Nr. Ub Erster Blatt 175. Jahrgang Dienstag, (9. Mai i925 Erschein» l glich, außer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GiesjenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monalr-Bezucrpreir: 2 (Bolömarh u.*20 Sold- Pfennig für Tru^erlohn, auch bei Nichtc-tcheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt. Fernspre ch.Anschlüsfe: Schristl itung 112, ’Bcr» lagunbCBc' ,üstsslel!e51. Anschrift für Drohtnach» richten ünzcigerEIehen. postschecklonto: Sran.'futl a. M. 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drurf und Verlag: vrühl'fche Unioerfitälz-Vuch- und Stcinöruderei H. Lange in Siehen. Sd)riftleitung und Sefchästrftelle: ächulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi zum Nachmittag vorher ohne jede'Berd^dliebken Preis für l mm hohe für Anzeigen von 27 m Breite drtlich8.auswui> 10 Goldpfennig, für Ne Klame-Anzeigen v 70 . . Breite 35 (bolbpfenni.,, Platzoorfchrist 20" ,?lui schlag. - Berannvortlicir für Politik u. Feuilleton Nr. Friedr. Will) $?anc. Tür den übrigen Te.I Ernst Blumschein, jur de Anzeigenteil: Han» Berk, sämtlich in Gießen Strefemann über die auswärtige Politik. Fortsetzung des bisherigen außenpolitischen Kurses. Die nvt groher Spannung erwartete außen« t>c( i'k 2'. Dr. ötref ernannt versammelte en Q itiMiM.t mltafl tast alle Abgeordneten und zahlreiche r.bäaenbesucher im .Hohen Haufe" cm T rl’n'.r KönigSplay Bereits vorher wühle man, haß sich her Reichsaußenminister nicht auf jHätfdratcn cinlaffen werde, sondern haß er bloß eine umfassende TIederficht werde. Die Ohfofitton war gespannt, ob der verantwortlich.' Leiter der Reichsaußenpolitil auch nach der Wahl Hindenburgs zum Reichs- vräsideiitcn an den Grundfähei» feftßalten werde, die er seit bald zwei Fahren vertritt, und die auch im Kabinett Luther ausdrücklich als weilerbestehend bezeichnet worden waren. 3m ersten Eeil seiner Ausführungen fetzte sich Dr. Strefemann mit dem Problem „Außen» t> 0 H l : U 1 Trotz der sehr schlechten Beförderungsverhältnisse unter den oberen und mittleren Beamten d?S Auswärtigen Amtes hat daS ReichSaußenmini - sterium leine neuen Stellen für das Inland angefordcri. Qßcnn für den Auölanddienft eine (5 l ') ö h u n g der E t a t s sie l le n vorgesehen ist. I? sollte höbet nicht vergessen werde»», daß auch heute noch die Fahl der Aus land Vertretungen weit hinter der der BvrlriegSzeil zu- rückbleibi Für die Auslanddeutschen verlangte der Minister Gewährung tultureller Autonomie, weil nur dadurch fortgesetzte, gefährliche Reibungen vermieden werden tonnten. Grundsätzlich bedeutsam war die Charakteri- ficrung. die Dr Strefemann dem Londoner R e p a r a t i o n s a b l o m m e n vom 30. August 1924 gab. ’? r betritt mit aller Entschiedenheit, das. die Annah ne Daw's Programms von feiten Deutschlands in einem Gefühl innerer Dei - antioortliJ i< tt oder sogar eines Schuldbewußt- feinet erfolgt ui Die Reparationstribute seien viclmchl > .ne Last, die der Sieger der unterlegenen Partei auf erlegt habe. D'g . e'.'i. ■ -.-.'i'g de'- RcichSre-'ierung 'N d?'»' Dawes Programm fei erfolgt, um endlich die Rcpnralionsf' nc aus dem Bereich der Macht» Politik h t-.tivsul&fen. Dr. Strefemann hält es für ausgefa lossen, baß irgendeine ReichSregie- ru.ig fei ft zusammengesetzt, wie sie wolle —, sich von bett itbcinommcnen Derpflichtungen lossagen ldm. ti Zweifel daran, daß die m u_ii g ö e r> .Ruhrgebiets bis zum 16. Aug. 1925 b ; ; fühlt fein werde, dürfe nicht auf- kommen ?. i''-re sranzöfifche Außenminister H c r r i t habe spontan erklärt, daß die srist- gcm f--c .' umung der Ruhr in keiner Weise durch die v' -1ch. ■ ' der Versuch, im Reiseverkehr zwilchen D . land und O c ft c r r c t 4> die Vila- gebühret > . ulchaf^n, an finanziellen Bedenken de Toi.ii Regierung gescheitert fei. und daß die sehr na en und herzlichen Beziehungen, die zwilchen den bj'Om deutschen Staaten bestehen, nicht auch nach dieser Seite hin ausgebaut werden sonn:en. ' t ”. r, ältnia Deutschlands zu Rußland inüch der Minister mit Hinweisen auf die Schict'alsgeineinschast beider Döiker begnügen; i. i anir." verschiedenen Wirtschallssysteme beider Länder haben bisher eine wirtschaftliche Annäherung und im besonderen einen Ausbau der im Rapallo-Vertrag nieder, gelegten Qkf,. amungen unmöglich gemacht. Zum Then.a Deutschland und Spanien sprach Strefemann die Erwartung aus, daß die feit Iahihunder.en bestehenden ungetrübten Freund- fchaftsbe-ichungen durch die baldige Annahme des deutsch- spanischen Handelsvertrages bestätigt würden. Das ! bhasteste Interesse riefen naturgemäß die Aussüh.ungcn deS Reichsaußenininisters über die Fragen: Räumung. Sicherheit und -oöltcrbunb hervor Der Minister stellte sich auf ben_ Stanbvunlt. daß es schwer sei. leine bittere Sathre üp.r bi? Behandlung zu schreiben, welche die deutsche Ci lwafinungsfrage seitens d:r üntentesiaaten erfahren habe. Es wäre zweifeUo^ gdin.gen, bereits heute die Wünsche rcr Allv.rten i: der GntnxifLnungöfrag: zu er- fülle n. weim dies.- Wünsch? — wie es recht und billig g:ir;fcn wär? — der Reichsregierung bereits feit ‘ 'ionaten unterbreitet worden wären. Gtrekmann vergaß auch nicht, über die seeli sche ®cla i. na za sprechen, welch? die Behandlung des '5ni!rü'*:iungßt>rrblcm'3 durch unsere f.üheren Gegner i? a deutschen Volk bereitet habe. Er nannte es ..ciii Äaturrecht jedes Volkes", seinen heimatlich.n Boden zu verteidigen und unter einem nationalen Regime zu leben Die Tausend i a&rf eie r der Zugehörigkeit des Rhernlaid.s >.m Deutschen Reich bezwecke in feiner Weife eine Aufwiegelung der Brrölkerung d:s befehlen Gebietes gegen die Desahungs- Mächte, wie ein den Alliierten in die Hände gespieltes gefälschtes Dokument eS darzustellen sucht. Durch eine Abrüstung könne Deutschland gar nicht mehr betroffen werden, do eS bereits läng st als militärischer Faktor völlig ausgeschaltet fei. In gleicher Weife fei das Sichcrungsproblem allein eine Frage, deren sachgemäße Losung Deutschland zugute kommen müsse, nicht aber den waffenstarrenden Westmächten. Eine Lösung der Sicherheitsfrage unter Ausschaltung Deutschlands sei eine Unmöglich- leit. In der Frage deS Beitritts Deutschlands zum Völkerbund stehe das Reichskabinett unverändert auf dem Standpunkt, den das Kabinett Marx in seiner Dezembernote eingenommen habe. Mit aller Entschiedenheit wies es der Minister zurück, baß das von der Reichsregierung an die Alliierten gesandte Paltangebot etwas wie eine vierte Teilung Polens zum Ziel habe. Es darf uns unter keinen ilmftänben verwehrt werden, Streitfragen über lebenswichtige Probleme vor ein neutrales Schiedsgericht zu bringen. In diesem Zusammenhang verdient die Aeußerung Lloyd Georges erwähnt zu werden, der die Entscheidung in der obetschle- fischen Frage als einen groben Betrug gegenüber dem wehrlosen deutschen Volke bezeichnete und sich erneut zu einer Revision der deutschen O st grenze bekannte. Zum Schluß seiner Rede zitierte Strefemann die Worte, die Reichspräsident von Hindenburg kürzlich beim Empfang der auswärtigen Diplomaten gesprochen hat: Daß er keinen größeren Wunsch habe als den, das deutsche Volk in Frieden und Gleichberechtigung an den Aufgaben der Welt mittoirlen zu lassen. Die Rede Dr. Strefemann» wird dem Ausland die Gewißheit geben, daß wir entschlossen sind, unsere Rechtstitel zu wahren, daß wir aber jeden ehrlichen Weg gehen werden, der zu einer endgültigen Beilegung der noch schwebenden zahlreichen Konflikte führt. Sitzungsbericht. Berlin, 18. Mai. Präsident Lobe gedenkt bei der Eröffnung der Sitzung deS G r u - benunglücksbei D o r st f e l d. Während sich die Abgeordneten von den Sitzen erheben, spricht der Präsident den Hinterbliebenen der Ovset die Teilnahme des Reichstags aus. Er knüpft hieran an die Aufsichtsbehörden die dringende Mahnung, durch geeignete Maßnahmen einer Wiederholung solcher Vorkommnisse vorzubeugen. Der Haushalt des Auswärtigen Amtes kommt hierauf zur zweiten Beratung. In Verbindung damit stehen Interpellationen der K o m in u n i st e n über die Stellungnahme der Reichsregierung zu der durch die Wahl Hindenburgs geschaffenen politischen Lage, zur Sicherheitsfrage und zur Verewigung der Grenzen des Versailler Vertrages, ferner eine Interpellation der Sozialdemokraten über die Außenpolitik und eine Interpellation des Zentrums über die Lage im besetzten Gebiete und die Sicherheitsfrage. Abg. Hoetzsch (dntl.) erstattet den Ausschußbericht. Der Ausschuß verlangt in einer Entschließung eine festere Verknüpfung des Reichszentralheimatsdienstes mit der Reichspressestelle. In einer weiteren Entschließung werden neue konsularisch? Vertretungen in Saratow. Singapore und Czernowitz verlangt. Es folgen die Ausschußberichte für die mit diesem Haushalt verbundenen Etats des Reichsministers. des Reichskanzlers, der Reichskanzlei und des Reichspräsidenten. Die Beratung wird eingeleitet durch eine längere Diebe des DieichSanßenminifters Dr. Strefemann: Gin Irrtum sei es. wenn man glaube, uns durch die Verquickung der Abrüstung mit der Aufhebung der Besetzung jeder Forderung gegenüber gefügig zu machen Das. was ein Jahrtausend der deutschen Seele eingeprägt hat. konnte durch keinen Druck ausgeloscht werden. Der Minister stellt fest, daß es sich bei dem angeblichen Erlaß des preußischen Innenministeriums, die Tausendjahrfeier im Rheinland zu politischen Demonstrationen zu benutzen, um eine plumpe Fälschung handelt. Es fei erfunden. um wahrscheinlich die Grundlage zu geben für die im Rheinland gegen die Jährtau^endseier unternommenen Maßnahmen. Der Minister verwahrt fidi dagegen, daß ähnlichen Behauptungen in Zukunft Glauben beigemelsen werde. Er weist dann daraus hm. daß bi? eigentlich? Abrüstung Deutschlands nicht ein Endzweck, sondern nur eine Vorleistung f ü r d i e allgemeine Abrützung sein solle. In dieser Richtung sei bisher so gut wie nichts geschehen. Das Bestehen eines Sicherheitsproblems als Schutz gegen deutsch? Angriffe könne Deutschland unmöglich anerkennen. Der Minister gibt dann einen üeberblid über die verschiedenen Stadien die die Sicher hei tssrage in den letzten Jahren durchgemacht hat. Der deutsch? Standpunkt in dieser Frage werde von dem Gesichtspunkt bestimmt. daß eine Lösung ohne Deutschland eine Lösung gegen Deutschland wäre, die dem europäischen Frieden nicht dienen könne, und die ür Deutschland eine schwere Bedrohung dar- teilen würde. ES sei eine der wichtigsten Ausgaben der deutschen Außenpolitik, dem labilen Zustand unserer Wrstgrenzen durch eine klare Rege- lung ein Ende zu machen. Daher konnte die Reichsreglerung sich positiver Mitarbeit an der Regelung der Sicherheitsfrage nicht entziehen. Sie konnte dabei an frühere Entschließungen an- knüpsen. z. D. an den Vorschlag des Reichskanzlers Cuno, wonach die am Rhein interessierten Staaten sich zu getreuen Händen der Regierung der Bereinigten Staaten verpslichten sollten, ein Menschenalter hindurch leinen Krieg gegeneinander zu führen. Als dann die Regierung Euno das bekannte Reparationsangebot machte, wurde dabei die Bereitwilligkeit zu allgemeinen Vereinbarungen dieser Art erneut zum Ausdruck gebracht. Der Außenminister erklärt daraus, daß er selbst als Reichskanzler im September 1923 den Abschluß eines Rcichspaktes zur Erörterung gestellt habe. Die Anregungen, die nun neuerdings den alliierten Regierungen übermittelt wurden, so crtlärte Strefemann. sind im Grunde nichts anderes als eine Zusammenfassung der früheren deutschen Vorschläge. Es sollte eine Grundlage für Verhandlungen über diese Frage geschaffen werden. Sobald die Antwort der Alliierten ober einer der Hauptmächte vorliege, sei die Reichsregierung bereit, den Wortlaut des Memorandums zur öffentlichen Diskussion za stellen, in dem