ur. zvs Erstes Blaff 175. Jahrgang Montag, 21. Dezember 1925 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnitk und Verlag: vrühl'sche Universität§-Vuch- und Stcinörudcrei R. Lange in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchul^triße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, ausuk rts 10 Reichspfennig; für Re» Klameaneigen von 70 . m Breite 35 Rcichspsennig, Platzvorfchrif! 20 *mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Derantworttich. für Politik und F euilleton Di. Fricdr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blum schein; für den Anzeigenteil Haus Iüstel, lämtlid) m (Bienen. Erscheint lagl ich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-kezvgspreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schristleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. poflschectfonfo: Sranffurf am Main 11686. Hessischer Landtag. Darmstab l, 19. Dez. Präsident Adelung erffönef die Sitzung um 91/2 ilbr. Auf eine Kleine Anfrage der Demokraten, ob es der Regierung bekannt sei, bah in zu- uetzmen-em Mähe Waffenscheine für K l e i n la l i b e r - G e lo e h r e erteilt würden (Heiterfeit auf der Rechten des Hauses), erwidert Ministerialrat Spam er, baß die Kleinkaliber- Gewehre für den Schießsport verwendet würden, und zwar von den Schiehsportvereinen, die unpolitisch seien und gegen die Rachteiliges nicht besannt geworden sei. Die Waffen wäreit zumeist auf den Sportplätzen, wenn sie über die Straße befördert würoen, sei ein Waffenschein erforderlich. Wie in andercii Ländern, habe man auch in Hessen keinen Anlaß, gegen das Kleinkalibrr- Schießen vorzugehen. Auf der Tagesordnung steht die Regierungsvorlage, Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Ausführungsgesetzes zum Finanzausgleichgeseh. Hierzu liegen folgende Anträge der Abgg. Dr. R i e p o t h und H a u r y (D. Vp.) vor: 1. Wir beantragen: Art. I § 5 erhält folgende Fassung ..Artikel 11 erhält mit Wirlung vom 1. April 1925 folgende Fassung: Das dem Lande zustehende A.flammen an Kraftfahrzeug st euer wird den Gemeindeverbändcn, denen die Wegeunterhaltung obliegt, zum Zwecke der Wegeunlerhaltung überwiesen. Das Ministerium des Innern wird ermächtigt, die Vorschriften über die weiters Verteilung des Aufkommens unter die Gemeindeveraände zu erlassen. 2. Wir beantragen: 3n § 7 sind die Worte: ..3n den 'fiskalischen selbständigen Gemarkungen bleiben die Steuern vom Wertzuwachs uncrhoben" zu streichen. 3. Wir beantragen: § 8 ist zu streichen. Abg. Dr. Riepoth (D. Vp.) wendet sich zunächst gegen § 7 der Vorlage, in der fiskalische Gcmarlungen von der Erhebung einer Wertzuwachssteuer ausgenommen werden. Der Abgeordnete äußert mehrere Bedenken gegen § 8 der Vorlage und bemerkt dazu, daß feine Partei die ganze Vorlage ablehne, wenn § 8 nicht falle. Abg. Dr. Leuchtgens (Ldb.) und Kindl 15>nll.) äußern ebenfalls Bedenken gegen § 8. Abg. Lux (Soz.) tritt für dessen Aufrechterhaltung ein. Finanzminister Henrich hält die Bestimmungen des § 8 nicht für wesentlich. Die Regierungsvorlage wird dann in erster und zweiter Lesung nach den Ausschußanträgen angenommen: der tz 8 ist damit gefallen. Hierauf werden die Vorstellungen des Bäckerzweigvcrbandes Hessen und des Bäcker- Innungsvcrbandes Rhein-Main-Rahc (Sitz Mainz) über den Arbeitsbeginn in Den Bäckereien im Winterhalbjahr beraten. Abg. Schaub teilt als Berichterstatter mit, daß der Ausschuß beschlossen habe, versuchs- tveile den Arbeitsbeginn um 5 Tlhr (statt bisher 6 Uhr) zu erlauben. (Bisher bestand ein Verbot.) Abg. Dr. Müller (Landbund) weist darauf hin. daß seine Partei das schon früher verlangt habe, jetzt habe man (zu den Sozialdemokraten gewendet! ben wirtschaftlichen Rotwendigteiten nachgegeben. Der Redner weist auf den starken Wcizenmehlverbrauch hin: dadurch bliebe der deutsche Roggen unverkäuflich und gewaltige Geldsummen wanderten unnötiger Weise nach dem Ausland. Di Reegierung tollte auf die Bäckereien einwirten, daß mehr Roggenmehl verwendet und mehr Roggenbrot oder ein Mischbrot aus Weizen- und Roggenmehl hergestellt wird. Minister Raab erwidert: Alle Staaten an Hessens Grenzen hätten den Arbeitsbeginn um 5 älhr eingeführt, daher könne Hessen ohne Rachteil keine Ausnahme machen. Wenn das Haus den 5-Llhr-Arbeitsbcginn beschließe, würde er sich nicht widersetzen. Abg. Weber (Soz.) spricht gegen ben früheren Arbeitsbeginn, benn der Grunbiah des Achtstundentages würbe damit durchbrochen. Abg. Galm (Komm.): Minister Raab Hut soeben erklärt, er würde den Beschlich des Landtags durchführen, obwohl er gegen ein Reichsgesetz verstoße. Vor einigen Tagen hat der Finanzininister sich anders verhalten. 2ll>g. Dr. Werner erklärt, seine Partei trete sozictipolitisch nicht nur für die älnselbstän- btgen, sondern auch für die Selbständigen, die Handwerlcr. Landwirte und andere Berufe ein. Das erst fei wahre Sozialpolitik. Es sei notwendig. M i t t e l st a n b s p o l i t i k zu treiben und dem Handwerk zu helfen, darum fei seine Partei für ben Ausschußantrag. Abg. Heinstadt (Z.) spricht für ben 5 Llhr- Arbeitsbeginn: Hessen allein könne keine Ausnahme machen. Rach weiterer Debatte wirb ber Ausschußantrag a n g e n o m m e n. Daggen stimmt die Linke des Hauses und ein Zentrumsabgeorbneter. Abg. Dr. Müller (Hess.) Landbunb) verlangt Auskunft über die Verwendung von Krediten, namentlich von Postkrediten. Minister Raab antwortet, daß die hessische Regierung bei der Verteilung dieser Kredite nicht mitgewirkt habe. Hierauf wird über die Anträge zur Polizeifrage abgestimmt. Die Ausschuhanträge werden (zumeist gegen die Stimmen der Rechten) a n g e - n o m m e n. Die Mehrzahl ber Anträge werden durch Regierungsantworten nach diesen Aus- schußbcschlussen für erledigt erklärt. Der Antrag Delp, ber eine Reuorganisation des Polizeiwesens mit dem Ziele einer erheblichen Verminderung des Polizeibedarfs will, ferner mit Rußlands Außenpolitik. Moskau, 20. Dez. (Telegraphenagentur ber Sowjetunion.) 3n seinem f nfstündigeu, für das Zentralkomitee ber Kommunisti chen Partei Rußlands erstatteten Bericht über die politische Lage führte ber Generalsekretär ber Partei Stalin auf dem Moskauer Parteitag u. a. aus: Die gegenwärtige vorübergehende Stabilisierung des europäischen Kapitalismus, welche b'.e Schwierigkeiten ber RachkriegZzeit in großem Umfange überwunden hat, ist hauptsächlich um ben Preis feiner finanziellenUnterorbnung unter Amerika erreicht worden, wohin sich bas Zentrum ber finanziellen Macht verschoben hat. Der europäische Kapitalismus sucht einen Ausweg in verstärkter Besteuerung und Ausbeutung ber Arbtitersch'.ft sowie durch verstärkte Ausbeutung der Kolonien un'> der sonst abhängigen Länder, wo infolg'd ss n die rev lutionär n Bewegungen an Boden gewinnen. Darin und nicht in ben angeblichen bolschewistischen Umtrieben liegt ber Grund bet Kolonialkrisen. Die Leute, welche die Bolschewisten beschulbigen. in den Kolonien und Halbkolonien eine Emanzipationsbewegung zu organisieren, tun ihnen zu viel Ehre an. Amerika, welches die Zahlungsfähigkeit Deutschlanbs zu steigern beabsichtige, indem es ihm die Sowjet- Märkte zur Ausbeutung überlasse, mache die Rechnung ohne den Wirt, denn die Sowjetunion wünsche auch nicht, um Deutschlands Willen ein Agrarland zu werden, sondern gehe Wege der industriellen Entwicklung. Der Dawesplan berge revolutionäre Krisen in Deutschland in sich und der Locarno-Vertrag ben Krieg in Europa. Locarno bedeute nur die Befestigung des durch den Versailler Vertrag geschaffenen Zustandes, mit dem ein erstarkendes Deutschland sich niemals abfinben wirb. Locarno wird zwangsläufig das Schicksal des französisch-preußischen Vertrages teilen, welcher den Keim zum Kriege von 1914 enthielt. Der pazifistische Lärm um Locarno erinnert an die Lage nach 1871, als Bismarck und das besiegte Frank- rich sich aus die Erhaltung des Statusquo verstän- bigten und Bismarcks Pazifismus allgemein gepriesen wurde, während Deutschland und Oesterreich im Jahre 1879 und Rußland und Frankreich 1898 äußerlich friedlich erscheinende Derrräge abschlossen, die ungeachtet aller pazifistischen Dekorationen wie die Haager Konferenz im Jahre 1899 zur Grundlage des Weltkrieges von 1914 werden sollten. Stalin betonte das Heranreifen von Gegensätzen zwischen den Siegerstaaten, beten ungeheuerliche Rüstungen natürlich nicht dem abgerüfteten Deutschland gelten. Hinter dem Zusammengehen Amerikas und E n g l a auf ber Grundlage gemeinsamer Gegn gegen den Erlaß ber interag ierten Schulden man einen englisch-amerikanischen Welttam,. < um das Raphtha und ein Aufeinanderprallen der englisch-amerikanischen Interessen in China nicht vergessen, wo Amerikas biegsamere Politik auf die brutalen Kolonialmethoden der.englischen Diplomatie stoße. Stalin erwähnte die Reibungsflächen zwischen Frankreich und England, insbesondere Marokko und Serien und die amerikanisch-japanischen Gegensätze int Stillen Ozean und zog daraus den Schluß, bah zwischen den sogenannten Alliierten nicht ein freundschaftlicher Friede, sondern ein bewaffneter, Kriegsgefahr bergender Friede herrscht. Das friedliche Zusammenleben Rußlands mit den kapitalistischen Ländern sei auf Wunsch Amerikas zurückzuführen, in Europa, wo seine Milliarden untergebracht sind, einen Krieg zu vermeiden, und ferner auf die für den Kapitalismus bestehende Lebensnotwendigkeit, die Sowjetunion der Weltwirtschaft zu erschließen. Dieses Jahr habe zum erstenmal wirklich eine bedeutende Entwicklung des Außenhandels der Sowjetunion gebracht, an welchem besonders Amerika durch Baumwollexport und Deutschland und E n g l a n d^, d u r ch Getreideimport interessiert esien. Stalin gab ber vollen Sympathie der kommunistischen Partei Rußlands für den einer Revision ber Gehälter ber Staatsbeamten einen neuen Besolbungsplan für -bic Polizeibeamten. Gendarmerie und Strafanstaltsb warnten, ist angenommen. Wenn bas Reich eine Reuregelung ablehne, sollen bic Länder von sich aus eine neue Besolbungsordnung schaffen. Rach Prüfung ber Verhältnisse solle notleibenden Beamten unb Staatsarbeitern eine Winterbeihilfe gewährt werben. Der Antrag Dingelbey über die Auszahlung ber Strafanteile wirb an ben Geseh- gebungsausschuß zurückverwiesen. Dem Hause ist ein Antrag Hein stabt- Schül (Z.) zugegangen, ber 1. eine Beihilfe für Beamte der Gruppe 1 bis 6 fordert, wie sie ben Aeichsbeamten durch ben Reichstag bewilligt worden ist. 2. Die Regierung veranlassen will, be iber Reichsriegerung die Mittel hierfür anzuforbem. 3. Den Beamten ber Gruppe 7 1 , bes Ianuargehaltes vor Weihnachten ausbezahlen lassen will. Wie Abgeordneter Reiber als Berichterstatter mitteilt, hat sich die Reg crung die Stellungnahme za dem Antrag bis nach dem Beschluß des Landtags Vorbehalten. Während ber Beratungen im Ausschuß sei noch ein kommunistischer Antrag gestellt worben, auch ben Staatsarbeitern eine Beihilfe zu gewähren. Der Ausschuß empfehle die beiden ersten Befreiungskampf des chinesischen Volkes unb der Bereinigung Chinas zu einem einheitlichen Reich Ausdruck. Er erklärte, die Politiker des Ostens und des Westens, welche die Große der in der Entfalutng begriffenen revolutionären Kräfte Chinas verkennen und nicht verstehen, daß China in einem Einigungsprozeß bestehl, wie ihn Nordamerika, Deutschland und Italien durchgemacht haben, würden sich durch diese Verkennung der Sachlage großen Nachteilen aussetzen. Stalin hofft, daß Japan in dieser Hinsicht Verständnis zeigen wird. Jeder Machthaber in der Mandschurei, welcher seine Politik auf bic Untergrabung der russischjapanischen Beziehungen einstelle, werde unver- meidli chscheitern. Rußland sei nicht an der Zuspitzung seiner Beziehungen zu Japan, sondern an größtmöglicher Annnäherung an Japan interessiert. Stalin schloß den außenpolitischen Teil seines Referates mit den Worten: Weiterer konsequenter Kamps um die Erhaltuüg des Friedens, Bloßstellung ber unter pazifistischer Flagge segelnden, den Weltfrieden bedrohenden Vorgänge, wie Locarno, Bloßstellung der Organisationen, welche wie der Völkerbund, der Unterdrückung schwächerer Völker durch stärkere dienen, Erweiterung unseres Außenhandels auf der Grundlage konsequenter Durchführung des Sowjetmonopcüs, Annäherung an die durch den Weltkrieg am meisten benachteiligten kapitalistischen Länder, Festigung der Freundschaft zu den Völkern und abhängigen Staaten unb Kolonien sin ddie Aufgaben der internationalen Politik der Sowjetunion. Sowjetrutzland und die Abrüstungskonferenz. Moskau, 20. Dez. (WTB.) Die Ein- labung des Völkerbunds rotes zur Teilnahme an ben Arbeiten des Rates auf der zum 15. Februar nach Genf einberufenen Kommission zur Vorbereitung der Abrüstungs- k o n f e r e n z ist beim Auhenkommissariat eingegangen. Das Schreiben weist darauf hin, daß der Völkerbundsrat angesichts der großen Bedeutung der Sowjetunion in der Abrüstungsfrage die Anwesenheit Rußlands nicht nur auf der Konferenz, sondern auch in dem die Konferenz vorbereitenden Kommissionen große Wichtigkeit beimesse. Zu dieser Einladung des Völkerbundsrates schreibt die offiziöse „I s w e st i j a", daß die Sowjetunion trotz ihrer skeptischen Einstellung gegenüber den Abrüstungsmöglichkeiten der bürgerlichen Staaten sich niemals geweigert hat, an den Abrüstungsverhanblungen teilzunehmen unb in den meisten Fällen die Initiative zu berartigen Verhandlungen ergriffen habe. Die Friedensliebe der Sowjetunion beruhe auf dem dringenden Bedürfnis nach Frieden, der zur Wiederherstellung der Wirtschaft notwendig sei. Die Sowjetregierung sei auch jetzt bereit, an der bevorstehenden Abrüstungskonferenz teilzunehmen, ungeachtet dessen, daß die Einladung an Rußland bereits zum Gegenstand-eines diplomatischen Spiels geworden sei. welches bezwecke, Rußland zum Verzicht auf die Teilnahme an der Konferenz zu zwingen. Ein derartiger Verzicht wäre Wasser auf bic Mühle Englands, denn er würde genügen, um Rußland vor den breiten Massen als Friedensstörer erscheinen zu lassen. Besonders charakteristisch sei die Wahl Genfs als Konferenzort, wohin Rußland mit Rücksicht auf seine T. > ehuggen zur Schweiz nicht gehen könne. Das ist dem Völkerbund bekannt und er hat auch 1924 die Tagung der Kommission für die Marinerüstungen wegen der Weigerung ber S:wjetbelcgation, in die Schweiz zu reisen, nach Genf verlegt. Die Sowjetregierung betont von neuem ihre Bereitschaft, an der bevorstehenden Abrüftungskon erenz teilzunehmen, wird jedoch alle Maßnahmen treffen, um vor der öffentlichen Meinung aller.. Länder bic Versuche zu enthüllen, die darauf ausgehen, die Konferenz mit Bedingungen zu umkleiden, welche für die Sowjetunion unannehmbar sind, um dadurch deren Teilnahme an der Konferenz unmöglich zu machen. Forderungen des Antrags Heinstadt-Schül anzunehmen. Zur dritten Forderung habe der Finanzminister im Ausschuß erklärt, keines der Länder gewähre eine Vorauszahlung: darum habe ber Ausschuß beschlossen, die dritte Forderung des Zentr: mLantrages abzulehnen. Es wird dann noch ein sozialdemokratischer Zusatzantrag (Antrag Kaul- mi {geteilt, in Dem eine Beihilfe in Höhe eines Wochenlohnes für Staats a r b e i te r verlangt wird. Der Antrag der Kommunisten (Antrag Galm) verlangt eine Wirtichastsbei- Hilfe von 50 Mk. Abg. Dr. Leucht gen s iHess. Landbunb) weist auf bic finanzielle Bedeutung der Anträge hin unb fragt, wie ber Finanzminister sich zur Aufbringung ber Mittel stelle? Finanzminister Henrich macht längere Ausführungen, die schließlich auf den nur persönlich erteilten guten Rat h nauslaufen, die Anträge abzulehnen. (Lebhafte Bewegung im Hause.) Aba. Ding eldeh (D.Dp.) g:bt im Rainen seiner Partei die Erklärung ab, baß sie den Anträgen Heinstadt unb Kaul zustimmen werbe. Der Rebner erklärt bann, seine Verwunderung darüber aussprechen zu müssen, bah die Regierung noch keine Stellung zu dieser Angelegenheit genommen hätte: sie fei ja nicht erst gestern davorgeskeltt worden, sondern sie habe genau gewußt, daß die Frage Im Reichstag behandelt würde, und sie hat ihren Vertret: o im Reichsrat instruieren müssen über d se Frage. Sie wußte ganz genau, daß der Beschluß des Reichstags Rückwirkungen aus die hessischen Staatsbeamten hat. Wir müssen unser Befremden über das Verhalten der Regierung erklären. Die Reg rang w ll nur b n Landtag vor die Beschlußfassung fteile.i; bi:f;ibc Regierung, die am Tage vorher stark genug war, ihre Autorität vor dem Landtag za betonen. Abg. Schül (Ztr.) bittet um Annahme seines Antrages, insbcscn cre auch der Bestimmung über die Vorauszahlung des Gehaltes. Abg. Dr. Werner (Dntl.) bedauert, daß es nicht möglich sei, die höheren Gehaltsgruppen zu bedenken: auch diese Gruppen, namentlich bic zahlreiche Gruppe 7. litten Rot. Der Redner befürwortet eben alls ‘oft Vorauszahlung auf das Ianuargchalt. Die Deutsch- nationalen würden ben Anträgen Heinstabt unb Kaul zustimmen. Abg. Dr. Leuchtgens (Hess, ßanbbunb) kritisierte bas Verhalten ber Regierung, bic schon seit Wochen vor bleie Frage gestellt sei. Man könne barauf gespannt fein, was bic Regierung nach dem Beschluß des Landtags tun werbe. Rachbem der Finanzminister erllärt hätte, für bic Anträge seien keine Mittel vorhanden, müsse seine Partei dagegen sein. Abg. Dr. Keller (D. Vp.) macht den Finanzminister darauf aufmerksam, daß eine moralische Verpflichtung bestehe, den hessischen Beamten dieselben Bezüge, wie den Reichsbeamten zu gewähren. Der Redner fordert, auch der Altpensionärc zu gedenkcn Finanzminister Henrich bemerkt zu dem letzten Punkte, daß die Altpensionäre in Bayern nicht annders behandelt würden als wie in Hessen. Rach weiteren Auseinandersetzungen werben die Anträge zur Abstimmung aufgerufen. Abg. Galm fordert, daß sein Antrag als der weitestgehende zuerst zur Abstimmung gestellt wirb. Es wird dagegen Widerspruch erhoben und es entspinnt sich über diese Frage eine längere Geschäftsorbnungsbebatte, die schließlich in Lärm- zsenen zwischen den Sozialdemokraten und den Kommunisten ausartet. Bei dieser Gelegenheit fallen die Schimpfworte Verräter, Lausbub und Schweinehund. Der Präsident läßt darüber abstimmen, ob ber Antrag Galm zuerst zur Abstimmung gestellt werden soll. Di fer Antrag wird gegen bic Stimmen ber Kommunisten abgelehnt. Hierauf erfolgt die Abstimmung über den Antrag Heinstabt-Schül: die Absätze 1 und 2 werden in älebereinstimmung mit den Ausschuh- anträgen von der Mehrheit des Hauses angenommen. Auch der dritte Absatz wird angenommen, obgleich der Ausschuß Ablehnung beantragt hat. Der Antrag Kaul wird gegen die Stimmen des Bauernbundes angenommen. Der Antrag Galm wird gegen die (Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Finanzminister Henrich erklärt, der Antrag Heinstadt könne nicht burchgeführt werden, weil die Mittel fehlten unb auch bic Zeit zur Auszahlung zu kurz sei. Abg. Galm (Kom.) wirb nachträglich zur Ordnung gerufen, weil er die Ausdrücke Verräter und Schweinehund gebraucht hat. Der Abg. Widmann (Soz.) wird zur Ordnung gerufen, weil er bas Schimpfwort LLausbub gebraucht hat. Gegen 2 ülhr schließt ber Präsident die Beratungen und beraum tbie nächste Sitzung auf den 12. Januar an. Auf ber Tagcsorbnung steht u. a. bas Finanzexpose des Finanzministers. Der Präsident wünscht den Abgeordneten gesegnete Feiertage. Durchführung des Feldbereinigungsverfahrens in Hessen. Darm st a d t, 19. Dez. Wegen ber Durchführung des Fel5b^reinigungversährens wurde im Landtag folgende Anfrage der drei Rechtsparteien eingebracht: „Sic Durchführung ber Feldbereinigungsverfihren und brr Meliorationen, unzweifelhaft Arbeiten produktiver Ratur, drohen zum Stillstanb zu tommen. to^nn es nicht gelingt, alsbald größere Mittel flüffig zu machen. Wir fragen an: Ist die Regierung bereit, alle Möglichkeiten zur Aufnahme einer Anleihe von 1 bis 2 Millionen Reichsmark auszunühen unb die eingehenden Beträge ohne Zinsaufschlag den Feldbrreinigungsge-s.llschaften darlehensweise zur Verfügung zu stellen?" Gemeinden und W rtschaftskrisis Köln, 19. Dez. (TU.) In ber Kölner Stadtverordnetenversammlung sprach Oberbürgermeister Dr. Adena u e r über die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Besonders im Westen des Reiches und in Köln fei die wirtschaftliche Lage außerordentlich schwierig. Eine der Hauptursachen sei unsere passive Handelsbilanz. Dazu komme die allen volkswirtschaftlichen Grundsätzen widersprechende Politik der Reichsregierung. So habe z. B. Köln eine Auslandanleihe von 20 Mill. Mark zum Ausbau ihres Bahnnetzes nickt bewilligt erhalten, ferner eine Anleihe von 10 Mill. Mark für die Errichtung einer Mülloerbrennungsanstalt. Dadurch waren aber 2930 Mann für ein ganzes Jahr beschäftigt gewesen. Derartige Anleihen würden die Gemeinden in die Lage versetzt, wieder bei der Wirtschaft zu bestellen. Der Kern der E r • werbslosenfür sorge liege darin, daß man die Arbeitslosen wieder, an ihre eigentlichen Ar- beitsfteUen hinführe. Er habe den Emdruck, daß in den letzten Monaten in Deutschland über den auswärtigen Fragen die ebenso dringenden roirt- ichofklichcn Fragen völlig vernachlässigt worden seien. Reich und Staat wirkten eher hemmend als fördernd. 