Montag, 22. Juni 1925 <75. Jahrgang Nr. 145 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die lagesnummtr bis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbtndUchkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite SrUich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfenniy, Platzvorfchrist20° „Auf- fchlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton 3. D.: Ehrhard (Eoers; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für de, Anzeigenteil: Hans Beck sämtlich in Bietzen. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesten Dmd und Verlag: vrühl'fche Univerfilülr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. Zchriftleilung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. Erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Beilagen: DiebenerFamilienblLtter Heimat im Bild. Monats-Bezugspreis: 2 Goldmark u. 20 Gold- pfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech'Anschlüsse: Schriftleitung 112, Derlag undGeschästsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: LnzelgerSlehen. Postscheckkonto: Zrankfurt a. M. 11686. Die Schwierigkeiten des Linkskartells. Paris, 21. Juni. (WTB.) Wie Haoas aus Toulouse berichtet, Hal der Exekutivausschuß der sozialistischen Vereinigung des Departements Haute Garonne eine Tagesordnung angenommen, in der die sozialistische Fraktion ausgesordert wird, die Unter st ützungspolitik gegenüber dem Ministerium Painleve aufzugeben. Diese Forderung wird u. a. damit begründet, daß kein ernsthafter Versuch gemacht worden sei, den Frieden in Marokko durch direkte Verhandlungen mit den Rifvertretern aufrechtzuerhalten und daß die sozialistische Partei jede Eroberungsaklion verurteile. Wie der .Lntransigeant" mitteilt, hat der sozia- listische Abg. Compere Morel, der Verfasser derjenigen der drei Tagesordnungen, in der die sozialistische Partei zur Aufkündigung des KarteUoer- haltnifses mit den Radikalen aufgcsordert wird, versichert, daß eine Mehrheit von 120 Abstimmenden sich für seine Tagesordnung aussprechen werde. Dies würde übrigens, wie Compere Morel erklärt, nicht ein einfacher Bruch fein. Wir Sozialisten würden, im ganzen genommen, unsere Handlungsfreiheit wieder nehmen. Nach Ansicht des sozialistischen Aba. Compere Morel, so fährt der „Jntransigeant" fort, würde also das Kartell weiterbe st ehe n. Wenn also ein neues Kabinett H e r r i o t zur Regierung käme, was die Sozialisten erhofften, würden die Anhänger Compere Morels dieses Kabinett unterstützen, wie sie das voraufgegangene Mi- nifterlum unterstützt haben. Wir könnten, so habe Compere Morel noch erklärt, für ein Kabinett stimmen, dellen Politik in gewissen Punkten mit dem sozialistischen Programm in Widerspruch steht, aber unter der Bedingung, im Austausch für diese kleine Konzession nennenswerte Genugtuungen zu erlangen. Das Ministerium PainlevL rebe den Sozialisten diese Genugtuungen nicht. Die französisch-spanische Konferenz. Paris, 22. Juni. (TU.) Wie aus Madrid berichtet wird, hatten die Hauptdelegierten der fran- Ä-spanischen Konferenz gestern nachmittag einen mgSaustausch über die Kontrolle der Ländergrenzen. Auf spanischer Seite trat man zur Verhinderung des Schmuggels für d.e Ausdehnung der Bewachung auf den Hafen von Tanger ein, was Frankreich für unzweckmäßig hielt, weil die Zollbeamten schon Tag und Nacht Dienst hätten. Man hielt cs für wichtiger, in verstärktem Maße die Pfade und Schluchten entlang der französischen und spanischen Grenzzone zwischen dem Gebiet von Tanger und d e m R i f zu überwachen. Weiter haben die Haupt- bekgierten die etwaigen Friedensbedingungen geprüft, unter denen Frankreich und Spanien im gegebenen Augenblick mit Abd el Krim unterhandeln wollten. Heute findet keine Sitzung statt, sondern ein Automobilausflug nach Toledo. Wie der Sonderberichterstatter der „Libertä" in Madrid von einer hochstehenden spanischen Persönlichkeit erfahren haben will, würde das Inkrafttreten der Beschlüsse, die bei den französisch-spanischen Verhandlungen in Madrid gefaßt würden, von dem Ergebnis der spanischen Verhandlungen mit Abd el Krim abhängen. Der Großindustrielle Echevarieta aus Bilbao, so schreibt der Berichterstatter, der immer mit Abd el Krim verhandelt habe, sei nach Ajdir unterwegs, umsvon Abd el Krim selbst die endgültigen Bedingungen für eine Verständigung kennen zu fernen. FriedensvorschlägeAbd.elKrims an Frankreich? London, 22. Juni. (TU.) „Daily News" berichtet, Abd e l K r i m habe durch eine bekannte Persönlichkeit Frankreich Friedensvor- f dj l ä g e unterbreiten lassen. Französische Verstärkungen nach Marokko. Paris, 20. Juni. (WTB.) Der parlamentarische Ausschuß der Heereskommission der Kammer, der nach Marokko entsandt wurde, lenkt, wie die kommunistische „Humanitä" mitteilt, in seinem ersten Bericht die Aufmerksamkeit des Heeresaus- schusses und des Kriegsministeriums darauf, daß in möglich kurzer Frist die bereits vorgesehenen Verstärkungen an Mannschaften und Material eingeschifft werden müßten. Amundfens Flug. Berlin, 20. Juni. (Wolff.) Nach einem weiteren Bericht über Amundsens Polarslug mußte das eine Flugzeug der Expedition, „U. 24", auf dem ersten Notlandungsplatze im Polareise, etwa 330 Kilometer vor dem Pol, zurückgelassen werden. Es war so stark eingefroren, daß die Kräfte der Polarslieger nicht ausgereicht hätten, beide Maschinen frei zu machen. Außerdem mußte das verbleibende Benzin beider Flugzeuge vereinigt werden, um den Rückflug wenigstens eines Apparates zu sichern. „Die schrecklichste Zeit unserer Reise" — sagt Amundsen — „war der Rückflug. Der starke Wind zwang uns, Kurs auf das Nordkap zu nehmen. Plötzlich entdeckte der Führer, daß die Stabilisie- rungsflädjen sich nicht wehr bewegen liehen und es somit unmöglich geworden war, das Flugzeug stabil zu halten. So entschloß sich der Führer unseres Flugzeugs, Larsen, ans dem Wasser niederzugehen. Das geschah etwa 40 Kilometer nördlich des Nordkaps. Etwa eine Stunde glitt dvs Flugzeug sodann auf dem offenen Meere dahin, Die Iahrtausendfeier in Koblenz bis es in Fugle Bay an einem Eisberg v e r - ankert werden konnte. Wir waren gerade dabei, uns eine Mahlzeit zu bereiten, als wir plötzlich den Segler „S j o e n i v" erspähten, der unseren Ankerplatz 28 Stunden vor der „Hobby" erreichte." Amundsen betont weiter, daß die Expedition keineswegs enttäuscht sei, da sie an ihrem Landungsplatz eingehende Beobachtungen und Vermessungen vornehmen konnte und etwa 160 000 Quadratkilometer eines bisher unerforschten Abschnittes des Eismeeres erkundete. Die Forscher hoffen, durch die gemachten Erfahrungen in der Lage zu sein den Nordpol beim nächsten Versuch wirklich zu erreichen. mit den anderen Böltern geben. Gottfried Keller mahnt uns „achtet jedes Mannes Vaterland, aber das deine liebe!". In den wechselseitigen Beziehungen der Hationen und der Menschheit I möge so die Achtung des Vaterlandes eines jeden zum Ausdruck kommen. Darum verlangen wir, daß auch unser Vaterland geachtet werde. Wir aber toollen es Don ganzem Herzen lieben, wir wollen uns selbst bejahen, wir wollen weiterwirken für uns und für die Welt. Mit fröhlichen Herzen seit ber Volkerwande- xung sind die beiden Ufer des Rheines mit dem Deutschen Reiche verbunden durch deutsche Sprache und deutsche Lieder, durch deutsche Arbeit I und deutsche Kunst. Don der Quelle des Rheines bis zur Mündung haben, soweit uns die Geschichte bekannt ist, Deutsche gewohnt, die damals und heute zusammen fein sollen mit bem großen deutschen Vaterlands. Das soll der Sinn dieser Feier sein, und diesen Sinn soll die ganze Welt erkennen. Der Herr 'Oberpräsident hat erkannt, was das Rheinland seiner Verbundenheit mit Deutschland und Preußen verdankt Ich aber als preußischer Staatsminister bar] betonen und tue es gern, was Preußen dem Rheinland verdankt. Die Wechselbeziehun- gen zwischen Ost und West haben den beiden Teilen zum Segen gereicht, weil über alle poli- I tische Gegensätze hinweg das Einig en de gesucht wurde. Es war ein fegenspendendes Geben und Rehmen. Darum sollen und werden die I Kräfte, die im Rheinlands lebendig sind, nur die Möglichkeit haben, die Geschicke ihrer eigenen Provinz zu lenken. Sie werden auch auf die Geschicke des preußischen Staates und des Deutschen Reiches Einfluß nehmen, weil sie Staat und Reich »etwas zu geben haben, xic etammc, die seit Menschengedenken auf beiden Ufern des Rheins deutsch sind und frei sind, schworen heute I aufs neue; Wir wollen ihn. er muß uns gehören! Es lebe der freie deutsche Rhein! Es lebe das Deutsche Reich! Hoch! Hoch- Hoch! Am Mittag gab die Stadt Koblenz ihren Ehrengästen ein Festessen Dabei ergr ff Oberbürgermeister Ruffell das Wort und betonte einleitend, daß die Bürger I von dem Rhein und der QUofel vor Vaterlands- liebe und Heimatstreue glühten Heute am Ehrentage des Vaterlandes und des Rheinlandes gelte der c-fitc Gruß dem Herrn Reichspräsidenten, dem früheren lieben Mitbürger und jetzigen hochverehrten Ehrenbürger. Der Redner sprach dann von den schweren Zeiten, die das Rheinland durchleben müsse und erwähnte, daß die Zeitungen in Verbindung mit dem Rainen Koblenz Kunde gegeben hätten, von mancher das Rhein» land schwer treffenden Bedrückung. Sie hätten aber auch Nachrichten gegeben von deutscher Treue am Deutschen Eck. Selbst heute sei das Engelsbrld der Freiheit den Rheinlanden noch nicht erschienen Aber Mann für wann erwarteten die Rheinländer ihr Recht auf Befreiung von den Fesseln der Besetzung zum vertragsmäßigen vermin. Nimmer wird das Reich zerstört, wenn ihr einig seid und treu. Dieser Ruf grüße in Stern gemeißelt von dem Denkmal am Deutscyen Eck. Dieser Rus sollte sich täglich jedem Deutschen auf die Lippen drängen. Er richtet an das deutsche Volk die inständ ge Ditte, di: Einheit des Reiches zu wahren, die Einigkeit iißter den Botts- flämmcn und den Parteien zu fördern. Die Bürger der Stadt Koblenz geloben, getreu dem Wahlspruch ihrer Stadt, auch weiterhin ihrem Daterlande und dem Rhein treu zu bleiben. Russell schloß mit einem Hoch auf das mit dem Rhein untrennbar verbundenen Vaterland Als Vertreter der Reichsregierung sprach der Reichsjustizminister und Minister für die besetzten Gebiete. F renken. Auch er betonte, daß nur Einigkeit das deutsche Volk wieder emporfuhren könne. Das Sinnbild dieser Einigkeit sei Koblenz das sich an der Stelle erhebe, wo die Mosel und der Rhein die Deutschen beider Ufer zu- einanderführten. Die Zusammenfassung der rheinischen Kräfte im letzten Jahrtausend habe Wunder gewirkt. Man müsse diesen Zusammenhang pflegen und darüber wachen, daß die gesammelten Kräfte nicht auseinanderfielen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Rhein und das Reich „Vereinigt auf ewig!", das von den Anwesenden mit Begeisterung ausgenommen wurde. Der Glückwunsch des Reichsinnenministers. Berlin, 20 Juni. (WTB.) Das Reichsinnenministerium richtete an den Oberbürgermeister Russell, Koblenz, folgendes Tele- Das Deutschtum des gesamten Rheingebietes gedenkt feiner 1000jährigen Reichsverbundenheit. Wenn Deutschlands Zerrissenheit in diesem Jahrtausend ein Vordringen romanifierter Art zugelassen hat, so erwarten wir von der Zukunft, daß aus unserer tiefen Erniedrigung der unbeugsame Wttle zur Volkseinheit und zur selbjtverantwortlichen porige- ftaltung unserer deutschen Kultur erwächst. Gedenken Sie dort unweit der Stammburg des Reichs- freiherrn vom Stein, dieses Mahners und kraftvollen Vorkämpfers deutscher Volkseinheit und deutschen SulturroiUens. Koblenz, 20. Juni. iWolff.) Bei dem Festakt, der heute hier anläßlich der Jahrtausend f c i c r stattfand, hielt der Oberpräsident der Aheinprovinz, Dr Fuchs, eine Rede, in der es u. a. heißt; Wir gedenken der Grüße und des Treugelöbnisses, das im Rainen des leider am persönlichen Erscheinen verhinderten Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung der Herr Reichskanzler, und von der preußischen Regierung der §crr Ministerpräsident den Brüdern und Schwestern am Rhein entboten haben. Der Redner bezeichnet die Kölner Jahrtausendausstellung mit ihren wertvollen Schätzen als eine feierliche Manifestation dafür, wie das Rheinland mit dem Reiche unlösbar verwachsen sei. In einem Jahre, das zum Rückblick auf ein Jahrtausend rheinisch-deutscher Schicksalsgemein'chast einlade, sei es eine Ehrenpflicht, auch desjenigen Ereignisses zu gedenken, das in der wechselvollen Geschichte ein ganz besonderer Markstein fei: die Vereinigung des Rheinlandes mit Preußen, wodurch nach dem rheinischen Dichter Immer- mann „eine mächtige historische Wahlverwand- schäft geknüpft wurde, die nur fruchtbringend sein könne. Im Jahre 1915 sei es durch den Krieg nicht möglich gewesen, in feierlicher Form auf das preußische Jahrhundert der rheini- chen Geschichte hinzuschauen. Wenn wir Rhein- änder heute mit stolzem Gefühl dessen bewußt eien, was unsere Geisteskraft und unserer Hände Arbeit für Staat und Reich bedeutet, so erkenne das Reinland nicht immer dankbar und freudig an, was der Staat Preußen ihm in hundertjähriger Schicksalsgemeinschaft gebracht habe: Den Antrieb zu einem ungeheuren kulturellen und wirtschaftlichen Aufstieg. Mit besonders Herz- sicher Dankbarkeit gedenke er der großen Verdienste, die Preußen gerade in den letzten Jahren ich um das Rheinlaird erworben habe. Preußen habe gerade dadurch bewiesen, daß es ihm heiliger Ernst sei, mit den von ihm befolgten Grund- ähen, die der Ministerpräsident in Düsseldorf in feierlicher Form als die bewußte Bejahung der völligen Entscheidungsfreiheit der alten kulturellen Kräfte des Rheinlandes bezeichnet hat und an denen auch in Zukunft festgehalten werden soll. Wenn die preußische Verwaltung und die rheinische Bevölkerung weiterhin in gegenseitigem Verständnis Hand in Hand arbeiten, könne der Erfolg nicht ausbleiben. Rach weiteren geschichtlichen äleberblicken und Hinweisen auf unsere rheinischen Dichter schloß der Oberpräsident mit einem begeisterten dreifachen Hoch auf unser „Preußisch-deutsches Vaterland!" Im (Hamen der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung sprach Minister Dr. Höpker-Aschoff. Er führte u. a. aus: Wenn der Herr Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident nicht selbst an dieser Feier teilnehmen können so deshalb, weil sie durch dringende Geschäfte verhindert sind, die grade für das Rheinland eine besondere und ernste Bedeutung haben. Vor wenigen Wochen ist dem deutschen Volke eine Entwaffnungsnote überreicht worden und heute haben wir eine neue Rote aus französischer Hand vor uns. Ohne dazu Stellung zu nehmen, darf gesagt werden, daß die ernste Prüfung dieser Roten die erste Aufgabe der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung ist. Als die Vorbereitungen zu diesem Feste begonnen wurden, hatten wir die Hoffnung. daß der nördliche Teil der Rheinprovinz geräumt sein würde. Vor wenigen Wochen, sechs Wochen nach dem Räumungstermin, haben wir die Grunde erfahren, warum die Räumung nicht erfolgte und wir haben gesehen, was wir in der Entwaffnung getan haben und wie wenig übrig geblieben ist und wir habeii das bittere Gefühl, daß die kleinen Verfehlungen, wenn überhaupt von solchen die Rede fein rann, kein ausreichender Grund sein können, uns unser Vertragsrecht auf die Räumung der nördlichen Zone vorzuenthalten. Bald kommt der 15. August, an dem nach den feierlichen Zusicherungen französischer, englischer und belgischer Staatsmänner das Ruhrgebiet und die Sanktionsgebiete frei sein sollen. Ich habe die feste Zuversicht, daß die Staats- männer das Wort, das sie uns in London gegeben haben, erfüllen werden. Man spricht vom Frieden der Welt und die Staatsmänner der ganzen Welt suchen nach Sicherungen für den Frieden. Der Friede, den auch wir wo! len, kann nur i m Recht der Freiheit b e g r ü n be t sein. Wir haben keine kriegerischen Gelüste. Wir wollen nicht mit den anderen um die Weltherrschaft ringen. Der Gedanke der christlichen abendländischen Kulturgemeinschaft, der in so wunderbarer Weise in der Jahrtausendausstellung zum Ausdruck kommt, ist doch nur eine andere Ausdrucksform des Gedankens des Völkerbundes. Wir suchen nur nach der Möglichkeit, das unsrige beizutragen zur Weiterentwicklung der Völker. Dazu möge man uns die Freiheit der Entfaltung in friedlichem Wettbewerbe Die deutsch-polnischen Handelsbeziehungen. Berlin. 