bi? Darlegungen unserer Botschafter niebergelegt sind. Man habe von einer deutschen Berzichtspolitik gesprochen. Wenn diese Auffassung richtig wäre, so würden die Franzosen ja die größten Toren fein, wenn sie nicht sofort zugriffen und sich die deutschen Borschläge zu eigen machten. In Wirklichkeit feien wir bis heute auch in der Frage des Garantiepakts ohne Antwort seitens der alliierten Mächte und bet französischen Regierung. Der ^aiDcitdiu), fuhr der Minister fort, das, i)ic Sicherheitsfrage ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Problems ist, bleibt bestehen. Ob dieser Tatbestand zu -er friedlichen Verständigung führt, wird von der Haltung abhängen, die die Alliierten und insbesondere Frankreich unS gegenüber einnehmen. Erstaunlich war, daß man in unserem Vorgehen eine aggressive Spitze gegen Polen sehen wollte. Die polnische Presse hat sogar behauptet, daß wir auf eine vierte Teilung Polens ausgingen und das Ziel verfolgten, unsere Rachbarn im Osten zu überfallen, alles deshalb, well wir die östliche Grenze nicht in den Garantiepakt einbeziehen wollen. Das beruht auf völliger Unkenntnis des Schiedsvcrlrages oder auf bewußter Entstellung. AuS unserer Auffassung über unsere Ost grenze haben wir nie ein Hehl gemacht: es kann deshalb für Deutschland auch keine Regelung der Sicherheitsfrage in Betracht kommen, die eine nochmalige Anerkennung dieser Grenze in sich schließen würde. Eine gewaltsame Aenderung seiner Ostgrenzen herbeizuführen hat Deutschland nicht die Macht und nicht den Willen. Der Minister bespricht dann die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund. Die Reichsregierung habe bereits die Grundsätze dargelegt, von denen sie sich bei einem eventuellen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund leiten lassen würde. Das entwaffnete Deutschland, fuhr der Minister fort, kann nicht wie andere gerüstete Staaten eine kriegerische Verwickelung auf sich nehmen. Der Hinweis in der Rote des DöllctbundsralS auf die Ein- flußmöglichkeiten, die Deutschland als Ratsmitglied bei allen wichtigen Entscheidungen haben würde, ist zweifellos von Bedeutung. Die Reichsregierung wird diese Frage einer weiteren K l ärung zuführen. Sie will die Qlottoenbig- leiten politisch zur Geltung bringen, die sich aus unserer besonderen Lage ergeben. Eine gedeihliche Zusammenarbeit im Döller- bund ist nicht möglich, solange akute Differenzen zwischen unS und den Alliierten bestehen, z. D. über die angeblichen Verfehlungen in der Entwaffnungsfrage, und folange die Räumung der nördlichen Zone nicht dprchgeführt ist. Der Minister schließt mit dem Hinweis auf die bestehenden Schwierigkeiten, die aber keinen Grund böten, an der Möglichkeit einer befriedigenden Gesamtlösung zu zweifeln. Diese liege im Gesamt Interesse aller Völler. Alle Regierungen müßten sich entschließen, im Gei st e vertrauensvoller Verständigung zusam- menzuarbeiten. Die Reichsregierung sei dazu bereit. Dieser Geist müsse aber auch bei denan- beten Mächten vorhanden sein, die es in der Hand haben. Europa den Frieden zu geben. Gebe man uns Friede und Gleichberechtigung, so werde die friedliche Entwicklung der Voller in einem friedlichen Deutschland ihre beste Stütze haben. (Lebhafter Beifall.) Die fast zweistündige Rede des Außenministers wurde vom Hause ruhig entgegengenommen. Zwischenfälle entstanden nicht. Die Kommunisten brachten sogleich nach Schluß der Redss zwei Mißtrauens - | anträge ein. Der eine lautet Der Minister des Aeußem Dr. Etrefemann besitzt nicht das I Vertrauen deS Reichstags — Der ztyettc bezieht sich auf den Reichskanzler. Die Mißtrauens- anträge wurden vom Haufe mit lebhafter Heiterkeit ausgenommen Die Beratungen werden darauf abgebrochen. Die politische Aussprache und die 'Xbflimmu" sollen biS Mittwochabend erledigt fein Der Gesetzentwurf betreffend tos R u l> c gehakt für b i e Witwe des Reich Präsidenten wird dann in dritter Lesu ohne Aussprache gegen die Kommunisten un Völkischen angenommen. Das HauS vertagt sich bann atef Dtensi-, - 12 LIhr: Fortsetzung der politischen Aussprache Die Kontrollnote. Die voraussichtlichc« ^orbcriiiiflcn. — Nene Verschleppung. Brüssel, 19. Mai. Wie hier au wohl unterrichteter Stelle bekannt geworden ist, ist die Rote der Entente in der Kontrollfrage nunmehr soweit fcrtiggeftellt, daß nur noch einzelne Textredaktionen vorzunehmen sind. Die Rote bcsleißiqt sich einer sehr gemäßigten Sprache, läßt aber in ihren sachlichen Forderungen alle bisherigen Dar legungen von deutscher Seite völlig unberücksichtigt. Es werde verlangt, daß große Industriewerke, die früher Waffen geliefert haben, wie Krupp, die Deutschen Werke und andere riesige Zerstörungen an ihren Anlagen vornehmen. In hiesigen wohlunterrichteten Kreisen verhehlt man sich nicht, daß die Forderung für die betreffenden Werke eine fast katastrophale Wirkung haben muß. Wei ter werde die vollkommene Entkasernierung der Schutzpolizei gefordert und daran fest gehalten, daß das Gruppenamt im Reichswehr minifterium eine Fortsetzung des Großen General st abs wäre. ES wird verlangt, daß es völlig umorganifiert werde und daß Garantien bestimmter Art dafür geschaffen tofiv den, die auch in Zukunft das Wiedererstehen eines Generalstabs unmöglich machen. Gesetzliche Vor schriften würden weiter gegen die Wiederholung kurzfristiger Einstellungen in die Reichswehr verlangt. Don den einzelnen Fo> berungen sei besonders hervorzuheben, daß K n nigSberg weiter entsesti (it werden so! Das britische Kabinett hat die Prüfung des französischen Antwnr! entwurfS an Deutschland auf Mittwoch feflgcb'1 Dabei soll entschieden werden, ob man trotz aller französischen Bedenken nicht doch eine andere Fassung der Rote Vorschlägen soll. Würde nämlich die jetzt noch rein französische Rote in eine solche der Verbündeten verwandelt, so über- nehme England eine Deranlwortung. die es nicht gerne tragen möchte, besonders bann, wenn die französische Rote Bedingungen enthalte, auf die Deutschland osscnsichtlich nicht ein gen en würde. Frankreich dürste infolge dieser und ähnlicher Erwägungen wohl erst einmal gebeten werden, sich etwas deutlicher auszudrücken. Dies würde naturgemäß eine neuerliche Verzögerung in der Absendung der Rote bedeuten. Auch der Zusammentritt der Botschafter- konferenz am Mittwoch ist zweifelhaft geworden und selbst wenn sic zusanunentritt. rechnet man in cingeweihten Kreisen doch nicht damit daß sie zu einem Ergebnis kommen würde Der französische Schuldenfundierungsplan. Paris. 19 Mai. (TU.) Ueber den Schul- denfundierungSplan, den die sranzösische Regie- rung in spätestens 14 Tagen den Vereinig- ten Staaten unterbreiten wird, erfaßten die hier erscheinenden amerikanischen ölät ter, daß der Finanzminister ein Abkommen auf ber Grundlage der englisch-amerikanischen Regelung Vorschlägen wird. Caillaux wird zunächst ein Moratorium erbitten, im übrigen aber unter Ausschaltung aller gefühlsmäßigen Momente das Problem von einem rein kommet- dicUcn Standpunkt aus behandeln. Rach der ..Daily Mail" hält es die französische Regierung für richtig, daß die Mitglieder der amerikanischen Schulden-Fundierungs-Kommis ion zu den Verhandlungen nach Paris kommen. Wachsende Bärung in Marokko. Paris, 19. Mai (XU.) Die Blätter bringen ausführliche Meldungen üb?r die wachsende Gärung in der französischen Marokio-Zone, die auch auf die gebildeten Stände übergegriffen hat. Der Sonoeivetich:erstalter des „Journal meldet, überaL' werd? bi? Anwesenheit der Sendboten VloS- kaus beobachtet. Man hab? in den zuständig -i französischen Kreisen den Eindruck, das, coL;; Rußland und Der Dolschrw smus nach t • letzt in Mißerfolgen in Europa jetzt die Riflcute gegen Frankreich aufgewühlt hab?. ton einem franzosisch-.n Abgeoton?1?n an 211)0 el Krim gerichtetes Gluckwunfch-T?l g?amm wurde in zahllosen Exemplaren verbreitet und habe großen Eindruck gemacht, weil die Eingeborenen meinen, daß das Telegramm e n?ö französischen Parlamentsmitgliedes die französische öff«^liche Meinnng wiedergäbe. Eine reg? Propaganda ziell darauf ab. die ftanzös.schen rnili- tätlichen Erfolge als bedeutungslos hinzustellen. Die Lage ist nach hiesigen Berichten unverändert. Don der Kampffront werden nur Heinere Scharmützel gemeldet. Das Obeitommif- fariai scheint die Paule benutzen zu wollen um gegen die innerhalb der sianzösischen Hoheit? zone abgefallenen Stämme Dergeltunm maßregeln zu ergreifen. Es handelt sich dabei mehr um eine politische als militärische Aktion, die auch auf die marokkanischen Küstenstädte ausgedehnt werden soll. Nach einer Audiomeldung halben die Behörden der Stadt Casablanca ermittelt, daß bekannte Persönlichkeiten, darunter ein von England protegiertet 2'ourna l i st, feit Monaten für Abb el Krim propagieren. Polen lehnt jede Haftpflicht ab. Berlin, 18. Mai. (T. U.) Zu der Hast« pflicht im ßaUc her Eisen bah Nkato- strophe tin polnischen Korridor erfährt die „Telo- graphen-Unlon" an zuständiger Stelle, daß die polnische Staalobahndirettion in Danzig der Deutschen Reichsbahndtrektion Königsberg mitgeteilt hat, d i e polnische 9t o gi c r ii ii g lehne jede Haftpflicht ob, iveil die Ursache des Unglücks als ein A11 cn t ä t j c ft g e ft c 111 (ei und nach ihrer Ansicht keine Haftpflicht begründet worden ist. Dagegen hat die polnische Gesandtschaft in Berlin im Austrage ihrer 'Regierung sich bei der Reichsbohngesellschaft nach Hinterbliebenen, die sich in besonderer 'Rotlage befinden, erkundigt und U n - k e r (tu N u n g z u g e s a g t. Cs handelt sich bei diesem Schritt der polnischen Gesandtschaft lediglich um eine humanitäre Maßnahme, welche die Rechtslage nicht berühre. An deutscher zuftöndigsr Stelle ist man der Ansicht, daß P oj c n schadenorfohpsichtig ist, auch in dem Fall, daß — was aber noch bezweifelt wird — ein Attentat nachgewlsssn werden sollte. Bon deutschen Gerichten wird ein Attentat keineswegs als ein Fall höherer Gewalt angesehen, weil es sich gegebenenfalls hätte oerhüten lassen. Wik sich die polrn'chen Gerichte zu dieser Frage stellen werden, bleioi abznwarten. Die Lage des Bauernstandes in Sowjeirustland. Moskau, 18. Mat. (MTB.) In der heutigen Sitzung des Kongresses dsr Sowjetunion sprach K a m o n o w über die notwendige Verbesserung der Lage des Bauernstandes. Er erklärte u. n., das Prinzip der Nationalisierung der Bodens muffe bis zu Ende durchgeführt werden. Gleichzeitig müsse eine schnelle Steuererleichterung und bessere Verteilung der Lasten des Bauernstandes Platz greifen. Umgehende kulturelle Maßnahmen, wie die Elektrisierung und Bodsnoerbesserungen, mußten ourchge- sührt werden. Die Verpachtung von Land, zu dessen Bearbeitung die Mittel fehlten, müsse gestattet werden, dagegen keine Unterverpachtung aus Spekulationszwecken. Das Wichtigste sei die R e g e» lung der Getreidepreise. Aus dem aus dem Getreideverkauf an das Ausland erzielten Erträge muffe der Bauer stärker beteiligt werden. Daher sei die Reuorganifierung der Getreideausfuhr notwendig. Ferner fei die Industrialisierung der Bauernwirtschaft zwecks Hebung des Ertrages erforderlich; doch müsse hiebei vorsichtig voraegongen werden, damit her Bauer und nicht ausländische Kapitalisten den Gewinn hätten. Die Grubenkatastrophe von Dorstfeld. Das Fahr 1925 ist für den rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau geradezu ein Unglücksjahr: Mit dem Unglück auf der Zeche ,,f) a n n i b a I", das sieben Tote kostete, begann die Katastrophenserie, SS er- .folgte das Unglück auf „M inister Stein" mit 6180 Toten, dann der Riß des Förderseils auf „M a t- »thias Stinnes" und jetzt die Explosion in D o r st f e l d, die wieder ein halbes Hundert Opfer ,forderte. Wie bei den meisten Unglücksfällen dieser Art wird es auch hier unmöglich sein, die eigentliche Ursache feststellen zu können. In den nächsten Wochen tritt der P r e u ß i s ch e Landtag wieder zusammen; er wird sich dann nicht nur mit den zahlreichen Anträgen aus Anlaß des Unglücks auf „Minister Stein", sondern auch mit dieser neuesten Katastrophe zu beschäftigen haben. Man kann es nur begrüßen, daß sich das Parlament dis Förderung des Grubensicherheit s- mojen» zu einer hervorragenden Ausgabe gestellt hat. Da sich unter diesen Anträgen auch zahlreiche befinden, die lediglich propagandistischen und agi- tawrischen Wert besitzen, erscheint es empfehlenswert, wenn die deutschen Parlamentarier durchweg den Grubenbetrieb aus eigener Anschauung kennen lernen würden, um, wenn es gilt, neue wichtige Entscheidungen zu fällen, sich aus eigener Kenntnis der Dinge ein Urteil bilden rönnen. Ausräumungsarbetten auf der geche Dorstfeld. 