kn, die sich zu dem Ergebnis der Konferenz von Locarno in ihren gestrigen Ausgaben äußern. Der „Outlook" sagt, daß die Aufnahme des Paktes in London nur lauwarm gewesen wäre. Chamberlain habe England europäische Verpflichtungen ausgc- laden, deren Ende niemand absehen könne. England wäre jetzt der Polizist von Europa. Wenn jemand einen Krieg führe, dann müßte England auch in den Krieg ziehen auf der einen oder andern Seite. Der Gedanke, daß der Pakt den Krieg un> möglich machen werde, sei unrichtig. Der Mensch ändert seine Natur nicht so leicht. Der „New Leader" sagt, die gesamte Initiative und die besten Seiten des Vertrags seien auf Deutschland zurückzuführen. Sie wären ^trese manns Werk. Sie verpflichten Deutschland mit dem Präsidenten Hindenburg an der Spitze und mit Zustimmung der Deutschnationalen. Das sei ein unschätzbarer Gewinn. Ebenso wichtig ist cs nach der Meinung der Zeitschrift, daß es eine konservative englische Regierung war, die sich zum Pakt bereitgefunden hätte. Der „New Leader" betont, daß England sich in jeder Hinsicht freie Hand vorbehalten habe. Das läge an der englischen Admiralität, die sich die Waffe der Blockade nicht aus der Hand nehmen lassen wolle. Daß England sich ober so stark gegen den Schiedsgericht'sgedanken sträube, bedeute einen Flecken auf der Ehr'e der englischen Politik. Der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund. Paris, 23. Oft. (Wolff.) Der Bericht, erstatter des „Temps "in Genf beschäftigt sich mit der Frage der Zulassung Deutschlands zum Völkerbund. Sie werde wahrscheinlich im Lause einer außerordentlichen Versammlung erfolgen, die in der zweiten I a n u a r h ä l f t e zu- sammentrete. Die Cröffnungssihung werde von dem gegenwärtigen Vorsitzenden des Völkerbundsrates, S e i a l o j a , präsidiert werden. Vach Eröffnung der Versammlung würde dje Vngc- legenheit dem politischen Ausschuß überwiesen, der seinen Bericht erstatten werde. Wenn diese Formalität erledigt sei, werde die deutsche Delegation ersucht werden, sich an den Beratungen zu beteiligen . Hierauf werde die Frage der Zulassung Deutschlands als ständiges Mitglied des Völkerbundsrates erörtert werden. Eine Schwierigkeit würde das Problem der Zulassung der d e-u tschen Sprache als offizielle Sprache machen. Der Berichterstatter des „Temps" spricht sich hiergegen aus. Sechzehn Mitgliedsstaaten bedienten sich der spanischen Sprache, ohne daß sie zur offiziellen Sprache erhoben worden sei. Wolle man also für die deutsche Sprache eine Ausnahme machen, so müsse man sofort, auch eine Ausnahme zugunsten der spanischen Sprache machen. Tschechische Sorgen. Prag, 23. Oft. (Sil.) In den: deutsch geschriebenen Regierungsblatt „Prager Presse" befaßt jich Professor Kramarsch, der tschechische Jurist, der mit Dr. Benesch als juristischer Berater in Locarno war, mit der künftigen internationalen Rechtslage, die sich durch die Ratifizierung der Verträge von Locarno für dieTschecho- slowakei ergeben wird. Kramarsch schreibt u. a.! „Sollte gegen die Tschechoslowakei von wo immer ein Angriff gerichtet werden, so bildet Die im Rheinpakt statuierte ilnoerlehlichkeit der Rheingrenze kein Hindernis für jenen, der uns zu Hilfe kommen will. Jeder Staat, der zur Ansicht gelangt, daß für ihn das Recht zur ileber- schreitung der Grenze vorliegt, kann, ohne daß das Ergebnis irgendeines Verfahrens abgewartet werden mühte, zur Ausübung seines Rechts schreiten. Der Rheinpalt hat der Tschechoslowakei somit nichts von dem genommen, was sie gegenwärtig hat." In einer Rede erklärte Kramarsch ferner, es sei zu begrüßen, daß in Locarno wirkliche^ Friedensoer- träge abgeschlossen worden sind. Frankreich habe den Sieg augenblicklich vollkommen verloren und befinde sich in einer tröst losen Wirtschafts- und Finanzlage, die es nach Locarno gezwungen habe. Er zweifle nicht daran, daß auch die jetzigen französischen Machthaber Freunde der tschechischen Republik seien. Es gebe jedoch in der Politik Dinge, die über die Freundschaft gingen. Einen Angriff Deutschlands auf die tschechoslowakische Republik befürchte er nicht, denn er würde einen neuen Weltbrand Hervorrufen. Aber eine andere Frage mache ihm schwere Sorge, das sei die Haltung der Deut-s.chen in der tschechoslowakischen Republik. Das Deutsche Reich sei heute wieder ein vollwertiger Faktor in der Welt und Dr. Strese- mann selbst habe erklärt, daß Deutschland beim Völkerbund jederzeit der Beschützer aller deutschen Minderheiten fein werde und deren Beschwerden sofort beim Völkerbund vorbringen werde, worauf es ein Recht habe. Die Eaillaux-Kvifis. Paris, 22. Oft. (WTB. Funkspruch.) Wie „Matin" berichtet, war gestern das Gerücht von der Demission Caillaux' verbreitet, es wird aber für falsch erklärt. Im Finanzministeriuni sei betont worden, Caillaux werde sich nur dann zurück- ziehen, wenn die Kammer im Hinblick azrf die Finanzlage Frankreichs ihn in die Minderheit versehe oder wenn er die von ihm erzielte Mehrheit für ungenügend halte. Caillaux werde sich, so berichtet „L'Oeuvre" yn heutigen Kabinettsrot nur in großen Zügen über keine Finanzpläne auslassen. Die Gesetzentwürfe selbst würden erst später ausgcärbeitet werden. „Jour- Stettag, 25. Oktober 1925 \Z5. Jahrgang Ur. 249 Erstes Blatt »b Graf RcvenIlow (Völk.). Erscheint täglid), außer Sonn» und Feiertags. Beilagen: vießenerFamilienblätler Heimat im Bild. MonatL-vezugrpreir: ' ®olbmark u. 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, «ich bei Nichterscheinen eon einzelnen Nummern iifolge höherer Gewalt. Hernspre ch-Anschlüssc: ^chriftleitung 112, Der« Irgundlöeschästsstellebl Anschrift für Drahtnach- mchten: AnreigerSiehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M- 11686. Freitag SV***-' ER len Grotesken Keine Rückwirkungen? Der „Temps" leugnet irgendwelche französische Zusicherungen. Paris, 23. Oft. (121.) Die pariser presse beschäftigt sich eingehend mit dem Beschluß des Reichskabinetls und mit den Verhandlungen der Deutschnationalen. Der „T e m p s“ weist darauf hin, daß sich die Deutschen im Irrtum befänden, wenn sie glaubten, daß die Alliierten irgendwelche bindenden Abmachungen gegenüber der deutschen Delegation eingegangen wären. Das Blatt stellt fest, daß außer dem paktvertrage nichts vereinbart worden sei. Die deutsche presse spreche zu Anrecht von Versprechungen, die nicht gemacht worden seien. Es heißt bann wörtlich: „3m Laufe der offiziösen Verhandlungen in Locarno, die der allgemeinen politischen Lage galten, wurden weder schriftliche Zusicherungen noch mündliche Versprechungen gegeben. Es wurde lediglich feftgeftellt, daß eine neue Politik neue Methoden mit sich bringt und die zwischen Deutschland und den Alliierten schwebenden Fragen in einem neuen Geist geprüft werden könnten." Das Blatt führt weiter aus, daß es nicht den Tatfachen entspreche, daß die Räumung auf den 15. November festgesetzt sei. Ein R ä u - mungsbatum sei überhaupt nicht vereinbart unb bie Alliierten ftänben noch immer auf bem Stanbpunkt, bah bie Räumung bet ersten Rheinlandzone e t ft nach Erfüllung bet deutschen Abrüstungsverpflichtun- g e n möglich fei. Aller Wahrscheinlichkeit nach werbe die Räumung jedoch Ende dieses 3ahres vor sich gehen können. Vorbedingung sei jedoch unter allen Umständen die Haltung Deutschlands in der Abrüstungssrage. Zum Schluß weist das Blatt daraus hin, daß von einer Erleichterung des Besahungsregimes und von einer Aenderung des jetzigen Zustandes im Saargebiet nicht die Rede fein könne. Auch eine Einschränkung der Befugnisse der 3nteraUiierlen Rheinlandkommission könne von Deutschland nicht verlangt werden. Freilassung des Reichwehrfähnrichs Bühring. Elberfeld, 22. Ott. (WTB.) Reichswehr- fähnrich Bühring, der vor einiger Zeit vom f r a n- zöfifchen Kriegsgericht in Bonn zu 1 Jahr Gefängnis und 2000 Mk. Geldstrafe verurteilt wurde, weil er das dejetzte Gebiet ohne die dafür erforderliche Spezialerlaubnis betrat, ist aus dem Bonner Gefängnis entlassen worden und bereits bei seinen hier wohnenden Eltern wieder eingetroffen. Die Haftentlassung bedeutet die Einlösung der Zusage, die Außenminister B r i a nd in Locarno Dr. Stresemann gemacht hat. England und der Pakt. London, 23. 0kt. (Xil.) Der britische Außenminister Chamberlain empfing gestern die Botschafter der Vereinigten Staaten, Schwedens und Aegyptens, die ihm die Glückwünsche ihrer Regierungen zu bem Erfolg der Konferenz von Locarno überbrachten. Premierminister Baldwin sagte gestern in einer Rede, daß er und seine Kollegen durch den Vertrag von Locarno möglicherweise zahlreiche glühende Verfechter des Friedensgedankens enttäuscht haben möge. Locarno sei jedoch das erste konkrete Ergebnis nach all den Friedensgesprächcn und Entschließungen seit dem Kriege. Er habe die volle Hoffnung, daß damit der Auftakt zum wahren Frieden gegeben sei, da die Ergebnisse von Locarno von Anfang bis zu Ende auf den Frieden abgestimmt seien. M a c d o n a l d erklärte dem W'.cner Berichterstatter des „Manchester Guardian", er habe bisher keine Gelegenheit gehabt, den Wortlaut des Paktes von Locarno zu lesen. Er sei daher nicht in der Lage, sich ein abschließendes Urteil zu bilden. Der Wunsch, den Frieden zu wahren, sei bei den Dollern so stark und so klar, daß, wenn jetzt nicht die Gelegenheit ergriffen würde, dies von Seiten der Regierungen geradezu verbrecherisch sein würde. Ein großer europäischer Krieg werde nicht wegen Fragen, wie die der Rheingrenze, ausbrechen, sondern eher als das Ergebnis verschiedener, im einzelnen genommen geringfügiger, aber völlig ungeregelter Fragen, die sich auf Gebiete, die weiter östlich des Rheines lägen, bezögen. Mit uneingeschränkter Freude sei der Beschluß Deutschlands, dem Völkerbund beizutreten, zu begrüßen. Dies werde das wichtigste Ergebnis der jüngsten Vergangenheit darstellen. Die Minderheitenfrage sei eine der gefährlichsten Fragen, der sich die Welt gegenübersehe. Sie sei eine o f - fenc Wunde Was er von dem Minderheitenproblem in Oesterreich und in Ungarn gehört habe — und er habe das Material nicht bei einer Partei allein, sondern bei verschiedenen Parteien gesammelt — beweise eine große Enttäuschung hinsichtlich des Völkerbundes, der diese wichtige Frage vernachlässigt habe Der konservative „Outlook" und der sozialistische „New L c a b e r" find die beiden ersten Zeitschrift „len ™ London „ausKälto*"11^1 Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jcbeDerbinblichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlidjS, auswärt s 10 Gottpfennig; für Reklame-Anzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfenniq, P latzvorschrist 20°/, Aus - schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton. Dr. Friebr. Will). Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: HansBeck. sämtlich in Gießen. oielhaus 3m weiteren Verlaus bcr Sitzung erörterte 'Tiiiiifletialbirettor Gaus bie juristische Seite Uertragswerkes von Locarno. 3n ber Reihe Disfuffionsrebner sprachen bann noch bie Abg. 3ce i t f ch e i b (Soz.), Dr. ft aas (Ztr.), Abschluß der Beratungen des Reichskabmelts. Berlin, 22. Oft. (Wolfs.) (Amtlich.) Das Heidjstabinelt hat heute unter Vorsitz des Reichs- p räfibenfen bie Besprechungen über bas (Ergebnis ber Ministerkonseren; von Locarno ; u m Ab - schluh gebracht. Der Reichskanzler unb ber Xeichsaußenminister werben in ber heutigen Sitzung bes Auswärtigen Ausschusses bes Reichstags bi? Stellungnahme bcr Reichsregierung vertreten. Vie bas Rachrichtenbureau bes Vereins Deutscher 5 dlungsoerlcgcr hierzu ergänzenb erfährt, ist mit Einstimmigkeit ein Beschluß im ft ai bitt e 11 gefaßt worben, auf Grunb bessen im Aus- rteärtigen Ausschuß von ben Ministern bann bie 5 lellungnahmc bes Kabinetts vertreten worben ist. Zu dem Kabincttsbeschluß schreibt die meist gut informierte Tägl. Rundschau: Das Teichslabinett hatte gestern vor dem Zusammen- tritt des Auswärtigen Ausschusses seine Dera- tiengen noch in einer kurzen Sitzung zum Abschluß gebracht. Die Beratung ist durch einen Beschluß jit Ende geführt worden, der zwar nicht ver- öbfentlicht worden ist, der aber ganz deutlich ja erkennen gibt, daß das Kabinett insgesamt auf dem Boden dessen steht, Das in Locarno erreicht worden ist. dieser Haltung entsprechend hatte denn auch das R cichskabinett den R e i ch s a u ß e n m i n i st e r damit beauftragt, die Haltung der Regierung tor dem Auswärtigen Ausschuß darzulegen. Es lieht also außer allem Zweifel, daß die Darlegun- aen des Außenministers den Standpunkt b e r g t (Dn.) jufammen. von ber Reichsregierung waren nlH bem Reichskanzler auch sämtliche übrigen Mlglieber bes ftabinetts mit Ausnahme des Reichs- Dehrminister Dr. Gehler schon zu Beginn ber Si'tjung erschienen. Der Reichsaußen- Inrin I ff e v war begleitet von Staatssekretär von 5 «ch u b e r f unb Ministerialdirektor Dr. Gaus, llmjzcrbem waren zahlreiche Vertreter bcr einzelnen Reiferts zugegen. Mit bem Ministerpräsibenten Staun waren auch viele Vertreter ber tauber aus bem Reichsrat erschienen. Die >i biung würbe mit ben Darlegungen bes Reichs- ui henminislers über den Vertrag von Locarno jröifnef. Dann würbe von ber Deuischnatio- it-len Reichstagsfraktion folgenber Be- chluß bekanntgegeben: Die Deutschnationale Reichs- hgsfraftion vermag in bem Ergebnis ber vcrhanb- lucigen von Locarno nicht bie Erfüllung le r Jorbcrungen zu sehen, bie ben L e - Icnsnotrocnbigtciten bes beutschen Volkes gerecht wirb. Die Fraktion vermißt iu%erbem bie Erfüllung der voransschun- |e it für einen vertragsschluß sowie bie Gegen- iifiungen ber anberen Mächte, bie ben Deuifch- htib angesonnenen Opfern entsprechen. Angesichts jlirles Ergebnisses erklärt bie jraftion schon jetzt, l,iß sie keinem Vertrag z n ff i m m e n wirb, Ire ben beutschen Cebcnsnofroenbigtcifcn nicht gelt df wirb unb insbesondere einen Verzicht auf hutfdjes Land unb Volk nicht ausschließt. ÄÄT* B-24 3'3 ^njRindboi.DerbjT* Eine Entschließung des rheinis 1; en Provinzialausschusses Köln, 22. Ott. (WTB.) In seiner heutigen Sitzung erörterte der Provinzialausschuß d i e Ergebnisse der Konferenz von Locarno für d'.e Rheinprovinzen und faßte gegen die Stimme des kommunistischen Vertreters, der zu den Verhandlungen von Locarno eine besondere Erklärung abgab, nachsteherde Entschließung: Der Provinziolausschuß vermißt mit schm erz- kicher Enttäuschung bei dem Ergebnis der Verhandlungen in Locarno eine schriftliche bestimmte Verpflichtung zur Räumung der nördlichen Zone des besetzten Gebietes und zu einer erheblichen Abkürzung der De s atz u n g s f rj st e n für die übrigen Zonen und zur völligen Aenderung des Desatzungsrcqimes. Der Provinziaiaus- schuß erwartet, daß unverzüglich die vorangegebe» inen Forderungen des Rheinlandes befriedigt werden. lleberreichung öer deutschen Entwaffnungsnote. Abbau der Mititärkoutrollc? Berlin, 23. Oft. ($. II.) Wie der „Sag“ meldet, ist der deutsche Botschafter in Paris, Herr von H o e s ch, bereits Mittwoch abend nach Paris abgefahren. Cr wird wahrscheinlich schon heute bie gestern nach Paris übermittelte Entwaffnungsnote dem französischen Außenminister überreichen. Diese Rote ist formal die Antwort auf die letzte französische Cnt- waffnungsnote, behandelt aber bereits die in Locarno vereinbarten Anregungen über die Räumung der Kölner Zone und die Beendigung der Cntwaffnungskontrollr. Im Anschluß daran wird man dann über die Fortschritte in der Räumungsfrage weiteres hören. Es kann auch als sicher gelten, daß die Engländer eine Herabsetzung ihrer Truppe n z a h l im besetzten Gebiet beschlossen haben * nßen Darsteller. ler Sro! Steinl indüstrieUer'A Moreu» :......... ....." . . er-Tit« • Ausflü^ ■ L’n KflDBtler’ . OM If Herzog an, der . MM ti ‘Sr.s-«.Jä ®n9df)atbt liA «“■ 1116 »" SM LFJvL 2*221 folgt.) ndl“ spricht bereits von der Möglichkeit einer Demission des Kabinetts ivegen der zwischen Cattlaux und einzelnen Mitgliedern des Kabinetts sich ergebenden Meinungsverschiedenheiten. Die Wirren in China. Hamburg, 22. Oft. (WTB.) Nach einer heute bei dem Ostasiatischen Verein eingetroffenen telegraphischen Nachricht der deutschen Handelskammer in Schanghai sind die Städte Schanghai. Sutschau. Wasih. Tschinkiang und Nanking von Truppen des Gouverneurs der Provinz TschekiaNg kampflos befett worden. In Schanghai herrscht völlige Nutze. Der Eisenbahnverkehr von Schanghai bis nach Mulden ist gestört. Wu-Pei-Fu erklärte in einer Unterredung, er sein ein Gegner der Bolschewisten, die er für das zerstörende Element in China halte. Er fügte hinzu, er erwarte die Hilfe des Generals Feng, der unter dem Namen des christlichen Generals bekannt geworden ist. Dann werde er Tfchang-folin, den mandschurischen Heerführer, a n g r e i f c n . Die europäischen Mächte waren übel beraten, wenn sie vor Wiederherstellung geordneter Verhältnisse die geplante Z 0 1 lkonse - ren.j abhielten. Eine derartige Konferenz könne nicht als rechtmäßig anerkannt werden. Die Generäle der Tschekiangarmee behaupten, daß sie die 7000 Mann starke Mukdenarmee in der Nähe von Nanking gefangengenommen hätten. General Wu-Pei-Fu versichert, daß alle 18 Provinzen ihn unterstützten mit Ausnahme von Amman, Kungsu, Schantung und Tschili, und daß die Armee der verbündeten Provinzen 300 000 Mann stark sei. Schwere Unruhen in Aegypten. London, 22. Ott. (WTB.) Nach einer Meldung aus Kairo brachen in Trmtah, wo sich Tausende von Pilgern anläßlich eines religiösen Festes eingefunden hatten, schwere Unruhen ous, in deren Verlaus 5 4 Personen getötet und 43 verwundet worden sein sollen. Die Unterdrückung der deutschen Presse in Südtirol. Vogen, 23. Oft. (Wolff.) Nachdem der Präfekt die Zeitung „Landsmann" wegen ihrer unentwegten Verteidigung des Deutschen verboten hat, stellen jetzt auch die „Bozener Nachrichten" nach 33jährigem Bestehen ihr Erscheinen ein. Damit erscheint jetzt in S ü d- tirvl feine große Zeitung mehr in deutscher Sprache. Die Bozener Nachrichten waren bereits zweimal beschlagnahmt worden, weil sie die italienischen Ortsnamen entgegen einer Verfügung nicht angewandt hatte. Preußischer Landtag. DerMißtrauensautrag gegen Severing mit 22V gegen 158 Stimmen abgclehnt. Berlin, 22. Oft. (WTB.) Die allgemeine Nussprache zum Zustizhaushalt wird fortgesetzt. 