9. August 1925 7MV HrJ94 Erstes Blatt 175. Jahrgang Donnerstag, 20. August 1925 Erschein! täglich, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GiehenerFamilienblLtter Heimat Im Bild. Monats-Bezugspreis. 2 Goldmark u- 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech'Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der. lagundGeschäftsstellebl. Anschrift für Drahtnach. richten: AnzeigerEießen. p»,schelttonto: Zranttnrt a. M. 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'fche Univerftläts-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Seschäflzftelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpscnnig; für Re- Klame-An;eigen v 70rnrn Breite 35 Goldpfennig, Playvorfchrift 20"/. Aufschlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: J)r. Friedr. Wilh Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Dlumschein:fürden Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen Eröffnung der Stockholmer Weltkonferenz. Die Begrüßungsansprache des Königs von Schweden. — Die ersten Reden. Stockholm, 19. August. 3n der Alten Kathedrale von Stock- Holm erhielt heute vormittag die Weltkonferenz für praktijchks Christentum ihre festliche Weihe. Ein Bild von unerhörtem (glanz! Eindrücke von solcher Großartigkeit, daß sie keine schnelle Feder schildern kann. Es ist das uralte Glaubenslied der Christenheit, das Credo von Nicaea. Vor 1600 Jahren erklang es zum ersten Male auf jenem frohen großen Konzil der christlichen Welt, als besten Fon- seßung sich die Stockholmer Konferenz mit stolzem Kraftgesühl betrachlci. In den fünf gotischen Langschissen sammeln sich die Nationen. Studenten mit schwedischen Schärpen sorgen für geräuschlose Ordnung. Durch bunte und weiße Bogenfenster bricht Sonnenlicht. Es wetteifert ! mit den unzähligen Kerzen, die an großen Pfeilern j flammen. Altar, Kanzel, Chorraum eine wunderbare , Lichtfülle. Magisch strahlt vergoldete Plastik. Blumen schmücken Wände und Stufen. Aber alles überglänzt die bunte Pracht menschlicher Gewänder. Die Trach- len fernster und neuester Zeiten. Goldgestickte Hofröcke, Militäruniformen, von denen Orden und Sporen klirren. Daneben schlichter Anzug aus der Prosa der Gegenwart. ilnb dann die Kirchen. Das evangelische Deutschland kennt keinen kirchlichen Prunk. Aber in anderen Ländern protestantischen Glauben- haben sich die alten 'Trachten aus vorreformatorischer Zeit bewahrt. Die englische tz o ch k i r ch c ist rot und violett gekleidet, und dann die vielen Bischöfe aus aller Welt. Silberne Kreuze, goldene Ketten auf schwarzen und blauen Talaren. Große- Schweigen. Der König kommt und mit ihm die Königliche Familie. Die Königin, eine majestätische Frau aus deutschem Blut, deutschem Königsschicksal stammverwandt. Linier großen goldenen Kronen der Hoflogen nehmen sie Platz. Rahe gegenüber die goldene Kanzel. Die uralte Gemeinschaft von Thron und Altar wird dramatisch sichtbar. Aber gewaltiger als der Ein- ,ug der Majestäten ist der Einzug der großen Würdenträger der Christenheit. ; Welch ein seltsames Bild: diele Trachten I der christlichen Führer. Hier der Frack des : deutschen Juristen mit wilhelminischen Orden. , Dort der vrthodore Bischof mit langer schwarzer ; Kapuze und den vielen Edelsteinen in der Pracht. Alle diese Geistlichen der orthodoxen Kirche Ira- 1 gen lange graue Bärte. Sie haben alle längst I das biblische Tllter überschritten und wirken hier ; wie eine Welt aus früheren christlichen Jahr- ! tausenden. Die Amerikaner ganz modern Prunklos. geschäftlich, mit einem Worte amerikanisch. , Den Engländern der Hochkirche liest man den i schlauen Sinn für christliche Propaganda von Stirn und Gewand. Der Gottesdienst nimmt uns erst dann und mehr und mehr mit unbewußter Gewalt gelangen. Die Lieder ertönen fast in allen Sprachen der Welt. Aber die gleiche ; Melodie zerschnitt die verschiedenen Worte. | Auf dem Altar stehen Bischöfe und Pastoren in grünen, roten und weißen Gewändern und singen die Lithurgie. Für Evangelische aus Deutschland ! fremd, ganz fremd. Wir Deutsche haben ja von der sichtbaren Kirche nur ganz wenig behalten. )ür die unsichtbare ist dieser Gottesdienst vielleicht nicht der richtige Ort. Kirchliche Gesänge von großer Kunst werfen ihr Echo durch die Halle. Da steht der englische Lordbischof in Scharlach auf der goldenen Kanzel und predigt. Er spricht nach englischer Art sehr volls- mmlich und äußert sich viel unbefangener, als cs Deutsche tun würden, über alle großen öffentlichen Fragen der heutigen Welt Dann kommt Diedermn die geistige Einheit statt babylonischer Sprachverwirrung im gemeinsamen Bekenntnis zu Gott dem Herrn. Ein großartig ^sprvchenes und mitgebetetes Vaterunser in allen Weltsprachen. Zum Schluß für uns Deutsche eine gewaltige nationale Erhebung. Das Schutz- und Truhlied der reformatorischen Kirche erklingt: „(Sin 'este Burg ist unser Gott". Eie singen cs auf englisch, und sranzösisch, auf schwedisch und griechisch, auf finnisch und spanisch. Aber wir, vir eine deutsche Minderheit, singen dieses Lied ’o, wie cd der Dichter schuf. Sie alle singen es in der Llebersetzung, wir singen es nach den Worten LutherS. Langsam und feierlich bewegt sich der festliche Zug hinüber zum Schloß. Ganz Stock- dvlm steht Spalier. Es ist für dieses Land einer der größten Tage in unserem Zeitabschnitt. Dor i dem griechisch-katholischen Patri - irchen trägt man zwei goldene Kronen aus den frühzeitig Frühzeiten von Byzanz. Er ist hier die geistliche Majestät, der weltlichen Majestät ebenbürtig und wird auch vom König als Heiligkeit besonders begrüßt. 3n den marmornen Treppenhäusern des Schlosses historischer Pomp. Dor jedem der «Säfte stehen die Soldaten in alten schwedischen -Uniformen stramm. Husaren, Kürassiere im Pancer, Infanterie in den Feldmützen von 1813. Dir wandern durch die Pracht dieses Königs- chlosses, durch Spiegelsäle, Galerien, durch die Schöpfungen großer Maler und Bildhauer. Wir fühlen das sichere Zusammengehen geistlicher und veltlicher Macht tiefinnerlich. Run stehen wir ii dem schmalen langen baroffen Krönungs- faal. Die Dertreter der Weltpresse, denen Schweden eine besondere Achtung entgegenbringt, haben einen besonderen Ehrensitz nahe dem Thron. Auf der Galerie brausen Posaunen der schwedischen Garde auf. König und Königin, der Kronprinz, das ganze Königliche Haus erscheint in der Tracht ihres Hausordens. Minister und Staatsrat im großen Prunk. Das diplomatische Korps und alle Würdenträger. Ein Bild, überreich an Gold und Glanz. Dem Throne gegenüber sitzen die Sprecher der Delegationen. In der Mitte das Oberhaupt der östlichen Kirche. Erzbischof S ö b erbt o m , ein Blondkopf von jugendlichem Feuer, grüßt in freier Rede den König in englischer Sprache. Söderblom hat ja diese Konferenz durch jahrelange Arbeit zustande gebracht. Der König verliest die große Thronrede in kurzen machtvollen Sätzen ebenfalls englisch. Zum Schluß erklärt er die Konserenz für eröffnet. Alles erhebt sich. Ein schlichter amerikanischer Pfarrer spricht knapp und prunklos, man hört förmlich das gehämmerte Tempo von Reuyork. Dann der englische Lord-Bischof mit dem großen Apparat englischen Weltstofses. Ein prunkvolles scharlachrotes Gewand umfaßt seine Worte. Der achtzigjährige Patriarch liest einen kurzen französischen Text mit melodischer Stimme vor. Er ist sichtlich bewegt und vielleicht am meisten ergriffen von allen. Und bann der Führer der deutschen Delegation in deutscher Sprache, Dr. Kapler, weltmännisch vornehm und frei, sehr ausführlich. Mit deutscher Gründlichkeit geht er als einziger bei dieser Gelegenheit^ auf das Wesen der Konferenz ein. Bei der Rede des deutschen Aertreters neigt sich alles in gespannter Aufmerksamkeit nach vorne. Die erste große internationale Konferenz nach dem Kriege, in der d i e deutsche Sprache vor allerhöchster OefsenUichkeit erklingt. Unter dem Geschmetter der Trompeten verlassen die Teilnehmer feierlich und langsam den Thronsaal und sind bann G ä st e der Ma > estäten in allen Räumen des Schlosses. Der König führt den griechi- schen Patriarchen am Arm, die Königin geht neben dem Chef der deutschen Delegation. Dann wird man stundenlang mit echt sa/wedijcher Gastfreundschaft in dem schloß bewirtet und blickt hinaus in das Son- nenlicht über den prächtigen Hafen. Der Weltverkehr zieht seine Linien hier sehr nahe am Schloß vorbei, wo sich alte und neue Welt heute im Zeichen des Kreuzes Christi die Hand reichen. Die Eröftnungssitzu.ig. Stockholm, 19. Aug. (TU.) Heute wurde die Weltkonferenz für praktisches Christentum nach einem Festgottesdienst in der Stockholmer Kathedrale durch König Gustav von Schweden im Königlichen Schlosse eröffnet. Nach einführenden Worten des Erzbischofs von Upsala, Dr. So e der- blom, hielt der König folgende Ansprache: „Em. Heiligkeit! Meine Damen und Herren! Mit großer Freude heiße ich Sie, die Vertreter der Kirchen in der alten und neuen Welt, des ortho- doxen und evangelischen Christentums, in Schwedens Hauptstadt willkommen. Sechzehn Jahrhunderte find (eit dem Konzil von Nicäa verflossen. Die jetzt hier nach mehr als anderthalb Jahrtausenden tagende Versammlung hat keine weniger wichtigen Ausgaben. Sie soll angesichts der dringenden Fragen unserer Zeit, deren Lösungen der bewußten und gemeinsamen Bemühungen aller Kräfte bedürfen, versuchen, es klar hcrauszustellen, was das Christentum tun kann und tun soll. S o - ziale Fragen und internationale Probleme beschäftigen beständig diejenigen, denen die Gesetzgebung und die Regierung bei den verschiedenen Völkern anoertraut sind. Aber selbst, wenn sie gute Gesetze geben, bedeutet das nicht, baß sie wirklich ihr Ziel erreicht haben. Denn Gesetze und Verfügungen bleiben mehr ober minder wirkungslos, solange sie nicht in den Herzen der Menschen auf echten willen und auf eine Gesinnung gegründet sind, die Liebe und Gerechtigkeit über sich selbst stellt. So müssen wir in die Herzen der Menschen den Grund für