3n der Zahl her Toten und verwundeten des Grubenunglücks auf Zeche Dorstfeld hat sich nichts mehr geändert. Vermißt wird nur noch ein Steiger, der Abteilungsleiter des ilnglüctereDlerfl, der vermutlich als Leiche noch unter der Trümmern auf Schacht 5 liegen wird. Die auswärtigen Rettungskolon- nen sind bereits zum größten Teil am Sonntag morgen und Sonntagmittag nach Hause geschickt w o r d e n. Die Ausräumungsarbetten und die Aachforschungen nach dem vermißten Steiger werden jetzt nur noch von den eigenen Kolonnen der Zeche Dorstfeld ausgeführt. Die AufräumungSarbeiten dürften jedenfalls noch mehrere Tage In Anspruch nehmen, da durch die Gewalt der Explosion weite Strecken unter Tage zu Vruch gegangen sind. Jn- folgebeffcn konnte die Förderung auf Schacht 2 bisher auch nur zu einem kleinen Teil wieder ausgenommen werden. Schacht 5 war der Lufisch a ch t und diente zur Beförderung. Die Unter* suchung der Ursachen der Explosion ist im Gange. Bergwerksbehörden und Grubensicherheitskommis- fron sind eingefahren. Bis zur Stunde konnte jedoch nichts ermittelt werden. Das Unglück hatte ohne die Sicherung durch daS Gestclnstaubvei fahren einen unübersehbaren Umfang angenommen, da In den sechs Steiger- revieren, in welche die Flamme hätte hinein- schlagen müssen, an 400 Mann beschäftigt waren. Der Ausgangspunkt d.r Explosion liegt mit größter Wahrscheinlichkeit im Spreng- stossmagrzin, wo rund 1030 Kilogramm lagerten. Die Explosion hat dann die in der Bähe gelegenen Strecken, hauptsächlich bk erste Steig» abteilung betrvssen. wo 34 Mann umkamen. Die Fortpflanzung wurde durch Gesrelnstaub^ streuung aufgehalten. Die Untersuchung ist im Gange und erstreckt sich hauptsächlich auf Me Ursache der Entzündung der Svr eng* stvffeim Sprengst off lager. Die Beerdigung der Opfer fülltet wahrscheinlich am Mittwoch statt. 500000 Mark für die Hinterbliebenen. Der preußische S t a a t s k o m m i s s a r für die Regelung der Wohlfahrtsfragen hat genehmigt, daß aus dem Ertrag des Hilfswerks für die Hinterbliebenen der Katastrophe auf Minister Stein ein Betrag von 500 000 M k. abgezweigt und zur Unterstützung für die Opfer früherer wie künftiger Bergwerksunfälle im rheinisch- westfälischen Industriebezirk verwandt wird. 2)ie Grundsätze, nach denen diese Mittel verwaltet und verteilt werden sollen, werden alsbald festgesetzt. Jedenfalls ober werden sämtliche Mittel restlos den bedrängten Bergarbeiterfamilien zugute kommen. Trauersitzung der Dortmunder Stadtverordneten. In der Trauersitzung der Dortmunder Stabb verordnetet! ergriff der Stadtvcrordnelenvorsteher das Worr, um das Beileid der Stadtver- o r d n e 1 e u v e i s a m m l u n g anläßlich des ExplosionsunglÜcks auf der Zeche Dorstfetd zum Ausdruck zu Dringen. Infolge lärmender Störungen d c r K o m m u n i ft e n mußte die Sitzung geschlossen werden. In der sich an» schließenden nichtöffentlichen Sitzung nahm Ober- vürgermeister E i ch h o f f das Wort, uni das Beileid des Magistrats zum Aitsdruck zu bringen. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 18. Mal. Der Finanzausschuß des Landtags fetzte heute seine Beratungen bei Kap. 53 (L o n d e s b i l d ü n g s a m t) fort; hierzu lag ein Antrag Birnbaum vor, über die Zahlung einer Entschädigung an die Lehrerinnen, die wegen Verheiratung freiwillig aus dem Amte scheiden. Mit Zustimmung der Antragstellerin wurde beschlossen, Die Angelegenheit kurz nach der Budgetberatung zu behandeln. Ein Abtrag Dr. Leucht- g e N S zielt darauf ab, die Zahl der Beamten wieder auf den Bestand von 1014 zurlickzufiihreii. Aus diesem Grunde sollen die Stellen von 14 akademischen Beamten bis auf 6 vermindert werden; auch wurde verlangt, von 42 Stellen mittlerer- und Unterbeamten 18 zu streichen. Der Antrag wurde gegen 2 Stimmen abgelehnt und das Kapitel gegen 2 Stimmen angenommen. Bei den Kap. 54 (Stellvertretungen und Aushilfskosten) und 55 (Postge- bühren) verlangten Anträge Dr. L e u ch t g e n s Heraufetzung bei dafür festgesetzten Betröge um 50 Proz. Die Anträge wurden gegen 2 Stimmen abgslehnt und die Kapitel angenommen. Zu Kap. 56 (Lehrerinnen und Lehrerinnenseminare) lag ein Antrag H e r ä ii s — B i r n b a u m zur. E r r i ch - lung eines Internates vor, im Anschluß an die Aufbauschule in Darmstadt. Es wurde beschlössen, den Antrag der Regierung als Material zu überweisen. Das Kapitel wurde genehmigt. Kap. 57 (Volksschulen) wurde zurückgestellt. Die Kap. 59 (Taubstummenanstalt und Blindenanstalt) wurden genehmigt. Der Reichspräsident auf einem parlamentarischen Abend. Berlin, 18 Mai. (WTB.) Einer Einlabung bes A e i ch s m i n i st e r s des Innern zu einem parlamentarischen Abend in das vormalige Reichsamt des Innern hatten heute abend mit dem Reichs kanzler und dem Reichs- Minister des Auswärtigen Dr. Stresemann Reichswehrminister Dr. Geßler und die übrigen Mitglieder des Reichskabinelts sowie zahlreiche hohe Beamte der verschiedenen Reichsministerien und hervorragende Mitglieder der Berliner Gesellschaft Folge geleistet. Frühzeitig erschien auch Reichspräsident v. Hindenburg mit Staatssekretär Meißner und verweilte den ganzen Abend hindurch in lebhafter Unterhaltung mit zahlreichen Teilnehmern der Gesellschaft, Sie ihm bei dieser Gelegenheit vor- geslellt wurden. Zunächst entwickelte sich zwischen den Gästen des Reichsministers Schiele beim Glase Bier ein lebhafter Gedankenaustausch über die schwebenden Tagesfragen. Sodann kündigte der Hausherr die Vorführung des ersten H i n d e n b u r gf i l m s im Freien an, die In der schönen Maiennacht mit den prachtvollen Bäumen des allen Gartens als Hintergrund kn ausgezeichneter Weise gelang. Die eindrucksvollen Szenen bei der Ankunst des Reichspräsidenten in Berlin, bei der Fahrt zur Vereidigung im Reichstag und bei der Rückkehr aus dem Reichstag in Die Wilhelms! raße wurden in vollkommenen Aufnahmen vorgeführt.. Eine weitere Filmserie über Körperpflege und Schönheit bildete den Abschluß. Erst gegen Mitternacht verließen die letzten Gaste das HauS des Ministers. Mn Riesenwaldbrand in Pommern. Alibamm, 19. Mai. (TU.) Um die Mttügs- zeit brach am Montag Im Friedrichs walder Forst, Im südlichen Teil des Kreises Jt a u g a t b . ein Woldbrand aus, der sich infolge des starken Windes mit rafenber Schnelligkeit ausbrellete. .Nachmittags standen ungefähr 2000 Morgen Staatsforst und etwa 500 Morgen des Alidammcr Stadtforstes in Flammen. Der Ort hornskrng war vom Feuer eingeschlosfen. Vier Feuerwehren ist es gelungen, in das Dorf vorzubringen, dessen Bewohner bereits die Häuser geräumt hatten und auf die Straße geflüchtet waren. Inzwischen sind Militärt'vmmandocr aus Altdamm, Stettin und Stargard dngetroffen, die im Verein mit den Feuerwehren und Hilfsmann- Än der umliegenden Orte des Feuers fietr zu n versuchen. Leider Isl der Erfolg dieses Ve Sinnen» Infolge der kiesigen Ausdehnung des euere und bei dem ungeheuren Umfang der Mnld- estönde in dieser Gegend In Frage gcffellt Eine weitere Meldung besagt: In Gefahr sind auch die bereis geschlagenen, viele HunderitausenDi' Mark Wert darstellenden Hölzer, die aus dem Naupenfkcißgebiet stammsn. Das Feuer hat schon die Chaussee Altdamm—Gollnow erreicht und bei Armins- malde bereits auf den Waldbestand westlich dieser Chaussee fibergegriffen. Die Chaussee I ft für den Verkehr gesperrt. Der Waldbrand erreichte eine 2lnvdehnung von 14 Kilometer Länge iitlb 10 Kilometer D reite | zu beiden Seiten der Strecke Friedrichswalde— I Hornskrug—Arminswalde. Nachdem der Wind nach- 1 gelassen hatte, gelang es, die Gewalt des Feuers zu brechen. Die Ursache des Feuers, das in der Obe r- försterei Friedrichswalde entstand, ist bisher noch nicht aufgeklärt. Bon den Rettungsmannschaften wurden einige Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Bei einem Versuch, mit Pferden Langholz aus dem brennenden Wald zu schaffen, erlitten einige Personen Brandoekletzun- gen, während die Pferde verbrannten. 2lus aller Wett. Sechshnirdertjahrfeier der Stadt Oberlahnsteiu. 2lni Pfingstsonntag begeh! die Stadt Oberlahnstein die Sechshundrrtjahrfeler der Verleihung der Stadtrechte durch Kaiser Ludwig. Die großzügigen Vorbereitungen unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung sind in vollem Gange. Im Mittelpunll steht ein historischer Festzug aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts: acht Gruppen, die aus verschiedenen Richtungen der Stadt kommen und sich auf dem Marktplatz vereinigen, um dort der feierlichen Verleihung der Stadtrechte sinnbildlichen Ausdruck zu geben. Außerdem werden mehrere Aufführungen des mittclalterlichen Spiels vom Sterben des reichen Mannes „Jedermann" in der Erneuerung von Hugo v. Hofmannsthal auf einer besonders dafür errichteten Mysterienbühne stattslnden. Schweres Gewitter im Nahetal. 4 Personen durch Blitzeinschlag getötet. Während eines schweren Gewitters, das am sonntag über Dem Nahe 1 al niederging, traf In Heddersheirn ein Blitzstrahl das für ein Sängerfest ausgestellte Festzelt und fuhr in eine große Menschenmenge hinein. Der 28jährige Kohlenhändler Gronbach, der Landwirt Zim- m e rin n n n und der Metzger D e lze i t wurden auf der Stelle getötet. Drei Personen erlitten schwere und 5 weitere Personen leichtere Lähmungen. Eine Der schwerverletzten Personen, der Hanoels- mann Müller aus Heddersheirn erlag inzwischen seinen Verletzungen. Das Sängerfest wurde sofort abgebrochen. Großseuec bei Schwetzingen. Montag abend kurz nach 11 Uhr brach in der Scheuer des Forstwarts Haas Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete und die angrenzenden Scheuern zweier weiterer Lnadwirte sowie die Scheuer und das Wohnhaus eines vierten Lülidwirtes erfaßte. In kaum 25 Minuten waren diese eng zusammengebauten Häuser in ein Flammenmeer gehüllt. Die Hockenheimer Feuerwehr vermochte den Brand e i N z u d ä m m e N Das Bish konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Gebäude- unb Sachschäden sind Zum großen Teil durch Persicherung gedeckt. Man vermutet als Brandursache einen Racheakt Ein Dorf niedergebrannt. Rach einer Meldung ist das Dorf P a r k o w bei Bützow in Mecklenburg durch einen furchtbaren Brand vollständig vernichtet worden. Fast allq Hofbesitzer und viele Dorfbewohner waren in Güstrow zu einer landwirtschaftlichen Ausstellung, sodaß es an Löschhilfe mangelte. Cs sind 20 Wohnhäuser sowie viele Scheunen und Stallungen nieEter- gebrannt. Sehr groß ist der Verlust an Vieh, landwirtschaftlichen Geraten. Futter- und Düngemitteln. Das Feuer ist auf Brandstiftung zurückzuführen, die an verschiedenen Stel- len erfolgte. Riefenbrand in Litauen. Das litauische Gr-enzstadtchen S ch w e k e h - n i e mit einer Einwohnerzahl von 4000 bis 5000 ist ein Raub der Flammen geworden. Rur wenige Gebäude sind gerettet worden. Auch Menschenleben sind ^u Beilagen. Eine Heiligsprechung in Rom. Die Zermvnle der Heiligsprechung