31 Samstag, 21. November 1925 175. Jahrgang General-Anzeiger für Oberhefsen vniü und Verlag: vrühl'Iche Univerfitäls-Vuch- und SleindruSerei «. Lange in Stehen. Schristlkitung und Seschästrstelle: LchuINratze 7. Richthosens letzte Fahrt -7 O Das letzte Geleit einen beim Die Ehrensalve Die Hügel. aus 3 3 e- 3 o ti Ä w« 3 Gott ist und das Amen." V23 ilbc sammelt. 3m Zentrum dagegen sollte auf dem Kasseler Parteitag der Richtungsstreit, wenn man den Kampf zwischen Wirth und der Reichstaasfraktion einmal so nennen will, ausgetragen werden. Dr. Wirth, dessen lärmender Austritt aus der Reichatagssra.iion die Herren Fehrenbach und Genossen s. Z. mit einem Uff der Erleichterung begrüßt haben mögen, ist Amerika mit stolz geschwelltem Busen zurück- der Heimat in die kühle Erde. ' Ruhestätte gefunden. Die —,----- . , halt' einen Kameraden", dann nahmen Mutter und Brüder mit einer Handvoll Erde zum letzten Male Abschied. Der Reichspräsident wirft sichtlich bewegt dem mutigen Offizier und treuen Menschen eine Handvoll Sand nach, verweilt einen Augenblick und verlaßt dann den Grab- brauchen. Solange her gemäßigte Flügel der Parte« die Opposition mitmadjt und die Fraktion sich der Diktatur der Landesverbände fügt, wird man hierin keine Wendung erwarten dürfen. es galt, gegen einen vielfach überlegenen Feind zu ziehen und mochten tausend Gefahren drohen. Dieses da« Va.erland liebende Herz hat er der deutschen Fliegerei vermacht. G aube ohne Liebe verroht, Liebe ohne Zucht entheiligt. Er, um den wir trauern, war der Mann der Kraft und der Mann der Zucht in einer Person. den Währungsverfall, der bislang aber noch nicht über endlose Debatten im Parlament hinausgeht, absorbiert alle Kräfte des Kabinetts Painlev6. Der Ausgang der Finanzdebatte und das damit eng verknüpfte Schicksal des Kabinetts Painleve sind noch völlig ungewiß, ebenso ungewiß natürlich auch, ob Driand vor dem 1. Dezember noch Gelegenheit bekommt, vor der Kammer seine Locarnopolitik zu vertreten und die Zustimmung des Parlaments einzuholen. 3n Deutschland wird am Montag die Regierungsvorlage über die Locarnoverträge und Deutschlands Eintritt in den Völkerbund dem Reichstage zur Beratung zugehen. Für den Ausgang der Reichstagsdebatte stellte unser außenpolitischer Mitarbeiter, der deutschnationale Rcichstagsabge- ordnete Professor Dr. Hoetzsch, in einem dem Pariser „Exzelsior" gewährten Interview folgende Prognose: Bei der Abstimmung im Reichstage würde voraussichtlich die Regierungskoalition zusammen mit den Sozialisten die Regierung unterstützen, zusammen etwa 300 Stimmen. Die Deutschnationalen, die Völkischen und die Kommunisten würden dagegen nur 165 bis 170 Stimmen aufbringen. Die Annahme des Paktes fei also g e - sichert, vorausgesetzt, daß die Milderungen im RheinlanLe genügten. Professor Hoetzsch fügte hinzu, er glaube nicht an eine Auflösung des Reichstags. Die parlamentarische Lage dürfte damit richtig beurteilt sein, wenn auch Ueberraschungen gewiß nicht ausgeschlossen sind. Die Besprechungen des Reichskanzlers am Wochenende werden wohl im wesentlichen dazu gedient haben, solchen Ueberraschungen nach Möglichkeit vorzubeugen. Wir führten gestern schon in unserer Vorschau auf die Parlamentstagung aus, daß die Lösung der seit dem Austritt der Deutschnationalen latenten Regierungskrisis auf die Zeit nach der Unterzeichnung des Locarnovertrages zurückgestellt werde. Es erübrigt sich daher, heute schon auf voreilige Kombinationen übereifriger Großstadtjournalisten einzugehen, die sogar schon mit fertigen Ministerlisten aufroarten können. 3n diesem Zusammenhang nur noch ein paar Worte über die beiden Parteitage dieser Woche. Die Deutschnationalen bestätigten lediglich die ablehnende Haltung des Parteivorstandes zu Locarno, ohne aus ihrem Austritt aus der Regierung irgendwelche innerpolitisch-taktische Schlüsse zu ziehen. Richt mit Unrecht, sie sind wieder in die Opposition zurückgetreten und werden es der Regierung und den bisher verbündeten Parteien überlassen, sich ihre Mehrheiten zu suchen, wie sie sie 3 5 5 d 2 fE sekretärs Meißner. Er macht heute in schallsuniform auf die zahlreiche Menge besonders starken Eindruck. In der Kirche. ünndiime von Anzeigen für die lageinimmer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm ‘Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« hlameanjeijen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20’ „ mehr. Chefredakteur. Dr. Friebr Wilh. Lange. Berantwvrtlich. für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange- für den übrigen Teil (Prüft ‘Blumschein; für den An« zeigenteil Hans Iüstel, sömUich in Gießen. in der Kirche, von den Anwesenden mit einem tummen Gruß empfangen. Etwas später folgte Reichswehr mini st er Geßler und kurz vor Beginn der Feier fährt der R e i ch s k a n z -- l e r in Begleitung des Staatssekretärs K e m p - n er vor. Wenige Minuten später folgt der Reichspräsident in Begleitung des Staats» — - - - ' • - ■ • QH ar- nationalen. Die Locarnodebatte im Reichstag dürfte kaum neue Gesichtspunkte bringen. Die Gegenseite hat es der deutschen Regierung nicht leicht gemacht, das Vertragswert von Locarno dem Reichstag zur Annahme zu empfehlen. Die Rückwirkungen sind nicht in dem Umfange zugestandeu worden, wie man billigerweise erwarten durfte, sollte der Geist von billigerweise erwarten durste, sollte der „Geist von Locarno" nicht leere Geste bleiben. Wenn Reichspräsident und Reichsrcgierung sich trotzdem zur Annahme entschlossen, bann doch deshalb, weil sie in dem in Locarno Erreichten einen Anfang sehen, eine Grundlage, auf der weiter an der Befreiung Deutschlands gearbeitet werben kann, einen Weg ins Freie, der zwar immer noch steinig und bornenvoll genug ist, aber doch die Aussicht eröffne«, aus der Isolierung des Besiegten heraus Deutschland wieder auf den Platz in der Welt zu führen, der der Bedeutung seines Volkstums für W-ltkultur und Weltwirtschaft zukommt. Man könnte diese Zucht die preußische nennen. Auf demselben Friedhof, auf dem wir ihm heute die letzte Ehrung erweisen, ruht Scharnhorst, der große Lehrmeister, der sich auch gerade für die Bildung, die Shulung und für die Begeisterung der waftenfähigen Jugend ganz einsehte. Unser Manfred von Richthofen hatte jenes „Stirb und Werde", Schmerz nagt an Männer- Herzen, vergiß o deutsche Seele nicht, daß du Flügel hast, unsere Ohnmacht ruft zur Kraft, unsere Selbstsucht schreit nach Liebe, unsere Ver- fahrenheit will Zucht. Herr gib uns in dieser Rot deinen Frieden, heiliger Geist gib uns den Willen, den stahlharten Willen zum Vaterland, den frommen freien Willen zum Himmelreich. ‘ cs, der in Euch bewahrt das Wollen Vollbringen nach seinem Wohlgefallen. v ft 3 v: cp ft v 5 ? Zl ft S S: 3 bis sich der Zug I Ruhestätte Richthosi 151 WM MM? 3 --' Berlin, 20. Rov. (21L) Heute mittag wurde der Heros der deutschen Flieger im Weltkrieg, Freiherr Manfred von Richthofen, zu Grabe getragen. Schon in den Vormittagsstunden hatten sich vor der Gnaden- kirche in der Jnvalidenstraße Tausende von Menschen angesammelt, die der Ausfahrt beiwohnen woUten. Die Straßen waren in weitem Umfange von der Polizei gesperrt worden und von 12 Uhr ab wurden nur mit Ausweis her- ehene Personen durch die Sperre gelassen. Kurz nach 12 Uhr trafen die ersten Abordnungen, studentische Korporationen und zahlreiche Vereini-- gungen mit ihren Fahnen ein. Der Garten vor dem Kirchenvortal ist mit Offizieren aller Waffengattungen überfüllt. Die nüchterne Uniform der Reichswehr verschwindet fast ganz in dem farbenprächtigen Bild der Uniformen des alten Heeres. Das Ulanen-Regiment, dem Richthofen an gehörte, war besonders stark Vertretern Angehörige der ehemaligen Schutztruppe vervollständigten das bunte Bild. Kurz vor ein Uhr erschienen der Bruder und die Mutter Richthofens guten Kameraden, das das Musikkorps intonierte, betrat Feldprobst Dr. Schlegel die Kanzel, ernste Worte des Gedenkens an die versammelte Trauergemeinde richtend: „Manfred von Richthchen ist heimgekehrt, ein Sieger von unerschrockenem Mut bis xum letzten Atemzug. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Gei st der Kraft. So war auch Manfred von Richthofen beseelt von dem einzigen Gedanken, ich kann, w«a s i ch will. Dieser sein Wille lebt fort in uns, so hat ihn die tödliche Kugel getroffen, aber seinen Geist haben d'.e Feinde am 21. April 1918 nicht vernichten können, den Geist, der diesen Germanen beseelte. Grundzug des Charakters dieses Mannes ist die Liebe, die sich in seinen Briefen an die Mutter, den Vater, den Bruder widerspiegelte. Echter deutscher Familiensinn war das Kennzeichen seiner Kameradschaft. Seine Kameraden draußen kannten ihn wie einen Vater, ihn den Sieger in achtzig Kämpfen. Ein Kennzeichen seiner Persönlichkeit war die Ta.erlandsliebe, die nicht „abdrehte", wenn Die Trauerversammlung erhebt sich Erscheinen des Reichspräsidenten. Unmittelbar darauf nimmt die offizielle Feier ihren Anfang. Rach einem Orgelspiel und dem Gemeindegesang „Ich weih an wen ich glaube, denn mein Erlöser lebt" und dem Liev vom Erscheint täglich,außer Sonntag» unb Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblütter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr.vezvgrpreir: 2 Reichsmark unb 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag unb Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. H I? 8» 22 ■o ’fijä 58SS««. E. r Sd gekehrt. Die Entwicklung der Dinge in hat ihm Oberwasser gegeben. Das Zentrum schämt sich seines Bündnisses mit den Deutschnationalen, das nur leider vorzeitig zerbrach, bevor Reichsschulgesetz und Konkordat aufs Trockene gebracht waren, Dinge, die man mit Hilfe der Deutschnationalen eher durchzusetzen hoffte als mit den Sozialisten. Nachdem nun die Deutschnationalen ihre Teilhaberschaft aufgesagt Haben, wird beim Zentrum der Linkskurs wieder große Mode. Herr Wirth feiert Triumphe, wenn auch vorerst nur äußerlicher Natur, denn für die von ihm propagierte Große Koalition mit den Sozialdemokraten war in Kassel doch vorerst noch geringe Stimmung. Lieber will man eine Regierung der Mitte mit Einschluß der Demokraten. So ist auch hier alles noch im Fluß. Die Auseinandersetzung innerhalb der Partei ist vertagt, genau so wie bei den Deutsch Totensonntag. Während die katholische Kirche von alters- her ihren Menseclentag am 2. Rovember halt, hat sich in den protestantischen Gebieten Deutschlands der Totensonntag zum Teil erst in den letzten Jahrzehnten eingebürgert Es ist Brauch geworden, ihn auf den letzten Sonntag deS Kirchenjahres zu legen, also in die Woche vom 20. bis 26. Rovember fallen zu lassen, durch- 'chnittlich noch drei Wochen später als den Allerseelentag. Dementsprechend pflegt die Ratur noch mehr ein Spätjahrsgewand angelegt zu haben. Die Verkürzung der täglichen Sonnen- trahlungszeit hat inzwischen beinahe ihr äußerstes Maß erreicht. Unb wenn für den Rovember- anfang ein Wärmerückfall fast charakter.stisch ist, besteht im letzten Drittel des Monats bereits eine verhältnismäßige Wahrscheinlichkeit für eine erste Periode strengeren Winterwetters. Der Winter aber heißt der Menschheit, seit ihre Dichtung — und gewissermaßen war wohl der erste Mensch auch der erste Dichter — ihr Leven in den Raturerfcheinungen w.derg.-spiegelt hat. das Abbild des V e r g e h e n s, des Todes. Schon Homer vergleicht die unaufhaltsam aufsprießenden und verwelkenden Geschlechter mit den Blättern der Bäume, die der Lenz hervortreibt und dann der Herbstwind von ihren Kronen schüttelt. Sinnig hat man die diesjährige Wiederkehr des Totengedenktages gewählt, um die Gebeine eines deutschen Kriegshelden, die bisher auf der Stätte seines Opfertodes ruhten, in heimische Erde zu betten. 3m Blütenmonde des letzten Kriegs^ahres hatte Manfred von Richthofen seinen letzten Flug gesagt, dem deutschen Siegwillen auch von dem zuletzt für kriegerische Unternehmungen erschlo senen Elemente aus Förderung zu leisten. DaS Ende unseres namhaftesten Kampffliegers ist der Vorbote eines ungäicklichen Ausganges des Weltkrieges geworden. Rach sieben langen Jahren, die für Alldeutschland schweren Riedergang bedeuteten, begrüßt ihn jetzt an der Schwelle des Winters die Heimat wieder. 3m Altertum hes^e.e sich an solche Heim- holung großer Toter gern die Vorstellung, daß sie dem Valerlande eine verschüttete Kraftquelle neu erschließen. Die Orakelstätten wußten solchen Glauben zu nähren. Manche List mußte angewandt werden, um dem Gegner eine Herausgabe der siegverheißenden Reliquie abzugewinnen. Unser Kulturleben ist wenigstens soweit fortgeschritten, daß eine gewaltsame Zurückhaltung der Reste nicht mehr tn Frage kommt, und es bedurfte zum Zweck der Auslieferung von Richthosens Leiche wohl kaum der neueröingd ein wenig gebesserten interna.iona>n Verhältnisse. Daß eine Teilnahme des amtlichen Frankreichs an der Heimschaffung unterblieben ist, beschwört im Gegenteil unheb'ame Vergleiche mit der ritterlichen Art herauf, in der in den Vorkriegsjahren deutscherseits z. B. bei der Ausgrabung des in Magdeburg ruhenden ehemaligen Kriegsministers Carnot, unseres Gegners im ersten Revolutionvkriege, auf Befehl des Kaisers mili.ärnsche Ehren ettoie en wurden. Richtsdeftowen'ger wollen wir an der guten Vorbedeutung festhalten, die diese Bestattung am Totenfeste von 1925 für ein künftiges friedlicheres Zusammenleben der Rationen au künden scheint. Denn mit dem Gedenktage der von uns Geschiedenen schließt das kirchliche 3ahr ab. Einen Sonntag später eröffnet der „erste Advent" die Weihnachtsvorseier mit ihren 5)Öffnungen von Lichterglanz und Festesfreude an der Sonnenwende des Winters. Unb diese erste AdventSwoche wird die Unterzeichnung der Urfunöen von Locarno sehen! Hoffentlich steht auch dieses Werk, das Ergebnis mühseliger unser laufendes 3ahr audfüllenber Verhandlungen, unter dem glücklichen Zeichen einer deutschen Sonnenwende zu neuem politischen und wirtschaftlichen Aufstiege! Wenn wir m den ersten sechs 3abren nach dem Zusammenbruch der vielen, vielen Toten gedachten, die uns der unglücklich angegangene Krieg gekostet hatte, dann wurde unsere Trauer um die furchtbaren Verluste noch verschärft durch den Schein, daß die Opfer umsonst gebracht seien, daß Deutschland gleich dem jetzt heimgeführten Helden durch jähen Absturz aus einer verheißungsvollen Entwicklung auf Rimmerwie- dergutmachen herausgerissen sein könne. Aber wir dürfen doch wohl das Bewußtsein herübernehmen,daß eine empfängliche 3ugenb sich an dem Bilde der gefallenen Helden — das alte Wort Heros bezieht sich ursprüglich immer auf tote Helden, die an ihren Grabstätten halb- göttliche Ehren genossen — zum erfolgreichen Ringen auch mit Deutschlands feindlich gewesenem Geschick begeistern wird. Unb die Fortschritte der letzten 3ahre, zumal auch seit dem Tief- pmckt des Riederganges um die Zeit des Totenfestes von 1923, eröffnen einen verheißungsvollen Ausblick auf die kommenden 3ahre. Die Umgruppierung der Besatzungtruppen im Rheinlande. Varis, 21. Rov. (WTB. Funksvruch.) „5i* garo'7 glaubt, daß die durch d'.e Räumung der Kölner Zone no:wendig gewordene Umgruppierung der Desahungstruppen in dm Rhe nlanben gewisse Folgerungen nach sch ziehen werd». Man schreibt dem französischen Oberiommanbo die Absicht zu, im besetzten Gebiet nur einen schwachen Teil des Vesayungs'heeres zurückzulassen und den Rest in Lothringen und im Unter - Elsaß unterzubringen. General Guillaumat in Mainz werde sein Hauptquartier in eine Stadt an der Mosel verlegen, wahrscheinlich nach Metz. General Guillaumat werde übrigens nach Paris zurückkehren, um -tic rt *2 UWr» a •als! ‘hwss 3ZLZ5S- im??» -Ach ipM' M H JäW S Xe ’ 11 w BW n ~ ° n OKD» _ = k ~ y mV 5 g k- d: = C* EZ» HM Die Parlamente und Locarno. Preisend mit vielen schönen Reden", so feiert man in den westlichen Hauptstädten das Vertrags« werk von Locarno, und besonders Herr Austen Chamberlain, Staatssekretär des Auswärtigen im Kabinett Seiner britischen Majestät, berühmter Sohn eines berühmteren Vaters, kann sich nicht genug tun an lauter Begeisterung über das in Locarno Erreichte. Auch seine große Unterhaus, rede, der ja bei der ihr folgenden Abstimmung ein glänzender Erfolg Geschieden war, schwelgt m überschwänglichen Worten von dem Wendepunkt in der Geschichte Europas und vielleicht der Welt. Herr Chamberlain wird es uns Deutschen nicht übel nehmen dürfen, daß wir seine aus gewiß ehrlichem Herzen kommende Begeisterung nicht vollauf zu teilen vermögen, ja, daß gerade seine Rede in entscheidenden Punkten unsere Skepsis gegenüber dem Vertragswert von Locarno nur zu vennrhren geeignet war. Man hat das deutsche Volk seit 1914 zu sehr auf die Rolle des Paria unter den Volkern gedrillt, als daß wir nun nicht nur ganz.sukzesswe an den vielberedeten „Wendepunkt" zu glauben uns gewöhnen müßten. Und trotz aller schönen Redens- arten, die Chamberlain sich und seinen Kollegen von Locarno zum Preise in überreichem Maße spendet, stellt seine Rede sehr kühl und klar die Grenzen heraus, die in Locarno erreicht sind, den engen Rahmen, der dort nicht überschritten wurde, nicht überschritten werden konnte. Am gespanntesten war man in Deutschland auf bas Ausmaß der angekündigten Rückwirkungen. Hier hatten jedoch Botschafterkonserenz und Rheinlandkommission mit ihren bekannten Roten Herrn Chamberlain die größten Rosinen aus dem Kuchen genommen. Es blieben dem Minister nur Allgemeinheiten, die die Bedeutung der Rückwirkungen für unsere durch sechs Jahre hindurch schwer bedrängten Brüder am Rhein nur abschwächen , können. Dom Versailler Vertrag und dem Rheinland- abtommen sind die Alliierten nicht geneigt, etwas preiszugeben. Wohl wollen sie abbauen, was wider alle Verträge, gegen Recht und Gesetz an lieber- griffen und tyrannischer Willkür Zentralverwaltung wie Lokalbehörden im Lause der letzten Jahre, vor allem seit dem Ruhrkampfe sich angemaßt haben. Damit machen sie nur offenbares Unrecht wieder gut, damit stellen sie nur den Dertrags^ustand wieder her, wie er vor ihren schnöden Rechtsbrüchen bestanden hat. Aber darüber hinaus vermißt man jede Konzession, die ihr Recht aus dem Versailler Vertrag schmälern könnte. Das hat auch Chamberlain in seiner Unterhausrede noch einmal unterstrichen, bestimmt war diese Wendung natürlich für die Diehards, den rechten Flügel feiner Konservativen, dem er damit die Zustimmung zum Vertrag erleichtern wollte. Aber auch wir sollen sie uns ad notam nehmen als die amtliche Ausdeutung dessen, was England in Locarno an Tatsächlichem für erreicht erachtet. Einen deutschen Erfolg wird man indessen darin sehen — und das betonte auch Chamberlains Rede ganz unzweideutig —, daß der Vertrag an sich wohl auch weiterhin voll und ganz zu Recht besteht, daß aber jeder einseitigen Auslegung seines Inhalts — und darauf fußten ja schließlich alle Rechtsbrüche der letzten Jahre — durch die Schiedsgerichtsvcrträge ein Damm gesetzt ist. Das ist ein unzweifelhaftes Plus, das wir nicht hoch genug veranschlagen können. Von besonderer Bedeutung waren auch Chamberlains Worte über die britische Garantie des Rheinpattes. Wenn sich auch feine Interpretation mit Bezug auf die völlige Gleichstellung Deutschlands mit Frankreich im Kriegsfälle mit der Ansicht der deutschen Delegation deckt, so hat er doch außer- halb einer Volkerbundsexekution die Verpflichtungen Englands sehr vorsichtig umriffen. Im Falle einer unmittelbaren Gefahr behäst England sich selbst das Recht vor, zu entscheiden, ob, in welcher Form und in welchem Umfange es sich verpflichtet fühlt, in den Konflikt einzugreifen. Auch Chamberlain unb die Engländer sind sich trotz aller lauten Jubelhymnen völlig darüber klar, daß Locarno nur ein winziger, zaghafter Schritt ist auf dem Wege zur Konsolidierung Europas, oder gar zu einer heute noch durchaus utopisch anmutenden Welt des Friedens und der Eintracht. Vom entwaffneten Völkerparadies sind wir noch sehr weit entfernt. Chamberlain drückte sich um die 21 b - rüftungsfrage vorsichtig herum, und erst Lloyd George betonte mit der größeren Unbekümmertheit des Oppositionsführers die Notwendigkeit, die Lücke, die Locarno gerade in dem Ab- rüftungsproblcm gelassen habe, durch die Verhandlungen im Völkerbund mit größerer Aktivität als bisher auszufüllen. So ist Chamberlains Rede im ganzen genommen nicht gerade eine starke Ermutigung für uns, die Lv- carnooerträge auch unsererseits gutzuheißen. Eng- land freilich hat es leicht, sein placet zu erteilen, es gibt nichts auf von seinen Rechten, übernimmt Garantien, deren moralischer Wert ihren materiellen erheblich übermieot, und erhält eine im Völkerleben denkbar sichere Gewähr dafür, daß der Rhein — einer der Gefahrpunkte des britischen Reiches — auf Jahre hinaus als Gegenstand kriegerischer Ambitionen ausgeschaltet ist. Das verschafft ihm endlich Ellenbogenfreiheit für die im nahen und fernen Osten der Lösung harrenden Aufgaben. Und ttotzdem auch Chamberlain, wie schon die deutschen Staatsmänner mit aller Entschiedenheit wieder unb wieder betont, daß Locarno keine.Spitze aegen Rußland bedeutet, so muß man doch als Tatsache eine vielleicht nur augenblickliche Abkühlung der deutsch-russi» schen Beziehunaen buchen. In der Londoner Boro- ningftrect registriert man diesen weiteren Schritt zur Isolierung Rußlands gewiß nicht unaern, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen zur Beschwichtigung her russophilen Arbeiterpartei. In Frankreich beschäftigt man sich mit ganz anderen Dingen als mit Locarno. Der Kampf gegen MusiLapelle intoniert Trauermärsche, der Zug langsam um die endgültige Lhvsens gruppiert hat. Zwanzig'Schritt von dem Grabhügel entfernt hat ein Zug Reichswehr Ausstellung genommen und auf das Kommando Feuer!" krachen drei Ehrensalven m die Lust. Der Sarg senkt sich langsam Richthofen hat seine letzte Die KapeUe intoniert „3d> Um zwei il&r verkündete Glockengeläut den Schluß der Feier in der Kirche. Kameraden Richthofens trugen den Sarg auf die vor dem Portal stehende Lafette. Der einfache Eichen- sarg wies nur schlichten Schmuck durch eine grüne Girlande auf. Auf dem Sargdeckel befanden sich der Tschako und der Degen Richt- Hofens. Gleichzeitig mit der Mutter und dem Bruder Richthosens erscheint der Reichspräscdent. Die Ehrenkompagnie solutiert, die KapeUe spielt Riederländische Dankgebet. Ein fast endloser Zug formiert sich, voran der Sarg, von der Ghren- kombagnie gefolgt. Reben dem Reichspräsidenten ging der Reichskanzler und der Reichswehr- minifter. Dann folgten Offiziere aller Chargen. Dce Scharnhvrststrahe war zu beiben Seiten von einer großen Menschenmenge umsäumt. Gegen war der Zug auf dem Friedhof ver- , rt 9 " 0 <$ W Nr. 275 Erstes Blatt Eichener Anzeiger OteHung eines srellveUretendrn Chefs des Over» stenKriegsrates einzustehmen. Die Parteiführer beim Reichskanzler. Umbildung des Kabinetts Luther. Berlin. 