Frieden und gegenseitiges vertrauen in die Gesellschaft und zwischen den Völkern legen. Ich möchte meine besten Wünsche für ein gutes, glückliches Ergebnis Ihres Werkes aussprechen. Möge cs Ihnen während Ihrer Verhandlungen in Stockholm gegeben fein, deutlicher als bisher den Weg zu gehen, den die Kirche zu gehen hat, um den Geist Christi in unserer gegenwärtigen, von Unruhe und Streit zerrissenen Welt zur Herrschaft zu bringen. Noch wichtiger ist es, daß durch Ihre Zu- sammenkunft hier die Kirchen einander nähergebracht werden. Nichts dient mehr der Einigkeit, als daß Männer, befreit von hohen Idealen, mit aufopferndem Eifer ihr Denken und Leben in Verwirklichung fegen. Mit diesen Wünschen und Hoffnungen erkläre ich die ökumenische Konferenz für praktisches Christentum eröffnet." Nach der (Eröffnung nahmen die Vertreter der verschiedenen Sektionen der Konferenz das Wort. Für die europäische Sektion sprach der Präsident des Deutsch-Evangelischen Kirchen- ausfdjuffes Dr. Kapier. Der Redner bezeichnete die Begrüßung durch den König als ein hohes Symbol der Wertschätzung, die das Königliche Haus, die Kirche und das Volk Schwedens der Weltkonferenz ^ntgegenbrächten, und fuhr dann fort: „Wir alle stehen bei der (Eröffnung der Weltkonferenz für praktisches Christentum unter dem Eindruck eines Ereignisses von hoher kirchen- geschichtlicher Bedeutung. Wenn in Nicäa die Völker um die begriffsmäßige Fassung des Christenglaubens rangen, wollen wir heute den christlichen Glaubensinhalt auswerten für die Lösung der großen Probleme, die das Gemeinschaftsleben der Menschen darbietet. Wir wollen, daß unser christlicher Glauben nicht als ehrwürdige Reliquie im Reliquienschrcin aufbewahrt wird, sondern daß unser Glauben ich als beständige Kraft auswirke im ; e m e i n s ch a f 11 i ch e n Leben der Men- chen und Völker. Der unermeßlichen Schwie- rigkeiten unseres Werkes sind wir uns völlig bewußt. Wir vergessen gewiß nickt die zahlreichen und weitgehenden Unterschiede in der Ausprägung, die der christliche Glaubensinhalt bei zahlreichen Kirchen- gemeinschasten der Erde gefunden hat. Aber wir sind der Zuversicht, daß der gemeinsame Besitz der christlichen Kirche grvßaenug ist, um sich auf gemeinsamem Wege die Hand zu reichen." Zu dem ersten Verhandlungsgegenstand der Weitkonferenz, der nur in Form von Dortragen nicht in Diskussionen behandelt wird, nahm in der Eröffnungssitzung von deutscher Seite LandeSbischof D. Jhmels (Dresden) das Wort. Seine Ausführungen gestalteten sich zu einer bemerkenswerten Darlegung der deutsch-lu- therischen Auffassung vom Reiche Gottes und von dem Verhältnis der religiösen Aufgabe der Kirche und ihrer sozialen Verpflichtungen. Bischof Imehls führte aus: linier Gottes Reich ist nichts anderes zu verstehen a»s die Herrschaft Gottes. Es ist nicht eine c'hifche Gemeinschaft, die durch einen Zufum- mensckluß von Menschen entstünde. Gottes Reich tritt notwendig zu den natürlichen Lebensordnungen in Beziehung. Gleichwohl ist es etwas völlig anderes als die natürlichen Lebensordnungen. (Es ist weder ethisierte noch sublimierte Welt, sondern durch und nnrd) Neuschöpfung in der Welt. Die eigene Gesetzlichkeit der natürlichen Lebens- forberungen erkennt das Reich Gottes an, will sie aber mit seinem Geist sauerteigartig durchdringen. Es ist nichts als Schwärmerei, wenn man das Reich Gottes sich in dieser Welt in allmählicher Entwicklung oollestden läßt. So kann die Kirche nur eine Aufgabe haben: Die BotschaftoonChri- tus den Menschen zu bringen. Dabei kann ie aber unmöglich ignorieren, daß diese Botschaft )ie Menschen in ganz bestimmten Lebenslagen trifft. Hier erwächst für die Kirche die Verpflichtung zu einer sozialen Ethik. Für eine soziale Ethik liegt aber die eigentliche Schwierigkeit darin, daß, von der christlichen Ehe und Familie abgesehen, niemals in einem Gemeinwesen alle Mitglieder persönliche Christen sein werden. Dann muß sich freilich die Kirche sorgfältig davor hüten. Fernstehenden christliche Ordnungen äußerlich aufzuzwingen. Wohl bleibt aber die Verpflichtung, pädagogisch Ordnung zu schaffen. Es gilt hier, daß die Kirche nur zu einer Durchdringung des gemeinschaftlichen Lebens auf wirtschaftlichem (9 e • biete anleiten kann, während sie sich vor aller Einmischung in die rein technischen Fragen forgfältig zu hüten hat. Auch bei all dieser Arbeit der Kirche darf aber keinen Augenblick verleugnet werden, daß das Christentum nichts als religiös ist. Die Kirche darf mit Freude einen Erfolg ihrer Arbeit darin sehen, wenn ursprünglich christliche Gedanken im öffentlichen Leben auch von solchen vertreten werden, die persönlich dem Christentum fernstehen. Aber sie darf sich nicht darüber täuschen, daß bei dem einzelnen wie in der Gemeinschaft wirkliches Christenleben doch nur aus dem Glauben erweckt." An den Dortrag schlossen sich ergänzende Dorträge der Dertreter der übrigen Sektionen. Bemerkenswert waren die Ausführungen des französischen Dertreters M o n o d , der eine eindringliche Mahnung an seine katholischen Landsleute richtete. Ihre abwartende Haltung zu dec Konferenz sei verletzend, aber er sehe doch in der Dergangenheit und Gegenwart gemeinsame Derbindungslinien und fühle ihre geistige Anwesenheit. Monod bezeichnete den Dölkerbund als die einzige neue Idee, die der Weltkrieg hervorgebracht habe. Der Dölkerbund sei das Banner der Bereinigung aller Böller der Welt. Heute wird die Konferenz das Thema „Die Kirche und die wirtschaftlichen und industriellen Probleme" behandeln. Der Reichskanzler reist nicht nach Stockholm. Berlin, 19. Aug. (TU.) Reichskanzler Dr. Luther hat feine Absicht, an der Weltkonferenz in Stockholm teilzunehmen und dort eine Rede zu halten, wegen der Entwicklung der politischen Lage aufgeben müßen. Das Manuskript seiner Rede ist dem Erzbischof Soederblom zugegangen, der es dort verlesen wird. Die Arbeitsgemeinschaft studentischer Nationalverbäude. Kopenhagen, 19. Aug. (WB.) Der Kongreß der Arbeitsgemeinschaft studentischer Nationalver- bänbe bildete nach der Vollsitzung am 16. August cus sich vier Ausschüsse, welche die einzelnen Arbettsgebiete behandeln. Die ersten beiden Tage standen noch unter dem Einfluß der Sprachenfrage, da der Anerkennung der deut- schen Sprache wieder Schwierigkeiten gemacht wurden. Nach teilweise sehr lebhafter (Erörterung wurde die Frage jedoch durch eine Ausschußerörterung des Exekutivkomitees dahin entschieden, daß- die deutsche Sprache a ls D e r h a n d l u n g s - spräche anerkannt wurde. Der Ausschuß, der den Austausch der Reisefragen behandelt, stimmte dem deutschen Antrag, der die Aufhebung des Sichtvermerks an den Grenzen an denen ein reger Reiseverkehr ftattfinbci. durch Anträge der Studentenschaft bei den zuständigen Regierungen fordern will. zu. Der Sportausschuß befaßte sich mit dem Plan einer internationalen akademischen Olympiade, für deren sportlichen Aus- bau durch rege Mitarbeit der deutschen Vertreter wichtige Vorschläge gemacht wurden. Der Ausschuß für Hochschulsragen befaßte sich mit der Frage der gegenseitigen Anerkennung der akademischen Grade. Ein Antrag der deutschen Vertreter, der die Aufforderung an alle Rcgierun- gen richtet, diese Frage nur vom wissenschaftlichen und nicht von politischen Gesichtspunkten zu betrachten und zu behandeln, wurde angenommen. Die starke Mitarbeit der deutschen Vertreter wird in allen Ausschüssen anerkannt. Gerade diese sachliche Mitarbeit dürfte zu der Regelung der Sprachen- frage in dem deutschen Sinne wesentlich beigetragen haben. Die französische Antwort. Am Freitag Uebcrreirbnng in Berlin. Pari«. 19. Aug. (WTB.) Die bei* gische Regierung hat dem Quai d'Orsay mitgeteilt, daß sie die französische Antwortnote an Deutschland zur Frage des Sicherheitspaltes billige. Auch Mussolini hat dem französischen Botschafter in Rom davon benachrichtigt, daß der Tert der Antwortnote die Billigung der italienischen Regierung finde. Diese beiden Mitteilungen sind heute bormittag dem französischen Botschafter in Berlin zur Kenntnis gebracht worden und dieser hat gleichzeitig Anweisung erhalten für die amtliche ilebermittlung der Antwortnvte an die deutsche Regierung. Botschafter b e Marge r i e wird noch vor Ende der Woche um eine Audienz beim Reichskanzler und beim Reichsaußenminister nachsuchen und sich mit den Mitgliedern deS diplomatischen Korps in Verbindung sehen, damit das Dokument in Gegenwart der Dertreter der alliierten Mästte übergeben werden kann. Außenminister Dr. Etresemann ist gestern nachmittag von seinem kurzen Erholungsurlaub nach Berlin zurückgekehrt. Die Rückkehr steht im Zusammenhang mit der bevorstehenden ileberrei* chung der Antwortnote, die voraussichtlich am Freit atz erfolgt. Für Samstag ist dann mit der Veröffentlichung der Rote zu rechnen. Keine Lohnerhöhung tm Ruhrbergbau. Der Schiedsspruch des Neichs» kommissars. — Die Absaykrisis in der Kohlenwirtschaft. Dortmund, 19. Aug. (WD.) Unter dem Dorsitz des Schlichters für Westfalen, des Reichs» und Staatskommissars M e h l i ch, wurde in den Lohnstreitlgkeitcn im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbau folgender Schiedsspruch gefällt: Die Gewerkschaften haben die Lohnordnung gekündigt und eine Ibprozentige Erhöhung der Löhne gefordert. Der Zechenverband verlangt die Einführung von Spannungslöhnen und starke Hervorhebung des Leistungsprinzips. Diesen Anträgen kann im Augenblick nicht entsprochen werden. Zwar bewegen sich die Löhne im Ruhrbergbau um etwa 10 Prozent unter den realen Friedens löhnen. Eine Erhöhung wäre deshalb aus sozialen wie aus wirtschaftlichen Gründen erwünscht. Sie müßte aber infolge mangelnder Rentabilität der Werke zu Preiserhöhungen führen, die den ohnehin schlechten Absatz der Kohle zum mindesten im Auslande und in den umstrittenen innerdeutschen Absatzgebieten weiter vermindern würden. Die dadurch eintretende Z u- nähme der Feierschichten würde für die Arbeiterschaft trotz der Lohnerhöhung einen D e r- l u st an Arbeitslohn und damit den Fortbestand einer unsicheren Geschäftsgrundlage bedeuten. Außerdem bestünde die Gefahr, daß Stillegungen in unerwünschtem Ausmaße erfolgen tourten. Es liegt zwar im Interesse aller im Bergbau Beschäftigten, daß eine Angleichung der Förderung an dem Der» o r a u ch und damit eine rationellere Gestaltung der Kohlenwirtschaft erreicht wird, sie muß aber besonders für d i e Arbeiter zu bedenklichen Folgen führen, wenn zuvor eine Einschränkung des Absatzgebietes in die Wege geleitet wird. Im übrigen ist diese Angleichung in Entwicklung begriffen und läßt die Hoffnung zu. daß die wirtschaftliche Grundlage des Bergbaues wieder gesunden wird. Diese Entwicklung darf nicht durch eine Erhöhung ter Selbstkosten gestört werden, weshalb es im Interesse der beiden Teile erscheint, unter Ablehnung aller Anträge es noch zwei Monate bei den bisherigen Löhnen zu belassen. Neue Stillegungen im Ruhrgebiet. Dortmund. 