3m besetzten Gebiet sei die Arbeilslosig- teil doppel« so groß wie im unbesetzte««. 3m bc iejjten und Ruhrgebiet seien unter 100 Arbeitern 13,4 Proz. am 15. November erwerbslos gemefen. Die deutsch-französischen wirtsch astrverhandlungen. Paris. 19. Dez. (WB.) Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungcn haben zum Abschluß eines Protokolls geführt, lieber den Verlauf der Verhandlungen ist folgendes von der deutschen und französischen Delegation verabredetes (Kommunique ausgegeben worden: Die deutsche und die französische Delegation für die HandelLvertrogsvcrhondkungeir haben heute ein Protokoll unterzeichnet, in dem die Resultate ihrer Arbeiten in den letzten Tagen zu- sammengc'aßt werden. Diese Resultate bestehen vor allen Dingen in der Schaffung einer B a - f i s. die nunmehr für die letzte Phase der Verhandlungen. die am 12. Januar wieder ausgenommen werden sollen, uiwerändert bleibe«« soll, und in der Festsetzung eines Verfahrens für die Vorbereitung dieser bevorstehenden Verhandlungen. Es ist belanat. daß die Meinungsverschiedenheiten. die bis jetzt die Fortsetzung der Arbeiten verhindert haben, sich vor allen Dingen aus der automatischen Ge- to ä f) r u n g des Minimaltarifs für d i e deutschen Exportartikel. sobald das neue französische Zollgeseh angenommen war. und aus den Stabilitätsgarantien des Deutschland zu gewährenden Tarifregimes ergab. 3n zwei Punkte«« sind Koinpromißlö- sungen gefunden tvorden: Deutschland erhält die Sicherheit, daß es an einen« bestimmten Datum mir den meistbegünstgten Konkurrenten auf dem französischLn Markt gleichgestellt wirb, ebenso die möglichen Abänderungen des französischen Zolltarifs, die seine Erpor.interessen verletzen, aus,zugleich?«« oder zu neutralisieren. Als Gegenleistung für bkfe Garantien, die bisher noch nicht gegeben «rarem hat Deutschland die Behandlung näher fcstg:l?gt. die Frankreich im Falle eines gerechte«« Ausgleichs der Zugeständnis.e «mb Vorteile sowohl in Bezug auf die Meistbegünstigung als auf die für sein? Export- artikel gewährte:« Zollbindungen genießen soll. Dir bri.'cn D.l.gationen haben andererseits beschlossen. einen Ünterschird zwilchen dem allgemeinen Tertragstext und d?>« Lari'abmachungen des Vertrages zu mach?««, derart, daß die offi- zielle .Kündigung der Tarifabmachüngen nicht die im allgemeine«« Vertraastext enthaltenen da«r- ernder« Sicherheiten aufhebt. Die Locarnoverträge in drr französischen Kammer Paris, 19.Dez. (WB.) Die vereinigten Aus- s ch ässe der Kam m e r für Auswärtiges und Heeresangelegenheilcn find heute zufammengetre- ten, um Ministerpräsident Briand über die in Locarno abgeschlossenen Abkommen und deren nii- lilärische Folgen zu hören. Briand hat geschichtlich die Verhandlungen, die über den Abschluß der Sicherheitsverträge geführt wurden, klargelegt und auch daran erinnert, daß er schon Ende 1921 den • Abschluß eines Garantiepaktes mit • .glaub ins Auge gefaßt habe, von dem Deutschland nicht aus« 1 geschloßen worden wäre. Seine Bemühungen feien y darauf gerichtet gewesen, das zu schaffen, was man in Genua nicht habe .zustande bringen können, nämlich alle Staaten zugunsten der Sicherung des ; Friedens zu gruppieren. Die abgeschlossenen Vertrüge bedeuteten den Beginn einer neuen Aera, die es den europäischen Staaten gestatten werde, in uj'fi't • europäischem Geiste der Sicherheit und Solidarität vor der ständigen Kriegsgefahr sich gegenseitig zu sichern. Die erste Grundlage der Verträge sei der Respekt vor den bestehenden Verträ- ’ .'en auf Grund eines freien Zugeständnisses. Die zweite Grundlage sei der feierliche Verzicht ' u f Gewalt. An sie !rnne nur gebucht werden, oenn es sich um einen Angriff handle. 3n dritter Vmie endlich enthielten die Verträge die Verpflich- tling eines juristischen Schiedsspruchs der Ra«io- non. Hätte man vor 1914 einen derartigen Sicher heitspah abgeschlossen, dann Halle der Krieg nicht ftaUqcfunben. Briaild habe Tschitscherin die Versicherung gegeben, daß die Abkommen von Locarno in keiner Weise gegen Sowjet- ruhland gerichtet seien. Das werde er demnächst öffentlich aus der Kammertribüne er= Hären, und er werde sich ..ach beim Völkerbund dafür einsetz-n. daß Sowietrußland eine gleiche Steilung innerhalb des Völkerbundes vorbehalten werde, wie allen rfhberen Nationen. Syrien-Debatte in der französischen Kam ner. Paris, 21. Dez. (211.) Die Kammer hat die Interpellationsdebatte über Syrien fortgesetzt. General Sarrail wohnte auch diesmal der Debatte auf der Zufchauerlribüne bei. Cs kommt zu aufiehenerregenden Zusammenstößen, als der Abgeordnete der Rechten. DeZjardin die kriegsgerichtliche Aburteilung Sar- rails und Micyauds verlangt. General 2Nichaud sei der Mörder seiner Soldaten gewesen. Kriegsminister Painleve schickt sich an, den Saal zu verlassen und kehrt erst auf dringendes Zureden Briands auf seinen Platz zurück. Cs sprachen fast ausschließlich kommunistlsche Redner, die die gesamte Kolonialpolitik Frankreichs auf schärfste kritisieren und heftige Angriffe gegen den Völkerbund richteten, der nicht das geringste zur Unterstützung der unterbrächen Orientvölker getan habe. General Sarrail habe alle seine Vorgänger an Brutalität und Zynismus weit übertroffen. Die Ausgaben für Shrien. beliefen sich auf 2,6 Milliarden und weitere 4 Milliarden habe die Expedition nach dem Rorden des Landes gekostet. Die Zahl der Toten in diesem Jahr betrage 6608. Die größte Heldentat General Surrails sei die Beschießung von Damaskus, deren Folgen man noch gar nicht recht erwogen habe. Die unmittelbare Folge hätte darin bestanden, daß in Jerusalem und Bagdad sofort der Generalstreik begonnen hätte. Der Rachfolger des Generals Sarrail sei keineswegs besser. Die Aufständischen verfügten über 100 000 Gewehre. Wer gebe sich noch der Hoffnung hin daß die Franzosen mit 20 000 Soldaten die Av, standsbewegung nieberwerfen könnten? Pain- leve versucht das Verhalten des General Sar-- rails zu decken. Er stellt fest, daß die Druse.« auch früher unruhig gewesen seien Durch di-? Daten des Anfangs des Aufstandes sei erwiesm. daß die Unruhen schon vor der Ankunft General Earrails begonnen hätten. General Sarrail habe sogar durch Güte und Überredung zu wirken verstecht. Damaskus sei nur wegen eines .lieber- salles von Räuberbanden in einzelnen Vororten unter Feuer genommen worden. Briand erklärt, er sei zu der lleberzeuguag gekommen, daß die Generäle nicht iiitstande seien, eine Verwaltung durchzuführen. In« übrigen sei es verkehrt, Frankreich Abd el Krim und den Drusen gegenüber ins Unrecht zu setzen. Frankreich sei angegriffen tpowen; darüber bestehe kein Zweifel. Der Mmisterpräsident stellte unter dem lebhaften Beifall der Mehrheit des Hauses fest, daß von einer Räumung Syriens n i cf)£ die Rede fein könne und es eine schwere Schädigung des französischen Prestiges und ein Eingeständnis der Ohnmacht bedeuten würde, wenn Frankreich das syrische Mandat jetzt an den Völkerbund zurückgeben würde. Der Mossulhonfl-Kt. London, 20. Dez. Den« Korrespondenten des Reuterschen Büros in Parts sagte der tür- ttsche Außenminister, er könne keine Erklärung über Mossul abgeben, da die Lage delikat, wenn nicht gar kritisch sei. Weder sur die Türtei noch für Großbritannien handle es sich um das Petroleum. Wenn es sich um eine wirtschaftliche Frage handel«« würde, dann würde man in fünf Minuten einig werden können. Die Türkei erkenne de«« Irak nicht als Staat an, sondern nur a l s geographische Bezeichnung. Die Türkei hasse den Krieg. Tatsächlich sei der Offcnsivirieg durch di? türkische Verfassung verboten. aber wie jede andere Ration werde die Türkei tun, was bi? nationale V e r t ei- bigung erfor.de re. Sie halte sich selbst für stark genu^, ihr nationales Gebiet zu vertiidigen. Die Dezieyungen der Türkei zu Rußland gründeten sich auf den Moskauer Vertrag: sie tvürden allmählich «roch enger. Die heutige Mossul-Debatte im britischen Unterhaus wird feine großen Sensationen bringen. Lloyd George ist schon am Freitag auf Urlaub nach Italien gereift und Macdvnald führt heule nachmittag nach dem Osten. Wie die „Sunday Times" mitteifi, ist es wahrscheinlich, daß heute in einem Punkte Klarheit geschahen werken wird. Es verlautet näm= lich, daß sich die Regierung entschlossen habe, ihre Position im Irak im Jahre 1923 auf alle Fälle aufzugeben und nach 1928 sich auf eine wohlwollende Reu alität zu beschränk?««. Dis dahin hoffe man Verträge mit der Türkei, dem Irak und Persien abgeschlossen zu haben, wodurch alle möglichen Strei.igteiken. beigelegt werden. Solange En '?nd zur lieber- wachung des Irak verpflichtet s.i. bestehe allerdings stets die Gefahr eines Zusammenstoßes mit der Türkei. In dieser Hi sicht herrsche im Hinterhaus ernste Bsorgnis. Di englischen Interessen in Mossul seien na. Meinung des Blattes nicht die Knochen eines einzigen englischen Soldaten wert. Deutschfeindliche Ztratzen- demonsirationen in Prag. Prag, 21. Dez. (SH.) Im Anschluß an eine tschechischnationale Versammlung kam es gegen Mitternacht zu deutsch feindlichen Demonstrationen in den Straßen Prags. In geschlossenem Zuge begab sich eine Menschenmeitgr nach dem Cafe Continental, einem bekannten Sammelpunkt der Deutschen Prags und brach in stürmische Rufe gegen die De utsch en uni) Juden aus. Ausschreitungen ernsterer Ratur konnte die Polizei verhindern. Auch am Sonntag kam es anläßlich einer Versammlung her tschechischen Fasziften zu Straßendemonstrat'.onen. Dir Red ne rcrHärten, daß dir Demokratie in diesem Staat ein ilnfin.« sei. Retten könne ihn nur der Faszismus. Das Absingen des Deut chlandliedrs im lfchochisechn Parlament sei eine Provokation,die in keinem Staat der Welt geduldet «verden würde. Trotz des polizeilichen Verbots brldrtrn dis tschechischen Fasziften nach der Versammlung einen Demonstrationszug und marschierten unter fortgesetzten Schmährusen auf die Deutschen und Juden. bei denen kein Tscheche etwas kaufen dürfe, vor das Deutsche Haus. Eine doppelte Po- lizeikette wurde von der erregten Menge zweimal überrannt. Erst kurz vor dem Deutschen Haus gelang es, den Zug anzuhalten. Rachdem mehrere Hetzlieder gegen die Deutschen gesungen worden waren, zerstreute sich die Menge. Attentatsplan gegen den Leipziger Staatsgsrichtshsf. Leipzig, 19. Dez. (BZ.) Vor dem gemeinsamen Leipziger Schöffengericht spielt gegenwärtig ein Prozeß gegen einen gewissen Hartmann aus Leipzig, einen,Ofensetzer Probst aus Breslau und einen Elektromonteur Dietzel aus Lodz in Polen. Die Anklage lautet auf schweren Diebstahl, doch hat der Fall zugleich eine recht interessante politische Note. Hartmann, organisierter Kommunist, gibt nämlich an, die von ihm unb seinen Genossen teils in Leipzig, teils in der Dresdener Gegend verübten Diebstähle hätten dazu bienen sollen, Gelb unb A u s r ü st u n g s gegenstände für eine sechsköpfige Partisanengruppe zu liefern, deren Aufgabe darin bestanden hätte, politische Gefangene zu befreien und verschiedene den Kommunisten verhaßte Justizpersönlichkeiten, so vor allem den Vorsitzenden des Staatsgerichtshofs, Senatspräsidenten N i e b n e r , sowie den Berliner Untersuchungsrichter, Landgerichtsdirektor Otto Vogt, gewaltsam aus detn Wege zu räumen. Tatsächlich hatten Hartmann und seine Leute sich bereits im Besitz von zwei Kraftwagen, drei Maschinengeweh- ren unb einer Anzahl von Pistolen befunden. Zu dem Entschluß, und) die Finanzierung der Partisanengruppe auf eigene F a u ft durchzusühren, will Hartmann gekommen sein, weil sich die kommunistische Parteileitung geweigert habe, ihrerseits die angeforderten Barmittel bereitzuftellen. Kleine politische Nachrichten. Samstag abend wurde ein Dynamitan-- schlag gegenbieDr ackere« der „K a t t o- wi her Zeitung" verübt. Der Umfang des L.d;aben* konnte noch nicht festgestellt werden. Die Straße«« wurden sofort durch Polizei abge- I sperrt. I«r Angora ist ein vorläufiges deutsch-türkisch :s Handelsab.ommen geschloffen worden, das bis 5«nn Abschluß des in Aussicht genommenen endgültigen Handelsvertrages die Handelöbezie- tzungen zwischen den beiden Ländern regelt«^ soll. In dem Abwrnmen sich?rn sich die beiden Staaten gegenseitige Meistbegünstigung in zolftarif sicher Hinsicht zu. Ii« Hameln «Weser) verstarb der langjährige Ches des Ziviltabinetts des ehemaligen Kaisers, Exzellenz von Valentini im 71. Lebensjahre. Im Jahre 1908 wurde Valentini als Rachfolger von Exzellenz von Lucanus zum Chef des Zivilkabinetts ernannt. Sein Aach- folger wurde im Jahre 1918 Herr von Berg, der jetzige Generalbevollmächtigte des Hohen- zollernhaufes. Rom, 19. Dez. (Sil.) Im Somaliland sind zwei italienische Offiziere, die der Gouverneur auf die Bitte des Sultans Isman Mehmud nach Midschor gesandt hatte, in einen Hinterhalt geraten und ermordet worden. Daraufhin find sofort italienische Kolon'.^siruppen in das Innere des Landes abgerückt und haben die wichtigsten Verbindungsstraßen besetzt. Die italienische Flotte blockiert die Midscheri-Küste. Man besürchtet, daß die Ermordnung der beiden Offiziere das Zeichei« z«« größeren ilnruhen im Innern gegeben hat. Kunst und Wisfenschaft. Die 4ü0-2ahrfeier der Marburger Universität. j{ Marburg, 19. Dez. Für die Vorbereitung bei 400-3ahrfeier ber Universität Marburg, die in der Zeit vom 29. Juli bis 1. August 1927 in großzügiger Weise geplant ist, hat sich ein Hauptausschuß unb eine Reihe von Unterausschüssen gebildet. 3n Aussicht genommen ist die Einweihung ber als Iubiläuinsgeschenk bereits in Angriff genommenen Hals-, Rasen- unb Ohrenklinik, ber Kinderklinik unb des großen 3ubiläumsfunftinfti» lutes, für das der Universitätsbund die Werbung übernommen hat und dessen Entwurf, wie jetzt beschlossen ist, öffentlich zum Wettbewerb unter den Archstelten ausgeschriedei« werden soll. Ferner ist beabsichtigt, den über 700 gefallenen Dozenten, Beamten unb Kommilitonen des Weltkriegs unmittelbar vor der Universität an ber Ecke Rubolphsplatz- Lahnbrücke, ein Denkmal zu errichten. ■Berufung Echückings nach Kiel. Der demokratische Aeichstagsabgeordnete Wa^er Schücking, früher Professor an der Llniversität Marburg, jetzt an der Berliner Handelshochschule, hat einen Ruf als Lehrer des Völkerrechts an die älniversität Kiel erhalten. Gehermrak Tuczek t- II Marburg, 19. Dez. Der vor zehr« Icchren in den Ruhestand getretene frühere Direktor der Lanbesheilanstalt unb ber psychiatrischen Klinik, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Franz Tuczek, ist heute im Alter vor« 73 Jahren gestorben. Der Gelehrte, dessen Wiege in Köln a. Rh. stand, studierte ein Berlin unb München unb war später als Arzt am physiologischen Institut in Wien, an« Landes- hospital in seiner Heimat Köln und an der psychiatrischen Abteilung der Berliner Eharits tätig. Im Jahre 1879 kam er als Assistent an die hiesige fommunalftänbige La««desheilanstalt unb wurde im Jahre 1884 Privatdozent an der hiesigen Universität. Seine Ernennung zum ordentlichen Professor und Direktor dieser Anstalt erfolgte im Jahre 1894. Im Rettoratsjahr 1907/08 hate Geheimrat Tuczek das Rektorat ber Marburger Universität inne. Außer seiner weitbekannten wissenschaftlichen Tätigkeit entfaltete ber Gelehrte auch im kommunalen Leben eine eifrige Wirksamkeit. So gehörte er lange Jahre dem Marburger Magistrat an unb war auch auf dem Gebiete ber Be'ämpfung ber Volkskrankheitei«, ber Schäden des Alkoholis- mus ufro. äußerst bemüht, seine Ansichten zur Geltung zu bringen. Aus aller Welt. Schneeverwehungen. Aus dem ganzen Reich werden starke Schneefälle und Stürme gemeldet, die in verschiedenen Gegenden zu starken. Verkehrsstörungen führten. So wird aus d-em Harz gemeldet, daß die Züge zwischen Claustal und Altenau mehrfach in Schneeverwehungen stecken geblieben sind und durch Schneepflügr freigemacht werden mußten. Aach Meldungen aus Lübeck war der Berliner Schnellzug, der nachmittags um 4,15 Llhr in Lübeck abgeht, bis 7,30 Uhr «wch nicht in Kiel angekommen. Der Zugverkehr auf der Strecke Eutin-Lübeck mußte vollständig eingestellt werden. Auch aus P o m - «nern werden Sturm und Schne-egestöber gemeldet. Auf allen Eis en bahnst recken kann nur durch den Einsatz von Schneeschlitten der Verkehr notdürftig aufrecht erhalten werden. Der Mittagszug zwischen Maugard und Daber blieb bei Plentikow im Schnee stecken. Auch der Fernsprechbrtrieb erleidet durch die Schneestürme starte Störungen. Starke Kälte in Spanien. Fast in ganz Spanien ist eine starle Kälte eingetreten. In Valencia und Sevilla haben die Orangenhaine schwer durch bei« Frost gelitten. Mehrere Menschen sind erfroren. Auf See herrschen schwere Sturme, so daß der Hafen vo«« Viego geschlosse«« werden mußte. Die Verbindung mit Ceuta war vier Tage lang unterbrochen. Sonntag war AUidrid infolge von Schneevert«)ehungen ohne Auslandspost geblieben. Schweres Aulomobilm«glück bei Lübeck. Sonntag morgen gegen 3 Uhr ereignete sich bei der Herrenbrücke ein schweres Automobilunglück. Es herrschte starkes Schneetreiben, so baß ber Chauffeur eines Autos mit Lübecker Herren, die sich auf ber Rückfahrt von Travemünde befanden, zu spät die rote Signallaterne an ber Schranke der Herrenbrücke sehen konnte. Diese — eine Doppeldrehbrücke — war gerade wegen eines durchfahrenden Dampfers abgefahren worden. Der schwere Benzwagen konnte nicht schnell genug zum Stehen gebracht werden, durchfuhr die Schranke, überschlug sich und fiel auf die etwa zehn Meier tiefe Kanalböschung hinab. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Als Hilfe herbeikam, waren die drei Insassen tot. Der Chauffeur liegt mit einem schweren Schädelbruch hoffnungslos darnieder. Zuchthaus für eines. Brandstifter. Aach Dreitätiger Verhandlung wurde vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte der Generad- Lirektor der Dauerwäfchr-A. G. Kaczmarek Wege«« Versicherungsbetrugs in Verbindung mit Brand st iftung zu vier Jahren Zuchthaus, 4000 Mark Ocljftrafe und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. S:ii« mit ihm ongcQagter Prokurist Bpdak erhielt wegen BeihUse zum Betrug 7 Monate Gefängnis mit teilweiser Bewährungsfrist. Kaczmarek hatte in der Inflationszeit eine mit großen Valutagewinnen arbeitende Fabrik für Dauer Wäsche gehabt, die in ber Zeit der neuen Währung immer weiter zurückgmg unb schließlich stark verschulhele. Am 10. Mai brach in der Fabrik Feuer aus. das die gesamten mit 300 000 Mark bewerteten Warenvorräte vernichtete, deren Bersicherungs- summe Kaczmarek erst kurz vorher bedeutend erhöht hatte. Obwohl der Angeklagte die Schuld auf Kurzschluß oder Selbstentzündung zurück- zuführe«« suchte, kam das Gericht zu der Neber- zeugung von der vollen Schuld des Angettagterr, Wettervoraussage. Meist bedeckt, südliche bis westliche Winde, Temperaturen wenig geändert.^ «Ti-riibergehend leichte Riederschläge. Das von den britischen Inseln her sich ausbreitende Fallgebiet erstreckl sich bis nach Mitteldeutschland unb Jütland hin. Aus seiner Südseite liegend, werden wir zunächst noch vorwiegend milde, etwas regnerische Witterung behalten. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 6,8 Grad Celsius, Minimum: 2,1 Grad Celsius. Riederschläge 4,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur : 6,3 Grad Celsius. Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 21.Dezember 1925. 