Nr. 300 Erstes Blatt 175. Jahrgang Mittwoch, 23. Dezember 1925 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: (Lietzener Familiendlätter Heimat im Bild Die Scholle Monorr-Bezvgrxreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspsrnnig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schristleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfitälr-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzetaen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» lttameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschnft 20’ , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh. Lange. Dcraittwonlich. für Politik und Feuilleton Dr. Friedl. Will). Lange; für den übrigen Teil Cr»st Blumschein: für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Der Rentenfrank. Sie Ankündigung allein, daß französische Industrielle bereit seien, mit ihrem Kredit sich dem Staat zur Verfügung zu fteHen, hat genügt, um den Sturz des Franken aufzuhalten und die Kurse sogar wieder nach oben zu drehen; aber die Franzosen werden nicht naiv genug fein, zu glauben, daß derartige Morphiumspritzen für die öffentliche QHcinung allein schon ausreichen, um ein volkswirtschaftliches Problem von so ungeahnter Tragweite, wie die Regulierung des Frankenkurses, zu lösen. Dazu sind die Bedingtheiten einer Währung viel zu verwickelt, als das; mit einem einzigen Wort oder einer Aussicht etwas geändert werden könnte. Gewiß, auch die Rentenmark war, währungstechnisch gesehen, nichts weiter als ein Stück Papier, das in den ersten Monaten sich nur halten konnte durch daS allgemeine Vertrauen und durch den gemeinsamen Willen, einen neuen Sturz zu verhindern, die Franzosen haben bisher noch nicht den Beweis erbracht, daß sie aus unseren bitteren Erfahrungen etwas gelernt haben. Denn die Voraussetzung dafür ist die Ausgleichung des Etats,'und das Kunststück haben sie vor der Hand noch nicht fertig gebracht, obwohl die Bedingungen dafür bei ihnen, eben weil fte den Krieg gewonnen haben, sehr viel leichter sind, als bei uns. Was bisher von den Plänen der französischen industriellen vorliegt, ist noch ziemlich nebelhaft. Sie scheinen darauf abkommen zu wollen, dah der Staat unter Garantie der Industrie eine große Auslandanleihe auflegt, die zehn bis zwölf Milliarden Franken ergeben soll, als Hypothek dafür bietet die französische Industrie ihren gesamten Delitz an. Zinsen und Amortisation sollen in eine brsondere Kasse überführt werdett, die gleichzeitig den Zweck hat, den Frcm- kenlurs zu regulieren und den ausländischen Gläubigern ihre Ansprüche zu garantieren. Das ist so weit sehr schön. Man muh aber doch auch einmal hinter die M o t i ve des ganzen Angebots sehen, rind da ist zu sagen, dah vorläufig nur die französische Textilindustrie dahinter steht; sie auch mit gutem Grunde, denn sie ist bei der bisherigen Entwicklung die Leidtragende gewesen, weil es ihr immer schwerer wird, die erforderlichen Rohstoffe bei weichendem Frankenkurs in die Hand zu bekommen. Hinzu kommt — was für und von besonderem Interesse ist —, dah die nordfranzöMche Textilindustrie unter der elsah- lothringischen Konkurrenz stark leidet, die ihren Absatz jetzt in Frankreich selbst los werden muh. Die Schwerindustrie Frankreichs macht zwar glänzende Geschäfte, für Ne ist das langsame Abrutschen des Franken ein Mittel zum Dumping, das ihr in manchen Staaten geradezu eine Monopolstellung sichert, weil Länder mit fester Währung dagegen gar nicht konkurrieren können. Dah diese E:wirmc nur Schein gewinne sind, zeigt ein Blick auf die französische Exportstatistik, die zwar mengenmäßig eine starke Steigerung des Exports aufwrist, auf Goldfranken umgerechnet dagegen immer ge. innere Zahlen aufweist, woraus sich ergibt, dah der Ausverkauf der französischen Substanz bereits begonnen hat und dah die Franzosen, ebenso wie wir, schon im Begriffe sind, sich „tot zu verdienen". Es ist deshalb auch noch einigermaßen zweifel- hasl, ob die Gesamtindustrie, wie erforderlich wäre, den Gedanlen der notleidenden Textilfabrikation aufgreist. Die Sozialisteit haben in der Kammer einen sehr geschickten Schachzug gemacht, indem sie die Verallgemeinerung der Jndustricgaran- tie forderten, um auf diesem Umwege doch eine Art Kapitalsabgabe zu erzwingen. Fragt sich nur, wie die Dinge 'weitergehen. Das französische Parlament Hot bisher geglaubt, cs genüge, um den Franken zu halten, wenn es die Finanzminiftcr der Reihe nach füllen ließe. Drei Finanzminisler in einem Vierteljahr, das ist mehr,als selbst der beste Parlamentärs- mus auf die Dauer vertragen kann. Zumal, wenn darunter Persönlichkeiten wie Caillaux und L o u ch e u r sich befinden, die vielleicht die stärksten Prägungen praktischer Finanzwissenschaft darstellen. Und auch Herr D o u in e r ist noch nicht über den Berg: es wäre zwar töricht, jetzt schon von seinem Rücktritt zu sprechen, denn er wird sich, ehe er sein dornenvolles Ami iibernahm, mit Briand über die einfachsten Voraussetzungen seiner Arbeiten geeinigt haben. Fragt sich aber immer noch, was Kammer und Senat zu seinen Plänen sagen, zumal, da mit der Finanzpolitik die Ansätze einer beginnenden Neuorientierung der gesamten französischen Innenpolitik nach rechts hin verbunden sind. Deshalb bleibt der französische Franken nach wie vor notleidend. Sie können uns zwar den Namen der Rentenmark absehen und einen Remenfranken schaffen, ob sie aber die Energie aufbringen, auf Kosten des militärischen Imperialismus und auf Kosten des (Größenwahns ihre 'Ausgaben so zu beschneiden, daß der Staatshaushalt ins Gleichgewicht kommt, ist noch sehr zweifelhaft. Und solange das nicht geschieht, ist alles Herumexperimentieren an der Währung ein Versuch mit untauglichen Mitteln. ZochverratLprozeb gegen einen kommunistischen Parteisekretär. Leipzig. 22. Dez. (WB.) Vor dem vierten Strafsenat des Reichsgerichts hat ein Hochverratsprozeh gegen den kommunistischen Parteisekretär Ernst Wollweber aus Kassel begonnen. der sich wegen Beihilfe zum Hochverrat und wegen Vergehens gegen das Republikschutz- gefetz zu verantworten hat. Ihm wird zur Last gelegt, 1923 und 1924 im Bezirk Hessen sowie im Bezirk Schlefien politischer und mili- Die Einladung zur Abrüstungskonferenz. Das Schreiben des Dölkerbundsrats. Berlin, 22. Dez. (TU.) Das Einladungsschreiben, das der Vorsitzende des Dölterbunds- rates, Senator Vittorio Scialoja. am 12. Dezember ds. Is. an den Reichsauhen- m in ist er gerichtet hat, hat folgenden Wortlaut: Herr Minister! Im Aamen des Dölkerbundsrates beehre ich mich, die Reichsregierung einzuladen, sich in der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz vertreten zu lassen, die durch den Rat auf Grund einer Entscheidung des heutigen Tages gebildet worden ist und die am 15. Februar 1926 in Genf zusammentreten soll. Eine der diesem Schreiben beigefügten Llrlunden enthält die vollständigen Angaben über die Zusammensetzung und über die Tätigkeit dieser Kommission, zu der außer den (Staaten, die Mitglieder des Rates sind, folgende Rationen cin- geladen worden sind: Bulgarien, Bereinigte Staaten von Amerika, Finnland, Riederlande, Polen, Rumänien, Königreich der Serben. Kroaten und Slovenen, Union der sozialistischen Sowjetrepubliken. Die Kommission soll befugt fein, Aeuherun- gen der technischen (militärischen und nichtmilitärischen) Organisationen des Völkerbundes, sowie aller Persönlichkeiten einzuholen, deren besondere Sachkenntnisse nach Auslassung der Kommission geeignet fein könnte, ihre Arbeiten über irgendeine Frage zu erleichtern. Die Aufgaben der Kommission sollen in der Vorbereitung einer Abrüstungskonferenz bestehen, deren Einberufung für einen möglichst baldigen Zeitpunkt ins Auge gefaßt ist. Die Kommission soll Fragen Der nachstehenden Art untersuchen: Die verschiedenen Faktoren, von denen die Stärke eines Landes im Kriege abhängt, die Frage, ob es möglich ist, die etwaige Kriegsrüstung eines Landes einzuschränken oder ob man sich mit Beschränkung der Friedensrüstung begnügen soll, die verschiedenen Formen, in denen die Herabsetzung oder Begrenzung der Rüstungen für Land-, See- und Luftstrritkräfte vor sich gehen kann, die Vorteile oder Rachteile dieser Formen, die bei einer Vergleichung der Rüstung eines Landes mit denen eines anderen Landes zu beachtenden Regeln, die Möglichkeit der Feststellung, ob die Bewaffnung eines Landes in rein defensivem Geiste organisiert ist oder im Gegensatz hierzu in aggressivem Geist, die Grundsätze, nach denen man ein Verhältnis zu der Abrüstung Herstellen könne, die Örn verschiedenen Ländern zuerkannt wird, und die Unterlagen, die bei der Aufstellung dieser Grundsätze berücksichtigt werden müßten, die Bevölkerung, die Hilfsquellen, geographische Lage, Verkehrsverbindungen, Verletzbarkeit der Grenzen, EM? notwendige Fristen für die Umwandlung der Friedens- und Kriegsrüstung, Grad der Sicherheit usw., die etwa bestehenden Richtlinien, die eine Unterscheidung zwischen Militär- und Zivilflugzeugen zulassen, die Bemessung des militärischen Wertes der Handelsflotten, die Beziehungen zu der örtlichen Sicherheit und der örtlichen Abrüstung einerseits und der örtlichen und allgemeinen 2lbrüstung andererseits. Das vollständige Prograinm der vorbereitenden Kommission befindet sich in einer der beigefügten Urkunden. Das lange und fortgesetzte Studium, das der Völkerbundsrat bei der Abrüstungsfrage an den Tag gelegt hat, hat zu dem einstimmigen Entschluß geführt, daß diese Frage angesichts des politischen, wirtschaftlichen und technischen Umfangs der durch sie berührten Probleme nur dann mit der sicheren Hoffnung auf eine vollständige Lösung in Angriff genommen werden kann, wenn sie in ihrer Gesamtheit und unter Mitwirkung aller Rationen geprüft wird. Die Fragen, die Gegenstand einer Prüfung bilden müssen, beziehen sich auf alle Seiten des Problems und gehen alle Nationen der Erde an. Nach Auffassung des Rates müssen die Arbeitsweise und die Organisationen für das Studium dieser Frage einen nicht weniger universellen Charakter tragen. Aus allen diesen Gründen wie auch aus den besonderen Gründen, die sich auf die große Bedeutung Deutschlands zu dieser Frage ergeben, legt der Rat den größten Wert auf die Anwesenheit der Reichsregierung, nicht nur bei der einzuberufenden Konferenz, sondern bei den vorbereitenden Arbeiten, die nach seiner Auffassung für den Erfolg dieser Konferenz unerläßlich sind. Der Rat hält den Zeitpunkt für das Studium der praktischen Möglichkeiten einer Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen unter Leitung und Verantwortung der Regierung für gekommen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß in dem Augenblick, in dem alle Na- tionen der Erde diese gemeinsame Notwendigkeit anerte...ien, -auf die uneingeschränkte Mitarbeit der Reichsregierung an einem Werke rechnen zu können. das den Weltfrieden in so hohem Maße betrifft. Amerikas Vertretung auf der Abrüstungskonferenz. R e u y o r k, 22. Dez. (TU.) Präsident C o o l i d g e und Staatssekretär Kellogg arbeiten mit allen Kräften darauf hin, daß Amerika eine Vertretung zur Genfer Abrüstungskonferenz entsendet. Mitbestimmcnd für die amerikanische Regierung scheint dabei zu sein, daß Amerika im Falle seiner Teilnahme an der Konferenz auf Frankreich einwirken kann. Als Vertreter Amerikas sind die Botschafter H o u g h t o n , Londonn. Herrick, Paris, und G i b s o n , Berlin, vorgesehen. tärischer Leiter gewesen zu sein. Am 5. Dezember 1923 wurde in Kassel eine Haussuchung im Parteiburcau der K. P. D. vorgenommen. Dabei wurden Belege beschlagnahmt, aus denen hervorging, daß Wollweber militärischer Leiter des Bezirks Kassel war. Anfang 1924 wurde Wollwebcr von der Zentrale der K. P. D. nach Ober'chlesien überwiesen. Er übernahm dort mit dem bekannten Kommunisten- sührer Heule die volitische sowie militärische Leitung. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern. Parker Gilbert über d:n DaWsspl'N. Reuyvrk, 22. Drz. (WTB.) DwDrneralagent der Reparationen, Parker Gilbert, ist mit dem .Leviathan" hier eingetroffen. Er hat eine längere Erklärung abgegeben, in der er u. a. sagte: Ich bin nicht gekommen, um über eine Revision des Dawesplanes oder eine neue deutsche Anleihe zu verhandeln. Cs ist eine feststehende Tatsache, daß die deutschen Zahlungen nur während des ersten Jahres der Wirtsamkeit des Planes mit einer ausländischen Anleihe sinan- ziert werden mußten. Der Sachverständigenplan selbst funktioniert ohne Störung und in vollkommen geordneter Weise. Die beiden Hauptziele, um deretwillen die Sachverständigen ernannt worden sind, sind erreicht worden: Deutschland hat nunmehr eine stabile Währung, und das deutsche Budget ist ausgeglichen. DaS Budget weist bisher trotz der wachsenden Ausgaben tatsächlich einen beträchtlichen Tieber schuß auf. Dieser Umstand stellt die deutsche Regierung in außerordentlich hohem Maß vor das Problem einer vernünftigen Verwaltung seiner öffentlichen Gelder schließlich vor das grundlegende Problem einer belferen Anpa ssung der öffentlichen Einnahmen an die hauptsächlichsten Ausgaben. Die deutschen Geschäfts- und Industriekreise h:den noch sehr großen Bedarf an Betriebskapital, und auf vielen Gebieten stehen sie ernsten Reorganisationsproblemen gegenüber. 3n mancher Beziehung hat dies Zustände hervorgerufen, die einer Krise nahekommen. Aber allgemein gesprochen, müssen die gegenwärtigen Schwierigkeiten als unvermeidliche Begleiterscheinungen der Deflation und der Rückkehr zu stabilen Verhältnissen und in diesem Sinne als notwendig für die Gesundung selbst betr-chtet werden. Deutschland leistet jeden Monet mit größter Pünktlichkeit seine Zahlungen. Es wär enutzlos, zu versuchen, jetzt schon Schlüsse zu zieheir hinsichtlich der letzten Ergiebigkeit an Reparationen gemäß dem Dawesplan. Die Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß der Plan bereits mit Erfolg das ganze Problem auf eine neue Grundlage gestellt hat. Zum ersten Male seit vielen Jahren ist die Welt in der Lage, auszuhören, Über Reparationen zu sprechen. Der DaweSplan ermöglicht es, in praktischer Weise ausfindig zu machen, was Zahlungen bedeuten und wie weit das gegenwärtige Der- fahren hinsichtlich der Reparationszahlungen seitens Deutschlands und ihrer Transferierung an die Gläubigermächte ausführbar ist. Dor dem Fall Tientsins. s ch a n g h a i, 22. Dez. (MS.) Rach einer drahtlosen Rachrich! aus Tientsin hat heute früh die Armee Aengyusiangs nach heftigem Artillerie- gefechi die Armee tUschinglis mit dreifach überlegenen Kräften angegriffen und vier bis fünf Kilometer zurückgedrängt. Man nimmt an, daß Feng in kurzer Zeit Tientsin erreichen wird, obwohl Lilfchinglius Truppen noch einmal Haltgemacht haben, um einen telzlen widerstand zu versuchen. Für die militärische Lage Tschangtsolins hegt man ernste Befürchtungen. Jür den Fall, daß seine militärische Aktion fehlschlagen sollte, würde er sich genötigt sehen, sich in die schneebedeckte Gegend nördlich von TNukdcn zurückzuziehen, wo keinerlei Schutz und Untertunft für feine Truppen vorhanden ist. Schon jetzt lägen Berichte vor, wonach feine irregulären Truppen den Gehorsam verweigerten. Ein Reuterbericht ans Tokio spricht von starker Beunruhigung im japanischen Auswärtigen Amt aus Anlaß der zunehmen - den Feindseligkeiten gegen Japaner, die sich in der chinesischen Presse und allgemein in China zeigten. Die Lage in Mukden wird auch in diesem Bericht als ernst geschildert. Die japanische Regierung hat beschlossen, 200 Mann aus Port Arthur nach Tientsin zu schicken, wodurch die dortige Garnison auf 500 Mann gebracht wird. Im Hauptquartier Fengyusiangs ist man sehr optimistisch und behauptet, dah der Fall von Tientsin unmittelbar beoorskehe. Tschitscherin über die deuisch- rusfischenwirtschastsbeziehungen Berlin, 22. Dez. (WTB.) Der russische Volkskommissar äußerte sich gegenüber einem Mitarbeiter der „Industrie- und Hande: ..ei- tung" über die Gestaltung der deutsch-russischen Wirtschastsbeziehungen wie folgt: Rachdem der Handelsvertrag mit Deutschland endgül ig rechtskräftig geworden ist, werden wir ihn in lebende Wirklichkeit umwandeln muffen. Die Perspektiven, die sich dabei vor unseren Augen öffnen, sind außerordentlich verheißungsvoll. Die Periode, in der wir inmitten der durch die Intervention verursachten Ruinen mit den größten Anstrengungen die allerersten Clemente des Wiederaufbaus zufammengebracht haben, ist vorbei. Schnell blühen unsere Lebenskräfte wieder auf. Das in der Ratur der Dinge liegende Verhältnis zwischen Deutschland und der Sowjetunion, die wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind, muß jetzt mit voller Macht zutage kommen. Der gesamte wirt- schastliche Organismus der Sowjetunion strebt unaufhaltsam zum technischen Fortschritt. Tschitscherin glaubt, daß durch Schaffung einer eigenen russischen Industrie der öcutf.'-en Ma chinen- industrie keine Gefahr drohe, denn jedes Dors, auch das entlegenste, sucht sich die allerneuesten technischen Mit.el anzueignen. Der Absatzmarkt, der sich für Deutschland in der Sowjetunion immer m.hr offnen wird, und die D e s chä s t igung s m ög l i ch ke i t e n für deutsches technisches Wissen und Können und für deutsches Unternehmertum, die sich bei uns mit jedem Tage mehr entwickeln werden, sind grenzenlos. Es ist töricht, zu glauben, dah eine Verwandlung der Sowjetunion in einen Industriestaat die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland vermindern wird. Unser Territorium ist so groß und die dort verborgenen Raturschähe so unzählbar, dah die Entwicklung der Industrieproduktion in der Sowjetunion immer neue Deschäftigungsmöglichkeiten für die deutsche Produktion eröffnen wird. Rach Tschitscherins Meinung kann ein 120-Millionen-Kredit wegen feiner Kurzfristigkeit nicht ausgenutzt werden. Auf der anderen Seite bedeute für Rußland Kredit alles. Als eine der wichtigsten Aufgaben erscheine ihm die Frage der Organisation des Kreditwesens. Er hege die beste Hoffnung, dah sie glücklich gelöst werde. Tschitscherin hat am Drens tagnachmittag Berlin verlassen, nachdem er, dem internationalen Brauch entsprechend, beim Reichsaußenminister seine Karte abgegeben hatte. Eine wettere Aussprache zwischen Dr. Sireirmann, der am Rachmittag noch in Berlin weilte, und Tschitscherin hat nicht mehr stattgefunden. viebnnenpolitik derZowjetitn io n Bolschewismus und Bauernschaft. Moskau, 22. Dez. (WTB.) In seinem Korreferat zu dem Bericht des Zentralkomitees ertlärte Sinowjew, der Führer oer Opposition, auf dem Kommunistischen Parteitag, er sei weit davon entfernt, die positiven Seiten der neuen Wirtschaftspolitik, die zum raschen w.rl- schaftlichen Wiederaufbau führten, zu leugnen. Erwies auf die Erfolge des sozialistischen Ausbaues hin, drückte jedoch Zweifel aus an der Möglichkeit eines endgültigen Aufbaues des Sozialismus der wirtschaftlich zurückgebliebenen Sowjetunion bei der gegenwärtigen int.rnationalen Lage, die durch Verzögerung der Weltrevolution und verhältnismäßige Stabilisierung des Kapitalismus gekennzeichnet sei. Sinowjew erklärte, daß er nicht gegen die neue Wirtschaftspolitik,- sondern gegen gew sse Tendenzen ihrer Erweiterung und g'grn V rsuche ihrer Idealisierung als angeblich sozialistische Wirtschaftsform ankämpfe. Sinow,ew weist den Vorwurf der Unterschätzung der Rolle der Mittelbauernschaft zurück und erklärt seine volle Solidarität mtt den Parle.beschlü'sen in oer Dauernpolitik. Er betont d e Rolwendigkei! der Entwicklung der Produktivkräfte des Dorfes, warnt jedoch var plnterschätzung der Gefahren, die seitens der wirtschaftlich cr- starkenden G ro h b a ue r nf cha f t wie überhaupt aus der Bauernfrage und den aus der gegenwärtigen We.t.age heroorg'.he.'