Interesse Caillaux' bevorstehenden Besuch im britischen Schatzamt. Garvin schreibt im .Observer": Caillaux' Besuch ist der wichtigste, der seit Jahren englischen Boden betreten hat, da Caillaux der Mann ist, der im Leben Frankreichs und Europas noch lange Jahre eine immer wichtiger werdende Rolle 'btekn wird- Caillaur wird zwar keineswegs ein leichter Unterhändler sein, aber er weiß Denigstens, daß eine Regelung der Schuldensrage zustande kommen muh. Garvin weist ferner daraus hin, daß infolge der Haltung Amerikas gegenüber Großbritannien die britische Regierung gezwungen fei, die Rückzahlung ihrer Anleihen von den Alliierten zu verlangen. Er glaubt nicht, daß sich die Regelung der Schulden glatt und programmäßig bis 1930 oder 1990 abwickeln werde. Die Staatsmänner Großbritanniens. Frankreichs undDeutsch- lands müßten danach streben, zwischen diesen drei Ländern — Belgien uno Italien nicht ausgeschlossen — einSyftemwirtschaftlichen Zusammenwirkens zu schaffen, das sich mindestens bis in die Sphäre der afrikanischen Erhaltet das Werk Zeppelins! Ausruf zur geppelin-Eckener- Schon einmal hol ganz Deutschland von der Diemel bis zum B oben fee in einmütiger Begeisterung das Werk Zeppelins, bas das Wahrzeichen des Willens, der Sehnsucht und der Gröhe des wenschengeiftes ist, getragen und als Ration fortgeführt. Damals nach Echterdingen. Wieder ergeht der Ruf, dieses Werk, das Gemeingut des deutschen Volkes, nicht untergehen w lassen, und di- Schöpfung des Zeppelins der wissenschaftlichen Forschung dauernd zu erhalten, wir alle wissen, wie es vor einem Jahre war, als „Z. R. 3*. das glückhafte Schiff, über Deutschland flog, und wie bann die Welt voll Spannung und Bewunderung die Fahrt nach Amerika durchlebte. Aus dem armen bedrängten und gefesselten Deutschland flieg eine der größten Kulturtaten frei und leuchtend empor, wir haben es erlebt. Das Echo der ungeheuren brüderlichen Begeisterung Amerikas, als „Z. R. 3“ über Reuyork erschien, (log nach Deutschland zurück. Der Zeppelin und sein Führer, Dr. Eckener, halten eine große und stolze Kulturausgabe erfüllt. Zum erstenmal nach trüben und bitteren Jahren erwarb sich der deutsche Name wieder Geltung und Ruhm. Deutschland hatte eine Weltleistung vollbracht, die klar und unbestechlich für feinen willen zum Ausstieg und zur friedlichen Kulturarbeit sprach. Die Tat haben der Luftschiffbau Zeppelin, Dr. Eckener und die tapfere Besatzung vollbracht. An uns ist es, zu danken. Die Werst in Fried- richshasen will ein neues Luftschiff bauen, das gewaltige wissenschaftliche Probleme lösen soll: Ansuchen des Nordpols und Erforschung der Arktis. Das Schiff soll aber auch den widerstrebenden Beweis bringen, den wir alle beim Flug des „3. R. 3“ schon empfunden und gewußt haben, daß diese deutsche Erfindung das großartigste Verkehrsmittel unserer Zeit ist. Die Länder werden nähergerütff, die Meere sind überbrückt und die Zukunftsträume der Menschheit werden Wahrheit, wenn wir die Energie aufbringen, das Werk in Friedrichshafen fortzuführen, werden deutsche Technik und deutscher Wagemut wieder Weltgeltung erringen. Eine „Zeppelln-Eckener-Spende des deutschen Volkes" muh die erforderlichen Mittel schaffen? Es handelt sich um eine Angelegenheit Deutschlands ohne Unterschied der Partei oder der sozialen Stellung. Es geht den geistigen Arbeiter ebenso wie den Mann am Amboß und Pflug an. wir wissen, daß Deutschland gegenwärtig schwere Zeiten durchlebt. Aber das vertrauen auf den Idealismus des deutschen Volkes gibt uns die Zuversicht, daß kein Volksgenosse abseits stehen wird, wenn der Ruf an ihn ergeht. Gerade der Gedanke, daß jeder sein Scherslein gibt, muß die Bedeutung dieser volks- fpende ausmachen, wirklich arm ist nur das Volk, das keinen Pfennig mehr für ideale und kulturelle Zwecke übrig hat und feine geistigen und technischen Kräfte verfallen läßt, wir haben den willen und das Recht, als Kulturnation zu leben. Die volksfp.nde soll diesen willen und das Bewußtsein unserer geistigen Freiheit neu beleben. Es gehl um das Erbe von Zeppelin, um eine große, leuchtende beuffdte Idee. Landent von Achenbach, Vorsitzender des deutschen Landtreist.iges in Berlin, Allgemeiner Dcutsch?r. Gewertschaftsbund. Bundesvorstand in Berlin L e i P a r 1, Dr. Ackermann, Oberbürgermeister in Stettin, Dr h. c. A den au er Ötcibürgcrmelfter in Köln, Paul "Boeder, Chefredakteur, M. d. R. und Borsihender des Reichsverbandes der dreutfchen Presse in Berlin, Frau Dr. Gertrud Bäumer, M. d. R. in Berlin, Frau Dr. med. h. c. Margarete Dehm, M. d. R. in Berlin, Dr. Bella n, Oberbürgermeister der Stadt Eilenburg, Vorsitzender des Reichsstädtebundes und Mitglied der R. W. R. in Eilenburg, Georg Bernhard. Chefredakteur und Vorsitzender der Reichsarbeiisgemeinschaft der deutschen Presse in Berlin, Dr. Dr.-Jng. h. c. Beumer -Ham- l urg. Blümer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden. Bo eß, Oberbürgermeister und Vorsitzender des Vorstandes des deutschen Etädtetages in Berlin, Dr. Hermann- Bücher. Wiril. Legationsrat a. D. Berlin, Landrat Dr. Constantin, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des deutschen Landkreistages in Berlin, Dr "Wilhelm Cuno-Hamburg, Professor Dr phil. Dr.-Jng. c. h. Dr. h. c. D.D u i s- berg. Geheimer Regierungsrat und Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Industrie- Berlin, Fehrenbach, Reichskanzler a. D., Rk d. R. Freiburg i. Br„ Marie Fröhlich, Flottenbund deutscher Frauen, Fieser, Oberbürgermeister von Baden-Baden, Wilhelm Flügel, Vorsitzender des Deutschen Deamtenbun- des Derlin-Grunewald, Geheimrat Grosse, Bund der Ausländsdeutschen e V. Berlin, Gerhart Haup t m a n n-Agnetendorf i. Riesengebirge. Hans Hei der, Professor in München, Dr.-Jng. h. c. Ph. Heineken, Präsident des Spende des deutschen Volkes. Reichslandbundes in "Berlin. Professor Her- gefelL Geh. Regierungsrat in Berlin-Linden- berg. Rudolf Herzog. Obere Burg zu Rhein- breitbach bei Hnfel, Arn Hermann Hillger - Spiegelberg. Bundesvorstand des Reichstandbundes. Mitglied des Preußischen Landtages und Vertoaltungsrat der Deutschen Rentenbank in Berlin, Professor Dr. h. c. Graf Leopold Kalckreuth-Cd- d e l f e n. Post Hittfeld. Kreis Harburg, Graf K a l ck r e u t h, Präsident des Reichslandbundes in Berlin, Professor A. Kampf- Berlin-Charlottenburg, Professor Dr.-Jng. h. c. Dr. phil. G. Klingenberg. Geheimer Daurat und Vorsitzender des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin. Dr. v. Knilling, daher. Staatsminister a. D. in München, Erich Koch- "Weser. Reichsminister und Bürgermeister a. D. M. d. R. in Berlin. Kommerzienrat Dr. H K r u m b h a a r, Vorsitzender des Vereins deutscher Zeitungsverleger in Liegnitz. Rechtsanwalt C. Lammers, M. d. R. und Präsidialmitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie in Berlin-Charlottenburg, Dr. L a u t e n s ch l ä g e r. Oberbürgermeister in Stuttgart. Leicht Domkapitular und M. d. R. in Berlin. L e m m e r. M. d. R. und Generalsekretär des Gewerkschaftsringes deutscher Arbeiter-. Angestellten- und Beamten verbände in Berlin, Dr. Th. L e w a l d, Wirklicher Geheimer Rat und Staatssekretär z. D. Berlin, L ö b e, Präsident des Deutschen Reichstages in Berlin. Professor Wilhelm Loewith, München, Prof. L. M a n z e l. Berlin-Charlottenburgs Frau Clara Monde. M. d. R. in "Berlin. Professor Dr. Adolf Mi et he. Geh. Regierungsrat in Berlin- Wilmersdorf, Paul Mihla f f, Oberbürgermeister a. D und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des deutschen Städtetages in "Berlin, Hermann Müller- Franken, Reichsminister a. D. und M. d. R. in Berlin, Professor Dr. E O r l i ch, Geh. Regierungsrat und Rektor der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg, Professor Dr. Albrecht P e n ck, Geheimrat in Berlin, Bürgermeister Dr. Carl Petersen. Präsident des Senats der freien und Hansastadt Hamburg, Geheimrat Dr. P s e l f ch i s t e r, Präsident der Deutschen Akademie in München, H. P l a t e, Präsident der Handwerkskammer und Ehrenmeister des deutschen Handwerks in Hannover, Walther vom Rath, Dr.-Jng., Cronberg L T., Direktor Richter, Reichsverband der deutschen Presse in "Berlin, Professor Richard Riemerschmid, München-Pasing. Prof. Dr. Ri eh er, Geh. Rat, Vizepräsident des Reichstages und Vorsitzender des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes in Berlin, Dr. Artur Salo- m o n s oh n, Geschäftsinhaber der Discontogesell- schast in Berlin, Dr. Hjalmar Schacht, Reichsbankpräsident in Berlin, Karl Scharnagl, erster Bürgermeister in München. Professor Dr. Scheel, Vorsitzender des Deutschen Hochschul- rerbanbes in Kiel. Dr. F. Schmidt. Vorsitzender der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft in Berlin-Steglitz, Dr. Schnee, Wirkt. Geheimer Rat, Gouverneur x. D. und M. d. R. in Berlin, Dr. Scholz. Reichsminister a. D. und M. d. R. in Berlin. Professor Friedrich Schreker, Direktor der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin, Professor Dr. Walther Schücking, M. d. R. in Berlin, Kommerzienrat Heinrich S e d l m a y r - München. Dr. Simon, Verleger der „Frankfurter Zeitung" und Vorsitzender der Reichsarbeitsgemeinschast der deutschen Pressp in Frankfurt a. M, Dr. Georg S o l m s s e n, Geschäftsinhaber der Discontoge- sellschaft in Berlin, Dr.-Jng. Sorge, M. d. R. und Ehrenvorsitzender des Richs Verbandes der deutschen Industrie in Derlin-Rilolassee, Dr. Oswald Spengler - München. Dr. von S t a u ß, Direktor der Deutschen Bank, Dr.S t e g e r w a l d, Ministerpräsident a. D. und M d. R. in Berlin- Dahlem, Herbert S t e l t e r, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Studentenschaft in Berlin- Charlottenburg, Professor Deesemeyer, Rektor der Technischen Hochschule in Stuttgart, Max M. Warburg-Hamburg, Frau Ministerialrat W e b"e r, Ministerium für Volkswohl'ahrt in Berlin, Geh. Kommerzienrat Eugen Zentz - München. Gustav R i ck e l t, Präsident der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger. Der. Ludwig Fulda, Vorsitzender des Vereins deutscher Bühnenschriftsteller, Rechtsanwalt Artur Wolff, geschättsführender Direktor des deutschen Bühnen Vereins. Die Geschäftsstelle der Ieppelin- Eckener-Spende. Friedrichshafen, 24. Aug. (Sil.) Das Eckener-Bureau teilt mit, daß die Geschäftsstelle der Zeppelin-Eckener-Spende sich in Berlin W 50, Kurfürstendamm 13, befindet. Die Organisation der Spende hat Generaldirektor C o- böten übernommen. Kolonien aus dehne. Dies würde ein Mittel fein, um das Problem der europäischen Versöhnung und Sicherheit zu lösen. Wann diese Bewegung einsehen werde, könne man ebensowenig Voraussagen, wie, ob sie von Caillaux geführt sein werde oder etwa von Lloyd George, wenn dieser wiederum an der Spitze eines liberalen Ministeriums zur Macht komme, oder von irgendeinem anderen Führer. Der Zwang, an Amerika Rückzahlungen leisten zu müssen, werde mehr als der Bölferbunb dazu beitragen, die Einigkeit, die Macht und den Reichtum Europas zu fördern. Der Deutsche Katholikentag. Stuttgart, 24. Aug (Wolfs.) Der diesjährige Katholikentag wurde am Samstagabend bei außerordentlich reger "Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands mit einer Begrüßungsfeier eröffnet, bei der u. a. auch der Württembergische Staatspräsident Bazille begrüßende Worte an die Versammlung richtete Der Sonntag wurde durch einen Festgottesdienst eingeleitet, bei dem Bischof Dr von Keppler die Predigt hielt. Die Pontifikalmesse wurde von dem päpstlichen Delegierten, Runtius P a c e l l i zelebriert. In der dann folgenden Versammlung im Saal der Liederhalle wurde die von Geheimrat Dr. P o r s ch - BreSlau eingebrachte Entschließung einstimmig angenommen. Die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands gelobt darin, nach wie vor darauf hinwirken zu wollen, daß die noch festere Verbindung der katholischen Herzen, die innere Erneuerung der Seele, die Wiedervereinigung der getrennten Christen und der Völkerfriede gefordert werden. Hierauf wurde an den Papst ein Telegramm abgesandt, in welchem die Generalversafninlung ihm unwandelbare Liebe und treuesten Gehorsam gelobt. Die erste öffentliche Versammlung halte einen Massenbesuch aufzuweisen. Aus dem Podium in der Liederhalle hatten unter den Ehrengästen Herzog Philipp Albrecht von Württemberg und Reichskanzler a. D Dr. Marx Platz genommen. Mit großem Jubel und Händeklatschen begrüßt, betraten der Runtius Pacelli und Bischof von Keppler den Saal und begaben sich auf die Ehrenplätze. Rach der Begrüßungsansprache des neugewählien Präsidenten von Cramer-Klett ergriff unter dem Jubel der Versammlung Runtius Pacelli das Wort. Rach Würdigung der Verdienste des Bischofs von Keppler fuhr Runtius Pacelli fort: Der Geist, der sein Lebenswerk adelt, ist auch der Geist dieser Tagung, der Geist der katholischen Liebe. Möge es der Tagung beschieden fein, Herold und Schrittmacher des Geistes opferbereiter Liebe zu werden, dann wird die Tagung würdig des hcÄigen Jahres sein. Der Runtius erteilte daraus den apostolischen Segen. Dann nahm Bischof Dr. o. Kepler bas Wort. Er erklärte, baß bie Not ber Zeit bem Katholiken- tay gewaltige Aufgaben stelle. Die ganze Mensch- hett fei krank unb nervös überreizt und sieche bahiii an einer ungesunben, fauligen Superkultur. Die Bölter ringsum seien von M i ß g u n st, Arg» wahn unb Eifersucht gegeneinander, auch wo sie Freundschaft heucheln unb papiemc Bünbnisse schließen. Deutschlanb sei in ben Staub getreten, in seiner Ohnmacht noch gefürchtet, aus Furcht gehaßt. Dos Wort Liebe habe so viel von feinem Bollklang, feiner Zündkraft, seinem Goldgehalt verloren. Ihm vor allem sei man eine Auswertung schuldig. Wenn ber Katholikentag bas Sei» mge tue zur Wieberherstellung unb Ausbreitung des Reichs ber Liebe, so arbeite er a nber Heilung ber entsetzlichen Zeitkrankheiten. Noch weiteren Referaten bes Unioersitätsprofesfors Dr. A. Don- bers (Münster) unb bes Paters Dr. Erhard Schlund (München) schloß ber Präsident mit Dankesworten die Versammlung. DieStockholmerttirchenkonserenz Die fttrdjc unb die sozialen unb sittlicher Fragen. Stockholm, 24. Aug. (TU.) Die Konferenz begann am Samstag unter bem Vorsitz bes Lorbbischoss von Winchester mit ber Behanblung bes Zweiten Programmpunktes bie sozialen unb sittlichen Fragen. Die Vorbereitung bieses Themas war ber europäischen Sektion übertragen worben. Generalsuperintenbent Dr. S ch o e 11 • Stuttgart erstattete ben Generalbericht. Er sprach u. a. über bie Bebeutung ber Familie als Grundlage einer gesunden Volkskultur, über das Problem ber Iugenbbewegung unb über bie sittliche Durchbrin- guna ber Arbeit mit christlichem Geist. Die Kirche müsse bas öffentliche Gewissen sein. Glaube unb Liebe werben bie Wett retten. Die Ausführungen Dr. Schoells würben burch Professor Scheer- Mühlhausen (Elsaß) unb burch ben Vertreter ber eftnifdjen Regierung ergänzt. In ber Diskussion kam Dr. Spicker- Berlin noch einmal auf ben Vorschlag ber schwedischen Delegation über die Errichtung eines Forschungsinstitutes für roirt- schasts-elhische Fragen zurück unb beantragte die Vewirllichung dieses Planes mit allen Mitteln zu betreiben. Ueber das erste Einzelthema des zweiten Progrommpunktes „die Familie unb bie Wohnungsfrage" sprachen Will Leason und M.h Cadbury -England. Sie gab in ihrer temperamentvollen Art eine Darstellung der Wohnungsverhältnisfe in England, wo man sowohl von der Regierung wie auch von gemeinnützigen Gesellschaften das Wohnungsproblem mit Energie angepackt und zum Teil gelöst habe. Seit 1919 wurden in England fast eine halbe M.llion Häuser gebaut. In den nächsten fünfzehn Jahren will man zweieinhalb Millionen Häuser bauen. Hierauf führte die deutsche Reichstagsabgeordnete Dr. Margarete Dehrn u. a. aus: Wenn die Mutter daheim Berufsarbeit leisten kann, so ist das ein großer Segen, denn wo die Mutter daheim arbeiten kann, da sinkt die Kindersterblichkeit und die Kriminalität der Jugend. Die Organisierung von Heimarbeiterinnen und die Schaffung gesunder Lebensbedingungen für ihre Familien bildet diese Aufgabe, der sich die ganze Welt widmen muh. Die Ausführungen der Rednerin wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Dann schilderte Gewerkschaftsvorsitzender Streiter - Berlin das Wohnungselenü in den Arbeiterquar tieren. ,wr heim. Landkreis Gietzen. am Dienstagvormittag ein M i n i st e r r a t der im der nison in Wiesbaden ablösen würden, seien nicht den Tatsachen entsprechend. Der Kamps um Alhucemas. Madrid, 24. Aug. (XU.) Die Beschießung der Insel 2llhucemas dauert an. Die Verwundeten werden fortlaufend von der Insel toep- getragen. Der Kommandant von AlhucemaS tft Die Ruhrbergarbeiter lehnen den Schiedsspruch ab. Bochum, 24. Aug. (TU.) In einer Bezirkskonferenz des Bergarbeiterverbandes in Bochum wurde der Lohnschiedsspruch im Ruhrbergbau abgelehnt und ein Ausgleich für d i e zunehmende Teuerung verlangt. Eine weitere Entschließung verlangt den Ausbau des Reichs-Knapp- schastsgesetzes und die Wiedereinführung der Familienhilfe wegen Gefährdung des Gesundheitszustandes der Arbeiterfamilien. Die Passivität des deutschen Außenhandels. Berlin, 24. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die reine Waren einfuhr weist im Juli gegenüber dem Vormonat eine beträchtliche Steigerung, nämlich um 147 Millionen Reichsmark, auf. Die reine Waren a u s f u h r ist um 57 Millionen Reichsmark gestiegen. Die sich auf Grund des reinen Warenverkehrs ergebende Passivität der Außenhandelsbilanz beträgt im Juli 417 Millionen Reichsmark gegenüber 321 Millionen Reichsmark im Juni. Bochum, 22. Aug. (B. Z.) Anläßlich September geplanten Besreiungskundgebung Reichsregierung wird neben dem Reichspräsidenten von Hindenburg auch eine Anzahl von Vertretern der preußischen Staatsregierung, wahrscheinlich der Ministerpräsident Braun und der Innenminister S e v e r i n g gemeinsam mit Hindenburg das Ruhrgebiet und die Stadt Bochum besuchen. Als Tag der Kundgebung ist der 18. September in Aussicht genommen. Die Vorbereitungen der Kundgebungen liegen in den Händen des Oberpräsidiums der Provinz Westfalen. fteüung । waren ei Wg Lew Mahl vor. Weller' - Schließ! verhält einer scharf unversucht einmndst r.h striaen 1 lebhafter Aeigeort 792 Stin Steinums m. f)c georbnettr abltl/nte, i Ser Wei Mohr L, qi tigten schul Ludwig hi Stimmen i waren um st T tigen De herige D Stimmen Stunde i konnte ni 0 Sur an geordnete daten tjoiti oiebergem 6 Gä netenwaht abfolutc 1 wähl z höchste 6 Landwirt ler und G s Be netenwah! 