2.11. Von der Landes -Hn iversität Gießen. Die Medizinische Fakultät unserer La««des-llniversität hat den Senatspräsidenten im Reichsversicherungsaint in Berlin, Geh. Re- gierungsrat Dr. Phil. Richard Fischer in Potsdam, den tatkräftige«« bewährten Förderer der Gewerbehygiene und Organisator des gesetz-' lichen Arbeiter^chutzes, den in der deutschen Hei- nmt und im Ausland hoch angesehenen Forscher. Lehrer und Gutachter, der von hoher Warte aus das vorbildliche Werk der deutschen Arbeitergesundheitssürsorge unb Unfallverhütung leitet und in unablässiger wissenschaftlicher und praktischer Arbeit weiter ausgestaltet. ehre«chal- ber zum Doktor pronroviert. — Die juristische Fakultät der Landes-Universität hat dem Geh. Iustizrat Dr. Emil Weiffenbach in Darmstadt und dem Geh. Iustizrat Dr. Metzler, ebenfalls in Darmstadt, aus Anlaß des 50- jährigen Doktor-Jubiläums das Diplom erneuert. ** Der gestrige goldene Sonntag, auf den unsere Geschäftswelt ziemlich große Hoffnungen gefetzt hatte, ließ in« Ergebnis leider gar mancherlei zu wünschen übrig. Bor allem dürste die Enttäuschung, die die Geschäftsleute gestern erlebten, auf das ganz abscheuliche Wetter zurückzuführen fein. Dem Schneefall in der Rächt folgte von Sonntag vormittag ab kräftiges Tau- wetter, zu dem sich dann am Rachn«ittag noch anhaltender Regen hin^ugeseltte. Infolgedessen waren die Straßen in einem Zustand, der es vielen Mitbürgern aus der Stadt unb vom Lande geratener sein lieh, zu Hause zu bleiben. Der Verkehr in unseren Hauptstraßen ging denn auch nur wenig über den cklmfang eines guten Werktagsverkehrs hinaus, eine Tatsache, die unsere Kaufmannschaft fühlbar zu spüren bekam. Rur für ein -Unternehmen dürfte der goldene Sonntag zu einem sehr guten Einnahmetag geworden fein: für die Wiesecker Autolinie, die andauernd bis in den Abend hinein Großbetrieb hatte und dadurch dem gestrigen Verkehr ein besonderes Gepräge gab. Hoffentlich bringen nun die Paar Werktage vor dem Feste auch unseren: Geschäftsleute«« noch einen guten Käuferbesuch, den sie sehr gebrauchen können. '** Di e Schonzeit für Fäsanen, Auer- unb Birkhennen. Der Minister des Innern hat in einem Erlaß die Schonzeit für Fa- sanenhennen unb Fasanenhähne für das nächste Jahr auf bie Zeit vom 1. Januar bis 15. Sept. 1926 festgesetzt. Ferner wirb jeder Abschuß von Auer- unb Virkhennen vom 1. Januar 1926 bis auf weiteres verboten. Militärische Weihnachtsfeiern. Die 1. jtonipagnic (Trabitionskompagnie des Leib- garbe-Jnf.-Regts. 115) des 15. Jnf.-Regts. hielt vor einigen Tagen im festlich geschmückten Katholischen Vereinshause ihre Weihnachtsfeier ab. Dazu hatten sich der Bataillonskom«nanbeur und ber Adjutant sowie verschiedene Offiziere des Bataillons einge- funden. Auch die Vereinigung ehemaliger Leib- garbiften, Ortsgruppe Gießen, war durch einige Herren vertreten. Die Regimentskapelle eröffnete die Feier mit einem schneidigen Marsch. Nach den« von Obergrenadier Kreuter gesprochenen Prolog begrüßte der Kompagniechef, Oberleutnant von Stockhausen, mit herzlichen Worten die erschienenen Gäste. Besonders dankte er dem Bataillonskommandeur für sein Erscheinen, außerdem den Gießener Geschäftsleuten für die überaus zahlreichen Spende», die beim Preisschießen unb ber Verlosung verteilt werben konnten. Als Ausdruck des Dankes forderte der Redner die Kompagnie auf, sich von ihren Plätzen zu erheben unb ein Hoch auf bie Spenber auszubringen. Es folgte bann ein von der Öefangsabteilung vorgetragenes Lied „Es ist ein Ros' entsprungen" mit anschließendem Weih- nachtslieder-Potpourri von der Regimentskapelle. Die hierauf folgenden, voi« Leutnant Merz sehr gut ^arrangierten lebenden Bilder (1. Ausmarsch, 2. Sturm, 3. Im Feldquartier, 4. Im Soldatenhimmel) mit musikalischer Begleitung verdienen besonderes Lob. «o manches alte Leibgardisten- herz hat sich da in feine frühere Dienstzeit zurückverletzt. Als die Klänge der Fantasie aus der Oper „Tannhäuser" verhallten, wurden zwei nette Einakter aufgeführt. Besonders sei hier ber Grenadier Becker, das Unikum des Abends, erwähnt, der dafür sorgte, daß man aus dem Lache«« nicht her- auskam. Am Schluffe des Programms folgten zwei Fanfarenmärsche, bie mit größter Begeisterung unb großen Beifallsstürmen aufgenommen wurden. Unb bann begann ber Tanz, bei bem ebenfalls alt unb jung auf seine Rechnung kam. Die Feier zeigte wicber bas gute Einoerneymen zwischen Vorgesetzten unb Untergebenen und anderseits das gute Verhältnis zwischen Militär und Bürgerschaft. Roch gern wird man sich dieser schön verlebten Stundei« bei ber Traditionskompagnie erinnern. — Die 3. Kompagnie des 15. Jnf.-Regts. beging ihre Weihnachtsfeier am Freitigabend im Katholischen Vereinshaus. Die Feier, bie, wie der Kompagniechef, Hauptmam« Faulenbach, in seiner Be- Frar Ochsen Salbei die bei' ihre» ?' WM die jiompas tt-cke 1 3 wird ur Hingewi Operetb Sonnte stattsini alle brr, w der Ä schriebe obenb feier für i’.ujmert ?a«bieti werden, bl Uhr Äesuche zu emj geössne T Md ertoeil Main helir Albre Kraftt sich m Gesetze niste t geworf Wies !4en geknüpf Nttk 3m, gen lot Dokunn andere Das ( Kunk berde ßcht. achtem pm 11 öei« D Zeichne Turnen, Sport und Spiel Die am des 3w Turn Unter Gießen, Bahnhofstraße 58 11933c SIND GUT UND PRSSWEHT H I H Wiener Sonntag V. f. B. mit 8:2 beugen. 1900 wollte mit 2. Mannschaft und 1. Lahnkreishandball. Wetzlarer 5- E. 05—„Hessen" Gießen 5:0 (abgebrochen). Gerichtsfaal. Verrat militärischer Geheimnisse. schäft hat wiederum Titania Stettin gegen den Stetiner S.C. gewonnen. Eishockey. Der österreichische Eishockehmeister Eislaufverein spielte am Samstag und Sportipiegel. Der Ausschuß für das Deutsche an. der zustandegelommen, so wäre die kommende Olympiade in Holland eine Rumpfolympiade gewesen. In der Vermeidung dieses sportsschädigenden Zustandes liegt eine der Hauptbedeutungen des Vertragswerkes von Lausanne. Die deutsche Sportsbewegung zu durchdringen mit den tüchtigsten nationalen Kräften des in der Leibesübung geeinten Volkes und u :sere Leistungsfähigkeit von Zeit zu Zeit zu prüfen mit internationalen Gegnern, das ist beste Kulturarbeit Deutschtum. Max Behrens. nicht mehr zu nehmen sein. B. f. B. Stuttgart ~ ~ ~ " 0:2, S.C. tz. Zunächst trat „Hessen" nur mit 9 Mann Es fehlten der Spielführer Schneider und Tormann. F. C. konnie das Spiel infolgedessen gewährt ab heute auf die anerkannt billigen Preise N IO Prozent Etahatt! W Pommern-Fußball-Mei st er- ' ~ ’ mit 2:1 gend Spiele in Heuchelheim austragen, doch sagte der Plahverein am Samstag infolge Vereisung des Platzes die Spiele ab. Futzballergebnisse von gestern. Göttingen 05 gegen Sport Kassel 1:5. 3m Bezirk Hessen-Hannover fand am gestrigen Sonntag nur ein Meisterschaftsspiel statt. Sport-Kassel wechselte zur Veränderung wieder einmal mit einem 5:1-Siege über Göttingen 05 mit Kurhessen-Kassel die Spitze, jedoch stehen die Kurhessen relativ immer noch günstiger. Der Sieg pes Sport-Kassel über die Göttinger Elf war in dieser Höhe keineswegs verdient. Das Treffen verlief ausgeglichen. Dce Göttinger hatten die gleichen Torchancen wie die Gegner, aber die Mannschaft hatte starkes Pech, während Sport-Kassel außerordentlich glücklich war. Roch vor der Pause verloren die Südhannoveraner durch Verletzung ihren besten Mann. Sie kämpften aber dennoch unentwegt weiter und hielten das Treffen offen. Bei der Pause führte Sport-Kassel mit 3:1 und konnte gegen Schluß die Torziffer auf 5:1 erhöhen. 3m Mainbezirk sind am gestrigen Sonntag wegen der schlechten Bodenverhältnisse die ange° setzten Spiele ausgefallen. 3m Bezirk Bayern endete das Lokaltreffen zwischen Bayern München und 1860 München unentschieden 3:3. A. S. V. Nürnberg verlor gegen die Epog. Fürth 2:4, Schwaben Augsburg gegen Wacker München 1:3. 3m Bezirk Württemberg-Baden siegte erwartungsgemäß der Karlsruher Fußballverein gegen den 1. F. C. Pforzheim 4:1. Die Meisterschaft dürfte Karlsruhe durch diesen neuen Sieg gleich überlegen gestalten und führte bis zur 19. Minute 5:0. Da der erwartete 10. und 11. Mann der „Hessen" nicht eintraf, brachen diese das Spiel ob, da sie keine Aussicht mehr auf Sieg hatten. Trotz des zahlenmäßig ungleichen Stärkeverhäll- nisses der beiden Parteien zeigte die F. C.-Elf auch ein ausgeprägtes Kombinationsspiel, das sie im Sturm besonders eindrucksvoll und torreich gestaltete, während „Hessen" auf Grund der Unvollständigkeit ihrer Mannschaft vollständig lustlos und niedergeschlagen spielte. Bei voller Besetzung wäre das Resultat natürlich anders ausgefallen. Trotzdem hätte man auf Grund der bisher gezeigten Leistungen der F. C.er deren Sieg zu erwarten gehabt.' Sie haben in ihrer derzeitigen Form zweifellos die größte Spielstärke aufzuweisen. Die Tore schossen Paulus 2, Roth II. 2, Koch 1. Der Ersatztorhüter der „Hessen" stand seinem Vor- gänger in nichts nach. Der Schiedrichter Volkmer (B. C.) war gut. 5. L. Dehlar-Viedergirmes—B. C. Wetzlar 0:1. Bei sehr schlechten Plahverhältnifsen kam das Spiel zum Austrag. Beide Parteien waren mit nur 10 Mann zur Stelle. Der B. C.-Halbrechte schoß den einzigen Treffer des Spiels. Gießen 1900 hat feine Handballmannschaft von den Verbandsspielen zurückgezogen. D. s. D. (Sieben — F.C.05 Wetzlar 4:0 (3:0). ö. Zu obigem Spiel auf dem Waldsportplatz hatte sich trotz des miserablen Wetters eine für Gießener Verhältnisse ganz ansehnliche Zuschauermenge eingefunben, um den neuen Lahnkreismeister im Spiel gegen die Bezirksliga zu sehen. Was viele erwarteten, ist zur Tatsache geworden. V. f. B. gewann infolge besseres Könnens 4:0. Die Bodenverhältnisse waren die denkbar schlechtesten. Eine anfangs mit Schnee überdeckte Eisfläche wurde infolge des fortgesetzten Regens zur großen Wasserpfühe. Bedauern mußte man die Spieler, die durch die große Glätte des öfteren darin unfreiwillige Bäder nehmen mußten. Für den ausgebliebenen Marburger Schiedsrichter leitete ein Herr aus Gießen. Mit seinen Entscheidungen konnte man im großen und ganzen zufrieden sein, ausgenommen über unfaires Spiel. So ließ er z. D. in der ersten Spielhälfte viele Angehörigkeiten und faules Spiel ungestraft, um nachher kurz vor Schluß 2 Gäste und einen Spieler vom Plahverein vom Spielfeld zu verweisen aus Anlässen, die im Verlaufe des Spieles schon sehr oft vorgekommen waren. So war m. Er. die Herausstellung des Wetzlarer Mittelläufers eine glatte Fehlem schei- Die Wiederherstellung des deutsch-1 franzöfischen Sportsriedens. Das feit langem erwartete Versöhnungswerk zwischen deutschen und franzöfischen Dportsleuten ist jetzt in der neutralen Schweiz zum Abschluß gekommen. Als Fortsetzung des Friedenswcrkes, von Locarno haben die leichtathletischen Verbände beider Länder mit dem elfjährigen Boykott gebrochen und als Einigungsbasis beschlossen, fortab in gemeinsamen Kämpfen auf deutschem und französischem Boden um die Siegespalme zu ringen. Dieser Schritt zur Einigung bedeutet ein Markstein in der sportpolitischen Weltgeschichte. Rationaler und internationaler Sport regiert die Erde: denn wir leben im 3ahrhundert der Körperkultur, deren Entwicklung nach dem Vorbild des klassischen Athen gewaltige Fortschritte macht. Wo Staaten abseits dieser toelt- verbindendenDewegung stehen, i macht sich die Lücke fühlbar. Das junge Deutschland von heute fand als vollgültigen Ersah für die Militärpflicht die Pflege des 5Xörpcrd durch die Leibesübung. Wir sind erstartt und müssen unser Können sowohl nach innen wie dach außen dokumentieren. Den Beweis hierfür liefern wir in ben nur für Deutsche offenen Kampfspielen, die 1926 in Köln zum Austrag toramen, und in der AmsterdamerOlympiads 1928, die beschickt wird von den Besten der ganzen Welt. Die letzet Olympiade 1924 in Paris sah Deutschland abseits: zu stark trennten noch die Rachwehen des Weltkrieges Deutsche und Franzosen. Wäre der Sportfrieden zwischen unserem Lande und unseren ehemaligen Feinden nicht anderen geheimzuhaltenden Materials dienen. DaS Gericht gelangte zu einer Freisprechung der Ehefrau, verurteilte hingegen beide Männer und zwar zu j e 2‘/2 3 ahren Gefängnis und Stellung unter Polizeiaufsicht. Albrecht sei auf Grund ärztlichen Gutachtens als schwerer Psychopath anzusprechen. 3m älrteilstenor wurde das Gebahren der beiden Männer als moralisch höchst verwerflich bezeichnet. in Berlin. Am ersten Tage war der S. 6- Char- lottenburg sein Gegner, Oer mit 17:0 (11:0) geschlagen wurde. Am Sonntag spielten die Wiener gegen den deutschen Eis Hockeymeister Berliner Schlittschuhclub 4:3 (1:0). Bei den Wienern waren der Kanadier Watson und der rechte Stürmer Brück die besten Leute, bei Berlin Holmquist und Molander, auch Andresen im Tor zeigte sich auf der Höhe. Das erste Tor schoß Watson. Bald nach Halbzeit folgte das zweite durch Drück, ebenso da dritte. Dann holte Molander auf, 3o- h a n n f e n schoß das 2. Tor, Holmquist gelang der Ausgleich. 3n den Schluß Minuten stellte jedoch W a t s o n den 4 :3 Sieg der Wiener sicher. Köln gegen die Rhenania Köln eine Niederlaa» (2:3), Kölner Klub s. R. gegen Bonner Fußbosi- verein 3:2. Durch diesen Sieg ist der Kölner Klub nunmehr an die erste Stelle der Tabelle gerückt. R i e d e r r h e i n be z i r k: D. f. L. Krefeld— Meiderich 06 2:6. Spiel-Vcrgg. Oberhausen* Styrum—Preußen Duisburg 1:1, Fuhballver. Duisburg 08—Rasensport Mülheim «Ruhr) 2:1, Weiderich 06-V. f. L. Krefeld 6:2, V. f. D. Bottrop—Duisburger Spielverein 0:6. Ruhrbezirk: Svortverein Dortmund 08 —Langendreer 04 0:1, Schwarzwald-Essen—Alemannia-Dortmund 1:0, B. V. Altcn-Essen—Spielvereinigung Erle 08 1:1 abgebrochen, Preußen Essen—B. D Buer 07 1:4. Bergisch-märkischer Bezirk: Sport und Spiel Elberfeld—Verein für Bewegungsspiele Remscheid 0:1. Rheinbezirk: Rhenania Köln—Verein für Rasensoort Köln 3:2. Kölner Sportclub 99— Kölner Ballclub 2:3, Club für Rasensport Köln- Bonner Fußballverein 3:2, Sportverein M.-GIad- bach-Lürrig—Spielvereinigung Düren 1:2, Dü» rener Sportclub 03—Germania Düren 1:0, Alemannia Aachen—Verein für Bewegungsspiele Aachen 1:1. Westfalen: Victoria Recklinghausen— D. f. L. Osnabrück 6:3. Die Berliner Oberliga-Verbands« spiele fielen sämtlich den ungünstigen Witte- rungc- und Bodenverhältnissen zum Opfer. 3m Gesellschaftsspiel wurde der Spandauer S. D. von den Tennis-Borussen mit 5:3 geschlagen, Weihensee verlor gegen den l.F. E. Neukölln 4:5, Norden» Nordwest gegen Wacker 3:5. dH« UW $ Q U 0 r I) Qrta & Jff r. 2; öerer, ÜjWn ÄS düng: dieser QUann batte es am allerwenigsten verdient. Befleißigte sich dieser doch, trotz mächtiger Körpergröße, bei den schlechten Bodenverhältnissen, des anständigsten Spiels. Dieses Spiel bedeutet somit für Wehlar einen schönen Reinfall in zweierlei Hinsicht. Erstens die hohe Rieder- lagc und zweitens den Verlust zwei der besten Spieler auf längere Zeit habet ist Wetzlar noch nicht mit den Verbandsspielen zu Ende, wozu es diese Leute noch dringend gebraucht. Run zum Spiele selbst: Mit dem Anstoß der Gäste entwickelt sich zunächst ein ganz annehmbares Spiel, das Wetzlar zuerst im Vorteil sieht, doch alle gelch'fsenen Torchancen versiebt der heute so furchtbar unbeholfene 3nnenflurm. Die zum größten Teil sehr schwach geschossenen Torschüsse enden alle in den Hänk^n des heute sehr aufmerksamen V. f. B -Hüters. Allmählich macht sich Gießen frei und leitet auch seinerseits schöne Angriffe ein, jedoch auch hier vorläufig Versagen des Sturmes, dis ein Fehlschlag des Halbrechten zum Rechts außen kommt, der inö leere Tor etn- senden kann, da Paulus neben dem Tor zu Fell gekommen war. Bei einem weiteren Gedränge vor dem F. C.-Tor lenkt der Gießener Mittelstürmer blitzschnell in die äußerste obere Ecke ein, für Paulus unerreichbar. Ein weiterer Durchbruch des Gießener Linksaußen mit nach- olgendem Schuß aus nächster Entfernung läßt Paulus unbegreiflicherweise durch die Beine ins Reh: noch einige Fehlschüsse hüben und drüben und mit 3:0 geht man in die Pause. Rach Wiederbeginn zunächst dasselbe Bild. Sodann läßt Paulus einen scharfen Schuß aus dem Gießener Unten Flügel aus den Händen springen und Gießens Halbrechter kann mühelos den 4. Treffer erzielen. Wetzlars Widerstand läßt nun mehr und mehr nach, sodaß Gießen bedeutend mehr vom Spiele hat. Zu weiteren Torerfolgen langt es jedoch nicht mehr. Bis hierher waren die Leistungen in Anbetracht des Bodens Tann annehmbar, bann tarnen die vorerwähnten Spielfeldverweise und damit war dem Spiel jeder Reiz genommen. Spieler und Zuschauer waren schließlich froh, als der Unparteiische abpfiff. Beide Mannschaften hatten Ersatz. V. f. B. zeigte eine gute einheitliche Leistung. Rur der Halbrechte fiel aus. Er ist viel zu langsam, daher kein Stürmer, sondern mir Verteidiger. Don Wetz- unterlag gegen den F. C. Freiburg 0:2, S.C. Stuttgart gegen Stuttgarter Kickers 2:1. 3m Bezirk Rheinhessen-Saar wurden WER. Frankfurt a. M., 18. Dez. Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte das erweiterte Schöffengericht gegen den 1902 in Mainz geborenen früheren Bankbeamten Wilhelm Albrecht, seine Ehefrau 3rmgard Albrecht und den 1905 in Darmstadt geborenen Kraftwagenführer Wilhelm Stehler, die sich nach der Anklage gegen § 6 Absatz 1 des Gesetzes über den Verrat militärischer Geheimnisse zu verantworten hatten und denen vorgeworfen wurde, daß sie in Mainz und in Wiesbaden zu Agenten des französischen Spionagedienstes Beziehungen angeknüpft und unterhalten zu haben. Von den Angeklagten hatte Albrecht Gelder aus Franzosenhand empfangen. Die Beziehungen sollten der Ermittlung gewisser militärischer Dokumente in Berlin und der Feststellung noch grüßungsansprache hervorhob, dazu dienen sollte, die bestehenden Beziehungen der Kompagnie zu ihren Familienangehörigen und besonders auch zur Einwohnerschaft Gießens zu festigen und neue am zuknüpfen, kann in jeder Hinsicht als wohlgelungen bezeichnet werden. Außerordentlich zahlreich waren die Gäste, unter denen sich auch der ehemalige Kompagniechef, Hauptmann Baron von der Recke, befand, von nah und fern und besonders aus der Gießener Einwohnerfchast der Einladung gefolgt, so daß viele nur mit Muhe in den großen caal einen Platz finden konnten. In rascher Folge wickelte sich das von Angehörigen der Kompagnie bestrittene, reichhaltige, aus musikalischen, turnerischen und humorvollen Theateroorführungen bestehende Programm ab, das auf einer erfreulichen .höhe stand und sehr bald allgemein eine frohe und gemütliche Weihnachtsstimmung heroorbrachte. Auf di, Vorführungen folgende Verlosung und Tanz vereinigten in froher Stimmung die Kompagnie und ihre Freunde bis in die vierte Morgenstunde, in der alle den Heimweg antraten in dem befriedigenden Bewußtsein, ein sehr schönes Weihnachtsfest mitgemacht zu haben. •• Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: 3n b?r dies monatlichen Mitgliederversammlung dar hicsigen Ortsgruppe der Deutschen Dolkspartei nahm Geschäftsführer Weißer eingehend Stellung zu der Kritik, die am Vertrag von Locarno geübt wird. An Hand der Roten, des Vertrages se'bst und Ausführungen der verantwortlichen ausländischen Statsrnänner wies er überzeugend nach, daß von einem Verzicht auf deutsches Land in irgend einer Form nicht die Rede fein kann, um dann ausführlich die Fragen des Völkerbundes und unser Ver- hältnis zu Rußland ausführlich zu behandeln. Aus die Behandlung der Opposition wandte er das bekannte Dismarckwort an: „3ch würde nicht den Mut haben, das Mehr des Erreichten zu kritisieren, wenn ich mir sagen müßte, daß ich dem, was es erreichte,sein Streben auf jede Weise und nach Kräften erschwert hatte." Der Redner betonte, daß Locarno erst der Anfang einer Außenpolitik großen Stils und auf weite Sicht ist, daß hier erst eine Plattform geschaffen ist von der aus die nationalen und wirtschaftlichen Belange des deutschen Volkes in weit wirksamerer Weise als bisher vertreten werden können. 3m Anschluss ean diese Ausführungen wurden noch einige organisatorische Fragen behandelt. Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 445 Ochsen, 53 Bullen, 1197 Färsen und Kühe, 1003 Kälber, 543 Schafe, 3357 Schweine. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Alpen-Sing-Film „ Firncnrausch und Edelweiß". Astoria-Lichtspiele: „Der Wann im Rebel". — — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Erstausführung von Künneckes Operette „Das Dorf ohne Glocke" nun am Sonnlag, 27. Dezember, abends 7 Uhr (3. Feiertag) stattfindet. Karten für diese Vorstellung, wie für alle Vorstellungen bis einschließlich 27. Dezember, werden schon von jetzt ab an der Tageskasse des Stadttheaters ausgegeben. — V o m Turnverein 18 4 6 wird uns geschrieben: Wir machen nochmals auf die heute abend in der Turnhalle stattfindende Weihnachtsfeier für die Schüler und Schülerinnen des Vereins aufmerksam. Mit Rücksicht aus die umfangreichen Darbietungen muß pünktlich 7j Uhr angefangen . erden, aber auch deshalb, weil die Jugend gegen M Uhr wieder zu Hause sein soll. Da mit starkem Besuche gerechnet wird, ist frühzeitiges Erscheinen zu empfehlen. Die Halle wird schon um 7 Uhr geöffnet. h* fe” & Dezember 1925. dÄcke"Ä"idetfitSt bat In P5°* unserer EL in l Geh. Re, ^.Atthard Fischer in Ä feciD?ten Förderer ■u7 Organisator de» der deutschen Hei, AAer der von hoher dstche Deck Ufa «jnge und Unfallverhütung chger wisscnschastlicher und ^iter ausgestaltet, ehrenhai« omobiett. - M juriM ^Lniver.iläl Hai dem Scb Weisfenbach in Dam- 1- ?usiizrat ®r. Dehler, stadt, aus Anlaß des.V- iläunrs das Diplom enwrt ge goldene ßoeiMd, WM ziemlich arohM. lieh im Stgete (tib'.r wünschen übrig. L>: allem >ang. die die lWWMe das ganz abfä^iM D:.ier Dem Schneefall le bn Aachi vormittag ab triftiges baan am Nachmittag noch frinfrugefeHfe. Infolgedessen in Üttem ßuftanb, der es ! bi: Stabt unb vom ßanbt u Hause zu blcibrn. Der ruchi^caßm %vxv> dem auch Lmfantz wv» Derl- evnt TaAchr, dir unkt? >ar zu schüren bekam. Hur für dürste der goldene taw/ug ten Einnahmeioq 8*** rfecker Qlutolink, «' i Abend hinein VroM» dem gckckgeii AM gab. Hoffentlich bmg^ vor dm Fck: auch > einen guten Kaufe« chrn tonnen. . l Erlab die SchonM M iafanenhähne |w,%"g? ' ' i Januar bis 15. zeihnachtsstier d. D 5 ril )ss-z-er- * Zanger Bereinigung efeiwni einig( H ®'e^n' t5fapellc eröffnet« Die Nachdem >chn-'df" Jinen W kreuter ge p gbcruutnant fiompagniejn- $orten die mit l'Ä ,r W » ®e’0Ilbet5ffÄ inen, außerdem für fem überaus iftileuten jur j“ ,efi unb der i beim WgW Au-dru-t rsügrjss teilung 7.Wißendem-2. Iflen Är ■ri von (, u(Jiant e 'beiden » 4 Im flU5n , 6.n- -«AM .