.d:n Schwierigkeiten drohen. Bucharin wandte sich gegen die Ausführungen des Vorredners und erklärte, die Gegner der Auffassung des Zentralkomitees feien nicht imstar.dc, der Bauernpolitik der Partei, wie sie auf der 14. Parteilonferenz einstimmig beschlossen wurde, irgendwelche praktische Verbesserungsoorschläge ent- gegenzusetzen. Die gegenwärtige Bauernpolitik der Kommunistischen Partei sei eingestellc auf ein sestes Bündnis mit b e r mittleren Bauernschaft. Sinowjew sehe in dieser Bauernpolitik ein Zugeständnis an die Großbauern- schaft. Das Mißtrauen Sinowjews und Kamenews gegenüber der Möglichkeit des sozialistischen Aufbaues in einem Lande ohne internationale Revolution verrate ein Mißtrauen gegenüber den Kräften der Arbeiterklasse. Indem Sinowjew erkläre, die neue Wirtschaftspolitik sei ein allgemeiner Rückzug, widerspreche er den Leninschen Anschauungen, nach denen die neue W i r t s ch a ft s p o l i t i k ein strategisches Manöver des sozialistischen Aufbaus sei. Bucharin fordert diejenigen, die an dem Zentralkomitee Kritik üben, auf, ihre Irrtümer einzugestehen und drückt unter lebhaftem Beifall des Parteitages die feste Ueberzeugung aus, daß eine I Abweichung von der allein richtigen Parteipolitik | bald einmütig überwunden wird. Die Nsichsgarantie für Stickstoffwechfel. Berlin, 22. Dez. (TU.) Zu dem Beschluß des Haushaltsausschusses des Reichstages, einem zu bildenden Dankenlonsortiurn gegenüber für S t i ck st o f s w e ch f e l, die non jetzt an bis zum Ende des Düngerjahres ausgenommen werden, eine Ausfallgarantie des Reiches bis zur Höhe von 20 Millionen Reichsmark ?,u schaffen, wird folgendes mitgeteilt: Der Spickst offabsah erfolgt zu ungefähr gleichen Teilen durch die landwirtschaftlichen Bezugs- und Abiah- organisationen, insbesondere die Genossenschaften einerseits und durch den Düngemittelhandel andererseits. Angesichts der starken kurzfristigen Verschuldung der Landwirtschaft war es das Bestreben der Reichsregierung, Vorsorge zu treffen, daß Dechselverbindlichteiten aus dem Bezug von Dünger für die Frühjahrsbestellung nicht bereits nach drei Monaten fällig werden, sondern deren Bezahlung bis nach der neuen Ernte oufgeschoben werden kann. Soweit der Bezug durch die landwirtschaftlichen Organisationen geschieht, erfolgt die Finanzierung in der Hauptsache durch diePreustische Zentralgenossenschaftskasse, die neue Düngerwechsel bis nach der nächsten Ernte prolongierte. Soweit der Bezug von Stickstoff durch den Handel erfolgt, mußte ein neuer Weg gefunden werden, um die Prolongation der Wechsel zu sichern. Cs find Verhandlungen mit einem Dankenkon - fortium angebahnt, mit dem Ziele, dah dieses Konsortium die Prolongation der über den Düngerhandel laufenden Wechsel bis zur nächsten Ernte übernimmt. DaS Konsortium ist aber nach den geführten Verhandlungen nur dann bereit, diese Aufgabe durchzuführen. wenn ihm eine A u S f a l l g a r a n 1 i e in bestimmter Höhe gegeben wird. Diese Garantie soll nach dem vom HaushaltsauSschuh des Reichstages gefaßten Beschlüsse vom Reich in Verbindung mit dem S tickstosfshndikat übernommen werden. Cs handelt sich also bei diesem Beschluß des Haushaltsausschusses lediglich darum, die Prolongierung der neuen Stickstoffwechsel bis zur nächsten Ernte zu sichern. Eine Garantie für den einzelnen Bezieher oder Händler wird dadurch, wie auch im Haushaltsausschuh des Reichstages zum Ausdruck gebracht wurde, nicht übernommen. Gin neuer Fememord? Berlin, 22. Dez. (Abendblatt.) Das Acht- Uhr-Abendblatt berichtet aus Frankfurt an der Oder von einem neuen Fememord. Es handelt sich um den Wachtmeister Willy L e g n e r . der seit rund zwei Oahren verschwunden ist. Zwei Kriminalkommissare der Berliner politi- tischen Polizei haben in der vorigen Woche in Frankfurt an der Oder ihre Ermittelungen ausgenommen und nunmehr der Mutter Legners, die längere Zeit von fragwürdigen Personen über den Verbleib ihres Sohnes getäuscht worden ist, mitgeteilt, die Polizei sei sich durchaus im klaren darüber, daß Legner einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei; er liege in der Rähe von D ö b e r i tz vergraben. Die Schwester Legners wurde von fremden Personen gewarnt, die Rachforschungen nach ihrem Bruder nicht weiter zu betreiben, sonst würde es ihr und . ihren Kindern schlecht gehen. Auf Anfrage bei der letzten ihr bekannten Dienststelle in 3üter- bog erhielt die Mutter am 11. Dezember d. I. den Bescheid, daß der Sohn im Februar 1923 dem Arbeitskommando der dritten Division ^(Leutnant Schulz) Berlin, Kurfürstenstratze, ^überwiesen worden sei. Schulz ist der zur Zeit in Landsberg an der Warte im Gefängnis sitzende Führer der Fememörder, der kürzlich aus dem Untersuchungsgefängnis auszubrechen versuchte, Südtiroler Schulelend. Innsbruck, 22. Dez. (TU.) 3n der Schule in S t. Ulrich-Gröden wurden die Kinder vom Lehrer Adosser ausgesrogt, wie ihre Eltern über Mussolini und den König sprächen. Einige Kinder machten abfällige Bemerkungen. Darauf erstattete der Lehrer Anzeige; die betreffenden Eltern wurden in Ketten abgeführt. 3n verschiedenen Orten Südtirols ist von den italienischen Schulinspektoren verfügt worden, dah der neue faszistische Gruß nicht nur in der Schule prattiziert werde, sondern dah auch die Vorgesetzten und Carabinieri auf der Straße in dieser Weise von den Kindern gegrüht werden müssen. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident hat den beiden in Südamerika befindlichen Schiffen der Reichsmarine, Kreuzer „B e r l i n" und Vermessungsschiff „M e t e o r", folgenden Glückwunsch gesandt, dem sich der R e i ch s w e h r m i n i st e r uno der Chef der Marineleitung angeschlosscn haben: „Zum Weihnachtsfest sende ich den Besatzungen „Berlin" und „Meteor" und der Deutschen Atlantischen Expedition Grüße treu gedenkender Heimat und Wünsche für die weitere erfolgreiche Fahrt! von Hindenburg, Reichspräsident." Im Laufe des Dienstag haben der Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n für den Weihnachtsurlaub Berlin verlassen; sie werden voraussichtlich erst nach Neujahr zurückkehren. Auch die übrigen Reichs- Minister werden in den nächsten Tagen verreisen. Die Stellvertretung des Reichskanzlers hat, wie schon früher, so auch diesmal der Reichs- wehrmini st er Dr. Geßler übernommen. Der Finanzausschuß des Hessischen Land- ta g s wird Mitte Januar zusammentreten, um den jetzt fertiggestellten Staatsooranschlag für 1926 zu beraten. Das am 12. Januar zusammentretende Landtagsplenum wird voraussichlllch nur eine Woche lang tagen. Der Höchstkommandierende der italienischen Armee, General M o n t u o r i, wellte vor einigen Tagen in Darmstadt, wobei er u. a. dem hessischen Innenminister von Brentano einen Besuch abstattete und ihm gleichzeitig auch feine Glückwünsche aus Anlaß seines 70. Geburtstags aus- drückte. * Nach einer Meldung aus Tokio ist der Kaiser von Japan an einer Gehirnentzündung schwer erkrankt. Die englische Regierung, die nach deutschem Beispiel gleichfalls eine Veröffentlichung aus ihren Vorkriegsarchiven zur Geschichte des Weltkrieges beschlossen hat, will die erften Bände noch vor Jahresschluß erscheinen lassen. Sie werden aber nur die Tage vom 28. Juli bis zum -1. August 1914 umfassen. Die Herausgabe erfolgt durch Professor Morley. Kunst und Wissenschaft. Das Jubilänmskttnftinftitnt der Universität Marburg. Marburg, 22. Dez. Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses für die Jubiläumsgabe zur Vierhundertjahrfeier der Universität Marburg, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Troeltsch, teilt mit: Mehrere Blätter innerhalb und außerhalb der Provinz Hessen-Nassau halten kürzlich die Mitteilung gebracht, daß die von dem Herrn Finanzminister zur Begutachtung des von der Hochbau- abtellung seines Ministeriums ausgearbeiteten Bauen t wii rfe s ungerufene preußische Akademie des Bauwesens zu einer vernichtenden Ablehnung des Entwurfes gelangt fei. Diese Nachricht ist unzutreffend und vielmehr folgende richtig: Die Akademie hatte zur Vorbereitung ihrer Entschließung aus ihrem Kollegium einen Ausschuß gebildet, der aus folgenden drei nichtbeamteten Architekten: Bielenberg- Berlin, Professor B l u n ck - Berlin und Professor G e ß n e r - Berlin sowie aus dem gleichfalls nicht zum Finanzministerium gehörigen Gencralkonfer- vator der Kunstdenkmäler in Preußen, Ministerialrat Hiecke vom Kultusministerium in Berlin, bestand. Dieser Ausschuß entsandte die Herren Bielenberg und Geßner nach Marburg, um sich auch durch Inaugenscheinnahme des Bauplatzes und seiner Umgebung sowie des Stadtbildes zuverlässige Unterlagen für die Beurteilung zu verschaffen. Rach ihrer Rückkehr nach Berlin hat die Akademie einige Anregungen zur Abänderung des Entwurfes gegeben. Diesen Anregungen hat die Hvchbauabteilung des Finanzministeriums entsprochen und einen drmgemäß abgeänderten Entwurf der Akademie vvrgelegt. Die Akademie hat darauf diesem abänderten Entwürfe einstimmig ihre Zustimmung erteilt. Das schriflliche Gutachten der Akademie, sowie der Entwurf sind bereits in Marburg eingetroffen und werden dem Arbeitsausschuß für die 3ubiläumsgabe zur 400- 3ahrfeier der Universität Marburg vorgelegt werden. Rdan hofft, alsbald mit der Bauausführung beginnen zu können, damit diese großzügige Schöpfung des 3ubiläumSkunstinstituts noch rechtzeitig zur 4003ahrfeier der Universität im 3uli 1927 fertiggestellt werden kann. Eia echter Rubens entdeckt. Dec Direktor der Kunstsammlungen des sächsischen Königshauses hat im Privat- besitz des ehemaligen Königs von Sachsen das llrbild des „truntenen Herkules" von Rubens aufgefunden. Das Bild wurde bisher als Kopie des in der Dresdner Galerie hängenden „trunkenen Herkules" angesehen. 3n Wiälichkett ist indessen das Galeriebild eine Werkstattwiederholung. Das jetzt wieterentdeckte Original im Besitze des ehemaligen Königs ist auf Holz gemalt und wird als ein sehr gut erhaltenes Werl dsS niederländischen Meisters bezeichnet. •* (Ein Borschenschaflerdrama. Die große Zeit vor hundert 3ahren, da die deutsche Burschenschaft gegründet wurde, um für die Einheit und Frecheit Deutschlands zu kämpfen, hat Karl Reurath zum Vorwurf eines neuen Dramas benutzt, das er unter dem Titel „ F r e i h e i t s st u r m" soeben vollendet hat. 3m Mittelpunkt der Handlung steht der 3enenser Privatdozent Karl Folien, ein geborener Ober- Hesse, der feurige Künder eines neuen freiheitlichen Staates, und sein Freund Karl Sand, der Mörder Kotzebues, dessen Schicksal den Hintergrund des starkbewegten Dramas bildet. Das von Karl Reurath behandelte Thema dürfte um so interessanter sein, als diese stürmisch bewegte Zeit mit unserer Gegenwart sehr viel gemein hat. Zahnärzte und Zahntechniker. Zwischen den Organisationen der deutschen Zahnärzte und der Zahntechniker fanden auf Einladung des Wohlsahrtsrninisteriurns Einigungs- Verhandlungen statt, die die Schaffung eines einheitlichen Zahnärzteverbandes auf akademischer Grundlage zum Ziele hatten. Die Verhandlungen führten zu einem Tlebereinkommen, das unter gewissen Bedingungen die Approbation von Zahntechnikern als Zahnärzte vorsieht. Gegen den Boykott der deutschen Wissenschaft. Anläßlich des Besuches amerikanischer und Pariser Aerzte in Deutschland faßte die medizinische Fakultät der Universität Berlin einen Beschluß, worin sie sich auf den Standpunkt stellt, daß ein offizieller Verkehr mit wissenschaftlichen Vereinigungen von ehemals feindlichen Staaten solange unmöglich ist, w'e der Ausschluß der deutschen Sprache sowie der deutschen und österreichischen Gelehrten besteht. Das Analphabetentum in Buhlen . Das Kommissariat für TlnterrichtswZen veröffentlicht interessante statistische Datcn über das Analphabetentum In Rußland. Die Zahl der Kinder, die Schulen besuchen, beträgt 8 Millionen, von diesen sind 6 Millionen Dolksschul- besucher. 3m ganzen besuchen nur 59 Prozent der schulpflichtigen Kinder die Schulen. Daraus geht hervor, daß die Zahl der Analphabeten fortwährend wächst. 3n die Mittelschulen gehen etwa 1 Million Schüler, etwa 400 000 in technische Schulen mit Mittelschulcharalter. Die Hochschulen werden von 171 000 Hörern besucht, während 1 210 000 Schüler die Schulen zur Beseitigung des Analphabetentums besuchen. Aus aller Welt. Fast eine Million Rundfunkteilnehmer. Die Zahl der deutschen Rundfunkteilnehmer hat am 1. Dezember wieder erheblich zugenommen, und zwar in sämtlichen Sendebereichen, insbesondere auch durch die Freigabe des Rundfunks im besetzten Gebiet. Die Gesamtzahl der am 1. Dezember ongemeldeten Hörer beträgt genau 966 804, der Zuwachs im Rovember also 53 028, das sind täglich 1768 Reuanmeldungen. Das Ende deS Postillions. Am ersten Weihnachtsfeiertage werden sämtliche Berliner Pferdep ost- wagen durch Kraftwagen ersetzt sein. Am diesem Ereignis einen äußeren Ausdruck zu geben, wird sich ein Zug von 30 blumengeschmückten Pferdegespannen von dem Packet- Postamt in der Scharnhorststraße nach dem Postfahramt begeben. Die Postillone werden in ihrer alten Tracht kutschieren. Am Postfahramt wird der Zug von Vertretern des Reichspostministeriums abgenommen werden. Auch wird dort zum letzten Male daö „Lied des Postillons" auf dem alten Posthorn ertönen. Sic Schneeberhältnisse im Schwarzwald. Der in den letzten Tagen eingetretene Wandel in der Witterung, in der Hauptsache hervorgerufen durch warme Fönluft, hat die Verhältnisse für den Wintersport im Schwarzwald ungün- st i g beeinflußt. 3n den niederen Lagen fällt Regen, in den höheren Lagen nasser Schnee, so daß die Slibahnen schlecht befahrbar sind. Der Feldberg meldet eine Schneehöhe von über einem Meter, aber schlechte Skibahnen. Auch von den anderen Wintersport- Plätzen gehen keine günstigen Rachrichten ein, jedoch rechnet man mit einer Aenderung der Witterung und dem Eintritt neuen Schneefalles. Festnahme des Kölner TNuseumsdiebes. In Paris ist der Kölner Handelsangestellte Fritz Reinberger festgenommen worden, als er den Versuch machte, das am 28. Februar von ihm im Kölner Wallraff-Richartz-Museum gestohlene, Bartholomeo zugeschriebene Gemälde „Die Madonna mit dem Kinde" an einen Amerikaner für 300 000 Franken zu verkaufen. Reinberger ist geständig; er ist bis zu feiner Auslieferung an die Gerichtsbehörden in Köln ins Gefängnis eingeliefert worden. Boni Zuge zermalmt. Dienstag nachmittag wurden non dem Stralsund—Berliner Personenzug zwischen Stargard (Mecklenburg) zwei polnische Schnitter überfahren, die vermutlich im Schneesturm auf Las Bahngleise geraten waren. Dem einen Schnitter wurden beide Beine abgefahren. Der zweite Schnitter scheint sofort getötet zu sein. Die völlig verstümmelte Leiche wurde durch Zufall erst beim Halten des Zuges auf dem Neu-Strelitzer Bahnbof durch das Lokomotivperfonal entdeckt. Der Körper war unterhalb des Lokomotivkeffels eingeklemmt und konnte nur mit größter Mühe entfernt werden. Durch ausfirömende Gase vergiftet. In der Wohnung eines Arbeiters in Eisum wurden sämtliche Familienmitglieder gestern nacht in dem gemeinsamen Schlafzimmer durch Gas vergiftet, das einem mit brennenden Briketts gefüllten Behälter entströmt war. Der 73jährige Ehemann ist bereits geftorben, während der Zustand feiner Ehefrau besorgniserregend ist. Auch ein zwölfjähriger Junge, der gleichfalls im Schlafraum übernachtete, ist geftoroen. Verbrüht. 3n einer (panischen Eisengießerei stürzte ein mit siedendem Wasser gefüllter Kessel auf acht in demselben Raum befindliche Arbeiter, die so schwer verbrüht tourten, daß sie bald daraus terft arten. Tragisches Ende einer Paddelboot-Weltreise. Der waghalsige Versuch des Deutschamerikaners R ö h r l e, eine Weltreise in dem Paddelboot zu unternehmen, entete mit dem Unter* gang des Reifenden. Röhrle befand sich auf dem Wege über Boston nach Reuhork. Bei einem plötzlich einsehenden schweren Sturm kenterte das Doot und Röhrle ertrank. Seine Leiche wurde bei St. Leonard an Land, gespült. Jugendlicher Lebensretter. Am Bahnhof in Llnterbalbach (Franken) fuhr die drei 3ahre alte Anna Rüdel mit dem Schlitten den Bahndamm hinab und dabei in die Tauber. Sie wurde schon von der Strömung fortgerissen, als auf das Geschrei des Schwesterchens der herbeieilende 14jährige Fritz Klumpp kurz entschlossen nachsprang und die Kleine vor dem Tote des Ertrinkens rettete. verprügelte Separatisten. In Sobemheim tauchten vier jener käuflichen Subjekte, die während der Separatistenzeit in französischem Solde standen und damals die Bevölkerung brandschatzten und bedrückten, plötzlich als Hausierer wieder auf in der Erwartung, daß ihre Schandtaten vergessen seien, und daß Gros darüber gewachsen sei. Die Burschen würden wiedererkannt und erhielten ihre Belohnung in einer derartigen Art, daß die Polizei sie in Schutzhaft nehmen und mit der Bahn abtransportieren mußte. Ein weiblicher Kommerzienrat in Oesterreich. Der österreichische Bundespräsident Hainich hat der 77jährigen Vorsteherin der Genossenschaft der Modistinnen und Modisten, Frau Ottilie Wagner, den Titel eines Kommerzialrates verliehen, der dem deutschen Kommerzienrat entspricht. Weihnachtslotterie in Spanien. Tanz Spanien stand Dienstag unter dem Eindruck der Weihnachtslotterie. Lau sprecher verkündeten die Gewinnummern auf den Plätzen Madrids. Der Hauptgewinn in Höhe von 15 Millionen Peseten entfiel auf ein Los, das in 20 Teilen gespielt wurde. Außer einem Bankbeamten und zwei Antiquaren sind die Gewinner arme Leute Br>:sträger, Kohlenschipper, Kastanienver- käuferinnen und Kellner im Palasthvtel. Den siebenten Gewinn in Höhe von 1 Million Peseten, gewannen Madrider Modistinnen. Wettervoraussage. Ruhiger, leichter Nachtfrost, noch einzelne Niederschläge (teils Schnee), nördliche, später wieder südliche Winde. Der Kern des Sturmwirbels, der unsere Wetterlage beherrscht, ist von der Bretagne über den Kanal nach Jütland gezogen und schlägt nordöstliche Zugrichtung ein. Wir gelungen allmählich aus seinem Niederschlagsgebiet heraus auf feinen Rücken, auf dem nördliche Winde südwärts vorstoßen. Jedoch ist eine stabile Wetterlage noch nicht gesichert, da westlich von Irland ein neuer Wirbel erscheint. Bei wechselnden Zuströmen von kälterer und westlicher Luft dürste der Witterungscharakter weiter oer- ändettich bleiben. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8,4 Grad Celsius, Minimum 4,6 Grad Celsius. Niederschläge 2,5 Millimeter. Heutige Morgcntemperatur 6,2 Grad Celsius. 2111$ der Provinzialhauptstadt. Gießen, ten 23. Dez«nber 1925. Zur Ablösung der öffentlichen Anleihen. Amtlich wird mitgeteilt: Zahlreiche Personen teten vor dem Kriege, während des Krieges und auch nach Kriegsb-endigung Geld in Anleihen des Reichs oder in solche der Länder angelegt, sich aber die Anlrihewcrtpapiere nicht aushändigen, sondern ihre Forderung in das Reichsschuldbuch oder ein Schuldbuch der Lander eintragen lassen, lieber die erfolgte Eintragung ist dem Gläubiger von ter betreffenden Schuldbuchverwaltung seinerzeit eine Benachrichtigung erteilt Worten, aus der zu ersehen ist. wann die Eintragung in das Schuldbuch erfolgt ist. Ist sie vor dem 1. 3uli 1920 geschehen, so braucht sich der Gläubiger, ter dann sogenannter,Alt- besitzer' ist, um nicktts zu Tufltmern. Seine Schuldbuchforderung der alten TNlrlanleihen wird von Amts wegen, also ohne sein Zutun, in eine Buchforderung ter neuen An- leiheablösungsschuld umgewantelt. Ebenso werden ihm von Amts wegen die mit dieser Forderung verbundenen AuSIofungsrechte gesichert. Sobald dieser älmtausch von ter Reichsschuldenverwaltung bewirkt ist, erhält ter Gläubiger hierüber eine Benachrichtigung. Bei der großen Zahl ter Schuldbuchsorterungen erstreckt sich die Ämtauschtätigkeit voraussichtlich bis in den Sommer 1926, sodaß sich die Schuldbuchgläubiger nicht zu beunruhigen brauchen, wenn sie in der nächsten Zeit' noch feine Benachrichtigung erhalten. Schreiten an die Reichsschuldenverwaltung, welche nicht auS ganz besonderen Anlässen dringend notwendig sind, find daher zwecklos und im 3nteresse der schnellen Erledigung ter dieser Behörde zugefallenen umfangreichen Aufgaben zu unterlassen. Anträge auf Bewilligung einer Vorzugsrente find nicht bei ter Reich sschuldenverwal- tung zu stellen, sondern ausschließlich bei der De^irksfürsorgestelle, in deren Bezirk der Antragsteller wohnt. Rente wird in ter Regel nur te» düftigen, im Inlaute wohnenden reichsdeutschen „Anleihsalttesitzern" bewilligt. Das Verfahren über Dara bs indung für imi 3nl4 Kreuzplatz 9 '!*** geiriit- o t SteÄi fr ;n h?ÄÄ i". $ folgte fcNttr r?u ».‘ää.T s M'tung J5"e sein ■»166114*5* 3n' ff biemübS0^ ^sungSrechle von drr Sä31 I(~™n Erledigung fa Ile»n umfcmgretjtn iIüöum einer ^orxuoi. W.HtenbffiNl- S, bei bei' n berat Dyirk ber Antrag, torb m brr Legrl nur k. e wohnenden reichsbeut- mi betoilügt. kt^atdbhnbunflfir )e bedurttigr reiLSdeullche r Papiermarkanleihe über itark haben, ist noch nicht qüglid>e Anträge zur 3dt ■* Die Regelung erfolgt ist, ungen hierüber Mttrilung iubiget kam aber auch fr »gleich seine Forderung tifi 920 in ein SchuWch tti inber eingetragen toten lall muh sich der -Aiger e zuständige Schuld« wenden mid kti unter llachvrispapiere (Sanlaui* i ufiD.) den MrtL etbtin« zum Erwerb Inner Schuld- eich dezw. dem bett. Staate 3uli 1920 zur Verfügung 2Datyapiat, welche zur tyudjfabmmg gtOiad ba« '. (Juli 1920 bcfeKa bit. ti rachvÄe Ml M 28- Wb M« eWW>c ; tzegrnslanbtzlvi sind, ung des Steuer, m Arbeitslohn. Srsetz über die Ccnlung vurde der Steuerabzug in geänbert. Sie W uar 1926 in nb?trafl von 96) Mark M *) umde mit Wirkung ab 12)0 Rm. jähM A ®?c 43 Am. jährlich echAÄ sich w folgt:,Ser steutt« mgeren fi"(50 Am. monatlich'au Xnu monotlichi Md die Satze SÄl« MjflJ ^Aerbinduns ^^?