30. Augus Betracht k t =2 des Sasttr Lich tvu hvlländisc! durch ®Iodnc N)ti. D. We der dminz I Verlegung des englischen Hauptquartiers. Wiesbaden, 24. Aug. (TU.) Wie der ,.Mainzer Anzeiger" von authentischer Seite erfahren haben will, wird das Hauptquartier der englischen Besahungstruppen nach Räumung der Kölner Zone nach Koblenz verlegt werden und zwar, wie es heißt, aus materiellen, wirtschaftlichen und strategischen Gründen. Alle andern gegenteiligen Meldungen, vor allem, daß die Engländer die französische Gar- £ Wieseck, 24. Aug. Bei der gestern stattgefundenen Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Beigeordnete Karl Schäfer III., ber vor kurzem auf eine 25jährige Tätigkeit als Beigeordneter zurückblicken konnte, mit 753 Stimmen auf weitere 6 Jahre gewählt. Der Wahl war am Samstag eine öffentliche Versammlung vorausgegangen, in der Gemeinderatsmitglied Heinrich Schmidt ei klärte, mit den Gerüchten, nach denen er für diese Wahl kanditiere, nichts zu tun zu haben. Somit ver- einigten sich alle abgegebenen Stimmen auf den seitherigen Beigeordneten. Abgegeben wurden 757 Stimmen, drei waren ungültig, eine davon infolge eines „dichterischen" Scherzes von linksradikaler Seite, eine gültige Stimme entfiel auf den Ortspfarrer Sattler. £ Wiefeck, 23. Aug. In feiner letzten Sitzung nahm der Gemeinderat eine Umstellung der Gemeindeumlagen vor. Demnach sollen für bas laufende Rechnungsjahr pro 100 Mark Steuer- mert erhoben werden: Von den Gebäuden und Bauplätzen 16 Pf. an Stelle von 21 Pf„ von den land- und for st wirtschaftlich genutzten Grund st ücken 40 Pf. an Stelle von 42 Pf., vom gewerblichen, land- und for st wirtschaftlichen Anlage - und 23 e* triebskapital 60 Pf. an Stelle von 30 Pf. Die Erhöhung der letzten Steuerart fällt gegenüber den Ermäßigungen der anderen kaum ins Gewicht, sie soll trotz der Erhöhung im Jahre etwa 2700 Mark bringen, das seinen Grund in dem geringen Betriebskapital hat und von den Beteiligten in Anbetracht der Grund- und Gebäudesteuer leichter gern o ch zu veröffentlichen, eingehen werde, da für eine Verzögerung der Veröffentlichung bis Freitag kein verständlicher Grund vorliege. Das Blatt teilt weiter mit, daß sich ' mit *65 S">, überall^ O AK fe Ä' Sf v; orts juigenomni KcnehiE ieitgcW r ein Sava Die Quarr umg K® 95 Wichs' fielen-1 eine Brfchl tuijimanöv W der ?- niinister fest tonnt«- U'r einigennaßV' membtrot 1 zu erhohf gtmeinberni gewitzigt.be zukünfU abzuleh eyordewch für den ab anzufchajs later M Ziegenbölk an Stelle gestellt n Sitzung 'Lnstell' netn e« Mifteüenbe DieSorge jederHausfrau istes haltbar, wohlschmeckend, und gut bekömmlich emzu- kochen. Unerreicht hierin als Einmach- und Speise- Essig ist der selbst Macenkranken empfohlene Citrovin-Essig Verlangen Sie daher nicht Essig, sondern autzdrück» lich Citrovin-Essig. 1 Flasche - 3-4 Str. ge- brauchSf. Essig, daher nicht teurer als guter Essig In ber Rachmittagssitzung beschäftigte sich der Führer der deutschen Jugendbewegung Dr. S1 a e h l in- Rürnberg mit der L a g e d e r deutschen Ingen d. Wenn man die deutsche Jugend betrachtet, so zeigt sich deutlich die Kultur k r i s e, in der wir leben. Es ist Aufgabe der Kirche, die Jugend ernst zu nehmen in ihrem Ringen um Wahrhaftigkeit und Lebenseinheit. Hierauf geißelte die Reichstagsabgeordnete Frau Müller-Otfried-Hamrover unter starkem Beifall der deutschen Delegation die Einrichtung von Bordellen im besetzten Gebiet und richtete an die Konferenz den Appell, gegen diese Schmach vorzugehen. Dann ergriff Reichsgerichtspräsident Dr. Simons zu einem Vortrag über Christentum und Verbrechen das Wort, in dem er u. a. aus- sührte: Das Verhältnis des Christentums zu den Problemen des Verbrechens und der Strafe scheint ,je länger man sich damit beschäftigt, desto verwickelter zu werden. So war denn auch die Haltung der christlichen Gemeinschaft gegenüber dem Strafrecht des Staates von jeher schwankend und widerspruchsvoll. Christus selbst hat es abgelehnt, sich bei Streitfällen zwischen den Jüngern zum Richter anrufen zu lassen. Die soziologische Wissenschaft und die psychologische Analyse schiebt die Verantwortung auf die unheilvolle Umgebung des Verbrechers. Der Redner erörterte in diesem Zusammenhang auch die Frage des bedingten Straferlasses und erklärte, daß der Strafaufschub gerade bei dem einfachen Volke Bedenken begegne. Im anderen Lager ständen die Anhänger der Vergeltung, denen es nicht um den Täter, sondern um die Tat zu tun sei. Eine Verletzung der Rechtsordnung müsse nach ihrer Auffassung gesühnt werden. Eine klare Entscheidung hinsichtlich dieser einander gegenüberstehenden Meinungen gebe das Christentum nicht. Bemerkenswert sei auch, daß man selbst in den aufgeklärtesten christlichen Ländern immer wieder bei grausamen Verbrechen zu der Todes st rase zurückkehre. Die christliche Religion werde es jedoch nicht unterlassen dürfen, den Staat vor einer«Aeberspannung seiner Strafgewalt zu warnen. Am Sonntag ruhten die Verhandlungen der Weltkonserenz. Vormittaas und nahmittags sanden in allen Kirchen der S^adt Gottesdienste statt, in denen hervorragende Prediger der einzelnen Länder redeten. Von besonderer Bedeutung war die Gedächtnisseier in der Gustav-Wasa-Kirche zur Erinnerung an den während der bolschewistischen Anruhen ermordeten Patriarchen Tichou. Eine unübersehbare Menschenmenge hatte sich schon lange vor Beginn der Feier auf dem großen Platz vor der Kirche angesammelt, um den Einzug der Kirchenfürsten zu sehen. Der große Kuppelraum des Domes war überfüllt. Kurz nach 9 Ahr zog die Schar der kirchlichen Würdenträger in feierlicher Prozession zum Altar, vor dem die Patriarchen der orientalischen Kirchen, an ihrer Spitze der Patriarch von Alexandrien, Aufstellung nahmen. Rach dem Gesang der Litanei durch zwei Chöre sprach der Metropolit von Rumänien als Vertreter der orthodoxen Kirchen des Orients. Patriarch Tichou sei das vornehmste Opfer dieser Wirren geworden. Ihm zu Ehren begehe man diese Gedächtnisfeier. Der Metropolit sprach dann von seinen Hoffnungen, die er für das Gelingen der Weltkonferenz hege. Die E in i g k e i t d e r K i r- chen fei sein heißester Wunsch. Für die abendländischen Kirchen redete der Erzbischof von Dublin. Auch er sprach von den Leiden der orientali- • schen Kirchen und brachte das Mitgefühl des Westens zum Ausdruck. r Der internationale Sozialistenkongretz. Marseille, 23.Aug. (TU.) Hier ist am Samstag unter starker Beteiligung aus allen Ländern der Internationale Sozialistenkongreß aufammengetre- ten. Am Sonntag standen zur Aussprache internationale Friedenspolitik, Abrüstung, Sicherung . usw. B u xt o n, früheres Mitglied des Kabinetts Macdonald, erklärte, der Krieg könne verschwinden, wenn die Arbeiter es wollten. Buxton beglückwünschte die Sozialisten Schwedens, Dänemarks und Hollands dazu, daß sie die allgemeine Ab - r ü ft u n g vorgeschlagen und zum Teil durchgeführt hätten. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß auch die Regierungen Prags und Brüssels dazu beitragen werden, eine allgemeine Abrüstung herbeizuführen. Selbstverständlich handle es sich nicht um eine einseitige, sondern um eine universelle Abrüstung. Das von Deutschland oorgeschlagene Oarantie- Projekt bedeute immerhin einen nicht zu unterschätzenden Fortschritt. Unter drei Voraussetzungen könne die internationale Föderation des Sozia- listenkongresses das Garantiepaktprojekt zulassen: 1. Grundsätzliche Stellungnahme zugunsten des Genfer Protokolls; 2. Erweiterung der Vollmachten des Völkerbundes; 3. Einberufung einer allgemeinen Abrüstungskonferenz gelegentlich der Unterzeichnung des Garantieprojekts. Der Redner trat zum Schluß für den baldigen (Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ein und erklärte, daß sich die Revision der Friedensverträge nicht mehr lange hinausziehen lasse. Auch H i l f e r d i n g hielt eine Rede in deutscher Sprache, die fortlaufend übersetzt wurde. Es heißt darin: Wir müssen im Geiste JaurLs den Kampf zur Begründung der Solidarität der Völker und der Souveränität des Völkerbundes fortführen. Der Völkerbund muß ein absolutes Dogma zurUn 1 er - sagung jeder Kriegserklärung aufstel- len. Aus diesem Grunde verlangen wir den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, ebenso wie den Rußlands und der Vereinigten Staaten. Die sozialistische Internationale muß dem Völkerbund gegenüber die Politik verfolgen, der die Prinzipien des Schiedsspruchs und der Abrüstung zu- gründe liegen. Hierauf kam Leon Blum auf die Ruhrbesetzung zu sprechen. Die Internationale könne mit Genugtuung feststellen, daß die Räumung des Ruhrgebiets, die Annahme des Sachverstän- bigenplanes und der Londoner Abmachungen dem Wirken der sozialistischen Parteien Frankreichs und Belgiens, überhaupt der sozialistischen Propaganda zuzuschreiben seien. *• D ie Sprechstunden der Für- orgestelle für Lungenkranke für den Kreis Gießen in der Medizinischen Aniversitäts- Poliklinik zu Gießen finden jeden Mittwoch nachmittag von 4 bis 5 Ahr statt. Auswärtigen Kranken, die nur mit Schwierigkeiten in die Rachmittagssprechstunden kommen können, ist es gestattet, schon in den Vormittagssprechstunden von 10 bis 12 Ahr zu erscheinen. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedücsen einer Aeberweisung ihres Arztes an die Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte, die eine entsprechende Bescheinigung ihrer Ortsbehörde vorzeigen, werden unentgeltlich beraten. ** (Ein Unglücksfall, ber leicht schwerere Folgen hätte haben können, ereignete sich am öams- tagmittag an der Wieseckbrücke am Ludwigsplatz. (Ein Fuhrwerk hielt, vom Ludwigsplatz kommend, die Mitte der Straße ein, so daß ein hinter ihm aufkommendes Personenauto beim Linksüberholen einen von der anderen Seite herankommenden Radfahrer, dem ein Ausweichen nicht mehr möglich war, vom Rade riß, ohne ihn zum Glück ernstlich zu verletzen. Das ist wieder ein Beispiel von der unglaublichen Fahrdisziplinlosigkeit, die in den Straßen von Gießen geduldet wird. Die Klagen mehren sich täglich, so daß man eigentlich eine energischere Behandlung unachtsamer Fahrzeug- und Fuhrwerks- führer erhoffen sollte. ** Ihren 83. Geburtstag feiert morgen, Dienstag, 25. August, die Heinrich Stüh ler Ehefrau, Margarete geb. Schäfer, hier, Wolf- ftraße 16, wohnhaft, in voller gesundheitlicher Frische. ** Austrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 443 Ochsen, 49 Dullen, 892 Färsen und Kühe, 498 Kälber, 132 Schafe, 4674 Schweine. Bornotizen — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ,,Die Rächt des Inferno". — Astoria-Lichtspiele. „Die Tragödie einer Frau". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Rochmals sei auf die morgige Erstaufführung des Lustspiels .Der Glückspilz" von Gustav Rickelt hingewiesen. Das Bad-Rauheimer Kurtheater hat mit dem Werke am vergangenen Samstag auch in Bad- Homburg gastiert und dort denselben lebhaften Heiterkeits^solg erzielt wie jüngst in Bad-Rau- seinen Wunden erlegen. General San Iurlo begibt sich von Algeciras nach Melilla. Er wird Alhucemas besichtigen. Spanische Flieger und der Panzerkreuzer „Alfons XIII.“ haben gestern die Artillerie^ stellung der Rifkabhlen in der Ducht von Alhucemas unter starkes Feuer genommen. Die Rifkabhlen haben versucht, das Feuer des Kreuzers zu erwidern, was aber erfolglos blieb. Das spanische Feuer hat in den Stellungen der Riskäbylen schwere Verwüstungen angerichtet. Der „Temps" meldet aus Fez, daß die Riftruppen dort ihre Taktik vollkommen geändert hätten. Disher hätten sie um jeden Preis jeden Fuß breit Doden zu behaupten versucht. Ieht jedoch zögen sie es vor, sich m ö g - lichst zurückzuziehen, um Verluste z u vermeiden. Diese Haltung mache es sehr schwierig, die Erfolge der französischen Truppen voll auszunutzen. Es bestätige sich, daß, wenn die französischen Verluste auch gleich null seien, auch die des Feindes verhältnismäßig gering seien. Die Lage habe es erforderlich gemacht, daß die Marineverwaltung ein zweites großes Hospitalschiff ausrüsten mußte. Es handelt sich um den großen Dampfer „Karoline" der Compagnie genßrale transatlantique, der gestern von Bordeaux nach Casablanca abgefahren ist, um Verwundete nach Toulon zu bringen. DerlettischeAußenminister Meierowiz f. Tätlicher Unfall bei einer Autofahrt. Berlin, 24. Aug. (TU.) Der lettische Außenminister Meierowiz ist Samstag abend b e i einer Autofahrt tödlich verunglückt. Der Minister befand sich mit Frau und Kindern auf einer Vergnügungsfahrt in der Umgebung von Riga. Neun Kilometer von Tukum fuhr der Wagen an einer Wegebiegung in den Straßengraben. Das Auto stürzte um. Während die übrigen Insassen mit dem Schrecken davon kamen, trug der Minister Meierowiz schwere Kopfverletzungen da, von. Als der Chauffeur mit Hilfe herbeieilte, war er bereits verschieden. Lettland trauert heute um den verstorbenen Minister. Die Rigaer Zeitungen bringen lange Nachrufe, in denen die Trauer über den schweren Verlust durch den Tod des Ministers ausgedrückt wird. Meierowiz verwaltete das lettische Außenministerium fast ununterbrochen seit dem Bestehen des unabhängigen lettischen Staates vom Jahre 1918. Die deutsche Reichsregierung wird sich bei den Beisst- zungsfeierlichkeiten in Riga durch den deutschen Ge- sandten Dr. K ö st e r vertreten lassen, der auch der lettischen Staatsregierung das Beileid der deutschen Reichsregierung zum Ausdruck bringen wird. Auch in Deutschland wird das Ableben des lettischen Außenministers sehr schmerzlich empfunden werden, zumal Meierowiz erstkürzlichin Berlin war und in sehr deutschfreundlichem Sinne Beziehungen zwischen beiden Staaten angebahnt hat. StresemannzurAußenpolittk Hamburg, 22. Aug. (TA.) Die ^Schleswiger Rachrichten" bringen einen bemerkenswerten Aufsatz Dr. Stresemarms. Zur Außenpolitik bemerkt der Minister: Es hat keinen Sinn, darüber zu tadeln, was unsere Gegner wollen. Rotwendig ist mir, daß wirwissen, waswir selber an streben und wohin unser Weg führen soll. Jede moralische Schuld weisen wir mit Entschiedenheit zurück. Wir haben heute um so mehr das Recht, das zu tun, als jemals. Rach- dem die Veröffentlichungen über die auswärtige deutsche Politik bis zum Iuli 1914 gezeigt haben, daß diejenigen, die zum Weltkrieg hetzten, nicht in Berlin. sondern in anderen Hauptstädten saßen. Ader wenn wir den Verleumdern, die uns als Arheber des Weltkrieges hinstellen wollen, entgegentreten, so ändert das nichts an der Tatsache, daß wir nüchtern und kühl die Konsequenzen daraus ziehen müssen, daß wir den Weltkrieg verloren, und daß die Mehrheit der Rationalversammlung den Frieden von Versailles annahm. Isolierung ist selbst für die Starken gefährlich, für den Schwachen, den der Würger an der Kehle hat, ist es eine Torheit. Wir Haden uns für die lebende Generation entschieden und versuchen in zäher und steter Arbeit das Verlorene zu gewinnen. Wir suchen keine Händel in der Welt, aber wir möchten, daß wir endlich Ruhe haben gegenüber denen, die uns nicht wieder aufkommen lassen wollen. Dor Ueberreichung der französischen Antwortnote. Berlin, 24. Aug. (WTD.) Der „Mon- ‘ tag“ meldet, daß die für heute vorgesehene Aeber- reichung der französischen Antwortnote an Reichs- auhenminister Dr. S t r e s e m a n n um 5 Ahr nachmittags durch denfranzösischen Botschafter erfolgen werde. Das Blatt nimmt an, daß die französische Regierung auf den Vorschlag der deutschen Regierung, die Rote am Mitt- Aus aller Welt. Der Stinues-Dampser „Emil Kirdorf" überfällig. Hamburg, 24. Aug. (TU.) Bei der Verwaltung ber Stinnes-Linie finb keine näheren Wölbungen über ben Dampfer „Emil Kirbors", ber im Jnbis chen Ozean in Branb geraten war, eingetroffen. Die Stinnes-Linien haben für etwa notwenbig roerbenbe Hilfeleistungen von Aben aus einen Hilfsbampfer bem „(Emil Kirborf" entgegengeschickt. Auf bem Stinnesbampfer haben sich 50 Personen aus bem fernen Osten nach Hamburg eingeschifft, bie Mannschaft besteht aus 70 Köpfen. Neue Eifenbahtt-Nnglückc in Frankreich Paris, 24. Aug. (TA.) Gestern abend hat sich bei Dijon ein neues Eisenbahnunglück ereignet. Der Lyoner Schnellzug stieß mit dem Pariser Schnellzug in voller Fahrt zusammen, wobei mehrere Wagen völlig zertrümmert wurden. Der Dahnverkehr Paris-Lyon wurde in der Rächt mit erheblichen Verspätungen über andere Bahnstrecken wieder aufgenommen. Heute früh gab die Direktion des Lyoner Bahnhofes bekannt, daß bisher 5 Tote und 20 Verletzte geborgen seien. — Ein weiterer Eisenbahn-Anfall ereignete sich auf der Strecke Paris-Orleans, wobei die Lokomotive und ein Wagen des Pariser Schnellzuges auf dem Bahnhof L a g n e i 11 e entgleisten. Rur weil der Zug mit halber Geschwindigkeit fuhr, ist ein schwereres Anglück vermieden worden. Personen sind nicht zuschaden gekommen, dagegen ist der Materialschaden sehr beträchtlich. Schweres Branbunglücf. In St. Leon bei Wiesloch (Baben) brach Samstag gegen Mitternacht ein Großfeuer aus, bas mit unheimlicher Schnelligkeit um sich griff. Die Rettungsarbeiten mußten sich auf bie Bergung bes Viehs unb ber Bewohner beschränken, ba an eine Brandlöschung nicht mehr zu benken war. In wenigen Stunben waren vier größere Wohnhäuser unb sieben Scheunen mit bem gesamten Ernteinhalt ein Raub ber Flammen geworben. Bei ben Löscharbeiten würbe ein Feuerwehrmann schwer verletzt. 26 Personen finb obbachlos. Schwerer Autounfall. In Koblenz verunglückte ein mit 32 Personen besetztes Auto, wobei 3 Pers onen getötet und über 17 verletzt wurden. Es handelte sich um einen großen geschlossenen Wagen. der eine Reisegesellschaft aus Düsseldorf zur Stadt Ahrtal brachte. Der Wagen kam in einer sehr scharfen Kurve ins Schleudern und überschlug sich. Zehn Personen vom Ertrinken gerettet. Zwei Boote der Rudergesellschaft Germania gerieten bei einer Fahrt auf dem Rhein bei Bacharach in einen schweren Wellengang und kenterten an einer etwa 20 Meter tiefen Stelle. Sofort herbeieilende Rettungsboote retteten im letzten Augenblick sämtliche zehn Insassen vom Ertrinken. Geheimrat Eugen Gutmann f. Irn Alter von 85 Iahren ist in München nach längerem Leiden der Ehrenpräsident des Aufsichtsrates der Dresdner Bank und ihr Begründer, Geheimer Kommerzienrat Eugen Gutmann, gestorben. 