20. M>v. (IlL) Reichskanzler Dr. Luther empfing Henks die Vertreter fämlliHer Reichs- kagsfrakiionen mit Ausnahme der Völkischen und Kommunisten. Bei diesen Besprechungen wurde die Frage einer Umbildung oder Reubildung der Reichs- reglerung nicht berührt. Die Erörterungen drehten sich ansschliehlich um die Erledigung der Locarnogesehe. Der Reichskanzler ließ durchblicken. dah nach der Unkerzeichnung des Vertrages in London das Reichskabinctt demissionieren wird. Wie das Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher ZeitungLverlcgcr dazu aus parlamentarischen Kreisen fjürt dürste diese Absicht des Reichskanzlers bestehen, jedoch würde die gesamte Demission nur eine formale Bedeutung haben, da Herr Luther vom Reichspräsidenten wiederum den Auftrag zur Bfldung der Regierung erhalten würde. Der Reichskanzler denkt dabei an eine Zusammensetzung der Regierung aus den Vertretern derjenigen Parteien, die auf dem Boden der Locarnopolitik stehen und daher für die Durchführung des Vertragswerkes die geeigneten Persönlichkeiten stellen könnten. Diese Auffassung stimmt mit derjenigen überein, die das Zentrum auf seinem Parteitag zum Ausdruck gebracht hak, daß die Zentrumspartei in einer Regierung nur mit denjenigen Parteien Zusammenarbeiten könnte, die die Locarnopolitik mit Ueberzeugung durchzuführen willens feien. Ein so geartetes Kabinett liehe sich aus der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei, dem Zentrum und den Demokraten bilden. Diese Koalition würde allerdings eine Rlinderheiksregierung darfkellen, die nur über 171 Stimmen im Reichstage verfügt. Aber es wird mit einem neutralen Verhalten der Sozialdemokraten gerechnet werden können. Diese selbst denkt nicht an den Eintritt in eine solche sogenannte Koalition, obwohl sie die Durchführung des Locarnsv-rtrags unterstützen werde, und sie könne dafür sicherlich taktische Gründe haben. Es wäre erklärlich, wenn die Sozialdemokraten für die bei der außerordentlichen Ungunst der Wirt- schäft in dem bevorstehenden Winter möglicherweise zu erwartenden großen wirtschaftlichen Auseinandersetzungen frei? Hand gegenüber etwaigen kommnnistischen Anstürmen behalten wolle, obne durch Teilnahme an der Reßiernng in bestimmter Richttmg gebunden zu sein. Daß bei der Reubildung der Regierung neben dem Posten des Reichskanzlers auch derjenige des Reichs- auhenministers in denselben Händen bleibt, wie bisher, ist wohl anzunehmen. FraKtionsbeschlüffe. Berlin, 21. Rov. Die demokratis che Reichstagsfraktion Hut gestern nachmittag eine mehrstündige Sitzung abgehalten, in der allgemein zum Ausdruck kam, daß die Fraktion nach wie vor eine Koalition der Mitte als Lösung der gegenwärtigen Krise als unerträglich ansehen müsse. Eine andere Lösung als die Bildung einer Regierung auf der Basis der großen Koolltion sei nicht möglich. Die Bayerische Volkspartei und die Wirt- schaftspartei, die ebenfalls FraktionSsihun- •gen abhielten, wollen sich erst entschließen, wenn daZ Locarnogefeh wirklich vorliegt, das vvraus- l sichtlich heute veröffentlicht werden soll. , Die Svzlaldemokrali'che ReichSlagSfrakiion. gab am Schluß ihrer Sitzung folgendes Commu- . niqu6 aus: Die Reichsregierung verlangt zugleich mit der Entscheidung über die Locarno- vertrage vom Reichstag die Entscheidung über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Die Sozialdemokratie wird, entsprechend ihren faireren Forderungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund stimmen. Sie wird, um die'es Fiel zu erreichen, den Lycarnoverträgen, deren sachlicher Sn* halt auf der Linie der sozialdemokratischen Außenpolitik steht und für die die Regierung in der gleichen Frage die Zustimmung verlangt, zustimmen. Sie stehe dabei in Uebereinstim- nrung mit den Londoner Beschlüssen der Sozial- demok. arischen Arbeiterirrteancüionale vorn^S. Ro- vember 1925. Die Frage der Regierungsbildung ist an die Fraktion, wie wir weiten hören, bisher noch nicht herangetreten. Die Fraktion hat sich daher heute mit diesen Frage noch nicht befaßt. Die Reichstagsfrak.irn Deutschen Do'kSpartel. trat ebenfalls gestern nachmittag zusammen, um über den Vertrag von Socarno zu beraten. Wie wir erfahren, nahm sie den Bericht des Frak-< tionsvorstandes und des Reichsaußenminftters entgegen, durch die der bisher bekanntgewordene Tatbestand ergänzt und einzelne in der Oeffent- lichkeit aufgetauchte Zweifel beseitigt wurden. Rach kurzer Aussprache beschloß die Fraktion einstimmig, der Regierungsvorlage ihre Zu- st immun g zu geben Die Richtlinien. Berlin, 21. Rov. (Wolff.) Die „Tägliche Rundschau" schreibt: Die Mitteilungen, die der Reichskanzler gestern den Parteiführern gemacht hat, lassen erfernten, daß das Kabinett durchaus bereit ist, die innere Politik wieder zu ihrem Recht kommen zu lassen, wenn die außenpolitische Frage ihre Lösung gefunden hat. Vielleicht werde in unverbindlichen Besprechungen der Deden im Parlament auch innrrpolitisch jetzt schon etwas sondiert. Eine Entscheidung werde aber vor der Abstimmung über Locarno von keiner Partei gesucht. Ueber daS vermutliche Abstimmungsergebnis schreibt daS Blatt, daß außer den Deutschnationalen, den Völkischen und den Kommunisten alle Fraktionen voraussichtlich ohne Ausnahme für den Vertrag von Locamo stimmen werden. Im Laufe des heutigen Vormittags werde btr Reichskanzler die Parteiführer empfangen, um ihnen die Richtlinien vorzulegen, die daS Kabinett den deutschrn Delegierten mit auf den Weg nach Locarno gegeben hat. Wie das Blatt wissen will, sind die Richtlinien in allen Punkten von den Delegierten mit vollem Erfolg eingehalten worden mit Ausnahme der Saarfrage und der Frage der Lu f t s ch if f ah r t. Lieber die Frage der Lustschiffahrt schweben zur Zeit Verhandlungen, bei benen Deutschland völlige Gleichberechtigung genießt, und die eine I unseren Zuteressea v.rtsprLch:ndc Neuregelung erwarten lassen. Hinsichtlich der Saar- frage soll auf eigenen WunschderSaar- länber erst die Frage der Räumungs- f r i st e n geregelt werden. Auch in diesen beiden Punkten schließen also die Verhandlungen keineswegs mit einem Minus ab. 3n allen übrigen Punkten sei daS Programm aber eingehalten worden, ein Programm, das, w.e das Batt ausdrücklich hervoichebt, unter Mitwirkung und Billigung der d e u t s ch n a t i o na- Ien Minister aufgestellt worden ist. Verschiebung der Paklunter- zeichnung? Paris, 20. Rod. Der „Intran-- fapant“ gibt eine Notiz wieder, wonach wegen deö Ablebens der Königin- Mutter Alexandria von England die Anter-eichnn^g deS Vertrages von Locarno um 10 bis 14 Lcigr hinausgefchoben werden wird, da bekanntlich aus Anlaß der Anterzeich- nung große Festlichkeiten vorgesehen sind. Der deuLjch-itallemsche Handelsvertrag. Deutscher Re chstag. Berlin, 20. Nov. Prä^dent Lobe eröffnet die erste Sitzung nach den Serien mit einer Ansprache, in der er der fünf verstorbenen Abgeord» neten Dr. Beusch, Dr. Spahn, Helling, Laufköttern und Frau Bartels mit ehrenden Worten gedenkt. Er würdigte dabei besonders das 41 Fahre währende parlamentarische Wirken des Seniors des Reichstags, Dr. Spahn. Präsident Lobe widmete weiter einen Nachruf dem verstorbenen Reichsminister P r e u ß. Dr. Preuß, der Schöpfer der Weimarer Verfassung, habe in den schwersten Tagen mit festen Händen zugegrisfen, um das Fundament zu legen, auf dem das neue Staatsgebäude errichtet werden konnte. Die Abgeordneten ehren das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Der Präsident macht dann dem Hause offiziell von dem Rücktritt der Reichsminister v. Schlie- b e n , Schiele und Neuhaus Mitteilung. Auf der Tagesordnung steht die erste und zweite Beratung des deutsch-italienischen Handelsvertrages. Rcichsauhenminikler Dr. Strrsemann führt zur Begründung der Vorlage folgendes aus: „Es handelt sich hier um den ersten großen Vertrag, der nach Inkrafttreten der Zolltanfnooelle ab- geschlosien worden ist. Bei den l a n d w i r t s ch a f t- lichen Tarifen ist es gelungen, eine zu weitaehende Senkung der Zölle, die die einheimische Produktion schützen sollen, zu verhindern. Dem Schutzbedürfnis des notleidenden deutschen Weinbaues ist Rechnung getragen worden. Auf industriellem Gebiet sind die weitergehenden Wünsche der Gegen- feite abgewehrl worden. Deutschland erhält durch den neuen Vertrag alle Zollerleichterunyen, die Italien in früheren Verträgen anderen Ländern zugestanden hat. Der neue Vertrag ist geeignet, die oeut- sche Außenhandelsbilanz zu verbessern und uns die kommenden Handelsvertragsverhandlungen mit anderen Staaten zu erleichtern. Wir bitten um eine möglichst beschleunigte Verabschiedung des Vertrages. Abg. Dr. Hilferding (Soz.): Die deutsche Außenhandelspolitik müsse endlich in eine verfassungsmäßige Form gebracht werden. Spanien war während des Weltkrieges eines der wenigen Länder, das für Deutschland Sympathie zeigte. Diesem Lande erklärt man zum Schaden der deutschen Wirtschaft den Zollkrieg nur aus dem Grunde, weil die Deutschnationalen mit ihrer Wahldemagogie den Weinbauern unerfüllbare Versprechungen gemacht hatten. Der Wert der gesamten deutschen Weinproduktion erreicht dabei kaum den Betrag, um den die deutsche Fertigwarenindustrie durch die Kündigung geschädigt worden ist. Die Regierung Luther ließ sich leiten von der verfluchten Angst vor der deutschnalionalen Wahldemagogie. Nun hat diese Handelspolitik eine TOeberlage erlitten, fast ebenso schwer, wie Deutschlands Niederlage im Weltkriege. Der Redner kritisiert dann die Einzelheiten des deutsch-italienischen Handelsvertrags, der auch unter dem Diktat deutschnationaler Demagogie errichtet worden sei. Das von Mussolini angewandte System der brutalen Unterdrückung beeinträchtige auch den Derk wirtschaftlicher verträte mit dieser Reaie- rnng. vom Regime Mussolinis werden unsere derrffchen Brüder in Südtirol In unerhörter Weise drangsaliert und ihrer Sprache beraubt, im Widerspruch ;v den feierlichen Versprechungen, die Italien früher gemacht hat. Wir protestieren dagegen, daß hier ein Vertrag abgeschlossen wird mit einer Regierung, deren vornehmste Sorge die Unterdrückung der Freiheit jedes Volkes ist. Abg. Dr. L r j e u n e - Yung (Dn.): Die Interessen der Landwirtschaft und des Weinbaues feien offenbar durch manche Vertragsbestimmungen stark beeinträchtigt worden. Der Vertrag enthalte leider auch keine Sicherungen gegen eine D a - l u t a s e n k u n g. 5m Ausschuß werde die Regierung auch mit Rücksicht auf die kommenden Verhandlungen mit anderen valutaschwachen Ländern erklären müssen, welche Maßnahmen sie ins Auge gefaßt hat, um Deutschland gegen eine Valutasenkung zu schützen. Mg. Lammers (Ztr.) erklärt die Zustimmung her Zentrumsfraktion zum dentsch-italien!» fchrn Handelsvertrag. Auf industriellem Gebiete seien vielleicht etwas zu weitgehende Konzessivnen gemacht worden. Die Bedeutung des deutschen Weinbaues bürfc man nicht, wie Dr. Hilferding sagt, rein zahlenmäßig abschähe.r. 3m deutschen Weinbau steckten so große ideelle und volkSkulturrlle Werte, L>aß man nicht daran vorübergehen darf. Bei der Entstehungsgeschichte des drutsch-spanlschen Handelsvertrages habe Dr. Hilferding gegen die Regierung zu harte Vorwürfe gerichtet. Ader in der Beurteilung dcS Ausganges dieser mißlichen Angelegenheit form» man ihm zustimmen. Abg. Dr. Schneider (D. Vp.) sieht in dem deutsch-italienischen Handelsvertrag dcn Beweis dafür, daß sich d'.e an die Annahme der jetzigen Zolltarffnovelle geknüpften Befürchtungen nicht bestätigt haben. Abg. 27keher (Dem.) ist im Gegensatz zum Vorredner derMeinung, dah sich bei öenHandrls- Vertragsverhandlungen gezeigt habe, w'.e bedenklich die Zolltarifrwvelle wirke. Zu begrüben sei die im vorliegenden Handelsvertrag auf allen Gebieten durchgesehte Meistbegünstigung und die Senkung der autonomen Zölle für die Produkte, QIG-er das unangenehme Gefühl bleibe bestehen beim Vertragsabschluß mit einer Regierung, die die deutscyen Eigentumsrechte im Lrentino verletze und das deutsche Volk in Sudtirol unterdrücke. Ehe dieses System nicht geändert werde, sei eine Annäherung zwischen Deutschland und Italien nicht möglich. Die wettere Aussprache über den Handelsvertrag wird hieraus auf Samstag vertagt. Kleine politische Nachrichten. Der Chefredakteur des ^Frankfurter Generalanzeigers", Dr. Erwin S t e i n i tz e r, ist gestern abend nach kurzem, aber schwerem und qualvollem Leiden im Aller von 41 Jahren gelt orben. Der Verstorbene, der in Budapest geboren war, studierte in Wien und München, war während des Krieges in verantwortlichen Stellungen im Auswärtigen Amt, im Reichsamt des Innern und in der Reichskanzlei tätig und trat dann nach der Revolution in die Redaktion der „Vossischen Zeitung" ein. Am 1. April 1923 hat er die Chefreoaktion des „Frankfurter Generalanzeigers" übernommen. Seine menschlichen und journalistischen Qualitäten haben ihm überall aufrichtige Hochschähung verschafft. Der bayrische Gesandte Dr. Ritter v. P r e - g er hat zu Ehren des Herrn Reichspräsidenten in der bäurischen Gesandtschaft in Anwesenheit des bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Held ein Abendessen veranstaltet, woran neben dem preußischen Ministerpräsidenten Braun auch der Reichstagspräsident L ö b e die meisten Reichsminister sowie eine Reihe höherer Würdenträger und Mitglieder des Reichsrats teilnahmen. Die Verhandlungen wegen der großen Koalition in Baden sind gescheitert. Die drei Parteien der Weimarer Koalition haben die Kritik der Fraktion der Deutschen Volkspartei an den Maßnahmen des Innenministers und des Staatsministeriums anläßlich des Besuch; des Reichspräsidenten zum Anlaß genommen, die große Koalition in Baden fallen zu lassen. > Die Königin-Mutter Alexandra von England ist am Freitag in den Abendstunden verschieden. Die ganze königliche Familie war. am Sterbelager versammelt. Königin Alexandra, die Witwe Eduards VH., war eine Tochter König Christians IX. von Dänemark, Schwester König Frederiks VIII. von Dänemark, König Georgs I. von Griechenland, der in Kopenhagen lebenden Kaiserin-Witwe Maria Fecdorowna (Dagmar) von Rußland und der Herzogin Tßyea von Cumberland (Braunschweig- Lüncburg). Königin Alexandra hätte am 1. Dezember das 8d. Lebensjahr vollendet. 1863 heiratete sie den 1910 verstorbLwrn König Eduard. Gleich ihrer Schwester Dagmar galt sie als Seele der deutschfeinolichen Partei an den Höfen von Kopenhagen. Petersburg und 2oitbon. Die französische Kammer hat in einer Nachtsitzung durch Handaufheben Schluß der Generaldebatte des Finanzsanierungsentwurfs der Regierung mit 294 gegen 250 Stimmen beschloßen, nachdem vorher die sozialistische Kammergruppe sich mit 38 gegen 15 Stimmen für den Uebergang zur Spezialberatung des Regierungsentwurfs ausgesprochen hatte. Die Abstimmung bedeutet ein Vertrauensvotum für Painlevö. * Die Verhandlungen der polnischen Parteien haben tatsächlich am achten Tage der Regierungskrise zu einem praktischen Ergebnis geführt: Minister Graf S k r z y n s k i bildet ein parlamentarisches Koalitionskabiffett, in das Vertreter der größten polnischen Parteien mit Ausnahme der radikalen Bauernpartei Wyzlowenje Vertreter entsenden werden. 