Äst M ysggss sesArtagS "«.SS-sr -^Krchr K,xNM „jiagy- HlC < jn y Quittungen wer- wenden. Die Dordrucke dieser Tuchhandlung Bauer ponist geniest den Ruf eine- gediegenen, vor- nehmen Musikers, u:u> feine V:rtonu:tg des hübschen, sinnvoller! Textbuches hui in dem .Dors ohne Glocre" ein QBea gefchasfLN, da» sich weit üoer das zur Jett übliche Ooerettennivcau ei^ebt. Bei der starken Karlenna^frage für die Fcieriage werden 3nttreifcnten gut tun, sich beizeiten Plätze zu sichern. Deutsche DolKspartei im Wahlkreis Hessen-Nassau. • Der Vorstand der Deutschen Volkspartei für den Wahlkreis Hessen- Rassau-Waldeck-Wetzlar trat am Samstag zu einer sehr zahlreich beschickten Sitzung im Hotel Schütz Hierselbst zusammen. Von den 'Abgeordneten des Wahlkreises waren erschienen Dr. Kalle, Hepp , Seibert, Kaiser, Schwarzhaupt, sowie das Mitglied des preußischen Staatsrats Dr. Rumps. Zur Beratung stand als erster Punkt das Ergebnis der Kommunallandtags- und Kreistagswahlen, zu dem Dr. Rumps ein einleitendes Referat gab. Das Zusammengehen bei diesen Wahlen mit andern bürgerlichen Parteien und die beabsichtigte Zusammenarbeit mit diesen in Arbeitsgemeinschaften in den kommunalen Parlamenten wurde allgemein gebilligt, wobei jedoch in der regen Aussprache die volle Wahrung der volksparteilichcn Belange als oberste Richtschnur gefordert wurde. Das Referat über die Reichspolitik hatte Abg. Hepp übernommen, der in kurzen, aber scharf umrissenen Ausführungen die Locarnopolitik der Reichsregierung, den Austritt der Deutschnationalen aus ber Regierung, den Rücktritt der jetzigen Regierung und die bisherigen Verhandlungen über eine Regierungs- den den Rentenempfängern, soweit sie noch nicht im Besitz solcher sind, bei den Anständigen Polizeirevieren und Bürgermeistereien ausgehändigt. Alte Rentenquittungsdordrucke werden von der Post zurückgewiesen, und die Rente wird daraus nicht ausgezahlt. •* Erhöh ung ber Zeugen- und Sachverständigengebühren. Durch ein am 1. Januar 1926 in Kraft tretendes Gesetz erfahren die Zeugen- und Sachverständigengebüh - ren eine wesentliche Erhöhung. Zeugen erhalten für ZcitvcrsäumniS nunmehr eine Entschädigung bis zum Betrage von 1.52. Sachverständige eine Vergütung bis zu 3 Mk. und bei besonders schwierigen Leistungen bis zu 6 Mk. für jede an- gefangene Stunde. Dom gleichen Zeitpunkt an erhalten auf Grund einer vom Reichsrat beschlossenen Verordnung Schäften, Geschworene uni) Vertrauenspersonen eine Entschädigung bis zum Betrage von 1,50 Mk. für jede angefangene Stunde. ♦* Die Maul« und Klauenseuche. Der Viehbestand in dem verseuchten Gehöft in Großen- Linden ist abgeschlachtet worden. Ort und Gemarkung G roßen-Linden wurden aus dem 3n wenigen Wochen wird die Meisterschaft entschieden sein. Man muß aber schon wünschen, baß bessere Witterungsverhäftni se eintreten, und daß nicht schlechtere den Wez zur Meisterschaft, zur Feststellung d.s wirklich Besten ungerecht bc- cinfluficn. Die Spiele am Sonntag, meist Priv.tt» spicle, hatten hierunter erheblich zu leiden, ganz abgesehen davon, daß solche Zustände der gesundheitlichen Verfassung der Spieler wirklich nicht zuträglich sind. Das triftt z.D. zu auf den Privatkampf des Kreisliaameigers V. f. D- Gießen gegen die Bezirksligaelf F. E. Weh - lat, in dem die Gießener mit ihrem verjüngten Sturm ein gutes und erfolgreiches Spiel lieferten, das ihnen einen verdienten Sieg brachte, während die Wetzlarer in allen Mannschaststeilen nicht wiederzuerlennen waren, denn so schlecht und kopflos spielten sie noch nie. Auch hier brachte mehr der Boden als die Spieler eine Schärfe inS Spiel, die es zu einem regelrechten Kampf werden ließ, älmgelehrt verlor der Hef- sen-Krcismeister »Hermannia" Kassel gegen die Bezirksliga Spiel v. Kassel 2:6. Ein neuer Weltrekord Arne Borgs. Do. 3n Eleveland (Ohio) gelang es dieser Tage dem schwedischen Rekordschwimmrr A r n e Borg, Der seinen ständigen Wohnsitz in Chicago aufgeschlagen hat und Dort dem bekannten Illinois Athletic Club beigclreten ist. dem auch Weißmüller und Skelton angehören, einen neu n Weltrekord aufzustellen. Er verbesserte die Höchstleistung über 440 Parbs Freistil auf 4:56.6. Sportspiegel. Die Amerikareise Houbens wird nun doch zur Tatsache werden, da der Vorstand des Westdeutschen Spielverbandes im Einverständnis mit dem Athletikausschuß Hauben die Genehmigung zu seiner Amerikoreise, die er voraussichtlich um 5. Januar antreten wird, gegeben hat. Die Meldung, daß die D. S. B. darauf bestanden habe, daß der Reichssportlehrer Waitzer Houben begleiten solle, trifft nicht zu. Gegen rohes Spiel haben der Vorstand und der Spielausschuß des Süddeutschen Fuß- ballverbandcs eine Bekanntmachung des Inhalt- erlas,'en, daß Der Verbandsvorstand mit aller Schärfe gegen Ausschreitungen auf den Spielplätzen, wie sie in letzter Zeit voraekommen seien, vorgehen und letzten Endes nicht davor zu- rückfchrecken wird, die Schuldigen dem Gericht zu übergeben. Auch an die Schiedsrichter e.geht die dringende Mahnung, die älrsache bieier Auswüchse, rohes Spiel ufto., mit unnachsichtiger Strenge in ihren Keimen zu ersticken. Neubildung behandelte. AuS den Ausführungen des Abg. Hepp ist besonders erwähnenswert die scharfe Kritik an dem Verhalten der Deutfchnatio- nalen Partei in der vergangenen Zeit und die Forderung einer selbständigen Deutsch-DolkS- parteftichen politischen Arbeit ohne Rücksicht auf Rechts oder Links. Weiter seine Feststellung, daß an eine Hereinnahme Der Deutschnationalen in eine Regierung so lange nicht zu denken sei, als sie nicht den Vewe s erbring n, daß für sie nur eine vernünftige Politik und nicht eine nur auf Parteiinteressen abgestellte Politik das Gebot der Stunde sei. Hieran sei vorläufig aber nicht zu denken. Bei den bisher gepflogenen Verhandlungen über die Bildung einer großen Koalition, Die besonders auf Wunsch des Herrn ReichSprä identen eingeleitet wurden, stellte der Referent das vollkommene Ver agen dec Sozialdemokratie fest. Auch bei dieser Partei spielt heute die Rücksicht auf die Wählermassen und die Angst vor Der Abwanderung in das kommunistische Lager die Hauptrolc. Die bekannten Forderungen der Sozialdemokratie, die Im Lause Der Verhandlungen Immer mehr verschärft wurden, waren eben gestellt, um durch sie die Große Koalition scheitern zu lassen. -- In ber regen Aussprache war man mit Der Haltung Der D. V. P.-Fraktion vollkommen einverstanden. Das Referat wurde hierbei noch ergänzt durch Mitteilungen Der Abgeordneten Dr. Kalle. Seibert und Schwarzhaupt. Auch die Haltung des Herrn Reichspräsidenten bei Der Regierungsbildung fand die volle Zustimmung Der Versammlung. Der letzte Punkt Der Beratungen wurde aus- gefüllt durch eine Aussprache über die weitere Winterarbeit Der Partei unter Berücksichtigung Der Erfahrungen au8 den letzten Wahlkämpfen, einer Besprechung von Presse- angelegenheiten und einer Aussprache über Die Stellung Der Partei zu Den vaterländischen und wirtschaftlichen Verbänden. Hierbei wurde besonders auch das jedes Maß des politischen Anstandes überschreitende Verhalten einzelner rechtsgerichteter Organe und Agitatoren gegenüber dem Führer der Partei, Dr. Stresemann, scharf gegeißelt Die ganzen Verhandlungen zeigten wieder Die feste Geschlossenheit Der Deutschen Volkspartei im gesamten Wahlkreise und den ernsten Willen, trotz Der schwierigen Verhältnisse in unermüdlicher Arbeit an einer Gesundung unserer inneren und äußeren Lage mitzuhelfen. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 21. Dez. Der Verwalter B. aus Essen, der bereits mehrfach vorbestraft ist, darunter auch wegen Fahrraddiebstahls, hatte sich wegen dreier neuer selbständiger Diebstähle von Fahrrädern zu verantworten. Er hat den Eigentümern ihre Räder, die sie auf kurze Zeit in Häusern auf dein Lindenplatz, Plockstroße und Seltersweg abgestellt hatten, aus den Hausgängen weg' genommen und das Weite gesucht. Eins der Räder verkaufte er in Ridda, die beiden anderen gab er auf der Eisenbahnhaltestelle Schiftender« in Verwahrung. 2n allen Füllen wurde die Identität der Räder zweifellos fest gestellt. Der Angeklagte ver teibigte sich ebenso affiniert, wie er die Diebstähle ausgeführt hat. Es gelang jedoch in der Hauptverhandlung, an Hand der umfangreichen Beweisaufnahme einen lückenlosen Indizienbeweis au erbringen und den Angeklagten zu überführen. Außerdem ergab die Verhandlung, daß sich B. einer schweren Urkundenfälschung schuldig gemacht hatte. Der Staatsanwalt wies auf die Gemeingefährlichkeit des Angeklagten und auf die bewiesene Raffiniertheit hin und beantragte eine Gefängnisstrafe von 2i Jahren. Das Gericht schloß sich diese» Ausführungen an, erkannte auf die beantragte Strafe und sprach außerdem die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aus. Ein Monat wird auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Sperrgebiet ausgeschieden und zum Beobachtungsgebiet erklärt. Die Gemarkung Leihgestern wurde aus dem Beobachtungsgebiet ausgeschieden. In der Gemeinde Deckenbach, Kreis Alsfeld, ist die Seuche erloschen, dagegen ist sie in Holz- hause, Kreis Marburg, und in Wetzlar fest- gestellt worden. •• Lausbubenstreiche. Gestern abend wurde wieder einmal grober ilnfug mit einem Feuermelder verübt, wodurch die Feuerwache zu vergeblichem Ausrüclcn veranlaßt wurde. Den dummen oder gewissenlosen Menschen, Die Derartigen Unfug verüben, sollte man im Falle des Erwischens eine gehörige Tracht Prügel verabreichen und sie außerdem Der Bestrafung zu- führen. WSR. Sie erste Referendarin in Hes ° s e n. Die Tochter des Mainzer Rechtsanwalts Mcini- zinger, Fräulein Trude Meintzinge, ist gestern vom Amtsgerichtsdirektor Specht in Mainz als erste Gerichtsreferendarin im Volksstaat Hessen vereidigt worden. RDD. Aufhebung deS Disumzwanges Deutschland-Holland zum 1. Februar 192 6. 3n ber Zeit vom 15. bis 17. Dez. haben in Osnabrück zwischen Vertretern der deutschen und der niederlänDi'chen Regierung Verhandlungen über paßtechn sche Erleichterungen deS Deutsch-niederländ. Verkehrs stattgftunden. Die Verhandlungen haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Die gegens eilige Aushebung des S.chtvermerkzwanges für deutsche Reichsangehörige und niederländische Staatsangehörige und die Erleichterungen im beiderseitigen ficineit Grenz verkehr sind für den 1. Februar 1926 in Aussicht genommen. Nachdem zuerst der Vi- sumzwang mit Dem deutschen Bruderlande Oesterreich vor einigen Monaten beseitigt werden konnte, wird nunmehr erfreulicherweise auch das Visum zwischen Deutschland und Holland fallen. Es ist sehr zu hoffen, daß auch die Verhandlungen, die mit anderen Ländern bereits ausgenommen sind, insbesondere mit Der Schweiz, zu einem günstigen Ergebnis führen und vor Beginn der Sommerreisezeit des Zahres 1926 der Visumzwang zwischen allen Ländern, die in kulturellem und wirtschaftlichem Austausch miteinander stehen, beseitigt sein möge. •* Mit dem Zeppelin über Afrika. Dem Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde und dem Verein für Luftfahrt Gießen ist es gelungen, den Ingenieur Goebel, den Verfasser des bekannten Buches „Afrika zu unseren Füßen" und ehemaligen Angehörigen mehrerer Luftschiff- kommandos im Orient während des Krieges, zu einem Lichtbildervrtrag über das Thema „Mit dem Zeppelin über Afrika" zu gewinnen. Der Vortrag wird Mitte Januar stattfinden. Es ist sicher anzunehmen, daß das Thema auf die für Luftfahrt und koloniale Fragen stark interessierte Bevölkerung Gießens eine besondere Anziehungskraft ousüben wird. •• Auftrieb auf Dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 39 Ochsen, 5 Färsen und Kühe, 690 Kälber, 119 Schafe, 117 Schweine. Um die Bezirksrigameisterschast in Hessen-Hannover. h. Daß nur ein Spiel um die Punkte ftatt- sand, in dem Göttingen 05 In Kassel gegen »Spor t“ mit 1:5 hoch verlor, war bereit- am vergangenen Montag im .G. A." zu lesen, nicht aber, daß Göttingen mit einer großen Spielstärke überraschte, die man nach ihrem zuletzt gezeigten Abschneiden nicht vermutet hatte. Rur die sichere und gute Verteidigung »Sports" verhinderte eine Gleichheit im Torverhältnis, die sonst leicht hatte zustandekommen können. »Sport" aber wußte, um was es ging, und sicherte sich jede sich bietende Gelegenheit zum örfolg. Mit dem Ausgang des Spieles übernimmt „Sport" wieder die Führung in der Tabelle, Deren Stand an Dem relativen Verhältnis Der beiden Meister anwärt er Kurhessen und Sport nichts ändert, da erstere im Spiel weniger bis jetzt ausgetragen Huben. " Kreistagssitzung. Am Montag, 11.1. 11)26, vormittags 10 Uhr beginnend, finde, im Sitzungssaals des Regierungsgebäudes dahier eine öffentliche Sitzung des Kreistages statt. Auf der Tagesordnung ftcb.n folgende Angelegenheiten: 1. Wahl der Mitglieder und Stellvertreter des Üreisausschuffts (zu wählen sind 6 Mitglieder und 6 Stellvcrtrc'er). 2. Anschaffung eines Personen- Automobils für den Kreis. ■ Personalien. Auf Grund deS Gesetzes über Die Altersgrenze Der Staatsbeam en tritt der Ministerialrat Dr. Wilhelm Grob bei dem Heft Ministerium des Innern am 31. Dezember 1925 in den Ruhestand. < Zur glatten Durchführu-ng des Weihnachtsverkedrs auf der Eisenbahn fahren vom 24. bis einschließlich 26. De- zcmber zu den Hauptzügen eine Anzahl Vorzüge, die meist im Plan des Hauptzuges gefahren werden. Vorzug Hagen —Frankfurt a. M. am 24 Dezember verkehrt 10 Minuten früher, also 3.28 Uhr. Ein Vorzug Frankfurt a.M.—Hagen verkehrt ebenfalls am 24. Dezember 10 Minuten vor dem Hauptzug, Gießen ab 3,05 Uhr nachmittags. Ein Vorzug Gießen —Frankfurt a.M. ver- kehrt am 24. Dezember ab Gießen bereits 5.15 Uhr nachmittags. < O-Zug- Benutzung mit Sonntagskarten. Die Reichsbahndirektton hat die Reuerung eingeführt, daß vom 24. Dezember ab an Samstagen und Sonntagen, sowie an den Feiertagen, an Denen Sonntagskarten gelten, die l>Züge zwischen Dießen —Koblenz Gießen — Frankfurt a. M. und Dießen — Haiger mit Sonntagskarten benutzt werden Dürfen gegen Zahlung deS üblichen Schnellzugzuschlage«. , *• Von der Butzbach—Licher 6ifen- bahn. Die Mittwochs und Sonntags verkehrenden Spätzüge werden auch an Den beiden WeihnachtSseiertagen und am Reujahrstage gefahren. Der Fahrplan ist wie folgt fest- gestellt: Strecke Butzbach-West —Li ch: Lich ab 7,35 Ahr abrnds, Butzbach-West an 8,35 Uhr, Dort ab 9,33 älhr abends, Lich an 10,34 Llhr. Butzbach-Ost — Dad-Rauheim: Butzbach-Ost ab 8,09 Uhr abeirDS, Dad-Rauheim an 8 51 älhr, Dort ab 9,16 älhr abends, Butzbach-Ost an 10,02 tthr. '• Reue Rentenqulttungs-For- mulare. Die Empfänger von Invaliden-, Witwen-, Wa.sen-, Alters- und Krankenrenten Dürfen vom 1. Januar 1926 ab nur noch Rentenauittungen — 3. W. O. A. K. Wk. — in in der Gröhe des Formats 148 zu 210 Mm. ver- 1e z.t 11951D Seltersweg 91, 1. Stock - Tapetenhaus Ferd. Nennstiel Plockstraße 14/16 irima Puppenstubentapeten Wachstuche und Tisch-Linoleum in allen Breiten und verschied. Mustern Fußmatten undTürvoriagen in allen Größen stets lagernd Empfehle zu Wechnachten für Grabstätten WimMmck» in Weitz und Grün Friedhofsgärtnerei, Hch. 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'2(1 s vor mehr als Jahresfrist die Große Nationalversammlung der Türkischen Republik zu ihrer zweiten Session zusammentrat, gab es politisch nur eine einzige Partei, die kemalistischc „Volkspartei". Dies war erklärlich, denn diese Partei und mit ihr die Große Nationalversammlung waren in einer Stunde geboren, als der Feind im Lande war uni) außer in der Fähigkeit der Führer nur in rückhaltloser Einigkeit die .Rettung des Vaterlandes liegen konnte. Damals hat die parlamentarische Form genügt, um die Handlungen der Führer zu decken und das Land zu retten. Es war aber selbstverständlich, daß mit dem Schwinden der äpßeren Gefahr auch wieder die Verschiedenheit der politischen Anschauungcn zur Geltung kommen mußte, um so mehr, als die in der Volkspartei vereinigten Abgeordneten eben durch die Verschiedenheit ihrer Anschauungen zur Gründung von mindestens einem Dutzend politischer Parteien urädestinier. erschienen. Co kam es zur Gründung ber oppositionellen „Republikanischen Fortschrittspartei", welcher der größte Teil der oppositionellen Abgeodrneten angehörte, während nur einige wenige Abgeordnete sich als Wilde keiner Partei an- fchlossen. Diese Republikanische Fortschrittliche Partei gewann im Lande rasch und zusehends Anhang, auch weil ihre Führer populäre Leute wie Rauf Bey, Ali Fuad Pascha, Kiasim Karabekir Pascha waren, |o daß die Kemalisten sich vor der Gefahr sahen, ihre Herrschaft, welche nichts anderes als eine Parteidiktatur darftellte, zu verlieren. Auch die gesamte Prefse, soweit sie diesen Namen überhaupt verdient, war auf Seite der Opposition getreten? Da gab bekanntlich der Ausbruch des Kur- denaufstandes der kemalistischen Parteileitung eine willkommene Gelegenheit, sich die unbequeme Oppositionspartei vom Halse zu schaffen. Es wurden außerordentliche Gerichtshöfe mit besonderen weitgehenden Vollmachten und Ausnahmegesetze czeschassen. Die Presse wurde vollständig geknebelt. Die fähigsten Köpfe der türkischen Journalistik wurden verhaftet, vor das Ausnahmegericht geschleppt und zum Teil in die Verbannung geschickt, soweit sie nicht zu Kreuze krochen und erklärten, sie seien nunmehr vom Gegenteil überzeugt, was sic vorher behauptet hätten. Verschiedenen Blättern wurde das Erscheinen überhaupt verboten, schließlich wurde die Republikanische Fortschrittspartei wegen angeblicher Verbindung mit den Aufständischen als' solche aufgelöst, ihre Parteiduraus geschlossen und das Parlament auf Ferien geschickt. Die kcmalistische Diktatur war wieder in ihrer Integrität hergcstellt. Während der nahezu ein halbes Jahr wäh- reden Parlamentsferien wurde mit Hilfe der Ausnahmegerichte das Werk vollendet. Nur an die Führer der Opposition selbst wagte man sich nicht heran. Wohl aber haben die Verhältnisse in der feit einigen Wochen wieder eröffneten Nationalversammlung gezeigt, daß dort die Opposition ebenso wenig laut atmen darf, wie im sogenannten Parlament Mussolinis. Jin übrigen wurde eine Reihe von Reformen — Kleiderreform und so weiter — eingeführt, von welchen man naiver Weise unter anderem annahm, daß man mit ihnen Europa gegenüber gute Figur machen würde, welche aber — ganz abgesehen von religiösen Gründen — auch das Stilgefühl und das dem türkischen Volke eigentümliche Gefühl für Würde und Charakter aufs Tiefste verletzen mußten. Trotz der strengen Zensur, das heißt der Gefahr, welcher die Presse durch Veröffentlichung nicht genehmer Mitteilungen läuft, trotz der Schwierigkeiten zuverlässige Nachrichten zti erhalten, läßt sich feststellen, daß sich des ganzen Landes eine große Erregung bemächtigt hat. 3n den verschiedensten räumlich weit auseinanderliegenden Teilen der Türkei, wie in den Provinzen Erserum (Osianatolien), in den Provinzen Trapezunt und Kastamuni am Schwarzen Meer, in Siwas in Inneranatolien, in Marasch im Süden und an anderen Orten tarn es zu ernsten Unruhen gegen die Regierung, welche um so bezeichnender |ind, weil ihnen gegenwärtig die Organisation zu fehlen scheint und sie als spontane Ausbrüche des Volkseinpfindens zu werten sind. Hinzu kommt nach die Einführung neuer drücken der »steuern, der Monopolisierung wichtiger Ver- brauchsmittel, wie Zucker und Petroleum lind einer finanzpolitisch wie volkswirtschaftlich gleich verwerflichen Steuerreform der Kopfsteuer. Dabei funktioniert der Verwaltungsapparat durchaus nicht wie er fall und der Backschiich hat keineswegs aufgehört seine Rolle zu spielen. Ferner werden aus dein verarmten Lande große Summen gezogen, die geopfert werden, um aus A n gora eine Hauptstadt zu machen, die sich vor Mossulkonferenz in Genf sich der Delegierte Tewsik Ruschdi Bey hinsichtlich der türkischen Forderungen ttnd Haltung in der Mosjulsrage weit vorsichtiger und bescheidener ausdrückte, als früher bei anderen Gelegenheiten. Tatsächlich scheint es nunmehr wegen der Wendung, welche die innere Lage genommen hat, fraglich, o b man s i ch gegebenenfalls der Gefahr eines Appells an die Waffen aussetzen darf. Aus Hessen. Eine flicqicrnnfldaithuort. Darin stadt, 22. Dez. Auf die in Nr. 291 vom 12. Dez. veröffentlichte Anfrage der Deutschen Vvlkspartct hat der Staatspräsident fol- genbe Antwort erteilt: Auf die mit geschätztem Schreiben vom 10. d. Mts. ’;bermitteltc Anfrage der Herren Abgeord ncten Dingeldey und Genossen, betreffend Spar- Ms SMßlK UHASszeZAMg Obevtzesses-s und desLadnsebieteS ist in fei- nsm if SH.Lahvgang dev Gietzenev Ameksev Das guts ist seine Oienstass und SamstasS evschei- rrerrde Vettase „Gießener LamMenbSattev" Die eimiM MideebeMHe ift seine eisens süv das AeimatLeNet Veav- beite.e Donnevstassgabe Hekmat im Bild" Dee sachveEandise Aaigedee süv Lan-Lvivrsrhast, Gartenbau und Viehzucht ist seine Sveitagsbeilase „Die Schatte" dem Auslande sehen lassen kann. Ueberdies geben das Konzessionswesen und die zahlreichen Schwierigkeiten, welche Handel und Produktion in diesem Lande finden, einer Gruppe von Leuten, die in besonders guter Beziehung zur Regierung stehen, eine Art Monopol des Geldverdienens. Während also die innerpolitische Lage eine solche geworden ist, daß man trotz einer gewissen Langsamkeit des politischen Entwicklungstempos, wie sie dem Osten eigentümlich ist, immerhin auch mit Ueberraschungen rechnen kann, ist die auswärtige Lage keineswegs rosiger anzusehen. Jedenfalls hat es sich als ein schwerer Fehler gezeigt, daß die Kemalisten gerade im gegenwärtigen Augenblicke, im Gefühle ihrer sich auf Bajonette und Polizei stützenden Macht, der Psyche des Volkes so wenig Rechnung tragen zu müssen glauben. Die Kemalisten hätten auch größere politische Einsicht bewiesen, wenn sie die oppositionelle Partei nicht aufgelöst, sondern Gelegenheit gegeben hätten, daß in einer wirklichen Volksvertretung die verschiedenen in der Nation lebendigen, politischen Anschauungskomponenten frei zum Ausdruck kommen, und jene wahre Resultierende gefunden wird, welche der Lage der Nation entspricht und zeitgemäß ist. Angora dürfte dies heute selbst eingesehen haben und es ist symptomatisch, daß auf der samkeit in den höheren Verwaltung s° (teilen; hier Ministerialdirektor Urstadt (I. 1. Nr. 859), beehre ich mich, das Folgende ergebenft zu erwidern: .1. Ministerialdirektor U r ft a 61 wurde am 9. Oktober 1921, als Nachfolger von Dr. Strecker, parlamentarischer Präsident des Landesamts für das Bildungswesen und am 1. April 1922 zum nichtparlamentarischen Ministerialdirektor beim San- besamt für das Bildungswesen bestellt. Nach einem bei meinen Akten befindlichen Ausweis des Städtischen Wohnungsamts Darmstadt und einer schriftlichen Bestätigung dieser städtischen Behörde ist Ministerialdirektor Urstadt seit 23. Juni 1922 unter Nr. 9660 B als Wohnungssucher für eine 7-Zimmer-Wohnung vorgemerkt. Eine Wohnung wurde ihm aber bisher niemals angeboten. Daß er während des Nuhrkonflikts (1923) nicht auf Ueberrocifung einer Wohnung drängte, geschah aus Rücksicht auf die zahlreichen Ausgewie- fenen, die untergebracht werden mußten. In der Zeit, als man von Obcrhesfen nur auf dem großen Umweg über Offenbach und Hanau nach Darmstadt gelangen konnte, und dann in der Inflationszeit waren Lehrer, Eltern und andere Staatsbürger, die Anliegen an das Landesamt für das Bildungswesen hatten, sehr froh, daß Ministc- riqlöireftor Urstadt fast jeden Sonntag in Gießen zu sprechen war und ihnen dadurch mühsame und kostspielige Reisen nach Darmstadt ersparte. Er hatte von 11—1 Uhr und ort auch nachmittags jedesmal h—10 Besuche. Diese Einrichtung hat er bis jetzt beinhalten. 'Nicht nur seine Sonntage bat Ministerialdirektor Urstadt zum Teil geopfert, sondern auch in Gießen und anderen Orten Oberhessens ohne Berechnung von Tagegeldern und Uebernachtungskosten zahlreiche Dienstgejchäfte erledigt. Bei der Zuteilung von Wohnungen in den neu erbauten Beamtenhäusern übte Ministe- rialbireftor Urftabt ebenfalls Zurückhaltung, die sicherlich von den sehr zahlreichen anderen Bewer- bern gant anders beurteilt wird, als cs anscheinend in der obigen Anfrage geschieht. Eine dem L.»besamt für das Bildung, wesen zugestandcne 6-Zi:■ u er° Wohnung wurde beispielsweise einem ausgewiesenen Cberldjulrut »geteilt. Auch die Berufung von Pro- fefforen ber Technischen Hochschule machte solche Zu- rückhattuna notwendig, denn die Herren nehmen einen Ruf meistens nur an, wenn ihnen baldige Zuteilung einer Wohnung zuaesichert wird. Ein Tausch feiner Gießener W o h - nung gegen eine Darmstädter konnte zunächst nicht in Betracht kommen, weil die hochbelagie Adoptiv- mutter seiner Frau vertraglich da-.