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Tante «atoHne wW> Mchkeit zurüc zu stellen. Darnach steht zu erwarten, daß die laufenden Einnahmen die Ausgaben voll decken. Die lchttägigen Verhandlungen zwischen Edmund Stinnes und preußischen Staats» stellen hatten das Ziel, diese Summe durch Unterstützung des Staates als Darlehen zu erhalten, da von ihr der endgültige Ausbau der Fabrikation und schließlich die Beschäftigung Tausender von Arbeitern abhängt. Die See- Handlung darf nach ihrem seit dem Barmat- Kutisker-Skandal abgeänderten Statut n u r n o ch Kredite gegen das Giro der Großbanken geben, die hierbei jedoch aus dem oben angeführten Grunde Widerstand leisten. Da man die Kredilhergabe an die Aga aus persönlichen Rücksichten verweigerte, übereignete Edmund Stinnes die Hälfte seines Aktienbesitzes der Arbeiterschaft, womit er den beherrschenden Einfluß auf das Werk verlor. Inzwischen schweben die Verhandlungen über die Finanzierung der Aga no^, te'l-oi'e mit ftaat- Die Glückwünsche der Staatsoberhäupter. — Eintritt in die sachlichen Beratungen. 3 t o d h o 1 m . 20. Aug. (211) Heute vormittag 10 TIhr ist die Kirchenkonserenz zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammengetreten Der Generalsekretär 211 linf on erstattete zunächst den Bericht über die während der Vorbereitungen zu der Konferenz geleistete Arbeit und teilte u. a. mit, dah etwa 500 Konferenzteilnehmer bereits eingetroffen sind, während morgen weitere 1OO Delegierte erwartet werden. Die Mitglieder der Konferenz vertreten 37 Nationen und 31 verschiedene christliche Kirchen. Atkinson sprach dem schwedischen Komitee, vor allem dem Erzbischof Soederblom und dem schwedischen Volke, den wärmsten Dank aus. Die vom 3nter- nationalen Komitee vorgelegte Geschäftsordnung wurde ohne Debatte genehmigt. Es folgte dann eine lange Reihe von Botschaften und Grützen an die Konferenz. Aus allen Teilen der Welt sind von den Staatsoberhäupten, von kirchlichen und autzerkirchlichen Organisationen und von führenden Männern der Politik und des öffentlichen Lebens Grüße und Glückwünsche übermittelt worden, die beweisen, welche Sympathien in der ganzen Wclt den Arbeiten der Konferenz ent- aegengebracht werden. Rur die wichtigsten Botschaften konnten verlesen werden. Besonders stark war die Zustimmung, mit der das bereits mitgeteilte Telegramm des Reichspräsidenten v. Hindenburg ausgenommen wurde. 3n dem überaus reichen Beifall aller Rationen darf man Anzeichen der Wertschätzung erblicken, die der deutsche Präsident in den von der Konferenz vertretenen Kreisen der Welt genießt. Reichskanzler Dr. Luther, der ursprünglich auf der Konferenz über den übernationalen und überstaatlichen Charakter der Kirche sprechen wollte, hat der Konferenz einige Gedanken zu diesem Thema schriftlich überreicht, die er während der Verhandlungen zur Verlesung zu bringen bittet. Er wünscht der Konferenz von ganzem Herzen reichen Segen. Präsident Cool idg e (TI. S A.) lieh durch seinen Qkr- treter einen Brief verlesen, in dem er fein Bedauern darüber ausspricht, nicht persönlich der Einladung der Konferenz folgen zu können. Die Konferenz wird, so hoffe er. es den Rationen ermöglichen, ihre Ziele und 3deen besser kennen zu lernen und ihr Leben und ihre Arbeit auf der ganzen Welt auf eine höhere Stufe zu heben. Auch von König Georg von England lagen Glückwünsche vor. Eine der wichtigsten und bedeutsamsten Botschaften war der Gruh Macdonalds an die Konferenz. Ungezählte Menschen, so führte er in feinem Telegramm aus, haben sich wieder und wieder von der Kirche mit Trauer abgewandt, weil sie gerade dann, wenn cs gelte, ein Zeugnis für den christlichen Glauben abzulegen, diesesZeugni s n i d) t gegeben habe. Die Weltlage fordere heute noch einmal die Hilfe des christlichen Geistes nicht als eines Richters, sondern als eines Führers. Wo Menschen und Nationen in ihyr Angst einen Ausweg aus ihrem Elend suchen und ihn nicht finden, da sei es die Pflicht der Kirche, sie emporzu- heben zu dem Vertrauen auf das innere Licht. Die Kirche müsse wieder als eine Friedensmacht ihr Ansehen in der Welt genießen. Nach der Verlesung der Begrüßungstelegramme und der Wahl der Ausschüsse trat die Versammlung in die Behandlung des ersten Punktes der Tagesordnung ein: Die Kirche und die wirtschaftlichen und industriellen Fragen. Den Bericht der Kommission erstattete der Dom- prob ft von Worchester (England). Er führte u. a. aus: „Die Kirche ist nicht schuldlos hinsichtlich der sozialen Schäden, die oft z u leicht genommen werden. Sie darf sich nicht in dieser Hinsicht der Verantwortung entziehen. Liebe, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit sind nicht leere Redensarten, sondern göttlichen Ursprungs. Eigentum ist an- vertrautes Gut. Daher ist der Gewinn ohne Arbeit zu verurteilen. Ein Zusammenarbeiten zwischen den Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist nötig und die B e t e i 1i • gung der Arbeiter an den Unternehmen wünschenswert. Die Frage der Arbeitslosigkeit ist mit Energie anzufassen." Darauf ergriff der Landtagsabgeordnete Professor D. Kähler (Greifswald) das Wort zu Darlegungen über die Leistungen Deutschlands auf sozialem Gebiete. „Wichern, Wag- ner, Schmoller Stöcker, Wilhelm I., Bismarck, die ganze soziale Gesetzgebung Deutschlands und die soziale Botschaft des Bielefelder Kirchenkongresses — so führte der Redner aus — sind Marksteine auf dem Wege der Entwicklung dieser Frage in Deutsch- land. Die Bielefelder Botschaft ist deshalb so besonders wichtig, weil der Da wesplan die deutsche Volkswirtschaft zum Sklaven macht." Hierauf sprach Landesblschos v.Ihmels, der seiner Freude über die zutaae tretende lieber- einftimmung der Anschauungen Ausdruck gab. Die Kirche bekennt sich — erklärte er — zu einer Verpflichtung in sozialer Beziehung und sie gelobt, sich dieser Frage mit Eifer zu widmen! Es sprachen ferner Direktor Steinweg (Berlin) über die Liebestätigkeit sowie Jürgensen (Dänemark) und L e e h o l t (St. Louis). Am Vormittag wurde ein Arbeitsausschuß für die Konferenz gewählt, dem Erzbischof Soederblom als Vorsitzender und 16 Mitglieder, darunter D. Kapler, angehören. Am Rachmittag veranstaltete der schwedische Publizistenklub ein Festbankett zu Ehren der in Stockholm anwesenden Vertreter der internationalen Presse. Der Vorsitzende des schwedischen Presseklubs. 3ohannson, begrüßte die erschienenen 23er- treter und wies auf die doppelte internationale hin, die in diesen Tagen in Stockholm vertreten sei: die christliche 3ntemationale, die durch die Konferenz für praktisches Christentum repräsentiert würde, und die 3nternationale der Presse. 3hm antwortete als Qkrtretcr Deutschlands Dr. Schultze-Pfälzer- Berlin. Er dankte besonders für die schwedische Gastfreundschaft und wies auf die guten Beziehungen hin, die »wischen Deutschland und Schweden in der jahrhundertealten Geschichte bestanden haben. Außerdem nahmen noch verschiedene Vertreter der schwedischen, französischen und der englisch-amerikanischen Presse das Wort. Ein Ehrendoktor der Universität Marburg. Stockholm, 20. Aug. (TA.) Heute nachmittag wurde Pfarrer Reander, Stockholm, wegen seiner außerordentlichen Verdienste um die Vorbereitung der Konferenz in einem kleineren Kreise zum Doktor der Theologie der Universität Marburg promoviert. liehen Stellen, teilweise mit amerikanischen 3n- teressenten geführt wurden. Der Vertrag zwischen Edmund Stinnes und seiner Familie war absolut bona fide und enthielt keine irgendwelchen Vorbehalte beider Parteien. Wenn seine Rechtsgültigkeit vom Gericht anerkannt wird, stellen die ganzen gegenwärtigen Differenzen müßige Erörterungen dar. Diese Frage scheint unserer Auffassung nach zunächst llargestellt werden zu müssen. 3eden- falls ist die ganze Art der jetzigen Abwicklung bzw. Auflösung des Stinneskonzerns wenig erfreulich, unerfreulich letzten Endes überhaupt, daß man im Hause Stinnes seit Beginn der 3n- flation nicht länger erkannte, dah der ganze Aufbau des Konzerns sich nach Aufhören der Papiergeld-Wirtschaft den neuen Verhältnissen a n p a s s e n mußte und sich längst auf eine neue, innerlich gesunde Grundlage hätte stellen müssen. Yle Banken und (Eömunö Stinnes. Essen, 20. Aug. (I. U.) 3n einem Interview des Vertreters des „Ncuyork American" mit Herrn Goldschmidt, dem Geschäftsinhaber der Darm- ftäbter Bank und Führer des Untcrftüt- zungs-Konforiiums, gab dieser erneut seiner Ansicht Ausdruck, daß die Werte, die Dr. Edmund Stinnes aus der Masse des Stinnes- konzerns erhalten hak, unbedingt an die Haupt- mässe zurück fallen müßten, da Dr. Edmund Stinnes die Haupturfache für die Vermehrung der Schulden des Konzerns in Höhe von nunmehr 100 Millionen Mark innerhalb des letzten Jahres gewesen sei. Die Söhne Stinnes hätten nach der Stabilisierung die Expansionspolitik des Vaters in falscher Weise fortgesetzt. Es sei nicht unbedingt nötig, die Werte von Dr. Edmund Stinnes in die Masse zurückzuerhalten, um Deckung zu schassen. Es würde aber zur Wiederbelebung der Industrie und der ganzen Wirtschaft beitragen, wenn die Werte zurückgegeben würden. Stattdessen habe Dr. Edmund Stinnes diese Werte zum Teil für einen sehr geringen Gegenwert (ein Drittel) nach dem Auslande verkauft. Der Fall habe nichts mit der Stinnes-Liguidation zu tun. Man