20. Juni. (WTB.) Wie von unk richteter Seite verlautet, hat die deutsche Regien», als Polen sich aus Gründen seiner gegenwärtig, Wirtschaftslage für außerstande erklärte, eine Handelsvertrag mit Deutschland z schließen, den Vorschlag gemacht, ein Provisori sches Abkommen auf der Grundlage gegen fettiger zolltarisischer Meistbegünstigung abzuschiic hen und dabei Polen ein Kohleneinfuhrkontmgeu für oberschlesische Kohle in Höhe von 60 000 Tonne, monatlich zu gewähren unter der Voraussetzung daß während der Dauer des Vertragszustandes d, Liquidation des deutschen Eigentums in Polen nid C f Gegenvorschläge hat die deutsche Regie rung hierauf nicht erhalten. Sie hat aber dessen ungeachtet, um die Verhandlungen zu deschleumye. und zu erleichtern, heute der polnischen Dclegatio, den Entwurf eines bctiaUiertcn Abkommens zugehe! lassen. Die Vorschläge der deutschen Re gier un g bewegen sich in folgender Richtung Beide Länder gewähren sich für ihre Ein- und Ausfuhr in zolltarifischer Hinsicht die M e i st b e günstigung. , . . Um einen freien Handelsverkehr z, gewährleisten, sichern beide Teile sich ferner zu, de- gegenfeitigen Verkehr in Zukunft durch keinerlei Ein und Ausfuhrverbote zu hemmen. Beide Teile erklären sich auch bereit, die z. etwa noch bestehenden Ein - und Ausfuhrvei bote binnen einer kurzen Frist aufzuheben Soweit die augenblicklichen wirtschasttichen Dei hältnisse in letzterer Beziehung noch gewisse Aus j nahmen für die deutsche Regierung notwendig machen, werden diese sich in geringem Umfang, halten. Die deutsche Regierung erklärt sich dabei bc reit, Polen für diese Waren E i n f u h r k o n t i n g e n t e zuzusichern. Da ferner der Handelsverkehr sich nicht lediglid auf schrifttichen Wege vollziehen kann, wird in Aus ficht genommen, die Regelung der Behandlung de, beiderseitigen Handlungsreisenden und ihrer Muster in das Abkommen mit einzubeziehen. Zu den erwähnten Ausnahmen von eine völligen Einfuhrfreiheit, zu denen Deutschland gründ sätzlich übergehen will, gehört bekannllich die K o h l e Trotzdem das Entgegenkommen auf diesem Öebieir angesichts der bekannien schwierigen Kvhlenlage für Deutschland ein empfindliches Opfer bedeutei, hat die deutsche Regierung, um jedenfalls ihrerseits alles mögliche zu tun und den Abschluß eines provisorischen Abkommens zu ermöglichen, sich bereitfinden lassen, ihr ursprüngliches Angebot b i s auf 100 000 Tonnen im Monat als äußerstes Kontingent zu erhöhen, allerdings in der Erwartung, daß si chin der Liquidationsfrage für die Dauer des Provisoriums eine den deutschen Interessen Rechnung tragende Regelung finden läßt. Polen wird anerkennen müssen, daß Deutschland seinerseits auf diese Weise alles getan hat, was in seinen Kräften stand, um die beiderseitige Wirtschaft vor einem Handelskriege zu be- I wahren. Die gestrigen Nachrichten aus Warschau lauteten überraschender Weise dahin, daß die polnische Regierung die Veröffentlichung einer Verordnung beschlossen habe, welche anscheinend Einfuhrverbote für zahlreiche deutsche Waren enthalten soll. Es erscheint kaum glaublich, daß diese Nachricht zutrifft, da die beiderseitigen Delegationen sich ja mitten in Verhandlungen über ein Provisorium befinden und irgendeine Erklärung oder Aussprache über Einzelheiten noch gar nicht ftattgefunben hat. Sollten aber biese Nachricht roiber Erwarten be° grünbet sein, so würbe baburd) eine völlig neue Lage geschaffen sein, die bie deutsche Regierung vor schwerwiegenbe Entschlüsse stellen würde. Der „Temps" zur Sicherheitspaktfrage. Paris, 20. Juni. hnungsverhältnisse. Der Vedner begrüß;, daß die Regierung die Vor- arbe'ten )ül ^eVeichsgesundheitswoche in Angriff genom..:en habe und bespricht dann dir Kämpie der Bergarbeiter gegen die Unternehmer, die sich weigerten, die Familienhilfe einzuführen, trotzdem die Bergarbeiter erklärt hätten, die Kosten für diese Hilfe selbst zu tragen. Ausführlich kommt der Vedner dann auf den Geburtenrückgang zu spreüen, der, wie schon Minister Schiele ausgesprochen habe, auf die wirtschaftlich schweren Verhältnisse zurück usühren sei. Es sei typisches Zeichen,wenn beisp'.elsreise die allgemeine Geburtenziffer der Stadt Berlin gegenüber dem Jahre 1876 im Zähre 1923 nur noch knapp ein Vieris betrage. Gegenüber der Haltung der Regierung zu dieser wichtigen Frage weist der Redner auf die g ohen An st re n gungen Frankreichs hin, die in der Erkenntnis beruhten, daß das, was heute im politischen und wirtschaftlichen Leben aller Kulturnationen in die Erscheinung trete, in dem BevölkecungsproblLM seine letzte Wurzel hebe. Tie Schutzzoll- dez.r. Agrar- zoll vor tage bezeichnet der Red er. vom gesundheitlichen Standpunkt aus oetracheet, als ein Attentat auf die Volksgesundhe't Wenn alle notwendigen Lebensmittel durch Zölle verteuert würden, könne die leibliche Gesundheit, für die sich der Innenminister Schiele eingesetzt hebe, niemals erreicht werden. Der Redner erinnert an ein Wort Friedrich Raumanns, der 1902 bei den Kämpfen um die S ßutz- und Zollvorlage den Ausdruck gebraucht habe: Ser Tuberkelbazillus weicht dem besseren Brote. Mit dem billigeren Brot werden die Lungen freier und stärker. Staatssekretär Zweig ert: Der Reichsminister des Innern bedauert, besonders bei der Beratung des Kapitels „Volksgesundheit" durch seine Krankheit am Erscheinen verhindert zu sein. Er hat mich beauftragt zu erklären, daß ihm die Vollsgesundheü besonders am Herzen liege. Ein gesundes und starkes Volk zu schaffen ist das Ziel, um das die bewußten Deutschen unserer Tage kämpfen (Zuruf links: Redensart!) Auch feien bedauerlicherweise die Gesundheitsverhältnisse unter den Erwerbslosen und den kinderreichen Familien keineswegs gute. Der Staatssekretär dankt dann im Vamen der Regierung den in- und ausländischen Stellen - für die dem armen Deutschland gewährte tatkräftige Hilfe unZ> hebt hervor, daß Maß- V nahmen getroffen seien, die Speisung und Unter» • stützung der Bedürftigen fortzusetzen, wenn die * ausländischen Quellen versiegen. Die Durch» ,t führ ung des Sachverständigengut- achtens dürfe nicht auf Ko st en der Volksgesundheit erfolgen. Die Retz ierung werde für besondere Maßnahmen für die Volksgesundheit stets eintreten und bitte deshalb auch die im Ausschuß vorgesehenen Etats- erhöhungen für die Volksgesundheit zu genehmigen. ~ Abg. Hordenkamp (Dntl.) tritt für die Stärkung der körperlichen Leistungsfähigkeit ein. die jetzt der einzige Aktivposten Deutschlands sei. Wohnungs- und Ernährungsftagen seien bald einer guten Regelung entgegenzuführen. Der Redner begründet dann einen Antrag seiner Fraktion, der in allen Schulen den GesundheitS- unterricht obligatorisch einfüfrren will. Der Presse sei besonders zu hänfen, daß sie in den letzten Jahren in beständig wachsendem Umfang außerordentlich wertvolles und aufklärendes Material für die Pflege der Volksgesundheit habe erscheinen laffen. Der Redner tritt dann für den Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Tuberkulose, für ein Irrengeseh und alle sonst geplanten ge- setzkchen Maßnahmen gegen schwere Krankheiten ein. Die Deutschnationalen würden auch ein Der- wahrlostengesetz befürworten und würden für Maßnahmen gegen den Alkoholmihbrauch für Jugendliche eintreten. Die Sterbeziffer der Säuglinge sei erfreulicherweise gegenüber der Vorkriegszeit zurück- gegangen. Die Geschlechtskrankheiten hätten in Deutschland nach der Devolution eine erhebliche Ausbreitung erfahren. Deshalb sei das baldige Zustandekommen des Gesetzes gegen die Geschlechtskrankheiten erforderlich. Zum Schluß fetzt sich der Redner für die Aerzteschaft ein, deren Erhaltung im Interesse der Volksgesundheit erforderlich sei. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Schreiber (Z.) spricht über die Medizinalpolitik des Deutschen Reiches. Mit Rücksicht auf die Länder könne allerdings ein Reichsgesundheitsmini st erium nicht gebildet werden. Hungerblockade, verlorener Krieg, passiver Widerstand, Inflation und Stabilisierung hätten eine unerhörte Gesundheitskrise in Deutschland geschaffen. Die Tuberkulosen- Heime müßten auch im Auslandsdeutschtum gefördert werden. Die deutsche Medizin werde an der geistigen Durchdringung von Oesterreich einen hervorragende Anteil nehmen müssen. Ebenso sollten junge Ausländsdeutsche, die in ihren Heimatstaaten medizinische Prüfungen abgelegt haben, sich in deutschen Kritiken betätigen dürfen, auch wenn sie nicht das deutsche Staatsexamen hätten. Fortbildungskurse für das AuS- landsdeutschtum seien eine nationale Rotwen- digkeil. Dem Alkoholproblem könne man nicht teilnahmslos gegenüberstehen. Heuchelei und ülnwahrheit in der amerikanischen Alkohol- gesehgebung sollte man Deutschland ersparen. Aber keine deutsche Kulturpolitik könne die Tatsache übersehen, daß durch Anwachsen des Alko° Holismus die Kulturmission des deutschen Volkes geschwächt werde. Redner lenkt dann die Aufmerksamkeit auf die schwer geprüften Badeorte des besetzten Gebiets. Im Interesse des Deutschtums müßten diese Badeorte nach DerSiebenstaatenflug der deutschenPresse. Berlin, 20. Juni. (Wolff.) Das 3unfers- Jlugjeug ist heule vormittag um 8.50 Uhr auf dem Flughafen Tempelhos ;u dem Sieben-Staatenslug der deutschen Presse bei strömendem Regen auf- geftiegeu. Die an dem Fluge teilnehmenden Pressevertreter haben kurz vor dem Start folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten v. Hindenburg, Berlin, abgesandt: Die am Sieben-Staatenfluge teilnehmenden Vertreter der deutschen und österreichischen Presse entbieten Ihnen beim Start ehrfurchtsvollen Gruß. Ferner wurden Telegramme an den Reichskanzler Dr. Luther, Ministerialdirektor Dr. Kiez, Pressechef der Reichsregierung, Präsident S a h in - Danzig, Minister Ludwig- Wien, an den Außenminister Schwedens-Stockholm, den Außenminister Dänemarks-Kopenhagen, den Außenminister Ungarns-Budapest und den Bundesrat in Bern sowie an Professor Junkers-Dessau abgesandt. Zwischen and^ng au? Rügen Saßnitz (Rügen), 20. Juni. (T U.) Rach glänzendem Start in Danzig und schönem Flug bis zum StettinerHaff setzte plötzlich dichter Rebel ein, der sich über Rügen soweit steigerte, daß die lleberquerung der Ostsee dem erfahrenen und vorsichtigen Piloten nicht geraten erschien. Infolge- des'en mürbe eine Zwischenlandung auf Rügen beschlossen, die 6.20 Uhr zwischen Jagdschloß Granitz und Sellin auf Gronitzer Feldmark glatt ersolate. Die Passagiere naßmenjne Landung zum Anlaß, Vergleiche zwischen dem Siebenstaatenslug und Amundsens Rordpolflug in humorvoller Weise aufzustellen. Die Sie^enstaaten-Ftteger in Kopenhagen. Kopenhagen, 22. Juni. (TU.) Da sich am Sonntagvormittag über Rügen ein starkes Nebellager zeigte, günstigere Wetternachrichten aber aus Malmö und Kopenhagen eintrafen, startete das Großflugzeug des Sicbenstaaten-Fluges nach 3 Uhr zur Weiterfahrt nach Kopenhagen. Es hatte anfangs noch mit niedrigen Wolken unbjtarfcn Böen zu kämpfen. Nach der ersten halben Stunde besserte sich das Wetter und der Flug ging über klarer See in wundervollem Sonnenschein über Wolken und Regenböen hinweg in 1000 Meter Höhe mit ruhiger Stetigkeit auf Malmö zu, wo über Stadt und Flugplatz eine Schleife gefahren und Meldebeutel mit Post und Luftgrüßen an den schwedischen Postminister I u h l i n und die schwedische Presse abgeworfen wurden. Um 15 Uhr landete das Flugzeug in Kopenhagen. Die Flugzeit betrug 1$ Stunden. Dieser Sonntagsflug war infolge der Besserung des Wetters, der reizvollen Abwechslung von Landschaft und See an der vielgestaltigen Südküste Skandinaviens bisher der interessanteste Teil der großen Luftreise. Nach Angabe des Flugzeugführers Horn arbeiten die Maschinen in immer planmäßiger Sicherheit. Die Motoren find ausgezeichnet intakt. Nach derAnkunft des Großflugzeuges vom Sie- benstaaten-Flug fand eine Rundfahrt durch die Stadt Kopenhagen statt. Im Anschluß daran empfing der dänische Journalistenoerband die Teilnehmer zu einem Festessen in seinem schönen Heim, bei dem Redakteur Breidal im Namen des dänischen Journalistenoerbandes Gruß und Willkomm entbot und die Hoffnung aussprach, daß dieser