der seligen Theresa di Bambino G e s u vollzog sich am ßortntagmorgen im St. Pete r in besonders feierlicher Weise. Rach Dem alten Brauch bet Kirche verkündet der Papst selbst die Kanonisation und zelebrierte darauf am Hochaltar bic Ponitifilalmesse. Der riesige Raum von St. Peter war bis aus den letzten Platz gefüllt. Man schätzt die der ZermoNie Beiwohnenden auf ungefähr 120 000. Hunderte hatten auf den Stufen von 61. Peler Die Rach! verbracht, um beim Ocffnen -der Türe um 6 Mr morgens die ersten zu sein Die deutschen Kardinale Schulte, Köln und Faulhaber, München nahmen dn der Feier feil, ebenso bic Mitglieder des eingetroffenen Münchener Pilgerzuges. Am Abend sand eine prachtvolle Illumination von St. Peter statt, eine Festlichkeit, die feit 1870 unterblieben war. Schwerer .Unfall im Berliner Stadion. Bei dem Rddrcnnen im Berliner 6 ta» dion hat sich am Sonntag ein schwerer Unglück s f a l l ereignet. Rach Schluß des ersten Rennens suhr ein Schrittmacher, der abbremsen wollte, in einen Jnnenraum, wobei er einen Helfer uMstieft, der mit ziemlich schweren Verletzungen von der SaNitStswache ab- transportiert wurde. Tödlicher Anfall des Chefredakteurs der „Sstseezeitung". Dienstag naJ)miUag verschied im Krankenhaus Templin der Ehesredakteur der ,.O st s e e z c l t u n g", Wolfgang Diermcr, an den Folgen einer Verletzung, die er sich bei einem Sturz bei einem Motorradrennen zugezogcn hatte. Dampferzusamnienstoß bei Le Havre. Im dichten Rebel ist der deutsche Dampfer „Mira" bei Le Havre mH einem französischen Dampfer z u s a in nt e n g c ft o fi c n. Die „Mira" wurde beschädigt, wird aber Die Fahrt nach Hamburg fortsetzen können. Ein robe-urleil. Das Kobnkger Schwurgericht füllte am Donnerstag das erste Todesurteil fett seinem Bestehen Angeklagt war der 19jährige Porzellanarbsiter Max Schneider aus Ren-- fang (ObetftonfcuV Der am zweiten Oftcrfelcrtag seine 21jährige Geliebte, die Filetstopserin Barbara SiNion aus Steinwiesen dadurch ermordete. daß ei ’k in den Dorfbrutincn warf und erirätitk. Die Weltmeisterschaft in Vuller. Die Stadt Auckland in Reuseeland hat einen besonderen Ehrgeiz, sie will Die Weltmeisterschaft in Buller erringen. Zu diesem Zwecke hat sie einen Wettbewerb unter den hervorragendsten Molkereiländerii ausgeschrieben und bat bereits Zusagen aus Dänemark Estland, den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und den Fidschi- Inseln erhalten. Die Butter der verschiedenen Länder soll von einem Preisrichterkottegium geprüft und der ficgreichen Butter d'.e Wellmeifter- kchaft zuerkannt werden. Man hofft, daß die neuseeländische Butter aus diesem Kampf als Preislläger hervorgehen wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 19. Mai 1925. Das Rohgemüse. Welchen gesundheillichen Wert das Gemüse überhaupt besitzt, das erkennen jetzt die meisten Menschen. Welch besonderer Wert aber bem rohen, d. h. ungekochten Gemüse innewotznl, das ist der großen Mehrzahl unserer Zeitgenossen immer noch ein „unbekannter Erdteil"! Zweierlei Stoffe sind es, welche das rohe Gemüse zu so unvergleich- lickzen Nahrungsmitteln machen: Erstens der unverminderte Gehalt an Nährsalzen, zweitens der an Vitaminen. Zu den N ä h r s al z e n gehören in erster Linie Der Kalk, dann Eisen, Natron, Magnesia, Kali usw. Sie dienen teils unmittelbar zum Ausbau des Körpers, so in hohem Maße der Kalk, teils mittelbar zur Aufrechterhaltung des gesamten Le- bsnsprozsfses, indem sie die Dein Körper schädlichen Säuren „binden" und unschädlich machen. Die Vitamine sind Stosse noch wenig bekannter «xt Zusammensetzung, Die für den Lebens- chstumsprozeß des Körpers unentbehr- l i ch find. Beide, Nährfalze und Vitamine, befinden sich reichlich in den Blatt- und Wurzelgemüsen. Wenn man sie alle roh, b. h. ungekocht und ungebrüht, verzehren würbe und könnte, würde man seinem Körper diese wertvollen Nährsalze und Vitamine in ungemindertem Ausmaße zukommen lassen. Durch Das Kochen aber, und besonders durch das Abbrühen der Gemüse unter Weggießen bes Brühwassers wirb der größte Teil jener unersetzlichen Stosse vernichtet, zum großen Schaden einer starken Gesundheit! Ein Gegenmittel ist nun der reichliche Genuß solcher Gemüsearten, die man auch roh verzehren kann. Dazu gehören rohe Mohrrüben, Radieschen, Rellichk, Kohlrabi. Dann als rohe Salate zubereitele Kopfsalate, Endivien, Gurken, Tomaten, Sellerie. Genießen wir selbst und geben wir unseren Kindern jeden Tag solche Rohgemüse, so bieten wir unserem Körper eine durchaus „kräftige" Kost. Wie groß das Bedürfnis bes menschlichen Körners nach nährsalz- und vitaminreicher Nahrungsmittel ist, beweist bic ungeheure Nachfrage nach Südfrüchten. Dom gesundheitlichen Standpunkt aus begrüßenswert, i[t letztere vom volkswirtschaftlichen, vom deutschen Standpunkt aus gefährlich. Wir können zweifellos die Südfrüchte zum großen Teil ersetzen durch unser einheimisches Obst und durch unsere einheimischen Gemüse, wenn wir nur unseren bereits etwas verwöhnten deutschen Gaumen viel mehr an das „Rohe", an das Unaekocbte, an das Ungebrühte gewöhnen wollten. Wir müssen auch im Essen wieder natürlicher werden! Das Natürliche ist aber meist nicht bas „Feine", das „Milde", das „Süße", sondern Das Herbe! Dr. med. Grund mann. Wettervoraussage. Meist heiter, wärmer, trocken. Der gestern erreichte Höchststand im Tag es- mittel der Temperaturen liegt mit zirka 1 Grad über dem 20jährigen Monatsmittel. Die inzwischen eingelretene geringe Abkühlung infolge stärkerer Bewölkung wird bald wieder erneutem Temperaturanstieg Platz machen. " Aufruf und Einziehung Der d o r dem 11. Oktober 1 924 ausgefertigten Reichsbanknoten. Auf Grund des § 3 des Dankgesehes uom 30. August 1924 ruft das Reichsbankdirektorium alle Reichsbanknoten, deren Ausfertigungsdatum vor Dein 11. Oktober 1924 liegt, soweit sie nicht bereits nufgerufen sind, nunmehr zur Einziehung aus. Mit dem Ablauf des 5. Juni 1925 verlieren die aufgerufenen Roten ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Esther dieser Roten können sie noch bis zum 5. Juli 1925 bei allen Kassen Der Reichsbank in Zahlung geben oder in Dem hor- geschriebenem Verhältnis, wonach eine Mllion Mark durch eine Am. zu ersetzen ist. gegen gesetzliche Zahlungsmittel ■ Umtauschen. Mit diesem Zeitpunkt werden die auf gerufenen Banknoten tiastlvs, und es erlischt Damit auch die Ein- lösungspflicht der Reichsban'l. ** Der Artikel „Zur Grundschul -- frage" in der gefttlgcn Rumnitr 115 unseres Blattes hat Herrn OberstudlenDireklor Dr. Keller, Älllglied des Hessischen Landtags, in Büdingen zum Verfasser. ’* Wasser wärme der Lah n heute vormittag H Grad R. ** Alkohol n ndVvlksnot. lieber beit Vortrag über dieses Thema am SamclagabenD in der Turnhalle am Oswaldsgarten berichtet man uns: Der Referent, Direktor Dr. M e l l e, gab au Beginn einige Beweggründe an, bic ihn persönlich schon in seiner Jugend veranlaßten, Stellung gegen den Alkohol zu nehmen. Die weiteren Beobachtungen der verheerenden Wirkungen des Alkohols, bestätigt durch offizielle ärztliche Statistiken, drängten ihn bald in die vordersten Reihen im Kampf gegen den Alloholismus. Roch mehr bestärk! wurde er in dieser für das ganze deutsche Volk so schwerwiegenden und entscheidenden Frage der Trinkunsilte durch die Eindrücke, die er In Amerika bekam bei Aussprachen mit führenden Männern daselbst. Ein Washingtoner Senator erklärte Ihm, Amerika sei schon deshalb zu dem Alkoholverbot gekommen, weil es sich die Ausgaben für Rauschgelränke, die dem Voll nicht nur nichts nützen, sondern nur nachteilig und schädigend einwirkien, nichl mehr leisten könne. Und ein so verarmtes Land wie Deutschland, das genötigt ist, um eine ausländische Anleihe zu bekommen, feine Reichsbahn (um die sogar das Ausland es benclöefe) gewissermaßen zu verpfänden, bringt cs fertig, in einem Jahr mehr als dreimal soviel (nämlich 2' Milliarden Goldmark) zu vertrinken, als der gesansie Erlös der Dawes-Anleihe ausmacht. (Die Anleihe betrug bekanntlich 800 Millionen Goldmark.) Trotz der imgeheucren Wohnungsnot sind in Berlin unter 25 000 bebauten Grundstücken 11 000 Schcinksicsilcn, und trotz passiver Handelsbilanz ist das siebenfache an französischen Weinen eingeführt worden, als wir durch den Versailler Vertrag dazu verpflichtet sind. Gegen diese Altoyolnot, bic in besonderer Weise dazu Bahnho WW M m< EindM -innig D gegen H iwrWul on hie \ Mien, i WfühlM ntffl und, -j^Dlulion W- 192-5 iier|( Schichten knsle' K Ruch-regi 2U M BNgrc" dck ain Lä der 8«« Mete, die 21ut und. vi der @a| heitlichen, Gründen den Äkoi Ichwendu nerheerer lunöhell. der lägM die durch Mel in !eM Sl besondere mlndedes! lagsbelchlt cchonkkon " D Sänget von Felle ten Zeltui Haus, Dar es Fttm zu sehr fliji das sich zeichnet, rollen u weiter d iWn ist hem Mrenü auSgezelb Ätchfer ( Hoss (Äflf besondere lehr gut noch Mt t Der. Sin Wn. - T Sladll-tt! i imW - T wvch, nty! TeneroL Block, anstaltel Äv/a 2 in der g. -Stahl abend hn unserem Wer« hn kW «u|m n ,e tJafjnei L .'"Ul Opw b-s°nd„„ 9eihefi eslcn--iaFau. fpp Frankfurt a. M. IS. Mai. Die 3n- iaber der Banks Irma 6 M f i n g l Deister, fchenheimer Anlage 36. sowie der srüdere Bankangestellte Barkbau fen haben Steuer- a u s w e i i c sür die 4Lproz«ntige Budapester Sladtanleihe von 1914 gesä Ischl Vic fiäl» schungen lind dadurch leicht kenntlich, daß die früheren Gintragungen mit „Xinicntoh" behandelt wurden und dadurch die so behandelten Stellen einen gelblichen Schimmer erhalten haben Ganz besonders leicht ist die Fälschung zu erkennen, wenn der Dleuerausweis gegen das Licht gehalten wird. Der Fall erregt in den hiesigen Bank- und Börsenkreisen erhebliche« Aussehen.— Ein ganzes Rudel betrunkener junger Burschen machte in der Altstadt in der letzten Rächt einen derartigen Lärm, daß die Hausbewohner auS den Fenstern sahen und um Ruhe ersuchten. Als Antwort daraus schossen die Burschen nach den Fenstern, trafen aber niemand. Inzwischen war bas 11 e b c r • fallkommando am .Schattplatz" erschienen, mußte aber mit scharfer Gewalt gegen die Ruhestörer, die sich hartnäckig Dcrtciöigtcn, vorgehen. Sechs her größten Radauhelden wurden f c st- fienotnmen - Am Schaumainkai sand man n her vergangenen Rächt eine firau auf. die aus zahlreichen Stichwunden blutete und sofort dem städtischen Krankenhaus« zugeführt werben mußte. Die firau gab an, haft sie von ihrem eigenen Ehemann mit Messerstichen so zugerichtet sei. Der Ehemann konnte noch nicht ergriffen werden Turnen, Sport und Spiel 2. (£. 