könne aber einem Werk, bei dem Dr. Edmund Stinnes feine falsche Methode sortsetze, die den Stinneskonzern zu Fall gebracht hätte, keinen Kredit bewilligen. Die Aga unter (Heschästsaufsicht. Die Gläubigeroersammlung der Aga- Werke hat auf Antrag von Kommerzienrat M a - nasse beschlossen, die Aga-Werke unter G e - schäftsaufsicht zu stellen. Es wurde ein Gläubigerausschuß von fünf Personen eingesetzt, der unter der Leitung von Kommerzienrat Manasse sieht und zusammen mit der Direktion der Aga- Werke deren Geschäfte weiterführen wird. Wie weiter verlautet, sollen sich die Gläubiger mit der Stundung ihrer Forderungen grundsätzlich einverstanden erflärt haben, lieber die Einzelheiten des Tioratoriums werden noch wei- tere Verhandlungen gepflogen. Die Geschäftsleitung der Aga-Werke, die der Gläubigeroersammlung einen Status vorgelegt hat, der ohne die Einbeziehung der Werte an Gebäuden, Grundstücken und Maschinen- anlagen etwa balanciert, ist der Ansicht, daß die Gläubiger ohne jede Einbuße bleiben werden. Dom Ideal des Kinderreichtums. Von Dr. meb. Rudolf Spiegelberg. Was unserer Zeit am meisten not tut, um dein schwankenden Willen ein festes Ziel zu geben, das ist ein neues Ideal: Kein überirdisches und dogmatisches Lustschloß wie in den Lehren des Mittel- alters, fein Sichverlieren im Tagesgenuß, wie der beschrankte Individualismus des vorigen Iahrhun- deris erstrebte, sondern ein unendliches Vorworts- schreiten auf dem Wege reichsten und gesündesten Lebens! Verwirklichung findet es nur im Familienleben. Was soll der einzelne mit seinem Leben? Wozu dienen seine Arbeiten und seine Genüsse, seien cs rein sinnliche ober auch höhere geistige Freuden? Einmal kommt auch über den sorgenlosesten Iugend- genießer die graue Stunde, wo ihn fröstelnd die Erkenntnis seiner Einsamkeit und die Zukunftssroge beschwert: Wozu das alles? Was ich toi und was in mir lebte, verweht es nicht wie Staub im Winde, wenn mein Dasein endet? Vom Katzenjammer nach allen rein sinnlichen Genüssen ganz zu schweigen. Uns Kinderreichen dagegen gehört die Zukunft! Unsere Nachkommen sind unsere Unsterblichteit! Ein Teil von unserm Fleisch und Blut, Leben von unferm Leben, bleibt auf der Erde, und wenn wir es recht machen und uns Mühe geben, dann lebt auch bas, was unsere Seele erfüllte, in ben Seelen unserer ftinber fort; unb wenn wir unser Ideal vom Kinderreichtum ihnen nicht einpslanzen rönnen, dann muß unser Geschlecht wachsam und sich ausbreiten, und wir Ahnherren werden für viele Generationen. * Mag sich noch so viel Entartung und sreche O3c- meinheit in den Stödten breitmachen und scheinbar allem seinen undeutschen Stempel aufdrucken, laßt sie sich nur brüsten' Die jetzt die Weinstuben und Kinos bevölkern und in Selbe und Schmuck einherstolzieren, dabei aber fein ober höchstens ein Kinb haben wollen, um sich fein Opfer auflegcn zu müssen, nach zwei Generationen gebeut! fein Mensch mehr ihrer. Alles llngefunbe unb Entartete merzt sich so von allein aus unb ist zur Unfruchtbarkeit verdammt, — das ist eine klare naturwissenschaftliche Wahrheit. Andrerseits gibt's doch auch viele, die noch gesund sind im Streben und edel. Je mehr man die Augen öffnet, um so mehr prächtige Menschen findet man überall. Als ich schon im Frühjahr 1918 überall im Felde die Zeichen der Entartung unseres Volkes sah und an keinen Aufstieg glauben konnte, da gab mir Mut, daß ich manchem frischen jungen Manne begegnete, der ein einziges Ideal noch besaß: das der edlen Frau und der f inber- reichen Ehe. Kein Volk auf ber Erbe hat bies Ideal so hehr und rein wie bas beutsche in seinen Träumen und seinen Dichtwerken. Dies neue Evangelium der Welt vorzuleben, ist die Mission des Deutschtums in aller Welt, und darum muß Deutschland leben! Mag jetzt auch nur ein Zehntel ober ein Hunbertstel vom Volksganzen so fühlen, eine große Anzahl ist's sicherlich. Wenn wir nicht mutlos werben, sonbern mutig Nachwuchs erftre- ben, bann muß unsere Art sich naturgemäß aus» dehnen und in späteren Generationen den andern, biologisch minderwertigen Teil des Volkes immer mehr überflügeln. Aber nicht nur in der Zukunft liegt unser Glück. Auch die Gegenwart gewährt uns Freuden, die feiner jener selbstischen Genußmenschen erfaufen form. Denft nicht nur an die Arbeit und Lasten, die ihr tragen müßt, ihr Kinderreichen! Feierstunden müßt ihr euch auch gönnen, um euer Wichtigstes im Leben bewußt zu genießen: eure Kinder! Laßt euch anstecken von ihrer überströmenden Freude am Leben, ihrer Ausgelassenheit, seht still ihren Spielen zu, wie sie eifrig für sich schassen, und laßt euch gern von Rührung packen und das Herz warm werden! Rieselt's einem nicht über den Rücken vor Glucksgefühl unb Liebe zu diesen Wesen, die unser sind und uns entstammen? Lebt in ihnen eure Kindheit nochmals mit, gestaltet sie ihnen glück- kicher, als es die eure vielleicht gewesen war. Nicht Geld und Beguemlichfeit ist dazu nötig, — im Gegenteil, sie sollen früh miizuarbeiten lernen; aber Liebe unb Wärme unb Harmonie daheim! Unb wenn ihre Seele erwacht, sucht ihre Freunbe zu werden und ihr Vertrauen zu gewinnen, bann seid auch ihr nie einsam auf ber Welt! Unb zeigt ihnen, baß ihr sie lieb habt, und daß ihr für sie lebt. Aber nicht, um ihnen ein bequemes Leven zu ermöglichen, vielleicht als Rentiers, wie es bas Ibeal ber Ein- unb Zweifinberehen des vorigen Iahrhunberts war, sondern sie sollen fähig werden. Tüchtiges zu leisten und selber einmal eine Familie gründen mit möglichst vielen Kindern! Solche Hingabe belohnt den Gebenden ja selbst. Mancher Kinderreiche fönnte unter den drückenden Sorgen der Gegenwart den Mut sinfen lassen; und er könnte wohl irre werden an sich, wenn ihm die vielen „Verständigen" rings umher immer wie- der von neuem sagen - Du tust Unrecht, deine Kinder einem ungewissen Lose auszusetzen. Früher waren die Menschen noch unbeirrter: Unsere Vorfahren haben cs unendlich schwerer gehabt als wir, und viel unsicherer waren die Zeiten! Wieviel Kriege und Unruhen tobten unablässig durchs Land! Der Dreißigjährige und der Sieben- lährige Krieg waren nicht die einzigen, fünfmal dazwischen zogen außerdem noch Feinde z. B. durch Mecklenburg und Vorpommern und sogen jahrelang bds Land schonungslos aus. Zwischendrein legte wiederholt eine Feuersbrunst die halbe Stabt und mehr in Asche, dann dezimierten Pest oder Pocken die Bevölkerung. In dieser Zeit erhielten z. B. nur die Pastoren eine frei gewordene Pfarre, die die Witwe ober eine Tochter ihres Vorgängers heirateten, da eine andere Hinterbliebenenverfor- gung nicht möglich war. Unb doch wagten z. B. meine Dorfähren es, 10, 14, ja 19 Kindern da? .öen zu geben. Wären sie schon so kleinmütig gewesen. wie die „Verständigen" es uns raten, wir wären alle nicht aus der Welt. Gewiß, damals hatte man nicht soviel Bedürfnisse. Ein neues Kleidungsstück oder Möbel war ein Ereignis fürs ganze Jahr. Kino-- und Gasthaus- besuch gab es nicht. Aber ginge es nicht auch heute so? Hängt davon reicher Geist und tiefe Seele ab? Im engsten Kreise der Familie läßt sich mit einfachen Mitteln das schönste Innenleben entfalten. Ist die Innigkeit hier nicht weit wertvoller als alles Glänzen draußen unter Fremden und das Ucbermaß lärmender Zerstreuungen in der Großstadt? Allerdings, die wahre, naturgemäße Familie muß es sein: die kinderreiche. In ihr wird Eltern und Kindern Hingabefreudigkeit gewohnt und selbstverständlich. Diese aber ist das Wertvollste im Wesen eines jeden Menschen und am beglückend- ften auch für ihn selbst. Jedes große Ziel ist nicht ohne Mühe und Entsagung zu erringen, so auch das Ideal vom Kinder- re'ichtiim. Dafür gewährt es uns das reinste und dauerhafteste und unendlich wachsende Glück. Und es steht im Einklang mit dem Wesen jedes gesunden Lebens überhaupt. Leben will: Sich steigern! Nach innen wie nach außen: Wachsen an Reichtum der Seele, Wachsen in Raum und Zeit bis in die Unendlichkeit. Ein Ideal auf solchem Grunde verbürgt Glück und Sieg! Das Deutschtum in Ungarn. Budapest. 20. Aug. (WB.) Der vor einem Jahr gegründete, unter dem Präsidium des früheren Ministers des Aeußern Gustav G r a tz stehende deutsch-ungarische Vo 1 ksbiI- d u n g s v e r e i n hat unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern aus allen von Deutschen bewohnten Gemeinden seine erstmalige Generalversammlung abgehalten. Aus dem nach Eröffnung der Versammlung verlesenen Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verein schon im ersten Jahre seines Bestehens 46 Ortsgruppen gegründet hat und etwa 8000 Mitglieder in 200 rtschaften besitzt. Sodann gelangte ein Schreiben des aus -Urlaub befindlichen Präsidenten zur Verlesung, in dem es u. a. heißt: „Das ungarische Deutschtum ist Fleisch vom Fleische des ungarischen Volkes und wird als ein Teil des Volkes in Zukunft bestehen oder untergehen. Das ungarische Deutschtum will feine Muttersprache behalten und sein eigenes Volkstum prägen. Aber im Rahmen des ungarischen Staates hat es keine Ziele, die sich diesem Rahmen nicht einfügen lassen! Das ist das nationale Glaubensbekenntnis der ungarischen Deutschen und nach diesem wollen sie beurteilt werden in ihrem Lande und außerhalb dessen Grenzen." — Rach Erledigung der Tagesordnung beschloß die Veramm- lung unter stürmischem Beifall auf den Antrag des Siebenbürger Abgeordneten G ü n d i s ch die Absendung von Begrüßungstelegrammen an den Ministerpräsidenten Graf Bethlen und an den Präsidenten des Vereins G r a tz. Am Abend fand ein Festbankett statt, an dem der Abgeordnete der Rationalversammlung Dr. Franz Freiberger. der Präsident des Deutschen Schutzbundes Karl L o e s ch - Berlin und der toürttem- bergische Abgeordnete Dr. Hoelscher teilnah- men .die in ihren Ansprachen die ungarisch- deutsche Freundschaft feierten. Die Deutschen in der spanischen Fremdenlegion Seit Jahren bilden die Verhältnisse, unter denen die Deutschen in der spanischen Fremdenlegion zu dienen haben. Gegenstand lebhafter Erörterung. 