Flug die Beziehungen zwischen Dänemark und Deutschland befestigen möge. Schriftsteller Roth- München dankte im Auftrage der Flugteilnehmer für die überaus herzliche Aufnahme und gedachte der Unterstützung, die von Dänemark aus deutschen Kindern in der Zeit schwerer Not zuteil geworden ist. Botschaftsrat Dr. W e i ß ä ck e r überbrachte die Grüße des deutschen Gesandten und des dänischen Außenministers, der dem deutschen Gesandten über den Besuch seine herzliche Freude besonders ausgesprochen habe. Im Namen der ästererichischen Presse sprach Schriftsteller Olden. Er wies auf die Beziehungen hin, die zwischen dem kleinen Staat Oesterreich und seinem nordischen Gegeppol Dänemark bestehen. Im Namen von Prof. Junkers dankte der'Nachrichtenchef der Junkerswerke, von Fischer, den Kopenhagener Gastgebern dafür, daß sie sich das vergebliche Warten am Samstag nicht haben verdrießen lassen. M leit von deutsche:. Aerzten empfohlen und von utschen Leibenden besucht werden. Abg. Dickes (D. Vpt.) b.z.ichnet e' auch künftig als dringende Pflicht der Re evung, gegen die Ausbreitung der Geschlecht^krank- heiten sich mit allen Mitteln zu wenden und fordert ein Bewahrungsgeseh für die Jugend. Der Redner dankt bann den fremden Stauten, die wie Amerika, Schweden usw. der deutschen Jugend durch Kinderspei's ungen in schwerer Zeit geholfen haben. (Beifall.) Künf- tig müsse Deutschland sich aber selbst Helsen und cs müsse eine Jugend heranziehen, die imstande fei, Deutschland in der Welt wieder die Stelle zu verschaffen, die ihm zukomme. Da es heute keine allgemeine Wehrpflicht mehr gebe, müßten von der Regierung alle Bestrebungen auf sportlichem Gebiet tatkräftig unterstützt werden. Die Jugend müßte auch besonders vor den Gefahren des Alkohols gewarnt werden und auf diesem Gebiet werde die Deutsche Volkspartei ihre Mitarbeit nicht versagen. Geheimrat Hamel vom Reichsinnenmini- rium betont, daß das Ministerium nicht aufhören werde, mit gewohnter Energie auf dem wichtigen Gebiete der Volksgesundheit zu arbeiten. Eine auf Veranlassung des Zentralausschusses für die Auslandshilfe veranstaltete Rundfrage habe ergeben, daß 21 Prozent der Schulkinder speifebedürftig, 25 Prozent erholungsbedürftig und 18 Pro?. unterernährt wären. Besonders auffällig sei, daß jetzt viebe Kinder mit Kropf behaftet seien. Wenn hier Zahlen über Geschlechtskrankheiten genannt sind, so dürfe doch die Tragik nicht übertrieben werden. Das kommende Gesetz gegen die Geschlechtskrankheiten werde f. d. Volksgesundheit beste Dienste verrichten. Was den Geburtenrückgang anbetreffe, so werde bei einem gesunden vorwärtsstrel enden Voll, vier Kinder den Grundstock der Familie bilden müssen. Bezüglich der von dem Abg. Moses (Soz.) angeregten Aufklärung breitester Volksschichten über gesundheitliche Probleme durch große Veranstaltungen und Vorträgen rfTärt der Regierungsvertreter, daß der Verband der Deutschen Krankenkassen diesen Gedanken mit Begeisterung aufgegriffen habe und in seiner Durchführung von der Regierung unterstützt werde. Abg. Frau Arends en (Komm.) nennt die im Etat des Gesundheitswesens eingesetzten 1V2 Millionen einen ganz geringen Betrag, aus dem die Masse des Volkes auch schon ersehen könne, daß sie von solchen Etatsberatungen nichts zu erwarten hätte. Für die Bekämpfung der schweren ansteckenden Krankheiten, insbesondere der Tuberkulose, fordert die Rednerin Zulassung der Mitarbeit der Arbeiterschaft, vertreten durch die Gewerkschaften und Betriebsräte. Hm den großen Kamps um seine Befreiung führen zu können, müsse das Proletariat los vom Alkohol, der es zu Sklaven der Besitzenden mache. Abg. S p a r r e r (Dem.) bedauert, daß bei der Finanzlage des Reiches die Etatsposition für das Gesundheitswesen nicht die genügende Stärke erfahren könne. Wenn auch die Gesundheitsfrage Sache der Länder sei, so müsse dotch vom Reiche in dieser Angelegenheit mehr Initiative erwartet werden, wozu es ja bas> Reichsgefundheitsamt zur Verfügung habe. Dieses Amt müsse ein Institut der Forschung, Förderung und Befruchtung fein. Diese Aufgabe könne es nicht ausführen, wenn das Besoldungsverhältnis derart fei, daß Autoritäten auf dem wichtigen Gebiete der Volksgesundheit das Amt verließen, weil sie in Privat- diensten besser bezahlt würden. Im übrigen unterstreicht er, daß es notwendig sei, die geplanten Gesetze gegen den Alkoholmißbrauch. Geschlechtskrankheiten und Tuberkulose bald in Kraft treten lassen imb begrüßt, daß die Sterblich- kejtsttsfer im ganzen betrachtet heute noch unter die der Vorkriegszeit herabgesunken fei. (Beifall links.) Aus Antrag des Abg. Dittmann (Soz.), der sich dagegen wendet, daß eine so wichtige Materie vor leerem Hause verhandelt werde, vertagt sich das Haus um 5.30 Hhr auf Montag 2.30 ilßr. M "Ne politische Nachrichten. Mit dem General öfu’ Stzu Tseng, dem Generalsekretär des chinesischen Präsidenten, an der Spitze, ist gestern abend eine große chinesische Delegation, die aus Politikern, Militärs und Technikern- besteht, in Berlin eingetroffen. Tie Delegation, die bereits Italien, England und Frankreich besucht bat, wird sich ungefähr 3 bis 4 Wochen in Berlin aufl)alten. Sie wird die staatlichen, sozialen und industriellen Einrichtungen studieren und Reisen in alle großen Städte des Reiches unternehmen. General Hsu Shu-Tseng nahm in dem Gebäude der chinesischen Gesandt- feßaft Wohnung. * Die Delegierten von 48 Hochschulen haben eine Abordnung zum Außenminister und zum Kriegsminister entsandt, die die Forderung erhoben hat. daß die diplomatischen Beziehungen zu ©roßbritannien abgebrochen werden sollen. * Nach einer Havasmeldung aus Madrid nrirb der Zeitung „El Debate" aus Valencia gemeldet daß unter der Leitung deutscher Sachverständiger binnen kurzem in den Werften von Valencia der Bau von Unterseebooten begonnen werde, die für die spanische Flotte bestimmt seien. Aus aller Welt. Zwei Arbeiter auf einem Schiffe verbrannt. Auf einem Motorschiff.geriet bei Düsseldorf plötzlich ein Teil der Ladung, die ans 1200 Kilogramm Filmabfällen bestand, in Brand. Zwei im Laderaum beschäftigte Arbeiter kamen in den haushoch em Vorsteigenden Flammen um. Der Kapitän rettete sich dadurch, daß er über Bord sprang. Entdeckung der dritten Stadtmauer von Jerusalem. Wie die Londoner Times in einem Telegramm aus Jerusalem vom 16. Juni berichten, ist es einer englischen Expedition gelungen, in Jerusalem zwischen der englischen St. Georgskathedrale und dem italienischen Hospital lange Strecken einer Stadtmauer aus der Zeit des Königs Herodes zu entdecken. Es handelt sich um die dritte Mauer, von der Iosephus berichtet. In einer Nische der Mauer fand man ein Mosaik im byzantinischen Stil und ebenso die Inschrift einer Nonne. Die erste Stadtmauer Jerusalems stammt aus der Zeit des Königs Salomon und reicht vom Tor Davids bis $um Tempel. Die zweite Stadtmauer bestand zur Zeit Jesu und ist in ihrem genauen Verlauf noch nicht vollkommen festgelegt. Die dritte Stadtmauer wurde auf gebaut, als die Juden sich zum Kampf gegen die Römer rüsteten und wurde bei der Zerstörung Jerusalems niedergerissen. Aeberschwemmungskalaslrophe in Celebes. Wie aus Makassar (Celebes) gemeldet wird, haben in der Nähe von Makassar große Ueber- schwemmungen stattgefunden. Mehrere Gebirgsflüsse sind über die Ufer getreten. Fünf Dörfer wurden fast gänzlich vom Wetter w e g g e f p ü 11. Der Schaden an Gebäuden und Vieh ist sehr groß. Nach den bisherigen Meldungen sind 13 Leute ertrunken. Kunst und Wissenschaft. Vom hessischen Landestheater. Das anderwärts viel gespielte Schauspiel des Engländers Sutton Baue ,,U e b e r f a 1) r t" hatte bei seiner Erstaufführung im Hess. Landestheater keinen rechten Erfolg, trotzdem sich Regie und Darsteller stark dafür einsetzten. Der erste Akt wurde kühl, die anderen etwas wärmer ausgenommen. Deutsche Wissenschaftler in Mexiko. Die deutsche wissenschaftliche und industrielle Mission, die über 100 hervorragende Mitglieder umfaßt, ist in Veracruz eingetroffen Präsident Calles stellte der Mission einen Sonderzug für die von der mexikanischen Regierung veranstaltete Fahrt durch Mexiko zur Verfügung. Wettervoraussage. Borwiegend beiüölft, nördliche bis westliche Winde, kalt, Neigung zu Niederschlägen. Das Tief liegt heute über Mitteleuropa und ist int Begriff, sich weiter aufzusüllcn. Von Norden strömt kalte Luft ein und bewirkt bei bedecktem .Himmel abermalige Abkühlung. Es scheint, als ob wir erneut einer Hochdrucklage entgegengehen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. Juni 1223. ** Die Vergnügungssteuer. Dis Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkimdi- gungsblatt den Bürgermeistereien der Landgen'sin- den des Kreises bekannt, es habe bet Stichproben festgestellt, daß in vielen Gemeinden von dem Rechte der Erhebung von Vergnügungssteuern immer noch nicht in der oorgeschriebenen Weise und in dem gesetzlich möglichen Maße und Umfange Gebrauch gemacht wird. Das Kreisamt sieht sich daher veranlaßt, erneut darauf hinzuweisen, daß es unter feinen Umständen geduldet werden farm, daß in Zeiten, in denen vom Reich, Land und nicht zuletzt auch von den Gemeinden die allgemeinen Steuern, deren Entrichtung sich niemand entziehen kann, in der denkbar schärfsten Weise ersaßt werden müssen, Steuern unerhoben bleiben, deren Entrichtung insofern eine freiwillige ist, als es in das Belieben jedes einzelnen steht, an einer steuerpflichtigen Der- anstaltuna teilzunehmen oder nicht.-Um in Zukunft jeglichen Zweifel über den maßgebenden'Gesetzestext zu vermeiden, veröffentlicht das Kreisamt in der gleichen Ausgabe des Amtsverkündigungsblattes die reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Vergnügungssteuer mit dem Hinweis, daß diese zur Zeit in allen Gemeinden, in denen feine besondere Steuer ordnung über die Vergnügungssteuer in Geltung getreten ist, Gültigfeit haben. Besonders macht das Kreisamt noch darauf aufmerksam, daß es sich bei allen Steuerbeträgen der Steuerordnung um unbedingt zu erhebende Mindestsätze handelt, die jederzeit durch Erlaß einer besonderen Ortssatzung erhöht werden fönnen. Von der Möglichkeit des § 24 der Bestimmungen bezüglich des Erlasses ober der Erstattung von Vergnügungssteuer empfiehlt bas Kreisamt, nur in ganz besonderen Notfällen Gebrauch zu machen. ** En blich! Rach wochenlanger Trockenheit, die dem Landmann schon erhebliche Besorgnisse um seine Aussaaten einflößte, ging am Samstag abend und gestern nachmittag ein mehrstündiger erquickender Landregen nieder, der in Feld und Garsten gleich vorteilhaft gewirkt hat. Die ärgsten G.rgen um den Feldbau sind damit zunächst mal behoben, es wäre aber doch zu wünschen, daß noch einige Erfrischungen dieser Art bald nachfolgen und im übrigen die Tem- peratur sich etwas sommerlicher gestaltet, als wir sie heute zu verzeichnen haben. Trotz des gestrigen Regens wurde die Ruderregatta aus der Lahn Programmgemäß durchgeführt, dagegen ließ der Leiter der Waldbühne in guter Vorahnung des feuchten Ereignisses schon gestern mittag die für die Rachmittagsstunden voige- sehene Aufführung „im Hinblick auf das unsichere Wetter" absagen. Falsche Rentenmarkscheine. Wie das Frankfurter Polizeiprüsidum mitteilt, sind von den Rentenmarkscheinen zu 50 Mark aus der Serie P 378 mit drei nachfolgenden Ziffern zahlreiche gefälschte Scheine in Frankfurt a. M. in Umlauf. Es empfiehlt sich daher, bei der Annahme derartiger Rentenmarkscheine besondere Vorsicht walten zu lassen. *’ I m Goethe-Bund veranstaltete am Freitag abend die Mandolinen- und Gitarren- vereinigung R e a p o I i t a ein eindrucksvolles Konzert. In exaktem Zusammenspiel trug sie eine Reihe der schönsten Stücke der Mandolinenliteratur vor, deren tadellose Ausführung von der hingehenden Arbeit des Leiters. Herrn Sonntag, nachdrücklich zeugten. Mit Sicherheit folgten die melodietragenden Mandolinen und die begleitenden Gitarren der fein abgestimmten Klang- und Tempogestaltung des Leiters. Das Sarge- botenc war mannigfaltig, Märsche und Tänze wechselten mit Liedern. Phantasien und Potpourris: aus der Fülle ragte besonders ein russisches Lied hervor, für das man sich keine passendere Instrumentierung denken könnt? als die hier mit den Lauten gegebene, und nicht zuletzt eine flotte Marschkomposition des Leiters selbst. Angler -- Versammlung. Der Anglersport-Derein und der Angler-Klub Gießen hielten in dem Gasthaus „Zur Lahn- lust" eine Versammlung ab, in der u. a. ein Vortrag des Gauvorsihenöen G. Funk-Hanau über . Krankheiten der Süßwasserfische in unseren heimischen Gewässern" die Versammelten be- schäftigte. In seinen sehr sachverständigen Ausführungen ging der Vortragende auf alle Fragen ein und gab wertvolle Aufschlüsse, die allseits mit Interesse zur Kenntnis genommen wurden. Der Referent hob besonders hervor, daß auch die zuständigen staatlichen Behörden in Gemeinschaft mit berufenen Fachleuten aus den Kreisen der Sportangler die Bekämpfung der Ursachen der Krankheiten übernehmen müßten, da die Fischereibewirtschastung genau so im Interesse der Volkswirtschaft liege, wie die Land- und Forstwirtschaft. Im übrigen trat der Vortragende für einen engen Zusammenschluß aller Sportangler im Deutschen Anglerbund ein, de^ heute bereits über 150 Vereine mit etwa 12 000 Mitgliedern umfasse. ** Pers onalie. Der Landmesser Hermann König zu Ridda wurde mit Wirkung vom 1. Juni ab zum Oberlandmesser ernannt. " Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 361 Ochsen, 42 Dullen, 846 Färsen und Kühe, 643 Kälber, 90 Schafe und 3736 Schweine. Bornottzen. Lageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Wege zu Kraft und Schönheit". — Aus dem Stadtthea terbureau wird uns geschrieben: Auf die morgige Aufführung des Schwankes „Die vertagte Rächt" von Arnold und Bach fei nochmals aufmerksam gemacht. In Hauptrollen sind beschäftigt die Herren Goll, Rorsolk, Baste und Volck, sowie die Damen Andre. Reffen, Heym, Iüngllng und Marcks. Kreis Schotten. Schotten, 20. Juni. Vom Postamt Schotten wird uns geschrieben: Im „Gießener Anzeiger" ist die Nachricht enthalten, daß die zwischen Schotten und ^Ilrichstein verkehrende Autopost von jetzt ab täglich zweimal fährt. Die Angabe ist unrichtig. Die Auto- post verkehrt vorerst täglich nur einmal mit den seitherigen Fahrzeiten, auch Sonntags. Ob die angeregte zweite Verbindung zwischen Schotten und Ulrichstein zur Ausführung kommt, kann heute noch nicht übersehen werden. Die beteiligten Gemeinden müssen sich zunächst noch über die zu zahlenden Zuschüsse einigen. „ ?