- Recht auf bestimmte Zimmer hatte, und — weil schwer leidend — nicht mit nach Darmstadt hätte überziehen können. Mit ihrem Tobe ist nunmehr ein etwaiger Wohnungstausch ernstlich ins Auge gefaßt. Es ist also nicht richtig, baß Mintstcrialdirektor Urftabt a) in Darmftabt längst eine angemessene Wohnung hätte zugewiesen werben können. Es ist auch nicht richtig, baß b) anberen Beamten bie Aufwanbsentfchäbigung für Führung doppelten Haushalts tnf’ogen wird, sobald ihnen eine auch nur notdürftig ausreichende Wohnung nachgewiefcn werden kann. Die Aufwandsentschädigung fällt erst fort, wenn sie bie Wohnung wirklich bezogen haben. Recht oft wirb bie nachgewiesene Wohnung als ungeeignet abgelehnt. 'Slinirterial- bireltor Urftabt ist übrigens nicht ber einzige ber „höchsten Beamten", bem in den zurück- liegenden Jahren Aufwandsentschädigung f’;r Führung doppelten Haushalts infolge ber Umstände gezahlt werden mußte. Wie andere Beamte würde auch Ministerialdirektor Ur» stabt gerne schon längst auf Auswandsent- schödigung verzichtet haben, wenn er nur umziehen unb bie Vereinigung mit seiner Fa- milie hätte Herstellen können. Bei bem bisherigen Umstand bringt er Opfer, nicht nur an Bequemlichkeit, Gesundheit und fcelifd'cr Befriedigung, sondern auch an Geld. Die Aufwandsentschädigung deckt bei weitem nicht seine Mehrausgaben. Die Aufwandsentschädigung des Ministerialdirektors Urstadt erfolgt nicht nur unter genauer Beachtung der für die Gewährung von Aufwandsentschädigungen bestehenden Bestimmungen, sondern sie bleibt wesentlich unter den nach diesen Bestimmungen zulässigen Beträgen. So kann z. B. nach dem Schreiben des Mini- fteriums der Finanzen vom 15. Februar 1923 — Nr. F. M. I. Li. 9017 — die Aufwandsentschädigung bei Beurlaubung ober bei Abwesenheit vom Dienstort bem Beamten bis zur Dauer von drei Tagen voll belassen werden. Ministerialdirektor Ur- stabt hat auf diese Vergünstigung verzichtet und erhält Aufwandsentschädigung nur für die Tag’, an welchen er in Darmftabt ununterbrochen anwesend ist. Er hat auf diese Weise im Kalenderjahr 1924 an 93 iaaen und im Kalenderjahr 1925 bis 1. Dezember 1925 an 89 Tagen keine Entschädigung erhalten. Ferner hat Ministerialdirektor Urftabt nach dem Rundschreiben des Reichsministers ber Finanzen vom 27. August 1924 — Nr. I. B. 18 133 - (Reichs- befolbungsblatt von 1924, S. 278) währenb ber Dauer seiner Abwesenheit vom Dicnftort außer ber für bie vorgenannten ersten 3 Tage zu zahlenden vollen Entschädigung für bie weitere Zeit ber Abwesenheit bie für bie Beibehaltung ber Wohnung am Dicnftort erwachscnben tatsächlichen Auslagen Weihnacht im Süden. Don Gustav W. Eberlein, Rom. Auf die Frage nach den ortsüblichen Weih- nachtsgeb: buchen anttrortet der Römer kurz und bestimmt, mit einer gewissen beschleunigten Mund- wässcrigkeit. „Aal, Kapaun, Kuchen." Das gilt, mit einigen lokalen Schattierungen und Zutaten, für ganz Italien. Mit Essen, Trinken und Lärm feiert ber Südländer alle Feste und die Quantität der natürlichen Lustbarkeit ist der beste Wertmesser für die Bedeu- tung des Tages. Je weiter wir uns von der Ratur entfernen, um so mehr öffnet sich das Reich der Seele, um so stiller, verinnerlichter wird in Weihestunden der Jubel. Man konnte auch vielleicht Ratur mit Kindheit gleichfetzen und dann versteht man noch leichter, warum den Kindern des Südens und der Sonne das Siegesfest des Lichtes weniger zu sagen hat als uns in Frost und Schnee Erwachsenen. 3e weiter nach Süden, desto hoher und heiterer der Himmel, desto weniger Bedürfnis nach einer heime- ligen, auch von innerlicher Wärme durchschwing- len Stube. „ Ist es nicht so, daß wir erschüttert schauen in den Schein der Kerzen, während die Kinder Lärm machen und nach guten Dingen greifen? Wo der tiefere Sinn steckt, der Südländer fragt nicht und brauch nicht danach zu fragen, er auf jeden Fall ist der Beschenkte. Ergo bibamus... Das nordische Christ Und mag wissen, wo alle die Aale Herkommen. Das glitzert und glitschert, als sei an Ort und Stelle, gleich auf dem Marktplatz selber der große Fischzug erfolgt. So stürmisch ist der Andrang der einkaufenden Familienväter, (in Italien geht der Herr zu Markt, wie er auch die Ehre, in der Oeffent» lichkeit die Kinder hüten zu dürfen, für sich in Anspruch nimmt), daß die Stände und Duden die ganze Rächt hindurch feilbieten, Unb bis zu den Knien sitzen die Geflügelverkäuser in den abgerichften Federn. Unb zu Bergen türmen sich ine Riesen bomben des panettone, deä tra- dionellen Kuchens, einer Art Gugelhops, der sich besonders von Mailand aus in Lawinen über die Halbinsel ergießt. Es wäre aber ungerecht, zu behaupten, das ganze Lebensmittelgebirge werde an einem Tage vertilgt, o nein, so asketisch darf man Weihnachten nicht feiern. Der fest frohe Röömer will nicht nur am 25. Dezember fein Huhn im Topfe haben, sondern jeden Tag, bis zur Defana, am 6. Januar. So lange dauert doch die angenehme Angelegenheit! So lange sagen daher auch bie Tannenbäume auf den Straßen: Rimm mich mit! Etwas fremb nehmen sie sich ja aus, importiert, man wußte es bisher gar nicht anders, als daß sie wie andere exotische Gewächse auch mit bem Wurzel- ballen verkauft werden. Wer einen G irten hatte, konnte sie nach dem Fest einpflanzen und in ber Sonnenglut eingehen sehen wie Palmen in Londoner Gasthofkübeln. Daher sind findige deutsche Köpfe auf den Einfall gekommen, einen Teil des Schwarzwalds kurzerhand nach Rom auf das Pflaster zu verpflanzen, ohne Wurzeln. Die Christbnumstäi'der aber fehlen noch. Gott, was tut's! Die Papierrvsen und Orangen, die man dranhängt, trägt auch ein krumm stehender Daum. Unendlich geschmacklos steht so mancher Sproß nordischer Waldesherrlichkeit nun zwischen Trichtergrammophon unb unsagbaren Hausgreueln. Waldwcben und Weih n acht swe bat, der Italiener, der blindlings alles abholzt und jeden Buchfink niederknallt, versteht es nicht. Er hat das nicht, was wir ein gemütliches Hcim nennen, er kehrt dem Christbaum also bald den Rücken und geht aus Was soll man in der Ofleria oder bei Bekannten anderes tun als gut essen unb trinken? Tombola spielen! Vier Familien tun sich in der Regel bazu zusammen. Außerbem gibt es große Tombrla und Glückshäfen bei ben zahlreichen öffentlichen Weihnachtsfeiern ber Wvhl- tätigkeitsvereine. Unb auch die vielen, vielen Krippen in den Kirchen locken zum Ausgang. Die Kinder springen bie riesige Freitreppe zu Santa Maria Aracoeli hinauf und halten dort von einer Kanzel aus Ansprachen an bas wundertätige Dimbo, bas santissimo bambino. Unb bann werben im Lateran bie Kopse der Apostelfürsten ausgestellt unb bann kommt Sylvester und erklingt ber ambrosianische Lobgesang und bann capod’anno, Reujahr unb schließlich die Defana! Die Defana, bie erst ist das richtige Weihnachtsfest ber Kinder, mit unzähligen Geschenkbuden unb einem unübertrefflichen Lärm auf ber uralten, zirkush.'.ften Piazza Ravona. Da werden bie Zuckerstengel vor aller Augen aus bunten Fladen gedreht, da gibt es alle Reuerungen der französischen und deut chen Weihnachtssitten, bie man zu ben heimischen hinzugenommen hat, um bie Sache in die Lange 8U ^Das" kirchliche Rom aber wird den Weihnachtsabend dieses Jahres mit strahlendem Glanz unb historischem Zeremoniell feiern: am 24. Dezember steigt der Papst in bie Petersktrche herab unb schließt bie heilige Türe. Das heilige Jahr ist zu Enbe. Wer wirb es sein, ber nach 25 Jahren bie kostbare Kelle vertauscht mit dem öffnenben Hammer? Puppen und Puppenstuben. In biefer Weihnachtszeit wirb bie Puppe toicber zur Heldin des Tages unb fügt ein neues Kapitel ihrer uralten Geschichte hinzu, bie zu- rückführt bis zu ben prähistorischen Gräbern, in denen man steife, primitive Figürchen ge- funben hat, bie man kaum anbers beuten kann, als als Spielzeug der bamaligen Kinder. Puppen finden sich überall, wo Zeugnisse alter Vergangenheit wieder ans Tageslicht kommen: besonders reich sind die ägyptischen Altertümer-Samm- lungen an reizenden Puppen, aus bem alten Indien haben sich elfenbeinerne Figürchen gefunden, aus dem Athen des Perikies klassische Tonpuppen, die sogar bewegliche Arme und Deine hatten, und die Puppen der Römerinnen waren so wichtig, daß sie von ihren D.'siherinnen, wenn sie den Kinderschuhen entwuchsen, als Weihgabe am Altar ber Venus niebergetegt würben. Unb doch beginnt bie eigentliche Puppenherrschaft erst mit ber deutschen „Docke", — der schöne alte deutsche Raine hat sich leider nicht gegen das aus bem Lateinischen stammende Puppe behaupten tonnen. Die Docke war im Mittelalter das Hauptspielzeug für Knaben unb Mädchen; es gab Dockenhansel, Dockengäule, Dockenstuben und wohlschmeckende Pfefferdocken. Auf einer Miniatur des „Lustgartens" ber Aeb.isfin Herrad von ßanbsbcrg finden wir die älteste Darstellung deutscher Puppen; zwei Knaben halten hier zwei geharnischte Gliederpuppen an Schnüren und lassen sie miteinander fechten. Gewiß waren solche beweglichen Ritter nur Spielzeug für die Kinder reicher Leute, während sich die einfachen Dürger mit weniger kostbaren Puppen begnügen mußten, solch billiges Spielzeug ist uns aus dem 14. Jahrhundert in Nürnberg, das schon damals als berühmte Spielzeugstadt seine Erzeugnisse in ferne Gegenden versandte, erhalten geblieben; hier wurden um 1860 unter bem Pflaster zahlreiche aus Ton gebrannte Figürchen gefunden, Puppen, Wickelkinder, Reiter unb Puppengeschirr, bie in ihren Formen ben heutigen Sonneberger Spielpuppen aus Holz sehr ähnlich sinb. Manche Puppen haben in ber Drust eine kreis- runbe Vertiefung, in bie wohl von freundlichen Spendern ein Patenpfennig gelegt werden sollte. Bereits 1400 findet man Dockenmnck^- in b-m. Nürnberger Urla... .. „ , -- ..... brief der jungen Margareta Schleicher, bie sich 1584 von ihrem Vater als Reisegeschenk eine „Tlürnb.-rgcr Kronbraut" erbittet läßt erkennen, welcher Luxus sich mit ber Zeit entwickelt hatte, denn hier handelt es sich augenscheinlich um eine mit ber Brautkrone geschmückte Puppe in ber reichen Tracht ber Patrizierin. Für biese vornehmen kleinen Herrschiften brauchte man natürlich auch bie entsprechende Ausstattung, und viele Berichte zeigen, daß damit ein erstaunlicher Luxus getri:b.n wurde. Kurfürst August von Sachsen schenkte 1572 zu Weihnachten seinen beiden Töchtern, die 5 und 10 Jahre alt waren, eine P^ppenküch?, die allein an Zinngeschirr 71 Schüsseln, 40 Bratente'Ier, 36 Lössel, 106 Teller. 28 Eierschüsseln auswi?s; dazu kamen als Einrichtung Tische, Stühle, Schränke, eine Wiege aus Draht. Rähkissen, Badewanne, Barbieroecken, Schrnbzeuge und ein kleiner Hühnerhof. Aber auch der Hinweise auf ben Ernst des Lebens fehlte es nicht, denn die Küche war auch mit zwei Ruten ausgestattet, die sicher nicht nur zum Staat dahinten. Aus Puppenstuben wurden gan e Puppe-hä s r. bie sich zu wirklichen Kunstwerken von kulturgeschichtlichem Wert entwickelten Da wurden auch die kleinsten Kleinigkeiten en miniaturc nach' b.loet. Ein Dockenhaus, das Herzog Albrecht IV. von Bayern bauen lieh, kennen wir in s.i er Einrichtung noch aus den Hofkammer-Rechnungen. Es war eine richtige fürstliche Residenz mit 4 Stockwerken, die im Parterre n?ben ben Ställen auch den Weinkeller unb das Warenhaus, im ersten Stock einen Hof und Baumgarten mit einem aus- gemalten Gartensaal, dann einen kostbar dekorierten Tanzsaal, in dem gerade ein Puppenball stattsand, unb im oberen Stock einen kirchlichen Raum mit vollständiger Einrichtung, mit Geistlichen unb Musikern enthielt. Die Wände waren mit reichgeschmückten Tapeten bchängt, silberne Truhen standen in den Zimmern, unb mit Leinwand gefüllte Schränke. Solche Puppenhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts sind in verschiedenen Museen erhalten, besonders im Germanischen Museum. Das eigenartigste unter diesen Häuschen, bie ein getreues Aböild der großen Wohnungen boten, ist ein Dockenhaus, bas Anna Köferlin 1631, also mitten in ben Wirren bes Dreißigjährigen Krieges, Herstellen lieh; es war belonbers reich mit Musikinstrumenten und einer Bibliothek ausgestattet, alle bie Wunder, die es enthielt, wurden in einem Flugblatt genau ausgezählt. Auch die Anziehpuppen sind im 17. Jahrhundert aufgekommen. (Miete, Bedienung pp.) zu beanspruchen. Auch hieraus hat Miniskerialdirettor Urstadt bisher immer verzichtet. Da er öfter nach Gießen fährt, bedeutel seine Verzichtleistung ebenfalls eine wesentliche Ersparnis für die Staatskasse. Durchschnittlich erhielt Ministerialdirektor Urstadt im Kalenderjahr 1924 (seit Stabilisierung der Mark) eine Aufwandsentschädigung von monatlich 117 Rm., im Kalenderjahr 1925 (nach Erhöhung der Entschädigungssätze) eine solche von monatlich 154 Rm. Die während der Inflationszeit gewährten Entschädigungen waren bei der Auszahlung infolge der Geldentwertung meist vollständig entwertet. 2. Nach einer Bescheinigung des Landtaasamts ist es nicht richtig, daß Ministerialdirektor Urstadt „bis vor kurzem auch noch die Tagegelder eines Abgeordneten für diejenigen Sitzungen liquidiert hat, denen anzuwohnen er als beamteter Vertreter der Regierung verpflichtet war". Solange Ministerialdirektor Urstadt Abgeordneter war, 'hatte nach der angeführten Erklärung des Landtagsamts der Rechnungsdienst des Landtags keinerlei Veranlassung, die vom Abgeordneten Ur- stadt eingereichten ^agegelderliquidationen zu beanstanden, da sie weder den Bestimmungen des Gesetzes über die Tagegelder und Reisekosten der Landtagsabgeordneten, noch sonstigen Bindungen von feiten des Gesamlministeriums zuwiderliefen. Ferner wird in dem erwähnten Schreiben des Landesamts dem Abgeordneten Urstadl ausdrücklich bestätigt, daß er als Mitglied des 3. Ausschusses an den Sitzungen dieses Ausschusses teilgenominen, aber keine Tagegelder dafür in Ansatz gebracht hat. 3. Da angenommen werden muß, daß den Herren Unterzeichnern der Anfrage die gesetzlichen Bestimmungen über die Tagegelder der Abgeordneten bekannt sind, so darf in der Verquickung dieser Sache mit der Beamteneigenschaft des Ministerialdirektors Urstadl und gleichzeitigem mehrmaligen Hinweis auf „seinen hohen Gehalt" der Versuch erblickt werden, den Ministerialdirektor U r st a d t in der Oefsenllichkeit und namentlich auch in den Augen der ihm unterstellten Beamten herabzusetzen. Gegen solchen Versuch erhebe ich namens der Regierung entschieden Einspruch. Die Regierung gedenkt vor wie nach alles zu um, um ihren Sparerlassen durch das gute Beispiel der höchsten Beamten den nötigen Nachdruck zu verleihen. Die Regierung kann aber nicht glauben, daß diesem ihrem Bestreben durch Anfragen, wie die vorliegende, gedient wird. gez. Ulrich. Oberhessen. Landkreis (Pretzen. y. Dau bringen, 22. Dez. Trotz eifriger polizeilicher Nachforschung ist der vor kurzer Zeit begangene Einbruch in das der Firma S ch e i d h a u e r & Giessing in Mainzlar gehörige und im hiesigen Wald gelegene Häuschen, in weichem zum Betrieb notwendige Spreng st offe aufbewahrt und entwendet wurden, nicht aufgeklärt. Die Sprengkörper wurden vorschriftsmäßig unter Verschluß gehalten, und nur durch gewaltsamen Einbruch konnte der Zweck der Täter erreicht werden. Sollte es sich um einen dummen Streich handeln, so kann nur gewünscht werden, daß derselbe nicht gelegenUich noch sehr bedauerliche Folgen nach sich zieht. : Beuern, 22. Dez. Am Sonntagabend sprach im hiesigen Volksbildungsverein (Vorsitzender Lehrer Rau) im Saale des Christoph Wagner der Geschäftsführer des Gießener Naturheil- - Vereins, Herr Paul Scholz von Gießen, über das Thema: Rechte Ernährung — Freude und langes t Leben: falsche Ernährung — Krankheit und früher Tod. Der Redner verstand es, in kurzer Zeit die Auf- ' merksamkeit der Zuhörer zu fesseln. In leichtver- , stündlicher Weise wies er darauf hin, daß gerade unsere Landbevölkerung in der Lage sei, sich zweckmäßig und gesundheiterhaltend zu ernähren durch kräftiges, grobes Brot und sonst so wenig wie möglich verkunstelte Nahrung. Sein Vortrag gipfelte in dem Grundsatz: Zurück zur Natur und damit zur Einfachheit! An den Vortrag, der namentlich von Frauen gut besucht war, schloß sich eine Aussprache un. Der reiche Beifall legte Zeugnis darüber ab, wie gut die Ausführungen des Redners gefallen Haden. 3m Namen des Vorstandes dankte der Vorsitzende dem Redner für seine vortrefflichen Belehrungen. * 2! l b ach, 23. Dez. 3n dem gestrigen Bericht über die Bürgermeisterwahl in 2l l b a ch ist durch die falsche Auswechselung einer Korretturzeile in der Setzerei eine iln» Franziska. Boman von Liesbet Dtll. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mit Franziska war eine Wandlung vorgegangen, feit sie Mariot gegenüber spielte. Etwas 11 bestimmtes war in ihr plötzlich zum Leben erwacht, alles Unentschlossene, das Gelangweilte, Unzufriedene fiel ab, ihr träger Gang wurde elastisch, ihre Bewegungen sicher, ihre Augen leuchtend. Mit zusammengebissenen Zähnen arbeitete sie, von einer inneren Macht gestachelt, die sie bleich werden ließ bei seinem kritischen Blick unb erröten bei einem halben Lächeln, nach einem Lob verdursten und nach einem einzigen persönlichen gütigen Wort verhungern ließ. Zu einer früheren Zeit hätte der Helenaerfolg sie in einen Rausch versetzt: jetzt ließ er sie kühl. Soubrettenrollen, daS war nicht, was sie erstrebte, sie fühlte, daß sie mehr konnte. Sie ließ sich durch die glänzende Aufnahme, die ihre Helena gefunden, nicht beirren, solange man sie nicht zu den großen Rollen zuzog. lleberall hatte die Ebenhausen den Vorzug, bei der die Tageszeitungen das ausgeglichene Spiel lobten. Freilich „ausgeglichen", wenn man einmal 20 Jahre lang die Drünhilden und Isolden singt... In dem Wagnerring lieh man sie nicht zu, alle führenden Rollen waren darin besetzt, und zu den „Rheintöchtern" drängte sie sich nicht. Sie hatte sogar gebeten, sie von der Partie zu befreien. Die Elisabeth im .Tannhäuser", als sie für die Ebenhausen eingesprungen war, war ein kläglicher Mißerfolg. Für die heroischen Rollen paßte sie eben nicht. Stimmlich tagen sie ihr alle, die Höhe und Tiefe ihres weichen Mezzosoprans schienen unbegrenzt. Seit sie die neue Schule durchgemacht hatte, konnte sie mit ihrem Atem haushalten, und gegen das Tremolieren ging Mariot unerbittlich vor. Er fang ihr mit seiner weichen Stimme, die jedem Tenor Ehre gemacht, ein paarmal solche Stellen höhnisch vor, daß sie ihm hätte ins Gesicht springen mögen. Aus jeber Probe kam sie nach Hause wie betäubt. MarivtS Blick faß fest in ihr, prüfend, klarheit entstanden. Richtig ist der in Betracht kommende Sah wie folgt zu leien: „Der Gegenkandidat Otto Zimmer, der beim ersten Wahlgang mit 116 Stimmen unterlag, kandidierte bei der zweiten Wahl nicht wieder, an seine Stelle trat der Landwirt Heinrich Philipp Schäfer, welcher 99 Stimmen erhielt." i. Ettingshausen, 22. Dez. Gestern abend fand im Saale des Gasthauses Walter die Weihnachtsfeier der hiesigen Schule statt. Die Eröffnungsansprache von Lehrer Knö11, der die Er- schienenen im Namen des Schulvorstandes begrüßte, wies auf die Bedeutung des Weihnachtsfestes hin. Abwechselnd mit Gesängen zeigten die nun folgenden Darstellungen der Binder, die fleißig eingeübt waren, die Freuden des Winters und besonders die finnige Schönheit des Weihnachtsfestes. Lehrer Simon schloß' den freundlich verlaufenen Abend mit einer Ansprache, in der er aufforderte, auch anderen eine Weichnachtsfreude zu bereiten. Er empfahl den Stauf der Wohlf-ahrtsbrief- marken und kündigte eine Sammlung für die Zeppelin-Eckener-Spende an. Vs. Langsdorf, 22. Dez. Die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur hatte für gestern abend zu einem Vortrag des dentfchrussischen Kolonisten W. O. Heine über seine „Erlebnisse im bolschewistischen Rußland" in den Schulsaal eingeladen. Herr Heine, seiner Abstammung nach ein Schwabe, hat den Krieg als russischer Offizier mitgemacht und später gegen die Bolschewisten gekämpft und unter ihrer Schreckensherrschaft Fürchterliches erlitten. Der hochinteressante Vortrag, der bis zum Schluß fesselnd war, fand bei den Zuhörern großen Beifall. Was Herr Heine vorbrachte, waren Tatsachen, die dazu beitragen möchten, vor dem mancherseits gepriesenen Bolschewismus zu warnen, der unser Volk nur tiefer ins Elend bringen würde. Viel Anklang fanden auch die Lieder, welche der Vortragende nach seinen Ausführungen auf der Balalaika, dem Rationalinstrument der Russen, darbot. Kreis Friedberg. Ss. Friedberg, 22. Dez. In der Reihe der vielen hier veranstalteten Weihnachtsfeiern bildeten unstreitig das von der Jugendgruppe der Turngemcinde veranstaltete Krippenspiel von Kaiser den Höhepunkt. Zum ersten war die Dar- stellung eines solchen Spieles für unsere Stadt etwas Neues und Eigenartiges, und dann bietet unsere herrliche Liebfrauenlirche für derartige Zwecke einen Raum, wie er schöner und stimmlingsooller wohl kaum gedacht werden kann. Eine zahlreiche Zuhörerschaft folgte deshalb mit Spannung und Ergriffenheit den Vorgängen auf der vor dem Altar errichteten Empore: die jugendlichen Darsteller waren mit Feuer und Flamme bei der Sache, sowohl der musikalische wie der darstellerische Teil waren auf voller Höhe. So waren der Gemeinde in dem in Halbdunkel gehüllten, von dem Kerzenglanz der Weihnachtsbäume stimmungsvoll erleuchteten Raume einige weihevolle Stunden geboten, und es ist zu hoffen, daß der Versuch, diese so volkstümliche Kunst zu beleben, hier Nachahmung finden wird. sf. Friedberg, 22.Dez. Die gestrige Abend- sitzung der Stadtverordnetenversammlung war die letzte der seitherigen Zusammensetzung, der Bürgermeister nahm daher Gelegenheit, bei Schluß der Sitzung den Mitgliedern, besonders den aus dem Kollegium ausscheidenden, Worte des Dankes für ihre mühevolle und undankbare Aufgabe zu widmen. Aus der Taaesordnung ist das folgende von allgemeinem Interesse zu vermerken: Der seit- ber in der Großen Allee abgehaltene Wochen markt soll wieder auf dem früheren Platz auf der Kaiser st raße verlegt werden. — Eme längere Debatte, die teilweise recht erregte Form annahm, rief der Punkt der Tagesordnung betr. Verabreichung von Brennmaterial für Erwerbslose hervor. Beig. Dr. Leuchtgens referierte in feiner Eigenschaft als Landtagsabgeordneter über die Verhandlungen im Landtage. Der Landtag habe zwar eine weitgehende Unterstützung befürwortet, jedoch dafür keine Mittel bewilligt. Die Unterstützung sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Fürsorgeverbandes, aber überall seien die Kassen leer. Die Kommunisten beantragten, jeder Erwerbslosenfamilie noch vor Weihnachten je 20 Mk. auszuzahlen. Der Finanzausschuß hatte oorgeschla- gen, jeber Familie zwei Zentner Brennstoff und jeder Einzelperson ein entsprechendes Quantum zu verabfolgen. Nach längerer Debatte wurde ein Der- abwägend, scharf, es war etwas Besitzergreifendes darin. Ihr Herz klopfte, sie befand sich wie int Fieber. Von diesem Blick ging eine magische Kraft aus, die einen mit einem Schlag heraus- hob aus dem Dunkel, es war, als lodere der kurze, rasche Blick Flammen. Sie fühlt«, daß sie stieg in der Achtung der Menschen als Künstlerin. In ein Meer von Licht getaucht, lag jetzt die Welt vor ihr in unbekanntem Glanz. Die Luft, die sie einatmete, schien etwas von einem Zauber zu haben, der betäubt und in einen leichten Rausch versetzt. Wenn sie den Fuß auf die Straße setzte, auf einen Wagenschlag oder eine Treppe, wenn sie des Mittags ihre Mahlzeit im Metropol einnahm, fühlte sie aller Augen auf sich ruhen, die jungen Männer setzten das Monokel ein. Franziska hatte Furcht vor sich selber. Dor diesem stürmenden Gefühl, das in ihr arbeitete, und den Gedanken, die sie durchzuckten, wenn sie alle die begehrenden Augen auf sich gerichtet sah. Es war, als ob die Menschen in der Stadt auf sie aufmerksam geworden seien, sie kamen von allen Seiten an sie heran, sie fühlte es, wie eine Gefahr, die sich ihr nahte. Gestern war sie aufgestanden im Restaurant vor diesen sie verfolgenden Blicken, sie lieh ihr Essen stehen und ging durch die Straßen. Ein wappengeschmücktes, blanklackiertes Coup6 folgte ihr durch den Regen, sie erkannte jemand darin, dessen Augen sie oft von seiner Loge aus verfolgten. Als sie eine katholische Kirche sah, trat sie dort rasch ein. Die Kirche war matt erleuchtet, ein paar Kinder saßen am Eingang, durch den bläulichen Duft von Weihrauch schimmerte das rote Licht der ewigen Lcunpe. Ein alter Mann nahm die Spitzendecken von den Alläreit ab, .seine Dchritte hallten aus den Steinfliesen. Franziska setzt« sich in einen der Skrohstühle und verbarg ihren heißen, verwirrten Kopf mit den aufrührerischen Gedanken in den Händen. Immer wieder drängte sich ihr ein anderes Bild vor Augen... Mariot. 