2n erster Linie richtete sich die auf Grund der nach Deutschland gelangten Meldungen über die menschenunwürdige Behandlung der deutschen Legionäre entstandene Bewegung gegen den im Hamburg amtierenden spanischen Konsul, dem es gelungen wax. das Hauptkontingent der Deutschen in der spanischen Fremdenlegion zu werben. Roch ehe die deutsche Regierung Gelegenheit nahm, bei der spanischen Regierung wegen der unzulässigen Werbetätigkeit ihres Hamburger Konsuls vorstellig zu werden, verschwand dieser spurlos. Tatsächlich £)at man auch über eine weitere spanische Werbetätigkeit in Deutschland nichts mehr gehört. Da über die Zahl der in der spanischen Legion befindlichen Deutschen übertriebene Rachrichten verbreitet werden, hat sich die Reichsregierung mit Spanien in Verbindung gesetzt und festgestellt, daß insgesamt 7 0 0 Deutsche in di e Legion eingetreten waren, von denen inzwischen 120 gefallen, mehr als 100 desertiert sind. An der Front befinden sich augenblicklich weniger als 200 Deutsche. Cs sind Verhandlungen im Gange, die die Zurück- ziehung aller D . utschen aus der Front und möglichst baldige Entlassung aus der Legion zum Ziele haben. Wie uns mit» geteilt wird, nehmen die Verhandlungen einen günstigen Verlauf, wenn auch angesichts der Marokkokämpfe viele Schwierigkeiten zu Überbrüden sind. Die Marokkooffensive. Französische Siegesbotschaften. Paris. 20- Aug. (ALI.) Rach dem amtlichen Heeresbericht breiten sich Die französischen Erfolge auf der ganzen Front aus- Die Stämme der Masmuda Alscheris und Beni Mesgilha wollen sich unterwerfen und haben deswegen Verhandlungen aufgenommen. Von allen Seiten bedrängt, wollen sich die feindlichen Truppen im Gebiet von Tsouls ergehen. Die französischen Bedingungen zur älebergabe sind bereits angenommen. Die französischen Truppen besetzten das Hochland von Dschehel Amessef bis zur äußersten Rordgrenze. Auch hier haben zahlreiche feindliche Truppen die Waffen niedergelegt. Der große Stamm der Branes hat ebenfalls um Verhandlungen gebeten . Rach einer Havasmeldung aus Tanger find die französischen und spanischen Diplomaten, die sich feit einigen Wochen ständig in Melilla und Tanger in Erwartung der Abgesandten Ahd el Krims aufhielten, abberuf en worden. Lieber die Pläne des französischen Oberkommandos in MaroKo erfährt der „3ntranfigeant“, daß man nicht in das Innere des Rifgebietes eindringen, sondern sich nach einigen wirksamen Vorstößen mit dem Ausbau der jetzigen Befestigungen begnügen wolle. Für die französische Armee, die sich auf 130 000 Mann beläuft, werden befestigte Winterlager angelegt. Rördlich von Fez begannen gestern die Artillerievorbereitungen zum Generalangriff. Die Vereinigung der fxanzö fischen und der spanischen Truppen ist jetzt völlig durchgeführt. Im Abschnitt von Larache werden spanische und französische Truppen gemeinsame Operationen durchführen. Rach den letzten Meldungen soll Abh el Krim starke Truppen bei Ouezzan zusammengezogen haben. Die Kahylen heben an der ganzen Front Schützengräben aus und richten sich zur Verteidigung ein. Die französischen Truppen haben ihre Vorbereitungen für die große Offensive bei Taza beendet. Der Aufstand in Syrien. Eiu deutscher Korrespondent im Hauptquartier der Drusen. Einem Korrespondenten der „vossischen Zeitung" ist es gelungen, nach Redje 1. dem Hauptquartier der Drusen, zu gelangen. Der Führer des drusischen Aufstandes. Sultan Atrasch Pascha, erklärte dem Korrespondenten, der französische Druck auf das Drusenvolk fei ganz unerträglich geworden. General $ a r r a i 1 habe sich nicht einmal bereitfinden lassen, die drusischen Abgesandten zu empfangen und die Beschwerden gegen den Gouverneur LarbiI - I e t entgegenzunehmen. Gleichzeitig mit dem Berichterstatter trafen in Redjel die französischen Parlamentäre ein, die die französischen j r i e- densbedingungen dem Sultan übergaben. Die Drusen sollen danach 15 000 Pfund Kriegsentschädigung zahlen, alle geschädigten Kaufleute voll entschädigen und die bei den Kampfhandlungen erbeuteten Waffen an die Franzosen zurück- geben. Sultan Atrasch erklärte diese Forderungen für unannehmbar. Freiwillig werde er die erbeuteten Waffen an die Franzosen nicht zurück- geben. Er verlange mit seinem ganzen Volke nicht nur die Autonomie des drusischen Gebietes, sondern die völlige Unabhängigkeit ganz Syriens, und zwar ein freies Parlament, eine nationale Regierung, einen König oder Präsidenten als Lhef des Staates und ein eigenes Heer. Die Franzosen sollten sich damit begnügen, ähnlich wie die Engländer im Irak, nur als Berater zu fungieren. Wenn Frankreich es wagen sollte, das Drusenvolk anzugreifen, erklärte der Sultan, werde in ganz Syrien ein Aufstand aus- brechen. Die Stadt $ u e i b a , wohin der Korrespondent sich ebenfalls begeben hat, ist mit Ausnahme der Kaserne, in der eine französische Truppe belagert wird, vollkommen in der Hand der Drusen. Der Berichterstatter saht seinen Gesamteindruck dahin zusammen, daß die Lage als sehr e r n ft auftusasfen sei, weil oer Sultan von zahlreichen syrischen Abgesandten zu weiterem Widerstand ermutigt werde. Frankreichs englische Schulden. Caillaux bietet 13 Millionen Pfund Jahreszahlung an. Paris. 21. Aug CSU.) Finanzminister Caillaur wird sich zur Besprechung des französisch-englischen Schuldenproblems in den nächsten Tagen nach L on don begeben. Lieber den Vorschlag, den Caillaux zur Abtragung der französischen Kriegsschulden machen wird, erfährt die „Liberte" von einer hohen Persönlichkeit der Finanzwelt folgendes: Der Finanzminister wird unter Berufung auf die finanziellen Schwierigkeiten Frankreichs den Vorschlag machen, daß Frankreich jährlich 18 Millionen Pfund Sterling zahle, anstatt der 30 Millionen, die die englische Regierung verlangt. Caillaux wird außerdem die englische Regierung ersuchen, die Schätzung der Einkünfte aus dem Dawesplyn einer Rachprüfung zu unterziehen, die ergeben werde, daß England aus dem Dawesplan nicht 10. sondern 1 5 Millionen Pfund zu- geflossen seien, und diesfalls eine weitere Herabsetzung der Annuitäten um öMillionen verlangen, so daß also Frankreich 13 Millionen Pfund jährlich zu zavlea hätte. Amerika und China. Senator Borah für Aufhebung der Exterritorialität. Paris, 21. Aug (TU.) Der „Reuyopk Herald" veröffentlicht einen Brief des Senators Borah, des Präsidenten der Senats- Kommission für auswärtige Ange- legenheiten, in dem er die Abschaffung der Exterritorialität befürwortet. Er weist aber darauf hin, daß es sich selbstverständlich nicht darum handele, die Exterritorialität unverzüglich ohne jeden Äebergang aufzugeben, Sache der Großmächte sei es, China so viel Vertrauen: entgegenzubringen, daß eine neue Lage ent? stehe, die die Abschaffung der Konzessionen ermögliche. Die Politik, die die Mächte zur Zeit China gegenüber befolgen, lasse jedoch darauf schließen, daß sie dieses Ziel nicht im Auge hätten. In dem Briefe heißt es weiter: „Die auswärtigen Jnteressentengruppen beuten das Menschenmaterial in China aus. in einer Weife, die jeder Beschreibung spottet. Kann man China einen Vorwurf daraus machen, wenn es selbständig zu Reformmaßnahmen seine Zuflucht nehmen muß?" Senator Borah gibt seiner Lieberzeugung Ausdruck, daß, wenn die Mächte ihre Politik ändern würden, sich China gemeinsam mit den Mächten zur Ausarbeitung eines Reform Programms bereiterklären würde. Bolschewistische Propaganda in Schanghai. Schanghai, 20. Aug. (WB.) Zwei' russische Flugzeuge sind von Moskau über Ranking kommend heute mittag hier eingetroffen. Sie wurden von einer zahlreichen Menschenmenge, unter der sich sehr viele Studenten und Russen befanden, lebhaft begrüßt. Die Menge führten Banner mit sich, von denen eines die Aufschrift trug: „Rieder mit den ungerechten Verträgen!" • Wie Deuter meldet, sind ein e nglischer Bischof, seine Frau und sechs weitere Mission nare, darunter vier Frauen, von Tschoeng in der Provinz Szetschwan von Briganten entführt worden. Die Ueberreichung der französischen Antwortnote. Berlin, 20. Aug. (TA.) Entgegen der Mitteilung etne.3 Berliner Abendblattes u* fahren wir an Berliner zuständiger Stelle, daß eine Mitteilung des französischen Botschafters über den Zeitpunkt der Aeberreichung der französischen Antwortnote bisher nicht erfolgt ist. Sollte die Mitteilung des „Petit Varlsien", daß die Rote am Dienstag veröffentlicht werden würde, zuireffen, dann ist kaum anzunehmen, daß sie vor Montag in Berlin überreicht wird. — Andererseits ist ein Grund für die lange Hinauszögerung nicht ersichtlich, da die Rote Ende dieser Woche übergeben werben sollte, nachdem die Aeußerungen aus Brüssel und Rom in Paris bereits vorliegen. DieAbWanLerung