“ Eichelsdorf, 20. Juni. Die Mäd -> chenfortbildungsschufe hat in der bäu* ccli schen Bevölkerung ihre st ä r k st en Gegner. Das kam seither dadurch zum Aus- f>tud daß sich die Demeindevorstände weigerten, die Mittel zur Beschaffung der verlangten Mähmaschine zu bewilligen. Nachdem aber bi2 Gemeinde RüdingShain durch Beschluß des KreisausschusseS zur 2lnschaffung einer Nähmaschine verurteilt wurde, werden die noch rüd- flänbigen Gemeinden gut daran tun, ihren Widerstand aufzugeben, um sich weitere Kosten au ersparen Auch die hiesige Gemeinde hat sich ent- schlossen, die für den Handarbeitsunterricht ge- sorderte Nähmaschine zu beschaffen. — 3m Maschinenbaus Ides H imm lbachschen Sägewerks brach heute mo.ge.r. ol,ne daß die Ursache bekannt ist, Feuer aus. Die Feuerwehr des Werks trat sofort in Tätigkeit und die hiesige Wehr eilte zur Brandstätte. Das Feuer konnte bald gelöscht werden, bevor es Geleg?nhrit fand, auf das lagernde Holz überzuspringen. • Gonterskirchen, 20. 3uni. Bei der hiesigen Bürgermeisterwahl erhielt der seitherige Bürgermeister Lind HZ Stimmen. Beigeordneter Gras 212 Stimmen. Don 350 Stimmberechtigten machten 329 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Äreis Alsfeld. fc* AlSfeld. 21. Juni. (Deigeord - netenwahl.) Am heutigen Sonntag fand hier Mc Wahl des 1. Beigeordneten statt. Es standen sich zwei bürgerlich« Kandidaten gegenüber, der seitherige Beigeordnete Kaufmann und Färber eibesiher Karl Weitz und Glasermeister Ernst Lenth. Nach einem sehr heftigen Wahlkamps, der schließlich die Formen persönlicher Derunglimpfungen annahm, wurde der seitherige Beigeordnete W e i tz mit 1279 Stimmen wiedergewählt, während sein Gegenkandidat Ernst Lenth nur 567 Stimmen auf sich vereinigte. Don 3106 Wahlberechtigten machten nur 1853 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Sozialdemokratie hatte von der Ausstellung eines eigenen Kandidaten abgesehen und unterstützte den seitherigen Beigeordneten Weih, ebenso &ic Demokraten und das Zentrum, während der von den wirtschaftlichen Dereinigun- gen der Stadt aufgestellte Gegenkandidat Lenth von den Deutschnationalen und der Deutschen Dolkspartei unterstützt wurde. D Groh-Felda, 21. Juni. Die Volkszählung ergab in unserem Flecken 1026 Einwohner. Das bedeutet seit der letzten Zählung eine Zu- nähme von 66 Einwohnern. — Unsere vor kurzem in Betrieb gesetzte A u t o l i n i e erfreut sich stets wachsender Benutzung. Durch diese nun so günstige Verbindung Groh-Feldas mit der Bahnstation Ehringshausen wird sich hoffentlich auch der F r e m- denoerkehr in diesem Jahre mehr heben, so dah der vor dem Kriege, infolge seiner prächtigen Loge in dem herrlichen Feldatal, von Erholungsbedürftigen, Sommerfrischlern und Touristen gern besuchte Flecken wieder seine alte Bedeutung gewinnt. — Ihre goldene Hochzeit feiern heute die Eheleute Friedrich Figge und Frau in voller geistiger Frische. KrciS Lauterbach. • Lauterbach. 21. 3uni. Heute sand hier die Wah I des er ft en Beigeordne- t e n statt. Der bisherige Beigeordnete Iohannes Möller 10., der das Deigeordnetenamt schon seit 21 Jahren innehatte, wurde ohne Gegenkandidaten einstimmig auf die Dauer von sechs Jahren wie der gewählt. Don zirka 3100 Stimmberechtigten gingen 577 zur Wahlurne. * Angersbach. 21. Juni. Bei der heutigen Dürgermei st erwähl wurde der seitherige Bürgermeister Nodemer wieder- gewählt. • Maar, 21. Juni. Die heutige Bürger- m e i ster wähl ergab die Wiederwahl des seitherigen Bürgermeisters Weller. Kreis Wetzlar. t Wetzlar, 20. 3uni. Der Provinzialaus- schuh der Nhcinprovinz hat auf Grund der Dieh- seuchenentschädigungssahung für das Rechnungsjahr 1925 die Versicherungsbeiträge für Pferde, Fohlen und Esel auf 1 Reichsmark und für Rindvieh auf 55 Pfennig für das Stück festgesetzt. Auf die Versicherungsbeiträge werden Vorschüsse erhoben. Di: Aufnahme des abgabepflichtigen Diehstandes findet im Juli statt. — Die Handwerkskammer zu Koblenz erhebt für das Rechnungsjahr 1925 folgende Beiträge: Für den Meister 8 Mark, für den Gesellen (Gehilfin) 4 Mark und für den Lehrling (Lehrmädchen) 2 Mark. — Die Jahr- toufenbf eier der Rhein lande wird auch in den Gemeinden deS hiesigen Kreises festlich begangen werden. Die Gemeindebehörden haben Anweisung, allen anläßlich der 3ahrtausendfeier geplanten Dereinsver» an Haltungen ihr bes anderes Interesse zuzuwenden. Die Lehrerschaft und die tn Frage kommenden Dereine werden durch gemeinsame Feiern in jeder Gemeinde den Gedenktag zu einer großen Kundgebung für den Reichsgedanken ausgrstalten. um damit das Zusammengehörigkeitsbewußtsrin zu stärken. Der Schulunterricht fällt an dem Gedenktage aus. d. Aus dem Hüttenberg, 21. Juni. Die Erwartungen, die man auf die diesjährige Reh» b o ck j a g d gesetzt hotte, haben sich nur in geringem Umfange bestätigt. Nur in ganz seltenen Fällen hört man, daß ein guter Bock geschossen wurde. Es mag dies wohl aber daher kommen, daß die alten Böcke jetzt sehr heimlich sind und meistens in den Getreidefeldern stecken. Die Gehörnbildung bei den Böcken ist im allgemeinen gut, wozu der milde Winter mit beigetragen haben mag. Jäger, die noch einen guten Bock schießen wollen, setzen ihre Hoffnung auf die Blattzeit Ende Juli und 'Anfang August. Die bis jetzt geworfenenJunghasen sind durch dos trockene Wetter durchweg, gut ausgekommen, so daß man von einem guten Hasenjohr sprechen kann. Das im Winter in einzelnen Waldungen des Hüttenbergs zahlreich aufgetretene Schwarzwild scheint sich als Standwild einzunisten. Noch immer kann man beobachten, daß es nachts auf Feldern und auch in Waldungen frisch gebrochen hat. Auch Raubwlld, insbesondere Füchse, sind stark vertreten. d. Hörnsheim, 21. Juni. Zum Orts- diener der hiesigen Gemeinde wurde der Landwirt Heinrich Jakobi von der Gemeindevertretung gewählt. Jakobi hat dos Ortsdieneramt schon früher lange Jahre vor dem Kriege und auch noch während der ersten Sriegsjohre zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde versehen, mußte es aber damals mit Rücksicht auf seine Gesundheit aufgeben. — Die hiesige Gemeinde hat den Erlaß eines Straßen- und Baufluchtlinienplanes beschlossen, den der Landmesser D e rg von Wetzlar bei Durch- führung der wirtschaftlichen Umlegung der Grundstücke seinerzeit ausgestellt hat. Gegen den Plan hat ein Ortseinwohner Einspruch erhoben, über den der Kreisausschuß zu Wetzlar entscheiden wird. b. Aus bem Kleebachtal, 19. 3unt Wie selten in einem 3ahre hat in biefem 3ahre bic Heuernte allgemein früh eingesetzt. 3n wenigen Tagen war bas Heu aus sämtlichen Wiesengrünben, begünstigt durch das heiße Wetter, unter Dach und Fach gebracht. Die Heuferien an den Schulen haben früher begonnen, damit die Schulkinder ihren Eltern bei der Einbringung der Heuernte behilflich sein konnten. So sehr die heißen Tage den Landwirten auf bet einen Seite zugute tarnen, so sehr schaden sie ihnen aber auch auf der andern Seite. Nirgends hat man bis jetzt wegen der großen Trockenheit Runkel- und Futterrübenpflanzen sehen können. Man kommt hierdurch mehr auf das bisher nur einzeln geübte "Verfahren, Runkelrüben schon im Frühjahr gleich auf die Felder auszusäen, das heißt, sogenannte „Kernenbidwurzeln"" tu stecken. — Die Hoffnungen, die man auf die diesjährige Kirschen- ernte gesetzt hatte, haben sich nicht erfüllt. Der Behang der Kirschbänme ist ein ganz geringer; außer Frühkirschen, die etwas besser hängen, kann von einer nennenswerten Kirschenernte nicht die Rede sein. d. Oberkleen, 20. 3uni. Die Vereinigten Werke sür Bahnmaterial, A. G , zu Butzbach haben ihre in der hiesigen Gemarkung gelegene Fabrikanlage (die ehemalige Pulverfabrik) zum Teil wieder in Betrieb gesetzt. Während früher eine größere Anzahl Arbeiter in bet Fabrik beschäftigt war, sind jetzt nur wenige Arbeiter tätig, die dem Hauptwerk der Bomag-Meguin, A. ©., zu Butzbach entnommen sind. Die vollständige Wiederaufnahme des Betriebes würde von der arbeitenden Bevölkerung der hiesigen Gemeinde sowie der Nachbarorte mit Freuden begrüßt werden, da viele Arbeiter arbeitslos sind und ein großer Teil sich Arbeit an entfernten Arbeitsstellen suchen muß. d. W e i d e n h a u s e n, 21. 3uni. Die Landwirte der hiesigen Gemeinde hoben sich zu- fammengetan und einen Viehversicherungsverein auf Gegenseitigkeit gegründet. Hessen-Nassau. - Königsberg, 20.3uni. Gestern verunglückte auf der hiesigen Grube em Elektro-Monteur von Marburg durch Sturz im Maschinenhaus. Der Mann fiel 4 Mtr. tief und zog sich außer einem Beckenbruch innere Verletzungen zu, so daß er nach Marburg in die Klinik überführt werden mußte. — Die hier herrschende Rotlaufseuche hat vielen Landwirten beträchtlichen Schaden verursacht. Vielfach waren ganze Bestände gefährdet, die man aber durch Impfen erhalten konnte. Auch sind Notschlachtungen in letzter Zeit an der Tagesordnung. Ruder-Regatta in Gießen. Die Gießener Ruder-Gesellschaft 1 87 7 hatte mit ihrer gestrigen 21. Ruder- Regatta auf der Lahn wieder mal ein sehr 'bedauerliches Pech. Nicht in sportlicher Hinsicht, denn der gebotene Sport war gut und fand auch verdientermaßen volle Anerkennung, und überdies konnte der veranstaltende Verein mehrfach siegreich aus den Kämpfen hervorgehen. Aber das Wetter! Der bei den Regatten der Rudergesellschaft fast schon totsichere Regen stellte sich auch gestern pünktlich bei Regattabeginn ein und hielt in Form eines Landregens ununterbrochen bis über das Regatta-Ende hinaus an. Dadurch wurde der geseUschaftliche und natürlich auch der pekuniäre Verlauf des bemerkenswerten Ruderfestes erheblich beeinträchtigt. Die sportfreudige Stimmung in der an beiden Lahnufern versammelten Sportgemeinde ließ sich aber erfreulicherweise durch die Unbiiben des Wetters nicht unterliegen, getreulich hielten die meisten der Besucher trotz der andauernden Befeuchtung von oben bis zum Schluß aus, um mit starkem Interesse dem Verlauf der einzelnen Rennen zu folgen. Die KapeUe Topp sorgte dazu für eine sehr gute Unterhaltungsmusik. Sportlich bedeutet die gestrige Veranstaltung trotz des regnerischen Mißgeschicks einen starken Erfolg, insbesondere für unseren heimischen Rudersport, der sich in sehr guter Form präsentierte. — Die Rennen führten über zirka 2000 Meter. Dorrennen. Iungmannen - Einer. 1. Rennen: 1. Offenbacher Ruderverein 1874 (Braun): 8.15,6. 2. Ruderklub Kurhessen, Kasse! (Kienzler): 8.25,8. Braun führt bald und gewinnt überlegen. — 2. Rennen: 1. Hanauer Rudergesellschaft 1879 (Krolikowski): 8.35. 2. Gießener Rudergesellschaft 1877 (Müller): 8.45. Lebhafter Kampf über den größten Teil der Bahn. Krolikowski siegt mit !’/• Längen voraus. Junior-Achter. 1. Rennen: 1. Ruderverein Kassel. 6.39. 2. Wetzlarer Ruderklub. 7.23,2. Kassel liegt weit vor und gewinnt ganz nach Belieben. — 2. Rennen: 1. Kölner Rudergesellschaft 1891: 6.22. 2. Frankfurter Ruderklub 1884 : 6.32. Köln gewinnt nach schönem Endkampf sicher mit einer Länge. Zweiter Vierer. 1. Rennen 1. Limburger Ruderklub 1907 : 7.01. 2. Hanauer Ruder- gesellschafl 1879: 7.03,4. Scharfes Rennen, das von Limburg mit einer halben Länge vor gewonnen wird. — 2. Rennen: 1. Rudersportverein Teutonia, Frankfurt: 7.13. 2. Ruderklub Kur- hessen, Kassel: 7.17,4. Teutonia liegt in Führung und führt den Sieg mit gut zwei Längen sicher nach Hause. Iungm-annen - Vierer. 1. Rennen: 1. Marburger Ruderverein 1911: 7.06. 2. Wetzlarer Ruderklub: 7.19. Marburg führt anfangs knapp, gewinnt dann mehr Vorsprung und siegt sicher. — 2 Rennen: 1. Gießener Rudergesellschaft 1877: 7.25 2. Verein Rudersport 1913: 7.35. Beide Boote liegen scharf nebeneinander, dann zieht die Gesellschaft langsam, aber sicher vor und gewinnt das Rennen nach scharfem Endspurt. Einer (Lahnpokal). 1. Rennen: 1. Gießener Rudergesellschaft 1877 (Georgi): 7.28,4. 2. Offenbacher Ruberverein 1874 (Drau n): 7.54 Georgi führt über die ganze Bahn und gewinnt ganz überlegen. — 2. Rennen: 1. Frankfurter Ruderklub 1884 «Kraft): 8.07.4. Kraft geht allein über die Dahn Iungmann-Dierer - Gefallenen- Gebächtnis-Rennen. 1. Rennen: 1. Marburger Ruderverein 1911 7.29.6 2. Ruderklub Kurhessen. Kassel: 7.29. Lebhafter Kampf über die ganze Bahn. Kurhessen siegt schließlich mit etwa 2 Meter Vorsprung, wird aber wegen Behinderung seines Gegners vom Schiedsrichter ausgeschlossen, so daß Marburg den Sieg verbuchen kann. — 2 Rennen: 1. Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen: 7.16. 2. Wetzlarer Ruderklub: 7.47. Sachsenhausen führt von Anfang an und siegt überlegen. Junior-Vierer. 1. Rennen: 1. Ruderverein Bad Ems: 7.22.4. 2. Verein Rudersport 1913 Gießen: 7.25.4. Teilweise scharfer Kampf auf der Strecke, Ems gewinnt mit einer Länge voraus. — 2. Rennen: 1. Frankfurter Ruderklub 1834 : 7.12 2 Ruderverein Kassel: 7.15. Kampf auf der ganzen Strecke. Nach schärfstem Endkampf macht Frankfurt das Rennen mit einer halben Länge Vorsprung. — 3. Rennen: 1. Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen: 7.03. 2. Ruderklub Möve. Groß-Auheim: 7.09. Sachsenhausen gewinnt überlegen mit drei Längen. Hauptrennen: Jean - Kirch - Gedächtnis • Vierer. 1. Limburger Ruderklub 1907: 7.05,4; 2. Marburger Nuderoerein 1911: 7.09,2. — Scharfer Kampf zwischen Limburg und Marburg über den größten Teil der Bahn. Nach energischem Endkampf siegt Limburg mit knapp 3 Länge Vorsprung. Der 3. Kon- terrent, Ruderverein Bad Ems, gibt bei 1500 Meter auf. Junior-Achter. 1. Kölner Ruder-Gesellschaft 1891: 6.14,4; 2. Nuderoerein Kassel: 6.24,2. — Köln führt über den größten Teil der Strecke und gewinnt überlegen mit gut 2 Längen voraus. Einer (L a h n p o k a l). 1. Gießener Rudergesellschaft 1877 (Kurt Georgi): 7.46; Frankfurter Ruderklub 1884 (Ludwig Kraft): 7.59. — Georgi fuhrt und gewinnt das Rennen ganz überlegen mit etwa 5 Längen vor. Vierer. 1. Kölner Rudergesellschaft 1891: 7.11,2; 2 .Ruderklub Kurhessen Kassel: 7.19,4. — Köln gewinnt das Rennen mit gut 3 Längen Vor. spruna. Achter. 