Dienstag, 22. September 1925 175. Jahrgang Nr. 222 Erstes Blatt Crföetnt täglich, außer Somu und Feiertags. Beilagen: kcrfchiedsgerichts zu stärken. Gerade Lord Robert Cecil, der jüngst noch einem deutschen Pressever- treter die Notwendigkeit des schleunigsten Beitritts Deutschlands in den Völkerbund nahclegte, hat seine Wünsche Polens abgegeben und damit seine eigene Behauptung widerlegt, daß Deutschland für seine nationalen Minderheiten auf Verständnis und Schutz bei der Gesellschaft der Nationen rechnen dürfe. Diese Beschlüsse des Völkerbundsrates können uns nur darin bestärken, daß wir uns mit feiner vagen Zusage in den Punkten begnügen dürfen, in denen wir im Interesse unserer Sicherheit eine Ausnahme von den allgemeinen Äölkerbundsbeftimmungen erreichen müssen. Sm Kabinettsrat, der am Montagnachmittag um 5 Uhr unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Luther begann, wurde zunächst im Kreise sämtlicher Kabinettsmitglieder der Bericht des deutschen juristischen Sachverständigen. Ministerialdirettor Gauß, entgegen- genommen und erörtert. Don der Beurteilung des darin enthaltenen Materials wird es ab- bäugen, ob die Reichsregierung der Außen- ministerkonserenz den Charakter einer n Damaligen Vorbesprechung geben oder ihr bereits endgültige Befugnisse zu- sprechen wird. Man darf sich nicht verhehlen, daß die Häutung von Ministerzusammenkünflen, ohne dah dabei ein positives Ergebnis erzielt wird, der Durchführung der Paktidee mehr schaden als nützen wird. Die Situation ist nach wie vor die gleiche: wir wollen eine Stillegung der Westfragen, aber keine neue Bindung an andere Bestimmun gen des Versailler Vertrages, wir wollen in den Völlerbund nur ein treten, wenn unser Rang als größte kontinentaleuropäische Macht und außerdem unsere besondere Lage inmitten Waffen starrender Rachbarn berücksichtigt wird. Der Kabinettsrat Berlin, 21. Sept. (Sil.) Das Reichskabinett trat heute nachmittag zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen, an der alle Reichsmini st er, mit Ausnahme des dienstlich abwesenden Reichswehrministers, teilnahmen. Ministerialdirektor Dr. Gauß erstattete ausführlich Bericht über die Lond-ner Besprechungen, woran sich nach einem Referat deS Reichs- auhenministers eine Aussprache über die weiteren, mit dem Sicherheitspakl im Zu- sammenhang stehenden Fragen schloß. Die Beratungen des .Kabinettes werden morgen fortgesetzt werden. Die endgültige Entscheidung wird in einem unter Vorsitz deS Reichspräsidenten abzuhaltendea Äabi- nettSrat getroffen werden. Beneschs Initiative. Die Tschechoslowakei schlägt einen Schiedsvertrag mit Deutschland vor. Berlin, 21. Sept. (WTB.) Der tschechoslo. wakische Gesandte in Berlin, üros ta, teilte Sonntag im Namen seiner Regierung dem Außen- Minister Dr. Stresemann unter Bezugnahme auf die in letzter Zeit zwischen Deutschland und den Alliierten ausgetauschten Boten mit, dah die tschechoslowakische Regierung bereit sei, in Verhand- lungen über den Abschluß eines deutsch- tschechoslowakischen Schledsvertra- g e s einzutreten. Es bedeutet doch eine starke Ueberraschung, daß unmittelbar, bevor das Reichskabinett endgültig Stellung nimmt über die Art seiner Beteiligung an der Ministerkonferenz, Herr Benesch, der ewig betriebsame tschechische Außenminister, seinen Berliner Botschafter mobil macht und das Angebot zu Verhandlungen über einen deutsch • tschechischen S ch i e d s v e r t r a g macht. Wir sind von ihm in den letzten Jahren nichts Gutes gewohnt gewesen: wir haben immer anerkennen müssen, daß er die Interessen seines Landes nach Kräften zu fördern bemüht war, aller- dings sich und seinem Volke dabei einen gewissen Größenwahnsinn einredet und die Tschechoslowakei gerne als das Herz Europas, sich selbst aber als eine Art von europäischem Schiedsrichter betrachtet, während Deutschland für ihn immer nur D b j c f t war, da er das ganze Heil feiner Diplomatie von Frankreich erwartete. Wenn er uns jetzt kommt, dann liegt zunächst die Vermutung nahe, daß er auch diesmal die Rolle des Rattenfängers von Hameln spielen möchte. Eine solche Konstruktion wäre ja politisch auch ohne weiteres möglich, wenn man annimmt, daß Benesch mit seinen Wünschen zur Teilnahme an der Konferenz sogar in Paris ein wenig geneigtes Ohr gefunden hat, vielleicht nur aus dem Grunde, weil die Franzosen in einer Etikettenfrage die Engländer nicht verstimmen wollen, und daß er sich jetzt durch das Angebot von Verhandlungen mit Deutschland eine Einladung z u der großen Konferenz ertrotzen will, mit der stillen Nebenabsicht, daß, falls Deutschland ab- lehnt ober die Angelegenheit dilatorisch zu betrauten sucht, dadurch der ganze Sicherheits- vertrag gefährdet wird. Mag sein, daß die Spekulation des Herrn Benesch in dieser Richtung geht, ebenso gut möglich ist aber auch, daß er es ehrlich meint. Das würde zur Voraussetzung haben, dah seine Sonder Verhandlungen, die er in Genf geführt hat. endgültig gescheitert sind. Er könnte sich davon überzeugt haben, dah Herr 03 r i an b nachgerade auf Gedeih und Verderb mit dem Gedanken des Sicherheitspaktes verbunden ist und deshalb gezwungen wäre, auch die Tschechen zu opfern. Kommt aber ein für beide Seile tragbarer Sicherheitspakt zwischen Deutschland und Frankreich zustande, der F r a n k r e i chS Darantlerolle für feine östlichen Bundesgenossen auSschaltet, dann würde das einen endgültigen De rzicht Frankreichs auf seine bisherige Ostpolitik bedeuten. Die Tschechen aber ebensowenig wie die Polen könnten ihre ganze kostspielige Rüstungo- politik nur solange fortsetzen. alS sie der unbedingten älnterstühung Frankreichs sicher waren. Zieht Frankreich sich von ihnen zurück, dann kommen sie nicht nur finanziell in ole Klemme, sondern mehr noch politisch. Denn auf dem 11m- tt>egc über die wirtschaftliche Zange könnteDeutsch- land ihnen sehr unbequem werden, sobald sie keine Rückendeckung im Westen mehr haben. Zu- zuttauen ist Herrn Benesch schon, daß er klug genug ist, diese Wirkungen vorauSzuahnen und deshalb das Prävenire spielen möchte, indem er von sich aus an Deutschland foerantritt. Für diese Lesart würde sprechen, daß er selbst nicht einen Sicherheitspakt, sondern nur einen SchiedSvertrag vorschlägt, so wie er in dem ersten deutschen Memorandum angedeutet war. Dazu wird er Deutschland immer bereit finden, vorausgesetzt, dah er selbst getoillt ist, daraus bestimmte Konsequenzen zu ziehen für die Stellung unserer Stammesbrüder in der Tschechoslowakei. WaS wir von den Tschechen wollen, ist ja zur Zeit nicht allzu Diel, wir werden mit ihnen leichter zustande kommen, als mit den Polen, von denen es uns nicht wundem sollte, wenn sie jetzt mit einer ähnlichen Anregung kämen. Die Haltung Polens. Warschau, 22. Sept. (Pvaoittel.) Die in Berlin abgegebene Erklärung der tschechischen Regierung über die Bereitwilligkeit zum Abschluß eines Sicher hei tspaktes mit Deutschland hat hier sehr überrascht. Es verlautet, dah sich die polnische Regierung nicht dazu entschließen fiinre. einen P a r alle 1 schr i 11 zu unternehmen, da das polnische Außenministerium davon überzeugt sei, dah Polen im weiter en Verlause der Sicherheitsverhandlungen her- angezvgen werde. Aus jeden Fall scheint Polen, obgleich sich feine Hoffnung auf eine gleichberechtigte und gleichwertige Teilnahme an der Sicherheitspaktkonserenz nicht erfüllt hatte, die Absicht zu haben, nur im Rahmen dieser Konferenz oder im unmittelbaren Anschluß daran über einen deutsch' polnischen Sicherheitspakt zu verhandeln. Zurückhaltung in Prag. Prag, 22. Sept. (TU.) Die Prager tschechischen Abendblätter drucken lediglich die Berliner Meldungen und Blätterstimmen über den in Berlin erfolgten Schritt des tschechoslowakischen Gesandten Dr. Krosta ab, ohne daran eigene Bemerkungen zu knüpfen. Die in Prag anwesenden deutschen Politiker verhalten sich sehr zurückhaltend. Der Vertreter der Telunion hatte eine Unterredung mit einem führenden deutschen . Abgeordneten, der erklärte, daß vom sudetendeutfchen Standpunkt aus weder durch pessimistische Aeußerungen den Standpunkt des Deutschen Reiches erschweren noch durch vorzeitigen Optimismus über die eventuellen Möglichkeiten, die sich aus den bevorstehenden Verhandlungen mit der Tschechoslowakei ergeben, Wasser auf die Mühlen gewisser tschechischer Politiker leiten dürfe. Dem tschechischen Schritt in Berlin vorausgegangen war in der tschechischen Presse eine lebhafte Kritik au Beneschs Außenpolitik Der „Venkov", das Blatt der tschechischen Agrarpartei, meint, daß auch die für den Osten norgefcbriebenen Schiedsverträge eine große Gefahr für die Tschechoslowakei in sich schlössen. Für den Fall, daß es zu einem deutsch-französischen Zusammenarbeiten komme, würden alle Entscheidungen von Streitfragen zwischen Deutschland und seinen Rachbarstaaten unter dem Einfluß eines solchen neuen Kurses getroffen werden. Die tschechoslowakischen Befürchtungen seien daher auch in diesem Falle nur zu recht und Sentimentalitäten seien nicht am Platze. Das Hauptblatt der tschechischen Volkspartei meint, England sei der Ansicht, dah Deutschland im Osten, vor allem von Polen, die Kolonialdezernate bekommen müsse. Nach dem offiziellen Kommunique herrscht im Frontabschnitt von Ceuta und Tetuan Ruhe. Der Feind hat gestern das Gewehr- und Geschutzseuer im Abschnitt von Alhucemas verstärkt. General Primo de Rivera ist in den Gewässern von Alhu- cemas angekommen. Im Abschnitt von launat wenden die Rifleute eine neue Taktik an. Sie belästigen die französischen Posten mit Hilfe guter Schutzen, die in den Felsen Unterschlupf finden. Um diese Schützen zu bekämpfen, machte eine Gruppe eine umzingelnde Bewegung und überraschte die Rifleule, die Hals über Kopf flohen, wobei sie 15 Tote in ihren Schlupfwinkeln und eine Anzahl Verwundeter zurückließen. Die Flugzeuge haben die Dörfer und Flecken des Talhagsagebiets mit Bomben belegt Oesterreich und der Völkerbund. Genf, 21. Sept. (WTB ) Die Dölkerbundsver- fammlung genehmigte debattelos die chr oorgelegten Berichte . Lediglich der Bericht über den 11 n a n - zielten Wiederaufbau Oesterreichs führte zu einer Aussprache, in der Suwich-Stallen erklärte, daß Italien bereit sei, im Rahmen des Möglichen Oesterreich wittschaflliche Erleichte- rungen zu gewähren, und wiederholt verlangte, daß die Frage einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit Oesterreichs mit seinen Nachbarstaaten vom Völlerbund unter- sucht wird. Graf Mensdorff-Wien erklärte, daß Oesterreich wegen seiner wirtschasllichen Zukunft in großer Sorge sei. und forderte unter besonderem Hinweis auf die Erklärungen Italiens, die Nachbar- floaten Oesterreichs auf. bei der Besserung seiner wirtschaftlichen Lage mitzuarbeiten. In dem Bericht über den finanziellen Wiederaufbau Oester- reiws wird unter anderem mitgeteilt, daß für den Fall, daß der Dölkerbundsrat die Finanzkontrolle innerhalb der nächsten zehn Jahre wieder einführen will, der entsprechende Beschluß vom Rat mit drei Diettel Stimmenmehr- heit gefaßt werden muß. Der Bericht betont, daß dem finanziellen Wiederaufbau jetzt der wirtschaftliche folgen müsse. Dieses Problem sei jedoch wesentlich verwickelter und schwieriger als das finanzielle Problem. Reparationsleistungen der Reichsbahn. Berlin, 21. Sept (WTB.) Der Generalagent für Reparationszahlungen teilt folgendes mit: Die Deutsche Reichsbahngesellschast hat heute als erste Rate auf den Teil des Beförderungssteuerertrags, der an die Annuität im zweiten Jahre des Sachoerständigenplanes im Namen der Reichsregierung zu leisten ist, den Betrag von 28 010 776 Goldmark bezahlt. Die vom Beförderungssteuerertrag im zweiten Jahre fällige Gesamtsumme beträgt 250 Millionen Goldmark, deren Zahlung gemäß der von dem Generalagenten mit der Reichsregierung und der Reichsbahngesellschaft abgeschlosienen Vereinbarung grundsätzlich in Fristen von je einem Monat erfolgen soll. in geartete Gruppen von Beamten (; •'N ;A'i Der i n der ver- Meyer, sowie ein Personen- war. Um die zu erwartende lange Berhandlungs- dauer abzukürzen, wurden ähnliche und gleichgeartete Gruppen von Beamten (a. B. Amts- gehilfen, Hausmeister, Feldschützen) zusammen- gefaßt und deren Gehaltsverhältnisse zugleich beraten: aber trotzdem zogen sich die Verhandlungen Zwischen der Finanzdeputation des Freistaates Bremen und einem unter Führung der Guarantee Trust Company Reuyork mit der I. F. Handelsgesellschaft, Berlin und den Herren M. R. Warburg ö- Co., Hamburg gebildeten Konsortium ist der Vertrag über eine 7proz. Anleihe in Höhe von 10 Millionen Dollar mit einer zehnjährigen Laufzeit zum Abschluß gekommen, die an der Neuyorker Börse, sowie in Holland, der Schweiz und England zum Kurse von 94) Proz. morgen zur Zeichnung aufgelegt werden soll. 3n Rhens (Rhein) wurde in gangenen Nacht der Schuhmachermstr. seine Frau und seine Tochter Fräulein S ch r e i t c r von einem Verwaltungsgerichtshofes zu Darmstadt das Landesschiedsgericht zusammen, um über den Be- soldungsplanderStadtGießen zu beraten. Verhandlungsleiter war Staatsrat S ü f - tert; Vertreter des Staatsinteresses Finanzrat Lippert. Aus Gießen waren Oberbürgermeister Dr. Keller anwesend, sowie mehrere hessische Beamte der in Frage kommenden Kategorien. Auf der Tagesordnung der Sitzung standen 10 Positionen, in denen der Besoldungsplan beanstandet Straßburg, auf dem 125 000 Arbeiter durch 600 Delegierte vertreten waren, hat beschlossen, für Elsah-Lothringen das Selbstbest immun g s r e ch t zu fordern. Destinunend hierfür war eine Erklärung der kommunistischen Partei Frankreichs zur elsaß-lothringischen Frage, in der die Anerkennung des Selbst- bestimniungsrechtes für das elsässische Volk verlangt wird. Es wurde ferner ein 24stündiger General st reik als Protest gegen den marokkanischen Krieg beschlossen. Wie die „Humanste" mitleilt, wird ein offener Brief an die Ministerkonferenz gerichtet werden, in dem das Selbstbestimmungsrecht für Elsaß-Lothringen gefordert wirb. ** Eine Auslandberufung. Nach einer Meldung des Wolfffchen Telegraphenbureaus erunannte der Staatsrat des Schweizer Kantons Genf den seitherigen Prioatdozenten an der Universität Gießen, Dr. jur. Erich H. Kaden, zum außerordentlichen Professor für deutsches Zivilrecht an der Rechtsfakultät der Universität G e n f. Dr. Kaden, dessen Hauptarbeitsgebiete das römische Recht, das internationale Prioatrecht, speziell das Privatrecht des Versailler Vertrages sind, ist durch seine Tätigkeit als Assistent der jun- stischen Fakultät den Landesunioersität auch weiten Kreisen unserer Stadt kein Unbekannter. ** Der Gießener D e so l du n g s p l a n vor dem Darmstädter Landesschiedsgericht. Am Samstag trat im Gebäude des Aus aller Wett Otfoberfeff in München. In Hannover fand eme große Kundgebung des Jungdeutschen Ordens statt. Dor Der- tretern der Presse sprach Generalleutnant Satze n b e r g ° Berlin an Stelle des erkrankten Hoch- Meisters Mahrraun über das Wesen und die Ziele der Ordensbewegung. Am Abend fand im Kuppelsaal der Stadthalle eine große Feier statt, an der mehr als 3000 Menschen teilnahmen. Die Hauptrede hielt Herr Dietrich- Berlin über Arbeiterfragen. Die Feier war umrahmt von Dorttägen und musikalischen Darbietungen. * Wie das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger aus parlamentarischen Kreisen hört, betrugen die Druck kost en für den amtlichen Bericht des preußischen Untersuchungsausschusses in Sachen Hvef le nicht weniger als 42 000 Mark. Wettervoraussage. Wolkig, iagüber wärmer, sonst kühl, vereinzelt Regen fälle. Das nordwestliche Zyklonen-Shstem, das zwei Kerne aufweist, hat sich wider Erwarten nordwärts gedreht, so daß seine Ausläufer nicht weiter in unser Gebiet eingedrungen sind und nur mäßige Regenfälle eintraten. Jedoch ist die Wetterlage damit nicht gesichert, da weitere Tiefausläufer nach Frankreich übergreifen. Zunächst tritt Bewö lkun gsabnahme ein. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16,8, Minimum 6,4 Grad Celsius. Niederschläge: 0,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 84 Grad Celsius. kraftwagen überfahren. Die drei ersteren waren sofort tot, Fräulein Schreiter wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Die Insassen des Kraftwagens blieben unverletzt. Grohseuer in Pommern. In der Gemeinde Staber (Kreis Raugard) sind in der vergangenen Nacht elf Scheunen mit den Erntevorräten vollständig niedergebrannt. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann von einer einstürzenden Mauer begraben und schwer verletzt. Die Ursache des Parlamentsbrandes in Tokio. Die Ursache der Brandkatastrophe des Parlamentsgebäudes ist bereits geklärt. Ein Arbeiter hatte seine Benzinlampe unbewacht stehen lassen. Das Kabinett plant den Bau eines zweiteiligen Gebäudes, dessen Kosten etwa 1 800 000 Q$en betragen würden, um für die kommende Wintertagung einen Raum zu finden. Die Parlamentseröffnung wird im Kaiser- Palast stattfinden. Seltsame formen der Alkohol- und Tabaksteuer. Der mexikanische Staat Tabasco hat ein Gesetz angenommen, wonach alle diejenigen einer besonderen Abgabe unterliegen, die in der Oesse n t l i ch k e i t rauchen oder.sich in angetrunkenem Zustande zeigen. Der Ertrag soll zur Bekämpfung der Heuschreckenplage verwendet werden. t 9; bau sollen iS! A-Z »Mi . Di, oeui - Glosse sr .Tie Arn Aus Stadt und Land. Gießen, ben 22. September 1925. Gießener Wochenmarktpreise. am 22. September (Händlerpreise), i Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 230 Pfennig, Matte 40, Käse 70, Wirsing 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Bohnen 30, Unterkohlrabi 6, Tomaten 40, Zwiebeln 15, Meerrettich 40 bis 150, Rhabarber 15, Kürbis 8, Pilze 30, Kartoffeln 4,5, Falläpfel 5, Aepfel 15 bis 25, Birnen 30 bis 35, Zwetschen 20, Preiselbeeren 50 bis 70, Brombeeren 40 bis 45, Weintrauben 50, Nüsse 50, junge Hahnen 110, Suppenhühner 110; das Stück: Eier 16 bis 17, Blumenkohl 40 bis 160, Salatgurken 20 bis 30, Einmachgurlen 2 bis 4, Endivien 10 bis 25, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30; das Bund: gelbe Rüben 20 Pfennig. deren Kreisen die Konsolidierung von 25—30 Milliarden Franken der schwebenden Schuld erlauben. Wenn aber die Anleihe b i s jetzt 7—8 Millionen ergeben habe, so sei das viel. Es scheine sogar, daß man zugleich ein Nachlassen der Zeichnungen der Bonds der Nationalen Verteidigung festgestellt habe. Die Konsolidierung der schwebenden Schuld — der große Gedanke Cail- laux' — stelle sich als ein vollkommener Mißerfolg heraus. Die 60 Milliarden schwebender Schuld beständen noch immer, und am 25. September müsse man einige Milliarden der Anleihe von 1922 zurückzahlen, ganz abgesehen von den im Dezember fällig werdenden neuen Rückzahlungen. Während des Septembers habe man eine Milliarde neue Banknoten auggegeben, die der Marokkokrieg verschlungen habe. Für die im September fällig werdenden Verpflichtungen werde man die Notenpresse mit Hochdruck arbeiten lassen müssen. Selbstbestimmungsrecht für Elsntz-Lothringen. pariamentsdegmn in Preußen. Rach mehrwöchiger Ferienpause ist der preuh. Landtag am Dienstag wieder zusammengetreten, um die seinerzeit unterbrochenen parlamentarischen Arbeiten fortzusehen und vor allem einmal den Haushalt unter Dach und Fach zu bringen. Don ersprießlicher Arbeit dürste aber auch jetzt nicht viel zu merken fein, da noch immer die für die Interessen Preußens so notwendigen Umgruppierungen innerhalb des Parlaments nicht vorgenommen worden sind. Infolgedessen wird über kurz oder lang entweder die Frage der R eg i e r u n g s u m b i ldu n g o d e r derReu- Wahlen wieder in den Vordergrund der allgemeinen Erörterungen treten. Sowohl das eine wie das andere ist der Weimarer Koalition höchst unangenehm. Immerhin tun aber die Sozialdemokraten so, als könnten sich Herr Braun und Herr Bartels, die im ..Rat der Drei" gegenüber Herrn Adenauer die Mehrheit haben, ruhig eine Landtagsauslösung leisten. Bisher haben die Sozialdemokraten aber noch immer Rücksicht auf das Zentrum genommen, das wohl »rst einmal die Ergebnisse der in verschiedenen Ländern bevorstehenden Wahlen abwarten möchte, ehe es sich weiter entscheidet. Große Lust zur Auslösung scheinen aber auch die Sozialdemokraten nicht zu haben, denn sonst hätten sie längst aus den Abstimmungen im Plenum die Konsequenzen gezogen. Eine arbeitsfähig e Mehrheit herzu stellen, liegt einzig bei dem Zentrum, das, wenn es dem Reichszentrum endlich folgen würde, eine Parlamentsauflösung zu verhindern mag, die sich aber unter den jetzigen Verhältnissen doch nicht vermeiden lassen wird. ♦ Des Reichspräsidenten Dank an Rheinland-WestfaLen. Berlin, 21. Sept. (WTB.) Der Reichspräsident har an den Oberpräsidentent der Rheinprovinz nachstehendes Schreiben gerichtet: .Nach Berlin zurückgekehrt, darf ich Ihnen nochmals danken für die herzliche Ausnahme, die ich auf der Reise in das befreite Gebiet in den Städten der Rheinprovinz, die ich besuchen konnte, gefunden habe. Ich habe aus all den freundlichen Willkommensgrüßen, die mir bargebracht würben, mit Befriedigung ersehen, daß die gesamte rheinische Bevölkerung sich mit Freuden als Deutsche fühlt und bekennt und in unverbrüchlicher Treue ihrem Vaterland ergeben ist. Jkch habe auch mit Genugtuung feststellen können, daß trotz der schweren Leiden, die die Lande am Rhein erduldeten, doch überall der Wille zur Selbstbehauptung und das Vertrauen in die Zukunft u n g e- 'b rochen sind. Ich entnehme daraus die Zuversicht, daß der Rheinprov inz wieder ein neuer Aufstieg beschieden fein wird. Ich darf die Gelegenheit benutzen, um Sie zu bitten, den Beamten der Schutzpolizei, deren musterhafte Haltung ich mit Anerkennung erwähnen möchte, und allen übrigen Beamten, die sich um die Veranstaltungen aus Anlaß meines • Besuches bemühten, meinen anerkennenden Dank auszusprechen. Mit besten Wünschen für die Rheinprovinz und freundlichen Grüßen (gez.) Hindenburg. Auch an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen und den Oberbürgermeister von Düsseldorf hat der Reichspräsident Schreiben ähnlichen Inhalts gerichtet. Das Reichsschulgesetz. Mehrere Blätter melden aus Dresden, daß nach einer Rede des volksparteilichen sächsischen Kultusministers Dr. Kaiser auf einer Tagung der Gruppe der Deutschen Dolkspartei des Wahlkreises Chemnitz-Plauen-Annaberg eine Ent» schliehung gefaßt wurde, in der es heißt, daß der Entwurf eines Reichsschulgesetzes in seinen wesentlichen Punkten nicht den evangelischen, lutherischen, liberalen und kulturellen Anschauungen der Deutschen Volkspartei entspricht. Die Entschließung lehnt daher den Entwurf ab und fordert die Bekenntnisschule als Staatsschule und nicht die Kirchenschule. Vor ollem sei die kirchliche Beauf- sichtigung der Schule abzulehnen. Schiedsspruch in derSiegerländer Metallindustrie. Essen, 21. Sept. (XU.) In den Lohn- und Arbeitszeitstreitigkeiten der Siegerländer Metallindustrie ist ein verbindlicher Schiedsspruch gefällt worden, nachdem der bisherige L o h n t a r i f bis zum 30. September d. I. bis 31. März 1926 verlängert wird, bei einer Beschränkung der Wochenarbeit auf 56 Stunden. Während die Gewertschasten den Schiedsspruch ab- lehnten, beantragte der Arbeitgeberverband Verbindlichkeitserklärung. Der Schiedsspruch wurde hierauf von dem Schlichter des Bezirkes Westfalen für verbindlich erklärt. Zum ersten Male seit dem Kriege findet München wieder das historische Oktoberfest statt. Der Sonntag stand im Zeichen der Eröffnung des Landesschießens des Bayerischen Straßburg, 21. Sept. (TU.) Bauern- und A r b e i t e r ko n g r e h Unter Beteiligung von über 300 Delegierten aus dem ganzen Reich begann in Halle die erste Reichstagung des Reichsbundes vaterländischer Arbeits- und Werkvereine. Abends fand im städtischen Schühenhof der DegrützungSabend statt. ■ i’j bei N ted« fond spA Selo zort gertf W, töt’! {antfj zur MU Serbe sHula Teiln Oden 6tub: tat ( neue Aedi traul sühn Krci des ralif1 ficn bettei jfirl aiiM Dege Mach erziehe auch t Änord mund! 6ad)t Äusgl W - befiel Eine Inge beizu schuh die E die I fasset Lehn heilif sein. 'nen neu, Turn über, Wei eine ( Erhöh alles Vvrzi beiW in d anfäi als. mit i gen . festig kann. fast über den ganzen Tag hin. In allen Punkten bis auf zwei ist die Auffassung der Gießener Stadtverwaltung durchge- brungen und die Eingruppierung genehmigt worden. Tellweise hatte das Ministerium schon bei Eintritt in die Verhandlungen seine Einsprüche aufgegeben. " ilntcrfdjlagung und Diebstahl. In einer eigenartigen Diebstahlsangelegenheit verhandelte dieser Tage die Darmstädter Strafkammer. Wer einen Wertgegenstand findet und ihn behätt, macht sich bekanntlich der Unterschlagung schuldig. Anders ist e£. aber mit einem Funde bei der Dahn; nach den gesetzlichen Bestimmungen wird dann ein gleicher Fall als Diebstahl angesehen. Ein Student hatte im Toilettenabteil eines Zuges eine Handtasche gefunden und an sich genommen. Er hatte dann angeblich nur warten wollen, bis die Verliererin sich meldet, um den Finderlohn zu beanspruchen. In der ersten Instanz war er mangels Beweises sreigesprochen worden. In der Berufungsinstanz wurde er jedoch des Diebstahls für schuldig befunden. Wegen feiner bisherigen Straflosigkeit kam er mit einer Geldstrafe, statt einer Gefängnisstrafe, davon. * Elternabend der Oeffentlichen Handelslehranstalt. Am Samstagabend fand in den Räumen des Kaufmännischen Vereinshauses ein außerordentlich gut besuchter Eltern- und Llnterhaltungsabend der Oeffentlichen Handelslehranstalt statt, dem mehrere Mitglieder des Schulluraloriums und andere Gäste beiwohnten. Eine .Ausstellung der technologischen Warensammlung der Schule war damit verbunden, die dank verschiedener Stiftungen aus Eltern- und Firmenkreisen schon einen guten Bestand hat. Die Echüler(innen) der Höheren und der Zweijährigen Handelsschule umrahmten mit ihren musikalischen, deklamatorischen und Tanzdarbietungen eindrucksvoll und künstlerisch den Vortrag des Diplom-Hdl. Schneider über die erdgeschichtliche Entwicklung der oberhessischen Heimat und den Bericht des Diplom-Hdl. Heun über die Rhein- und Moselfahrt der Höheren Handelsschule. Der Leiter der Anstalt, Dr. Feld, faßte in seinen Mitteilungen an die Eltern die pädagogischen Ideen des Abends zusammen in der Kennzeichnung der B i l d u n g s - ziele der Oeffentlichen Handelslehranstalt, die sich nicht auf die technisch-kaufmännische Abrichtung der Schüler für den Geschäftsbetrieb beschränken, sondern neben einer ausreichenden Berücksichtigung der Bureaufunktionen das Schwergewicht auf die Erfassung des ganzen Menschen als Persönlichkeit legen. Das wurde an Beispielen aus Organisation und Llnterrichts- betricb der Schule erläutert. Großes Interesse sanden die Ausführungen über die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Schule. Der Abend hat wieder einmal gezeigt, wie sehr die Interessen von Elternhaus und Schule sich auf breiter Basis zusammenfinden können. f pd. Natur- und Heimatschutz durch die Schule. In einem Rundschreiben hat der preußische älnterrichtsminister die Regierungen und Prov'nzialschulkollegien beauftragt, auf die Jugend in den Schulen erzieherisch im Sinne des Natur- und Heimatschutzes einzuwirken, und bei Ausflügen den Schülern die Schonung der Naturschutzgebiete zur Pflicht zu machen. Gleichzeitig soll der Unsitte gesteuert werden, mit Luftgewehren usw. in der Dogel- toelt Verwüstungen anzurichten, wodurch in vielen Gegenden schöne Vögel gänzlich verschwunden sind, wie der Pirol und der Eisvogel. BorrroLizen. — Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Das stolze Schweigen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschriebmi: Professor Mareell S al zer, dieser in seiner Art ganz einzige Vortragskünstler, hat seit Jahren hier eine so große Gemeinde, daß die Ankündigung eines seiner Gastspiele stets lebhaft begrüßt wird. Die Mitteilung, daß Prof. Salzer seinen einzigen diesjährigen Vortragsabend am Dienstag. 29. September, im Stadttheater abhält, dürste daher schon genügen, um der Theaterkasse zahlreiche Vorbestellungen einzubringen. Kirche und Schule. : --: Aus d e in Busecker Tal. 21. Sept. Als eine segensreiche Einrichtung erweisen sich die im letzten Jahre und noch in den letzten Wochen in unseren Gemeinden gegründeten Schu lsparkassen. Wenn auch bei ihrer Errichtung viele Schwierigkeiten überwunden werden mußten, so ist sich doch heute die Mehrzahl unserer Einwohner über die Notwendigkeit des Sparens bewußt. Lind die anfangs nur schüchtern gezeigte Aengstlichkeit einer „Sparkasse gegenüber ist heute einem ernsten Willen vieler Menschen gewichen, die wieder sparen wollen. So sind denn auch die Einladen in unseren Schulsparkassen in letzter Zeit gewaltig gestieg en. Don vielen Familien wird die Schulsparkasse als die einzige Sparkasse betrachtet. denn nur hier kann man mit dem Groschen das Sparen beginnen, und — viele Wenig geben ein Viel. Die meisten unserer Echul- spariafsen sind angegliedert an die örtlichen, dörflichen Spar- und Leihkassen, so in Grohen- Duseck, Reiskirchen und Beuern. Aridere wieder führen ihre Einlagen direkt an die Gießener Bezirkssparkasse ab. Von selbst -kleinen Schulen unseres Tales betragen die monatlichen Einlagen 100 Mk. und darüber Mit diesen gesammelten Geldern können unsere ländlichen Spar- und Leihkassen manch kleinen Mann, der ihre Hilfe in Anspruch nehmen muß, helfend unter die Arme greifen. Auch die vielerorts auSgegebenen Sparkarten, die auch an ältere Leute auSgegeben werden, sammeln im Laufe des Jahres recht schöne Beträge an. und schon mancher sorgsame Familienvater hat seine jährlichen Zinsen für die selbst wenn es dem Friedensvertrag von Versailles widersprechen würde. Deutschland trete wieder als Großmacht in die europäische Politik ein und die Tschechoslowakei dürfe den Kopf nicht in den Sand stecken. Sie müsse sich zum Bewußtsein führen, daß es im europäischen Interesse liege, wenn das industrielle Deutschland, dessen Bevölkerung ständig wachse, leben könne. Es bestehe aber die Gefahr, daß Deutschland die besseren Lebensbedingungen auf Kosten der Tschechoslowakei auSkämpfe. Es müßte dem Außenministerium der Vorwurf gemacht werden, daß es durch seine Propaganda rurd Verkündigung von Siegen und fortwährendem Jubel die Gefahren völlig vergessen habe, ja die wirlliche Lage einfach verheimliche. Das Blatt der Legionäre fordert entschieden die sofortige Aufnahme der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Rußland. Frankreichs Finanzlage. Mißerfolg der inrieren französischen Anleihe? Paris, 21. Sept. (WB.) Wie die ,.Hu- mani te“, daS kommunistische Zentralorgan, der man die Verantwortung für die Meldung überlassen muh. zu wissen glaubt, ist die neue innere französische Goldanleihe ein vollkommener Mißerfolg. Das Publikum lehne es ab, sie zu zeichnen. Man habe in den optimistischen Kreisen angenommen, die Anleche werde die Konsolidierung von 30—40 Milliarden Franken, in an» Kunst und Wissenschaft. Tagung für Denkmalspflege und Heimatschutz. Freiburg i. Br., 21 Sept. (WTB.) Gegenwärtig findet hier eine Tagung für Denkmalspflege und Heimatschutz statt, zu der aus allen Teilen des Reiches die auf diesem Gebiet hervorragendsten Persönlichkeiten erschienen sind. An der Tagung nimmt auch der badische Staatspräsident Dr. H e l l p a ch teil, ferner der hessische G e - sandte in Berlin, Frhr. v. Biegeleben, ferner der preußische Staatskonservator Ministerialrat H i e ck e r - Berlin. Auch die Schweiz und Oesterreich sind vertreten. Im Anschluß an mehrere Referate werden entsprechende Entschließungen an die zuständigen Stellen der Reichsregierung durch den Vorsitzenden der Vereinigung, Ge- heimrat Dr. (Siemen- Bonn, weitergeleitet werden, in denen u. n. auf die Verpflichtung des Staates verwiesen wird, bei seiner Steuergesetzgebung mehr aus den Schutz und die Erhaltung der Bauwerke usw. Rücksicht zu nehmen, da es sich um ein Allgemeingut des ganzen Volkes handele. Museumsdirektor Dr. Heusler- Dresden verwies auf die diesbezüglichen Verhältnisse in Oesterreich, die viel besser sei. Eine allgemeine Besprechung fand auch über die geplante Einführung der Baulastenbücher statt, durch die der Schutz baulicher und landwirtschaftlicher Denkmäler staatlicherseils verbürgt wird Professor Girgensohn f. Leipzig. 21. Sept. (WTB.) Der ordentliche Professor der shstenratischen Theologie an der Universität Leipzig, zweiter Llniversitäts- prediger und Direktor des systematischen Seminars D. Dr. Phil. Karl Girgenfohn ist gestern im Alter von 50 Jahren gestorben. Clara Biebigs neuer Roman. In den Mittelpunkt ihres eben vollendeten Romans „Die Passion", der im Herbst bei der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart erscheint, wagt es Clara Diebig, die hereditäre Syphilis als soziale Erscheinung zu stellen. Daß der Roman trotz des heiklen Stoffes oder gerade deswegen ein Buch für jedermann sein wird, dafür bürgen di- künstlerische Reife, die darstellerische Kraft, der weibliche Takt dieser mütterlichen Frau. Kleine politische Nachrichten. Im Preußischen Abgeordnetenhaus nahm die d e u t f ch n a t i o n a l e Schulungswoche unter starker Beteiligung ihren Anfang. Der Parteivorsitzende Dr. Winkler eröffnete die Tagung. Als erster Redner sprach Reichstagsabg. Geh. Rat Dr. Quaatz über die „Wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands seit der Revolutton". Schützenoereins, an welchem über 100 Gaue aus Bayern teilnahmen. Auch österreichische, Tiroler und schweizeri.sche Schützen beteiligten sich an dem Schießen. Am 26. September erfolgt die feierliche Eröffnung des bayerischen Zentralwirtschaftsfestes durch den Prä- denten der Landesbauernkammer. Tagung der Deutsch-.'. Landwirtschaftsgesellschaft. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, die 40 Jahre besteht, hat ihre vom 21. bis zum 26. September dauernde Herbsttagung in Königsberg mit Ausschußsitzungen begonnen. Die 100. Hauptversammlung ist auf den 26. September einberufen. Gleichzeitig hält die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde mit dem Sitz in Göttingen ihre Herbsttagung in Königsberg ab. Eine Güterumschlagoerkehrswoche. In Düsseldorf wurde die Güterumschlagoerkehrswoche durch den Vorsitzenden Geh. Baurat Prof. K l i n g e n b e r g - Berlin in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der beteiligten Behörden eröffnet. Der stellvertretende Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Präsident Dorp« m ü 11 e r , betonte, daß die Wirtschaftlichkeit heute die erste Rolle spiele. Auf der Tagung sind u. a. anwesend: Vertreter der schwedischen, russischen rmd polnischen Staatsbahlwn, ferner Delegierte von Holland, der Schweiz, Ungarn und Oesterreich. In letzter Stunde traf noch ein amerikanischer Fachmann ein. Die Internationale Flugtechnische Konferenz. In Prag würbe bie Internationale Flugtechnische Konferenz mit einem Vortrage Amunb- sens über seinen letzten Norbpolflug eröffnet. Zu biefer Konferenz finb die Vertreter fast aller Mitglieder der Internationalen Flugtechnischen Korporationen erschienen. Auch ber rumänis che Kronprinz, ber feit einigen Tagen in ber Tschechoslowakei weilt, wirb an der Konferenz teilnehmen. D eu tschland ist v o n derTeil- nahme ausgeschlossen. Morgen findet in Prag der Flugwettbewerb um den Preis des Präsidenten ber Republik statt. Schwerer Autounfall. bei bet Spar- unb Lechtafte mitgenommenen Kapitalien mit den Beträgen der Sparkärten decken können. Leider aber, und das sei hier be- sonderS ausdrücklich gesagt, werden unsere Schul- sparkassen von unserer schulentlass cn en. ®elb verdienenden Jugend, insbesondere den FortbildungSschülern. saft nicht oder nur in gan- geringem Umsang benutzt. = Friedberg, 20. Sept Unter dem Dor- sitz von Schulrat Feuerbach sand im Turnsaale ber Augustinerschule eine amtliche Lehrer- konferenz der Bezirke Friedberg und Bad-Rauheim statt Einleitend gab der Dorsitzende eine Einladung deS Landwirlschasts- kammerauSschasseS sür die Provinz Oberhessen zur Besichtigung der landtoirtschaftlichen KreiS- schau in Friedberg bekannt, außerdem daS vom Derband hessischer Schulgeographen an die ÄrctÄ- schulämter gegangene "Rundschreiben. daS zur Teilnahme an der in den Herbstserien in den Odenwald und Spessart gehenden geographischen Studiensahrt wirbt. Dann behandelte RegierungS- rat Grein in einem anschaulichen Res erat daS neue Reichsjugen dw ohlsahrtSgesetz. Redner machte mit der Ratur deS Gesetzes vertraut. um dann eingehender die hessischen Aus- 'ährungSbestimmungen und die Durchführung im Krcile Fr!odberg zu behandeln. 