der polnischen Optanten im Ruhrgebiet. Gelsenkirchen, 21. Aug. Rach einer zuverlässigen Information betrug die Zahl der bis 1. August 1925 abwanderungspflichtigen polnischen Optanten und ihrer dem Abwanderungszwang unterliegenden Familienangehörigen im Düsseldorfer Regierungsbezirk insgesamt rund 1350. Den Abwanderungsaufforderungen waren bis Anfang August mit Einschluß der Familienangehörigen noch nicht nachgekommen 110 bis 120 Personen. Soweit diese nicht inzwischen freiwillig abgewandert sind, ist wegen der alsbaldigen zwangsweisen Abschiebung nach Polen seitens der Behörden das Erforderliche in die Wege geleitet worden. Eine Schlichtungskommission ür internationale Streitigkeiten Genf, 21. Aug. (T. U.) Der Antrag der düni - chen Regierung beim Völkerbund auf Gründung einer Schlichtungskommission für internationale Streitigkeiten beim Haager Schicds- g e r i d) l s I) o f geht davon aus, daß viele Staaten beim Abschluß von Schiedsverträgen bereits ein Schlichtungsverfahren vorgesehen haben. Da es nicht wünschenswert sei, für jeden Streitfall ein neues Schttchtungsorgon einzusetzen, regt die dänische Regierung die Gründung einer ständigen «chlichtungskommissjon aus drei Mitgliedern an. Der Vorsitzende soll vom Haager Gerichtshof, die beiden anderen von Fall zu Fall von den beiden treitenden Parteien ernannt werden. Es fei zu Hofen, daß die streitenden Parteien eher geneigt sein werden, einen Streitfall vor den Haager Schiedsgerichtshof zu bringen, wenn der Fall zuerst von der Schlichtungskommission vertraulich und unverbindlich behandelt worden ist. Kleine politische Nachrichten. Der R e i ch s r a t erklärte sich mit dem vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwurf cinver- Ignöcn, wonach, wenn das Aufkommen aus Lohnsteuern Dom Oktober 1925 bis 31. März 1926 oder später 600 Millionen Mark über» t e i g t, die Regierung einen Gesetzentwurf vorlegen muß, der eine Erhöhung der Abzüge für kinderreiche Familien und des steuerfreien Lohnbetrages herbeiführt. Der Reichsrat behylt sich jedoch vor, daß er auch die finanziellen Rotwendigkeiten des Reiches, der Länder und der Gemeinden zu berücksichtigen habe. Der „Vorwärts" weiß zu melden, daß das Reichskabinett dieser Tage den Gesetzentwurf zur Schaffung einer Ärbeitslosenversiche- r u n g, der sich auf dem Gedanken der Selbstverwaltung aufbaut, angenommen habe. Die Veröffentlichung des Entwurfs dürfte in 8 bis 10 Tagen erfolgen. Ter Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat beschlossen, am 29. August die Gesamtaussperrung in ganz Deutschland in Kraft treten zu lassen. Das RLichsarbeitsministeriunt hat zwar die Parteien nochmals geladen, doch besteht wenig Aussicht auf eine Verständigung. * Am Donnerstag traf der preußische Minister des Innern Scvering in Essen ein. Der Minister begrüßte die P o 1 i z e i b e a m t e n im Hofe der Schupolaserne in der Lührmannstraße und hatte im Anschluß daran eine Besprechung mit den Vertretern der Polizeibeamtenschaft über die Frage der Llebernahme der Ersatzpolizei auf die Schutzpolizei. Rach der Konferenz ftgttete der Minister dem Oberbürgermeister Bracht auf dem Rathause einen kurzen Besuch ab, Kardinal Frühwirt feiert seinen 80. Geburtstag in Rom. Der Kardinal war her Vorgänger Msgr. Paceklis in der Münchener Runtiatur. Die Mitglieder des diplomatischen Korps beim Heiligen Stuhl und die höchsten kirchlichen Würdenträger der ganzen Welt haben dem Prälaten ihre Glückwünsche aussprechen lassen und ihm zahlreiche Geschenke gesandt, dar? iunter ein kostbares Andenken des bayrischen Staates. Der Schriftsteller Johannes R. B e ch e r , der in letzter Zeit durch Veröffentlichungen repolutfonären Inhalts hervorgetreten ist, wurde während seines Aufenthaltes in Württemberg verhaftet, auf Grund eines Haftbefehls des Oberreichsanwalts, der in den Schriften Bechers Vorbereitung zum Hochverrat, Aufreizung zum Klassenhaß und Gottes? läfterung erblickt. Im Warschauer Koinmuniftenpro- zeß wurd.n die drei Angeklagten, Hübner, K n i j e w s k i und L u r o w s k i, zum Tode verurteilt. Das Begnadigungsgesuch dec Verteidiger wurde vom Präsidenten der Republik a b g e ? lehnt. Der sowjetrussische Gesandte W o j k o ersuchte den Außenminister Skrzynski iin Ramen der Sowjetregierung, die Urteilsvollstreckung zu verschieben. Skrzynski lehnte es ab, darüber zu verhandeln. Das Urteil wird Freitag um 4 Ahr morgens vollstreckt werden. llus aller Welt. Zeppelin-Jubiläum in Friedrichshafen Friedrichshafen, 21. Aug. (T.U. Zum Zeppelin-Jubiläum sind eine Anzahl opfl Glückwunschtelegrammen eingegangen. Das Telegramm desReichskflnzlersDr. lautes: „Per Schiffbau-Zeppelin-GeskUichaft sende ich zum heutu gen Gedenktag des 25jährigen B e st e h e n s der Zeppelin-Luftschiffahrt herzliche Grüße und Glückwünsche. Das Kulturwerk, dos der unvergeßliche Gras Zeppelin und seine bewährten Mitarbeiter schufen, hat bei uns und in der ganzen Wett berechtigte Anerkennung gefunden. Ich wünsche und hosfe, daß es gelingt, dieses völkerverbindende Werk im Sinne einer friedlichen Entwicklung der Nationen fortzuführen. Glückab!" Dx. Krupp von Bohlen und Haiback telegraphierte: „Zum 25jährigen Bestehen sende ich herzliche Glückwünsche. Mögen dem Unternehmen viele weitere glänzende Erfolge trotz jetzt fast unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten" beschieden ein und der Name des unvergeßlichen Begründers auf seinen Luftschifen dufrch die ganze Welt getragen werden." Sven Hedin sandte folgenden Glückwunsch: „Denkt stolz an die ruhmreichen Jahre, die hinter Euch liegen, zurück und vorwärts zu neuen Taten lenkt schafefnsfreudig den Blick, und baut ein Schiff, das führe zum Pol den Namen Zeppelin. So wünscht es Euch am Ehrentage in Freundschaft Sven Hedin." 3»ui Breslauer Doppelmord. Die Verhaftung der Standkeschen Eheleute ist erfolgt, weil ihr A l i b i n a ch w e i s lückenhaft war und sie sich in Widersprüche verwickelten. Die Polizei hat ermittelt, daß das Ehepaar in Ostpreußen erheblich später eingetroffen ist als vermutet wurde und nimmt daher an, daß es von Breslau möglicherweise später abge- reist ist, als es angegeben hat. Das Ehepaar erklärt weiterhin, von der Tat nichts gewußt zu haben. Die Polizei nimmt an, daß Frau Staubte der Mitwisserschaft mehr verdächtig ist als ihr Niann. Die Angehörigen Standkes haben ich übrigens, wie verlautet, seinerzeit der Ehe mit der Adoptivtochter Rosens widersetzt. Am Mittwoch nachmittag hat eine eingehende Besichtigung der Villa in Bischofswalde durch das Gericht und die Kriminalpolizei stattgefunden. Neue Momente sind dabei jedoch nicht zutage getreten. Gegen die Hausdame Neumann ist das gerichtliche Versah- r e n eröffnet worden. Ebenso wird in einigen Tagen das Verfahren gegen das Ehepaar Standke eingeleitet werden. Derhafteter Dvppekmörder. In Köln wurde der Fabrikarbeiter Hombach, der in der Rächt zum 21. Oktober 1918 den Schuhmann Karnap bei Ausübung seines Berufes in Kalk hinterrücks niederge- schossen hatte, erneut fe ft genommen. Hornbach war seinerzeit bei der Revolution aus d e in Gefängnis befreit worden und war nach Holland geflohen. Er wird auch von der Polizei in Essen wegen der Riederschiehung eines dortigen Schutzmannes gesucht. Typhuserkrankungen in Aelzen 2ln mehreren Stellen wurde in LI e l z e n (Hannover) Paratyphus festgestellt. Rach kreisärztlichen Guachen ist die Erkrankung auf den Genuß roher Milch zurückzuführen. Llmfassende Vorkehrungen sind getroffen. Ein Haifisch geboren. München, 21. Aug. (WTB. Funkspruch.) Im Aauarium der Verkehr saus st el- lung ist nach einer Entwicklungsdauer von sechs Monaten ein Haifisch zur Welt gekommen. Es soll feit etwa 16 Jahren nicht mehr vorgekommen fein, daß in der Gefangenschaft ein Hai lebend zur Welt kam. Der junge Haifisch ist 12 Zentimeter lang und ist in einem besonderen Behälter untergebracht worden. Wettervoraussage. Rach vorübergehender Aufheiterung wieder zunehmende Bewölkung, vorwiegend südliche Winde, mäßig warm, langsam einsetzende Riederschläge, Morgennebel. Der Durchgang eines Teiltiefs brachte uns gestern vielfach leichte Gewitterregen. Heute liegen wir auf der Vorderseite eines neuen von England herankommenden Tiefs. Rach kurzer Aufklärung werden daher erneute Bewölkungen und Riederschläge auftreten. Gestrige Tagestemperaturen: Maximuni 22,0 Grad Celsius, Minimum 13,2 Grad Celsius. Riederschläge 2,4 Millimeter. Aus Stabt und Land. Gießen, den 21. August 1925. Lenkung der Umsatzsteuer. Das Gesetz zur Änderung der Verkehrs- steuern und des Verfahrens und das Gesetz über Z.olländerun.^.n sehen folgende Milderungen auf dem Gebiet Vor Umsatzsteuer vor. 1. Mit Wirkung vom 1. Januar 1925 sind Privatgelehrte, Künstler und Schriftsteller von der Umsatzsteuer befreit, sofern die steuerpflichtigen Umsätze im Kalenderjahre den Betxag von 6000 R.-M. nickt übersteigen. Vom gleichen Zeitpunkt ab sind ferner von der Llmsatzsteuer befreit Handl ungs? Agenten und Makler, sofern die steuerpflichtigen Umsätze im Kalenderjahr den Betrag von 6000 R-M. nicht übersteigen. 2. Mit Wirkung vom 1. 21 ug u ft 1 925 wird die Beherbergungssteuer aufgehoben. Die bisher diesen erhöhten Steuern unterliegenden Leistungen sind vom 1. August 1925 ab nach den Sätzen der allgemeinen Umsatzsteuer steuerpflichtig. 3. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 wird der Sah der allgemeinen Umsatzsteuer von einundeinhalb vom Hundert auf ein vom Hundert, und der Satz der Hersteller- und Kleinhgndelssteuer von zehn vom Hundert auf siebenundeinhalb vom Hundert herabgesetzt. Die auf ein und siebenundeinhalb vom Hundert gesenkten Sätze der allgemeinen Umsatzsteuer und der Hersteller? und Kleinhandelssteuer haben die Monatszahler erstmals bei den Umsatzsteuerporaus Kühlungen im? Ropemher 1925, die Vierteljahrzahler erstmals bei den Umsatzsteuervorauszahlungen im Januar 1926 der Umsatzsteuer zugrunde zu legen. Bei den i m August, September und Oktober 1925 zu leistenden Umsatzsteuervorauszahlungen haben die Monats- und Vierteljahrszahler die Steuer in Höhe von einundeinhalb vom Hundert und von zehn vom Hundert zu entrichten. 4. In den Uebergangsbestimmun-- g c n wird in entsprechender Weise wie bei den Ermäßigungen ber Umsatzsteuer im Jahre 1924 ein zivilrechtlicher Anspruch auf Preisnachlaß in Höhe der Steuerminderung für Leistungen aus Verträgen gewährt werden, die vor dem 15. August abgeschlossen worden sind, aber erst nach dem 30. September 1925 ausgeführt 1 werden. leiih» .. «fett ’Ä'Ä es volleÄ^^ 'S * Sä i* e ’roj) jeb/^’en 'Vtf* ^MtflÖUnfd,: °E. - ’ d'n ^jU n.c u e n bauk ^3$ ^»dmol6 tu>«X mitten iJu** *r‘ Ä" BL ^.el)r oerbadjiiQ Wti Tlqnüt« ^ben Urzeit ber Jm" ft WftungT? “) dar Qerid)i ULd u >■ 3Üut ÜÄomtme ÄRft"1 * Serfoh. 0 ®,tb »> einigen Ia, 5 Wir 6tanb|e ein. 'Mwottet. Sabtilatbtitcr Hon,, W 21. Oftobtt 1918 bei Ausübung feint! ■ rtief! nitdkkgt« benommen. fym- Heoolution aui bim soeben und war nach wird auch von brr ' der Aitderfchiehung rs gefuchl. m in Utljtn wurde in Heizen us festgestellt. Aach die Erlrgnlung auf lisch zuruch-uführrn. fisch yttoffeu. geboten. . iMD. ZunUpruch.i DcrkchrsouSstel- ttfiungebfluer von lech! Seit gekommen. Ts soll « mcjjr Dorgefommm uft ein Hai lebend zur isch ist 12 ^Zentimeter hem BeMn uni«- ausiagc. r Aulbeilerung wilder vorwiegeich südlicha zsam etnseyende Atetrr- i Teilliess brachte un» willerregen. Heute Iw cfeitc eines neuen dm n Liess. 2ach kurzer r erneute SewöliiniM Sw: n 132 Grob ter. und Land. m 21. August 1925- Umsatzsteuer. ®M%dÄ Wm*a|i| Ti 3«"»“' l925h M *«-„(» fr r und ^ÄsalÄ'.' cef Ä die stkM' läS*hM ■ । 9»»‘‘Ä B der vav PPm jfl^.X’b 9°? L-ZS sssgS. sys-" «’ti'l* &a*‘ i® । '$reie' Ä; 2.U. Don der ß-inbcduniDeriität Der ordentliche Proksfor für praUifchc Xtkotogic L). Dr. Hcinr Frick-Gies; en ist mit Wirkung vorn 1 Oktober »um ordentlichen Professor für systematische Theologie ernannt worden. * Erhöhte Renten für Krieg», beschädigte und Hinterbliebene. Vie laufenden Renten find rückwirkend ab 1. April 1-25 erhöht. Die sich eraebenden Aachsahlungen erhalten d e Empfänger durch da» Derlorgungs- amt im Postscheck» ege in» Haus zugc- (ttiit. Anträge oder Rachfragen beim Der« sorgungsaint sind zu unterlassen, sie können nur störend aus die beschleunigte Durchführung der Arbeiten wirken. "Personalte Ab 1. Aug ist Johannes Funk au« Grotz-Felda zum Pfleger an der LgnbeS- Heil- und Pflcgcanstalt Viehen ernannt wprdcn " Da« Arbeiter-Sportkartell Siesten veranstaltet am Sonntag, dem 23. d. Mts. einen Sportwerbctag, zu dem eine Menge Anmeldunaen auswärtiger Sporigeiwssen vor- liegen Die einzelnen Wettkämpfe versprechen daher interessani zu werden. Räheres über Programm und dergleichen siehe Inserat in heutiger Rumrner. !•! Das neue Bundeshaus der Landsmannschaft ..E h a t l i a", das an der Lich?r Strastc. Ecke Georg-Philipp-Gailskrahe er- richtet wird, ist nunmehr im Rohbau vollendet. Die Hauptfront des Gebäudes mit einer Länge non runh 17 Meter steht an der Sicher Straste, von der Hauvt- und Aebeneinaang zu erreichen sind. 3m Kellergeschost werben die Küche, Wohn- iüume für den Hausmeister, Heizräume, Dorratsräume und eine geräumige Fechtfcheuer sowie ein Brausebad eingerichtet 3m Erdgeschost gelangt man von der Diele in die Garderobe, dann in einen Empfangsraum, sowie in Den stattlichen Kneipsaal von 16 Meter Länge und 6,20 Meter Tiefe. Ein geräumiger Fretfih ist an der Rückseite des Gebäudes angebracht, der eine prachtvolle Ausficht nach dem Layntal, Gleiberg und Westerwald bietet. Das Ober- gefchost enthält ein große» Speisezimmer, Sviel-' zimmer mit Balkon. Leie-, Schreib- und Biblio- ihckzimmer sowie Gastzimmer 3m Dachgeschoß befinden sich vier Wohnräume für Aktive. Das Haus ist in schlichten, deutschen Formen gehasicn und soll al» Heim der Landsmaunschaft..Ehattia" eine Stätte echte» deutsche» Studententums werden. Tic Grundsteinlegung des HauseS erfolgte am 7 Februar ds. 3s . die Einweihung soll bis »um 1. Aovember erfolgen Die Ausarbeitung der Pläne und die Bauleitung liegt in Den Händen des Architekten Regierungsbaumeister a. D. P f a f s. Giesten. •• Das 8. Abonnemcntskonzcrt der Kapelle der ehemaligen Militär- in u I i t e r unter Leitung des Musikmeisters a. D. Hermann Topp fand gestern auf der „Liebs g s h o h e" statt und mar tröst des sehr ungünstigen Wetters gut besucht. Die Darbietungen der Mapcllc, non denen besonders Hymne und Triumph- morsch aus „Aida", die Ouvertüre zum „Frci- schüft", die Ouvertüre zu „Norma" und das Lied für Trompete ..Der Lenz" non Hildach («Solist Herr 3 d) tv o r 3 1 o f e) heraorzuheben sind, sanden lebhaften Bcisoll unb oereiUten deit Zuhörern einige Stunden angenehmer Unterhaltung. Mit der geftri gen Veranstaltung haben die Abomiemeiiislonzerk ihren Abschluss gesunden. Die einzelnen Konzerte haben bewiesen, datz die ehemaligen Militärmusiker unter Leitung ihres Musikmeisters a. D. Hermann T o p p dank eifriger Arbeit eine Kapelle mit guter musikalijcher Schulung sind, die in fände rem Zusammenspiel Leistungen gezeigt hat, die die Beach. Hing verdient haben, die ihr von weiten Streifen entgegengebracht worden ist. Landkreis WA » £ Wieseck, 21. 2Iug. Wie ein sich hartnäckig haltendes Gerücht behauptet, fall zu der am Sonn- tag stattfindenden A e i g e o r d n e t e n w o h l doch noch ein zweiter .Kandidat in letzter Stunde sich um die Gunst der Wähler bewerben. 'Angesichts der Tat- sache, dast es sich bei dem seitherigen Beigeordneten, der wieder kandidiert und von weiten Bevolkerungs- frrifen unterstützt wird, um eine Persönlichkeit mit allgemeiner Achtung, die im Dienste der Gemeinde und Allgemeinheit alt und grau geworden ist, handelt. dürften die Aussichten des neuen Bewerbers austerfl gering sein. Der einzige Erfolg wäre der, eine Gelegenheit, die uns so bitter noltuende Ein- mütsgkeit und Geschlofsenheit zu betätigen, verpatzt zu haben. ibf. Keffelbach, 20. Ang. Die Spar- und Borschutzkofse E. G- »'. b. H. hielt die ordentliche Generaloerfamliiiig für dos Geschäftsjahr 1924 unter zahlreicher Beteiligung ihrer Mitglieder bei Gastwirt 3. Höchst dahier ab. Der Geschästsbericht des Vorstandes wies darauf hin, datz das abgelaufene Geschäftsjahr in feinem ganzen Charakter als das Aufdauiahr bezeichnet werden müsse. Die allgemeine Kreditnot trat auch bei uns in einer außer- gewöhnlich starken Nachfrage nach Darlehen in Erscheinung. Wenn auch nicht allen Nachfragen gedient werden konnte, fo wurde doch immer den Mitglie- dem mit de mnotroenbigften Bedarf geholfen. Die der Kaffe von den Mitgliedern zur Verfügung gestellten Gelder gingen fast alle auf laufende Rech- iiung- Allmählich kehrt auch das Vertrauen wieder zurück und nehmen au chd», Einzahlungen auf längere Frist wieder zu. Der Verkehr mar äußerst lebhaft. Es wurde ein Gesamtumsatz von über einer Million erzielt. Die vorgesehenen Vunfte der läget- nrbnung wurden nach den Vorschlägen des Vorstandes erledigt. Aus dem Reingewinn wurden dem Reservefonds und der Betriebsrücklage je 500 Reichs- mark und dem Auswertungskonto 100 Reichsmark überwiesen. Die ausschetdende» Aufsichtsratsmitglie- dcr Pcter Becker und Peter Stein wurden wieder- und Ludwig Schöneweiß II. neugewählt Mrcie Schotten. kg. Gedern, 211. Aug. Ein Hanes Geschick ver- Die Familie des Tlakrinctiu r» 0 n e r gestern in tiefe Trauer. Das vierjährige Söhnchen der Familie stürzte tn der Scheune des Landwirts Karl Gerlach, wo es sich mit anderen Kindern aufhielt, von dem Gerüst aus etwa zehn Meter Höhe a u f Die Tenne und war aus der Stelle tot., lieber die näheren Einzelheiten des bedauerlichen Ungfücksfallcs gehen die Darstellungen auseinander. Der ahnungslose Vater war zur Zeit des Unglücks- sattes in dem benachbarten Burkhards beschäftigt unb wurde von einem hiesigen Einwohner mit dem Motorrad von seiner Arbeit Stätte abgeholt. Die Teilnahme mit den schwergeprüften Eltern^ist allgemein. — 3» der letzten Zeit bäufenjid) die Fälle, wo über unvorschristsmätzig schnelles Fahren von Auto- unb Motorradfahrern durch die ohnehin belebte Haupt- strotze unseres Ortes berechtigte Klage geführt wirb. So wäre vor wenigen Tagen beinahe ein Kind durch ein Auto überfahren worden. Man sollte solche rück sichlslosen Zeitgenossen unnachsichllich zur Anzeige bringen, da sie eine andere Behandlung nicht ver dienen. Auch die Ortspolizei sollte auf diese Leute ein wachsames Auge haben. .: Ober-Heemen, 18. Aug. Wie all- jährlich, fo fand auch heute wieder der D i e h » und Krämermarkt stutt. 