1. Limburger Ruderklub 1907 : 6.43; 2. Verein Rudersport 1913, Gießen: 6.51. — Limburg siegt nach schönem Rennen mit li Längen Vorsprung. Zweiter Vierer. Rudersportverein Teutonia, Frankfurt a. M.: 7.08,8. — Die andere Mannschaft, Limburger Ruderklub 1907, gibt nach etwa 800 Meter auf. Iungmannen » Vierer. Gefallenen- Gedächtnis - Rennen. 1. Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen: 7.02,8; 2. Marburger Ruder verein 1911: 7.20,4. — Frankfurt führt ab Start und gewinnt überlegen. Akademischer Vierer. 1. Gießener Rudergesellschaft 1877: 7.14,4; 2. Marburger Ruder verein 1911: 7.25; 3. Verein Rudersport 1913, Gießen: 7.44,2. — Sehr spannendes Rennen. Gießener Rudergesellschsst führt ab Start, liegt bei 1000 Meter bereits reichlich eine Länge vor, Marburg an zweiter Stelle. Gießener Rudergesellschaft gewinnt das Rennen in prächtiger Form überlegen mit gut 3 Längen. Vierer. 1. Kölner Rudergesellschaft 1891: 7.01,2; 2. Limburger Ruderklub 1907: 7.07,4; 3. Ruderklub Kurhessen, Kassel: 7.20. — Köln führt über die ganze Bahn, ihm folgt Limburg dicht bei, Kassel bleibt zurück. Köln gewinnt das Rennen mit gut einer Länge Vorsprung. Doppelzweier ohne Steuermann. 1. Frankfurter Ruderklub 1884- 7.05,8; 2. Gießener Rudergesellschaft 1877: 7.10,2. — Frankfurt führt über den größten Teil der Bahn und gewinnt das Rennen mit etwa 2 Längen Vorsprung. Jungmannen-Dierer. 1. Marburger Nuderoerein 1911: 7.22,2; 2. Gießener Rudergesell- schast 1877: 7.24. — Das Rennen ist eines der schönsten des Tages. Die Führung wechsest mehrfach über den größten Teil der Bahn. In der Nähe des Zieles kommt Marburg allmählich wieder nach vorne und gewinnt das Rennen in sehr scharfem Endkampf mit knapp wurde von letzterem tn einem Damengambit regelmäßig verteidigt und nach vierstündigem Spiel in etwas besserer Stellung für Orbach abgebrochen, doch dürfte der Gewinn schwerlich zu erzwingen sein. Die Partie Sixt gegen F l a n d e r wurde von ersterem gut behandelt, und in einem Endspiel mit Bauernplus für ihn abgebrochen. Die Partie Dr. Wolff gegen G u t k e w i t s ch wurde in einer Gewinnstellung für ersteren abgebrochen. Spielp r der frankfurter Theater. Opernhaus. Dienstag, 23. Juni: Die Fledermaus. Mittwoch. 24.: Die Walküre. Donnerstag, 25.: Mignon Freitag. 26.: Pique Dame. Samstag, 27.: Tosca. Sonntag, 28.: Die große Unbekannte. — Schauspielhaus. Dienstag. 23.: Der goldene Schnitt. Mittwoch, 24.: Der goldene Schnitt. Donnerstag, 25.: Sechs Personen suchen einen Autor. Freitag, 26.: Der goldene Schnitt. Samstag, 27.. Einer von unsere Leut. Sonntag, 28.: Siner von unsere Leut. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Dienstag. 23. Juni. 12 Uhr: Nachrichtendienst. 3 und 4 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 4.20 Uhr: Nachrichtendienst 4.30 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Schlager 6 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Soll und Haben" von Gustav Hreytag (Fortsetzung). 6.30 bis 7 Uhr: Die Bücherstunde. 7 biS 7.30 Uhr: Funkhochschule, Vortrag von Prof. Künhel: „Aus der Geschichte des deutschen Unternehmertums" (11. Abt. vierter Vortrag). 7.30 biS 8 Uhr: Funkhochschule, Prof. Dr. Bethe unkt Privatdozent Dr. Steinhaufen „Gespräche über Lebenserscheinungen, IV. Wärmeregulation". 8 bis 8.30 Uhr: Uebertragung von Kassel: Stunde der Stadt Kassel. — Vortrag von Prof. Dr. Soeder: „Haus und Wohnung". 8.30 Uhr: Musikalische Stilgeschichte in praktischer Darstellung. Vierter Abend — Anschließend: Nachrichtendienst, Wettermeldung, Sportbericht. sowie alle Arten v. Hautunreinigkdten, Hautausschlägen, wie BICtchen, Mitesser, etc. verschwind, d. tigl. Gebrauch d. echten Ägxfeenpferd -5easd'jn€feL-Selfe, von Bergmann & Co , Badebenl. Cbcrall zu haben. Kreex-Drog. Angnit Holl Neui’aH-Drog. Hine Holl k. J. Möbs, Seifenfabrik Dreg. Sf. Wallenfels. Drog. Otto Wlnterhoff 46c Man verlange ausdrücklich |Gießener Brauhaus-Pilsener; Pprcnnpnwmifin 4/is u. 5/20 p.s., u,lmh I Ul OUllÖll WSIIIVII Einige Wagen sofort lieferbar 6186D Gießen, den 20. Juni fein! IIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIffTTTTTTr mittags 21/, Uhr statt. 05344 Vermählte 05341 gesucht. 61898 wir sie pflegen. Kukirolen Sie! fa zu H und Scliiinlieil Dieser Film zeigt die wiesen, -aß Millionen kukirolen. Jugendliche haben Zutritt! 6193c )MANNE5MANN berahmten Tänzerinnen Karsavina Hasselquist Impekoven das kochen kann, sofort oder für 1. Juli A N D E R E R Eg-Gu in der lube für den Regenten Modeschuh Eg-Gü-Puderkissen für den Wildleder -u.Ujbvkx/Krh Oü-Putz In der Dose für den einlnben xhwien Schuh Schilling Gießen. zu körperlichen Höchstleistungen der trauernden Hinterbliebenen: Carl Becht. 1925. Anschlagkästen wird verwiesen. Gießen, den 18. Juni 1925. Der Oberbürgermeister. 3. D.: Dr. Seib. im 31. Lebensjahr. Im Namen Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. Juni 1925, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. [05339 Trauung Dienstag, 23. Juni, nachmittags 2 Uhr, Bad-Nauheim, Adlers Kurhotel Dieser Film zeigt die Wege Jakob Adler Rosi Adler geb. Hirschfeld Sie werden dann nicht mehr mit schmerzenden, schwitzenden, wunden und brennenden Züßen durch die Weltgeschichte humpeln, sondern kukirollustig und kukirollachend über Berg und Tal flitzen. Zum Kukirolen gehören natürlich die echten Kuktrol-Präparate, nicht irgendwelche minder» wertige Ersatzmittel. „r. . 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Gestern morgen 8*/2 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden unser lieber Vater, Großvater, Urgroßvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Philipp Döll Zimmermeister im Alter von 80 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Döll. Trohe, Rödgen, Lindenstruth, Burkhardsfelden, Oppenrod, Wieseck, Frankfurt a. M., Dortmund, Gießen, den 22. Juni 1925. Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. Juni, nach- RLtHNE. Eheireunsen in -er Tierwelt. II. Das Gänsepferb. Oas Pferd wird auf Erden allmählich überflüssig. Oie Kavallerie wir- abgeschafst, Postkutsche, Oroschke, Staatskarosse und sogar die Reifevllla des Or. Unblutig sausen als Automobile durch die Gegend, und das Pferdefleisch haben wir uns im Kriege zum Aberüruß gegessen. Damals hieß es Ziegen» oder Kaninchenwurst, oder feinstes dänisches Gulasch. Cs gibt zwarpfcrde,die rechnen und Quadratwurzeln meistern tonnen,aber für die Laufbahn als Malhematikprofessor eignen sie sich nicht so recht,weil sie ihre Kenntnisse nichts nach der vom Kultusministerium vorgeschriebenen und von den Universitäten eifersüchtig gehüteten Studienmethode erworben haben, denn ebenso wichtig wie die Kenntnisse selbst ist eine Bescheinigung darüber, daß sie nicht etwa nur durch eigenes Denken gewonnen, sondern hübsch vorschriftsmäßig elngetrichtert worden sind. , , Gut, wenn ich denn als Proletarier enden und nicht einmal mehr als Rinderbraten geehrt werden soll, so sollen doch wenigstens meine Nachkommen wieder zu Chren kommen, sagte der berühmte Steeplecheaser Abdullah II. . Sie sollen unter die Zlieger gehen, sie sollen pegasussc werden, und Gansebraten ist auch was Gutes. Oas Resultat seiner Erwägungen sieht man hier. Auch der alte Grieche Oädalvs hatte len Ehrgeiz, seinen Sprößling Ikaros als Storch auszubilden, aber das Experiment nahm einen unliebsamen Ausgang, und vorläufig werden wir unsere wohlgeschaffenen §üße noch lange nicht entbehren können. Um so sorgfältiger werden Todes-Anzeige. Heute vormittag 11 Uhr entschlief nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharina Becht geb. Naumann tä" Ernst Faber, Gießen s“w „Ich war am ganzen Leibe mit Oü haftet, welche mich durch das ewige ÄÄ JudenTagundNacht peinigten. 14 Tagen hat Zucker's Patent» Mediztnal-Teife das Übel beseitigt. Diese Seife ist Hunderte wert. Serg. M" Dazu Zuckooh-Ereme (nicht fettend und fetthaltig). In allen Apothelen, Drogerien und Parfümerien erhältlich. lillstein-SehDilte alle Größen lagernd im 846a Modehaus Salomon. Gestern wurde meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Elisabellie HartmaDD geblreiling von ihrem langen Leiden erlöst. Die trauernd Hinterbliebenen: I. d. N. Jakob Hartmann II. Heuchelheim, den 22. Juni 1925. Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. d. Mts., nachmittags 2 Uhr vom Sterbehause (Sandweg 22) aus statt 61B8D Tel. 240 auch nachts miiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiimiii W Fahrräder Empfehlungen Propolis-Salbe (a. Propolis d.Bien). für Beingeschwüre. flechten,Ausschläge, Geschwülste, Jucken, Schmer», sehr wirksam. Dose Äik. 1,60. Nur Hirsch - Apotheke, Gieffen.^v Kukirolen auch Sie! Nicht nur die Süße werden frischer, elastischer, leistungsfähiger, sondern der ganze Körper. Sie wissen ja, wie zerßhlagen Sie sich fühlen, wenn die Süße brennen und schmerzen. Machen Sie den versuch sofort, Sie werden Ursache haben, sich dieses Entschlusses zu freuen. 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Persönliche Ausgaben einschl. der Löhne der Vahnunierhaltungs- u Stadt. v . »Sagen Sie, Fräulein Lisa," setzte der -Sant- direklor fort, »gehen Sie nicht gerne ins Theater?" Fräulein Fob Aoman von Anders E j e. „3m . . . Imperial", antwortete Lisa um> schlug die Augen nieber. Deswegen braucht sie sich doch nicht zu schämen, dachte Herr Fellips. denn das 3mperial galt als das teuerste und eleganteste Hotel der daß sie es ganz gut haben müsse. „Auf welchem Platz s'urd Sie jetzt?" fragte er. - — Fräulein „Vielleicht das ganze Leben lang", wiederholte die junge Dame ernst. Aber innerlich war sie nahe daran, vor Lachen zu zerspringen. (Das wird eine köstliche Stunde für den alten Fili- mon, wenn ich ihm das erzähle, dachte sie.) Herr Fellips setzte fort, wie er begonnen. Er erinnerte das Mädchen daran, dah die Stadt nach der letzten Volkszählung 1525 000 Einwohner zählte und daß die Aussichten für eine •Begegnung ohne Hilfe einer gütigen Vorsehung ähnlich wie im Hasardspiel waren, — ungefähr gleich groß wie die Chancen auf den Haupttreffer in der Lotterie. Er versicherte (und log dabei), daß er nicht ein-, sondern hundertmal die phantastischesten Pläne entworfen habe, um die junge Dame, die jetzt vor ihm stand, zu treffen. Er beteuerte, baß ihre letzte Begegnung ihm eine außerordentlich angenehme Erinnerung hinterlassen habe, und so weiter. Kurz, Herr Fellips machte ganz anerkennenswerte Anstrengungen zu dem Zwecke, daß sich das Fräulein verraten sollte, aber dieses ging in keine seiner Fallen. 3m Gegenteil, es schwelgte in seiner Der-. legenheit und verschmähte es nicht, ihn durch hinterlistige Abschweifungen auf falsche Spuren zu führen: Da er nicht den Mut hat, gerade heraus zu sprechen, dachte sie, trägt er nur selbst die Schuld. Hlnd bewegen sollte er nur gequält werden. Herr Fellips wurde nicht gequält. Aber er sand, daß ihn das Gedächtnis endgiltig und hoffnungslos im Stich gelassen, und tat daher, was er sofort hätte tun sollen Er bekannte Farbe. Das Mädchen antwortete, indem es den Aamen «eines Ortes weit drinnen im Land nannte, und ihre Augen funkelten dabei vor Mutwlllen. Der Dankdirektor runzelte die Stirn. 3n wel- ichern Zusammenhänge nur? . . . Den Ort hatte ex einmal im Sommer ganz flüchtig besucht, nut (für einige Stunden ... Es handelte sich um einen Cisenbahnkauf, die Sache lag eigentlich von Anfang an ganz klar, die Gesellschaft sollte mir der Form halber das Material besichtigen. Vom Eisenerzbergbau. Dem Eisen erzmarkt im Lahn- und D i 11 g e b i e t hat der Monat Mai keine weitere Besserung gebracht. Von den angeblich verbilligten Holzpreisen merkt her hiesige Bergbau nichts. Immerhin ist es den gemeinsamen Bemühungen gelungen, die übersetzten Sprengstoffpreise etwas zu ermäßigen; leider sind andererseits die Zündschnurpreise plötzlich erhöht worden, teilweise über 20 Proz. Die Reichsbahn fängt erneut an, die notleidenden Grubenbetriebe mit weiterer Erhöhung der Lagerplatzmieten und Anerkennungsgebühren zu drangsalieren. Ebenso übersteigt die Gebührenerhöhung in den Gleisanschlußverträgen jedes berechtigte Maß. Die Gleis- unterhaltungskosten sind von 20 Pf. je Meter aus 65 Pf. gestiegen, alsü auf das Dreieinhalbfache. Ferner werden jetzt der Gebührenberechnung höhere Gleislängen zugrunde gelegt als früher. Da in der Frage der Frachtenermäßigung seitens der Reichsbahn nichts geschah, blieb es bezüglich des Absatzes beim alten. Die leichte Belebung des Geschäftes, die hie und da Hoffnungen erweckte, ist bereits wieder erlahmt, so daß die Aussichten für die Zukunft ziemlich trübe sind. — Bei den Siegerländer Gruben ist eine Aenderung gegenüber dem Dor- monat nicht eingetreten. Die geförderten Mengen konnten zwar voll abgesetzt werden, aber die Gruben allen kein Interesse daran, die Produktion zu teigem, da die Verkaufspreise für Eisenstein keinen Nutzen lassen, besonders aber für die mittleren und kleinen Gruben stark verlustbringend sind. Im Berichtsmonat haben deshalb wieder zwei Gruben ihren Betrieb dauernd eingestellt, und weitere Betriebseinstellungen stehen in Kürze bevor, so daß im Lause des Jahres ziemliche Förderausfälle im Siegerländer Bergbau zu erwarten sind. ♦ Die Kohlenförderung des Ruhr bergbaus im Mai. Im Monat Mai wurden auf den Zechen des Ruhrgebiets an 25 Arbeitstagen 8 403 531 Tonnen Kohle gefördert, gegen 8 300 432 an 24 Arbeitstagen im April und 9 261 448 im Mai 1913 (ein Vergleich mit Mar 1924 ist infolge des Streiks nicht angängig). Die arbeitstäaliche Förde- rung stellte sich im entsprechenden Zeitraum auf 336 141 Tonnen gegen 345 851 Tonnen bzw. 381 915 Tonnen. In der arbeitstäglichen Förderung des Monats Mai kommt die seit Januar d. I. infolge Absatzmangels erfolgte Belegschaftsverminderung, die im Mai 10 380 und feit Januar 25 800 Mann betrug, bereits zum Ausdruck. Trotz dieser erheblichen Abnahme des Belegschaftsbestandes hat die Zahl der Feierschichten kaum merklich abgenommen. Die Belegschaftsziffer betrug im Berichtsmonat 449 805 gegen 460 185 im April. Die Kokserzeugung des Ruhrgebietes stellte sich im Mai auf 2 606 380 Tonnen gegen 1 987 088 Tonnen ober 2 089 123 Tonnen im Mai 1913. Die tägliche Kokserzeugung betrug im Mai 64 722 Tonnen gegen 66 236 Tonnen im April oder 67 391 Tonnen im Mai 1913. Die Briketther- stellung belief sich im Mai auf 260 210 Tonnen gegen 276 250 Tonnen im April und 401 497 Tonnen im Mai 1913. Die arbeitstägliche Brikettherstellung betrug in den entsprechenden Zeiträumen 10 408 Tonnen bzw. 11510 Tonnen bzw. 16 557 Tonnen. * Die Abbaumaßnahmen b ei Krupp. Anläßlich der Veränderungen im Krupp-Direktorium wurde bereits bekannt, daß die Firma beabsichtigt, eine scharfe Konzentration ihrer Produktionskräfte unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorzunehmen. Unrentable Betriebe, die mehr aus sozialen Rücksichten durchgehalten wurden, sollen abgebaut, andere, wie aussichtsvolle Werftanlagen, modernisiert werden. Nachdem inzwischen bereits zwei Maschinenbauwerkstätten, der Tender- undSignal- bau, stillgelegt sind, erfährt der D. H. D. jetzt, daß zwei weitere Kleinbaue und vier Feldbahn- Werkstätten geschlossen werden sollen. Durch die allgemeine Absahkrise und die schlechten Der- kaufspreise dürfte die Krupp A. G. in ihrem seinerzeit gefaßten Entschluß noch bestärtt worden sein. Es ist auch wahrscheinlich, daß die auf die Lohnerhöhungen im Baugewerbe sich ■ stützenden Forderungen der Metallarbeiter zur Beschleunigung dieser weiteren Abbaumaßnahmen beigetragen haben. • Th. Goldschmidt A. G-. Essen. Das abgelausene Geschäftsjahr 1924 ergibt nach Ab- zug aller Tlnkosten einen Reingewinn von 219 363 Rm. Hieraus sollen 6 Proz. Dividende auf die Vorzugsaktien verteilt und der Rest von 310 563 Rm. auf neue Rechnung vvrgetragrn werden. 