60 000 Mark unterschlagen. Der Verwalter ber Eilgüterkasse (E l b c r f c l b Steinbeck unb ber Eisenbahnobersekretär Patt finb nach Unterschlagung von amtlichen Gelbern seit bem 15. August flüchtig. Da bie Kassenbücher teilweise vernichtet siyd, ist bie Höhe ber Unterschlagung noch nicht genau festzustellen. (Es handelt sich um etwa 60 000 Mark. Die Staatsanwaltschaft hat bie Verfolgung aufgenommen. Übertragung ber Salzburger Festspiele auf Rabiowelle 530. In den letzten Tagen wurde der Versuch gemacht, die Salzburger Festspiele auf Radio- Welle 530 (W iencr Welle) zu übertragen. Versuche sind technisch durchaus gelungen. Ob sich aber eine praktische Durchführung möglich machen läßt, muh sich erweisen. hinrichlung der Mörder des Sirdars. Die sieben Mörder des britischen Sirdars in Aegypten wurden hingerichtet. Ein zum Tode verurteilter achter Mörder wurde vom König zu lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt, da sein Geständnis es ermöglicht hatte, die übrigen Täter dem Richter zuzuführen. Wettervoraussage. Meist bedeckt, Winde über Süd nach Rord dringend, wenig Temperaturänderung, Regen- fälle. Wir liegen zur Zeit mitten m einem langgestreckten Fallgebiet, das von der Rordsee bis nach Südfrankreich reicht. Oestlich von Irland folgt bereits ein neues Hoch, so daß mit einer Besserung der Wetterlage in den nächsten Tagen zu rechnen ist. . _A Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 20 Grad C„ Minimum 13,8 Grad C. Riederschlage 3,8 Millimeter, Aus Stadt und Land. Gießen, den 24. August 1923. Festlicher Gleiberg. Für Sonntag nachmittag hatte der Gleibcrg- verein 311 einem großen, öffentlichen Gleiberg- fest auf bie alte Burgruine eingelaben. 82Jahre finb vergangen, seit zum letztenmal ein Gleibergfest Leben in bie alten Mauern brachte. Gestern nun wieber war ber Burghof gefüllt von Menschen, bie den Weg über die baumlosen Hügel nicht gescheut hatten. Ein reges Treiben entwickelte sich. Dicht besetzt waren bie Tische; froh unb heiter bie Stirn mung. Provinzialbirektor Graef hielt bie Begrüßungsansprache. (Er umriß in kurzen Zügen bie Geschichte bes seit 1837 bestehenben Gleiberg- öereins, ber bie Burg seit 1880 in eigener Verwaltung vom preußischen Staate übernommen hat. Die Erhaltung ber Burg und die Pflege eines ge» unden Geistes der Achtung und Liede zu dem Ueberkommenen seien die Ziele des Vereins. Seine Rede klang aus in ein Hoch auf unsere schöne, deutsche Heimat. Die festliche Feier nahm dann weiter ihren Lauf mit Kinderbeluftigungen: Wurstschnappen unb Sackhüpfen; ben Höhepunkt bes Vergnügens bil- bete ber Aufstieg eines großen ßn \AA) allons, ber sich majestätisch in bie Höhe schwang unb sicher in ber Richtung Lollar—Marburg baoonflog, bis er als kleiner Punkt am Himmel selbst mit flem Glase nicht mehr zu erblicken war. (Ein Schieß» unb Wursstanb war für bie Erwachsenen eingerichtet. Die Küche bes Gleibergwirtes sorgte für gutes Essen unb Trinken, unb bie Kapelle Topp unterhielt mit einem gut ausgewählten Programm unb guter Darbietung bie frohen Gäste. Das Wetter war selten günstig, die Aussicht vom Turm klar unb weit, wie nur an wenigen Tagen im Jahre. Sv blieb man noch lange im Freien unb in ben Raumen beisammen, bis bei herein- brechender Dunkelheit die Burg in bengalischem Lichte aufflammte. Dann trat man, zu Fuß oder zu Wagen, den Heimweg an. der Rote beschäftigen werde. Die Ruhrbesreiungsseier des Reiches. "den der Für- enkranke für btn MHeit Hniherfitäti. ledrn QHitttood) nach. ftotL Qhiitoärtigen ch-vierigkeiten in Me )rnnien lönntn, ist es rrmiltagsfpre-stundw Heinen. Lungenkrank >ie in ärztlicher Je- einer Aeberweisung nfürlorgestelle tin- Prechrnde Descheini- zeigen, tvrckrn u n- ib«7 *■ 'chen °ch'e. ÄÄ oon U nun »«teile Meiler |)i» m V-U'm'L »Wj ®*8?. e übS” ®erBa1, unb^S^es flc ebdft» bH» ÄÄä *■ Sin 24*? ?*<« Amte J'9' blf Äursichl vom J an toeni^n logen tmen ? 7 S •bt6Lbn ^kkin. ,9 ln ’Wüiem 11 man- zu H ob« , bet leicht schwnne eignete sich am Lawr- ide am llubmigiptafi. lubmigsptag tommenb, io doch ein hinter ihm ) beim Linlsüberhoien herankommenben Stob- nicht mehr möglich mar, )um Glück ernstlich zu fBeifpiel oon Ser unter/, Sie in btn Giro- b. Bit -lagen mehren itlid) eine energischere czeng- unb^noexte* itstag seiert morgen, ! Heinrich Etühler b. Schäfer, hier, Soll- voller gesunbheitlicher f Sem heutigen htviehmarN: W särsen und Kühe, 49‘ Schweine. ictt r für IRontag. je- „Die Aach! des piek: „Die Tragödie Uheaierbureau mati sn vü J* E des MfM .Der .v Me" hwgew^en rcheaier hat «»A Zamstag auch >ie jungst m Gießen. Bei der gestern MA tenwahl muM g «ZL» .ora-eg-«™?'": "-•giss -&1ÄS SSgäS oul ben Drtt’ >t eme Ums • pro Silben ufl‘ 11 i cb e n । n n b ■ n n fl ® «n 30 OO GKr »eäS* roVln SZ*!! id)i 6%e°'- tragen werden kann. Die 6 o n b e r - ® e ro e r hefte u e r bleibt mit 64 S* von 1 Warf Einkommen- fteueroorauszahluna bestehen. Die Gonber-Öe- baubefteuer wirb, nachdem ein genauerer lieber- blick über die ,u gewährenben (Ertnfie möglich ist, an Stelle ber vorgesehenen 16 200 Mk. mit 20 170 Mark in ben Voranschlag eingestellt. — Ein be- sondere» Kapitel, nicht nur im Haushalt, sonbern überall bort, wo mit Gelb gerechnet wirb, ist bie Schwierigkeit, langfristige Krebste yi erhalten. Auch hier versiegte mitten in ber Ausführung bes groß- »üaia angelegten Bauprogramms bie (BelbqueUe. 3cpt ist es gelungen, für biefen Zweck 30 000 Mark unter günstigen Bedingungen flüssig zu machen. Die hierfür notwendigen RrebilberoiUigungen seitens des Gemeinderats erfolgt, ebenso für einen Schuldschein in Höhe oon 1500 Mark, der an Stelle des Gc- schaitsanteils bei ber Landesbank in Darmstadt zu Mafien ber (Bemeinbe eingetragen wurde — Zur Vereinfachung ber Bermaltung wirb ein Zusatz in bas Ortsftatut für bie ®as s erle11ang ausgenommen, ber besagt, daß bas Wassergeld mit Genehmigung bes Kreisamts burch ben öememberat festgesetzt wirb. — 3m vergangenen 3ahr war hier ein Staoalleriefommanbo einquartiert. Ite Quartiergeber erhielten von ber Heeeresoerwal- mng pro Stopf und lag bie Riefensumme oon 6 Retchspfennigen für bie volle Verpflegung zu- aewiesen, em Betrug, ber bei weitem bie Unkosten nicht deckt (ber Fricdensfatz betrug 1,20 Mark). Auf eine Beschwerbe ber (Bemeinbe bei bem Gruppen- lommanbo in Kassel erging nunmehr ber Bescheib, bafi ber Satz von 95 Ps. von bem Reichswehr- nunifter festgesetzt sei unb nicht erhöht werben könnte. Um nun ben Quartiergebern wenigstens einigermaßen entgegenzukommen, beschließt ber Gc- meinberat, ben Betrag oon 95 Pf. auf 1,50 Mk. zu erhöhen unb bie Differenz von 55 Pf. aus Oemeinbemitteln zuzulegen. Durch biefe Erfahrung gewitzigt, beschließt ber (Bemcinberat aber gleichzeitig, zukünftige Einquartierungsanträge ab zu lehnen. — Um bas Fafelvieh auf ber erforberlidjen Höhe zu halten, wirb beschlossen, für ben abgängigen Vogelsberger Bullen einen neuen anzuschaffen. Gleichzeitig soll ein Bulle ber Simmen- taler Rasse neu angetauft werben. Um bie Zahl ber Ziegenböcke wie früher auf fünf zu erhöhen, sollen an Stelle ber abgängigen zwei Böcke brei neue eingestellt werben. — In nichtöffentlicher Sitzung wirb zu ber bereits früher beschlossenen Anstellung von zwei Rachtwachmän- n e r n ein enbgültiger Beschluß gefaßt. Die An- Äufteüenben werben nach Gruppe 2 mit allen sozialen Zulagen vergütet. Bis 1. April 1926 ist bie Anstellung eine probedienstmäßige. 15 Bewerbungen waren eingegangen, eine befonbere Kommission schlug dem Gemeinderat vier Bewerber zur engeren Wahl vor. Bei geheimer Abstimmung würben Karl W e 11 e r VI. unb Heinrich Andermann gewählt. — Schließlich wirb noch gewünscht, bie Wasser- Verhältnisse unserer Wasserleitung einer scharfen Beobachtung zu unterziehen unb nichts unversucht zu lassen, um möglichst halb zu einem einroanbfreien Irinkwasser zu kommen. r. Heuchelheim. 24. Aug. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl wurde unter lebhafter Beteiligung der seitherige, altbewährte Beigeordnete Friedrich Wilhelm Dreiling mit 792 Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat Steinmüller erhielt 510 Stimmen. m. f) a u je n , 22. Aua. Da unser seitheriger Bei- geordneter Philipp Müller IV. eine Wiederwahl ablehntc. mußte eine Neuwahl ftattfinben, zu ber zwei Stanbibaten, Ludwig Herbert unb Karl Mohr L, ausgestellt würben. Von 359 Stimmberechtigten schritten 254, also 70 Prozent, zur Wahlurne. Lubwig Herbert erhielt 98, Karl Mohr 1. 152 Stimmen unb würbe somit gewählt. Bier Stimmen waren ungültig. 6L Reiskirchen. 23. 2Iug. Bei der heutigen Deigeordnetcnwahl wurde der seitherige Beigeordnete Phil. Stumps V. mit 254 Stimmen wiedergewählt. Der noch in letzter Stunde ausgestellte Gegenkandidat Phil. Gräs konnte nur 100 Stimmen auf sich vereinigen. F Saasen, 22. Hug. Die Beigeordneten- wähl am Sonntag verlies, da der bisherige Beigeordnete Wilhelm Schmidt keinen Gegenkandidaten hatte, sehr ruhig. Schmidt wurde einstimmig wiederge wählt. F Göbelnrod, 22. Aug. Da bie Beigeorb- netenwahl am 9. keinem ber drei Kandidaten bie absolute Mehrheit brachte, finbet am 23. bie S t i d)» wohl zwischen ben beiden Bewerbern, die bie höchste Stimmenzahl erhielten, statt. Es ist bies ber Landwirt Wilhelm Botz und ber Kolonialwarenhänd- ler unb Schlößer Heinrich Kern. F Beltershain, 22. Aug. Die Beigeorb- netenwahl finbet In unserer Gerneinbe erst am 30. August statt. Der 23., ber als frühester Termin in Betracht kam. ist burch bie Kirmes besetzt. — Lich. 21. Aug. Del dem letzten Ausflug des DastwirtevcreinS Gießen und Umgegenb nach Lich wurde die seit 34 Jahren im .Hotel Holländischer Hof" beschäftigte Elise Da ter durch Lieberreichung einer von Herrn Gastwirt Glöckner gestifteten goldenen Medaille geehrt. Der Vcrbanbsvorfiycnde Schn au ber sowie der Vorsitzende des Gießener Gastwirte- vereinS 3. Körner hoben in anerkennenden Worten die Derdienste der Jubilarin hervor und überbrachten die Glückwünsche des Nhrin- Main-Derbaick>eS. mit dem Wunsche, daß ihr ein schöner Lebensabend beschieben sein möge. Wit Worten des Dankes endete die schlichte, aber zu Herzen gehende Feier. Kreis Friedberg. z Dad-Aauheim. 23. Aug Aach elfjähriger Unterbrechung fand heute in der englischen Kirche wieder der erste englische Gottesdienst statt. Der zur Zeit zur Kur hier weilende Dischof von DaleS. Lord Williams, hat die Wiedereinrichtung der englischen Gottesdienste vorbereitet. — In der reichen Folge hochwertiger Unterhaltungsveranstaltungen der Bad- und Kurverwaltung in diesem Sommer erzielte auch das gestern im Kurhaus und auf der KurhauSterrgsse veranstaltete Erntefest einen vollen Erfolg. Die Kurhausterrafle. die feenhaft beleuchtet war. zeigte in farbenprächtigem äußeren Rahmen ein frohes und bewegtes Leben. — Das Wurftaubenschießen auf dem Goldstein, daS vorn Freitag bis heute währte, war eine beachtenswerte sportliche Veranstaltung. Anerkannte Meister dieses Sportzweiges nahmen daran teil. Den besten Schützen wurden wertvolle Ehrenpreise ausgehänd.gt. die Stadt. Kurverwaltung u. a. gestiftet hatten. Sf. Friedberg, 23. Aug. 3n dem Kranlen- hause zu Wetzlar starb gestern im 52. Lebensjahre der Zahnarzt Dr. Landau. Der Verstorbene hatte es verstanden, nicht nur durch seine zahnärztliche Praxis, sondern auch durch menschlichen Eigenschaften sich die allgemeine Achtung zu erwerben. •, Dad-Aauhetm. ^1. Aug. Ab 1. September wird die K u r a 6 g a b c um 25. ab 1. Oktober um 50 Prozent ermäßigt, so daß eS vielen noch möglich werden wtrd. die Forderung der Gesundheit nut den wirtschaftlichen Möglichkeiten in Einklang zu bringen und eine Spätsommer- oder Herbstkur zu nehmen. Doch weist unser Dad einen ft ar f en 'Belud? auf, der den des Vorjahres um die gleiche Zeit wesentlich übersteigt. Dieser Tage ist auch wieder der hessische Staatspräsident Tllrich mit Gemahlin zum Kuraufenthalt hier eingetroffen. Unter den prominenten Ausländern, die zur Zeit hier weilen. befindet sich der Dischof von Wales Lord Williams. Der Dischof hat den seit dem Kriege ruhenden Gottesdienst in der englischen Kirche wieder eingerichtet Don der Wiederaufnahme der russischen Gottesdienste wurde in anderem Zusammenhänge schon berichtet. Kreis Schotten. lg. Schotten, 22. Aug. Für bie Schüler bes Kreises Schotten ist auf Anregung bes Kreisschulamtes Scholten eine eintägige Rheinfahrt unter Führung ihrer Lehrer geplant, an ber auch Erwachsene teilnehmen können. Die Reisekosten für Kinder betragen etwa 5 Mk., für Erwachsene 7 Mk. Von Stockheim aus wirb jedenfalls ein Ext r a • zub bie Reifeteilnehmer nach Frankfurt a. M. unb Mainz bringen, von wo aus eine etwa kstündige Dampferfahrt auf bem Rhein unternommen wirb, bie etwa bis St. Goar führen bürste. Abenbs wirb ber Extrazug bie Teilnehmer ber Fahrt roieber nach ihrem Ausgangspunkt zurückbringen. Kinber unb Eltern sollten nicht biefe vielleicht nie wieberkehrenbe Gelegenheit versäumen, für verhältnismäßig wenig Gelb bie Schönheiten des Rheins kennen zu lernen. — Seine Durchlaucht ber Fürst von Stolberg- jBernigerobe-Oebem stiftete für bas Jugenbfest eine von ber Fürft-Stolderg-Hütte in Ilsenburg gefertigte Hinbenburg-Plakette. # Schotten, 21. Aug. Nachbem am vergan- aenen Mittwoch bie Schüler ber hiesiaen Realschule in Berbinbung mit benen uerfajiebener an- berer oberhessischer Realschulen eine Rheinfahrt unternommen, bie sehr anregenb verlief, beabsichtigt nun auch bie Bolkss chu l e bes Kreises eine Schülerfahrt zum Rhein. Dieser Entschluß ist sehr begrüßenswert. Möchte man boch wünschen, baß jeher Deutsche einmal Deutschlanbs schönsten Strom gesehen habe. Da bie Kosten für bie Fahrt verhältnismäßig gering sinb, darf mit einer guten Beteiligung gerechnet werben. Kreis Lauterbach. Aus dem nördlichen Oberhessen. 21. Aug. Die Ernte geht auch hier ihrem Ende entgegen, nachdem sie durch das Äegenwetter der letzten Tage eine Verzögerung erfahren hat. Hier und da harrt noch ein Hafä^feld des Schnittes. Auch das Einfahren des Getreides, das infolge starker Gewitterregen eingestellt werden nnchte, nahm heute wieder seinen Fortgang. Das Korn ist restlos geborgen, Weizen und Hafer sind auch schon größtenteils eingefahren. Wenn die Sonne noch einige Tage ohne Unterbrechung scheint, werden die letzten Arbeiten bald beendet sein, und in unserer Gegend wird man bann wie in der Wetterau auch von einer gut geborgenen Ernte sprechen formen. Mit dem Ertrag der Ernte ist man durchweg recht zufrieden. Kreis Wetzlar. V Wetzlar, 21. Aug. In ber Nacht vom Mitt- woch zum Donnerstag ist ber bem Dreschmaschinen» Besitzer Fr. Arnolb aus Lohra bei Marburg gehörige Srefdjroagen vollstänbig bis aut Die Vifenteile bes Wagens abgebrannt. Arnolb be- fanb sich auf ber Fahrt oon Dornholzhausen unb Münchholzhausen unb hatte seine Dreschmaschine über Nacht auf ber Straße nach Dutenhofen, bie an ber Franzenburg abzweigt, oberhalb bes ftäb- Nschen Seinbruchs, ausgestellt Vermutlich liegt Branbftiftung vor. Polizeiliche Ermittelungen sinb im Gange. X Dut en Hofen, 22. Aug. Wegen Neuherstel- lunq ist ber sog. We11 erweg, weicher bie Berbinbung ber ttreisstraße Gießen—Wetzlar mit ber Straße Dutenhofen—Weylar über Garbenheim her- stellt, seit vielen Wochen gesperrt. Bide Autos, Motorräber unb Rabsahrer benutzen baher bie sehr steile Hauptstraße bes Dorfes, wodurch sich auf bie,er ein sehr lebhafter unb oft gefährlicher Verkehr ent- wickelt. — Währenb bie vielen hiesigen Lanbwirte bis jetzt stets im Herbst auf auswärtige Dresche Maschinen warten mußten, hat eine solche jetzt hier ihren Einzug, hoffentlich für immer, gehalten, ba ein Lanbwirt eine solche beschafft hat unb ber Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Durch bie große Hitze im Vormonat ist ein erheblicher Teil her Zwei- schen abgefallen unb es entsteht hierburch ein großer Ausfall ber in jedem Herbst von flänblem stark gesuchten Früchte. Starkenburg uv. Rheinhessen. Darm Habt, 23. Aug. (WB.) Heute in ber IHiltagsflunbe würbe im Walde zwischen her Lscholl- brürfer Straße unb dem Bef,unger weg, in her Vähc ber ehemaligen Trainkaferne, eine weibliche Leiche gefunben. Kops, Arm unb Beine waren kreuzweise am Körper ju,ammengebunbcn. Der Kopf wies Verletzungen auf, unb um ben hals war ein Strick geknüpft. Es hanbelt sich um eine Jrau oon mittlerer Statut im Alter von 25 bis 30 Jahren. Die Frauensperson ist zweifellos an einem anbeten Ort ermorbet, verpackt unb in ben frühen Blorgenftunben an bie Funbslelle verbracht worben. Die Leichenstarre war bei ber Auffindung noch nicht eingetreten, so daß bie Tat nur in der Nacht oon Samstag auf Sonntag erfolgt fein kann. * Darmst ad t, 24. Qluq. Die diesjährige Tagung kes Mittelrheinischen Gae-und Wasserfach wän nerverein S findet in der Zeit vom 4. bis 7. September 1925 Hierselbst statt. Mehrere namhafte Professoren der Technischen Hochschule Darmstadt haben sich bereit erklärt, Vorträge aus dem Gebiet der Gas- und Wassertechnik zu halten. Hcsscn-Nassau. fpd. Marburg, 23. Aug. An der Schröcker Gleiche befindet sich, von mächtigen Bäumen umschirmt, die 1596 von Ludwig ly. von Hessen kunstvoll mit Steinen eingefaßte Elisabethen- quelle. Der Sage nach weilte die hl. Elisabeth oft hier und wusch in dem weichen Wasser ihre Wäsche, warf sie dann in die Luft, wo sie unter dem Einsluß der Sonnenstrahlen trocknete. Zum Gebet besuchte sie dann die hl. K r e u z k i r ch e, die lange Zahrhunderte verschollen war. Dor kurzem wurden nun bei Waldarbeiten etwa fünfzig Meter oberhalb der Quelle durch Waldarbeiter die Grundmauern der Elisabethen- kapelle entdeckt. 