2lus aller Welt. ToöeSsturz eines Sportslkrgers. Bei der Rückkehr von der Beisetzung Manfred von Richthofens stürzte das Flugzeug D 295 der Sportflug G. m.b. H. S1 a ak,en, das von dem Freiherrn von Knobelsdorff geführt wurde, ab. Durch Ueberziehen in der Kurve verlor der Pilot dir Gewalt über das Flugzeug, das auf ein HauS in Staaken niederstürzte. Der Motor des Flugzeuges brach ab, Tragflächen und Rumpf blieben auf dem Dach des Hauses liegen. Freiherr von Knobelsdorfs hatte das Rückgrat gebrochen und war sofort tot. Ford femmt nach Deutschland. Die verlautet, wird Henry Ford im nächsten Jahre eine längere Reise nach Deutschland zum Studium des deutschen Flugwesens antreten, da er das amerikanische Passagierflugzeugwesen nach deutschem Vorbild zu organisieren wünscht. Außerdem will Ford das Deutsche Museum in München besuchen. ©in Dombenattentat in Dublin. Das Lichtspieltheater in Dublin, in dem der englische Kriegssilm „Bpern" gezeigt wurde, ist durch eine Bombe in die Luft gesprengt worden. Im Zusammenhang mit der Tat sind zwei Mann festgenommen worden. Die Explosion wurde in der ganzen Stadt vernommen. In den benachbarten Läden sind alle Schaufensterscheiben zertrümmert. Die in den Fenstern ausgestellten Waren wurden auf die Straße geschleudert und die in den hinteren Straßen wohnende Bevölkerung begann die Läden zu plündern. Tine mexikanisch« Stabt durch Sturmflut zerstört. Rach Meldungen aus dem mexikanischen Staate Guerrero ist die Hafenstadt Zihuata- nejo durch eine 12 Meter hohe Meereswelle, die vermutlich durch ein Seebeben im Stillen Ozean hrrvorgerufen war, z e r st ö r t worden. V’ . '.4 "... .v Geringer Rachtfrost, milder und meist trübe. Uebergang zu Riedersch-ägen. Der hohe Druck in Deutschland wird von Rvrden und Rordosten her weiter abgebaut. Gleichzeitig wird die östliche Luftströmung von nördlicher bis westlicher abgelöst, so daß in Rord- deutschland stellenweise schon Regenfälle ein- getreten sind. Mit Ausnahme des Südens liegen öie heutigen Morgentemperaiuren in Deutschland wieder über oder nahe um dem Gefrierpunkt. Gestrige Tagesiempe.a uren: Maximum 2,2, Minimum — 3,3 Grad Ce.,üls. Heutige Morgentemperatur: 0,1 Grad Celsius. Unser neuer Roman mit dessen Abdruck wir heule beginnen, entstammt der Feder der auch in unserem Leserkreise seit langem beliebten Schriftstellerin Lisbet Dill. Franziska ist der Karne der Titelheldin, deren erschütterndes Schicksal sich in der welk der kulisien abspielt, gehütet und geleitet von der starken Liebe eise^ IHannes. Der Zauber des Theaters mit seinen Intrigen um die Rolle, die Kritik, der Widerhall in der Gesellschaft, Freundschaften und Zerwürfnisse folgen in buntem Wirbel bis zu dem schmerzvoll- versöhnlichen Ausklang. Kus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 21. Rovember 1925. Totensonntags Aur sehr wenigen der Menschenhaie in öie Lage kommen, größere Reifen zu machen, sind die Friedhöfe ein Wanderziel. Man sieht sich die Baudenkmäler aus alter Zeit, die großen, freien Plätze, die Parkanlagen, die Geschäftshäuser und die Industriepaläste an, aber die Friedhöfe meidet man. Dennoch ist es lehrreich und gewinnbringend, zwischen den Gräbern ein* herzuwandeln und die Grabinschriften zu lesen. Freilich, man stößt dabei auf sehr viel Banales und RichtSsagendes, auch auf Heuchelei und lln- wahrhaftigkeit,- denn die Beteuerung, dah der Tote unvergeßlich sei und daß die Liebe zu ihm nimmer aushöre, hält in der Wirklichkeit nicht immer stand, aber gerade auf deutschen Kirchhöfen lieft man manches eigenartige, fromme, ernste, aus der Tiefe drs Gemütes quellende Wort. Auf dem Friedhof im Friedrichshain zu Berlin, wo die Opfer der Märzunruhen des Jahres 1848 und die des 9. Rovember 1918 begraben sind, steht auf einem Grabe: „Hier ruht in Gott Frau Ottilie Paul, geboren 1876. Sie wurde unschuldig durch eine Mine am 9. Rovember 1918 getötet. Den Ratschluß Gottes werden wir verstehen, wenn wir dereinst uns Wiedersehen." Eigenartiger und volkstümlicher ist eine Inschrift, Die man in dem Städtischen Museum zu Leipzig findet. Im Jahre 1805 war der Leipziger Fuhrmann Johann Leonhard Rottelberger mit feinen drei Söhnen dem österreichischen Heere nachgezogen, das an der Donau gegen die Franzosen kämpfte. Dort wurde er mit feinen Söhnen durch eine Granate getötet, alle vier wrrrden auf einem Augsburger Fr'.edhofe bei» gesetzt. Als dieser später modernen Strahenzügen Platz machen muhte, wurde der Grabstein mich Leipzig gebracht. Auf ihn ist zu lesen: „Eine Reife ist das Leben, Jenseits ist das Vaterland. Wer wird vor dem Tode beben? Fromme ruhen in Gottes Hand, Eltern, Kinder, Freunde, Brüder Finden dort in Gott sich wieder." Diese beiden Grabinschriften enthalten in kurzer Form die Trostgedanken, die allein imstande sind, am Totensonntage und überhaupt, so oft man der Toten gedenkt, Ruhe und Zuversicht in das Herz zu senken. Unsagbar hart und bitter ist es, einen lieben Menschen im Tode dahinsinken zu sehen, namentlich wenn er in jungen Jahren, im rüstigen Aller dahmscheidrl, lange bevor das Atter ihm genaht ist. Auf die Frage nach dem warum schweigt da alles menschliche Wissen, hier tröstet nur der Glaube, dah in einem jenseitigen Leben der Ratschluh Gottes, in dessen Hand die Menschenschicksale ruhen, offenbar wird und dah dort die einanber Wiedersehen, die hier in Schmerz und Traurigkeit voneinander geschieden sind. Ist eine Menschenseele gewiß geworden, dah in Jesus Gottes unermeßliche Vaterliebe offenbar geworden ist, so erstarkt in ihr auch der Glaube, daß Gott nimmermehr tnfere Gemeinschaft mit den Lieben, die wir sterben sehen, zerstören wird. Die meisten Menschen bangen, wenn sie drS ■eigenen Todes gedenken, obwohl mit ihrem Denken ein Erdenleben, das kein Ende erreicht, unvereinbar ist. Ein Menschenleben ist nur denkbar, wenn es sich aus Kindheit, Jugend, Dem reifen Alter und dem Greisenalter zusammenseht, wenn eS die Fähigkeit behalt, immer neue Eindrücke in sich aufzunehmen und mit dem allgemeinen Fortschreiten weiterzuschreiten. Sterben ist Ralurgebot, das wissen einfache 'Raturmenschrn oft besser, als die, die ein kompliziertes Geistesleben aufweisen. Cs ist eine Tatsache, dah weder der geistvolle Philosoph noch der originale Dichter eine Waffe gegen die Todesfurcht schmieden kann. Diese Furcht ist nur da abgetan, wo der Mensch mit dem lebendigen Gott Verbindung hat und in sich die Hoffnung auf ein ewiges, seliges Leben trägt. Auf dem Dorotheenstädti* scheu Friedhof in Berlin steht auf einem Grab das Wort „Was muh ich tun, dah ich selig werde?" auf einem anderen: „Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe!" Die, die diese Bibelworte auf die Grabsteine der Ihren haben fetzen lassen, standen auf einer bemerkenswerten Höhe der christlichen Erienntnis und Lebensreife. Der Mensch, dessen höchstes Verlangen es ist. selig zu werden und in der Liebe Gott anzuhangen, hat die Sterbenssurcht überwunden und sieht feiner leiblichen Auflösung mit derselben Ruhe entgegen, wie der, der eine Reise in ein anderes Land antritt oder wie einer, der am Abend sich ruhig zum Schlafen niedergelegt. H. D. *• Gefalle nen-Gedenkfeiern finden morgen nachmittag auf dem Reuen Friedhof statt. Die erste Feier wird vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen veranstaltet, die andere vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Die Deutsche Demokrattsche Partei fordert in einer Anzeige ihre Mitglieder auf, an der Feier des Reichsbanners teilzunehmen. Heber den Beginn der Ehrungen geben die Anzeigen Auskunft. Falschgeld im .Umlauf. In Frankfurt a. M. befinden sich ,falsche Zweimarkstücke, Münzzeichen „G", im Umlauf. Die Falschstücke haben mattes Aussehen und einen dumpfen Klang. Die Umrandung ist sehr mangelhaft aus- gesührt. Auch befinden sich immer noch falsche Dreimarkstücke, MünZ?-eichen „D" im Umlauf, deren Umrandung an 6.eile des Wortes „Einig" daZ Wort „®inkT‘ tragt. Verbot der Geflügeleinfuhü aus dem Ausland. Das hessische Mio» fternrm bes 3imem gibt bekannt: Sie Einfuhr von Geflügel aus dem Ausland wird au- feu- chenpvlizeilichen Gründen mit Wirkung vvm 1. Dezember 1925 verdien. Ausnahmen können unter besonderen Bedingungen zugelassen werden •• Personalien Ernannt wurden der Lehrer Otto Schroth zu Durgbracht Kreis Büdingen, zum Lehrer an der Volksschule zu Hirzenhain. KreiS Büdingen: der prov. Gewerbe- lehrer Rudels Welkoborsky an der get^rb- Uchen Abteilung der Fortbildungsschule zu Bad- Aauheiin zum Gewerbelehrer an dieser Schule. •• Sie Lautsprecherschau des (Siebener Radioklubs verspricht eine höchst bemerkenswerte Veranstaltung zu werden. Mag man nun, so schreibt man uns, zum Rundfunk und speziell zum Lautsprecher stehen, w.e man Will, so verlohnt es sich doch, einmal Kennt- nis zu nehmen von dem Stande einer Technik, die vor zwei Jahren in den weitesten Kreisen Deutschlands kaum d:m Ramen nach bekannt war. Besonders sei noch einmal darauf aufmertsam gemacht, daß jeder Zuhörer durch Aussüllen eines Vordrucks seine ganz persönliche Auffassung über die Leistungen der mehr als 20 Lautsprecher zum Ausdruck bringen kann, e.ne derartige Gelegen- beit wird sich voraussichtlich nicht wieder bieten, da eine Ansammlung so zahlreicher Lautsprecher stets den größten Schwierigkeiten begegnet 5>ie allen Besuchern eingehänd.gten Vordrucke enthalten die Rummern der Lautsprecher und ©gatten, in^denen das Urteil über die einzelnen Versuche, die in gleicher Weise mit allen Lautsprechern angestellt werden, eingetragen werden kann, sowie Bemerkungen irgendwelcher Art. Schließlich ist auch die Rümmer des Sitzplatzes anzugeben, damit untersucht werden fami, ob und wie sich die akustischen Verhältnisse im Raume an den verschiedenen Stellen ändern. Die Ergebnisse der Bearbeitung der ausgefüllten Stimmzettel werden sicher höchst interessante Aufschlüsse über die Beurteilung der Leistungen der einzelnen Fabrikate und Typen liefern und vielleicht dazu beitragen, manches Vorurteil zu m (Ebern oder ganz zu beseitigen. Die Veranstal- itung findet bekanntlich heute und morgen im Physikalischen Institut statt. *• Verein für das Deutschtum im Auslande. In einer gut besuchten Versammlung des B. d. A. am Donnerstagabend im „Hindenburg" sprach Dr. Hans Werner von hier über So®- Ietruhland. Der Redner, der vorn Sommer 1924 bis zum Sommer 1925 eine Studienreise durch das russische Niesenreich gemacht und dabei u. a. Leningrad, Moskau und deren Umgegend besucht hat. ferner quer durch Rußland nach der Krim reifte und länaere Zeit dort weilte, erzählte in mehrstündiger Rede von seinen vielfachen Beobachtungen, Erlebnissen und Eindrücken. Don der Tätigkeit der Behörden, vom Leben und Arbeiten des Volkes in feinen vielgestaltigen Formen und der sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Umwälzung aller Verhältnisse Rußlands hörte man eine Fülle von Einzelheiten, die mancherlei interessante Einblicke in die dortigen Vorgänge ermöglichten. Politische Schlußfolgerungen wird man aus dem Vortrag jebod) nicht ziehen können, da dbr Redner sich überwiegend beschränkte auf die Mitteilung dessen, was er an der Lichtseite des heutigen russischen Volkslebens gesehen, dagegen die Schattenseiten, die er vielleicht in gleich umfassender Weise gar nicht rennengelemt hat, in dem Reisebericht erheblich kürzer auftauchten. Ueberdies betonte der Vortta- gende selbst, daß in Rußland noch alles im Fließen und Reugestalten sei, und daß man aus diesem Grunde mit seinem Urteil zurückhalten müsse. Der Vorsitzende, Studienrat Dr. Koenig, betonte in ausgezeichneten Worten den Wert der Vortragsabende im V. d. 21., die uns Kenntnis van dem Leben anderer Volker vermitteln sollen, in deren Mitte unsere stammverwandten Brüder und Schwestern leben und schaffen. Bornotizen. — Sageskalenber für EamStag. Sängerkranz: 8 Ahr Reue Aula der UniDerfltät Hauptprobe zum Konzert „Die Kreuzfahrer". — Buchhandlung Keihner: 8'/« Ahr R.ctzsche-Winck- ler-Abend von Dr. Blaß-Berlin. — Rad.ollub Gießen. 87« Ahr Hörsaal des Phys. Instituts (Stephanstraye) Lautsprecherschau mit Vortrag von Dr. Müller. — A-V. 1871/1921: Mitglieder- Versammlung 81/» Ahr „Stadt Cassel". — Lichtspielhaus. Dahnhofst.: ..Blitzz-'g der Liebe". — Tageskalender für Sonntag. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen: 2 Uhr auf dem Reuen Friedhof Toten-Ge- denkfeier. — Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold: 2$ Uhr Neuer Friedhof Totenehrung der Gefallenen.— „Sängerkranz" 5 Uhr nachm. Reue Aula der Universität: Konzert „Die Kreuzfahrer". — Ausstellung „Elektrizität im Haushalt" Deranstallungen laut An- geige. — Stadtmission 8 Uhr Vereinshaus, Löber- straße 14, Vortragsabend. — Radioklub Gießen: Vorm. 11 Uhr, Hörsaal des Physik. Instituts (Ste= phanftraße) Lautsprecherschau mit Vortrag von Dr. Müller. — Die Vortrags-Vereinigung veranstaltet nächsten Mittwoch einen Film- vortrag des Leiters der kinematogravhischen Abteilung der Kruppwerke in Essen. Diplom- Ingenieurs Huzel aus Essen. Der Vortragende wird dieGeschichte des Erzbergbaues, die Erzgewinnung bis zur Reuzeit und die Stahlerzeugung an Hand von guten Filmen und zahlreichen Lichtbildern erläutern und behandeln. Der Weg des Erzes aus dem tiefen Schoß der Erde bis zum Hochofen wird der Redner zeigen, um dann eine Eisenhütte, deren Betrieb vollkommen vom Hochofen beherrscht wird, die Erzeugung des Roheisens und die verschiedenen Arten seiner Behandlung zu schildern. Es ist dringend zu wünschen, daß diesem wertvollen Vortragsabend das Interesse mehr als seither entgegengebracht wird. (Siehe heutige Anzeige.) Amtsgericht Gießen. * Gießen, 17. Rov. Ein Architekt aus Wolfenhausen, der früher ein Holzhandels- und Baugeschäft in Dilleizburg hatte, aber schon seit längerer Zeit keiner geregelten geschäftlichen Tätigkeit mehr nachgeht, stand heute wegen einer Reihe von Betrügereien vor den Schranken des Gerichts. In den meisten Fällen nutzte er seine früheren Bekanntschaften mit den Geschädigten aus, um sich größere oder kleinere Darlehen, die er alsbald wieder zurückzuzahlen versprach, geben zu lassen. Dabei verschwieg er. daß er in seinem früheren Geschäft nicht mehr tätig, und daß er völlig mittellos war. In mehreren Fällen verabreichte er den Geschädigten auch Schecks auf eine Dank in Dillenburg, obwohl er wußte, daß er dort nicht nur fein Guthaben mehr hatte, daß en der Bank vielmehr noch mehrere Hundert Mark schuldete, wegen deren er ausgeklagt und fruchtlos gepfändet worden war. Seine (Betrügereien verübte er in Lollar, Groh en-Buseck, Annerod. Wetzlar und zum größeren Teil in Gießen. Hier übernachtete er in mehreren Hotels, ohne seine Zeche zu zahlen. In einem Falle ließ er sich von dem Wirt sogar noch ein Darlehen dazu geben, wofür er einen Scheck in Zahlung gab, der dann nicht eingelöst wurde. Einen besonders gutmütigen Casetier pumpte er an zwei aufeinanderfolgenden Tagen um je 25 Mk. an, die ihm im Vertrauen auf seine Ehrlichkeit auch gegeben wurden. Sogar ein armes alleinstehendes Fräulein versuchte er zu schädigen. Der wegen Betrugs schon vorbestrafte Angeklagte wurde zu einer G e - Df THQMPSON'S spart/Irfxrth .. .■ . famtgefängniS strafe von drei Monaten verurteilt. Im Sillkreise hat er noch etwa ein Dutzend ähnlicher Schwindeleien begangen. wegen deren er demnächst in Herborn und in Dillenburg noch abgeurteilt werden wird. Büchertisch. — Hollack: Deutschbeins Lehrgang her englischen Sprache (Lesebuch, Grammatik, Uebungsstoff). Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. — Helene Christ aller: Der Spiel- mann Gottes. Drei Novellen, Ganzleinen 4,50 Mark. Verlag Friedrich Reinhardt, A.-G. in Baseü — Prof. Dr. R. W i lbrandt: Die Entwicklungslinie des Sozialismus (Wif- senschast und Bildung, Rr. 214). Preis 1,80 Mark. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. 659 — Giovanni Papini: Ein fertiger Mensch (Allgemeine Verlangsanstalt in München. Qanjleincn 8 Mk). 761 ß. von Estorfs: Schambart und wir (Verlag von K. F. Kockler in Berlin W. 9, Ganzleinen 6 Mk.). , _ 704 — Mutter und Kind in 60 Meisterbildern, eingeleitet von Otto Knapp, gebunden 1 Mk. Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart. 763 — Schriften zur politischen Bil- düng, herausgeg. von der Gesellschaft „Deutscher Staat". Ganzleinenhefte. 1. Prof. Dr. Gustav Noethe: Das geraubte deutsche Westpreußen, Professor Dr. Stengel: Deutschland, Frankreich und der Rhein, eine geschichlliche Parallele, Dr. Ed. Stabiler: Elsaß-Lothringen (Verlag von Herrn. Beyer & Sohne in Langensalza). 764 — Wolfgang G o l t h e r: Schiller. (Phil. Reclam.) Der Verfasser versucht in kurzen Umrissen ein Bild her künstlerischen Persönlichkeit des Dichters zu geben, wie sie ihm vorschwebt als dem Gründer des deutschen Dramas, um das sich vorher Lessing bemühte, und das auf Umwegen über Franzosen, Engländer und Griechen gesucht worden war. Unter Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse wird diese kurze Biographie ein wertvoller Baustein in dem Werke, das um Schiller geschaffen wird. — Friedrich Nietzsche, Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen. (Alfred Kröner, Verlag, Leipzig.) Dieser Band der Krönerschen Taschenausgabe erweitert die Reihe der Nietzsche-Reihe des Verlages. Die Hauptcinstellung zu dem Werk gibt Nietzsches Satz, daß die eigentlichen Philosophen der Griechen die vor Sokrates find. Dr. Richard Oehler hat das Buch mit einem kurzen instruierenden Nachwort versehen. 366 — In Reclams U n i v e r s a l b i b l i o- thek sind in der Reihe der Iugendbändchen zu 1,20 Mk. einige neue Nummern erschienen, aus denen wir Johannes Boldt „Pilgerfahrt", eine Renaisiancenovelle, und Jeremias G o 11 h e l f . Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Schweiz" heroorheben mochten. — Weiter liegt ein Rooellenband des hessischen Dichters Wilhelm H o l z a tn e r „Der Held und andere Novellen" vor. Heinrich Römers ,Lung Stegfrieb" ist nach Angabe des Verfasters ein „singendes, klingendes Märchenspiel". 594 ff. heis. - Kirchberg. 10; StoHette f. d. Kriegsstistuyg. 11: Heil. Abendmahl f. d. Jugend von Saubringen Mainzlar 1 ’/,. Saubringen 1'/,. - Montag. 23. Rovernber abends 8: Mainzlar Missionar Echlaud- raff. Dienstag 24. Rovember abends 8: Lollar Missionar Schlaudrast. Mittwoch 25. Rovember Staufenberg Missionar Schlaudraff. — Wieseck. 9','. (Frauenchor). Opfer für die Kriegsstiftung der Evangelischen Landeskirche. IlKinderkirche. AbdS. 7 GeistUche Aufführung: Ein altes Spiel Totentanz. Watzenborn - Garbenteich. Watzenborn.Steinberg. 1: (Schülerchor), am Denkmal (Kirchenchor). 7* : Liturgische Abendfeier (Kirchenchor). Garbenteich: Id. (Schülerchor). (Kollekte). Ka.hoNsch« Gemeinden. Dießen. Samstag, den 21. Rov. 4'/, u. 7 Beichte. Sonntag, den 22. Rov. 25. und letzter Sonntag nach Pfingsten. 6*', Beichte, 7 Messe. Korn, der Frauen und des Elisabethenvereins, 8 Korn., 9 Hochamt mit Pred., 11 Messe mit Pred., 5'/, Christenlehre und Andacht- Abends 8 Versammlung der Gemeinde (Elisabethenvereins.Abend) im Vereinsbaufe. - Grünberg. 9'/, Messe mit Pred. - Hungen. 9'.. Hochamt mit Pred. - Lich. 7'/, Messe-mit Pred. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Amschau".) Sonntag, 22. Rovember: 8.30 bis 9.30 Uhr Morgenfeier, veranstaltet vorn Wartburgoerein. 12 bis 1 Uhr Übertragung von Kassel: Orgelkonzert. 1. Übertragung aus der Stadt- halle, ausgeführt von Organist Moller und Frau Rätter (Konzertsängerin). 3.30 bis 4 Uhr Gcdcnk- oortrag des Volksbundes „Deutsche Kriegsgräber- fürforge". 4 bis 5 Uhr Die Stunde der Jugend. 5 bis 6 Uhr Rachmittagskonzert des Hausorchesters. 6 bis 7 Uhr Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung — Religionsschöpfer, ein Zyklus: „Der heilige Augustinus", Vortrc.g mit Vorlesungen von Dr. Carl Gebhardt. 7 bis 7.30 Uhr Große Erzieher: Ehr. G. Salzmann, a) Aus dem Ameisenbüchlein", b) Aus dem „Krebsbüchlein". 7.30 bis 8 Uhr „Der Komponist Strawinsky. Versuch einer geschichtlichen Würdigung", Vortrag mit musikalischen Darbietungen anläßlich des Strawinsky Festes in Frankfurt o. M. am 24. und 25. Rov.. gehalten von Ernst Schoen. 8.30 Uhr Geistliches Konzert. Montag, 23. Rovember: 3.30 bis 4 Uhr Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr Rachmittagskonzert des Haurorchesters: Jos. Haydn. 6 bis 6.30 Uhr Das Frankfurter Strawinsky Fest am 24 tmb 25. Rov. 6.30 bis 6.50 Uhr Die Büchersiunde. 7 bis 7.30 Uhr Funkhochschule, „Mißbrauch narkotischer Mittel", Vortrag von Prof. Dr. Raecke. 7.30 Uhr Uebertragung aus dem großen Saal des Saalbaues, 4. Montagskonzert des Frank- furte * Orchestervereins. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, 22. Rovember. Totensonntag. Stadtkirche. 9'/,: Pfarrer Becker. 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Becker. 5 Ahr: Pfarrer Müller - JohanneSkirche. 9'/,: Pfarrer Ausfeld. 11: Kinderkirche für die Iohannesgemei nde. Pfr. Ausfeld. 5: Pfr. Dechtholshe mer. 8: Bibelbesprechung im Iohannesfaal. Pfarrer Becker. - Kapelle des Alten Friedhofs. 3: Pfarrass. Sckult- 3 Sonderangebote! Rock-Velour Mk. 150, 1.40, 1.25 Hemden-Flanell Mk. 1.50, 1.20, 0.95 Bett-Kattun Mk. 1.10, 0.98, 0.95 Reguläre Ware weit unter Preis! Große Auswahl! Schöne Muster! Ferner zu besonders herabgesetzten Preisen 1 Posten angesammelter Reste- GEBR. WEIL Neustadt 10 11070c Achtung! Mer MMW öerren-SoQlen n. AWe UH. 150 LiMN-SMen o. MW Hll. 3.50 genäht Mk. 1— mehr. MMmluWkll Ml. Blum Kirchenvlatz 8. 0M33 Mim = AkllWilM werd- sachgemäß u. orelSwert gestimmt u. revar. Gießen. VioM-11 Teleohon 2403. Ankanlflbr. Silan, t u. 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Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. 