2lbg. Falk (Dem.): „Niemand hat das Recht, dem Nichter oder dem Staatsanwalt die freie Meinungsbildung und -äußerung zu verkümmern. Niemand kann ihm verwehren, zu den großen Fragen, die unser Volk bewegen, Stellung zu nehmen. Am Richterlich. im Deratungs- zimmer und im Amtszimmer der Staatsanwaltschaft hat Parteipolitik aber zu schweigen. In weiten Kreisen unseres Dolles hat sich aber das Gefühl eingestellt, daß nicht immer mit gleichem Maße gemessen wird. Wo solche Fälle sich zeigen, muh mit aller Strenge eingegriffen werden. Der Forderung, an Stelle des jetzigen Nichtertums ein Wahlrichtertum zu sehen, tonnen wir nicht beitreten. Einen Dreyfusskandal hat es bei uns nie gegeben. Wir empfehlen die Annahme des demokratischen Antrags. Vertreter der Anwaltschaft zu hören bei Geschäftsverteilung und Besetzung freigewordener Stellen. Wir halten weiter fest an unserer Forderung auf Wieder - einsührung der Schwurgerichte. Darauf unterbricht das Haus die Beratung und geht über zu den Abstimmungen über die angeforderten Mittel und die Anträge zum Haushalt des Ministeriums des Innern. Heber das von den Deutschnationalen beantragte Mißtrauensvotum gegen Severing wird namentlich abgestimmt. Die Kommumsten sind zwar vollzählig im Saale, geben aber feine Stimmkarten ab. Die Mehrheit der Wirtschaft- sichen Vereinigung stimmt für das Mißtrauensvotum, während der Rest sich der Stimme enthält. Für den Mihtrauensantrag sind 158. dagegen 220 Stimmen bei sechs Stimmenthaltungen abgegeben worden. Die Ablehnung des Mih- trauensantrags wird von der Linken mit lautem Beifall aufgenommen, der sich durch Händeklatschen verstärkt, als von der Reckten gezischt und gerufen wird: „Das nächste Mal!" Die Anträge des Hauptausschusses zur Verwaltung des Innern und zu den Angelegenheiten der Polizei werden angenommen. Bei der wiederausgenommenen allgemeinen Besprechung zum Iustizhaushalt setzte sich Abg. H a a s e - Liegnih (Wirtsch. Vgg.) dafür ein, daß in der Frage der Behandlung der Aufwertungsmrträge die Gebührenfreiheit auch auf Hypotheken ausgedehnt werde. Protestieren müsse seine Partei dagegen, daß die Vertreter der Anwaltschaft nach dem Vorschlag des Abg. Falk bei der Wahl der Richter gehört wer- den sollen. Das gefährde die Unabhängigkeit des Richterstandes. Abg. Koerner (V.) teilt unter lebhaftem Hört! Hört! seiner Parteifreunde mit. daß er von Staatssekretär Fritze vom Justizministerium wegen Aeußerungen, die er als Abgeordneter gegen den Minister getan hat, in feiner Stellung als Beamter zur Verantwortung gezogen worden sei. Auch sei ihm die Ministerialzulage vorenthalten worden, die doch ein Teil seines Gehaltes sei. Staatssekretär Fritze erwidert, daß eine Verständigung mit dem Abgeordneten Dr. Koerner in den von ihnen berührten persönlichen Angelegenheiten ausgeschlossen sei. In der Angelegenheit der Ministerialzulao? müsse Dr. Koerner den Protestweg beschreiten. Abg. Stendel (D. Vy.) betont, die große Mehrheit der preußischen Richter stehe den Zielen des Republikanischen Richterbundes fern. Die Hntersuchungsausscküsse dürften nicht in die Be° tuAuisfe der ordentlichen Gerichte eingreifen. 1 Der griechisch-bulgarische Konflikt. lieber Entstehung und Weiterentwicklung des bulgarisch-griechischen Konflikts, der zum Einmarsch griechischer Truppen in bulgarisches Gebiet und zur Besetzung der Stadt Petritsch geführt hat, kann man sich aus den sich widersprechenden Meldungen nur schwer ein zutreffendes Bild machen. Der Bericht des griechischen General ft abs über den Grenzzwischensall, der in der griechischen Note an die bulgarische Negierung angeführt ist, kommt zu folgendem Schluß: 1. Die Bulgaren hätten als erste das Feuer eröffnet, und zwar überraschend ohne Provokation und ohne Beweggründe. 2. Die Bulgaren hätten absichtlich und nach sorgsamer Vorbereitung Streitkräfte zn- s a m m e n g e z o g e n , wie sie sonst nicht für einen bloßen Grenzzwischensall eingesetzt werden. Sie hätten außerdem Maschinengewehre eingesetzt, wodurch bewiesen sei, daß die am Kampf beteiligten Streitkräfte stärker waren als eine Jn- fanteriefompagnic. Obwohl die Griechen das Feuer eingestellt hätten, und obwohl ein griechischer Hauptmann mit der weißen Fahne versuchte, mit den Bulgaren in Verbindung zu treten, hätten diese das Feuer nicht nur eingestellt, sondern den Offizier getötet und auf diese Weise ihre Absicht verraten. Die Tatsache, daß das bulgarische Bataillon, das den Angriff ausführte, von bewaffneten Zivilpersonen begleitet gewesen fei, beweise, daß die bulgarische Offensivbewegung wahrscheinlich darauf abzielte, den Einfall der Komitatschis auf griechisches Gebiet zu erleichtern. Auch habe der Angriff an einem Ort ffattgcfunöen, der nahe an der Eisenbahnlinie Dedeagastch—Demirhissar gelegen sei. Gegenüber dieser offiziösen griechischen Darstellung teilt die bulgarische Gesandtschaft in Berlin der Telegraphen-LInion über den Konflikt folgendes mit: Sofort nach der Tötung des griechischen Soldaien auf bulgarischem Gebiet hat die Zusammenziehung größerer griechischer Streitkräfte, die jedoch schon früher in Bereitschaft gehalten waren, begonnen. Die Griechen beschossen darauf einen bulgarischen Posten und setzten dann weiter bedeutende Kräfte ein, darunter auch Artillerie. Nachdem die bulgarischen Posten vertrieben waren, drangen die Griechen in das bulgarische Gebiet ein. Die Stadt Petritsch wurde von Artillerie beschossen. In Anbetracht dessen, daß die griechische Regierung dreimal den Vorschlag der bulgarischen Regierung auf Einsetzung einer ilnterfu- chungskommission unbeantwortet gelassen bat, ergibt sich die unumstrittene Tatsache, daß Bulgarien es mit einem von griechischer Seite schon lange vo r ber e fl c t c n Ang riff zu tun habe. Der Verband bulgarischer Journalisten und Schriftsteller in Berlin erklärt der Tele- graphen-IInion weiter, daß die. Aufmerksamkeit des griechischen Volkes von den schweren inneren Parteikonflikten abgelehnt werden soll. Hierzu habe die Militärpärtei mit General Pangalos an der Spitze den Vormarsch der griechischen Truppen auf bulgarisches Gebiet eingeleitet, der gegen das Völkerrecht verstoße. Trotz aller Verträge und des Völkerbundes als obersten Schiedsrichter habe Griechenland angegriffen. Die Meldungen, wonach bulgarische Posten einen griechischen Posten und einen Ortskommandanten getötet hätten, entbehrt jeder Begründung. Das völlig entkräftete und entwaffnete Bulgarien, das rings von Feinden umzingelt fei, würde sich keinesfalls llebergriffe erlauben, die zu Konflikten mit den Nachbaurn führen konnten. 9m Augenblick Kunst und Wissenschaft. Jur Nachfolge BaMngs. Darmstadt, 23. Oft. (Eigene Meldung.) Dem Finanzminister wurde eine Entschließung zugestellt, in der es heißt. Die unterzeichneten Mitglieder des parlamentarischen Theaterausschusses erheben schärfsten Einspruch gegen die Vorgänge anläßlich der Ernennung des Herrn Kapellmeisters Rosenstock zum Generalmusikdirektor. Sie legen folgende Vorgänge fest: Der Ausschuß wurde ohne Angabe der Tagesordnung einberufen: der Vorsitzende, Staatsrat Balser, brachte die Frage der Wiederbesetzung der Genera l m u s i k d i r e k t o r st e l l e zur Sprache; Intendant Legal hielt einen längeren Vortrag über diele Frage, worin er die ^Übertragung der Stelle an Herrn R o s e n st o ck empfahl. B e- vor das erste zu Wort kommende Ausschuhmitglied keine Ansicht dazu nöflig klarlegen konnte, verabschiedete sich Herr Legal, weil er einer in das Stadthaus in der gleichen Angelegenheit einberufenen Versammlung beiwohnen muhte. Die Ansicht der anderen Ausschuß- mitglieder hat er überhaupt nicht gehört. Drei der vier anwesenden Ausschuhmitglieder vertraten die Ansicht, man möge aus der Zahl der über 60 Bewerber um die Stelle geeignet erscheinende Herren aussuchen, mit ihnen in Verbindung und Verhandlung treten, außerdem müsse man ein Urteil über ihre musikalische Eignung zu gewinnen suchen. Dem Ausschuß wurde nicht mitgeteilt, daß "über die Ernennung des Herrn Rosen st ock 7, och am gleichen Tage entschieden werden solle. Auf Befragen gab Staatsrat Balser der Ansicht Ausdruck, der Ausschuß müsse in dieser Angelegenheit um seine Meinung befragt werden. Die unterzeichneten Ausschuß Mitglieder erklären auf Grund dieser Tatsachen: a) Die sofortige Ernennung des Herrn Rosenstock zum GeneralmusiDirektor ist gegen ihren R a t erfolgt. b) Die obigen Feststellungen zwingen zur Annahme, daß die Ernennung des Herrm Rosenstock v o r Anhören des Ausschusses b er ei tß geplant war. daß der Ausschuß nur der Form halber befragt wurde, und daß die H m st ä n d c der Befragung aus die Absicht einer Heber rumpe- l u n g des Ausschusses schließen lassen. c) Die Unterzeichneten sehen darin eine Nichtachtung des Ausschusses und ver- langeit aus diesem Grunde dessen alsbaldige Einberufung. gez. Kindt. Hat lern er. Dinge ldey. Abg. Dr. Leuchlgens hat dazu folgende Erklärung abgegeben. Herr Staatsrat Balser hat mir seien die schwachen bulgarischen Truppen damit voll in Anspruch genommen, die k o m m u n i st i s ch e n Umtriebe zu unterdrücken. Im Interesse des Friedens und der Zivilisation sei es unbedingt notwendig, daß der bulgarisch-griechische Konflikt im Keime erftickt würde. Vor allem müsse die Autorität des Völkerbundes als oberster Schiedsrichter aufrecht erhalten werden. Heftige Grenzkämpfe. A t h e n, 22. Oft. (WTB. Funkspruch.) Amtlich wird gentelbet, daß die Bulgaren in Demir- Capu Verstärkung erhalten Ijaben. Die Besetzung der bulgarischen Stadt Petritsch sei nur ein Pfand für die Ausführung der im griechischen Ultimatum enthaltenen Bedingungen. Es soll bereits zu lebhaften Kämpfen zwischen Griechen und Bulgaren gekommen sein. Die griechischen Truppeir sind in Bulgarien vorgerückt und haben nach einem heftigen Kampfe mit Maschinengewehren zwei bulgarische Dörfer beseht. Alliierte Vermittlungsversuche. London, 22. Ott. (SU.) Das britische Außenministerium veröffentlicht eine Erklärung, daß es in keiner Weise am griechisch^bul- aarischen Grenzkonflikt interessiert sei. Das Außenministerium ist der Ansicht, daß keine der beiden Mächte über die für einen Krieg notwendige,r Mittel verfüge und daß die Angelegenheit in mehreren Tagen auf friedlichem Weg geregelt werde. Die Gesandten der Alliierten unternehmen alle Anstrengungen, um den Ausbruch des Krieges zu vermeiden, doch wurden bisher von den beiden Regierungen — Griechenland und Bulgarien — einander gegenseitig gerichtete Noten unbeantwortet gelassen. 3m Zeichen des Völkerbundes. Paris, 22. Olt. (WB.) Das „Journal des Debats" schreibt zum griechisch-bulgarischen Konflikt: „Man wundert sich, daß in demselben Augenblick, in dem die Verträge von Locarno paraphiert werden, was einige Bläkten zur prophetischen Ankündigung der Vereinigten Staaten von Europa veranlaßte. zwei Mitgliedstaaten des Völkerbundes miteinander in Konflikt geraten, und sich um das Statut des Völkerbundes wie um die welken Blätter im Herbste kümmern. General Pangalos hat ein Ultimatum nach Sofia geschickt, und fein Kabinett hat Gelegenheit, die Grundsätze der friedlichen Regelung von Konflikten zu achten, für die der griechische Vertreter beim Völkerbund, Rentis, so warm eingetreten ist. Ader Herr Rentis hat gerade heute demissioniert. Wenn das Anrecht auf bulgarischer Seite liegt, bann ist es wichtiger, es f e st st e l l e n zu lassen, bevor man ein Ultimatum ergehen läßt. Zum Völkerbundsstatut seine Zuflucht nehmen, ist im Augenblick das einzige Mittel korrekten Verhaltens, aber unglücklicherweise entwickelt sich in Griechenland das Regime Pangalos im beunruhigenden Sinne. Pangalos verträgt weder Opposition noch Kritik. Er unterdrückt die Presse und behandelt General P l a st i r a s. den desinteressiertesten Mann ganz Griechenlands, wie einen Verbrecher, weil man ihm die Absicht zuschreibt, die Diktatur zu stürzen. Im Einver- ständnis mit den Anhängern Konstantins, die eine Revanche versuchen, verfolgt Pangalos General Plastiras. Wohin soll das Griechenland führen?" bei einer Rücksprache^ nichts von, der entscheidenden Bedeutung dieser Sitzung gesagt. Nur deshalb glaubte ich derselben fernbleiben und Geschäfte wahrnehmen zu können. Der Entscheidnng unter a, b und c ft i m m c > ch zu. Das Problem des Fernsehens. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" melden: Dr. Carolus vorn Physikalischen Institut der Universität Leipzig ist es nach jahrelanger zäher Arbeit gelungen, das Problem des Fernsehens und der F e r n p h o t o g r a p h i e in vollkommen einwandfreier Weise praktisch zu losen. Das Verfahren des Dr. Karolus unterscheidet sich von dem bekannten deutschen und amerikanischen Verfahren der Fernphotographie durch das rasche Tempo seiner Arbeitszeit. Es ist möglich, in einem Zeitraum von wenigen Sekunden ein Bild im Format von 13X18 auf drahtlosem Wege an eine entfernte Stelle zu übermitteln. Jin Laboratorium sind bereits Versuche gelungen, die Geschwindigkeit auf a;M Sekunde herabzudrücken, wodurch das Problem des Fernsehens gelost ist. Der Kern der Karolusschen Erfindung besteht in einer Zelle, der Karolus - Zelle, die imstande ist, ihre Durchlässigkeit gegen Lichtstrahlen in Abhängigkeit von auftreffenben großen Impulsen zu ändern. Auf diese Weise ist es möglich, eine vollkommen trägheitslose Steuerung der Lichtwellen im Lildempsänger zu erreichen. Dr. Karolus hat sich nach Amerika begeben, um von dort aus in Gemeinschaft mit der Telefunken- Gesellschaft in Nauen seine Experimente in großem Stil aufzunehmen. . Abg. Hofmann-Seligenstadt 7. Der Zentrumsabgeordnete des hessischen Landtags. I. PH. Hofmann-Seligenstadt ist nach langem Leiden am Mittwoch gestorben. Hofmann war 1907 bis 1919 Genevalsekrctär des Hess. Bauernvereins und Mitbegründer der Mitteldeutschen Emaillewerke in Seligenstadt. Seit 1919 war der Verstorbene Mitglied des Landtags und seit 1921 auch des Finanzausschusses. Wettervoraussage. Zunehmend bedeckt, westliche Winde, gleich- bleibende Temperaturen, Regenfälle. Nur langsam gewinnt das Fallgebiet über England ostwärts an Raum. Sein Kern liegt heute über Schottland. Wir gelangen nunmehr auf seine Südseite, wo wir mit stärkeren Niederschlägen rechnen müssen. Vorläufig ist noch keine Aussicht auf eine Besserung der Wetterlage vorhanden. Gestrige Tagesiempcraluren: Maximum 17,3, Minimum 11,2 Grad Celsius. Niederschläge: 7,7 Millimeter. Heutige Morgentcmperalur: 12 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. Oktober 1925, Die fremdenfeindliche Bewegung in China nnd die Mission. Man schreibt uns: Welch unheimliche Früchte die chinesische Fremdenfeindschaft zu zeitigen ttcr- mag, ist seit dem Boxerjahr 1900 in unser aller Erinnerung. Ströme von Blut sind damals geflossen, nicht nur von Europäern, sondern es fielen auch sehr viele chinesische Christen den fanatisierten Boxern zum Opfer. Als Blutzeugen ihres Glaubens haben sie es bewiesen, daß sie nicht nur Reischristen waren, denen es bei ihrem .Hebertritt zum Christentum nur um äußere Vorteile zu tun war. Damals gelang es den Chinesen nicht, den Einflnß der Europäer auf ihre Regierung abzudämmen und die sie selber einengen- den, die Europäer aber in jeder Weise bevorzugenden Verträge mit den europäischen Mächten abzuschütteln: im Gegenteil, mit Waffengewalt wurden sie niedergeworfen und ihnen neue demütigende drückende Fesseln angelegt, so daß auch die chinesische Regierung im Weltkrieg gezwungen war, uns den Krieg zu erklären, trotzdem das chinesische Volk in seinem Herzen auf Seiten der Deutschen stand. Wir alle wissen, daß heute Nvch-dort drüben alles drunter und drüber geht, und gespannt sind unsere Augen nach dem Orient gerichtet. Die verschiedenen Parteien mit ihren militärischen Führern, die sich gerne einen hohen Titel, wie Feld" marschall oder dergleichen beilegen, werden von den Großmächten, Engländern. Amerikanern. Franzosen, Russen und Japanern gegeneinander ausgespielt und mit Geld und Kriegsgerät ausgestattet . Schwer seufzt das unglücUiche Volk unter diesen Zuständen Kein Wunder, wenn sich von neuem der allgemeine Haß gegen die Europäer in blutigen Aufstanden und Heberfallen auf die Europäerviertel entlädt. Drei Punkte sind es vor allem, die den Unwillen und Groll jedes denkenden Chinesen nähren müssen: 1. Die Fremden haben ihre Exterritorialität, d. h.. sie unterstehen nur der Gerichtsbarkeit ihres eignen Landes, nicht der chinesischen, können also für etwaig; llebergriffe und Straftaten gegen Chinesen nicht belangt werden. 