5)auptausg.2be d-S Gesetzes sei. unfrre in körperlicher und mo- ralischkr- H »rsicht gefährdete Tugend vom frühe- ftcn KinboSalt-'r an bi« zu vollendeter Reise zu bctreuen. Besonders eingehend ixrbreitete sich der Tlcbner über die Schutzaufsicht und die Fürsorgeerziehung. Da für die Schutzaufsicht es zur Zeit noch an wirklich geeigneten Psl 'geverfönlichkeiten fehle, muh sie im_ Kreise zunächst noch abgelehnt werden. Die Fürsorgeerziehung kann vom Krei-wohlfahrlSamt oder auch vom Schulvorstand beantragt werden, die Anordnung erfolgt aber nach wie vor vom Dor- mundfchaftSgerichi. während die Durchführung Sache deS Krei-iugerdamteS ist. Träger aller Aufgaben des Reichst rgendwc-h'fahrtSgesetzes ist das KreiSjugendamt. das den, schon längere Zeit bestehenden KreiSwohIfabrtSamt angegl'edert ist. Eine beratende Kommission, die dem Leiter des Jugendamtes nach den hessischen Bestimmungen beyugdben ist, wird demnächst vom Kreisaus- schuh gewählt. Der Redner empfiehlt aber auch die Gründung von örtlichen Ausschüssen, die sich mit der IugendwohlsabrtSpflege befassen. Er rechnet dabei auf d e Mitarbeit der Lehrerschaft, die in erster Linie berufen sei, in der heiligen Sacl»e der Zugendbetreuung tätig zu sein. Oberrealleb-rci Klöst gab alS zweiter Referent einen Üebcrblicf über den Stand des neuzeitlichen Schulturnens. Der alten Turnschule stellte er die neue Turnschule gegenüber. welch letztere eine Fernhaltung aller Schädlichkeiten von dem jungen Körper fordere und eine Steigerung der Widerstandskraft und eine Erhöhung ber LeistungSfälhigkeit anstrebe. Ohne alles Alle abzulehnen, preist der Redner die Dorzüge der neuen Schule. Zwei Llnterrichts- beispiele zeigten dann, wie neuzeitliches Turnen in der Drari« auSsieht. Für eine Dolksschul- anfängerklasse im Turnen war die S p i e l f o r m al« Unterrichtseinheit zugrunde gelegt, während mit einer Gymnasialoberklasse, die Racktfreiübun- gen vorsührte. gezeigt werden konnte, wie vielseitig der ganze Körper durchgebildet werden kann Als neues Gerät, von vielseitiger Der- roenbungSmogtcchtet^ Ural» man b*e Sprossenwand kennen, die von Schweden übernommen ist. Landwirtschaftliche Kreisschau in Friedberg. Sf. Friedberg, 20. Sept. Die landwirtschaftliche Kreisschau wurde am SamStag, vormittag- 10 Uhr, durch den Dor- sitzenden deS Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen, Oelonomierat Breidenbach. Dorheim, eröffnet. 3n seiner Ansprache bemerkte er, bah die letzte Schau vor 12 Jahren ftatt- gefundea habe, und warf einen Rückblick auf die schweren Zelten, die die Landwirtschaft in den Kriegsjahren und fast noch mehr in der Rach- kriegs- und Inflationszeit durchgemacht hätte. Cr begrüßte die Vertreter der verschiedenen Behörden und Körperschaften und dankte allen, die zur Ausführung der "Veranstaltung bcigclca- gen hatten Wenn auch die Schau den Stand der Dorkrtegszcit noch nicht erreicht hätte, lo könne man doch mit Genugtuung auf die erzielten Erfolge bilden. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Landwirtschaft durch Der- Mehrung und Steigerung der Produktion dem erstrebten Ziel, uns von dem Auslände unabhängig zu machen, einen Schritt näher gekommen sei, und schloß mit einem Hock) auf die deutsche Landwirtschaft. 3m Hamen der Krei»Verwaltung sprach dann noch Kreisdirektor Gebhardt, der warme "Dörte für das Dirken der Landwirtschaft un Dienste des Vaterlandes fand und mit einem Hoch auf das "Vaterland schloß. Anschließend fand ein Rundgang durch die Ausstellung statt, welche überaus zahlreich beschickt ist und ein erfreuliches Bild von dem Stande der Landwirtschaft unserer Gegend gibt. Ein besonders anziehendes Bild bietet die große Halle, in welcher neben wissenschaftlicher Ausstellung besonders die Erzeugnisse des Acker- und Obstbaues zu sehen sind, die Obstausstellung, die wahre Prachtstücke vor Augen führt, gibt den Beweis, daß auch dieser Zweig hier in höchster Blüte steht; die 3mkerei ist nur wenig, aber gut vertreten. Sehr umfassend ist auch die Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte und Maschinen, welche teilweise im Betriebe sind und davon überzeugen, daß ein intensiver Betrieb heute nicht mehr ohne maschinelle Hilfskräfte möglich ist. Eine Ausstellung rheinhessischer Weine mit Ausschank fand, wenn auch nicht direkt mit der Sache in Berührung stehend, durch die vorzügliche Qualität des Gebotenen lebhaften Anllang und fleißige 3nanspruchnahme. Am Rachmittag, um 4 Ähr, fand die Vorführung der prämiierten Tiere statt, und mit Freude konnte man feststellen, dah bei den Pferden, dem Rindvieh und den Ziegen wahre Prachtexemplare vorgeführt wurden. Wenn auch die Zahl der Vorkriegszeit noch nicht erreicht wurde, so steht doch die Qualität in keiner Weise mehr zurück. Die Ausstellung war sehr gut besucht, da das Wetter günstig war und auch für Unterhaltung durch Konzert und für die leiblichen Bedürfnisse durch ein großes WirtS- zelt gesorgt war. !*! Das Ergebnis der Preisbewertung der ausge ft eilten Tiere ist folgendes: Gruppe I, Pferde. 1. Arbeits- f erbe (Belgier). Ehrenpreise: Gg. Bill 1., Rieder-Weisel, R. Eß, Dornassenheim, R. Walter, Reuhel-sheun. 1. Preise Hugo Schubt. Dorheim. R. Walter, Reichelsheim. W Darloft. Reichelsheim und Karl Sprengel. Reichelsheim. Außerdem wurden 2. und 3 Preife verteilt. 2. Wagenpferde (Oldenburgers Ehrenpreis: Albert Eimer, Bad-Rauheim; 1. Preis Konrad Strahheim, Griedel. G r up p« U R i n de r. 1.Bullen. l.Pr. Wilh Rem, Pohl-Göns, und Gemeinde Rieder- Weisel, 2. Preis Ludwig Haupt. RiederWeisel. Gemeinden Rieder-Mörken und Reichelsheim. 2. Kalbinnen Ehrenpreise: 3oh. Hch. Adami. 3akob Bill, Fried Hauber 3, sämtlich Ricder- Weftel; 1. Preis Wenzel Hasser 3.. "Hiebet- Weifel. 3. Kühe. Ehrenpreise Friede. Häufer Z. und Heinrich Marr. Rieder-Weilel; 1. Preise Wilhelm Rern, Pohl-Göns, Fr. Karl Schäler. Reiwelsycim. 4 Familien. 1. Preile Friedr. Häuser 2. und Gemeinde Rieder-Weilel Gruppe III Schweine (Deutsches Edei- schwcin) l Eber. 1. Preis Gemeinde Oftheim und Schweinezuchtverein Rieder-Weisel. 2. Sauen. Friedrich Häuser und Adami, Rieder- Weisel. Gruppe IV Ziegen 1. Böcke. Ehrenpreise Gemeinden Rodheim, Kirch-Göns und Rieder-Weilel. 1. PreiS: Gemeinde Rodheim. 2. Ziegen. Ehrenpreise: K 3. Fauerbach, Kloppenheim, Kleemann. Dorheim. H. Götz, Reichelsheim, K. Görlach und W. Stengel, Rod- heim. Holwig, Dorheim, Mohr, Rieder-Weisel, Kohl, Rodhcim. P. Fuhr, Rieder-Florstadt. Ehr. Meyer. Bruchenbrücken. Ernst Stelz, Rieder- Florstadt 3. Lämmer. Ehrenpreise: ®em- mecker. Rieder-Florstadt. Treut. Rieder-Flo» stadt, Kleemann. Rodheim, Müller, Reichelsheim. W. Zimmer, Rieder-Florstadt. Außerdem zahlreiche 2. und 3. Preise. Gruppe VI Erzeugnisse des Pslan- zenbaues. 1. Für beste Gesamtleistung erzielten Ehreupreise: Alfred Kohlhage, Büdesheim, und Wilh. Breidenbach. Melbach; Ehrendiplom: Oelonomierat Breidenbach, Dorheim (außer Wettbewerb). 2. Weizen. Kohlhage, Büdesheim, und K. Deith, Reichelsheim. 3. Roggen. Gerste. Hafer. "211fr. Kohlhage, Büdesheim. 4. Frühkartoffeln. Diel, Ober-Wöllstadt, Langsdorf, Rockenberg, Wagner. Kirch-Göns. 5. Kartoffeln mittlerer Reife Diel, Ober-Wöllstadt, Eimer, Bad-Rau- heim. 6. Spätkartosfeln. Kohlhage, Büdesheim, Eimer, Bad-Rauheim, und Fett, Münster. Ehrendiplome: Grünlandwirtfchaft Hessen, Reformbund der Gutshöfe, Landwirtschaftsamt Butzbach. Hessische Lehranstalt Friedberg, Frau Kohlhage, Büdesheim. 3n der großen Gruppe VIl Obstbau und Ob st Verwertung erhielten Ehrenpreise und 1. Preise: Ortsgruppe Rieder-Erlenbach, Obst- und Gartenbauverein Bad-Rauheim, Ludw. Horn, Friedberg, 2lug. Heil, Ossenheim, Lehrer Braun, Holzhausen, L. Rullmann. Butzbach. Haas, Friedberg-Fauerbach, Trapp Rachfolger, Friedberg, die Stadt Friedberg (mehrere), 3ak. 3oh. Fritz. Ober-Mörlen, Schneider, Rieder-Efch- bach. Walter, Rodheim. Kohlhage, Büdesheim, Dienst, Ockstadt, Ortsgruppe Rieder-Weilel. Walter, Rieder-Eschbach. Gruppe VIII Maschinen. Ehrendiplome: A. 3. Tröster. Butzbach. Landwirtschaftliche Zen- tralgenosfenschaft Friedberg, außerdem wurden 13 Diplome auSgegeben. Gruppe IX wi 1 chwiri ! - Erzeugnisse Molle rege..ob. - * heim Ehiendiplom Aus aller We . edMMWet&wfHrmc Kürzlich ging die Rachria-: i)i > bi' dah der älteste Dampfe- ber uz h. auf geführt mir b. dao 1848 erbeut ? .Feniss' durch Feuer zerstört v u ■ . dieser Damp'er alt geworden, aut i tbufalcinc" unter den 6d *V ? länger Lebebens dauer zurucktb< die aus Eisen oder Stahl gebaut sn-.d > . 'uge kein so zähes Leden wie die alte«. : V > den Angaben einer englischen Zeu. rift fl.'.ai fich in den baltischen Meeren noch eine An ahl Heiner Holzschiste. von denen das bejahrt bc tic .rtostanze'. 1723 erbaut wurde. 3n der s ' vn Handelsflotte bient noch ein Fahrzeug o'.s VaV- schiff. daS 1749 vom Stapel gelaßen wurde S '■ » Veteran des MecreS war ursprüglich ein - rauberschisf und ist fast ein Jahrhundert im Kbl» ein und derselben Familie gewesen. 3m Zadre l' wurde in Eardifs ein altes Segelschiff .Good xtr.lciü' verkauft, das 1790 in Plymouth das Licht .r Welt erblickt hatte. Trotz seines großen '.ters brachte das Schiff noch 4000 Mark, und >wa. IcO Mark die Tonne. Ein anderes sehr alteo Schift, das noch bis vor wenigen Jahren seinen Dieuft tat und noch immer seefähig ist, war die „v ?a . die 1810 in Southampton erbaut wurde. e: " fi. das 1823 bei einem furchtbaren Sturm cn Die Mciiie geschleudert und schwer verletzt wurde, ist dann bis weit inS 20. Jahrhundert hinein auf großen Reisen gewesen und besonders viel nach Südalrita gesa!>r> -.. Aber alle diese Schiffe sind doch noch Kinder gegenüber dem italienischen Schiss .Anita", daS zu Anfang deS gegentoärigen Jahrhunderts in Genua abgewrackt wurde- Dies Schiff war in den Tagen der Königin Elisabeth gebaut worben und hat mehr als 300 Jahre die Meere der ganzen Welt befahren; eS war nicht nur das älteste, sondern auch das langsamste Schiff, denn cd war überaus schwer, unb sein Rumpf bestand au« Eichenbohlen, von denen jede 12 Zoll dick war Rundfunk-Programm deS ftrantfurttc (Tender-. (AuS der »Radio-Umschau".) Dienstag, 22. September. 4.30 bis 6 ilt>r: Rachmitt agskcmzert deS HausorchesterS: Reue Tanzmusik. 6 bi« 6.30 Uhr: Die Lesestunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Don Quichote" von Cervantes. 6.30 bis 7 Uhr: »Methode zur Schädlingsbekämpfung", (Vortrag von Dr. Walter Sitttg von der Landwirtschaftlichen Beratungsstelle. 7 bis 7.30 Uf>r: Liebertragung von Kassel: »Turnen für jedermann", Dort rag deS Sani t ä tsraLS Dr. Paul Mvhring. MitKied des StadtverbandeS für Leibesübungen und der Zentralstelle der Stadt Kassel. 7.30 bis 8 Uhr: Funkhvchschule Frankfurt a. M. »AuS dem Städelschen Kunstinstirut". tDortrag von Dr. Oswald (Jöh. Assistent am Städelschen Kunstinstitut. 8 biS 8.30 Uhr: Schachstunde. Schachkurs für Anfänger und Fortgeschrittene von Pros. Dr. R. Mannheimer. 8 80 Mbr: Italienische Opern. fMM Vogtsche Handelsschule, Gießen,Goetheetr.32 ttrflBte PrivathandelBiohule Heieeni. z.Zt 160 Schüler, 50 Schälmaschinen Muster- und Lehrbureaus. 8n9a 19. Okt. Beginn neuer Kurse. Auskunft und Prospekt durch die Schulleitung: Dr. Reukauf. KoSänöischP aiiimenzwieäel wie Hyazinthen, Tulpen, Narzissen (einfache und gefüllte) Crocus, Schneeglöckchen usw. sind in wirklich schöner Qualität clngetroffen. 8869c S«üt!WWMHliW Bohtihoff» : leieuoon 1403 — Preisliste zu Diensten! — MklWMWi größere Posten bis zu 3000 Festmeter mit 11 Meter Mindefllänge, in der Hauptsache 30-35 Itm. Durchmesser mit ca. 60°;,, 25-30 Ztm. Durchmeffer mit ca. 4O°/o, sowie Schleifholz k zur soforttgen Lieferung zu kaufen gesucht. (Earl Scholl, Äom.-Ges. Dampfsägewerk unb Holzhandlung Bürbach (Westfalen). ILG.-lötor 5 P. S.. 220 380 Volt 3Ver5teinsckro1mühle mit Meblstchter. Alles fast neu, kann im Betrieb angesehen werden. Näheres Ahbach HauS Nr. 9L 3n bester Lage Laden mit Lagerraum für sofort oder später zu mieten gesucht- AuSführliche Offerten unter Exzelsior haupwostlagernd Marburg. 07733 sollen Sie?? unsere Dertretung übernehmen? Wir sind leistungsfähig und liefern nur erstklassige Qualitäten zum gr. Teil eigenen Wachstums! Hohe Provision 1 GünstigeDeding. Verlangen EiePreislistel Eugen Lenz Erben. Pünderich (Mosel) Weingut und Weinhandlung. b80*D 4-Bruchleidende-^ bedürfen keines löst. Federbandefl, wenn sie mein Bruchband „Heal“ ohne Feder, eiff System, od. d. Bruchband Kolumbus D7k.P. tragen, d. Beste, was eilst., rutscht u. drückt nicht Tag u. Nacht tragb. Garantie f. tadelt Passen. Leib-, Nabel- u. Vorfallbind.. Geradehalter usw. SOj&brtge Erfahrung. Reelle Bedienung. Von mehr als 50000 Brcchleidenden mit bertem Ertolg getragen. Für alle Bruchleidende zwecks Maßuebmens kostenlos zu sprechen in Gießen, Freitag, 25. Sept, v. 8-12 übr voran Im Hotel Kabel; in Nidda, Samstag, ZG.SepL, v. 8*1 Uhr, Hotel Stern. Banda|.-S|ieiUülit Eggen Frei. Stuttgart. Kronenstr-46 FrischeFische PUttwoch früh S Uhr erste Sendung eintreftend: Pa. blütenbellen (5abliau im ganzen tyifdi ohne Koui 2*/.—9-pfünöiq, Pfund 40 Pf. im Auöschnul 45 Bi. ff. Seelachs ohne ftovi im ganzen Zisch Pfund 27 Pf. im Ausschnitt Pfund 30 Ps. Große Schellfische im Auvichnur Pfund 50 Pf. Portionsichellffsche Psd. 30 Pf. (Brüne Heringe Pfund 30 Pf. Goldbarsch o. K. Pfund 35 Pf. irische Fifchkoteletts Pfund 35 und 45 Pf. Bücklinge Mittwoch früh einlreffeud Pfund 60 Pf., die Kiste mit 5 Pfd. netto Mk. 2.50 (*~c FrischePreitzelbeeren 10 Bid. Mk. 4.80, das Pfd 50 Pl. Hlfiarö Snineioa lö Babnhofstr.27 »ernfpr. 1631 e[ont>. tu empfehlen. P>u Ialui tn am.« 119otöeteri, Ztogetien unb SarMimerten Betauntmachung 3n unser Handelsregister Abt. B wu-.de heute bei der Direction der Disconto-Gc- sellschast Zweigstelle Gießen folgendes cir- gctragen: Die Prokura des Erich thoRahd? ist erloschen. 8830c Gießen, den 16. September 1925. Hessisches Amtsgericht. , , W iW-J' l5 in de^ rung1 mann gelis^ Va Zeuge mal ar des ev< schließe lung WV btm 31 tarnen Adoli-r Tagun Zentra j)eima; Rednei hing d ein ijir 'Hereins habt ljab Hessenlar feilet Trabi |enoolt< dielen Weiter! als Pr! Zentra kirchen Verein schätzen Io bebt reichem h^e, bald fi lverden öieser ! fort ei'" gtablht' banne, irgendlv' spruch £ bete De Zeter n drangvl Di« scheu Landes Deiche, dem 3 lich fld alieber Ziel, d Irrem zu beb endlich und D DM Arbeit dieser aebmig Itchen, Derlau Noch Vorspiel« hieß die Vereins kommen zes dm deren ' gelifdjei erwähl! den au geeilten HM ordentlt Dätigkei hohen 2 unerkam Verein strömen die weit deutschen Volkstum heiße er hierm , Lieb habe dje rung un Wen K,i x'mscho W in W Sy ..Der y h' Dank. Herr 1 auSsnh^ ;al Landen halb. t Sebole, Tiefen »aten । ’feucn ©elcge, Nung ^vange bestehet zu Sen, S bat eim Äiehu Liegen ?ung 5 S Ner ^hsen unserer un schon ^nden, Preisabbau! Strickwolle Salomon Schulstraße 4 8842a HHMWHH miiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiin verkaufe | Stadttheater (Biegen maööienoefnfl). lphPm5Mpn äuc''ä LöHruidubiiBU d Branöplüö 1. Strickwolle'““" In bester BerkehrS- lage. nabe Bahnhof, 3 BnreanrOome rum 1. X. 25 zu vermieten Zu erfragen in d. Geschäftsst. deS Gieß. Anz. 07736 I 4-Draht, gute Qualität, schwarz und i|A 1 grau...............................Lot ■ V H 4-Draht, welche Qualität, 16erKreuz, schwarz, grau und lederfarbig...Lot iw mFuldanla-Häkelwolle, in allen modernen 4 e Farben.........................Lot 1O IW besonders weich und fein, in Schwarz, -«L • * Grau, Leder und Braun meliert, Lot Vganz besonders zarte, welche Quali- AA tät, schwarz.......................Lot in guter Lage, mit 13 Zimm., sofort beziehbar. auch stockweisebewohnbar zu verkaufen. Schr. Ang. u. 07718 an den (Sieh. Anz. Dienstag, 29. Sept., abends 7*/, Uhr Einmaliger „Lustiger Abend" teorHtiza* Einziges Auftreten in diesem Winter. Auslese tifiterftec INelsleWike u. Neues Bos heilerste des heiteren! Neue Leipziger Zeitung <18. XL 24): Man jubelte und lachte und weinte vor Lachen! Der Vorverkauf findet am Montag, dem28» und Dienstag, dem 29. September, tn den Kaffenstunden von 10 bis 1 Uhr, statt. «säC 1MH gewandt im Packen, Eine frischmelkende MW mit Kalb zu vk. 07741 Hammttrahe 1. Cafe Amend Mittwoch, den 23. September, 8 Uhr abends: 1.Sonder-Konzert mit verstärkter Hauskapelle, unter Leitung des neuen Kapellmeisters Herrn CLAUS MAY NB. Sonderkonzerte finden wieder jeden Mittwoch statt 8847c Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Gastwirt Wilhelm Bastian im Alter von 56 Jahren. Die Beerdigung findet statt: Donnerstag, den 24. Sept., nachm. 21/, Uhr auf dem Neuen Friedhof und bitten wir um zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand. Hiesig, kausmänn. Bureau sucht zum L Oktober Lehrling mit guter Schulbildung. Selbstgeschriebene Angebote unter 07734 an den Gieß. Anz. erbeten. Suche zum 1. oder 15. Okt. ein 17- bi« IfflährtgeS (07742 Halbtags- mädchen für einen kleinen Haushalt. Wilh. Mabes Lftanlage 38 I. Fleißiges, ehrliches DIkIhiIcIm bei hohem Lohn für 1. 10. gesucht. Vor- mv, Löberstr. Uv. Ordentliches JiklisiiliWeii zum 1. Okt. gesucht. Plockstraße 9 8828D Laden. Nur noch heute: Das stolze Schwelgen Gesellschaftadrama nach dem bekannten Roman von Hedwig Court he-Mahler. — Ferner: Oer Ruf der Berge WundervollesSchauspiel ad. Schweizer Hoch alpen. Ab morgen: Schatten von Paris 7 Akte aus den Geheimnissen der Weltstadt. Suche für 1. Oktober 1 Mädchen das selbständ. kochen kann. Hausmädchen vorh. Bedingung: Gute Zeugnisse oder Emvfehlung. 8838D St. 9t. ®eni Liebtgstrahe 82. Tüchtiges, gut emvfoblencS nnsDÜchu gesucht ver sofort ob. 1. Oktober. 8834D SrouDr. EMMtz. Metzlar. HauS „.^rtedewarl." Beim kühlen Wetter ’ | Mietgesuche Eins., separates Zimmer eu mieten gesucht. Schr. Angeb. unter 07743 a. d Gieß Anz. fStellenängebote| Züngerer Bäcker gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle de-Gieß. Anz m?,. Mktlkl zum vrovisionS- weisen Berkaus von Fahrrädern, Zubehörteilen, Näh- maschinenu-Taschen- lampen, welcher bei der Händlerkund- schast tn Hessen und Hessen-Nassau gut einaeführt ist, von füvrender Groh- Handlung sofort gesucht. Schrift!. Angebote unter 8840V an den Gteh. Anz. Tüchtiges Mädchen für Küche u. Haus Gebrauchter, -wei- flammiger 07741 Gasherd mit Gestell zu verk. Nordanlage SS H. Wasserpumpe aus Holz, zu vk. 07748 Krofdorf Str. 37. Gebrauchte, gut erhaltene Singer Nähmaschine preiswert au vk. 07748 Walltorftr. 24 I. Neuer Kinderwagen billig zu verkaufen. Zu erfrag, in d Geschäftsstelle d. Gieß. Anzeiger. 