11077 Heute nachmittag entschlief ruhig, nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann und guter Vater, treuer Sohn, Bruder und Schwager Apotheker Walter Waldschmidt Großen-Linden, den 21. November 1925. 09384 in vollendetem 44. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Ida Waldschmidt geb. Jähnert Hanny Waldschmidt Julius Waldschmidt und Frau Lina Strien geb. Waldschmidt Fritz Strien. Unter MtmlrlW des tsefnngoerete „ElnkrM", unserer MnsittMlle nnö unseres Irommler- nnö Nelserlms findet am Totensonntag aus dem Neuen Friedhof eine (Wenen-M statt. Gedenkreden halten: iiO47D Pfarrer Bendel n. WM-WWirl AMi WessdUnM) Die gesamte Bevölkerung Giehens, besonders die Kriegerhinterbliebenen und Kriegsbeschädigten bitten wir, mit uns an die Gräber der Kriegsopfer zu treten. Gin sprungfähiaer, emnctrnnencr Bo> nelvberner u9-ni MIMIe tu verkaufen bei Zob.Tönges Ww. Hof Haina bei Nod- bcim n. d Bieder. Bler erstklassige, 4 Atonate alte Zuchtsauen verkauft ^zusammen) Hermann Hiring, VirbU. Vöroen).,l0<3D deutscher ReidiM der Krieosheschädintöii u.-hinterbliebenen Ortsgruppe Gießen. Am Sonntag, dem 22. November 1925, nachm. 2 Uhr, findet auf dem Neuen Friedhof eine Toten-Gedenkfeler statt unter Mitwirkung der Musikkapelle Topp und des Gesangvereins „Concordia"-Gießen, wozu wir die gesamte Gießener Bevölkerung und insbesondere die Kriegsopfer einladen. Bei ungünstigem Wetter findet die Feier in der Kapelle statt, hqmd Der Vorstand. । Hansa ’ Handelsschule /. Kunzeimann QteDen, BaJtnhotstr 60 vorn. Herma Neue Kurst ytäglichA m nähme* Auto- fahrten führt aus 09406 MniuWer 9005, Walltorstrahe 24. Tclevhou so«. vernichtet RrtlalTaxl August Zrech Wetzlar Braunfels. Sir.39/41 behördlich anerkannt zur Ausbildung von ttrastfayr- zeugsührein als„L>er ren-und Berufsfahrer". Gründliche fachmännische Ausbildung in allen Klassen mit 4 eigenen Wagen Anfang zu jeder Zeit. 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Schwarzer Anzug und Zylinder 1107)6c Der Vorstand. Nietzsche- Winckler- abend Dr. Leonhard Bläh, Berlin beute, 8V4 Uhr, im Vortraafaal Keiff« ncr, Schulitr. 6. Fr. N elzsche: Rünf Stücke auS „Also ivtnd) Zaraihnitra". Jos. Winckler: 1t. Buch auö „Der chili- afttsche Pilgerzur". Eintritt Mk. 1.50, ©tubentenlnrtcn 75 Pf. 09432 Stadttheater Sonntag, 22. Nov. iTotensonntan) keine Vorstellung. Kaffe geschlossen. Dienstag, 24.Nov. 7.Mns!lig'Mll. Vksl. non 7* 4 vis 10 Uhr Zum letzten Male 5er flüele Bauer Overette in 1 Vorspiel und 2 Akten von Aast. u>'»c Mittwoch, 2r».Nov. 7.HliiirooMl)n.-B(fr. v. 7'/2 b. geg. 9'/, Lbr Zum letzte t Male Ein Spiel von loö anö Eime v. Nomain Nolland. Freitag, 27. Nov., 8.Fk'fM-M0l1.'Vksk. von 7'/rb. geg. 10 Uhr Urausfubrung: Nr Teufel öurtij Beeljeöuö. Lust'ote! tn 3 Ansz. v. Harry Podlmann. Sonntag,2S.Nov., 7. LOlllllllg'UVll. VM. von 7 biS 10 'ihr Sunt letzten Male 5er vogeWnvier Overetie in 3 Akten .von Zeller. ÄSf,euei eÄ* «-int. ^^3nitu6o,c E^beken Msmi "*)- Alibi S'Äkuf. U Polizei, «rmoltunq rolöorf. ,4 yyii Hund Mmlausen. ebetbriniiet er- j'^eiobnuno J> Alltntnhi öoberniM- )in!lhcrhiini>i!l broart mit dunkel- rnunem Lrandt itlflufcn. HMD Tteintvea 48 r>, Vereine MW MH* M iit iotbein inisere iitfllieher auf, an :r vom Rc/Lsban- er Schwär»-Rot» Wb gonntan. den ! Dloobr., uadjnu Ubt. m\ dem 'euenyriebboiver- amtaltetcn M 1 Mm LVWW iblxtidi teiUnntb' ten.51bmQrfdi21l(ir om VoiDiivoi-'l^i' iw'BlaB. Libivnr- er Anzug und ,)>>' Nietzsche- Winckler- abend Dr. Leonhard 'M Berlin icntc, 8'/. Uhr, int Korlragsnal Ntih' ner, Zchul'lr. ’r. »•”«?*'!jj ff'iirfe nud iW'J' .. Wütetl«1.1} Sbnud -Der »dl; idie Zritt Ml. Stadttheater 5ien^nfl-.^n KA»«. )oetetie in o,r en wittw;i'Äj.W A!M- Kfi" w yitiifäSbini‘,n*1, 'LKK M S""'". Kr.273 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten) Samstag, 2». November 1925 Außenpolitische Umschau. Don Professor Dr. Otto H 0 ehsch. (Mitglied der deutschnatwn. Reichstagsfraktion.) 3ni Augenblick, da wir dieses schreiben, steht fest, daß das Kabinett unter Dorsitz> des Reichs- Präsidenten die Beratungen abgeschlossen und die Dorbereitung der Locarno-Dorlage an Reichsrat und Reichstag m Auftrag gegeben hat. Wenn auch nicht formell, ist damit doch dre tat- sächliche und grundsätzliche Entscheidung des Ka° bnietts getroffen, und zwar in bejahendem Sinne. Das Kabinett empfiehlt das Vertragswert, wie es vorliegt, den gesetzgebenden Körperschaften zur Annahme und es hält damit auch die Rückwirkungen, die bekannt geworden sind, für ausreichend in dem Sinne, den der Reichskanzler mehrmals und so präzise betont hat. Es ist kein Geheimnis, daß auch deni Kabinett diese Rückwirkungen, wie sie in bezug auf das Rheinland in einer Derlautbarung der internationalen Rheinlandkvmmission vom 18. Rovember, t>or- liegen, nicht übermäßig groß erscheinen. Auch nach Ansicht der Regierung lassen dies: Ruck- Wirkungen in bezug aus das Mast und d>e Bestimmtheit zu wünschen übrig, im Vergleich zu dem, was man in Locarno in der damaligen festlichen Abschluststimmung erhofft hatte, alnd es ist ein magerer Trost, wenn gesagt wird, Locarno sei Anfang und nicht Ende einer Entwicklung und deshalb müsse das Dertragswerk zu Ende geführt werden. Reben den Rückwirkungen steht das, was die Rechte '^nier als Dorbedingung und Dorbehalte so entschieden gefordert hat. Das beschränkt sich nunmehr auf die En t w af f n ung s f ra g c, die in dem Ro° tenwechsel vom 23. Oktober bis 14. Rovember abgesch l 0 s sen ist. Danach wird die Räumung der Kötner Zone am 1. Dezember begonnen und sie soll in, Januar, spätestens Februar nächsten Jahres auch beeridet sein. 3n absehbarer Zeit soll desgleichen die bisherige interalliierte Militärkontrolle verschwinden. Sie geht dann nach den bekannten Bestimmungen de« Dertrages in die Dölkerbundskontrolle über. Hier bleibt die Frage vollständig offen, was dann mit dem sogenaiinten Investlgationsbeschluh des Völkerbundes wird, gegen den Deutschland doch einen so entschiedenen Einspruch erhoben hat. Briand hat bisher ganz geschwiegen, E Hamb er la rn hat am 18. Rovember im Unterhaus eine große Rede gehalten die aber nur Bekanntes wiederholt und sich in Allgemeinheiten ergeht. Irgend etwas Weiteres und über die Locarno-Abniachungen Hinausgehendes, wie von manchen Seiten erwartet wurde, hat diese Rede nicht gebracht. Das entspricht ja auch ganz dem Standpunkt Englands, zwar sehr reich an allgemeinen schönen Versicherungen zu fein einen entscheidenden Druck auf den Rachbar, auf den Franzosen aber zu unterlassen. Man wird nicht bestreiten, dah für das Rheinland auf diese Weise e i n e g a n z e R e i h e von Erleichterungen herauskommt. Aber ebenso steht fest, daß die Kölner Frage ja em Rechtsanspruch Deutschlands wär, und w.iter steht fest, dast bisher jedenfalls in bezug auf die zweite und dritte Zone oder aus die Abstim- mungsfristen fürdasSaargebiet von der anderen Seite nichts geäußert worden ist. Dabei ist doch, wie nun immer wieder gesagt sei ein Widerspruch in sich selbst, schöne Worte von Gleichberechtigung zu machen und ni^ auf Nähre hinaus Soldaten der anderen Macht auf unserem Gebiete stehen zu lassen. Das ist eben so ein Widerspruch in sich, wie der Widerspruch in dem Maßstabe dec Rüstungen, der nach wie vor bestehen bleibt. Was Chamberlain zu diesem Punkte in seiner Anterhausrede gesagt hat, ist ganz und gar nicht durchschlagend. Auch er hat zugeben müssen, daß im Vertrag von Locarno der Hinweis auf eine allgemeine Ableistung fehle, was die Arbeiterpartei ia bemängelt hatte. _ Inzwischen geht die franz 0 sis ch e Re - gierungskrise weiter in einem Durcheinander der Finanzvorlagen, in dem eines ganz deullich wird, nämlich dah man sich ut Sranf- reich über die Schwierigkeit und den Erst der Lage noch gar nicht klar ist. Sonst würde nicht die' Linke mit ertrem-diletantischen Vorschlägen und die Rechte mit einer rein negativen Ablehnung kommen. Gewiß kann Frankreichs Lage nicht mit der Deutschlands - vom Herbst 1923 verglichen werden. Aber in bezug auf das internationale Vertrauen, das ein Staat für feine Währung braucht, und das Frankreich nicht mehr hat, ist sie gleich, und die Gefahren der Inflation find auch für Frankreich außerordentlich groh und bedrohlich. Aber es fehlt an Einsicht, daß man einen Entschluß mit allen Opfern fassen müsse, wie ihn Deutschland damals gefaßt hat. Was Frankreich bisher nicht gelang, ist Italien gelungen: die Bereinigung seiner Schuldenverhältnisse zu Rordamerika im Abkommen vom 12. Rovember. Es ist das günstigste Abkommen, das Amerika einem Staat bisher gewährt hat. Es enthält einen Abstrich von drei- wäre. So aber ist eigentlich für jeden anderen Faktor im europäischen Konzert Italien heute ein beinahe unberechenbarer Faktor. Deutschland und der Zrankensturz (Don unserem NV5-Korrefpondcnten.) Paris, Mitte Rovember 1925. Die Stabilität der Währung bleibt für jedes Land eines der wichtigsten volkswirtschaftlichen Probleme. Frankreich hat feine stabile Währung mehr. Hier ist das Gegenteil der Fall. Frankreich ist mitten in der Inflation. Ia noch mehr. Cs gibt gegenwärtig in ganz Frankreich keinen Kopf, dec irgendein Mittel wüßte, um aus diesem Dilemma herauszulommen. Daher kann Frankreich auch nicht zur Ruhe kommen, we- Franziska Gßtt AsmaN VE Äesvei Witt beginnt heute Hit Gießener Anzeiger Aeubsftellev für Dszemvev evhakten die Kmrmrsvn bis Gnds Kovembev tteW AubMtuns-ArissMK kostenlos viertel der ursprünglichen Schulden. Präsident Eoolidge will, wenn der Kongreß am 4. Dezember Zusammentritt, Erfolge vorlegen, er will die Schuldenfrage aus der Welt räumen, um die Dahn für die Abrüstungsaktion freizumachen. Den Vorteil von dieser Absicht haben Belgien und Italien gehabt. Und das drückt sich für Italien schon im Stand der Lira aus. Es kann nun an die Sanier rung feiner Finanzen und an die Bereinigung feiner Schulden mit England gehen. Dafür ist Italien nach anderer Richtung ein Zentrum der Unsicherheit und Unruhe. Wir können uns nicht helfen, wir haben das Gefühl, daß dort große Erschütterungen möglich sind, daß dort eine Spannung zwischen den beiden Richtungen des öffentlichen Lebens vorhanden ist, die unerträglich wird, und daß der Fafzisnnis sowohl wie Mussolini selbst das Augenmaß verlieren. Man kann nicht sagen, daß eine Kriegsrede, wie die Mussolinis am 4. November, oder eine Rede, wie er sie am 18. in der Kammer mit Drohungen gegen Frankreich gehalten hat, oder daß seine Rede gegen Ingo- slawien am 28. Oktober dem europäischen Frieden bienlid) fei. Wir bedauern das deshalb, weil, wie jede Verfolgung der großen politischen Vorgänge zeigt, Italien auf diese Weise nicht dazu kommt, sein Schwergewicht als Großmacht so in die Wagschale zu legen, wie es das mit Recht beanspruchen könnte, und damit zu einer Herstellung der Gleich gewichtsoerhältnisse mit beizutragen, für die gerade Italien mit seiner neugewonnenen Stellung, in seiner Position in Südeuropa die gegebene Macht bet in moralischer noch in politischer Beziehung. Dieser Zustand ist aber gerade für Deutschland höchst unerwünscht. Deutschland hat keinerlei Interesse an der Fortdauer solcher Verhältnisse, weil dadurch in erster Linie seine Exportfähigkeit im höchsten Maße beschränkt bleibt. Frankreich bietet augenblicklich alle Vorteile und Rachteile einer im Auslande entwerteten Währung, die zwar im Lande selbst einen beträchtlichen Mehrwert im Vergleich zu ihrem Werte im Auslande darstellt. Der französische Außenhandel erlebt zur Zeit eine Scheinblüte. Die Aktivität des französischen Außenhandels, also der Ausfuhrüberschuß, ist zum größten Teil nur auf die Verminderung der Einfuhr zurückzuführen, insbesondere was die Rohmater.allen anbetrifff. Der französische Handel lebt hauptsächlich von dem Vorrat seiner Rohprodulte, und der Augenblick rückt immer näher, wo diese Lage unhaltbar wird. Der Winter steht vor der Tür und damit eine sehr starke Verminderung dec Rohstoffe. Gleichzeitig steigen die inneren Preise und vermindern regelmäßig die Gewinnspanne des Fabrikanten. Die Substanz wird in Frankreich seit langem in geradezu erschreckender Weise angegriffen. Darüber täuscht keine Handelsbllauz mehr hinweg. Der französische Außenhandel basiert auf einem höchst gefährlichen, künstlich gebildeten Anreiz. In Frankreich gibt es keine Arbeitslosen. Die ungeheueren Kosten, die die Kommunen in Deutschland für ihre Arbeitslosen zu zahlen haben, kennt Frankreich überhaupt nicht. Wie sehr aber gerade dadurch die deutsche Er- portfähigkeit beschränkt wird, liegt auf der Hand. Die deutschen Kommunen werden diese ungeheuren Lasten für Arbeitslosen-älnterstützung nicht lange mehr tragen können. Hilfe steht ihnen nicht in Aussicht. Die Deutsche Reichs^ bank lehnt grundsätzlich alle komm- lalen Anleihen ab. Denn die Reichsbanl hält unbedingt an unserem einzigen Aktivuin fe|t: öerSta- bilität der deutschen Währung. Eie geht in ihrer Kreditgewährung in voller Liebereinstimmung mit der Reichsregierung bis an die äußerste Grenze des Möglichen, aber nicht darüber hinaus. Denn nur dadurch will und kann sie die Stabilität der deutschen Währung sichern. Rur darin ist die Kreditverweigerung der Reich^bank für die deutschen Städte bc- grunbet. Diesen ist diesmal freilich nicht geholfen. Denn aus den wenigen Steuern, die den Kommunen noch verbleiben, können sie die er forderlichen riesigen Mittel für die Arbeits- losen-Llnterstützungen unmöglich hecauswirlfchaf tss_ 3ft es daher ein Wunder, wenn unter Men Lkmständen in einer Stadt wie Köln die Wo.^uhrtspflege mit einem Defizit von monat» lich 6 Millionen Reichsmark arbeitet? Cs ist eine ganz natürliche Folge dieser so überaus ernsten Tatsachen, daß bei den fortgesetzt sich steigernden Lasten der Städte für die Arbeitslosen die Verhältnisse zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern immer schwieriger werden. Hier drohen neue Krisen, die nur schwer zu überwinden fein werden. Dies wird bestimmt so gut wie ausgeschlossen bleiben, solange Frankreich seine stabile Währung nicht wieder erlangt hat. Denn sonst kann es unseren Export stark hemmen, eben weil es billiger exportieren kann. Wir müssen daher wünschen, daß es Frankreich in irgendeiner Form gelingt, seine Währung zu stabilisieren. sonst wird es ihm immer leichter, uns vom Wclt-Ex"oiiz gefurchte, herbe Gesichter und einen zerknitterten Bart, durch den viel Wind gegangen. Ihre Augen aber sind hell und blauen und wissen eine große und gläubige Güte. TTH1H1 Seltsam wie das Haff sind auch die Ströme und Flüsse, die darin münden. Ihr Wasser ist in gleicher Linie mit den Wiesen und Feldern, durch die sie gehen, und manchmal, wenn ein Schiff mit steilem Segel Öen Strom entlang zieht, ist es. als ob es mitten aus Wiesen herauswachse. Am Sonntag fahren oft viele Boote auf diesen Flüssen und tragen alte verhutzelte Weiblein und zittrige Männlein, stämmige Bäuerinnen und schmales junges Voll zur Kirche. Kommt der Seewind auf, der das Haff staut, werden alle die Ströme und Flüsse und Bäche sehr breit und fluten über die Wiesen. Dann ist das Land ringsum ein stilles, graues Meer. Wo nicht das Wasser herrscht und der Boden höher liegt, da sind weite, einsame Heiden. Richts anderes ist da, als märchenseliges Heidekraut und Krähen beeren, wie die Leute sie nennen. Unlöslich gehört die Heide zum Memeler Land. Abseits auf der Rehrung träumt und schlummert das glückliche, zeitvergessene Schwarzort mit seiner ernsten, waldurnschlossenen Schönheit. Wer einmal alle diese Wunderseligkeiten des Memeler Landes erleben durfte, wer sie empfing wie eine schweigende Offenbarung, der weiß seitdem, dieses Land und seine Landschaft ist so deutsch wie nirgendwo im deutschen Vaterland. Lind wer den Menschen dort in die Augen sah. wer ihren Händedruck empfand, der weiß es noch tiefer und zuversichtlicher. Mögen heute andere Herren sein im Memel- fand, die Bürger in den Gassen der Stadt und die Bauern in den kleinen strohgedeckten, pferdetopfgedeckten Katen werden darum nicht aushören. deutsch zu fein, wie es ihre Heimat in ganzer Seele ist. Zwischen Haff und Meer und Strom und Land geht der Klang der deutschen Sehnsucht. Hoch über Meer und Hasen ragt der Leuchtturm gen Himmel auf. Rachts, wenn es dunkelt, wirft e« seine Leuchten fern hinaus in die kreisende Welt. Er hält die Wacht für die Schiffe draußen auf Welle und Flut, er hält die Wacht auch für das Land, das deutsche Land an Meeresstrom. Daß es deutsch bleibe immer und immer. Auto und Eisenbah.n Recht interessant ist ein Vergleich über die Ausbreitung der Eisenbahn und des Autos in den einzelnen Ländern, der über den Verkehr in den betreffenden Staaten Ausschluß gibt. Rimmt man bei der Eisenbahn die Schienenlänge als Maßstab, so ist bei beiden Verkehrsmitteln den Vereinigten Staaten die Spitze nicht zu nehmen. Mit 18 Millionen Motorfahrzeugen und einem Eisenbahnnetz von 404 200 Kilometer stehen sie an erster Stelle. Alsdann folgte Kanada mit zirka 65 000 Kilometer und Britiscy-Ostindien. Im Motor- oerkehr muß Kanada den dritten Platz allerdings an Großbritannien abtreten. Deutschland sichert sich im Eisenbahnverkehr den vierten Platz, während es sich im Motorverkehr nur mit dem 6. Platz begnügen muß. An weit höherer Stelle steht Deutschland in bezug auf die Dichte des Eisenbahnnetzes, wo es den dritten Platz einnimmt. Auf 100 Quadratmeter Bodenfläche entfallen bei Belgien 36,5 Kilometer Bahnlänge, in Großbcitanien 16 Kilometer und in Deutschland 12,2 Kilometer. An letzter Stelle steht hier China mit nur 0,1 Kilometer. Die Gesamtlänge des Erdeisenbahnnetzes beträgt 1 215 730 Kilometer. Es entfallen also 1 Kilometer Bahnlänge auf je 10 000 Einwohner. An Motorfahrzeugen zählt man 22 769 000 Fahrzeuge, die sich jedoch bedeutend vermehrt haben dürften, stellt doch Ford allein täglich 7000 Automobile her. Möbel Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Küchen- und Einzelmöbel, Slahldrahl- und Auflage-Matratzen, Chaiselongues, Diwans, Klubmöbel (eigener Werkstatt). Beste Qualität. Billigste Preise. Teilzahlung gestattet. Ernst Rau Telephon 958 sosod Walltorstr. 37 Maulbach Die evangelische Pfarrstelle zu Mau!