19. Aug. Die zum Loth- ringenkvnzern gehörige Zeche „©lud un& Segen" in Welling hausen lKr. Hörde) wird, wie die „Rheinisch-Westfälische Zeöttmg" bericht«, wegen Unrentabilität zum 30. August geschlossen werten. Hierdurch werden 1300 Arbeiter und Angestellte brotlos. — Es ist dies die dritte Zeche des Lothringenkonzerns, die un iMmt mtmann erant für Schlag: ' Ltr. Milch id)L 'te mit Preis und 00a.-.Sieß.2lnz. ten tu:. ne N*u9he,0Ntn ! eiste'M iu W. or. "fn önfn,otk|t Ncrost" P5'sir»^ mÄ ita *«•3 h,r llsn um .. 'N b,e groß, lefitn. . ' Q Vom Reichsminister des Innern wurde dem Reichstag der Entwurf einer Reichsdienststrafordnung zugelei- tet. Der Entwurf behandelt das materielle Dienststrafrecht, das Verhältnis des Dienststrafverfahrens zum gerichtlichen Strafverfahren, die Dienststrafgerich-tsverfassung, das Verfahren selbst, die vorläufige Dienstenthebung, Fristen, Vollstreckung, Kosten sowie Schluß- und lieber» gangsbestimmungen. 3n der Begründung wird darauf hingewiesen, daß das geltende Dienststrafrecht der Reichsbeamten, wie es im Reichsbeamlengesetz niedergelegt ist, schon seit langem verbesserungsbedürftig ist. Als besonders schwer wurde der Mangel erschöpfender Bestimmungen über die Rechtskraft der Entscheidungen und die Unmöglichkeit der Wiederaufnahme des Verfahrens im Sinne der entsprechenden Vorschriften der Strafprozeßordnung empfunden. ilm die Reuregelung des Deamtenrechts überhaupt in Fluß zu bringen, ging die Reichsregierung dazu über, seine vom Standpunkt der Beamten der Verabschiedung am dringendsten bedürfenden Teile, soweit tunlich, herauszugreifen und vorweg zu bearbeiten. So geschah es mit dem Entwurf eines Beamten- vertretungsgesehes und fo geschieht es jetzt mit dem Entwurf einer Drenststraf- orönung für die Reichsbeamten, deren alsbaldige Verabschiedung besonders drrnglich erscheint. Ein Aufruf der demokratischen Partei. Berlin, 19. Aug. (TU.) Die Deutsche Demokratische Partei und die demokratischeReichs- tagsfraktion erlassen einen Ausruf an ihre Wähler, in dem es heißt: Wir stehen am Ende einer langen und an Kämpfen überreichen parlamentarischen Tagung, der ersten, in der die demokratische Reichstagsfraktion in .Opposition gegenüber einer Regierung der deutschen Republik stand. Die deutsche demokratische Reichstagsfraktion hat sich bewußt zu keinem Zeitpunkt an irgendeiner Form von Obstruktion beteiligt, die die Arbeit des Reichstages zu verhindern geeignet gewesen wäre und einen gefährlichen Schritt auf dem Wege zum Riedergang des Parlamentarismus bedeutet hätte. Sie hat tu Arbeitsfähigkeit des Parlamen» t e s gefördert und die Qlusfchreitungen der Kommunisten bekämpft. Dabei aber mit demselben Rachdruck die unerhörten Methoden der Mehrheit abge^hnt, die die sachlichen Anträge der Opposition ungetrübt beiseite schob. Die demokratische Rcichstagssrattion ist in temuii i e f e n. Pro Hektar erhält das Stift 2000 Kronen, während der wirkliche Wert 130 000 Kronen beträgt. In kürzester Frist ist mit der gänzlichen Enteignung der Morienbader Besitzungen des Stiftes zu rechnen. Der britisch-chinesische Konflikt. Ernste Austastung in London. - Der britische Oberkommandierende in Kanton. London, 20. Aug. (TU.) Die Rachricht von dem Einfuhrverbot für britische und japanische Schisse nach und von chinesischen Häfen seitens der chinesischen Kanton- Regierung hat in London großes Aufsehen erregt. Die von der Kanton-Behörde herausgegebenen Bestimmungen würden, falls sie verwirllicht werden sollten, den britischen und japanischen Schiffsverkehr nach und von den chinesischen Häfen lahm legen. Offensichtlich stellt die chinesische Maßnahme einen derart flagranten Bruch der Vertragsrechte dar, daß ein energischer Schritt seitens der britischen Regierung erforderlich fei. Die britische Regierung wird die Gesamtlage in China einer genauen Prüfung unterziehen, bevor sie eine Entschließung treffen werde. Wie aus Schanghai gemeldet wird, ist der Ober kommandierende der englischen China-Flotte, Vizeadmiral Sir Edwin Sinclair gestern an Bord des Schiffes „Peterfield" nach Kanton abgereift. Der Besuch wird mit dem von der Kantonregierung erlassenen Verbot für die britische Schiffahrt in Verbindung gebracht. Obgleich der Admiral keine besonderen Instruktionen erhalten hat, bei den chinesischen Behörden Vorftellungen zu erheben, wird er doch in feiner Eigenschaft als Oberkommandierender der britischen Marinestation in China alle notwendigen Schritte zum Schuhe der britischen Schiffahrt unternehmen, ohne sich vorher mit seiner Regierung in Verbindung zu sehen. Der Drusenaufstand. London, 20. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Times" erfährt aus Jerusalem, daß die Drusen folgende weitere Bedingungen gestellt haben: 1. Zurückziehung aller französischen Truppen aus hauran; 2. Beschränkung der französischen Kontrolle aus fünf Beamte; 3. Wiederaufbau aller durch französische Flugzeuge zerstörten Dörfer; 4. unbeschränkter Waffenhandel in hauran. Die „Times" will wissen, daß die Franzosen in Vorbereitung weiterer Operationen neue Irup« pcn zusammenziehen. Die Drusen haben die Belagerung der Garnison von Su- e i d a gegen die Freilassung von acht gefangenen Drusenführern aufgegeben. Die Garnison von Sueida ist nach Damaskus zurückgekehrt und wird durch frische Truppen ersetzt werden. General Soule erhielt bei einer Inspektion militärischer Posten etwa 15 Meilen südlich von Damaskus einen Sch u ß in den Schenkel. Eine Strafexpedition wurde sofort nach dem benachbarten Dorfe 'JJirrjane entsandt. 20 Einwohner des Dorfes wurden getötet. Frankreich und das delgisch- amerikani^che Schulden- abkommen. Paris, 20. Olug. (XU.) Obwohl von amerikanischer Seite ausdrücklich darauf hingewiesen I wird, daß das amerikanisch-belgische Schuldenstellt, glaubt die Pariser Presse dieselben Zugeständnisse auch für Frankreich in Ansprach nehmen zu können. „L'Oeuvre" meint, der Weg für die französisch-amerikanischen Schuldenverhandlungen sei durch das Qlb- fommen zwischen Amerika und Belgien genau vorgezeichnet, insbesondere müsse der Unter- schied zwischen den Kriegs- und Rachkriegsschulden beibehalten werden. „Petit Parisien' stellt fest, daß auch Frankreich während des Krieges verwüstet wurde uni) genau wie Belgien die verwüsteten Gebiete aus eigenen Mitteln wieder aufbauen mußte. Rach einer Havasmeldung aus Washington hat der französische Botschafter dem Staatssekretär Mellon einen Besuch abgcftat» tet und ihm mitgeteilt, daß die französische Schulden-Kom Mission in der zweiten Hälfte des Septembers in Washington eintreffen wird. Die Zusammensetzung der Delegation ist noch unbestimmt. K' "ne politische Nachrichten. Madrider Blätter rechnen damit, daß die deutsch-spanischen Handelsvertragsoerhandlungen im September wieder ausgenommen werden. Man will versuchen, ein Provisorium zu schaffen, um einen Zollkrieg zu vermeiden. * 9m Danziger 23 o l f sta g wurde die Neuwahl des stellvertretenden Präsidenten des Senats und 13 nebenamtlicher Senatoren vorgenommen. Bon der sozialdemokratischen Partei waren 6, vom Zentrum 4 und von der deutsch-liberalen Partei ebenfalls 4 Kandidaten aufgestellt worden. Sämtliche Kandidaten, von denen drei nicht Mitglieder des Bolkstages find, wurden gewählt. Der Vizepräsident des Volkstages, Gehl, wurde zum stellvertretenden Senatspräsidenten gewählt. * Der König und die Königin von Schweden werden in Begleitung eines Geschwaders der schwedischen Flotte sich nach Finnland begeben, um dem Präsidenten von Finnland, R e - l a n d e r, einen offiziellen Besuch abzustatten. 9m Gefolge des Königs befindet sich unter anderem der schwedische Außenminister U n d e n. 2lus «Ker Welt. Großfeuer in Quedlinburg. Mittwoch nacht sind in Quedlinburg (Harz) vier große Fabrikgebäude der Metallwarensabril Gebr. Arndt niedergebrannt. ^.Inermehlicher Schaden ist dadurch entstanden, daß Riesenvorrate fertiger Waren mit verbrannt sind. Das Warenlager, die Poliererei und der Packraum sind bis auf die Umfassungsmauern vernichtet. Der Brand soll durch Selbstentzündung von Holzwolle ent* standen sein. Eine Pvppenfabrik eingeäschert. Infolge Explosion einer Spiritusflasche brannte in Ehnes bei Coburg eine Puppenfabrik mit dem dazugehörigen Wohnhaus und einem Rachbarhaus vollständig nieder. Der Inhaber der Fabrik, Kirchner, erlitt bet der Explosion so schwere Brandwunden, daß er bald darauf starb. Schadenfeuer auf der Ausstellung in Grenoble. Paris, 20. Aug. (Täl.s Gestern abend "schlug ein Blitz in die Anrsstellung „Weihe Kohle" in Grenoble. Die Ausstellungshalle der Transportmittel wurde vollkommen einge- ä f eher t. Zahlreiche Flugzeuge, Automobile und andere Fahrzeuge wurden zerstört. Der Sachschaden ist sehr groß. Großer Brand in Basra. London, 28. Aug. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet aus Basra: Gestern abend brach im bevölkertsten Teile der Stadt ein Großfeuer aus, dem ganze Stra.hen zum Opfer fielen. Todesfprung aus dem sahrrnden O-Zug. Oluf der Strecke Oßnabtü ck—M ü n ft e r sprang unweit der Station Belm ein 15jähriger Fürsorgezögling aus dem Abortfenster 'ne3 fahrenden Zuges. Er wurde mit solcher Wucht gegen die Böschung geschleudert, daß er nach kurzer Zeit verstarb. Rächtlicher ilebetfall In der Rächt zum 18. August wurde im Walde in der Rähe von Duisburg ein Personenauto von einer Bande vermummter Personen mit roten Armbinden angehalten. Während der Wagenführer mit vorgehaltener Pistole bedroht wurde, versuchten die Banditen das Auto auszurauben. Auf die Hilferufe des Wagenführers ergriffen sie unerkannt die Flucht. LInschuldig berurtcilt. In Wilhelmshaven ist ein schwerer Justizirrtum aus gedeckt worden. Ein Matrose war am 1. August wegen doppelten schweren Sittlichkeitsverbrechens zu zwei Iahren Zuchthaus verurteilt worden, trotzdem seine Angehörigen sein Ollibi bestätigten. Die Wilhelmshavener Kriminalpolizei hat jetzt den wirklichen Täter, der bereits ein Geständnis abgelegt hat, verhaftet. Der unschuldig Verurteilte ist aus der Strafanstalt entlassen worden. Thphusepidemie in Westfalen. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln hat die Th- phusepidemie nun auch nach Westfalen übergegriffen. In Rheine sind bis Dienstagabend über 60 Erkrankungen an Typhus festgestellt. Drei Personen sind bereits gestorben. Man vermutet, daß schlechte Milch die Ursache der Krankheit gewesen ist. ilntoetter im Bayerischen Wald. Der Waldbestand im Bayerischen Wald hat infolge der letzten Ilmretter furchtbar gelitten. Annähernd 200 000 Kubikmeter Holz, darunter dieschönstenDestände, sind von bemOrkan geknickt oder entwurzelt worden. Ganz furchtbar hat der Orkan in Klingenbrunn gehaust. Die ganze Gegend bietet ein Bild der Zerstörung. Rach einer vorläufigen Schätzung sind dort 150000 Kubikmeter Holz vom Sturm gefällt worden. Zu einer wahren Katastrophe hat sich der Sturm in der Umgebung von Holzkirchen ausgewachsen. Dort liegen 100jährige Daumricsen in einem unübersehbaren Wirrwarr durcheinander. Fachleute schätzen den hier vernichteten Baumbestand auf 60 000 Kubikmeter. Während der Unwetterkatastrophe kamen auch mehrfach Brände zum Ausbruch, die durch Blitzschlag hervorgerufen wurden und auch mehrere Menschenleben forderten. Aus Stadt und Land. Gießen, den 20. August 1925. Letzte (Barbe. Cs ist leer geworden auf den Feldern: nut hier und da stehen noch em paar Hafermandel, die nicht trocknen wollen. Sonst pfeift der Wind herbstlich übec die Haferstoppeln, zwischen denen es schon grün zu werden beginnt: die ausgefallenen Körner treiben, als wenn es zum zweiten Mal Frühling werden wollte. Es ist ein eigenartiges Gefühl, daß die Ernte wohlgeborgen in der Scheuer liegt — ein Gefühl der Ruhe und Behaglichkeit, wollte man sagen, nun kann der Winter kommen. Der Winter schon? Richt erst der Herbst? Es ist ja doch noch Hochsommer, Spätsommer freilich, und wir erwarten noch jene milden Wochen, in denen das Wetter oft freundlicher ist, als im Sommer selbst, den wir ja diesmal gründlich zu spüren bekommen haben. Die letzte Garbe steht noch auf dem Feld. Malerisch blitzt die Sonne über die Haferrispen, die sich im Winde regen. Ackerwinde duften herbsüß. drüben spürt jemand mit einem Hund, wohl nach Hamstern, die jetzt eifrig für den Winter sorgen. Bald wird die Jagd aufgehen, bald schreiten Iäger durch.tr^cknes Kartoffelkraut oder durch feuchte fette Rubenblätter: dann knallt es in den Feldern und Meister Lampe weiß, daß nun die Zeit vorüber ist. Wird man Rebhühner auf den Tisch bekommen? Der 24. August gilt als „Ernteheiliger". Er steht in dem Rufe, daß er die letzte Garbe schützt und das Korn vollends ausreifen läßt, wo es spät reift, ©r bringt auch die Kohlköpfe zur Reife und war früher bei den Landleuten ein großer Festtag. Am 24. August ging man nicht auf das Feld hinaus, um den Ernteheiligen, der den Ramen „Bartholomaus" führt, nicht zu verscheuchen. An diesem Tage durste natürlich auch nicht gearbeitet werden und wer arbeitete, muhte es durch Unglück und Mißwachs das nächste Iahr büßen. Vielleicht hat sich ein wenig davon noch heute erhalten, aber der moderne Landwirt ist zu aufgeklärt. Die frühere Zeit war poesievoller — wirklich? Roch steht die letzte Garbe. Morgen vielleicht schon wird ein einspänniger Wagen kommen und sie fang- und klangslos hereinholen, damit auch sie zum Erntedankfest drinnen ist. Dann ist es herbstlich draußen. Rückwirkende Entschädigung für Kriegsbeschädigte. Das Reichsgesetzblatt vom 5. Olugust d. Is. bringt Aenderungen, die geeignet find, manche bestehende Härten auszugleichen. So z. B. den Artikel H: „Beschädigte', die nach § 104 des Reichs- Versorgungsgesetzes aus der Renlenversorgung I ausgeschieden und nicht wieder rentenberechtigt I geworden sind, kann auf Antrag einmalig der Betrag von 50 Reichsmark gewährt werden, wenn ihr durchschnittliches Monatseinkommen 200 Reichsmark nicht übersteigt. Der Antrag muh vor dem 1. März 1926 gestellt sein." Weiterhin werden E l t e r n r e n t e n gewährt, die wegen Wegfalls der Bedürftigkeit entzogen wurden, wenn die Bedürftigkeit wieder eingetreten ist. Auch ist Leichtbeschädigten die Zusatzrente wieder zu gewähren, wenn sie wegen eines anderen Leidens Invalide sind (66 Prozent). Da es für den einzelnen natürlich schwer ist, sich durch alle Gesetzesbestimmungen durchzufinden, sei darauf hingewiesen, daß die Kriegerkameradschaft Hassia, ein Verband von über 600 hessischen Vereinen, die Vertretung ihrer Mitglieder durch erfahrene Vertrauensleute kostenlos übernimmt. Die Geschäftsstelle ist in Darmstadt, Ahastraße 5. Gießener Wochenmarktpreife. am 20. August 1925 (Händlerpreise). Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 230, Matte 30 bis 35, Käse 70. Wirsing 25. Weißkraut 15, Rotkraut 25, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 10, Spinat 40. Römifchkohl 10, Bohnen 30 bis 35. Mifchgemüse 15, Tomaten 30, Zwiebeln 20, Kartoffeln 6, Frühäpfel 25, Falläpfel 8, Birnen 40 bis 70, Eier- Pflaumen 50. Zwetschen 30 bis 35. Mirabellen 45 bis 50, Reineclauden 40, Weintrauben 60, Pfirsiche 80 bis 120, Preiselbeeren 50 bis 65. Brombeeren 45, Honig 35, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pft das Pfund. Eier 15 bis 16, Blumenkohl 50 bis 130, Salat 10 bis 20, Salat- gurfen 30 bis 60, Einmachgurkem 3 bis 5. Endivien 25. Ober-Kohlrabi 15, Rettich 20 bis 30 Pf. das Stück. Bornotizcn. — Tageskalender f üx Donners- t a g. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Aus der Iugendzeit klingt ein Lied." — Astoria-Lichtspiele: „Harry Hills Iagd auf den Tod." — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am nächsten Dienstag, 25. August, wird ein neues Lustspiel. „D e r Glückspilz" von Gustav Rickelt, gegeben. Das liebenswürdige, harmlose Werk ist bereits im Stadttheater 'Berlin, im Wiesbadener Landestheater und zahlreichen anderen Bühnen mit starkem Heiterkeitserfolae aufgeführt worden. Der Verfasser ist weiteren Kreisen bekannt als Präsi/- dent der Deutschen Bühnengenossenschaft. '.ürLeAvorLrlH-age. Vorwiegend wollig, wechselnde Winde, mäßia toann, vielfach Riederscbläge und Morgennebel. Das Ties über dem Baltikum ist langsam im Abziehen begriffen. Ihm folgen mehrere fleincre Teiltiefs. Das gestern noch über England gelagerte Hochdruckgebiet ist durch ein von Westen herankommendes neues Fallgebiet nach Rord- osten ab gedrängt worden. Veränderliche, oft kühle Witterung ist für die Tage zu erwarten. Gestrige Tageslempe.aturen: Maximum 17,8, Minimum 14,4 Grad Celsius. Riederschlags- menge: 7,7 Millimeter. * 3 Die Septembermiete. Wie wir von gutunterrichteter Seite aus Darmstadt hören, soll vom 1. September ab voraussichtlich die Miete von 84 Prozent auf 88 Prozent der Frie» densmiete erhhöt werden. Durch diese Erhöhung soll den Städten und Gemeinden die Möglichkeit gegeben werden, die Sondersteuer, die zur Zeit 60 Pf. beträgt, auf 80 Pf. (also auf den gleichen Satz, den der Staat einhebt) festzusetzen. Der Betrag von 20 Pf., um den die Sondersteuer hier- ö slehL ßütfc b-Kä- für eit a«f j SÄS ZK? -i,it Ivie ■ KL Staa Ärt fchadi '^au. fen. Ne W hoben 'siebenen / 00 e\ iügunfl. umbr Vereine I lb I 3 tien Dienst/ Italien nah den ofstzlk M Lie Drg Nühn Aschen? ^besonders fl| „yn> iie ju 5 leletn hat. WES’ ein,» von 5 ?en dieser 5 Ds K *S're Cl IM/85 ® W» allez 5? °*n 20 nr Bath«*6 ÄTÄ ‘Ite. w® MMita ?a? W > . (i2 * ’ ä* *4 oft h.S^n DvL^ ton. grünbty Lv A dem &j lemanb Miet sssaJ^Ä >«£?*?«* »ÄW- »•»«tftÄj ««• jya ft®Ässr,£ »^,[1 ®ä •äEK -x- * * JJjmget Dagen komm» y*°8. Hrrnnholrn. bamc 'kiest bnnncn ift ftlich draußen. Entschädigung beschädigte. ft bow 5. August b. 3i e geeignct finb, manche gleichen. Lo z.B der wd) § 104 des Leichs-- 1 der ‘XtnltnbetfoifflHin wieder rrntruderr^tz '4 Antrag emmal^ der Mart Lrwähü Verden iMeL Ülonatiembmmf. berftetzt. Der Qlntroq «ch 16 gestellt sein." ■n Elternrenlcn gc» kgfalti der TebürsligK't n die 3eburftigfcil Wied« ist Leichtbcschädigtri bie : zu gewähren, toain sie Leibens Invalide iind emzelnen natürlich ichmr ,ehesbeftimmungen durchs- gewiesen, daß dir Krieg«* ein Verband von üb« ien, die Vertretung ihrer rrsahrenc VertranmsiE Die Geschästsstrlle itz ii ■ 5. »chcttUkarttprcise. 925 (SänMerpreik). 7i fauligen CSo^enmarfr barte 30 bis 35, M h 15 Rotkraut 25, grlte 2 Rüben 10, Spinat «. 130 bis 35, W«muU in 20, Aartosfeln 6, ^uh* MrnenlOW^ -^bisB.MMbeU«« 40. Deintrauben vO. M ,dh«rcn 50 bis 65. SrN* .uuqe MM Pfund. Ercr 1^ ™ ■6SB . , für 5> 9 n n r ^İff2%oria-0> 5(fl* $Afan «»5^ en anders r^. Ser GE i-W Sen. erwanrw ;» Zage J”. njarin^/A 5 S-!l.us- 'r‘ , . „ Sie.®5 r Seite Ä ProzsU » So°^L ouf 2-- sKsr" Bit«1* nach erhöht werden kann, soll den Gemeinden lur ihren Finanzbedars aut freien Verfügung fteh«. - Rückerstattung der Lohnsteuer- betrage für 1924. Von brandiger Stelle Mird mtt.jrteilt, daß nach dem Stcuerüberleitungs- qesey hu für 1924 bezahlten Lohnsteucrbclröge in Füllen Verdien st losiAkelt und Krankheit auf Antrag ^urücker stattet werden können Die Frist für die Anträge, die am 25. 