2. Obwohl die führenden Chinesen einsehen, daß das Opium ein furchtbarer Fluch für das Volk ist und deshalb Öen Anbau in China verboten haben, pochen die Fremden, vor allem die Engländer, auf ihr Recht, daß sie nach den bestehenden Verträgen ungehindert das Gift in China ein- führcn dürfen. 3. Die ungeheuren Zolleinnahmen für die Einfuhr fließen nach den Verträgen in ihre Taschen (dies der Grund für Nr. 2). Wir merken, es ist System in der Sache: dort in China ganz ähnlich wie hier bei uns: 1. Exterritorialität dcrBesahungen am Rhein. 2. Opium und französische Liköre und sonstige Luxusartikel. 3. Zölle, siehe Dawcsplan. Aber auch den Chinesen läßt dieses in nns den Genossen der Not, Entrechtung, Bedrückung und Aussaugung erkennen. Deshalb die Sympathie, die der Deutsche und vor allem der deutsche Missionar in China genießen darf. 3a. inmitten all der Kriegs- und Revolutionsstürme im fernen China steht der deutsche Missionar als Bote des Friedens, indem er durch die Verbreitung der Lehre Jesu: ..Gott über alles lieben und deinen Nächsten als dich selbst" den wahren Pazifismus betätigt. Heber alle diese Fragen kann man am heutigen abend 8 Hhr in der Stadtkirche einen der besten Kenner Chinas und chinesischer Verhältnisse reden hören. Missionsdirektor Dip - per aus Basel, der Leiter der hierzulande wohlbekannten Basler Mission, will einen Vortrag über obiges Thema halten. Er ist bet Bruder des in letzter Zeit vielgenannten Dr. Dippcr von Peking, des von den Chinesen so hochgeschätzten Arztes und Mannes ihres Der- traucns. Er kennt aber auch China und die Chinesen nicht nur durch die beständige Fühlung, die er als oberster Leiter der Baller Mistion mit dem dortigen Gebiete ha!, sondern auch aus eigener Anschauung, war er doch vor dem Krieg selber längere Zeit draußen und hat das ganze Basler Missionsgebiet bereist und gründlich kennen gelernt. Jedermann also, sowohl der für fremde Völker, als auch für die großen Geschehnisse der heutigen Zeit Interessierte, vor allem aber der Freund der Mission wird durch den Besuch dieses Vortrages voll auf feine Rechnung kommen. Gictzeircr Wochcrrmarktpreisc. Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt: Butter 215 bis 230. Matte 40. Käse 75. Wirsing 10. Weißkraut 6. Rotkraut 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 20. Römischkohl 10, Unter- Kohlrabi 6. Grünkohl 15, Rosenkohl 40, Feldsalat 100, Tomaten 40. Zwiebeln 12. Meerrettich 30 bis 100. Schwarzwurzeln 50 bis 60. Kürbis 8. Kartvffeln 4. Aepfel 12 bis 20, Dirnen 15 bis 35, Nüsse 45. junge Hahnen 110, Suppenhühner 120, Ganse HO bis 130 Pf. das Pfund: Eier 17, Blumenkohl 20 bis 130, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15. Ober-Kohlrabi 5 bis 15, Lauch 5 bis 10. Retlick 5 bis 20. Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag: Sradttheoter: 7} Uhr: „Der Familientag" (Ende nach 10 Uhr). — Stadtkirche 8 Uhr: Missionsvortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die vom Niederrhein". — Astoria-Lichtspiele: „Der Schrei aus der Wildnis". 0 D i c N 0 v e m b e r ° M ie 1 e. Wie wir hören, ist beabsichtigt, bic Miete für den Monat November für das ganze Land einheitlich auf 88 Proz. der Friedensmiele festzusetzen. g Heimat s ch u tz. Eine der erfreulichsten Erscheinungen unserer Zeit sind die auf Pflege der Heimatkenntnis und Heimatliebe in der Schule und im öffentlichen Leben gerichteten Bestrebungen. Auch der Hessische Bund für Heimatschutz, der 1913 gegründet, durch den Well- Irieg ober in feiner Entwicklung gehemmt worden ist, will durch Wiederausnohme seiner Tätigkeit sich mit allen Krasten in den Dienst der guten Sache stellen. Nachdrücklichste Unterstützung aller Volkskreise verdienen die Ziele, die sich der Bund gestellt Hal. Er strebt u. a. 01t: 1. Schutz der Eigenart des Landschastsbilves: 2. Schutz der einheimischen Ti en und Pflanzenwelt: 3. Schutz der geologischen Eigentümlichkeiten: 4. Schutz und Pflege der aus früherer Zeit überkommenen Werke der Bauten, beweglichen Gegenstände, Bodenaltertümer, Urkunden, Stroßen- und Flurnamen: 5. Pflege und Fortbildung der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise-: 6. Pflege der Volkskunst auf dem Gebiet der be* Turnen, Sport und Spiel folge der vorigen Woche bestehen. Kurhessen Kassel 17 Spiele 29 Punkte Die Gegner vom Sonntag sind sein und Haus der Handarbeit, Gießen, seiterswegsi 10 - 1 3-7 Montag MjMNWM la AM« Hansa |E*=] Wohnungstausch! la Land- W12 n Schöne 6-Iimmermohimng in bester Kaiierallec 24 II. A* Kaiierallec 24 II. jlöllliU MdI. MM vU,lu' Handelsschule *€»•♦*.***»•* Wuritrett j.Kunzeimann Majemnnen ~ T Bahnhofstr. 60 .Quark) v. Molkerei, uphehlt 08608 vorm. Hermes £" nerleu mit Preis empfiehlt Liierten mit Preis vorm. Hermes aU verm. Anzuieben von 4-7 Uhr 08616 Moltkcstraßc 20 p. Sport Kassel 05 Göttingen Spielverein Kassel Borussia Fulda Hessen 09 Kassel S. E. 03 Kassel Marburger S. Bg. S. Bg. Göttingen Hann. Münden F. C. 05 Wetzlar Gießen 1900 Osterode mn 1 oder 2 Betten, elektr. Licht a- verm. FoOheimer 5(r. 54 n. Kassel. Kurhessen Kassel- Gießen 1900. rode—Sport Kassel. 05 Göttingen- 03 Lage der Stadt Wetzlar gegen eine ebensolche in Bietzen zu lauschen gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 9806V an den Bietzener Anzeiger. Die Ausstellung ist geöffnet: Sonntag von 11 - 1 Uhr und 3-7 Uhr Weisei, 14 Marktstrane 14 Neue Kurse 2. November. S.B. Oste- Kassel. Stand und Vorschau der Bezirksliga in Hessen-Hannover In der Mitte der Tabelle tauschen B o - russib -Fulda und Hessen 09-- Kassel die Plätze, am Ende H a n n. - M ü n d e n und F. - C. Wetzlar. Im übrigen bleibt die Rcihen- ca. 150 Betriebsstunden auf Ausstellungen zur Probe gelaufen, günstig zu verkaufen. Schriftliche Angebote unter 9882D an den Gießener Anzeiger erbeten. „.,a Marburger S. Bg.—Fulda. F. E. 05 Wetzlar— S. Bg. Göttingen. Wer gewinnt? Das int voraus zu entscheiden, ist, gemessen an den letzten Resultaten, ein müßiges Beginnen. Wenn Hann. Münden Hessen 09 Kassel schlagen konnte, dann mühte ja kommenden Sonntag Gießen 1900 über Kurhessen Kassel triumphieren können?? Trotzdem: Kurhesseu Kassel, (wie lange noch 03? Sie wollen sich doch mit den Leichtathleten Kassels, mit Hessen-Preußen, vereinigen), Sport Kassel gewinnen und — wenn Der große Boxkampf zwischen dem deutschen Schwergewichtsmeister Breitensträter und dem spanischen Schwergewichtsmeister Paolino kommt am 20. Aovembcr im Sportpalast in Berlin zum Austrag, der mit diesem sensationellen Kampf feine Pforten öffnet. Am gleichen Tag steigen Hein Domgörgcn und der französische Mittelgewichtsmeister Molina. gleichfalls im Sportpalast, als Gegner in den Ring. Als erster deutscher Fußballvercin wird der Hamburger Sportverein in England Spiele austragen. Der H. S. B. hat mit den berühmten Corinthians für das Frühjahr ein Spiel abgeschlossen, dem sich noch einige weitere an» schließen werden. Die schwedische Ländereli wird vermutlich auf der Rückreise von einem Spiel in Krakau in Berlin an treten. Der erstmalig veranstaltete Sportlehrgang des Deutschen Kanu-Berbandes, den die Interessengemeinschaft Kölner Kanu-Bercinc durchführte, hat aus dem ganzen Reich eine zahlreiche Beteiligung gefunden und einen recht guten Bcrlauf genommen. Reben den Dorsihenden der einzelnen Kreise und deren Sportwarlcn beteiligte 20 19 19 17 17 18 18 20 19 18 20 ten sich viele Mitglieder des Berbandes an diesem Mustersportlehrgang. Zu den am kommenden Sonntag in Dortmund stattfindenden Klub-Zweikampf Hellas, Magdeburg, gegen Dortmund 96 werden die Magdeburger mit ihrer stärksten Mannschaft in Dortmund erscheinen. Zwischen dem Westdeutschen Spielverband unt) der Deutschen Iugendkraft ist ein Bertrag abgeschlossen worden, der ein einheitliches Mit- und Rebeneinanderarbeiten in noch engerem Verhältnis als bisher vorsieht. Dec von Fräulein Huneus, M.-Gladbach, aufgestellte neue Rekord im Hundertmeter-Brust- schwimmen mit 1:29 ist anerkannt worden und wird der Fina zur Genehmigung als Weltrekord unterbreitet. Anläßlich der 30-Iahrseier des altberühmten St. Andreasberger Winterfestes findet vom 27. Dezember bis 3. Januar dort im Oberharz eine Iubiläumssportwoche statt. In Friedrichsroda i. Th. wird vom 29. Rovem- ber bis 6. Dezember eine internationale Wintersportausstellung veranstaltet. Vom Rudern. Bom herein „Uferkritik Gieße n" wird uns geschrieben: Nachdem die hiesigen Rudervereine nunmehr sämtlich ihr diesiähriges offizielles „Abrudern" hinter sich haben, ist es auf der Wasserfläche unserer Lahn allmählich still geworden, aber in unserem Innern klingt um so stärker fort, was die Gießener Rennruderer auch in diesem Jahre geleistet haben und wie sich die Voraussagungen, die wir in unseren am 14. Mai und 7. Juli an dieser Stelle veröffentlichten Berichten gemacht haben, herrlich erfüllten. So konnte die Gießener Ruder-Gesellschaft 18 7 7 in diesem Jahre auf den verschiedensten Regatten 16 Siege erringen, und auch dec Ruderklub Hassia 1 906 ging aus hart umstrittenen Rennen siebenmal als Sieger hervor. War es den beiden anderen hiesigen Rudervereinen, dem Verein Rudersport 1913 und dem Wassersportverein Hellas, leider in diesem Jahre nicht vergönnt, eine siegreiche Mannschaft auf das Wasser zu bringen, so müssen wir doch anerkennen, daß auch in diesen Vereinen zielbewußt gearbeitet wurde, und wie bereits in unserem Bericht vom 7. Juli erwähnt, hotte z. B. Verein Rudersport entschieden einen Achtungserfolg zu verbuchen, indem er mit keiner Achtermannschaft auf der hier abgehaltenen 21. Regatta des D. R. B. der Limburger Klub- mannschaft den Sieg fast bis ins Ziel streitig machen konnte. Wie schon gesagt, ist es nun auf der Wasserbahn still geworden. Nun ist es Zeit, daß das tatkräftige Leben, welches vorher auf der Lahn selbst pulsierte, sich in den Räumen der Bootshäuser weiterhin durchgesetzt und durch regelrechtes Hallentraining die erforderliche Körperstählung weiter zu erhalten und zu fördern ist, bis es im nächsten Frühjahr wieder heißt „Fertig machen! — alles fertig? — los!" Jetzt ist auch die Zeit dafür gekommen, den Bootspark einer genauen Untersuchung zu unterziehen und die Beschädigungen, die das Bootsmaterial in der verflossenen Kampfzeit irgendwie erlitten hat, kunstgemäß zu beseitigen, damit beim Beginn der nächstjährigen Ruderzeit „alles klar" ist. Den jungen ausübenden Ruderern können wir nur wärmstens empfehlen, jetzt nicht auf den errungenen Siegeslorbeeren auszuruhen, sondern sich regelmäßig am Hallentraining zu beteiligen, um da mit die Gewähr zu bieten, daß auch im nächsten Jahre die Gießener Rennruderer in Sportskreisen nur mit Hochachtung genannt werden. Wie die Gießener Rudervereine dank ihren tüchtigen Rennmannschaften stolz auf die diesjährige Ruderzeit zurückblicken können, so dürfen aber auch wir Alten, die den Rennrndersport nicht mehr aus üben und in den „StritifDcrcinen" Zusammenschluß und Betätigung gefunden haben, aus ein diesjähriges erfolgreiches Wirken zurückblicken. Der Verein „U f e r k r i t i k Gießen 1 922" hat feine Daseinsberechtigung wohl offensichtlich dadurch erwiesen, daß er den deutschen Rudersport durch Stiftung wertvoller Preise und durch Entsendung seiner Vertreter zu den verschiedensten Regatten, einerlei welchen Verbandes, gefördert hat. Er hat ec- aber in diesem Jahre mit der tatkräftigen Unter stützung durch die Mainzer Hafenkritik 1 8 8 0 auch fertig gebracht, einen Zusammenschluß der bestehenden verschiedenen Rudersport Kritikvereine zu erreichen. So haben sich die beiden genannten Kritikvereine mit den Vereinen Ruder- Sport-Kritik Frankfurt a. M. und Uferkritik 1906 Frankfurt a. M. unter dem Ra men Vereinigung süddeutscher Rudersport-Kritikvereine mit Sitz Frankfurt a. M. zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, die gemä^ihren Satzungen dahin wirken will, das Interesse pir den Rudersport zu fördern und so zur körperlichen und sittlichen Ertüchtigung unserer Jugend und damit zum Wohle unseres Vaterlandes beizutragen. zu regeln. Die -HrtaubSf rage der Gemeinde- beamten fand ihre Erledigung in dem Sinrre, daß allen vollbeschäftigten Beamten Urlaub nach den reichs- und landesrechtlichen Bestimmungen zu gewähren ist. 2m übrigen soll es dem gegenseitigen liebereiniommcn unterliegen, wobei von den Anstellungskörperschaften weitgehendes Entgegenkommen, von den Beamten aber hinreichende Rücksichtnahme - auf eine ungestörte Fortführung des Dienstbetriebs verlangt wird. Die in der Zeitschrift für Staatsund Gemeindeverwaltung vom 20. September l. 2. iriedergelegten Rormen wurden als Grundlage zum Beschluß erhoben. Die Haftpflichtversicherung der Gemeinden in einem Verein auf Gegenseitigkeit soll in dem eingeleiteten Sinne weiter gefördert werden. Sehr gut möbl. großes Zimmer mit elektr. Llchl an solid. Herrn z. verm. WA0 nicht alles täuscht — gewinnt Marburg erstes Spiel in der zweiten Serie. Sport-Spiegel. Sonntag, den 25. Oktober in unseren 7 Schaufenstern — in sämtlichen Ladenräumen Montag, den 26. Oktober und im ersten Stock 28 26 24 24 23 21 18 17 16 14 10 7 Hessen 09 -möglichen Gegenstände, der Sitten, Gebräuche, Feste und Trachten. Das Landesamt für das Dilbungs- wefen hat den Schulen des Landes empfohlen, die Heimatschutzbewegung zu unterstützen und damit den Heimatschutzgedanken weiter zu vertiefen. Nähere Auskunft über den Bund für Heimatschutz erteilt Ministerialrat Wagner (Darmstadt). '* Die Ablösung der öffentlichen Anleihen betrifft eine wichtige Bekanntmachung in unserem gestrigen Anzeigenteil, auf die wir die Interessenten hiermit besonders aufmerksam machen. ~ spd. Das Gießener Flugzeug verunglückt. Das Verkehrsflugzeug „Gießen" muhte während der Fahrt von Dessau nach Frankfurt o. M. auf dem Exerzierplatz in Fulda eine Not- 1 a n düng vollziehen, wobei der Propeller zertrümmert wurde. Personen kamen nicht zu Schaden. Erst nach dem Eintreffen der Ersatzteile kann das Flugzeug seine Fahrt sortsetzen. "• Seinen 70. Geburtstag begeht morgen der Oberschaff ne r i. R. H. Schneider, Wilsvnstraße 2 wohnhaft. Der alte Herr erfreut sich noch einer guten Gesundheit. RDB. Wann darf die Eisenbahnfahrt unterbrochen werden? Wie oft, wie lange und unter welchen Bedingungen die Fahrt auf Zwischenstationen unterbrochen werden kinn, bestimmt der Tarif. Auf Fahrkarten für einfache Fahrt kann die Reise einmal, auf Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt je einmal unterbrochen werden, wenn der Tarif nichts andcres bestimmt. Die Geltungsdauer der Fahrkarle wird durch die Unterbrechung der Fahrt nicht verlängert, die Dauer der- .Unterbrechung aber ist innerhalb der Geltungs^ dauer der Fahrkarte unbeschränkt. Auf Fahrscheinhefte darf innerhalb ihrer Geltungs'- dauer die Reise beliebig ost und beliebig fange unterbrochen werden. Eine unterbrochene Reise kann auch von einer anderen, dem Ead- punkl ihrer Gültigkeit nähergelegenen Station desselben Bahnweges fortgesetzt werden. Der Uebcrgang auf Anschlußzüge wird, selbst wenn infolge des Fahrplans eine Hebernachtung dazwischen liegt, als Fahrtunterbrechung nicht angesehen. ** Evangelischer Bund. Der vom Gießener Zweigoercin veranstaltete Vortragsabend war trotz anderer mit ihm zusammenfallendcr Versammlungen sehr gut besucht und die Stadtkirche fast gefüllt. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden sprach Pfarrer Haupt-Gießen, Generalsekretär für Süddeutschland, über das Thema: „Evangelische, seid auf der Wacht!" In allgemeinverständlicher, dabei überaus fesselnder und wissenschaftlich gegründeter Art schilderte er als die Gegner des evangelischen Glaubens, denxn gegenüber Verteidigung, gegebenenfalls auch Angriff nötig sei, u. a. den seelenmordenden Materialismus und den politischen, nicht religiösen Katho- lizismus in der Form von Klerikalismus und Jesuitismus. — Orgelspiel und Gesang umrahmten den gehaltvollen Vortrag des geschätzten Redners. Dom hessischen Landgemeindetag * Darmstadt. 