• Lach, Dekanat Alsfeld, dem Pfarrer Wilhelm Wahl zu Gimsheim die evangelische Pfarrstelle zu Lang-Göns, Dekanat Gießen, dem Pfarrer August Gerich zu Hopfmannsfeld die evange- llsche Pfarrstellc zu Bellersheim, Dekanat Hungen, dem Stadtpfarrer Heinrich Schlösser zu Lauterbach die 1. evangelische Pfarrstelle zu Lauterbach, Dekanat Lauterbach, mit der Amtsbezeichnung „Oberpfarrer". Qderheffsn. Landkreis Gießen. J- W i e feck, 20. Rov Als im Herbst 1923 die Hochflut der Inflation über Deutschland hereinbrach und olles wirtschaftliche Leben fast zum Erliegen brachte, mußte auch Wieseck, wie fast alle Gemeinden Deutschlands, die Schulklassen Zusammenlegen, um auf diese Weise ganze Schulhäuscr zu entleeren. Rur so gelang es in den meisten Fällen, den Gemcindehaushalt int Gleichgewicht zu halten, der durch die unerschwinglich gewordenen Brennstoffpreise kaum in der Lage war, seinen sonstigen Verpflichtungen nachzukontmen. In Wieseck mußte aus diesen Gründen die ..Rote Schule" stillgelcgt werden, als daS Schulgebäude, das den größten Brenn- stoffbedars aufzuweisen hat. Die vier Klassen wurden damals in den zwei anderen Schulgebäuden mit untergebracht. Als ein sehr schmerzlich empfundenes Opfer der damaligen Berhältnisse mußte auch die Volkshochschule Wieseck ihre Pforten schließen, da die einzigen ^Interrichtsmöglichkeiten in der geschlossenen ..Roten Schule" vorhanden waren. Im nächstfolgenden Jahre bedingten besondere Verhältnisse, die Tätigkeit noch nicht wieder aufzunehmen. Am Mittwoch dieser Woche fand nun eine von den seitherigen Hörern der Volkshochschule sehr stark besuchte Generalversammlung statt, um die Volkshochschule für unsere Gemeinde zu erhalten und neu zu organisieren. Rach einem einleitenden Vortrag Les bisherigen Leiters und nachdem der einmütige Wille der Erschienenen zum Wiederaufbau der Volkshochschule festgestellt werden konnte, nahm man die Wahl des Vorstandes vor. nach welcher Rektor Dr. Rein Vorsitzender, dessen Stellvertreter Karl Schäfer und Schriftführer und Rechner Karl Bremer sein soll. Bei der Festsetzung des Arbeitsplanes einigte man sich dahin, daß im Mittelpunkt der diesjährigen Winterarbeit ein Rückblick über das große soziale Drama des frühen Mittelalters, der Bauernkrieg stehen soll, dessen 400. Gedenktag in dieses Jahr fällt. Dazwischen schieben sich Lichtbildervorträge, die die Hörer in die schönsten deutschen Städte und größten Industrien Deutschlands führen sollen. Die Vorlesungen übernahm der neugcwählte Vorsitzende Dr. Rein, Beschlossen wurde ferner der Beitritt zum Gesamtverband Deutscher Volksbildungsvereine. Der Semesterbeitrag wurde auf 3 Mark festgesetzt, die Einzahlung geschieht in drei Monatsraten. Arbeitslose sind von jedem Beitrag befreit. Der vorhandene Lichtbildapparat genügt für die Dauer nicht mehr den Anforderungen, aus diesem Grunde soll ein Grundstock zur Anschaffung eines neuen, modernen Apparates geschaffen werdem Der vorhandene Apparat soll nach dem einstimmig gefaßten Beschluß der Anwesenden in den sofortigen Besitz 5er Volksschule Wieseck übergehen, die Volkshochschule behält sich aber das Recht vor, den Apparat solange unentgeltlich mitzubenuhen, bis der neue Apparat vorhandeit ist. Der Beginn der Vorlesungen t wurde auf Mittwoch, den 25. Rovember, festgelegt. Weiter wurde die Möglichkeit bespro- F chen, Vorträge durch einen sachkundigen Arzt über die verbreitetsten und gefährlichsten Seuchen, '» Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten usw. halten zu lassen und eventuell führende Industriewerke der engeren Heimat zu besichtigen. Die Versammlung war von dem Geist beseelt, den Gedanken der Volkshochschule unter allen Umständen wachzuholten. f Lollar, 19. Nov. Am Sonntag hieli, wie pon anderer Seite schon kurz berichtet, die Sängervereinigung Lollar im Saalbau „Zur Linde" ihr diesjähriges Winterkonzert ab. Der Besuch war über Erwarten groß, der Saal bis zum letzten Platz gefüllt. Dani des vortrefflichen Chormeisters Rohde- Marburg, der den Verein mit seinen hundert Sängern seit März dieses Jahres leitet, konnte das Programm unter großen Beifalls- kundgebtingen bestens durchgeführt werden. Hervor ' gehoben sei die Wiedergabe der Chöre „Morgenlied" von Rietz und „Zieh mit", die an Harmonie sowie Aussprache nichts zu wünschen übrig ließen. Richt unerwähnt dürfen ferner die mit viel Gefühl vorgetragenen Volkslieder bleiben, die von dem Publikum mit ganz besonderem Beifall aufgenommen wurden und den Verein zu Zugaben nötigten. Herr K n o k e - Marburg (Tenor) unter Mitwirkung des vortrefflichen Musiklehrers Gieß- Marburg (Klavier) erntete reichen Beifall. Das verstärkte Salon- vrchester Lynker-Lollar füllte durch seine gutgewählten Konzertstücken das Programm wunderbar aus. :—: Aus dem B u f e ck e r Tal, 20. Rov. In unserem Tal treten gegenwärtig Kinderkrankheiten in größerem Umfange auf. So sind die Masern ausgebrochen in den Orten Alten- Buseck, Beuern und Saasen. Glücklicherweise verläuit die Krankheit in allen bis jetzt bekannten Fällen ziemlich harmlos. In Großen- B u s e ck sind einige Fälle von Scharlach zu verzeichnen. : Oppenrod, 20. Nov. Unser Dorfbild wird in nächster Zeit ein anderes Gepräge bekommen. Unsere Kirche und Kirchturm sollen erneuert bzw. umgebaut werden. Vor einigen Tagen weilten die Baubehörde vom Hessischen Kreis- omt Gießen und ein Sachverständiger aus Darmstadt hier, um die Angelegenheit zu regeln. Der von diesen Herren aewünschte Neubau eines Turmes kann leider wegen finanzieller Schwierigkeiten der Gemeinde nicht durchgeführt werden. Ter Turmbau soll allein 14 000 bis 18 000 Mark kosten. Nun hat unser Gemeinderat einem U m - b a u zugestimmt, zu dem die Baubehörde auch bereits ihre Zustimmung gegeben hat. Danach wird der umgebaute Turm ungefähr fünf Meter höher als der jetzige Turm. Ferner sollen eine Uhr eingebaut und ein neues Geläute, bestehend aus zwei größeren Glocken, im Turm aufgehängt werden. Gegenwärtig besitzt unsere Gemeinde nur ein einziges Glöckchen, das als Schul-, Kirchen- und Gemeindeglöckchen Verwendung findet. Ein zweites Glöckchen, es wog noch keinen Zentner, mußte während des Krieges obgeliefert werden. t. L i n d e n st r u t h, 20. Nov. Der Wiesengrund ober- und unterhalb unseres Dorfes bietet zu jeder Jahreszeit ein trauriges Bild. Nicht nur im Winter, vielfach auch im Sommer steht er unter Wasser, viele Wiesen können gar nicht abgeernter werden. Das ist schon jahrelang so, jetzt ist der Rasen zum Teil abgestorben. Die früher so ertragreichen Wiesen sehen braun aus wie ein Moor. Dies hat seinen Grund in folgenden Umständen: In früheren Jahren, als die Gemeinden Saasen und Göbelnrod noch keine Feldbereinigung hatten, konnte die Wieseck, die damals noch nicht reguliert war, das Wasser nur ganz langsam abführen. Von den anliegenden Hängen sammelte es sich in dem Grund zwischen Göbelnrod und Saasen, der dann zu Regenzeiten einen großen See bildete. Noch heute heißt man diesen Wiesengrund „im eee". Nach Durchführung der Feldbereinigung in diesen beiden Gemeinden und damit der Regulierung der Wieseck wird das Wasser schnell abgeführt, kann aber nicht so schnell den Wiesengrund bei Lindenstruth passieren und muß sich in den Wiesen stauen. Vor dem Krieg wurden jedes Jahr über 100 Meter der Wieseck vom Schlamm gereinigt, so daß die Grabensohle tiefer zu liegen kam. Dies ist jetzt lange Jahre nicht mehr geschehen, der Graben ist verschlammt, der Wasserspiegel lieg! zu hoch und steht dem Wasser in den Wiesen gleich. Man soll nur bedenken, wenn die Grabensohle der Wieseck nur 40 Zentimeter tiefer zu liegen käme, dann müßte das Wasser auf den Wiesen auch 40 Zentimeter tiefer stehen, das bedeutet, der Wiesenorund würde wasserfrei fein, und eine Versumpfung brauchte nicht zu erfolgen. In der Gemeinde besteht der Plan, die Wieseck zu verlegen. Ob dies aber ohne Bereinigung des ganzen Grundes geschehen kann, ist sehr fraglich. Auch muß die Gemeinde mit den hohen K o st e n rechnen; denn Lindenstruth ist eine der ärmsten Gemeinden des Kreises. Jedenfalls hilft hier kein Reden, sondern es muß gründliche Arbeit geschaffen werden, um diesen gesegneten Wiesengrund vor völliger Versumpfung zu retten. ' Londorf, 20. Nov. Ein A u 5 s ch u ß , der sich hier unter der Leitung des Gewerbevereinsvorsitzenden, Wagnermeister Wilhelm Wagner, gebildet Halle, nahm hier und in den Orten der Umgegend eine Sammlung für die Zeppelin- Eckener-Spende vor. Das treffliche Werk wurde von den Lehrern und Schulkindern der betr. Orte in sehr anerkennenswerter Weise kräflig unterstützt. Die Sammlung, zu der die Ortsbewohner gern beisteuerten, erbrachte insgesamt 241,ö2 Mark. Davon entfallen auf Allendorf 49,25 Mk., Allertshausen 5,40 Mk., Climbach 4 Mk., Geilshausen 28,70 Mk., Kesselbach 11,20 Mk., Londorf 38,60 Mk., Nordeck 13,65 Mk., Odenhausen 20 Mk., Rüddings- hausen-Wermertshausen 36,52 Mark, Weitershain 15 Mk., Winnen 19,10 Mt. 's Grünberg, 20. Rob. Der hiesige Kriegerverein kann in diesem Winter auf sein SOjährigesBestehen zurückblicken. Es ist geplant, am 17. Januar eine entsprechende Feier in der Turnhalle zu veranstalten. — Einen heimatlichen Vortrag wird am nächsten Sonntag Studienrat Walther von der 06er» realschule halten. Aus Grund langjähriger eingehender Bearbeitung der Kirchenbücher, Rats- vrotokolle usw. wird er über alte Grün- berge r Familien sprechen. Der Vortrag ist öffentlich. * Hunge n, 20. Nov. Am 30. November findet zwischen 9 und 12.30 Uhr auf dem hiesigen Rathaus ein Amts tag des Kreisamts statt. Kreis Friedberg. sf. Friedberg. 20. Rov. lStadtver- orönelen fitjung.) Der Stadtteil Fauerbach beabsichtigt, demnächst mit der Einrichtung eines Ehrenmales für die Opfer des Krieges zu beginnen, und will zu diesem Zwecke die Kirchhofsmauer mitbenuhen: es wird deshalb beschlossen, einen vor dieser Stelle stehenden Geräteschuppen der Feuerwehr, der ohnehin baufällig und an dieser Stelle störend ist, abzureihen und dafür einen Reu bau in der alten Pfarrhofreite zu errichten. — In der letzten Sitzung des Eislaufvereins war der Antrag gestellt, den Verein wegen finanzieller Schwierigkeiten aufzulösen, was im Interesse unserer Jugend sehr zu bedauern gewesen wäre. Der Beschluß ist abgelehnt worden, die Stadt will dem Verein nach Möglichkeit entgegen* kommen, besonders durch unentgeltliche Lieferung des Wassers und Kehren der Eisbahn durch städtische Arbeiter. Als Vertreter der Stadt tritt Sladtv. Rektor Koch in den Vorstand des Vereins ein. — Stadtv. Füller beantragt, in dem Schwimmbads im Erdgeschoß einige Zellen für städtische Arbeiter einzurichien, damit diesen Gelegenheit geboten ist, sich nach der Arbeit gründlich zu reinigen; der Antrag wird einstimmig angenommen. Ebensolche Annahme finden die Anträge auf Erweiterung der Räume des Zollamtes und Aenoerung der Meldeordnung. — Der Bürgermeister teilt sodann mit, daß mit einem teilweisenNeu- bau des Polytechnikums demnächst begonnen wird, und zwar mit dem Bau eines Flügels, in welchem das Maschinenlaboratorium untergebracht werden soll. Die Kosten sollen ungefähr 110 000 Mk. betragen, von denen 68 000 Mk. schon vorhanden sind. Die Bauleitung wird dem Dozenten Schwarz, von dem auch bas Projekt herrührt, übertragen worden. Der Bürgermeister teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß alle Bemühungen, einen größeren Ausland- ober Inlandkredit zu erhalten. bis jetzt vergeblich gewesen wären, so daß an eine Ausführung der geplanten Schulbauten vorerst nicht zu denken sei. Die Beschlußfassung über diesen Punkt wird auf die geheime Sitzung verschoben. — Der Bürgermeister spricht noch den Wunsch aus. für die neue Stadtverordnetenversammlung sobald wie möglich die Fraktionsführer bekannt zu machen, damit die Bildung der einzelnen Ausschüsse so rasch wie möglich erfolgen könne. — Die Turngemeinde geht mit Der Absicht um, eine neue größere Turnhalle zu errichten, und will das seither benutzte Gelände mit Der S'adt gegen ein anDereä Gelände tauschen. Man ist allgemein der Ansicht, der Turngemeinde nach Möglichkeit ent» gegerwufommen, da durch Den Reubau einer Turnhalle vielleicht auch die brennende Fest- hallenfrage geregelt werden könnte. = Bad-Nauheim, 20. Nov. Die im Jahre 1913 gegründete hiesige Abteilung der Deutschen K o l o n i a l g e s e l l s ch a f t Hal auch nach dem Kriege eine rege Tätigkeit entfaltet, galt es doch, nach dem Verlust unserer Kolonien erst recht den lolonialen Gedanken in weiten Kreisen der Bevöl- lerung, vor allem unter der Jugend, wachzuhalten. In ihrer jetzigen Hauptversammlung legte die Abteilung Rechenschaft über ihre Tätigkeit des letzten Jahres ab. Der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Dr. Fuhr erstattete den eingehenden Geschäftsbericht, der ii. a. die erfreuliche Tatsache des lebhaften kolonialen Interesses am hiesigen Platze fest- |reiten konnte, das so groß ist, daß für Die Vortrags- neranftaltungen der letzten Zeit kein Saal Raum genug bot. Die vom Schatzmeister, Verwaltungs- inspektor Lange, vorgeträgene Rechnung schloß rrotz Der vielseitigen Ausgaben, Die Die Abteilung zu lösen hatte, mit einem ansehnlichen Kassenbestand ab. Die V o r st a n d s w a h l brachte die einstimmige Wiederwahl des bewährten seitherigen Vorstandes, Der sich wie folgt zusammenfetzt: 1. Bors. Amts- gerichtsdirektor Dr. Fuhr, 2. Dors. Oberbadmeister Kissel, Schatzmeister Verw.-Inspektor Lange, 1. Schriftführer Lehrer Oßwald, 2. Schriftführer Studienrat Dr. K n i e r i e m , Beisitzer Frau G a - briet, Hotelier Aug, Seeber, Stadtverordneter PH. A. König. Beschlossen wurde, in den nächsten Tagen für Den Deutschen Verein in Omaruru (SüDwestafrika) eine Bücheriammlung zu veranstalten, ferner Dem Etisabethhaus (Wöchnerinnen- heim) in WinDhuk eine Spende zuzuweisen, mit Den Ortsgruppen des Seevereins unD Des Vereins für Das Deutschtum im Auslände eine Arbeitsgemeinschaft einzugehen, um so die Stoßkraft dieser Verbände, Die im wesentlichen Die gleichen Ziele haben, zu erhöhen. Den Höhepunkt des Abends bilDete ein Vortrag, Den Geh. Regierungsrat Fresenius- Darmstadt, ein alter Gießener, über das afrikanische Problem hielt, D. h. über Die panafrikcmische Bewegung und ihre Rückwirkung auf Die europäische Politik. Der ReDner, Der acht Jahre als Verwaltungsbeamter in DeutschfüDwest war unD auch währenD und nach Dem Kriege Dort weilte, ist ein trefflicher Kenner Der afrikanischen Verhältnisse, so Daß feine Ausführungen zum Teil ganz Neues und UeberrafchenDes boten. Er gab einleitenD einen Ueberblick über Die deutsche Kolonisation in Afrika, schilderte Den Verlust unserer Kolonien, Die Folge Der ManDatsübernahme für Die verlorenen Schutzgebiete, um Dann eingehend Die in Direktem Gegensatz stehenDen Methoden der englischen und französischen Kolonialpolitik zu behandeln. Die pan- ober allafrikanische Rassenbewegung, die für den Weißen eine große Gefahr bedeutet, stehe in engem Zusammenhang mit der panislamitischen Religionsbewegung. Deutschland müsse wieder Kolonien bekommen! Diese Forderung wurde nach Dem hochinteressanten Vortrag auch in einer einstimmig angenommenen Entschließung erhoben, ähnlichen Wortlauts wie dis Entschließungen, die in diesen Tagen in zahlreichen größeren deutschen Städten in bezug auf Die Kolonien gefaßt worden sind. B. Rvdheim v. d. Höhe, 20. Rov. Rach beinahe dreiwöchiger Llnterbrrchung, Dte durch Die Scharlach erkrankungeir in Rodbeim verursacht war, f'irnte der Schulbetrieb in der Volksschule und Kleinkinderschule wieder ausgenommen werden. — Der neuc^bildete Vorstand der hiesigen Kinderschule setzt sich zusammen aus Bürgermeister Richard Vorbach, GemeinDeratsmitglied Karl Balthasar Kunz. Den Kirchenvorstandsmitgliedern Emil Kester und Richard Hofmann, sowie dem Ortsgeistlichen als Vorsitzenden. Kreis Büdingen. A Aus dem Kreise Büdingen, 18. 2iov. Dieser Tage fanden die vorige Woche abge- haltenen Lehrerkonferenzen der drei Bezirke des Kreises ihren Abschluß. Den Vorsitz führte Kreisschulrat G ö ck e l aus Büdingen. Er aab nach kurzen Begriißungsworten verschiedene amtliche Verfügungen und Ausschreiben der obersten Schulbehörde bekannt, die die Vorträge über koloniale Themen, den Heimatschutz, die Alkohol- frage, ülrlaub der Fortbildungsschüler und erkrankten Schüler bettasen. In den Mädchenfort- bildungsschulen unseres Kreises soll aus Anregung des Kreisfürsorgevereins durch die Kreis- fürsorgeschwester auch .Unterricht in der Säuglingspflege erteilt werden. Lehrer Koch Hasen, Mittelgründau, hielt alsdann einen ausführlichen Vortrag über „Die Verwendung des lausenden und stehenden Lichtbildes im Tlnterricht". Er wies überzeugend die Vorteile und den praktischen Wert dieses neuen Lehrmittels nach. Rach einer Mittagspause führte dec Referent dann eine große Zahl Lichtbilder mit einem Epidiaskop von Leih vor, die sich ganz besonders durch große Deutlichkeit und starke Belichtung auszeichneten. Dieselben Bilder wurden hieraus mit dem großen Projektions-Schulgerät Ica und dem Apparat Janus von Liesegang vorgeführt, was zu interessanten Vergleichungen und Ansichten der anwesenden Schulmänner veranlaßte. Den Schluß der Darbietungen bildeten die laufenden (Kino-) und stehenden Lichtbilder mit der Vortragsmaschine von Hahn-Görtz, Modell Lisa 3, wobei ein lausendes Bild ganz plötzlich in ein stehendes verwandelt werden kann. Sowohl diese praktischen Vorführungen als auch die wichtigen Ratschläge über die Verdunkelung des Zimmers, über die Bilhwand und die Aufstellung des Apparates bewiesen, daß sich Lehrer Kochhafen sehr tiefgründigen Studien über das Lichtbild unterzogen hat. Herzlicher Dank und reicher. Beifall lohnten seine Bemühungen. Schließlich wurde in allen Bezirken beschlossen, nach dem Beispiel zweier anderer Kreise unseres Hessen- landes einen Lichtbilderapparat anzuschaffen und denselben in den verschiedenen Bezirken des Kreises zur Vorführung von Kultur- und Lehrfilms für Volks- und Fortbildungsschüler zu verwenden und Die geringen Eintritts- gelDer zur Bestreitung der Kosten zu verwenden. * Bad Salzhausen, 20. Rov. In Der agelaufenen Kurzeit betrug hier die Zahl Der Kurgäste 1800; das bedeutet gegen das Vorjahr eine Zunahme von 450 Besuchern. An Bädern wurden verabreicht 10 260, D. h. 2430 mehr als im letzten Jahre. Der günstige Ab-' schluß des diesjährigen Äur6etncE@' läßt erwarten, daß die Entwicklung Bad Salzhausens auch weiterhin aufwärts gerichtet sein wird. Kreis Schotten. lg. Gedern, 20. Nov. (Autolinie Schotten- Gedern.) Nun werden auch wir, die wir an der Peripherie des Kreises Schoten liegen, uns bald einer Autoverbindung mit der Kreisstadt Schotten erfreuen können, nachdem eine früher kurze Zeit bestandene Linie Schotten—Gedern wegen Unrentabilität eingestellt werden mußte, da sie entlang der von Orten entblößten Kreisstraße verlies. Die neue Linie wird von vornherein diesen Fehler vermeiden. Sie wird Den Verkehrsbedürfnissen einer größeren Anzahl von Orten des Kreises Schotten gerecht werden, wodurch sich ihre Rentabilität ergeben Dürfte. Eine in NiDda unter Dem Vorsitz des Kreisdirektors von Büdingen statt- gefunDene Versammlung von Vertretern Der anliegenden Gemeinden, Die äußerst zahlreich besucht war, legte folgende Linie fest: Schotten—Eschenrod — Wingershausen — Eichelsachsen — Glashütten — Steinberg — Merkenfritz — Gedern. Von feiten des Vertreters der Oberpostdirektion Darmstadt wurde in Aussicht gestellt, daß Die geplante Linie im kommenden Frühjahr dem Verkehr übergeben werden könnte. — An Stelle Der am 1. Oktober d. I. nach Pollnow (Pommern) versetzten Lehrerein Frl. Goltz trat in Den Lehrkörper der hiesigen Privat -(Hofkaplanei-) Schule Studienassessor Schuchmann aus Darmstadt ein, nachdem Die Stelle seither interimistisch durch Den Schulamtsäspiranten Ober heim von hier versehen worden war. Es wirken nunmehr an Der Schule hauptamtlich zwei StuDienassessoren, eine Lehrerin des höheren Lehramts, nebenamtlich ein seminaristisch gebildeter Lehrer, eine Handarbeits- • lehrsrein und Der Ortsgeistliche als Leiter der Schule. (I) Stumpertenrod, 20. Rov. Der hiesige Landwirt und Beigeordnete Friedrich Stein besaß eine sehr wertvolle Münzensammlung, die er in seinem Acker gesunden hatte. Sie stammte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Dieser Tage ist sie ihm gestohlen worden. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. Kreis Alsfeld. W Nieder-Gemünden, 20. Nov. Die Aufmontierung Der neuen Kirchen- glocke ist durch einen Monteur aus Der Apoldaer Glockengießerei jetzt vollzogen worden, so daß die Einweihung am kommenden Sonntag stattfin- Den kann. Ausnahmsweise findet an diesem Tage Der (BottesDienft nicht vormittags 10 Uhr, son- Dern erst nachmittags 1 Uhr statt. Rheinhessen. : Mainz, 19. Nov. Professor LuDwig Becker in Mainz, ein namhafter hessischer Architekt, konnte am heutigen 19. November seinen 7 0. Geburts - t a g feiern. Er ist vor allem als Kirchenbaumeister bekannt geworden. Denn er hat nicht weniger als 200 Kirchen renoviert oder erbaut, von Denen viele in Hessen errichtet sinD, einige aber auch im AuslcmD, u. a. in Stockholm. Professor Becker stammt aus Köln und hat seine Berufsausbildung an Der Technischen Hochschule in Aachen erhalten. Seit dem Jahre 1883 ist er in Mainz ansässig, war aber bereits früher in Hessen tätig, z. B. bei Der (Erneuerung Der Katharinenkirche in Oppenheim. Er hat sich große Verdienste um Die Erhaltung historischer Kirchenbauten in Hessen erworben, namentlich um Die Instandsetzung des Mainzer Domes, Desien Dom- baumeifter er ist. Gegenwärtig leitet Professor Becker Die Sicherungsarbeiten am Mainzer Dom. Becker ist MitglieD Des Hessischen Denkmalrates und Mitglied Der Akademie Der schönen Künste in Mailand. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Vetzberg, 20. Rov. Der im Jahre 1901 Hierselbst gegründete landwirtschaftliche Konsumverein hat sich in der Rach- kriegszeit wieder kräftig entwickelt. Begonnen mit 25 Mitgliedern, gehören ihm z. Zt. fast alle Haushaltungen an. Um den Sparsinn der Jugend zu pflegen, wurde wieder wie früher der Wenn ist MiWch. Kein äußeres Mim gleitiit W. rft61 mit en Lerkehrsbrdüri- 1 Orlen des faeifi # sich ihre Sten’ Ma unter on Tübingen statt- Berhetern der an- ^Mrrich besuch, «chotten-Eschrn. iclsachsen - @[Q5. risj — (Sehern. 8on wsthirektton Dam- > daß hie geplante 'm hem Verkehr Jn Stelle her am Bommern) versetzten den Lehrkörper her Planei-)Schule aus Inrmflaht ein, rimistisch hurch ben im von hier ner i nunmehr an her ihienassessoren, tw s, nebenamüich m eine hanbaiM- • ls Leiter her Hie. , 20. M Der dnete Friedrich >r meriDoUe er in feinem Older aus her des er Tage ist Sie ihm m Täter fehlt bis "ch di« to l,0!e’e n9 der Ai'gen W 'ank ' Mbild mb ä" U 0. S66>»™. :u9 5i«M &" »«i £ «'17 Z W m. ’i;. to,r an her i ,e9.en- uns halb " der greiä nln; nachdem eine e ^chotien-Tidtrn werden mußte hn lln6L- * ,n?■ oo i^D i#n» n, 20. sstav. Die uen Airchen : aus der Äpvldaer morden, so daß hie m Sonntag ftattfhv bet an diesem Tage mittags 10 Uhr, fon- iti. sen. jjor Luhwig Dellet cher Architekt, konnte len 70. Seburts. 1(5 KirchenbaEister 3t nicht weniger als aut, von henen viele her auch im Ausland, ^cker stammt aus bilduilg an der W erhallen. Cett tej» niäifiq, war aber ve- 3. bei der ffmeue- Oppenheim. amt, 12.5«. 18,—, 15.—, 25 — 33—, 38.- Herren-Anzüge :: Herren-Mäntel zu billigsten Preisen 11053a. A HrS A Mechanische Wäschefabrik iV V 1^0 -"V wUUl und Ausstattungshaus sich im Kriege besonders in den schweren Kämpsen um ben Hartmannsweiler Kopf auszeichnete, war früher in Homburg v. d. H., spä.er in Trier und dann in Kempfeld im Hunsrück, wo er als Bürgermeister wirkte, ansässig. 1921 wurde er von den Franzosen ausgewiesen. Seitdem lebte er in Marburg. — Von der Zeche Frielendorf sind dem hiesigen Wohlfahrtsamt für bedürftige Familien 400 Zentner durchgesiebter Braunkohlen überwiesen worden. Tillkrers. bl. Dillenburg, 20. Noo. Für die bevorstehenden Wahlen zum Kreistag sind a ch t Wahloorschläge eingegangen und zugelassen worden. — Die Stadtverordnetenversammlung stimmte in ihrer jüngsten Sitzung dem Vorschlag des Bauausschusses auf Heraufsetzung der Friedhofsgebühren für Eigengräber und Beerdigungen zu. Der Antrag des Magistrats bzw. des Kämmereiausschusses, der eine Erhvhiina um rund 100 Prozent vorsah, wurde abgelehnt. ^Der Errichtung eines weiteren Obdachlosenraumes wurde zugestimmt. Für eine ordentliche Verbesserung der Straßenbeleuchtung wurden die angeforderten Mittel bereitgestellt. Zwecks Erweiterung der Ob erto^b rücke soll der Magistrat Pläne aus- arbeiteu lassen und Mittel in den Etat für 1926 entstellen. bl. Dicke n, 20. Aov. Die Wasserkalkwerke von Denner arbeiten zur Zeit recht rege. Aeuerdings ist dem Werk noch eine Dingos enziegelei angegliedert worden. Maingau. Homburg v. d. H., 20. Aov. (WSA.) Seit einigen Tagen ist ein hiesiger Zigarrenhändler verschwunden. Es wird allgemein angenommen, daß der Grund seiner Flucht in Spiel- und Wettverlusten zu suchen ist. Erste führende Weingroßhandlung im Erzeugungsgebiet, mit eigenem Weinbergbesitz, sucht zum Vertrieb ihrer anerkannten Qualitätsweine von Rhein u. Mosel rührigenVertreter Gut eingeführte Herren mit eignem Kundenstamm und nachweisbaren Erfolgen wollen Angebote einsenden u K. H. 6879 an Rudolf IWosee, Köln. io96-2ss Haarspangen repariert iadmemat. und schnell <>940 > Eq. Wahl MM. Neustadt 33. absehen: allenfalls: unentschieden«. Vorussia Fulda Wetzlar F. C. I Wetzlar wird sich auch ohne Paulus zu wehren wissen). Kreisoffenes Schwimmfest in Darmstadt. vo. Das in Darmstadt zum Austrag kommende erste kreisoffene Schwimmfest des Schwimmsportvereins Möwe-Darmstadt hat ein gutes Meldeergebnis gefunden. 21 Vereine des Kreises 5 (Süddeutschland) des D. S. V. haben rund 200 Nen- nungcii abgegeben. Durch Teilnahme falt aller süddeutschen Vereine von Ruf ist die Gewähr für einen guten Sport gegeben. Auch der deutsche Meister Borges wird sich in einen Einleitungsrennen zeigen und Zeugnis geben, daß er sich trotz der unfreiwilligen Ruhepause noch in guter Form befindet. Das Hauptinteresse richtet sich auf die Staffeln, die von Jugend- und Jiiniorschwimmen umrahmt werden. Vom Turnausfchutz der D. T. oo. Der Turnausschutz der Deutschen T u r n e r s ch a f 1, der die höchste technische Verwaltungsstelle in der D. T. darstellt, hat feine Iah. restagung in Mainz abgehalten. Die umfangreiche Tagesordnung der Sitzung wies eine Fülle von Beratungsstoff auf, die gefaßten Beschlüsse sind von großem Interesse. Wegen der zu behandelnden wirtschaftlichen Fragen nahm auch der Wirtschaftsausschuß an der Tagung teil, auf der immer wieder die Notwendigkeit größter Sparsatnkeil betont wurde. Zum Deutschen Turnlag 1926. Der nächste Deutsche Turntag 1926 in Bremen wird sich mit dem wichtigen Thema der „Wettkamps-Bestimmungen" insofern zu beschäftigen haben, als ihm ein von Schwarze -Dresden ausgearbeiteter Vorschlag auf Aenderung der Wertung oorliegt. Die Wertung der volkstümlichen Hebungen soll in der Weise aufgebaut werden, daß eine Hochsetzung auf 100 Punkte und eine Tieflegung auf eine 0-Grenze erfolgt. Damit würde die Wertung I Mollige Mäntel 4fl Eft .ÜU englische Art.......Inf.uU 19.50 | VeX*Llaine 22.50 die ganze Spanne der Uebtingsarten für alle Altersgruppen umfaflen. Bei gemischten Wettkämpfen erfolgt danach die Berechnung der Punktzahl ent weder durch einfache Teilung der 100-Punkt-Wer lung oder durch Multiplikation der Punktziffer beim Geräteturnen. Zu den Lampsspielen 1926 in Köln. Das Thema der Betelliguna der D. T. an den Kampfspielen 1926 in Köln erfuhr eine eingehende Erörterung. Zugelasien sollen werden: zum Zwölf lampf 140 Turner, zum Neunkampf 108 Turnerinnen, zu den Spielen 77 Teilnehmer, zu den oolks tüm'lichen Wettkämpfen 60, ferner 30 Schwimmer und Fechter. Die Anzahl der Wettkämpfer wurde den Unterausschüssen übertragen. Verschiedenes. Als finanzielle Unterstützung zur Ermöglichung von Lehrgängen im Jahre 1926 für die einzelnen Uebungsgcbiete wurde bei dem Wirtschaftsausschuß die Bewilligung von 41 300 Mk. beantragt. Der schon seit längerer Zeit bestehende Wunich der Turnerringer auf Schaffung einer Turnerringer Organisation wurde nicht verwirklicht, diese Gründung durch den Turnausschuß abgelehnt, zur Vertretung der Ringer S t a tz e n - Hanau berufen. Eine endgültige Regelung dieser Frage wird erfolgen, wenn eine genügende Klärung auf diesem Gebiete herbeigeführt ist. D. I.-Iermine 1926. Gemäß der Notwendigkeit zu sparen, wurden die Veranstaltungen für das nächste Jahr stark beschränkt. Festgelegt sind folgende Termine: 14. Februar: Fahnschwimmen in Halle a. d. S. 25. April: Waldlaufmeisterschaft In Stuttgart. 9. Mai: Florett Mannschastskämpfe in Berlin. 6. Juni: Meisterschaften im Fußball und Handball. 1. bis 11. Juli: Beteiligung an ben Deutschen Kampfspielen in Köln. 1. August: D. T.-Iugend- treffen in Ostpreußen. Preutzenfahrt der D. T. 8. August: Iahn-Wetturnen in Freyburg a. d. 11. 15. August: Meisterschaften in den volkstümlichen Hebungen. Schwimm - Meisterschaften. 28. unb 29. August: Turntag in Bremen. 12. September: Sommerspiel Meisterschaften in Leipzig. Beachten Sie bitte meine neuen Ausstellungsräume W-U»tmnM Preisermäßigung 10 45 P.S.-1 -Tonnen-Llefer-Chassis mit Vierradbremse, komplett. 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Trohe bürt Fellmützen hak — hier eine munter geht 3 erzählen non l am User lieget klingende Bnti Haufen genannt oder wie es Heu recht ideenlos t grüner Wesen u liche deutsche Dö blick schon burd und uns den ost grauen und ein die an unserem Meine Fah ihrer cheiinatlo freut einen ßa daß man von b: Hirten Arbeit ir Miß, und daß n und doch fo nal, (Vm (rer Heimatkolonie zurückkehren, sind sichtlich er- rreut, einen Landsmann aus dem ihnen so fernen und doch so nahen Deutschland unter sich zu haben, ben sic in ihrem zwar hartklingenden, aber doch reinen und freundlichen Deutsch von ihrer deutschen 3rfel hier im fernen slawischen Osten erzählen rönnen, lieber manche Frage, die ich an sie richte, sehe ich erstaunte Gesichter. „Ja, weiß man denn von uns nichts in der Heimat?" lese ich in den fragenden Lugen. Ich schweige und kann es ihnen nicht sagen, Mi man von diesen wackeren Kolonisten und ihrer horten Arbeit in Deutschland so gut wie gar nichts weiß, und daß man egoistisch nur an sich selbst denkt. 3( haben hart gearbeitet von früh bis spät, damit 1 einst ihre Enkel auf besseren Höfen säßen und eine Dickliche Heimat in dem neuen Lande fänden. Don allen umliegenden russischen Bauern unter- 1 Weden sich die deutschen Siedlungen von vornherein b edurch, daß sie als freie Bauern auf eigenem Grund Iunb Boden eingesetzt wurden, eine Leibeigenschaft eie die Russen nie gekannt haben und auch sonst — onigflens in der ersten Zeit — bedeutende 93er» 8 ünftigungen genossen. Der Beginn des 19. Jahrhun- dirts brachte aber eine entscheidende, unheilvolle Wendung im inneren Bau der Wolgasiedlungen: Die g isetzliche Einführung der Feldgemeinschaft, des mssischen Mir im Jahre 1816, an deren Folgen die fiDlonien über ein Jahrhundert gekrankt haben, und iUtter denen sie auch heute noch leiden. Mit diesem Zeitpunkt wurde alles einem Dorfe zugewiesene Panb Gemeinbesitz ber Oemeinbc unter Aufhebung bxs bisherigen privaten Lanbbefitze.s der einzelnen Bauern. Dieser erhielt von mm an auf eine Reihe p.tn Jahren von ber ©emeinbe ein Stück Lanb in ber gemeinsamen Feldflur zur Nutzung überlassen, um es bis zur nächsten Umteilung zu bewirtschaften, Darauf es roieber an anbere ©emeinbemitglieber Dritergegeben mürbe. Die Vorteile biefer Feldge- , n'ieinfdjaft sah bie russische Negierung darin, daß die Steuern sicherer als bisher eingetrieben werden tonnten, da für bie auf bem Land ruhenben Lasten jetzt die gesamte Gemeinde haftete. Die Nachteile dieses n tuen Systems machten sich aber nur zu bald in den Äolgakolonien bemerkbar und bilden auch heute nod) den Grund für den im Vergleich zu den Schwarzmeerkolonien geringeren Wohlstand der Wolgakolonisten. Da das Land Gemeinbesitz der 0?mcinbe war und jede männliche Seele innerhalb her Familie einen gewissen Landanteil beanspruchen tonnte, so waren die Kolonistenfamilien sehr kinderreich, denn die Knaben brachten einen Landanspruch, die Mädchen eine Arbeitskraft mit auf die Welt. Schon nach wenigen Generationen wurde aber durch diese häufigen Umteilungen des Landes der Land- anteil der einzelnen Familien zu Nein — sank er doch von 60 Hektar auf nur 5—7 Hektar —, wobei natürlich kein Bauer großes Interesse an ber pfleglichen Behanblung bes ihm nur auf wenige Jahre von ber Gemeindeversammlung Angewiesenen Landes hatte. Und so ist denn hier an ber Wolga bie traurige Tatsache zu vermerken, daß durch die russische Gesetzgebung die freie Schaffenskraft des deutschen Bauern untergraben wurde und der Landbesitz ber einzelnen Familien bis zur Parzellenwirtschaft zusammenschrumpfte. In dieser Aufhebung des Privatbesitzes an Land und ber Einführung ber russischen Feldgemeinschaft ist denn auch der Grund für bie auch vor bem Kriege schon an der Wolga mit ihren extremen klimatischen Verhältnissen so häufigen Mißernten unb Hungersnöten zu suchen. Bereits um bie Jahrhunbertwenbe, wo Rußland jähr- lid) gewaltige ©etreibemengen exportierte, herrschte hier an ber Wolga alle paar Jahre Mangel, den nur eine radikale Beseitigung dieser Feldgemein- schast zusammen mit der Einführung rationeller Wirtschaftsmethoden beseitigen konnte. Mein alter ehrwürdiger Kolonist in seinem großen, wallenden Bart erzählt voll Wehmut von den Zeiten bes Wohlstanbes an ber Wolga um bie Mitte bes vergangenen Jahrhunderts, wo der Landanteil ber einzelnen Familien noch groß genug war, unb ber später durch Einführung der russischen Tabakakzise ruinierte Tabakbau noch eine gute Rente abwarf, fo baß man fast von Reichtum in ben Wolgakolonien sprechen konnte. Das Enbe bes Jahrhunderts mit feinen immer kleiner werdenden Landanteilen und immer häufigeren Mißernten beseitigte jeden Wohlstand, ohne daß es den Kolonisten möglich gewesen wäre, des Uebels Wurzel, den Agrar- kommunismus, zu beseitigen. „Der Krieg und die Revolution mit der Unterdrückung jedes deutschen Wortes haben ein Uebriges getan, so daß wir heute bitterarme Leute sind, ist bas übereinftimmenbe Urteil all meiner neuen Freunbe, aber wir bürfen trotz Hungersnot unb Armut nicht verzweifeln, sondern müssen wieder dort anfangen, wo Unsere Väter vor anderthalb Jahrhunderten begannen." Unser kleiner Flußdampfer rauscht langsam den Riesenstrom hinunter, die Sonne sinkt langsam, wir nähern uns unserem Reiseziel Marxstadt. Russische melancholische Lieder, so das berühmte Wolgalied und das des russisd)en Freiheitshelden Stenka Ra- sin, verschönen zusammen mit kräftigen deutschen Volksliedern diesen Abend auf ber weiten Wolga unb geben biefem Beisammensein mit Lanbsleuten unter einem fremben Himmel etwas wunbervoll Stimmungsvolles. Echt schwäbische Volkslieder, wie sie im deutschen Schwabenlande leider mehr und mehr der neuen Zeit zum Opfer fallen und in Ver- gesienheit geraten, tönen über das weite Wasser und werden hier an der Wolga als wertvolles Vermächtnis ber alten Heimat treu weiter gepflegt. Wir sind Deutsche unb echte Schwaben, höre ich immer roiebe*1 unb ben besten Beweis für diese Worte gibt der echt schwäbische Dialekt, der im Schwabenlande selbst nicht reiner gesprochen werden kann, wie es hier an der Wolga geschieht. — Eine kleine Lampe in ber Ferne zeigt den Ponton von Marxstadt an. Auf allseitiges Drängen, dock) ber Hauptstabt ber beut» sehen Wolgarepublik einen Besuch abzuftatten unb im Heim meiner neuen Freunbe einen Abenb zu verleben, entschließe ich mich, hier in Marxstadt Station zu machen und der Einladung dieser freundlichen Kolonisten zu folgen. Wie fo viele russische Städte an großen Flüssen, liegt auch Marxstadt nicht direkt am Fluß, sondern ein gutes Stück^ davon entfernt inmitten der weiten Steppe. Munter schreiten wir durch den Sand nad) Marxstadt hinein, das mit seinen schönen und breiten Straßen, bie zubem noch im Gegensatz zur russischen Dörfern auch recht reinlich (inb, einen vorteilhaften Einbruck macht. Man fühlt es hier auf Schritt unb Tritt, in Marxstabt herrscht bas beutsche (Element. Die kleinen Häuschen sauber unb nett gestrichen mit Blumenkästchen unb Bänken vor ber Tür muten heimatlich an. Es ist Abenb unb bie letzten Bauern kehren von der Feldarbeit heim. Schnell spricht es sich herum, daß ein Landsmann aus ber fernen Heimat bie abgelegenen beutfdjen Kolonien besuchen will, unb halb nach bem Nachtessen fitze ich im Kreise dieser wackeren deutschen Bauern »mit den willensstarken Gesichtern und den harten Fäusten, wobei die Unterhaltung munter vor- angeht. ' Politische und landwirtschaftliche Themen tauchen auf, vom Wohl und Wehe der Kolonien, von Vergangenheit und Zukunft wird gesprochen „Mein Leben lang wollte ich immer einmal so gerne unser großes Deutschland, von dem wir immer so wundersame Ange hörten, sehen," sagt unser alter, gütiger Gastgeber mit dem wallenden Kolonistenbart, „aber es scheint mir nicht beschieden zu sein. Hosfent- lid) werden die Enkel es einmal erreichen, wenn unsere Wirtschaften sich wieder erholt haben." — Wenn auch die Ernte dieses Jahr an ber Wolga nickst schlecht war, so befreit sie boch noch lange nicht von drückenden Sorgen, da ber Winter hier lang unb hart ist." Auffallend groß ist hier die Bedeu- tung ber Heiminbustrie, bie eine wichtige Einnahmequelle barstellt. Da unsere Lanbwirtschast uns seit ein paar Jahrzehnten nicht mehr genug zu leben gibt, erzählen die Kolonisten, haben wir uns mehr unb mehr auf Hausinbustrie gelegt. Fast sämtliche Dinge bes täglichen Lebens, bie man sich nur benten kann, werben von ben Kolonisten hergestellt. Besondere Bedeutung haben Schnitzerei, Weberei, Spinnerei unb Flechterei, wobei ber Absatz burch ben neuerlichen Zusammenschluß zu einer Kooperative, einer Art von Ein- unb Verkaufsgenossenschaft durchaus gut ist. Die Erzeugnisse dieser deutschen Heimindustrie an ber Wolga finben allenthalben in Ruhlanb wegen ihrer soliben Qualität bei ziemlich niebrigen Preisen einen guten Absatz, so baß ben immer noch bitter armen Kolonien wenigstens hier eine gute Nebeneinnahme möglich ist. Die Kolonistenfrauen, bie auch mit um unseren großen Abenbtisch sitzen, berichten von bem Vielerlei der winterlichen Heimarbeit, bie fast burchweg wegen Mangel an entsprechenben Spezialmafchinen allein mit der Hand, unterstützt von sehr primitivem Arbeitsgerät, ausgeübt werden muh unb boch recht be= gehrte Artikel schafft. „Wir müssen alle helfen beim Gelbverbienen," sagt eine große blonde Kolonistenfrau zu mir, „sonst können wir hier nicht (eben und unsere Wirtschaften wieder ourrichten, was doch unser aller fester Wille ist." — Ueberhaupt, eins ist bemunberungsroert hier an ber Wolga, ein Arbeitswille unb ein fester Glaube an bie Zukunft, bie bie Besserung bringen muß, herrscht hier so allgemein in ben Kolonien, baß ich manchmal staune unb an bie Verhältnisse in ber Heimat benten muß, wo man o leicht ben Mut sinken lassen will. Gerabezu überschüttet werde ich mit Fragen über Deutschland, seine Menschen und den jetzt dort herr- chendcn Zuständen. Manchen falschen Vorstellungen, die durch lügnerische Propaganda in den letzten zehn Jahren an der Wolga oeroreitet worden sind, gilt es dabei entgegenzutreten, aber ich schäme mich, wenn ich an die vielen Klagen denke, die man jetzt in Deutschland über die schlechte Lage hört, und dabei an die hiesigen Verhältnisse denke, wo die wackeren Wolgabauern, trotzdem sie heute kaum mehr als das tägliche Brot haben unb vor bem ärgsten Hunger bewahrt find, nicht murren und klagen, sondern leißig und arbeitsam ihrem Tagewerk nachgehen. Die viele von ihnen würden froh fein, wenn sie fo leben könnten, wie man heute noch, trotz allen Mißgeschicks, in Deutschland leben kann. Ein wahrhaft tapferes, bescheidenes, echt deutsches Volk lebt hier an der Wolga, das trotz aller Hunger- unb Schreckensjahre ben Mut unb die Hoffnung auf bie Zukunft nicht verloren hat! Eine hohe Achtung kann man hier vor beutscher Arbeit unter diesen primitiven Verhältnissen bekommen. Im Gedenken an das harte Leben unb die mühevolle Arbeit dieser Wolgadeutschen haben wir Deutschen im Mutterlande auch heute unter den wahrhaft traurigen Verhältnissen kein Recht, uns zu beklagen. Wieviel schwerer haben sie es als wir, unb bennod) verlieren sie nickst bie Hoffnung! Wollen wir kleiner sein als biefe wackeren Menschen dort fern im Osten?! — Stunde um Stunde flieht bei ber regen Unterhaltung bafjin; erst in später Stunbe trennen wir uns und gehen zur Ruhe. Ich lege mich in bem einfachen, sauberen Stübchen, bas mir mein freunb» kicher Gastgeber zur Verfügung gestellt hat, in Ge- banfen an biefe einfachen, echt deutschen Männer unb Frauen zur Ruhe, mit benen ich einen mir unvergeßlichen Abenb auf meinen weiten Reisen fern ber beutschen Heimat hier in Osten verleben durfte. Der frühe Morgen fielst die Kolonisten schon wieder auf den Beinen, denn das Tagewerk ist lang unb verlangt den ganzen Mann. Ich besuche verschiedene Bauernhöfe, man zeigt mir bas Vieh unb bi£ Aecker, ich schaue auch in bie Errungenschaften ber neuen Zeit wie bie Vvlksbibliothek unb das Gemeindehaus unb fühle überall beutlid), hier ist echter Aufdauwille ohne jede Phrase vorhanden. Die heutige Sowjetregierung hat sich unter den Wolgakolonisten trotz vieler Herder Enttäuschungen und schwerer Mißstände manchen Freund erworben, indem sie einmal die von der alten Zarenregierung angeordnete Aussiedlung und gewaltsame