3uli 1925 abgelaufen war. ist durch das neue Lulomm- nsteurrgesey bis Aum 31. Dezember 1925 verlängert worden. Abgelchnte Anträge können .■ rncazrt werden. D i e hessische A p o t h e ke r ka m- m er hak. wie uns berichtet wird, der Regierung eine Resolution mitgeteilt, in der auf das energischste gegen die Selbstabgabe von Arzneimitteln seitens der staatlichen VetriebSkrankenkasse protestiert wird. Gs könne nicht der Wille der Regierung fein, pah eine staatliche Detriebskrankemasse steuer- zahlenbe Staatsbürger — die Apotheker — in ■v*r Art schädigt, wie das hier der Fall sei, auch insbesondere in Berücksichtigung der heutigen schwierigen Verhältnisse. *• Frauenhilfswerk für die Optanten. Die nachstehenden 22 Frauenorganisationen haben sich zu einem Hilfswerk für die aus Polen vertriebenen Deutschen zusammengeschlossen, das, wie der Arbeitsausschuß mitteitt, in der Bereitschaft breitester Voltschichten einen guten Anfang genommen bat. Ls stehen schon einige Mittel zur Ser- sugung, um dringendste Not zu lindern, und die Vereine selbst stellen ihre Arbeitskräfte bereitwilligst in den Dienst der Sache. Es sind Vertrauens- trauen nach Schneidemühl entsandt, die sich mit den offiziellen Hilfsorganen in Verbindung setzen. Die Drganifationen sind: Auslandbund deut- scher Frauen — Bund deutscher Ossiziersfrauen E.V. — Deutscher Frauenorden (Darmstadt) — Deutscher Frauenoerein für die Ostmorken E. V. (Hamburg) — Deutscher Schriftstellerinnenbund — Flottenbund deutscher Frauen — Frauenausschuß der Wirtschastspartei — Frauenbund der Kolonial- gesellschost — Hausbesitzerinnenvereine, Berlin — 'ftönigin-Luise-Bund — Reichsverband Landwirt- schaftticher Hausfrauenvereine — Dr. Käthe von Her- marth, Vorsitzende des Reifensteiner Verbandes — Preußischer Lehrerinnenverein — Ring nationaler Frauen — Reichssrauenausschuß der Deutschen Volksparlei — Reichssrauenausschuß der Deutsch- nationalen Dolkspartei. RDV. .Gegen rücksichtslose Reisende. Das Bestreben der Reichsbahnverwaltung, die .Rüge in bezug auf Ordnung und Sauberkeit wieder auf die in der Vorkriegszeit allerseits anerkannte Höhe zu bringen, wird von den Reisenden vielfach nicht unterstützt, sondern sogar durchkreuzt. Sehr oft kann man beobachten, daß Reisende, ahne eine schützende Unterlage zu benutzen, die Füße aus die Bänke legen. Auch ist häufig scstzustellen, daß die Füße gegen die Bänke oder gegen die Türen gestemmt werden. Dadurch werden die Politur des Holzes und der Polsterbezug in den Polsterklassen einem unoerhältnis- inäßig schnellen Serbcrb unterworfen. Ferner können Reisende, die nachher einen derartigen Platz einnehmen, sich durch den abgestreiften Schmutz die Kleiber verderben. Die Reichsbahnverwaltung weist daher das Betriebspersonal, vor allem die Zug- bebienfteten an, dieser Unsitte besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Reisende, die derart rücksichtslos .'erfahren, sind in höflicher, aber bestimmter Form darauf aufmerksam zu machen, daß dies unzu- affifl sei und zu ersuchen, dieses zu unterlassen ober aber zum Schutz der Sitzflächen irgendeine Unterlage zu verwenden. Wird der Aufforderung nicht nachgekommen, so sind solche Reisenden zur Anzeige zu bringen. * Die Schwalben sammeln sich und rasten zur Abreise. was auf einen frühen Herbst ichlietzen laß!. Früher bemerkte man erst mit Lnde August den Wandertrieb der leichten Segler. Die Schwalben sind gegen die letzten Fahre etwa- stärker in den einzelnen Dörfern beobachtet morden. erreichen aber bei weitem nicht die Zahl der früheren 316re. Gießener Stadttheater. Am TienStag brachte ein Gastspiel des Bad-Rau- beimer KurhausthcaierS die Bekanntschaft mit Straatf und Reals übermütig-tollem Schwank .Der Hochtourist". Sachlich zwar nur eine, noch dazu recht abgeblahte Variante des .Mei- sterborer", erfüllt das Stück doch bei Hochfommer- Ichwüle voll und ganz feinen Zweck, wenn es in so fidelem Tempo genommen wird, wie von den Rauheimer Gasten unter Rudolf Golls anfeuernixr Spielleitung. Goll als .Hochtourist" und Ghefchwerenöter in unzähligen prekären und für ängstlichere Gemüter heillos verfahrenen Si- luationcn, wurde von den Herren Dastö,Volck, Hanke. Gehre. F e i g e l und den Damen Warcks, Rohr. Basedow. Jüngling und Hetzm eifrig unterstützt, fo daß ein gelungener Abend zustande tarn. ' 3m Wartburgocrein fand am Sonniagabcnb ein bemerkenswerter Vortragsabend statt. Nach einem Choralvortrag bes gutgefchulten Pofounenchors ber Wartburger ergriff Pfarrer Hertel bas Wort zu feinem nahezu zweistündigen Ausführungen über das Thema: „Unsere deutschen Bruder in Pole n". Das Thema ist besonders aktuell durch die Ausweisung ber Optanten, bie zu Beginn dieses Monats mit Macht ein- gefci.i hat. Aber unter Ausweisungen hatten die Tcutschpolen schon immer zu leiden feit dem unglückseligen Friebensoertrag von Versailles. Dieser Vertrag hatte die größten Teile der ehemalig deutschen Provinzen Posen und Westpreußen zur setzi- aen Republik Polen geschlagen. Gegen diese Deutschen, die in der Minderheit sind, führt bie polnische '.Regierung trotz des Minderheitsschutzoer- trag eine Politik, die nur als Entdeutschungspoli- uk ausgesprochen werden kann. An einer ganzen Rühe von Beispielen erläuterte Redner die Folgen dieser „Rechtslage": Mißachtung ber Kirche bura) bie Behörde,Presschetze, persönliche Angriffe auf Pastoren unb Superintendenten, ja auch auf den höchsten Würdenträger: Nichtanerkennung iirchlicher Feiertage. Einquartierung in bie Pfarrhäuser, Ueberfälle der polnischen Bevölkerung, Haussuchungen. Pastorenoerhasiungen wegen Geringfügigkeiten, ja selbst Angriffe auf Friedhöfe und Beschlagnahme ganzer Kirchen. Die Folgen solcher Abwanderung von Geisttichen liegen auf ber Hand. Das Kirchenwesen liegt brach, es wird aber auch in das Deutschtum dieser Lande eine Bresche geschlagen. Unsere Forderung ist: Grenzlandarb eit, insbeionbere auch fo. wie sie bie Jugendbewegung erkannt hat: Stärkung des deutschen Gedankens durch Fahrten in die Grenzlande, und Artnmanensiedlungsbiensl. Und weiterhin Unterstützung des Gustav-Adolf-Dereins, ber sein--seit- alles bara"fe«>t zur Erhaltung ber eoan- lischen Kirchen im Ausland. Zn bie überaus segensreiche Arden gerade dieses Vereins kann leder- mann Einblick nehmen, wenn am deutschen Gustav» Adolfs-Fest vom 20. bis 24. September hier in Gießen Fachleute, Männer aus der Diaspora uns von dem Leden und Treiben unserer deutschen evangelischen Brüder künden werden. Das Volksfest am 20. 9. ist keineswegs eine große Volksbelusti. gung ober Unterhaltung, sondern es ist ein mann- hafies Bekenntnis zu dem großen Gedanken evangelischer Bruderhilfe. •• Auf tri eb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 800 Kälber, 600 Schafe, 615 Schweine. Landkreis Wicken. > H olzheim. 19. Ang. Wie an vielen anderen Orten, ft> wurde auch hier ein Klein- kaliber-Schühenverein gegründet. Bis jetzt gehören dem Verein schon 60 Mitglieder an, ein Beweis, daß man dem Schießsport ein ganz besonders starkes Znleresse entgegarbringt. All- sonntäglich wandert alt und jung in großer Zahl au dem prächtig, am Rande des Maldes, gelegenen Schießstande hinaus, um sich an dem noch neuen Sport zu ergötzen. Rächsten Sonntag soll voraussichtlich ein Preisschiehen stattfinden. — Heute ist die letzte Frucht von dem Felde unter Dach gebracht worden. Allmählich wird nun mit dem Grummetschnitt begonnen. Obwohl der Regen etwas spät ein setzte, hat sich das Gras doch noch gut erholt, fo daß mit einer mittleren Grnte zu rechnen ist. — Muschenheim, 18. Aug. Bei der am Sonntag, 9. August, stattgefundenen Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Beigeordnete Otto Roth zum drittenmal einstimmig mit 224 Stimmen wiedergewählt. — Birklar, 18. Aug. Bei der am Sonntag, 9. August, stattgefundenen Beige ordne t en wa h l wurde der Landwirt Friedrich Knorr mit 160 Stimmen gewählt. Dein Gegenkandidat Karl Engel erhielt 125 Stimmen. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 19. Aug. Der hiesige .Verein ehemaliger 116er“ wird sich selbstverständlich auch geschlossen an dem großen 1 Iber- Tag, verbunden mit Denkmalsenthullung am 5., 6. und I. September in Gießen beteiligen. Um aber bei dieser Feier würdig auftreten zu können, hat der Verein die Anschaffung einer Fahne beschlossen, welche gegenwärtig in der Bonner Fahnensabrik angefertigt wird. Die TLeiheder Fahne soll am 29. August stattfinden, da in trtefem Jahre hier schon verschiedene größere Festlichkeiten abgehalten wurden, soll vernünftigerweise von einer öffentlichen Feier abgesehen werden und nur im engeren Rahmen im Ratskeller im Kameradenkreise das Banner übergeben werden. — Der Beethoven-Gesangverein von Reuhork. der auf seiner Deutschlandreise auch unserer Stadt einen Besuch abstattete und hier eine sehr freundliche Aufnahme sand, hat den Armen der Stadt die Hälfte des Reingewinnes eines Konzertes in Bad-Rauheim mit 1000 Mk. überwiesen, außerdem haben die Mitglieder des Vereins aus eigenen Mitteln Dem Alice- Frauen-Derein die Summe von 150 Dollar gespendet. — Ein in Rordamerika wohnender Friedberger, Herr Theodor Grvedel. Der sich auch während des Krieges durch seine große Wohltätigkeit auszeichnete, hat dem Bürgermeister für Unterhaltung deShisttnrifch denkwürdigen(IuDen- fr a b ed Die Summe von 25 Dollar zugehen lassen. Aus einem ihm übersandten Exemplar von ^Dreher. Friedberg in Wort und Bild" hat er ■entnommen, daß dieses Bauwerk trotz seiner Restaurierung durch eindringendes Wasser wieder gefährdet ist, und hat so in dankenswerter Weise sein Scherflein zur Unterhaltung beigetragen. !*! Friedberg. 