07746 ! Kaufgesuche | 3ü kaufen gesnM 40 weiße bornloie Ziegen 1—Sfährig 10 jnnodöife und 5 Zölle l-5jährig. Schr. Angeb. mit Preisforderung unt. 8850V a. d. G. Anz. aillllllllllllllllllllllllllllllia Kaufe stets Mel aller Art, auch einzelne Stücke 07581 H. Benner II., Seltersweg 83 Hth. Postkarte genügt. illlllllllllinillllllstlllllllllill Alter vlei lBlerröhrem kauft Brühlsche Druckerei ■‘D Schulstr. 7'9. jEmpfehlungen| Zwiebeln gesunde, belle Win- terware, versendet per Ztr. 7 Mk tnkl. Sack ab Station Echzell geg. Nachnahme. Ludwig Erb, Kartoffel - Versand- geschält, Echzell in der Wetterau. Tel. 240 auch nachts Hansa Ha n de/ss ch ule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 vorm. Hermes Neue Kurse 12. Oktober. . Junger Schäferhund mit la Stammbaum, billig zu verk. 07752 Marktplatz 2. Kanarien Hähne in- u. ausländische Sina-u. Ziervögel, weihe Mäuse, Mehlwürmer, Käsige, Utensilien und alle Sorten Voael futter. 07757 Vollengosse 17. Wohnhaus 3X4 Zimmer und Nebengebäude, günstig zu verkaufen. Schr. Anfragen unt. 07739 an d. G. Anz. Motorrad N. S. U. 4P.8 , Baujahr 1924, wenig gebraucht, für 1000 Mk. zu verkauf. Zu erfragen bet 8S28D Carl Schäfer, Frankfurt. Str. 36 I. Damen Markerrrad wie neu, preiswert zu verk. Näheres in der GeschästSst. des Gieß. Anz. 07755 Nr. 222 Zweiter Blatt_____________Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Dienstag, 22. 5eptember 1925 Die Tagung des Gustav-Adolf-Vereins. Ein denkwürdiger Begrühungsabend. , * Diehen, 2l. Sept. 1925. Rach dem lehr eindrucksvollen Erlebnis, dellen Zeuge unsere Stadt und die ganze engere Heimat am Sonntagnachmittag bei dem Festzug des cvangelilchen Kirchenvolkes und bei den an- lchliehendcn denkwürdigen Massenversammlungen anläßlich der Tagung des Gustav- Wolf-Vereins wurde, brachte die heutige Begrüßungsfeier in der Zohanneskirchc noch eine starke Steige- rung des überwältigenden Eindruckes, den Zeder- mann von dem Treubekenntnis unserer evan- gelischen Gemeinde zur Gustav-Adols-Eache haben mutz. Die Iohannesklrche, in der die Feier heute abend stattfand, war überfüllt und muhte bald für den Zutritt weiterer Besucher gesperrt werden. Um aber alle an dem hohen Geiste dieser Tagung teilnehmen zu lassen, wurde sofort eine Parallel-Dersammlung in der Stadtkirche in die Wege geleitet. 3n der 3 o- hanneSkirchc waren nicht nur alle nur irgendwie erreichbaren Sitzgelegenheiten in Anspruch genommen, sondern noch viele, viele andere Besucher begnügten sich trotz der Länge der Feier mit einem Stehplatz, auf dem sie nun in drangvoller Enge ausharrten. Die Spitzen der kirchlichen, staatlichen, städtischen und der Universitäts-Behördc unseres Lande-, Vertreter hoher Behörden aus dem Deiche, die große Menge der Abgeordneten aus dem 3n- und AuSlande und die gewaltige, festlich gestimmte Schar der evangelischen Gcmeinde- glieder Gießens, sie olle hatten nur das eine Ziel, durch ihre Anwesenheit dem Gustav-Adolf- Derein ihre hohe Wertschätzung und ihren Gruß zu bekunden, ihm damit zu danken für die unendliche Mühe und Liebe, die er den in Hot und Bedrängnissen lebenden evangelisch-deutschen Volksgenossen in der Diaspora in nie ermüdender Arbeitsfreudigkeit zuteil werden läßt. Unter dieser Einstellung der Besucher nahm die Kund- aebung, das sei vorweg bemerkt, einen feierlichen, an Eindrücken außerordentlich reichen Verlauf. Nachdem die weihevollen Klänge eines Orgelvorspieles verrauscht, entbot als erster Redner Dr. Zrhr. von heyl zu Herrnsheim dem Zentraloorstand des Gustav-Adolf-Vereins im Namen des hessischen hauptoereins der Gustav- Adolf-Stiftung herzlichste Willkommensgrüße. Diese Tagung sei für das Hessenland eine hohe Ehre, dem Zentralvorstand sei zu danken dafür, daß er unsere Heimat als Stätte der Tagung bestimmt habe. Der Redner wies weiter auf die grundlegende Bedeutung des hefscnlandes für den Gustao-Adolf-Der- ein hin und betonte, daß die hohen Ideale des Vereins hier immer eine besondere Pflegstatt gehabt haben und der große Gedanke dieser Arbeit im Hessenlande bis in die kleinste Hütte gedrungen sei. Hessen habe eine gute Gustav-Adolf- Tradition, und auf diese Haltung unseres hes- senoolkes sei es wohl zurückzuführen, daß mir diesen hohen Besuch bei uns begrüßen durften. Weiterhin sprach der Redner in seiner Eigenschaft als Präsident des hessischen Landeskirchentages dem Zentralvorstand herzliche Grüße aus. Der Landes- kirchentag wisse den hohen Wert der Gustav-Adolf- Vereinsarbeit in gebührend großer Weise zu schätzen, lind auch er wünsche, daß diese Tagung, die so bedeutungsvoll sei in ernster Zeit, von Gottes reichem Segen begleitet sei. Oberbürgermeister Keller-Gießen hieß die 70. Hauptversammlung des Gustav-Adolf- Vereins namens der Stadt Gießen herzlich will- kommen, gab dem Gefühl der Freude und des stolzes darüber Ausdruck, daß Gießen, eine Stadt, deren Bevölkerung sich zu 85 Prozent Aum evan- gelischen Glauben bekennen, zum Ort dieser Tagung erwählt worden sei, und entbot besonderen Gruß den aus dem Auslände zu dieser Tagung herbei- geeilten hervorragenden Vertretern des evangelischen Deutschtums. Der Redner huldigte weiter der außerordentlich sehensreichen und darum fördernswerten Tätigkeit des Gustao-Adolf-Vereins, rühmte die hohen Verdienste des Vereins, die von jedermann anerkannt werden müßten, und wünschte, daß dem Verein auch aus dieser Tagung reiche Kraft zu- strömen möge, durch die et sich stärken könne für die weitere erfolgreiche Arbeit zum Schutze der deutschen eöangclischen Gemeinden, des deutschen Volkstums im Auslande. Mit diesem Wunsche heiße er die Tagung aufs herzlichste willkommen. hierauf sprach Prälat D. Dr. Diehl-Darmstadt: Liebe Freunde der Gustav-Adolf-Sache! 3ch habe die Aufgabe, im Damen der Kirchenregie- rung und des Landeskirchrntages der evangelischen Kirche in Hessen und gleichzeitig in meiner Eigenschaft als Prälat der evangelischen Landeskirche in Hessen den Zentralvorstmrd und diese ganze Hauptversammlung zu begrüßen. Der Grundton dieler Begrüßung kann nur sein herzliche Freude und inniger Dank. Wir freuen uns, wie vorhin schon per Herr Vorsitzende des Hessischen Hauvtvereins ausführte, daß wir diese Hauptversammlung einmal wieder in unseren Hessen-Darmstädtischen Landen haben. Wir freuen uns nicht bloß oeS- stzalb. weil unS da wieder einmal Gelegenheit geboten ist, in persönlicher Anschauung in die Tiefen der Arbeit und der Ziele dieses wunderbaren Gotteswerles hineinzuschauen, sondern wir freuen uns auch deshalb, weil uns da reichlich Gelegenheit geboten ist. die alten lieben Beziehungen. die zwilchen unseren Landen und dem Evangelischen Verein der Gustat»Adolf-Stiftung bestehn, wieder aufzufrischen, zu verinnerlichen und zu vertiefen. Es sind dies ja alte Beziehungen! Keine Landeskirche außer der hessischen bat eine solche weit zurückragende Geschichte der Beziehungen zu diesem Verein, wie unser Land, ßiegen sie doch schon in der Zeit vor der Gründung des Vereins der Gustav-Adolf-Stistung, in jener Zeit, da man sich bemühte, aus der in Sachsen entstandenen Gustav-Adols-Sttstung und unserer auch in Darmstadt gegründeten Vereinigung und allen unseren notleidenden protestantischen Gemeinden einen einheitlichen Verein zu gründen. And neben der Freude soll zu Worte kommen der D a n k. Es kommt mir daraus an. dieses Wort vom Danken ganz besonders zu unterstreichen. And damit meine lieben hessischen Landsleute das. was ich sagen werde, behalten, möchte'ich bei der Darstellung, wofür wir zu danken haben, ein paar Worte aus einer alten besuchen Ebromk ansüh- ten. 3m 30jährigen Krieg war es ein Gießener Kind, der Pfarrer Mink, der eine Chronik schrieb, in dcr auch verschiedene Kapitel enthalten ind. die von Gustav Adolf handeln. And da sagte er Dinge, die, wie sie damals auf den König Gustav Adolf paßten, auch heute auf den Gustav- Adols-Verein paffen und das darstellen, wofür die Landeskirche und vor allem auch unsere Hessen-Darmstädtische Landeskirche zu danken haben. Die erste Stelle ist die. wo er davon redet, was Gustav Adolf geleistet hat. wo er redet von des großen Königs Sukzeh. Glück und Sieg. Da agte er: Er hat Der Reformation gewehrt — gemeint ist die katholische Kirchenreform — außerdem nicht bloß in unserem Fürstentum, sondern auch an vielen Orten sonsten mancher hätte das Paternoster wieder in die Hand nehmen und bad Ave Maria beten müssen. Das ist das große Werk auch des Gustav-Adols-DereinS, daß wir heute auch in unserem kleinen Lande von Hunderten. von tausenden Menschenkindern reden 'önnen. die durch die Arbeit des Gustav-Adolf- Vereins davor bewahrt worden sind, unter dem Druck widriger Verhältnisse das Paternoster in die Hand zu nehmen und das Ave Maria zu beten. Wir danken dem Gustav-Adolf-Verein für seine treue Mithilfe, durch die er sich vor allem auch unserer hessischen Diaspora, die weit über 100 Kirchspiele. Pfarreien und Gemeinden umfaßt, annahm und sie stärkte durch die vielen Kirchen, Kapellen, Detsäle. Pfarrhäuser und Schulen, und wir danken ihm dafür, daß mit seiner Hilfe unsere Diaspora auf die Höhe kam, daß sie heute ist mit wenigen Ausnahmen eine Dronnquelle evangelisch-kirchlichen Lebens, au8 der wir Wasser schöpfen können und wollen. And neben diesem einen das andere: Da redet Mink von Gustav Adolf und den Gaben des Königs und zeigt, was das für ein tapferer Haudegen, für ein starker Mann gewesen sei, und bringt zum Schluß eine nebensächliche Bemerkung, die trivial scheint, in der aber doch viel drinsteckt. Er sagte: An der Tafel, da griff er fröhlich zu und wartete nicht des Fürschnit- ters. sondern aß und diskutierte bann mit seinen Leuten. Da steckt etwas von der wunderbaren Art des Königs, der keinen Fürschnitter brauchte. Das ist das Große, was wir immer wieder bewundern können, diese Vorsorge, diese Aeberlegung, diese Anschauung kommender Dinge, dieses Hineinschauen auf das. was werden und kommen wird, im grotzen Zentralvorstand, aber auch den Hauptvereinen, während bie_ anderen, die Kirchenleitungen, sich erst an den Fürschnitter halten müssen, der ihnen mitunter das Werk sehr lauer macht. Der Gustav-Adolf- Verein wartete auch nicht des Fürschnitter s, sondern greift tapfer z u und schafft sein Werk. Darum haben wir das Gefühl — das will ich offen und ehrlich sagen —, daß unsere evangelische Diaspora gut geborgen ist. Für diesen Geist und für dieses ft a r f e G e - fühl des Geborgenfeins bringen wir unteren herzlichsten Dank dar. In den 80 Jahren ist der Verein auf die Höhe gefahren und gewaltig und groß geworden, und es hat sich das in ihm erfüllt, was Mink von Gustav Adolf sagte: Als er erschien, verachteten ihn seine Gegner männiglich und höhnten und sagten, er fei eine Wassermans: aber nachher haben sie ihn doch tennengelernt. So ist der Verein aus kleinen Anfängen empor- gewachsen zu einer Großmacht nicht bloß in unserem evangelischen, sondern in unserem deutschen Volk, die man nicht missen kann. Unser Wunsch ist. der Wunsch der Kirchenregierung, der Wunsch der Körperschaften, die ich zu vertreten habe, und auch mein herzlichster Wunsch, dem ich besonderen Nachdruck geben möchte, daß der Verein noch Jahre, Jahre und Jahrzehnte fein Werk treiben möge zur Ehre Gottes, zum Aufbau seines Reiches. Dieser Tag möge ein Stück vorwärts bedeuten auf dieser Bahn. D. Dr. Dufje-Berlin, Vizepräsident des Lvang. Oberkonsistariums-Berlin. überbrachte vom Oberkonsistorium und vom Eoang. Kirchenausschuß, also im Namen der Eoang. Ge- samtkirche Deutschlands, in alter Freundschaft herz- lichste Wünsche. Der Redner rühmte besonders das sehr innige Zusammenarbeiten des Gustav-Adolf- Vereins mit den von ihm (dem Redner) vertretenen Körperschaften, hob weiter die großen Verdienste des Gustao-Adolf-Vereins um die hohe Weltgeltung des deutschen Protestantismus hervor und gedachte mit größter Anerkennung der fürforgenben Arbeit dcs Gustao-Adolf-Vereins für unsere evangelischen Ausland- und Diasporadeutschen. Oberregierungsrat Dr. heß-Gießen vertrat die hessische Staatsregierung, die Provinzial- direktion Oberhessen und das Kreisamt Gießen, in deren Namen er dem Gustav-Adolf-Verein die bant- bare Anerkennung ber Staatsbehörden aussprach und den Verhandlungen reichen Gegen wünschte. Pfarrer Vechtolshelmer-Giehen gab ber Freude und dem Danke der Eoang. Gemeinde Gießen Über den Besuch des Gustav-Adolf- Vereins in unserer Stadt beredten Ausdruck und betonte, daß die Arbeit des Gustav-Adolf-Dereins hier immer besondere Unterstützung gefunden habe und auch in Zukunft finden werde, feien doch alle vier Seelsorger der Gießener Eoang. Gemeinde früher Diasporapfarrer gewesen und wüßten daher, wie groß die Not und wie dringend die Hilfe fei. Prof. Dr. Lenz-Gießen sprach für den Verein für das Deutschtum im Auslande herzliche Glückwunsch- und Grußworte. Se Magnifizenz Geh.-Kirchenrat Pros. D. Dr. Krüger-Gießen betonte, in dieser Stunde könne und wolle auch die Hessische Landesuniversität nicht fehlen in der Reihe derer die dem Gustav-Adolf-Verein herzlichst danken und feiner Arbeit reichen Segen wünschen, ferner Arbeit, ber mit Recht so hoher allgemeiner Anerkennung teilhaftig werbe. Pros. D. Hans Schmidt, derzeitiger Dekan der eoan- gelisch thcologifchen Fakultät der Landesuniversitäl. rühmte die große, segensreiche Kraft ber Luther- bibcl. ben hingebenben Dienst bes Gustav-Adolf- Vereins im Dienste dieser Bibel und zum Besten der deutschen evangelischen Brüder und Schwestern in der Zerstreuung, mit deren Arbeit sich auch die evangelisch theologische Fakultät aufs engste verbunden fühle. Um diesem Gefühl des Dankes und des engen Derbundenseins bei dieser Gelegenheit guten Ausdruck zu geben, habe die theologische Fa- rultät die (Ernennung von besonders verdienten Männern des Gustao-Adolf-Vereins zu Ehrendoktoren befchloffen. Der Doktor ber Theologie ehrenhalber würbe verliehen: Dem Pfarrer Dr. phil. Eugen Lessing in Florenz. „den in schwerer Zeit bewährten Verkündiger des Evangeliums, den Führer und Förderer ber durch den Krieg geschädigten deutschen evangelischen Gemeinden in Oberitalien." Dem Generalsuperintendenten der Kurmark Lic. theol. Dr. phil. Otto Dibelius in Berlin. „den vielseitigen Historiker, den im evangelischen Pfarramt wie in der Leitung der Kirche in gleicher Weise bewährten Theologen, dessen rastlos tätige Liebe durch Wort und Schrift auch den evangelischen Deutschen im Ausland und im Grenzland gedient hat." Dem Divisivnspsarrer im Ruhestand Adam Büttel in Schleswig, „den greifen Prediger und Lehrer, der zwei Menschenalter hindurch für den Gustav- Adolf-Verein in steter Treue geworben und gearbeitet hat." Dem Präsidenten des Hessischen Landeskirchentages Dr. jur. h. c. Cornelius Freiherr von Heyl zu Herrnsheim in Worms, „der der evangelischen Kirche Hessens in anhänglischer Liebe und mit tiefem Verständnis dient und als Vorsitzender des Hessischen Landesvereins der Gustav-Adolf- Stiftung dazu berufen und darum bemüht ist, in unserem Lande den hohen Sinn mittragender Liebe zu den in ihrem Glauben bedrängten Brüdern lebendig zu erhalten." Noch der feierlichen Promotion, die alle Anwesenden in eine besonders weihevolle Stimmung versetzte, dankte Geh. klrchenrat Pros. D. Rendtorfs-Leipzig, ber Dorsitzenbe bes Zentralvorstanbes bes Gustav- Abolf-Dereins, ber Stabt, ber ganzen Eoang. Ge- meinbe, ber Universität unb ber theologischen Fakultät für bie vielen Ehrungen unb herzlichen Wünsche in tiefempfunbenen Worten. Anschließend sprachen noch Pfarrer v. O e r tz e n- Haifa unb Gaebike - Sofia über bie Deutsche evangelische Kirche in Palästina unb auf bem Balkan. Mit bem Gesang „Eine feste Burg ist unser Gott" schloß bie Versammlung. Die zweite Begrüßungsversammlung in der Stadtkirche würbe eingeleitet burch einen Liebervortrag bes Knabenchors: „Lobet ben Herrn meine Seele". Nach einer kurzen Begrüßung burch Pfarerr Wag- n e r - Bensheim, ber bie Versammlung leitete, sprach zunächst Pfarrer v. Ortzen, Haifa über „Deutsch-evangelisches Leben in P a - (ä ft i n a". Er berichtete über bie beutsch-eoange- lische Arbeit unb bie Anstalten, bie teilweise für bie evangelischen Deutschen, teilweise für bie Eingeborenen bestimmt finb. Der Rebner schilberte bann eingehenb bie evangelische Missionsarbeit in Po- lästina, sowie bie segensreiche Tätigkeit ber sozialen Einrichtungen (Diakonissenhaus, Waisenhaus, Christliches Erholungsheim, Christliche Buch- Handlung usw.) unb sprach weiter über bas Wirken bes Ierusalemvereins. ben ungefähr bie gleichen Aufgaben erfüllt, wie ber Gustav-Abolf-Derein. Zum Schluß erwähnte Rebner noch bie Tätigkeit ber evangelischen deutschen Gemeinben in Palästina. Der nächste Rebner, Pfarerr G a e b i t e • Sofia, s prach über deutsch-eoanae- lisches Leben in Bulgarien. Er über- brachte Grüße einer kleinen beutsch-eoangelischen Gemeinbe in Sofia, berichtete über bie Organisation, bas Leben unb bie Kämpfe ber bortiaen Gemeinbe, zu ber nur biejenigen Evangelischen gehören, bie zu ben Lasten beitragen. Interessant waren seine Ausführungen über bie bärtigen Schulen unb den Religionsunterricht, sowie über Die von ber Kirche zu leiftenbe soziale Arbeit. Die Not ber Deutschen sei bort größer als hier, bie wirtschaftlichen Verhältnisse trostlos. Der dritte Redner, Probst T i t t e l b a ch aus Litauen, schilderte die Qualen, die unsere deutsch-evangelischen Brüder in Litauen unter der Bolschewistenherrschast zu erdulden hatten. Die Kirchen wurden verwüstet und ausgeplündert, wodurch das kirchliche Leben außerordentlich in der Entwicklung gehindert wurde. Tausende von Glaubensgenossen wurden verschleppt und sind bis heute nur teilweise zurückgekehrt. Er berichtete über inzwischen begonnene Ausbauarbeit, die Erneuerung des kirchlichen Lebens, insbesondere über die Arbeit in seiner Gemeinde, und wies auf die Schwierigkeiten der heutigen Zeit hin. Lieber unsere evangelischen Deutschen in Argentinien berichtete sodann Pfarrer 3a- bitz. Argentinien. 3n diesem Lande, das trotz seiner ©rotte nur neun Millionen Bewohner zählt, sind die deutsch-evang^ischen Glaubens- genolsen über das ganze Land verteilt. Eie Tonnen daher nur durch Reiseprediger erreicht werden. Dadurch läßt das kirchliche Leben sehr zu wünschen übrig. Viele zeigen nur wenig Interesse für ihren Glauben, andere dagegen halten um so fester daran. Der Redner berichtete ferner über seine Arbeit und Erfolge in Argentinien. Als letzter Redner sprach ein Pfarrer aus Polen, wo vor dem Kriege herrliches evangelisches Leben herrschte. Er schilderte die seelische Rot, welche diejenigen erdulden, die dort in Treue in ihrem Glauben aushalten. Die Kirch- >vse werden verwüstet, die Pastoren werden genommen. die SNavenketten einer feindlichen polnischen Regierung drücken die Detrossenen schwer. Er forderte auf. mitzuempsinden und mitzutragen durch weitgehende Unterstützung der bedrängten Glaubensgenossen. 