Vertreibung aller deutschen Kolonisten sofort rückgängig gemacht hat unb bann befonbers seit dem Jahre 1923 eine sehr lluge Nationalitätenpolitik betreibt, in ber richtigen Einschätzung ber vielen treuen Dienste, bie biefe fleißigen deutschen Kolonisten mit fast einer halben Million Menschen bem russischen Reiche schon geleistet haben, sowie des guten Beispiels, das sie besonders in ihrer Rührigkeit und Arbeitsamkeit dem gerade diese Eigenschaften nicht sehr schätzenden Rusten auch fernerhin noch geben können. Darum ist das Verhättnis zur Sowjetregierung trotz vielfacher Klagen hier ein durchaus ruhiges. Man hat sich angepaßt und geht im übrigen feiner Arbeit nach. — Um die Mittagszeit ocrfammeln wir uns wieder bei meinem freundlichen Gastgeber, einem echten biederen Wolgakolonisten um den einfachen, mit derber, aber nahrhafter Kost besetzten Tisch. Alle greifen herzhaft zu. „Wie schnell der Mensch vergißt," sagt lachend ein junger, kräftiger Kolonistensohn, „noch vor drei Jahren war weit unb breit kein Stück Brot an ber Wolga, unb ber Hunger herrschte. Heute haben wir, wenn auch nicht viel, so boch wenigstens genug zum Leben, wenn auch sonst nod) viel Elenb herrscht." Der Nachmittag ist ber Hausinbustrie geroibmet, wo fleißige Frauenhänbe mit zum Aufbau ber Kolonien beitragen. Wir haben bie Spinnstuben besehen unb Produkte der Flechtkunst betrachtet, bie in harter Kleinarbeit mit primitiven Mitteln hergestellt wurden und wirklich prächtig geworden find. Allgemein ist die Klage über fast vollständiges Fehlen bes notroenbigen Hanbwerkszeugs für solche Spezialarbeiten, ganz abgesehen von Maschinen. „Ja," sagt die alte greife Kolonistensrau, bie mich führt, „hätten wir bie entsprechenben Maschinen befonbers für bie Weberei und Spinnerei, dann könnten wir manch schönes Geld '.'ehr verdienen als heute. Aber die Maschinen sind zu teuer und wir bettelarm." Am Abend geht es durchs ganze Dorf Abschied- nehmen von meinen neuen Freunden unb dem Ort, an dem ich mich so schnell heimisch gefühlt habe. Immer wieder muß ich die harten Hände schütteln und versprechen, wiederzukommen. , Wir freuen uns auf jeden Deutschen aus dem Reiche, der uns hier besucht, aber Ihr kommt so selten", sagt mein Gastgeber. ber mir bis zum Fluß bas Geleite gibt. „Grüßen Sie Deutschland unb sagen Sie bort, baß hier treue deutsche Männer leben, die ihre alte Heimat nickst vergessen." Noch lange stehe ich an Deck des kleinen Wolgadampfers, winke und sehe die letzten Dächer Marxstadts langsam im Abenddunkel verschwinden. Ein Stück deutscher Kolonisationsarbeit im fernen Osten, über dem bie Worte zu stehen scheinen: Treu, arbeitsam unb echt deutsch! Verkehrs-und wirlfchastsfragen. Aus der Tatlftkeit der Industrie- und Handelskammer (Hießen. Die Bemühungen um Durchführung des Triebwagenverkehrs Fulda—Lauterbach bis Alsfeld sind an der Kostenfrage gescheitert. Die beantragte Herstellung eines Anschlus- se s zwischen D-Zug 6.42 n. an Gießen an den 6,42 n. nach Gelnhausen abgehenden Personenzug wurde ebenfalls abgelehnt. Die Verlängerung der Frist zum A u f - brauch alter F r a ch t b r i e f f or m u l a r e bis zum 31. D^ember 1925 wurde zugestanden. Eine Herabsetzung der von der Reichsbahn bei der Zollvorführung von Aus- lands-Reisegepäck erhobenen Gebühren wurde angeregt. Die Bemühungen um Einrichtung einer besseren Postpaketbeförderung in Alsfeld in ber Richtung Gießen sollen fortgesetzt werden. Gegen den Versuch der Reichsbahndirektion, den Lastkraftwagenverkehr der Bahnspediteure zu behindern, haben die hessischen Handelskammern Einspruch erhoben. Die Verlängerung der *5>ienftflun• den an den Paketschaltern soll durch Vermittlung des Deutschen Industrie- und Handelstags beim Reichspostministerium angeregt werden. Zn Stellungnahme zu dem Entwurf einer Polizeiordnung über Messe- und Markt- verkehr in Gießen hat die Handelskammer die ihr von der Kaufmannschaft vorgetragenen Wünsche unter Befürwortung dem Polizeiamt mttgc- teilt. . ,,, Für eine baldige W iedereinfuh- rung der dreimaligen Driefpostbe- st e 11 u n g wie für eine baldige Abänderung des bestehenden Verfahrens bei der Aufgabe von Rachtelegrarnmev wird die Handelskammer fortgesetzt bemüht hleiben. Der Handelskammer ist die Zusage gemacht worden, daß Anoü)nustgen getroffen werden sollen, die geeignet sind, die lange Wartezeit der, Parteien auf dem Amts- ge richt nach Möglichkeit abzukürzen. Ebenso ist vom Versicherungsamt die Zusage gemacht worden, daß Anordnungen getroffen werden, welche die Diebstahlsgefahr bei der Ortskrankenkasse auf ein Mindestmaß beschränken. Ein Antrag der Apotheker, den Konzessionswert der Apptheken bei der Veranlagung zur Gewerbestchier nicht mehr in Ansatz zu bringen, ist von den hessischen Handelskammern bei dem Finanzministerium befürwortet worden. Vom Vorstand des Hauplzollamtes ist weitgehendstes Entgegenkommen bcst der Regulierung von Zollgefällen und Steuerbeträgen zuge'agt worden. Der Hei fische Industrie- und HandelLkammer- tag hat den Oberkirchenrat gebeten, die örtlichen Kirchenbehörden anzuweisen, bei Reklamationen der Kirchensteuer weitestgehend entgegenkommend zu verfahren und Härten zu beseitigen. In Gemeinschaft mit den übrigen hessischen Handelskammern hat sich die Kammer im Interesse einer Gesundung des Wirtschaftslebens für die Aufhebung der Geschäftsauf- sicht sverordnung und für eine Ergänzung der Konkursordnung durch ein Ausgleichsverfahren ausgespro'en. Eine Anfrage des Deutschen Industrie- und Handels ags hat der Kammer Veranlassung gegeben, sich für die alsbaldige Aufhebung der Zwangswirtschaft für gewerbliche Räume zu erklären. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die D e r o u t e am Aktienmarkt nimmt seit kurzem wieder schärfere Formen an. Die Effektenbörsen haben neuerbings einen so geringen Ge- schäftsradius, baß es vielfach schwer fällt, auch nur einige Aktien von bestimmten, durchaus gefunben Gesellschaften unterzubringen. Es fehlt jegliche Kauflust, ber eine fast täglich bringenber roerbenbe Abgabeneigung gegenübersteht. Man führt biefe in Börsenkreisen auf eine Art Vertrauenskrise zurück, bie sich im Publikum gegenüber ben Aktiengesellschaften, überhaupt gegen bas Börsenwesen, einzustellen scheint. Als Grunblage für biefe Der- mutung bienen wohl bie zahllosen Jlliquibitäts- gerüdjte, bie man in ben Börsensälen zu hören bekommt. Selbst vor geachteten Unternehmungen machen biefe nicht halt. Wenn auch vielfach feine Bestätigungen über akute Finanzschwierigkeiten bei ben betroffenen Unternehmungen oorliegen, so wirkt doch ein Ereiginis, wie bie von ber Berliner Bankfirma ßabanb, Stiehel & Co. beantragte Geschäfts- aufficht, in ber Richtung, bie wirtschaftliche Lage in Deutschlanb eher noch schwärzer als bisher erscheinen zu lassen. Es hanbelt sich hier um ein angesehenes Institut bes Berliner Platzes, von dessen Schwierigkeiten man aUeröings schon vor Wochen sprach. Wenn auch die Befürchtungen ber Börse selbst etwas reichlich weitgehend unb zu pessimistisch finb, so darf man bei sachlicher Beurteilung der Wirtschaftslage Deutschlanbs boch nicht übersehen, baß bie Kredrtkrise sich in einem Maße zuspitzt, bas allmählich in ber Tat Anlaß zu Be- lorgniffen geben kann. Die leichte Lage des Börsen- gelbmarktes kommt hierbei gar nicht in Betracht, denn sie bezieht sich nur auf ganz kurzfristige Mittel, bie in der Börse selbst gehandelt- werden. Der große Markt der Wirtschaftskredite ist verödet, vorläufig ohne Aussicht auf eine durchgreifende Besserung. Die paar Auslandanleihen, die neuer- trings mit Erfolg für deutsche Geldnehmer aufgelegt wurden, bringen ebenfalls keine Erleichterung. Eine Steigerung des Absatzes durch größere Rationalisierung der Produktion ist anderseits oft deswegen unmöglich, weil die hierzu notwendigen Anlagekapitalien fehlen und eine Betriesfbrdisierung auf Pump bie betreffenden Unternehmungen unter Umständen schwer belasten kann. Ein Ausweg wird in vielen Kreisen nur dadurch erwartet, daß eben die Zahl der in der Produktion und im Handel tätigen Betriebe entsprechend der verminderten Kapazität der innerdeutschen Wirtschaft durch vermehrte Konkurse oder freiwillige Liquidationen noch eine bedeutende Einengung erfährt, wodurch den die heutige Krise überdauernden Firmen ein größeres Betätigungsfeld gegeben würde. Damit entstehen aber wiederum andere Probleme, u. a. als Hauptfrage diejenige der Unterbringung der damit frei werdenden Arbeitskräfte. Diese Gedankengänge sind es wohl, die zu der eingangs erwähnten Vertrauenskrise führten, d. h. einem vorsichtigen, sogar ablehnenden verhalten des Publikums gegenüber ber Anlage von ersparten Gelbem in Aktien ober Anleihen. Im Gegenteil neigt bas Prioatpublikum sehr stark bazu, bie noch in seinem Besitz beflnd- lichen Effekten abzustoßen, um einem weiteren ver- mögenrschwund angesichts der immer roieber von neuem eintretenben Kursverluste vorzubeugen. So kamen in dieser Woche bie großen Kursabschläge zustanbe, bie insbesondere eine Reihe von Spezial- papieren stark in Mitleidenschaft gezogen haben. Wir erwähnen nur die Kunstseidengruppe, von denen z. B. Bembergaktien zur Zeit einen Stand von 110 Prozent nach 189 Prozent vor wenigen Monaten haben. Aehnliche, zum Teil noch größere Beispiele, könnten in Fülle angeführt werden. Die allgemeine Geldleere in unserer Wirtschaft hat eben zu einem so starken gegenseitigen Mißtrauen geführt, daß hierdurch für die Nächsten Wochen noch sehr ungünstige Auswirkungen erwartet werden. Die Grundlage unserer modernen Wirtschaftsordnung ist aber ein unbedingtes, vorbehaltloses Der- 1 rauen bei allen ökonomischen Handlungen. Trotz dieser sich im Augenblick also al? wenig hoffnungs» voll darstellenden Börsenlage kann nicht genug vor einer übertrieben schwarzen Beurteilung der Der- bättnisse gewarnt werden, denn das gegenwärtige Äktiennivcau hat einen so tiefen Stand, daß die eingangs geschllderten finanziellen Mißverhältnisse längst als escamptiert gelten können. In den letzten wirtschaftlichen Miteilungen der Deutschen Bank wurde u. a. festgestellt, daß der Kapitalwert der an der Berliner Börse fortlaufend gehandelten Papiere ungefähr 50 Prozent unter den in der Gold- markeröfsnungsbilanz ausgewiesenen Aktienkapitalien zuzüglich der offenen Reserven liege. Für Kassapapiere dürfte sich das Verhältnis noch wesentlich ungünstiger stellen. Es besteht die Gefahr, daß die starke Depression am Effektenmarkt Plötzlich einem ebenso radikalen Umschlag weicht, wenn die jetzigen Kurssenkungen in dem gleichen Umfang noch einige Wochen andaucrn. Wie ungesund dies jedoch für die gesamte Effektenbörse wäre, braucht nicht extra gesagt zu werden. Am Geldmarkt blieb in der Berichtszeit kurzfristiges Geld. d. h. Tagesgeld, stark angeboten. Es lag ständig ein Ueberfcwtß auf der Anaebots- seite vor, so daß tägliches Qfelb bis zu 6,75 Prozent herunter zu haben ist. Privptdiskonten notieren für beide Sichten 6,75 Prozent. Für die kommende Woche wird am ©clbmaut kaum mit einem Anhalten der bisherigen flüssigen Lage zu rechnen sein, da wir nunmehr bereits wieder dem Ultimo zufteuern. Anzeichen cintfr leichten Steigerung der Nachfrage sind bereits zu spüren. Warenwechsel mit Großbankgiro sind mit A,5 bis 8,75 unterzubringen, Monatsgeld wird nom. mit 10 bis 11 Prozent genannt. Hinsichtlich der Absichten der Reichsbank bezüglich einer event'.wllen Aendcrung ihrer Diskontrate sind seit Rückkehr des Reichsbankpräsidenten aus Amerika noch feZne Verlautbarungen gemacht worden, doch rechnet man allaemein damit, daß die große Spanne zwischen der Prioatdiskontnotiz und dem Reichsbanksatz in absehbarer Zeit eine Verminderung erfahren werde. In diesem Zusammenhang ist-allerdings unser kürzlicher Hinweis zu wiederholen, daß der Privatdiskontmarkt noch lange nicht wieder die Bedeutung hat wie vor dem Kriege, so daß die Reichspank vielleicht aus diesem Grunde mit einer Verringerung ihrer eigenen Rate noch zögert. * Buderus sehe Eisenwerke, Wetzlar. Die Verwaltung hat. wie schon kurz berichtet, beschlossen, die ihr gehörige Zeche Massen am 31. Dezember gänzlich st llzulegen. Durch diese Maßnahme werden 2400 Arbeiter und eine große Anzahl Angestellter brotlos. 6 Bamag-Meguin A.-G., Berlin. Wie im Geschäftsbericht für 1924/25 mitgeteilt wird, waren in der Berichtszeit die für daS Gas- und Wasserfach, die chemische Industrie und den Triebswerkbau arbeitenden Fabriken im allgemeinen zufriedenstellend beschäftigt. Insbesondere konnten auf den in den letzten Jahren besonders gepflegten Sondergebieten drr Abhitzeverwertung, des Wasserfaches und gewisser chemischer Sonder- zweige eine Anzahl wertvoller Geschäfte getätigt werden. Auf dem Dtammgebiete dar Gesellschaft, dem Gaswerksbau, gelangten umfangreiche Er- neuerungs- und Erweiterungsantagen zur Vergebung, die dazu dienten, die während drr Kriegs-- und Inflationszeit notwendigerweise vernachlässigten Detriebsanlagen wieder aus eine ansehnliche Höhe der Technik zu bringen. Dagegen zeigte sich bei den anderen Werken ihre ausgeprägte Gebundenheit an den Steinkohlenbergbau und an die damit eng verbundene Hüttenindustrie. Wenn hierbei das Köln-Baventhaler Werk noch verhältnismäßig glimpflich davonkam ; und in der Lage war. z uden Detriebsgewinnen der Abteilungen Vertin und Dessau in brscheide- c. nein Maße beizusteuern, so war dies im wesentlichen der Ausdehnung der Lieferungen für die F' chemische Industrie zu danken. Hingegen gestaltete sich das Ergebnis des Butzbacher Werkes ' durch den fast völligen Ausfall an Bestellungen für den Steinkohlenbergbau, sowie durch die verlustbringende Abwicklung von früher her stammender Geschäfte zu einem ganz besonders schlechten. Das Butzbacher Werk hat infolgedessen im vergangenen Geschäftsjahr einen großen Verlust erlitten, der nur durch Heranziehung von Ge-- - Winnen und gewissen Reserven der anderen Werke bilanzmäßig seinen Ausgleich finden konnte. Die Deteiligungsfirmen haben im allgemeinen zufriedenstellend gearbeitet. Das kleine in Var- re S b e d bei Elberfeld gelegene, von der früheren Meguin QI. G. her übernommene Werk, das unter starkem Arbeitsmangel litt, wurde im Berichtsjahre mit einem Verlust gegenüber dem Buchwerte verkauft. Eine erfreuliche Steigerung ist in bezug auf das AuSlandgeschäft zu verzeichnen. Das neue Geschäftsjahr wurde mit einem stattlichen Auftragsbestände begonnen, doch bleibt die Beschäftigung auf einigen Arbeitsgebiet en nach wie vor eine unbefriedigende, inSvesondere für die im Westen gelegenen Werke. Wenngleich aus der Vergangenheit stammende Verluste des Butzbacher Wertes auch noch in das Lausende Geschäftsjahr hineinreichen, so kann man doch hieran die Erwartung knüpfen, daß nach Durchführung der in Angriff genommenen ümorganifation im Butzbacher Werk die Periode der in Butzbach entstehenden Verluste als abgeschlossen wird angesehen werden fö raten. Bei einer Gesundung der Wirtschaftslage kann später der Butzbacher Betrieb wieder in größerem Umfange ausgenommen toerÖen, ohne daß hierzu die Aufwendung besonders großer Mittel erforderlich werden würde. Die Bllanz führt die Posten „Debitoren" mit 5 830 612 Mk. (6 494 568 Mk. in der Reichsmarkeröffnungsbilanz), „Warenvorräte" mit 8 681 421 (5 345 037) Mk. auf. Das Anlaaever» mögen, das Zugänge im Umfange von 2 257 262 Mark zu verzeichnen hat. wird in der Bilanz mit 17 401 797 Mk. bessert. Auf der Passiv- feite figurieren Kreditoren mit 14 746 403 (10 961 903) Mk. Der Liederschatz von 30 309 Mk. (Bruttogewinn 2 801 688 Mk., Unkosten 1715 911 Mark und Abschreibungen 1 055 465 Mk.) soll gemäß dem Antrag der Verwaltung auf neue Rechnung vorgetragen werden. * Eine Jnlond-Koyimunalanleihe. Wie wir von zuverlässiger ©feite erfahren, hat die Creditbank für Industrie und Landwirtschaft in Berlin, die in letzter Zeit bereits des öfteren durch geschickte Sanierungsaktionen von sich reden machte, mehreren badischen Städten einen größeren Kredit zur Verfügung gestellt. Angeblich handelt es sich um die Summe von 4 Millionen Reichsmark, die für werbende Zwecke Derwepduny finden sollen. 2)er Dorgang beweist, daß bei richtiger Ausnutzung vorhandener Möglichkeiten die deutschen Kommunen sich von ausländischen Geldgebern freimachen können. * Zur Auslandanleihe der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke. Wie dem „D.H. D." in Ergänzung der bisherigen Mel- dunaen aus Bafel gedrahtet wird, wird der schweizerische Anteil an «er 20-Millivnen-Anleihe der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke in Höhe von 13 Millionen Franken von einer schweizerischen Bankgruppe unter Anführung der Schweizer Kreditanstalt in Zurich in der Zeit vom 19. bis 25. Roo. aufgelegt. Emisfsionskurs der Anleihe ist 95 Proz., Verzinsung 7 Prozent, Lauffrist 15 Jahre. Der Schuldner kann die Anleihe nach Ablauf von fünf Jahren kündigen. Die Anleihe wird an den Börsen von Zürich und Basel eingeführt. * Zum Lohnstreit in der chemischen Industrie. Aachdem im Lohnstreit der chemischen Industrie der Provinz Hessen-Rassau und des Freistaa eS Hessen der am 13. November gefällte Schiedsspruch von beiden Seiten abgelehnt worden ist, hat der Reichsarbeitsminister die Parteien zu einer gemeinsamen Aussprache über die geschaffene Lage auf Dienstag, 24. Rovember. in das ReichSarbeiisministerium eingeladen. • Arbeiterentlassungen bei Lanz in Mannheim. Wie die ..Mannheimer Volks» stimme" meldet, hat die Firma Lanz 150 Arbeitern gekündigt. Es ist ferner beabsichtigt, beim Gewerbeaussichtsamt zu beantragen, die Genehmigung zur Entlassung weiterer 550 Mann zu erhalten. Dlmsangreiche A r beiter ent» la Hungen im Ruhrgebiet. Wie das WTB. erfährt, haben auf der Zeche „Massen" sämtliche Angestellte zum 1. Januar ihre Kündigung erhalten. Da zu diesem Zeitpunkt wegen •Unrentabilität die Zeche stillgelegt werden soll, kommen auch die Bergleute dieser Zeche zur Entlassung. Im ganzen handelt es sich um 2400 Arbeiter und Angestellte. Börsenkurse Berlin StNut,. 19 1t. I M 1t 0,182 I 0.195 0 21 100, 6,9 7 13 30 irebaa 'orttan 67,5' I 67,5' I 70.62' 70 75' 35,5 113.6' 112 2* 14,2' 113' S2.25 111.5' 49' U,7i 63,5 28 25 37 20 19 50 50 77.4 94' 103' 103' 83 53 90 75 28 75* 6.95 0,03 101 68 . 67' 71* •5Ö Jtuttn 100,5* 69.25 87.4' 64.5' 41.25 40,5* 69 87* 3,4 7 46 59.5 0.24 0,19 67.25' 71 5' 7.1 0.03 54 111 5' H3* 41.4 49* 68,>5 88,75* 185 0 215 0 195 0.26 0.117» 0 1975 Winir ftübed 94* 98 105.5 32 57,75* < 2 5' 23 18,ö 55 1 113* 12.9* 36,6* 60* 48,5* 4.75' 30,3 32' 3 .5' 73* 24,3 16.5 0.185 ^.28 I O.IH i 1,19 , 69' 94 93 2ö* 103.5 31,75 38* 59.62* 48 4* 61.75 66.5 57.3* 75* 23 15 15 25 90.25 97.1 64* 30.5 31 9* 63. 5* 69 75* 94 4* 97 1»),5 38 ö 39,7.' ,0* 49,5' 63 1.5 75 Ul 53 111.5' 90.2 07,1 I 7 13 | 43 I ; 129.5* I KV 1102,9* 103,2' lOJ.ö' 0 185 0,23 0.11 O.l 97,35 I 6,9 I 44 ■ 30' 03,9* 1'3* 103.2* 0,1 5 0.195 O.l»'. 0 >9 0.115 19 0.18 0 18 0 18 91.73 97.4 6 8 ''0* 0.4* kl 431 72* 21 5 17.3 16 25.5 87.5' 64.5* 6 91 43 L | 128* 93* 103* 83.5 53 21 75 2 75.0 41 40.25 5% Tentidje RcichSanteibr 4°/„ Deutsche Ncichsanteine 8'/9% Deutsche Rcichranteihr 3°/. Deutsche ReichsarUeiOe Demiche eearpr.imienanlciUe 4®/0 Preußische Koniols • ■ ■ 4° o Hessen . . .... 3*/e% Hessen......... 3°/e Hessen ...... Denöche Sertb. Dollar'Anl. öto- Doll -Echaii'Änireüns.'l 4*/o B»ntürten ..... 5% Goldmeritaner . . . Bcrluicr Hundclsacscllschaft Cotmnerz- m>d Prtval-ivc.uk Tannst. und 'Jlationalbant Deutsche Pank .... Ternsche BcreinSbank • . . . Dtticam» kommandit MelallSauk. ...... Mitteldeutsche Credtlbank. Deftctrcidilime Credituaftalt Wcstbank Bochumer Guß ...... BudcruS ........ Caro Tcuksch-^uxemdura ..... Geisentirchcrter Scrawerle. . Harpencr Bergbau . . . . tiaknvevke Aschersleben. . . . KaNwcrk 28eftercgeln UmivaNüttc . . vderdcdars Tcllus Bergbau. .... Samdurg'Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd Cberamische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Pbilivv HoUmunn ..... »Tom -Snano »e Ünttin ....... Cd«mische Maner Alavtn . . Mg(bl 873 • *1,895 5,865 d.885 Bulrarien 3,047 ii.057 1.015 i.055 p'ssavon 21 275 21,325 21,275 0,3*5 Danng. . Konstantin. 