19. Oft. Im Stadthause fand heute unter dem Borsitz von Bürgermeister Al c xan der - Gonsenheim eine Borstands- sihung des Hessischen Landgemeindetags statt. Bon besonderem Interesse waren die Mitteilungen des Borfihenden über die Kreditpolitik der Deutschen Girozentrale in Berlin,welche, obwohl die Gemeinden Mitglieder und Garanten der Sparkassen sind, dieselben bei der Gewährung von Krediten der Industrie gegenüber derart nachteilig behandelt hat. daß sich der Deutsche Landgemeindetag auf seiner Sitzung in München am 5. Oktober t. I. veranlaßt gesehen hatte, gegen ein solches Gebahren schärfstens Derrn a h r u n g einzulegen. Im weiteren wurde das Borgehen des Deutschen Tags in der Frage der von der Reichsregierung geplanten Reubildung des Reichswirtschaftsrates gebilligt und entschieden dagegen protestiert, daß man die Ber- tretung der Landgemeinden in dieser wichtigen Körperschaft aus haltlosen Gründen von seither vier auf einen Sih beschränken will. Bezüglich der Zeppelin-Eckener-Spende wurde es als nationale Pflicht der Gemeinden betrachtet, nach dem Grade ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit zum Gelingen des großen Werkes beizutragen. Bezüglich der Sonntagsruhe int Handels- getoerbe wurde ein Antrag des Deutschen Tags bei dem Reichsarbeitsminister gutgeheißen, welä)er bezwecken soll, die im Reichsarbeitsblatt Rr. 15 vorn 1. August 1924 veröffentlichten Richtlinien dahin abzuändern, daß in Absatz 2 die Dezirks- rerwaltungsbehörden (Kreisämter) ermächtigt werden, bei weitläufiger Siedlungsweise im Interesse der landwirtschaftlichen Bevölkerung den Berkaus weiterer Bedarfsgegenstände, welcher seither während zwei Stunden gestattet war. innerhalb ihrer Bezirke je nach Bedürfnis Amtsgericht Gießen. Gießen, 19. Ott. Verschiedene Mitglieder einer hiesigen Religionsgemeinschaft fühlten sich durch die Steuerveranlagung für 1924 zu Unrecht zu scharf herangezoaen und reklamierten deshalb bei dem Vorstand. Da die hierauf erfolgte Herabsetzung der Steuern vielen nicht weit genug ging, schlossen sie fid) zusammen und beauftragten einen Sachverständigen mit Wahrung ihrer Rechte. Dieser machte auf Grund der Angaben seiner Vollmachtgeber eine Eingabe nn die Behörde, in der er u. a. auch die Steuerschuld einer hiesigen Geschäftsinhaberin derjenigen verschiedener Vorstandsmitglieder gegenüberstellte. Diese frugen daraushin bei dem Verfasser der Eingabe an, ob er diese Angaben an Gasthaus Hafer- kästen, Limbura an der Labn. ,,47'D Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung) Sonderbare Gepflogenheiten der Neichsbahn. Jemanden für einen Fehler, den nicht er, sondern den man selber gemacht hat, zu bestrafen, gilt im allgemeinen nicht als schön. Die Deutsche Reichsbahn glaubt aber, das Publikum nach diesem Grundsatz behandeln zu dürfen. Kürzlich fuhr ich mit noch zwei Erwachsenen und einem Kinde mit dem Zuge, der 5.44 in Schotten abgeht, über Gießen nach Mücke. Ich nahm in Schotten Fahr karten nad) Gießen: nach Mücke über Gießen bc kommt man jedoch feine und zudem hat man in Gießen 8 Minuten Zeit, um neue nach Mücke zu lösen, da der Zug von Nidda um 7.55 antommt und der nad) Mücke um 8.03 abgeht. Kurz vor Gießen hielt jebod) der Zug etwa 5 Minuten, so daß wir erst ! Minute nach 8 im Gießener Bahnhof einfuhren. Der Schaffner des Fuldaer Zuges, an dem ich mich wandte, sagte mir, zum Nachlösen sei keine Zeit und nahm mir die Fahrkarten von Schot ten nach Gießen ab. In Mücke konnte ich bann die Fahrt von Gießen nachzahlen, wurde aber außer dem noch mit 1,7 5 Mark bestraft, weil ich keine rote Nachlösekarte hätte. Der Beamte, der mir diese sonderbare Strafe auferlegte, hat natürlich nicht nad) eigenem Ermessen,sondern nach den Grundsätzen der Reichsbahn gehandelt, die er befolgen muß. Id) wurde dahin belehrt, daß id), trotz der 8 Minuten Zeit in Gießen, in Schotten neue direkte Karten nach Mücke verlangen müßte. Id) hätte eine solche zwar nicht erhalten, dafür aber eine rote Nachlösekarte, die mir die Strafe von 1,75 Ml. erspart hätte. Auf meine Frage, ob denn diese sonderbaren Bestimmungen in den Bahnhöfen angeschlagen sei, blieb man mir die Antwort schuldig. In Mücke sand ich einen solchen Anschlag nicht, in Schotten wird auch keiner sein. Zu gleicher Zeit wie wir, kamen auch zwei Reisende von Büdingen an, die ebenfalls in Strafe genommen wurden (mit 1 Ml.). Sie hatten in Büdingen Karten nach Mücke verlangt, aber weder diese noch rote Nachlösekarten erhalten. Die Bahn macht also mit einem Aufenthalt von 5 Minuten vor Gießen ein ganz gutes Geschäft: in Mücke allein waren es 2,75 Mk., wieviel werden es auf der ganzen Strecke und wieviel werden es das Jahr über sein! So straft die Reichsbahn die Reisenden für die Versäumnisse, die sie — die Bahn — begeht und braucht nur noch mehr solcher Bestimmungen, die irgendwo in den Verordnung^ düchern aufbewahrt, aber bei Leibe nicht öffentlich angeschlagen werden, zu erlassen, um aus ihren Geldnöten herauszukommen. Klug — aber sonderbar! Andere Eisenbahiioerwaltungen, z. B. die in Altona, haben sich, dem Vernehmen nach, zu einem gerechteren Verfahren bekehrt, die von Frankfurt will scheinbar von der Möglichkeit, solche Gewinne zu machen, nicht lassen. Es wäre aber Zeit dazu! E. S. Möbl. Zimmer an soliden, ruhigen Herrn (Daucrm.) zu vermieten 108623 Bleichstr. 15 !!. Anzus.v.ützUhrabds. !» üüjj«iw i jji btde fragen tenn ma b S Uhr in der Stabtiirm leimet China» und chinesische, Horen. MistionsdinstorDst' der Leiter der hierzu^! sler Mission, toi» einen 2hr- Thema halten. 6r ift ter etzter Zeit viclgMM 9r. tg. des ton den yöresm I» ztes und Mannes N ®f.r' ii aber auch M unb J;c durch die bestände er Leiter der W Gebiete hat. sondern auch art g, »ar er doch wt M ( draußen unb N H f chiei bereift unh fl” tehermann also, faf £ M-ch st- tiGcn Zeit Interesuerte, Mnd der Mission wud M - Ertrages voll aus Vochcnmarktpreisc. Dochriunar!' 101 ?dUCt ß 'aelbe Mben k WauL --St io iwff .ahnen l10-Tnb; Eier >■ 130. e«“ ,5 2ou 5 H 10 Korrrotizen- tfl. kalend-l sur. 0 . W: Mission^ Astoria-lM'if -SL:; *: Alelck r‘Mott, 8 , u iQAß . teiti9en tentzini es beii? ne k.dah 'ruber geht, ^°" drüben ZZpannt Ü mit thren mi[&xSle t)?r' beilegt Ä Teld° Engländers und t Geld knd Xi?nä9ene-,nQ^: seufzt das Wäl -ui. den 'M Meine M 0M/'xh>;nn “fftanben,^y^t> I entlädt 5)r,i m ;len aL OMlbie führenden ©bin- Optum em surL 7V\ A, und deshalb b 3 ^bvten hoben, x die Sngländn J he nach den bestehende dert das Gift in China 1 he ungeheuren Zolleinnahin-- CBcn nach den Verträgen i' der Grund für Ur.2). System in der Cache: hort ich wie hier bei uns: 1, iohungen am Rhein. lOpium ikvre und sonstige LuM- iehe Dawesplan. Aber auch dieses in uns den Senkung, CBebrüdung und Deshalb dir Sympathie, iit nd vor allem der deutsch, Lhina geniesten dar!. 3a, bi- riegs« und IevolutionsstÜM eht der deutsche Missionar c!> , indem er durch die QJerbn■■ ’lu: „Gott über alles lirfft i a/s dich selbst" ten wahr» gemacht habe, um sie zu beleidigen, ober ob er nur im Auftrage seiner Vollmachtgeber gehandelt habe. Da ein Eingehen auf diese Anfrage abgelehnt wurde, schrieben sie an den Verfasser einen weiteren Brief, in dem sie u. a. erklärten, die der Behörde in der Eingabe gemachten Angaben bedeuteten nad) ihrer Ansicht nicht nur eine Denunziation, sondern sie enthielten aud) den Vorwurf einer Verletzung der Amtspflicht der betr. Vorstandsmitglieder. Die Reklamanten hätten auf das Bestimmteste angegeben, zu einem derartigen Vorgehen keinen Auftrag erteilt zu haben. In einem späteren Schreiben nahmen die in Betracht kommenden Vor standsmitglieder ihre in dem zweiten Briese ausgestellten Behauptungen zurück, nachdem ihnen erklärt worden war, daß der Versasser der Eingabe die darin enthaltenen Angaben auf Grund eines ausdrücklichen Auftrags gemacht habe. Der Verfasser der Eingabe erhob nun gegen zwei Vorstandsmitglieder wegen des ihm gemachten Vorwurfs der Denunziatton Privatklage wegen Beleidigung. Auf Grund der umfangreichen Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung konnte das Gericht fid) nicht davon überzeugen, daß das Wort „Denunziation" in dem Sinn und dem Zusammenhang, in dem die Angeklagten cs gebraucht haben, eine Beleidigung im Sinne des Strafgesetzbuchs darstellt. Sollte das Gegenteil aber der Fall sein, so muß den Angeklagten nach der Meinung des Gerichts der Schutz des § 193 StGB, zugebilligt werden, do sie in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt haben und in keiner Weise ihre Absicht, den Privatkläger zu beleidigen, bargetan ist. Die Angeklagten rourben deshalb freigesprochen. -HW «Tlk, dic l>ch r e 7 \ Sch"!! - 2. & geolöfl djiiii un.J htr8°u%n w ißfunfta stenXs. KünstlerischeWoll-Kn Leinen-^ Äh.Arbeiten ^Stolle, Materialien, stellen aus. EXUIlDliUi 1DV11V vv \ju Umhänge 1-Viiivii Läufer Stramin- Kissen Plattstich- aller Art Vorlagen, Entwürfe Künstlerische ZZZ Handarbeits-Ausstellung! Vermiteungen 8>it möbl. Großer Seliebtheit erfreuen sich unsere Rauch-Tabake infolge ihrer anerkann tvorzugl. Qualität und der billigen Preise Seecobb f. kurze, u. Halblangepfeisen (tdo RippenlaboF) i/t Pfund-Pakct -.90 V2 pfund.pakel -.45 1/5 Pfund-Paket -.20 1 l0 Pfund-Paket -JO Cubana-tauaster in Grob- und ZKittelschniN 14 pfund-pakat 1.50 i/2 Pfund-Paket -.75 l/z Pfund-Paket -.50 '4, Pfund-Paket -.15 Liko-Schäg feinste virginia-TNischung V2 Pfund-Paket 1.25 V6 Pfund-Paket -.50 V10 Pfund-Paket -.25 Ludana-Schäg . v# pfd.Paket -450 gelbe Pergamin-Packung Biedermeier grün v5 M.-par« -.40 jnittclfräfüg vorzügl. 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Wenn sic dabei die Forderung erheben, Deutschland mindestens den gleichen Grad von Wehrhaftigkeit zuzugesichen, der von der neutralen Schweiz in Anspruch genommen wird, so werden sie mit Recht betonen können, das; diese Forderung mit sogenanntem Militarismus nicht das geringste zu tun hat, vielmehr auch von den eifrigsten Pazifisten mit voller Entschiedenheit gestellt werden must, und das nicht, obwohl er Pazifist ist. sondern weil er Pazifist ist.d. h. also ein Mann oder eine Frau, die in ernster Weise danach streben, d'.c Entstehung künftiger Kriege unA die Wiederholung eines Blutvergießens, wie wir es im Weltkriege erlebt haben, mit allen Mitteln zu verhindern. Auch der eifrigste Pazifist, der nicht in Wölkenkuckucksheim lebt, sondern fest auf dem Boden unserer alten Mutter Erde steht und den Bedürfnissen seiner eigenen Volksgemeinschaft Gerechtigkeit widerfahren lassen will, muß unbedingt verlangen, daß sein Volk in der Lage ist, sich gegen Angriffe feindlicher Rach- barn mit Erfolg zu wehren. Aichts anderes aber verlangt der Begriff der Wehrhaftigkeit. ..Wehre Dich, wehre Dich kräftig, wenn man Dich anrennt, einzeln oder in Hausen, wenn Dich ein Schwächling neckt, laß ihn laufen." So lautet ein altes Wort, aus dem stolzes und gesundes Dolksempfinden spricht, und die darin ausgesprochene sittliche Pflicht, sich gegen ungerechte Angriffe kräftig zur Wehr zu setzen, gilt nicht nur im Daseinskampf für den einzelnen, sondern sie gilt auch für die Völler, llnö daß dem Dölkerfrieden nicht gedient ist, wenn sich mitten im waffenstarrenden Europa ein einzelnes Volk befindet, das wehr- und waffenlos ist, darüber wird wohl eine Meinungsverschiedenheit nicht bestehen können. Der sogenannte passive Wider st and, den beim Auhreinbruch die waffenlose Bevölkerung, Arbeiter und Industrielle, Eisenbahner und Schutzpolizei, Staats- und Gemeindebeamte mit heroischem Opfermut den Forderungen der Eindringlinge entgegensetzten, wird für immer ein Ruhmesblatt in der deutschen Geschichte bilden. Aber gerade der Verlauf dieses eigenartigen Kampfes, der bald die besten und edelsten der waffenlosen Kämpfer zu Tausenden in französische Gefängnisse führte, hat den klaren Beweis erbracht, daß nicht passiver, sondern nur a t - liver Widerstand ein Volk gegen rohe Gewalttat zu schützen vermag. Aus diesem furchtbaren, aber überaus lehrreichen Anschauungsunterricht, den uns das Schicksal erteilt hat, muffen wir nun aber auch die notwendigen Folgerungen ziehen. Und diele können meines Erachtens nur in dem Entschluß bestehen, unsere Wehrhaftigkeit und Verteidigungsfähigkeit mindestens in dem gleichen Umfange wiederherzustellen, wie er von der neutralen Schweiz für notwendig gehalten wird. Das Versailler Friedensdiktat hat uns bekanntlich verpflichtet, die allgemeine Wehrpflicht abzuschaffen und nur ein Söldnerheer von höchstens 100 000 Mann zu halten. Ein Milizheer, wie es in der neutralen Schweiz besteht, dessen Angehörige nur wenige Monate aktiven Dienst tun, ist aber etwas ganz anderes, als das auf der Pflicht zu zweijähriger Dienstzeit beruhende und auf Grund des_ Friedensvertrages abgefchasste alte deutsche Heer. Man wird daher mit Fug und Recht sagen können, daß ßic Bestimmungen von Versailles mindestens ihrem Sinne nach der Einrichtung und Ausbildung einer Miliz nach Schweizer Muster nicht mtgegenstehen, und ich bin der Ansicht, daß die Reichsregierung recht bald eine Gelegenheit tuchen sollte, um diese Auffassung den Signatarmächten des Versailler Vertrages gegenüber zu vertreten und gleichzeitig mitzuteilen, daß ein Gesetzentwurf, der die Schaffung einer Miliz- Organisation nach Schweizer Muster zum Gegenstand habe, dem deutschen Reichstag vorgelegt Gießener Stadttheater. „Die blatte Stunde" Lustspiel in drei Akten von Felix 2 0 s k n. Personen: Hans van Adam; Eva, seine Frau. Äerti Schlange, ihre Freundin: Joachim Apel; Sanitätsrat Leidner: das Hausmädchen. — Ort )erHandlung: Ich glaube „überall"! — Zeit: Durch die Jahrtausende. Der Regisseur, der dieses Buch bis hierher mit Aufmerksamkeit gelesen hat, durfte aus den bibli- chen Namen des Personenverzeichnisses ersehen haben, daß es sich nicht tim einen ganz neuen Vorgang handelt. — Heute vor 5685 Jahren, genau auf den Tag, hat sich die Begebenheit^abgespielt. Äanz so dürste sich der Fall indes nicht zugetragen haben, wie schon aus dem sehr viel kleineren Per- onenverzeichuis der llebcrliefcrung hervorgeht. Darum sieht sich der Verfasser genötigt, dem Regisseur Aufschluß zu geben, wie er sich die Pcr- onen des Sündenfalles gedacht hat. Auch auf das Kostüm der biblischen Erzählung durste nicht zurückgegrifsen werden, da der Autor (in sehr wohlanständiger 'Autor ist. Hans van 21 d a m ist 35 Jahre alt, mit einer sehr hübschen, lieben, jungen Frau verheiratet, weshalb er and) wenig Gebrauch von ihr zu machen icheint. Er gibt viel auf fein Aeußeres, zahlt pünktlich Miete und reichliches Wirtschaftsgeld und tonnte darum auch nie auf öen Gedanken kommen, daß feine Frau nicht glücklich fei. Eva ist 25 Jahre alt. Der männliche Parkett- iefucher spitzt bei ihrem Anblick die Lippen, während die Dame neben ihm den Mund mehr in die Sreitc zieht. Daraus geht leider hervor, wie hübsch Eva angezogen ist. Jedoch trägt sie im dritten Akt las gleiche Kleid wie im ersten. Qerti Schlange, kaum älter als Eva, fordert den Parkettbesucher (es ist wieder von dem männlichen die Rede) zu wenig höflichem Vergleich nit feiner Begleiterin heraus. Er wird aber bald •rfennen, daß ihm der anständige Spatz in der Hand lieber ist, als die wilde Taube auf dem Dach. Seine Nachbarin dagegen wird sofort auf den Theaterzettel schauen, um nachzulesen, welche Modefirma die drei Toilctetn (Bertis lieferte. werden solle. Die Reichsregierung sei der Ansicht, daß die Verteidigungsmöglichkeiten, die einem Lande wie der Schweiz zugestanden würden, deren Neutralität allseitig garantiert würde, dem deutschen Volk, das in dieser Beziehung weit ungünstiger gestellt sei, unmöglich vorcnthalten werden könne, bedrohe kein anderes Volk und könne deshalb auch keinem anderen Volke begründeten Anlaß zu Einsprüchen geben. In jedem Falle aber handele es sich um eine Lebensfrage des deutschen Volkes, deren Lösung von keiner ihrer Verantwortung bewußten Regierung hinausgeschoben werden könne. Ich frage die wahrhaften Pazifisten aller Länder, ob eine wirksamere Förderung des europäischen Friedens denkbar ist, als wenn ein Sechzigmillionenvolk in der Mitte Europas sich daraus beschränkt, eine Miliz nach dem Muster der neutralen Schweiz einzurichten und damit für die Wehrhaftigkeit, die jedes Volk für sich in Anspruch nehmen muß, eine Form zu wählen, die unter allen ilmftänten nur zu Derteidi- gungszwecken Verwendung finden kann? Ich frage die Pazifisten aller Länder, ob für die allgemeine Abrüstung, die im Friedensvertrag von Versailles