‘»'SfSfe Buntes Allerlei. Ein neuer Weg zum billigen Buch. Die Verarmung unseres Volkes hat insbesondere den kulturtragenden Schichten die Möglichkeit genommen, sich systematisch Prioatbibliotheken anzulegen ober die vorhandenen mit den für die Gebildeten unumgänglich notwendigen Neuerscheinungen auszubauen. Es droht deshalb ein schwerer kultureller Schaden und eine Benachteiligung der verarmten Intelligenz zu Gunsten der neuen Reichen, die bekanntlich ihre Bücherbestellungen nach den Längenmaßen ihrer lururtöfen Prachtschränke einreichen. Diesem Uebdftano will der große deutsche Buchverlaa abhelfen. Von bekannten Persönlichkeiten, wie 2)r. Eugen Diederichs, Dr. Felix Meiner, Paul N i t s ch m a n n , Vorsitzender der Deutschen Buchhändlergilde, ist die „Deutsche Buch-Einkaufs -Gemeinschaft e. B." vor kurzem in Berlin gegründet, die, frei von jeglicher politischen oder religiösen Einstellung, ihren Leser-Mitgliedern die Möglichkeit bietet, aus den Katalogen der B. E. G. evtl, unter Benutzung eines Rentenzahlungssystems wertvolle Bücher jeglichen Interessengebietes zu einem Preise zu erwerben, der nur ca. die Hälfte des bisherigen Ladenpreises beträgt. Aus alledem erhellt, daß nunmehr auch dem wirtschafttich Schwächeren praktisch die Möglichkeit gegeben ist, sich ständig Bucher zu erwerben. Ein weiterer wcsentlicher Punkt ist der, daß das Lesermitglied die B. E. G.-Bücher nur durch seinen gewohnten Buchhändler bezieht, so daß dieser als Freund und Führer des einzelnen Bücherkunden wieder in Erscheinung tritt und ihn bei dem Aufbau seiner Bebliothek nach indioifduellen Gesichtspunkten wieder unterstützen kann. Diese aus der Not der Zeit geborene Kulturtat wird in der gesamten deutschen Welt dankbar begrüßt werden. a&’SSe'8 Mittet« 'fio.aP Miui. Ä 5euh9e C die Spiele Borussia Neunkirchen gegen Mainz 05 und F. V. Saarbrücken gegen F. C. Idar abgebrochen, das erstere bei einem Stand von 1:0 für Mainz, das zweite bei einem solchen von 2:0 für Saarbrücken. Einen recht hohen Sieg brachte der S. V. Wiesbaden gegen Griesheim 11:0 heraus. Der V. f. R. Heilbronn spielte in einem Prioat- spiel gegen den 1. F. C. Nürnberg unentschieden. Im Rheinbezirk konnte der Altmeister V. f.R. Mannheim den Spitzenreiter Phönix Ludwigshafen mit 1:0 schlagen. Im Rheinbezik, Grupve Süd, erlitt der ebenfalls an der Spitze marschierende B. f. R.. und Sportabzeichen hat sich mit Rücksicht auf die zahlreich vorliegenden Anträge mit der Frage der Abänderung der Bestimmungen über die Prüfungsberechtigung zum Turn- und Sport- abzeicheu eingehend befaßt und beschlossen, dem Vorstand des Deutschen Reichsausschusses eine Erweiterung der Abnahmeberechtigung im Sinne dec antragstellenden Verbände gnmdsätzlich zu enip« fehlen. Der französische Berufsboxer Journee ist vom V. D. F. infolge seines Äbschneidens gegen Rösemann (Breslau) für Deutschland auf Lebenszeit disqualifiziert worden. lar hatte man bedeutend mehr erwartet. F. C. Wetzlar 2 hatte es voraezogen, bei diesem Hundewetter zu Hause zu bleiben. Die Dritte mußte sich vormittags der gleichen BKK müssen verkaufen Hsndsrbsitsn zur neuen Saison neue Modelle bringen daher bis zum Feste sämtl. hocheleganten fertig gestickten und angef. Modelle, v/ie Decken und Kissen im Werte v. 50—75 Mk. iiiiiiiiiitiHiiiiiiiiniinimimiiHiiiiiiiiiiiiinitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiitmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiy l Diese Stücke sind zum Aussuchen auf Extratischen ausgelegt 11935a zum Einheitspreis von Mark Haus der > * Seltersweg 81 Zur Aufklärung! Der C. C. der Starkenburgi Oießen, den 19. Dezember 1925. Brühl’sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange von Münchow'sche Universitäts - Druckerei, Otto Kindt 11942V 11928D SÄ Tel. 240 auch nachts K »J* lllllllllilllllllllllllllllliHIIIIIIIIIIIIIIIII F MWW-MM Vermietungen | Slütenmehi 0 Psd. 0.22 Kolosfett ausgewogen, .. Pfd. 0.68 Kotosfett in Tafeln 0.24 s Q BaflerLebkuchen «2-0.32 Echte haeberlein Lebtuchen . 'LJr i ,.. biniqften Preisen ichlenstew zu billigsten Preisen in bekannt vorzüglicher Qualität Pfund Zefl io4FFankiürlaJ. Zeil Pfund Pfttnd Verkäufe 3 Stück Schade & Füllgrabe v" Giest. Anj. moenus Extra Noenus Gold vrt>. 080 0.95 0.80 0.38 0.35 Die Buchdruckerei Nitschkowski gibt durch Rundschreiben und Plakate bekannt, daß sie Verlobungsanzeigen 50 Prozent unter Preis liefert. Nach einwandfreien Ermittelungen ist festgestellt, daß diese Angaben unwahr sind und eine Irreführung des Publikums zeitigen. Am 19. Dezember auf Grund der Ankündigung eingeholte Preise beweisen, daß die Druckerei Nitschkowski ihre Preisforderungen mit so hohen Aufschlägen versehen hat, daß sie auch nach 50 Prozent Abschlag keine Vergünstigung für die Besteller bedeuten. Walnüsse Haselnüsse Maronen Orangen Wilhelm Herr Albin Klein Otto Meyer Carl Reinecke Justus Christ Richard Glagow Eduard Seibert J. Weinert. Auszugsmehl 00 w>. 0.26 feinstes Konfektmehl „Magnet" in Handtuch-Säckchen, 5 Pfd. 1.55, *7 AA 10 Pfd...................... U.VV Alter Blei iWletröUrcm lauft j. A.: Druckrey (XXX) X a. i. 11921D I Gießen (Mühlstraße 6), den 21. Dezember 1925. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 22. Dezember, nachmittags 2', Uhr, statt. 010109 geb. Hofmann im 60. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Ruth. Gießen (Bruchstraße 22), den 20. Dezember 1925. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt. •liorbanlaoe 1, am OSwaldögarten. Vertreter gesucht für Berkaus von engl. Anzugstoffen an Private. Auch geeignet alsNebenvetdiensr füc ven'ion. Beamten. Gaier Berdtenst. Ost', uitt. F. N. 128 an d. „AVA“ Am.-Exd., Heiebiri 1, BSÄieefaeai* 11918V aus unserer Eier- AQi Fr.Zied-I 7A Spezialabteilung j(v^l.ckil.88 l v Große frische Magnet-Eier 10 Stück 2.68 11932c Aj für Damen, Herren und Kinder in großer Auswahl kaufen Sie gut und billig im Illi Frankfurter Schuhlager HchristsetzLNehrlmg Druckerlehrlmg Wir stellen au Ostern 1920 noch je einen in der deutschen Lvrache sotvie im Rechnen und Zeichnen befähigten Jungen ein. Sröhl'scheUniversiMr-8uch- und Steindrvckerei, Schulstr. 7 ll'Wrm.e $drah Unser Jubiläums ^Tßnöei! deSonäerS pnuswerl zu gunsffgLlen Zahlung- SultaninenPft >.7»,1.00 | Rosinen 0 86 | Korinthen 0.80 Orangeat, Litronat, Mandeln und alle anderen Backartikel zu bekannt billigen Preisen. Sekmmtmachung. Der werten Kundschaft von Klein- Linden und Umgegend gebe ich hiermit bekannt, daß ich die Samenhandlung meines verstorbenen Vaters Ludwig Volk IIL, Klein-Linden, weiterführe. Ich werde bestrebt fein, die Kundschaft reell und gut zu bedienen. Wilhelm voll, Mein-Linden. Samstag, den 19 Dezember, entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, meine gute Tochter, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Auguste Hornberger geb. Kurz im Alter von 44 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilh. Morn bergen Pfund 4 60, 4 21), 3.80 reinschmeckendcr Haushalt-Kaffee ausgewogen Pfund 3.00 Stadttheater DienStag. 22.TcA., ll.MüStllg-Ab. Mit. a bts 10 Uhr 11. Sanileiw Altslärnisches Ldiau- fvteL aus deut Flämischen von Huebner •Otetoiii: Das AvosttWel von Äliell. Heute nachmittag 4 Uhr verschied sanft nach langem, schwerem Leiden unsere liebe, herzensgute Mutter und.Großmutter Frau Margarete RüthWwe. Unterfertigter C. C. betrauert tief das inGoslar erfolgte Ableben seines lieben A. H. , Dr.phil, Carl Hugo Gebb (xxx) recipiert 1919 Für die überaus vielen Beweise aufrichtig. Mitempfinden- beim Hi ui meiden uniers lieben Ent- ichlaienen Herrn Hermann Hijxsncr Finanzbü oJorsteher i. N. sagen innigsten Dank: Christina Hopfner Else Hopfner Aenne Hopfner Gtesten, den 19. Dezember 1925. 1’10110 5lM«-UWW fährt in den nächsten Tagen 2—3 mal lMMWWMM Hierbei kann Stückgut billigst mitgenommen werden. Zu erfragen in der Geschäftsst. des Gießener Anzeig. 1I9UD 8 & 8-Margarine bester Ersah für frische Butter Tafelmargarine ...w 0.70 »ner-Inrwtm Sieben. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere A,ii- alieder von dem Ableben unseres aktiven Turners Heinrich Uhl in Kenntnis au setzen. Die Beerdigung ffiidet Dienö- t aa, den 22. Dereiuber, uachm 2 Uhr, auf öem Neuen Friedhof statt. Wir bitten um zahlreirl.e Beteiltquna. 11927c Der Vorstand. Ein neuer !WW Eichen, Divlomat, 135 Wik., gebr. Stii- chcuschräukc, von 2-) Mk. an, Bett stellen von 5 Mk. an, sowie Tuche, Ttiible, Lvregel, Schränke utsw. auf TeUAahlnna. 010125 Ccltersweg 83 H. Baca'tsleiuhrüGii geeignet f. Grast- u. Kleinvflastersteine, in d. Nahe d. Balm gelegen mit sämtl. Inventar, tuen. Aus- nnbe des Geschäfts vretsivert au verk. Schr. Ang. u. 1T75D an den Giest. AnA. Gcoster Puppen- Herd, Prachtstück, fast neu, au uerf.010,13 Asterweg 55 III. «es-WWrreimW »mMe liefert geg. bequeme Ratenzahlung Berliner Wäscheoersandhaus an Beamte, Angestellte usw. Schriftliche Angebote unter 010108 an den Eiestener Anzeiger erbeten. S & 8-rveiMMhl austergewöhnlich preiswert vorzüglich in Qualität jSteHenangehote| Haushälterin gvn.Ar- betier,Wtw.,in selbst. kl.Hausb. sucht ehr!., Auverl.Pers. a. d.Ar- bettetfi ,a.l.v/6d.,als Haushälterin. Spät. Hetr. nicht ansgeschl. Schr. Ang. u. 010119 a. d Giest. An», erb. Lehr schönes T10107 W8HW1MK mit kleinem Schlaf zimmer, Bad. (Slct= irisch, Tauerbrand- ofett. evtl, auch Mit- tagstiich, am liebst, an foltoeu Dauer' Mieter iin> au oerni Goetbcstr, 03 III Gut mö6l. Zimmer sosotlA. vertu. (Llettr. Licht. sev.Gtna. onus Ederstraste 14. Mietgesuche | BerussrättgerAka' detuiker tDauer- rnieter» sucht zum i. Januar gut möbliertes Zimmer mit Heizung. Schr. An geb. mit Preis uni 11863L) an den Giest. Anz. erbet. Gtn komplettes Hkmnzinimkr 1 Wtiisthmk J Gasherd und 1 grober Regulator sämtliche T^eile last neu, billig zu «ort’. Sttickrath L Bender G. m. b. E.. Tvedttion u. Aiöbel» trauSpvri, Marburger Ltr. 7, Tel. 1519. 119381J < Kaufgesuche ] ßeldhasen- selle kaust zu den aller- hüchsten Preisen010"1 3ru«eueüer$irt liefert in jeöcr getDÜnfd)ten 1 9lusfiattung preiswert dir Brühl i6;c Universttäl«. Druckerei. R. Lange. ^Verschledenesj Bau- platz 1—500 qm, für Einfamilienhaus, in gut. Lage, gegen bar sofort MMWlMll werdenBestellungen für Arten Sßleien Si’üjte 3cnöet MilisM öellbütt reejungen BtilfielerBonlorOen Steter. fflcfl-$iiten matt Cnten - Rllüirn - entgegengenommen. Hamb. Zisch- und Feinkosthandlung A. Kock Rachflar. Schulstr.10, Tel.1012. UllllllllllllllllllllllllllllllllU Damen ttopiwaschcn, Frisiere» mit la Qndulation 1.80 Eleaante . Gcsellichasrd und Tdeaterirtiurc» mit la Ondulation 0.90 Ji. 010120 Praktische Weihnachtsgeschenke in Seifen und Parfümerien. W.Wng (ttnautbitr. 34 p. 0IIIIIIIIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIII9 N. Reiss WZ ClHIIIIIIIIIiüüllllllllllllllin Heute DieuStaa und Mittwoch Herren-liragcn 4fach Keinen, vro Dutzend 5 Mk. Damen- Beinkleider weist, offne 1.80, ge« schioffene 2 ^.010124 LclterSwe» 83 H. zi! ffluiett gestillt evtl, schöne 4- bis 5-Zimmer 5x1 ob= Briihhcht Druckerei I uuna zu mieten Schulstr 7-9 acincht. die «ÄRsee-wcroa 911^0. UNt. 1193< D ^IIIIIHIIIIII m. 298 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 21 Dezember (925 Der Scüziftenterror in Südtirol. Zu unseren, fast täglichen, Meldungen über die Bedrückung unserer deutschen Stammesbrüder in Tirol erhalten mir von sehr geschützter Seite folgende Zuschrift, die wir der ernsten Beachtung unserer Leser angclegentlichst empfehlen möchten. D. Red. Die unerhörte Vergewaltigung, die die Bevölkerung Sudtirols heute erdulden muß, und die schamlose Unterdrückung des Deutschtums in diesem kerndeutschen Lande geben mir Anlaß zu diesen Zeilen. Der „Gies,euer Anzeiger" hat sich ein dankenswertes Verdienst um die deutsche Sache dadurch er worben, daß er schon seit geraumer Zeit seine Leser gewissenhaft darüber unterrichtet, in welcher Weise, auf welchen Gebieten und mit welchen verabschcu- ungswürdlgcn Mitteln die italienischen Behörden und die faszistischen Organe des welschen Diktators am Werte sind, das deutsche Volkstum, die deutsche Kultur und letzt auch noch die deutsche Sprache in Südtirol unter zynischem Bruche der seiner Zeit den Deutschtirolern gegebenen feierlichen Versprechungen. nicht nur zu unterdrücken, sondern völlig auszurotten. Ich sehe, weil dies zu weit führen würde, davon ab, hier Einzelheiten anzuführen und auszumalen, was es bedeutet, einem Volke seine Muttersprache zu nehmen, es genügt, nur an die empörenden Vorgänge in Sterzing, Brixen und Bozen zu erinnern. Sie erzählen Bände. In trefflichen Worten hat vor einigen Tagen der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen des Vereins für das Deutschtum im Auslande in einer Mitgliederversammlung den Gefühlen der Empörung und des Abscheus Ausdruck gegeben, die jedes deutsche Herz wegen solcher Felonie, Niederträchtigkeit und Roheit der Welschen bewegen. Er hat auch mit Recht seinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß trotzdem viele Tausende von Deutschen es auch heute noch über sich gewinnen können, jahraus, jahrein lediglich des Vergnügens und des Genusses halber nach Italien zu reifen. Ich halte diesen Protest für völlig begründet, daß man den Reichs- eußenminister veranlassen will, auf diplomatischem Wege Schritte zur Wahrung der Interessen der deutschen Minderheiten in Italien zu tun. Was wird ober auf diesem Wege erreicht werden? Proteste sind im Verlaufe der letzten Jahre zu vielen Tausenden ergangen, haben aber, mögen sie auch noch so „flammend" gewesen fein, im allgemeinen keinen oder doch keinen nennenswerten Erfolg gehabt. Und ob Deutschland, wenn es wirklich einmal Mitglied des vielgepriesenen Völkerbundes fein wird, bei dessen Zusammensetzung auf dem Wege der diplomatischen Verhandlungen mehr er- reichen wird, will mir mindestens zweifelhaft erscheinen. Hili dir selber! lautet ein altes Wort und mir will scheinen, als gelte es auch hier. Der Einwand, daß Deutschland keine Machtmittel besitze, um dem szaszistenterror und der welschen Wortbrüchigkeit mit dem erforderlichen Nachdruck entgegentreten, ist ja leider nur zu wahr: aber sind wir Deutschen denn deshalb wirklich völlig wehrlos? Müssen wir alles Unrecht, alle Schmach, alle Niederträchtigkeit und Gemeinheit, die die welschen Behörden und die Zaszistenbande unserem geknechteten Brudervolke in Südtirol täglich aufs neue zufügen, völlig widerspruchslos über es und uns ergehen lassen? 3d) glaube, es gibt ein Mittel, das auch dem wehr- imd waffenlose Deutschland zur Verfügung steht, um die welschen Unterdrücker zum Nachdenken und zur Abkehr von dem seither beschrittenen Wege zu zwingen. Und dieses Mittel heißt: rücksichtslosester Boykott! Es ist allgemein bekannt, daß die Fremdenindustrie, bei der die Deutschen die bedeutendste -tolle spielen, eine der vornehmsten Einnahmequellen Italiens bildet, und daß daneben auch die Ausfuhr von Südfröchfen, insbesondere nach Deutschland, für den italienischen Geldbeutel von großem Interesse ist. Viele Millionen Mark wandern jährlich für Drangen usw. nach Italien und gehen so der schwer notleidenden deutschen Volkswirtschaft, die sie bitter nötig hätte, verloren. Und Diele weitere Millionen Mark werden von deutschen Lergnügungsreisenden, die ihre überflüssigen Gelder wahrlich besser der deutschen Wirtschaft ober in Südtirol selbst der dortigen deutschen Bevölkerung zuwenden und dadurch unseren bedrückten Stammesbrüdern hilfreich unter die Arme greifen könnten, jährlich in Italien ausgegeben. Ist >as nötig? Muß das fein? Keineswegs! Wie unsere Eltern und Großeltern ohne Apfelsinen ausge- iommen sind, können wir es auch und ebenso wie lic ihre Erholung in unseren herrlichen Gebirgen, Seebädern und sonstigen deutschen Sommerfrischen nfm. gefunden haben, so können auch wir sie, falls unser geschwächter nerous rerum noch erlaubt. auch in unserem lieben Vaterlande und in Südtirol finden, mögen Italien, seine Riviera und seine Adria auch noch fo schön und verlockend sein! Wer es volkswirtschaftlich für richtig hält, in der heutigen Zeit der 'Jlot sein Geld für überflüssige fremdländische Luxusgenußmittel dem Auslande und insbesondere Italien zuzuwenden, mit dem mag ich nicht streiten, er mag dies mit seinem Gewißen ausmachen. Und wer es heute als Deutscher über sich gewinnen kann, ohne zwingenden Anlaß nach Italien zu reifen, fein gutes Geld der deutschen Wirtschaft zu entziehen und es den Welschen in die Taschen zu spielen, die unsere armen deutschen Brüder und Schwestern in Südtirol nicht nur lediglich um des sacro egoiemo willen ihrer Freiheit beraubt haben, sondern ihnen auch ihre deutsche Muttersprache, ihre deutsche Schule, selbst ihren deutschen Privatunterricht und ihren deutschen Gottesdienst nehmen wollen, der hat Begriffe von Vaterlandsliebe, Stolz und Würde, die mir nicht verständlich sind' Ich meine deshalb, daß es, soll Südtirol dem Deutschtum und unserem geliebten Vaterlar.de nicht unwiederbringlich verloren gehen, ^dic allerhöchste Zeit sei, den Faszisten und ganz Italien gegenüber । endlich von der letzten uns zur Verfügung stehenden Waffe den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. । Jeder einzelne müßte cs als seine heilige Pflicht ansehen , nicht nur für feine Person in den Boykott einzutreten, sondern auch in alten Kreisen, wo dies irgend geschehen rann, für seine rücksichtsloseste Betätigung zu wirken. Noch viel mehr aber dürfte es auch die Pflicht der vaterländischen Presse fein, mit allen Kräften für den Boylott Propaganda zu machen und auf den zahlreichen ihr offen- stehenden Wegen dem deutschen Volke die Augen zu öffnen und ihm einzuhämmern, was für Deutschland auf dem Spiele steht. Geschieht dies, dann r 'd, davon bin ich fest überzeugt, der Erfolg nicht ausblcibcn und dann muß der Boykott, mag er auch lange nötig fein, fortgesetzt werden, bis man in Italien zur Einsicht gelangt und sich dazu bequemt, die rigorosen, geradezu unerhörten Maßnahmen, unter denen das bis aufs Blut gepeinigte Südtirol leiden muß, aufzuheben und Lebensbedingungen für die deutsche Südmark zu schaffen, die wenigstens erträglich sind und nicht Recht und Menschlichkeit Hohnsprechen. Das englisch-deutsche Handelsinteresse. Bon Professor Dr. Hermann Levy, Berlin. Zwei handelspolitische Tatfachen sind heute in den Handelsbeziehungen Deutschlands zu England von störendem Einfluß. Erstens das Bestreben der heutigen englischen Regierung, auf dem Wege eines Schutzzolles für zunächst kleinere Industrien zu dem von ihren Anhängern seit Jahrzehnten propagierten „richtigen" Schutzzollsystem zu gelangen. Die Wiedereinführung der MacKenna-Zolle in diesem Jahre sowie der vielerörterte Erlaß vom 3. Februar 1925 sind der Ausgangspunkt dieser neuen englischen Handelspolitik geworden. Die neuen Zolle aut Kunstseide, Spitzen, Stickereien, Hopsen sind Beispiele ihrer Aktivität. Es ist ja auch ohne weiteres klar, daß die immerhin noch notwendige Prüfung, ob eine um Schutzzölle einkommende Industrie „wirklich notleidend" und durch den fremden Wettbewerb notleidend sei — wie es das heutige englische Verfahren bedingt — sehr stark vom Subjektivismus der Prüfenden abhängt. Die englischen Schutzzöllner haben jedenfalls hier eine Hintertür zur Einfchmug- gelung von Zollen gefunden, und eines Tages wird ein ganzes Netz solcher Zolle vorhanden sein, ohne daß man wiederum das Land zur Abstimmung über Freihandel und Schutzzoll hätte aufrufen müssen. Dieser im wahren Sinne als „clever“ zu bezeichnende Einfall der englischen Protektionisten muß auf die Dauer die deutsche, auf englischen Freihandel eingestellte Handelspolitik selbstverständlich beeinflussen. Zweitens trifft uns das englisch-koloniale (besser bominiale) Handelsverhältnis. Die Vorzugszölle, welche die Dominien dem Mutterlande gewähren, sind im Grunde genommen gar nicht mehr „koloniale" Vorzugszölle. Denn Kanada, Australien, Südafrika — es wird bald Indien ebenfalls in diesem Zusammenhang genannt werden können —, sind keine wirtschaftlichen Annexe eines Mutterlandes mehr, sondern reguläre, handelspolitisch autonome Staaten mit selbständig