3m Geqenfah zu früheren Jahren war der Diehnmrkt spärlich beschickt. An Rindvieh waren nur zwei Stück auf- getrieben worden, an Schweinen war der Auftrieb stark Die Kauflust deS Publikums wurde jedoch stark beeinträchtigt durch die hohen Forderungen der Händler. So wurden für ein Ferkel 50 Mk. gefordert, für ein Läuserschwein bis 100 “JHt. - Der Krämermarkt war gut beschickt Man sah Stände mit Küchengeschirr. Schuhe und Stiefel, Aiizugstoffe. Hüte und Muycn u. dgk. mehr. Aber eine große Kauflust der Devölkerung war nicht zu bemerken, vielleicht bedingt durch die auch hier herrschende Geldknappheit. Mrcie Kricvbcrg. fpd. Visbek, 20. Aug. Beim Vilbelcr Wald mußte ein noch Frankfurt bestimmtes Postflug- zeug wegen unaufyärlichen Regens auf einem Kartoffelacker eine Notlandung vornehmen, die glatt von statten ging. Kreis Lauterbach, !•! Lauterbach. 20. Aug. Auf dem alten Friedhof wird zur Zeit eine Gedächtni»- halle zu Ehren der im Weltkriege Gefallenen erbaut. Tloch dieses 3ahr wird der Rohbau Doll* endet sein. Die Fertigstellung und Einweihung srül im nächsten Sommer erfolgen. 3n bezug auf die Bautätigkeit innerhalb der Stadt sei noch der Umbau der Dürgervwisterei erwähnt. Durch den Umbau war es möglich, auch die Stadtkasf« hier unterzubringen - Die Heim- stättenbauscsellfchast hat in den letzten fünf 3ähren mit Unterstützung her Stadt etwa 40 Wohnungen errichtet - Die Errichtung eine« Flußbades ist für 1926 im Doranscjllag vorgesehen, da das Heine Dolksbad an dem Elektrizitätswerk zu klein ist. Kreis Wetzlar. d. Münchholzhausen, 20. Aug. Die hiesige Gemeinde hat von dem Fürsten zu Solms-Braunfels dessen in hiesiger Gemarkung gelegenen Grundbesitz in Grötze von L86 Morgen käuflich erworben. Die Gemeinde will versuchen, das Geld im Wege einer Auslandanleihe zu befchasfen. Ein Teil des Landes foll an Ortseingesessene käuflich abgetreten werden. Das übrige Land soll pachtweise unterverteilt wer- den. Bisher war das Land durch die Fürstliche Rentkammer zu Braunfels verpachtet. Die 18jährige Pachtdauer läuft im Herbst d. 3. ab. d. Vollnkirchen, 20. Aug. Der Gemeinde- Vorsteher Frischholz von hier kam beim Ge- treibeniähen mit der rechten Hand in die Mähmaschine unb zog sich hierbei erhebliche Verletzungen zu. d. Lützellinden. 20. Aug. Die Frage der Neuverpachtung der hiesigen Gemeindejagd, hinsichtlich deren von einem Zagdgenossen wiederholt Beschwerde beim Kreisapsschutz in Wetzlar erhoben wurde, geht nunmehr ihrer Lösung entgegen. Die Jagd wird jetzt in zwei Bezirken verpachtet, von denen der eine Bezirk den Wölb unb einen Teil ber Feldmark unb ber andere Bezirk den restlichen Teil der Feldmark umfatzt. Ebenfalls zur Verpachtung gelangt als besonderer (dritter) Bezirk die auf hessischem Gebiete belegen« Morkwaldjagb. d. Groh-Rechtenbach, 20. Aug. 3«i der letzten Dürgermeistereiverf ammlung gab der Vorsitzende. Bürgermeister Schneider, vor Eintritt in die Tagesordnung die Wiederernennung deS Beigeordneten Krill durch den Obcrpräki- denken bekannt unb führte ihn erneut in fei» Amt ein. Die Dürgermeistereiverfammlung befchloh alsdann die Twnahme der Bürgermeiftecei- und Wir^chaflOkaffenrechnungen für die Rechnungsjahre 1923 unb 1924. — Der Haushaltsplan für 1925 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 46 000 Reichsmark festgesetzt. — Die vom Bürgermeister im Entwuri vorgelragene DerwaUungs- gebübtenorbnung wurde genehmigt d Hörnsheim. 20 Aug Am bellen Tage versuchte ein Landstreicher gestern vormittag einen Einbruch in das Wohnhaus des Weitzoinders Anton Zörb von hier. Da der Einbrecher das Hoftor verschlossen sand, nahm er an, es sei niemand za Hause, und stieg durch ein Kellerfenster in das Wohnhaus ein. DaS starke Gebell des Hofhundes vcranlatzte die zu Haufe befindliche Tochter, nachzufehen. ob ein Fremder da fei. Als bvr Einbrecher dies wahrnahm, verschwand er eiligst wieder durch das Kellersenster und flüchtete zunächst in der Richtung nach dem Walde, bog dann aber nach Klein-Rechtenbach ab und begab lich auf die Proviniialstvahe Wetzlar Butzbach Zörb war sofort durch seine Tochter benachrichtigt worden und begab sich eiligst mit dem Fahrrade zu dem Oberlandjäger Braun in Grost-Rechtenbach. der die Dersolglliig aufnahm und den Flüchtling im Walde zwischen Klein- Rechtenbach und dem Knorrhofe f c tt n a b m. Es handelt sich um einen jungen Burschen auS Leipzig, der noch bis in letzter Zeit in Reuwied in Arbeit gestanden hatte Oberianbiäücr Braun lieferte den Fcstgenommenen an die Polizeiper- toaltung in Grost-Rechterrdack ab. die ihn dem Amtsgericht in Wetzlar vorsüyren lieft. XX Don der Dill. 20. Aug. 3m Dald- biftrift „Steimel", ©emarlung Wcrdorf, bat ein Erdrutsch von ungefähr 200 Meter Länge und 20 bis 30 Meter Breite stattgesunden Das losgelöste Delänoe, auf welchem alle Bäume unb Gewächse wild durcheinanderltegen, bietet einen seltsamen Anblick, zumal es vom Aachbar- gelände scharf abgetrennt ist Starkenburg unv RhcintzcFen. D a r m st a d t, 20. Aug. Für gestern nachmittag hatte die Leitung der H e f f i f d) e n W a r t c n b a u - ausftellung in Darmstadt an die auswärtige Presse etwa 100 Einladungen ergehen lasten zur Besichtigung des Unternehmens. Es fand zunächst eine fachkundige Führung durch den Gartenarchitekten Fr. E. Weigold, den Schöpfer der Anlagen, sowie durch Beauftragte des Hauptausfchuffes durch den Orangeriegarten, das Ausstellungsgelände, statt, die um 3 Uhr begann und bis 6 Uhr dauerte. Es wurden eingehend die einzelnen Abteilungen der Ausstellung und die verschiedenen Sondergärten besichtigt. Um 6 Uhr schsotz sich an den Rundgang ein Empfang im Hauptrestaurant an, wobei eine Begrützung durch den Vorsitzenden des Hauptaus- fchusies, Hauptlehrer i. R. B r o h m , und den Vor- sitzenden des Presteausfchustes, Redakteur St ree, erfolgte. Während eines Imbiffes wurden mehrere Reden gehalten: abends war zu Ehren der Gäste ein Sonderkonzert. Ein gleichfalls vorgefehencs Feuerwerk mutzte wegen der zweifelhaften Witte- rung abgesagt werden. Der bisherige Besuch der Ausstellung, deren Schönheit allgemeine Be- wunderung erregt, war außerordentlich gut. Am letzten Sonntag fetzte eine wahre Bolkerwander»ng nach der Ausstellung ein. Unter den Besuchern sind auch sehr viele Auswärtige. Unter den Ausstellungs- Unternehmungen in Hessen dürfte in diefem Jahre die Gartenbauausstellung das erfolgreichste fein. Darmstadt hat zur Zeit drei Ausstellungen, die G r o tz d e u t s ch e K u n ft a u s ft e 11 u n g auf der Mathildenhöhe, die 2lrchitekturausstellung in der Kunsthalle und die am 8. August eröffnete Gartenbauausstellung. (Bei Gelegenheit der Eröffnung haben wir darüber bereit» eingehend berichtet.) * Darmstadt, 20. Aug. Der letzte Kom- manbeur des Grotzh Hess. Leibgarde-3nsanterie- Aegiments Ur. 115, Generalmajor a. D- Heinrich von Western Hagen, ist hier nach langer, schwerer Krankheit g e st o r b e n. • Darmstadt. 20. Aug Der Gemeinberat der hessischen Exklave W i m v s e n nahni in seiner letzten Sitzung Stellung zu dem von Heidelberg ausgehenden Bestrebungen, die Fortsetzung her Rcckarkanalbauten zu verhindern. Er nahm eine Entschließung an, in btr er alle matz- gebenden Stellen des Reich-, her Lander unb der Gemeinden bittet, dafür einzutreten, datz ber Ausbau des Aeckarkanals nach dem bekannten Programm Dorgenommen wird, wenn es nicht möglich sein sollte, den Ausbau biS Wimp° s e n-Kochendorf noch mehr zu beschleunigen. Hessen-Nassau. spd. Frankfurt a. M., 20. Aug. Der von der Staatsanwaltschaft Traunheim wegen Raub- rn o r d e s gesuchte Zahntechniker Friedrich Pfister wurde hier ergriffen und f e ft g e n o m m e n. Er hielt sich schon geraume Zeit in Frankfurt unter dem Namen seines freundes Friedrich Georg Elähr auf, Bei feiner Festnahme befand er sich in Begleitung feines Freundes Stohr, der ebenfalls verhaftet wurde. — Am Hellen Tage drangen Diebe in eine Wohnung der Wittelsbacher Allee und raubten ops ihr alles, was nicht niet- und nagelfest war, besonder' Schmucks amen, famüichc. Silber- af|d)irr, die gesamte Waiche und fast alle Kleider. Die Einbrecher transportierten den Raub, ohne datz sie geftört unb bemerkt wurden, auf einem Imogen ab. Bis letzt fehlt von ihnen jede Spur. Ipd Frankfurt a HL. 20. Aug 3n der Thüringcrstratze hing fich cm zwölfjähriger Schüler an einen Lastkraftwagen. Al» er sich loSlieh. wurde er von einem nachkomm enden Personenauto erfafci. überfahren und lebensgefährlich verletzt. — Zwischen einem Sandfubr- wcrk und einem Gärtnersubrwerk kam es in der Mörsclder Landstratze zu einem 3 u f a m in e n * ft o st. bei bem der Gärtnerburschc auf das Pflaster gcfchleuden unb schwer ikriebt wurde Die Polizei unternahm in der letzten Rächt eine auege- dehnte Razzia auf den im Weftbafen liegenden Schiffen. Sic stöberte dabei nicht weniger als zwanzig Personen auf. Unter diesen befanden sich mehrere auS Polen ausgcwicsenc Leute, die nirgends Unterkommen finden konnten. bl. Herborn, 19. Aug. Am vergangenen Sonntag tonnte der Vorsteher des GaueS 2 im zweiten Feuerwehrbczirk, S erb R i - < o d em ii e von hier . ' c r » ordneten beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung u. a. für die R a t t e n ve r t i 1 g u n g etwa 300 Marl bereitzustcllen und einem 3nstttui zur Betänrpfung her Rattenplage Die Derlilgung zu übertragen. -- Die Baupolizeigebühren wurden entgegen dem Magisirat»vorsä)lag nach dem Anträge der Baukommission sestgesetz!. Gemätz dem Anträge des Magistrat- wurde beschlossen. für lech- lirtherreiit?, minderbemittelte Familien cm ftädt. Wohnhaus zu erbauen. Das Gebäude erfordert einen Kostenaufwand von 56 000 Mk Man hofft, den größten Teil der Baufumnie aus staatliche» unb kommunalen Mitteln zu erhallen, so das, her Stadt nur etwa 5500 Marl Kostendem stehen Der Ansci>asfung einer Alarmsirene zum Preise Den 310 Mark wurdk unter der 'B.'dingung zu- gestimmt, hast die Rast. Brandverstcherung zu den Anschasfungskosten herangezcgen werde Dem Vorsteher des Gaues I der Freiwilligen Feuerwehr wurde zu seinem 45jähr. uubiläum eine Ehrengabe von 75 Marl nachträglich bewilligt. Unter Mitteilungen gab alSdann her Stadtvcrordnctenvorsteher noö be- lannt, datz der DUrgistrat, wie auch daS 5Xura- torium gegen Sic Eröffnung einer Mittelschule in Dillenburg bei der Regierung Protest eingelegt hatten unter der Begründung. hab eine Herabminderung dec Herborner Schülerzahl unausbleibliche Folge fein würde. Die Verhandlungen müssen hierüber Klarheit schassen. bl. Dillenburg. IS. Aug. Von leiten des Kreiowohlfahrtsamtes wurde vor längerer Zeit eine Sprechstunde für Herben- u n b Gemütskranke ins Leben gerufen. Allwöchentlich am Donnerstag finden durch einen Oberarzt der Landes-Heil- und Pflcgcanstalt .Herborn im hiesigen Kreishaussaale Sprechstunden statt. 