3n einem kurzen Schlußwort gab Psarrer Wagner, BenSheim die Versicherung ab, daß die deutschen Brüder für ihre bebrängtcit Glaubensgenossen im Ausland arbeiten und beten würden. k. Stresemann an den Gustav-Adolf-Verein. ReichSauhenminister Dr. Stresemann telegraphierte gestern an den Gustav-Adolf-Verein, daß er leider an dem persönlichen Erscheinen wegen der Kabinettsberatungen verhindert sei. Er erkenne dankbar die nie erlahmende Arbeit des Gustav-Adolf-Dereins für daS AuSlanddeutschtum an und wünsche der Tagung gutes Gelingen. Die Rede in Versen von Pfarrer D. Mahnert- Innsbruck kann aus technischen Gründen erst in unserer morgigen Ausgabe veröffentlicht werden Interessenten seien auf diese Veröffentlichung schon heute besonders aufmerksam gemacht. Einseitige Sachlieferungen Don Dr. Walther Groll. Bald wird es vier Jahre her fein, daß der Glaube an die günstige Wirkung der Sachlieserun- gen in Deutschland seinen Höhepunkt erreichte. Am 6. Oktober 1921 wurde auf Grund von Verhandlungen, die von dem deutschen Delegierten Dr. R a t h e n a u und dem damaligen französischen Aufbauminifter L o u ch e u r geführt worden waren, das sogenannte Wiesbadener Protokoll unterzeichnet, durch welches Deutschland verpflichtet wurde, im Laufe von 4- Jahren für 7 Milliarden Goldmark Sachlieferungen an Frankreich durchzu- führen. In der Folge hat sich hcrausgestellt, daß Frankreich — übrigens als einziges unter den empfangsberechtigten Reparationsländern — seine Warenansprüche an Deutschland nur zu geringem Teil ausnutzte. Zum Teil wird man dies Verhalten auf die grundsätzliche Einstellung der damaligen französischen Regierung (Poincarö) zurückfühcen müssen, die aus dem Fortbestand unbefriedigter Forderungen politische Trümpfe machen wollte. Daneben haben aber auch Faktoren mitgewirkt, die nicht unter diese Formel gebracht werden können. Die französische Wirtschaft sah sich durch die vereinbarten deutschen Gratislieferungen auf dem inländischen Markte bedroht. Mutzte sie schon auf dem Weltmärkte gegen die Expanfions- bestrebungen zahlreicher konkurrierender Wirt- schastsvölker ankämpfen, so wollte sie wenigstens in der Heimat den unbedingten Vorzug genießen. Da Frankreich nur eine mäßige wirtschaftliche Aktivität besitzt und auch die Ruinenfelder gern mit den eigenen, durch den Versailler Vertrag vermehrten Wirtschaftsmöglichkeiten ausbauen wollte, konnte es die deutschen Sachlieferungen im Grunde gar nicht gebrauchen. Dies hat sich unter ber Herrschaft bes Dawes- planes nicyt geänberi. Wenn beutsche Barzahlungen an bie empfangsberechtigten Länber aus wäh- rungspolitischen Grünben nur in beschränktem Umfange ftattfinben können, so muß ber von Deutsch- lanb geschaffene unb regelmäßig gespeiste Repara- tionsfonbs auf anbcrc Weise verwendet werben. Die wichtigste Art ist bie Finanzierung von Sachlieferungen, bie von ber beutschen Inbustrie an bie Reparationslänber bewirkt werben. Solange der Re- parationsfonbs noch nicht mit ber vollen Normalrate (jährlich 2,5 Milliarben Golbmark) gespeist wirb, so ist bie Sorge, wie er voll verwenbet werben könnte, nicht allzubringenb. Obwohl erst eine einzige Jahresrate von 1000 Millionen Golbmark zur Verfügung ftanb, hat sich ber am Weltgeschäft interessierten Staaten lebhafte Unruhe be- mächtigt. Die Kennzeichen biefer Nervosität waren bie Vorschläge auf ber internationalen Hanbels- kannnerkonferenz zu Brüssel, ben beutschen Warenstrom in koloniales Neulanb abjulei» ten, sowie bie Neigung gewisser französischer Wirtschaftskreise, ben auf Frakreich entfaUenben Teil am Reparationsfonbs gegen bie normale beutsche Warenausfuhr nach Frankreich zu verrechnen unb bamit bie eigentlich im Reparationsabkommen vor- gesehenen beutschen S o n b e r lieferungen auszuschließen. Die Verwenbung bes Reparationsfonbs, bie allgemein als „Transfe r" (lleberroeifung) bezeichnet wirb, hat in ben ßonboner Derhandlun- gen vom Juli unb August 1924 desonbere Schwierigkeiten bereitet. Die beutschen Unterijänbler legten Gewicht barauf, einen bestimmten Mißbrauch bes Reparationsfonbs zu verhinbern, nämlich bie Der- wenbung ber Summen zu planmäßigem Auf- lauf beutfcher Besitzer an ben b e - drohten Lanbesgrenzen. Daneben käme die Freigabe von Beträgen zum Erwerb inner- beutfcher Wirtfchaftswerte in Betracht. In ber Tat bauert biefer, gemeinhin als „Ueberfrembung" be» zeicynete Vorgang an, wenn auch nicht offiziell aus Mitteln bes Reparationsfonbs, sonbern aus . ben Fehlbeträgen unterer Hanbelsbilanz. Wenn wir in den ersten sechs Monaten 1925 für fast 2,5 Militär- den Goldwert mehr Waren ein- als ausführten, so muß dieser Fehlbetrag durch entsprechende K a - pitaleinsuhr oder durch Erhöhung u n • seres Schuldensaldos im internationalen Abrechnungsverkehr gedeckt worden fein. Liehe sich eine Statistik darüber aufmachen, um wieviel die deutsche Verschuldung im ersten Halbjahr 1925 zu- c.ehomemn hat, so würde sich ergeben, daß bie Ge« ‘amtfumme dieser Schuldenzunahme die genaue Höhe unseres Passiosaldos in der Handelsbilanz ist — korrigiert um geringe Posten aus bem Berfrach« tungs- unb Dersicherungsgeschäft, sowie um bie finanziellen Ergebnisie des Reiseverkehrs. Der Freiburger Dolkswirtschaftler Li es mang hat in einem Buche „Dom Reichtum der Na« tionen" (Verlag G. Braun, Karlsruhe) miet* II essante Betrachtungen über „einseitige Lieferungen" angestellt. Er ist gleichfalls der Ueber^eugung, daß Warentribute in der modernen Weltwirtschaft nicht auf die Dauer und nicht in größerem Umfange durchgeführt werden können. Der Vorgang bei diesen Sachlieferungen ist folgender: Nach einem besonderen Reglement, welches die in Betracht kommenden Warenkategorien enthält, rufen die empfangsberechtigten Reparationsmächte in Deutschland Waren ab. Um den Wert der Waren wird der Reparationsfonds gekürzt. Der deutsche Lieferant erhält das Geld, das vorher in Form von Steuern, Zöllen, Verbrauchs- und Verkehrsabgaben aus der deutschen Wirtschaft herausgeholt worden war. Für die deut- fd)e Wirtschaft bedeutet also diese Art der Bezahlung fein wirkliches Entgelt, sondern einen Kreislauf von Summen. Bei einem normalen Verkauf dient der Erlös zur Barzahlung der aufgewandten Rohstoffe sowie des Arbeits- und weiteren Kapitalaufwandes. Bei den Reparationslieferungen wird — volkwirtschaftlich gesehen — kein Erlös erzielt. Die Unkosten der für Reparationszwecke bewirkten Produktion müssen also durch lieber- schüsse aus der anberrocitiaen Produktion gedeckt werden. Stehen solche lieber- schlisse nicht zur Verfügung — wie es bei Deutschland der Fall ist —, so muß Vermögen verwendet werden. Da aber — besonders in der gegenwärtigen Zeit — die deutschen Vermögenswerte nur sehr schwer flüssig zu machen sind, tritt ausländisches Geld an die Stelle. Liefmann unterscheidet treffend zwischen drei verschiedenen Arten von Schuldnervölkern, die auf ausländische Kapitalzufuhr angewiesen sind: zurückgebliebene, zurückgehaltene und zurückgeworfene Völker. Zurückgebliebene und zurückgehaltene Völker orfügen häufig über ungenutzte inländische Wirtschaftsmöglichkeiten. Zurückgeworfene Völker — wie wir eines sind — haben ihre Wirtschaftsmöglichkeiten weitgehend ausgenutzt und sind auf den mäßigen Stand durchschnittlicher Wirtschaftsrentabilität gelangt, der die Folge lebhaften Wettbewerbs ist. Das Kapital, das mir aus dem Auslande importieren müssen, kann im Durchschnitt nicht die Erträge bringen, die in der Form von ausbedungenen hohen Zinsen vorweg disponiert sind. So wird die Deckung des Ausfalls, wie er durch einseitige Lieferungen entsteht, zu einer Quelle neuer Verschuldung. Der Staats-, Personal- und Sachkredit eines Volkes ist natürlich keine feststehende Größe. Er schwankt mit der Konjunktur des Geld- und Warenmarktes — und auch mit der politischen Konjunktur. Er wird letzten Endes durch weltwirtschaflliche Erwägungen der internationalen Finanz bestimmt. Die wichtigste Erwägung dürfte die sein, daß die Verfügung über die deutsche Wirtschaft eine Art „Produktivi- t ä 15 r e { e r o e" schafft. Ist der Weltmarkt aufnahmefähig, so wird der deutsche Produktionsapparat angekurbelt, ist er nicht aufnahmefähig, so wird er gedrosselt. Da es sich hierbei um das Schicksal von mehr als 60 Millionen Menschen handelt, muß ein solcher Zustand auf die Dauer zu gefährlichen politischen und sozialen Spannungen führen. Es ist daher nicht übertrieben, zu sagen, daß einseitige Lieferungen — wenn sie nämlich größeren Umfang annehmen und von Dauer sind — eine internationale Gefahr darstellen. Australien. Don Kapitän zur Dee a. D. v. Waldeyer-Hartz. Eine gewaltige Flottenmacht — über hundert Fahrzeuge — hat vor kurzem Australien über» schwemmt; die Amerikaner haben es für richtig gehalten, nach Dsendigung umfangreicher strategischer Manöver, die sich bei den Ha- • waii-Jnseln abgespielt haben, ihre Flagge in nie gesehener Stärke in den australischen Gewässern 1 zu zeigen. England hat diesen Besuch mit ,. süßsaurer Miene verfolgt. Daß dem amerikani- ' schen Vorgehen nicht nur eine politische, sondern , auch eine hohe militärische Bedeutung inne- wohni, wird unverhohlen zugegeben. Die Vereinigten Staaten haben mit großer Geste bar» getan, daß Australien sich auf ihren Schuh unbedingt verlassen könne. Rotgebrungen beginnt man oaher auch in England, Japan als den eigentlichen Friedensstörer hinzustellen, der das pazifische Problem nicht zur Ruhe kommen lassen wolle. Ehrgeiz und ein starkes Ausdehnungs-- bedürfnis, so behauptet man, beherrschten das Land der ausgehenden Sonne in ungeheurem Maße und erzeugten eine gefährliche politische Spannung. Heber solche Kritik muß sich wundern, wer englische Geschichte leimt, die doch Seite auf Seite lehrt, daß England seit Jahrhunderten seinem Ausdehnungsbedürsnis hie Zügel hat schießen lassen. Hnd dieses Ausdehnungsbedürsnis war nicht einmal begründet, wie im Falle der Japaner. Es erwuchs vielmehr aus reinem Machthunger. In Australien betrachtet man die japanische Seeheiwschaft als eine ständige Bedrohung der eigenen Sicherheit. Im Mutterlande England spielt man vorläufig Zweikampf. Eine Tiergeschichte von Georg Holland. Wir hatten in unserer Gemeinde einen starken Dullen; es war besser, wenn man ihm aus dem Wege ging. Des Abends pflegte er hinter der Herde herzutrollen und ekelhaft anmaßend au gröchlen. Dann riefen die Bauern einander zu :„Macht Platz, macht Platz, der Dulle kommt!" Dieser Bulle war ein Grobian, ein Boxer, ein schlimmer Raufbold. Einmal hatte er, als ihm bei einem Liebesfeste ein harmloses Pferd in die Nähe gekommen war, diesem so nebenbei den Leib auf- gerissen. Und der Bauer Jakob war nur mit genauer Not dem Tode entronnen, weil er es gewagt hatte, das Vieh aus dem Weizen zu scheuchen. Sogar die großen Hofhunde, die Hofpolizisten hatten Angst vor dem Stier. Hetzte man sie, so liefen sie zwar mit viel Amtseifer auf den Bullen zu, blieben ;edoch wohlweislich in guter Entfernung stehen und blafften nur einige Male, so der Form wegen. Dann sprangen sie schnell fort, und taten, als ob sie sich für viel zu gut hielten, sich mit diesem Proleten von einem Stier einzulassen. Eines Tages jedoch fand der Raufbold seinen Meister. Und zwar war es der Gemeindeschafbock, ein hämischer niederträchtiger Geselle, der den Ruf von der Unüberwindlichkeit des Bullen zu schänden machte. Dieser Schafbock gehörte zur Art der Fettschwanzschafe; er besaß statt des Schwanzes eineu gewaltigen Talgklumpen, der wie ein Balkon über die Hinterbeine hing und beim Laufen hin- und herwackelte. Der Schafbock hatte beiläufig die Größe eines jährigen Kalbes, und das gedrehte Gehörn, noch den Harmloseren. Man will eine unmittelbare Gefahr nicht zugeben, gesteht aber andererseits ein, daß man sich in gewissem Sinne der australischen Auffassung anpassen müsse, zumal wo sie doch nicht aus der Welt zu schaffen sei. Peinlich wird empfunden, daß Australien in der amerikanischen Flotte seinen stärksten Beschützer erblickt. In der Tat ist es aber so, denn es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß die militärische Macht im Stillen Ozean weit mehr bei den Amerikanern als bei den Engländern steht. Ja. man kann selbst schon in britischen Zeitungen Aeußerungen finden, daß die amerikanische. Schlachtflolte die mächtigste der Welt fei, und diese Flotte ist eben dank der Wasserstrafe edes Panamakanals jederzeit im Stillen Ozean zu verwenden. In England bedauert man es lebhaft, daß Australien leider nicht klar erkenne, daß es im Grunde genommen die englische Flotte fein müsse, die den Schutz zu gewähren habe. Man entschuldigt sich damit, daß man sich wegen der Verhältnisse in der Aordsee in den letzten Jahrzehnten um das pazifistische Problem allzu wenig habe kümmern können, verspricht Besserung und deutet vorsichtig an, daß man den Vereinigten Staaten die Hegemonie nicht ohne weiteres Überlassen wolle. Leider muß man aber feststellen, daß Australien und Amerika bereits Schulte r an Schulter in Ablehnung des Gelben Mannes stehen. Beide verfolgen mehr oder weniger ausgesprochen den Grundsatz des Tüvabschließens gegen die japanische Einwanderung, so daß es schwer fallen wird, den amerikanischen Einfluß auf Australien wieder auszuschalten. In England sähe man es, um dieser Schwierigkeit aus dem Wege zu gehen, am liebsten, wenn Japans Interesse sich mehr auf die Mandschurei erstreckte. Leider aber wählte Japan diesen natürlichen Entwicklungsgang nicht. Es schielt vielmehr ständig nach Australien. Hnd es hat insofern auch recht, als Australien noch für Millionen von Menschen Raum zur Einwanderung böte. Den Gelben Mann will dort aber niemand haben, demgemäß muß man sich in London wohl oder übel mit der Sachlage absinden. Sie bedeutet ohne Frage für die englische Politik eine harte Fessel. Australien ist, was die gelbe Gefahr betrifft, streng auf den eigenen Standpunkt eingeschworen. Jeder Versuch, es in einem japansreundlichen Sinne zu beeinflussen, würde zur Auflockerung des britischen Weltreiches beitragen. Amerika gibt Australien ständig das Beispiel, daß man sich gegen die Gleichstellung des Gelben Mannes wehren müsse. Hnd aus Amerikas Haltung gewinnt Australien seine stärkste Kraft. Der Erfolg ist — es kann gar nicht ausbleiben —, daß eine große britische Kolonie in einer ihrer wichtigsten Lebensfragen mehr und mehr i n d a s amerikanische Fahrwasser gerät. In England ist vor einiger Zeit ein Buch erschienen, das den Titel „The Great Pacific War 1931—33" führt und den bekannten Schriftsteller Hector B h w a t e r zum Verfasser hat. Das Buch hat in der angelsächsischen Welt großes Aufsehen erregt, da es in Form einer politischen Zukunstserzählung dartat, daß das pazifische Problem, hauptsächlich infolge der Heber» völkerung Japans, nicht anders als mit Waffengewalt zu lösen sei. Dh» toater nimmt in seinem Werke an, daß die Hawaii-Inseln sich gegen einen japanischen Angriff nicht würden halten können. Sie gehen verloren. Run laßt er es zwar nicht dazu kommen, daß sich die amerikanischen Schiffe nach dem Verlust ihrer Stützpuntte im Stillen Ozean auf die australischen Häfen zurückziehen. Interessant ist aber, daß eine englische Fachzeitschrift den Besuch der amerikanischen Flotte, der sich in unseren Tagen abgespielt hat, mit der Möglichkeit eines solchen strategischen Rückzuges in Verbindung bringt und die Auffassung vertritt, daß das Anlaufen australischer Häsen durch die Gesamtheit der amerikanischen Flotte im Grunde genommen nichts anderes bedeute, als eine erste Prüfung der Frage, ob sich eine derartige Maßnahme im Kriegsfälle mit Japan lohnen würde oder nicht. Aus der Provinz. Landkreis Gietzen. !*! Garbenteich, 21. Septbr. Auf dem neuen Friedhose wird die Anlage errichtet, innerhalb welcher das Ehrenmal für di e gefallenen Söhne unserer ®emeinbe ausgestellt werden soll. Das Denkmal selbst besteht aus einer viereckigen Säule mit vier Plastiken, die von Bildhauer Arnold-Beuern ausgearbeitet werden. Das Ganze wird durch ein Kreuz gekrönt. Die Höhe des Denkmals beträgt etwa 31 2 Meter. Fertigstellung und Einweihung soll noch im Herbst erfolgen. h. Staufenberg, 21. Sept. Vorige Woche besuchte hier und in Lollar ein sicher auftretender Herr verschiedene Familien, indem er sich als ein im Dienste der Regierung stehender ärztlicher Beamter ausgab, der Rach- forschungen über Sittlichkeitsdelikte zu machen habe und mit Rcunen und Vorkommnissen genau bekannt war. In der Apotheke sah er sogar Bücher nach. Als er gegen Abend verföchte, und zum Teil mit Erfolg, Geld zu leihen, wurde von der Gendarmerie Lollar dahier verhaftet und als Schwindler ohne Ausweis abgeführt. : Winner od, 21. Sept. Dor einigen Tagen fand hier die Ob st Versteigerung des hiesigen Hof gut es statt. Die Preise für Wirtschaftsobst waren niedrig, und auch gutes Tafelobst erhielte feine hohen Preise, so daß mancher geringe Mann für wenig Geld seinen Wintervorrat an Obst decken konnte. :—: Bersrod, 21. Sept. Rachdem unsere Gemeinde viele Jahre lang an das Wasserwerk bei Reinhardshain angeschlossen war, hat nun die Gemeinde vor einigen Jahren im Wiesental an der Deuerner Straße eine eigene Wasserleitung gebaut. Leider aber haben die Hoffnungen, die man auf das neue Werk setzte, enttäuscht. Die erwarteten Wassermengen blieben aus, und so sitzen unsere Einwohner selbst in dieser regenreichen Zeit täglich einige S tunden ohne Wasser. Es wird leider in nächster Zeit infolge der allgemeinen Geldknappheit nicht möglich sein, weitere Quellen zu sasfen und unserer Wasferleitung zuzuführen. ± Htphe, 20. Sept. Eine Kuh des hiesigen Gastwirts Wilh. R eu nobel brachte vor kurzem drei lebende Kälber zur Welt, ein seltener Fall in der Viehzucht. Zwei davon waren Stierkälber, eines ein Mutterkalb. Von den beiden ersteren ging allerdings eins nach zwölf Tagen ein, während die beiden anderen sich gut entwickelten und beim Verkauf 68 bzw. 90 Pfund wogen. — Hnsere Gemeinde ist im Gegensatz zu ben meisten Wetterauer Gemeinden im Besitz eines größeren Wiesengrundes, der sich auf beiden Seiten der Horloff erstreckt. Infolgedessen kommen alljährlich zahlreiche Landwirte anderer Orte hierher zur Versteigerung des Grases auf den Gemeindewiesen. Da Htphe keinen Wald- besih hat, ist dies eine ins Gewicht fallende Einnahmequelle für die Gemeindekasse, zumal es sich um etwa 80 Morgen handelt. So wurden bei der diesjährigen Grummetgrasversteigerung Preise erzielt, die zum Teil nicht viel unter den Heugraspreisen lagen. Don den guten Morgen stellte sich einer auf 40 bis 60 Mk., von den mittleren auf 20 bis 35 Mk. Bei diesen Preisen ist es den Käufern zu gönnen, daß es ihnen nunmehr gelungen ist, bei dem schönen Wetter der letzten Woche das Grummet gut ein- zubringen, nachdem sie schon lange Regentage darum gebangt hatten. — Hm einem lang empfundenen Mangel abzuhelfen, hat der Gemeinderat beschlossen, auf den Friedh of Wasserleitung legen zu lassen. Auch soll ein erhöhter, beschotterter Fußsteig neben dem Friedhofsweg angelegt werden, da derselbe bei schlechtem Wetter kaum passierbar ist. Da jedoch.alsdann der Fahrweg zu schmal würde, ist dies nur ausführbar, wenn es möglich ist, anliegendes Gelände zu kaufen. Kreis Friedberg. 