1900 gewinnt den LLanderpreis „Ruud um Niedershausen" endgültig. Am Sonntag galt es für die Leick> lathleit k A b t e l l u n g d e s G. S. C. v. 19 0 0, den In 1023 und 1924 gewonnenen Wanderpreis für die genannte Straßenstaffel zum zweiten Male zu ver leidigen. Tron gefährlicherer Konkurrenz als in den beiden Vorjahren gelang ei den Sport-LlubleUten, bank der (Stabilität ihrer Leistungen, das schöne, In Bronze getrieben«. Bild vont Weilburger Schloß endgültig in ihren Besitz überzuführen. Mit felgenden Mannen lagen die 190er von Anfang an in Führung und vergrößerten ihren Vorfprung bis zu 50 Meier vor Polizei-Sportverein Butzbach und Sportverein „f)e|fcn" Gießen, der weitere 50 Meter zurücklag: Becker (400 Meter), Birkenstock (150 Meter), Lang 1 0 tz (150 Meter). Fischer II. (400 Meter», Wallenfels (120 Meter), Rohr bad) (1000 Meter), Seipp (3Ö0 Meier» und Bachmann (200 Meter) Die für den Saisonbeginn charakteristische Periode der Stasselläuse errcidjt nächsten Sonntag in den im ganzen Reick) ftaltfinbcnben Werbe laufen ihren Höhepunkt. Für die „R und um die Anlagen", dem vom Gießener Publikum immer mit regstem Interesse verfolgten Siaffellauf, ungeschlageneti 1900er Leichtathleten bedeutet ein diesjähriger Sieg eine Prestigefrage. frankfurter Arühjahrsflüge. Frankfurt a. M„ 17. Mai. (WB.) Der zweite Tag der Frankfurter Frühjahr s- i l ü g f brachte bet starkem Besuch und oft recht stürmischem Weller, das einzelne Wettbewerbe beeinträchtigte, eine würdige Fortsetzung des ersten Fluglage«. Alle Leistungen überragend, Viffl'" auch beute wieder 11 b c t feine flau mm erregenden Flugkünste, der im Gelamtklasfement erster Sieger wurde. Die heutige Veranstaltung wurde eingeleitet durch Kunstflüge von vier Flugzeugen, denen ein Angelwettbewerb folgte. Cs aalt, vorn Flugzeug aus, an dessen Unterteile eine lange Schnur mit einem Halen befeftigt war, ein quer gespanntes Sell in etwa vier Meter Höhe auszunehmen, wobei die fielt zwischen Start und Angeln bewertet wurde. Erster wurde 11 bet In 48 Sekunden, fiweiter Heinze in 1.33 Minuten. Auch den nachfolgenden Pilot-Ballonwettbewerb brachte 11 h e t auf seiner wendigen Maschine an sich fitoti Ballons mußten in möglichst kurzer fieit mit hem Propellei zerstört werben, eine Gclchlcklichkettsprüturig also für Steuervermögen von Wann und Maschine Der heuttge Fallschirmabsprung von D u s ch n e r (München l - atemlos erwartet unh verfolgt — hatte wiederum einen glücklichen AuSgang, der den mutigen Piloten dicht vor hm Tribünen absetzlc. Im Äunftflug erzielte 11 b e t auf D103 mit 50 Punkten hen ersten Preis Ihm folgten Raab mit 46 unh Katzen stein mit 42'. Punkten Einen schönen Abschluß her gelungenen zweitägigen Veranstaltung bildete ein Reigenslug von fünf Dietrich-Flugzeugen, die. inGeschwa - h c r I o r m sahrend, ein stolzes Bild boten fite- bcrlhiflc Tätigkeit herrschte auch Während de» ganzen RachmittagS bei hen Verkehrsflugzeugen , hie neben hen Passagieren auch noch die glüdlidocn Gewinner einer Freifahrt zu bc- sörhern hatten Hochschulnachrichten. || Marburg, 17. Mai. (Belegcntlid) Oer gestern in der Aula der Universität stattgefundencn endgültigen Immatrikulation der Studierenden gab der Rektor der Unioerjitin, Äi'ns.-Rat Prof. D. Bornhäufsr, feiner Freude über den zahlreichen Besuch de» diesmaligen Sc mesters Ausdruck. Er ermahnte zu fleißigem, ziel bewußtem Streben denn unser Bolk und Vaterland benötige tüchtige Führer. Ferner erinnerte er u. a. an bk in zwei Jahren stattfindende 400-Iahrfeier der Philipps-Universität und schloß mit einem Hin weis auf bk Schönheiten der Stadt und der Um gcbung. Der Derlreter der Marburger Stu b e n l p n | d) n f t gab anschließend einen Einblick in das Arbcisgebiet der stlidemifchen Selbstverwaltung und forderte auch zu reger Beteiligung bei den Leibesübungen aut 1000 Jahre Universität Bonn. Die DausenbZahrfeier her Universität Bonn mußte, ha her Kultusminister am 15. Juni nicht in Bonn sein kann, verlegt werden. Als endgültiger Termin ist nunmehr her 30. Juni sestgeteht Kunst und Wissenschaft. Degiitn des Darmstadter Sommers. Darmstadt. 17. Mal. Die Veranstaltungen des „Darmstädter Sommers" wurden heute mittag mit her Eröffnung einer Ausstellung Der „Stelen Bereinigung Darmstädter Künstler" einqeleitet, die in der Kunsthall am Rheintor staltflndet. Anwefend war ein gro fterer Kreis geladener Gäste, darunter die Ml' nisier von Brentano und Henrich, sowie viele Vertreter von Behörden und Korporationen. Bürgermeister Burbaum, der Vertreter der Stadt Darmstadt, wies in einer kurzen Ansprache aus die künstlerischen Veranstaltungen während des Darmstädter SommerS hin unh erklärte dann die Ausstellung für eröffnet. Es handelt sich hier um eine Ausstellung von Künstlern, die aus Sfen stammen oder in Hessen ihren Wohnsitz en. Die Gruppe umsaßt etwa 150 Mitglieder (er, Bildhauer unh Graphiker. Es lind un* gesähr 100 Gemälde, zahlreiche graphische Arbeiten und einige Schöpfungen her Bildhauer funft ausgestellt. Von bekannten Künstlern sind u. a. vertreten: Georg Altheim, Karl Danyci, Ernst Eimer, Richard Hölfcher, Ludwig von Hofmann, Franz Huth, Karl Schmoll von Eisen- Werth, Wilhelm Thielmann, Waller Waentig und Jakob Weinheimer. E. D. anerkannte Mittel für hy^ienifctie Fustboden = and Möbelpf 7e£e. Qualitätserzeugnis der Erdallabnk Zu haben in folgenden Geschäften: 19c Emil Fiechbach, Neuenweg, Richard Ürnnewald, Bahnhofstraße. Kinderzeitung Der kleine Coco * gratis buttßiakkh ahma 5 Kinderzeitung -Der kleine Coco“ gratis M'ltssknielMos! öec milltör* oni Heoimentsoeceine Siem. Die Vereine der Arbeitsgemeinschaft werden hiermit aufmerksam gemacht auf die am 24 Mai ftattsindende MmeA Oer ßomtiaöldiflfll. Bereinigung ehemal. £eiügaröiKen und um zahlreich« Beteiligung an der Feier und der darauffolgenden Festlichliclt gebeten. Dre Fahnenweihe findet auf dem Hose der neuen Kaserne statt. Ihr Beginn wird durch Inserat der Vereinigung ehem. Leibgardisten besonder» bekannt gegeben. Di« sich beteiligenden Vereine werden gebeten, spätestens eine halbe Stunde vor Beginn aus dem Kasernenhofe elnzutrefien. Für die Fest- Hchbeit im Anschluss« an Mc Feier ist dte Licbigshöh« vorgesehen. 51561) Der Dorftond. Drucksachen allerArt UeUrt in jezter cewtiMchten Aawunung stilrein und 6rd»wwn die «rthPscSe Uilr.-DwUnl, R. Lene-. Erster Weicker-Vortrag Frei lag den 22. Juni abends 8'/, Uhr im Physikalischen Institut (StephenstT. 24) Prof. Dr. R. Herzog DasAsklepieionunddieAerzteschule von Kos Eintrittskarten in der Rickerschen Univ.-Buchhandlung <___51170 Liebigshöhe Mittwoch nachmittag 4—7 Uhr Fam ilien - Konzen Eintritt frei 2988 d Eintritt frei Ctglfc nurSÖjp Margarine Neu erschienen-. „Fips Lachzeitung für liebe kleine Kinder“. Achtung Mit Heutigem rrrlehlo Ich Blemarck- *( rndc incb 1 icrrnBnckcrmstr.Scblllingi clnon VcrkAUfaetflnd Eb lat den Jlnus M?a?invln t r dortigen Uingiyzcnd die Möglichkeit «cboteü. Ihren Bedarf in aglieh frlecbom Obst und Ocmüen bei reellen Freiien zu decken. Gleichzeitig mache kh auf meinen morgen Mittwoch you lOLhr ab stattfindenden la Gonseu- de m«r Spargel - Ä erkauf nufmerkeam Ipro Pfund von —.45 bis —W Mk i Frau Huhn, Steinstr.70 Mr' suHen per 1. Juni 1^25 auf unser kausmännischeS Bureau 9138D 1 Lehrling für alle vorkommendcn Burrauardeüen Bedingung: fehlerfreies Deutsch, Steno- graphie. Selbstgc'chricbcncr Lebenslauf und vorerst nur fchriftliches Angebot an Firma Wärme- und Kälteschuh Glehen-Lahn, O«for Schleppen, Allcestraft« 13 H. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ fimmtliaitlfüg findet tn Launsbach von nachm. 3Ubr ab Konzert Im Dreien statt. Erstklassige Musikkapelle. Mf oute 2veilen u. Geträufel, bestens flcterai. we Um zabtr Belach bittet Bisiwlrl Mesl. AA AA AA AA A.A A M ▼ ▼▼▼ ▼▼▼▼▼▼▼▼ wer besehet auf das er- teinctPioiurum vor? Ich etbhic Mufd ril teil bieöbeiüfllidj an iltla Lederer, ieb Dr. Stuhl praktiziert nicht vom 23. Mai ab für etwa 4 Wochen. Vertreter sind die Herren: Sanilätsraf Dr. Schliephake, Ooethestr. 44 Dr. Meycrboff. An der Johanneskirche 5 Dr. Wllh. Klein, Neuen Baue 29. 5121D lömoerelD 0.1^46 himmel- fahrttag Wanderung Über Nehbrücke — Frauenberg n.Marburg. Abfahrt 6.42Uhrvorm,n. Niederwalgern Der Vorstand. EIN NEUER STOEWER -ERFOLG - 1 o .0 5133, zeigten Stoewer-Wagen wieder eine überlegene Leistung c Strauß-Frankfurt/M. auf Stoewer den 4. Preis VORMALS GEBRUEDER STOEWER, STETTIN STOEWER-WERKE AKTIENGESELLSCHAFT In der Klasse bis 8 P.S. erhielt Kordewan auf Stoewer . den 2. Preis In der Klasse bis 10 P.S. erhielten Kause-Straubing auf Stoewer . . den 1. Preis Cleer-Frankfurt/M. auf Stoewer . den 2. Preis Reedl-Stettin auf Stoewer den 3. Preis BEI DEN RENNEN AM 16. UND 17. MAI RUND UM DIE SOLITUDE BEI STUTTGART XTHEfilCQ Generale tiW: ASSMANN&SCHNEIÖER, Gießen, Kaiserallee 45. Tel.1248. Reparaturwerkstätte, Garagenjankstelle Wi Nachruf. 5142 D Z / Oott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere innigstgeliebte treusorgende Mutter, Schwiegermutter und Großmutter FrauJulianelandmann geb. Beck Lehrerswitwe im Alter von 77 Jahren nach langjährigem, schwerem Leiden aus diesem Leben abzurufen. Am 18. 1. Mts. verschied infolge eines Schlaganfalls Herr Geschäftsführer i.,R. Peter Drescher. Nahezu 30 Jahre hat der Verstorbene sein umfassendes Wissen, seine reichen Erfahrungen und seine unermüdliche Arbeitskraft in den Dienst unserer Berufsgenossenschaft gestellt. Seine lautere Persönlichkeit und seine ideale Gesinnung haben J h mweitgehendeWertschätznng.auch bei seinenMitarbeitern,gesichert. Sein Andenken in Ehren! Gießen, den 19. Mai 1925. Der Vorstand und die Beamten der Sektion VI der Hess. Nass. Baugewerks-Berufsgenossenschaft Gießen. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Juliane Landmann. Lollar und Staufenberg, den 18. Mai 1925. Die Beerdigung findet in Staufenberg am Mittwoch, d.20.d. Mts., nachm.2 Uhr, vom Neuen Schulhauseaus statt. Am Freitag, dem 22. Mai 1925, nachmittags 5 Ahr, findet in der Frcw.en-Klmik eine Filme statt, zu der alle Ärzte eingeladen sind- Ser Dekan der medizinischen Fakultät Der Dekan der veterinär med.Multüt Medizinische Gesellschaft Giehen. Mittwoch, den 20. Mai 1925, nachm. 2 Uhr, versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen bar: -.lMttii.4Mhle.lMMM, 1 Hmcmü, 3 MMMmfen, 1 Zentrifuge, EWn, mehrere KM- tme, Hchtablcttcn, lAudeherii, lEisiihruuk.lAiisstelluugökasten,! 8halsclg!!gucS,l?iM,iPertito. 2. Bestimmt: 1 Kontrollkasse -ihinieeseife. Junker 51371) Gerichtsvollzieher. jede MengesoforlabWerk lieferbar Robert Schmidt Gießen, Schiffenbergerweg 56 Fernsprecher 2466. 5147D Fahnenweihe o ' - den 24. Mai, im Hofe der teilen Kaserne. Die Vereine sammeln sich nicht auf dem Ludwigsplatz, sondern pünktlich 2V4 Uhr in der Neuen Kaserne. 5157DJ Der Vorstand. flenW Brandl Neuen Baue '-32 SoM!xrmöbi.Z'7".7N Gute Bcrv rlranna. Tel. l<>8ä. l» Möbliert. :’i Fr mir elettv. V-idit. .1:1 ruhigen Herrn .a uerndetett. [04413 Stciiiftrrthc 12 11 I | Lade» SN vermieten. ttirchenylatz 15. j Mietgesuche [ Gut möbliertes Zimmer neu Lage. evtl. Klavier ioiort Ldir.Anqet'. unter ■ '-»434 a. d. Gietz. 21ns . 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Die treibende Kra't unter Den Großmächten, die eine Derstän- tiflung mir Deutschland unter allen Llmständen anstreden, telbst um den Preis des Verlustes ibiei Volletümllchkcit in den neuen Staaten, ist England. M*cn führende Männer die Schwie- rigk. iten der europäischen Frage nicht in der Rachelust Deutschlands, sondern vielmehr in der ciLiucn Unzufriedenheit der neuen Staaten sehen, die «ich mit dem bl-her Erreichten nicht zufrieden geben wollen und mit ihrem ständigen Sicht'edrobt- oder .Zrirückgetehtfühle!, jede Befesti- flu.