in Aussicht genommen unö auch im Völkerbundsvertrage zugesagt ist, ein besseres Beispiel gegeben werden kann, als durch eine solche Maßnahme? J.lnö ich frage ferner, ob es nickt eine Beleidigung für den Völkerbund träte, wenn man daran zweifeln wbllte, daß er jeder Macht, die einer solchen Maßnahme W derstand entgegensetzen wollte, mit dem ganzen Gewicht seiner Autorität in den Arm fiele? .Heber die Einrichtungen des Schweizer Miliz-Heeres möchte ich noch einige Angaben macken und dabei bemerken, daß ich bei einem kürzlichen Aufenthalt in der Schweiz Gelegenheit genommen habe, mich mit Vertretern der verschiedensten Vvlksklassen über das dortige Wehrsystem und seine Wirkungen zu unterhalten und von allen die Versicherung erhalten habe, daß d'e Erziehung und Ausbildung in den Re- krutenschulen von dem größten Segen für die männliche Jugend der Schweiz fei und daß die Schweiz es außerdem nur ihrer zum Grenzschutz aufgerufenen Miliz zu verdanken habe, wenn fie im Weltkriege ihre Neutralität erfolgreich habe verteidigen können. Die schweizerische Militärorganifation beruht auf Bundesgesetzen von 1874, 1907 und 1924. Das Miliz-Heer besteht aus dem Auszug, der Landwehr und dem Landsturm. Dem Auszug gehören die Wehrmänner vom 20. bis 32., der Landwehr vom 33. bis 40., und dem Landsturm vom 41. bis 48. Lebensjahre an. 3m Alter von 19 Jahren muß jeder männliche junge Schweizer die Relrutenprüfung ablegen mit der gleichzeitig eine militärärztliche Untersuchung verbunden ist. Die diensttauglich Befundenen müssen sich im Jahre darauf zum Eintritt in die -R e k r u t e n f ck u le n melden, in denen die militärische Ausbildung ftattfinöct. Der Kursus der Rekrutenlchulen dauert für die Infanterie 65, für die Artillerie 75 und für die Kavallerie 90 Tage. Mit Absolvierung dieses also zwei bis drei Monate umfassenden Ausbildungskurses ist der eigentlichen aktiven Dienstpflicht Genüge geleistet. In den folgenden Jahren der Zugehörigkeit zum Auszug finden nur noch sogen, Wiederholungskurse, und zwar im ganzen sieben statt, die jedesmal elf Tage in Anspruch nehmen. Die Landwehrleute werden zu Wiederholungskurfen nur alle vier Jahre ein» gezogen, während der Landsturm in Friedenszeiten von jeder Dienstleistung befreit ist. Eine höchst wichtige Ergänzung für biefe kurze tatsächliche Dienstzeit bildet die Vorschrift, daß jeder Angehörige des Auszuges und der Landwehr verpflichtet ist, in jedem Jahr feiner Schießpslicht in einem Schießverein zu genügen und die Erfüllung der dafür vorgeschrie- benen Bedingungen nachzuweisen. Wer dieses unterläßt, wird zu einem dreitägigen Schieß- kurfus eingezogen. Besondere Erwähnung verdient endlich noch die M i l i t ä r ft e u e r, die alle diejenigen zu zahlen haben, die wegen körperlicher Gebrechen oder aus irgendwelchen anderen Gründen vom Militärdienst befreit werden. Die Steuer beträgt einmal 6 Francs jährlich als Kopfsteuer und außerdem 1,5 Prozent vom Einkommen und 1,5 Apel: Er ist so alt, wie er gerade Mode ist. — Jetzt wird der weibliche Teil der Zuschauer aufmerksam. Alle mochten sich von ihm dasselbe versprechen lassen, was er der Eva verspricht, selbst wenn sie wüßten, daß er höchstens ein Tausendstel davon hielte. Der Herr im Parkett wird unruhig, er nimmt sich vor, seiner Begleiterin nach Schluß der Vorstellung ein paar ernste, belehrende Worte zu sagen (die aber eindruckslos bleiben werden). Apel ist ausgezeichnet angezogen, man sieht sein Bild häufig im Modeteil der Zeitungen. Sanitätsrat ßeibner: Alter Hausarzt, also nicht Spezialist, er muß alles können, er behandelt nach der alten Methode in der weisen Erkenntnis, daß die neue auch nicht besser ist. Nack) seiner Ansicht gibt es keine neuen Krankheiten, sondern nur neue Krankheitsnamen. Da er keinen solchen Namen entdeckt hat und bescheiden in seinen Liquidationen ist, wird er nie Professor werden, aber man möchte ihn dock; zum Hausarzt haben. Mit dieser Gebrauchsanweisung des Autors und unter Zuhilfenahme alter Erinnerungen aus der Religionsstunde der untersten Schulklasse ist eigentlich schon alles klar, was geschehen ist und soll. „Blaue Stunde" heißt das Stück deshalb, weil Frau Eva den ganzen Sündenfall zwischen Nachmittag und Abend in der blauen Stunde träumt . . Abgesehen von der Fehlbesetznng der Hauptrolle der Eva durch Ise Oßke, die hier (schon rein körperlich) zu schwer wirkt, stand über der Aufführung ein glücklicher Stern. Es sei mit Freude begrüßt, daß man den Vorhang zu Aktbeginn und Schluß vermied und mit Licht arbeitete. Es sei mit Freude begrüßt, daß man in der Dekoration alles unnnötige Beiwerk fortließ und so eine vornehmeinfache Geschlossenheit des Bildes erreichte. (Zwei Vasen auf dem Schrank sind noch zuviel da. Die Statue allein tut es viel besser.) Es sei mit Freude begrüßt, daß alle Darsteller den Text beherrschten und in flottem Konversationston ihre Rollen flott herunterspielten. Das mögen sich Adolf T e l e f i) (Spielleitung), Karl Löffler (Dekoration) und Ludwig Seim (Beleuchtung) zu gleichen Teilen als Plus anrechnen. pro Mitte vorn Vermögen. Vom 20. bis 32. Lebensjahr ist der volle Betrag, vom 33. bis 40. Lebensjahr der halbe Betrag zu entrichten. Bei einer Beurteilung der Schweizer-Militärorganisation wird man meines Erachtens zu dem Ergebnis kommen müssen, daß die Anforderungen, die sie an den einzelnen Wehrmann stellt, so niedrig wie möglich gehalten sind, daß sie aber trotzdem geeignet erscheint, die Wehrhaftigkeit des Volles und den besonderen Verhältnissen der Schweiz in ausreichendem Maße gewährleisten. Rach meiner ileberjeugung ist die Schaffung eines Milizheeres nach dem Muster der Schweiz, wenn auch selbstverständlich mit Regelung im einzelnen in Anpassung an die besonderen deutschen Verhältnisse für das deutsche Reich in der Lage, in der es sich zur Zeit nun einmal befindet, der richtige Weg, um die unbedingt notwendige Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes wieder her- zustetten und der deutschen männlichen Jugend ein schlechterdings unentbehrliches Mindestmaß militärischer Ausbildung und Erziehung angedeihen zu lassen. Deutsche Auslandwahlen. In den letzten Wochen, in denen die Verhandlungen von Locarno das Gesamtinteresse zeitweilig auf den Vertrag mit den Westmächten konzentrierten, haben (ich bedeutungsvolle Wahl- entscheidungen im nahen Osten vollzogen, die darum von besonderer Bedeutung sind, weil sie den Beweis wiederum erbringen, wie stark die Teilnahme der deutschen Minderheiten am öffentlichen Leben der neuen fremden Staatsgebilde hervortritt. Zunächst die kürzlich in Lettland akgehaltenen Wahlen zum lettischen Parlament. Wenn die deutsche Minderheit dabei auch nur fünf, statt der bisher sechs Vertreter ins Parlament gebracht hat, so erklärt sich das einmal aus dein erheblichen Anwachsen der lettischen Wählerschaft seit den letzten Wahlen, demgegenüber die Deutschen nicht mit gleicher Erhöhung der Stimmenzahl dienen konnten. Andererseits hat die engherzige Politik der lettländischen Regierung gegenüber den im Ausland befindlichen Balten, denen zum Teil unter nichtigsten Vorwänden die Rückkehr in die Heimat verweigert wird, das ihre dazu beigetragen. Auch im benachbarten Estland hat das Deutschtum seinen Willen zur Behauptung des eigenen Volkstums durch die in voller Einmütigkeit vollzogenen Wahlen zum deutschen Kulturrat, der ersten europäischen Minderheitsvertretung, bewiesen. Die Deutschen in Litauen haben unter dem neuen Kabinett des Prälaten Bistras sowie unter der Unduldsamkeit der ans Ruder gelangten christlichen Demokraten augenblicklich über mancherlei Schikanen zu klagen. Der in dieser Deutschfeindlichkeit noch besondere Hehprägung gebende ..Bund der Großlitauer" hatte vor allem im Meine11and sein Augenmerk darauf gerichtet, dem Vollzug der Wahlen zum memelländischen Landtag größte Schwierigkeiten zu bereiten. Ein Bombenanschlag auf deutsche Zeitungsgebäude in Memel, dessen Urheberschaft allein nur auf diese verderblichen Einflüsse zurückzuführen ist, kennzeichnet Aur Genüge, wie wenig diese Kreise geneigt sind, die nach Abschluß der Memelkonvention unerschütterlichen Autonomiegrundlagen zu respektieren. An einen günstigen Ausfall der am 19. Oktober erfolgten Wahlen für dieses überwiegend von deutschgesinnter Bevölkerung bewohnte Gebiet war von vornherein nicht zu zweifeln. Die geringe Zahl von Stimmen, die sich auf die wenigen großlitauischen Abgeordneten Vereinte, beweist, wie völlig einflußlos diese Gruppe im Memelland geblieben ist. Die Kow- noer Regierung wird allen Anlaß haben, das deutsche Wahlergebnis nachdrücklichst zu beachten und im Zusammenhang damit den großlitauischen Provokateuren das Handwerk zu legen. Den deutschen Memelländern aber wird es auch fernerhin als nationale Pflicht obliegen, in voller Einmütigkeit aller Kreise und Berufsstände jedes weitere Vordringen der landfremden Elemente avzuwehren und als Treuhänder des Deutschtums auf die Stunde zu warten, in der auch für dieses deutsche Land der Zeitpunkt zur Rückkehr ins alte Vaterland gekommen sein wird. Die bevorstehenden tschechischen Neuwahlen ließen die Bemühungen, eine gemeinsame Kandidatenliste der deutschen Parteien zu- Zum lebendigen Mittelpunkt des Spieles wurde Rita Andre als (Berti Schlange. Sie war von einer entzückenden Geschmeidigkeit und Frische, fand bestechende Tone der Ueberlegenheit und Ironie und hatte mehrmals auf offener Szene lauten Beifall. Auch Joachim Apel (Willi Hanke) zeigte sich als liebenswürdiger Verführer und später als träger Ehemann von der besten Seite. Karl Juhnke, flotter im Straßenanzug als im Smoking, fand für feinen Adam eine gute Form und gefiel in gleicher Weise. Karl Vo 1 ck als Sanitätsrat Leidner war der Hausarzt, wie er „im Buche" steht. Daß Ise Oßke mit der ihr ganz wesensfremden Rolle der Eva nicht fertig wurde, ist, s. o., nicht ihre Schuld. Das gutbesetzte Haus folgte der Aufführung mit lebhaftestem Interesse und rief die Darsteller zum Schluß immer wieder vor die Rampe. e—s. Anekdoten von Locarno. (Don unserem Pariser W. S.-Äorrefbonbenten.) Paris, den 22. Oktober 1925. Die französischen Zeitungen und Zeitschriften sind voll Anekdoten und Geschichtchen von der Konferenz von Locarno. Rachstehend eine kleine Auslefe hiervor. Die beiden italienischen Delegier- t e n machten eine kleine Dampferfahrt nach Ca- nobio. Auf der Rückreise mußten sie durch den italienischen Zoll. Beide Minister kümmerten sich jedoch nicht darum, fonöern fuhren ruhig weiter, bis ein italienisches Kanonenboot ihr Schiff mit Gewalt zum Halten brachte. Einer der Zollbeamten forderte den Minister Grandi auf, mit ihm zur Wache zu kommen. „Erkennen Sie mich denn nicht? Wir sind die Minister Scialoja und Grandi." — „Diele Witze kenne ich. Ich fordere Sie jetzt zum letzten Male auf, mitzu- kommen." Es blieb den beiden Ministern nichts übrig, als sich zum Spezial-Kommissariat von Eanolio zu begeben. Dort klärte sich der Irrtum natürlich sofort auf. Der arme Zollbeamte wurde vor Schreck ohnmächtig. „Sie werden morgen von mir hören", fuhr der Minister den unglücklichen stände zu bringen, anfänglich als äußerst aussichtsreich erscheinen. Leider haben diele Verhandlungen sich in letzter Stunde zerschlagen, nachdem bereits in der Vorwoche die deutschen Sozialdemokraten ihre Absage verkündet hatten. So gibt diese Zersplitterung der Deutschen leider ©teberum dem Sudetendeutschtum nicht die Möglichkeit, eine der Bedeutung des deutschen Einflusses im Böhmerland entsprechende Zahl von Sitzen im Parlament zu erkämpfen. Die chinesische Zollkonferenz. Kaum sind die Akten in Locarno geschlossen, und schon treten auf der anderen Erdhälfte die Staatsmänner der Großmächte wieder zu einer Weltkonferenz zusammen, welche über das Schicksal eines Vierhundertmittionenvolkes entscheiden soll. Die chinesische Zottkonserenz am 25. Oktober wird darüber zu beraten haben, ob man daS Reich der Mitte künftig als selbständige Großmacht anerkennen oder weiterhin unter der Vormundschaft der Mächte halten sott. Rachdem die Kriegsschiffe der Fremden 1842 den verschlossenen chinesischen Kontinent aus- gebrochen haben, ist das Land mehr und mehr unter die Vorherrschaft der fremden Konzessionen gekommen, bis der Weltkrieg und der japanisch-engl'.sche Boykott eine entscheidende Wendung herbeigeführt haben. China zeigte, daß eS nicht mehr gewillt war, die fremden Sch ul d- feffeln zu tragen, und die Mächte sahen fick nunmehr genötigt, ihre Chinapolitik einer gründlichen Revision zu unterziehen. Die Forderungen der Zollautvnomie formulierte der chinesische Delegierte auf der Konferenz in Washington am 29. Rovember 1921 in folgender Weife: Erhöhung des gegenwärtigen Einfuhrzolles von 5 auf 12l/3 Prozent. Abschaffung des Dinnlandzottes und Differenzierung der Zölle für Luruswaren. Festsetzung eines Höchst - zottes von 25 Prozent: bis zu einer Höchstgrenze genießt China volle Tariffreiheit. China nimmt erst im Verlauf von zehn Jahren seine Zollhoheit in Anspruch und garantiert den Zinsendienst d:r fremden Anleihen. — Auf diesen Programmpunkten basieren die Zusagen der von der chinesischen Regierung am 24. Juli zur China- konferenz eingeladenen Rationen. Die weiter- gehenden Forderungen auf eine Diskussion der Exterritorialität und der Aufhebung der Vertragshäfen, welche unter dem Drucke der nationalen Bewegung voü der Regierung gleichzeitig gestellt wurden, sind von den Mächten nur unter Vorbehalt angenommen worden und dürften die kihlichsten Punkte der bevorstehenden Konferenz bilden. Auch ohnedies wird es für China einen harten Kampf kosten, feine Forderungen durchzufetzen, da von den Verlangten wirtschaftlichen Zugeständnissen alte interessierten Wirtschaftsmächte, Rußland und Deutschland ausgenommen, gleich stark betroffen werden. Die Erlangung der Zottautonomie würde den letzten Schritt einer Entwicklung bedeuten, welche die Emanzipierung der chinesischen W ir t schas t von der europäischen Bevormundung bezweckt. Bereits beute ist dieser Prozeß soweit fortgeschritten, daß man von einer Vorherrschaft des fremden Kaufmannes schlechterdings nicht mehr sprechen kann. Von der Ausschaltung der am Weltkriege aktiv beteiligten Völker vom chinesischen Markt hat vor allem die einheimische Kaufmannschaft Rutzen gezogen, die öen neu auftretenden amerikanischen Rebenbuhler ziemlich mühelos aus dem Feld? schlug. Die Liquidierung der zahlreichen industriellen Llnternehmungen, die im Zusammenhang mit den durch den Weltlrieg verursachten Geldsckwierigkeiten und rer Furcht vor inneren Llmwälzungen erfolgte, brachte zahlreiche europäische Unternehmungen in chinesische Hand, und nach ihrem Dorbilde wurden viele neue Gesellschaften ins Leben gerufen. Die fremden Firmen hängen schon heute in China Völlig in der Lust und find durchaus auf d'e überlegene Erfahrung und die Geldmittel des Kompradors angewiesen, der ursprünglich nur ihr Angestellter war. Die Finanznot der Pekinger Regierung darf nicht darüber täuschen, daß die chinesische Kaufmannschaft dank glänzender Kouiunkturgeschäste so sa- luriert dasteht. daß sie den Konkurrenzkampf m—inmii i ....... ien ...........in n■nr»m ■rrBunirn Beamten an. Zum Glück ist es jedoch nur bei dieser Drohung geblieben. Samstag abend tanzte die Gattin Cha m» berlains im Grand-Hotel mit dem Korrespondenten des „Daily Herald", einem eingetragenen Mitglied der Labour Party. Einer der eifrigsten Tangotänzer am gleichen Abend war der Vertreter der „Roten Fahne". Die Journalisten, die zu mehreren Hunderten an der Konferenz teilnahmen, machten Sonntag einen gemeinsamen Dampferausflug auf dem Lago Maggiore Während des Tänzchens nach dem gemeinsamen Frühstück lieh plötzlich ein Schreckensschrei alle Welt erftorren: „Wir sind verraten! Man hat uns erkannt!" - Am Ufer des Sees waren nämlich mit einem Mgle ein Dutzend Enten aufgetaucht, die sich die Journalisten äußerst interessiert ansahen. Briand ging abends in Locarno gerne ins Kino. Ein Charlot-Film war angekündigt. Als der Besitzer des T^aters jedoch erfuhr, welch hoher Besuch sein Kino beehrte, glaubte er das Programm sogleich ändern zu müssen. An Stelle des „Charlot-Films" ließ er Briand zu Ehren einen Film über Syrien vorsühren. bei dem der Gouverneur von Syrien, General Sarrai 1, sehr oft zu sehen war. „Den habe ich zu oft gesehen, um ihn nicht ganz genau zu kennen", meinte Briand boshaft. Am nächsten Abend kam er wieder in dasselbe Kino. Vorher aber war ausdrücklich ausgemacht worden, daß dieses Mal der angelünbigtc Charlot-Film gezeigt wurde, .ilnb Briand amüfierfe sich herzlich darüber. Die Idee von der nunmehr schon historisch gewordenen Dampferfahrt auf dem Lago Maggiore am Sonnabend nachmittag rührt angeblich von dem französischen Konsul in Basel, Carteron, her. Briand hat sich über