3n ihrem Geschäftsbericht weist die Gesellschaft darauf hin, daß es ihr nur allmählich gelungen sei, sämtliche Betriebe im Laufe des Geschäftsjahres zur geregelten Arbeit zu bringen. Wenn es auch möglich war, dem Betrieb die notwendigen Rohstoffe zuzuführen, so erreichte die Menge der hergestellten Erzeugnisse noch nicht einmal die Hälfte des alten Fric° denssahes. Durch die Ruhrbesetzung sind frühere Auslandsmärkte verloren gegangen die nur mühsam wieder erobert werden konnten. • Das polnische Tabakmonopol importiert deutsche Zigarren. Das polnische Tabakmonopol hat kürzlich 6 Waggon Zigarren aus Hamburg bezogen. Gleichzeitig hat die polnische Zigarrenfabrik in Kosten die Zahl ihrer Arbeiter von 600 auf 100 herabgesetzt. Eine Reihe anderer Fabriken befindet sich bereits außer Betrieb. • Rückgang der amerikanischen Automobilerzeugung. Die Kraftwagenerzeugung der Vereinigten Staaten ist im 3ahre 1924 um 11 Proz. geringer gewesen als 1923 Wirtschaft. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft im Mai. 1 Verkehr und Betrieb. Die Entwicklung des Güterverkehrs im Mai gibt ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Depression des Handels und der 3ndustrie Deutschlands. Wenn auch die Anforderungen an den Wagenpark der Deutschen Reichsbahn im Monat Mai um etwa 128 000 Wagen höher gewesen sind als im Vormonat April, so ergibt sich doch auf den Tages- durchschnitt berechnet im Monat Mai, der einen Arbeitstag mehr» als der Monat April auswies, ein Rückgang im täglichen Güterversand. Diese rückläufige Bewegung tritt im Versand fast aller Massengüter in die Erscheinung. 3m übrigen macht sie sich auch dadurch bemerlbar, daß viele Industrien, die früher Rohstoffe oder Erzeugnisse in Wagenladungen bezogen o’ler absehen konnten, hei den ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf die Stückgutbeförderung zurückgreifen müssen. Der Stückgutverkehr hat sich infolgedessen lebhafter gestaltet und verursachte zum Teil sogar Stauungen. Besonders stark entwickelte lich der Eilgut- und Cxpreßgutverkehr. Die Kohlentransporte sind, auf den Arbeitstag gerechnet, weiter herabgcgangen. Cs wurden insgesamt gestellt: im Mai 1925 etwa 906 000 Wagen, im April 1925 etwa 898 000 Wagen, arbeitstäglich im Mai fast 1200 Wagen weniger als im April. Der Personenverkehr hat sich weiter entwickelt. Die Schnellzüge wiesen eine gute, teilweise starke Besetzung auf. 2. Tarifwesen. Durch Ausbau der Ausnahmetarife für den Güterverkehr wurden weitere Frachterleichterunge" gewährt. Besonders sind die zur Milderung der Absahnot im deutschen Kohlenbergbau eingeführten Ausnahmetarife 6 c und 6 f hervorzuheben. Weiter weist der Bericht auf eine Reihe von Ermäßigungen der Frachten bin, so für die oberschlesische Eisenindustrie, die Zucker- industrie und Holz. Auch sind die Durchftlhrtarife weiter auSgestaltel worden. Finanzen: DaS Betriebsergebnis'für den Monat April 1925 zeigt folgendes Bild: I. Einnahmen der Betriebsrechnung: 1. Personenverkehr 118 316 000 Rm. 2. Güterverkehr 230 466 000 „ 3 Sonstige Einnahmen 31 363 000 „ - Zusammen: 388 645 000 Rm. So war man etwa zehn Meilen lang zu dieser kleinen Station gefahren, wo die Verkäufer ein lustiges Mittagessen im Grünen arrangiert hatten, das indessen, was Herrn Fellips betraf, hastig abgebrochen werden mußte. Ein Telegramm, ein Extrazug in fliegender Fahrt . . . Das war also dort, grübelte der Dankdirektor, man hatte dort Damen mit am Tisch gehabt . „Daß Herr Fellips ein so schlechtes Gedächtnis haben", neckte das Mädchen. „Es beginnt jetzt alles klar zu werden", gab der Dankdirektor unwillig zu. „Sie sagten mir soviele Liebenswürdigkeiten", setzte die Kleine fort. „Ehrlich gemeinte, daraus schwöre ich", beteuerte er „Einmal faßten Sie mich sogar um den Leib und wollten mich auf das Ohr küssen." „Tat ich Las wirklich?" Da spaltete sich auf einmal der Vorhang vor Herrn Fellips Gedächtnis. 3eht hatte er plötzlich den Zusammenhang entdeckt Das Mädchen, das vor ihm stand, hatte bei Tisch bedient So war es. Sie hieß Lisa. Fräulein Lisa. Der Dankdirektor konnte nichts dafür, aber sein Ton wurde ganz unbewußt ein völlig anderer, — seine Art, sich auszudrücken, die Wortwahl, der Tonfall, die Dlicke seiner Augen wandelten sich, aus dem bisher neutralen, respektvoll forschenden Ton siel er plötzlich in einen mehr leichteren, kameradschaftlichen, gleichzeitig aber auch überlegenen 3argon. Auch Fräulein Lisa merkte die Veränderung, sie schien sie aber nicht übel zu nehmen Es zuckte nur in ihren großen, grauen Augen ... Herr Fellips erkundigte sich onkelhaft danach, ob es dem Mädchen gut ginge. Ein rascher Dlick auf Mantel, Hut und Schuhe sagte ihm, und betrug laut D. H. D. 3 617 602 Fahrzeuge. Die in Kanada gebauten Maschinen amerikanischer Bauart find hierbei einbegriffen. Rur 12 Prvz. dieser ungeheuren Produftion wurde exportiert. Eingeführt wurden nur 604 Wagen. Für die Herstellung sind über drei Millionen Tonnen Eilen und Stahl und mehr als 1000 Millionen Fuß Holz verwendet worden. Allein für die Rummerschilder der Wagen sind 8300 Tonnen Eisen gebraucht worden. Frankreich steht in der Herstellung von Kraftwagen an zweiter Stelle, aber mit 145 000 Fahrzeugen im 3ahre 1924 weit hinter Amerika zurück. Kanada erzeugte 134 020. England 80 000, 3talien 35 000, Deutschland 18 000. Oesterreich 6000. Belgien 4850. Tschechien 2000. Spanien 900. 3n der Kraftwagenindustrie der Vereinigten Staaten sind 1691 Mill. Dollar Kapital angelegt, fie beschäftigt bireft bzw. indirekt über 6 Millionen Menschen. Berliner Prodnk er.börle. Berlin. 20. 3uni. Der Produktenmarkt war ruhig, besonders für Weizen. Roggen dagegen etwas fester. Es wurden bezahlt für 1000 Kilo: Weizen, märt. 266 bis 269. do. 3uli 265, Roggen, märk. 214 bis 218. do. 3uli 212,50 bis 213, Gerste, märt. 226 bis 242. Futtergerste 200 bis 215, Hafer, märt. 232 bis 240. do. 3uli 195. Mais (iofo Berlin) 207 bis 211. Raps. 360 bis 370; für 100 Kilo: Weizenmehl 33,75 bis 36.25. Roggenmehl 29,25 bis 30,50, Weizen- fiele 13,20. Roggenkleie 14 bis 14.10. Viktoria- erbfen 26 bis 30, kleine Erbsen 25 bis 26. Futter- erbfen 21 bis 24. Peluschken 21 bis 23. Acker- bohnen 21 bis 22. Wicken 23 bis 26. Lupinen, blau 10 bis 11, do. gelb 13,50 bis 14,50, Rapskuchen 15,60 bis 15,80. Leinkuchen 22,40 bis 22,80, Trockenschnitzel 10,20 bis 10,40, Torfmelasse 10, Kartoffelflocken 19,60 bis 20 Mk. Buntes Merlei. Hundedressur im Dienste des Verbrechens. 3n Paris wurden in letzter Zeit eleganten Damen auf geheimnisvolle Weise die juwelengeschmückten oder als Tlhrhalter benutzten Bänder gestohlen, die sie um die Fußknöchel tragen. Einer dieser geschickten Diebe wurde nun jüngst in einem Foxterrier ertappt, der darauf dressiert war, ebenso schnell wie unbemerkt mit den Zähnen ein solches Fußband loslösen und fortzutragen. Die Diebstähle wurden in dem Gedränge ausgc.führt, das in den eleganten Restaurants herrscht, oder auch in den Luxusgeschäften der Rue de la paix. Diese neuartige Verwendung der Tiere bei Diebstählen ist nur eine kleine Episode in der Verwendung von Hunden zu Verbrechen, die. ständig zunimmt. Erst kürzlich wurde davon erzählt, daß man Hunde zum Schmuggeldienst an der Schweizer-italienischen Grenze abrichtet, und diese Hundedressur im Dienst des Verbrechens ist über ganz Europa verbreitet. Ein ftanzösischer Polizeifachmann, der darüber in Pariser Blättern nähere Angaben macht, behauptet — da die Franzosen nun einmal alles Unheil in Deutschland suchen — daß die größte Zahl dieser Verbrecherhunde in Berlin ausgebildet werden, wo die Hundedrestur zu diesen Zwecken zu einer Kunst vervollkomnet sein soll. Die Hunde werden als Spione und Wächter für Einbrecher dressiert, und manche der gefährlichsten „fchweren Zungen" der letzten Zähre haben mit diesen vierbeinigen Helfershelfern gearbeitet. Die Hunde liegen still und bewegunglos stundenlang in den Torwegen, während unterdessen ihre Herren drinnen ihren Raub ausführen. Diese aufmerksamen Wächter geben durch ein System von Lauten Rachricht von dem Herannahen von Fremden; sie sind sogar abgerichtet, zwischen Polizisten und gewöhnlichen Bürgern zu unterscheiden; ein dreimaliges kurzes Bellen verkündet das Erscheinen eines Kriminalbeamten. Die Hunde klettern auf Leitern in die oberen Stockwerke, werden mit den geraubten Kostbarkeiten beladen und finden dann ganz allein ihren Weg in die Wohnung des Verbrechers. Andere Hunde wieder werden auf UcberfaU abgerichtet. Sie laufen in dunklen und unbelebten Straßen herum und rennen Fußgänger so heftig an, daß diese niederstürzen. Sobald der Hund weggelaufen ist, erscheint sein Herr, hilft dem Gestürzten aufstehen, und während er ihm eifrig die Sachen abputzt, erleichtert er ihn um seine Brieftasche, seine llßr oder um das. was er sonst We lvolles bei sich trägt. „Das Schwerste bei die,er Dresiur ist es, die Hunde dazu abzurichten, daß sie mutig in ein Getümmel laufen, bei dem geschossen wird", sagte der Fachmann. „Aber sowohl die Polizei wie die Verbrecher haben es zuwege gebracht, daß die Hunde ihre Furcht überwinden. Die Verbrecherhunde Europas wagen sich heute mitten in die Schlachten, in denen ihre Herren und ihre Gegner oft verwundet werden, ohne felbst im geringsten verletzt zu werden. Sie sind überaus gefährliche Feinde der Polizisten, auf die sie dressiert find. Der zweite Bubikopf aus dem Königsthron. Wir halten beim zweiten Bubikopf mit der Konigskrone. Der erste war der der Königin von Belgien. Zetzt hat sie eine RachaHmerin, in einer Standesgenofsin auS Asien gefunden. Freilich mußte die zweite mehr Mut auf bringen als die belgische Königin, welche nur die respektvolle Kritik der Hofdamen gegen sich hatte. Ein Pariser Blatt berichtet Der Hof von Bagdad hat eine große Aufregung überstanden. Der König Faikal hatte seine gewohnte Gemütsruhe verloren und eine schwere Sorge drückte seine königliche Seele: seine Gemahlin, die Königin, hatte unter Außerachtlassung des muselmanischen Gesetzes alle Schleier von sich geworsen und hatte sich in eine sehr pikante Dame aus dem Okri- dent verwandelt. Faikal, der ehemalige reicheKamel- Händler, wurde 1919 von England als König des 3rak eingesetzt und beschloß, sein Königreich vollständig zu modernisieren. Da er glaubte, daß ihm hierbei seine 5tau hinderlich sein konnte, während er Automobile und Flugzeuge, Grammophone und Schreibmaschinen einfuhrte, schickte er sie an den Hof feines Vaters Hussein, König der Hedschjas Aber es verging nicht lange Zeit da kamen ihm unangenehme Rachrichten zu Ohren. Seine Frau hatte den Hof des Schwiegervaters verlassen und hatte sich auf den Weg gemacht, um nach Bagdad zurückzukehren. Das wäre eigentlich sehr schön von ihr gewesen. Aber das Betrübliche für den König bestand darin, daß feine Gattin sich felbst bedeutend modernisiert hatte So hatte sie für die Rückkehr nach Bagdad nicht den alten fvzusagen rituellen Karawanenweg genommen, sondern hatte sich auf einen Dampfer nach Bassorah begeben, wo sie wieder, statt in einen Palankin Platz zu nehmen, ein starkes Auto bestieg, mit welchem sie mit Windeseile die Wüste bis nach Bagdad durchquerte. Als König Faikal das erfuhr, daß feine Gattin schon in einem Auto eingetroffen war, bestieg et schleunigst ein Flugzeug und flog nach Moussul. Als er zu- rückkehrte, war die Königin nicht zu erkennen. Elegantes, kniefteies Hauskleid mit vollständiger Bloßlegung der fein modellierten Arme, des zierlich gezeichneten Halses; dabei die geoffenbarte ßinie der Beine und. das Schrecklichste: ein europäischer Du- bikopsl Faikal blieb zuerst starr vor Entsetzen. Er bc° trachtete lange schweigend die hübsche Dame, die nun ganz anders aussah, als seineehemaligeGemah- [in. Sollte er ihr zürnen? Er merkte bald, daß seine Frau auch wunderbar gepflegte Hände hatte, mn rosigen langen Rägeln. Sollte et es auf einen Kamp mit einer so bewehrten Gattin ankommen lasten? Lie ber nicht. So wurde auch der Hof des König:, Faikal in wenigen Wochen vollständig durck eure päische Dekorateure und Tapezierer modernisiert. Sächsischer Humor. Rheine Frau geht in Dresden über diePragc: Straße und bleibt entzückt vor den Schätze i einer Blumenfrau stehen: „Was kostet diese: Rosenstrauß?" „1,50 Mark," antwortet die Alte. Mit den Worten „das ist mir leider zu teuer“ wendet sich meine Frau zum Gehen. Da ertönt es hinter ihr: „Ra, gloom Se denn, ich kann Zhnen für 15 Groschen nen ganzen Park mit nem Springbrunnen liefern?" Für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spexlilknranitalt Hob beim 1. Taunus bei Frankfurt a M Behagl. eingerichtet, vorzügliche Verpflegung (auch Diät-Kuren). Mäßige Preise Prospekt durch Dr. Schulze - KahleyNH, Nervenarzt. „O ja, wenn es kein Trauerspiel ist." „Genau mein Geschmack. Sollten wir nicht miteinander in irgendein lustiges Stück gehen?" Fräulein Lisa sah sich um, als ob sie Zuhörer fürchtete. „Wann?" „3c früher, desto besser. Sagen wir heute abends. Warum nicht heute abends?" Das Mädchen antwortete nicht. „3ch verstehe," meinte Herr Fellips, „Sie sind heute abends nicht frei?" „Doch," antwortete die Kleine mit einem ziemlich unbegründeten Lachen, „ich bin schon frei heute abends." Dann war die Abmachung in zwei Sekunden getroffen Herr Fellips versprach, für eine gut gelegene Loge Sorge zu tragen, es wurde ve- abredet, daß man sich um acht Ußr vor dem Sylvestertheater treffen solle, und damit war die Sache erledigt Der Dankdirektor lüftete zum Abschied seinen Hut, und das Mädchen stellte fest, daß der Abstand zwischen Hutrand und Kops jetzt kaum einen Zentimeter betrug, gegen einen halben Meter kurz vorher, als er sie zwar wieder ernannt, aber noch nicht gewußt hatte, wer sie war. Auf dem Kirchturm hinter dem Theater schlug es Viertel. Sofort daraus antwortete die Gym- nasiumuhr auf der anderen Seite der Straße. Herr Fellips fuhr zusammen Mit den Gedanken weit entfernt, war er da gestanden und hatte das Plakat dreimal gelesen, jedoch ohne eine Ahnung von dessen 3nhalt zu haben. 