2eht ist man damit beschäftigt, die Ruinen und die innere Einrichtung freizulegen. X Marburg, 23. Aug. Bei äußerst zahl- reicher BeteUigung würbe gestern unb heute hier ber Zentralverbanbstag ber Haus- unb Grunbbefitzeroereine Deutschlanbs abgehalten. An die gestrige geschlossene Delegierten- tagung im Lanbgrafenhaus schloß sich abenbs in ben Stabtfälen eine Begrüßungsfeier an. Heute früh schloß sich im gleichen Lokale bie öffentliche Hauptversammlung an, bie ber erste Vorsitzenbe, Reichsrats- unb Stabtratsmitgüeb Humar - München leitete. Als erster Redner sprach Reichstagsab- georbneter Prof. Brebt - Marburg, ber bie Beseitigung ber Nöten bes Haus- unb Grunbbesitzes als bie wichtigste Wirtfchaftsfrage bezeichnete unb deshalb den Zusammenschluß sämtlicher Haus- und Grundbesitzer forderte. Weitere Begrußiingsan- sprachen hielten Landrat Schwebe!, Bürgermeister Mueller unb Diplomingenieur Bauer- Marburg, Landwirt Hohl vorn Landbund, Dr. 2a t) mann vorn Jndustrieverband und Syndikus P o h l m a n n , der Glückwünsche oon der Saar entbot. Reichstagsabgeordneter Iörri ffen - Köln schilderte alsdann in längerem Vortrag die Kämpfe des Verbandes gegen die Wohnungszwangs, wirtschaft und vergaß auch nicht, die bereits erzielten Erfolge zu erwähnen. Er betonte ferner, daß ber alte Hausbesitz nur burch Arbeit ersparte Notgroschen für bas Alter bebeute. Durch bie Zwangswirtschaft würde diesen Leuten eine von ihnen selbstgeschaffene Rente vorenchalten. Der Behauptung, daß der Hausbesitz Sachwert darstelle, hielt er entgegen, daß diese Sachwerte andauernde Verluste brächten. Auf alle Fälle sei es nicht rich? tig, die Miete als Steuer zu betrachten. Aus allen diesen Gründen müfle die Wohnungszwangswirt, schäft fallen, dann gebe es Arbeit im Baugewerbe und allem, was damit zusammenhinge und die Wohnungsnot würde bald der Vergangenheit angeboren. Dnr Borstyenbe ergänzte diese Ausführung«« dahin, daß dcr Bert dcs Haus- und Grundbesitzes durch bie Zeitoerhältnisie kaum noch ein Drittel gegen früher bebeute. Er erinnerte babei an den großen Beamtenapparat, ben die Zwangsbewirtschaftung nötig mache unb beschäftigte sich ferner bei denen es ,o schwer gehalten, die Gläubiger halb- wegs zu schützen. Eine in bem Sinne ber Ausführungen gehaltene Entschließung fanb einstimmige Annahme. Es sprachen bann noch in zustimmenden Sinne ein Vertreter bes Arbeitsmini- fieriums aus Berlin, sowie eine Anzahl Delegierter. An die Tagung schlossen sich Ausfluge in bie Um- l?I Herborn, 21 Aug. Der Betrieb der LandeS-Heil- und Pflegeanstalt hat sich in der letzten Zeit durch neue Zuweisung« bedeutend vergrößert. Die hiermit bedingte Vermehrung deS Pflegepersonals zwang zu neuen Bauten, deren man drei hat erstehen lasten. Das Fernheizwerk hat man auf Warmwastev- heizung eingerichtet Auch ein eigenes Elek- t rizitä tswerk wurde erbaut. fpd. Frankfurt a. M., 23. Aug. Die Lage im Transportarbeiterstreik ist unverändert. Aus keiner Seite ist man bisher qewistt, dem Gegner entgegenzukommen. Die großen Betriebe werden durch Streikposten belagert. An vereinzelten Stellen kam es wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Arbeitswilligen und Streikenden. — Der Bankbeamtenper- cin ist an die Banken um Erhöhung der Gehälter herangetreten und begründet das mit der steigenden Teuerung. Falls keine gütliche Einigung zustande kommt, soll der Schlichter entscheiden. Der Vorschlag wurde jetzt von den Banken angenommen. - Der Ingenieur Franz Dönges ans dem Stadtteil Rödelheim war mit seinem Bruder, einem ehemaligen Pionieroffizier, und zwei Arbeitern im Auftrag einer Firma auf einem auswärtigen Platze mit der Entladung und Vernichtung von Granaten beschäftigt. Entgegen den Weisungen der Firma cntluben die vier Personen auch eine mit langsam wirkenden Giftgasen gefüllte Granate. Alle vier trugen schwere Vergiftungen davon, an deren Folgen jetzt der Ingenieur Dönges und ein Arbeiter verstorben sind. Die beiden anderen Personen liegen noch lebensgefährlich erkrankt darnieder. — Im elterlichen Garten erschoß sich ein 25jähriger Kaufmann. Der junge Mann fiel kurz nach der Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft französischen Werbern in die Hände und mußte zwangsweise fünf Jahre In der Fremdenlegion dienen, aus der er vor kurzem zurückkehrte. Jetzt hat er sich in einem Anfall geistiger Umnachtung erschossen. spd. Frankfurt a. M. 23. Aug. In einer hiesigen Badeanstalt wurde ein junger Kaufmann beim Baden von einem Starrkrampf befallen und ertrank. — Ein junger Mann schoß im Scherz auf seinen jüngeren Bruder. Die Waffe entlud sich, die Kugel drang dem Bruder unterhalb des Herzens in die Brust. Der Tod trat in kurzer Zeit ein. — 3m Osthasen- gelände wurde ein dreizehnjähriger Junge von einem Lastauto übers ahren und so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit verschied. - Der Verband deutscher Dlumengeschäfts- in&aber hält augenblicklich bei einer Beteiligung von mehr als 700 Mitgliedern in Frankfurt seine diesjährige Tagung ab. AuS diesem Anlaß haben die zahlreichen heimischen Blumengeschäfte köstlichen Blumerrschmuck in ihren Läden angelegt. Besonders reizvoll aber ift die Ausstellung von Pflairzen und Blumen, die der Palmen - garten den Fremden bietet. Die Schau umfaßt eine unüberfebbarc Fülle von heimischen und exotischen Blumen und Pflanzen und erregt naturgemäß die Bewunderung der gewiß verwöhnten Gäste. Aber auch zahllose Privathckuser haben ihre Ballone, Fenster und vor allem die Vorgärten zu Ehren der kritischen Fachleute festlich herausgeputzt. — Die Verhandlungen selbst brachten zahlreiche geschäftliche Fragen und deren Erledigung und schließlich mehrere Fachvorträge. Im nächsten Jahre plant der Verband mit älnterstühung amtlicher Kreise die Abhaltung eines Muttertages für ganz Deutschland. V Ufingen, 21. Aug. Dieser Tage »er- ftarb ber ä Hefte Bürger her Stabt, Herr Wagnermeifter Wilhelm Born im Alter oon 90 Jahren. fV I KINDERWAGEN & Mach dem Urtetf der Verbraucher der beste für Jhr Kind ‘7erdem Sie bet -Ac*u_f nur diesen Uebe meine Praxis wieder aus Hans Muhn I Vermietungen] 2 Zimmer möbliert ober unmöbliert mit elettr. Lickt au oerm. Marktplatz 21. Dentist staatlich geprüft nach § 123 R. V. 0. 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Heute entschlief sanft nach schwerem Leiden unser lieber, guter Vater Heinrich Adam Lindenstruth Schmiedemeister im Alter von 63 Jahren, E CQ Die eine Hälfte des Lebens W opfert man die Gesundheit, um Gold zu verdienen, die andere Hälfte des Lebens opfert man das Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen und dann gehen Geld u.Leben von dannen. Darum geniesse man das Leben rechtzeitig ohne die Gesundheit zu opfern, indem man regelmässig eine Kur mit »Dop. pelherz<,dem berühmten, von Aerztea verordneten Kräftigungsmittel macht. Nur ein gesunder Körper kann sich wohl fühlen. Doppelherz macht frisch, fröhlich, elaftisch. Es verjüngt das Aussehen und kräftigt denKörper.Doppelherz ift das anerkannte Kräftigungsmittel bei Blutarmut, Herzklopfen, Nervenschwäche, bei Unluft zur Arbeit, bei Zittere und Appetitslosigkeit, überhaupt bei allen Krankheiten, die ihren Ursprung in falscher Blutzusammensetzung haben. 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Dieses immer stärker sich zur Geltung bringende Elsässer- t u m störte die französische Regierung in ihrem Vorhaben, dem l!anb möglichst rasch seinen ursprünglichen Charakter zu nehmen, Volkstum und Sprache verschwinden zu lassen, so daß bald nichts mehr an deutschen Volksboden erinnere. Zwar konnte in der ersten Zeit der elsässische Lebens- und Selbstbehouptungswillc sich dem Franzosentum gegenüber nicht in einigermaßen eindrucksvoller Gc- schlossenheit zum Ausdruck bringen. In weiten Kreisen hat die naive Sicherheit, mit der das Fran- zosentum den Elsässern gegenübertrat und ihnen auf den Kopf zusagte: sie seien stets im Herzen französisch gewesen, hätten nie anders als sranzö- sisch gefühlt, seine Wirkung nicht verfehlt. Man war der französischen Suggestion erlegen und bildete sich vielfach ernsthaft ein, die deutsche Herrschaft wäre unerträglich gewesen. Diejenigen, die anders dachten, hatten kein Mundstück in der Oessent- lichkeit. Es fehlte an der ausdrucksfähigen Schicht, die die Stimmen der Auflehnung, des Protestes weitergab. Das hat sich nun aber doch wesentlich geändert. Man hat sich im Elsaß wieder zu sich s e l bst zurückgesunden, die Nebel verfliegen, in die man sich länger als gut war, einhüllen ließ, die Deklamationen der Franzosen verlieren ihre suggestive Kraft. Schon muß auch die Presse, die die willsöhrige Bourgeoisie der französischen Regierung zur Verfügung stellte, um der breiten Masse in Stadt und Land den sranzösischen Patriotismus nahezubringen, der Stimmung der Ovposition Rechnung tragen. Sonst fände diese Presse kaum noch Leser. Was aber vor allem ein bedeutsamer Fortschritt ist, ist der jetzt immer sichtbarer in Er- fdicinung tretende fefte Wille, der Stimme des elsässischen Volkstums gegenüber dem Franzosentum in der Oesfentlichkeit mannhaften Ausdruck zu geben. Es ist ein neues elsässisches Organ ins Leben getreten „Die Zukunft", Unabhängige Wochen- fchrift zur Verteidigung der elsaß-lothringischen Heimat und Dolksrechte. Man hat im Elsaß schon lange gemerkt, daß man sich in der Welt um alle vergewaltigten Minderheiten kümmert, nur nicht um das elsaß-lothringische Volk, das systematisch von Frankreichs Schul- und Sprachenpolitik entnationali» fiert werden soll. Die Elsässer und die Lothringer deutschen Stammes und deutscher Sprache zählten in der Weltmeinung nicht, denn man hörte nichts von ihnen, sie haben in den verflossenen sechs oder sieben Jahren nie laut vor aller Welt sich zu dem deutschen Volkstum bekannt. Das soll nun anders werden. Die Welt soll wissen, daß auch Frankreich eine Minderheit hat, die genau so wie die Deutschen in Südtirol, in Tschechien, in Rumänien, in Polen Schutz unbOarantien für i h r Volkstum, ihre Sprache begehrt: „Wir glauben, bie Zeit ist gekommen, wo wir uns zur Wehr setzen müssen, wenn wir nicht bie größte Sünbe begehen wollen, bie ein Volk an feinem von bem Vätern ererbten Gute begehen kann. Frei unb ohne Menschenfurcht müssen wir es sagen: Wir sinb eine Minderheit in Frankreich unb wollen als solche nachbenGrunbsätzen bes Rechts b e • b a n b e 11 werden, um im französischen Staate a l s vollberechtigte Burgerleben zu können." (Zukunft Nr. 10.) Daß eine französische Regierung unb ihre Vertreter im Lande solche töne nicht gerne Horen, kann man sich denken. Frankreich brauche, wie Pros. A u 1 a r d nach der „Zukunst" sich im „Duo- tibien" äußerte, wegen des immer mehr um sich grei- senden Minderheilsgedankens nicht in Unruhe zu kommen, denn es befände sich in der glücklichen Lage, auf feinem europäischen Gebiet keine Minderheiten zu haben." Diese glückliche Lage erscheint durch die mächtige in Elsaß-Lothringen auslebende Bewegung doch in einem eigenartigen Lichte. Frankreich wird mehr und mehr zu spüren bekommen: Elsaß-Loth- ringen ist in feiner Mitte ein F r e m d k ö r p e r, der sich nach Art unb Sprache zu sehr von Frankreich untericheibet. als baß er in ihm ausgehen könnte. Er begehrt Raum unb Freiheit für Eigenen!- Wicklung. Man hat bisher solche Regungen im Etta« einfach als Erfindung der „deutschen Propa- ganba" bezeichnet, und vielfach folgte die „öffentliche Meinung" der Welt diesen Direktiven. „Die Zukunft" kann man nicht so schlechtweg als eine deutsche Pro- pagandamache erklären, obgleich man auch das ver- sucht hat. Die Zeitung hat dazu offenbar viel zu fehr eingeschlagen und findet reißenden Absatz. Man sieht, wie das Volk schon längst nach einem Worte hun- gerte, das dem inneren Groll frischen ungeschminkten Ausdruck gibt. Es ist der Leisetreterei seiner 'Parteien, der schönen Worte der Deputes und des ver- logenen Tones seiner Bourgeoisiepresse satt. Da fin- bet natürlich solche Stimme, die Woche für Woche bie Dinge beim rechten Namen nennt, einen mächtigen Widerhall im Volk. Dem elsässischen Wesen eigenen Bedürfnis nach Satire trägt ein Witzblatt: „D’r Schliffstaan" Rech- nung, der über alle Praktiken und Künste der neuen Herren und ihrer einheimischen Helfershelfer die Lauge des Spotts und bitteren Saraksmus ausgießt. Mit kaum verhehltem Ingrimm sehen die „Nichts als Franzosen" diesem publizistischen Treiben zu. Aber es bieten sich kaum Handhaben zum Zuschlägen. Brutale Unterdrückungsmethoden lassen sich im Elsaß auch nicht so ohne weiteres anwenden, die allgemein: Volksstimmung würde dadurch noch mehr verschlechtert. So macht die Regierung gute Miene zum bösen Spiel und beschränkt sich einstweilen darauf, das Blatt und seine Leute mit einem Heer von Spitzeln zu umstellen, bie am Enbe doch das nötige Material aufbringen, mittels dessen diesen Dolmetschern des Volksgewissens der Prozeß als Hochverräter gemacht werden konnte. Statt sich durch solche Tatsachen warnen zu lassen und möglichst die U r s a ch e n der Unzufriedenheit h i n w e g z u r ä u m e n , gibt die Regierung durch ihre Maßnahme dieser Unzufriedenheit stets neue Nahrung. So hat unlängst die Schulbehörde den Schulen das Programm eines neuen Stoffplanes für den protestantischen Religionsunterricht vorgelegt, in dem nur noch französische biblische Geschichte, Bibelstellen, Katechismusstücke und Lehrbücher in französischer Sprache verausgabt werden. Damit wäre die deutscheVolks-undMut- terspracherestlos aus demRekigions- ii n t c r r i di t b egt Schule verbannt, unb der Geistliche müftteKdann auf jegliche Vorarbeit der Schule für feinen Konfirmandenunterricht verzichten. Ein deutscher Konfirmandenuntericht, der auf keinem religiösen Wissensstosf in deutscher Sprache mehr fußen könnte und überhaupt nut noch die unzuläng- lichen hochdeutschen Sprachkenntnisse bei der Jugend oorfände, wäre bann aUcrbings reif zum Verschwinden. Damit fiele für die junge Generation auch jene Möglichkeit fort, an dein gottesdienstlichen Leben der Gemeinde, das nur deutsches Lied, deutsches Gebet, deutsche Predigt kennt, weg. Das wäre die o r • ganisierte Verwüstung des eoange- lisch.kirchlichen Ledens. Aber die Regie- rung rechnet damit, daß die jetzt in der französischen Schule herangezuchlete neue französisch sprechende Generation Träger wird eines neuen französischen gottesdienstlichen Leberts. Dann wäre das Ziel er- reicht, daß Elsaß, das alte deutsche Kulturland wäre wirklich französisch. Solche Annahme ist natürlich ein Hirngespinst: so einfach läßt sich die Volkssprache nicht aus dem Boden ausheben, und noch weniger kann ein Volk auf dem Gebiet von Religion und Kirche solche Sprachexpcrimcnte sich gefallen lassen, die an die Wurzeln des religio- fen Lebens gehen. Man ist sich im Volke des Ernstes der Situation auch durchaus bewußt und ist zu all den Maßnahmen entschlossen, die alle anderen Nationalitäten unternommen haben, denen das Recht des Religionsunterrichts in der eigenen Muttersprache genommen werben sollte. Schon die drohende Aus- sicht, daß die Elsaß-Lothringer an das Weltgewisfen appellieren, erweckt in Frankreich äußerstes Unbehagen. Solche Schritte können ja die so ängstlich gehütete französische Idee im Elsaß ins Wanken bringen. Wie es aber im Elsaß aussieht, was anläß- lich dieses neuesten Schlages gegen bie deutsche Sprache im Volke gefühlt unb gedacht wird, bas gibt der „Evangelisch-lutherische Friebe n s b o t e" roieber, in bem es u. a. heißt: „So wie es gegenwärtig zugeht barf es einfach nicht weitergehen. Wenn bie elsässische Volksseele des p r o t e st a n t i s ch e n Teils, dem man wegen seiner mangelnden politischen Formierung mehr zu bieten wagt, derartig in gährende Unruhe unb Bewegung gerät, so stellt sich ber katholische Volksteil an bie Seite bes protestantischen unb gibt bem Franzosentum beutlich zu verstehen, baß Frankreich auf diesem Punkte: Erhaltung ber religiösen Güter unb Bewährung ber angestammten Muttersprache mit einer geschlossenen Einheitsfront zu rechnen hat." So sinb alle Anstrengungen ber Franzosen, bas Elsaß stumm zu erhalten, fruchtlos geblieben. Das Volk bat seine Sprache bekommen, es sinb Kreise ba, die dem Denken unb Fühlen ber Allgemeinheit Ausbruck geben. So ist boch starke Hoffnung, baß bas elsässische wie bas deutsch-lothringische Volk den Franzosen die kulturellen Lebensrechte abringt, auf bie ein Volk nach ber hohen Jbee bes Selbftbeftimmungsred)tes Anspruch hat. Das entweihte Gebirge. Deutsche Bergwelt und Bergbahnen. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) München, August 1925. Wieder haben sich die Tore der Städte weit geöffnet, und es ergießt sich ein Strom erholungsbedürftiger Menschen hinaus in das Land, die nach der Arbeit eines Jahres jetzt in der Stille der Natur neue Kräfte sammeln wollen für die unentwegt weiter hastende und jagende Tätigkeit, die ihrer nur zu bald wieder wartet. Jahr für Jahr ist cs dasselbe. Und die Stille der Natur, bei der all diese Menschen ausruhen wollen, ist deshalb ein unschätzbares Nationalgut, das man in Ehren halten sollte. Außer den norddeutschen Küstengebieten ist die Haupterholungstätte des deutschen Volkes d i e deutsche A 1 penwe 11. Wer aus der Großstadt kommt unb in diesen stillen, lieblichen Tälern leben kann, in denen kein Hasten drängt und stoßt, in denen noch unverfälschte Heimatkultur zu Hause ist, die sich vielfältig im Leben der Einwohner wie- bespiegelt, wer allein an klaren Sonnentagen ba broben steht auf bem mühsam bezwungenen Gipfel unb wer dort stille Zwiesprache halten kann mit der gewaltigen Einsamkeit au seinen Füßen, der kennt die Schätze, die in dieser deutschen Bergwelt ruhen. Und Jahre um Jahre kehren Tausende von ihrem Urlaub aus den Bergen zurück mit dem Dank im Herzen, daß sie bnrd) bie Reinheit, Erhabenheit unb Ursprünglichkeit unserer Berge roieber neue Kraft unb neuen Lebensmut für die Arbeit gewonnen haben. Unb feit bas beutfdje Volk die Notwendigkeit körperlicher Ertüchtigung für das Leben bes einzelnen unb das der Gesamtheit erkannt hat, sind gerade die Alpen für hunderttaufende deutscher Volksgenossen nicht nur eine Stätte der Erholung, sondern auch ein Tummelplatz, auf dem sie ihre Kräfte üben und stählen können. Hier, angesichts der Berge, scheiden sich die Geister und die Menschen, denn die unberührte Reinheit der Natur duldet nur reine unb starke Menschen, hilft aber auch benen, bie sich bie Quellen ber Lebenskraft burch eine falsche Lebensführung selbst verschütteten. Aber mit ben vielen, die aus ehrlichem Bedürfnis zum Jungbrunnen der Natur eilten, kam auch etwas heimlich mitgefchlichen, das noch nie bereichernd, fon» dem letzten Endes trotz bes äußeren Erfolges nur vemichtenb gewirkt hat, wenn es an falscher Stelle auftrat: Die Geschäftstüchtigkeit. Menschen, benen die Natur völlig gleichgültig war, erkannten, daß sie den Strom der Bergfahrer aus- nützen könnten für eigenen materiellen Gewinn. Unter ihrem skrupellosen Zugriff entstanden an Orten, an denen bisher die Abendglocken über stilles verträumtes Land geklungen hatten, Gebirgsgast. Häuser, Riesenhotels, Autostraßen und Vergnügungsstätten aller Art. Ihnen folgten als Gäste wiederum alle bie, bie den Weltbädern ihren Stempel schon aufgedrückt hatten, die sich so gern als große Welt bezeichnen, und die zwischen den Bergen doch so jämmerlich klein wirken, wenn sie nur einen Schritt von den Pflanzstätten ihres Geistes, den Luxus- Hotels, fortgesetzt haben. Schon heute sind eine Un- zahl von Gebirgsortschaften der Boralpen und auch vieler Hochalpentäler keine stillen Erholungsstätten mehr, sondern laute Vergnügungsmitlelpunkte, an denen sich der Trubel einer kulturfeindlichen Zivilisation breit gemacht hat. Tanzdielen und Kinos, Fünfuhriees und Bälle bilden das Programm dort, um) früher die traulichen Klänge einer Zither das fröhliche Treiben der Einheimischen begleitet hatten. Der wirkliche Bergfreund hält sich deshalb schon seit langem gar nicht mehr,in den Doralpengebieten und ihren Ortschaften auf, sondern wandert tiefer hinein in die unberührten, schwer zugänglichen Hochalpentäler oder steigt hinauf auf Almen und Wipfel. Dort ist die alte Urroüchsigkeit noch zu Haufe. Gleichgültig, ob man sich in einer Schutzhütte des Alpenoercins oder einer beliebigen Almhütte zu- fammenfindet, in kurzer Zeit ist alles wie eine große Familie traulich vereint. Man läßt den anderen teil- nehmen an den Erlebnissen des eigenen Ausstiegs und ist schnell dabei, zu helfen, wenn iraenbein Mißgeschick jemanben betroffen hat. Denn jeder ist dem anderen Bergkamerad. Doch auch dieser Friede der höchsten Alpenwelt ist jäh gefrört worden. Es soll gar nichts dagegen gesagt sein, daß der Zugang zu den Hütten und Unter- kunflsstätten durch Ausbau von Wegen unb selbst burch Anlage von Bergstraßen weiten Kreisen er- leichtert würbe. Solange ber Natur keine sicht- baren Wunben gerissen würben, ist eine solche Erschließung der Bergwett nur zu begrüßen. Jetzt ober reißt man tiefste Wunden! Zur Zeit ist größte Ge- sahr für die Alpenwelt der Bau von Berg- bahnen und seine Folgen. Bekanntlich sind bisher die deutschen Alpen von diesen Errungenschaften verschont geblieben. Die Wendel st einbahn war die einzige Ausnahme. Der festen Haltung der zuständigen baiirischen Regierung ist es zu verdanken, daß bisher alle anderen Pläne dieser Art scheiterten. Leider hat man nun mit diesem Grundsatz gebrochen. Schon seit Jahren bemüht sich ein Inter- cssen-Konsortium unter Führung des Ingenieurs Eathrein darum, die Genehmigung zur E r b a u u n g einer Standbahn auf ben Zugs Gipfel zu erlangen. In diesem Jahr wurde dieser Plan genehmigt. Eine ungeheure Entrüstung ergriff die gesamte bergliebende deutsche Welt. Die zuständigen Verbände haben Protest erhoben, einzelne Fraktionen des bayrischen Landtages haben intcr- peUiert — cs war vergeblich. Der Bau einer Standbahn auf bie Zugspitze bleibt genehmigt, ist nicht mehr aufzuhalten unb wirb schon aus- geführt. Es braucht nicht weiter ausgeführt zu werben, warum dieser Plan im Gegensatz zum Walchensee- Kraftwerk niemals volkswirtschaftlichen Interessen dienlich sein kann. Auch die Frage der Finanzbeteiligung ist bei der jetzigen Loge der Dinge ein bedenkliches Ding für sich. Noch bedeutend trüber aber sind die Aussichten, die der Bahnbau in seinen Wirkungen auf bas Leben in ben Bergen eröffnet. Ein hinreichend warnendes Beispiel ist die Wendelsteinbahn im Schlierseer Gebiet. Unterhalb des Gipfels ist ein „Bcrghot eV entstanden, gegen das man an sich nichts einwenden konnte, wenn es etwa nach den Grundsätzen der Alpenocreinshütten bewirtschaftet würde. Aber es kommen nicht nur Gäste auf den Wendelstein, die wegen ihres Alters nicht mehr steigen können und sich darüber freuen, auf diese Weise noch einmal die Stätte jugendlicher Taten wiederzusehen — es kommen vor allem solche, die gleich nach der Ankunft und nach einem kurzen Rundblick ein tolles Treiben bei Alkohol und Gesang (wenn dieses Gröhlen überhaupt Gesang ist) beginnen. Wie oft habe ich beobachtet, daß droben vom Wendelstein noch wüster Lärm in die Nacht hinausschallte, wärend drunten im Tal das stille Bayrischzell schon im tiefsten Schlummer lag. Von dem „gebirgsmäßigen" Aufzug dieser Art Bahn- gäftc und von der Aufdringlichkeit ihres Auftretens wollen wir lieber ganz schweigen. Tatsache ist, daß der Frieden des Wendelsteins, dieser Perle des Boralpengebietes, dahin ist, seit die Bergbahn ihre unliebsamen Gäste heraufbringt. Die Zugspitze soll nun gleickdurchzwei Bergbahnen auf einmal „verschönt" werden. Der bayrische Plan sieht eine Standbahn vorn Eibsee über das Platt aum Zugspitzgipfel vor. Der österreichische Plan, an dem sehr viel internationales Kapital beteiligt ist, wird schon ausgeführt. Eine Schwebebahn soll von Ehrwald auf das Platt geführt werden. Ueber Almen und stille Schroffen dröhnt der Lärm der Arbeit, und weltabgeschiedene Dörfer sind erfüllt von einer sich sehr laut gebärdenden Arbeiterschar. Gegenüber denen, die behaupten, daß diese Bahn zur Erschließung des Zugspitzgebietes notwendig wäre, muß immer wieder betont werden, daß bisher schon die erleichterte Möglichkeit einer Besteigung durch das Reintal allen denen offen stand, die wirklich bergroanbem wollten. Es handelt sich darum, das Wettersteingebirge, das für die Bedürfnisse bes Alpenwanberns wirklich zur Genüge erschlossen ist, nicht auch noch ben letzten Winkel feiner Ursprünglichkeit zu berauben. Nur zu gut können wir uns bas Programm ber nächsten Zukunft ausmalen: In Kürze werben Berghotels auf ber Zugspitze selbst, auf bem Platt, an ber blauen Gumpe, auf bem Schachen unb bem ganzen unteren Reintal wie Pilze aus ber Erde wachsen, Automobil st ra- ß e n werben bis zu biefen Hotels burchgesührt werben unb die ganze Gegend ungenießbar machen, die heimlichen Jägersteige durch Dickicht und Tann, über Schroffen und Gestein werden als Promenadenwege den ganzen Betrieb „in die Hohe bringen* —. Was die Dreitorspitze und ihr wundervoller Aufstieg verlieren würden, ist gar nicht zu schildern. Das ist nicht mehr zu ändern, aber das deutsche Volk kann sich gegen weitere Verschandelung wehren, die schon geplant ist: Das Kreuzeck unb ber Untersberg. Hier ist es an ber Zeit, auf gesetzlichem Wege Berorbnungen zu schaffen, bie bie beuts chen Berge zum Schutzgebiet er- klären unb dieses wertvolle Gut deutscher Bolkskraft und Gesundheit erhalten. Turnen, Sport unb Spiel. Wozu Herbstregatten? Die Herbstregatta, zumindest in ihrer jetzigen Form und allgemein gewordenen Ausgestaltung, ist ein Nachkriegskind, das 1919 in Berlin bas Licht ber Welt erblickte. Man wollte durch diese Regatten in erster Linie Anfängern, die im laufenden Jahr das Rudern erlernt hatten und deshalb als Rennruderer für die großen Sommerregalten noch nicht reif waren, eine Startmöglichkeit bieten, ohne daß dabei die Jungmannschaft durch einen Sieg für das kommende Jahr verloren geht. Das war und das muß auch der Hauptzweck der Herbstregatten bleiben, wenn sie sich für die Zukunft behaupten wollen. Ferner sollen sie auch denjenigen Trainingsleuten, die als überzählig in einer Bierer- ober Achter-Mannschaft keinen Platz mehr fanden, als Ersatzleute aber weiter trainierten, Gelegenheit zum Starten in andern Bootsgattungen geben, um dadurch ihr Interesse am Rennruderspori wach zu halten und sie nicht als Rennruderer zu verlieren. Schließlich sollte noch denjenigen, die in den Sommerregatten bereits in Riemenbooten gestartet hat- ten, Gelegenheit geboten werden, sich im Herbst im Skullboot zu versuchen und umgekehrt, ohne dadurch die Jungmannschast für die betreffende Bootsgat- tung zu verlieren. Leider werden diese Absichten in ber Fassung der Ausschreibung einer Herbstregatta nicht überall genügend klar und konsequent durchgesuhrt. Ziem- lich allgemein begegnet man zwar der Beiiimmung, daß die betreffenden Ruderer im laufenden Jahr vor dem 15. August nicht aus einer offenen Regatta gestartet Haden dürfen, ganz gleich in welcher Bootsgattung, aber diese Fassung birgt boch eine gewisse, vielleicht gar nicht beabsichtigte Härle in sich. Es roare zu münfd)en, daß fie durch eine andere erfetzt wird, in der klar zum Ausdruck kommt, daß der betreffende Ruderer vor dem 15. August des Regattajahres in ber beireffenben Bootsgattung nicht um Start gewesen fein barf. Diese Fassung würde hauptsächlich der Unterscheidung zwischen Riemen» und Skullboot zugute kommen, benn hiernach konnte ein Ruderer, der bereits im gleichen Jahr im Riemenboot am Start war, erstmalig als Skuller zu- aelassen werden und umgekehrt. Der Unterschied der Technik in diesen beiden Bootgattungen ist boch immerhin so erheblich, daß eine solche Unterscheidung durchaus gerechtfertigt erscheinen muß. Es ist eine andere Frage, ob fick) die Rennrudervereine, bie für bie Beschickung ber Herbstregatten hauptsächlich in Frage kommen, bereits zielbewußt auf bie Umorganisierung ihres Trainings- bctricbcs eingestellt haben. In den meisten Fällen barf bas bezweifelt werben. Der Trainer für bie Haupt-Regattazcit ist fast burchroeg |o überlastet, bah er sich mit ber Borbilbung der fiir die Herbstregatta bestimmten Mannschaften nicht befassen kann. Diesen fehlt also im Lause bes Sommers meist die fachgemäße Unterweisung, die dann, wenn der Trainer seine Tätigkeit im Klub in ber Regel schon beendet hat, durch die Ruderwarte des Vereins ober erfahrene Mitgliebcr in wenigen Wochen nachgeholt wer- den soll. Das führt bann oft zu Unstimmigkeiten in ber technischen Ausbildung, im Ruberstil ber jüngeren Mannschaften, bie sich in ben solgcnden Jahren bann ungünstig ausroirfen. Aus biefen Uebclftanb sollten bic Rennrubervereinc burch geeignete organisatorische Maßnahmen rechtzeitig Rücksicht nehmen. Die Dcranftaltcnben Regattavercine müssen sich bei Herbstrennen auch noch mehr ber Eigenart ihres Re- gattaortes anpaffen, wenn nicht ber leibigc Zustand, baß Rennen wegen mangels an Melbungcn aus- fallen müssen, weitere Fortschritte machen soll. Die Herbstregatten werben sich wohl immer mehr zu lokalen Veranstaltungen ausbilbcn, weil bic Klubkasse durch die Beschickung der immer zahlreicher werdenden Sommerregatten nicht mehr in der Lage ist, auch für auswärtige Herbstregatten noch etwas zu erübrigen. Meisterschastsschwimmett der Deutschen Tnrnerschnst in Frankfurt. Turnverein v. 1846 Gießen 2 Sieget bei ber 4 mal 50-Aleler-Bruslslafsel für Turnerinnen. Unter ganz hervorragender Beteiligung aus allen Teilen Deutschlands sand am 23. August im Stadion zu Frankfurt das Meisterschasts- schwimmen der Deutschen Turnerschast statt. Die Damcn-Staffel des Turnvereins v. 1846, Frl. Hannelie Weeg, Frl. Gretel Hamel, Frl. Lina Haubach unb Frl. Gustel Linbenstruth, welche bei ben Ausschcidungskämpsen (Kreisturnfest 1925 Gießen) in ber Mittelstufe ben 1. Platz belegen konnte, war zu biefen Kämpfen zugelassen worden. Um die Meisterschaft für die 4 mal bO-Meter-Bruststaffel für Turnerinnen kämpften folgende Vereine: Turnerschaft Berlin, Turnerschaft Dresden, Turnverein Halle, Turnverein Köln-Ehrenfeld, Turnverein Iserlohn, Mtv. Lüneburg, Turnverein Dffenbad), Turnverein Pforzheim, Turnverein Frankfurt a. M. unb Turnverein o. 1846 Gießen. Nach hartnäckigem Kampfe gelang es ber Gießener Staffel mit Hanbbrelte hinter $)alte in ber vorzüglichen Zeit von 3 Minuten und 29j Sek. den 2. Platz zu belegen. Tv. Dresden, welcher den Meistertitel in diesem Jahre zu verteidigen hatte, belegte hinter Gießen mit 4 Meter Abstand den dritten Platz- _ Durch diesen Sieg rückt nunmehr die lumerut- nen-Staffel des Turnvereins o. 1 846 Oie- ft en in die Sonderklasse. Fauftball im Gau Hessen. 4 Friedberg, 23. 2lug. Heber die leistungsfähigste Faustballmannschaft im Turngau Hessen verfügt zur Zeit die hiesige Turngemeinde. Eie wurde in diesem Jahre überlegen Bezirks- meister un 5. Bezirk, sicherte sich im Endspiel gegen Turnverein 1846 (Ziesten auch die Gau- Meisterschaft, wurde kurz daraus Feldbergmeister und unterlag in den Gauverbandsspielen nur dem deutschen Meister »Licht-Luftbad" Frankfurt a. M. Gelegentlich der Feierlichkeiten anläßlich des 65jährigen Bestehens des Turn- und Sportvereins Marburg hatte unsere Turngemeinde nun in Marburg den Pokal zu verteidigen, den sie dort vergangenes Zahr erstmalig gewonnen hat. Es gelang der trefflichen hiesigen Mannschaft, nach sehr intereflanten Wettspielen den wertvollen Pokal wieder zu erringen. Nachstehend seien die genauen Spielergebnisse angegeben. Tgm. Friedberg—Verein für Leibesübungen Marburg 1 54:26. Tgm. Friedberg—Der ein für Leibesübungen Marburg II 77:53. Tgm. Friedberg—Tv. und Epv. Marburg 46:27. Tgm. Friedberg—Tv. Cölbe 54:26. Kirche unb Schule. Z Wirberg, 22. Aug. Das 4. Missions - fest a u s bem Wirberg hatte wie bie vorher- gchenben einen schönen Verlauf. War ber Tag auch trüb, so blieb es doch trocken, ja am Schlüsse blickte sogar bie Sonne einmal durch. Eine grofte Anzahl von Festgästen, es werben zwischen 400 unb 500 gewesen sein, hatte sich cingefunben. Es waren nicht nur Beiuchcr aus ben Nachbarbörfern Göbelnrod und Reinhardshain, die immer stark überwiegen, sondern auch aus vielen Orten der Umgegend bis zu zwei Stunden Entfernung. Besonders ist die treue Mitwirkung bes Posaunenchors Bersrod, Leiter Herr Stroh, zu erwähnen, der, wie bei den vorhergehenden Missionsfesten, so auch dieses Mal uns durch Begleitung der Gesänge und Vortrag einiger Chöre diente, zu erwähnen. Missionar Schlaudraff, der Feslprcdiger, vor und während des Krieges an der Goldküste in Afrika tätig, predigte über das Sonntagscoangelium in eindringlicher Weife. In der Nachfeier erzählte der Fest- Prediger in fesselnden Bildern vom Leben der Neger und vom Londe der Goldküste. Seiner plastischen Erzählerkunst Härten alle gerne zu. Der Ortspfarrer sprach noch ein kurzes Schlußwort, das ausklang in die Einladung zum 5. Wirberger Miffionssest unb -,um Dekanats-Gustao-Abolf-Fest, das am 13. September, acht Tage vor dem großen Gießener Gustav- Adolf-Fest, auf dem Wirberg stattfinden soll. Die Festkollekte ergab 70 Mk., der Schriftenoerkauf ist noch nicht abgeschlossen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Festprediger morgens in Harbach einen Missionsgottesdienst hielt, weil sie die Harbacher Freunde wegen der Gefahr der Ueberschleppung der dort herschenden Maul- und Klauenseuche nicht auf den Wirberg einladen konnten, und weil nachmit- tags in Ettingshausen das Denkmal eingeweiht wurde. Schöffengericht Wetzlar. Wetzlar, 21. Aug. Wegen falscher Beurkundung und Vergehens gegen das Personenstandsg^e- setz war der Bürgermeister und Standesbeamte J-. aus Breitscheid angeklagt. Wie die Anklage ergibt, hatte ein Brautpaar bei dem Angeklagten ein Aufgebot beantragt. Da der Bräutiaam nicht im Besitze einer Geburtsurkunde war, sondern nur einen ungarischen Schein, anscheinend einen Impfschein, oorlegte, wurde ihm seitens des Angeklagten aufgegeben, eine Geburtsurkunde beizubringen. Der Angeklagte nahm aber trotz des Fehlens der Geburtsurkunde das Aufgebot auf und drei Wochen später die Trauung des Paares vor. Erft einige Zeit nach der Trauung gelangte der Angeklagte in den Besitz der Urkunde. Der Angeklagte gibt den Sachverhalt, wie ihn die Anklage schildert, zu, er will sich aber hierdurch nicht strafbar gemacht haben, zumal es ihm als Stadesbeamten überlassen sei, von der Vorlage einer Urkunde Abstand zu nehmen hatte — mithin hatte das Protokoll den An- kannt sind, was in dem vorliegenden Fall zugetroffen habe. Das Gericht teilt diese Ansicht des Angeklagten, es bezeichnet aber die Handlungsweise des Angeklagten, der den Verzicht auf Vorlegung der Urkunde nicht in seinem Protokoll ausgenommen hatte — miihan hatte das Protokoll den Anschein, als ob eine Geburtsurkunde vorgelegen habe — als falsche Beurkundung. Ein Verzicht auf Vorlage der Urkunde konnte ebenfalls nicht in Frage kommen, denn der Angeklagte hatte ja dem Bräutigam aufgegeben, eine solche herbeizuschafsen. Unter Zubilligung mildernder Umstände, zumal der Angeklagte, weil das Ehepaar Interesse an schneller Eheschließung hatte, hier lediglich aus Gutmütigkeit gehandelt hatte, erkannte das Gericht auf 200 Mk. Geldstrafe. Des weiteren waren noch vier Angeklagte wegen Teilnahme an den Wetzlarer Oktober-Unruhen vom Jahre 1923 auf der Anklagebank. Es sind dies der Anstreicher H. M. aus Wetzlar, das Dienstmädchen W. Sch. aus Gießen, der Arbeiter H. P. aus Wetzlar und der Arbeiter W. R. aus Niedergirmes. Der Angeklagte M. hatte sich längere Zeit in Frankfurt a. M. verborgen gehalten, bis er vor kurzem verhaftet wurde. Ihm ist Teilnahme an den Gewalttätigkeiten und Plünderungen zur Last gelegt, und zwar soll er sich als Rädelsführer hervorgetan haben. Der Angeklagte bestreitet entschieden jede strafbare Handlung, dagegen will er am ersten Abend auf dem Eisenmarkt gewesen sein, jedoch nicht in gewalttätiger Absicht. Er will gelegentlich der Plünderungen alles versucht haben, die Leute von den Plünderungen ab- zuhalten, was auch durch einige Zeugen bestätigt wird. Die Angeklagte Sch. gibt zu, ein Paar Schuhe auf der Straße vor einem Geschäft aufgehoben zu haben, hat diese aber wieder zurückgegeben. Ebenso gibt der Angeklagte R. zu, ein Paar Schuhe von einer Geschäftsfrau erhalten zu haben, Bezahlung sei nicht von ihm verlangt worden. Beide Angeklagten wollen sich hierdurch nicht strafbar gemacht haben. Der Angeklagte P., der in ziemlich rühriger Weise bei der Befreiung der im Polizeigefängnis untergebrachten G e- f a n g e n e n beteiligt gewesen sein soll, bestreitet die ihm vorgeworfene Handlung, dagegen will er im Gebäude der Polizeiverwaltung gewesen sein, jedoch nichts mit der Gefangenenbefreiung zu tun gehabt haben. Nachdem die Beweisaufnahme, die mehrere Stunden dauerte, und bei der eine ziemliche Anzahl Zeugen, die früher teilweise Mitangeklagte waren, geschlossen war, erhält der Staatsanwalt das Wort zu seinem Plädoyer. Bezüglich des Angeklagten M. läßt er die Anklage wegen Rädelsführung fallen und beantragt gegen ihn wegen Vergehens gegen § 125,2 die gesetzliche Mindest- ' strafe von 6 Monaten Gefängnis und wegen der j übrigen Angeklagten das Gleiche. Nach kurzer Be- ! ratung wurde das Urteil verkündet. Es lautete [ gegen M. wegen einfachen Landfriedens । bruchs auf 3 Monate Gefängnis, gegen Sch. und R. wegen schweren Landfriedensbruchs auf je 6 Monate Gefängnis und gegen P. wegen schweren Landfriedensbruchs auf 9 Monate Gefängnis. Bzgl. des Angeklagten M. gilt die Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt, während den übrigen Angeklagten Strafaussetzung mit Bewährungsfrist bis 1. Oktober 1928 unter Auferlegung von Geldbußen an Sch. und R. in Hohe von je 50 Mk. und an P. in Höhe von 100 Mk., zahlbar in Monatsraten von je 10 Mk., zugebilligt wurde. Amtsgericht Wetzlar. Wetzlar, 20. Aug. Der Arbeiter Wilhelm N. aus Heuchelheim, der der Uebertretung der Polizei- verordnunq über den Radfährverkehr beschuldigt roar — er halle angeblich auf der Atzbacher Straße einen des Weges kommenden Mann, dem er auf seinem Fahrrad begegnete, nicht durch Glockenzeichen auf sein Nahen aufmerksam gemacht —, war durch Strafbefehl des Amtsgerichts Wetzlar mit 10 Mark Geldstrafe belegt worden. Auf feinen Einspruch erfolgte heute Freisprechung, da seine Angaben, er sei dies nicht gewesen, nicht zu widerlegen waren. Wegen Fahrraddiebstahls hatte sich der Walzmeister Matthias L. von Wetzlar zu verantworten. Wie die Anklage ergibt, war dem Zeugen Pf., als er im Dezember v. I. in Wetzlar m der Wirtschaft Rösch verweilte, sein im Hausflur unter- gestelltes Fahrrad entwendet worden. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Rades waren er- 'olglos, auch die Polizei vermochte nicht, den Täter ausfindig zu machen, bis eines Tages der Zeuge B., der mit dem Bestohlenen gut bekannt war, und das entwendete Rad infolge eines Fehlers an der Kabel genau kannte, das entwendete Rad auf dem Hofe des Angeklagten entdeckte. Natürlich gab B. bem Bestohlenen sofort Kenntnis von seiner Entdeckung, und es erfolgte Anzeige bei der Polizei, die das Rad sofort beschlagnahmte und es dem Pf., d-r es als das entwendete bestimmt erkannte, zu- lütfgnb. Der Angeklagte bestreitet die Entwendung des Fahrrades, sondern will dieses im Januar 1925 non einem Manne namens Wagner aus Nauborn gekauft haben. Er will sofort 30 Mark anbezahlt und die restlichen 30 Mark etwa 14 Tage später wieder in der Wirtschaft Rösch dem Verläufer ausgezahlt haben, während es in Wirklichkeit den angeblichen Verkäufer namens Wagner in Nauborn, den angestellten Ermittlungen zufolge, nicht gibt. Das Gericht erachtet den Angeklagten trotz feines Leugnens als der Tat überführt und verurteilt ihn zu drei Monaten Gefängnis; auch werden ihm die Kosten des Verfahrens auferlegt. Der Kleinhandel mit Fleisch. Im Amtsblatt der hessischen Regierung, der Darmstädter Zeitung, wird vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft die -reue Fassung des Gesetzes über den Verkehr mit Vieh und Fleisch bekanntgegeben. Das Gesetz enthält acht Paragraphen, von denen die beiden letzten die Strafbestimmungen betreffen. Wegen der Wichtigkeit des Paragraphen 6 im Verkehr mit dem Publikum teilen wir diesen hier mit: „Wer Frischfleisch, Gefrierfleisch, Fleischwaren oder Wurstwaren im Kleinhandel feilhält, ist verpflichtet, ein Verzeichnis in seinen Verkaufsräumen oder an seinem Betriebsstand nach näherer Anordnung der obersten Landesbehörden anzubringen, aus dem die Verkaufspreise der verschiedenen Arten und Sorten ersichtlich sind. Die angegebenen Preise dürfen nicht überschritten werden. Gefrierfleisch muß als solches bezeichnet werden." (Gießener Wochenmarktprerfe. am 22. August 1925 (Händlerpreise). Es kosteten auf dem'heutigen Wochenmarkt: Butter 220 bis 230. Matte 35 bis 40, Käse 70, Wirsing 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 20, rote Rüben 10, Spinat 40, Römischkohl 10, Dohnen 30 bis 35, Mischgemüse 15, Tomaten 30, Zwiebeln 20. Rhabarber 15. Kürbis 10, Pilze 40, Kartosfelln 5 bis 6, Frühäpfel 15 bis 40, Falläpfel 5 dis 8, Dirnen 40 bis 70, Eierpflaumen 40, Zwetschen 30, Mirabellen 50, Weintrauben 60, Pfirsiche 80 bis 120, Brombeeren 45 bis 60, Preiselbeeren 60, Honig 35, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Ps. baä Pfund, Eier 15 bis 16, Blumenkohl 50 bis 140, Salat 10 bis 20, Salatgurken 30 bis 60, (Sinmacftiurfen 3 bis 5, Endivien 20, Ober-Kohlrabi 15, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück. Wirtschaft. Ruhrkohlenförderung. Rach den vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vom 9. bis 15. August im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 1 920 571 Tonnen Kohle gefördert gegen 1 934 245 Tonnen in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung nahm in den sieben Tagen der Derichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) gegenüber der Vorwoche von 405 874 Tonnen auf 399 827 Tonnen ab, die Preßkohlenherstellung von 67 190 auf 65 105 Tonnen bei sechs Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 9. bis 15. August im Ruhrgebiet 320 059 Tonnen gegen 322 374 Tonnen in der vorhergehenden Woche und 379 840 Tonnen im Durchschnitt des Jahres 1913. Die täglich« Kokserzeugung stellte sich auf 57118 Tonnen gegen 57 982 Tonnen bzw. gegen 68 377 Tonnen. Die tägliche Preßkoblenherstellung auf 10 851 Tonnen (11 198 bzw. 16 439 Tonnen). • Wieder Sonnabendbörse in Hannover und Bremen. Rach Bekanntmachung des Dörsenvorstandes findet ab 1. September bis auf weiteres an den Sonnabenden wieder Börse in Hannover statt. Auch in Bremen findet wieder an den Sonnabenden offizieller Börsenverkehr statt. Berlin?«: Produktenbörse. Berlin, 22. Aua. Der Produktenmarkt war schwach, trotz der hohen amerikanischen Preise. Das Angebot von polnischem Hafer und Weizen soll dabei eine Rolle spielen. Es notierten pro Tonne: Weizen (märt) 229 bis 233, Weizen (September) 248 bis 246, Weizen (Oktober) 252 bis 250, Weizen (Dezember) 257 bis 256, Roggen (mark.) 169 bis 175, Roggen (westpreuß.) 160 bis 162, Roggen (Septembers 188 bis 186, Roggen (Oktober' 194,50 bis 193, Roggen (Dezember) 200,50. Gerste (mark.) 240 bis 272, Futtergerste 189 bis 197, Hafer (märk.) 180 bis 187, Hafeo (Oktober) 184, Hafer (Dezember) 191, Mais (loko Berlin) 214 bis 218, Raps 355 bis 360; pro Doppelzentner: Weizenmehl 31,75 bis 34,75, Roggenmehl 25 bis 26,75, Weizen kleie 13, Roggenkleie 13, Biktoriaerbsen 27 bis 35, kleine Erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 23 bis 25, Peluschken 23 bis 25, Wicken 26 bis 28, Lupinen (blau) 12,50 bis 14,50. Lupinen (gelb) 15 bis 16,50. Rapskuchen 16,60 bis 16,80, Leinkuchen 23,20 bis 23,40, Trockenschnihel 12 bis 12,30, Torfmelasse 9,70 bis 9,80, Kartosfelflocken 24, Zucker 22 bis 22,20. Büchertisch. — Das Wesen des evangelischen C h r i st e n t u m s. Don Professor Dr. Karl Heim. (Wissenschaft und Bildung Nr. 209.) Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Die vorliegenden - Ausführungen gehen nicht in den Kampf der Konfessionen ein und Hetzen gegen kein Glaubensbe- lenntnis. Sie regen den Leser nur zu der Besinnung an, zum Nachdenken über die letzten Gegensätze der Weltanschauung und Lebensachtung, die hier auf dem Spiele stehen. 431 — Abriß der geistigen Entwicklung des Kindes. Von Professor K. Bühler. (Wissenschaft und Bildung Nr. 156.) Zweite, verbesserte Auslage. Verlag von Quelle & Mever in Leipzig. In den Betrachtungskreis der Vereroungs- lehre in der vergleichenden Psychologie stellt Bühler die seelische Entwicklung im oorschulpslichtigen Alter hinein. Von diesem Boden aus, den er durch allgemein psychologische Deutungsgrundlagen und durch geschickte Auswahl eigener und fremder Beobachtung verbreitet, löst er seine Aufgaben. Eigene Beobachtung und Beispiele aus den besten Kinderstudien gestalten sich zum interessanten Bild der Kindesentwicklung, das den Reiz zu eigener Beobachtung weckt. 433 — Säuglingsgymnastik. Don Detlefs Neumann-Neurode. Mit einem Vorwort von Professor Dr. Leo Langstein. Das Krüpoeltum vieler Menschen kann zum großen Teil veryütet werden, wenn mir uns mehr bewußt würden, daß wir schon beim Säugling mit zweckmäßigen körperlichen Hebungen beginnen müssen. Die bereits in 3. Auflage vorliegende Arbeit von Neumann-Neurode gibt ein erprobtes System der Säuglingsgymnastik. Eine genaue Anleitung ermöglicht auch der halbwegs geübten Laienhand die Vornahme dieser Hebungen am Kinde. Sehr interessant ist, daß der in der Säuglingskunde bekannte Fachmann, Professor Langstein in Berlin, die Säuglingsgymnastik in feiner Anstalt zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit im Deutschen Reiche in sein Arbeitsprogramm ausgenommen hat, wie er in einem aus seiner Feder stammenden Vorwort bemerkt. 442 — Erziehungsprobleme der Reifezeit. Herausgegeben von Studienrat Dr. H. Küster. Vortragsreihen für Erzieher und Eltern. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft für Pädagogik zu Kassel unter Mitarbeit hervorragender Fachleute. Leinenband 5,60 Mk. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. Als Erziehungsproblem ist die die Reifezeit pädagogisches Neuland. Das vorliegende Buch führt Erzieher und Eltern ein in das Verständnis der Seelenlage der Jugendlichen. Einleitend weist Kultusminister Dr. Boelitz auf die Bedeutung dieser Problemreihe innerhalb des gegenwärtigen Bildungskampfes hin. Dr. Borbein, der Vorsitzende des Provinzialschulkollegiums Kassel, beleuchtet die Beziehungen der Jugend zu ihren Erziehern in Haus, Schule und Kirche. Wertvolle Ausführungen über die Suggestion und Suggestibilität im Jugendalter sowie über Erotik und Sexualität der reifenden Jugend werden von Professor Stern, Pubertätskrisen und die Stellung der Jugend zum Recht von Professor Hofmann behandelt. Die wichtige Frage des Verhältnisses des Jugendlichen zum Be- ruf, über den Kampf gegen die Verwahrlosung Jugendlicher und über krankhafte seelische Zustände im Entwicklungsalter beschließen das Werk. 447 — Lebenswirtschaftliche Erziehung im Lichte einer erziehungswissenschaftlichen Diätetik. Von Rektor Hugo Schmidt. Leinenband Mk. 4.—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Dem Verfasser ist Erziehung ein biologisches Problem, das den persönlichen und sozialen Lebensoorgang umfaßt. So gesehen, gilt es vor allem, das Kind in seiner Entwicklung zu erfassen, nach diesen Gesetzen die Persönlichkeit zu bilden und die verschiedenen Richtungen seines Lebenswillens zu gestalten. Dann gestaltet sich die diätetische Erziehung notwendig zu einer lebenswirtschaftlichen Erziehungspraxis, die ebenso die Lebensoflege umfaßt, wie die Erlebnis- und Nacherlebnispstege. Greift also das Buch in seinem ersten Teile auf die Ergebnisse der Biologie und Psychologie zurück, so zeigt es im zweiten von ganz neuem Blickpunkt aus die Probleme der Pädagogik, um schließlich in einem letzten Abschnitt die an die Organe einer lebenswirtschastlicken Erziehung zu stellenden Anforderungen aufzurollen. 448 — Einführung in die Hauptfragen der Philosophie. Von Geheimrat Professor Dr. R. (Surfen. 4. verbesserte Auslage. Leinenband Mk. 6.—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Surfen gehört zu unseren wenigen Denkern, die lange vor der gegenwärtigen Katastrophe die Leere und Hnzulänglichkeit der letzten Jahrzehnte erkannten und unermüdlich zur Verinnerlichung, zur Sammlung der Geister, zur Vertiefung des Lebensgehaltes mahnten. Heute stehen wir an den Trümmern nicht nur unseres staatlichen, sondern auch unseres kulturellen Seins. Heute wissen wir es alle, daß nur durch Wiedergewinnung einer idealistischen Lebensanschauung, durch Abwendung vom Materialismus unserer vergangenen Tage eine Besserung zu hoffen ist. In diesem Augenblick ist uns (Surfens „Einführung in die Hauptfragen der Philosophie", die soeben in vierter Auslage erschien, doppelt wertvoll. 439 — Deutscher Hort. Kulturkundliches Lesebuch in Einzelheften. Herausgegeben von Ober- ftubienbirettor Dr. F. Wuessing unb Stubienrat Dr. G. Wenz. 52 Hefte mit zahlreichen Bildern, ^reis je nach Umfang 40—80 Pf. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig. — Trotz mannigfacher Versuche fehlte uns noch das wahrhaft neuzeitliche Lesewerk, das im Geiste der heutigen Unterrichts- foröerungen der zentralen Bedeutung des Deutschen für alle Lehrfächer gerecht wird. Diese hohe Forderung erfüllen die schmucken Hefte des „Deutschen Hortes" nach jeder Richtung. Die Herausgeber haben hier in prachtvoller Anordnung ein kulturkundliches Lesebuch geschaffen, das in der Fülle des Gebotenen eine einzigartige Auswahl des für die Jugend Wertvollsten aus unserem ganzen Kulturgut darstellt. So unterstützen den Geschichtsunterricht die Bändchen: „Aus germanischer Zeit", „Deutsche Vergangenheit", „Aus deutscher Geschichte", „Volksmärchen", „Sagen", „Unsere Muttersprache", „Lyrik", „Balladen" und andere führen in die Schönheit der deutschen Sprache und Dichtung ein. In „Kinderseelen", „Elternhaus und Nachbarschaft" wird für die Unterftufe dem naiven kindlichen Erleben sein volles Recht gegeben. Die tieferen Saiten unseres Gefühlslebens schlagen die mit „Glaube und Frömmigkeit", „Menschenschirfsale", „Gott, Welt und Mensch" usw. betitelten Teile an. „Vom Weltall", „Erde und Leben", „Von Pflanzen, Tieren und Menschen" „Aus fremden Landen" beuten das deutsche Lesegut für den natur- und erdkundlichen Hnterricht aus. Deutsche Landschaft und Stammes- art in Sitte und Brauch ist ausreichend behandelt, auch den Deutschen im Auslande und in den Kolonien sind zwei der schönsten Hefte gewidmet. Eine besondere verdienstvolle Würdigung findet die Entwicklung der deutschen Wirtschaft und Technik in den Bändchen „Hinter Pflug und Schraubstock", „Deutsches Wirtschaftsleben", „Die Welt der Technik". Hier ist mit den üblichen Lesebuchstoffen Schluß gemacht. 430 — Chemisches .Experimentierbuch. (Naturw. Bibi.) Von Rektor O. Hahn. 2. verbesserte "Auflage. Leinenband Mk. 2.80. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 158 Experimente aus allen Gebieten der organischen und anorganischen Chemie unter Ausschluß aller gefährlichen Versuche mit Phophor, konzentrierten Säuren und Laugen stellt der Verfasser auf. Die Versuche sind einfach. Sie setzen keine besondere Einrichtung, keine kostspieligen Apparate voraus. Unb doch wird der Arbeitende in das volle Verständnis eines chemischen Vorgangs eingeführt und lernt chemische Tatsachen kennen und ergründen. 441 — Senator Gerth, Die unmöglichen Hohenzollern. 184 Seiten in Halbleinen 3,50 Mark. (Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin SW 68.) — Grundfragen der Sprachwissenschaft. Bon Prof. Dr. H. Güntert. (Wissenschaft und Bildung Nr. 210.) Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Seine Hauptaufgabe erblickt der Verfasser darin, Ziele und Aufgaben der Sprachwissenschaft darzulegen, die grundlegende Bedeutung der Sprache für das Geistesleben aufzuzeigen und dem Leser zur Eigentätigkeit neue Anregung zu geben. 437 — Werkzeugkunde. Ein Lehr- und Hilfsbuch für den Werkunterricht unb für Fachschulen. Von Konrektor R. Frenkel, Leiter des Werkseminars und Oberleiter des Werkunterrichts in Berlin. Leinenband Mk. 8.—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Das als Lehr- und Nachschlagebuch hervorragend geeignete Werk gehört in jede Werkstattbücherei. Jeder Arbeiter und Praktiker, der sich über das Wesen und die Bauart der von ihm geführten Werkzeuge zu unterrichten hat, muß zu diesem Buche greifen. 440 — Deutschkundliche Bücherei. Das Nibelungenlied. Von Privatdozent Dr. H. GngerL Deutscher und nordischer Glaube. Bon Professor Dr. P. Herrmann. Die deutsche bildende Kunst der Romanttk. Von Professor Dr. Fr. Knapp. Die deutsche bildende Kunst der Gegenwart. Von Prof. Dr. Fr. Knapp. Deutsche Philosophie im 19. Jahr- hundert. Von Studienrat Dr. R. Scherwatzky. Man muß es dankbar begrüßen, daß die heute übliche freiere Gestaltung des deutschen Hnterrichts der Schöpfung einer so wertvollen Sammlung die Veranlassung geben. Denn sie ist keineswegs nur für den Hnterricht bestimmt. Wir wüßten für den Laien keinen besseren Weg, sich in die verschiedenen Zweige deutscher Kultur einführen zu lassen, wie durch diese schmucken Bändchen aus der Feder erster Fachleute. Das beweisen wieder die vorliegenden fünf neuesten Hefte. 435 — Praktischer Lehrgang der deutschen Einheitskurzschrift. Von Professor Dr. G. Amsel. Kart. 1 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Der Verfasser ist als Mitglied des Einigungsausschusses an der Schöpfung der Einheitskurzschrift beteiligt gewesen und hat als bewährter Leiter der Stenographie-Abteilung am Zentralinstitut für Erzielstmg und Hnterricht in Berlin die beste Erfahrung. Das hebt das kurze handliche Lehrbuch aus der ungeheuren Flut der neuen stenographischen Literatur heraus. 429 Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Mittwoch, 26.; Der fliegend« Holländer. Donnerstag, 27.; Pique Dame. Freitag, 28.: Tiefland. Samstag, 29.: Fidelio. Sonntag, 30.: Intermezzo. — Schauspielhaus. Don Sonntag, den 23. Augst, bis Mittwoch den 26. August, geschlossen. Donnerstag, 27., Freitag. 28. und Samstag, 29. Aug.: Ein Spiel von der heiligen Messe. Sonntag, 30.: Einer von unsere Leut. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Montag, 24. August. 4 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde (Die Ro- velle): „Michael Kohlhaas", von Heinrich von Kleist. 7 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 7 bis 7.30 Ahr: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs: Dortrag von Herrn Schnauf: „Gedämpfte und ungedämpfte Wellen (Bestimmung d. Dämpfungsdekrementes)". 7.30 bis 8 Mr: llebertragung von Kassel: Dortrag von Aniversitätslektor F. K. Roedemeher, Frankfurt a. M.: „Nietzsche im künstlerischen Dortrag". 8 bis 8.30 Ahr: Englischer Unterricht, erteilt von Paul Olbrich, Studienrat an der Musterschule. 8.30 bis 9.30 Ahr: Sinfoniekonzert (Ouvertüren), musikalische Leitung: Dr. Ludwig Rottenberg, erster Kapellmeister des Frankfurter Opernhauses; Ausführung: Das Orchester des Frankfurter Opernhauses. 9.30 Ahr: Rachrichtendienst, Wettermeldung. 9.35 Ahr: Spätankündigung: „Eigentum ist Diebstahl!". 9.45 Ahr: Sportfunkdienst. 