5 Friedberg, 21. Sept. Das hiesige Kreisamt hat eine Polizeioerordnung zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers erlassen. Danach unterliegen sämtliche landwirtschaftlich genutzten Felder und Gärten des Kreises der amt- liehen Beaufsichtigung zum Zwecke der Bekämpfung des Koloradokäfers.- Die Aufsicht wird von den zuständigen Polizeibehörden, der Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft in Friedberg und dem Landwirtschastsamt Butzbach ausgeübt. Bad-Nauheim, 20. Sept. In einer unter dem Vorsitz des Stadtv. Rößler gestern abend im Thalyfienhof ftattgefundenen öffentlichen Mieterversammlung sprach der Vorsitzende des Verbandes hessischer Mieterschutzvereine, W o l f- Mainz, über „W a s plant die Reichs- regierung gegen d i e Midi er?" Der Redner, der in einem geschichtlichen lieberblick warm für die Bestrebungen der Bodenreform und die Verdienste der Baugenossenschaften eintrat und den Mangel eines ausgebauten deutschen Wohnrechts als ein schweres Volksfchicksal bezeichnete, machte mit den Veränderungen bekannt, die das seitherige Mieterschutzgesetz zu Ungunsten der Mieter erfahren solle. Besonders die gewerblichen Mieter seien, wenn die Pläne der Reichsregierung Gesetz würden, in ihrer Existenz bedroht. Die Versammlung beschloß daher' engeren Zusammenschluß der gewerblichen Mieter zwecks Wahrung ihrer Interessent Die sich an den Vortrag anschließende rege Aussprache führte naturgemäß auch auf die bevorstehenden Stadtoerordnetenwahlen. Die Frage, ob man der Lifte der Hausbesitzer, von der gesprochen wird, eine Lifte der Mie- t e r gegenüberstellen müsse, wurde vom Redner verneint. Es würde zu unhaltbaren Zuständen führen, wenn jede Interessen- und Bcrussgruppe für sich gesondert in den Wahlkampf treten wolle. Es wird den Mietern empfohlen, sich genau die auf- gestellten Listen anzusehen und dann den Parteien bzw. Gruppen die Stimmen zu geben, die dem Mieterstandpunkt am stärksten zur Geltung bringen. Kreis Büdingen. A Nidda, 21. Sept. In den letzten Tagen hat plötzlich der Versand von Schütteläp- fein sehr stark am hiesigen Bahnhof eingesetzt. Vorher war wenig Nachfrage nach Obst. Der Preis ist auch innerhalb zwei Tagen um das Doppelte gestiegen. Der Doppelzentner tarn von 7 Mark heute auf 14 Mark. Besonders reiche Aepfelernte haben die Landwirte von Michelnau und Borsdorf. Ihre Schütteläpfel gingen an größere Aepfelweinkelte- reien in Frankfurt. Für Tafeläpfel bestehen noch keine sicheren Preise. Leider werden auch diese schon jetzt häufig geerntet, was viel zu früh ist. Die Birnen sind hier schlecht geraten. Trotzdem ist nach denselben keine große Nachfrage. Zur Versteigerung der hiesigen städtischen Birnen hatten sich nur sehr wenig Kaufliebhaber eingefunden, während in früheren Jahren gerade für Honigbirnen ein guter Absatz bestand. A Echzell, 21. Sept. Der hiesige Geflügelzuchtverein hatte auf der Iubi - läums-Geflügelausstellung in Bad- Nauheim einen sehr günstigen Erfolg. Ueber die Hälfte der zu verteilenden Ehrenpreise erhielten hiesige Aussteller. - Kreis Schotten. j~l Laubach, 20. Sept. Heute feierte der gräfliche Förster Becker sein fünfzigjähriges Jubiläum als Forstbeamter in Solms-Laubachschen Diensten. Geboren in Paris am 28. Juni 1855 (seine Familie stammte aus Deckenbach bei Homberg a. d. Ohm), kam er in seinem zehnten Lebensjahre nach Deutschland und wurde in Arnsburg bei Lich erzogen. Vom Dezember 1873 bis Herbst 1875 genügte er seiner Militärpflicht im 11. Hessischen Jägerbataillon. Arn 20. September 1875 trat er als Leibjäger in den Dienst des Grafen Friedrich zu Solms- Laubach. 1885 kam er als Forstwart nach Arnsburg, 1893 in gleicher Eigenschaft auf den Flen- sunger Hof und sodann nach Laubach als Forstwart des Distriktes „Tiergarten", der die Gemarkung der ehemaligen Dorfschast Engelhausen mit der „Engelburg" umfaßt, in welcher Eigenschaft er noch heute wirkt. Am 1. Oktober d. I, wird er in den wohlverdienten Ruhestand treten. Wir wünschen dem braven Manne einen gesegneten Lebensabend. o Schotten, 21. Sept. Am 2 Oktober findet die Einweihung des Denkmals für die im Weltkrieg gefallenen hessischen Oberförster und Först er auf dem Alten/ burgskopf bei Schotten statt. „?" Ober-Schmitten, 21. Sept. Am Mittwoch fand der 75jährige Kriegsveteran von 1870/71 Spenglermeister Heinrich Imhof, dem es noch vergönnt war, vor kurzem das Fest der Goldenen Hochzeit zu feiern, einen raschen, schmerzlosen Tod. Am letzten Tage seines Lebens, wie in den Vortagen, eiferte er noch mit ungeschwächter Körperkraft, die Grummeternte zu (bergen. In den Rachmittagsstunden befiel ihn ein leichtes Hnwohlsein, so daß er die Arbeit unterbrach, nach Hause ging und sich zu Bett legte. AlS seine Angehörigen gegen 7 Hhr nach ihm sahen, blieb die Antwort aus. Laut- und klaglos war er hinübergeschlummert. Das Begräbnis, von warmherziger Teilnahme getragen, war beredtes Zeugnis für die hohe Verehrung, die man dem Toten weit über Dorfesenge hinaus zollte. Das Reichsbanner und der Kriegerverein Aid da, dem der Verstorbene seit Gründung als Mitglied angehörte, Veteranen aus der Hmgegend, letzte Mitkämpfer aus einer großen Zeit, die Deutschlands Werdestunde schuf, gaben ihrem Kameraden ehrendes Geleite. Pfarrer Gondolf zu Ridda gedachte des Toten als eines Mannes, dessen Leben Treue, Pflicht und Arbeit gewesen. Im Auftrage des Krieger- Vereins Ridda rief unter Riederlegen eines Kranzes Amtsgerichtsrat Muhl seinem langjährigen Mitgliede herzliche Worte des Dankes und Abschieds ins Grab. Für das Reichsbanner legte D i e h n e r - Ober-Schmitten einen Kranz nieder. Kreis Alsfeld. m. Flensungen, 20. Sept. Die Hhr auf dem Turm unseres sehr alten Kirchleins, bas schon in vorresormatorischer Zeit wahrscheinlich als Wallfahrtskapelle für die Hmgegend diente und heute noch das Gotteshaus für die Gemeinden Flensungen, Ilsdorf und Stockhausen 'VERTRETER: H. Elges jr. Gießen Seltersweg 68 " «6och 1 geben. einen viedei Duh Aus Ober schwc befiel vcrhä Mge perfid fhiguni Mast ienoe Reich- toitb gerlä oer|d ihrer den sind muffe chocho ♦ t kred Indus ijanbli gekdei mene den ( erste 16. K H Süden . »5 uh toll „3 t „3 brechet mit toenn vor, tz eigener H ha «ui 3, Wie vb et Tütstr sun, u thrn n lodet 7 Sequö er sei dos fanft ( flerid Stör' 5 an. und । und j bag j ■yhi u Nüst, Adieu M«. ^lof WA* J Umstandl'^n MN- * * Ä" N" Äen Geschn. n Ä * ■sfts? w^'' Ä äut, lang, und iltd, aus Wj E *n m Je Mkdcn d'e Ä“«^ Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann. 16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Hanns richtete sich auf und streckte den Mücken gerade. „Das heißt, er will mich nicht mehr sehen, ich soll ihm—" „Ja", unterbrach ihn Hermann rasch. „3a, zum Donner, bin ich denn ein Verbrecher ein Ehrloser oder was sonst? Er will mir die Hand und den Abschieb verweigern, wenn ich gehe! Er kehrt den Fischmeistcr hervor. wo ich den Vater suche! Ich steh' auf eigenen Füßen und brauche keinen Vater, aber ich habe einen, und solang' ich ihn habe und ein Recht an ihn habe, laß ich mir auch den Abschied nicht verbieten Ich will doch sehen, ob er den Riegel vorstöht. wenn ich an seine Tür klopfe!" , K Der Knabe stand ftumm._ mit zuckenden Wie- nen, und verbiß die ungebärdigen Tränen die ihm noch von der Aussprache mit dem Vater locker faßen. Als Hanns seine düsteren Augen und den gequälten Ausdruck in seinen Zügen sah. mäßigte er seinen heißen Zorn. Leise strich er ihm über das lockige Haar. „Geh' heim, Vub, ich komme", sagte er sanft. Stockend antwortete Hermann: ..Der Vater ist nach Waldshut aufs Amtsgericht und kehrt erst um zehn Uhr zurück. — Stör' ihm die Rachtruh nicht. Hanns!" Hanns Ingold blickte den Bruder lange an. Der Knabe war im Unterricht gewesen und hatte seinen schwarzen Anzug an. Schlank und schmächtig, mit einem vergeistigten Gesicht, das den Fischersohn verleugnete, stand er vor ihm und drehte erregt die Bücher in den rauhen -Fäusten. „Hermann, ich geh nicht, ohne meinem Vater Adieu zu sagen. 51 nb wenn ich ihm nicht Lebewohl sagen darf, so will ichs von ihm selbst hören. Aber ich will ihn auch nicht um den Schlaf bringen. Er steht um vier Ahr auf. Sag' mir, wo er das Reh wirft, bann such' ich ihn in der Frühe am Rhein." „Hanns, erhat gesagt, er kennt dich nicht mehr!" stieß der Knabe leise hervor, und plötzlich überwältigte ihn die Rot, er schluchzte rauh auf und wischte sich hastig die Tränen mit der Faust. Farbige Dämmerung schwamm in der Stube. Hanns zog seinen Bruder ans Fenster. „Sieh mich an, Bub. er hat noch mehr gesagt. Ich les' es in deinem Gesicht. Du hast keinen Bruder mehr, hat er zu dir gesagt. Ist es so, Hermann?" Da lieh Hermann Bücher und Hefte fallen, schlang die Arme um den Drudcr und wühlte sein Gesicht an Hannsens Brust; in heftigen Schlägen bäumte sich sein von wildem Weh geschüttelter Leib. Eine Weile ließ HannS chn gewähren, dann fuhr er fort: „Gr hat dir verboten, mit mir zu verkehren." „Ich hab' ihm gesagt, daß ich zu dir gehe!" entgegnete leidenschaftlich der Knabe und hob sein blasses Gesicht. „Ja, zum letztenmal", erwiderte Hanns ruhig. „Soll ich ganz bei dir bleiben?" fragte Hermann opsermutig, und obwohl ihm ein kleiner Schauer über den Racken rann bei dieser Frage, blickte er HannS mit leuchtenden, trotzigen Augen an und wartete aus Bescheid. Zärtlich bog ihm Ingold den Kopf zurück, und ihm tief in die Augen schauend, sagte er: ..Ansinn, Hermann, ich kann dich ja gar nicht brauchen." „Ja, und der Vater ist allein", stieß Hermann hastig hervor. ..A l s o!" versetzte Hanns kurz. And in diesem Augenblick erfaßten beide, daß die Mutter tot und daß sie dem Vater gestorben war. Leise traten sie voneinander weg. Hermann Ingold- sammelte seine Hefte und stand scheu im Zimmer, wollte gehen und sand den Weg nicht zur Tür. Da sagte Hanns vom Koffer her. in den er. tief gebückt, feine Kleider legte: „Ich fahre um acht Ahr, erst nach Karlsruhe und dann nach Mannheim. In Karlsruhe gehe ich zum Ministerium. Wenn du Zeit findest, kannst du noch einmal an die Bahn kommen. Abschied haben wir ja schon genommen" „3a, Abschied haben wir genommen“ antwortete Hermann und holte tief Atem. Als Hanns sich aufrichtete. war er schon an der Tür. Hanns wollte rufen, besann sich und ließ ihn gehen. Es war noch ein Schein von roter Sonne im Westen. Die Giebel am Markt glänzten noch feuergolden, in den Gassen aber schlich schon farbloses Dunkel. Das Mareile tarn und brachte die letzte Post. Es war ein anonymes Schreiben, da- Hanns Ingold mit dem Richter Lynch drohte. Er warf es weg. In weichen Wellen strömte die Abendluft durchs Fenster. Am Haren Himmel flogen noch die letzten Schwalben. Hanns Ingold setzte den Hut auf und stieg hinunter Die Tür des Tanzsaales stand offen, frisch ausgewaschen trockneten die Dielen im Durchzug, als wäre auch die letzte Erinnerung an den Lauffenspuk wcggespült worden. Auf den Gassen saßen und standen die tandwerler. Landleute kamen vom Feld heim. 8 roch nach dem frisch eingefahrenen Heu. Wo Hanns vorüberging, verstummte das Gespräch. Der Apotheker Hengisch, der breit auf der Schwelle „Zum Eichhorn" gestanden hatte, verschwand hastig hinter der Tür, um der Begrüßung auszuweichen. Ingold drückte die Fäuste tief in die Rocktaschen, in seinen Ohren war ein Glockenläuten vom erregten Blut Mit zusammengebisfenen Zähnen ging er weiter. Da rief ihn jemand an. Der Hohwald war s. dem er acht Morgen Wicsland und Feld abgekauft hatte „Grüß Gott. Herr Inschenör. Sie verreisen sagt man. 3a. wer den Rücken kehren kann, wenn's blendet, der hat s gut. Unfereiner muß stillhalten" So sprach er treuherzig und kratzte sich im kurzgefchorenen Bart. Hanns 3ngolb lächelte. „Ich danke für den guten Spruch." „3a. der Spruch ist gut, Herr Inschegör, aber mein Land bin ich los, neun Morgen guter Boden, den besten in der Au." „Das weiß ich, denn ich hab' Ihn bar bezahlt" „O du mein — bar bezahlt! Guter Boden bezahlt sich nicht. Ich nähm' tyn um die Hälfte zurück." Die Bartstoppeln knisterten unter seinen harten Fingern, als er dreist und fromm dieses Angebot machte. Hanns Ingold zuckte die Achseln und wandte sich zum Gehen. „Geld auf die Hand, Herr Inschenör. And die anderen, die hallen es grab so." „Sprechen Sie in Ihrem Ramen und in dem der anderen?" „Jawohl," beteuerte Hohwald und nahm die Hand aus dem Bart, streckte sie Ingold hin und fuhr fort: „Es gilt Dir kaufen ihn um die Hälfte zurück. Morgen gibt Ihnen niemand mehr den dritten Teil und in einem Jahr ist er eine Wüste. Der Doktor hat lein Geld, der kann St Joseph kaum halten, aus den warten sie am nächsten Schalttag noch!" Langsam zog Ingold die Hände aus den Taschen. Sie standen mitten auf dem Obermarkt. Letzte Helle hob ihre Gestalten ins Licht. Keine Miene zuckte in Hohwalds Gesicht. Drell bot er die Hand zum Einschlag Als fressende Demütigung empfand Ingold dieses Anerbieten. Rheinau hatte ihn zu den Toten geteerten. Man wollte nur noch rasch feine Habseligkeiten teilen, bann lachten sie noch eine Zeitlang über ihn an den Wirtshaustischen. reimten noch ein paar Verse auf ihn an der nächsten Fastnacht, und Hanns Ingows Gedächtnis war vergessen. Aber so tief cs ihn wurmte, so zerrissen altes in seinem Innern lag. wo auf einmal der Konflikt mit dem Vater, die Entfremdung Ruths zur wilden selbstmörderischen Verzweiflung wurde, äußerlich blieb er kalt und klar. (Fortsetzung folgt) bildet hat wohl nur noch wenige Gegenstücke. Das Zifferblatt ist von Holz. Sie hat nur ehren Stundenzeiger, der durchgehend ist und alfo auch die entgegengesetzten Stunden anzeigt Seit Abgabe der beiden Glocken vor 8 Jahren, von denen die eine Glocke die Ahrglocke war. stand die Ahr still. Anser Kirchendiener August Bräuning. der als großer Praktiker bekannt ist und schon gar manche Reparatur an der Orgel vvrnahm. «bat nun die Ahr wieder vollständig in Gang gesetzt. Den Ahrschläger brachte er an bet noch vorhandenen Glocke an, so biß die Ahr nicht nur geht, sondern auch die Stunden wieder durch Glockenschläge angibt Kreis Wetzlar. 0 Lützellinden, 19. Sept Heute sand hier die Versteigerung des Gcmeindeobstes statt. Der Behang der Bäume war durchweg ein geringer. Die His^e und Trockenheit des Vorsommers hatte die Entwicklung der Obstbaumschädlinae sehr begünstigt. Infolgedessen wurden viele wurmstichig und fielen vorzeitig ab. Auch die Oualh tat des Obste» ließ zu wünschen übrig. Trotzdem wurde dasselbe gut bezahlt. Man konnte auch hier wieder beobachten, daß von manchen Leuten weniger die Gute, Haltbarkeit und Brauchbarkeit als die Menge gewertet wurde, und daß ost beim Bieten die Unklugheit der Unnachgiebigkeit mit dem Geldbeutel gut gemacht werden muß. Hcssen-Ra^au. y Waldgirmes, 20. Sept (Sine allseits beliebte Bürgerin unseres Ortes, die Ehefrau pes Heymann Grünewald, wollte am Milt- rooch einer Rachbarin das letzte Geleite geben. Auf dem Wege zum Friedhof erlUt fie einen Gehirnfchlag. Ohne daS Bewußtsein wieder erlangt zu haben, ist sie zur ewigen Ruhe eingegangen. x> Aus Rassau. 21. Sept. Roch dein Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 hat her Regierungsbezirk Wiesbaden insgesamt 1 340 904 Einwohner. Da nach dem Gesetz vom 3. Dezember 1920 im diesseitigen Dezirk ein Abgeordneter des Kommunallandtags aus 20 000 Einwohner entfällt, wird sich die Zahl der am 25. Oktober d. I. zu wählenden Kommunallandtagsabgeordneten von 61 auf 65 erhöhen, infolge der Zunahme der Einwohnerzahl feit der letzten Kommunallandtagswahl. Auf welche Kreise. Stadt^ oder Landkreise. die vier Abgcorbneten entfallen, hängt lediglich von der Wahlbetelligung ab. spd. Höchst a. M.. 21. Sept. In der Sin« wohnerschasi Kriftels lebt der Wunsch neuerdings wieder auf, den Ort der Stadt Hof he im e l n z u g e m ei n be n. Man hosst, bah die zu- ftänbigen Körperschaften bie Verhanblungen mit der Stabt Hofheim in die Wege lellen. Verschiedene lebenswichtige Baulichkeiten dürften hierbei eine große Rolle spielen, wie Wasserleitung und ftanaüfation. Wirtschaft. • Der Eisenerzbergbau im August. Aus dem Lahn- und Dill gebiet, einschl. Oberhessen, ist zu berichten: Wenn auch ein schwacher Abruf höherprozentiger Erze noch immer bestehl, so haben sich doch im allgemeinen die Absatz- Verhältnisse auf dem Eiscnerzmarkt des Lahn- und Dillgebietes und Oberhessens gegen die Bormonate verschlechtert. Das Ausbleiben jeglicher Unterstützung seitens der Behörden bzgl. Steuern, So» ziallasten, Zwangslohnwesen usw„ die hartnäckige Verweigerung jeden Entgegenkommens seitens der Reichsbahn hinsichtlich der Frachtsätze und Reben- gebühren haben weitere Gruben zum dauernden Erliegen gebracht. — Aus dem Siegerland wird geschrieben: Die trostlose Lage bei den Sie- gcrlänbcm Gruben hat sich in letzter Zeit eher noch verschlimmert. (Ein Dutzend Gruben haben bereits ihren Betrieb endgültig stillgelegt, d. h. die Gruben versaufen lassen. Weitere Betriebsstillegungen sind in Kürze zu erwarten. Die übrigen Gruben müssen ihre Forderung stark einschränken, da die Hochosenwerke nicht aufnahmefähig sind. • Bcrbilligung der Seehandlungskredite. Wie dem Reichsoerband der Deutschen Industrie bekanntgegeben worden ist, läßt die See- Handlung die Verbilligung der Post- und Reichs- gekdcr insbesondere auch den von ihr hereingenom- menen Diskonten zugute kommen. So hat sic in den letzten Tagen begonnen, in größerem Umfange erste Warenwechsel zu einem etwa i Proz. oer Banknoten. Berlin, 21 Eeptbr Die heutige Waggon 0,50, Frankenthal 61. Gebr. Ausländische Renten. öproz. 