diese Veranstaltung besonders deswegen so diebisch gefreut, weil er damit sämtlichen Journalisten ein Schnippchen schlug, weil er sich vor ihren Anfragereien auf diese Weise am besten retten konnte. mit den Lurch den Krieg geschwächten Kapitalien der Fremden nicht mehr zu scheuen braucht. Die Benachteiligung der fremden Konkurrenz durch die Erhöhung der Zolle muh zwangsläufig der einheimischen Industrie ganz neue Zrckunftsmöglichkeiten eröffnen. Die chinesische Kausmamischaft sicht den Augenblick gckonunen, die Wirtschaft des Landes auf nationaler Basis neu aufzubauen, und sie macht aus dieser wirtschaftlichen Chance der nationalen Bewegung durchaus kein Hehl. Beben Rußland war sie es, welche den Boykott dec englischen Daren gestützt hat. der. wie die Dinge nun einmal lagen, das einzige Mittel darstellte, um die fremden Mächte zum Einlenken zu bewegen. Die Instruktionen, welche die Vertreter Japans und Amerikas für die Peking- konferenz erhielten, lauten auf möglichstes Entgegenkommen auch in den Fragen, welche auf der Konferenz von Washington nod) nicht zur Diskussion gestanden haben. Beide Länder haben guten Grimd, sich als Freunde Chinas zu zeigen und hoffen aus ihrer Nachgiebigkeit Vorteile für ihre chinesische Durchdringungs- Politik zu ziehen. Englands Standpunkt in der Chinafrage hat Cl>amberlain bei der Verabschiedung des englischen Gesandten für Peking Sir Ronald Marleah in der ..China-Association" offiziell zum Ausdruck gebracht. „Wir sind bereit. China auf halbem Weg enigegenzu- kommen. Voraussetzung hierfür ist. Last eine Atmosphäre beiderseitigen guten Willens geschaffen wird, die vorläufig eine fremde Macht (gemeint ist Japan) noch geschickt zu hintertreiben versteht. Zugeständnisse können wir nur machen, wenn in China der innere Friede und die Einigkeit wiederhergestellt werden, und eine durchgreifende Zentralgewalt imstande ist. die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen, und für Leben und Sicherheit zu sorgen, die heute noch durch die bestehenden Verträge gewährleistet sind." Diese Zugeständnisse knüpfen vorläufig an unerfüllbare Bedingungen an. und die chinesischen Generale bemühen sich, den Beweis von der mangelnden Zentralgewalt vor aller Welt wieder einmal . zu erbringen. Die Kantonesen sind in die Provinz QJunnon eingedrungen. und der plötzlich wieder aufgetauchte Wu-Pei-Fu rückt von den mittleren Vangtsepro- vinzen ostwärts gegen Schanghai vor. Die beiden alten Brandherde Chinas sind wie vor 10 Monaten wieder in lustigem Flackern begriffen, und niemand kann sagen, ob nicht auch der Borden wieder ergriffen wird. Das Heranrücken der Zoll- lonferenz ist ohne Zweifel der Anlaß dieser wiedererwachten Kampftätigkeit, denn ein Gelingen bedeutet für die glücklichen Schützen einen Goldregen von Zöllen, ben sich keiner der Machthaber gern entgehen lassen will. Oberheffen. Landkreis Gicftcn. Watzenborn-Steinberg. 21. Oft. Für die diesjährige Gemeinderatswahl ist in unserer Gemeinde voraussichtlich mit zwei Wahlvorfchlägen zu rechnen. Die bürgerlichen Parteien werden sich auf eine Liste, die sich aus Landwirten, Arbeitern und Handwerkern zusammensehen wird, durch eine vorbereitende Kommission einigen. Um sich gegen den Vorwurf eigenmächtigen Handelns zu sichern, hatte die Kommission zu einer nochmaligen Durchsprache dec Angelegenheit zu einer Versammlung im „Goldenen Stern" eingeladen. Die Versammlung war nur schwach besucht. Unter diesen Umständen formte die Versammlung auch kein endgültiges Ergebnis zeitigen. Da auch die sozialdemokratische Partei noch einen Wahlvorschlag einreichen wird, wird der Jdealzustand einer Einheitsliste in unserer Gemeinde wohl nie Wirklichkeit werden. Augenblicklich haben die sozialdemokratische Partei 8 und die bürgerlichen Parteien -1 Sitze im Gemelnderat. is. Steinbach, 22. Oft. Zur bevorstehenden Gemeinderatswahl wurden vom Bauernbund unter Berücksichtigung des Gewerbes sowie vom^Arbeiterverein je ein Wahlvorschlag cingereicht. — Trotzdem hier schon mehrmals Wäschediebstähle vorkamen, wird immer noch nachts solche leichtsinnig in Gärten hängen gelassen. So wurden in den letzten Tagen wieder aus verschiedenen Gärten die besten Stücke gestohlen, während überall die alten Sachen hängen blieben. — Die Bautätigkeit war in diesem Jahr in unserer Gemeinde recht rege, sieben neue Wohnhäuser wurden gebaut und zum Teil schon bezogen. Außerdem wurden in vielen Hofreiten Verbesserungen vorgenommen, so daß ein großer Teil Bauhandwerker dauernd Arbeit finden konnte. : Aus dem Busecker Tal, 22. Oki. Die in den letzten Monaten recht ungewöhnliche Witterung, die auf den naßkalten Spätsommer einige sommerlich heiße Herbstwochen folgen ließ, zeitigt jetzt ihre Folgen. So hat manches Naturkind die Jahreszeit vergessen. Man findet jetzt beim Pflügen der Aecker nicht nur einige, nein Hunderte von Maikäfern, die der Erdoberfläche zuwandern. An manchen Hecken blühen die wilden Rosen, die sogar ihren süßen Duft mitgebracht haben, aber vergeblich auf unsere Bienen warten: denn diese sind bereits schlafen gegangen. Daß der Herbst reife Aepfel zeitigt, ist ein altes Naturgesetz: aber daß neben den Aepfeln, an denselben Zweigen, bei einzelnen Bäumen bereits wieder Blüten stehen, das ist doch höchst verwunderlich. — Endlich sind einige Gemeinden unseres Tales dazu übergegangen, gegen die in ungeheuren Mengen auftretenden Feldmäuse in den Krieg zu ziehen. Die Gemeinden haben Erwachsene und Jugendliche angestellt, welche die Mäuselöcher in unseren Feldern, insbesondere in den Kleceäckern, mit vergiftetem Weizen belegen. Hoffentlich folgen bald andere Gemeinden diesem Beispiel, damit die Schädlinge, die jetzt namentiid) der neuen Aussaat verderblich werden können, endlich vernichtet werden. v. Lond o rf, 22. Olt. Für die hiesige G c - mcinderatswahl sind bis jetzt 3 Listen ausgestellt worden, eine Liste der Arbeiter und zwei Listen der Landwirte, welche beiden Listenverbindung vereinbart haben. Zu einem großen Wahlkampf scheint es aber nicht zu kommen. — Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein sein diesjähriges Abturnen ab. Die turnerischen Leistungen zeigten, daß der Verein gute Fortschritte gemacht hat. Auch die Dnmenrtcge zeigte recht gute Leistungen. . , v. ans der Rabenau, 22. Oft. Die Maul- und Klauenseuche, welche schon sehr lange in der hiesigen Gegend geherrscht hat, scheint in den meisten Gemeinden vorbei zu fein, so daß dieselben aus dem Sperrgebiet zum Beobachtungsgebiet gekommen sind. Hoffentlich wird es bald ganz frei, damit die Schranken, die dadurch Handel und Wandel gezogen waren, bald fallen. In der jetzigen gelbarmen Zeit wäre es sehr zu begrüßen, damit die Landwirte das Vieh, besonders Zuchtvieh, ohne Beschränkungen abfetten können. !—! Ettingshausen, 22. Oft. Am Sonntag fand auf Beschluß einer Bürgerversammlung eine Vorwahl zur Gemeinde-- r a t s w a h l statt. Jeder Wahlberechtigte sollte seine Kandidaten ohne Parteiunterschied wählen. Das Ergebnis waren ungefähr 7 0 Kandidaten. von denen die 9 ersten auf die gemeinsame Liste' gesetzt und am Wahltage gewählt werden sollen. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 21. Oft. Seit einigen Jahren veranstaltet in dankenswerter Weise Herr Prof. Dr. Karl Schmidt eine Reihe von Schüler tonzcrten, b. h. regelmäßige musikalische Veranstaltungen für Schüler und Eltern bezw. alle Freunde der Augustinerschule. Hervorragende Künstler, besonders von Frankfurt, haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt, so z.D. Paul Hindemith, die Mitglieder des Opernhausorchesters Herrn. Hock, G. Graf, außerdem Rud. Schüttauf, Ottm. Gcrster, Gust. Lan- zew-ski. Rosa Stein u. a. Im letzten (37.) Schülerkonzert spielte Herr Gotth. Graf zusammen mit dem obengenannten Leiter der Konzerte die Sonaten op. 162 und 137 Br. 2 von Schubert und wußte durch seine entzückende Auslegung alle Hörer in feinen Bann zu ziehen. Dann fang noch Frau Wally K i r s a m e r, Lehrerin am Hoch'schen Konservatorium, neue wenig bekannte Lieder von Schubert, welche durch vollkommene Beherrschung des Gedanklichen und Stimmlichen eine köstliche Leistung boten. sf. F r i e d b e r g, 22. Oft. Zur Einweihung des neuerrichteten Jugendheimes in dem östlichen Türmchen des Burgtores hatte der unermüdliche Vorfämpfer der Jugendbewegung, nlubien- rat Dr. Riedel von der Schillerfchule, eine 'Anzahl von Gästen cingeladen, um das nunmehr der fog. Bilstein-Gruppe des Jung-V. H. C. gehörige stimmungsvolle Heim in gebührender Weife in Benutzung zu nehmen. Die Gäste sammelten sich in dem Burghose und wurden dort von Dr. Rietz e l mit einer Ansprache gegrüßt, in welcher er einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die Geschichte des Burgtores warf. Der Raum, der früher wohl von Landsknechten besetzt war und zu Der- teidigungszwecken diente, wurde später vollständig vernachlässigt und diente zum 'Aufbewahren alter Akten und allerhand Gerümpels. Es ist kaum zu glauben, was kunstfertige Hände daraus geschaffen haben, cs ist dem Vorsitzenden mit Hilfe von Freunden und Gönnern gelungen, einen Raum zu schaffen, der, was Behaglichkeit und stimmungsvolle Ausstattung betrifft, wohl seinesgleichen weit und breit nicht finden dürfte. Nachdem die Gäste im friedlichen Sturme die „Burg Bilstein" genommen hotten, begrüßt von einem Gesänge der wackeren Bilsteinerinnen. entwickelte sich bald eine gemütliche Stimmung, getragen durch ein ge wählte? musikalisches und künstlerisches Programm. Glückwünsche überbrachten namens der Schiller- schulc, aus welcher die Mitglieder der Gruppe zum größten Teil hervorgehen, Oberstudiendirektor Philipps, namens des V. H. E. Prosesior Schaum und namens der Jung-V. H. C. Hauptmann Huck. Ein Teller D. H. E.-Suppe, Bil- steinschnittchen, ein Gläschen Tauffteiner (der aber wohl an den Ufern des Rheines gewochfen war) und zum Schluffe eine Taffe Kaifee sorgten für das leibliche Wohl der Gäste, musikalische Darbietungen der Gruppe. Violin- und Harmoniumvortrage, Lichtbildervorführungen einer Rheinreise in ebenso vorzüglicher Weise für das geistige Wohl. Jeder der Besucher wird wohl das Gefühl mitgenommen haben, einige unvergleichlich schöne Stunden verlebt zu haben. Auf alle Fälle bildet das neue Heim ein mustergültiges Vorbild für derartige Einrichtungen. — Der ,,Verein ehemaliger A u g u st i n e r f ch ü 1 c r" veranstaltete aus Anlaß der 75jährigen Jubelfeier der Realschule einen Festabend, der bei überaus starker Beteiligung einen durchaus schönen Verlaus nahm. Ein Prolog, gedichtet von Frau Professor Kloos und vorgetragen von Oberprimaner Niedcrhof, eröffnete die Feier: in dankenswerter Weife hatte sich das 1. Friedberger Doppelquartett in den Dienst der Sache gestellt und trug durch seine vorzüglichen Leistungen sehr zur Verschönerung des Abends bei. Den Hauptpunkt des Programms aber bildete die Aufführung des Lustspiels von Fulda, „Das Recht der Frau", welches unter der bewährten Regie non Herrn Bitsch und bei vorzüglicher Besetzung aller Rollen sich des größten Beifalls erfreute. : ■ P o h l - G ö ns, 22. Ort. Vergangene Rächt wurde in den hiesigen Bahnhof, und zwar in den Güterschuppen und Schalterraum, ein gebrochen. Die Einbrecher, die ein Fenster eingeschlagen und durch dieses eingeftiegen toaren, entwendeten 35 Mk. in bar und Fahrckarten. Die Spitzbuben müssen recht ortskundig gewesen sein. — Kürzlich wurden in unserer Gemeinde während der Bacht verschiedene Hoftore angebohrt, anscheinend, um mittels Haken durch diese gebohrten Löcher die Riegel zurückzuziehen, lieber- Haupt ist es auf dem Lande mit der Sicherheit nicht gut be ff eIT t. Wurde doch vor einigen Tagen ein vierjähriges Mädchen am Abend auf der Ortsstrahe von einem bis jetzt noch unbekannten Oltann unsittlich belästigt. i. Butzbach, 22. Ott. Heute fand im „Hessischen Hof" die Generalversammlung der B ii tz b a ch - L i ch e r Eisenbahn-Aktiengesellschaft statt, zu der der Gesellschaftsvor- flantz und die beteiligten Aktionäre zahlreich erschienen waren. Von feiten der Staatsbehörde waren Kreisdirektor Gebhard- Friedberg und Regierungsrat Dr. Braun- Gießen anwesend. Die Versammlung wurde von dem Aufsichtsrats- vorfitzendcn Medizinalrat Dr. Vogt geleitet. Der Bericht des Vorstandes und Aussichtsrates über das Geschäftsjahr 1924/25 wurde von Regierungsbaumeister N o a ck - Berlin vorgetragen. Die Obligationsschulden betragen nach dem Aufwertungsgesetz jetzt 220 000 Mk. — 15 Proz. Aufwertung —, die voll verzinst werden nach den gesetzlichen Vorschriften. Das Geschäflsjahc soll von jetzt ab mit dem Kalenderjahr zusammcnfallen. Die entsprechenden Satzungsänderungen wurden von dec Generalversammlung beschlossen. Die Aufsichtsratsmitglieder Medizinolrat Dr. Vogt, Direktor Vogt, Bürgermeister Dr. Kayser, Bürgermeister Völker und Psarrer Nies wurden wiedergewählt. In den Gesellschaftsoorstand wurden Direktor Dr. Lenz und Prokurist Freund — beide aus Berlin — neugewählt. Den Schluß der Versammlung bildete die Übliche Aussprache über die F n h r p 1 a n w ü n s ch e der Gemeinden. Die Auf- sichtsratsmitglieder Bürgermeister Völker und Pfarrer Nies sollen mit dem Gesellschaftsoorstand vor wesentlichen Fahrplanänderungcn verhandeln und die Wünsche der Gemeinden vertreten. <£ Bad-Nauheim, 21. Oft. Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten fand unter dein Vorsitz'des Beig. Kling statt. Mit einer Ausnahme nahmen sämtliche Mitglieder des Kollegiums daran teil. Es wurde zunächst als Vorarbeit für die kommende Stadtverordnetenwahl die Einleitung der 6 Wahlbezirke Dorgenommen, ebenso wurden die Schriftführer und die Beisitzer für die Wahl bestunmt. Für die Erweiterung des Gcrätehaufes der Feuerwehr wurden 32 000 'Ml. bewilligt. Der Umbau ist notwendig, nndjbem durch Neuanschaffung von Geräten in letzter Zeit, u. a. einer großen neuzeitlichen Automobildrehleiter, die seitherigen Räumlichkeit^ nicht mehr ausreichen. Vorgesehen ist auch eine Heizungsanlage. Die Neukanalisation der Karls- ftrciße, d. h. die Anlage von Sielbauten, erfordert nach den vorliegenden Plänen städtischerseits 50.000 Mark, etwa 4-5 000 Mk. haben die Anlieger für Herstellung der Zuführungskanäle zu tragen. Das Projekt, das in zwei Teilen beraten wurde, fand die Zustimmung der Versammlung für den zweiten Teil gab es allerdings nur eine knappe Mehrheit. <£ Steinfurth, 22. Oki. Nächsten Sonntag finde! hier die Beigeordneten st ichwahl statt. Als Bewerber stehen sich gegenüber der seitherige Beigeordnete Falk und der Gärtner Konrad Philippi. Zum Gcmeinderat sind 12 Mitglieder zu wählen. Bei der vorigen Wahl hatte man sich aus eine Liste vereinigt. Für diesmal liegen drei Wahloorjchläge vor. Wir haben hier sogar einen Berufsstand, der in keinem anderen hessischen Orte mit einer eigenen Liste austretcn dürfte. Es sind die Gärtner, d. h. dix Rosenzüchter, die hier sehr zahlreich vertreten sind. Zur Liste des Gärtnervereins kommen noch die Wahlvorschlägc der Arbeiterschast und des Bauernbundes. Kreis Büdingen. L Bingenheim, 22. Oft. Gestern und heute zogen mehrere Züge Schneegänse nach Süden. Sie flogen nicht in geordneten Zügen, son- dern schwärmten seitlich aus, gingen sehr tief und waren weithin vernehmbar. L Echzell, 22. Oft. Der im Nachsommer gegründete Kleinkaliber-Schützcnvcrein hielt an mehreren Sonntagen fein erstes Preis schießen. Die höchste Punktzahl beim Prcis- schiehen erreichte Gendarmerie - Wachtmeister Schneider. „Unter-od) mitten, 22. Ott. 2lb 1. November halten wieder a,l [ e Züge der Strecke Nidda—Schotten auf unserer Station. Damit ist ein unerträglicher Zustand beseitigt, der die Gemeinde zu wiederholten Eingaben an die Reichsbahnverwaltung zwang. Wor es doch seither so, daß Reisende, dir hierher wollten, nach Ober-Schmitten weiterfahren muhten, um von dort wieder zu Fub zurückzu- ßvg (plj 3J<£DU1 UÄjswgSUOk'UVUN UlH uda(p] lieber)a^ren der Station bei dem Spätzug bemerkbar, da der Rückweg bei' Dunkelheit zurückgelegt werden muhte. Für die Haltestelle Kohden, an der alle Züge vorübersahren, ist noch keine Acnderung des bestehenden Zustands vorgesehen. Kreis Alsselv. — er. Homberg, 22. Oft. Der diesjährige „K alte Markt" war vom Wetter bestens begünstigt, so daß man schon eher von einem „Warmen Markte" sprechen mühte. Die vortrcsf- lichc Witterung hatte zahlreiche Besucher an- gelockt. Der Schweinemarkt war mit 320 Ferkeln befahren, die auch gröhtenteils gehandelt wurden. Das Paar 7 Wochen alter Ferkel kostete durchschnittlich 70 Mk., ältere 80 bis 90 Ml. Der Krämcrmarkt erfreute sich ebenfalls eines groben Zuspruchs, so daß wohl alle Kaufleute auch mit Rücksicht auf die zur Zeit herrschende Geldknappheit mit dem Absätze zufrieden sein können. Der „wahre Jakob" fehlte gleichfalls nicht. Auch war den Besuchen durch einen Momeitt- Photvgraphcn Gelegenheit geboten, ihr Bildnis in der Tasche Heimtragen zu können. Chinawurzeln, die gegen Grippe, Zahn- und Kopfschmerzen helfen sollen, konnte man käuflich erwerben. Die Berg- und Talbahn war stets besetzt. auch hatten die beiden Tanzlokalc über Besuch nicht zu klagen. Ist doch der „Kalt ? Diarkt" von alters her ein besonderer Festtag, den man sich in hiesiger Gegend so leicht nicht entgehen labt. Kirtorf. 