10 bis 11 Ahr: Aebertragung von Kassel: „Der Dilettant", Wettbewerb Kasseler Musikfreunde. Dienstag, 25. August. 3Ahr: Wirtfchaftsmeldungen. 4Ahr: Wetterbericht der Gießener Wetterdienststelle. 4 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 4.15 Ahr. (Nachrichtendienst der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau. 4.20 Ahr. Rachrichtendienst. 4.25 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 4.30 bis 6 Ahr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters: Märsche berühmter Komponisten. 6 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6.30 Ahr: Die Lesestunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Don Quichote" von Cervantes. 7 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 7.30 bis 8 Ahr: Dortragszhklus des Stadtgesundheitsamtes: „Die Tätigkeit des Sportarztes", Dortrag von Dr. Gersbach. 8 bis 8.30 Ahr: Aebertragung von Kassel: Stunde der Stadt Kassel: „Aufgaben dev. musikalischen Erziehung im Schulunterricht", Dortrag von Gg. O. Kahse. 8.30 Ahr: Der Vogelhändler, Operette in 3 Akten, von Carl Zeller. Musikalische Leitung: Kapellmeister Albert Mischel. — Anschließend: Rachrichtendienst, Wettermeldung, Sportfunkdienst. GEGRÜNDET 1876 Bahnhofstr. 65b GIESSEN Fernruf 1367 Pianohaus Filiale: Lieh (Oberhessen) Flügel und Pianos Aus dem Reiche der Frau. Bakterien durch . . „ „ , Instrumente usw. Eine weitere Eintrittspforte für bakterielle Keime und andere Parasiten ist die Haut. Wir pflegen in diesen Fällen non „Schmutzinfektion" z» sprechen. Durch die Insektion der Haut bekommt Dorspielende Kinder. Don Hans Arnold. 'Wenn sich mir jemand mit den Worten nähert: Bitte sagen Sie mir doch einmal ganz aufrichtig Ihre Meinung'", so erfüllt mich dies Anliegen von vornherein mit tiefem und nicht ungerechtfertigtem Mißtrauen. Denn ich habe sehr oft die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß die Leute meine aufrichtige Ansicht nur dann hören wollen, wenn sie mit der ihrigen übereinst,mmle und womöglich noch em bißchen mit der schmackhaften, wenn auch nicht immer zuträglichen Sauce der Schmeichelei übergoßen war. Ich hüte mich denn auch sorgfältig, jemand meine „aufrichtige Meinung" zu sagen, wenn ich ihm nicht mitteilen kann, was er gern hört! Ich schweige dann Heber! . .. Der Kulturmensch kommt nun aber oster in ine peinliche Lage, seine Ansicht nicht verschweigen zu können, und ich trage jeden Mitmenschen, was er tut und tun soll, wenn ihm zugemutet wird, über den Kunstwert des „Vorsviclens" von Kindern zwischen sechs und vierzehn Jabren zugleich liebenswürdig und offenherzig zu entscheiden. Daß Eltern sich an den Musikbestrebungen und leistungen ihrer Nachkommenschaft erfreuen, dos ist eine liebenswürdige Schwäche, die jeder nachsichtig beurteilen wird, namentlich derjenige, der selbst Kinder hat. Aber daß die guten Freunde und getreuen Nachbarn sich diese zweifelhaften Ohrenschmäuse auch mit strahlender Begeisterung anhören sollen, das ist wirklich ein bißchen viel verlangt. Und ganz davon abgesehen, ist dieses Borspielen ä tout prix ein Vorgang, der nach meiner Ueberzeugung jedem pädagogischen Grundsatz ins Gesicht schlägt. Ein Kind darf nur dann, und erst dann „vorspielen", in dem Sinne, daß es andere mit feinen Leistungen erfreuen soll, wenn es wirklich etwas Gutes, Korrektes, musi- tnlifd. Empfundenes zum Ausdruck bringen und technisch beherrschen kann. Und welches Kind kann das? Es gibt ja so hochmusikalische Kinder, aber sie sind unter der Unzahl der Durchschnittsoirtuöschen so selten und spärlich verstreut wie Goldkörner unter dem Weizen, und auch ihnen wäre es besser, sie spielten nur Lehrern und Eltern vor, denn zu frühes und übertriebenes Lob wirkt auf Talente wie die sengende Sonne auf zarte Blumen, sie entwickeln sich überrasch und welken ebenso, ober sie verkümmern in der Empfindung: ,Lo, wenn ich die Sache schon so schön mache, da brauche 'ch mir ja keine Mühe weiter zu geben!" Das liegt nun einmal in der menschlichen und bejonders in der kindlichen Natur. Diese hochbegabten Kinder ober, wie gesagt, sind große Ausnahmen. Das „Sumps- und Wiesen- lind", das Durchschnittskind, spielt im besten ,ralle schlecht und recht sein kleines Stück herunter! Man soll aber erwachsenen Leuten nicht zumuten, dies „Klimpern" zu hören, und Kindern nicht, cs zum besten zu geben. Man vergegenwärtige sich einmal diese Dorspielszenen mit allem Zubehör. Das zehnjährige Töchterchen, nennen wir es Lärchen, erscheint im Familienkreise, niedlich aufgedonnert, und wird als „unsere Musikalische" stolz und froh etikettiert, eine Bezeichnung, die sie mit verschämtem Lächeln über sich ergehen läßt. Das allgemeine Gespräch wird von dem Augenblick an matter, es strebt, von den Eltern gelenkt, sichtlich dahin, einen Anknüpfungspunkt zu dem bedenklichen Wort zu finden: „Lorchen soll etwas vorspielen!" Der Gast, will er sich nicht einer namenlosen Gemütsroheit schuldig machen, ist verpflichtet, jubelnd auszurusen: „Ach ja, ach ja!" „Lorchen'" ruft die Mutter, „komm schnell, Herr so und so mochte s o g e r n , daß du ihm etwas vor- spielst'" Lorchen sträubt sich. „Ich kann ja nichts!" erwidert sie in kläglichem Ton, eine Feststellung, die mit der Wahrheit betrübend übereinzustimmen pflegt. „Ach, du kannst schon!" stellt die Mutter mit ruhiger Bestimmtheit fest. „Spiele doch das: Tim tim, timdelim tim tim!" und gibt dem Hörer durch diesen Gesang einen verlockenden Vorgeschmack künftiger Hochgenüsse. „Das habe ich so lange nicht ae- Ipielt!“ wehrt Lorchen verstimmt ab. ..Dann spiele doch das andere: Pumperum, pum pum — didelititi!" trällert die Mama. Lorchen, wenn sie ein normales Kind ist, wird ungezogen, will nicht, weint und stampft mit dem Fuß. Der Gast bittet dringend und feurio: „Ach, lasten Sie doch das Kind, quälen Sie es nicht/' und hofft egoistisch, daß Lorchens Geheul ihr einziger musikalischer Vortrag bleiben wird. Aber die Eitern halten es bei diesem bedenklichen Wendepunkt für pädagogische Ehrenpflicht, Lorchen zu bändigen. Sie wird ins Nebenzimmer geführt, man vernimmt ein leicht klatschendes Geräusch, das den Zuhörer auf den Gedanken bringen kann, zu dem beabsichtigten „Tim tim timdelim" würden Kastagnetten gefttmmt. Dann erscheint das beklagenswerte kleine Dprer elterlicher Eitelkeit von neuem, dick verweint. Nun spielt Lorchen „Variationen", ein böses Unterfangen, bei dem Es ist nicht meine Absicht, das ganze große Heer der Infektionskrankheiten hier auf^u zählen und die für ,ede einzelne charakteristische Art und Weise der Uebertragung auf das Kind zu schildern. Ich will vielmehr ganz allgemein in kurzen Zügen die Wege aufdecken, auf denen Krankheitserreger Eingang in den kindlichen Organismus finden können. Ich will weiter ausführen, unter welchen Bedingungen eine Infektion — und sei es auch nur ein ganz banaler Schnupfen — besonders gefährlich zu jein pflegt. Und ich will endlich etwas über die Verhütung der Ansteckung sagen. Don den Wegen, deren sich die Infektionserreger beim Eindringen in den kindlichen Körper bedienen, ist der weitaus wichtigste der von den Schleimhäuten des Mundes und der Luftwege ausgehende. Ich will nur einige von den Krankheiten aufzählen, die auf diese Weise das Kind befallen. Da sind in erster Linie die so häufigen „Erkältungskrankheiten" zu nennen: Der gewöhnliche Schnup- sen, der Rachen- und Luftröhrenkatarrh. Weiter sind anzuführen: die hochfieberhafte Mandelentzündung, die Lungenentzündung, die Tuberkulose (die, wenigstens in den meisten Fällen, sich zuerst in den Xlungen anjetzt); ferner: die Diphtherie, der Gelenkrheumatismus, manche Formen der Gehirnhautentzündungen und noch viele andere. Woher und auf welche Weise lomemn nun Bakterien auf diese Schleimhäute? Da ist zunächst zu sagen, daß schon beim gesunden Menschen eine große Anzahl an und für sich harmloser Bakterien auf diesen Schleimhäuten vorhanden sind, die jedoch jederzeit für den Körper gefährlich werden können, wenn derselbe durch irgendwelche Ursachen (Erkältung, schlechte Pflege, schlechte Ernährung, ander- weitige Krankheiten) in seiner natürlichen Wider- standssähigkeit (Resistenz) gegenüber den Bakterien geschwächt wird. Neben dieser Art von Ansteckung, die man die „Selbstansteckung'' nennen könnte, spielt eine große Rolle die „Fremdansteckung", d. h., die Uebertragung von Krankheitskeimen von außen her, besonders von Mensch zu Mensch. Hier ist in bezug auf die Atmungswege in erster Linie die „Tröpfcheninfektion" zu nennen: die Aussaat von Bakterien durch den feinsten Sprühregen, der beim Sprechen, Niesen und Husten erfolgt. Don geringerer Bedeutung für die Schleimhäute des Mundes und der Atmungswegc ist das Einführen von Bakterien durch die Finger, durch Eßbestecke, durch Jur Psychologie der Mode. Don Dr. Carl Gruber-Szcredai. Unzähligemal ist im Laufe der Jahrhunderte gegen die Herrschaft der Mode gepredigt und gezetert worden. Aber erst in unjerer Daseinsperiode wurde der Kreis dieses Begrifies — der sich ja vordem im wesentlichen aus die menschliche Tracht beschränkte — ,zu einem die mannigfachsten Gebiete des Publikumsgeschmacks umspannenden ausgeweitet. Die Aeußeruimcii des in diesem Sinne als Mode erfaßten öffentlichen Geschmacks haben im 19. Jahrhundert erst jenen breiten Wirkungsradius erlangt, innerhalb dessen heutzutage fast lebe Le- bens- und Kunstäußerung gelegen ist. Neben an- deren Ursachen ist es besonders das rasende Tempo unseres schnellebigen Zeitalters, welches die Mode so große Gewalt erlangen ließ. Rascher als früher, sozusagen von Jahr zu Jahr, ändert sich der Ge° jchmack und dies nicht nur in den Kleiderformen, sondern auch in der Industrie, in Kunst und Literatur. Herrscherin und zugleich vornehmste Dienerin der Mode ist die Phantasie. Darum ist sie so unbeständig und launenhaft. Kunst und Leben und Leben und uunst werden in ewigem Kreislauf durch einander befruchtet. Immer wieder roirb,man finden, daß die Farben der Maler und die Farben der Schneider enge Berührung haben, daß Frauenbilder großer Künstler die Linie der Schönheit bestimmend beeinflusten. Der Künstler von überragender Eigenart zwingt die Welt zu sehen, wie er sieht, seine Schönheit anzunehmen. Allerdings läßt die Mode diese Bahnbrecher oft jahrzehntelang im Verborgenen. Döcklin Leibl, Rostetti und Burne-Iones, Mil- lei, Manet — um nur einige der erst jünqft mo- dem gewordenen Künstler zu nennen — sie alle haben dieses Schicksal geteilt. Schließlich aber wer- den ihre der Zeit voraneilenden Werke modern, bestimmen Linien, Farben, Stoffe, Gefühle und Gedanken! Auch Werke der Dichtkunst machen oft solcherart Mode. Goethes „Werther" z. B. hat einen sentimentalen Taumel geschaffen, der durch alle Länder ging. Wenherhastes Schmachten ist Jahrzehnte hindurch die Liebesmode aller Völker gewesen. „Jeder Jüngling wünscht sich so zu lieben, jedes Mädchen so geliebt zu sein." Wertherhafte Bücher und wertherhafte Bilder überfluteten die Welt, die jungen Männer legten Werthertracht an und der Name Lotte, schwebte auf ihren Lippen als Stenn- wort dessen, wonach jegliche Sehnsucht ging, als Verkörperung gefühlvoller, mimosenhaft zarter Weiblichkeit. Die Mode tritt immer despotisch auf. Sie ist die rrbittcritc Widersacherin der Eigenart. Ihr wesentliches Kennzeichen und ihre natürliche Folge ist die Uniformierung des Geschmacks, die bedingungslose Unterwerfung der Einzelneigungen fordert. Mehr ober minder willig wird das Diktat der Tyrannin erfüllt. Die meisten Menschen — in erster Linie die Frauen — beugen sich ihrem Gebot und wenn auch nur aus dem Grunde, weil das Abweichende auffällt, Befremden bei anderen, Unbehagen bei dem Betreffenden selber erregt. Die Sittlichkeit spielt — wie dies von Ethnologen und Kulturhistorikern längst feftgefteUt ist — bei den Modeentscheidungen nur eine Rolle von untergeordneter Bedeutung. Wohl sind einzelne Fragen der Moden — wie z. B. jene der Tiefe des Ausschnittes, der bloßen oder verhüllten Arme usw. — feit dem 16. Jahrhundert unablässig von Moralisten behandelt worden. Letzten Endes fällt über das, was anstößig ist und was nicht, dennoch die Mode selbstherrlich ihr Urteil. Als Beispiel mag die Frauenklcidung des Directoire und Empire hier angeführt werden. Das einzige Kleidungsstück dieser Epoche war die Tunika aus durchscheinendem Stoff, wenn nicht gar Musselin. Dennoch wurde dieses keine Rätsel mehr übriglassende Kostüm, das — wie die Chronisten berichten — eher einem die Gestalt umschleiernden Nebel glich, nicht etwa nur von leichtfertigen Mädchen und Frauen, sondern auch von den berühmten Damen erster Kreise und anderen widerspruchslos getragen, sicherlich ohne die Empfindung oder Absicht, gegen Scham und Sittlichkeit zu verstoßen. Erfreulich ist diese unbe- schränkte Macht der Mode gewiß nicht. Das Ideal edler und keuscher Herzensne.gung uerfinnbilbet jedem aufrechten Mann sicherlich weit eher die blumenholde Anmut züchtiger Weiblichkeit, wie sie etwa Burne-Iones gc,chaisen Hal, als die unbekümmert sich enthüllende „epartanerin" des Directoire und Empire. Aber gerade das angeführte Beispiel wirft grelles Schlaglicht auf die ertahrungserprobte Tatsache, daß die Mode befehlen kann, was sie will, es wird befolgt und in Ordnung befunden. Trotzdem darf als feststehend gelten, daß im größeren Teil der Fälle die Mode — bei aller Selbstherrlichkeit — der Moral mit weitgehenden Kon Zessionen entgegenkommt. Gerade in der Geschichte der menschlichen Tracht wird man die beste Bestätigung dafür finden, daß biamentrale Gegensätze — wie der oben erwähnte — doch nur ver- einzelt auskommen. Meist wird von Moral und Geschmack dasselbe Ziel angestrebt, dasselbe gutge- heißen oder verdammt. Die Vorzüge des Körpers heroorzuheben, seine Mängel zu verhüllen mag als berechtigtes Ziel jeder Mode anerkannt werden. Was darüber hinausgeht oder diesem Ziel zuwider läuft, kann nur in die Kategorie der — oft abscheulichen — Verirrungen des Modegeschmacks eingereiht werden. 3nfdtion$wege, Infektionsgefahren und Infektionsverhütung im Säuglings- und Illeinkindesalter. Don Dr. 6. Schmal, Eharlottenburg. das Kind Furunkulose, borfig-eitriae Hautaus- schlage. Krage, die verschiedensten Pu Krankheiten der j)aut. Durch die Infektion von kleinen Wunden, beim Neugeborenen speziell von der Nabel- rountc aus, mit bestimmten Bakterien kann das Kind einen Starrkrampf bekommen. Eine dritte Eintrittspforte für alle möglichen Erkrankungen stellt die Schleimhaut des Magens und des Darmes dar: für Ruhr, Typhus. Cholera, manche Formen von Darm- und Bauchjelltuber- kulose, für die verschiedenen Wurmkrankheiten und andere mehr. Die Bakterien bzw. bu Wurmeier können mit ber infizierten Nahrung ausgenommen werden, ober sie können burch bie mal mfeknosern Material beschmutzten Finger, Instrumente usw. borihin gebracht werben. An vierter Stelle enblich (ohne baß bamit bie Reihe der Insettionswege erschöpft wäre) möchte ich die Schleimhäute der Harn- und Geschlechisweae nennen. Beim Säugling, besonders beim weiblichen, ist die aufsteigende Entzündung der Harn- wege von der Harnblase zum Nierenbecken, vom Nierenbecken bis in das eigentliche Nierengewebe selbst, häufig. Richtige Pflege verhütet sie in vielen Fällen. Die Gefährlichkeit einer Infektion hängt keines- weg», wie man gewöhnlich annimmt, nur von der An des Infektionserregers ab. Freilich ist nicht zu bestreiten, daß unter sonst gleichen Bedingungen ein Typhus eine schwerere Erkrankung ist als ein gewöhnlicher Schnupfen. Aber man muß bedenken, daß eine Infektionskrankheit einen Kampf bar- stellt zwischen dem eingedrungenen Krankheitserreger und dem befallenen Organismus. Der Verlaus und schließliche Ausgang dieses Kampfes hängt von dem Kräfteverhältnis der beiden (Gegner ab. Wir sprechen von einem verschiedenen Grad bei Virulenz (Infektionskraft) bei den Bakterien und von einer geringen oder hohen Resistenz (In- fektionswiberstanbsfäyigkeit, in ihrem höchsten Grade: Immunität) bei dem befallenen Organismus. Von der ersteren soll hier nicht die Rede sein, wohl ober von der letzteren. Und zwar sollen einige Säuglings- bzw. Kindertypen aufaezählt werden, bei denen erfahrungsgemäß die Widerstandskraft gegenüber Infektionen besonderes gering ist. Dazu gehört in aUererfler Linie das Neugeborene und in noch höherem Grade das Frühgeborene. Ein ganz gewöhnlicher Schnupfen, der beim älteren Säugling und noch mehr beim Kleinkind in wenigen Tagen überwunden wird, kann hier eine schwere, ja tödliche Erkrankung bedeuten. Nur allzuoft sieht man nämlich aus einem solchen Schnup- fen eine Luftröhrenentzündung sich entwickeln, aus dieser einen Bronchialkatarrh, schließlich eine tödliche Lungenentzündung. Diejenige Infektionskrankheit aber, die gerade in den ersten Ledens- wochen und Lebensmonaten die verhängnisvollste Rolle spielt, ist die Tuberkulose. Dieses Thema soll ein andermal ausführlicher besprochen werden. Zu den besonders gefährdeten Kindern gehören in zweiter Reihe Kinder, die schon vorher irgend- wie krank sind, die eine Ernährungsstörung, eine Rachitis, eine Tuberkulose usw. haben. Ich will nur ein Beispiel anführen: die hohe Sterblichkeit der Rachitiker, die das Unglück haben, an Keuchhusten oder an Masern zu erkranken Diese Erkenntnis muß uns veranlassen, gerade bei diesen besonders gefährdeten Kindern eine Ansteckung um jeden Preis zu vermeiden. Was nun die Infektionsverhütung betrifft, fo könnte man zwei Arten von Schutz unterscheiden: 1. einen aktiven: die Stärkung des kindlichen Organismus und die Hebung seiner Widerstands- fähigfeit im allgemeinen, 2. einen passiven: die Fernhaltung des Kindes von den Ansteckungs- quellen bzw. umgekehrt die Fernhallung der An- steckungsquellen vom Kinde. Dem ersteren, dem aktiven Schutz, dient zweckmäßige Ernährung, Pflege und Erziehung des Kinoes. Davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein. Zum 2. aber, dem passiven Schutz, sollte vor allem die Erziehung und die Disziplin der Erwachsenen speziell der Eltern, beitragen. Die Erwachsenen Sollen sich, wenn sie einen Schnupfen, eine Grippe, Furunkel usw. haben, von den Kindern femhalten. Die Eltern sollen ihr Kind weder selbst abküssen kein Ende abzusehcn ist. und der „Back" flößt sie im Takt durch das ganze Stück