3n der Dunkelheit schaute es zum Fenster hinein, es sah ihr auf der Straß« aus jedem mittlungsantrag Koch, jeder Familie noch vor Weihnachten J 0 Mark und jeder Einzelperson 5 Mark auszuzahlen, mit großer Mehrheit angenommen, außerdem der Vorschlag des Finanzausschusses auf Lieferung von Brennstoff. Die weitere Regelung dieser Angelegenheit soll dem Finanzausschuß der neuen Stadtverordnetenversammlung überwiesen werden. Die Stadt behält sich Ersatzansprüche an die zur Unterstützung verpflichteten Stellen vor. — Der Ertrag der städtischen Weidenanlagen wurde, wie in den Vorjahren, der Blindenanstalt zum Preise von 4,50 Mark für den Zentner überlassen. — Die städtische Hunde st euer wurde auf 24 Mark festgesetzt, jeder weitere Hund kostet je ¥2 Mark mehr. — Die in früheren Jahren bestehende P fe r d e m a r f 11 o 11 e r i e , die durch den Krieg in Wegfall kam, soll versuchsweise wieder eingeführt werden. — Verschiedene Anforderungen für die Freiwillige Feuerwehr, Erneuerung des Schlauchmaterials und Anschaffung eines Rauchhelms, wurden einstimmig bewilligt.' — Auch in diesem Winter will die Friedberger Winterhilfe, wie in den letzten Jahren ihre segensreiche Tätigkeit wieder aufnehmen und zunächst jeden TaH 2 5 0 Portionen warmes Mittagessen an Minderbemittelte ausgeben. Es steht der Gesellschaft noch vom vorigen Winter ein kleiner Betriebsüberschuß zur Verfügung, im übrigen ist sie wieder auf freiwillige Gaben angewiesen. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 22. Dez. Wie wir bereits früher berichteten, ist in dem Schloß zu Büdingen seit einiger Zeit der Messingkäfer aufgetreten. Nunmehr wurde vor kurzem festgestellt, daß er auch in dem alten K r e i s a m t s g e b ä u d e sich eingenistet hat. Am häufigsten scheint er hier im ersten Stock sich zu befinden. 9m Erdgeschoß ist er in den Bureauräumen noch nicht festgestellt worden. Aber auch in der Mansarde in einer Wohnung hat er Schäden anyerichtet. Zur Bekämpfung der Schädlinge ist bis setzt noch recht wenig unternommen morden. Sehr gespannt ist man auf die warme Jahreszeit, da sich dann zeigen wird, ob der Messingkäfer tatsächlich auch bereits in anderen Häusern steckt, wie man jetzt schon munkelt. Zur Winterzeit ist der Schädling schwer festzustellen, da er sich dann wegen der Kälte in geschützte Winkel verkriecht und eine Art Winterschlaf hält. Das einzige Mittel, den Stäfer zu bekämpfen, ist die Vergasung. 9n diesem Falle werden sämtliche Räume des befallenen Hauses mit Blausäuregas ungefüllt. Inwieweit jedoch das Gas auch die in den Holz- wänden und unter den Fußböden sitzenden Tiere erfaßt, läßt sich nicht sagen, da man noch zu wenig Erfahrung mit der Vergasung des Messingkäfers hat. Nidda, 22. Noo. Bekanntlich ist der N a ch m i 11 a g s z u g am Samstag auf der Strecke Nidda — Schotten feit 14 Tagen um etwa 2 Stunden früher gelegt, damit den aus den Städten kommenden Wintersportlern Gelegenheit geboten ist, noch vor Eintritt der Dunkelheit den H o h e r o d s k o p f zu erreichen. Dieses Entgegenkommen der Reichsbahnverwaltung hat aber für die Arbeiter des Himinelbachschen Sägewerks den Nachteil, daß sie gezwungen sind, zwei Stunden früher mit der Arbeit aufzuhören, um den Zug benutzen zu können. Da das Sägewerk unter der Einwirkung der bestehenden Absatzkrise in der Holzindustrie ohnehin schon zur Kurzarbeit gezwungen und an jedem Montag die Arbeit aussetzt, ist der Ausfall zweier Arbeitsstunden eine weitere Schmälerung des Wochenverdienstes. Die Arbeiterschaft ist deshalb ungehalten über die Verlegung des Zuges, zumal am ersten Samstag nur 16, am zweiten nur 25 Wintersportler den Zug in Anspruch nahmen. — Die Holzhauer arbeiten haben sich durch den hohen Schnee, der seither im Walde lag und auch unter der Einwirkung des Tauwetters so rasch nicht verschwinden wird, stark verzögert, so daß in vielen Distrikten die Arbeit erst im Februar beendigt fein wird. Vielfach sind auch weite und beschwerliche Anmarschwege zurückzulegen, die gleichfalls nicht förderlich wirken. Holzversteigerungen haben noch nicht statt- gefunben. )( Ortenberg, 21. Dez. Am gestrigen Sonntag sanden hier zwei Weihnachts- veranstaltungen statt. Rachmittags um 4.30 Tlhr wurde den Kindern unserer Klein- kin der schule in der von zwei schönen Christ- bäumen hell erleuchteten Kirche beschert. Zuvor erfreuten die Kinder die zahlreich erschienenen Männergesicht entgegen, mit seinen grauen, kalten Augen, die doch so heiß aufleuchten konnten, und seinen Mund, der ihr nur Bitteres gesagt. Der Augenblick zwischen einem Vorhang und der Tür ihrer Garderobe nach der Helena- Premiere hatte alles in ihr verwandelt. Dort hatte er sie an sich gerissen, gepackt wie eine Deute, und ihr einen Kuh auf den Racken gedrückt. Sie fühlte die Stelle wie ein Feuermal brennen, jedesmal, wenn sie mit Hasse allein war. Er war so vertrauensvoll, er glaubte an das Ehrenwort der Frauen. Gott schütze mich vor einem Zurück, dachte sie. Mach' mich frei und stark, gib mir Kraft, erhalte mich ihm, betete sie. Ich will ehrlich bleiben. Franziska schaute zu der Mutter Maria aus, die auf ihrem schmalen Hauvt die goldene Krone trug. Aber diese Heilige sah sinnend und ernst auf sie herab. Ähre feine Gloriole funkelte durch die Dämmerung. An dem Altar ging ein alter Invalide auf seinem Krückstock vorüber, er bekreuzigte sich. Ein junger Priester kam durch den Haupteingang geschritten und marf der Knienden einen Blick aus seinen dunklen Augen zu, ein melancholischer, verzichtender Blick. An der kleinen, holzvergitterten Tür seines Beichtstuhles drehte er sich noch einmal nach ihr um, bann ging er zögernd hinein. Die Tür fiel Au, aber es war ihr, als schauten seine dunklen Augen sie durch das Holzgitter immer noch fragend an... Es überlief sie heiß, sie erhob sich und strich sich über die Augen. Ich mochte dorthin gehen und beichten, durchzuckte es sie, aber zu demselben Priester, der sie so angeschaut? Gott, war man Denn selbst in der Kirche davor nicht sicher? Sie floh wie gejagt hinaus. Die frische Lust einatmend, schritt he raschen Schrittes in die Dämmerung hinein... und der blanklackierte Wagen, der an der Ecke gewartet hatte, setzte sich wieder in Trab und folgte Franziska durch den Regen in die Stadt zurück. • Wenn sie jetzt mit Hasse zusammenkam, schloß sie die Augen und versuchte sich zu vergegenwärtigen, daß er es sei, sie umschlang ihn und meinte an seinem Hals, zerrissen, verwundet, Zuschauer durch Aufsagen von herzigen Ge- dichtchen und Singen von wundervollen Weihnachtsliedchen, sowie ganz besonders durch ein sinniges Glockenspiel. Die Gemeinde beteiligte sich mit mehreren Liedern an der schönen Feier. Der Ortsgeistliche dankte allen, die zu der schönen Feier beigetragen hatten, insbesondere „Tante Emma" für alle Mühe und Arbeit im zu Ende gehenden Jahr, und warb bei allen Erschienenen um neue Liebe und Tlnterstnhung für die immer noch mit großen Schwierigkeiten um ihr Weiterbestehen kämpfende Kleinkinderschule. Abends folgte bann die Aufführung des Krippenspiels „Aus Weihnachtswegen" von Wilhelm Schreiner, wohl eines der schönsten Weihnachtsspiele, das wir zur Zeit besitzen. Die Schulkinder, die das ganze Spiel unter der trefflichen Leitung von Lehrer R o ß barboten, hatten sich mit viel Liebe unb Eifer in die einzelnen Rollen hineingedacht und gaben ihr Bestes. Das Spiel wurde an passenden Stellen durch Weihnachtschöre der Kinder und Weihnachtslieder der Gemeind« unterbrochen und hinterließ einen tiefen Eindruck. Es gingen 121,96 Mk. eiif Ttr daß nach Abzug der Unfoften von etwa 40 Mk. für die Schülerbibliothek für die Glocke bzw. Kirchen- Heizung je 40 Mk. übrig blieben. Kreis Schotten. _j X? a u b a d), 22. Dez. Ein B ü r g e r v e r e i n, wie ihn andere Städte bereits eingerichtet haben, ist hier in der Bildung begriffen.-Ende voriger Woche tagte zu dein Zwecke eine größere Versammlung im Schützenhof. Malermeister Rühl ist an der Spitze des Gründungskomitees. Es sollen hier vor allem Fragen gemeindepolitifcher Art behandelt werden, wie der Anschluß an die Autolinien der Provinz, die Instandhaltung des Bürgerturms, Errichtung eines Gemeindearchivs, eines Heimatmuseums usw. Auch soll dieser Verein der Erweiterung der Volksbildung dienstbar gemacht werden. — Vorgestern hielt die hiesiae Kleinkinderschule ihre W e i h - nochtsbescherung ab. Das Gebäude dieser Schule liegt unmittelbar am Johann-Friedrich-Stift; es ist zur Zeit von gegen 60 Kindern unter 6 Jahren besetzt, die sich hier einer sorgfältigen Wartung durch eine besondere Schwester erfreuen. wg. Gedern, 22. Dez. Am Abend des 4. Adventssonntags fand im hiesigen Krankenhaus eine schlichte, aber eindrucksvolle Weihnachtsfeier statt, zu der sich neben zwei Vertretern des Ausschusses der Anstalt auch die Angehörigen der Kranken, Freunde des Hauses und auch eine Reihe von Personen eingefunden hatten, die früher im Hause während ihrer Krankheit Aufnahme gefunden hatten. In sinnvoller Anordnung wechselten mit einander ab die alten vertrauten Lieder der Weihnacht und Bibelworte. Hofprediger Widmann wies in feiner Ansprache auf den Trost hin, den die Weihnachtsbotschaft gerade den Kranken bringe. Zum Anschluß der Feier erfolgte durch Mitglieder des Jungfrauenvereins unter Leitung der Pfarrfrau die Vorführung eines auf die Höhe der Weihnachtsfreude führenden Weihnachtsspiels „Das Christkind und die Weihnachtssterne", das eine tiefe Wirkung auf alle Anwesenden ausübte. Wie leuchteten die Augen der Kranken in dankbarer Freude, als im Kreise der sterngeschmückten Engelsgestalten das Christkind erschien als Verkörperung der frohen Botschaft. Mit einem dreistimmig gelungenen Chor des Jungfrauenvereins „Wir wollen ihm die Krippe schmücken" klang die schöne Feier aus, worauf noch Rentamtfekretär Bauer im Namen des engeren Ausschusses des Krankenhauses und für die Kranken nebst Angehörigen den Veranstaltern bc Feier freundliche Dankesworte roibmete. )—( Rupperl sburg, 22. Dez. Im Herbst 1918 ft arbeit bei einer schweren Grippeepidemie von dem hier beschäftigten Kriegsgefangenen- kommanbo 8 Mann, unb zwar 3 Franzosen, ein "Belgier, 1 Italiener, 3 Russen. Die Leichen der 3 französischen Soldaten wurden nun unter Leitung eines Franzosen ausgegrabrn. Zwischenfälle kamen nicht vor. Die Leichen wurden in eichenen Särgen von einem Lastauto abtransportiert, um auf einem französischen Ra- tionalfriedhos bestattet zu werben. — Zn welch erschreckendem Maße die Arbeitslosigkeit zunimmt, erfahren auch wir in unter ent Dorfe. Der Herbergsraum im hiesigen Rathause wird saft jede Rächt von fremden „Brüdern von der Landstraße" in Anspruch genommen. In einer Rocht der abgelaufenen Woche übernachteten dort 8 Personen. ! Herchenhain, 21. Dez. Gestern abend veranstaltete Lehrer Weimer mit der hiesigen hin und her geworfen. Ihr Herz schlug heftig und rasch. Die Angst saß ihr an der Kehle und würgte sie. Ich will's ihm sagen, loderte es trotzig in ihr auf, mag er tun mit mir, was er will, ich kann diese Angewißheit nicht mehr ertragen, aber sie wagte es nicht. Mit Angst sah sie ihn an, ob er noch nichts bemerkt« von dieser inneren Zersetzung. Die ganze Wirklichkeit war wie mit Schleiern verhüllt, sie lebte wie in einem schwülen Traum dahin. Es war ihr, als trüge sie ein Ressus- getoanb, das den Körper verbrennt, aufzehrt, einhüllt. Sie war verloren, sie fühlte es. Sie hatte Träume, aus denen sie entsetzt erwachte. Der Kammersänger Stephansbrrger verließ im Frühjahr die Stabt. Ehe er wegging, waren sie einen Abend zusammen in seiner Wohnung, die Mucki war auch da. Hasse brauchte nichts davon zu wissen und wußte auch nichts davon. Das Weinglas betrachtend, das sie ihm immer wieder füllen mußten, die beiden, die er alle beide gleich liebte, wie er ihnen an diesem Abend versicherte, sagte er: „Rimm dich in acht vor diesen stillen Tigern, eines Tages wird er dir an die Gurgel springen." Franziska hielt das Sektglas gegen das Licht und sah den Perlen zu, die aufstiegen und zergingen, an ihrer Hand mit den klirrenden Armbändern funkelten der goldenen Schlange grüne Augen. Sie zuckte die Achseln. „Ich hab' ein gutes Gewissen." Der Kammersänger lächelte nachsichtig. „Jedermann ist eine Welt. Du bist eine und er stellt eine dar, aber eine andere Welt, in der man Zylinder trägt und Handschuhe, und in der um den Gegenstand des Kampfes mit ungleichen Waffen gefochten wird." „Rämlich mit echten Waffeir, nicht mit vergoldeten Pappsäb In". rief Franziska dazwischen, die, im Schaukelstuhl auf und niederwippend, an dem Mandelkuchen knabberte. „Für die Ehre der Frau würdet ihr niemals eintreten." (Fortsetzung folgt.) tm S ‘in t‘n, &g au bet iff* U"d K-.^ 7"? WO YUL Von Dill.,.^ ^nfpj^ ■ < d°S „glichen Q b°s "'hatten fi?ll""fl Don Alnen Ä"1. viel Neg. MrL7L rL?Ar k'g blieben. Schotten. ötzk^'Wr ?rrL§ „u ®,"*n »to Z i?ÄÄ *"“* «Mi *Z Pr®m Abend der 4. Ld- d^^'itfnbnus brutfsüolle Weihnachiz. neben amti Sertreiem des y die Angehörigen der Kaufes und auch eine Reihe nden hotten, die Mer im ^kheit Ausnahme Wir er Anordnung wechselten mit oenrauten Lieder der Weih^ ■ Webiaer Widmann be auf den Tros! hin, den bu krude den Kranken fri/ip. ier erfolgte durch MM ercins unter Lewnz der mng eines auf dir W der enden Weihnochi-js-ü- „Tas ihnachtsfterne", das eine iieic oefenben ausüht. ffiit leuch-- tränten in dmlburer ^reubt, ngefd)müittrn Tngelsgeftalten als yerfotpttung der frohen ireiftimmig gesungenen Chor „M wollen tym ble rippe öne Stier auv, worauf iwd) r im Namen -es engeren huufes und für dir Kumten AranMrrn W fyitr ie mdmnr. .butfl, 22. Dez. 3-Srrhh tr schweren Srippechidemic »iftigten Kriegsgefaojenm- unb zwar 3 Fran^sen. ein , 3 Aussen. Sie 2ci^ chen Soldaten tvom neZ Franzosen dubgcgiair nicht vor. Die Leichen na- jen von einem ^ut0? uf einem franzofifchen 2» et zu werden. - 3n Hb i? die ArbeitsloliS' bren auch wir in unserem iraum im von fremden ..Müdem von Unlvruch genommen. Jn -JSSA *■* ;C"' al Dez. Sestern abend mJüe fa'w n®Ä’ M 'N Vmir was er nag er NfiS t niit mehr fe UnMW 3ngft :tf.*** w fit «in.™ Katens ■ «is (*»' ,gcI WS«** '*6 6 ^*'«rX£ mch'e n^gWingl°s°< SDZ ««ÄS di. '"?L n xSr--. l»*1 erlegt. Dillkrers. energisch ein und retteten die 3 n f a f f t n der Mahnung au« dem Fenster rnS Freie. Derletzt wurde niemand. Der Brand tonnte kurz darauf gelöscht werden. ' Gerichtssaal. Strafgeld} und ärztliche Kunstsehler. LEN. Frankfurt a. M., 21. Dez. Bor der ersten Strafkammer als Berufungsinstanz fand heute ein interessanter Prozeß gegen zwei Wiesbadener Aerzte wegen versuchter Abtreibung und fahrlässiger Tötung statt. Die Beschuldigten waren seinerzeit vom Wiesbadener Schöffengericht zu 9 bzw. 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Es waren neun Sachverständige geladen. Die beiden Aerzte hatten, dem Anklage- | Protokoll zufolge, bei eiiicm Mädchen aus Winkel im Nheingau einen Eingriff vorgenommen, wobei der Darm verletzt wurde. Das Mädchen ist dann an den Folgen der Operation verstorben. Die direkte Todesursache war Bauchfellentzündung, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem vorgenomme- nen Eingriff stand. Die Anklagevertretung nimmt an, das; die beiden Aerzte aus freunb|maftlid)en Gefühlen gegenüber der Familie des gestorbenen Mädchens gehandelt haben, während die '21 ngenagten behaupten, daß das Mädchen Psychopathin gewesen, Krankhrit"stoffe im Harn gehabt, das} Anzeichen von Urämie Vorgelegen hätten, und das} eine Lungen- und Nierenerkrankung feftgefteUt gewesen fei. Das Gericht verurteilte die beiden An- geklagten nach Zlstündiger Beratung wegen 23eL Hilfe zur versuchten Abtreibung in Tateinheit mit sahrlässiger Tötung zu je 6 Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung heißt es,, daß die Anceklaaten aus menschlichen Gründen und Freundschaftlichkeit den Eingriff vorgenommen haben. Auch sei der Eingriff mit einer gewissen Heimlichkeit erfolgt. Verurteilung eines Darenhausdiebes. WSN. Frankfurt a. M., 21. Dez. Das hiesige Schöffengericht verurteilte heute den Schlaffer August S ch e u p e r wegen zahlreicher Stoffdieb stähle in Frankfurter, Homburger und Gießener Warenhäusern zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Es wurden drei Fälle als erwiesen angenommen. Ein unverbesserlicher Sünder. WSN. Frankfurt a. M., 21. Dez. Das erweiterte Schöffengericht verurteilte den Schlosser Georg Josef Segler wegen fortgesetzten Betrugs, Diebstahls und Unterschlagung zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, Segler, der feit 1901 mit geringen Unterbrechungen sich nur lm Zuchthaus bzw. Gefängnis aufgehalten hat, hat sofort nach seiner Entlassung neue Betrügereien begangen. Zuletzt gab er sich als Vertreter großer Firmen aus und schädigte zahlreiche kleinere Handwerker dadurch in erheblicher Weise, daß er sich Darschüsse zahlen ließ. Gin übler Jugenderzieher. - Darmstadt, 22. Dez. Das Bezirks- schöffengericht verurteilte nach einer unter Ausschluß der OeffeirHidjfeit geführten Verhandlung einen hiesigen Studienassessor wegen Sittlichkeitsverbrechens (§ 175 und 176 des St.-G.-B.) zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis, abzüglich 4 Monate der ilnter- suchungshast. Das Gericht lieh das Geständnis des Angeklagten als Milderungsgrund gelten; strafverschärfend zog es den schweren Der- trauensbruch gegenüber Schule und Eltern in Betracht. Verurteilte Falschmünzer. Schilderungen seiner Forjcher- und Wanderfahrten, seiner Erlebnisse unter Tieren und unter Men scheu in Afrika und Sibirien auf nahen und fernen Meeren, die frisch und bedutsam sowohl die abenteuerlustige Jugend wie auch ein geruhsames Alter fesseln werden. 74S — Aus Kaiser Karls Nachlaß (Ber- lag für Kulturpolitik, Berlin). Kaiser Karl diktierte bald nai) seiner Rückkehr von dem ersten ungarischen Aes'.aurattouLvers.ich feinem Sekretär Hauptmann Karl Werkmain Erinnerungen, die er aus losen Blättern niederzesbrieb-.n hatte. Die frühere Kaiserin und Königin Zita legte mündliche Aenderuug.n des Kaisers schriftlich fest. Aicht zur Verö.sc.ttlichung sondern um die geschichtliche Wahrheit festzulegen, wollte der Kaiser alle diese Aottzen zu einer umfassenden Darstellung vereinigen. Sein früher Tod verhinderte das. Karl Werkmann hat die königlichen Aufzeichnungen nunmehr veröffentlicht und damit ein Dokument geschaffen, das ganz neue Einblicke in die Geschichte des Kampfes zwischen dem Monarchen und dem Aeichsverweser gibt. 706 — Um Glück und Krone. Ein Mädchenbuch. Don Martin Kreuser. (Verlag Benziger & Eo., A.