121, Kali Westeregeln Badische Anilin 125, Industrieaktien: AEG. Kraft 94,25, Dyckerhoff 129. Ehernische Aktien: Th Goldschmidt 70,25. 95, Elektrisch Licht und & Widmann 28, Fuchs Iunghans 64, Zucker Frankfurter Adenddörle. Frankfurt a. M., 21. Sept. Abendbörse verlief nahezu geschäftslos und in leicht rückläufiger Tendenz für Aktienwerte. Deutfche Renten vernachlässigt. Kriegsanleihe wurden im freien Verkehr zu 0,225 bis 0,230 genannt. Auch Pfandbriefe lagen schwach. Einige Arnsähe hatten mexikanische Werte aufzuweisen, die mäßig anzogen. Die Abendbörse schloß in schwacher Haltung. Deutsche Anleihen: Schutz- gcbietsanleihen 5,775. Bankaktien: Commerzbank 95,50, Darmstädter Bank 109,75, Deutsche Bank 109,80, Discontogesellschast 103,12, Dresdner Bank 100,25, Mitteldeutsche Ereditbank 93,50, Reichsbank 137,25, Oesterreichische Creditaktien 7,50. Wontanaltien: Deutsch-Luxemburg 70,25, Mannesmann 69,50, Rheinstahl 62,87, Kali Aschersleben Amerikanische Nölen . . . . . Belgische Noten Dänische Noten . . Englische Noten. ...... Franjösischc Noten ..... Holländische Roten...... Italienische Roten Norwegische Noten Deutsch Ccftcrr.,iioo «roncii Rumänische Noten Schwedische Noten Schweiler Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Geld i.24'> 18,52 102,59 20,80 15,97 168,18 17,81 69,48 58.91 112,27 80,85 • 0.20 12.385 6,835 billigten Satze aufzunehmen Es wird damit gerechnet, daß diese Diskontermößiauvg, die zunächst den mit der Seehandlung im Verkehr stehenden Banken zugute kommt, sich in einer entfprethenbtn Verbilligung der den Bankkunden zu velastenden Diskontsätze auswirken wird. • Die Gründung der Hugo-Stin- nes-Kohlenhandels - und Reederei-A.- G. So lautet die offizielle Bezeichnung der für die Uebernahme der Slinnesjchen Kohlenhandels-. Bergwerks- und Reedereiunternehmungen vorgesehenen neuen Gesellschaft. Die Gründung erfolgt, wie die R. W. Z. meldet, voraussichtlich in der über- nächsten Woche. Bon dem bekanntlich mit 25 Millionen vorgesehenen Aktienkapital verbleibt der Fa- milll Stinnes eine Beteiligung von 40—50 Proz., das sind also 10—12,5 Millionen Rm., während der Rest sich auf die Friede. Krupp A. G. und die Hibernia, die bekanntlich dem Preußischen Staate gehört, verteilt. Die Borbereitungsardeiten für die bevorstehende Gründung werden Hand in Hand mit den Banken zur Zeit mit der größten Bf- schleunigung betrieben. Wie dem genannten Blatte weiter bekannt wird, werden sämtliche Aktien fest übernommen und demgemäß nicht in den Verkehr kommen. Das Geschäft wird auf unveränderter Grundlage sortgesuhrt werden. Lediglich in der Reederei ergibt sich eine gewiße Erweiterung des Betriebes. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (8fl ttUManen Wart uteaedrückt. Cncnoi-Btn», London, Neu- hort, 3upan. Rio be Oentrro für t Ine (Hbbeit. ®ien wid feubey-i fnr 100(00 ®nbetten, alles adrige für 100 ttxbtfttn.) Telegraphische Auszahlung. Brie! 4.265 18,62 104.11 20,40 20.07 169,02 17,19 89,92 69.21 112,84 81,25 60.60 12.44 5.876 19 Septbr. 21. Septrr. Amtliche Ron nino Geld Brief Aiiitliche Notierung Geld Brief tüniu- you Bueu- ilrreS B rss.-Antw Ldrlstianta - QotxnbQgtn Stockholm Hklsingfor» Äwlten. . London. Ncuvork . • Bari». . . Schwel» . - Soanlcu . Japan . . Mio de Aan Wien in D-- £efi. abgeft Prag . . . . Bclzrad . . Budapest. . öulaerien Lissabon Danä« - - . nun. HtL'cn. . . Canada- . . Uruguay lfi8.64 1.693 IM. 54 1H2,17 m Ji 10.565 17.^1 '0,535 4.196 19.W) *0,96 60,52 1,718 1.569 9,07 12.40 7.48 5.885 4.<145 21.075 SU.08 ',335 6 05 4,195 4 171 >69.06 88.61 102,42 1J2X, 10.605 17,2h 4.21.5 81,16 60.68 1,722 0.571 60,2' 12,47 7.48 6,905 4.055 '.0,125 80.88 2.375 611 4,205 4,185 168.62 1.69b 11 59 89,59 102,82 112,62 10.505 17.26 20.331 4.195 19.96 80.075 60.42 1.722 5 569 59.10 12.424 7.45 088 21 075 80 64 8 09 4,195 4.185 169,04 1.704 18.63 112,9 > 10.605 17.30 81.175 60.68 <.671 59,24 1 k 7,47 8,066 21,12j 2,377 4,205 0.195 Ttrtrtnr 63.25 | Jfeixieiie CONSTANTIN C1GAJ7ETTE MJ, 67, »stenSchlacht- : Kübr böch- 76.25 «3.5 7 62 , 0.028 0,36 99 63,25 36 9,25 61 66 Roggenmebk 26J50 bis 27, Weizenkleie 10,50 bi - vts 10.75. Rvggcnlleie 11, (Srbfcn 30 bhs 40, Linsen 45 biS 70. Heu. fübbcaifM, gut. trocken 9. Weizen- und Roggenstrvh 4,5V. Srtbev. g'th*rfnct 0.240 0.30! 0.480 0.159 48.6 40.5 70 54 106 41 52.5 76 63,25 78 65 125,62 70,5 120 25 121.4 57 »2,76 96,75 76 64 83 42,76 41 80 37 Golbmexikaner 39,50. 5prvzentige Silbermexftaner 16.37, Lprvzentige konsolidierte Mexikaner 11 LS. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gteßener Anzeiger» .) Berlin. 21. Sept. Der diesmalige außergewöhnlich stille Wochenschluß wirkte noch heute nach. Die Geschäftsunlust an den E f - seklenmärkten dauert an, und nur für wenige Spezialwerte bestand etwa» Interesse, hierzu gehören vor allem ausländische Renten. Sradtanleihen und Türkenwcrte. Im übrigen verharrte das Geschäft in der bisherigen Stagnation. Der Orders-Eingang war heute wieder äußerst gering, so daß die Spekulation mangels jeglicher Astregung ebenfalls stärkere Zurückhaltung übte. Im allgemeinen bleiben die Kurse des Wochenschlusses gehallen. Am Geldmarkt nimmt infolge deS hcrannahenden Ultimos die Rachfrge zu Der Satz für tägliches Geld stellte sich auf 8 bis 9‘,, Prozent. Monats- gelb 10 bis 11 Prozent . Arn Devisenmarkt traten keine wesentlichen Aenbcrungcn ein. Oslo war gegen ßonbon leicht befestigt mit 20.76. Warschau war stärker abgeschwächt. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,36, Amsterdam 59L1'/-. Zürich 123,29* V Börsenkurse. Frankfurter SLlachtviehmarkt. 5 ran Hurt a. M. 21. Sept. Auftrieb 1458 Rinder, darunter 389 Ochsen. 54 'BjiKen, 1015 Färsen und Kühe 302 Kcklber. 121 Schale. 3754 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Psd 5»/, Tratsche RcichSonletde - 4°Deutsche RrtchSanleihe . 3’.,% Deutsche Rcichsauleihe 3*/0 Deutsch.- NcichSauteide . Deutsche tSbarpramieuanlttbe 4% Brcußilchc KonsotS • - - 4*,0 Hessen........... »*/,% Hessen y/o Hessen . . ........ Deutsche Werkd- Dollar-Lnl. bto. Doll Schatz-Snirrisag.') 4*lt BoHturftn......... y/o Goldmr xikaner ... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat Bank Darmsl. und Natioualdank . Deutsche Bank......... Tratsche BereinSdank .... IiChokio Lommandik . . • Mctallbank Mitteldeutsche Tredltdank Lrsterrrichischc LrcdilaufUllt. SBeftbant ......... Bochumer Guß ..... BudcruS . Taro ......... •. Deutsch Luxemburg...... GrÜeultrchcncr Bergwerke. . Harpcncr Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. .... Vaurabüttc........ • . Dbtrbcborf Phönix Bergbau Rbciunabl........... klirr deck Montan ....... Tellus Bergbau........ Haiuburg^Smercka Paket. . . Norddeutscher Llobd .... Theramische Werke Llbtn . . -sementwerk Heidelberg . . . Philipp Holtmann...... Anglo'Tonl-.Guano ..... Badische Anilin Chemische Mayer Alapia . . Goldschmidt , GricSl eimer Electron .... Höchster Farbwerte...... Holzverkohlung RülgerSWcrke ......... Echcidecmstalt ........ Sllg. ElektrijliätS-Sesellschalt Bergmann .......... Maintraslwerke........ Schucken Siemen« L Halst«...... Adlerwcrkr Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hevligenftacdt..... 'Nen uin............. Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Annatnreu - . . «onservcnsabrik Braun . . . Mellillnesell>ck>ast Sranffact. Schuhfabrik 6tr> Sichel.............. Zellsto s Daldhof ■ • .... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . kalber 76 biS 84. geringere Oftast- inrb gyte Saugkälber 68 bis 73. geringe Saugkälber 56 5B 66. Schafe Mastlärnmer und Maschämmel 55 biS 58. mässig genährte Hammel unb Schafe (QMcr-- schase) 34. Schwei ne: Bolftleischige von 80 bi» 100 Kg. 96 biS 99. unter 80 Kg 85 bi» 95. von 100 bi» 120 Kg., von 120 dis 150 Kg unp Fettschweine über 150 Kg. 98 bi« 100. unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bi» 90. Marftverlauf Langsamer Handel, in geringeren Qualitäten Ueberftanb. Fettschweine über Rotiz gehandel» Des israelitischen DersöhnutnMesteS wegen wird der Rinder- unb Kleirwiehmarkt vom Montag. 28. Sept. auf Dienstag, 29. Sept, verlegt; der Schweinemast wird am 28. Sept abgebalten. (Berliner Produktenbörse. Berlin, 21. Sept. Die Produktenbörse ist sür den Weltrnarit andauernd matt. Born 3n- lanbe bleibt das Angebot mäßig. Gerste wenig verändert, Hafer ziemlich preishaltend. Futterartikel lustlos Es notierten pro Tonne Weizen (märt.) 204 bis 210, Weizen (September) 228, Weizen (Oktober) 226,50 bis 226, Weizen (De- zember) 233, Roggen (märt.) 153 bis 160, Roggen (mecklbg.) 151 bis 156, Roggen (September) 173, Roggen (Oktober) 172 bis 170,50 bi» 171,50. Rogg)n (Dezeml>er) 180 bl« 179. Gerste (märt.) 206 bis 230, Wintergerste 172 biS 175, Hafer (märt.) 172 bis 180, Hafer (Oktober) 179, Mais (loko Berlin) 207 bis 211, Raps 350; pro Doppelzentner: Weizenn«hl 28,75 biS 32,25. Roygen- mehl 23 biS 25, Weizentlele 11 bl« 11^0, Roggen- fteie 10 bis 10,20, Viktorlaerbsen 26 biS 31, Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 24 biS 27, Lupinen (blau) 12,75 bis 14, Rapskuchen 15,80 bis 16, Leinkuchen 22,40 bis 22,bO, Trotten- schnitzel 11,80, Torsmelasse 820 bis 8,40, Kartoffelflocken 16,80, Zucker?1 BÜ 21,30. Lebendgewicht - Rinder: Ochserr. vvllsteischige au«- gewachseTte höchsten Schlachtiveri» 62 bi» 68. junge, fleischige, nicht aihSgcmäftctc unb ältere au»ge- maftrie 54 bis 61. mäßig genährte jimge und gut genährte älteje 43 bi» 53; Bultev. DoffTl. auS- gemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 54 bi» 60. l'vllfleischtge jüngere 45 bi» 53; Färsen unb Äübc. vollfl. auSginnästete Färsen Höchs wert» 57 dis 64. vollfl. ausgemastetc ften Schlachtweri» bi» zu 7 Jahren 53 bi« 61. wenig gut entwickelte Färsen 48 bis 56. ältere ausgemästete Kühe unb wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bl» 50. mäßig genährte Kühe unb Färsen 28 bi« 40, gering genährte Kübe unb Färsen 15 bl» 20. Kälber F^nste Mast- kälber 85 bi« 90. mittlere Mast- unb beste Saug- Franksurter Getreidebörse. Franksurt a. M.. 21. Sept. Es mürben notiert: Weizen, Wetterauer 24, Roggen, inlänb. 18.50 bis 19, Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 27,50, Hafer, inlänb. 20 bis 21, Mais, gelb 20,75, Weizenmehl, inlänb., Spezial 0 38,50, Berlin SAInjJsd)1uM 19. •. 2t 9 Franksurt a.M. WUT> '»drle n. 9. | r« «. I 0.230 9.2375 1.2325 — 0.316 0.305 0.270 9.3025 0,80 0.45« 0.45 0.45 o.no 0.111 ».1375 0.260 J.2675 0.262.'. — 0 27 — 0.25 ' — — 0.25 । 0,26 90/25 91.75 91.75 94.85 94,75 I 94,8 7,8 8 7,9 39.5 41 41 129 150.6 129,76 05 5 95.5 «5.25 109 7. 110 109.5 109,8 HO, 2 5 110 103,13 103,25 102.75 76 — 93,5 91.50 9M 7.5 7.62 7.6 0,028 — — 71 70,5 48.25 49.V 40.6 40.5 40,26 40,25 70,25 71.5 71 50,25 54,75 M 75 107 107,76 106 5 121 121 6 121 1.9 19,25 19.3 42,5 41 40,75 52,5 63 62,5 75,5 76 02.9 63.75 63.25 78 77,5 75,75 67,6 — — 61 61 00.5 63,6 65 64,5 — 65,76 —— 67 68 67^5 — 97.25 96,2.5 125 125,5 125,75 70,25 713 70.3 in,75 130.5 120 120,62 120,6 120,25 57,5 — 72,13 91,75 74,6 72,5 — 95 96,6 95 — 76,9 76 76,25 — — 64.4 62,62 80 81,76 80,25 42 42,75 42 42 42 42 — k7 86 36 60 60 0,38 — — 98 25 — — 63,26 63.5 63,5 — — 34 6,13 6 fi 9 8,9 8,9 61 —- — 66,13 66 56,25 H.EIges jr. Gießen flllerswefl68 'gcn. 9bnn^ oje" te'uuT. lQd) bag ?\n er Iteis n”»n 7 SÄ: cht Beraten " ^chfraae " «if U't 'tten. *' Jl, fam er b VWi Dom Dk- §?art mch W M den flen. «'S Fortz- ■ der Ke Öl m welcher Sigen- 3m 1. Oktober d 3, ien DnHonb tretm. einen geleg* 2m 2. Ottober 3 des Denkmals Plenen hessischen er auf dem ten, 21. Sept fc eAriegsveteran er Heinrich . vor kmM boi zesj feiern, tim raschen, m letzten Tage seines en,, eiferte er noch mit bie ©rummetmte tu Ostunden befiel ihn • bafi et die Urteil und sich zu Dett legte, gen 1 Uhr nach ihm us. Laut- und flaglo? Ä. SaS JegrSbniS, nt getragen, war 6t< Tktebrimg, bte man Senge hinaus gellte. i> der Ätitatt- >et Vechordene seit inerte, Veteranen Btittä* aus einer M Derdchunteschu', i ehrendes Meitc. >ba gedachte des Inicn Leben Treue, Auftrage des Äricflfr- r Äicderlegen eine« Muhl seinem kng- e Docke M W lr das AeichÄmer Mitten einen M sstld. i Sept. Sie Uhr auf alten 5irchtrt«r. Äscher M wahr yrbieWa^ unb Slkchaufen Aus dem Reiche der Frau. Schützet die Augen der Hinter! Von Professor Dr. 21. Ieß, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Gießen. Immer wieder sieht der Augenarzt schwere Verletzungen der Augen von Kindern, die bei genügender Beaufsichtigung und rechtzeitiger Belehrung zum großen Teil hätten vermieden werden können. Eltern und Lehrer sollten vielleicht mehr, wie bisher geschieht, versuchen, die Heranwachsende Jugend so zu erziehen, daß sie rechtzeitig über die Gefährlichkeit mancher Gegenstände, Spiele und Angewohnheiten für das Auge, das edelste Sinnesorgan des Menschen, unterrichtet werden. Obenan stehen Verletzungen der Augen durch Explosion von Zündhütchen und Sprengpatronen. Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges und nach dem Rückzug großer Teile unserer Armee durch Oberhessen mehrten sich in der Gießener Augenklinik ganz auffallend die Fälle von schweren Äugenverletzungen durch Explosionskörper. Ueberall waren Patronen, Zündhütchen und Zündkapseln von Handgranaten verloren oder achtlos fortge- worsen worden, und unsere Schuljugend hatte bieje hübschen kleinen Sachen eifrigst gesammelt, meist ohne im Geringsten zu ahnen, welches Unglück sie über sich und ihre Spielkameraden heraufbeschweren könnten. Der unwiderstehliche Forscherdrang der Jugend führte natürlich bald zur genauen inneren Untersuchung. Es wurde solange daran herumgebohrt oder sogar mit dem Hammer daraufgeschlagen, bis das hübsche Metallhülschen mit furchtbarem Krach explodierte. Nun war das Unglück geschehen, die entsetzten Eltern fanden ihre Kinder blutüberströmt, oft mit schweren inneren oder Gliederverletzungen, die langes Krankenlager zur Folge hatten und zum Verlust manches Fingers, oft einer Hand oder gar eines Armes geführt haben. Sehr häufig waren dann beide oder mindestens ein Auge von feinsten Metallspkittern durchbohrt und da es sich hier meist um reines Kupfer oder Kupferlegierungen handelte, war die Heilungsaussicht von vornherein ungünstig. Während Eisensplitter mit Hilfe starker Elektromagneten selbst aus den tiefsten Teilen des Auges herauszuholen sind, versagt dieses Hilfsmittel natürlich bei nicht magnetischen Metallen. Kupfsrsplitter müssen deshalb nach Aufschneiden des Auges mit feinen Pinzetten gefaßt werden, ein äußerst schwieriges Beginnen selbst für die ge- üb teste Hand, das bei der Kleinheit der Splitter und wenn Blutungen und Linsentrübungen den Einblick in das Augeninnere erschweren, leider nicht immer Erfolg haben kann. Gelingt aber die Entfernung nicht, so gehen im Laufe von Monaten und Jahren solche Augen an innerer Verkupferung durch die langsam einsetzende Auflösung des Metalls zugrunde, genau wie bei Eisensplittern, die im Auge bleiben, allmähliche Verrostung das Auge erblinden läßt. Besonders gewarnt werden muß auch vor den neuerdings in unserer Gegend bei der Aufstellung der Maste der Ueberlandzentrale verwen- beten Aluminiumsprengpatronen. Sie sehen so harmlos aus, werben für Bleistiftschoner ober ähnliches gehalten unb von großen unb kleinen Kindern niemals liegen gelassen. Zweimal sahen wir schwere Verletzungen der Augen durch solche Patronen, die von Erdarbeitern auf der Landstraße verloren und von Kindern aufgesammelt wurden. Unzählig sind die Augenverletzungen von Kin- " bern burch ungeeignetes Spielzeug. Daß ein Vater eigenllich bestraft werden sollte, der seinem Sohn .vor dem 18. Lebensjahr ein Tesching, eine Luftbüchse oder gar ein Jagdgewehr zur freien Be- l Nutzung in die Hand gibt, wird jeder zugeben, der einmal die schweren Folgen solcher Nachlässigkeit F erlebte. Aber auch das Schießen mit Armbrust, Bogen und Pfeil sollte man kleineren Knaben nicht • gestatten und wenn man schon auf solches Spielzeug nicht verzichten zu können glaubt, so sollte man unbedingt darauf sehen, daß niemals spitze Geschosse angefertigt werden. Gar zu gern bewaffnen ja unsere Jungens ihre Pfeile mit Nadeln oder Nägeln, damit das Ziel auch richtig getroffen wird unb manches Auge eines unglücklichen Spielkameraden wurde schon durch diese Unart vernichtet. Auch spitze Messer und spitze Scheren sollte man Kindern nicht schenken; wenn man der Ansicht ist, daß ein richtiger Junge auch ein Taschenmesser besitzen muß, so gebe man ihm eins mit abgerundeter Spitze und das beliebte und lehrreiche Dilderausschneiden können unsere Mädel ebensogut mit einer vorne runden oder stumpfen Schere bewerkstelligen. Besonders gewarnt sei vor einem neuerbings leiber viel verbreiteten Spielzeug, ben flie- aenben Propellern. Kleine aus dünnem Blech hergestellte und in der Mitte durchbohrte Propellerchen werden bekanntlich mit Hilfe eines spiralig gewundenen Metallstabes in die Höhe geschleudert. Sie er- halten eine große Geschwindigkeit und durchschneiden rotierend die Luft. Erst kürzlich kam ein Gießener Mitbürger in die Klinik, der seinem Sohn dieses gefährliche Geschenk gemacht hatte und dem sewst beim ersten Versuch ein Auge von dem scharfen Mewllblattchen von oben bis unten aufgeschnitten worden war. Also fort mit diesem gefährlichen Unfug! Eine besonders üble Angewobn- heil, die in manchem Haushalt vorherrscht, ist das mühsame „Aufknütteln" von Bindfaden knoten der Pakete mit Mestern, Scheren, Feilen, Stricknadeln oder anderen spitzen Gegenständen. Manche Mutter glaubt es der Erziehung ihrer Kinder schuldig zu sein, auch hierbei den Sinn für Sparsamkeit zu wecken. Das ist gewiß sehr schön, kann aber auch übertrieben werden. Jedenfalls wiegen viele Tau- fende auf solche Weise geretteter Bindfäden nicht den Verlust eines Auges auf. Immer wieder erlebt man es, daß bei solchen Bemühungen, ein Paket auf sparsame Weise zu öffnen, schwere Augenverletzungen durch das ausfahrende Instrument gesetzt werden und wer einmal gesehen hat, wie ein spitzes Mester hierbei den ganzen Augapfel bis an