hindurch wie ein Metronom. Ist das nun ein Vergnügen für den Gast oder für das Kind? Immerhin ist mir das ungezogene Lorchen noch bei weitem sympathischer als das selbstbewußte Karolinchen. Dieses Exemplar der vorspielenden Kin- dersorte sträubt sich nur aus Ziererei, es will gebeten sein, und man kann ihm keinen größeren Schmerz bereiten, als wenn man auf sein wiederholtes, lang- gezogenes: „Ich möchte wirklich lieber nicht spielen!" kühl und einverstanden erwiedert: „Dann lasse es nur bleiben, mein Kind!" In diesem Fall pflegt Karolinchen, wenn man das gefährliche Thema längst und erleichterten Herzens verlassen hat. sich auf den Zehenspitzen zum Klavier zu schleichen und heimlich einen Ton anzu- schlagen, dies Verfahren so lange wiederholend, bis lemanb aus der Gesellschaft unvorsichtig ausruft: „Aha! Nun will sie doch spielen!" Meist aber kommt cs nicht so weit. Karolinchen wird von Anfang an stürmisch gebeten, angeflehi. die Unterhaltung der ganzen Gesellschaft dreht sich minutenlang um das interessante Thema: Wird Karolinchen spielen oder nicht? _ Endlich pflegt sich ein Hausfreund oder Onkel zu erbarmen und dem Greuel wenigstens in dieser Ge- stall ein Ende zu machen. Er bietet Karolinchen schalkhaft den Arm, zerrt sie. die sich unter wiederholtem: „Ach nein!" vor Ziererei und Sträuben win- bet. hinter sich her, und Karolinchen Hüpft als zwerghafte Primadonna zum Klavier. Die Sitzhöhe wird minutenlang ausprobiert, das Notenpult wird höher geschraubt. Nach all diesen, die Ermattung aufs höchste spannenden Vorbereitungen bekommen wir etwa die liebe Weise zu hören, die geduldige Elternohren seit Generationen oorgeübt und vor- getragen wird: „Mädchen, warum weinest du, weinest du so sehr? Weinest du nur dessentwegen, daß du mußt die Treppe fegen?" Ist bie kleine Künstlerin in den Gefilden der Harmonie etwas weiter vorgedrungen, so gibt sie uns ein „Salonltück" zum besten. Dieses pflegt sich durch reizende Titel, wie „Plauderndes Bächlein oder ...Hüpfendes Zicklein" u. a. heroorzutun und könnte feiner Tonfolge nach genau so gut: „Schmorbraten mit Sauce" heißen. Auch den Namen „Salonstück" rührt es ohne anscheinende Berechtigung, da es entschieden in keinem „Salon" erdacht und für keinen „Salon" gut genug ausgeführt wird. Karo- noch von Großmüttern und Tanten abküssen lasten. Sie sollen es. wenn sie es im Wagen aussahren. nicht von allen möglichen bekannten und unbekannten Menschen besehen, bewundern, beniesen, de- husten und — anstecken lasten. Sie sollen ihr Kind nur solchen Menschen zur Psiege anoertraucn. deren Gesundheitszustand ihnen als einwandfrei bekannt ist. Denn der wichtigste Satz bei der Infektionsoer. hütung heißt: die gefährlichste und häufigste Quelle aller Infektionen ist und bleibt der kranke Mensch. Für Küche und Haus. Rheinische Haussuppe. Eine lichte Luttereinbrenne wird mit Suppe auf- gegossen. Dann gibt man nubelig geschnittene Petersilie, Sellerie, einige Dlumenkohlstückchen und eine Hand voll Reis hinein und läßt alles zusammen lochen. Aus gehacktem Rindfleisch, ztoei cingeweich- ten. abgerindeten Semmeln und einem Lössel Mehl werden kleine Flcischknödel geformt und rechtzeitig In der Suppe gar gekocht. Gefüllte Muscheln. Eine Farce, bestehend aus ?—3 gehackten Sardellen, 2 rohen Eiern, einer halben aufgeweichten Semmel, Fett, Salz, etwas Mehl und einer größeren Menge gehackter Reste von Kalbsbraten, laßt man zehn Minuten dünsten. Mit Butter ousge- strichene Muschelformen werden damit gefüllt, ein wenig mit Parmesan bestreut, eine Viertelstunde lang im Rohr gratiniert. Pfeffergurken Ganz kleine grüne Gurken, höchstens einen Fin* ger lang, werden sauber gewaschen, gebürstet und abgctrocknet. Nun legt man sie in einen Steintopf und übergießt sie mit scharfem Essig, der vorher mit etwas Salz und ganzem Pfeffer aufgekocht wurde. Am nächsten laae gießt man den Essig wieder ab, kocht ihn nochmals auf und gießt ihn abermals über die Gurken. Am dritten Tage läßt man die Gurken in dem Essig in einem tadellosen Eisentopf auf dem Feuer kochendheiß werden und darauf in einem Porzellangefäß einige Tage verdeckt stehen, dis sie wieder eine schöne grüne Farbe angenommen haben. Dann packt man sie in nicht zu große Gläser und gießt frischen ausgekochten Weinessig darüber. Die Gläser werden verbunden und an kühlem Orte aufbewahrt. Wiederherstellung des Lackglanzes auf Gummischuhen. Während der Sommerzeit sind die Gummischuhe gewöhnlich in den Ruhestand versetzt. Rur an Regentagen erinnert man sich ihrer und muß dann häufig seststellen, daß ihr Lackglanz verschwunden ist. Zur Wieberauffrischung dieses Glanzes löst man zunächst ein Teil Kampfer in hundert Teilen Wein- geift und sechzehn Teilen Harz auf und gibt bann noch vier Teile venezianisches Terpentin hinzu. Sodann werden zwei Teile besten Asphalts in vier Teilen Terpentinöl aufgelöst und mit einem Teil Zucker und einer genügenden Menge Wasser vermischt. Die beiden Lösungen werden vereinigt und ein-n Tag in der Wärme stehen gelöste... Den Lack, der daraus entsteht, erwärmt man und trägt ihn mittels eines weichen Pinsels auf die von allem Schmutz befreiten und vorher mit Spiritus abgeriebenen Gummischuhe gleichmäßig auf. Sie werden dann ihren alten Glanz erhalten. Das Waschen von Samt. Zum Waschen des Samtes eignet sich besonders die Rindergalle. Man tut zwei Rindergallen mit etwas Honig und Seife in weiches Wasser und kocht sie unter fleißigem Umrühren. Dann legt man den oamt auf ein reines Brett und befeuchtet ihn mit der Mischung stark, wobei man sich eine» Läppchens bedient. Hierauf wird der Samt auf ein Mangelholz gewickelt und ziemlich lange gerollt. Sodann wird er durch reines Wasser gezogen, abermals gerollt und schließlich zum Trocknen au,gehängt. Ist dies geschehen, so wird er zur Hälfte getrocknet, mittels in Wasser geweichter und ausgekochter Hausenblase naß gemacht, zwischen ein Tuch gelegt und solange gerollt, bis er völlig trocken ist. Zum Schluß wird er nochmals mit einem Tuch abgerieben. lineben bleibt beim Vortrag des „Plaudernden Bächleins" etwa alle fünf „Wellen" stecken, beißt sich auf den Finger, klapst sich auf die Hand und beginnt von neuem. Bisweilen spielt Karolinchen, sich des kleinen Mißgriffs anscheinend nicht bewußt, die Melodie in E-Dur, die Begleitung dagegen in D-Dur, und stürzt schließlich, wie der Schimmel, der den Stall wittert, gegen Ende der Tonschöpfung im Stolpertempo über etwa vierzig Takte fort zum Schlußakkord. Nach diesem erfolgt unweigerlich tosender Beifall der Zuhörerschaft, und nicht einer, auch ich nicht, hat den moralischen Mut, die Eltern zu fragen: „Aber warum lassen Sie denn das Kind überhaupt Klavierunterricht nehmen, und wenn dann durchaus gespielt werden muß, warum denn vor fremden Ohren?" Ich frage mich oft, wie solche Kinder zur richtigen Beurteilung ihrer eigenen Leistungen gelangen können. Kinder halten — und Gott sei Dank, daß e» so ist! — die Menschen ihrer kleinen Welt im all- gemeinen für gute, brave, aufrichtige Leute unb Freunde, sie hören diese Freunde applaudieren, als ob Taussig oder d'Albert am Flügel säßen, wenn sie ihr kleines Pensum schlecht und recht herunter- klappern, und die Kinder können ja doch nicht anders, wie diesen Beifall für bare Münze nehmen. Ich glaube, daß Ueberschätzung des eigenen Könnens, der eigenen Person, am |edem, aber auch auf jedem Gebiet ein großes Unglück ist, und ich frag» zum Schluß meiner Betrachtung noch einmal: Wozu müssen Kinder vorspielen? Man erwidert mir bann: Das Kind soll feint Scheu vor dem Produzieren des Erlernten ablegen und überwinden lernen! Darauf kann ich nur aus Herzensgrund antworten: Es wäre für unfer musikalisches Empfinden in neun Fällen unter zehn ein großes Glück, wenn diese Scheu nicht von so vielen Leuten überwunden würbe! Wir würden bann vor der Strafe sicher sein, empfinbungslos herunter- gebroschene Sonaten, einherftolpernbe Notturnos unb rhythmisch unmögliche Märsche wohlgefällig lächelnd mit anhören zu rnüsten, und das wäre ein großer und realer Gewinn für viele Menschen! Mag doch jeder, ber gern spielt unb singt, im stille« Kämm erlern diese Kunst betreiben, ober ben Seinen — wohlverstanben. wenn sie sehr darum bitten! — etwas vorspielen: aber wenn man vor fernerstehen« ben Leuten musiziert, bann soll man etwas „können*. Sonst „Klavier zu!", namentlich für Kinder unte vierzehn Jahren! Wir suchen einen rührigen, (tust Serl ordaelt « Virk- k llüitnll erkläli: Flreu droi-fcatisch ich iM 5 WM ® ljalb der (M g und repllbl'i 2ndS§ "iS Der 2 ArÄsen 5 .Terme Driesv Fraktion^ gangen, b hatte, M Auffassung zur Geltu hat in ei tung der suche nam rückgängig gehabt. ■ sichtig aus linnen, ba Mchstags gen wird, gebenden 5 dort keine Di. 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Er hatte bei seinem eignen Abiturientenexomen anfangen und dann, mit kurzem Seitenblick auf seine eignen, musterhaften Studienjahre, zu den Gefahren des heutigen Studenten- lebens übergehen wollen. Am Schluß sollte Braken dann sein „Hoch" haben. Aber Tante Lotte störte das Programm ganz entschieden, wie sie da so überlegen auf dem erhöhten Sitzplatz saß und die ganze Gesellschaft mit ihren klugen, vergnügten Augen musterte. Die Jugend wurde immer alberner und ausgelassener, und der Oberlehrer sah ein, daß eine sittlich stärkende Wirkung feiner Rede auf ihre Gemüter nicht zu erwarten war. Der große Moment schien unwiderruflich verloren. So trank er im Gefühl gekränkter Würde sein Glas aus und ging in sein Arbeitszimmer zum Mittagschläfchen. Auch die Schuljugend entfernte sich. Bis halb drei Uhr durfte jeder tun, was ihm beliebte, dann hatte man zur Arbeitsstunde in des Oberlehrers Zimmer anzutreten. Jetzt balgten sich die jüngeren Pensionäre draußen auf dem Hofe. Der dicke Wilms legte sich mit einer Jndianergeschichte oben auf sein Bett, und der kleine Maack, der vom Lande war und ohne Viehzucht nicht leben konnte, begab sich, einige beim Essen stibitzte Kartoffeln in der Tasche, auf den obersten Boden zur Fütterung der Menagerie, die er sich heimlich da oben hielt. Max Braken aber blieb noch ein Weilchen bei den Frauen sitzen. Es tat zu gut, von ihnen verwöhnt zu werden. Tante Lotte fragte ihn über die Prüfung aus, und er erzählte allerlei Lustiges und machte den Herren Examinatoren nach. Frau Oberlehrer Schumann sprach davon, wie es wohl am besten einzurichten sei, daß er nach Schulschluß in vierzehn Tagen bei seiner Abreise alle seine Siebenfachen heil und sauber mitnehmen könnte. Anna sagte gar nichts. Also noch zwei ganze Wochen durfte sie ihn sehen! — Weiter hinaus konnte sie nicht denken. Aber zwei Wochen sind eine lange Zeit, wenn man so jung ist! Max Braken und Anna sahen sich wenig und nie allein in der nächsten Zeit. Braken hielt es für selbstverständlich und richtig, das Dorgefallene ganz geheimzuhalten und benahm sich klug und vorsichtig. Er war auch durch allerlei Besuche und Abhaltungen viel außer Hause. Annas Alltagsleben hielt sie wie immer in steter Arbeit und unter den Augen der Mutter fest. Und sie verlangte nichts anderes. Sie wußte sich doch auf dem Weg zu dem gelobtem Lande, und ihre junge Liebe leutete ihr dabei wie eine helle Wolke. — Aber einmal mußten sie sich doch noch allein aussprechen. Max Braken wollte eine sehr vorsichtige und komplizierte Art von geheimem Briefwechsel mit Anna einrichten und ihr noch einmal einschärfen, während der ersten Jahre ihren Herzensbund geheimzuhalten. Er wollte aber auch zärtlichen Abschied von ihr nehmen. Am Morgen des Tages, an dem mittags seine Schulentlassung stattfinden sollte und seine Abreise nach München auf sechs Uhr abends festgesetzt war, flüsterte er Anna im Vorbeigehen zu, daß er sie sprechen müsse, heute nachmittag drei Uhr, oben auf dem dritten Boden. Anna nickte und fand das sehr klug und richtig ausgedacht. Denn zu der Zeit pflegte ihre Mutter ein kleines Schläfchen zu halten, und der Oberlehrer war mit den Pensionären in der Arbeitsstunde beschäftigt. Mit viel Herzklopfen kletterte Anna punkt drei Uhr die vielen Treppen hinauf. Max Braken war schon pünktlich zur Stelle. Vorn an dem einzigen, schmalen, spitzbogigen Giebelfenster war es hell und traulich. Es gab da viele alte Kisten und Koffer, ein Schaukelpferd und einen Kindertisch, auf dem man ganz gut zu zweien sitzen konnte. Und die Sonnenstäubchen tanzten so lustig drüber hin in dem breiten Sonnenstreif, der durch das Giebelfenster fiel. Da saßen sie denn und redeten lauter Vernünftiges, wie stramm er arbeiten und wie geduldig sie warten wollte. Und wie man sich einmal im Monat schreiben würde. Da schurrte und kratzte es plötzlich geheimnisvoll über die alten, rauhen Dielen. Anna fuhr entsetzt auf, aber Braken hielt sie lachend fest: „Nur keine Angst, Liebstes. Das ist Maacks Igel, der einen kleinen Nachmittagsspaziergang macht. Du weißt doch, daß der Kleine sich da im Verschlag am Karnin eine ganze Menagerie hält." — Da lachten sie beide und sahen zusammen dem putzigen Tierchen zu, das sich graubraun und unförmig in den Sonnenstreifen hereinschob. Sie ahnten nicht, daß sein Dasein eben jetzt ein Verhängnis über ihrem Haupte heraufbeschwor. * Unter in der Arbeitsstunde wußte nämlich der kleine Maack einmal wieder seine lateinischen Vokabeln nicht. Herr Oberlehrer Schumann, der nicht ganz ausgeschlafen hatte, gab ihm darauf in gerechtem Zorn eine gehörige Ohrfeige. Nun brüllte der Junge los und holte, um seine bittern Tränen zu trocken, fein Taschentuch aus der Tasche. Dabei fiel ein harter Gegenstand geräuschvoll auf den Boden und dem Oberlehrer gerade vor die Füße. Mit Verwunderung bemerke dieser, daß sich das braune, runde Ding langsam fortbewegte,'und er sah, daß es eine kleine, lebendige Schildkröte war. Da gab es dann natürlich ein großes Verhör. Der in solchen Dingen sehr erfahrene Oberlehrer erfuhr bald, daß Maack die Schildkröte in die Tasche gesteckt hatte, um sie nachher bei Frau Köstermann gegen ein paar weiße Mäuse einzutauschen. Auch die entsetzliche Tatsache, daß Maack noch andere, ähnlich widerwärtige Tiere auf dem obersten Boden züchtete, kam bei dieser Gelegenheit ans Tageslicht. „Und die Frau Oberlehrer hat gesagt, ich könnte die Tiere da haben," heulte der Junge. „Da tun sie niemand was, und der Igel fängt all ihre Mäuse weg." Der Oberlehrer war außer sich, daß in seinem Musterhaushalt, unter seinem Regiment derartige heimliche Greuel vorkommen konnten. Zuerst wurde seine Frau herangeholt und vor dem Jungen ganz gehörig angefahren. Aus dem Mittagschläfchen aufgeschreckt, stand sie ängstlich vor ihm. „Ja, Albrecht ich glaube, der kleine Maack hat mich mal gefragt," gestand sie. „Und weil wir den obersten Boden doch gar nicht brauchen — und weil Maack so tierlieb ist und immer Heimweh hatte — da dachte ich —" „Wenn du das Denken doch überhaupt aufgeben wolltest! — Es kommt immer nur Törichtes dabei heraus. Du hast meine Wünsche hier im Hause $u respektieren! Und jetzt kommst du mit, wir wollen den Tatbestand sofort an Ort und Stelle untersuchen und der Sache mal ein gründliches Ende machen!" So kam es, daß der Oberlehrer die vielen Treppen heraufkletterte. Er war sehr außer Wem vom Steigen, Aergern und Schelten, als er endlich auf dem dritten Boden anlangte und mit Argus- äugen dort Umschau hielt. Das erste, was er erblickte, war nicht der Igel, der sich wohlweislich wieder verkrochen hatte, sondern das Pärchen auf dem Kindertisch. Max Braken kam sich entsetzlich dumm und blamiert vor. Sein gutes Mundwerk ließ ihn im ersten Augenblick gänzlich im Stich. Vergebens besann er sich auf irgendeine Ausrede. ' Und diesen Moment der Ruhe benutzte Max Braken, um in seiner Aufregung und Uebereilung etwas recht Törichtes und Banales zu sagen: „Ich habe mich eben mit Anna verlobt, Herr Oberlehrer. Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter." Mittlerweile war auch die Frau Oberlehrer oben angelangt. Sie sah die beiden jungen Leute ganz harmlos an. „Was tun Sie denn hier oben, Braken?" fragte sie. „Und du, Aenne? Sucht ihr auch den Igel? Der kleine Maack weint sich die Augen aus, wenn wir ihm den fortnehmen. Und er ist doch ein fo nützliches Tier — vielleicht könnte er auf dem Hof in einer Kiste untergebracht werden. Würdest du das nicht vielleicht erlauben, Albrecht?" „Braken hat eben um die Hand unserer Tochter angehalten", sagte der Oberlehrer mit Würde und Nachdruck. Er hatte mit großer Geistesgegenwart schnell erwogen, daß Braken eine gutx Partie sei und fcstgehalten werden müsse. Dieser neuesten väterlichen Regung gegenüber verschwand sogar momentan aller Groll gegen Maacks Menagerie. „Kommen Sie mit, Braken," sprach der Ober- lehrer, „wir wollen unten das Nähere bereden." Und Braken konnte nichts anderes tun, wie dem Oberlehrer die Treppen herunter folgen in die wenig benutzte „gute Stube" auf der ersten Etage. Hier mußte er in einem grünen Plüschsesiel dem Ober- lehrer gegenüberfitzen, der feierlich auf dem grünen Plüschsofa Platz genommen hatte, und alle Fragen ruhig beantwortete. Und nach zehn Minuten wußte er, daß er sich als „verlobt" zu betrachten und zu benehmen hatte, daß eine öffentliche Verlobung aber natürlich erst nach bestandenem Referendarexamen stattfinden könne. Und der Oberlehrer hatte ihn „lieber Sohn" genannt, ihm Gottes reichen Segen gewünscht und ihm dreimal die Hand geschüttelt. (Fortfetzung folgt.) Gießen, den 22. August 1925 7927D Gießen, den 22. August 1925 h22»1 Knorr Suppenwurst Gießen, Bleichstraße 16 I. (z.It. Evangelisches Schwesternhaus) Unsere am heutigen Tage stattgefundene Vermählung beehren sich anzuzeigen Kapellmeister Heinz Dienelt und Frau Anni geb. Weber Die Geburt eines gefunden Sonntags- jungen beehren sich anzuzeigen Theodor Haas und Frau Aenne geb. Weinmann Ihre stattgefundene Vermählung geben bekannt Albert Rinn und Frau Ria geb. Becker gibt gute Suppen für billiges Geld. 3875ss Aud. Korporation sucht spätestens zum 1. Okt. 25 WM AM (mögt Saal iinö Simmet) zu mieten. Schrift!. Angebote unter 06959 an bet Gießener Anzeiger erbeten. Komplette Betten von Mk. 110.-— an KukWWitteneS Brennholz Bestellungen nimmt wieder entgegen SllWsfiigMll Eollflt mD B. Nuhn A. G. Polstermöbelhaus Kein gaben? A. 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