22. Ott Wie schon öfters, bereitete Pfarrer Rheinfurlh von Lehrbach heute wieder den Einwohnern Kirtorfs mit seinem Filmost o-2 ichtbilderapparat einen anregenden Abend. Er hatte ein sehr aktuelles Thema gewählt — „die Siegessahrt des Z. R. 3 nach A m erik a". An Hand äußerst lehrreicher und interessant er- Bilder gab der Redner zuerrst einen lieberblick über die Entwicklung der Zeppelin-Luftschisfahrt überhaupt. Es folgte bann eine eingehende Besichtigung des Luftriesn „Z. R. 3" in allen seinen Teilen. Aus nächster Bähe tonnte man dies Wunderwerk deutschen Geistes und deutscher Technik bewundern. Ihren Höhepunkt erreichte die Darbietung, als man im Bild zunächst die 32stündige Probefahrt von ..Z. R. 3" über Deutschland und dann den 67stün- digen Flug über den Ozean, die Ankunft in Beuyork und die Landung in Lakehurch miterleben konnte. Die sehr zahlreich erschienenen Anwesenden stimmten zum Schluß das Deutschlandlied an. Der- Reinertrag des Abends ergab die ansehnliche Summe von 25 Mark und wurde der- Zeppelin-Eckener-Spende überwiesen. (!) Ehringshausen, 22. Oktober. Ain hiesigen Bahnhof lud der Landwirt Georg Rühl von Kestrich Milch ein, welche die Molkerei-Genossenschaft Groh-Felda nach hier fahren läßt und nach Frankfurt a. M. sendet. Seine Pferde hatte er in den Stall der Bahnhofswirtschaft eingestellt. Als er nach getaner- Arbeit in den Stall zurückkehrte, wälzte sich das eine Pferd nach seiner Gewohnheit. Dabei hatte cs sich in die Leine verwickelt und konnte nicht ausspringen. Als Rühl fejnem Pferde helfen wollte, fiel es auf ihn, und er erlitt einen zweifachen Bruch am Schienbein. Dr. Nern- Groh-Felda legte den ersten Rotverband an. Das Postauto brachte den Verunglückten nach Hause. (!) Groh - Feldo, 22. Oft. Wie allerorts, so stehen auch hier die Gemeinderats" wählen im Mittelpunkt des Tagesgesprächs. Dis jetzt sind drei Wahlvorschlägc offiziell bc- fannt. Der eine ist vom Gewerbevcrein mit Sattlermeister Völzing als Spitzenkandidaten aufgesteklt, während der Siedlerbund das jetzige Gcmeinderatsmitglied JohannesL c m m I c r als ersten Kandidaten präsentiert. Arft" dem Wahlvorschlag des Bauernbundes nominiert als erster Landwirt Gustav V ö l z i n g. Wie man bestimmt erfährt, gibt cs noch weitere Borschläge, vor allen Dingen noch von sozialdemokratischer Seite aus. Der Burgfrieden wurde bis jetzt überall gewahrt. KreiS Lauterbach. Schlitz, 21. Oktober. In nicht geringen Schrecken wurde die Familie des Lehres Rieger im benachbarten Udenhausen versetzt, als sie dieser Tage, nachdem sie die Ferienzeit anderswo verbracht, ins Schulhaus Udenhausen zurückkehrte. Die ganze Wohnung war auf den Kopf gestellt. An Schränken und Kisten hatte sich eine unglaubliche Zerstörungswut nusgetobt. Was nicht geraubt worden war, war sinnlos zerstört worden. Eine Nachbarsfrau, die wahrend der Abwesenheit der Lehrers- fomilie täglich nach den Rechten sah, hotte den Vorfall zuerst bemerkt. Die Täter sind noch nicht ermittelt. Man nimmt an, daß es sich um einen Racheakt handelt. Starkenburg. fpd. Offenbach, 22. Oft. Im benachbarten Bieber ftürgte Mittwochnachmittag derFabrik- ueiibau der Firma Odenweller zusammen und begrub drei junge Arbeiter unter sich. Ein siebzehnjähriger Arbeiter wurde auf der Stelle g e - tötet, die beiden anderen kamen lebensgefährlich verletzt in das Krankenhaus zu Offenbach. Preußen. Bon dcr (S.senbahu Wetzlar—Lollar. T Mit der Einführung des Winterfahrplanes hoffte man, daß endlich der Personen verkehr auf der Strecke Wetzlar — Lollar a m Sonntag wenigstens mit zwei Zügen hin und her eingeführl würde. Aber man ist wieder nm eine große Enttäuschung reicher gr worden. Auch gab man sich der Hoffnung hin, daß her Abcndzug etwas nach halb 11 Uhr ab Wetzlar mit Anschluß an den Zug 10.20 Uhr von Gießen wieder eingelegt wurde. Nichts von dem. Leute, die um 9 Uhr von Frankfurt kommen oder noch später in Gießen oder Wetzlar zu tun haben — und solche Fälle gibt es viele —, müssen den weiten Weg von Gießen oder 'Wetzlar bei Nacht zu Fuß machen. Wie viele würden gerne abends einer Veranstaltung in Gießen oder Wetzlar beiwohnen, wenn nicht der schreckliche Heimweg zu machen wäre. Auch gibt es eine ganze Anzahl Arbeiter, die abends zu Fuß oder per Rad ihre weite Heimreise machen müssen, obwohl sic das Fahrgeld auf ihre Wochenkarte bezahlt haben. Aber noch ein anderes. Statt eine Verbesserung hat der neue Fahrplan für die Bevölkerung des ganzen südlichen Hinterlandes noch eine ungeheure Bersch l e ch t e r u n g gebracht. Seither fuhr morgens 4.44 Uhr ab Wetzlar (jetzt 5.32 Uhr) ein Zug, der in Lollar sofort Anschluß nach Marburg und hier Anschluß nach Kreuztal, also nach Biedenkopf, der Kreisstadt des Hinterlandes, hatte. Um J8 Uhr morgens konnte man dort sein. Will oder muß man das heute erreichen, fo bleibt nichts anderes übrig, als a m Tage v o r h e r nach Biedenkopf zu fahren oder bei Nacht zehn bis fünfzehn Kilometer bis Gieße n z u wandern, um hier den Zug 5.27 Uhr zu erreichen. Fährt man mit dem Zuge 6.26 Uhr ab Wetzlar, so muß man bis Uhr in Lollar warten und kommt um 11 Uhr in Biedenkopf an, am Kreisamt, Kreis kaffe, Kreisarzt, .Kreisbauamt usw. gerade bann, wenn Torschluß ist. Muß man mit feinem Anliegen bis zum Nachmittag warten, bann kann man gegen 6 Uhr dort wieder abfahren, und da der letzte Zug ab Lollar um 6.09 Uhr fährt, bleibt wieder nichts anderes übrig, als bis Gießen oder Wetzlar zu fahren und von hier aus den weiten Heimweg bei Nacht zu Fuß zurückzulegen. Ist schon emo 70 Kilometer weite Reise nach einer Kreisstadt, wie Biedenkopf, keine Kleinigkeit, zumal, wenn man zwei Kreisämter, wie Gießen und Wetzlar, hi nächster Nähe hat, fo ist es doch geradezu unverständlich, wie einer Bevölkerung von zehn großen Gemeinden eine solche noch versauert und verteuert wird. Früher war die Eisenbahn für das Publikum da, heute ist die Bevölkerung nur noch dafür da, daß sie in Nacht und Nebel neben der E i f e n b a h n h c r l a u f c n kann. Ob wir es wohl noch erleben, daß die Eifenbahnverwaltung Einsicht und Entgegenkommen zeigt? Kreis Wetzlar. r Waldgirmes, 22. Ott. Der Bergmann Friedrich Stamm von hier, der gestern nachmittag von feiner Arbeitsstätte Grube Raab mit dem Rad über Dorlar nach Hause fuhr, stürzte am Kelsterbach und trug innere Ve rletzun- g e n , wahrscheinlich Nierenquetschungen, davon. Dillkreis. bl. Frohnhausen (DiUfrcis), 21. Ott. 5'” Laufe des Jahres wurden etwa 12—15 Neubauten in Angriff genommen, von denen die Mehrzahl be- ^tu1“6 b«8 ,nN etQ?J«nk fr S:KLH -LMZ- ^s?^dvrlMg°^SchräL- : f .«N L^Ml T 3J 81 n g Mg z^F^becem «,;, [? der EM-??'^"^ndida!rs ?&Ä ;(’ Lauterbach. ^sÄ?,;,i! *5 u4«,TiLS? usqefcbt ffiJfnS? ' *ÄS; J °2 Achten iah, batte den Do: nt nS'Vb ^r? nod) « n fln'bn^65 s'ch um einen Rach. Idenburg. °mr "2" bcnachbaric e Mltwochnachmittag der gabn! in Dbenweller iuJammen un* • ie Arbeiter unter sich. Ein sieb- ■•fer wurde aus der Stelle gt | ?n anderen kamen lebenszefähr 1 Sranfenhnus zu Offenbar?. preu&en. ieubahu Wetzlar-Mat tinjüijrung des Winterjahrplane. > endlich der Perjonenvei Strecke Wctzlni-Lollc: menigftens mit zwei Zügen te : hrt wurde. Aber inan ift wird: c Enttäuschung reicher t$ ’ ' man fidj her Hossming hin. bei ! etwas nad) halb 11 Ul): ab 8» n den Zug 10.20 Uhr von Grch oütbe. Ärchts von dem. Lew on ^rontfutl lommen ober n« J i oder Wetzlar zu tim Hoden - gibt es viele -, müfien den wette n ober Wetzlar bei Ächt zu jp iclc würden gerne cdrnds trat: , Gießen oder Wetzlai btiwohM schreckliche Heimweg S * t es eine ganze ilnjalf Irtwter Zur oder per Rad 'Ä rotiir n müjfen, obwohl sie taW ^one bezahlt haben. WM Meälä»'r*S! i t n^s anderes ubrv i ?!ochi rehn b’ Kadett SäWjÄÖS Kuß man M 'N man gell märten. öanl' öer letzte$ der ab« jM wieder 6.U9 Uhr taW«« W-M- als bis Seßen , ki»r aus den ... Ichon uß i^^ffier Vt*5 teile Aeisemch (< wenn * i rfes t-sW ■Ä$>* nh^.'i ctüia 1'2-Lhr^' reit» vollendet ift. Ein neues Backhaus wurde ebenfalls schon vor längerer Zeit begonnen, konnte jedoch noch nicht fertiggestellt werden. bl. Hirzenhain (Dillkreis), 21. Ott. Nunmehr wird unsere Gemeinde endlich ein neues Schul- gebäude erhalten, nachdem schon in jahrelangen Verhandlungen darnach gestrebt wurde. Die Raumnot, bedingt durch die Vermehrung der Einwohnerzahl, zwang zu dem Schritt, der schon vor dem Kriege vorgenommen werden sollte. Die Lehrerwohnungen im ersten Stock sind bereits vollständig fertig und beziehbar. Ende November gedenkt man die Einweihung vornehmen zu können. Die alten Schulräume sollen alsdann zu einer Gemeindeschwesterwohnung und der Kleinkinderschule Verwendung finden. Evtl, soll das Bürgermeisteramt auch noch ?inen Na um erhalten. bl. A u s d e m A l) r t a l, 21 Oft. Nachdem nunmehr die K a r t o s f e l e rn t e zu Ende geführt worden ist, werden andere Herbstarbeiten erledigt. Die Felder werden gereinigt. So ist die D i ck w u r z - ernte in Gang. Die Erträge sind über Erwarten gut. In den breiten Wiesenflächen des Ahrtals werden Wasserläufe freigelegt, eine Arbeit, die nach der Polizeiverordnung im H c r b st vorgenommen werden muß. Frankfurt a. M. und Umgegend. svd. Frankfurt a. M., 22. Oft. Eine Billa am Sachsenhäuser Berg, deren Bewohner schon seit geraumer Zeit verreist sind und die infolgedessen unbewohnt steht, wurde vollständig ausgeraubt. Der Schaden ist zunächst gar nicht abzuwägen. Cs fehlen sämtliche Silbersa^en, die gesamte Wäsche, viele Hausgeräte und auch zahlreiche Möbel. Die Diebe müssen den Raub in verschiedenen Rächten aus- qcführt hoben. Cs hat sich bitter gerächt, daß die Billenbewohncr aus Sparsamkeitsgründen während der Dauer ihrer Abwesenheit ihre Behausung keiner anderen Person anvertrauten. Der frankfurter Straßenbahnerftreik. spd. Frankfurt a. M., 22. Oft. Wenn nicht olle Zeichen trügen, neigt der Straßen-- bahnerstreik sich seinem Ende zu. Der Berliner Bermittlungsvorschlag gilt als angenommen, da von Frankfurt aus kein Widerspruch erhoben wurde. Cs ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß der Streik in oller Kürze abgebrochen und damit der Strahenbahnverkehr wieder ausgenommen wird. Kirche und Schule. hml. Lauterbach. 22. Okt. Am Mittwoch wurde dahier der Dekanatstag des Dekanates Lauterbach gehalten. Im Gottesdienste Predigte Pfarrer R e u n o b e l - Rieder- Moos über dos Schriftwort 1. Petri 2. Der Dekanstellvertreter Stadtpfarrer Schlösser- Lauterbach eröffnete die Tagung mit der Begrüßung der erschienenen Abgeordneten und gedachte mit Worten der Anerkennung und des Danke! der langjährigen treuen und unermüdlichen Arbeit des seitherigen nach Gießen verzogenen Dekans und Oberpfarrers Müller. Das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Organisten und Lehrers Hch. Römer-Lauterbach ehrte die Bersammlung durch Erheben von den Sitzen. Rach Verlesen des Bescheides des Landeskirchen- omtes auf die Verhandlungen des letzten De- sanatStages kam der Vorsitzende auf einzelne Punkte des Jahresberichtes deS Dekanatsaus- schuskes über die Jahre 1923 und 1924 zu sprechen. Der Jahresbericht war gedruckt worden und den Pfarrämtern zur Liebermittelung an die Kirchenvorständc und Kirchengemeindevertretungen zugegangen. Bei den nun folgenden Wahlen wurden gewählt »um Dekan Stadtpfarrer Schlösser- Lauterbach, zum Dekanstellvertreter bet seitherige Stellvertreter im Dekanatsausschuß Stadtpfarrer B ö ckn e r - Schlitz, zum Stellvertreter de« Dekans und Dekanstellvertreters Pfarrer Becker-Herbstein. Rach Prüfung der letzten Rechnungen und des Voranschlags der Dekanatskasse für 1925 27 hielt Psr. Becker- Herbstein einen eingehenden, fesselnden und von tiefem Verständnis für die in Betracht kommen Fragen zeugenden Vortrag über das von dem Landestirchenamte vorgeschlogenen Thema: ..Welche Bedeutung haben nach der neuen Kir- chenverfassung die Kirchengemeindevertretung und der Kirchenvorstand für das Gemeindeleben und für das allgemein-kirchliche Leben? Wegen der vorgerückten Zeit konnte Pfarrer Bönning - Freienstein nur Weniges aus seinem Ergün- zungsvortrage mitteilen. Aus demselben Grunde mußte von einer Besprechung der Vorträge abgesehen werden. Rach einem kurzen Schlußworte des Vorsitzenden wurde der Dekanatstag mit dem 1. und letzten Vers des Liedes: „Ach bleib' mit deiner Gnade", geschlossen. Wirtschaft. * Dic amtliche Grohhandclsindex- z i s f e r. Die auf den Stichtag des 21. Oktober berechnete Großhandelsindexzisser ist gegenüber dem Stande vom 14. Oktober (125,1) um 1,4 v. H. auf 1233 zurückgegangen. * Frankfurter Hypothekenbank, Frankfurt a. M. Aus Grund des Beschlusses Berlin Schlich» § Anfang Nur» l'i-'. 2L 10. | 22. 10, Datum: 21. 10. 22. 10. 0,2325 0.2275 j0,2*25 0,275 87 103' 104,1 9lT 7,13 7.13 0,03 44 44 37.5 59 60’ 122,62 66,4 66 97,25' 67 34 86 Znter- Berlin, 22. Okt. Die Gefahr, daß die 93.13 96* 75.5 76.25* 14,1 73.5 81.75 107,5 4.5' 60 5 90 25 i 96,8 7,8 ?.=> 33 68,5 120,5 65 51 96* 6,5 132 95 0,39 0.46 0.126 0,27 66.7. 60,.’ 39 51,25 194' 80 9T 7.05 0.1)3 119,15 119,25 61,5 26.5 3 85,25 52 55,75 82* 108.7* 119,25 50 66,75* 70.62 120 121,13 109,2 JO3.7 133.5' 94 107' 105' 68' 88.5* 35 31 41,75 95' 106,5' 107' 73,25* M* 108,5* 60 25 2,35 66,5 52,5 68..', 119.13 0.2675 0.455 •).1325 0.255 0,25 0.25 0.265 91.75 97,5 7,8 108,5* 120 129 :s,5 1,2325 Io,2275 0.2725 । - 84 56.4 55.4 Börse. 50 5 n7 94 87.25* 36,5 48.5* 74.75* SS,5* 69,75* 88 5* 35.5 35,13 65,7.5 74 84,25 56 55,25 Ivrantfurt a.M. Schluß. I-Uhr. fiut» Nur, 67.75* 87' 34.75 pretation der Verträge von Locarno in den verschiedenen Ländern eine, Regierungskrise herausbeschwören könnte, übte an der heutigen Börse einen merklichen Druck aus. Auch der unübersichtliche Stand der Verhandlungen zur Bildung eines westdeutschen Eisentrusts hat die Spekulation, die nach den bisherigen Meldungen mit einem baldigen Abschluß gerechnet hat, enttäuscht. Schließlich machen sich jetzt bereits Anzeichen einer beginnenden Versteifung des Geldmarktes bemerkbar, so daß man mit Schwierigkeiten bei der Heberroinbung des Ultimo rechnet. Diese ganze Sachlage veranlaßte die Spekulation an den Terminmärkten, namentlich in Montanwerten, mit Leeroerkäufen vorzugehen, was zu teilweise nicht unerheblichen Kursab - schwächungen führte. Das Geschäft in den Wer- 5% Deutsche ReichSanleihe . 4% Deutsche Reichsonlew« • 3'/,°/, Deutsche ReichSanleihe 3P/n Deutsche ReichSanleib« . Deutsche Svarprännenanleihe 4°/0 Preußische Konsolä . . . 4'7« Segen 3’,7/a Hessen 3°/° Henen........... Deutsche Werch. T ollar Anl. dto. Doll.-Schatz-Anneilng.') 4*/e Zolltürken 5% Äoldmeritaner Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- und PttvaviVauk. Dannst. und Nationalbank . Deutsche Bank Deutsche BercinSbank .... DiSconto Commandit .... Metalldank........... Mitteldeutsche Treditbank . . Oestcrreichische Kreditanstalt. Weltbank .......... Bochutner Guß ... BuderuS • . Caro . DeutschfLureoiburg...... ,87 6,81 5,87 6,89 Bulgarien . O.O.i 8.06 3.03 3.06 Lissabon 21 075 21,125 21,125 -0,175 Daiijig. . . 60 57 80.89 80.60 80,80 Qonftantni. 2.475 2,385 7,37 2,38 Alben. . . 5 59 5.61 549 5.51 Canada. . . 4,195 4,205 4,195 4,205 Uruguay . . 4.245 4.255 4.235 4,265 Berlin, 22. Oktbr. Geld Brief Amerikanische Noten..... 4.185 4.205 Belgische Noten........ 19,03 19,16 Dänische Noten ........ 103,74 104,24 Englische Noten........ 20.273 20.3,3 ^ran;önsche Noten...... 18,40 18,5ü Holländische Noten...... italienische Noten...... 168,25 16,54 169.09 1 i,62 Norwegische Noten...... 85,19 8..61 Dentsch-r>sterr., a ioo Kronen 58.93 69,23 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten...... 111,94 113,60 Schweizer Noten ....... 811,70 81.10 Spanische Noten....... 59,75 ii 0,05 Tschechoslowakische Noten . . 12, bO 12,45 Ungarische Noten....... 5,84 5.88 Frankfurter Getreidebörse (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 22. Okt. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 24, Roggen, inländischer 17,50 bis 18, Sommergerste für Brcmzwecke 24 bis 25, Hafer, inländischer 19,50 bis 21,50, Mais, gelb 19, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 37,75 bis 38,25, Roggenmehl 25,25 bis 26, Weizenkleie 9,75 bis 10, Roggenkleie 10,50. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtviehrnarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 22. Oft. Auftrieb: 2 Kühe. 1002 Kälber, 1307 Schafe und 908 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber. 