entwickelter Industrie - und Handels- w i r t s ch a s t. Der „koloniale" Vorzugszoll dient lediglich als Vorwand, nichtbritische Waren von den Kolonien fernzuhalten. Dies aber wiederum bedeutet im Grunde nichts anderes als verschärfte Schutzzollpolitik der Dominions überhaupt, weil stets mit der Einführung neuer Vorzugszölle auch die absolute Zollmauer erhöht wurde. Denn England ist noch immer in den Dominions der stärkste Konkurrent. Daß England durch die koloniale Zollpolitik geschädigt wird, ist aber kein Trost für die Tatsache, daß Länder wie Deutschl.ind noch mehr durch sie geschädigt werden. Ganz besonders, wenn wie in Australien Gesetze erlassen werden, daß der Vorzugszoll auf englische Waren nur gelten soll, wenn mindestens 75 Prozent der auf die Einfuhrwaren verwendeten Arbeit britisch ist, womit also der Veredelungsverkehr Englands zum Nachteile deutscher Halbfabrikaterportcure getrossen wird. Daß wir angesichts dieser Sachlage uns bereit finden mußten, den englischen Kolonien Meistbegünstigung zu gewähren — obschon der größte Lieferant derselben Vorzugszölle genießt — ist ein Zugeständnis, das nur aus unserer handelspolitisch schwachen Position zu erklären ist und auf die Dauer unerträglich sein wird. Wie also auch die jetzt schwebenden, hoffentlich wenigstens im akuten Sinne lösbaren Fragen zwischen der englischen und deutschen Hanbelsvertrags- politik sich entwickeln mögen, auf lange Sicht werden Schwierigkeiten in den Handelsbeziehungen beider Länder verbleiben, wenn nicht die beiden genannten Tatsachenkomplere eine Acnderung erfahren. Gerade deshalb scheint eine Prüfung der tatsächlichen heutigen englisch-deutschen Wirtschästsinteressen eine weit über den Augenblick hinauegehrnde Aufmerksamkeit beanspruchen zu können. Die bis zum September 1925 verfügbaren Ziffern geben folgendes Bild: Es betrug in Millionen Pfund Sterling der Handel Englands mit Deutschland: Ausfuhr nach Einfuhr Deutschland aus Deutschland im Vierteljahrsdurchschnitt 1913 10,169 20,103 Juli—Sept. 1924 8,108 10,919 Juli—Sept 1925 10,530 10,116 Es handelt sich hier nur um die Wertziffern, welche natürlich angesichts der veränderten Preisbildung feinen Anhaltspunkt für die Mengenausfuhr abgeben. Ader dieser Anhaltspunkt wird aud) in diesem Zusammenhang nicht verlangt werden. Die Ziffern beweisen zur Genüge, daß sich die Ausfuhr Englands nach Deutschland and) in heutiger Zeit nicht schlecht gehalten hat, während die Bezüge Englands aus Deutschland — trotz gestiegener Preise — ganz erheblich gesunken sind, so daß sich die englisch-deutsche Handelsbilanz, die im Jahre 1913 aktiv für Deutschland war, heute zu Ungunsten Deutschlands passiviert hat. Dieses Resultat kommt auch in den unlängst von dem englischen Eomittee on In- dustry and Trade veröffentlichten Berechnungen zum Ausdruck. Danach betrug der prozentuale Anteil Deutschlands an dem Werte der englischen Gesamtausfuhr im Jahre 1913: 7,74 Proz., im Jahre 1924: 5,36, während umgekehrt der Anteil Deutschlands an dem Wert der Gesamteinfuhr Englands im Jahre 1913 11,56 Prozent betragen hatte und im Jahre 1923 (die Ziffer für 1924 konnte von dem Ausschuß noch nicht errechnet werden) nur 3,48 Proz. betrug! Was bedeutet aber, wenn man von diesen Rela- tivzahlen absieht, die absolute Ziffer des Absatzes nach Deutschland für England? In dem uerfloffenen Dreivierteljahr Januar bis September 1925 konnte England nach Deutschland für fast 33 Millionen PfundSterling Waren ausführen. Die Ausfuhr nad) Frankreich, die heute durch den finkenden Franken immer stärker erschwert wird, betrug nur 29 Millionen Pfund Sterling gegen noch 37,4 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wo sie die deutsche Einfuhr aus Enlgand um über 6 Millionen übertroffen hatte. Schon allein 'diese Entwicklung sollte den Engländern zu denken geben. Gemessen an der Aufnahmebereitschaft anderer Länder für die englische Waren bedeuten aber besagte 33 Millionen Pfund Sterling, für welche wir bisher in diesem Jahre von England einkauften, weit mehr als das Doppelte dessen, was je Belgien und Spanien bezogen, etwa die Hälfte dessen, was Australien und Kanada zusammen bezogen, weit mehr als Argentinien, Peru und Uruguay von England zusammen einführten, und nur 6$ ÜRiUionen Pfund Sterling weniger, als selbst die Bereinigten Staaten von Amerika aus England eingeführt haben. Da die gesamten Bezüge Europas aus England in jenem Zeitraum 186,9 Millionen Pfund Sterling betrugen, so war Deutschland hieran allein mit einer Summe beteiligt, die zwischen z und z betrug, das Interessante und Auffallende aber ist, daß sich die Ausfuhr Englands nach Deutschland von 1924 bis 1925 heben konnte, während die gesamte Europa- Ausfuhr Englands in dem genannten Zeitraum gegenüber 1924 von 198 383 Millionen Pfund Sterling auf 186 987 zurückgegaMen ist, wobei besonders die Abnahme der Ausfuhren nach Frankreich, Belgien und der Schweiz ins Gewicht fällt. Um so bemerkenswerter ist die Steiaerung der deutschen Abnahmebereitschaft für englische Waren. Liegt heule Deutschlands Starke nicht mehr in den machtpolitischen Mitteln, die selbst bei wirtschaftlichen Vertragen immer — wenn auch nur im Hintergründe — eine Rolle gespielt haben, so liegt also, wie die Zahlen bcmcijen. seine Stärke in seiner ungebrochenen Aufnahmefähigkeit, in seiner Bedeutung als Kunde. Gerade ober in der heute desorganisierten Weltwirtschaft muß ein jedes Land Darauf sehen, daß seinen Aue gaben im Warenverkehr auch entsprechende Einnahmsn, und zwar nicht nur aus der Weltwirtschaft, sondern gerade aus denjenigen Ländern gegenüb?rs:ehen, von denen es kaufen muß. Ein Handel po'iii'er, der diesem rezi- profen Verhältnis heute nicht gebührend Rechnung trägt, der nicht den Versuch macht, für jedes Zu- peftänbnis einem einzelnen Lande gegenüber ein gleiches von diesem zu erwirkei: verficht nicht die gegenüber der Friedenszeit grundlegend veränderten Erfordernisse Der heutigen Handelspolitik. Da- direkt trabing". wie man es in England genannt hat, das heißt der Versuch, Abschlüsse zu erzielen, die darauf hinauslausen, daß Warensendungen an ein Land durch Warenbezüge de! selben Landes beglichen werden, ist heute, wo es für jede Volkswirtschaft ebenso schwer ist wie für den Privaten, Auftrage hereinzubekommen, unter ganz anderen Gesichtspunkten zu betradjten, als vor dem Kriege, wo in erster Linie die allgemeine Struktur der Zolltarife das Entscheidende war. Da man in England geschäftlich zu denken versteht, wird and) Dort dieser Standpunkt, wenn er von Deutschland mit Nach, druck vertreten wird, kaum mißverstanden werden können. ________ _________ Oberhessen. Lanvtreis Giesrcn. £ Wieseck. 21. Dez. Aus der jüngsten Gemeinderatssihung ist zu berichten, daß die im nächsten Jahre zu erhebende Hundesteuer, einem Vorschläge des Bürgermeisters entsprechend, wie iin Vorjahre 4 Mark betragen soll. Besitzer mehrerer Hunde haßen für jeden weiteren Hund 10 Mark an Steuern zu entrichten. - - Die sozialdemokratischen Mitglieder des Gemeinderats hatten einen Antrag eingereicht, der den Erwerbslosen und sonstigen besonders bedürftigen Gemeindeangehörigen eine Wcihn ach tsbei- hilf e geröhrt wissen wollte. 3n gleichem Sinne bewegte sich ein Antrag der Erwerbslosen leibst. Aach einer kurzen Aussprache wurde der Antrag der Sozialdemokratischen Partei e i n - stimmig angenommen, der in seinen wesentlichsten Punkten besagt: An betonteren Weih- nöchtsunterstühungen sind aus ©emeinbcmitleln zu gewähren: a) für erwerbslose Hauptunter- stühungsempsänger über 21 Jahre 30 Mk., bi für erwerbslose HauptunterstühungLempchnger unter 21 Jahren 20 Mark, c) für jeden unterhaltungsberechtigten Angehörigen 5 Mk. Diese Maßnahme sols, alle am Stichtage erwerbslosen Gemeindeangehörigen umfassen. Als Stichtag wurde antragsgemäß der 18. Dezember bestimmt. In Fällen, wo weniger als 15 Tage Erwerbslosigkeit Dorliegen, sollen nur 50 Prozent der beschlossenen Sähe gewährt werden. Die Gemeindeverwaltung wurde beauftragt, dafür Sorge zu tragen, daß spätestens am 22. Dezember die Empfangsberechtigten in den Besitz der Beihilfen gelangen. Um zu erreichen, daß die zu diesem Zweck aud* gegebenen Mittel auch zweckentsprechend Verwendung finden und nicht in Alkohol usw. um- gefetjt werden, wurde die Armenkommission mit Der Erwerbslosen kommi'sion beauftragt, zu prüfen, inwieweit in einzelnen Fallen es angebracht erscheint, die Beihilfe in Naturalien zu gewähren. Wo es erforderlich erscheint, soll die Beihilfe an die Ehefrau bzw. an die Eltern ausgehändigt werden. Ausgesteuerte, nicht mehr bezugsberechtigte Erwerbslose sollen, da hier die Notlage am ausgeprägtesten ist, zu obigen Sätzen einen Zuschlag von 50 Prozent erhalten. In den Genuß der beschlossenen Weihnachtsbeihilfe kommen etwa 89 Erwerbslose. — 3n Verbindung hiermit wurden die von der Armenkommission vorgeschlagenen Winterbei- Hilfen für die Sozial- und Kleinrentner ebenfalls einstimmig beschlossen. Hier wurden Beihilfen im Betrage von 30 bis 50 Mk. gewährt. — Eine Anzahl Rechnungen, die in dem vor kurzem eröffneten Autobetrieb ihre Begründung hatten, wurde genehmigt. Wie der Bürgermeister hierbei mitteilte, ist mit der Reichspost eine Vereinbarung dahingehend erzielt worden, daß dieselbe von voraussichtlich 20. Dezember ab die für Wieseck bestimmten Postsachen mit den Auko-Omnibussen befördert. Als Entschädigung hierfür zahlt die Reichspost jährlich 720 Mk. Dadurch wird erreicht. daß die Paket-Post schon mittags unu Englische Weihnachten. Von Paul Pasig. Wer an eine Weihnachtsfeier bei unseren Settern jenseits des Kanals den gleichen Maßstab anlegen wollte wie an unsere deutsche, der würde sich in einem gewaltigen Irrtum befinden. Denn was unserer deutschen Ehristfeier ihre Eigenart verleiht: die Innigkeit, die Gemütstiefe, kurz, jenes unbestimmbare Etwas, das ohne werteres die Herzen gefangen nimmt und fesselt, das geht der englischen Feier völlig ab. Das hängt mit dem englischen Volkscharakter zusammen, der wesentlich auf das Praktische gerichtet ift.^ Der Engländer sieht auch bei seinen religiösen Veran- stattungen mehr auf das Aeußere, auf Die ..Abmachung", als auf den Kern. Schon Der englische Gottesdienst in seiner finnenfälligen prunkvollen Ausgestaltung legt davon Zeugnis ab. Dem richtigen Engländer liegt Daran, daß vor allem die äußeren Sinne, Auge und Ohr. auch b.i den religiösen Feierlichkeiten auf ihre Rechnung kommen, für Herz und Gemüt und Deren Bedürfnisse hat er so gut wie kein Verständnis. Das zeigt" sich vor allem auch bei der Feier des Ehristsestes. Von dem tiefgeheimnisvollen Zauber, von Dem gerade dieses „Fest aller heiligen Feste" umwoben ist, ist drüben so gut wie nichts zu spüren, und eine englische Weihnachtsfeier mutet bodenlos nüchtern an. Zwar sucht der Engländer auch feinen Kindern, wie wir. durch „Father Christinas“ und „Santaclaus“ weihnachtliche Stimmung zu suggerieren. Das sind zwei Gestalten wie unser Knecht Rupprecht und St. Nikolaus, von denen, was die Hauptsache, unsere deutschen Kinder eigentlich gar nicht wissen, was sich dahinter verbirgt Anders drüben, jenseits des Kanales! Reklamebedürftige Geschäftsleute sorgen schnell dafür, daß Die geheimnisvolle Illusion bald schwindet. Sie lassen schon einige Wochen vor dem Fest den „Father Christmas“ in langem, weißem Barte und wallendem Gewände in den Geschäften und Kaufläden umherstolzieren, um angeblich ^nach dem rechten" zu sehen, in Wahrheit Der Reklame wegen! Es gilt eben auch hier: „Geschäft über alles", und solche Kaufläden haben natürlich doppelten Zuspruch, wo „Father Christmas“ eingekehrt ist. „Santaclaus“, der andere Kinderfreund jenseits des Kanals, weiß hingegen sein Inkognito zu wahren und die Kinder erfahren erst, daß er dagewesen war, wenn sie am frühen Morgen Die abenDs zuvor am Bett befestigten Stümpfchen mit allerlei guten Dingen, die Kindermund, und Kinderherz erfreuen, angefüllt finden. Nun wissen sie's ganz genau:: Santaclaus ist dagewesen! Selbst Der Schmuck, ohne Den wir uns kein rechtes Christfest denken können. Der mit Nüssen. Aepseln und allerlei buntem Flitterwerk begangene lichtverklärte Tannenb. um^ gehört in Den englischen Familien zu den Seltenheiten, und erst in neuerer Zeit hat er angefangen, sich drüben mehr und mehr einzubürgern. Man feiert dann, wie man wohl sagt, das Weihnachtsfest „deutsch". Freilich sind es meist Däumchen von zwerghastem Aussehen, die. in Topfe gepflanzt, Drüben als ..Christbäume" Verwendung finden. Hieraus ergibt sich auch von selbst, daß Der Christbaum Drüben bei Der Weihnachtsfeier j>ei weitem nicht Die Bedeutung hat wie bei uns. In EnglanD kennt man eine Bescherung, nach deutscher Art am „heiliges Abend zumeist so gut wie gar nicht, man beschenkt sich meist Tage, ja, Wochen vor dem Fest. Den Mittelpunkt der Dortigen Ehristfeier bildet das „Christmas-dinner“ und der Diesem folgenben „Christmas-dance“. Zu ersterem wird ein möglichst großer Kreis von Verwandten, Freunden und Bekannten geladen, als Fleischspeisen werden regelmäßig Truthahn und RinDs- lende aufgetischt. Ersteren sucht sich selbst Der Minderbemittelte zum Feste 511 leisten. Die Lende führt den eigentüm.'.hen Namen „Sir Lofn“. Man erzählt, König Eduard IV. sei. als er sich, einst von der Jagd heimkehrend, hungrig zu Tisch gesetzt habe, durch den Anblick eines vorzüglich zubereiteten Lendenbratens so in Entzücken geraten, daß er fein Schwert gezogen und Den vor ihm stehenden Duftigen Braten höchst- eigenhändig zum Ritter geschlagen habe. Seitdem führt Der Braten das hochtrabende Prädi- tat „Siri“. Ist nun der erste Gang Des „Dinners“ glücklich bewältigt, so folgt als zweiter die Krone aller englischen Dinners: Der PlumpuDDing. Er ist heute zur Feier des Tages mit einem Stechpalmzweige geschmückt und mit Dran Dy übergossen. Dieser toirJ angezündet, unD nun erscheint die ganze Speise, eine dunkelbraune feste Masse, von blauen und gelbroten Flämmchen umzüngelt, auf der Festtafel. Die Zubereitung Dieser englischen Nationalspeise, zu Der 15, nach andern 20 verschiedene Zutaten gehören Deren rechtes Mischungsverhältnis das Geheimnis der englischen Köchin bildet, erfordert höchste Sorgfalt. Die Zubereitung des Plumpuddings ist mit einem eigenartigen Brauche oertnüpft. Es müssen sämtliche Hausgenossen die rohe Mischung des Teiges einen Augenblick mit dem Löffel umrühren. Als besonders glückverheißend gilt, wenn dabei dem jüngsten Kinde der Vortritt gegeben wird. Dabei liebt man es, der Teigmasse einen Ring, eine Silbermünze u. dgl. einzuverleiben, und für den glücklichen Gewinner bzw. Zinder bedeutet dies Sinnbild eine allezeit gefüllte Geldbörse, eine baldige Verlobung oder sonstigen Glücksfall. Dem Christmas-Dinner folgt in der Regel der Christmasdance. w'.'d so viel und so elegant getanzt wie zur Weihnachtszeit, und manchem Herzensbunde wurden durch diese beliebten Familienbälle die Pfade geebnet. Eine besonders anheimelnde Zierde erhalten sämtliche Räunllichkeiten, worin sich die fröhlichen Tänzer schwingen, durch den grünen Laubschmuck, welcher überallher grüßt, und der gewissermaßen die Stelle unseres Tannenbaums vertritt. Es find Zweige der Stechpalme (Holly) mit ihrem reizenden roten Beerengruppen inmitten des saftig-grünen, bidjten Laubwerkes. Auch Lorbeer, Myrthe, selbst geschmackvoll gewundene Epheuranken finden Ver- menbung. Aber bie Stechpalme ist und bleibt ber eigentliche englische Weihnachtsbaum. Ihm gesellt sich noch ein unscheinbares zweites Pflänzchen bei: ein bescheidener Zweig mit kleinen dunkelgrünen Blättchen und milchweißen Beeren, ber von ber Mitte bes Zimmers heravhängt über ber sich tum» nielnben fröhlichen Jugenb: ber Mistelzweig. Schon ben alten Germanen war bieser heilig, und ber unentbehrliche Begleiter ber blutigen Opfer, bie burch ihn erst sühnesahig würben. Heute ist er bas Sinn« bilb ber innigste» Liede, und bas „Küssen unter bem Mistelzweig" ist mehr als eine fromme Sage, es wirb in England am Christfeste Tatsache und Wahrheit. Aber die Stunden fliehen schnell dahin, und die berauschenden Klänge der Musik ertönen immer langsamer, feierlicher — ber Sir Boger be Cooerl ist's, ein altväterischer, altmobischer Tanz mit einförmiger Melobie, ber ben Schluß bes Vergnügens bilbet, unb bas, was ihm an lebenbiger Frische unb Grazie fehlt, burch peinliche Länge zu ersetzen sucht. Enblich ist auch er vorüber, unb man Der« abschiebet sich mit einem „Good night! A happy New-Yar to you! Good night!" in bem erhedenben Bewußtsein, wieber einmal sein Weihnachtsfest, würbig ber Sitte Olb-Englanbs, gefeiert zu Haden. 2 Tlhr in Wieseck ist, wo sie dann von den Empfängern in Empfang genommen werden können. Damit ist der Zustand erreicht, der vor allem von den hiesigen Geschäftsleuten seit langem herbeigesehnt wurde. — Für den A u tobe t r i e & macht sich weiter die Anschaffung von Handfeuerlöschapparaten notwendig. diese Angelegenheit wurde dem Betriebsausschuh ül erwiesen. f. Klein-Linden, 21. Dez. Am Freitag hielt Dr. Sell, Chefarzt an der Eleonorenheil- statte für Lungenleidende, im großen Saale der „Deutschen Eiche" einen sehr interessanten Vortrag mit Lichtbildvorführung über die Bekämpfung der Tuberkulose. Am Nachmittag füllten die Schulkinder, am Abend die Erwachsenen den Saal. Der Redner erläuterte die Hauptursachen der Entstehung und Verbreitung der allgemein verbreiteten Krankheit und deren Bekämpfung. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen. — Ein bedauerlicher Ilngliicksfall traf einen jungen Mann, M. Müller, von hier im Rachbardorf Dutenhofen. DerseVe besuchte als Sangesfreund einen Ball dortselbst und stürzte infolge des Glatteises im Laufe der Rächt beim Heraustreten in den Hof so unglücklich, das) er in bewußtlosem Zustand am frühen Sonntagmorgen hierher zu seinen Eltern gebracht wurde. Schwere innere Verletzungen sind die Folgen des Sturzes. Erst am Sonntagmittag kehrte das Bewußtsein zurück. — Wie alljährlich, veranstaltete auch dieses Jahr am gestrigen Sonntag der Kleinkinderschulverein eine Weihnachtsbescherung für die kleinen Zöglinge. Die Mädchen wurden einheitlich mit einer Schachtel Spielzeug, die Zungen mit einem Pferdchen bedacht. Freudig erregt über das frühe „ Christ k in dchen" zog die kleine Schar mit ihren Eltern nach Hause. O Alten-Buseck. 18. Dez. Heute siedelte Studienassessor Dr. Nicolai, der lange Jahre Lehrer in unserem Dorfe war und seinen Studien an der Universität Gießen oblag, mit seiner Familie nach Friedberg über, wo ihm eine Stelle an der Aufbauschule übertragen worden ist. Die freigewordene Dienstwohnung im sog. neuen Schul- Haus sott nun zunächst einer gründlichen Ausbesserung unterzogen werden. Sie ist feucht und ungesund. Die leider trostlosen finanziellen Verhältnisse sind daran schuld, daß der seit Jahren geplante Neubau immer noch nicht Wirklichkeit werden konnte. Die Raumnot ist so groß, daß unsere vier- klassige Schule nur drei Säle zur Verfügung hat. Man spricht übrigens jetzt ernstlich von dem nicht mehr länger aufschiebbaren Neubau eines großen Schulhauses. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 19. Dez. Zu den Veruntreuungen in der Däckerge- nossenschaft des Kreises Friedberg erfahren wir noch, daß der Feh lbetrag sich ursprünglich sogar auf 150 000 Mk. belaufen und nur dank Dem Entgegenkommen her Gläubiger sich um 60 000 Mk. auf 90 000 Mk. ermäßigt hat. Zur Deckung des Fehlbetrages werden Schuldscheine ausgegeben werden. Atif diese Weise hofft man. daß die Sanierung der Genossenschaft in zwei Zähren durchgeführt werden kann. Der Verwaltungsapparat wird erheblich eingeschränkt werden. Die übrigen Geschäfte werden in Der bisherigen Weise weitergeführt. WSR. Friedberg, 20. Dez. Der Kreisausschuß hat den Einspruch gegen die Bürgermeisterwahl in Ober mörlen zurück g e w i es en und die Wahl für gültig erklärt. Damit findet der Streit, der den Frieden der Gemeinde Obermörlen fast ein halbes Zahr lang bedrohte, gerade noch vor Weihnachten seine Erledigung. gb. Butzbach, 20. Dez. Die gestrige, in diesem Jahre letzte Stadtverordnetensitzung wurde eine Dauersitzung von viereinhalb Stunden. Schuld an dieser außergewöhnlich langen Dauer trug, wie auch sonst meistens, der Stadtv. Oppenheimer (Komm.), der bei den zur Beratung stehenden zwölf Punkten nicht weniger als 2 4 m a l das Wort ergriff und dadurch die Beschlußfassungen verzögerte. Er erhob zunächst Einspruch gegen die Verausgabung von Z u - laßkarten an die Zuhörer. Der Bürgermeister erwiderte ihm, daß aus Platzmangel und zur Aufrechterhaltung der Ordnung diese Maßnahme notwendig geworden sei. Dann brachte er noch einen dringlichen Antrag zur Aufbesserung der Franziska. Roman von Lies bet Dill. 25. Fortsetzung. Nachdruck verboten. ilnö Mariot nahm, unbekümmert um diesen Kampf, das Vorspiel zum zweiten Akt auf. „Deutlicher das Fagott, mehr heraus, die zweite Geige gehalten und sehr weich. Zm ersten Takt kommen Sie auf zwei... Fräulein Rott..." Die Bühne zeigte jetzt ein anderes Bild. Eben senkte sich ein runder, glasblauer Himmel herab, der die Bühne halbmondförmig umspannte, dann kamen die grünen Waldkulissen aus der Höhe, ein Mann in blauem Kittel brachte eine Moosbank, auf die sich Stephansberger gleich bequem, zum Schl.fen ausstreckte. „Zetzt steht die Helle Stimmung, Herr Doktor", rief Der Regisseur. „Etwas mehr Mond- fchein, langsam, viel langsamer, wenn der Mond über dem Wald steht, kommen erst die Sterne. .Und sobald sich Fräulein Rott seht, die Abendröte." „Also nochmals den ersten Akt", wiederholte Der hartnäckige Mariot, ohne auf Dekorationen und MondschÄn zu achten. „Ihren Einsatz, meine Herren, Der Baß kommt erst auf zwei, und Fräulein Rott kann sich, ohne sich etwas zu vergeben, etwas mehr Leidenschaft angewöhnen. die sich ja auch schließlich mit Der Würde einer Königstochter vereinen läßt... also..." Franziska stand ruhig da, die Hand an Dem schmalen Lackgürtel, und wartete mit einem verächtlichen, festen Blick auf den Taktstock. Dann trat sie vor die Rampe und als sie einsehte, bemächtigte sich Hasses sofort eine Mn» ruhe. Riemals konnte er ihr unbefangen zuhören, er fürchtete, sie würde detonieren, wenn sie gereizt und ermüdet war, neigte sie dazu. Es war ihm unmöglich, zu glauben, daß sie sich in diese einfach naive Rolle hineinzusetzen verstehen würde. Als sie aber jetzt mit ihren gefalteten Händen und einem Ausdruck von Reinheit und Glauben vor das Marienbild in der Kapelle trat und fang, löste sich in seinem Innern die Angst. Sie sah rührend aus, fast kindlich, sie fang To rein wie selten, ihre Stimme hatte das Merkwürdige, daß ihre leisesten Töne doch das große städtischen Finanzen ein, der aber spater, weil nicht aus der Tagesordnung stehend, nicht beraten wurde. Hierauf wurde in die Beratung der einzelnen Punkte eingetreten. Oie M i e t v e r - träge der mit städtischem Zuschuß erbauten Wohnungen bedürfen hinsichtlich der Mietpreis- f e st s e tz u n g der Zustimmung der Stadtverordneten. Die Versammlung genehmigte die abgeschlossenen Verträge. Zur Vervachtung der Jagd im Hospital st rauch aus der Hand ist einstimmiger Beschluß erforderlich. Dies war bei der Vergebung aus der Hand nicht geschehen. Die Ver- sammlting genehmigte nachträglich einstimmig die Verpachtung zum Preise von 350 Mart an die Herren Möser und Lange aus Frankfurt a. M. In Der Großen Wendelgasse sind die vor den Häusern der Besitzer Heller und Luh gelegenen Straßenparzellen zum Ortsstatut zu erwerben. Die Versammlung beschloß den Erwerb zu dem festgesetzten Preise von .50 Pf. für den Quadratmeter. Es bietet sich Gelegenheit, das Wohnhaus T a u n u s st r a ß e 29 von der Bamag - M e - guin - A. G. käuflich zu erwerben. Die Versammlung beschloß den Ankauf dieses Hauses zum Preise von 14 000 Mk. vorbehaltlich Der GelDbeschaffung. Das Haus soll als Dienstwohnung des Bürgermeisters vom 1. Mai 1926 ab Verwendung finden. — Die ft ä D t i f d) e n O b ft b a u m a n l a g e n am Schrenzer und Ebersgönfer Weg sollen durch 'Anpflanzung von ca. 250 Aepfel- und Kirschbaumen erweitert werden. Die Versammlung beschloß Die Beschaffung Der Bäume und bewilligte die Mittel in Höhe von 1000 Mk. Gemäß Beschlusses des Ge- meinderats vom 20. 1. 1925 sollte Die Durchführung des Feldbereinigungsverfahrens zurückgestellt und dafür das sog. Bau- land-Umlegungsve'rfahren Durchgeführt werden. Nach längerer Debatte beschloß Die Versammlung, entgegen ihrem Beschluß vom 20.1. D. I., Das durch Abstimmung rechtsgültig gewordene Feldbereinigungsverfahren durchzuführen, jedoch dieses vorläufig auf zwei I a h re z u r ü ck z u ft e l I e n. — Stadtv. Oppenheimer beantragte Abgabe von verbilligtem Holz an MinDerbe - m i t t e l t e und Gratisabgabe an Erwerbslose, und zwar sollen an selbständige Haushaltungen, bei denen Das Gesamteinkommen pro Woche 50 Mk. nicht übersteigt, 2 Meter Hartholz oder die entsprechende Ar.-ayl Wellen abgegeben werden zu dem um 33z u. H. ermäßigten Preis von 1914. An Haushaltungen, deren sämtliche Mitglieder erwerbslos sind, oder nur ein Wocheneinkommen von 20 Mk. haben, soll die gleiche Menge Holz gratis abgegeben werden. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, an Stelle von Holz Union briketts an Minderbe- bemittelte zu 75 Pf. und an Erwerbslose gratis abzugeben, und zwar erhalten- eine alleinstehende Person mit eigenem Haushalt 5 Zentner, jede weitere im Haushalt befindliche Person einen Zentner mehr. Erwerbslose sollen Den Geldwert durch Arbeitsleistung bei her Stadt abgelien. Die Feststellung, wer als minderbemittelt zu gelten hat, wird in jedem einzelnen Falle geprüft. Die Kosten von etwa 1000 Mart können dem Reservefonds entnommen werden. Die Stadtv. Holzapfel, Sin f mann, Plost und Kleiner beantragten, bis auf weiteres eine laufende Notstandszulage an Die Erwerbslosen in verschissener Höhe, je nad)hcm es sich um Verheiratete oder Ledige handelt. Dieser Antrag muhte, weil gesetzlich unzulässig (Verstoß gegen Die Verordnung vom 16. Januar 1924) abgelehnt werden. Stadtv. O p - penheimer beantragte eine Extrabeihilfe an alle Erwerbslosen, Ausgesteuerten oder sonst in Not befindlichen Einwohner der Stadt. Diese soll betragen für Mann und Frau je zehn Mark, für jedes weitere Familienmitglied fünf Mark bis zum Höchstbetrag von 50 Mark. Dem Wohlfahrtsamt sollen zu diesem Zweck 2500 Mark überwiesen werden. Es wurde beschlossen, an Erwerb s l o s e usw. nach Prüfung der Bedürftigkeit in jedem einzelnen Falle eine einmalige Sonderbeihilfe zu gewähren. Diese soll betragen für Verheiratete zehn Mark, für jedes Kind eine Mark mehr und für Ledige fünf Mark. Die Kosten in Höhe von 1000 Mark können dem Reservefonds entnommen werden. Erwerbslose können zur Abgeltung der ihnen überwiesenen Beträge zu Arbeitsleistungen für die Stadt heran- gezogen werden in Der Weise, daß auf den Arbeitstag etwa vier Mark entfallen. Nack) Einführung Der Städteordnung hat Die Wahl Der unbesolde t e n Beigeordneten Durch Die Stadtverordnetenversammlung zu erfolgen. Vorgeschlagen waren Stadtv. Rudolf Ploch und Parteisekretär Theater füllten, ihr banges Gebet durchzitterte den Raum, begleitet von Den weichen, singenden Geigenstimmen. Es war, als stünde sie in einer hohen, Hellen, sonnendurchsluteten einfachen kleinen Dorfkirche, tbie auf wogende Aehrenselder hinausging, und betete, Blumen in den Händen, zu der Maria. „Ich möchte den Fidelio fingen, die Leonore liegt mir, ich fühle es", hatte sie ihm gesagt. Er hatte das nie geglaubt, bis heute. Wenn sie aus dieser RoUe etwas Glaubhaftes zu machen verstand, dann konnte sie auch Größeres. Der Glaube kam ihm heut' mit voller Klarheit, und er bat ihr vieles ab, was er ihr Verletzendes über ihre Kunst gesagt. Er stand unter Dem Einfluß ihrer biegsamen jungen Stimme, dem reinen, rührenden Ausdruck ihres Gesichts, den fromm gefalteten Händen. Die Ergriffenheit und Leidenschaft, mit der sie sich dieser Rolle hingab, ging auch auf ihn über. Als ihr letzter Ton verhallte, brach Hasse auf. Er war in einer merkwürdig beunruhigten Stimmung, er mochte nicht mehr zusehen, wie sie Franziska herumdirigierten auf den staubig eit Brettern zwischen all diesen Männern, die ihr an die Schultern fließen, ohne sich zu entschuldigen, und ihr Frühstück verzehrten, während sie neben ihr auf derselben Moosbank saßen, sie beim Handgelenk packten, umarmten und wieder losließen zu dem Taktstock des Kapellmeisters. Er verließ das Theater. Als er die frische Luft draußen einatmete und Den kalten winterlichen Sonnenschein spürte, atmete er auf. Erging in diesen Gedanken aus der Stadt heraus, nach dem Weiher, wo man Schlittschuh lief, und sah Dort plötzlich jemanD, an Die er gar nicht mehr gedacht. Elisabeth war auf Dem Eise in einem grünen Tuchkostüm und Ehinchillabesatz, Die Hände im großen grauen Muff, die Wangen gerötet, flog sie mit kaum sichtbaren Bewegungen auf Den blanken Schlittschuhen Dahin. In großen Kurven lief sie rückwärts, und vor Dem Musikzelt ange- iommen, wo Die Zuschauer sich geschart hatten, sah sie plötzlich Hasse Dort stehen. Bride grüßten, und Elisabeth errötete. Ihre Augen blitzten. Hasse Dachte, wenn ich jetzt zu ihr gehe, wird sie das für ein Zeichen attffaffen, daß I Bruno Witti g. Beide wurden in getrennten Wahlgängen mit je 13 Stimmen gewählt. In beiden Wahlgängen wnrDen je sechs weiße Zettel abgegeben. *** Gambach, 19. Dez. Dieser Tage weilte Der KammerDirektor Des Solms-Braun- felsischen Hauses hier, um in gemeinsamer Sitzung mit Dem GemeinDerat Den Pacht- preis für Das vom Fürsten verpachtete LanD festzusetzen. Dabei scheint eine Einigung zustanDe gekommen zu sein. Denn es wurDe Den Bewohnern Durch Die Ortsschelle bekanntgegeben, Daß für Den Stammanteil LanD (= 4 Morgen LanD) für 1925 125 Mk. zu zahlen finD. Davon müssen alsbalD 110 Mk. bezahlt werden, Der Rest von 15 Mk. wirD bis zum 22. Februar 1926 gestunDet. — In einer Versammlung Des Kriegervereins wurDe Der von Dem VerbanD geforDcrtc VerbanDsbeitrag von 1,50 Mk. pro MitglieD wegen seiner Hohe unD in Anbetracht Der wirtschaftlichen Notlage, in Der sich geraDc Die älteren MameraDen befinDen, a b - gelehnt. Ebenfalls ab gelehnt wurDe Der Pflicht bezug Des „Hess. Kamerad" für jedes. MitglieD. — Um Der überhanDnehrnenDen Spatz en plage in hiesiger GerneinDe zu steuern, hat Der GemeinDerat beschlossen, für jeDen zum s2l b- f d) u ft gebrachten Sperling 5 Pf. zu vergüten. Jn- solgeDessen hört man jetzt allenthalben Die Flobert knallen. Kreis Büdingen. !! Bü Din gen, 19. Dez. Aus Der jüngsten G e m e i n D e r a t s s i tz u n g ist zu berichten: Für Die beiDen ausgeschieDenen GemeinDeratsmitglieder, Amtsgerichtsrat Dr. Everling unD Obersteuersekretär Seppelt, würben Die ErsatzmitglieDer Prof. Müller unD Kaufmann S ch m ü ck vom Bürgermeister verpflichtet unD in Den Dienst einge- wiesen. SoDann erfolgte Die Anstellung Dreier Ge- meinDebeamten. Ein großer MißstanD war seither in BüDingen, Daß Das Spritzenhaus für Die Aufnahme Der Feuerlöschgeräte zu klein war. Der Antrag auf Vergrößerung Dieses Gebäudes wurde der Baukommijsion übergeben mit dem Auftrag, entsprechende Pläne unD Kostenvoranschläge auszuarbeiten. Auch ein Schlauchtrockenturm soll hierbei angelegt werben. Weiter ist beabsidstigt, an ungefähr 8 Stellen Der StaDt Feueralarmanlagen einzurichten. Ueber Die Pflasterung Des neuen Weges konnte kein enDgültiger Beschluß gefaßt werben, Da nicht feststanD, ob unD welche Zuschüsse hierzu von Kreis unD Staat geleistet roerDen. Der Kreis hatte Den Antrag gestellt, ihm Das an Dem Schulhaus stehenDe neue Dreifamilienhaus zur Unterbringung feiner Beamten zu verkaufen. Dem Antrag wurDe stattgegeben. Weiter wurDe Der Bauplan für Das nach ft e Jahr festgelegt. Insgesamt sollen 5 Einfamilienhäuser erbaut werben. Die Bausumme hierfür wird 70 000 Mk. betragen. Aufgebracht wird diese Summe 1. Durch Den Verkauf Der in Diesem Jahre erbauten Häuser, Der 50 000 Mark erbringen soll, unD Durch Kapitalaufnahme. Zum Schluß wurde noch eine neue Einrichtung für die Leichenhalle bewilligt. Kreis Schotten. x Schotten, 19. Dez. Der ganze Vogelsberg ist von einer dicken Schneedecke eingehüllt. Wir haben eine richtige Weihnachtslandschaft. Seit Wochen sieht man Kraftwagen und Motorräder nur ganz vereinzelt dahinkeuchen, denn bei einer solchen Schneemasse haben sie mit zu großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Autoverkehr zwischen S ch o t- t e n und U l r i rci# Alsfeld. H- Alsfeld, 19. Dez. Rachdem erst am vergangenen Donnerstag Die Feuer firene in Tätigkeit getreten war, ertönte am Freitag abend um 8 Uhr wieder Feueralarm. Es brannte diesmal das fog. Iudenbad, das Badehau- der israelitischen Religionsgemeinde am Grabbrunnen in einem Der ältesten Teile der Stadt. Die rasch herbeigeeilte Freiwillige Feuerwehr löschte das Feuer, das im Dachstuhl des Gebäudes ausgebrochen war, in kurzer Zeit, so dasd das Gebäude noch gerettet werden konnte, während allerdings der Dachstock vernichtet wurde. Die Entstehungsursachr ist unbekannt« vielleicht ist sie auf eine Undichtigkeit des oberen Teiles des Kamins zurückzuführen, Brand- st i f t u n g erscheint ausgeschlossen. — Heute fand Die Eröffnung Des stäDtischen Hotels „Deutsches Haus" nach fertiggeftellteni Umbau statt. Der StaDtvorstanD versammelte sich abenDs um 6 Uhr im Hotel, um unter Führung Des StaDtbaurneisters E g n e r einen Rnndgang Durch Die einzelnen Räume zu machen. Dabei konnten sich Die Herren von Der soliden GeDiegen- heit Der gesamten Inneneinrichtung Der Fremoen- zimmmcr, Die mit echten Eichenmöbeln unD ganz neuen Betten ausgestattet sind, überzeugen. Die Einrichtung Der Zimmer ist von Alsfelder Handwerkern und Gewerbetreibenden angefertigt worden. 2(n Die Besichtigung schloß sich ein gemeinsames AbenDesien Des StaDtvorstanDes an. Der noch nicht ferliggestellte große F e st s a a 1 sott aift Samstag, 23. Januar, mit einer Festvorsttzl« hing Des Gießener Stattheaters eingeweiht werden. — Pächter Des Anwesens ist Herr HerManit Schwall aus Gießen. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 19. Dez. Wie von der hiesigen Reichsbankstelle mitg:t:ilt wird, befindet sich anscheinend eine größere Anzahl falscher Zweimarkstücke am hiesigen Platze im Umlauf, die, bei etwas genauer Prüfung, art schlechter Prägung, ohne Klang, fettigem Gefühl beim Angreifern, unschwer zu erkennen sind. Dor Annahme wird deshalb gewarnt. TU. Darmstadt, 19. Dcz. Der Besitzer einer hiesigen Privat! eh ran st alt ist unter dem dringenden Verdacht verhaftet worden, daß er Prüfungszeugnisfe höherer Lehranst alten aus Eigennutz gefälscht und an Schüler zwecks Uebertritts auf die Hochschule gegeben habe. Weiter wurde ein Poli- ze i w a ch t m e i st e r, Der Beihilfe geleistet haben soll, ebenfalls f est g e n o mm en. den Geschmack ihres Kostüms und schloß mit der Hoffnung, sie noch öfter und in besseren Rolleid zu hören. Rachdem Die Oper dreimal aufgeführt worden, wurde sie vom Spielplan ahgeseht und- verschwand wie in einer Versenkung. Mariot begann die Proben zur „Schonen Helena", unl> Franziska bekam die Partie der „Helena". Die Ebenhaufen hatte sich plötzlich besonnen. Sie erschien, als ob nie etwas zwischen ihr unfr Mariot gespielt habe, und nahm Mariots maliziöse Ausstellungen an ihrer Darstellung mit vornehmem Schweigen auf, wenn ihr auch eine feine Röte in die Wangen stieg und ihr Da8 Rotenblatt in den Händen zitterte. Franziska hatte die Ebenhaufen früher ost von der engen, hohen, kleinen Loge, die wie . ein Vogelnest beinahe an der Decke hing, auß verächtlich beobachtet. Sie zitterte nad) dieser Rolle, sie hätte es den glattgescheitelten Köpfet und den blanken Glatzen da unten einmal zeiget* wollen, wie man eine Helena gab... aber keine j mit Himbeersaft in den Adern... „Die schöne Helena" wurde vor ausverkauftem Hause gespielt und achtzehnmal hinten einander gegeben. Man Drängte sich zu Diesen Vorstellungen. Mariot dirigierte mit einer Verve, einer Pikanterie, die alle Füße im Tanzschritt zucken ließ, leicht und glänzend glitten die Bilder an ihren Augen vorbei. Die Helena, die es zum erstenmal auf dieser Buhne gewagt, nur mit einem rosa Schleier umwickelt zu erscheinen, llt ihrer blonden Perücke, mit Dielen dunklen umschatteten, großen Klugen, wurde bejubelt, sir spielte flott, keck unv sicher, sie war in ihren* ; Element. -- Der scharfe Doktor in der „Morgem- zeitung" schrieb einen drei Spalten langen Av- tifel über diese weißhautige, üppigschlanke Göttin, Die sich den Blicken preisgab, wie cs noch leine der Vorgängerinnen gewagt hatte, und die brave» 1 Sonnenberger strömten daraufhin ins Thraker in Massen. Hasse ging aus der Helenavorstellung n®fr Hause wie betäubt. Sie hatte alle übertroffen, aber die Scham brannte in ihm, daß sie fick den Blicken eines Parketts, eines Olymps zeigte. ]| (Fortsetzung folgt.) . I-r E' iiiHtL du »II m I«» 6«1 ,88'.51»6,562 sÄ V e.‘ , M Bk sßs enltDurj über c 462 Millionen schließlich «anials der 2 gung Deichsmark etfi Deutsch-Sch^ und Betrieb l stadt beteiligen lungen wegen in London geb lungen mit ei geleitet worden folg versprechen * DieKo gebiet im ' vember wurden 8533 390 Sonne ger Arbüt-M gegen 9 HO 101 Oktober 1925. föiderung im im November vember 1913: der Kohlmför! eine alljährlich der Aovemtei Weihnachtsfestl Steigerung ter Erhöhung des • Verleg zeuglverke.. werk in Kassel der bekannten K und der technifc nicht mehr in Flugzeugfirma Herren zustand' zeugwerle wer! einigen sich dv neuen Firma 2 rie-Werke A.- 100 000 auf 4CC * Dorlar Als Ergebnis lammlung der betrieb orr Ai wird. Aach den den Konlursvei geiahten Aktive denen ein Alti mark verbleibt. Passivität aus denen 3,1 Still 1,3 Millionen Reichsmark aus * Stilleg Die aus tzami kannten Deiche deck demnächst Schon am 19. unb Arbeitern "vch etwa 301 . * Fuchs Biberg. Ac schaftchahr vor schastsjahr nach einem Der ^gesetzliche tpivö. Wie !in? die Aussick imm< MfabrAkn w, Umfai Friedrich Krupp QI.»®., e n. 0.197 0,195 42,25 104 103,5* SEIT 1865 iüp das filier von 1-3 Ja’dren | KMIISD14-“ Anzug 16,90 liir dasAllervonl-BJaliren a Saiomon 11934a Wir. $ Modehaas 104' 103.9* 00,12 104 2* Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Deutsche Ncichßanlctbe 4% Deutsche vieichsanleil.e . 8'/,% Deutsche Ncich-anlctde 3"/, Deutsche ReichSanleide Deutsche Lvarpramicnanleihe 4% Preußische Konsols • . • 4° o Hessen....... 3'/«0/o Hessen • 3% Helsen Deutsche Wcrtd. Dollar-Anl. dto Toll Schatz-Lnwcilna.'l 4% Zoll türken 5% Äoldmerikaner ... - Berliner Handelsgesellschaft Commerz' und Prlvat-Ponk Tarnt ft. und Vlaitonalbant ■ Deutsche Bank Deutsche Bcreinsbank .... Tiscomo Commandit . . . MctaUbank Mitteldeutsche Creditbank. . Ocslerreichiiche Kreditanstalt Westbank ......... Bochumer Saß ....... vndcruS ......... Caro Sidarembmg...... irchcncr Bergwerke. . tarpcnct Bergbau...... altwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... L'aurabutte . ...... Lberbedars • • • > Phöntr Bergbau yiheinftabl . ...... Niebcck Montan........ TelluS Bergbau...... Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovo ... Lveramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilivv Holzmann ..... «nglo Lont -Suano . . . . Badische Anilin Chemische Mayer Alavin . . Goldschmidt GrieS cimer Electron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung..... Nütgerswcrke • ....... Scheideanstalt ........ «llg. ElektrUttätS-Gesellschast Bergmann ......... Mamtrastwerke Schuckert . .. Siemens & &a(Ste ..... Adlerwerke Kiener ..... Daimler Motoren Heyligenllaedt . ..... Mcguin. . . . . . . . . . . Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgrscll chaft Frankfurt. Pci. Union A- G Schub'abrll Herz i» "'i« » ibcit zur »TV.. Helena. I ob »>« ®riot« oii -5ä* :•»ar* TW ivurde b > -MH t&T ! lieh Soll’s nicht am Tabak raucht auch stark, aber nur sagen, den Geruch habe ich Wirtschaft. • Der Erzbergbau int Rovember. Die Marktlage für Eisenstein im Lahn- und -Di ((gebiet hat sich weiter verschlechtert. Die Kapitalien, die in den auf Halde gestürzten Erzen festliegen, erdrücken durch ihre Zinsenlast für die notwendigen Kredite auch die wenigen noch betriebenen und in Förderung stehenden Gruben. Bisher wurde die Mehrzahl der stillgelegten Gruben noch durch Notstands- arbeiten vor gänzlichem Zubruchgehen bewahrt. Indessen ist eS unmöglich, die dazu erforderlichen Geldmittel noch weiter aufzubringen: so müssen viele Gruben nunmehr gänzlich aufgegeben werden. — Die große Rotlage inY Siegerländer Bergbau besteht ebenfalls unverändert weiter. Die wenigen Gruben, die noch in Betrieb sind, haben feinen vollen Absatz, obgleich sie ihre Förderung eingeschränkt haben. Man glaubt jedoch, daß die in Betracht kommenden Ministerien, an die sich die Siegerländer Gruben in einer D.nlschrift gewandt haben, die nachgesuchten Erleichterungen nicht ablehnen werden. • Eine badische Staatsanleihe. Die badische Regierung hat dem Landtag einen Gesetzentwurf über die Ausnahme einer Anleihe von 46,2 Millionen Reichsmark vorgelegt, die ausschließlich für werbende Anlagen verwendet werden sollen» AI. a. soll die Erhöhung des Aktienkapitals der Badischen Landeselektrizitä.'sversor- gung (Badenwerke) von 18 auf 21 Millionen Reichsmark erfolgen, damit sich das Werk an der Deutsch-Schweizerischen A tiengesellscha t für Bau und Betrieb der Rheinkrastwerke bei Schroer- stadt beteiligen kann. — Rachdem die Verhandlungen wegen einer Anleihe badischer Städte in London gescheitert sind, sind neue Verhandlungen mit einer amerikanischen Gruppe eingeleitet worden, die Aussicht auf baldigen Erfolg versprechen. ' Die Kohlenförderung im Ruhr-" gebiet Im Rovember. Im Monat Ro- nember wurden insgesamt in 24 Arbeitstagen 8 533 390 Tonnen Kohle gefördert (bei achtstündiger Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt) gegen 9170107 Tonnen in 27 Arbeitstagen im Oktober 1925. Arbeitsiäglich betrug die Kohlenförderung im Rovember 1925: 339 634 Tonnen, im Rovember 1919: 265 473 Tonnen, im Rovember 1913: 386 261 Tonnen. Die Steigerung der Kohlenförderung im Monat Rovember ist eine alljährlich zu beobachtende Erscheinung, da der Rovember angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes einen besonderen Anreiz zur Steigerung der Arbeitsleistung und damit zur Erhöhung des Arbeitslohnes gibt. * Verlegung der Dietrich-Flugzeugwerke, Kassel. Die Dietrich-Flugzeugwerke in Kassel werden, nachdem der Austritt der bekannten Kunstflieger Raab und Kahenstein und der technischen Leiter des Werkes erfolgte, nicht mehr in Kassel bleiben, zumal eine neue Flugzeugfirma Der bei Dietrich ausgetretenen Herren zustandegekommen ist. Die Dietrich-Flugzeugwerke werden nach Köln verlegt und vereinigen sich dort mit anderen Werken unter der neuen Firma Rheinische Flugzeug- und Karosse- rie°Werke A.