19. Aug. Der Ideenwelt- bewerb zur Errichtung eines Polytechnikums ist am 15. August abgelaufen. Die Pläne sind in großer Zahl eingelaufen. Der Wettbewerb zum Reubau der Schillerschule läuft im September ab. Mit Der Ausführung beider Projekte dürfte kaum noch in diesem Jahre begonnen werden. Da die Geldbeschaffung außerordentlich schwierig ist. <£ Dab-Rauheim, 19. Aug. Vom Kurhaus wehten heule die Flaggen in ben spanischen, hessischen und Neichssarben, bie spanischen Aerzte begrüßend, die auf ihrer Studienreise durch Deutschland heute auch unserer hessischen Badestadl einen Besuch abstatteten. Die spanische Studiengesellschaft, aus rund 40 Aerzten bestehend, wollte mit ihrer Deulschlandfahrl der deutschen medizinischen Wissenschaft eine Kundgebung barbringen. Die Erfahrungen unb Eindrücke der Reise werden zu einem großen Werk verarbeitet, das der spanischen Aerzte» schaft bie deutsche Wissenschaft und Medizin in ihrer ganzen Bedeutung zeigen soll. Bad-Nauheim lag ursprünglich nicht im Programm der Reise. Es ist daher unserer Bad- und Kurverwaltung sehr hoch anzurechnen, daß es ihren Bemühungen doch noch gelungen ist, die spanischen Wissettschaftter für einen Abstecher nach Bad-Nauheim zu gewinnen. Die Gäste wurden von der Bad- und Kurverwaltung am späten Nachmittag in dem vornehmen Gesellschaftswagen ber Reichsposl von Frankfurt a. M. adgeholl. Am Kurhause fand um 6 Uhr eine Begrüßung durch bie Bad- unb Kurverwaltung unb durch Vertreter ber hiesigen Aerzteschaft statt. Anschließend wurde auf der Kurhausterrasse ber Kaffee eingenommen, worauf unter ber sachkundigen Führung von Oberbaurat Berck die Gäste das Bad unb seine Einrichtungen kennen lernten. In aufrichttger Begeisterung für die vorbitblichen Heilanlagen brachten sie ihre Anerkennung über bas Geschaute zmn Ausdruck. Vor der Rückreise nach Frankfurt a. M. wurde den Gästen im Kurhause noch em Abendessen gereicht, bei welcher Gelegenheit Lad- unb Kurbirektor von Boehrner der Dirigententättgkeit des verstorbenen Generalmufikbirektors Prof. W i n b e r ft e i n gedachte und der innigen Freundschaft, die zwischen Deuttchlanb unb Spanien bestehe, ein Hoch roibmete. Die Spanier, unter benen bie imposante Persönlichkeit des Barcelonaer Profeffors Rosella besonders heroorslach, der feit seiner Studienzeit m Würzburg ein eifriger Verehrer Deutschlands geblieben ist, gaben ihre tiefgefühlte Sympathie für Deutschland wiederholt den aufrichtigsten Ausdruck und schieben mit herzlichem Dank aus unserer hessi. schen Badestadl. eie hätten, wie verschiedene der deutschiprechenden Herren sich äußerten, keinen schöneren Abschluß ihrer Sludienfahrt haben können. Morgen treten sie von Frankfurt aus über Paris bie Heimreise nach Spanien an <7Dab-Naubeim, 17. Aua. Das musikalische Leben unserer Badestadl erhält, seitdem bie Dingen- tenfteße bes staatlichen Kurorchesters feit Winder- fteins Ableben verwaist ist, eine besondere Note durch bie Qäftebirigenten, bie für bie große» Konzerte schon gewonnen worden sind und noch gewonnen werden. Hervorragende Erscheinungen aus der Zahl der deutschen Orchesterleiter waren in den letzten Wochen hier schon zu Gast unb bereicherten bas musikalische Leben. Auch beim morgigen Sinfoniekonzert führt wieder ein Großer ün Reiche der Kunst, Heinz Berthold, den Dirigentenstab. Kreis Büdingen. __ 21 i D D a, 19. Aug. Hntte vormittag ereignete sich hier am Maritplatz. an derselben Stelle, wo vor Drei Monaten ein hrefiger Schrei- nerlehrllng Durch ein Auu» getötet wurde, wieder ein Au tounfall mit tödlichem Auö- gange. Der Schutzmann t 2t Albus aus Frank- Furt a. M. wollte feine aus Amcristi hier weilende Schwester besuchen und ging mit seinem Bruder, Pvli?-ciDiencr Tllbus in Michelnau, von i'er Ridda- brücke aus nach dem Marktplatz. Auf diesem Wege wurde er von dem Auto des Kaufmanns Friy Kolb von hier, das dieser lenkte, erfaßt und fo gegen die 2(utoLaterne geschleudert, daß er bewußtlos in einem Auto nach Gießen gebracht werden sollte. ^Interwegs, bei Hungen, starb aber der Verunglückte, und mußte als Lerche nach FrankfuN gebracht werden. Ob ein Verschulden des Lenkers vom Auto vvrliegt. muh die eingeleitete Llnterfuchung erst feststrllen. Streik Lchotten. — Herchcnhain, 18. Aug. Am vergangenen Sonntag hielt der Zweigoerein Schotten der T u st a v - A d o l f - S t i s t u n g in unserer Ge- meir.be sein Iabresfest. Es sollte bazu bienen, bie Herzen oorzubereiten auf bas im September in Gießen ftattfinbenbe Fest bes Gesamtvereins. Die Kirche war bis auf ben letzten Platz gefüllt. Als Feft- prebiger war Herr Pfarrer Nebel- Laubach gewonnen. Der Gottesbienst würbe bereichert burch Dorbiettmgen bes Posaunenchors unb bes Kirchen- gesangoerems Herchcnhain. Nach einer Kaffeepause nahm um *4 Uhr bie Nachversammlung im Garten ber „Schönen Aussicht" ihren Anfang. Nach bern ge- meinfamen Gesang eines Liedes richtete der Orts- geistliche ein kurzes Begrüßungswort an die Versammlung. Dann sprach der Vorsitzende des Zweigvereins, Herr Hosprediger Widmann- Gedern, über die Entstehung des Gustav-Adolf-Dereins. Herr Pfarrer Job- Burkhards erftattctc den Rechenschaftsbericht. Zum Schluß redete Herr Pfarrer Wagner- Bensheim, der Schriftführer des hessischen Hauptoereins, über bie gewaltigen Aufgaben, bie bem Verein in ber Nachkriegszeit erwachsen sinb, unb über bie bevorstehenbe Gießener Tagung. Die Festkollekle hatte ein sehr erfreuliches Ergebnis. Kreis AlsseLd. !*! Alsselb, 19. Aug. BomTobebesEr- trinkens rettete Otto Stiehler einen jungen Mann namens Robert Pap ft. Dieser babete im Erlenteich unb geriet in eine tiefe Stelle. Der als Zuschauer anwesenbe Stiehler beobachtete bas Verschwinden des jungen Mannes, sprang in ben Teich unb zog ben Bewußtlosen unter eigener Lebens- gefahr heraus. !*! Nieber-Gemünden, 19. Aug. Von feinem Pferb niebergefdjlagen wurde der Lanbwin Karl Brückmann von Bura-Nieber- Gemünben. Seine Angehörigen brachten iyn sofort in bie Universitätsklinik nach Gießen, wo er balb nach der Einlieferung starb. Brückmonn war vom Felde zurückgekehrt und wollte d as Pferd ausschirren. Das Tier war infolge der Fliegenstiche sehr unruhig, schlug aus und traf seinen Herrn gegen den Unterleib, baß bie Gebärme zerrissen. m. Flensungen, 18. Aug. Sonntag, 2., unb Sonntag, 16. b. M. hielt ber hiesige Kriegerver- e i n, der unter seinem rührigen Präsidenten Karl Langohr- Mücke einen erfreulichen Aufschwung genommen hat, sein Eröffnungspreisschießen ab. Wahrend der erste Sonntag sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden hate, brachte der vorgestrige Sonntag eine sehr starke Beteiligung an der Veranstaltung. Geschossen wurde mit Wehrmannsbüchsen, Modell 98, und zwar von 12—7 Uhr nachmittags. Bei der sich nun anschließenden Preis- verteiluna erhielt den 1. Preis Karl Seim- Mücke mit 35 Ringen (Gummimantel), 2. Preis Dörr - Lardenbach (ein Paar Touristenstiesel), 3. Preis Otto Mathier - Grünberg, 4. Preis Otto Keil-Lardenbach, 5. Preis Karl Langohr- Mücke, alle vier mit je 34 Ringen. Iw ganzen kamen 38 Preise zur Verteilung, Kleidungsstücke, Haushattungsgegen- stände, landwirtschaftliche Geräte, Eßwaren. Um die 1. Ehrentafel mit einer gespendeten Bluse kämpsten 24 Schutzen. Den Sieg errang Joh. Seim- Mücke. Die Kapelle Biedenkapp -Mücke, die während des Schießens konzertierte, begleitete den Verein bis zum Hmis feines ersten Präsidenten und spiette abends in der Nachverfammlung bet Gastwirt Weifenbach, während am ersten Sonntag abends bei Gastwirt Reitz die Kapelle Bloß-Flensnngen fon» zertierte. Kreis Wetzlar. D. Dornholzhausen, 19. Aug. 3n seiner letzten Sitzung beriet Der GemeinDerat Den Haushaltspla n für Das Rechnungsjahr 1925 26. Die DienstkoltenentschäDigung Des Ge- rneinDevorstehers wurde anDerwett feftgetetzt. Für Die Zeil Der Durchführung Der wirtschaftlichen Zusammenlegung Der GrunDstücke, in welcher Der GemeinDevorsteher ganz besonDers in Anspruch genommen worDen ist, wurDe ihm eine Zusah- entschäDigung gewährt. — Auch Die 23ergütungen Der übrigen GememdebeDiensteten (OrtsDiener, Flurhüter unD Hebamme) wurden neu geregelt. — An Der Kirche sollen ZnstanDsehungsarbeiten vorgenommeu werden. — Ein neuer FrieDhof in Größe von 80 Ar soll im Zusammenlegungs- verfahren ausgewiesen werben. — Der Haushaltsplan wurde in Einnahme unD Ausgabe auf 23 700 Mk. festgesetzt. — Zur Deckung der lausenden Gemeindeausgaben wird eine Umlage von 125 Prozent auf die staatliche Steuer vorn Grundvermögen erhoben werden. — Dem Kreisziegen- zuchtvere'm wurde mit einem Jahresbeiträge von T Mk. beigetreten. — Der von der Forftverwal- tung aufgestellte Hauungs- und Kulturplan wurde gulgehcißen. — Während es in sonstigen Zähren den hiesigen Landwirten schlecht ging, rechtzettig eine Dreschmaschine in das Dorf zu bekommen, haben sich in diesem Zähre schon zwei dieser 2Kafdeinen hier eingebunden. Der eine Dreschmaschinenbesitzer, der mit seiner Maschine ohne Destellung aufs Geratewohl hierher gefahren war. ist heute wieder abgefahren, well er keine Arbeit finden konnte. Die andere Maschine ist feit gestern in Tätigkeit. d. Hochelheim, 19. Aug. Der Arbeiter Wilhelm Weber von hier geriet bei der Dreschmaschine mit der rechten Hand in den Dresch- tragen, wodurch ihm der Mittelfinger abgerissen und der Zeigefinger gequetfcht wurde. Heftcn-Nassau. xx Robheim a. b. Bieber. 