'Feinste Mastkälber 80 bis 88, mittlere Mast- und beste Saugkälber 70 bis 78, geringere Mast- und gute Saugkälber 60 bis 68, geringe Saugkälber 50 bis 58. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50. geringere Masthämmel und Schafe 35 bis 44, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 24 bis 34. Schweine: Dollfleischige von 80 bis 100 Kg. 85 bis 87. unter 80 Kg 78 bis 84, von 100 bis 120 K§. 87 bis 89, von 120 bis 150 Kg. 86 bis 88, unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bis 80. Marktverlauf: Kleinvieh flott, norddeutsche Mastkälber über Rotiz gehandelt. Schweine gedrückt, ausverkauft. Bücherlisch. — Der He rb st-Piper-Bote wird soeben vom Münchner Verlag R. Piper & Co. versandt. Auch diesmal hat der Bote in seiner Mappe viel des Interessanten und Anregenden. Zwei Gedächtnistage stehen im Mittelpunkt des Heftes: Ani 18. Oktober jährt sich zum 60. Male der Geburtstag und zugleich zum 10. Male der Todestag Karl Eugen Neumanns, der durch seine großartigen Verdeutschungen der Reden und Sprüche Buddhas diese große Weltreligion uns naheyebracht hat. In den Reden Gotamo Buddhas sind die tiefsten Aufschlüsse über das Leben gegeben. Sie wenden sich, erhaben über alle Zeiten, Räume und Gebräuche, an jeden, als ein Gipfel menschlicher Erkenntnis. Die Reden und Sprüche Buddhas sind bei Piper in handlicher, schön gedruckter Taschenausgabe erschienen. Der zweite Gedenktag ist der 100. Todestag Jean Pauls. Das Heft bringt die wunderbare Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab zum Abdruck, eine der ergreifendsten Prosadichtungen Jean Pauls. Ferner bringt das Heft ein schönes Kapitel aus Meier-Graefes biographischem Roman Vincent. Agnes Miegel, die oftpreußische Dichterin, zeichnet das Charakterbild der Gattin Dostojewskis, deren Lebenserinnerungen zu den schönsten Frauenbüchern gehören. die wir haben. In einem zweiten Aufsatz behandelt das Heft Dostojewskis Bekehrung zu Deutschland. Der große russische Dichter, dessen Snmpathien ursprünglich auf französischer Seite standen, ist gegen Ende seines Lebens zu einem begeisterten Bewunderer deutscher Kultur geworden. Den Beschluß macht eine unterhaltsame Plauderei aus der Werkstatt des Verlages. Das schmucke Heft wird schon wegen seines billigen Preises von 40 Pf. allen Bücherstebhabern willkommen sein. — Unter dem Titel „R e m b r a n d t" erscheint demnächst bei der Deutschen Verlagsanstast, Stuttgart-Berlin, ein umfangreiches, mit 100 Tafeln geschmücktes Werk von Wilhelm H a u { e n ft e i n , das von der außerordentlichen Kunst dieses Forschers, das menschlich Wesentliche aufzuspüren und dem modernen Gefühl brennend nahe zu bringen, Zeugnis ablegt. — „Der Kunstwort" (München, Verlag Georg D. W. Callwey) tritt mit Beginn des 39. Jahrganges in seinem Oktoberheft nicht nur in völlig veränderter, äußerer Ausstattung und mit vermehrtem Umfang, sondern, was wichtiger ist, mit einem durchgreifend erneuerten, erweiterten und vertieften Programm auf den Plan. Schon in dem neuen Untertitel „Deutscher Dienst am Geiste" will der Kunstwort wohl deutlich erkennen lassen, daß er allem farblosen und verschwommenen weltbürgerlichen geistreichen Schönrednertum absagt und seine ihm durch die große Tradition anvertraute kulturelle Ausgabe im „Dienst am Geiste" auf dem Boden deutsch eigentümlicher Art und deutschen Kulturwillens zu erfüllen entschlossen ist. Dabei gedenkt er nicht, das altbewährte Kulturprogramm der ..Kunstwort-Arbeit" im Kerne aufzugeben: nur tiefer will er seine Aufgabe fassen und weiter feine Ziele stecken, die er letzthin in der Lösung der Frage sieht: Wie denn sollen wir leben, um richtiger zu leben als bisher? Wie verheißungsvoll die Verwirklichung dieses Programms sich anläßt, beweist der Inhalt des Oktoberhelles. Im Leitoufsah spricht Schumann weitausholend über „Kulturarbeit und Kulturpolitik", ihre Aussichten und Aufgaben in Deutschland. Conrad Ferd. Meyers gedenkt zum 100. Geburtstag C. K. Fischer, lieber „Die Oper in Deutschland" läßt sich in sehr beachtenswerten Ausführungen und Verbesserungsvorschlägen Franz Grahl vernehmen. Der 1. Deutsche Raturschutztag in München gab Anlaß zur Wiedergabe des Vortrags von Professor Paul Schultze, Raumburg, über „Raturschuh und Industrie". Vom „Glück des deutschen Menschen" weiß Rudolf Hans Bartsch, den Kern deutschen Wesens in einigen trefflichen Beispielen zeichnend, in feiner Innerstes aufschließenden Art, erfrischend und stärkend zu erzählen. In der Rundschau „Vom Heute fürs Morgen" wird über Bücher, Berliner Theater, Erlebnisse in Lappland usw. berichtet. Eine farbige Kunstbeilage von Wenzel Hablik, ferner zwei einfarbige Blätter von Michelangelo und A. M. Junckers schmücken dgs Heft, und zwei Rotenbeilagen bestreiten den munkalischen Teil. -- - K Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReliglonSgemeinde. Gottesd. i. d, Synagoge lSüdanlage). Samstag, 24. Oktober 1925. Dorabd. 5.00, morg. 9.00, abds. 5.25 u. 6.05. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 24. Oktober 1925. Freitag abds 4.50, Samstag norm. 8.30, nachm. 3.30, Sabbatausgang 6.05. Wochengottesdienst morg. 6.45 und abds. 4.30. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Samstag, 24. Oktober: 4.30 bis 6 Ähr: Rachmittagslonzert des Hausorchesters: Reue Tanz- und Schlagermusik. 6 bis 6.30 Ubr: Die Lesestunde (für die reifere Jugend): Aus „Die rote Koppel" eine Tiergeschichte von Sven Fleuron. 6.30 bis 7 Uhr: „Johann Strauß", Vortrag von Adolf Stahl. 7 bis 7.30: Der Briefkasten. 7.30 bis 8 Uhr: Schachstunde. 8 bis 8.30 Uhr: Stunde des Franko furter Bundes für Volksbildung — Vortrag von Frau Oswalt-Rosenhaupt: „Die Frankfurter Dialektdichtung". 8.30 bis 9.30 Uhr: Tanzmusik der Tanzkapelle Steinmetz. 10 bis 11 Ahr: Herbstdichtung und Herbstgesänge. n>L£> n6UERBUR6 Der von uns als /yr/fetZfr ü müflfcn Ju? durch eine weitere $ti 44. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Frühaufsteher JIr. zu d Eintritt frei. Eintritt frei. Wir empfehlen: !kS87c Referent: 0883V Herrn Fritz Saurmann, Mainz, v. D.K.D. Hochachtend H. Stecken 3875V Auszugmehl, feinstes ... Pfund 0.26 öni D Bei Milch-Schokolade 3 Milchnutz - Schokolade 3 Tee Pfund Mk. 1.50 Schade «Lteiröhrem tauft I Kehre zurück 1 Liter 1.10 Pfund 0.22 1.00 1.00 von Meßmer, vtonnefclbt usw. zu Originalpreisen sowie feinster loser der '5 gesetzl von . Kreis« falb De frei in die Strö- Düschcn ent» Tel.240auchnacbtö seeeaeoeeaee gen", sagte sie lachend. ..Unsere gehen schon im Garten spazieren." Sie stießen den Kahn wieder inung und fuhren an den grünen lang zum Badhans hinunter. D orbnui vom 1 1923 ( I findet. Schon Bun den: Rüböl.......... Vlütenmehl 0 A über i sAeich BrühlscheDrackerel Schulstr. 7'Sk Hermann regte das Ruder wie im Traum. Er blickte nicht mehr nach ihr hin. Ruch stieg aus. „Gehen Sie, Hermann.' Den Rachen kann Joseph heute abend hinaufziehen." W und MWWWe werden billigst angefertigt n. ausgebess. 98,,h Hammftr. 5. Garantiert reines Schweine- Schmalz M 1.04 Kokosfett, ausgewogen Pfund 0.68 26. I der 5 das 7 MWl KkW'UlbMil Oeffentlicher Vortrag 70 EWilöer. gegen gute aicher- beit zu Icibfflnciudjt. Schr. Ana. il (’SßOO an den Gieß. An;. hwzr aus A »erbot, . .11. !vlvie Sarien bestatte Plockwurst, schnittfest.... Pfund 2.00 Zervelatwurst, feinste. .. Pfund 2.00 Corned beei, ausgewogen Pfund 0.88 Heute frisch eingefroren: Prima Fettbückinge.... Pfund 0.50 Der gefesselte Strom Roman von Hermann Stegemann. Creme-Pralinen ........Pfund 0.92 Melange-Bonbons .. '/.Pfund 0.18 belzubr ^gen Nlitf londez Konfitüren Creme-Schokolade ... 3 Tafeln 0.65 Samstag, den 24. d. Mts. abends 8','« Uhr, Int Vortragssaal der Buchhandl. Keitzner, Schul stratze 6 Jet oeutidie Mu- u. BlimlWk" 3. Kakao von Reichardt, Sarotti, van Houten, Bensdorp, sowie lose, gute Haus- haltsortc per Pfund Mk. 1. - ffic Aus die J hie Berölienl Lr'en Art sämtlicher n |c-,on einer < 1mg »"!* Jas Reichs! Länder, eim sÄiehlich der haben imche» öttngi, ohne W über L gefaßt ^d)5iübinett knien einstii mann mit ö1 iiaen Ausschu bin eine 3ul !e; Reichskab nerren Lutde Ht.25* s*e» Henna' I' G- 'ternjPf™ W jtat ff“rt “• MBECT HAAS MACHF. Ihr blondes, von Wasserstau!) bcperltcs Haar berührte seine Stirn, als sie sich zu ihm beugte und antwortete: „Und wenn es nicht gebaut wird, kommt Hanns um seine Kraft und seine Zuversicht und ist nicht mehr der Hanns." Ein Fisch schnellte wie ein silbernes Messer über den Hungerstein in den weißen Strudel. Ruth kniete sich auf den flachen Boden des Rachens. Trotzig warf sie den Kopf zurück. „Es ist Zeit. Hermann. Ich muß nach Haus. Was du da gehört hast, das ist ein unsinniges Gerücht. Sie müssen ja froh sein, wenn gebaut wird. Es ist ja ein Werk, so groß, daß es hier alles in Schuß bringt. Stoß ab!" Das kurze Schlagruder mit dem Eisenstachel in den Händen, duckte sie sich noch tiefer in den Kahn. Hermann setzte die Stange ein und stieß den Rachen vom Hungerstein in den Wirbel. Bretthart schlug der erste Guß über sie hin. Laut schrie der Eisenstachel des Ruders, als Ruth ihn an den Felsen rannte Mit einem höllischen Schmatzen setzte das Boot in den tieferen Kessel, kippte, richtete sich wieder auf, schwankte einen Augenblick wie betrunken und schoß dann in das Gewild der Lauffenenge, die es wirbelnd stromab hetzte. Als der Rachen auf St. Josephs Acker, der bei der Trockenheit weit in den Strom reichte, auflief, fiel Ruth vornüber, und Hermann stürzte in die Knie. Gerade wie damals, als er mit der kleinen Lo ins Treiben gekommen war. Ruth war wie aus dem Rhein gezogen. Ihr leichtes Kleid klebte, das Haar hing ihr in einer schweren, dunkelgefärbten Masse tief über den Rücken. „So kann ich mich in St. Joseph nicht zei- Ungelegen kam sie auf die Terrasse und in ihre Stube. Eine Stunde später trat sie zu ihrem Vater ins Zimmer. Sie war ihm nie jünger, frischer erschienen und nie so getragen von innerer Kraft, so daß er seine Angst wie einen Alpdruck entweichen fühlte. Er ging auf sie zu und legte ihr den Arm auf die Schulter. Mit gekünstelt ruhiger Stimme sagte er beinahe sachlich kühl: „Mädel, da ist ein Bericht vom Bürgermeister. Wir haben zu früh ans Ende gedacht. Der Lauffen bleibt, wie er ist. Das Werck wird nicht gebaut." „Richt gebaut! Das Wert nicht gebaut!" Als ein Schrei, ein Schmerzensschrei, zu dessen herzzerreißender Qual die Worte gar nicht passen wollten, riß sich die Antwort aus ihrem Mund. Keine Antwort — eine Klage war es, eine wilde, aufschreiende Klage, ein Ausbruch, der furchtbarer als Tränen und Zammerlaute ihr Gesicht in wachsktarer Blässe erstarren lieh. Er hielt sie fest, ganz fest. 3n diesem Augenblick wurde ihm offenbar, wie wenig er sie kannte. Seine Wissenschaft, seine Autorität, sein ganzer Einfluß versagte, er konnte nichts tun, als sie halten und ihr durch die körperliche Hm= armung zu verstehen geben, daß er ai war, bei ihr war. Langsam löste sie sich aus seinem Arm. „Darf ich den Brief lesen?" fragte sie tonlos. Er reichte ihr den Brief und die Karlsruher Zeitung. „Danke, Papa, es ist, wie du gesagt. Die Finanzierung ist in die Brüche gegangen. Run kann er nicht bauen." Engelhardt wollte ausfahrert, ausschütten, was er auf dem Herzen hatte, aber er fürchtete sich, Ruth in dieser Stunde weh zu tun, und schwieg. Gr drückte sie in einen Sessel. Bleib ruhig sitzen, Kind. Ich laß dich allein. Du mußt damit fertig werden. Lind Ruth blieb allein. fSnrtf»luinn folgt) Spezialitäten meiner Finna: stets frisch gebrannt, in feinsten Mischungen. Spezial-Mischung I, kräftig, aro: matisch.........Pfund Mk. 4.- Feinstc Mischungen.....4.40, 4.80 Füllgrabe Filialen in allen Stadtteilen. '.'.ndzmnrdeöliatbmeil leöermmtn, der bei mir nefoufr bat, von der (Süte und Billigten überrascht ist. Für Herbst und Winter neue elegante Herren - Ulster, Schlüpfer von 2)1 f. 35.— an, Gabardinemäntel, Bozener Mäntel, schwarze Paletots AU staunend billigen Preisen! Nur nute Qualität! Ulster für Knaben, Jünglinge und Burschen in all. Preislagen Neue elegante Herren-Anzüge von Mr. 25.— an Burschen Anzüge vonMt.20.- an Svort Anzüge (Stettin) für das Alter von 11—13 Jahren, vro Stück Mk. 18.- t'odenjovven, auch in feldgrau, sehr billig Windjacken von 9JIL 10.— au Gummimäntel in all.Preislagen Blaue Arbcitöanzügc Mk. 8.— vro Stuck Weinbinder-Anziige Alk. 11.— vro Stuck Schwarze Hofen für Kellner von Mk. 10.— an Gestreifte Hofen in all. 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Lievigshöhe Sonntag, abends 8 Uhr Eintritt frei Tanz Eintritt frei Durch Verzögerung meines Wegzuges bleibe ich vorläufig weiter auf der Liebigshöhe und bitte um weiteren geneigten Zuspruch Der Verkauf feiner Offenbacher Lederwaren vonHeinrichSack findet nur Marktstr.25 statt (neben Kaufhaus Elsoffer). Reelle Bedienung! 0422 V Stumm gehorchte er. Er hatte den Brief seines Bruders in der Tasche, hätte ihr mitteilen sollen, daß Hanns heute komme, und hatte es nicht getan. Richt tun können. Und wenn man ihn deswegen mit dem Tode bedroht hätte. Er konnte nicht. Die Sonne war schon wieder glutstrahlend als lodernder Feuerball aufgeftie« gen, hatte alle Himmelsfarben versengt und fraß nun 'die Kühle des Stromes. Ruth flocht die verwirrten Haarmassen auf und stellte sich mit dem Rücken gegen die Sonne. Auf dem weißen Kies zwischen den Weidenbäumen blieb sie mit geschlossenen QlUgen stehen und spürte, wie die Sonne die Rasse aus den Kleidern zog. So still war es in St. Joseph lange nicht mehr gewesen. Die Hitze hatte die Gäste vertrieben. Gestern war sogar Frau von Rothammer nach St. Blasien in die Höhe geflüchtet. Kaum fünfzehn Gedecke kamen noch auf den Tisch. Ein Hungerjahr — der Stein behielt recht. Zn der Frcmdenliste von St. Blasien, die Frau von Rothammer hatte kommen lassen, stand noch sein Rame. Frau von Rothammer hatte laut vorgelesen: Frau Kommerzienrat Ty- lander aus Berlin, Herr Gerhart Tylander. Run waren es schon vier Wochen. Er war am anderen Tage nach St. Blasien zurückgekehrt. Aber er hatte gesagt, daß er feiner Mutter Rheinau und den Lauffen zeigen wolle, ehe sie wieder nach Berlin reisten. Seither machten die Automobile, die durchs Tal fuhren. Ruth nervös. Sie wollte ihn nicht Wiedersehen. Der Frühzug pfiff vom Tunnel her. Sie tastete nach ihren Haarsträhnen. Es war Zeit, nach Hause zu gehen. Durch den Anger, über die Treppe auf die Terrasse, da sah sie niemand. Schwer schlug das feuchte Haar nach vorn, als sie cs über die Schulter warf, aber es lockerte sich schon und spann schon wieder goldene Fäden. Rasch steckte sie es in zwei tiefgewellten Zöpfen am Hinterkopf zusammen und ging über den knirschenden Kies ans grüne Ufer. Eine Hupe rief durchs Tal, als sie über die Wiese lief. Sie erschrak, aber nein, es war ja nicht der seltsame, wilde Bogelschrei seiner Trompete gewesen. Sengende Sommerglut zitterte über den Feldern, der Tannenwald stand starr und spröde, in eherner Bläue spannte sich der Himmel über der Welt. Der Lauffen rauschte müde, nur in der Rächt tonte seine Stimme stärker. Kühlung verheißend, in die Ferne. Der Hungerstein war zutage getreten. Seit siebenunddreißig Zähren zum erstenmal wieder. Seine abgeschliffene Flache lag nackt und bloß, von Runen gekerbt, zutage, einige kaum noch lesbar. Hermann Zngold fuhr Ruth zu ihm him Um sie her spritzten die Wasser. Zwei Tage vorher war die neue Zahreszahl eingemeißelt und in der „Alten Post" mit altern Elfenauer Edelwein geweiht worden. Cs war in der ersten Tagesfrühe. Lachsfarbene Morgenröte färbte den Horizont. Kein Wölkchen schwamm am glasklaren Himmel. Von der Strömung an den breiten Stein gedrückt, der als hohe Schwelle aus dem Lauffen ragte, lag Zngolds Kahn wie angeschmiedet. Die neue Zahl war rot wie eine frische Wunde. „Fraulein Ruth, wenn das Werk gebaut wird, muh auch dec Hungerstein weichen." „Das tut nichts, Hermann, wenn das Werk steht, brauchen wir keinen Stein mehr, der Hungerjahre anzeigt." „Vielleicht kommt es gar nicht zum Bauen", sagte Zngold nach einer Weile. Als er ihren Schrecken gewahr wurde, setzte er hastig hinzu: „Zch meine in diesem oder dem nächsten Zahr noch nicht. Rektor Schnell erzählte, daß die Bauvorschriften der Regierung für die Gesellschaft unannehmbar seien." Sie starrte ihn, immer noch von blassem Schrecken erfüllt, an. „Und Hanns! Was wird aus Hanns!" schrie sie plötzlich in das Tosen des Rheins. Er rückte dicht zu ihr hin und sagte mit erstickter Stimme: „Fräulein Ruth, wenn das Werk gebaut wird, müssen sie den Vater mit Gewaft aus feinem Haus treiben!“ AWIW Seltersweg 70. _____ ______________ 9870a siebter aus, der Waschet reu nd,der Erhalter Jhres leinenschrankes! Für moderne Ansprüche In 40 Farben zu haben Paar 5.- Mk. natur gern elfter* Form- 1