-G. Das Aktienkapital wird von 100 000 auf 400 000 Reichsmark erhöht. ' Vorläufige Stillegung der Aga. Als Ergebnis der gerichtlichen Gläubigerversammlung der Aga ist zu berichten, daß der Betrieb der Aga bis auf weiteres eingestellt wird. Rach den Erläuterungen des Statuts durch den Konkursverwalter betragen die zusammengefaßten Aktiven 2,7 Millionen Reichsmark, von Denen ein Aktivrest von 1,7 Millionen Reichsmark verbleibt. Schätzungsweise stellt sich die Passivität auf 17 Millionen Reichsmark, von denen 3,7 Millionen auf Warenverpflichtungen, 1,3 Millionen auf Wechsel und 12 Millionen Reichsmark auf Schadenersatzansprüche fallen. " Stillegung der Reichardtwerke? Wie aus Hamburg berichtet wird, werden die bekannten Reichardt-Schololadenwerle in Wands- deck demnächst den ganzen Betrieb stillegen. Schon am 19. Dezember sind rund 2500 Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen worden, sodaß nur noch etwa 300 Personen weiter arbeiteten. • Fuchs Waggonfabrik A. -G., Heide l b e rg. Rach dem für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegten Bericht schließt das Geschäftsjahr nach Abschreibungen von 119 835 RM. mit einem Verlust von 326 433 RM., der durch die gesetzliche Rücklage (382 118 RM.) gedeckt wird. Wie es in dem Geschäftsbericht heißt, lind die Aussichten ungünstig, wenn die Reichsbahn. die immer Hauptauftraggeber an Wag- gonfabrifaten war, nicht wieder Bestellungen in größerem Umfange herausgibt. Runmehr steht fest, daß auch die interalliierte Militärkontrollkommission in Düs'eldors und die ihr unterstellten Bureaus in Eisen und Köln am 1. Januar aufgelöst werden. Damit hört auch die interalliierte Kontrolle bei der Firma Krupp in Essen auf, wo die lev'.en beanstandeten Maschinen vor kurzem zerstört worden find. Julius Sichel & C o., Mainz. Die Mehrzahl der Gläubiger der Firma Julius Sichel & (Io., Mainz, hat Antrag auf Verlängerung der abgelaufenen Gefchäfisauffichi gestellt, um das Cr- gcbnis der Verhandlungen abzuwarten, die mit der Firma Stachlin & Söhne eingcleitet sind und darauf hinzielen, ihre Zustimmung zur Uebertragung ihrer Forderung an den Sichelkonzern von 2 Millionen auf die 21. G. für Industriewerte (Agfi) Luzern, zu erlangen. Wie wir erfahren, hängt diese Zustimmung im wesentlichen davon ab, ob es gelingen wird, durch Bildung eines neuen Konfor- timns die in den Händen der Großgläubiger von Sichel befindlichen wertvollen Beteiligungen zurück- zukaufen. * Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk A.-G, Essen. Die Hauptversammlung genehmigte den Abschluß, der aus Dem Reingewinn von 12 028169 Reichsmark eine Dividende von 8 Prozent aus die Stammaktien und 12 Prozent auf die Ramensaktien vorsieht. Rach Abzug der fatzungsgemäßen Aufsichtsrats- Tantieme in Höhe von 642 816 Reichsmark wird dec Rest in Höhe von 9353 Reichsmark auf neue Rechnung vorgetragen. Die turnusgemäß ausscheidenben Mitglieder des Aufsichtsrates wurden wiedergewählt, ebenso die Landräte neu angeschlossener Kreise. Auch Hessen, durch dessen Gebietsteile die süddeutschen Leitungen geführt worden sind, hat sich nach größtem Entgegenkommen bei diesen Bauten am R. W. E. beteiligt. Hier wurde Ministerialrat Dr. Win- d i s ch neu in den Aufsichtsrat gewählt. ' Allgemeine Elektrizitäts-Gesell s ch a s t. Rachdem bisher an Der Börse die Verteilung einer Dividende von 8 bis 10 Prozent erwartet wurde, erfährt Der B. B. C. nunmehr, daß nur mit der Ausschüttung einer Dividende von 6 Prozent zu rechnen sei. Die Bilanzsihung wird voraussichtlich in der ersten Hälste des Januar stattsinden. * Sie neuen Kredite der Görlitzer Waggonfabrik. Das Görlitzer Stadtparlament hat die selbstschuldnerische Bürgschaft Der Stadt Görlitz für einen 4-Millionen-Kredit an die Görlitzer Waggon- und Maschinenbau A.-G. genehmigt, um deren Stillegung zu verhüten. Die Deutsche Verkehrskredit-Bank A.-G. in Berlin, an die sich der Magistrat um Vermittlung dieses Kredites gewandt hat, erklärt hierzu, daß von ihr einer ersten Bank im Görlitzer Bezirk ein Kredit von 2 Millionen Reichsmark zur Weitergabe an dortige Industrieunternehmungen unter unter Bürgschaft der Stadt Görlitz zugesagt worden ist. • Rückgang der schweizerischen Ausfuhr nach Deutschland. Die schweizerische Ausfuhr nach Deutschland zeigt im Monat Rovember einen abermaligen Rückgang. Während sie im September 50,2 Millionen betrug, allerdings eine Rekordziffer — in Anbetracht Der am 1. Oktober eingetretenen Zolle Höhungen — g ng sie im Monat Ottober auf 29,8 Millionen zurück, um fich im Rovember weiter auf 20,4 Millionen zu vermindern. Wohl eine Folge der heft gen Wirtschaftskrise in Deutschland ist der Rückgang des Exportes von Schweizer älhron. Der sich von 251 068 Stück im Oktober auf 28 485 Stück oder von 7,1 Millionen Franken auf 1,4 Millionen ermäßigte. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 21. Dez. Tendenz: schwächer. Die Börse, die bereits im Zeichen der Feiertage steht, eröffnete die neue Woche bei sehr ruhigem Geschäft in überwiegend schwächerer Stimmung. 2lnregungen irgendwelcher Art fehlten. Die noch ungeklärte inncrpolitifdje Situation hat die Unternehmungslust weiter zurückge- örängt, und die Börse beobachtete im Hinblick auf die bevorstehende Unterbrechung durch die Feiertage größte Zurückhaltung, fo daß für eine Neihe von Werken keine Erftnotierung zustande kommen konnte. Sehr verstimmend wirkte der Abschluß der Rombacher Hüttenwerke, der sich als sehr verlustreich erweist. Montanwerte lagen gedrückt, mit Ausnahme von Niebeck-Montan, die 2,5 Proz. gewinnen konnten. Am C h e m i c m a r f t setzte sich die Abgabebewegung fort, die Kurse gaben weiter nach. Elektro werte waren dagegen gehalten. Auch Bankaktien hatten wesentliche Veränderungen nicht aufzuweifen. Schifffahrtsaktien rendierten gleichfalls schwächer. Die Nebenmärkte lagen uneinheitlich. Am Anleihemarkt war das Geschäft ebenfalls sehr ^\,/^VcoiD viele» Men! Vollsldjettie ibtt'6'n- ®ie L GW Ahr ^>gcisberg^^n,|'. sa’Syte ■8auetn diiii» tc $n' Aücktveg öer in- von L b" lufcn btforft Snbtn nd auch dm toc,erl‘ «16 Alsseld. »MC Huö.enbad, das 3M. AeltguMgemeink am »U 1 a^ien Teile der 5 das m Dachstuhl d-s k P to^' m kurzer Zeit, fp foi -. ^rchet werden konnte, toäb. Dachstock vernichtk! mehungsursach; ist unbekaml ! as eine Undichtigkeit der ofati nns zuckckzusühren, 3ran». H ausgeschlosfen.-lM nung des (täbtif^n !it> i " Haus" nach fertigte 1 Etadtvorstand llbr im Hotel, um UM Dmag ters Egner einm ImlPng nen Murne zu rM Mel jetten von der Än Gedieaen- Jnneneinrichtmz der ^rmven> t echten EichMdbein unb ganz isgestattet sind, überzeugen., iii Simmet ist oon Msseiber Hand Derbetreibenben angefertigt tooi chtigung fchwh sich ein zernnr . des Stadtvorstandes an. In • teilte grofie ffefllaal fall c» I anuar, mit einer Mvotstti Stattheaters eiWweilst wer! s Ämvch'as hrn kstMam Wu. nUenburg. cmstadt, 19. Drz. Die von der mlstellr mitgdaltM f?Mi eine größere h ' irkstücke M hiestSb.§laSeim >i etwas genauer WM" tg, oyne Slang fettig unschwer zu erkennen A W SS? Ä *.«• ^rivatlehranflalt iü | unadteugntffc b9?' | * «falls feflgenonunj^ 1924er «m MMen mild und blumig Einzelflaschen Mb. 1.35 bei 25 Flaschen „ 1.25 „ 50 „ v 1.20 einschl. Steuer ohne Glas Carl Schwaab Weinstuben ii85äa Berlin Sie»lu>-,.'An!ana | ’f 19. IS | 21 12 7?rantfutt a M. Sch:u -I i'Unk. Kur-. | Kur* slS ,2 21. tt~ 28 5 3 4.6 58 5* 63' U' 95 97 5 21.5 37 60 5 48 7j' 65 40 92.75' 95' | 160,5 i 40,1] 105,5' 51) -5 104 7* 1 4.7' 40 5 45 71)1 88' 65.25 । 56' 69' ! 22 5 I 20.25 | 27 \ H Te;br. 19 Dcz r. lkmtiicf)r Noki runa Amtliche Notierung i«eld Brie- >^eir> Bric> ymit.-ihou 168.44 168.51 168.97 1(2.1H 112.74 6rlfinflfor5 ID 5'5 10, >85 IO 545 10.585 awifcit. . 16 'JO 16.94 16,92 16.96 London. -0.372 41,-lti AI. 34 i 20.3-5 Okunort . 4.195 4.2t 4.19 4,215 Tario■ ■ • 16 26 •6, i 15,<>! 15.63 Cckwci; . St OH 81,2 i M ,03 81,23 Cvnuicn . 5'1 45 b 9,5 j 51.33 59.4: Jovan . . . l >20 1,8. » I.Mfi 1.819 ■Hie de Jan l 59' i.5‘ 1 3'Jl 1.59S Wien in T. Ceft. abfleft .9.18 59,9 59,21 69,35 Prag ... 12.415 12,455 12.415 12,455 Belgrad • . 7,435 :,455 7.4'1 • 7,465 Budav'ü. . 8.875 1,895 5.875 »,895 Bulgarien 3.037 3,01 1.U3 1.04 V'ffabon il 275 21.31 21.2.5 .1.325 Doneig ■ - 80 68 80.88 Ml 68 80.88 Konst mein 2,25 2,21 3,252 2.262 Sltbcif 5 29 1 5 29 5.3 t Canado. . 4 195 4,2 5 4.19' 4.205 Urugnav 4,235 4.24 5 4.2J6 4.245 Banknoten. Berlin, 1» Tezbr (Sflb ___ Briet Amerikanische Nölen . . <.216 4.216 Belgische Noten . . . . 18.965 19.06» Dänische ‘J.'otcn . . . . 1113.74 101,26 Englische Noten . . . . 20,81 20,41 Französische Noten . . . 16.23 16 30 volländische Italienische Noten . . . Noten . . . 16 8.05 168. 16.'11 16 "8 Norwegische Noten. ... Deutsch Qcstcrr, S100 Kronen 84 49 81 91 18.97 59,47 N»manische Noten . . — — Schwedische Noten . 112.12 112.68 Schwei>cr Noten ... 80.96 81.3C» Svanische Noten ... 59.17 69 47 Tschechoslowakische Noten . . 12,382 12.44'1 Ungarische Noten . • • — Frankfurter Getreidebörse. Fra n k s u r t a. M. 21. Dez. Es wurden notiert. Weizen (Wetterauer) 24 bis 24,25, l Zithern zhä:Harmonika* Lauten Challier allen Ernst Gießen G o Instrumente (. W ' 11917D laumams Rünaaschlm neue Schuhe von Gießen, Marktplatz 2, neben der Engelapotheke Günstige Zahlungsbedingungen 11929a Warme Winterschuhe in großer Auswahl und in jeder Preislage Assmann L Schneider, Giessen Gummischuhe Telephon 1248 GIESSEN Gamaschen Kaiserallee 45 ..........................................itniiiTiiiiiiiiiuniiimmnmn^nnHnHunite = 11920a Für den Weihnachtsputz empfehlen wir SchulstraOe 6 jetzt SchulstraOe 6 ff 087V Junge empfiehlt Gänse Enten Putthennen Hähne ital. Tauben 1 - Fette Suppenhühner Fasanen, Perlhühner Hasen und Rehe i. Ausschn. Lebende Hummer Frische Austern Kaviar in drei Preislagen Rheinsalm im Ausschnitt Seezungen, Rotzungen Steinbutt, Lachsforellen Blaufelchen, Schleien Heinr. Hochstätter Brandplatz 1, Ecke Schlossgasse 11666a , Engelhardts Chasalla-Normaischuhe Linoleum -Teppiche -Läufer -Stückware Cocos -Teppiche -Läufer -Matten Felle Bettvorlagen Wachstuche zu den billigsten Preisen Elegante Strümpfe und Socken idealster Korsettersatz. Verkauf jeden Mittwoch PIM. 131. f empfiehlt: Gäriseleber in Gelee, Gänsebrust, Gänseleberpasteten, Kaviar, alle Art. Käse, feine Wurstwaren, Salate, Liköre, Kognak. Grimberg, 3. Z. Katholisches Schwesternhaus in Gießen 19. Dezember 1925 Die glückliche Geburt ihres zweiten Sohnes zeigen hocherfreut an Dr. Justus Selzer und Frau Paula Neuenweg 9 11910a Leinölfirnis, garantiert rein, pro Liter 1.20 Fuöbodenöl, staubfrei, pro Liter . . O.6O la hell, geruchfrei, solange der Vorrat reicht ferner: la Scheuertücher, Bohnerwachs, Büffel-Beize Ofeniack geruchl., Ofenwichse, Goidbronze usw. Farbenspeziaigeschäft Obermann & Co., E. m. b. H. Wriiirs- ’ iw Attnckstroße21 Dienstag, den 22. Dezember h»«D Ausführung aller bank- und börsenmäßigen Geschäfte Kontokorrent- und Scheck-Verkehr Annahme von Depositengeldern und Spareinlagen Stahlkammeranlage mit vermietbaren Tresors Versicherungs-Abteilung Beratung in allen Versicherungsfragen II Krawattenseide. EEJSS Mocehaus Salomon Weinstube Haafs Häuschen Telephon 1520 :: Walltorstraße 34 empfiehlt zu den Festtagen prima reine Naturweine von Mk. 1.20 an per Flasche Sämtliche Weine stammen aus der Logenkellerei Bingen und diese Firma bürgt für __________ la Qualitäten 010112 Feinkost A. Koch macht Schulstraße 10 Telephon 1612 Telephon 1612 Mittwoch, den 23. d. M., nachmittags 2 Uhr, sollen unter vorheriger Bekanntgabe der Bedingungen auf dem Hofe des Eberhalters ein abgängiger Eber (zirka 4 Zentner schwer) sowie ein Ziegenbock öffentlich versteigert werden Hessische Bürgermeisterei Beltershain. Hornmann. 11926D VloHnen l!an Proz. zur Sethslbereiltnne feiner Getrttnke UFonerie HrM KreuzpLOnlO Zu L LangeslraßeS Nr. 298 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) . Montag, 2l. Dezember (925 — w niiiiinMinmr mi ■ -tjtt.. *nstf Für den Weihnachtsbüchertifch. 835 werden! 686 des Dichters nicht verlassen hätte. halten. Roman von ®. Ida Boy-Ed AnS alten und mein starkem Maße, besonders der letztgenannte, in dem Hamsun, der Große, sogar noch sein Werk „Segen der Erde" weit übertrifft. In diesen Dichtungen hat man besondere Zierden des guten Bücherschrankes vor sich, die bleibenden Wert be- 1493, 252 —S chibes. Bon Alma Johanna Koenig. (Lerlag Philipp Reclam jun., Leipzig, Preis 80 Pf.» — Eine fesselnde Hundegeschichte, die sich durch eine -geradezu verblüffende Kunst des Vor- trc.ges, durch straffe Gliederung und flotten Gang der Handlung aus,zeichnet. Schibes, ein Hundebastard, ist der einzige Freund eines Waldschmiedes, in dessen Einsamkeit eine Zigeunerin dringt. Der Hund, der den bösen Dämon seines Herrn in ihr erkennt, wird zu ihrem erbitterten Feind. Ein förmlicher Kampf zwischen dem Weib und dem Hund um die Seele des Herrn bricht los. Der Hund fällt zum Opfer. Diese Erzählung ist in ihrer knappen Prägnanz, in ihrer überquellenden Fabulierfreudigkeit ein kleines Meisterwerk. 378 — Norbert Jacques: „D e rKaufherr von Schanghai (Verlag Ullstein, Berlin), ein Roman voll packender, geschickt geflochtener Handlung, der bei dem augenblicklich starken Interesse für chinesische Dinge sicher viele Leser finden wird. 647 — Roda Roda, der Mann mit der roten Weste, hat nette Geschichtlein zu einem hübsch ausgestatteten Bande „D e r E y e g a r t e n" (Bild- und Buchverlag in Berlin) vereinigt. Reizende Frechheiten sind darunter, aber auch manches, was besser die Schublade neuen Tagen. Novellen. Ganzleinen 6,50 Mk. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung Nachf., Stuttgart und Berlin. Was Ida Boy-Ed, die fem- finnige Dichterin hier schuf, geht über die Ziele der Unterhaltungsliteratur hinaus. Die echt oolkstüm- limen Erzählungen, das reife Können und ein gütig verstehender Humor berühren unendlich wohltuend. Das Buch ist ein echtes deutsches fiaiis* buch. 806 — Rudolf Presber, der humorvolle Plauderer, der Causeur par ercellence, erfreut durch einen neuen Band lose zusammenhängender Erzählungen voll Grazie und Spannung. Das frühere „Die Zimmer der Frau von Sonne n f e Is“ war witzig schon durch feinen Rahmen, durch die Ide«, die kleinen lustigen und traurigen Abenteuer dieser Menschen, die eine kuriose Welt hier in ein Berliner Pensionat zwangsweise zusam- menweht, zu verbinden. Dem neuen Buch „D e r Tisch des Kapitäns" (Verlag Dr. Eysler & Co. A.-G.. Berlin SW 68; Preis in Seinen Schöne Literatur. — Die Diotima-Klassiker des Berlages Walter Hädecke in Stuttgart haben sich binnen kurzem eine gesicherte Stellung auf dem ,a gerade mit Klassiker-Ausgaben überschwemmten Büchermärkte errungen. Das verdanken sie einmal ihrer einfach würdigen äußeren Ausstattung, die, ohne in buch- lcchnischen Snobismus zu verfallen, ernst vornehme Bände zeitigte, zum andern der sorgfältigen Druckausstattung und schließlich der ausgezeichneten Mitarbeiter, die der Verlag für die Herausgabe seiner Klassiker gewonnnen hat. Uns liegen vor K l e i st s Werke und Briefe, die Manfred Schneider in 1 stattlichen Bänden bearbeitete, ferner Novalis, des seltsam weichen, tief religiösen Romantikers Werke in 1 Bande,, den Wilhelm v. Scholz besorgte. Neben diesen Ausgaben hat der Verlag auch noch sein Augenmerk aus die Herausgabe umfangreicherer Werke der Weltliteratur in äußerlich stark zusammen- gedrängter Form gerichtet. Dar wurde ermöglicht durch sehr sorgfältig hergestellte Dünndruckausgaben, von denen u. a. auch Fritz Reuters Werke zum erstenmal In dieser Form erschienen sind. „U t m i n c 31 r o m t i b", einer der bedeutendsten Romane un- unb neuer Zeit geben prächtige Volks- uni) Landschaftsbilder von nah und fern, und der letzte Abs Millionen Arbeitnehmer. Don den 19 Million« Steuerpflichtigen werden 11,4 Millionen als ledig, 7,6 Millionen als verheiratet J angesehen. Von diesen als ohne Kinder 1,2 Millionen, mit 1 Kind und 2 Kindern je 1,4 Million«, mit 3 Kindern 1,1 Millionen, mit 4 Kindern rund 875 000, mit 5 Kindern rund 600 00 ufw. bis zu 9 und mehr Kindern rund 121 000. Bet der Verteilung nach der Höhe, des Einkorn- inens ergibt sich, daß 89 Prozent mH entern Einkommens bis zu 2400 Mk. anzunehmen sind. Da bl» zu einem Einkommen von 2040 Mark die Steuerfreiheit nach den bisherigen Familienermäßigungen vom dritten Kinde an besteht, könnte das Min^r- ergebnis durch eine stärkere Berücksichtigung der 11 Prozent Arbeitnehmer der mittleren und höheren Einkommen nach ihrer Kinderzahl nicht so außerordentlich hoch ins Gewicht fallen. Steuer- und Sozialpolittk hängen eng zusammen. Wenn in der Reichsverfassung den kinderreichen Familien die ausgleichende Fürsorge des Staates zugesichert wird, so kann diese staatliche Maßnahme im wesentlichen nur in Steuererleichterungen bestehen, da eine Gehalts- und Lohnpolitik zugunsten der Kinderreichen sich vom Staate nur den Beamten gegenüber durchführen läßt. Diese Steuermäßigungen müssen den notwendigen Ausgleich gegen die Sonderbelastung bieten, die die kinderreiche Familie ohnehin infolge ihrer Kopfzahl durch jeden Gegenstand des notwendigen Lebensbedarfs in der indirekten Besteuerung erfährt. Jede neue Beölastung, jede Steiaerung des Preises der notwendigen Lebensbedürfmfle bedeutet eine Einschränkung der Lebenshaltung für die kinderreiche Familie, in den meisten Fällen einen weiteren Verzicht auf wertvolle Kulturgüter. Die kinderreiche Familie leistet In einer Zeit des Geburtenrückgang«, der sich vielfach zur Furcht vor dem Kinde steigert, in der Aufzucht der künftigen Staatsbürger dem Vaterlande einen erheblichen Dienst. Die Blüte und die Zukunft Deutschlands steht und fällt mit dem Wohle der kinderreichen Familien. Wenn jetzt, um glatte Summen herauszustellen und die steuerliche» Berechnungen zu vereinfachen, die Senkung der Lohnsteuer nach dem Regierungsentwurf sich auf eine Erhöhung des steuerfreien Einkommens beschrankt, so muß unbedingt daneben eine erhebliche Ermäßigung für die kinderreichen Familien eintreten. Diese Ermäßigungen müßten wenigstens den Zustand wiederherstellen, der nach dem Steuerüber- lettun^sgesetz in der Zeit vom 1. Juni bis 1. Oftober Rundfunk-Programm des Frankfurter Lenders. (Aus der «Radio-Umschau'.) DienStag, 22. Dezember: 3.30 biS 4 Uhr: Die Stunde bet Iuaend. 4JO bis 6 Uhr: Rachmittagskonzert des Haus- orchesterS: Viels W. Gäbe. 6 bis SLO Uhr- Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Ubr: Funkhochfchule ^cmkfurt a. M. (Abt. Gesundheit-Wissenschaft).- „Die Ausdauer und ihre Pflege". Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr. Fürstenheim. 