-G„ Köln a.RH.) — Das Buch ist für die katholischen Mädchen geschrieben. Edle Sprache, dichterisch erschaute und fein ausgewertete Bilder, । praktische Anregungen und Winke zeichnen es aus. Ein modernes, gutes Jungfrauenbuch, dem man gerade in der heutigen Zeit volle Wirksamkeit wünschen möchte. 1539 — Wir Techniker im Dollarland von A. N. Bond. Deutsche Ausgabe von Dipl.-Jng. Dr. H. Schütze. Mit 24 Tafeln und zahlreichen Abblldungen im Tert. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlags- Handlung, Stuttgart. Preis geb. 5,60 Mk. — Das hämmert und werkt in diesem Buche, daß man feinen Spaß daran hat. Wolkenkratzer und Brücken entstehen vor uns, wir rasen mit dem amerikanischen Schnellzug über die weite Steppe und lernen ihre sinnreichen Maschinen kennen. Man suhlt die Pulsadern eines rastlos arbeitenden Staates und freuen uns, luftig mittun zu können. Unsere Jungen werden sich von dem lebensprühenden I Draufgängertum anstecken lassen und mit Eifer aus dem spannend und unterhaltend geschriebenen Buch manchen Nutzen ziehen. 690 — „Der blaue Doge 1“, die im Berlage I von Otte Elsner unter Chefredaktion des Prinzen Ernst von Aatibor erscheinende politische und satirische Wochenschrift enthält in ihrer soeben erschienenen Weihnachtsnummer sehr amüsante Plaudereien von Walther Schott über das Thema: .Wie werde ich Diktator?" und von Peter Murr über „Stadt und Land". Fregattenkapitän a.D. Scheibe gibt „Stimmungen wahrhaft großer Zeit" mit Erinnerungen an die seligen Marineräte wieder. Aei.zende Derse über die Aiesenpleite und die heutige deutsche Finanzpolitik dichtet Scaevola. Aus dem weiteren reichen Inhalt seien Erinnerungen von Graf Lev Tolstoi jr. an Nikolaus II., eine Eorinthgeschtchte von Carl Bulcke, und in unterhaltendstem Ton gehaltene medizinische Plaudereien hervorge- I hoben. _____________________________ Das Neumeyer-Piano wird seit 1864 hergestellt. Für seine Beliebtheit zeugt die Tatsache, daß bisher über 60u00 Instrumente dieses Fabrikates in der ganzen Welt verbreitet sind. Alleinvertretung: Pianohaus August Förster GIESSER Bahnhofstraße 65 B Fernruf Nr. 1367 Filiale: Lieh, Butzb.Str.12. - Oegr.1876 dürfte auf einen Erfolg au rechnen sein. Man hat chon einen Fahrplan besprochen, der den Bedürfnissen entspricht. Ein Wagen soll frühmorgens von Vilbel nach Offenbach gehen und dort schon vor 8 Uhr ankommen. Um 9 Uhr ist er bereits in VN- bei zurück. Eine zweite Fahrt geht ab Vilbel 11.40, zurück 2.30 Uhr und die Dritte fährt ab Vilbel 5.10, zurück 7.40 Uhr. Eine zweite Verkehrsbesse- rung, die in der gleichen Richtung liegt, wird er- strebt, indem man die Fortführung der von Friedberg nach Hanau kommenden Züge nach Offenbach fordert. Auch diesen Bemühungen ist bester Erfolg zu wünschen. WSA. Offenbach, 22. D z. In der letzten Woche hat sich im hiesigen Bezirk die Arvetls- Markttage to:ebcrum beträchtlich verschlechtert. Zur Zeit gibt es hier 7751 Arbeitslose (Borwoche 6207) — In der Aocht zum Montag wurde die etwa 70 Jahre alte Frau Doretti aus der Feldstraße von einem unbekannten Auto überfahren. Sie wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, wo sie bald daraus ihren Berletzungen erlegen ist. Die Kriminalpolizei hat jetzt den Krasttvagcnführer Sägt) Uu8 Offenbach alS Täter erm ttelt und ihn wegen fahrlässiger Tötung f e st g c n omine n. Rheinhessen. WSA. Mainz, 22. Dez. Ein Stammtisch' Sparverein hatte sich in den letzten Zähren 30 000 Mark erspart, die dem Wirt zur Aufbewahrung übcrgJben worden waren. Dieser hatte das Geld einem hiesigen Geschäftsmann übergeben, der dem Wirte hohe Zinsen vergüten wollte. Als der Geschfütsmann einen Teil des Geldes herauszahlen sollte, stellte sich, dem „M. 3.“ zufolge, heraus, daß derselbe das Geld in sein Geschäft gesteckt hatte und es jetzt nicht mehr greifen kann. Preußen. Die Januar-Miete in Prenften. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, beträgt die gesetzliche Miete in Preu- ßen vom 1. Januar 1926 ab bis auf weiteres 84 Prozent der reinen Friedensmiete bzw. 80 Proz. bei Uebernahme der Schönheitsreparaturen durch die Mieter. Mrcis Wclrlar. Geldstrafen erhielten, hatten hiergegen gerichtlich« Entscheidung beantragt und erzielten kostenlose Freisprechung, da ihnen eine Schuld nicht nachzuweisen war, denn es handelte sich um Wagen älterer Konstruktion. Der Krastwagensührer Robert K. von Leih- g e ft c r n , der sich wegen der gleichen Uebertrctung zu verantworten hatte, — ihm waren durch polizeiliche Strafverfügung 10 Mk. jubi tiert worden — hatte mit feinem Antrag auf gerichtliche Entscheidung reinen Erfolg: denn das Gericht beließ cs bei der Strafe, da hier ein Verschulden des An- geklagten vorlag. e. Krofdorf-Gleiberg, 21. Dez. Im großen Freundschen Saale fand am Samstag nachmittag für die hiesigen Volks schulen eine woh gelungene Weihnachtsfeier statt. Die Feier, welche besonders von den hiesigen Lehrern angeregt worden war, nahm einen vortrefflichen Verlaus. Die Eltern her Schulkinder waren vollzählich erschienen. Die Kinder, die besondere Stücke durch ihre Lehrer eingeübt hatten, brachten ihr Können zur Zufriedenheit der Anwesenden zu Gehör. Aachdem u. a. Lehrer Bindewald eine dem Abend angepahte Ansprache gehalten, wurde das von Lehrer Draß mit den Kindern eingeübte Märchenstück „Die Zwergenpost" ausgeführt. Alle Anwesenden waren über die Darbietungen des LobeS voll und von dem Wunsche beseelt, doch alljährlich eine solche Feier zu veranstalten. Am gestrigen Sonntagabend wurde die Deranstaltung mit bestem Erfolg vor den Erwachsenen unserer Gemeinde wiederholt. — Die Ziehung der Turn- Hallenbau-Lotterie des Turnvereins Krofdorf (D. T.) fand im Saale des Gast- wirts Hofmann statt. Der erste Gewinn fiel auf 4884, der 2. auf 108 362, der 3. auf 107 462, der 4. auf 107 475, der 5. auf 75 679, der 6. auf 51 512, der 7. auf 76 864, der 8. auf 8620, der 9. auf 4041, der 10. auf 58 487. Es standen 120 000 Lose zum Verkauf. Leider ließ der Absatz sehr zu wünschen übrig, so daß eine entsprechende Herabsetzung der Gewinne erfolgen mußte. rlr. Dorlar, 22. Dez. Bei einer Ireibjagb in unserer Gemarkung wurden etwa 5 0 Hasen, außerdem zwei Fasanen und ein Hühnerhabicht Starkenburg. -!- Off end ach, 22. Dez. Die Herstellung einer Autobus - Verbindung von Vilbel nach Offenbach hat Aussicht auf Verwirklichung, wie bieder Tage im Offenbacher Verkehrsoerein mitge- teilt wurde. Der Briefverkehr von Friedberg nach den auf dieser Strecke liegenden Orten, ist, wie die Post selbst anerkennt, sehr umständlich. Es soll vorkommen, daß ein Brief von Friedberg nach Bergen oder Fechenheim drei Tage braucht. Ebenso läßt auch der Poketoerkehr zu wünschen übrig. Die Reichspostverwaltung hat sich deshalb an die beteiligten Gemeinden gewandt, daß sie sich an den Kosten beteiligen, und bei diesen Verhältnissen WSA. Hanau, 22. Dez. Das hiesige Schöffengericht verhandelte heute unter Ausschluß der Oesfentlichkeit gegen den 43jährigen I Metalldreher Eduards Gutmann aus Fechenheim und den 53jährigen Betriebsleiter I Wilhelm Buchholz aus Harburg, die bei der Fechenheimer Filiale der Elberfelder Kupfer» I und Messingwerke angestellt waren und vom September bis Anfang Oktober zahlreiche I alsche 50-Pfennig stücke berge ft eilt und in den Derkehr gebracht hatten. Gutmann wurde zu zwei Jahren, Buchholz $u zwei I Jahren drei Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde auf Aberkennung ber bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren erkannt. Amtsgericht Wetzlar, j ß Wstzlar, 19. Dez. Unter der Beschuldigung, ohne die polizeiliche Erlaubnis Arzneien, so- weit der Handel mit denselben nicht freigegeben ist, feilgehalten, verkauft oder an andere überlassen zu | haben, war der Heilkundige Fritz B. von K r o f - do r i durch gerichtlichen Strafbefehl mit 100 Mk. Geldstrafe belegt worden. Hiergegen erhob B. Einspruch. Die Verhandlung ergab, daß bei dem Angeklagten gelegentlich einer Haussuchung eine Menge Arzneimittel vorgefunden und beschlagnahmt worden waren. Der Angeklagte erklärte, die Firma, von der er die Heilmittel bezogen, habe ihm seinerzeit mitgeteilt, daß die Heilmittel tm Wege der Destillation hergestellt und daher frei verkäuflich seien, auch berief sich der Angeklagte auf § 67 StGB, mit der Behauptung, die Sache sei veriahrt. Durch das eidliche Gutachten des als Sachverständigen vernommenen Medizinalafseffors Sch. von Marburg sah das Gericht den Angeklagten als überführt an und erkannte auf 10 0 M k. Geldstrafe, Hilfsweise 20 Tage Hast. Eine Verjährung tarn überhaupt nicht in Frage. Der Bergmann Friedrich B. von Erda hatte sich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Gegen den ihn, dieserhalb zuerkannten Strafbefehl über 100 Mk. hatte B. Einspruch er- hoben Der Angeklagte war an einem Sonntag im Oktober d. I. in der Wirtschaft R. In angetrunkenem Zustand lief er mit geöffnetem Messer im Saal herum und bedrohte andere damit. Als der Zeuge B den Angeklagten ermahnte, dies zu unterlassen, und ihm bann, als dies nicht fruchtete, mit Entfernung aus dem Saale drohte, gerieten die beiden aneinander. Kurz nachher erhielt B. vor der Küche, als er die Tür, die von innen zugehalten wurde, mit Gewalt aufmachen wollte, vom Angeklagten mehrere (4) Stiche in die Hand. B. mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und war sieben Tage lang arbeitsunfähig. Der Angeklagte gab die Körperverletzung au. Das Gericht erhöhte angesichts der rohen Handlungsweise des Angeklagten die Strafe auf 1 5 0 M., hilfsweise 30 Tage Gefängnis, und Auferlegung der Kosten des Verfahrens. Drei Kraftwagenführer bzw. -befitzer, und zwar Wilhelm G. und Dr. med. L. von Wetzlar, sowie Louis W. von Aßlar, die wegen Belästigung der Pasianten durch zu starke Rauchentwicklung polizet- iiche Strafverfügungen über 10, 10 und 9 Mk. I. Grebenhain, 22. Dez. Dem Vorsitzenden unseres Kriegeroereins Andr. Weitzel wurde für seine großen Verdienste als langjähriger Vorsitzender des Vereins vom Präsidium der Hassia das Hassia-Ehren kreuz verliehen. -8- Vom hohen Vogelsberg, 22. Dez. Man darf wohl mit Recht behaupten, daß sich die meisten Bewohner der angrenzenden Ebenen von den Schneeverhältnissen unseres hohen Vvgelsberges keinen Begriff machen können. Menn es dort bei niederer Temperatur regnet, so schneit es bei uns in dichten Flocken. Seit Anfang November haben wir Schnee, der jetzt eine sckeich- mäßiae Höhe non ca. 70 Zentimeter erreicht hat. Wo der Wind freie Betätigung finden kann, da sind Verwehungen von 2 Meter Höhe durchaus keine Seltenheit. Sämtliche Hohlwege, Ein- schnitte der Eisenbahn usw. sind vollgeschneit. Daß das zu den größten Störungen führen muß, ist ohne weiteres klar. Der F r ü h z u g n a ch L a u ter - buch z. B. mußte schon zweimal zwtfchen Bermuthshain und Crainfeld buchstäblich aus dem Schnee ausgegraben werden. Das letztemal war es den Reisenden u. a. unmöglich, die Fenster zu öffnen, weil die Wagen vollständig n, den Schnee hi nein gepreßt waren. Maschine und Wagen mußten frei geschaufelt und tonnten erst dann von 2 Maschinen einzeln heraus- neunen werden, nachdem der Schneepflug Bahn ßeschassen hatte. Natürlich kam der Zug mit cm dreistündiger Verspätung in Lauterbach an. Dem Gegenzug erging es ähnlich. Die Bewohner der Dörfer sind richtig eingeschneit, vom Verkehr abgeschnitten, wie in der guten alten Zett. Die Verbindungswege zwischen den einzelnen Ort- schäften können unmöglich aufgehalten werden. Das Gehen aut diesen Wegen ist fast unmoglid) — bie Briefträger sind zu bedauern — und das Fahren zum mindesten gefährlich. Mehrmals schon mußten Pferde ausgegraben werden, vom umktp- pen der Schlitten ganz zu schweigen. Daß em Auto- oeriel-r bei diesen riesigen Schneemassen u n m o g • l i ch ist, wird wohl jedem klar sein. Und doch oer- suchen es immer und immer wieder einzelne hm- durchztikommcn. Nach ungeheuren Schwtertgketten müssen sie auf halber Höhe wieder umdrehen. Und dock) hat auch der viele Schnee wieder sein Gutes und Schöne s. Die Dörfer muten uns an, w.e Gebilde aus Taufend und einer Nacht. Die Hauser, Über und über mit Schnee und Nauhreif überzogen und einander zum Verwechseln ähnlich gemacht, luqen wie verzaubert aus ihrer Umgebung hervor. Und dann erst die Bäume und der Wald! Auch hier Schnee und Rauhreif in Masse auf den Zweigen, richtig dick überzuckert. Die Last ist fast zu groß, traurig hängen sie die Köpfe. Aber für den Nchur- freund ein unvergleichlich schönes Bild. Der Wald in seiner weißen Pracht und dazu d.e wunderbare Ruhe. Kein falscher Ton stört. Es ist e n wirkliches Märchen. — Seltsamen Besuch haben eben die Dörfer in der Nacht zu verzeichnen. Kaum sind Die letzten Lichter verlöscht und Ruhe und Stille liegt über dem ganzen Dorfe, so kommt das Wild, das Nahrungsmangel in die Nähe der menschlichen Vohnun^n treibt. Hasen sind ständige Gaste. Wehe dem Obstbäumchen, dessen Stämmchen nicht genügend geschützt ist. Und ttotzdem genügt auch manchmal der beste Schutz nicht. Der Schnee ist stellenweise so hoch geweht, daß die Hasen die Rtnde oberhalb des Schutzes abnagen konnten. Allent- halben sieht man Obstbäume, die die gefährlichen Nager zugrunde gerichtet haben. Außer Hasen wer- h-, sehr biiifig Rehe an den Spuren sestgestellt, und foflnr Füchse besuchen die Dörfer nicht selten. Ge- wöhtckich halten sie die Nachlese bet den Hausern, in den-m tags voryer geschlachtet worden ist Wahrend so Hase und Füchse immerhin nach hie und da "Nahrung finden, wenn auch nur knapp und durch- aus unzureichend, so leidet das R e h w > l d b i t - teren Hunger. In früheren Jahren sorgter> d e Forstoerwaltungen für Nahrung, um das Wild durch schneereiche Winter ohne Verlust hindurchzu- bringen. Man brachte Heu u. dgl. nach den Futter- Plätzen im Oberwald. Hoffentlich geschieht d.es auch in diesem Jahre — es müßte schon geschehe sein —. damit das Rehwild vor allem diesen Winter besser übersteht, wie den in 1923 24. bl. Dillenburg, 21. Dez. Die Erwerbslosenziffer in unserem Kreise ist durch die Stillegung von Werken erheblich gestiegen. Einzelne Gemeinden bereiten Notstands - arbeiten vor. — Im hiesigen Gymnasium stahl ein angeblicher Weife nb er zwei Män - tel. Es gelang, den Spitzbuben auf dem Bahnhof in Gießen festzunehmen. Matnqau. WSA. Frankfurt a. M., 22. Dez. In einer Gerichtsverhandlung sagte ein Frairksurter Kriminalbeamter aus, daß in Frankfurt a. M. die Spielklubs wie Pilze aus der Erde schießen. Kaum gehe einer ein, so tue sich schon ein anderer aus. Man zahle z. 3t. 14 solcher Klubs in Frankfurt. - In der Aacht zum 20. Dezember wurde in einer Pelzhandlung in der Kaiserstraße ein Schaufenster eingeschlagen und drei wertvolle Damenpelze tm Werte von 1850—, 1650— und 850.— Mark geraubt. — Der vor einigen Tagen fest genommene Schaukastenerbrecher FrihAein- Hard wußte es fertig zu bringen, ins K r a n - kenhaus zu kommen. Dort ist er in der ersten Nacht schon a u s g e b r o ch e n. Er konnte aber am nächsten Morgen bereits in einem (Safe in der Börnestrahe wieder fe ft genommen werden. WSA. Höchst a. M., 22. Dez. Gegenüber Pressemeldungen, daß es der Stadt Höchst ähnlich gehe wie der Stadt Dortmund, erklärt, tote WagnerS Südwestdeutscher Aachrichtendienst meldet, der M a g i st r a t der Stadt Höchst, vah dies durchaus unzutreffend ist, uno daß die finanzielle Lage der Stadt H öch st infolge der dort ansässigen chemischen Industrie stets besonders günstig gegenüber den meisten anderen Orten sei. In der betreffenden Etadtverordnetensihung ist von einem Stadtverordneten nur gefegt worden, daß heute besonders sparsam gewir.schäftet werden müsse, dwnit Höchst nicht in eine ähnliche Lage kommen könne wie Dortmund. Die günstige Finanzlage der Stadt Höchst ist wohl am besten dadurch gekennzeichnet, daß sie trotz ihrer großen sozialen Lasten mit die .niedrigsten Gewerbe st e versähe von sämtlichen preußischen Industriestädten erhebt. — In der Dreikönigstraße brach am Sonntag abend in einem der Stadt gehörenden Hause Feuer auS, wodurch das ganze Haus mit ge- loaltigem Qualm erfüllt wurde. Die hervor- brechwden Flammen sperrten den Weg zur Treppe ab, wodurch eint oü- milie mit ihren zahlreichen Kindern in die größte Gefahr geriet Glücklich^weise griffen mehrere Aachbarsleute, haupt^chlich aber zufällig vorbeitvmmende junge SportSleute, Vüchertisch. — Den tragischen Vornan Kaiser Alexanders II. schildert Maurice P a 1 ö o l o- guc, der schon durch seine Menwiren zum Kriegsausbruch bclannt gewordene letzte französische Botschafter am Zarenhof (Verlag Kurt Ehrlich, Berlin SW. 61). lieber das rem menschliche Interesse hinaus, das das Schicksal Kaiser Alexanders, der bekanntlich das Opfer einer nihilitzischen Höll n aschine wurde, und seiner Geliebten, der Prinzesjin Jurjewsktz geb. Prinzessin Do.goruty. auch heute iwch erweckt, ist die Derössent.ichung auch politisch bedeutsam, besonders auch für Die deutsch-russischen Beziehungen jener Zeit. 618 — Alfred Brehm, Polarstern und Tropen sonne. Reisen, Jagden und Tiergeschichten. cherausgea.'bcn von Earl W. Neumann. Mit -I farbigen Bildern von Karl Mühlmeister. Halbleinen. 4,50 Nm. (K. Thunemanns Verlag, Stuttgart.) Brehms klassisches „Tierleben- kennt alle Welt, nur wenige aber wissen bis heute, daß dieser Meister der Tierschilderung zugleich ein berühmter Forschungsreiscnder war, der den sechsten Teil seines Lebens in fremden Erdteilen zuge- bracht hat. In vorliegendem Werk bietet nun Carl W. Neumann eine beachtenswerte Auswahl der D o l k s s ch u l e im Saale der Wirtschaft Adolph eine W e i h n a <6 t s s e i e r , die von den Ge- meindeangehörigen sehr gut besucht war und einen schönen Berlaus nahm. 2m Mittelpunkt der Feier standen zwei Weihnachtsaufsührungen, die von den Kindern durchweg gut gespielt wurden. Das eine zeigte das Weihnachtssest als das Fest der Kinder in seinem strahlenden Lichterglanz. Dieses Stück hatte Lehrer Weimer selbst zum Verfasser. Umrahmt wurden die Aufführungen von Gedichten und Liedern der Schulkinder. Ansprachen hrelten Lehrer Weimer und P arrer Fritsch. Alles in allem ein schöner Abend, der den Kindern in erster Linie wohl für immer im Gedächtnis bleiben wird. Darum fei allen denen Dank gejagt, die sich um das Zustandekommen des Abends verdient gemacht haben, vor allem aber Öen Herren Lehrer Weimer und Heinrich A i e ß 7. £rcie Alssclv. »Windhausen, 22. Dez. Der bekannte Kunst- maler Barnas, der früher in unserem Dorfe wohnte, fid) aber vor mehreren Jahren .in L a u - bad) angesiedelt hat. hat eine kolorierte Zeichnung eines Wappens für unser Dorf angefertigt. Dieses Wappen, das in meisterhafter Weife entworfen und ausgeführt ist, lehnt sich an das Wappen des m Winnerod bei Gießen 1612 ausgestorbenen '-Kitter- geschlechtes derer von Windhausen an; es ist em sogenanntes „Redendes Wappen". Der Schild ist qucrgetcilt. Im oberen Teil sehen .wir einen sog. „wachsenden Löwen" (ein Löwe, von dem nur der obere Teil sichtbar ist), im unteren Teil erscheint ein V-ch. Diese Herren von Windhausen sind eine Seitenlinie (oder besser gesagt: ein Ableger) des alten Geschlechtes derer von Oueckborn gewesen, die schon 1239 auftreten. Wie wir hören, ist der aus- führende Stünftler Karl Barnas ein Schuler des Berliner Heraldikers Düpier gewesen. zrrcis L^ut-rbach. EmmericherWaren-Expedition 8518D Gießen, Lindenplatz 1 Kaffees in Altsiiberdose. Echt blau Java-Kaffee einschl. Dose A Oft sehr aromatisch und voll..........Mk. *7«ÜU Echt gelb Java-Kaffee mit Dose fi apart und kräftig ..............Mk. Kaffees ven Efik. 2.60 bis IHR, 4.80 Ein Weihnachtsgeschenk soll in angenehmer Weise an den Geber erinnern, •ängereZeit den Beschenkten erfreuen, aber nicht allzu teuer sein, dem entsprechen unsere MUMWMW- ZUW-WU Unsere Geschäfte sind nur am 2. Feiertag von 8-12 Uhr geöffnet. H947D Der Vorstand. Damenfrisieren Schampunieren eiektr. 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Die Verlobung ihrer Tochter Sophie mit Herrn Wilhelm Neumeyer, Gutsbesitzer zu Winnerod, beehren sich anzuzeigen Ludwig (Eiemm und Frau Lene geb.Werner Meine Verlobung mitFräulein Sophie Clemm, Tochter des Herrn Kammerrat Ludwig (Clemm und seiner verstorbenen Frau Gemahlin Sophie geb. Zimmer zu Winnerod, beehre ich mich anzuzeigen Wilhelm Neumeyer | Winnerod, den 16, Dezember 1925 I1958D r Einzel-Möbel Polstermöbel Teppiche 11221c Teilzahlung gestattet. Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer Küchen Billigste Preise. Möbelfabrik Carl Stückrath Asterweg 47 • Steinstraße 56, 58, 60 Haltestelle der elektr. Straßenbahn Asterweg (grüne Linie) Ihre Verlobung beehren sich bekanntzugeben: ! Lini Klemmrath Alfred Männche Liebigstr. 84 Gießen Wilsonstr. 15 r Weihnachten 1925 ___________________________1198‘2P I » Bauet WtSetosorrÄtJ. Samstag, 26. Dezember (2. Weihnachtsseierlag) abends 7 Uhr na84c Weihnachk-Zeier im Saale des Gesellschastsvereins. Mitglieder haben gegen Dorzeigen der blauen Mitgliedskarte Zutritt, Gäste nur, wenn sie im Besitze einer Einlatzkarte sind. Am 1. Weihnachtsfeiertag vorm. 10*/2 Uhr Frühschoppen im Vcreinslokal, Universitäts-Restaurant, Plockstratze 7. Um zahlreiche Beteiligung, auch der paff. Mitglieder, wird gebeten. Kokos-Teppiche, Läufer Vorlagen, Matten Tapetenhaus OttoTäubert Seltersweg 70 :: Fernsprecher1326 1l4G4a Gmll St-mcli, (Stegen. BierotoBhsnBüing unö Gisioötil Johannis-Bräu (hell) W | MsW KM ■■■■ Gratis ass äriimpis, KIÄKKÄM» in eiesante Geschenkkartons! 1,9563 Für den^tK f Weihnachtstisch^^ S SeiehenkpaekaaBen In 1 f In-undausl Parfüms ' eine Toiletteseifen. Köln Wasser Gegenüber a.4711 prystall Zerstäuber, fein- iToilettepnder, Haar- und L Mundpüege-ArtikeL 1 \Drogerie Winterlioff J IreaxplaltStLlO 11307a Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. ß wurde heule bei der Firma Teneriffa Aktiengesellschaft Zigarettenfabrik in Giehen folgendes eingetragen: Direktor Georg Schminke in Giehen ist aus dem Vorstande aus und Dr. Karl Dönges in Giehen in den Vorstand eingetreten. Dr. Dönges ist allein zeichnungsberechttgt Die Prokura des Kaufmanns Bernhard Schweer und des Kaufmanns AicvlaS tzarlzides ist erloschen Prokura ist erteilt dem Dr. Heinrich Hemeher. Diplom-Kaufmann, dem Kaufmann Karl Bonarius, dem Kaufmann Otto Wiesemann alle in Giehen und zwar derart, dah jeder von ihnen in Gemeinschaft mit einem anderen Prokuristen zur Vertretung der Gesellschaft befugt ist Giehen, den 15. Dezember 1925. Hessisches Amtsgericht. 