den Sehnerv durchbohrte, wird mit uns darin übereinstimmen, daß hier ein ungeeignetes Feld der Sparsamkeit vorliegt. Man kann nicht alle Möglichkeiten aufzählen, welche die Augen unserer Kinder bedrohen und die verhältnismäßig leicht zu vermeiden wären. Nur auf diese besonders krassen Beispiele sollte einmal hingewiesen werden, die Eltern und Lehrern eine Anregung sein mögen, vorbeugend sich zu betätigen. Denn Vorbeugung ist besser als Heilung! Obst unb Gemüse für die Kinder. Don Dr. H. Vollmer, Oberarzt am Kaiserin Augusta Viktoria Haus, Charlottenburg. Es ist immer gewagt, den menschlichen Organismus mit einer Maschine zu vergleichen. Eine Maschine läuft ungestört, solange alle ihre Teile in Ordnung sind und sie aus irgend einer Energiequelle gespeist wird. Für den menschlichen und besonders den wachsenden Körper des Säuglings genügt aber die Speisung mit den Grundnährstoffen, also mit Eiweiß, Fett, Zucker und Salzen nicht, um einen ungestörten Ablauf der Lebensvorgänge zu garantieren. Würde man einen Säugling mit diesen Stoffen in chemisch reiner Form füttern, und ihm außerdem nur Wasser verabreichen, so würde er zwar nicht Sungers sterben, aber bald an schweren Krankitserscheinungen zu Grunde gehen. Diese Katastrophe ließe sich aber aufhalten, wenn man rechtzeitig frische Gemüse und Obst zufüttern würde. Damit ist sckwn gesagt, daß Obst und Gemüse Substanzen enthalten, die für das Leben unbedingt notwendig sind und die die Grundstoffe, aus denen sich unsere Nahrung zusammensetzt, ergänzen müssen, wenn das Leben nicht gefährdet werden soll. Man nennt sie darum Ergänzungsnährstoffe oder Vitamine. Zahlreiche Aerzte haben sich im letzten Jahrzehnt mit der Erforschung dieser Körper beschäftigt, ihre Natur und Wirkung untersucht, eine Neihe von Krankheiten auf einen Mangel an solchen Vitaminen zurückführen und damit den Weg zu ihrer Heilung zeigen tonnen. Die Vitamine sind kein einheitlicher Körper. Es gibt verschiedene Ergänzungsn ährst off e und jedem einzelnen kommt eine spezifische Mgenschaft zu, jeder dient der Verhütung bestimmter Krankheitserscheinungen. Allen gemeinsam ist die wachstumsfördernde Wirkung. Außerdem hat das eine Vitamin die Fähigkeit, die englische Krankheit, daS andere, eine schwere Augenerkrankung, daS dritte, den Skorbut zu verhüten, eine Krankheit, die durch Blutungen in Haut, Knochcm und Zahnfleisch gekennzeichnet ist und die in früheren Zeiten zahlreiche Menschenopfer gefordert hat. Fehlen demnach in der Nahrung des Säuglings sämtliche Vitamine, so bleibt das Längenwachstum stehen, das Körpergewicht erfährt trotz reichlicher Ernährung keine Zunahme mehr, sondern siickt langsam ab; es können Durchfälle auftreten, die den Kräftevefall beschleunigen und schließlich machen nach Ablauf weniger Monate die erwähnten Krankheiten, die dem Kinde jede Widerstandskraft rauben, dem Leben ein vorzeitiges Ende. Das Fehlen eines einzigen Vitamins führt zu der entsprechenden Krankheit. Tlnd daß diese Krankheitm wirklich nur durch Vitaminmangel verursacht find, geht daraus hervor, daß man durch Zufütterung des entsprechenden Er- gänzungsnährstoffes die krankhaften Erscheinungen in kurzer Zeit beseitigen kann. Dies gilt besonders vom Skorbut, der eine ausgesprochene Ditaminmangelkrankheit ist und durch Zitronensaft fast schlagartig geheilt werden kann. Das Auftreten der englischen Krankheit dagegen wird durch das Fehlen eines bestimmten Vitamins nicht spezifisch bedingt, sondern nur gefördert, lind es gelingt daher, nicht nur durch Vitaminzufuhr (Lebertran) diese Krankheit zu verhüten, sondern auch durch günstige äußere Lebensbedingungen und besonders durch Höhensonnenbestrahlung. Die Höhensonne kann also in der Ra- chitisverhütung bestimmte Vitamine ersehen. 3a, in letzter Zeit hat man gefunden, daß jedes an sich vitaminarme Nahrungsgemisch, sobald man es direkt mit der künstlichen Höhensonne bestrahlt, die Eigenschaften bestimmter Vitamine annimmt und die Rachitis verhüten bzw. ausheilen kann. 3n absehbarer Zeit wird es also vielleicht möglich sein, die englische Krankheit aus der Welt zu schäften, indem man nur bestrahlte SauglingS- milch in den Handel kommen läßt. 3ede Mutter wird ängstlich fragen, wie sie ihren Säugling vor diesen durch Vitaminmangel bedingten Störungen schützen soll, da sie ihm doch in den ersten LebenSmonaten weder Gemüse noch Obst verabreichen tarnt Aber die Milch ist selbst ein Träger von Ergänzungsnährstoften und die Frauenmilch ist sogar besonders vitaminreich und erfüllt am besten die Voraussetzungen für ein ungestörtes Gedeihen. Bei künstlicher Ernährung dagegen droht eine gewisse Gefahr. Zwar enthält auch die Kuhmilch Vitamine; aber abgesehen davon, daß diese Schuhstoffe durch das notwendige Abkochen der Milch zum Teil zerstört werden: der Gehalt der Kuhmilch an Ergänzungsnährstoffen ist äußerst wechselnd und in manchen Jahreszeiten ungenügend. Er hängt weitgehend von der Fütterungsart der Kühe ab. Bei Grün- fütterung und beim Weidevieh enthält die Kuhmilch reichlich Vitamine. 3m Winter jedoch kann sie infolge der Trockenfütterung fast vitaminfrei sein. Da man aber der Milch den Grad ihres Ditamingehaltes nicht ansehen kann, wird man bei jeder Art künstlicher Ernährung, um sicher zu gehen, rechtzeitig Nährstoffe zufüttern, deren Ditamingehalt außer Frage steht. Solche Nährstoffe haben wir in den meisten Feldfrüchten und Obstarten, solange sie frisch sind. Langes Liegen und alle Konservierungs- methvden zerstören ihre lebenswichtigen Eigenschaften zum großen Teil und machen sie in dieser Hinsicht wertlos. Die einzelnen Obstsorten und Gemüse haben einen verschiedenen Vitammreich- tum. Am hochwertigsten sind im allgemeinen Zitronen, Apfelsinen, Tomaten und unter den Gemüsen Spinat und Karotten. 3n ihnen sind alle Ergänzungsnährstvffe, die wir kennen, gleichzeitig enthalten, wenn auch der eine oder andere überwiegt. Wertvolle Vitaminträger sind außerdem die tierischen Fette, besonders der Lebertran und die Butter, schließlich das Eigelb und die Hefe, äleberblickt man die Substanzen, die besonders reich an Ergänzungsnährstoffen sind, so fällt auf, daß sie alle intensiv gefärbt sind. Wenn auch Farbstoff- und Ditarninreichtum in keinem direkten Zusammenhang stehen, so entsprechen sie sich doch bis zu einem gewissen Grade. So ist auch die gelbe Butter vitaminreicher als die weiße. Für die Auswahl mag das eine gewisse Richtlinie geben. Von welchem Lebensalter an empfiehlt es sich, dem Säugling Obst und Gemüse anzubieten. Das Brustkind bedarf ihrer kaum vor dem 6. Monat, das Flaschenkind jedoch schon früher, etwa nach dem 3. Monat, besonders im Winter, wo die Kuhmilch den Vitaminbedarf nicht zu decken vermag. Man wird damit beginnen, Obst und Gemüse zunächst nur als Prehsaft in kleinen Mengen zu verabreichen, um den empfindlichen Darm nicht durch die Zellulose zu reizen, welche in allen Degetabilien enthalten ist und Durchfälle auslösen kann. 3m Winter, der Zeit der Dita- minnot, sind wir fast ausschließlich auf die Südfrüchte angewiesen. 3n den anderen 3ahreszeiten steht uns der Saft aus frischen Tomaten oder aus Karotten, die zerrieben und durch ein Tuch gepreßt werden, zur Verfügung. Man beginne mit einem Kaffeelöffel täglich 'und steige allmählich zu dem Prehsaft einer ganzen Frucht. Bekommt das Kind dabei schlechte Stühle, so müssen diese Säfte vorübergehend weggelassen werden. Nach dem 6. Monat werden auch Die ganzen Gemüse und Früchte oder Gemüsesuppen, wie sie im Haushalt gekocht werden, gut vertragen. Allmählich kann man dazu übergehen, das Kind am Tisch mitessen zu lassen. Diese Vorschriften erscheinen sehr kompliziert, aber jede vernünftige Mutter ernährt an sich schon ihren Säugling mehr oder weniger in der Weise, wie wir es hier gefordert haben und ^wissenschaftlich zu begründen versuchten. Diese Anweisungen sollen auch kein strenges Gesetz sein. Man muh einem Säugling nicht unbedingt schon nach dem 3. Monat Vitamine geben, wenn er bisher auch bei künstlicher Ernährung gut gediehen ist. Der zivllisierte Mensch kommt erst auf mühsamen Umwegen dahin, wohin den Naturmenschen der einfache 3nstinkt führt. Eine Negermutter weiß nichts von Vitaminen und macht es doch richtig. Sie läßt ihr Kind an der Brust, bis es läuft und sich Fruchte pflücken kann. Könnten es unsere Mütter diesen „Wilden" nachtun! Hüte im Herbst. Der Stroh Hut, der dieses 3ahr sowieso nicht recht durchdringen konnte, ist endgültig begraben. Seine Majestät der Filz regiert in unzähligen Variationen und Farben. Man hat sich bis jetzt noch auf keine ausgesprochene Herbst- farben einigen können, es ist vielleicht auch besser so, ja es ist bestimmt besser so, denn ausgesprochene Modefarben lassen das gesamte Modebild eintönig erscheinen. Warum eigentlich immer dieses diktatorische „man trägt“ ? Frauenmode sollte niemals intolerant fein, denn Frauen sind immer individuell aufzufassen, werden niemals auf eine Gleichung zu bringen fein. Bei Männermoden liegt der Fall weitaus einfacher, sie können viel eher auf persönliche Variationen verzichten, ohne an Charakter einzubühen. Bei der Frau handelt es sich in erster Linie um die Frage der Kleidsamkeit, der wichtigste Punkt auf dem Gebiete der Mode. Man trug voriges 3ahr den fleinen steifen Zylinder und den hochgebauten Topfhut, letzterer kleidete fast immer, beim Zylinder war schon mehr Gefahr dabei. Man ist volllommen von beiden Formen abgekommen, Favorit ist der malerisch aufgeschlagene Filz- und Samthut, denen man schon im Sommer am Meer oft begegnete. Diese Hutform, keck aus dem Gesicht, mit einer Nadel aufgesteckt, ist unbedingt schon in ihrer geschwungenen Linie und der weichen Umrahmung des Gesichtes. Der Hut wird groß wie ein Brigantenhut, an Rinaldo Rinaldine erinnernd, getragen oder klein, ganz eng um den Kopf gc* zogen, immer wird das Vorderteil aufgeschlagen fein. Darin aber liegt die Gefahr; es gibt nämlich viele Gesichter, zu deren Schnitt- ein aufgeschlagener Hut unschön, um nicht zu sagen entstellend wirkt. Bei diesen Hüten werden große Anforderungen an das Profil der Trägerin gestellt. Es muß nicht gerade griechisch sein, aber immerhin gut proportioniert, weniger gut modellierte Gesichtspartien überschattet man besser mit einem vermittelnden Hutrand. Zedoch die andere Form ist Mode; vor der Kritiklosigkeit des lieben „3chs“ schweigt selbst der Spiegel und die vielen kleinen und größeren, auch in ihrer Art sehr fechen Hüte, welche Frau Mode und die Putzmacherinnen auf den Markt bringen, werden, stolz verschmäht; allerdings oft sehr zum eigenen Schaden. Man sieht es schon auf der Straße, und überall, wo ein Hut getragen wird, die auf- geschlagene Form ist für diesen Herbst Trumpf, Frauenlaune hat ihn, gewiß nicht unberechtigt, zum Liebling erkoren. Nebenbei wird man noch sehr nette Filzmodelle, aus zweierlei Material mit Ornamentik verziert, bewundern können, auch soll in Paris» die Toque wieder zum neuen Leben erwacht sein. Wie es auch sei, alle diese Hüte haben einen schweren Stand gegen die aufgeschlagene Form, welche in Samt, Plüsch, Panne in äußerst eleganter Verarbeitung und in allen möglichen Farben eine ungemein dekorative Ergänzung der Toilette in erster Linie zum Samtmantel bilbet. Vor kurzem hat noch überall die Helligkeit des Sommers geleuchtet und nun soll sich die Ueber- leitung zu Herbst und Winter vollziehen. Der September ist in Bezug auf Modelinien und Richtungen nicht ganz geflärt, es gärt noch zu viel, erst im Oktober wird sich das Modebild in stilistischer Reife zeigen. Es ist aber nicht zu leugnen, daß diese neuen, aufgeschlagenen Hüte mit den geschweiften Mänteln ausgezeichnet harmonieren. Die „Glocke" hat in dem geschwungenen Hut einen malerischen Gegenpol gefunden. So wird die eine Linie in Gemeinschaft mit der anderen zum Ausdruck einer äußerst dekorativen Modesilhouette zusammenfließen. L. W. Für Küche und Haus. — Dlumenkohlauflauf. 80 bis 90 Gramm Butter werden mit einem Eßlöffel feinstem Weizenmehl geschwitzt und mit gut 1/4 Liter Sahne über dem Feuer und dann bis zum Auskühlen geschlagen; dann vermischt man 3 bis 5 Eigelb, zwei Eßlöffel geriebenen Parmesankäse und den steifen Eierschnee damit, streicht die Auf- laufmasse über einen großen oder mehrere kleine, in Salzwasser abgekochte Blumenkohlköpfe, die man, Rosen nach oben, in einer Backform ab- getropft angerichtet hat, und bäckt den Auflauf eine halbe Stunde in der Bratröhre. — Lieberzogene Pfirsiche. Reife Psirsiche werden geschält, halbiert, vom Stein befreit und in Zuckersaft kurze Zeit geschmort und dann abtropfen gelassen. 10 Gramm Mondamin rührt man mit i/2 Liter Milch glatt, gibt 3 Eigelb, 50 Gramm Zucker und eine kleine Prise Salz daran und rührt auf gelindem Feuer eine dicke Creme. Sie muß unter wiederholtem Llmrühren erkalten und wird nun mit 2 Löffeln Weinbrand und i/s Liter ungesüßter Schlagsahne unterzogen. Die Pfirsiche häuft man zierlich auf eine Glasschüssel und überzieht sie mit der Creme. Kleine Löffelbiskuits oder einfache Waffeln reicht man nebenher. — Köstlicher kalter Pfirsich. Schone reife Pfirsiche werden geschält, bleiben bann abeo ganz. Aus Zucker kocht man mit Wasser und etwas kleingeschnittener Vanille einen dicklichen Zuckersaft. Zeder geschälte Pfirsich wird eine Minute, nicht länger, in den kochenden Zuckersirup gelegt, dann sofort mit kleinem Schaums löffel herausgenommen. Die fertigen Pfirsiche werden bergförmig in einer Glasschale aufgebaut, an den Zuckersaft gibt man ein kleines Gläschen Maraschino und gießt ihn behutsam Über die Pfirsiche. Sie müffen sehr kalt bis zum Anrichten gestellt werden, sie schmecken ganz köstlich und erfrischend, zu ihnen reicht man leichtes Diskuitgebäck. „Laß das"! Don Fritz Müll er-Partenkirchen. Als er klein und dumm war, flog ihm die Ching en röte an wie Fahnen, die em Steilwind «uS der Herzgrube züngelnd auftreibt in die Wangen. Unb mutwillig wie schon Fahnen etn- Mal sind, tat der kleine Bodenrutschsr Fritzi allerlei, was.den Eltern nicht bequem war. „Laß das, Fritzi!" hieß es dann. Und wenn er's nicht verstehen konnte, um ein Stückel drohender: „Fritzi, laß das!" Aber er begriff nicht. Die Fahnen knallten in den Wirbelwinden seiner Fugend gar zu stürmisch hoch im Steilwind und klatschten in die Wangen, daß es ihn umtrieb, um und um. Kam ein elterliches Klatschen auf die Gegend feiner RutschunteÄage, immerzu begleitet von: „Laß daS, Fritzi . . . Fritzi, laß daS!" Und er begriff noch immer nicht Nur in den Ohren hatte er tagaus tagein ben Klang von „Laß das, Fritzi — Fritzi, laß das!" Ein Fremder auf der Straße tätschelte ihm das Blondköpfchen: „Nun, tote heißt Du, Kleiner?" „Fritzi." „So so, der Fritzi bist Du?! Und wie heißt jDu noch?" Schweigen. „Ei, Du mußt doch einen anderen Namen haben, 3unge?“ Die roten Fahnenzipfeln in den Wangen sanken, hoch stieg eine Klatscherinnerung. „Na, wird'S bald, Kleiner: wie heißt Du noch?" „Laß das." Kvpftchüttelnd ging der Fremde weiter: „LahdaS, Fritzi Laßbas, welch ein sonderbarer Name?" Fritzi Laßbas wurde älter, in die Schule kam er. Voller Spannung schaute er aufs Lehrerpult Kam von dort die Taufe, würden sie ihn endlich um benenn en? Unruhig rutschte er auf seinem Dänklein hin und her. „Laß das!" kam es vom Katheder. Und es blieb beim Laß das durch die ganze Schulzeit. Der zweite rote Fahnenzipfel rutschte aus den Wangen. Er kriegte einen Freund. Bedächtige Verwandte hatten ihm gerade diesen zugeschoben: „Der Fritz ist impulsiv. Gut, daß er diesen überlegten Freund kriegt Der wird ihm die Wage halten." Fritz wollte etwas unternehmen. Es gehörte Mut zu dem Geschäft Wenn's glückte, war er freilich flott, und seine Segel blähten sich auf hoher See. Kam der bestellte Freund, hob warnend feinen Finger: „Fritz, laß das. Nimm fieber die Deamtenstellung, die ist sicher." Fritz nahm die Beamtenftellung, und ein neuer Fahnenzipfel sank ihm auS ben Wangen. Beamter mit Pensionsberechtigung — da fand sich bald die Frau, die dazu paßte. Hoch flog ein Fahnenzipfel seiner Fugend. Stürmisch riß er sie ans Herz. „Laß das, bitte,“ sagte sie. Er trabte im Geschirr. Er kriegte Kinder. Er lernte selber „Laß das!“ sagen. Drei kleine Laßdas tollten spielend — ach nein, trippelten brav und knftten kerzengrad und scheitelrichtig durch ein wohlerzogenes Leben. Und als es Zeit zum Sterben war und er sich müde auf die dunkle Seite legen wollte, wo kein „Laß das!" mehr ihn hätte schrecken können, streckte der Tod ein wenig ungestüm die Hand nach seiner Liegstatt aus. „Laß daS!" murmelte der Sterbende mit einem letzten Zwangsgedanken. Sank die Lösehand des Todes. Er hatte ihn gelassen. Zermürbt schwankte der alte Mann, der nicht mehr leben, nicht mehr sterben konnte, durch ein leeres Leben. Er ist mir neulich auf der Straße begegnet. 3ch erschrak vor feinen Wangen. So blutver- lassen hab' ich sie bei Toten nicht gesehen. Wir gingen ein Stück durch eine menschenleere Gasse. Dor unS ging ein Mann mit einem Zungen. Da war ein Prellstein an der Ecke. Der 3trage nahm einen Anlauf. „Passen Sie auf,“ sagte mein Gefährte, „gleich wird's ihm fein Vater sagen." — „Was denn?" — „Laß das!" Aber der 3unge sprang über den Prellstein, unb fein Vater klatschte in die Hände: „Dabei kommt das Blut in Fluß, recht so mein 3unge, tu das!“ Meinen Gefährten riß es. „Tu das?" sagte er mit einer verwehten, überfälligen Stimme, „tu das, und nicht laß das? 3st denn eine neue Zeit?“ „Hopla!“ rief des Zungen Vater, „hopla!" und sprang selber über den Prellstein. Stehen blieb mein Weggefährte. Groh hat er mich angesehen. „Zch glaube meine Zeit ist um“, sagte er müde. Sein grauer Bart schien vollends weiß anzulaufen. Das aufgehaltene LaßdaSPendel schwang, losgelassen, durch die vjeit, deckte mit Sekundenschnelligkeit ein ganzes Menschenleben — mehr als das: schwang hinaus darüber, Überkopf zurück in seine erste Zugend, wo ihm noch fein Laßbas seine Fahnen nah und schlaff gemacht. Hoch stieg in seinen fahlen Wangen eine späte Lohe, flackerte, erlosch unb nahm ihn mit. Zch hab ihn auf dem Heimweg stützen müssen. Am dritten Tage habe ich ihn begraben helfen, den überfälligen Fritz Laßdas. Fast wäre ich an seinem Grabe versucht gewesen, ihn im Gedenken an sein verpfuschtes Leben mit einem „Laß das!“ aus der kühlen Erde in ein besseres Leben zurückzurufen. Aber die Erde ist kein Fritzi Laßdas. Was die hat, das läßt sie nimmer.