3e nach den Verhältnissen ist die ‘-Beratung unentgeltlich. Die Erfolge haben sich schon in vielen Fällen gezeigt. bl. Haiger, 1-. Aug. Der hiesige Turnverein beging am 15. und 16. ds. Mts. die Feier seines 40jährigen Bestehens Die Stadt hatte festlich geflaggt und auS der Umgegend war eine Anzahl von Turnvereinen her- beigeeilt, die ihrem Zubiläumsverein huldigen wollten. — Mit einem Fest-Kommers am Samstag abend wurde die Veranstaltung eingeleitet. Es folgte am Sonntag morgen ein Weckruf, Konzert der Buderus-Röchling-Kapclle aus dein Marktplatz und ein Festzug, ber sich am Rachmittag gruppierte und zum Festplatz marschiert/e. Hier begann alsdann ein buntes Lebe» für jung und alt bis in die späten Rachtstunden hinein. U. a. veranstalteten zehn der besten Turnet von verschiedenen Gauen, so u. a. auch deS Lahngaues, ein Kunst-Schauturnen, das den Beisall aller Zuschauer fand (Ein gefährlicher Wendepunkt im Kindesleben. 3in ersten Kindesalier ist die Entwobnü>m der ficfäbrlicbfte ßeimbfcüiiüt ES erscheinen sehr oft ernste VerdguungSstörunnen unb manchmal die gefürchteten Manen- und Darmkatarrhe, die oft baS Leben ber Kleinen nejnbrben Nahezu 50 jäbrifle Erfnbruna gestattet es, bett Muttern für diese Zeit Nestle'S Kiadermchl zu emv'eblen, falls sie nicht weiter ftiücn können. Nestte's flnihermebl ist bk Nabrimn für Säuglinge fehlenber Muitermilch; eö beieiitnt abrocdiiclnb nut Mahlzetren von gezuckener fonbenL Milch, Marke „Äsilchmabchen" geretchi. bk hartnäckigsttn Beschwerben. ES ist überall erhältlich. Probebose unb illustrierte Broschüre über SäuglingSpsleae kostenlos unb unverbindlich durch ,Linba"-Gesell- schafi m. b. ■£)., Berlin W 57. ytiloreftrahe 66. 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Angeschlossene Vereine: Freie Turnerschaft, Kraft- und Sportklub, Waffersporto. Hellas, Radf.-Ver. Solidarität, Gesango. Eintracht, Arbeiter-Samariterbund, Arbeiter-Abstinentenbund, Naturfreunde. Programm: Borm. 8 Uhr: Wettschwimmen, Rudern. Bootshaus „Hellas". 9'/, Uhr: Start z. Wettfahren „Rund ümGietzen". Viadukt Ederstrahe. 107. Uhr: Start zum Staffellauf. Neues Stadtthcater. 7863D Nachm. l%Uhr: LeichtathletischeWettkämpfe (Sportplatz d.Freien Turner sch aftl auf dem Trieb. Futzballwettspiel. llö 5 W: Gemiilliches Beifammenfein auf der Liebigshöhe. Geräteturnen, Ringen, Preisverteil., Musik, Gesangsvorträge, Tanz. Rassereiner Hio de Jan >.516 0.511 0.513 Wien in D- Cefl. obgeft 59.08 59,22 39,08 59,22 Prag .... 12.422 12,422 12.42! 12.462 Belgrad . . 7.50 7,52 7.50 7,52 Budapest. . 5 895 5,915 5,895 6,915 Bulgarien . 3.03 3.04 3.03 3.04 Lissabon . 20 825 20.875 20,875 20.895 Danzig. . . Konstantin. 80 80 81.00 80,80 81,00 2.475 2.485 3,45 3,47 Athen. . 6 50 6.55 6.53 6.55 Banknoten. Berlin, 20. August. Geld Amerikanische Noten ..... 4.19 4,21 Belgische Noten........ 19,02 96,41 19,12 X6,89 Dänische Noten........ Englische Noten........ 20,345 20.445 19.79 169,74 Französische Noten...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... 19,69 168,63 15,23 15,31 Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr., 5100 Kronen 77.90 78,30 59.15 59.4> Rumänische Noten...... — — Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... 112.54 81,37 113,10 81,77 Spanische Noten....... 60,10 60.40 Tschechoslowakische Noten . . 12.38 12,44 Ungarische Noten....... 5.84 5.88 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 20. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer (neue Ernte) 24,50 Mk., Roggen, inländischer (neue Ernte) 20, Sommergerste für Brauzwecke (neue Ernte) 26 bis 28,50, Hafer, inländischer (alte Ernte) 20,50 bis 23, Mais gelb 22, Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,25 bis 40,25, Roggenmehl 29 bis 29,50, Weizenkleie 11,50, Roggenkleie 12,25 Mk. Tendenz: stetig. Sie hatte die Hände im Schoß gefaltet und sah ganz still hinauf in das Stückchen blauen Himmel, das die Dächer drüben freiließen, und dachte ihre eignen, glücklichen Gedanken weiter, während die Mutter in hrem gewöhnlichen, klagenden Tonfall fortfuhr: „Es ist so schade, daß das Examen auch gerade auf einen Samstag fallen muß. Ich hätte Braten an seinem Ehrentag so gern was anderes gegönnt. Du weiht doch auch, daß er sie nicht ausstehen kann, nicht wahr, Kind?" „Wen kann Braken nicht ausstchen, Mutti?" „Unsere Frikondellen — aber du hörst ja wieder gar nicht zu, Aenne. Und du weißt doch, daß heute Samstag ist und daß wir Frikondellen essen müssen." Anna lachte. Es war so ein recht übermütiges, jungfrisches Lachen. „Aber, Mutti, quäl’ dich doch nicht so unnötig — was liegt ihm an deinen Frikandellen?" „Wenn die Frau Oberlehrer argwöhnisch gewesen wäre, hätte ihr der triumphierende Ton auf-, fallen müssen, mit dem ihre Tochter dies eine Wort ,ühm" aussprach. Vielleicht wäre ihr dann auch die Tatsache eingefallen, daß man zwei Leute nie direkt beim Namen nennt: den Schatz und den Henker. Aber das Leben hatte sie so mürbe, so nervös und ängstlich gemacht, daß sie alles Denken über die Alltagspflichten und Sorgen hinaus längst verlernt hatte. Sie blieb bei ihrem alten Thema: „Weißt du, Kind, Braken hat doch neulich zu unserm Hans gesagt, Samstags lebten in den Fri- tändelten die schrecklichen Erinnerungen an alle Gerichte der ganzen Woche wieder auf. Ich möchte den Jungens ja auch lieber mal was anderes geben. Eigentlich mag ich sie auch selbst gar nicht gern, aber der Vater will's doch nun einmal so. Und reichlich haben es die Jungens doch immer bei uns, dafür sorg' ich dock! Braken will allerdings immer etwas Apartes Haven, sie nennen ihn ja auch den Prinzen. Aber er war immer ganz besonders nett gegen uns beide, nicht wahr, Aenne? Ich konnte ihn immer gut leiden — und nun muß er gerade heute an seinem Ehrentage Frikondellen essen!" Die Frau Oberlehrer hotte sich nun glücklich in einen Jammer hineingeredet, der nächstens in einen Tränenausbruck enden mußte. Anna kannte dos. Sie sprang auf, streichelte und tröstete die Mutter, wie sie das fn solchen Fällen immer tat. Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drcchtberichl des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 20. Aug. Auftrieb: 32 Rinder, darunter 25 Ochsen, 3 Bullen, 4 Färsen und Kühe, 812 Kälber, 623 Schafe, 615 Schweine. Es kosteten: Kälber: feinste Mastkälber 82—90 Mk., mittlere Mast- und beste Saugkälber 75—83 Mk., geringere Mast- und gute Saugkälber 65—74 Mk., geringe Saugkälber 50—58 Mk.: Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48—52 Mk., geringere Masthämmel und Schafe 39—47 Mk., mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 22—35 Mk.: Schweine: vollfleischige von 80—100 Kilogramm 90—92 Mk., vollfleischige unter 80 Kilogramm 85—89 Mk., von 100 bis 120 Kilogramm 90—93 Mk., von 120—150 Kilogramm 90—93 Mk., Fettschweine über 150 Kilogramm 90—92 Mk., unreine Sauen und geschnittene Eber 80—85 Mk. Marktverkauf: Kleinvieh bei lebhaftem, Schweine bei langsamem' Handel ausoerkouft. Berliner ProdLktenbörfe. Berlin, 20. Aug. Der Produktenmarkt nxir etwas fester, das Geschäft blieb aber beschränkt infolge Mangels an Kauflust. Die Ursache hierfür U hauptsächlich die, daß die Frage des Einfuhrscheines noch immer nicht geklärt ist. Gerste, nur gute Drauware, gefragt, Hafer behauptet. Roggenmehl war mehr begehrt als Weizenmehl, Futterartikel ruhig. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, rnärk. 237 bis 241, do. Mecklenburger 236 bis 237, do. September 255,50, do. Oktober 257, d. Dezember 262,50 bis 262, Roggen, märk. 174 bis 181, do. September 195,50, do. Oktober 201,50 bis 201, do. Dezember 205,50, do. westpreuh. 