19. Aug. Zufolge der jüngfta heisten 'Hügufttage ist auch in hiesiger Gegend d:e G e 1 r e i D e c r n t e glücklich beendet. HemzrttOHe labt jeder kleine Mann fein ganzes Getreide auf Der Maschine Dreschen. Mußte doch ber Bauer in früheren Zähren, wo alles mit dem Flegel gedroschen wurde, sich bis xun die Weihnachtszeit Daran zu schaffen machen, Arbeit. Die heute in wenigen Tagen gemacht ift Zn den Gemeinden hinter dem Dünsberg tFran- kenlxich, Wttsbach uff., ist Die iSrntc noch nicht so weit vsrgeschrttten. Frankfurt a. M. 19. Aug. Am 18. August 3 Uhr nachmittags würbe an einem Wegübtrgang ber Rtdend ahn strecke Oberfchetb—W^illau ein mit zwei Kühen bespann les Erntefuhrwerk von einem Pcrjonenzug überfahren. Eine 5rau würbe leicht verletzt unb ber Wagen zertrümmert. Der Personenzug erlitt keine Deripaiung. fpb. 5 ran t f u et a. TL, 18. Aug. Im Sommer» halb|ahr 1925 ftubierten an ber Universität Frankfurt 2635 Personen, ferner nahmen an ben Vorlesungen 688 Besucher unb Gasthörer teil gegen 2513 Studierenbe im Winterhalbjahr 1924 25. Es gehörten an ber Recht-wissenschaftlichen Fakultät 454. ber Mebiztmlchen 19-1, ber Philosophischen 287, ber '.'laturwisfemchaftlichen 4"7. ber Winschan-> unb Sozialwissensäjaftlichen Fakultät 1293 Stubicrcnbe. bl. Dillenburg, 18. Aug. Der hiesige Reiteroerein hielt am 15. unb 16. b. Mts. hier ein Reiterrest. oerbunben mit Stanbar- tenweihe, ab. Die Stabt hatte sestlich geslaggt. Aus Der näheren Umgebung waren verschiedene ÄamcrQbcnvcreine erschienen. Mit einem Vereins- fommers am Samstagadenb wurde bie Veranstaltung eingeleitet. Am zweiten Festtag sand am Bis- marckdenkmal die Weihe der Standarte statt, die Bürgermeister Dr. Schneider vornahm. Die weihevolle Sttinds umrahmten Gesangsvorträgc unb unb Ansprachen. Der Festzug bewegte sich alsbann zum herrlich gelegenen Fest platz am Schloßberg, wo jung unb alt sich mancherlei Freuden Hingaben. Am Montag wurde das in allen Teilen befriedigende Fest mit einer Kirrnesfeicr geschlossen. fpb. K a f f e 1, 18. Die Kriminalpolizei entdeckte in der Wilhelmshoher Allee in der Wohnung des Schlossers Johann Loos eine Falschmünzer' w e r k st ä t 1 e mit zahlreichen salschen Ein-, Zwei- unb Dreimarkstücken. Don den Falschstücken waren bereits zahlreiche in ben Verkehr gebracht worben. Büchertisch. — Einer gegen Millionen. Roman von Max Uebelhör (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart: Sammlung „Der Abenteuer-Roman"). — Der Roman eines Abenteurers von Ehre, ber, ohne auf Dank zu rechnen, sich in selbstlosester Weise für sein Daterlanb cinsetzt unb ihm unschätzbare Dienste leistet. Nur ein '.Roman: Dichtung unb Wahrheit. Unb doch so manche Episode, die sich ähnlich tatsächlich abgespielt haben mag, mit etwas bitterem Beigeschmack für den deutschen Leser. Ein ungewöhn- lich fesselndcns Werk, das trotz tiefen Ernstes nicht mancher tragikomischen Szene entbehrt und ein he- freiendes Lachen auslöst. Der Roman halt den Leser bis zum Schlüße in Spannung. 219 — Die einundzwanzig Gelben unb das Juwel. Don ftarl Golbwann. (Verlag Iro> witzfch & Sohn, Berlin. Gzlbd. 4,80 Mk.). Ein grotesker Roman von Menschen und Tieren, die mehr oder minder schicksolsocrbunden sind. Zugleich aber auch die Tragikomödie kleinlicher unb kleiner Geister: Hier Einfalt unb Wahnsinn endend, da Dummheit und Größenwahn. Der Leser wird manches Körnchen bittere Wahrheit finden — wenn auch Wahrheiten nicht sehr erfreulich sein werden. 224 — Unter dem Titel „Die Stadion Bücher" erscheinen jetzt im Verlage Ullstein-Berlin eine Reihe guter, reich illustrierter Bändchen, (Preis je 1 Mk.), die den Sportfreunden viel Freude bereiten werden. 11. a. liegen vor: „Der Paddelsport" von Dr. Otto Brüll: „Der Fußballfport" von Dr. Willy Meist: „Der Radfahrsport" von Ingenieur O. Lugers. 473 — Die einzig autorisierte deutsche Ausgabe ber „Abenteuer bes A r s 6 ne Lupin" bring! die Scheiterfche Verlagsbuchhanblung, Berlin W 50 heraus. (Preis je Bb. 1 Mk.). Der bekannten Sher- lock-Holmes-Figur von Conan Doyle (unb mer kennt biefe nicht), stellt Maurice Leblanc in ArsLne Lupin einen Gentlemen-Einbrecher großen Formats gegenüber: Ein moberner Fra Diavolo im Smoking. Der von der Gesellschast losgelöste Mensch. Maurice Leblanc und Tonan Doyle haben viele Berührungspunkte, dieselbe fesselnde Erzählungskunst und die gleiche Geschicklichkeit, Verwickelungen her- vorzurufen unb zu entwirren. Hier wie borl Lektüre für die Langeweile, die natürlich literarisch nicht scharf unter die Cupr zu nehmen ist. 474 — FelixDahn: „Armin der Cherus- k e r“. Mit 17 Bildern von Prof. A. Hoffmann- München. (I. F. Lehmanns Verlag, München, Preis geb. 2,20 Mk.) In diesem Sommer jährt sich zum 50. Mole die Einweihung des Hermannsdenkmals im Teutoburger Walde. Aus diesem Anlaß erfolgte die Neuherausgabe jener Schrift, die Felix Dahn „Armin dem Cherusker" gewidmet hat. Wie im „Kampfe um Rom" der letzte Gotenkönig mit dichterischem Feuer und geschichtlicher Treue geschildert ift, so in diesem kleinen Werk Armin der Cherusker. Hier vermittelt nicht nur der Historiker geschichtliche Kenntnis über ben Verlauf der Schlacht, fon- bern es greift uns bet Dichter mit ben Mitteln seiner Kunst ans Herz, erhebend und begeisternd, voll mitreißender Wirkung in unserer Zeit schmachvoller Knechtschaft. Das Büchlein sollte in keinem deutschen Hause fehlen. 372 Rundfunb-Programm des frankfurter Tenders. (Aus Der .Radio-Umschau".) Freitag, 21. August. 3 Uhr. WirtfchcrstsmelDungen. 4 Uhr Wetterbericht Der Gießener WcttcrDienststelle. 4 Uhr: WirtschastsMeldungen. 4.15 Ufrr: Rachrichlen» Dienst Der ZnDuftrie- unb H anbei s komm er Frankfurt a. M.-Hanau. 4.20 Uhr: Rochrichtendientz-. 4.25 Uhr: Wtrtfchaftsmclduagen. 430 bis 6 Uhr: Hausfrauen-RachmiUag. Programm n. a.: »Eine RunDfahrt Durch Frankfurt und öen Tannus", Vortrag von Herrn Mar Bachenheimer (nachgeholt) — Ferner: Wochenschau Des Frankfurter Hausfrauenvereins. 6 Uhr: Wirtschastsme.Dun- gen. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lefestunde iM^ifier- werke Der Weltliteratur: Aus: .Den Qurchote" von Tervanies 7 Uhr: Wrrrschaflsmcldungen. 7 br2 7.15 Uhr: Dir Vesprechun«. L.30 btZ 3 Uhr Aus: .Der Unfug des Sterbens" von Prentice Mulford. 8 bis 8.30 Uhr: Chinesische Kunst L; Porzellan. Kleinkuast, Eloifonn-'-Arbeiten- T-r- tiag von Herrn Majcr a D. . 8 2? uv: Walzer-Tlbrnd. Anlchlie';cab: Rachn:.:t77ft, WettermÄdMrg. SportftunTLftenst. SN! Oroßen-Linden, den 20. August 1925. Achtung! Achtung! Auftrieb etwa 1000 Pferde Annemarie 06839 eingetroffen. Gießen, 19. August 1925 rase£) r Pfd. 1.- Mk. 7855D Gießener FleWßalle, WMrstr.3L Sofas von MK. 110.— an Heinrich Driesch Seltersweg 70 7834a Kein Laden! 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ElektrijitätS-Gesellschakt 92,25 94 Bergmann........... — _ 68 69.4 Mainkrastwerke........ 80 76 Schuckert............ 51,2 53,5 51 52,9 Siemens & Halske ...... 70,5 ,3 5 70,25 72,5 Adlerwerke Kleher ...... 46.5 47.5 46.5 46.75 Daimler Motoren....... 39,75 38,75 38.5 38,5 Heyliyenstaedt......... 26 27 — — Meguin............. 38 32 36 36 Motorenwerke Mannheim . — — 51 öl ,5 Frankfurter Armaturen . . . 0,4 0.4 — —- Konservenfabrik Braun . . . — 0.75 0,75 0,75 Metallgeselltchast Frankfurt. Pet. Union A-G........ 100 64.5 100 65 64 ■i Schuhfabrik Her;....... 35 35 38 Sichel..... . 20.5 21.5 19,5 21 Zellstoff Waldhof..... . 8-75 8.7 8.8 8,9 Zuckerfabrik Frankenthal . . 59.5 58.5 — —- Zuckerfabrik Waghäusel . . . 55,25 56 55 öt #6 Berliner Börse. Berlin, 19. Aug. In Uebereinftimmung mit dem freundlichen Verlauf des Frankfurter Abendoerkehrs, der namentlich für Montan- und Chemiewerte weiter kleme Kursgewinne zeitigte, eröffnete die hiesige Mittagsbörse gleichfalls gut eryolt. Die ungünstigen Nachrichten über zunehmende Lohnkämpfe im Reiche, ständiges Anwachsen der Insolvenzen in Deutschland und immer neuen Arbeiterentlassungen im Ruhrbergbau wurden hierbei übergangen. Die Der'nlassung zu der Befestigung des Kursniveaus waren aber weniger Meinungskäufe, als vielmehr Deckungskäufe der Spekulation, die vielfach unter einem gewissen Zwange vorgenorn- men wurden. Kaufaufträge von Publikumsseite liefen nur sehr spärlich ein, was bei der großen Geldkalamität unserer Wirtschaft leicht begreiflich ist. Im Gegensatz zum Markt der Wirtschaftskredite be- hielt der Börsengeldmarkt sein flüssiges Aussehen bet. Tägliches Geld stellte sich auf 7,5—9 Prozent, d. h. etwas nichtiger als am Vortage. Monatsgeld erforderte 10,5—11,5 Prozent bei regem Bedarf. Das Geschäft wickelte sich am Effektenmarkt hauptsächlich tn Bto®» tan - und Anilinwerten ab. Bankaktien vs«> ben ebenfalls weiter beachtet. Darmstädter und tionalbank stellten sich auf 111, wurden aber pet Ultimo Oktober mit 109,25 genannt. Einiges Interesse bestand schließlich noch für ausländischch Renten. Im internationalen Devisenverkehr konnten sich Paris, Brüssel, Mailand und nordische Devisen etwas befestigen. Das englische Pfund blieb unverändert. Die Reichsmark wurde notiert to London 20,41, Paris 5,07£, Amsterdam 59,10. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (Sn Statuten Mark «^gedrückt. BuenvS-DireS, Londmi, Ne« bork, JapA. Niode Icwetro für eine Einheit, Wien oyK Bebaue ft kür 100000 (Scheiten, alle« übrige für 10Ö Einheit-»» Telegraphische Auszahlung. 18 August 19. August Amtliche Notierung Ärmliche Notierung Geld ; Brief Geld Brief Ümst.-Rotr. 169,06 169,48 16839 169,41 Suen.-AireS 1.694 1,698 1.693 1,697 Brff-Antw. 18,73 18,77 19,21 19,25 Christiania. 77,70 77,90 7X.05 78,25 Kopenhagen 96,23 96,47 96,48 96,72 Stockholm . HMngforS. 112,76 113,04 112,78 113,06 10,576 10,616 10,572 10,612 Italien. . . 16,06 16,10 15.22 15.26 London. . 20,384 20,436 20,382 20,434 Neuhork . . 4,195 4,205 4.195 4,205 Paris. . . - Schweiz . . 19.495 19,535 19,74 19,78 81,38 81,58 81.38 81,58 Spanten. . 60,40 60,56 60.44*- 60,60 Japan . .. Rio de Jan- 1.721 1,725 1.718 1,722 -.516 0.516 0.518 0.514 Wien in D-- Oeft. abgest. a'J.Ob 59,20 12.465 59.08 59,22 Prag .... Belgrad . . 12,425 12.422 12.423 7.51 7,53 7.50 < .52 Budapest. . Bulgarien. 5,895 3.03 5,915 3.04 5.895 3,03 5,915 3.Y4 Lissabon . 20,775 20,825 20 825 20,875 Danzig. . . Konstantin- 80,80 81.00 80.80 81.00 2,47 2,48 2.475 2.485 Athen- . ■ 6,54 6,56 6.50 6.55 lEigener Drahtbericht des „Gießener AnzeigerS^ff Banknoten. Berlin, 19. August. Geld Brief Amerikanische Noten ..... 4,19 4,5 y. Belgische Nöten........ Dänische Noten ........ Englische Noten........ Französische "Noten...... Holländische Noten...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr,5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Roten . . Ungarische Noten....... Jrantfurter G 19,11 96.16 20,345 19,78 168,53 i 15,23 77,81 59,14 118,57 81,81 60,15 12,38 5,83 etreidebörse. 