3etzt war seine Geduld zu Ende. Bis auf weiteres gab es nur eine einzige Erklärung: Herr Fellips wurde zum Rarren gehalten von dieser kleinen „Guten Abend, mein Herr . . 3ch glaube wahrhaftig, Sie haben etwas warten müssen." Es war das Mädchen. Der seiner sensationellen Effekte wegen berühmte Regisseur des Sylvestertheaters hätte keine größere ileberrafcßung zustandebringen können: die junge Dame stand dort zwischen den zwei Säulen des Theatereinganges. und das blauviolette Licht regnete Dom Dachglobus über ihr helles Pelzwer! in weichen, gleitenden Reflexen. Herrn Fellips Aer- ger war in 'einem Ru verschwunden Was bitte das Mädchen nur aus sich gemacht? Ein solcher Charme, ein solches Aussehen . Man ging durch die Halle, die Treppen hinauf, durch die Korridore. Herr Fellips kannte den Weg. Er kannte ihn so gut, daß seine Augen sich unbehindert damit beschäftigen konnten, die Gestalt seiner Begleiterin zu verschlingen. Sie hatte nicht mehr die gleiche Toilette wie am Rachmittag — Herr Fellips, der immer nach einem roten Abendmantel und einem schwarzen Samtbarett (kokett auf dem einen Ohr) ausgeblickt hatte, sah ein, daß dieses (Signalement ihm bei seinem Suchen nichts geholfen -"hätte. 3eßt trug Fräulein Lisa nichts anderes als einen Pelz, und um den Kopf hatte sie einen schwarzen Tüfishawl geschlungen, der so tief in die Stirn gezogen war, daß er beinahe das ganze Gesicht verhüllte. . _ ., Der Kavalier wurde plötzlich von einem Mißtrauen ergriffen. Er blieb mitten auf der Stiege stehen. „Sie sind cs wirklich?" fragte er. Fräulein Lisa zog den Schleier ein wenig empor und lächelte. „Sie können ganz rußig sein," sagte sie, „ich bin es schon 3ch habe mir das Kleid nur aus- geliehen " Herr Fellips atmete unwillkürlich erleichtert auf und stieg die Stufen weiter. Aber. . . . das Mädchen hatte ja keinen Hut, . - also mußte sie zum Theater gefahren sein, — im Auto oder im Wagen . . ilnb der ausgeliehene Pelz - trug sie ihn mit Erlaubnis seiner Besitzerin oder ohne ihr Wissen? Solche Prachtkleider leiht man doch nicht gern aus Run. das war ihre eigene Angelegenheit Sobald die Beschließerin Herrn Fellips' ansichtig wurde, eilte sie zur ßogentür und öffnete sie. Da der Dankdirektor wußte, daß er im Theater, das er sehr selten besuchte, nicht bekannt war, zog er daraus den richtigen Schluß, daß das Theater ausverkauft sein müsse. Es war übrigens gut gewesen, sich in den Korridoren nicht durch die Menge des Publikums drängen zu müssen, war Fräulein Ci’a v eficicht mit dieser Absicht zu spät gekommen? Das Mädchen war nicht dumm, soviel war sicher. (Fortsetzung folgt.) Für den Büchertisch. Nachschlagewerke. — Die Kunst, Handbücher des Wissens in Formen zu bringen, wie sie das deutsche Q5ot£ entsprechend dem Fortschreiten von Wissen und Können nötig hat, ist gewissermaßen ein altes Erbteil der Firma F. A. Brockhaus in Leipzig. Deren Gründer hat vor mehr als hundert Jahren das erste allgemein brauchbare Werk dieser Art geschafsen. Gleich nach dem Krieg erschien der „Reue Prockhaus", das Handbuch des Wissens in vier Bänden: er erwies sich rasch als eine unerschöpfliche Wissensquelle. Für alle, die die Ausgabe für ein vierbändiges Werk scheuen, ist der Einbänder entstanden, der „Kleine Brockhaus". Die uns vorliegende erste Lieferung umfahl eine überreiche Fülle von Stichwörtern aller Art und ist geschmückt mit vielen wertvollen und lehrreichen Bildertafeln und Karten, in und außer dem Text: auch Prä- tige bunte Bilder sind dabei. Besonders aufmerksam machen möchten wir auf die Diagramme, die wirtschaftliche Verhältnisse darstellen, z. B. die Arbeitslosigkeit und Auswanderung mit dem stürmischen Auf und Ab ihrer Linien. Die Lieferung kostet 1,90 Mk., ungefähr alle vierzehn Tage soll eine neue Lieferung erscheinen bis zur zehnten, mit der das Werk abschlieht. 350 — D i e Sommerau sgabevon Quen° trn-M a hl a us Reichs ta sch enfa h rp lan Teil III ist erschienen und bringt wieder die Zusammenstellung der Bahnverbindungen von Hessen, Hessen-Aassau, Pfalz, Baden, Bayern und Württemberg, eine Aufstellung der Kraftposten, die Rheindampfschiffahrt und die Flugverbindungen. Reu enthalten sind die O-Zug-Tabellen, eine besondere übersichtliche Zusammenstellung der direkten Bahnverbindungen (D- und Eilzüge) mit Einschluß der internLtionalen Strecken. — Ein Handels-Lexikon, nach dem neuesten Stande der Wissenschaft und Praxis von zahlreichen namhaften Autoren bearbeitet, erscheint im Herbst 1925 im Weltbund-Verlag, Hamburg. Es ist das erste neuzeitliche Standardwerk, das die Gesamtheit dds kaufmännischen Wissens in alphabetischer Anordnung bietet. — Der internationale Reiseverkehr wird den Sommer 1925 wieder beherrschen. Meldungen aus allen Ländern bestätigen das. Für Reisen außerhalb Deutschlands seien daher die internationalen Kursbücher „Hendschels Telegraph" und das „Lloyd Kursbuch", deren Sommerausgabe soeben erscheint, empfohlen. „Der große Hendschel" (6.—) bringt neben den deutschen Fahrplänen alle wichtigeren Strecken des europäischen Auslandes und die Ueberseeoerbindungen: „Der kleine Hend- schel" (4.50) enthüll die deutschen Fahrpläne und die wichtigeren Strecken von Oestererich, Tschechoslowakei und Schweiz. Für den internationalen Reisenden, der nur Schnellzüge benutzt, sei auf das „Lloyd Kursbuch der Schnellzüge" (5.—), das ganz Mitteleuropa umfaßt, verwiesen. — Ein zuverlässiger Führer auf den vielfach verschlungenen Pfaden der deutschen Sprache sind „Die sprichwörtlichen Redensarten im deutschen Dolksmund, nach Sinn und Ursprung erläutert" (Brockhaus, Leipzig, 'Ganzleinen Mk. 12.50), von Borchardt-Wust - mann, kurz der „Borchardt-Wustmann" genannt. Der „Borchardt-Wustmann" ist ein gleich treuer Berater wie der altbekannte Büchmann. Seine vor- I-liegende 6. Auflage ist von Dr. Georg Schoppe, ■ Breslau, bearbeitet. Das Buch hat in seiner neuen ^Ausgabe ein prächtiges Gewand erhalten, zudem , sind dem Werk zur Erhöhung der Anschaulichkeit '* vorzügliche Nachbildungen von Gemälden und Holzschnitten alter und neuerer Meister beigegeben. Der „Borchardt-Wustmann" führt durch die Erklärungen der sprichwörtlichen Redensarten gleichzeitig in die Kurlturgeschichte ein und bietet jedem Gebildeten Belehrung und Genuß. Daneben gibt er dem Lehrer der deutschen wie der fremden Sprache durch seine Hinweise und Vergleiche mit den lateinischen, französischen und englischen Redensarten ein nie versagendes Hilfsmittel für den Unterricht in die Hand. Mit dem Verständnis für die Muttersprache wächst auch die Liebe zu ihr wie zur Heimat. Diesen Zweck wird das gehaltvolle Werk in seiner neuen Gestalt gewiß aufs beste erreichen. 294 Don Ländern und Völkern. — Professor Ferdinand Dreher, Friedberg i. H in Wort und Bild nebst einem Führer durch das Museum von Prof. Dr. G. Blecher. Mit 65 Abbildungen. Berlag von C. Dindernagel in Friedberg. 3n einem außerordentlich stattlichen und schmuck ausgestatteten Bande legt Professor Dreher ein Buch vor, das weit, weit mehr ist als ein bloßer Führer durch die Sehenswürdigkeiten der alten Reichsstadt Friedberg. Der beste Kenner Friedberger und Wetterauer Geschichte und Landeskunde gibt hier aus Grund langjähriger archivalischer Quellenstudien eine gedrängte, aber durch ihre Prägnanz erfreulich frische und lebendige Darstellung der Entwicklung Friedbergs von den römischen Zeiten her bis auf unsere Tage. Eine eingehende kulturhistorische Betrachtung der an schönen alten Baudenkmälern unermeßlich reichen Stadt wird durch zahlreiche wertvolle Literaturnachweise manchen zu. eingehenderen Studien verführen. Dankenswert ist auch die beigegebene Beschreibung des Wetterauer Museums von Professor Dr. G. Blecher. Ein ausgezeichneter Plan und zum großen Teil künstlerisch vollendete Aufnahmen machen das Buch zu einem „Führer", wie er sein soll, ein echtes Heimatbuch, sorgfältig genau, aber mit dichterischem Schwung und heißer Liebe für Heimat abgefaht, ein Führer, um den Friedberg manch andere und größere Stadt beneiden kann. 338 — Rheinische Bilder aus zwei -Jahrtausenden. Unter dem kraftvollen Titel „Der Strom" gibt der Verfasser des Buches „Die Schlacht bei Douaumont 1916", Werner Beu- melbura in Düsseldorf, deinnächst in dem Stalling- schen Verlage in Oldenburg zur Jahrtqusendfeier der Rheinlande ein bedeutschames Buch heraus, das aus dem kulturhistorischen und dramatischen Nacherleben der einzelnen Geschichtsepochen der Rheinlande selbst heraus gestaltet ist. Stofflich die Höhepunkte der rheinischen Geschichte erfassend, im Aufbau dramatisch in der Sprache die packende Lebendigkeit des unmittelbaren Miterlebens aus dem Verlaufe beider Jahrtausende heroorzaubernd, ist das Buch ein Volksbuch im wahrsten Sinne. — Das bayerische Hochland mit Salzburg und Innsbruck. 48 der schönsten Landschaftsbilder .in Tiefdruck. Text von Dr. A. Dreyer. Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. Den vielen Tausenden, die das bäuerische Hochland besuchen und lieben, ist das wohlfeile kleine Album ein Merkchen zum Plänemachen wie zur Erinnerung. In 48 prächtigen braunen Tiefdruckbildern wie im Wort führt es van München zu allen schönen Punkten des bayerischen Berglandes bis nach Innsbruck und Salzburg. 349 — Die Literatur über Aegypten und feinen heiligen Strom ist unendlich und schwillt all- jähruch um einige neue Bände an. Trotzdem möchte man die „Reiseradierungen" des Kölner Llniversitätsprofessors Dr. Christian Ecker t, die er unter dem Ramen „Altvater R i l" zu einem stattlichen und schön ausgestatteten Bande zusammengefaßt hat, nur ungern missen. Keineswegs eine wissenschaftliche Forschungsarbeit, nein, lose aneinandergereihte Reiseeindrücke, aber gesehen mit dem geschulten Auge des Historikers und Bolkswirts und oftmals liebevoll verklärt durch den begeisterungsfähigen, schönheitsdurstenden Sinn eines Mamtes von Welt und, was mehr bedeutet, von Kultur und Geschmack, (Ver- lag A. Marcus und E. Weber. Bonn.) 63 — Alfons Goldschmidt: Me-xiko. (Verlag Ernst Rowohlt, Berlin.) Das unbekannte Mexiko, nicht seine Baudenkmäler, seine Geschichte, seine geographischen Berhältnisse hat Goldschmidt mit offenen Sinnen studiert, den Rhythmus des Landes, die Seele des Volkes. So ist mit unendlicher mitfühlender und mit» leidender Liebe ein Buch entstanden, das uns Mexiko besser erschließt als irgendeine wissenschaftliche Abhandlung. 200 — Alvaro de Mendang, Die Entdeckung der Inseln des Salomo. Bearbeitet und eingeleitet von Dr. Georg Friderici. Mit 34 Abbildungen und zwei Karten. Leinen 7,50 Mk. Verlag von Strecker & Schröder, Stuttgart. Der neue Band in der Sammlung „Klassiker der Erd- und Völkerkunde" gibt die Berichte des spanischen Entdeckers Alvaro de Mendana über seine Fahrt quer über den Ozean von Callao nach den Salomonen (1567—1569), die mit zwei kleinen, ursprünglich nur für peruanische Küstenfahrten gebauten Schifefn unternommen wurde. Die Fahrt bildet eine reizvolle romantische Episode in der Geschichte des Zeitalters der großen Entdeckungen. War sie auch durch rein materielle Erwägungen oergn« laßt, so verdient sie doch als Großtat der Entdeckungsgeschichte unsere stärkste Teilnahme: Rein menschlich als leuchtendes Beispiel der Unternehmungslust und der Zähigkeit, der nautischen Tüchtigkeit und des schneidigen Draufgängertums der spanischen Seeleute und Soldaten jener Zeit, wissenschaftlich als eine für die Länder- und Völkerkunde der Südsee höchst beachtenswerte Leistung. 346 — Eine prächtige Auswahl wohlgelungener Bilder vermittelt der Band „Schwaben" des Verlages Alexander Fischer in Tübingen in einer Vielfältigkeit und Plastik, die erstaunen macht. 347 Literatur und Kunst. — M e i' Owerhesse, Ernstes und Heiteres in oberhessischer Mundart von Gg. Heß, Leihgestern-Gießen. Verlag: Buchdruckerei Wilh. Engel, Schotten. 2. Auflage. Preis geheftet 1 Mark. Ein Bändchen ernster und heiterer Gedichte in oberHessi- scher Mundart von Georg Heß ist in seiner Fülle von fein beobachteten täglichen Ereignissen etwas so Herzerquickendes, daß man es unbedingt lesen muß. Der Dichter kennt „fei' Owerhesse" sehr genau, seinen köstlichen Humor durchzieht ein wundervoller Ernst mit vieler Lebensweisheit. Schildert er seine Heimat, so sprudelt's wie ein nie versingender Quell so lebenswahr aus ihm heraus mit feiner Gemütstiefe, daß man glaubt, man sieht und hört die Leute selbst reden. Wer die Gedichte von Georg Heß liest, wird viele Freude daran haben, sie tragen viel zum leichten Verstehen der Volksseele bei. — Dr. R. Müller- Freienfels: Die Seele des Alltags. (Volksverband der Bücherfreunde, Berlin C. 2.) Ein Buch, das in plaudernder Darstellung den Leser mühelos in seelische Probleme einführt, an denen er meist achtlos vorübergeht. 222 — D ie Stadt der tausend Freuden. Roman von Arnold Bennett, (plllstein- Verlag, Berlin.) 