165 bis 170, Gerste, märk. 240 bis 272, Frsttergerste 189 bis 197, Hafer, märk. 186 bis 195, do. Oktober 187, Mais (lvko Berlin) 214 bis 218, Raps 350 bis 355; für je 100 Kilo: Weizenmehl 32,75 bis 35,25, Roggenmehl 25,75 bis 27,50, Weizenkleie 13,50, Roggenkleie 13,20, Diktoriaerbsen 27 bis 35, kleine Erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 23 bis 25, Peluschken 23 bis 25, Wicken 26 bis 28, Lupinen, blau 12,50 bis 14,50, do. gelb 15 bis 16,50, Rapskuchen 16,60 bis 16,80, Leinkuchen 23,40 bis 23,80, Trockenschnihel 12,20 bis 12,50, Torfmelasse 9,80, Kartoffelstöcken 25 bis 25,30, Zucker 22,20 bis 22,40. Büchertisch. — Sie(fntmict(ung5(inieber!Dlenfd)= heit. Grundzüge einer Weltanschauung. Bon Prof. Dr. F. Strecker. (Wissenschaft und Bildung Nr. 212.) Das Buch geht aus von der Entwicklung des Kosmos, schildert die Entwicklungsrichtung der leblosen und lebenden Natur und behandelt die Entwicklungsursachen für den Ausbau der Organismenwelt. Vier weitere Abschnitte sind dem Menschen und der menschlichen Gesellschaft gewidmet. 438 — Alexander der Große und das W e l t g r i e ch e n t u m bis zum Erscheinen Jesu. Don Geheimrat Professor Dr. Th. Bitt. 2. verbesserte Auflage. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Mit wunderschöner Plastik versteht es Bitt, die Zeit, die fast 21 Jahrtausend hinter uns liegt, ganz dicht an uns heranzuzaubern. Wir atmen den Geist des Hellenismus, als würden wir unmittelbar von ihm befruchtet und hätten selbst das unsere noch dazu beizutragen. Mit packender Anschaulichkett werden die Jahrhunderte des Hellenismus so an uns herangebracht, daß wir sie, von blutvollem Leben angefüllt, unserer Zeit unmittelbar gegenüberstellen können. 445 — „Theater und Sport" heißt das Thema, das in dem soeben zur Ausgabe gelangenden zweiten August-Heft der illustrierten Halbmonatsschrift „Das Theater" (Derlag Berlin W 9) von einer Reihe der bekanntesten Künstler und Künstlettnnen der deutschen Bühnen in Wort und Bild behandelt wird. Richt minder interessant ist eine außerordentlich reich illustrierte Plauderei „Die Geheimnisse der Theatergarderobe", die eine Reihe unserer berühmtesten Dühnenmitglieder bei den letzten Vorbereitungen zum Austreten zeigt. Eine Reihe von kleineren Theaterattikeln ergänzen den Inhalt des Heftes. — „D i e Frau und ihr Haus", Zeitschrift für Kleidung, Wohnung, Wirtschaft, Körperpflege, Erziehung, Dolkswohlfahrt. Herausgegeben von der Werbesteste für Deutsche Irauen- kultur, Köln. Verlag: G. Braun, G. m. b. H, Karlsruhe i. B. Erscheint monatlich einmal. Bezugspreis halbjährlich (6 Hefte) 3 Mk., jährlich (12 Hefte) 5 CDU.. Cinzelheft 60Pf. Heft ll(August) 5. Jahrgang 1924/25. Einfache aber geschmack- „Aber, Mutter, nimm es doch nicht so tragisch, es wird ihm heute schon alles recht sein." „Aber ich möchte es ihm doch so gern ein bißchen heimatlich und festlich machen, wenn er nun gleich nach Hause kommt. Vielleicht könnte ich schnell eine Apfeltorte holen. Und vielleicht — wenn Papa guter Laeune ist, frage ihn mal — da sind noch die zwei Flaschen Mosel von seiner Geburtstagsbowle her." Anna bestärkte die Mutter eifrig in dieser Absicht. Der Frau Oberlehrer wurde schon leichter ums Herz. „Also, du meinst, ich könnte die Torte wirklich holen, ohne Vater erst zu fragen? Dann geh' ich lieber gleich felbft. Und du siehst wohl mal nach den Frikondellen daß das Mädchen sie nicht wieder so nüchtern macht wie vorige Woche." Anna half der Mutter draußen auf der Diele in den Umhang, begleitete sie bis zur Haustür und hielt dort ein Weilchen, wie wartend, auf der Schwelle Ausschau. Eng und stattlich zog sich die alte Straße mit ihren Giebelhäusern rechts hinauf bis zum Marktplatz, links hinab zum Fluß und Hafen der Stadt, die von hier aus ihre Schiffe weit über die Ostsee sandte. Früher, als auch noch die reichen Leute betriebsam und genügsam in ihren Geschäftshäusern wohnten, gehörte die alte Straße zum vornehmen Kaufmannsviertel. Die hohen Giebelhäuser hätten von manch stolzen Namen, von viel Mühe und Arbeit und von reichen Festen erzählen können. Aber wer irgend konnte, zog jetzt hinaus in die hellen Villen der Vorstädte, und die alten Häuser waren billig zu haben. So hatte auch Oberlehrer Schumann ganz richtig spekuliert, als er das alte Haus kaufte und dann die Zinsen der Hypothek so ziemlich mit dem ^Kostgelde seiner Pensionäre bezahlen konnte. Seine Tochter Anna hatte das alte Haus lieb und ein starkes Heimatgefühl für die alte Straße. Aber heute schien nichts Neues und Anziehendes da draußen zu fein. Anna ging langsam zurück ins Haus und über die fteingepflafterte, große Diele, die ihr Licht durch ein paar hohe Fenster von der Hofseite erhielt. Diese Fenster mußten auch die Küche mit erhellen, die, durch eine vielscheidige Glaswand von der Diele abgetrennt, rechts vor der Eßzimmertür und hinter der stattlichen Treppe zum ersten Stockwerk lag. volle Entwürfe zu Haus-, Fest- und Wander» kleidern, Herbst- und Reisemänteln. Ergänzt durch einen Schnittmusterbogen. — Der Aufsatz „Das Mittelmeer im Laufe der Weltgeschichte" von Generalleutnant Heinrich Meyer bildet die Einleitung des soeben erschienenen Heftes 4196 Der „3 11 u ft r i e r t e n Z e i- tung“ (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig). Er schildert die wechselvolle Geschichte dieses Meeres und führt uns die Bedeutung jener Region auch für die Gegenwart vor Augen. Ferner wird die 700°3ahrfeier der Stadt Witzenhausen durch einen mit reichen 3llustrationen ausgestatteten Artikel von Karl Loeffelholz gewürdigt. Ein Dildertableau aus der Eiswelt Graubündens zeigt das gewaltige Wunder dieser Bergwelt. Dem Reiche der Archäologie ist die Arbeit von G. .W. Eberlein: Die rätselhafte Basilika unter der Erde entnommen. Nundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 22. August. 4 Ahr: Wetterbericht Der Gießener Wetterdienststelle. 4 Ahr: WirtschaftsmeHpagen. 4.20 Ahr: Nachrichtendienst. 4.30 bis 6 Ahr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters: Italienische Opern. 6 Ahr: WirttckaftsmelDungen. 6 bis 6.30 Ahr: Die 3ugendfiunde: Aus: „Gockel, Hinkel und Gackeleia" von Clemens Brentano. 6.30 bis 7 Ahr: Der Briefkasten. 7 bis 7.30 Ahr: Aus Histotte und Fantasie (Anekdoten und Rätsel). 7.30 bis 8 Ahr: Stenographischer Fottbildungs- kursus für alle Systeme (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8 bis 8.30 Ahr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: Vortrag von Herrn Studienrat Dr. Majer-Leonhard: „Lehrer und Schüler". 8.30 bis 9.30 Ahr: Claude Debussy (geb. 22. August 1862) 1. Erste Rhapsodie für Klarinette und Klavier, 2. Epigraphes antiques. 6 Stücke für Klavier zu vier Händen, 3. Drei Lieder nach Mallarme, 4. Kammersonate für Cello und Klavier in D-Moll. £.30 Ahr: Rache- richtendienst, Wettermeldung. 9.35 Ahr: Die Spätankündigung: „3rving Berlin!" 9.45 Ahr: Sportfunkdienst. 10 bis 11 Ahr: Heiterer Abend, Programm u. a.: Dichtungen von Liliencron, Fal«, Dehmel, Dusch. Fontane, Daudet, Wild, Andersen, Rückert, Groth, Keller, Mynona, Morgenstern. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. 3sr. ReNglonSgemeinde. Gottesd.i. d. Synagoge. (Südanlage). Samstag, d. 22. August. Vorabd. 7.15 morg. 8,30, abds. 7.40 u. 8.20. Gottesdienst der isr. RrligionSgesellschafl. Sabbatseier den 22. August 1925. Freitag abend 7.05, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausgang 8.20, Wochengottesdienst morgens 6.30, abends 7.00. Gleich links neben der Haustür ging es in Des Oberlehrers Zimmer, das nach der Straße hin ein großes Fenster hatte. Im Vorbeigehen warf Anna einen flüchtigen Blick in die Küche. Hier hantierte im Halbdunkel Minna, jenes „tüchtige und arbeitsame Mädchen zum Alleindienen in einem größeren Hausstände", das der Oberlehrer erst kürzlich mit Hilfe des Generalanzeigers gefunden hatte. Aber Anna nahm heute weder die Minna noch das Mittagessen wichtig. Sie setzte sich wieder in die Sonne auf Musters Näh- platz und dachte ihre eignen, jungen Gedanken weiter. Sie hatte gewußt, daß es so kommen mußte. „Er" war ja hundertmal klüger und besser wie all die andern. Das mußte Anna genau beurteilen können, denn seit vielen Jahren nahm ihr Vater Gymnasiasten als Pensionäre in sein Haus, und sie chatte Gelegenheit gehabt, eine ganze Reihe dieser jungen Leute genau kennen zu lernen: kleine, heimwehkranke Sextaner, welche Die Anfangsgründe des Latein durchaus nicht begreifen konnten, eingebildete Quintaner, selbstbewußte Quartaner und Tertianer in der Blüte ihrer Flegeljahre, mit denen am aller- schwersten auszukommen war. Die Sekundaner fingen bann schon an, liebenswürdiger und galanter zu werden. Ein Primaner war freilich eine Seltenheit in des Oberlehrers Hause, da die Zucht bei ihm als eine allzu stramme galt. Max Brakens Erscheinen vor zwei Jahren hatte deshalb einige Sensation erregt. Anna wußte heute noch genau, wie damals alles gewesen. Sie war zu der Zeit ein langaufgeschossener Backfisch und eben mit der Schulmappe nach Hause gekommen, als Max Braten klingelte und ihren Vater zu sprechen wünschte. Sie fühtte ihn in des Oberlehrers Zimmer und lungerte bann noch ein Weilchen auf der Diele herum bei dem großen Klei- berftänber, wo auf numerierten Haken jedes Mitglied des Hausstandes Mantel und Hut aufzuhängen hatte — auch eine von den weisen Einrichtungen des gestrengen Hausvaters. Anna war neugierig, was dieser schlanke, hübsche Mensch mit den blanken, dunklen Augen und den visp>»rsprechenden Anfängen eines braunen Schnurrbartes bei ihrem Vater zu suchen hatte. Hinter dem Kleiderständer ließ es sich ganz hübsch an der Zim- mermanb lauschen. (Fortsetzung ftrtgtl