19,5 U6,i L 15, L 1 8 i Frankfurt a.M., 19.Aug. Es wurden notiert: Weizen, Westerauer (neue Ernte) 24,50 bis 24,75 Mk., Roggen, inländischer (neue Ernte) Ah Sommergerste für Brauzwecke (neue Ernte 26 bis 28,50, Hafer, inländischer (alte Ernte) 20,50 bis Mais, gelb 22, Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,25 bis 40,25, Roggenmehl 29 bis 29,50, Weizen^ flete 11,50, Roggenkleie 12,25 Mk. Tendenz: a6- geschwächt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 19. Aug. Der Produktenmartt zeigte schwächer« Haltung, beeinflußt von niedrigeren amerikanischen Preisen. Bei luftlosem Geschäft blieben bi« Ansätze gering und das Angebot aus neuer Ernte wird täglich dringender. Es notierten pro Tonne: Weizen (märt) 237 bis 241, Weizen (mecklenbg.) 235 bis 237, Weizen (September) 253, Weizen (Oktober) 255,50 bis 255, Weizen (Dezember) 261 bis 260,50, Roggen (mark.) 174 bis 181, Roggen (westpreuh.) 165 bis 170, Roggen (September) 195 bis 194,50, Roggen (Oktober) 202 bis 200,50, Roggen (Dezember) 205 bis 204, Gerste (märt) 240 bis 269, Futtergerste 189 bis 197, Hafer (märt) 186 bis 195, Hafer (Septenüber) 183, Hafer (Oktober) 188, Mais (loko Berlin) 214 bis 218, Raps 345 bis 350; pro Doppelzentner: Weizenmehl 32,25 bis 35, Roggenmebl 25,75 bis 27,50, Weizenkleie 13,60, Roggenklei« 13,30, Viktoriaerbsen 27 biS 35, kleine Erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 23 bis 25, Peluschken 23 bis 25, Wicken 26 bis 28. Lupinen (blau) 12,50 bis 14,50, Lupinen (gelb) 15 bis 16,50, Rapskuchen 16,60 biS 16.80, Leinkuchen 23,60 bis 24, Trocken schnitzel 12,20 biS 12,50, Torfmelass« 9,80, Kartoffelstöcken 25 biS 25,30, Zucker 22,40 bis 22,60.___________________ Verantwortlich für den lokalen Teil: i. D. Eyrhard Evers. Fräulein Fob. Roman von Ander- Eje. (Schluß.) „Exzellenz wundern sich vielleicht," sagte Mill- torp, „wieso ich mit diesen beliEiiten Angelegenheiten zu tun habe. Aber ich habe mich ihrer ausdrücklich über Auftrag des Fräuleins Gabby angenommen. „Sie find mir nicht jo unbekannt wie Sie glauben," antwortete Exzellenz, „ßabbtj hat mich schon in alles eingeweiht, auch in Vie kleinsten Details dieser wenig erbaulichen Geschichte." „Das erspart uns viel Zeit. Lassen Sie mich berichten, wie ich meinem Auftrag nachgekommen bin. Sobald ich Gabbys langes Telegramm erhalten hatte, ging id) sofort an die allererste Ausgabe: Wie finde ich Frau Fellips. Zu diesem Zwecke ging ich den nächsten Weg, nämlich jenen, der in» Schloß führte. Dort traf ich sofort Keyler, der daran war, Hals über Kopf in die Stadt zu reifey. Er war gerade im Begriffe, seine Reisetasche zo packen. Aus seinem Humor und seinem ttiumphievenden Gesicht konnte ich ersehen, daß es ihm gelungen war, ge- wissen Papieren auf die Spur zu kommen, an deren Besch Fräulein Gabby sehr viel gelegen war. Aber ich wußte auch, daß er einen ganz mrverschämten Preis hierfür verlangt hatte. WährerD Keyler sich in aller Eile zurechtmachte, stibitzte ich sie daher in einem unbewachten Augenblick. FräuSein Gabby sollte sie bekommen, ohne sich verpflichtet zu fühlen, dafür irgendeinen Preis zu zahlen. Milltorp öffnete feine eigene Reisetasche und entnahm ihr ein dickes Kuvert. iBttte, hier sind sie." Gabby zitterte etwas, als sie nach dem Kuvert griff. Sie öffnete es und sah die Papiere durch. 3a, das waren schon die richtigen. Darauf erfaßte sie MilltorpS beide HKnde und ergoß sich tn einem Strom von Danksagungen, denen sich aber Milltorp, etwas beschämt, zu entziehen versuchte. „Aber, ich bitte, es ist nichts zu danken." Gabby reichte schweigend das Kuvert der Trzellenz. Run kam man über die Äache ja nicht mehr hinweg. Thorben hatte vermutlich eine Ahnung, worum es sich handelte. Er setzte sich an den Tisch und sah die Dokumente durch, eines nach dem anderen. Dann erhob er sich und brückte Milltorp still die Hand. Unter seinen weihen Augenbrauen glänzte es feucht. Rach dieser stummen Pause, die einige Minuten gewährt hatte, nahm Misttorp seinen Bericht wieder auf. „Fob war auf alle Fälle das wichtigste. Zuerst wurde ich auf eine falsche Spur geführt. Kehler wußte nichts, er war zu sehr mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt und hatte seine Sache übrigens auch gut gemacht. Richt schlechter hatte sie aber leider auch ein anderer gemacht, unser Waldhüter, Fellips' ganz besonderer Mameluk. Kurze Zeit gelang es ihm. mich zu täuschen. Aber dann machte ich meine Entdeckungen bezüglich dieses Herrn. Run, die Details sind ja gleichgiltig. Kurz und gut, ich kaum darauf, daß Fob irgendwo im Schloß gefangen gehalten wurde. Und am selben Tage abends stand ich aber mit ihr schon tn Verbindung, dank der alten Rafaela. Fob hatte es verhältnismäßig nicht schlecht in einer der Kasematten des alten Schlosses, die gewiß auch schon vor langer Zeit für solche Zwecke verwendet wurden. Sie war also eingesperrt, ich sah sie deutlich durch eine kleine Oeffnung in den dicken Prismen des dreifachen Glasfensters. Sie faß an einem Tisch, die Arme darauf gestützt, den Kopf in den Händen, und es wäre eine Lüge zu sagen, daß sie besonders fröhlich ausgesehen hätte? Exzellenz fing Feuer und Flamme. Er konnte sich mcht zurückhalten, Millwrp in seiner Erzählung zu unterbrechen. „Stop, Herr Milltorp! Ich weiß nicht, was Sie noch hinzuzufügen haben. Jetzt sage ich, — und wenn wir eine ganze Division mobilisieren und das Schloß mü 75-Millimeter-Geschützen belagern müßten, so muß diese Expedition noch heute Ausgerüstet werden." , „Verzeihen Sie, Exzellenz," unterbrach ihn jetzt Milltorp, „vielleicht ist es nicht so ganz gleichgüttig, was ich noch zu sagen habe. Solcher Maßnahmen, wie Exzellenz sie vorschlagen, bedarf es nicht. Möchten sich Exzellenz dafür nicht die Mühe geben, die Tür dort zu öffnen?" Exzellenz starrte verständnislos auf Millwrp, der ganz ruhig aussah. Zögernd öffnete er die Tür, die ins Zimmer nebenan führte. Und i(i diesem stand — natürlich — Fob. Tableau. Großes Tableau, mit der gesegneten Mischung von Freudentränen und Zärtlichkeitsausbrüchen, wie sie nur in Romanen vorkommen ... Milltorp aber erklärte, daß er Hunger habe, und schlug vor, den Lunch zu nehmen ... Epilog. Auf Billa Caroly war das brausende Orgelwerk der Riesenulmen längst verstummt, und die süßen Düfte der Jasminhecken von taufend Winden in alle Welt getragen worden. lieber den großen Hof vor der Villa wehte kühler Novemberwind. In den äußersten Zweigen der Bäume raschelte es ,sonst aber herrschte Stille und Winterschweigen rings um Caroly. Aber im Haus ging es um so lebhafter zu. Nicht deswegen, weil es der alten Thorben etwa gelungen war, zu einer Jahreszeit, in der es die Städter am gemütlichsten unter Straßenlaternen und im Scheine der großen Lampen in den Restaurants finden, die Leute aufs Land zu locken. Nein, diese späten Gäste hatten sich selber eingeladen, oder vielmehr, sie hatten sich von einer mit höchster Machtvollkommenheit ausgestatteten Persönlichkeit einladen lasten. Dies war kein Geringerer gewesen, als die alte Exzellenz selbst. Papa FiU war der Meinung, daß er und Fob und alle übrigen Mitkämpfer in dem glücklich verlaufenen Feldzug gegen den ein für allemal erledigten Herrn Fellips nach all den Mühen einiger Ruhe bedurften. Zu diesem Zwecke hatte er ganz einfach eines Tages der Tante Karoline die Ankunst der ganzen Gesellschaft angeküundigt. Die Tante war davon selbstverständlich entzückt. — besonders aus einem Grunde: es gab doch eine aufgelöste Ehe, und unglückliche, nunmehr aber glücklich geschiedene Ehegatten waren ja bekanntlich in ihren Augen eine ganz besonders hochstehende Kategorie. Um den offenen Karnin im Saale saßen also an diesem Tage in ländlichem Frieden versammelt folgende Peffonen: Erstens: Exzellenz und seine Schwester (welche die Landlust genießen konnten, solange e» ihnen bshagte). Zweitens Fob (die, wie Tante Karoline wußte, jetzt wieder ihre frühere Fröhlichkeit zurückgewonnen hatte). Drittens: Gabby (bte Fob durch dick und büim folgte). Viertens: Herr Keyler (der, wenn «_ auch dw Umstände nicht so mit sich gebracht hätten, sich dennoch auf ewige Zeiten von seinem gewesenen Prinzipal getrennt hätte). Fünftens: Milltorp (der sich darauf verließ, daß auch sein Verwalter sich einmal um bas Gut küm* mem konnte). Tante Karoline bewegte sich in dieser Gesellschaft wie eine spinnende Katze, — nicht zuletzt deswegen, wett sie Fob nunmehr endgültig gegen alle künftigen eheligen Absichten gefeit hielt. Ihr tragisches Bei« spiel konnte außerdem auch auf die übrigen An« wesenden abschreckend wirken. Ihr Humor mar so glänzend, daß sie sich bereit erklärte, einige hundert Meter Film aufzunehmen, — diesmal nicht zu De- monstrationszwecken, sondern nur der Unterhaltung wegen. Und Tante Karoline bekam ihren Willen erfüllt. Besonders Milltorp war von der Vorstellung ungemein belustigt. Es war aber em Gluck für Tante Karoline, daß sie nicht sah, was eine halbe Stunde später sich in der großen Allee zutrug. Das hätte sie vielleicht an der Wirkung unglücklicher Ehen und filmdramatischer Demonstrationen zweifeln lassen. Und es tft von wenig Nutzen, wenn alte Leute zu zweifeln beginnen . . . In der großen Allee gingen zuerst ein Herr und eine Dame, eng aneinander geschmiegt. Auch ein sehr zudringlicher Betrachter hätte sie im Dunkel nicht erkennen können. Es waren Milltorp und Fob. Einige Minuten später tauchte ein zweites Paar auf — auch Arm in Arm. — Ohne den beiden mit einer elektrischen Taschenlampe ins Gesicht leuchten zu müssen, ahnt der intelligente Leser, daß dies Paar die Firma Gabby-Keyler war, von denen die letztgenannte nach Prüfung ihres Herzens es für das beste gefunden hatte, den einmal ausgesetzten Preis für eine gewisse kühne Tat auch zu verleihen . . . Als unsere Helden und Heldinnen genügend tief in das schützende Dunkel der Allee gekommen waren, taten sie natürlich das, was ein Held und eine Heldin in der Schlußszene eines modernen Romane» nie» mal» zu tun unterlassen . . .