119498 Allgemeine Ortskranken, kaffe Gießen Stadt. Die rückständigen Beiträge zurKranken- kaffe. Invaliden- und Erwerbslosenversicherung für den Monat Avvember 1925 können noch bis zum 29. Dezember VS. IS. ohne Kosten bezahlt werden. Aach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann DienStagS von 8 bis 1 Uhr bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto, Amt Frankfurt a. Main Ar. 10833 erfolgen. Giehen. den 21. Dezember 1925. Hinkler, Rechner. 11954c -as altbewährte, gute Wollgarn für M M W I: •.-'XX-' Fi Strümpfe und Socken Sportjacken, Westen ufw. in den verschiedensten <2iuaUläten, modernsten Soeben und in ollen Preislagen Überall erhältlich l fiuf Wunsch werden Handlungen nochgewiefen I Mau achte auf öie Schutzmarken l Dii & / 1 a k» i* £ci Suchen Sie in auswärtigen Blätieru ‘«"h Personal Stellung Kapital Wohnung oder wollen Sie etwas kaufen ob. verkaufen. dann inserieren Sie durch ftorin Mockstraffek 9"l|U, Tel. 133ö. Umständehalber verkaufe ich meine MMklm fflt jnneoiönnie Bezirk Heffen und Heffen-Nassau, die in l/i Jabr ca. chuhen: und Linienschiffen mit. 42-Zttn.-Kalibern machtlos sind. Der japanische Kriegshasen Iokvsuka ist mir 1360 Meilen von Guam entfernt, das ja der Schlüssel zum westlichen Teil des Stillen Ozeans ist und die Philippinen völlig beherrscht. Zahlreiche Stützpunkte in den japanischen Kolonien sind noch näher an die amerikanischen 3Mit3uu * gen herangcschoben, fo liegt Formosa nur 500 Seemeilen nördlich der Philippinen. Japans Stellung im Fernen Osten ist also durch eine natürliche Lage mächtig begünstigt. Es hat sich aber auch schon lange darauf eingestellt, daß für die äußerste Verteidigung feiner Interessen nur ein Seekrieg unter riesigen (Sntf cm trugen in Betracht kommen wird. Seine Seestreitkräfte vereinigen, mit größter Schnelligkeit einen außerordentlich großen Aktionsradius, während z. B. die Mehrzahl der englischen leichten Kreuzer, für die Rordsee bestimmt und im Krieg erbaut, für einen Kampf im Fernen Osten natürlich weniger geeignet linb. Durch das neuerliche Zusammengehen mit Rußland hat Japan auch aus dem asiatischen. Festlande eine neue Kampfbasis erhalten, die die Bedeutung Hongkongs für England erheblich vermindert. Im Kriegsfälle wird Hongkongs Los nicht besser sein als das von Tsingtau. Obwohl die Konferenz von Washington die Reuanlage von Befestigungen in einer gewissen Zone im Pazifik untersagt hat, sind die Aus gaben der beteiligten Mächte für „Heberhvlung der Befestigungen ganz gewaltig^ Das amerikanische Marinedepartement will 'bis 1942 nicht weniger als 155 Millionen Dollar für Befestigungen auswerfen. Japan hat noch vor Abschluß des Washingtoner Abkommens im Jahre 1921 in Tag und Rächt durchlaufender Arbeit die Donin- inseln verstärk und ausgebaut und gibt auch beute' beträchtliche Summen für derartige Zwecke aus Selbst Holland hat nahezu 300 Millionen Mark bis 1928 für Befestigungen seiner indischen Kolonien in den Haushalt eingesetzt. Gine enge Zusammenarbeit mit der englischen Flotte wird sich für Holland im Falle von Verwicklungen im Fernen Osten naturgemäß ergeben, ba Japan der gemeinsame Feind ist. Japan hat ohne Zweifel die besten Aussichten, iw Falle eineS Krieges zunächst Alleinherrscher hn Fernen Osten zu werden. Auch wenn die amerikanische Flotte sofort mit Kriegs beginn auSlaufen würde, käme sie erst 5 Tage später als die japanische vor Guam an, dessen Oelvorräte sie in japanischen Besitz oder zerstört vorfinden würde. Sie wäre ohne Oel verloren. Daher bleibt für Amerika keine aribere Möglichkeit, als langsam mtt einem riesigen Aufwand von Transport- und Dorratsschiffen nach Westen vorzudringen und dabei alle kleinen Inseln als Zwischenstütz- pu-ntte einzurichten. Mindestens ein halbes Jahr müßten sie die Japaner im unbestrittenen Besitze GuamS und der Philippinen lassen, eine Zeit, die genügen würde, um aus diesen beiden Inseln eine japanische Festung zu machen. Dies zu verhindern ist eine wichtige Sorge der englischen und amerikanischen Marinesachverständigen und Politiker. Ein Blick auf eine Vorkriegslarie von Amerika zeigt, daß Oie Masse der amerikanischen Befestigungen biS Kriegsende an der Oft- küste lag. Jetzt wird nur noch auf der vazifisti- pälschen Hochfinanz von der Gewährnua der zum arofjen Teil zu kriegerischen Rüstungen bestimmten serbischen Anleihe abrät und Serbien unter War- nung von chauvinistischen Aspirationen aus die Unvereinbarkeit seiner Rüstungspläne mit den an Oesterreich-Ungarn gemachten Zusicherungen hin- schen Inseln, sondern , Tochterstaaten in jedem Teile der Welt, mcht zum wenigsten im Fernen Osten, verantwortlich Hinsichtlich des neuen Flottenstützpunktes denkt die Regierung an die Zukunft. Wie freundschaftlich man auch mtt dem (Nachbar in jenen Gegenden sichen möge, es ist undenkbar, wenn die Regierung als die Hüterin der Reichssicherhett davauS den Schluß ziehen wolle, daß wir dauernd mtt jedermann auf freundfchaftlichem Fuße stehen ihr Ginfiedlerruhm zu verblassen anfing, denn Scharen von Katzen, die sich auch nicht schlecht aufs lautlose Klettern verstanden, wählten wie alle Jahre die Dächer zu ihrem Tummelplatz. Fifi fand es unter ihrer Würde, kratzend und schnuppernd an den Erkerfenstern zu erscheinen, trenn das gewöhnliche Katzenvolk dasselbe machen konnte. Als elegante und vornehme, in geheimen Künsten erfahrene Katze betrachtete sie jene hausbackenen Miezen und Mirmis aus Fleisch und Blut, die sich von Hühnereingeweiden und Käsekrusten nährten, mit jener angeborenen Hebet* legenheit, die sie schon bestimmt hatte, der Ge- sellschaft der Spielsachen zu entfliehen. Dafür hatte sie nun ihre melancholischen Stunden, wo sie unter ihrer Einsamkeit litt. Diese zwiespältige Gemütsverfassung findet man nicht selten bei Gummikatzen. Sie verleitet sie sogar oft zu Selbstmordgedanken. Aber das Schicksal will, daß ihnen der Tod niemals gelingt, denn ist es schon für Katzen aus Fleisch und Blut schwierig, bei einem Sprung vom dritten Stock herunter ums Leben zu kommen, so geradezu unmöglich für Gummikatzen. Sie schürfen sich dabei noch nicht einmal das Fell ab. Rachdem sich Fifi selber davon überzeugt hatte, beschloß fic mutig, weiterzuleben. Jedoch, sagte sie zu sich selber, ist es nicht mehr wie billig, daß ich für diesen heroischen Entschluß, die Langeweile weiter zu ertragen, entschädigt werde. Run sagt einmal selber, gibt es etwas Lustigeres, als dem lieben Rächsten einen Streich zu spielen? Gewiß, wohlerzogene Personen tun das nicht, und fo werde ich mich schön hüten, euch dazu anzustiften. Aber Fisi hatte keinerlei Erziehung genoffen. Sie war ohne Familie, strömte nach Belieben, sie war egoistisch wie alle Katzen. Ich finde, bah es unter diesen Umständen schon sehr anständig von ihr war, wenn sie sich vornahm, die ehrlichen und arbeitsamen Bürger ungeschoren zu lassen und sich bloß diesen Abraham Schloß aufs Korn zu nehmen, den fle aus verschiedenen Gründen haßte, vor allem deshalb, weil er an ihrer Einsamkeit schuld war. Fisi fetzte sich also in den Kops, den Abra* Ham Schloß das Leben gründlich zu versalzen. (Fortsetzung folgt.) material zu vervollständigen, und wie empfindlich sie gegenüber dem Versuche ist, ihr hier Schwierigkeiten in den Weg zu legen, beweist ein dieser Tage erschienener Artikel des osfiztösen „Odjek", der sich Seinen kürzlich in der Londoner „Financial ” erschienenen Aufsatz wendet, der der europäischen Hochfinanz von der Gewährnua der zum aronen Teil zu kriegerischen Rüstungen bestimmten ES mag sonderbar erscheinen, daß unter so vielen vernünftigen und unvernünftigen Ansichten und Vermutungen, die man hören konnte, nicht eine den Fall Peter Tand mtt den rätselhaften Vorgängen in Zusammenhang brachte. Und doch war nichts Sonderbares dabei. Denn Peter Tand war ein armer Teufel und deshalb, wie eS in solchen Fällen geht, schnell vergessen worden. Er tag hn Gefängnis, wie es sich für einen Dieb gehörte, tote sollte da jemand auf den Gedanken kommen, einen so alttaglichen Fall ander« als alltäglich zu betrachten. Auch cm die Kinder des Puppenpeters erinnerte man »ich kaum mehr oder wollte sich nicht ernmern. Es hatte ja zwar geheißen daß es der kleine Otto gewesen sei. der mit seinem bösen Wort die Rache des Pelzmäriels herausgefordert ha^, aber diese Begründung schien den wenigsten stichhaltig. Wie könnte sich eine Persönlichkeit vom Range deS Pelzmäriels durch einen kleinen Spitzbuben, den Sohn eines Diebes beleidigt fühlen! So urteilten alle mit der üblichen Ungerechtigkeit und sprachen auch von Otto nicht mehr. Rur Gevatter Franz und Gevatterin Eor- nelia dachten sorgenvoll Tag irnd Rächt an die zwei Kinder. WaS mochte nut auS ihnen geworden fein? Jede Befürchtung über ihr dunkks Schickfal fdjten gerechtfertigt, und doch durfte man sich nicht einmal den besten Bekannten an- vertrauen. Den Rachbarn hatten fte erzählt, sie hätten die Kinder aufs Land zu Verwandten geschickt, zitterten aber bei dem Gedanken, die Bürgerschaft könne Verdacht schöpfen. Und diese Angst war nicht unberechtigt, denn wenn einmal Öa« Verschwinden der Spieuoaren und des unterirdischen Ganges mit dem Verschwinden von Kindern in Zusammenhang gebracht wurde, fo lag weist. Nimmt man zu diesen Symptomen, die auch von dem Kaiserlichen Botschafter in Wien gemeldeten, von Rußland teils inspirierten teils unterstützten eifrigen Bemühungen der hiesigen Regierung zwecks Herbeiführung eines engen Zusammenschlusses mit Bulgarien und Montenegro, die Wiederaufnahme des Prozesses gegen den angeblichen Spion Müller, sowie die lebhaften Bemühungen Serbiens, sich vom österreichisch-ungarischen Markte unabhängig zu machen ... so wird man sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß politisch wie wirtschaft- lich Serbien für Oesterreichs auswärtige Politik — vorläufig wenigstens — einen wunden Punkt hübet, dessen Behandlung an die Klugheit und die Vorsicht unseres Bundesgenoffen große Anforderungen stellt, zumal die Tripelentente, namentlich Rußland und England, in pflichtmäßigem Eifer bestrebt sind und bleiben werden, die Wunde offen zu halten und zu verfchlimmern, um den Dreibund und vor allem das Oesterreich-Ungarn am enaften befreundete Deutschland zu schädigen und zu schwächen und dadurch der angeblichen „deutschen Gefahr' wirksam entgegenzuarbeiten. Reichenau. Die grohserbtsche Bewegung wurde durch die allgemeine russische Unterstützung ermutigt, allen momentanen Rückschlägen zum Trotz bis zur Stunde der Erfüllung auszuharren. Wenn sich auch die Regierung in Petersburg noch •) „Die Gr o ß e Politik der Europäi- jchen Kabinette 1871—1914." Sammlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amts ßerausgcgeben von Johannes Lepsius, Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Thimme. Fünfte Reihe. Erste Abteilung: „Weltpolitische Komplikateionen". Band 26—29 (6 Teile). Im Berlage der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W 8.______________ im Laufe dieser Geschichte begegneten, hatte sie gerade Händel mtt Krachaus. „5hi willst auf die Dächer auskneifen“, hatte er geschrien. „Und du willst dich Wiesenstelz an den Schwanz hängen“, hatte sie zurückgegeben. And beide hatten damit, wie wir gesehen haben. daS Richtige erraten. Rachdem es Fift geglückt war die Aufmerksamkett des Pelzmärirls abzulenken und auf das nächstbeste Dach zu entwischen, führte sie ein fröhliches Vagabundenleben. Das war einmal etwas fo ganz nach ihrem Gefchmack. GS war ja jetzt zwar Winter, aber waS kümmerte sie der Schnee! Sie hatte Gummi- vfötchen. Frei und ungebunden streifte fte nach Herzenslust auf den abenteuerlichen Giebeldächern herum, schlief, wo es ihr paßte, steckte überall die Rase hinein, stöberte hier etwas auf, schnüffelte dort ettvaS auS, spionierte, wo e« erwas zu spionieren gab. Keinen Wunsch brauchte sie sich zu versagen. Immer die Ohren gespitzt und den Schwanz wachsam gegen den Wind gestellt, war sie über alle«, was in der Stadt vorfiel, auf dem kaufenden. Riemand gelang cs. sie zu fangen. Von Haus zu Haus sprach sich's herum, daß eine schöngetigerte Katze mit einer Geschicklichkett ohnegleichen lautlos aus den Dächern herumspaziere und wie ein Schatten von Sims zu Sims gleite. Richt selten erschien sie kratzend und schnuppernd an einem Erkerfenster, aber sowie sich eine Hand herausstreckte, um sie beim Wickel zu kriegen, war sie tote ein Spuk verschwunden. Zu verwimbern gab es da ftetlich nichts, denn Fift war ja aus Gummi und hatte zudem nicht nur immer gespitzte Ohren und einen wett erkundigen Schwanz, sondern auch eine Feder im Bauch, die ihr blitzariige Sprünge ermögllchte. Äur^ es war eine mit übernatürlichen Fähigkeiten auSgeftattete Fisi, eine magische Katze. Hnd doch, der Lag kam, wo ihr bas Herum- treiben verleidet war. wo sie sich nach Gesellschaft sehnte. Sie ertappte sich immer öfters dabei, wie sie von einem hohen Karnin au« nach den Störchen Ausschau hielt, nach Liesel und Otto und ihren Spielgefährten. Dazu kam noch, daß mit dem Fortschreiten der schönen Jahreszeit zurückhielt, so redeten die Kundgebungen der immer mächtiger werdenden Panslawisten eine um so deutlichere Sprache. Wie weit bereits im Sommer 1909 die letzten Gedanken dieser Kreise, deren Bedeutung für die Entstehung der Atmosphäre, aus der 1914 das Attentat von Serajeroo und schließlich der Weltkrieg hervarging, kaum unterschätz, werden kann, gingen, betont das folgende Zirkular, das zur Kenntnis des deutschen Botschafters in Wien gelangte: Der Geschäftsträger in Wien Gras Brotfborff- Rantzau an den Reichskanzler von Bethmcmn- yollweg. , Ausfertigung. Wien, den 2d. Juli 1909. Der Gewährsmann der Kaiserlichen Botschaft hat vermöge feiner vielseitigen Beziehungen von einer Stelle, die er für durchaus zuverlässig hält, Einsicht in ein geheimes Zirkular erhalten, das von dem Exekutivkomitee der vor kurzem in St. Petersburg beendeten Slawenkonferenz an alle slawischen Organisationen in den slawischen Ländern und an sämtliche slawischen Regierungen auf der Balkanhalbinfel gerichtet worden ift lieber den Inhalt dieses nicht unintereffanten Aktenstückes teilt der Gewährsmann mir nachstehendes mit: „Rußland ist im Begriffe, die Mängel feiner militärischen Organisation, die der japanische Krieg enthüllt hat, sowie die Unzulänglichkeit feiner inneren Verwaltung, die durch die freiheitliche Bewegung aufgedeckt worden ist, durch eine gründliche Refonntätigkeit zu sanieren. Bis dieses doppelte Werk der Konsolidierung vollendet ist, müffen die slawischen Völker Geduld haben imd m ihrem Vertrauen auf Rußland ausharren. Die Delegierten der slawischen Völker, die anläßlich der lüngsten Slawenkonferenz in Petersburg und Moskau waren, haben sich an Ort und Stelle überzeugen können, daß alle Schichten der rufsischen Gesellschaft von dem Wunsche beseelt sind, Rußland möge seine Mission als Schutzmncht der Slawenwelt kräftig in die Hand nehmen. Serbien und Montenegro müffen sich bereit hatten, um durch Okkupation des Sandschaks von Rowibasar ihre Vereinigung zu vollziehen und nach Bosnien und der Herzegowina einzudringen. Gleichzeitig muß sich Bulgarien daraus oorbe- reiten, die Grenzen einzunehmen, die ihm der Frieden von San Stefano zugestanden hat, und sich bis vor die Tore von Konstantinopel auszu- dehnen. Rußland mit seinem Militärbudget von nahezu zwei Milliarden Frank und seinem Friedensstande von etwa anderthalb Millionen Mann repräsentiert eine Militärmacht, der der Austro-Germanlsmus nicht Ebenbürtiges entgegenzustellen vermag. Die 100 000 Mann, die Rußland auf den Schlachtfeldern der Mandschurei verloren hat, fallen gegenüber seinem jährlichen Bevölkerungszuwachs von nmb drei Millionen Seelen nicht ins Gewicht. Da» jungtürkische Regime wird sich nicht lange behaupten können, und die Liauidierung der Türkei ist viel näher als man glaubt Dann wird der Moment gekommen fein, wo Rußland im Vereine mit den übrigen Slawenvölkern in Aktion treten muß, um die flämischen Ideale zu verwirklichen und um zu verhüten, daß der Auftro-Ger- inanismus die Liguidation der Türkei zu seinem Vorteile ausnützt. Die jüngste Eroberung der Stadt Konstantinopel durch die Jungtürken hat gezeigt, wie spielend leicht man sich der türkischen Hauptstadt bemächtigen kann, wenn ein konzentrischer Angriff vom Schwarzen Meere und von der Balkanhalbinfel aus erfolgt. Inzwischen müssen alle slawischen Volker sich solidarisch aneinanderschliehen und sich insbeson- bere auch wirtschaftlich zu kräftigen trachten. Sie müffen den deutschen Handel und die deutsche Industrie durch einen radikalen Boykott aus ihren Gebieten herausdrängen. würden." Richt weniger ritt eres sunt ist die örtoi Gerung, die ihm Der japanische Außenminister auf diese Worte erteilte: „Japan hat sich mtt England über Singapore nicht verständigt Der Plan läßt sich durch das Erlöschen des englisch-japanischen Bündnisses rechtfertigen. Er widerstreitet in vielen Beziehungen dem Geist de« Washingtoner Vertrages. Wer das ist eine innere Angelegenheit Englands. Japan hat daher nichts zu sagen. In den englisch-japanischen Beziehungen ist nichts, was einen derartig weitreichenden Plan nötig macht Diese beiden Aeuherimgen beleuchten grell die Situation im Fernen Osten. Die Washingtoner Konferenz hat bis zum Jahre 1932 den Besitzstand an Grohkampfschifien für England, Amerika und Japan festgelegt im Verhältnis 5:5:3. Da die ganzen Probleme des Pazifik in erster Linie durch den naturnotwendigen, niemals zu unterdrückenden AusdchnungSLrang Japans entstehen, ist es selbstverständlich, daß diejenigen Mächte, die wertvollen, aus der Ferne schwer zu schützenden Besitz in Oftafien haben, nämlich England, Amerika und Holland zur gemeinsamen DGV. Die Hoffnung Oesterreichs, durch die Annexion Bosniens und der Herzegowina die serbische Agitation in der Wurzel zu treffen, erfüllte sich nicht Die folgenden Dokumente, die wir dem in Kürze erscheinenden 26. Bande der Großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amis*) entnehmen, zeigen die inneren Vorbehalte, mit denen die serbische Regierung ihren Rückzug in der bosnischen Frage vollzog, sowie das Fortdauern der irreben- tisnschen, den Bestand der Donaumonarchie bedrohenden graßserbifchen Bewegung. Der Gesandte In Belgrad, von Reichenau, an den Reichskanzler Fürsten von Bülow. Ausfertigung. Belgrad, den 22. Juli 1909. Je mehr ich durch Beobachtung der serbischen Preße sowie durch Gespräche mit Kollegen und hier ansässigen, die Verhältnisse kennenden Personen versus, mir ein Bild von der hiesigen Lage zu machen, desto mehr werde ich in der Ansicht bestärkt, daß Oestereich-Ungarn in seinem Verhältnis zu Serbien nicht am Ende, sondern oielmeyr erst am Ansang der Schwierigkeiten steht. Man . . . kann und will sich hier in gekränkter Nationaleitelkeit nicht damit bescheiden, daß die Vernichtung der Aspirattonen auf Bosnien und die Herzegowina eine unverrückbare geschichtliche Tatsache geworden ift, das heißt mit anderen Worten auf Schädigung Oesterreich-Ungarns erwachsen sei . . . Die Regierung selbst ist, wie ich bereits zu melden die Ehre hatte, ernstlich bestrebt, ihr Kriegs- fchen Front gebaut SHc Westküste und die ihr vorgelagerten Inseln werden als Operationsbafis hergerichtet. Auf Hawaii steht schon im Frieden eilte ganze aktive Division, also der sechste Leit des stehenden Heeres' nichts kcnm besser diesen Hauptstützpunkt kennzeichnen, der bei Operationen in Ostasien die rückwärtigen Verbindungen der Flotte um ein Drittel verkürzt. Weder Japan noch England und Amerika Hnb heute gewillt, in einer neuen Abrüstungskonferenz ihre Macht, die zur Lösung der Ostprobleme vorerst nicht ausreicht, weiter zu schwächen. Die Presse der verschiedenen Der- ragstpartner spiegelt reges gegenseitiges Mißtrauen gegen die Durchführung der Abrüstungs- mahnahmen wieder. Die Sperrzone, deren eigentlicher Zweck doch der Schuh der eigenen Küsten und Besatzungen vor fremden Angriffen sein sollte, verhindert nicht den Dau eines neuen Befestigungsgürtels am Rand der Zone. Wenn sich die vertragschließenden Mächte den gegenwärtigen Besitzstand im Ernst garantiert hätten, wozu dann fieberhafter Reubau und dauernde LI Verholung von Befestigungen? Reuerdings sollen die Engländer auf Ceylon den Bau einer weiteren großen Kohlen- und Oelstation planen. Rach englischer und amerikanischer Ansicht ist das „Gleichgewicht der Mächte rm Pazifik" keineswegs hergestellt, unb man muß dieser Ansicht bertreten. Japan ist noch auf Jahre hinaus im Fernen Osten die stärkste Macht, der die durch den japanische Ausdehnungsdrang bedrohten fernerstehenden Mächte vorerst nichts Ebenbürtiges entgegenzustellen haben. Wirtschaft. Die Spareinlagen in Deutschland Die vom Statistischen Reichsamt zum erstenmal für den Monat September 1925 durchgeführte Reichsstatistik der Sparkasteneinlagen gibt die Möglichkeit, den Stand ber Spareinlagen für ganz Deutschland festzustellen, während bisher nur Ziffern für einige Einzelstaaten Vorlagen. Die Reichsstatistik weist für Ende September Spareinlagen in Hohe von 1375 Mill. Reichsmark und Giroeinlagen in Höhe von 862,1 Millionen Reichsmark auf, wobei zu berücksichtigen ist, daß für Baden und Thüringen die Angaben unvollständig sind, und beim Freistaat Sachsen die Giroeinlagen fehlen. Auf Preußen entfallen von dieser Gesamtsumme 948 Millionen Spareinlagen und 608,4 Giroeinlagen-, danach besteht auch jetzt das gleiche Verhältnis zwischen den preußischen und außerpreußischen Spareinlagen wie in der Vorkriegszeit: es betrug damals in Prozenten ausgedrückt ungefähr 67:33 und heute 68,9:31,1. Preußen hat demnach seinen Anteil an der Kapital- bildung behauptet, trotzdem es durch den Friedensvertrag den relativ größten Verlust an Gebieten und Einwohnern erlitten hat. Der monatliche Zuwachs im Sparverkehr betrugim September 71,2 Millio- nen, in Preußen 46,2 Millionen, also auch hier ungefähr das alte Friedensverhältnis. Der Gesamteinlagenbestand — Spar- und Giroeinlagen — beträgt 2237,1 Millionen. Da fast alle öffentlichen und unter Staatsaufsicht stehenden Sparkassen dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband angeschlossen sind, gibt diese Ziffer auch einen Anhaltspunkt für die Kapitalkraft der Sparkassenorganisation. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, sind dieser Summe noch die Kapitalziffern der Girozentralen zuzuzählen, die sich auf Grund der letzten Zweimonatsbilanz ergeben. Um einen einheitlichen Dergleichstermin zu erhalten, sind bei der folgenden Berechnung die Zifern der Girozentralen vom Stand Ende Oktober auf Ende September reduziert, danach betragen die eigenen Mittel (Kapital imb Reserven) 107,5 Millionen unb bie fremben ^Selber 1219,4 Millionen. (Bei letzteren ist zu berücksichtigen, baß ein kleiner Prozentsatz auf Gut- chaden ber Sparkassen bei ben Girozentralen entfällt unb somit schon in ber vorher genannten Gesarnt- einlagenfumme ber Sparkasten enthalten ist.) Es ergibt sich ein Gesamtkapital ber Girozentralen von 1327,0 Mill. Mk. Die Kapitalkraft ber gesamten Sparkassen- unb Giroorganisation setzt sich bemgemäß zusammen aus dinlagenbeftanb ber Sparkasten 2237,1 Mill. Mk. Gesamtkapital ber Girozentralen 1327,0 Mill. Mk. 3564,1. Mill. Mk. Vergleichsweise sei angeführt, baß bie an ben Zweimonatsbilanzen beteiligten Privatbanken 6,28 Milliarben Kreditoren ausweisen. Die Deutsche Reichsbahn- ge ellschafL im November. Gegen Ende Oktober ist, wie in früheren Jahren, mit bem Abflauen bes Obst-, Gemüse- und Kartoffelverkehrs eine Abschwächung des Güterverkehrs eingetreten, die sich in dem verringerten Gesamtwagenbedarf im Monat November aus- brutft. Nach ben vorläufigen Ergebnissen sinb an drückt. Na chben vorläufigen Ergebnissen sind an gedeckten Wagen 241000, an offenen Wagen 180 000, zusammen also 421 000 Wagen weniger als im Monat Oktober gestellt worden. Zu bemerken ist allerdings, daß die arbeitstägliche Wagengestellung im November mit 24 Arbeitstagen etwa 1400 Wagen mehr als im Oktober mit 27 Arbeitstagen betrug. Infolge der guten (Ernte wurden im November 296 800 Wagen gegen 255 400 im Oktober verfrachtet. Der Wagenbedarf für ben Kohlenversanb gestaltete sich levhaft. Der regelmäßig im November zurückgehende Kartoffelver- fanb erforberte bie Stellung von 17 200 Wagen gegenüber 68 000 im Vormonat. Im Versanb von künstlichen Düngemitteln würben gegenüber 37 300 Wagen im Oktober 32 700 Wagen gestellt. Infolge ber Einstellung ber Bauarbeiter» waren für Zement nur noch 19 400 Wagen gegen 27 900 im Vormonat erforberlich. Für Zucker würben 4300 Wagen mehr als im Vormonat benötigt. Der Personenverkehr war schwach. Die Detriebsergebniste zeigen im Monat Oktober folgendes Bild: Einnahmen: 1. Personenverkehr 116 303 000 Rm. 2. Güierverkehr 254 397 000 „ 3. Sonstige Einnahmen 33 309 000 „ Zusammen 404 009 000 Rm. Ausgaben: 1. Persönliche Ausgaben (einschl. Lohne d. Bahnunterhaltungs- nr.b Wenstättenarbeiter) 203 022 000 Rm. 2. Sachliche Ausgaben 110 196 000 „ 3. Zinfendeiilst 700 000 „ Zusammen 313 918 000 Rm. Außerordentliche Ausgaben: Für werbende Anlagen 19 977 000 „ Dien ft ber Reparo tionsfchuldverschr. 49771 000 „ Rückstellungen .20 343 000 „ Insgesamt 404 009 000 Rm. Die Einnahmen haben sich im Monat Oktober zwar im wesentlichen planmäßig entwickelt, jeboch ergaben sich Ausfälle tm Personenverkehr infolge bes ungünstigen Herbstwetters, unb im Güterverkehr bunt) bie schlechte allgemeine Wirtschaftslage. Auch ber Nottanf für Lebensrnittel, ben bie Reichsbahn im Zusammenhang mit ber Preissenkungsaktion eingeführt hat, verursachte Minbereinnah- men. Dem Generalagenten für bie Reparationszahlungen würben bie monatlichen Zahlungen für ben vchulbverschreibungsbienst sowie bas Erträgnis aus der Beförberungssteuer für Oktober rechtzeitig überwiesen. Der Gesamtpersonalstanb betrug Enbe Oktober 732 000 Köpfe gegen 730 873 im Vormonat. Die Reichsregierung hat aus bem von ihr bereitgestellten 5-MilIionen-Härtesonbs, aus bem u. a. bie burch bie Ruhraktion geschädigten Eisenbahnangestellten und »arbeitet im besetzten Gebiet einmalige Zuwendungen erhalten sollen, inzwischen 4 Millionen Mark der Deutschen Reichsbahngesellschaft überwiesen. Von den deutschen Schlachtvieh« markten. Npd. An ben deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche war ber Hanbel in ben einzelnen Gattungen unb an ben oerschiebenen Plätzen stark uneinheillich. Zwar überwog bei Rinbern, Kälbern unb Schweinen roteberum ein mittlerer Marktverlauf, boch war ber Hanbel bei Rinbern verschiedentlich schleppend bis schlecht, bei Kälbern an verschiedenen Plätzen langsam bis schleppend, anderwärts wieder alatt bis lebhaft, bei Schweinen vielfach gut oder lebhaft unb nur ganz vereinzelt schleppenb. Schafe hatten ganz uneinb?itlid)en Marktverkauf: mehrfach langsam unb mittel, aber auch ebensowohl schlechten wie glatten Marktverlauf. Die Auftriebs- Ziffern haben für Rinber, mehr noch für Kälber unb am meisten für Schweine eine nicht unbeträchtliche Zunahme erfahren, während sie bei Schafen hinter denen der Vorwoche zurückgeblieben sind. Die Preise zeigen allgemein eine Tendenz zur Befestigung, was in besonderem Maste für Schweine gilt Aus ben nachstehenben Märkten würben für ein Pfunb Lebenbgewicht in Pfennig notiert: Berlin Bremen Breslau Chemnitz Dortmund Dresden Dustelborf Elberfeld Esten Frankfurt a. M. Hamburg Hannover Husum Karlsruhe Kastel Kiel Köln Leipzig Magdeburg Mannheim München Stettin Stuttgart Zwickau Rinder Kälber Schafe Schweine 20 - 54 42 - 88 26 - 49 76 - 88 28 - 52 40 - 90 — 72 - 84 18 - 52 48 - 70 30 - 50 70 - 89 20 - 55 50 - 76 30 - 48 75 - 92 23 - 59 45 - 85 — 80 - 89 25-58 55-87 30-56 65-94 22-63 40-90 - 75-88 20 - 60 55 - 90 30 - 55 75 - 90 23 - 60 45 - 90 — 87 - 87 15 - 58 40 - 85 25 - 50 70 - 93 15-55 30-98 27-55 70-88 15 - 55 30 - 85 20 - 45 70 - 85 18 - 58 55 - 70 - 80 - 94 15-52 38-55 — 75-88 16 - 53 29 - 82 20 - 47 49 - 86 20 - 62 52-105 28 - 40 70 - 90 20-57 40-71 24-52 78-94 18 - 55 38- 70 23 - 40 72 - 90 14 - 60 52 - 78 24 - 36 70 - 90 18-55 56-76 — 58-88 10 - 52 35 - 90 15 - 42 70 - 84 13-56 58-76 — 60-94 15 - 52 40 - 70 25 - 48 86 - 98 * Adlerwerke norm. Heinr. Kleyer A. G., Frankfurt a. M. Man berichtet uns: Die Automobil-Vertreter ber Ablerwerke norm. Heinrich Kleyer A. G. aus dem ganzen Deutschen Reich ver- anftalteten In Frankfurt a. M. eine Vertreter- Tagung, auf welcher gemeinsam mit ber Direktion ber Werke beraten würbe, welche Schritte zu unternehmen sinb, um ber schwierigen wirtschaftlichen Lage gerecht zu werben. Bei den Verhanblungen kam einmütig zum Ausbruck, baß die Ablerwerke burch Beibehaltung ihres Prinzips, unter allen Umständen Qualitätsarbeit zu leisten, auf bem rechten Mnb, unb baß nur burch akkurate unb soll- ertmannsarbeit, wie sie von jeher bei ben Adlerwerken üblich war, bie beutsche Inbustrie bem Auslanb gegenüber konkurrenzfähig gehalten werden kann. Nachdem Kommerzienrat Dr.-Jng. h. c. Heinrich Kleyer die Leitung der Ablerwerke wieder durch erhöhte Tätigkeit unterstützt, ist das Der- trauen der angesehenen Handlerschaft, über welche die Adlerwerke von jeher verfügt, von neuem gestärkt, so daß die Werke bezüglich des Absatzes ihrer Produktion durchaus optimistisch in die Zukunft blicken können. Die Zusamenkünfte ber Adler-Auto- mobil-Vertreter, welche sich zu einer ihre Mitglieder wirtschaftlich gegenseitig unterstützenden Gemein- schäft zusammengeschlossen haben, sollen regelmäßig wiederholt werden, um Erfahrungen auszutauschen unb neue Gebanken für bie Weiterentwicklung ber Ablerwerke unb ihre Verkaufsorganisation zum Nutzen bes gemeinsamen Ganzen bearbeiten zu können. • Konkurse unb Geschäftsaufsichten im November. Zm Monat Rovember wurden im .Reichsanzeiger" 1343 neue Konkurse — außer den wegen Massemangel abgelehnten Anträgen auf Konkurseröffnung — und 967 angeordnete Geschäftsaufsichten bekanntgegeben. Gegenüber den entsprechenden Oktoberziffern ist also wieder eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen. Sie beträgt bei den Konkursen 15,4 Proz., bei den Geschäftsaufsichten sogar 52,8 Proz. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) B e r l i n, 23. Dez. Das Börsengeschäft flaut im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage immer mehr ab. Das Publikum fehlte völlig am Markte und die Spekulation zeigte ebenfalls große Zurückhaltung. Angeblich werden größere Abgaben in Aktten des Anilin-Konzern aus Lombardbeständen einer süddeutschen Seite vorgenommen. 3m Freiverkehr von Bureau zu Bureau war die Tendenz verstimmt, umsomehr, als vom Roheisenverband gemeldet wurde, daß die Dersandziffern im Dezember so ungünstig sind, wie sie es seit Jahren nicht waren. Bei Eröffnung des Verkehrs trat dann eine Besserung ein, da verlautete, daß in der Frage der Montantrustbildung unter den beteiligten Werken bis auf unwesentliche Einzelheiten Äebereinstimmung besteht und die Gründung nur noch der Beschlußfassung der Generalversammlung unterliegt. Von Monlanaktien zogen Phönix, die heute vormittag mit 58.75 umgingen., auf 60,25 Geld an. Auch Schiffahrtsaktien zogen leicht an. 3m übrigen eröffnete der Markt unter den gestrigen Kurzem Am, Geldmarkt war die Rachfrage nach Tagesgeld mit Rücksicht auf die Feiertage sehr gering. Der Sah war unverändert 7,5 bis 9 Prozent. Monatsgeld, das meist zu Prolongationszwecken gefragt wurde, ging mit 8,5 bis 10,5 Prozent um. 3m Devisenvertehr notierte Paris anfangs wesentlich schwächer mit 133,50 gegen London. Gegen Mittag besserte sich dann der Kurs auf 132,50. Warschau gegen Kabel unverändert 8,50 bis 9. Rordische Valuten waren eher befestigt. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,37, Amsterdam 59,25, Zürich 124,27V., Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Schlug- Kur» flur» Schluß- Sur« Anfang fluro Datun,7 22. iS. 1 23.12. 22. 12. 23. 12. 5% Deutsche Rctchsanleihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . 8V*% Deutsche Reichsanlethe 0,18» 0,1905 0,19 0,21 0,19 0.2 02» S% Deutsche Reichsanlethe . Deutsche Sparprämicnanleihe ".29 — 0.32 0 31 0,106 — 0,110 - 4% Preußische Konsolö . . . 4° o Hesicn....... . 0,18 — 0,2 0,195 31/,% Hessen . ..... 0,19 0 185 91, :5 Deutsche Wend. Dollar-Anl. 90,25 dto- Doll-Schatz-Anweiing.*) 98 98 2 — 4*/0 Zolltftrken......... 7 75 7,7 — — 5% Äoldmerikaner ... 12.5 42,5 45 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privatbank 0.137' 95.75* IJ7* W* 136,1* 96.5* Darmst. und Nationalbank . 104,2' 104,2* 104,5* Deutsche Bank......... 104.7* 104,5* 104.5' Deutsche Vereinsbank ... — — DiSconto Tommandik . . 103,2* — 103,2* 101 5* Metallbank......... . 69 69 Ntilteldeutsche Creditbank. . Oestcrreichische Ereditauftalt. 88.5* 6.2 88,75' 6.2 89 6.4 6,2 0,03 0,03 Bochumer Guy . ....... 100,75* 26.25 60,5* 36 Buderus ■ . . ........ 26.25 26,25 Caro ............ 36,25* — 38’ Deutsch Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . 58.8' 61* — 57,25* 63' 58,75' 62.25* Harvcncr Bergbau...... Kaliwerke Äschersleben.... 88' 92.5’ 93.3 87 75* 92,2.5 89* 93,.', Kaliwerk Westeregeln..... 93,5 9;.d 92.5 Laurahüttr.......... 34 _ 25 24 Oberbedarf........... 35,5* 36,25 36.25“ D°ni? Bergbau ...... 60 60,25* 60,3* 59,75' Nbeuinabl ........... 4?* 46.5' 68.5 47,5* Nie deck Montan ....... 68.5 67,25* Tellus Bergbau. . ...... 38 __ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... 89,75* 91,25* 89,75* 89* 91,25* 90.6* 92,25' Cheramischc Werke Albin . . _ Zementwerk Heidelberg . . . 60,2 60 E- — Philipp Holzmann..... 19,5 39,62 — Angio-Cont ^Gmmo ..... — 69.25 — Badische '.lnilin........ 101.4* 102,4 101 1* 101 .r Chemische Mayer Akapvr . . Goldschmidt....... . 50,75 51,5 _ Gries> eimer Electron .... 101,2* 102.1* 03,2* Höchster Farbwerke...... IU1.2* 102,4* 104 7* 101,9* Holzverkohlung ........ 40 40 — NülgerSiverke ......... 44 45,25 - Scheideanstalt . ...... 79,5 79,4 «llg. Elektrizitäts-Gesellschaft 8>.62* 86,2V 87.5* 8> 75* Bergmann ...... 64* - 65* 65* Mainkraftwerke ........ 63.25 —- Schuckert........... 52.75' 54,35* 51' 55 Siemens 4 Halske ..... 67* 68* Ablerwerke Kicher ...... 21.5 22 22,25 21.25 Daimler Motoren. ...... 21 31.75 20.5 Heyligenstaedt......... Meguin............. 5 — 27.12 28,13 Motorenwerke Mann beim . — — Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . 19 — Metallgescll'chaft Frankfurt. .-2 — — Pct. Union A-G........ 51 60,5 Schuhfabrik Her, 20,5 ■30.5 20,25 Sichel. .......... 1,75 83 1 75 — 1 — Zellstoff Soldhof..... 83,5 — 82,5 Zuckerfabrik Frankenthal Zuckerfabrik Waghäusel . . . 38,1 32,25 38.1 33 34,75 — Devisenmarkt Berlin—Frankfurt cu M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 22 Dezbr. 23. Dez.r. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amst.-9ioil 168.49 168,91 168,57 168.91 Buen-Mireo 1.7.48 1,742 1.736 1.740 Brff. Antw 19 025 19.065 19,0' 19,00 Chrisliania. 85,14 85,36 85 29 85,51 Kopenhagen 104,3-1 104,58 104,17 104,43 Stockholm . 112,61 112,89 112,61 112,79 HEngforS 10.545 10,585 10.6.5 10,59 Aralien. . 16.925 16,925 16,93 16.97 London. *0.84 20,34 20.345 20,3b5 Ncuhork . . 4,190 4,205 4,195 4.30., Paris. . . 15.50 5.54 15.48 15,52 Schweiz . HO 95 11.15 so,97 81,70 Spanien . 59,28 59,42 uJ.23 59,8.' Japan . . . 1.805 1,809 1,809 1,813 ?Kio de Ian u tu J.62 0.600 0.6J2 Wien In D - Ccft. abgcst 59,19 69,3; 59.23 59,37 Prag ... 12,415 12,455 12.415 12,455 Belzrad . . 7.48 7.45 7.43 7,45 Budapest. . 6,875 5,89.5 5,875 5,89j Bulgarien 3.015 3,025 3,015 3,021 L-ssabon 41 2«ö 21,3L> 41,2.5 1,325 Danzig. . SO-66 «0.8fi 80,66 80.86 Konst ntin. 4.245 2,"255 2.235 2,245 Siuien . 29 5.41 5.34 5.36 Canada. l 195 4,2 5 1.195 1.205 Uruguah 1,255 1.265 1,265 4,275 Berlin, 22 Dezbr Geld Bries Amerikanische Note» ..... i.197 4.217 Belgische Noten . ...... Dänische Noten . ...... 18,965 104,01 19,06। 101,56 Englische Noten........ 20,31 20,41 15 5. Französische Noten...... Holländische Noten ..... 15,47 168,10 168.94 Italienische Noten...... Norwegische Noten..... 16.105 16.985 84.95 85 86 Deursch-Oesterr-, ä 100 Kronen 59.00 69,30 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten..... 112.34 112,90 Schweizer Noten..... 80,90 81.30 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 59.03 59 83 12.887 12.447 Ungarische Noten . o . , 5 88 5,86 Frantfurter Börse. (Eigener Drahtbenchi des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt, 23. Dez. Tendenz: befestigt. — Nach den anbauernben heftigen Rückschlägen konnte sich heute an ber Börse eine etwas freundlichere Stimmung durchsetzen. Für eine Reihe stark gedrückt gewesener Werte konnte sich eine kräftige Erholung durchsetzen. Die Erwartung, bah mit bem Zustanbekornmen bes Westbeutfchen Eisentrusts nach den jetzt bekannt geworbenen Einzelheiten bestimmt gerechnet werben kann, brachte ein etwas flotteres Geschäft zustanbe, das sich beson- bers am Montanmarkte günstig auswirkte. Hier waren Kursbesserungen bis zu 1 Prozent zu verzeichnen. Da auch das scharfe Angebot inEhe- mic roe rten zum Stillstand kam, wandte sich bas Interesse biefen Werten roieber etwas zu, unb es konnten Besserungen bis zu 1 Prozent erreicht werden. Die übrigen Märkte verkehrten weiter ruhig bei kleinen Kursbesserungen. Elektroaktien lagen nicht einheitlich, aber überwiegend höher. Schuckert plus 1,5, Lah- nieger plus 1, aber AEG minus 0,5. Bankaktien goschäftslos. Für Schiffahrtsaktien bestand bei um Keine Weihnac'itskarte ohne Wohlfahrtsbriefmarke für die Deutsche Nothilfe, 11W9sb veränderten Kursen nur wenig önttrtff». Aktien hoher. Zuckeraktien ebenfalls gebt* fern Reichs anleihe (5 Droz.) eröffneten ml* S',19, Schutzgebiet mit 4100. Auslandif Renten unverändert, ebenso die Werte des F r et- verkehrs. Api 0,32, Beckerkohle 37, Benz 24 Brown-Booeri 51, Entreprise 8, Growaa 36, UM 48, Ufra 51 Proz. Im weiteren Verlaufe fiel bet Geschäft wieder in bie lustlose Haltung zurück, und bin Tenbenz neigte eher zum Nachgeven. Im allgemeinen nahm bie Umsatztätigkeit fein größere* Ausmaß an. Am Geldmarkt ist das Angebot unverändert groß. Tagesgelb 9—9,50 Proz., Dio- natsgelb 10—11 Proz. Bankbiskonten 7 Proz., In- bustrie-Akzepte 9 Proz. Im Devisenverkehr notierte Paris gegen London 133,50. erneut schwächer. Die übrigen Valuten sind unverändert. Frankfurter Getreidebörse Frankfurt a. M, 23. Dez. Es Warden notiert: Weizen. Wetterauer 24,25, Roggen, inländischer 17 bis 17,50, Sommergerste für Drau- Awecke 22,50 bis 25, Hafer, inländischer 18,50 biS 21,50. Mais (gelb) 21, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 40,25 bis 40,75, Roggemnehl 26 bis 26,25. Weizen- und Roggenkleie Tl'-Tendenz stetig. Frankfurter Schlachtdiehmarkt. Frankfurt a. M., 23. Dez. Auftrieb: 39 Ochsen, 5 Färsen und Küpe, 690 Kälber, 119 Schafe. 117 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mastkälber 76 bis 82, mittlere Mast- und beste Saugkälber 68 bis 75, geringere Mast- und gute Saugkälber 60 bis 67. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 40 bis 45, geringere Masthämmel und Schafe 30 bis 38, mäßig genährte Hammel und Schafe (Merzschafe) 22 bis 28. Schweine: Vollfleischige v-on 80 bis 100 Kg. 90 bis 92, unter 80 Kg. 82 bis 89, von 100 bis 120 Kg. und von 120 bis 150 Kg. 90 bis 92. Marktverlaust Kleinvieh lebhaft, Schweine langsam geräumt. berliner Produktenbörse. Berlin, 22. Dez. Die bevorstehende lange Feiertagspause und auch anhaltende flaue Aus- landmeldungen gaben der Berliner Produktenbörse das Gepräge. Tlnternehmungslust besteht zur Zeit keine in nennenswertem Umfange. Da» Angebot des 3nlandes in Brotgetreide blellbtz sehr gering und keinesfalls dringlich während andererseits auch mit Ausnahme von Roggen keine allzu große Auftrahmeneigung besteht. Am Lokomarkt eröffneten die Kurse etwa 1 Mars niedriger. Bezeichnend für die äußerst große Ge- schäftsstille ist der Umstand, daß seitens der amtlichen Makler im Zeitgeschäft nur drei erste Kurs« fest gestellt werden konnten. So eröffnete Weizen per März 2,50 Mark, per Mai 2 Mark niedriger. Roggen per März 1,50 Mark schwächer. 3m freien Verkehr zeigte Roggen per Mai ein ungefähr unverändertes Absehen. — Der Kurs touri>e hier ungefähr mit 183 Brief abgenommen. Gerste steht rm Zeichen des schleppenden Verkehrs, Hafer im Angebot ruhig, Mehl still, Futtermittel ohne beachtenswerte Veränderungen. Es notierten per 1000 Kilo: Weizen, märt. 239 bis 244, do. pomm. 239 bis 245, do. Dez. 250, do. März 258 bis 259 biS 258,5, do. Mai 262 bis 261,5, Roggen, märt. 137 biS 146, do. pomm. 137 bis 146, do März 172 bis 175, do. Mai 183,5 bis 184,75, Gerste, märt. 184 biS 212, Futtergerste 154 bis 168, Hafer, märk. 157 biS 167, Raps 360 bis 365; per 100 Kilo: Weizenmehl 31,25 bis 35,25, Roggenmehl 21 biS 25, Weizenkleie 11,50 bis 12,50, Roggenkleie 9,75 bis 10,20, Viktoriaerbsen 26 bis 33. kleine Speiseerbsen 22 bis 24, Futtererbsen 19,50 bis 20,50, Peluschken 18 bis 19, Ackerbohnen 21 bis 22, Wicken 21 bis 23, Lnvinen, blau 11 bis 12,50, do. gelb 12 bis 14.50, Rapskuchen 14,75 biS 15, Leinkuchen 23,60 bis 23,80, Trockenschnihel 8,20 biS 8,30, Torfmelasse 7,60 bis 7,75, Kartoffel- flocken 14,50 bis 15,25. Sohaschrot 21,30 bis 21,60^ Buntes Allerlei. Wie wirb ber Winter? Der Franzose 3ules Gabriel hat das Ergebnis einer eingeheirden Tlntersuchung der Witterungsverhältnisse veröffentlicht. Gabriel hat ein» Aufstellung gemacht, aus der hervorgehet, daß wir in diesem 3ahre einen äußer st strenge» Winter zu erwarten hätten, ähnlich denen vor 373 bzw. 186 Fahren, also den Wintern der 3ahre 1552 bis 53 und 1739 bis 40. Der Winter 1739/40 war einer der strengsten in ganz Europa mit der größten Kälte im Februar, ebenso toi» auch der sehr kalte Winter 1708/09. Rach der von Gabriel errechneten Periodizität würde der Winter 1925/26 dem von 1739/40 in jeder Hin- sicht entsprechen. Auch der schwedische Professor Otto Petterson, der das Studium klimatische« Fragen zu seinem Spezialstudium erwählt hat. kommt zu dem Resultat, daß der Winter 1925/26 oder der des folgenden 3ahres, unter Tlmständsn sogar beide, äußerst streng werden dürften. Besonders für den Februar sei mit ganz außerordentlicher Kälte zu rechnen. Freilich kann nicht bestritten werden, daß wenigstens im Rorden der bisherige Verlauf des Vorwinters 1925 der Behauptung Prof. Pettersons und Gabriels eine gewisse Berechtigung insosern verliehen hat, als der Ottober im Rorden eine sehr niedrige Mitteltemperatur aufwies und bereits in den ersten Rovembertagen tm hohen Rorden 26 Grad Kälte beobachtet wurden. Aus dem Amtsverkündigun^sblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 99 vom 22. Dezember enthält: Ankörung von Privathengsten. — Wahl der Mitglieder des Kreisausschufses. — Kreistagsfihung. — Höchstsätze für Erwerbslofenfürsorge. — Maul- und Klauenseuche in Großen-Linden. — Abgabe von Feuerwerkskörpern. — Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm deS frankfurter Tender-. (Aus der »Radio-Umschau".) Donnerstag, 24. Dezember. 3.30 bis 4 Tlhr. Stunde der 3ugend. 5 biS 6 Tlhr: ^Übertragung des Geläutes der Weihnachtsglocken, darunter der Karolusglocke, vom Frankfurter Dom. 6 bis 7'Uhr: Weihnachts- Musik des Hausorchesters. 7 bis 7.15 Ahr: Di» Besprechung. 7.15 bis 7.30 Tlhr: Stunde der Frankfurter Vereinigung für Heimatkunde. 8.05 bis 9.30 Ahr: ilebertragung von Kassel. 10 Ahr: Süddeutsche Weihnachtsdrchtungen.