7 Uhr- Uebertragung aus dem Frankfurter OpemhauS: ^Cavalleria Austicana", Oper in einem Akt von Pretro MaScagni. Anschließend: «Die Dajazzi". Oper in zwei Akten und einem Prolog der Führerlosen". Sein Bestes hat er in dem Buche „Aus den nördlichen Kaltalpen" niedergelegt. Band 2.1 der „Bücher der Bildung" bietet unter ccm Titel „Einsame Bergfahrten" eine Auswahl de» Schönsten «u» dem längst vergriffenen klassischen Werk«. " 719 Schutz den Kinderreichen! Von Direktorin Dr. Matz, M.d.R. Bei der Schlußberatung des Einkommensteuergesetzes wurde im Reichstag ein Initiativantrag angenommen, der die Reichsregierung verpflichtet, sofern das Aufkommen aus der Lohnsteuer in der Zeit vom 1. Oktober 1925 bis zum 31. März 1926 den Betrag von 600 Millionen Reichsmark übersteigt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine Er- Höhung der Abzüge der kinderreichen Familien und des steuerfreien Betrages herbeiführt. Schon jetzt hat sich ergeben, daß das Aufkommen in der Lohnsteuer erheblich über 100 Millionen Mark im Monat hinausgegangen ist. Wie eine Uebersicht der Regierung nachweist, sind in den sieben Monaten vorn April bis Oktober 1925 insgesamt rund 869 Millionen Mark an Lohnsteuer vereinnahmt worden, d. h. durchschnittlich monattich ca. 125 Millionen. Infolgedessen hat die Regierung bereits jetzt einen Gesetzentwurf über die Senkung der Lohnsteuer vorgelegt, dem der Reichsrat zugesttmmt hat. Dieser Gesetzentwurf erfüllt allerdings nicht die erste Forderung des damaligen Jnitiattvgesetzes, die Erhöhung der Abzüge der kinderreichen Familien, sondern lediglich die zweite Forderung, die Erhöhuna des steuerfreien Betrags. Die Regierung schlägt eine Erhöhung des steuerfreien Gesamtbetrages von monatlid) 80 Mark auf monatlich 100 Mark vor, wobei der allaemeine steuerfreie Betrag auf 60 Mark und die Werbungskosten und Sonderleistungen je auf 20 Mark erhöht werden sollen. Mit Rücksicht auf die einfachere Berechnung empfehlen sich die runden Summen, die gewählt sind. Obwohl die Regierung durch diese Maßnahmen eine Mindereinnahme von 237 Millionen erwartet, bedeutet die Erhöhung des steuerfreien Betrages für den einzelnen Steuerpflichtigen lediglich eine Ersparnis von 2 Mark monatlich. Diese ist selbstverständlich in einer wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Zeit jehr willkommen und kommt neben dem Steuerpflichtigen auch der Wirtschaft zugute, indem durch die, wenn auch geringe Er- Höhung des dem Steuerpflichtigen verbleibenden Einkommens, ein Steigen der Kaufkraft eintritt. Die Tatsache, daß wettere Familtenennäßigun- aen nicht voraesehen sind, ist jedoch außerordentlich bedauerlich. (Eine Erhöhung der Abzüge bei kinder- reichen Familien wäre deswegen um so mehr berechtigt, weil die Lage der kinderreichen Familien sich mit dem Inkrafttreten des Einkommensteuergesetzes am 1. Oktober verschlechtert hat. Die Mehr- leiftungen, die sich für die einzelne kinderreiche Familie, und zwar mit wachsender Kinderzahl ht einer unverständlichen Steigerung ergeben haben, sprechen sich in der Tatsache aus, daß die (Einnahmen aus der Lohnsteuer im Oktober trotz der steigenden Arbeitslosigkeit um eine Million Mark Mnüber dem September gestiegen sind. Diese eine Million Mehreinnahme bedeutet ausgesprochener- mafjcn eine Sonberbelaftung der Kinderreichen. In der Begründung der Regierungsvorlage wird aus- geführt, daß die Erhöhung der Familienermaßi- gungen, wie sie von den verschiedensten Parteien im Reichstag gefordert worden sind, das Lohn- lo™raÄmmen Leblich unter den Betrag von 1200 Millionen Mark jährlich herunterfenken und unerträgliche Steuerausfälle zur Folge haben würde. zu erblicken war als ein dichterRosenschleter? dogen die Störche dix Flügel ehr und ließen sich auf dem Wolkenschifs langsam zur Grde herab. Voden, und in diesem Augenblick ertönte von Kaum merkte man's, so sanft berührte es den Voden, und in diesem Augenblick ertönte von „Augen schließen!" irgendwoher eine Stimme: Aach einer Weile kam ein neuer Befehl: „Augen auf I“ > ODaS war das? Die Wolke war verschwunden, und ein wundervoller Garten dehnte sich vor den staunenden Reisenden, so weit das Auge reichte. Unzählige große Schmetterlinge schwärmten um leuchtende Blumen, und aus einem langen Schattengang, der sich in lautet blühenden beeten verlor, traten lächelnd hervor die drei Puppenfeen Euphrasia, Zerlina und Sinsorosa. „Willkommen im Feenland", sagte Euphrasia indem sie ihre Maske aus schwarzer Atlasseide aus Pompadourseibe war, und einen Fuß im Gavotteschritt vorsetzte. . » haben euch erwartet", sagte Zerlina, indem sie ehre Maske aus schwerzer Atlasseide abnahm. „Womit wnnen wir dienen?" sagte Sinforosa, indem sie sich zierlich fächelte. Die Kinder rieben sich die Augen. So, wie mwi sich Feen vorstellt, sahen diese drei Damen nicht gerade aus. Die trugen ja keinen goldenen, mit Sternen bestickten Schleier, die hatten ja nicht einmal einen Zauberstab in der Hand! Das waren Feen, wie man sie au Hause auch haben konnte, für den Werktag sozusagen. Und in der Tat, die Spielzeugfeen sind zwar muntere, entzückende Persönchen, aber keine imponierenden Erscheinungen. Auch mit ihrer Macht Nt es nicht weit her. Die große Fee, die Fata ■ OKorgana, hatte sie nur vorausgeschickt, um den Reisenden Mut zu machen. And das war gut Jo, denn als sie nun vor dem Feenschloß an- tomen und hoch oben auf der großen Freitreppe Morgema selbst stehen sahen, umgeben von allen Feen des SudenS und ihrem Hofstaat, einem bunten Gefolge von Zauberern, Hexenmeistern. Waldgeistern^ Zwergen und geschäftig herum- wuselnden Wichtelmännchen, da hätte sie ohne de« Gwckenzuges ansichtig geworden, zogen sie auch schon daran. Ein barfüßiger Mensch kam, um zu öffnen. Er empftna sie voll Freude, war aber nicht wenig erstaunt, sie eine fremde Sprache sprechen zu hören. Otto und Liefet hätten ihm gerne erzählt, wer sie waren und woher sie kamen aber leider konnten sie sich nicht mit ihm unterhalten, denn das Mönchlein verstand kein Deutsch. Zum Glück war die Dachrinne deS KlösterchenS von Hunderten von Schwalben bewohnt, und die guten Schwalben zwitscherten gleich auf deutsch und italienisch loS: Wir verstehen'- wir schon. Aoi ft, not ft, not ft, abbiamo capiitittilto.“ DaS war nun freilich sonderbar: die Schwal- ben verstanden die Kinder, die Kinder verstanden die Schwalben, daS Mönchlein hingegen ftel von einer Derwunderung in die andere. „DaS rann ja gut werden", sagte Liesel verblüfft. „Wenn die Feen auch so sprechen wie diese- Kapuzenmännchen, tote sollen wir unS da verständigen V tl »Die Feen sprechen tote ihr", zwitscherten die Schwalben. DaS hörten die Kinder gern. Dem Mönchlein aber wurde recht eigen zumute, alS es sah, wie die Kinder und die Schwalben sich unterhielten Wenn er daS doch auch könnte! Sr fühlte sich so einsam in seinem Klösterchen. Wenn die Kinder wenigstens eine Zeitlang dableiben würden! Aber Otto und Liesel waren schon im Begriffe sortzugehen. Sie hatten nun in Erfahrung gebracht, waS sie über die Feensprache wissen wollten, und wußten nichts Besseres, als möglichst bald im Feenland einzutreffen. Sie verabschiedeten ftch kurz, wobei ihnen der Mönch, der ein Gemüsegärtner war, zwei prächtige Fenchelköpfe überreichte. Alle drei erröteten, der Einsamkeit, dem der Erlöser Tod schon so schnell folgen sollte. 608 — Eck ermann: Gespräche mitGoethe, herausgegeben von Dr. Richard Müller-Freienfels. 4 Bände in 2 Doppelbänden mit 568 und 709 Seiten und lö Lllüecn in Kupfcrtie^ruck. (Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin). Die Aufzeichnungen Eckermanns über feine Unterhaltungen mit Goethe find ein notwendiger Bestandteil unserer klassischen Literatur geworden. Die vorliegende Ausgabe, die der bewährten Hand von Richard Müller-Freienfels anvertraut worden ist, ist besonders wertvoll durch den Abdruck der Briefe Eckermanns an feine Braut und der „Beiträge zum Studium der Poesie", durch die seinerzeit Goethe auf Eckermann aufmerksam geworden ist. Ein sorgfältig gearbeitetes Register erleichtert die Benutzung des gehaltvollen Werkes. 700 Graf Hermann Keyserling, der Führer der Darmstädter „Schule der Weisheit" hat die Anregung zu einem „Ehebu ch" gegeben, das er nun mit dem erläuternden Untertitel „ein« Sinngebung im Zufammenklang der Stimmen führender Zeitgenossen" beim Verlag Niels Kampmann in Celle herausgibt. „Das Buch der Ehe will helfen. Deshalb sind Mut und Reinheit die beiden Urquellen feines Geistes". Kein Zweifel, daß Voraussetzungen und Ziel in hohem Maße erreicht sind. Sehr scharf und ungeschminkt stellt der Herausgeber das Eheproblem. Richt minder lauter und ernst beleuchten Mitarbeiter wie Frobenius, Tagore, Paul Ernst, Jakob Wassermann, Thomas Mann, die Fürstin Lichnowsky, Ricarda Huch, um nur einige herauszugreifen, die Entstehung der Ehe, die Eheideale der orientalischen Völker, die geschichtliche und soziale Entwicklung der Ehe im Okzident und schließlich die Ehe in allen ihren differenziertesten Beziehungen zum Leben. Abgesehen von seiner großen kulturpolitischen Bedeutung weist das Buch Wege in die Zukunft, an denen vorbeizugehen unklug wäre. 645 — Das Bildungsproblem behandelt Stu- bienrat Dr. V. Hen ry in einem streng methodisch gegliederten Werk, mit dem auseinanderzufetzen sich für Psychologen und Pädagogen — und welcher Pädagoae muß nicht auch Psychologe fein — gleicher- weise lohnt. (Verlag Quelle & Meyer, Leipzig.) 654 — Die schmucke und preiswerte Kunstwort- Bücherei (Verlag G. D. W. Collwey in München) hat ihre Reihe um weitere zehn Bändchen vermehrt. Bestes Gedankengut aller Zeiten und Völker, aus der schönen Literatur sowohl, wie aus den Gebieten der Philosophie und Kunst sind hier vereinigt zu einer kleinen auserlesenen Bibliothek, die manch großen Bücherschrank überflüssig macht. Als neue Bände bringt der Verlag Hölderlins Gedanke n l y r j k, von C. K. Fischer ausgewählt und ein- gleitet, eine prächtige Auswahl aus der Weis- ) e i t d e r B e d e n , der P. Th. Hoffmann eine auf- chlußreiche Einführung voranschickt. Die G e - chichte von Heming von Beate Bruns geht auf altisländifche Sagen zurück, und von nordischer Kraft spricht auch diese Dichtung. Eine moderne Dichterin aus dem Kunstwari-Krecs ist mit Marianne Bruns (Seliger Kreislauf) vertreten. Die unver- gönglichen Elegien des Properz bringt Otto APeltin neuer, schöner Uebersetzung. Die Sammlung RuffifcherErzähler wird fortgesetzt mit zwei Kosakenmärchen von Gogol. Die beiden folgenden Bändchen sind der G e d a n k e n d i ch t u n g der R o m a n t i k e r Vorbehalten. Auf naturwisienschast- liches Gebiet führt Anton Campa mit feinem inter- effanten und tiefgreifenden Aussatz „Die Physik in d e r K u l t u r". Den vorläufigen Beschluß der Reibe macht ein erstes Bändchen BiblischerGe- schichten aus dem Alten Testament. 583 m — Ernst von Bergmann. Von Arend Buchholtz. Mit Bergmanns Krieasbriefen von 1866, 1870/71 und 1877 sowie tageouchartigen Driesen aus San Remo über die Krankheit Kaiser Fried» richs. Vierte revidierte Auslage. Mit zwei Por- träts von Ernst von Dermann. Elegant gebunden 24 Mk. Verlag von F. C. W. Vogel in Leipzig. Kein würdigeres Denkmal konnte Ernst von Berg, mann, dem großen Meister der Chirurgie und prachtvollen Menschen, gesetzt werden, als diese schone Biographie. Es ist ein Lebensbild Ernst von Bergmanns, das eine Fülle interessanten Stoffes bietet. So sind schon Bergmanns Wiener Jugend- briefe von bestrickender Anmut, und vollends sind es ferne Reifebriefe aus Rußland, Spanien, Kon- ftantinopef ufw. Don besonderem Interesse sind vor allem die Aufzeichnungen Bergmanns über Krankheit und Tod Kaiser Friedrichs, die man nicht ohne tiefe Ergriffenheit über das tragische Geschick des Fürsten lesen wird. 841 Mönch als schüchterner Gastgeber und die Kinder, weil sie noch nie ein solches Gewächs gesehen hatten. „Wiesenstelz," schrien sie von weitem, „hier ist nichts zu wollen. Los, abfahren!" Die gefällige Störchin machte sich sofort bereit, aber Schnabelspitz und. Luginsland klap- perten höchst unwillig. „Was für ein Ton!- sagte Luginsland. „Halten die uns denn für Gepäckträger?" sagte Schnabelspitz, und schon zog sie beleidigt daS Dein hoch. „So, nun gerade nicht, jetzt schlafe ich. __ Erst alS der Morgenhrmmel sich rötete, erklärte fie sich bereit, den Flug wieder auszu- nehmen. Leb wohl, schöner blauer See! Weiter ins Land hinein! „Wo sind wir jetzt?" fragte Otto. „3m grünen Umbrien", antwortete LuginS- land. „Wenn wir Zeit hätten, könnten wir unS von den Schwalben dte Geschichte vom heiligen Franziskus und seinem zahmen Wolf erzählen lassen. Die schönste Legende, dte es gibt. Vielleicht ein andermal." „Hoffen wir'S", sagte HanS Sachs ein wenig bedauernd. man wichtige Dinge vorhat, kann man sich nicht damit aufhalten, Altweiber- geschichten anzuhören", bemertte Krachauf trocken. „Hüte deine Zunge", mahnte Kunigunde. „Hter gibt es keinen Wind, dem du die Schuld für deine Streiche In die Schuhe schieben kannst, und keine Grotte, um ein zweites Mal Otto und Liesel aufzunehmen." ?? Berging mit Recken und Schabernack, mit Sticheleien und Zünkerein, denn daS Volk der Spielsachen ist von jeher etwa« streitsüchtig ge- toefen, die Zeit, und niemand merkte, daß die Störche die Flugrichtung geändert hatten. 3m "W fliegend, tote um ihre Spur zu verbergen näherten sie sich allmählich einer rosa Wolke, ote unbeweglich mitten am Himmel stand und k« schien. Aus einmal sah sich die Reisegesellschaft In einen Wirbel von Rosen- blättern hmemgezogen, tote auf einem durch lauter Rosen fliehenden Strome glitten sie dahin. Sie waren in die Wolke geraten. Und als ringsum, oben und unten, nichts anderes mehr — Dichtung und Dichter dar Zeit. Eine Schilderung Der deutschen Literatur der letzten Jahrzehnte. Von Albert Soergel. Neue Folge: Im Banne des Expressionismus. 896 Seiten mit 342 Abbildungen. R. Doigtländers Verlag in Leip- zig. Gcmzleinenband 24 Mk. Das zuerst im Jahre 1911 erschienene Werk Soergels gilt als eine der besten Darstellungen der Zeit etwa von 1880 bis 1910. Jetzt tritt der Verfasser hervor mit einer „Reuen Folge", die er „Im Banne des Exvressio- nismus nennt. Dieses neue Werk umfaßt die Zeit etwa von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart. Diese Zeit der Umwälzungen erfüllt Literatur und Kunst der Expressionismus, der ebenso leidenschaftlich sich verdrängende wie bekämpfte Ausdruck eines neuen Wollens und Strebens. Die — Bruno H. Bürgel: „Vom Arbeiter zum Astronomen" und „Weltall und W e l t g e f ü h l". (Beide Werke im Ullstein-Verlag, Berlin.) Der Astronom, Philosoph und Dichter Bruno H. Bürgel wurde am 14. November d.I. 50 Jahre alt. Vom Fabrikarbeiter hat er sich em- porgearbeitet „u den Höhen des geistigen Lebens. Kaum einer versteht es so wie er, die schwierigsten und tiefsten Probleme so klar und anschaulich darzustellen, daß der einfache Mann sie versteht. Dabei sind seine Darlegungen erfüllt vom Zauber dichterischer Gestaltung und oft ergreifender poetischer Schönheit. Seinen eigenen schweren Werdegang schildert er in schlicht-sachlicher Weise in dem Buche „B o m Arbeiter zum A st r o n o m e n". Als neuestes Werk seiner Feder erschien jetzt „W elt- all und Weltgefüh l". Das Buch zeigt, wie das menschliche Denken und Fühlen zu allen Zeiten von den Anschauungen über die Natur und die Ge- heimnisse des Weltalls beeinflußt wurde, wie Sternkunde und Sterndeutung die Grundlage der ältesten Weltreligionen und der naturphilosophischen Systeme aller Kulturen darstellte. Auch dieses Werk hinterläßt tiefftc Eindrücke und regt den Leser in hohem Maße zum Nachdenken an. 855 u. 685 Darstellung erstreckt sich im wesentlichen, doch mit verbindenden Ueberleitungen, auf Einzelpersönlich- feiten und Einzelwerke, diele aber durch eine Menge von wörtlich mitgeteilten Ausschnitten aus den Werken erläutert und belegt, so daß der Leser den Dichter mit dessen eigenen Worten erlebt. — Fast ebenso wichtig für das Verständnis sind die 342 Abbildungen, in denen sich die innigen Beziehungen der bildenden Kunst zur Dichtkunst auftun. Es sind vorwiegend Bildnisie, aber auch Bildwerke, die unmittelbar für ein bestimmtes Dichtwerk entstanden sind; Karikaturen, Satiren, Nachbildungen von Revollitionszeitsckriften: darunter, zur Heiterkeit stimmend, Dadaisten-Flugschriften: endlich eine Menge Proben von Dichter-Handschriften. Ein Werk, das zur Orientierung in der modernen Literatur bald jedem unentbehrlich wird. 642 — H. A. Kor ff: Die Lebensidee Goe- thes (Verlag I. I. Weber). Der kürzlich von unserer Landesuniversität als Nachfolger Albert Kösters berufene Literarhistoriker faßt in diesem Buch eine Reihe, zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Anlassen entstandener Aufsätze zusammen, manches davon ist auch durch Vorträge weiteren Kreisen unserer Stadt bekannt geworden. Einen Entwicklunasgana zeigen diese Aufsätze, der über das rein stoffliche Interesse hinaus fesselt. (428 — Otto Günther: Friedrich Schiller. Sein Leben und seine Dichtungen. Mit über 700 Abbildungen nach zeitgenössischen Bildern und Illustrationen. Herausgegeben mit Unterstüt- zung des Schiller-Nationalmuseums in Marbach. Preis in Seinen gebunden 22,50 Mk. — Das Buch stellt sich die Ausgabe, Schiller seinen Kreis und seine Dichtungen in Bildern aus seiner Zeit aufleben zu lassen. Es bringt in seinem ersten Teile alle zeitgenössischen Bildnisie von Schiller, die bei der Frage nach des Dichters Aeußerem irgendeine Rolle spielen, es berücksichtigt die demDichter nahestehenden oder mit ihm in Verbindung getretenen Persönlichkeiten in größtem Umfange, es bringt zahlreiche Bilder von Oertlichkeiten, an denen Schiller geweilt hat. Auch eine Anzahl von Handschriftenproben werden veröffentlicht. Jrn zweiten Teile sind über 300 Illustrationen zu Schillers Dichtungen bis zur Zeit von etwa 1830 wieder- gegeben worden. In einer umfangreichen Einlei- tung unterrichtet der Verfasser, einer unserer besten Schlllerkenner, in lebendiger, kundiger Darstellung über Schillers Leben und Dichtungen. (Verlag von J.J. Weber, Leipzig.) 812 — Zur Lebensgeschichte Tolstois find in der letzten Zett eine Reihe wichtiger Dokumentensammlungen erschienen, von denen mit am wichtigsten die ^Briefe sind, die zwei Töchter des Dichters In verschiedenen Ausgaben fast gleichzeitig publizierten. ^Tatjana Suchotina Tolstoi leitet einen Bond Briefe unfeine Frau ein, die der Wiener '»Verlag Paul Zsolnay mit einer Reihe von Bildern Soeben hat erscheinen lassen. „Schritt für Schritt", so djreibt die Tochter, „entfaltet sich darin die innere Tragödie dieses großen Einsamen, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, alle Menschen zu vereinigen, und dem es nicht beschieden war, mit dem Menschen, der ihm zunächst stand, und den er am meisten liebte, eine solche Vereinigung zu finden." Mit diesen Sähen ist die Bedeutung dieser Briefsammlung am treffendsten charakterisiert. Sie spiegelt die seltsame und ergreifende Geschichte dieser Ehe wider, die vom innigsten, zärtlichsten Verbundensein, vom vertrautesten Zusammenleben lange fünfzig Jahre hindurch bis zur inneren Entfremdung der Gatten, bis zu jener seltsamen Flucht des gequälten Dichters in die sowie alle Arten «. Hautunrelnlgkelteo, HauteUMchilei ß IQtchen, Mitesser, eU. verschwind, d. tlgl. Oe brauch d echt« iftexfeenpfend -3easchn>efeL-&ife von Bergmann * Co., Bodebeul. überall zu haben. Erens-Drog. Ann nm Noll, Noast adt-Drag. Hani HolL P. J. Wöbe. Solfonlabrik, Germania-Drog. C. Sollet w»^l?r*Pr.°®erle Waidschmidt, Drogerie Goare Wellentals. Drogerie Otto WiatorhoH.________ 46© Vorbereitung bet Glanz geblendet, fte toären ge- storben vor Ehrfurcht, so majestätisch war der Anblick, so überwältigend der Eindruck der müchw tlgen Fee. Auch dte Zauberer mit ihren Zuckerhutmützen wirkten fast beängstigend. Äur Krach- aus — man weiß ja, daß dte Rußknacker voe «P1*?.11? Respekt haben — wagte zu flüstern: „Es steht aus, als ob fte Nürnberger Erker auf öem Stopfe hätten." So erhaben aber auch tbt Auß°r-s, war. di- F-- Morgan- halt- eint ötimme so süß und weich tote ein Wangew-' ftreuhefa. Und mit dieser streichelnden Stimme Hub fte nun an: >^'?be Kinder, getreue Spielwaren, mutige wtorche! Von heute an betrachte ich euch alS meine teuersten Gäste. Euer sei dieses Schloß, euer der Garten. Meine Zwerge sind euere Diener, meine guten Kobolde euere Gefährten meine Zauberer euere Ratgeber. Pelzrnartin hat mich wissen lassen, tote und warum der große Kreuzzug der Rürnberger Spielwaren beschlossen wurde. Run Wohl, ich gewähre euch meinen öchut) und meine Hilfe, ich verspreche euch, einen Zauberrat einzuberufen, auf daß er überlege tote man Peter Tand dem Gefängnis entreißen kann, in dem er schmachtet. Seid ihr zufrieden?" Morgana glaubte eine sehr schöne Rede gehalten zu haben unfr erwartete nichts anderes, als daß Otto und Liesel sich in Dankesbeteuerun- gen ergehen und ihr ein über das andere Maj die Füße küssen würden. Statt dessen machten die armen Kleinen große Augen und sahen sie ängstlich an. Wenn sie recht verstanden hatten, dann war also Vater nicht hier, sondern irt Nürnberg, man hatte ihn ins Gefängnis ge- worfen, und dort litt er nun Hunger und Kälte "ach feinen Kindern! Otto und Liesel fühlten, tote ihnen etwas das Her» zusammenprehte imb in die Kehle stieg, daß fte 3u ersticken meinten. Sie fielen einander in dte Arme und brachen in herzzerretßendeS Schluchzen aus. Das also war die Ankunft im Feen land! $cen mfl6ten manchmal zu schweig«! verstehen , murmelte Hans Sachs zwischen M Zahnen, (Fortsetzung folgt)