348 — Die bekannte Haessel-Reihe bringt in ihren neuesten schmucken und preiswerten Bändchen eine Reihe Meisternovellen C. F. Meyers, des jüngst verstorbenen Schweizers Bop- hardt feinsinnige Rovellen „Salto Mortale" und „Dom Golde" und von Emil Blaß „Der Grund". 330 — Johannes Hessen: Augustinus (bei Strecker und Schröder in Stuttgart). Cs ist eine dankbare Ausgabe, den Menschen und Philosophen Augustinus der ausnahmewilligen Gegenwart näherzubringen. Der Laienwelt wird aber der Weg zu einem Großen des Geistes durch die weitschweifigen gelehrten Auseinandersetzungen des Verfassers mit anderen Forschern leider wesentlich erschwert. — An die moderne englische Romanliteratur müssen wir äußerst vorsichtig herantreten. Sie hat zumeist auch heute noch ihre kühle, überlegene Eigenart bewahrt, hat sich ferngehalten von den brausenden aufpeitschenden Strömungen des Ostens, wie sie bei uns Eingang gefunden haben. So ein zuwartendes, leidenschaftslos erzählendes Bild, fast prüde in den Ausdrucksformen. aber schließlich doch packend und tief ergreifend durch die Größe seiner Menschen, ist A. S. M. Hutchinsons Roman: Wenn der Winter kommt (Drei Masken-Verlag). 1489 — Zu den beliebtesten Erzählungen Jeremias G o t t h e l f s gehört „Kälhi die Großmut- t e r". Die Heldin dieser großen Erzählung ist eine arme, alte Frau, die ihr tägliches Brot durch unausgesetzte Arbeit erkämpfen muß. Ein altes Mütterchen mit allen großmütterlichen und mütterlichen Schwachheiten, ein verwöhnter kleiner Junge, zwei Hühner, das sind die Elemente der Erzählung. Aus diesen Elementen weiß Gotthelf einen solchen Reichtum des Lebens zu entfalten, daß dieses Buch einer der großen Triumphe des Dichters ist. Die Erzählung ist wie „Geld und Geist" und die beiden „Uli" in der gut ausgestatteten vorzüglichen Gott- Helf-Ausgabe des Eugen Rentsch-Verlags, München, srschiennen. ' 124 — Silvio d i Casanova, Wald und Elemente. (I. Engelhorns Nachf, Stuttgart.) Ganzleinen 4,50 Gm. — Endlich ein Dichter, der sich nicht in der Enge des Erlebnisgedichtes beschränkt, sondern dessen Phantasie den Kosmos zu umspannen trachtet und uns hinausführt über unser persönliches Glück und Weh! Der Verfasser der „Lieder der Liebe und Einsamkeit" besingt in hymnisch beschwingten Strophen die Mysterien des deutschen Waldes, aus dessen Dunkel Gestalten, jedem Deutschen vertraut, enttauchen, und gibt darauf ein klassisches Bild der vier Elemente. 46 — Die geheimen Denkwürdigkeiten der Gräfin Dubarry. (Verlag Karl König, Wien und Leipzig.) Preis in Halbleinen 9 Gm., in Halbleder 14 Gm., in Ganzleder 40 Gm. Das rückhaltlose Bekenntnis einer Frau, die Schönheit und Geist auf den Thron des französischen Rokokos erhoben haben. Die Geliebte Ludwigs XV., die „Jeanneton" aus der Vorstadt, erst Putzmacherin, dann Liebchen kleinerer und größerer Herren, schließlich Königin zur linken Hand, schildert ihr Leben, das sie über holperige Pflaster verschwiegener Gassen in die schattigen Alleen des Versailler Schlosses führt. Kurz vorher noch in Spielsalons der Pariser Halbwelt ist sie bald Herrin über das «chicksal eines Reiches: Könige und Minister ge- hdrchen, wenn die Dubarry mit den langen eigenartigen Wimpern winkt. Die dunkelsten Gänge der Liebesintrige und die engsten Maschen der Politik durchleuchtet sie mit dem scharfen Verstände der Frau, die auch die Kehrseite des glänzenden Hoflebens kennt. Die Denkwürdigkeiten dieser vielbewunderten und vielgehaßten Kurtisane sind ein spannendes Kulturdokument aus der Zeit vor der französischen Revolution. 48 — Ludwig Huna: D i e Verschwörung der Pazzi. Roman. (Verlegt bei Greth- lein & Co., Leipzig.) Unter dem unmittelbaren Eindruck Italiens hat Huna diesen Roman geschrieben. Florenz und die Renaissance stehen im Mittelpunkt. Bilder von reicher Farbenpracht und schlichter Dolkstreue ziehen vorüber: die Künstler in den stillen Gärten von Fiesole, Botticelli. Ghirlandajo, Lionardo und unter ihnen ihr Schirmherr Lorenzo-Magnifico: die hinreißend sinnenfrohen Volksfeste, überschäumend von Liebesübermut und Ausgelassenheit: die Verhandlungen der Signoria um Freiheit und Ehre ihrer Stadt. Aber die glückliche Entwicklung dieser Welt von höchster Kultur ist bedroht durch den zügellosen Ehrgeiz der Pazzi. Sie neiden dem weisen Staatsmann Lorenzo seine unumschränkte Machtfülle. Ihr ränkevoller Plan will ihn vernichten. Der Papst wird gewonnen, der Haß geschürt. So schürzt sich Knoten um Knoten gegen die ahnungslosen Mediceer, die in Anbetung der Schönheit und der Liebe leben. Das höchste Maß irdischen Glückes genießt der edle Giuliano in Fiorellas Armen. Doch dieses Liebesidyll weckt in Franzesco, dem dämonischen Haupt der Pazzi. Haß- und Rachegelüst. Die Medici scheinen verloren. Aber die frevelnde Wucht der Verschwörer zerbricht an der Treue des florentinischen Volkes. 288 — Grete Coellen, Der Weg der Lena Falk. Arkadenverlag, Traisa bei Darmstadt. An diesem Roman einer Baltin ist weniger das persönliche Erleben, die psychische Entwicklung der Lena Fall wertvoll, als die großartige Schilderung des Milieus, das den Roman weit heraushebt aus der Massenproduktion unserer Tage. DieUnendlichkeit des russischen Reiches, das unfahliche der russischen Volkspshche, die politischen und sozialen Verhältnisse des zaristischen Rußlands sind unaufdringlich in prägnanten festen Strichen außerordentlich instruktiv geschildert. 266 — Einen unglaublich bunten und eindrucksvollen Roman entrollt Oberst a. D. L. Schrau- denbach in seinem Werk „Muharebe". so wie er ihn als deutscher Führer im osmanischen Heere in den Jahren 1816 17 erlebt fyat. (Drei Masken-Verlag. München.) Die Türkei, ihr Land und ihr Volk, sind dem Verfasser stets fremd, fast unheimlich geblieben. Aber die militärischen Operationen, das Leben an der Front, weit hinten in Armenien, das Verhältnis des deutschen Offiziers zu ihren türkischen Kameraden und den Truppen, das ist scharf gesehen und außerordentlich interessant geschildert. Zahlreiche Bilder erhöhen den Wert des Buches. 94 — Adalbert Reinwald, Menschen 1. Band Männer. 3. Auflage. (Verlag E. Haberland in Leipzig.) Geb. 4,50 Rm. Inhalt: Kleist. Beethoven. Emerson. Thoreau. Whitman. Carlyle. Wagner. Nietzsche. Dehmel. Liliencron. Fidus. Stefan George. Die erste Auflage, lebhaft begrüßt und in allen Lagern geschätzt, war ein Jünglingsbuch. Nun ist der Jüngling zum Mann gereift. Der Mann hat gssfunden und gestaltet, was der Jüngling noch suchte. Und abermals forscht er, prüft und wägt bei jedem einzelnen der Reihe, ob das Bild erkannt ist und ob es Gestalt geworden. Unerbittlich zeigt er die Mängel auch der großen Menschen, und doch voll Ehrfurcht neigt er sich vor der unbefteitbaren wahren Größe. Stefan George, der in den früheren Auflagen fehlte, beschließt jetzt die Reihe. Mehr noch als die erste Auslage ist diese dritte für die deutschen Jünglinge geschrieben. 187 — Richt ohne soziale Motive ist D. H. Lawrences Roman „Söhne und L i e b h a b er", ein Buch von dec Sohnes- und Mutterliebe, von der Loslösung der jüngeren Generation von der älteren. (Insel-Verlag. Leipzig.) 186 — Die im Verlage von A. Seemann in Leipzig erscheinenden „M e i ft e r der Farbe" treten jetzt in ihren 21. Band ein. Es hat wohl in den letzten Jahrzehnten kein großer Meister gelebt, mit dem uns diese vortreffliche Kunstzeitschrift nicht bekannt gemacht hätte. Die ersten Bilder des neuen Jahrgangs find wieder ein vielversprechender Anfang. Da ist zunächst ein reizender Mädchenkopf von Ludwig von Zumbusch, in seiner treuherzigen Offenheit besonders glücklich aufgefaßt. Sodann eine farbige Innendekoration aus dem Ansbacher Schloß von dem Aachener Meister August von Brandts, eines der anmutigsten Beispiele des früheren Rokoko in Süddeutschland. Wilhelm Grögler, zu seinen Lebzeiten fast unbekannt geblieben, ist mit dem Bildchen der Münchner Pinakothek „Der Hypochonder" oder „Im Wirtsgarten" vertreten: es atmet ganz die Atmosphäre jener unendlich behaglichen, etwas genügsamen Zeit, die wir als Diedermeier bezeichnen. Vom großen Renoir sehen wir ein fabelhaftes Blumenstück, von Franz Frankl eine äußerst malerische Landschaft „Sonniger Morgen". Den Schluß macht Max Rabes' farbenglühendes Bild „Markt in Nürnberg". Das Heft 1 bringt neben der reizvollen Einzelbeschreibung der Bilder und ihrer Urheber eine literarische Beilage: Das Bild im Bilde, eine interessante Plauderei von Hans Vollmer über Schicksale einiger berühmter Bilder, die nur durch Abbildung auf anderen späteren Gemälden zu ermitteln waren. Politik, Geschichte, Recht. — Die Schriftenreihe der Frankfurter Sozietätsdruckerei „Die Paulskirche" ist um drei weitere Bändchen vermehrt. Otto Hörth stellt die Gedenkfeiern 1873. 1898 und 1923 zusammen, Fritz Eckardt berichtet über die turnerische Bewegung von 1848/49 und Friedrich Mei- necko steuert einen geistvollen Aufsatz über „Republik, Bürgertum und Tugend" bei. 325 — Hochschulkalender der Natur- und Jngenieurwissenschaften einschl. Grenzgebiete. Herausgegeben von H. Degener, Dr.- Ing. Harm, Dr. Scharf. Sommer-Semsster 1925. Leipzig Verlag Chemie, G. m. b. H., Berlin V. D. I.-Verlag, G. m. b. H. (11, 445 S.) 16° steif brosch. 3 Rm. Der Kalender bietet eine vollständige Zusammenstellung aller Vorlesungen und ist somit für den Studierenden wie für den Industriellen, Ingenieur, Chemiker, für wissenschaftliche Bibliotheken und alle Behörden, die mit der Industrie zu tun haben, als Nachschlagewerk unentbehrlich. 319 — Richard Sichler und Joachim Tiburtius: Die 'Arbeiterfrage, eine Kernfrage des Weltkrieges. Ein Beitrag zur Erklärung des Kriegsausganges. Geb. 4 Mk. (Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin W. 9.) 293 — Zivilprozeßordnung für das Deutsche Reich, Gaupp-Stein. 12. Auflage, bearbeitet von Dr. M. Ionas. (Verlag 3. C. D. Mohr in Tübingen.) Es entsprach einem allgemeinen Bedürfnis, wenn der Stein- sche Kommentar eine neue Auflage erfuhr. .Urb dennoch mußte es vielleicht als ein gewagtes Beginnen erscheinen, jetzt, wo man — wenn auch erst in Zähren — eine Prozeßnovelle erwartet, ein so großes Werk neu herauszugeben. Aber gerade deshalb ist der Entschluß des Verlags doppelt zu begrüßen. Denn cs war äußerst unangenehm, dieses Werk vergriffen zu sehen, zumal wenn man bedenkt, wie sehr der Steinsche Kommentar Praxis und Wissenschaft von jeher beherrschte. Stein war 1923 gestorben: die neue Auslage hatte in Ionas einen neuen Herausgeber. Die Aufgabe, die dieser vorfand, war nicht gering; weite Teile waren neu zu bearbeiten (vor allem die Rovelle 1924). Daß dabei die alte Klarheit und im Interesse des Rachschlagens nach Möglichkeit die alte Einteilung gewahrt blieb, ist der Vorzug des Werkes. In der Rovellengesetzgebung beschränkt sich der Verfasser ganz auf Kommentierung: diese neutrale Haltung berührt sympathisch. Im übrigen ist. soweit bis jetzt erschienen, gerade die Rovelle äußerst sorgfältig und weitschauend kommentier!. Roch sind erst von dem Werke 4 Lieferungen erschienen (bis § 291 ZPO.). Man wird nicht ohne Spannung auf die Fortsetzung des Werke. warten, was es zu den Aenderungen und Wci terungen von ZPO. und Wissenschaft zu sagen hat. Das Werk ausdrücklich zu empfehlen, er übrig! sich. (183) Htz — Deutsche Opfer französischer 63 > waltherrschaft: Palm und Schlaget er von PH. Horbach, Pfarrer i. R. in Gießen, Verla? von Th. Weicher in Leipzig. In einem kleinen instruktiven Schristchen hat der Verfasser an Hand von dokumentarischen Belegen und gestützt auf zahl reiche Bilder die beiden französischen Justizmorde an deutschen Staatsbürgern darstellt, Taten, die heute wie damals in der ganzen gesitteten Welt einen Schrei der Entrüstung auslösten und ein ewiges Schandmal französischer Rechtsprechung bleiben werden. Zeitschriften. — Die neue Rümmer 4187 der „I llu ° strierten Zeitung“ (Verlag I. I. Weber. Leipzig) weist wieder einen Inhalt auf, der sich durch Vielseitigkeit und Fülle auszeichnet. Eine Auswahl von charakteristischen Werken der Großen Berliner Kunstausstellung 1925 gibt in vorzüglichen Reproduktionen einen ITeberblick über diese beachtenswerte Ausstellung. Weiter bringt Professor R. Hennig eine recht lehrreiche Arbeit über die höchsten Berge der Erdteile. Ein packendes Lebensbild Florian Geyers, des ritterlichen Führers der Bauern im Bauernkriege entwirft A. von Czibulka anläßlich seines 400. Todestages. Ferner ist der 600-Iahrfeier der Stadt Bad Ems und der 250. Wiederkehr des Tages der Schlacht bei Fehrbellin eingehend gedacht. Ein wenig bekanntes Thema behandelt G. S. Urff in seinem Aufsatz „Die bäuerliche Flachsgewinnung". Reiche Kunstbeilagen geben dem Heft ein vornehm künstlerisches Gepräge. — „Die Kunst", Monatshefte für freie und angewandte Kunst. (F. Bruckmann A.-G., München.) Den romantischen Zauber der sogenannten Blütenteppiche, die um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert in der Touraine entstanden, ruft ein reich bebilderter, auch mit einer prächtigen Farbentafel ausgeftatteter Aufsatz von Betty Kurth-Wien im Juni-Heft dieser überaus mannigfaltigen Zeitschrift wach: Es ist eine wenig bekannte Provinz der Kunst, die mit dieser Studie und den Abbildungen erschlossen wird. Dem flämischen Künstler James Ensor, einem abseitigen Meister, der stets seine eigenen, von allen Moden und Richtungen fernen Wege ging, widmet Prof. Bredt eine liebevolle Studie. — Der Erfolg einer Badekur ist nicht zuletzt bedingt und begründet durch eine gleichmäßig heitere und fröhliche Stimmung. Ein solch heilsame Wirkung auf jegliche Gemütsverfassung hat unter allen Umständen die regelmäßige Lektüre der Meggendorfer-Blätter! (München, Residenzstr. 10.) Dieses echtem Humor und unpolitischer Satire gewidmete Familienwitzblatt bringt wöchentlich ein reich und gut illustriertes Heft mit Originalhumoresken, neuen Anekdoten, Glossen und Witzen sowie Gedichten lyrischen, humoristischen und aktuellen Inhalts. — Nr. 24 der „S u ft i g e n Blä11e r" ist soeben erschienen. Zwei Hauptereignisse bilden den Gegenstand witziger Bemühungen: Es ist erstens die nicht so ganz lustige, sondern eigentlich sehr ernsthafte Gefahr, die der Ausstand der Kolonialvölker für die europäischen Staaten bildet, und es ist zweitens der Besuch, den Jack Dempsey den Berlinern erweist. nt.v Erscheint, Sonn- 1 v Siebener herin WNSt! 2