80 ß« SU.78 80,57 80.77 2.313 2,325 2,315 2.320 Atdrn. . 5.69 • .1 5 69 5 71 Canada. . 4 197 4,2 7 4.197 '.207 Uruguay 4.315 4.>25 4.315 4,325 Berlin, 20. Novbr (Eigener Drahtderichi des ^G chener Anzeigers".) 112,50 81.10 59 78 12.447 5.977 Amerikanische Noten .... belgische Noten ....... Dänische Noten ...... Englische Noten stran;oiische '.','oten volländische Noten stlskienische Noten ..... Norwegische Noten.... ut?f6*Cf ften-, 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedisch? Noten .... Schweizer Noten ..... Spanische Noten . Tschechoslowakische Noten . . Unaarische Noten Berliner 111.91 80.70 59.48 12,:i87 5.837 Börse. (Aeld 1,187 I8,sr. 104.24 20.288 16,69 108.30 16.*1 85,39 58.93 Brie» 4.zotig,06 104.76 20,388 (fi 72 169.14 U,8't 85 71 59.2d Berlin, 20. Aov. Die Lage b:r Effektenmärkte war auch heute wieder gekennzeichnet durch ein rela t iv erhebliches Angebot. Be iden Banken lagen zahlreich? Ber- Rätsel-Ecke. Diamant-Arithmofiriph. io 3 2 11 12 2 ! 3 4 ! 4 477 Es bedeuten die wagrechten Reihen: 1. Konsonant, 2. Raturerscheinung, 3. Insekt, 4. Musiker, 5. deutsche Stadt, 6. Ort bei Berlin, 7. preußischer Schlachlort, 8. chine i ches Rationalgetrank, 9. Konsonant. — Bei richtiger Lösung sind die sich kreuzenden Mittellinien gleichlautend. Silbenrätsel. Aus den folgenden 24 Silben al — des — dog — ei — eu — fried — ge — gen — gen — hil — hold — kel — ler — lern — lohnte — ne — ni — non — re — rho — fter — un — Win sind 12 zweisilbige Wörter zu bilden, die folgende Bedeutung haben: 1. Ro- mandichlerin, 2. männlicher Personenname, 3. italienischer Ma.'er, 4. englischer Staatsmann, 5. Hunderasse, 6. böser Mensch, 7. schädlicher Schmetterling, 8. deutscher Dichter, 9. Alpew- aipfel, 10. Seebad auf Rügen, 11. männlicher Personenname. 12. Rebenflutz der Elbe. Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn gelesen ein Zitat aus Schillers „Gang nach dem Eisenhammer". Kreuzworträtsel. i*t 10 <5 7t IT 77 77 IX. 73 ■n 1. Bon links nach rechts: 1. Fürstengeschlecht, 5. Körperteil, 8. Junges Haustier, 10. Besoldung, 11. Blumenart, 12. Israelitischer König, 15. Weiblicher Personenname, 19. Chinesischer Arbeiter, 20. Deutscher Fluß, 21. Biblische Person, 22. Berühmter Chemiker, 24. Edelwild, 25. Mond- göttm, 26. Raubvogel, 27. Nebenfluß der Donau. II. Bon oben nach unten: 2. Teil eines Dramas, 3. Haustier, 4. Gebirgszug in Württemberg, 5. Anteilschein, 6. gesetzliche Gemeinschaft, 7. Nebenfluß der Donau, 9. europäische Hauptstadt, 10. europäische Hauptstadt, 12. Stufenleiter, 13. französischer Tonkünstler, 14. militärische Truppe, 16. Kosmetikum, 17. Rätselart, 18. Kampfplatz, 21. biblische Person, 23. andere Bezeichnung für halbwarm. Auflösungen. Silbenrätsel. „Keine Nacht war noch so dunkel, der nicht obgesiegt das Recht." Anastasius Grün. 1. Käthe, 2. Esche, 3. Iris, 4. Nelke, 5. Eisen, 6. Neapel, 7. Andersen, 8. Chiton, 9. Tiger, 10. Wiese, 11. Asien, 12. Raspel, 13. Niere, 14. Orgel, 15. Chabrier, 16. Stola, 17. Orthographie, 18. Dachstuhl, 19. Uri, 20. Nansen, 21. Korund, 22. Efendi, 23. Ludwig. vruchstückrälsel. „Erlaubt ist, was sich ziemt." (Goethe: Torquato Tasso.), Taube, Kummer, Nebel, Senta, Spandau, Gottlieb, Grünspecht, Salbei, Titus, Gefichk, Narew, Delta, Hermes, Texas, Rigi, Geruch, Sauhatz, Gorki, Lerche, Sesam, Gellert. Raffel Wachholder (Wach Holder). Vesuchskarfenräksel Musikalienhändler. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Jagdglück. - Eimon Perl befand sich zum erstenmal in sei- nem Leben auf der Jagd. Er stöberte einen Hasen auf, legte an und knallte los. Zwei Minuten später apportierte ihm sein Hund eine tote Wildente. Simon Perl sagte kein Wort: er steckte die Deute in den Rucksack und machte sich auf den Heimweg. Unterwegs flog ein Schwarm Wildenten auf. Simon Perl schoß. Darauf wandte er sich cm den Hund: „Lauf, — hol' den Hasen!" Heilige Ordnung! Ein Berliner Herr, der jetzt in Sevilla weilt, unterhielt sich dort mit einem Stierkämpfer. . Einmal", so erzählt der Torero, „bat mich ein Stier mit den Hörnern gepakt und über die Schutzwand in eine Loge geschleudert, wo ich bewußtlos liegen blieb." „Das wäre in Berlin ausgeschlossen," sagte der Deutsche, „ble Platzkonirolle ist bei uns zu scharf." Der elektrische Schlag. Die Backe des alten Blum ist stark geschwollen, autzerdem weih« sie deutlich den Abdruck von fünf Fingern auf. Man fragte den alten Biurn nach der Ursache für dies bedenkliche Symptom. Er erklärte: .Das rühtt von einem elektrischen Schlag her." ,Don einem elektrischen Schlag?" „Ja. Gestern war ein gewisier Blaustein bei mir. Plötzlich ging das elektrische Licht aus. Da habe ich zu Dlaustein gesagt, er möchte eine neue Lamelle in den Kontakt legen. Dabei hat sich Blaustein die Finger verbrannt, und ich hab den Schlag gekriegt." Indien im Caförestaurant. Siner erzählte: „Wie ich in 3#J)ien war, da habe ich einen merkwürdigen Fall erlebt Auf einem Iagdzug im Dschungel richtete sich plötzlich vor und im Sande eine riesige Boa auf. Sofort zog einer von den Indern eine kleine Flöte: er blies ein paar Töne daraus, die Boa wurde kleiner und kleiner, und zum Schluß war sie spurlos verschwunden." Sin anderer bemerkte: „Dos ist gar nichts. Ich war gestern mit meiner Frau im Restaurant. Meine Frau legte ihre Pelzboa bloß einen Moment über die Stuhllehne — hat fein Mensch Flöte geblasen; und trotzdem war die Boa nachher spurlos verschwunden." QIu Backe. ..! Das Ehepaar saß im Zirkus und guckte der Elefantennummer zu. Rach einer Weile sagte der Gatte, aus tiefem Sinnen erwachend: „Was bin ich froh, Gonda, daß du kein Elefant bist." „Wieso?" „Ru, kaputt gehn möchten wir an deinen Goldplomben!" kaufsordres vor, namentlich für Einheitswerte. Außer Effektenverkäufen zu Geldbeschaffungs- zwecken beobachtete man dabei zahlreiche Glättst ellungen zur Regulierung schwach gewordener Depots. Da von keiner Seite her Aufnahmeneigung bestand, drückten diese Abgaben weiter empfindlich auf das Kursniveau. Lebhaft diskutiert wurde die Frage, ob nicht wieder der Zeitpunkt für Interventionen an den Aktienmärkten gekommen fei; in Dankkreisen scheint die Steigung hierfür gegenwärtig aber nicht groß zu sein. Immerhin hieLten sich heute die Verluste in etwas kleineren Grenzen als an den letzten Tagen. Die Baisse- Spekulation beschränkte sich auf einige Spüzial- toerte, so daß nur hier größere Verluste eintraten. Der Geldmarkt war weiter sehr flüssig, tägliches Geld 7 bis 9 Proz.. Monatsgeld 10 bis 11 Proz. Im Devisen verkehr unterlag Paris kleinen Schwankungen. Mailand war fest, da heute in Amerika die 100-Millionen-Anleihe zur Stabilisierung der Lira aufgelegt* wird. Die Reichsmark war im Auslände unverändert. Frankfurter A endbörse. Frankfurt a. M, 20. Rov. Die Abendbörse war auf einige Deckungen freundlicher gestimmt. Montan- und Elektrowerte hatten ansehnliche Kurserholungen zu verzeichnen, während Chemieaktien vernachlässigt blieben. Das Geschäft blieb enge begrenzt. Schiffahrtsattien umsatzlos. Auch für deutsche und ausländische Renten machte sich eine bessere Strömung bemerkbar. Die Abendbörse schloß in ruhiger und gebesserter Haltung. Deutsche Anleihen: 5°bige Reichsanleihe 0,185. Ausländische Renten: Ungarische Goldrente 11,5—11, Ungarn von 1924 10,25, 5°/oige Goldmexikaner 43,12, 5°/oige Sil- bermexikaner 18,75. Bankaktien: Commerzbank 93, Darmstädter Bank ultimo 103, Deutsche Bank 102,25. Dresdner Dank 100, Mitteldeutsche Creditbank 81, Reichsbank 130, Oesterreichische Kreditaktien 7,10. Montanaktien: Gelsenkirchen 69, Mannesmann 54, Phönir 60, Kali Aschersleben 96 Chemische Mtien: Badische Anilin 112,25, Höchster Farben 111,75. Industrieaktien: AEG. 87.50, Aschaffenburger Zellstoff 44, Daimler 17,50, Elektrisch Licht und Kraft ultimo 85,25, 3nag 0,3, Löwenbräu 158,50, Badischer Zucker 40.25. Heilbronn Zucker 41,50, Offstein Zucker 40,12- Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M, 20. Rov. Es wurden notiert: We.zen, Wetterauer 23,75 bis 24, Roggen inländ. 17,50 bis 17,75, Sommergerste für Brauzwecke 21,75 bis 24. Hafer, inländ. 18,50 bis 21, Mais, gelb 19,25 bis 19,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 38.75 bis 39. Roggemnehl 24,75 bis 25. Weizenkleie 10 bis 10,25, Roggenkleie 10,25. Tendenz fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 20. Rov. Wenn die gestrige neuerliche Aufwärtsbewegung in Brotgetreide heute vormittag nur in geringem Maße Fortschritte machte, so war daran lediglich geringere Aufnahmeneigung seitens des Handels, sowie etwas größere Materialvorlage Schuld. Hingegen hatte dies an der amtlichen Mittagsbörse für Weizen eine stärkere Aufwärtsbewegung im Gefolge. Welchen Umfang die Gewinne hier annahmen, zeigte sich am besten am Markt der Zeitgeschäfte, wo Höhernotierungen bis zu 6.5 Mark nach dem gestrigen Schluß sich durchsetzten. Dem schloß sich die Hausse in Roggen an, doch erreichte das Riveau nicht so beträchtliche Erhöhungen. Hier bleibt wohl das geringe Angebot mit der Houptanlaß für die stark gesteigerten Preise. Gerste gleichfalls fester. Auch Hafer nicht unerheblich höher. Der Mehlhandel hat heute im Einklang mit den befestigten Getreidekursen seine Forderungen gleichfalls et* höht, ohne daß beachtenswerte ttmsähe erfolgten. Futterartikel ruhig, doch ist der feste Unterton unverkennbar. — Es notierten pro 1000 Kg.: Weizen (märf.) 234 bis 237, do. Dezember 252 bis 251, do. Mai 259.50 bis 259, Roggen (märk.) 148 bis 151, do. Dezember 172 bis 171 bis 172, do. März 184.50 bis 183.50, do. Mai 187 bis 186 bis 187, Gerste (märk.) 187 bis 212, Futtergerste 150 bis 162, Hafer (märt.) 169 bis 181, do. Dezember 183, Mais, loko Berlin, 200 bis 205; für je 100 Kg.: Weizenmehl 29 bis 33.50. Roggenmehl 22 bis 24.25, Weizenkleie 11.30 bis 11.50, Roggenkleie 9.30 bis 9.60, Viktoria- erbfen 23 bis 31.50, kleine Speiseerbsen 22 bis 24, Futtererbsen 18 bis 20, Peluschken 16 bis 18, Ackerbohnen 19 bis 22, Wicken 20 bis 25, Lupinen (blau) 11.50 bis 12.50, Rapskuchen 14.60 bis 15, Leinkuchen 21.75 bis 22, Trockenschnihel 7.60 bis 7.70, Torfmelasse 9.10 bis 9.30, Kartoffelslocken 14.10 bis 14.50, Zucker 20.30 bis 20.80. ____________________________________ SonntanSdienst d.Aprzte n.Ävotbcken nin22.11.25 Fran Dr Marx. Dr Geyer. Hirschavoiheke. Zabnarzt: Dr Hnnbnch. Selterswea. Star-er Selb und starte Hüsten verunstalten die Rinur und werden von der Mode vervönt. Zur Berminderuna bet Fettansatzes entv- fehlen wir eine Zehrkur mit To! uba-Kernen, die unschädliche, dabei wtrkiaiue, den Ansatz beseitigende Stoss.- cntbnltetu Die echten Totuba- Kerne erhalten Sie nur in Avothekeu. Bestandteile auf oer Packung. els8ss AM" HWchenb! W elL tie & lonnl^ A 'Sllf| W X to 6om ziska zum es" aiiheriM mr ton Furchmr der Mtbuch: mit der SM in den Smd- Ein Mu süchtigen in chre E nichts saö M knirschten, M Schatten auf U Ein junger mit Hellen gra und fragte, ob ihn habe. Me mit dem U050a In Tage daß i ä ä 5 bO bin Itn dessei . c. SÄ KSWiiM '22 M ’r., PQnbau ’’ Sauhatz, Pe. 'ktionstilch. Win ki, «nen Haie« ^Munb J M bie Ldentzem. öilößnten aus Kfafron den Eevilla weilt Impfer. .hat mich die Schutz. 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ES war Frühling. 3m Schloßpark ßinA der weihe und blaue Flieder in schweren Duschen über die Mauern; die Dillen und Hausen, welche pyramidenförmig zu den bewaldeten Höhen aufstiegen, standen in weih schimmernde, rosa und hellgrüne Blütengärten gebettet, und die Apsel- und Kirschenblüten wuchsen duftig tote frisch» gefallener Schnee bis zum Wald hinauf. Der süddeutsche Frühling blühte gleichsam bis zum Himmel hinauf. Dte Stadt sog das Licht auf wie eine dursttge Quells dte Sprtngbrunnen stiegen in die blumengetränkte Luft, die so durchsichtig war, dah der aufwirbelnde Strahenstaub darin flimmerte und funkelte, in den blühenden Gärten, too es die Rosen nicht mehr erwarten konnten', aufzubrechrn, um sich in ihrem vollen Glanz und Duft zu zeigen, schien alles in rosa und weihe Farben getaucht und strebte der leuchtenden Sonne zu. und auf dem Königsplatz sprangen die Wasser, wie immer um die Mittagstunde. An einem solchen Frühlingstage sah er Franziska zum erstenmal. Die Sonne stand auf dem glitzernden, mit lauem Wasser gefüllten Weiher, in welchem ein paar weihe Schwäne ihre sanften Furchen zogen. Sie sah auf der Dank unter der Dluibuche im Schlohgarten und zeichnete mit der Spitze ihres rosa Sonnenschirms Figuren in den Sand. Ein schwarzer Schwan mit rotem Schnabel verharrte unbeweglich am Ufer mit einem sehnsüchtigen Dlick nach der Dame, aber sie schien in ihre Figuren im Sand versunken, daß sie nichts sah noch die Schritte hörte, die im Kies knirschten, bis plötzlich ein schmaler schwarzer Schatten auf ihren Weg fiel Sie schaute auf. Ein junger Herr startd vor ihr, etwas mager, mit hellen grauen Augen: er grüßte ritterlich und fragte, ob die Dank noch einen Platz für ihn habe. „Dittel" Sie rückte zur Seite und hörte mit dem Zeichnen der Striche auf. Eine- Welle blieb es still zwischen ihnen. Die weihen Schwäne glitten über den Weiher, und jeder dachte: wer ist das? „Was haben eigentlich die Figuren im Sand zu bedeuten?" meinte plötzlich der Unbekannte. Franziska neigte den Kopf zur Seite. Sie hatte eine liebliche Art, die langen dunklen Wimpern zu senken und dabei nach innen zu lächeln. Sie zögerte mit der Antwort. „Da Sie es mir nicht sagen werden, muh ich also raten." Er nahm seinen leichten Stock mit dem silbernen Griff, auf dem ihr geübtes, auf Aeuherlichkeiten gestelltes Auge gleich Monogramm und siebenzackige Krone bemerkte und fuhr über das Zickzack ihrer Sandfiguren. „Man könnte es für die Schlacht bei Hohenfriedberg halten. Das Kroki hier rechts oben ist Striegau, unten links das Viereck Hohenfriedberg, in der Mitte stehen die Dachsen, bei den Striegauer Drücken versammeln sich die Preußen, und dazwischen, in dieser Staubwolke," der Stock wirbelte den Weißen Sand auf, „marschiert die österreichische Armee." „Und wer siegte?" „Die Preußen, mein gnädiges Fräulein, es war eine Armee von Helden mit Generalen wie ein Zieten und ein König, der selbst ein Held war. „Und was wurde aus unseren Truppen?" „Sie wurden auseinander gesprengt und in die Flucht geschlagen. Aber diesen Sieg verdanken wir zum größten Teil einer List. List wirkt im Kriege oft mehr als Kraft: man darf sie freilich nicht zu häufig anwenden, sonst verliert sie ihren Wert, man hebt sie am besten für wichtige Gelegenheiten auf." Der Stock schlängelte sich durch die österreichische Armee. .„Also doch, wie ich gleich vermutet habe, Wienerin? Und sicher Schauspielerin, nicht wahr?" „Warum gleich vermutet?" fragte sie rasch. „Ich bin seit fünf Jahren von Wien fort, und wir sprechen zu Haus nicht einmal wienerischen Dialekt." Er erkannte, daß fie stolz auf ihre dialektfreie Aussprache war, und meinte mit einer bezeichnenden Bewegung, dah er die Wienerin gleich an ihrem schönen Hut erfarmt habe, und es machte ihm Vergnügen, dah sie mit Lebhaftigkeit auf dieses Thema tingrng: Wien und Wienerinnen. Sie spannte den Schirm auf, der dieses feinprostlige, junge, schöne Gesicht mit der geraden Stirn, dem dunklen, gewellten Haar in ein scmsteS rosiges Licht tauchte. Er war „natürlich" preuhischer Offizier. Sie hatte bas sofort gesehen an feinem Gang, seiner Haltung, dem kurzgestuyten Därtchen, dem ganzen Auftreten und dem harten norddeutfchen Akzent, einem Organ, mit dem man Soldaten befiehlt. « Hasse lächelte. Das Organ war Vererbung, seine Vorfahren waren bis auf ein paar Ausnahmen der Jetztzeit alle Militärs gewesen. „Dis vor zweihundert Jahren Preußen, vorher Ungarn, eingewanderte Emigranten, denen später der König den Adel und ifjre Wappen wieder zulegte. Die Freiherrnkrone allerdings bekamen sie nicht mehr. — Aber, Franziska deutete aus die silberne Stodtrüde, worauf die Siebenzackige eingraviert war. — „Das ist ein Geschenk meiner Mama, der Exzellenz in Wiesbaden, einer geborenen Daronesse." Er kam eben aus China zurück, wo er den Feldzug als Stabsarzt mllgemacht und dann einige Jahre das Leben eines reisenden Europäers im Gesandtschaftsviertel von Peking geführt hatte. Er war in den Küstenstädten herumgestreift, seine Studienreisen hatten ihn nach Kanton, Schanghai und Wutu, bis zu dem berühmten Lotussee, einem von unsauberen Abwässern verunreinigten Gewässer geführt. Den staubigen grauen Winter Chinas hatte er in der Provinz Tschili verbrachL Er Halle in Lepra- dörsern gelebt. In den eleganten, leichten chinesischen Booten war er fluhabwärts gefahren und hatte in vornehmen, verödeten Palästen gewohnt unter diesem hochentwickelten Doll mit seiner überlebten Kulter, den feinen Gelehrten und verbrecherischen Kurpfuschern. Er war eingedrungen in seine schmutzigsten WinkeL in die düstersten Höfe und gefährlichsten Hütten, wo die ekelhaftesten Krankheiten nisteten und unter Schmutz und Aberglaube gediehen. So malerisch diese Städte an ihren Flüssen und Seen hingebaut lagen, so widerwärtig unsauber waren sie traten. Wo dieser Schmutz dem Auge des Europäers verborgen bleiben sollte, war er übertüncht mit starrem Gold, versteckt unter pelzverbrämten seidenen Drokat- gewändern, Teppichen und Blumen. „Do ist's auch mit dem Theater", sagte Franziska. „Und warum kamen Sie hierher, nicht nach Berlin oder München?" „Ich bin hi er her gekommen/' sagte Hasse, „um zu arbeiten.“ Unter den Kollegen galt es für ein großes Glück, bet dem Ches des Ursulinenkrankenhauses. einem der besten deutschen Operateure, dem Chirurgen Worth, als Assistent angekommen zu sein. Worth toar allerdings auch feiner Grobheit wegen berühmt, er verbrauchte viele Assistenten, ließ Fürsten antichambrieren und machte keine Umstände mit seinen Untergebenen. Sein Reffe, ein Hasse befreundeter KorpSbruder. ein eleganter, etwas leichter Rheinländer, war noch keine vier Wochen bei seinem Onkel, als er sich schon auf der „inneren Station" befand. Die Rähe Heidelbergs, wo er viele Semester studiert hatte, zog thn an. Er hatte feinen Dollar zu machen und sich Zeit gelassen, seinem alten Herrn, der gichtischen Exzellenz in Wiesbaden, viel zu lange . . . Das Geld für das Examen war schon ein paarmal in einer Sommernacht auf dem Reckar braufgegangen. Jedesmal, wenn fein alter Herr es wieder schickte, schien es ihm eigentlich zu schade für einen so vernünftigen Zweck, und er hatte es mit fröhlichen Genossen verjubelt. Dann bestand sein alter Herr energisch auf der Beendigung des Studiums, und Hasse war in eine Klemme geraten. Plötzlich fiel ihm, als er eines Tages die Treppe hinunterstieg, in der Universität auf dem schwarzen Brett eine dort angeschlagene Aufforderung zu einer Preisaufgabc auf. Er machte sich an die Arbeit und — bekam den ersten Preis dafür. . . „Und dann?" fragte sie. „Machte ich meinen Doktor und ging als Schiffsarzt hinaus, bis der Krieg in China aus- brach." „Ihre Hoffnungen erfüllten sich wohl alle?" fragte Franziska, die den Schwänen gedankenvoll zuschaute' rtfehuna »nlgtl iiiiiiinmiiiiiiiiiniiunniiiiiiiiiiiiiiiu Gründlichen D»MI 03397 in weiterführe. 11080V Dr.CarE Schott, Zahnarzt Gießen, Friedrichstraße 15 :: Telephon 763 * 11050a pachmton. Beratung. Voranschlag kostenlos. 11029a Kreuzplatz 6 11028a Prospekte kostenlos durch dleSchulleitung W Xv''V W Vogtsehe ' Handelsschule Gießen, Goethestr. 32 In Beantwortung der vielfachen in den letzten Tagen ergangenen Anfragen gebe ich bekannt, daß ich als früherer Assistent des verstorbenen Herrn Zahnarzt Or. Paul Reinewald dessen Praxis unverändert und in seinem Sinne 4. Januar Beginn neuer Kurse MWNlttll SieiWöei MWMn i Jüuflseiüfitt | Kttierei Sommerkorn, Blelchitraße 10. 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