-g deH uropäi’a 'i Gleichgewichtes verh ndern. Wem in aller Welt fällt es heute ernstlich ein. die Örn- en der Tschechoslowakei Rumäniens oder Süd'lawrens wirklich zu bedrohen. Deutschland viel» icht? Das hat erstens andere Sorgen und zweitens so wenig Bernhrungspunkte, besonder- mit d ' beiden Ungenannten Staaten, daß es nur kindisch wirkt, wenn sich die Austen- minister in Belgrad, Bukarest oder Warschau einmal monaUid) in die Brust werfen und pathetisch in die Welt st nausschreien, ihre Regierung werde unter keinen Um Händen zugeben, daß De^llä'land jenes tut oder diele- unterläßt. Wer in Loudon, in Rouyork oder Rom lieft eigentlich die Zeitungen bkler Länder? Wer in diesen großen Ländern, die mit der Abrüstung auch die Sicgerpose zum alten Eisen geworfen haben, wer bat auch nur das mindeste Interesse an dem Gerede der Herren Pasic, Duca oder Skrzynski. deren Ramen man jenseits Kes' Kanals nicht einmal mehr richtig auseinanderhält? Es ist der Krebsschaden der Rachkriegspolitik in Mitteleuropa, daß sich die Kleinstaaten im siebenten Jahr nad-, dem Krieg noch immer nicht daran gewöhnt haben, daß sie nicht allein in Europa sind und daß die beste Politik für sie wäre, sich still und ohne viel Aussehens zu machen, in das europäische Gemeinwesen einhüftigen. Denn die Zeit der großen Worte ist ein für allemal vorbei. In allen Staatskanzleien der Großmächte, Paris nicht ausgenommen. weiß man, daß Europa nur dann sich von dem bestehenden Chaos erholen kann, wenn es wieder der große einheitlich. Wirtschaftskörper wird, der es vor dem Krieg» war. Dazu gehört Arbeit und wieder Arbeit. Phrasen allein machen es nicht. Gearbeitet, wirlllch gearbeitet aber wird heute in Deutschland, England. Belgien und in den nordischen Staaten In Mitteleuropa herrscht nach wie vor das potitische Experiment. Wirtschaft wird hier zur Politik, ost »s sich nun um die Richteinlösung der Kriegsanleihe handelt oder um die Enteignung sprich Verwirtschaftung — deutschen Boden-, oder gar um die vollkommene Verbannung deutscher Kolonisten von der jahrzehntelang bebauten Scholle, wie in Polen. Während De iktlo 'd sich unter den ungünstigsten Verhältnis'en auf gerafft hat und gegen den Widerstand einer Welt von Feinden seiner Hände Arbeit ein und durchgesetzt bat und heute schon eine Winschaftsgr si nicht in Europa, sondern in der Welt geworden ist. haben die Rachfolgestaaten ihr - Zeit damit verbracht, ständig Bündnisse unkt und gegeneinander zu schließen und in die Wclt stinauszuposaunen, ihre Sicherheit fei bedroht Einmal durch Deutschland, dann wieder durch Rußland, oder gar durch das kleine Ungarn, wi< es cl-cn gerade am besten paßt. Lind so haben die kleinen Staaten allerhand versäumt, was dräust, en in der großen Welt vorging und besonders den großen Umschwung dessen, was man zusammenfasseud mit dem Fremdwort Mentalität bezeichnet Diese Mentalität nun hat sich unter dem Eindruck des wirtschaftlichen Aufschwung.. in Deutschland st-str zugunsten des Reiches verschoben, und selbst die Wahl Hindenburgs. die so manchen im Ausland wider den Strich ging, wird daran nichts ändern, daß man in der Welt heute der Ansicht zuneigl. daß schließlich und endlich jedes Volk in der Innenpolitik Friedrich (Bottlieb Weicker ..Liebigs Denkmal steht in unseren Anlagen, Liebigs Ramen trägt eine unserer Straßen, Liebigs Laboratorium ist durch verdiente Männer in ein Liebigmuseum umgewan^elt worden. Es ist recht so. und wir freuen uns dessen. Aber neben dem großen Raturforscher, der der Chemie neue Bahnen wies, wollen wir auch den großen Kul- turforscher ehren, der die Seele eines edlen Doli o in ihren feinsten und tiefsten Regungen ergründ? r. Die Agrikulturchemie ist ja viel nahr- baficr als die griechische Götterlehre, aber der Mensch lebt doch nicht vom Brot allein und auch nicht vom .Fleischertrakt. — Die Stätte, die ein gute’- Mensch betrat, ist eingeweiht. nach hundert Jahren klingt sein Wort und seine Tat dem C ifet wieder. Ehrt eure deutschen Meister, so bannt ihr gute Geister! Lassen Sie an dem cbemal gen Pädagogium. an dem Weicker so erweckend und begeisternd auf die hessische Jugend gewirkt hat. eine schlichte, aber würdige Tafel dem Wa> derer künden: Hier wirkte Friedrich Gottlieb Weicker, ein großer Forscher und ein beutfu)cr Mann." So etwa schloß Professor Kalbfleisch am Freitagabend im Oberste Nischen G e s ch i ch t i D e r c i n. mit dem sich die Vereinigung der Freunde des humanistischen Gymnasiums verbündet hatte, eigen Vortrag, in dem er im Anschluß an Reinhard Kekule, Herman Haupt und Robert Fritzsche ein lebendiges B'.sd d-s großen Philologen und Archäologen gestaltete, der. 1784 im oberhessischen ©nm« berg geboren, in Gießen studiert und von 1803 bis 1816 am hiesigen Pädagogium und bald auch an der Landesunirersität gelehrt hat. Man könnte ist t fast einen großen Burschenschafter vor der großen Burschenschaft nennen, denn er war der geistige Vater der Gießener „Schwärzen". deren »Ehrenspiegel", nach den Forschungen von Herman Haupt \v. einer grundsätzlichen Umgestaltung des studentischen Wesens geführt hat. Wenn sich am rüste st en in Gießen die vaterländische De- icjiening ■ udentifchen Kreise in das leiden- HaitlicheBest- aen um? setzt hat. selbst ätig in die die Gestaltung der politischen Geschicke der Ration «inzugreife.i, so ist dies (wiederum nach Haupt) im Rahmen seiner Derfasfung machen könne, was eS wolle. Run hätte man glauben sollen, daß die Heinen Staaten unter dem Eindruck der Welt- Meinung und des allgemeinen Friedensbedürfnisses endlich mit ihrer Rüstungspolitik auf- hören und an ihre Stelle eine gesündere Wirtschaftspolitik treten lassen würden. Aber weit gefehlt. Die Kleine Entente und Polen fühlen sich durch die Wahl Hindenburgs und durch den Mißerfolg ihrer Oefterreichst lse gleicherweise in ihrem Bestände bedroht und beraten nun gemeinsam in Bukarest, wie dieser Gefahr begegnet werden soll. Binnen kurzem wird die staunende Welt erfahren, daß die in Bukarest versammelten Staatsmänner angesichts der durch die Wahl Hiirdenburgs erneut in den Vordergrund getretenen Gefahr einer Reaktion in vollster ileber- cinstimmung beschlossen haben, ihre bisherige Politik cheizubehalten und jeden Versuch eines .Bruches der Verträge" mit allen Mitteln abzu- n ehren. Dr. Benesch hat bisher in den meisten Fällen eine gute Rase für das Erreichbare in der Politik gehabt. Die Tagung der Heinen Staaten in Bukarest hätte nur dann einen praktischen Zweck, wenn die Teilnehmerstaaten sich entschließen mürben, eine radikale Aenderung ihrer bisherigen Politik eintreten zu lassen. Diese Aenderung müßte sich in erster Linie gegenüber Oesterreich auswirken. Voraussetzung aber für eine solche Politik wäre das Einverständnis der leitenden Staatsmänner über die Rotwenbigkeit einer wirtschaftlichen Derständ gung. Dr. Dcnesch seinerseits weiß ganz genau, was nottut Aber selbst in feinem eigenen Lande ist die Zahl der Widersacher seiner Politik und seiner Person Legion. Wie farm es da mit dem Verständnis der Dalkanftaatsmänner bestellt sein? Boris Sawinstow ch. Die Nachricht vom Selbstmord Sawin- kows rechtfertigt wohl einen Rückblick auf das merkwürdige, wechselreiche Schicksal dieses Mannes, der ohne Zweifel einer der größten politischen Abenteurer unserer Zeit gewesen ist. Doris Sawinkow. der ein Alter von 46 Jahren erreicht hat, war Schriftsteller und geschworener Revolutionär. linier dem zaristischen Absolutismus hat er als das Haupt der Terrorgruppe der Sozialrevolutionäre die lange Reihe der Anschläge in Szene gesetzt, die die Revolution von 1 9 0 5 0 6 einleiteten und begleiteten. Die Minister Plehwe. Sipjagin. Großfürst Sergius u. a. waren die Opfer. Sawinkow bereiste in hundert Verkleidungen Rußland, warb durch die Kraft feiner Suggestion junge Leute aus der Intelligenz zur Ausübung des Terrors. Rach jedem Anschlag gelang es ihm. sich den Fangarmen der Polizei zu entziehen. Die erste Wandlung machte Sawinkow durch, als der Zarismus die Revolution unterdrückt hatte. Unter dem Decknamen V. R o p s ch i n entfaltete er eine eifrige und überaus erfolgreiche schriftstellerische Tätigkeit. Er schien von seinem revolutionären Fanatismus vollkommen geheilt und in seinem berühmten Roman „Das fahle R o ß" zergliederte er die Seelenkämpfe des Attentäters und hiell Gericht über feine eigene terroristische Vergangenheit. Ader im Inneren war er Revolutionär geblieben. Er verurteilte zwar die Revolution und den Terror als eine moralisch anfechtbare Handlungsweise, betrachtete aber die terroristische Tat als eine Aufopferung des eigenen geistigen Ichs an ein notwendiges sachliches Ziel. In der Märzrevolution des Jahres 1917 spielte er bereits wieder eine hervorragende Rolle als einer der Führer der Rechtssozialrevolutionäre und war auch kurze Zeit im Kabinett K»e renski Kriegsminister Rach dem Siege der Bolschewisten schlug Sawinkow neuerdings um und trat an d i e Spitze der Gegenrevolution. Er lebte in Paris und nahm später an den kriegerischen Unternehmungen gegen Sowjet- ruhland tätigen Anteil. Auch bei dem Kriege Polens gegen Sowjetrußland hatte er die Hand im Spiele. lieber die letzte Phase seines Lebens herrscht noch keine völlige Klarheit. Tatsache ist nur, daß er im vorigen Jahre von der Tscheka in Rußland verhaftet wurde. Aber während die das Werk der von Weicker inspirierten .Schwarzen". Weicker wurde 1816 nach Göttingen berufen. 1819 nach Bonn, wo er, wiewohl von der Demagogenriecherei wiederholt verfolgt, eine Zierde der jungen rheinischen Universität wurde und Weltruf gewann Die Anwesenden, unter denen wir Seine Magnifizenz den Rektor der Universität Hemr Geh. Kirchenrat Pros. D Dr. Kruger, Herrn Oberbürgermeister Keller, den Direktor des Landgraf-Ludwigs-Ghmnasiums Herrn Dr. Baur und Herrn Generalmajor Bethcke bemerkten, während anderseits die Aktiven der hiesigen Burschenschaften stark hervortraten. spendeten den Ausführungen des Redners lebhaften Beifall. Man darf also hoffen, daß Weickers Rame bald auch in der Giehener Öffentlichkeit fo hervortrill. wie er es verdient. Außer der ©cbenltafel soll eine Büste oder ein Bild Weickers beschafft werden. Die erforderlichen Mittel wlll man aus dem Ertrag von Dorträgen gewinnen. die jeweils Freitags um 8 vii Ubr im großen Hörfaal des Physikalischen Instituts gehalten werden sollen. Es sprechen am 12. Juni Prof. Hevding über das Gymnasium von Pergamon, am 19. Juni Prof. 2 a q u e u r über Staatsgedanken bei Griechen und Römern, am 26. Juni Profeffor Schrader von der Universität Frankfurt a M. über den Maler Polygnot. am 3. Juli Prof. Diebe r über Szenenbilder aus dem antiken Theater, und am 10. Juli Pros. Rauch über Gotik und Renaissance. Den Anfang macht am Freitag. 22. Mai. Prof. Herzog mit einem Vortrag über das Asklepieion und die Aerzteschule von K o s. Das AsHepieion auf der Insel Kos. ein im Altertum hochbertihmtes Heiligtum mit Kurbetrieb. wurde von Professor Herzog aufgefunden und in den Jahren 1902 bis 1937 aufgedrckt. Die Ausgrabungen haben besonders wichtige Urkunden zur Gefchichte der von dem großen Koer Hippvkrates gegründeten Aerzte'ch'.'le gebracht. in der b kanntlich die Anfänge der wissen- fchastlichen Medizin der Gr echen und damit der Welt geschaffen worden find. Wir machen außer den Aitertumsfreunden auch die historisch intereffierten Aerzt e auf einen meinten. Sawinkow habe versucht, seine gegenrevolutionäre Täligkeu nach Rußland selbst zu verlegen und fei dabei in die Hände der Dolfchewiften gefallen, wurde von anderer Seite der Verdacht laut, daß Sawinkow in einem gewissen Einverständnis mit den bolschewistischen Machthabern gestanden sei. Der Verlaus deS Prozesses, der gegen ihn eingeleitet wurde, schien diese letztere Mutmaßung zu bestätigen. Der einstige Drahtzieher der Koltschak und Genosse« betete jetzt laut und brünstig das 2c ninsche Glaubensbekenntnis! Was daran wahr ist, wird man vielleicht nie mit GewHheit erfahren. Tatsache ist nur. daß Sawinkow zunächst z u m Tode verurteilt, dann aber zu zehnjähriger Gefängnishaft begnadigt wurde. Allgemein wurde angenommen, daß diese Kerkerstrafe nur eine Anstandspause bedeutete, nach deren Ablauf Sawinkow als Agent der bolschewistischen Machthaber auftreten würde. Die Bolschewisten haben der neuesten Wandlung Sawinkows jedoch keinen Glauben geschenkt und ihn trotz seiner Lvyali- lätSbeteucrungen im Gefängnis f e ft g e b a 11 e n. Die Verzweiflung darüber hat nun Sawinkow zum Selbstmörder werden lassen. Derbandstag der hessischen Einzelhändler. (Cigener Bericht.) < Bad-Nauheim, 17. Mai. Der Krieg und die Nachkriegsjahre haben dem seßhaften, legalen Einzelhandel manche Wunden geschlagen, die beute noch manchen Kleinkaufmann hart um seine Existenz ringen lassen. Wie kaum bei einer anderen Berufsgruppe stürzten sich auf sein Arbeitsgebiet alle möglichen (ilemenic, die mangels eines „kaufmännischen Gewissens" leicht teilhaben konnten an den Kriegs- und Jnflationsgewinnen. Der reelle Kleinhandel aber hat in seiner überwiegenden Mehrheit sich ehrlich und redlich durchgeschlagen durch die ..Kartenzeit" und die Jahre des Warenmangels und wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Die Organisationen des Einzelhandels haben wieder ganz von vorne, mit der Arbeit anfangen müssen: sie sind als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor heute mit dazu berufen, am Wiederaufbau nach Kräften teilzunehmen. Daß auch der Landesverband des Hessischen Einzelhandels noch lebt und von dem Willen zur Arbeit für den Stand nicht nur, sondern für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben getragen ist, das bewies schon im vorigen Jahr der Nerbandstag in Darmstadt, der erste seit 1914, das bewies in noch erhöhterem Maße wieder die heutige Tagung in unserer schönen hesstschen Badestadt. An die 300 Abgeordnete aus allen Teilen des Hessenlandes waren erschienen, besonders zahlreich waren die Gießener Kleinhändler vertreten. Gestern schon tagten der Vorstand und die verschiedenett Ausschüsse zur Beschlußfassung über die brennendsten Tagessragen, die den Beruf des Einzelhandels bewegen. Heute gestaltete sich dann die öffentliche Jahresversammlung des Verbandes auch nach außen hin zt, einer eindrucksvollen Kundgebung für die wirtschaftliche Bedeutung der Organisierung des Einzelhandels. Daß man dem Einzelhandel die Beachtung schenkt, die ihm seiner Stellung im Staats- und Wirtschaftsleben noch zukommt, geht schon rein äußerlich aus der Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden und Parteien hervor. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung konnte der Vorsitzende, W. Kalb- fuß- Darmstadt, an Gästen, die mit großem Interesse dem Verlauf der Verhandlungen folgten, begrüßen: Oberregierungsrat Weber- Darmstadt als Vertreter der hessischen Negierung, Negierungsrat Braun-Gießen als Vertreter der Provin - zialdircktion Oberhessen, Assessor Krüger vom Kreisaml Gießen. Bürgermeister Dr. Kayser- Bad-Nauheim, Beigeordneter Langsdorf- Friedberg, Oberregierungsrat H o o s vom Finanzamt Friedberg, Neg.-Nat Dr. Grosholz - vom Pollzeiamt Bad-Nauheim, Landtagsabgeordn. Scholz, Landtagsabg. Schreiber, Direktor S t e i n e l - Karlsruhe u. a., darunter Vertreter sämtlicher hessischer Handelskammern uni) befreundeter Verbände. In Begrüßungsreden, die lebhaftes Interesse und Verständnis für den hessischen Einzelhandel bekundeten und darum der Tagung erfolgreichen Verlauf wünschten, sprachen folgende der genannten Vertreter unter dem lebhaften Beifall die seltene Gelegenheit aufmerksam, sich von dem berufensten Forscher über diese Dinge unterrichten zu lassen. (Siehe Inserat.) Bei dieser Gelegenheit mag auch mitgeteilt werden, daß bei der Mitteldeutschen Creditbank. Flliale Gießen, unter der Bezeichnung F. G. Welcker-Sammlungein Konto für die geplante Ehrung Weickers eingerichtet ist Das Plakat im Examen. Unter den Werbemitteln spielt das Plakat eine große Rolle, aber sein Erfolg läßt sich fetten genau feststellen, und deshalb ist cs um so notwendiger, von vornherein für die beste Gestattung zu sorgen. Um die zu erreichen, kann man das Plakat einem Examen unterwerfen, wie es die psychotech - Nische Plakatprüfung darstellt. Ueber die Methoden, die man auf diesem Gebiet ausgebildet hat, berichtet der bekannte Psychotechniker Dr. Rob. Werner Schulte in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau". Zwei Hilfsmittel stehen hauptsächlich zur Verfügung: Beobachtung und Versuch. Bei der Beobachtung wird man das Plakat einem möglichst bunt zusammengewürfelten Publikum vorfuhren, dessen Ansichten und Urteile man belauscht, ohne bemerkt zu werden. Die Versuchspersonen werden am besten aus der breiten Masse der Durchschnittsmasse gewählt, da sich bas Plakat in den meisten Fällen ja nicht an wenige künstlerisch und kulturell hochstehende Menschen, sondern an das große Publikum rocnoc. Je mehr Klassen und Arten von Menichett durch die Wirkung des Plakates erfaßt werden, desto bester ist dies, wenn es sich um Gegenstände des täglichen Bedarfs handelt, während z. D. bei hochwertigen Lurusprodukten an bestimmte engere Käufer krene gedacht ist. Durch die Beobachtung kann man sich aber immer nur ein Gesamturteil bilden; dagegen laste» sich die Ursachen eines Versagers im einze tien zuverlässig nur durch den Versuch feststellen. Del erperimcnteUen Plakatprüfung muß eine Voruntersuchung rc.ousgehen, die zunächst einmal untersucht, ob die allgemeinen Bedingungen erfüllt sind, die man an ein gutes Plakat stellen muß. Man wird danach schon efrie Auswahl unter den verschiedenen eingereichten Entwürfen vornehmen können. Für die weitere Prüfung hat Schulte dann eine Ander Versammlung: Oberreg. Rat Weber jur die hessische Regierung, die Provinzialdirektion Gießen das Kreisamt Friedberg und das Polizciaml Bad Nauheim. Bürgermeister Dr. Stji yscr tur die Stab? Bad-Nauheim; Landtagsabg. Scholz für btc Iv Handelskammern sowie für die Landtagsfrok tion der Deutschen Volks Partei: Land • - rbnetei S d. reit- e i füi bii ■ Fraktion des Landtags; Direktor 8 t e i n c l von bei Zentrale bes Badischen Einzelhandels für den 1 freundeten Nachbarverbanb. Bccker-Gießen füt die Handwerkskammer Darmstadt. Nach diesem eindrucksvollen Auftakt der lagi.; i bildeten drei größere bebeutfame '.Referate bis Hm punkte ber Tagesordnung. „Einzelhandel in .Hot“, so hieß der Vortrag des Reichstagsabg. Bull Hamburg. In bebeutfamen Ausführungen gab hier ein erfahrener Politiker un dWirtschaftskenner ein Bilb von der Lage des Einzelhandels, der in seiner Wiederaufwänsbeweggung immer noch behindert wird durch die Notgesetze, durch den schleppenden bureaukratischen Geschäftsgang bei den Behörden und vieles andere. Wenn der Reichstag und andere gesetzgebende Körperschaften in letzter Zeit nid ’ mehr vom Fleck gebracht hätten, so seien daran die häufigen Wahlen wesentlich mit schuld. Für die Wirtschaft sei daher zu wünschen, daß einmal auf eine Reihe von Jahren keine Wahlen stattfänden damit in der Arbeit an wichtigen Fragen wie Zoll- Steuer- und Aufwertungsgesetzen endlich cinmc! was Ordentliches auf die Beine gebracht werde. ?i. Mtgesetze aus den Kriegs- und 3nilation9jaU.cn feien nicht mehr am Platze. Es bestehe nun a/.ch die 2 sicht, daß Preistreiberei- und Wuchergcsi^ Preu ichilderordnung usw. bald verschwinden. Wichtig sei die Umgestaltung der Reichsgewerbeordnuiig. Gegen die Auswüchse des wilden Housierhandels müsse ein geschritten werden. Grundsätzlich zu sordern sei aber daß Hausierer, genossenschaftliche Einrichtungen, ine zu starken Konkurrenten des Einzelhandels erwart) Jen, in demselben Umfange steuerlich erfaßt werden wie der Einzelhandel. Zn nicht einheitlicher Meinung sei man bis jetzt im Einzelhandel über das Lade» schlußgesetz und die Sonntagsruhe gekommen. Un erträglich sei es, daß auf den Bahnhöfen ganze Warenhäuser entstehen. Der Einzelhändler müsse von dem Gesetzgeber verlangen — und ein dies bezüglicher Antrag liege dem Reichstag vor —, daß der Verkauf von Genußmitteln in Bahnhof- und Straßenständen auf die Zeit zu beschränken ist, in denen der Einzelhandel seine Geschäfte offen hat Mit beißendem Spott behandelte der Redner den in Aussicht gestellten ZO-Millionen Kredit für den Mit telftanb, ber so gut wie nichts sei. Wichtiger sei die Kapitalansammlung von unten her. Der einzelne, auch der Klelnhänbler, müsse burch ausreichenden wirtschaftlichen Schutz wieder in die Lage kommen, Spargelder zur Sparbank zu tragen. Dann erst tonne es wieder mit unserer Wirtschaft aufwärts gehen. Der Redner, selbst Grundstücksbesitzer, ner tritt, dabei wohl nicht den Anklang ber ganzen Per sammlung finbenb, den Standpunkt eines ausreichen den Mieterschutzes für Mieter von gewerblichen Räumen. Er würde, wie er aussührt, an der dritten Steuernotoerordnung nichts mehr geändert haben. Eindringlich empfiehlt Büll allen Einzelhändlern den Anschlüßen die Organisation. Denn ausschlaggebend für die Fühlungnahme des Einzelhandels mit den politischen Parteien und den gesetzgebenden Körper ichaften sei nur seine eigene «raff. In Au lehnung an Gochs bekanntes Buch „Seefahrt ift not" beschloß der Redner mit der Forderung „E i n ze 1 handel ift not", seine bedeutsamen Ausfüh rungen, die den wirtschaftlichen Fragenkomplex wesentlich klärten und als Ganzes den stürmischen Beifall der Versammlung sanden. Darauf sprach, ebenfalls unter lebhaftem Beifall, der Verbandssyndikus, Dr. M ö ß n c r > Darin ftabt, über Die hessische Gewerbesteuer. Das ganze Gewerbesteuerwesen in Hessen soll reformiert werben Das zur Zeit bestehende Vor auszahlungssystem soll abgerundet werden. Der Auf bau muß auf den Grundlage des Anlage- und Betriebskapitals erfolgen und durch die Ertragszuschläge ergänzt werden. Die in Aussicht stehenden beträchtlichen Zuschläge der Gemeinden erfordern sorgfältigste Prüfung der Voranschläge der Städte seitens der Regierung. Der Vorsitzende Kalbfuß kann dazu noch Mitteilen, daß sich der Einzelhandel in seinen Forderimgen dem Hessischen Handel.' zahl von Geräten konstruiert, mit denen sich im Einzel- und Massenversuch die Wirkung genau präzisieren läßt. Dabei handelt es sich in erster Linie um den Aussassungs- und Lesbarkeitswert. Ein Plakat soll mögttchst schnell und bequem, auch auf große Entfernungen hin, erkennbar- feilt Es wird daher mit Hilfe eines Apparates nur ganz kurze Zeit, vielleicht nur Bruchteile einer Sekunde, der Versuchsperson oorgeführt, und diese muß dann genau schildern, was sie erkennen konnte. Wichtig ist auch die inteUef ttielle Ausfassungszett, d. h. die Zeit, die man bis zum einwandfreien Verständnis des Plakates braucht. Diese Zeitspanne wird mit Hilfe einer Stoppuhr gemessen. Don großer Bedeutung ist sodann der Gedächtniswert. Das Plakat soll nicht nur rasch ausgenommen, sondern auch gut und dauernd emgeprägf werden. Mit Hilfe eines besonderen „Gedächtnis apparates" kann diese Wirkung konstatiert werden. Im Mittelpunkt der gesamten psychotechnischen Prü- fung von Plakaten sieht aber die Untersuchung auf Assoziations- und Suggestivwirkung, die eng mit dem Aufsassungs-, Gedächtnis- und Gefühlswert zu- iammenhängt. Ein gutes Plakat soll nicht bloß die Aufmerksamkeit fesseln und Begierde erzeugen, sondern auch tatsächlich zum Kaut veranlasten. Der Kunde muß überzeugt, überredet, ja überrumpelt werden. Auch diese Wirkung läßt sich bis zu einem gewissen Grade psychotechnisch prüfen. Hier leistet besonders die Befragungsmethode Gutes. Man muß feststellen, ob in diesem Falle die Befehlsform ober die ruhige Sachlichkeit, die groteske Einkleidung ober die vornehme Zuversicht bas beste ist. Die psychotech- nische Plakatprüsung ist aber nicht nur für die Geschäftswelt von Wichtigkeit, bie sie vor kostspieligen ungeeigneten Mitteln bewahrt, fonbem sie kann and) zu noch Höherem führen: zu klarer Erkenntnis ber Volksseele unb zur Schaffung von Erziehungsmöglichketten nach Inhalt, Sinn unb Form. Uraufführung in Frankfurt. Am Samstag, 23. Moi, findet im Frankfurter Schauspielhaus bie Uraufführung von „Vries- lanb. Verlorener Lohn" statt. Buchausgabe und Vertrieb hat bei Schoniptelverlag in Leipzig übernommen. Die Buchausgabe ift soeben erschienen. kammertag anschliehe, der folgende Regelung Vorschlägen werde: Das Gewerbe st euersoll wird zur Hälfte aus dem Anlage- und Betriebskapital aufgebracht, zur Hälfte durch Zuschläge auf dicEinkom- m e n st e u e r v o k a u Szahlu n g. Die Versammlung stimmt dieser Lösung zu, ist sich aber bewußt, daß diese Maßregeln, die jetzt getroffen werden, zunächst nur ein Provisorium 'sein können. Der nächste Vortrag beti Direktor O. C. Sut - t e r vom Frankfurter Meßamt über "Der Kaufmann im Mittelalter" hielt, schlug die Brücke von der "Wirtschaft zum Gei- sligen, das den wahren Kaufmann auch durchdringen muß, will er seinen Beruf in der richtigen Weise ausüben. In großen Umrissen zeichnete der geistreiche Portrag das Bild des mitelalterlichen Kaufmanns, der mehr war als ein bloßer Mittler der Waren. Er wurde ein Träger der Zivilisation, die ersten Träger der Staatsgesirsnung wuchsen aus seinen Reihen heraus. Bei ihm, der frühzeitig die 'Verbindung zu anderen Völkern herstellte, herrschte immer das Gefühl vor, daß sein Auftreten in der Osffentlichkeit Maßstab dafür sei. wie man sein ganzes Volk eiiifchötze Die Pfsge oes Geistigen, der Austausch von Gesinnungen, war dem Kaufmann neben dem Erwerb wichtige Lebensaufgabe. Wie er, tartn auch heute noch beispielsweise der Einzelhändler auf dem entlegenen Lande, der oft als einziger durch Fäden mit oer Stadt verbunden ist, ein Vorposten der Kultur sein, wenn er über seine Waren hinaus auch Gedanken vermittelt. Der Kaufmann des Mittelalters kann in seiner Bedeutung für Staat und Kultur für heute Vorbild sein. Und diesem Vorbild muß nachgestrebt werden, will der Kaufmann wieder zu den, Ansehen komtnen, das die alte Kauf- mannschäst beschlossen hat. Auf die kaufmännische Erziehung sei sehr viel Sorgfalt zu verwenden. Unsere kaufmännischen Schulen seien, was dis Pädagogik ünbetresfe, in sehr gutem Stande. Aber sie wurden voll« Erfolge nur erzielen können, wenn hinter ihrer mehr formalen Bildung auch eine gesinnungsmäßig stehe. Der echte kaufmännische Geist im Sinne des alten Kaufmanns müsse zu einem güten Teil durch den Ehef vermittelt werden, der natürlich eine Persönlichkeit sein müsse, wenn er auf den jungen Nachwuchs emwirken wolle. Dis packenden Ausführungen, die mehr einer Weihsstunde glichen und dem Derbanostage ein ganz besonderes Gepräge geben, fanden dankbare Aufnahme und begeisterten Beifall. Dec Geschäftsbericht, den der Syndikus Dt. Moetzner erstattete, gab einen kleinen Ausschnitt aus der Fülle von Arbeit, die die Vsrbandsleiftung im abgelaufenen Geschäftsjahr zu leisten hatte. Neue Mitglieder wurden gewonnen, zusammen sind jetzt über 2000 Mitglieder organisiert. In Ober Helsen und Starkenburg sicht die Sache des Verbandes am besten; in Rheinhessen dagegen haben viele Einzelhändler sich noch nicht zu dem Zusammenschluß entschließen können. So gilt es. weiter zu arbeiten, und die Lauen und Egoisten, die Früchte ernten wollen, wo sie nicht gesät, zu durchdringen mit dem Solidaritätsgefühl, das der Einzelhandel ebenso wie andere Beruss- organisationen voll Und ganz beseelen Muß. Steuer- fiägen, Ladenschluß, Sonntagsruhe, Notgssetze, Wandergewerbe, Handel anderer Berufsgruppen mit Gegenständen des Einzelhandels Usw. waren die hauptsächlichsten Aufgaben, Mit deren Bear- tung die DerbaNdsleitung immer wieder zu tun hatte. Als soziale Einrichtung ist in nächster Zeit die Gründung einer Unterstützungskasje für Sterbe- sälls im Einzelhandel geplant. Geschaffen wurde bs- . reite innerhalb des hessischen Einzelhandels ein Glasoersicherungsverein der gestern > absnd eine ordentliche Generalversammlung im : Hotel Bristol abhielt. Als dringende Notwendigkeit < wird erachtet,daß die Oesfentlichkeit durch die Tagespresse noch mehr als seither über die kausmän- r Nischen Berufs- und Arbeitsziele aufgeklärt wird. Unter Leitung des 2. Verbandsvorsitzenden, Horn-Gießen, fand dann die Wahl des ersten Vorsitzenden statt. K a l b f u ß - Darmstadt, der nahezu ein Vierteljährhundert als verdienstvoller Führer im süddeutschen Einzelhandel tätig ist (die Schaffung des Süddeutschen Cinzelhandelstages mit dem Vorort Darmstadt ist in der Hauptsache sein Werk), wurde einstimmig auch für das kommende Geschäfts- ;abr die Verbandsleitung übertragen. Er dankte für das Vertrauen und versprach weiter zu arbeiten für Sen Stand, für jeden einzelnen und darüber hinaus für das ganze Vaterland. — Einstimmig wurde daraus der Ortsgruppe Gießen, die tm nächsten Jahre auf ein Mähriges Bestehen zurückblicken kann, die Abhaltung des nächstjährigen Verbandstages übertragen. Bei dem sich an die Tagung anschließenden gemeinsamen Essen im Versammlungslokal „Spru- debHotel" kam der vorzügliche Geist, von dem die Tagung getragen war, noch in verschiedenen Trink- svrüchen zum Ausdruck. Der Vorsitzende des his- figen Einzelhandeloereins, Nickel, begrüßte die Berufsgenossen, während Wolf- Bad-Näuheim ein Hoch aufs Vaterland ausbrachte. Notar Stahl- Bad-Nauheim sprach über die Beziehungen von Handelskammer und Einzelhandel sowie über die Tätigkeit und Bedeutung der Frauen im Einzelhandel. Don Frauen galt jein Hoch. Horn Gießen übermittelte den Dank des Vorstandes und des Landesverbandes an die gastliche Kongreßftadi. Der Spätnachmittag galt her Ausspannung nach getaner Arbeit. Das Konzert auf der Terrasse wu^de besucht. Außerdem konnten unter der sachkundigen Führung von Oberbaurat Berk die Badeanlagen besichtigt werden. Das größte deutsche Stadion. Die Frankfurter Zentralspvrtanlage bot ihrer Einweihung. Am Htimneisahrllage wird das Frank- f u r t c t Stadion feierlich eingewsiht. Es wird nach feiner Vollendung einstweilen ist es noch nicht in allen Teilen fertig -- die großartigste und schönste Sportanlage sein, bi Deutschland bekommt. Die Anlagen haben bis jetzt über drei Millionen ohne das Gelände gekostet, das inmitten des Stadtwaldes gelegen von der Stadt unenlgelilich zur Verfügung gestellt wurde; für die Fertigstellung d:s Luft- und Lichtbades sind noch sehr bebrütende Aufwendungen nötig. DaS Frankfurter Stadion ist eine deutsche Sportstätte, die auf allgemeines deutsches Interesse Anspruch erhebt. Das neue Deutschland ist auf Körperkultur als Pflichtfach angewiesen; ev bebarf eines Nachwuchses, der einem gesunden Geist den gefunden Körper schafsk. den wir zur Erreichung höchster QBeftbcmcrMfeif.'ungen unter den Döl- fern benötigen. Dri tiefere national-sittliche Gedanke des Stadion ist die sbsl.'N'atstcho C&alfa- ertüchtigl'ng. und dafür Hal tich die Frankfurter Bürgerschaft im (Zahre 1920 begeistert ins Werk gesetzt, als unter dem Stadtrat Ernst Der- neck er, dem eigentlichen Schöpfer der großartigen Anlage, die Planung erfolgte und die ersten Mittel für die ungeheueren Erdbewegungen bereitgestellt wurden. Auf einem 3400 Hektar großen Gelände, d?n ehemaligen Militär-Schieß- stünden, find 70000 Kubikmeter Erbmassen irt "Bewegung gesetzt worden. Heute präsentiert sich die inmitten alten Waldbestandes gelegene, durch mächtigeAufmarschstraßen und ganz neu . Straßen» bahnstrscken mit breiten Rangierbahnhöfen erschlossene Anlage als zwei Komplexe; die 30- bis 40 000 Zuschauer fassende Aad- und Motorrennbahn mit Innensp^ctslächen und die in einer Achse hintereinander angeordnete Kampfspielbahn. elfte Arena mit über 45 000 Sitzplätzen, in der die Aasen- und Turnsportft ’e(c vor sich gehen werden, auf der Aordseite begrenzt durch einen langgestreckten, in künstlerisch-monumentalen Bckufvrmen gehaltenen Tribünenbau, der auf beider Arena zugewandten Seite ein nach klassisch- aNtiken Vorbildern geschaffenes Freilichttheater enthält, während die andere Seite des mächtigen Bauwerks der Festwiese zugewandt i|t. auf der wiederum gewaltige Menschenmasfen sich in frohem Spiel und feierlichen Auszügen ergehen können. Hier ist der Tribünenbau Empfanas-, Derwaltungs-, Sportgebäude, eine eigentliche Palästra. Dann folgt das Sportfchwimmbcken für nicht weniger als 6030 Menschen mit allem Zubehör, ein in riesigen Dimensionen gehaltenes Wasserbecken mit Springkurm und Sportanlagen. Dahinter das Mächtige Licht- und Luftbad, das noch am weitesten zurück ist. während die Kampfspielbahn mit den Tr bünenbauten und dem Theater vollständig fertig ist. Die Großartigkeit der sämtlichen Anlagen wird bedingt durch die gewaltigen Dimensionen ihrer Projektierung, durch die sporttechnisch vollendete AnssühruNg und durch den wundervollen landwirtschaftlichen Nahmen, der sie umschließt. Dei der Ausführung ist durchaus an die Bedürfnisse der rasch wachsenden Großstadt aedacht. Sport und Leibesübungen sollen als selbstverständliche MasfeNqefunduvgsmiktel betrieben werden, und dafür hat die Stadt Frankfurt bereitwillig In schwersten Zeiten, wo kaum noch eine Hoffnung auf Wiedergeburt und Aufstieg vorhanden fchien, Opfer duf sich genommen, die dem Volksganzen dienen und ein neuer Beweis sind, wie im heutigen Deutschland BiGgergeist der Städte än der Erfüllung vaterländischer Pflichten arbeitet. Dabei darf allerdings nicht überleben werden, daß eine Schöpfung, tob das Frankfurter Stadion, bedeutungsvoll für das spOi"'iiche Leben eines weiten benachbarten Gebietes ist. L. W. Buntes Allerlei. Mord-Moden. Aus dein internationalen Polizeiköngreß, der jetzt tn Äeuhork tagt, ist wieder heroorgehosten worden, daß es die Aufgabe der Polizei ist, immer neue Waffen zu schmieden gegen die immer neuen Methoden der Verbrecherwelt. Dabei macht man daraus aufmerksam, daß es „Mooe- verbrechen" gibt, die so lange mit Vorliebe gewählt werden, als man glaubt, ihre Bekämpfung lei unmöglich. Besonders die Mörder richten sich nach der Wissenschaft, wobei ihnen freilich auch manches Malheu' passieren kann. So tötete vor einiger Zeit ein Mann fein Opfer mit Akonit, weit er gelesen hatte, daß die Anwesenheit dieses Giftes im Körper nicht festgestellt werden lÖrtne. Er wurde aber überführt, denn er hatte eine veraltete Auslage benützt Die Bakteriologie hat überhaupt die „Mordmode" stark bestimmt, wie die zahlreichen Mords und Mordversuche beweisen, bei denen dem Opfer gefährliche Krankheitskeime zugeführt wurden. Aber auch dies ist nichts Aeues, denn die chinesischen Chroniken berichten, daß schon vor 2000 Jahren ein Kaiser des Himmlischen Deiches einen ihm unbequem *n Staatsmann auf die Weife beiseite schaffte, daß er ibn in seinen Palast einlnd und im Bett eines Aussätzigen schlafen ließ. Der berühmteste Fall dieser Ärt, der die Verwendung von D.ikterim zu Verbrechen in Aufnahme brachte, war der des Abenteurers Laceh O'Brien in Petersburg 1911. Dieser Hochstapler hakte die Liebe eines schwer- reichen Mädchens gewonnen, deren Angehörige aber die Verbindung nicht zulassen wollten. Durch das Versprechen einer Belohnung von einer halben Million Rubel brachte er einen Arzt, Dr. Pafchenko, dazu, den Verwandten des Mädchens, die er behandelte, Cholera- und Diphthe- lisbazillsn beizubringen. Die Opfer erkrankten auch schwer, aber das Verbrechen konnte entdeckt werden. Die Wissenschaft findet schnell Mittel zur Aufhellung der Wege, die sie zuerst gebahnt, und sie gleicht so der Lanze des qrie« chifchen Gottes, die die Wunden heilte, b'.' sie geschlagen Wirtschaft. ArbCitsmarkt und WirtschafLsZage. Tis teilweise Besserung bet Lage des Ar- beitsmaiktes. die int Februar und März trotz mancher ungünstigen Anzeichen zu e-kennen war, hat sich im April nut für einen kleineren Teil ber Industrien ivrtgesetzi. Ini ganzen sind der Besserung des Beschäftigungsgrades in Deutschland enge wirtschaftliche Grenzen gezog.n. Die außerordentlichen Absatzschwierigkeiten des Kohlenbergbaues haben sich nicht gemifbert und die Fördsitmg ist zurückgegangen. Die Arbeit wurde durch Einlegen von Feierschichten gestreckt, im Ruhrgebiet kam es zur Entlassung von Bergarbeitern. Aber auch in einzelnen Industris- zwcigen zeigte sich ftn Berichksmonat die Absatz- qi-lMcrbeit vermindert Der Kapitalmangel machte sich allgemeiner und ftärfer als im Februar und März fühlbar. Obwohl die Anfragen im allgemeinen nicht abgenommen haben, kommt cd nicht mehr so ost zu Geschäftsabschlüssen, weil vii fleförgtrten langfristigen Zahlungsbedingun- aev die Wirtschaftlichkeit des Verkaufes in Frage stellen. Verschlechterten sich bereits im Vormonat vielfach die Zahlungseingänge, so sind sie im Avril noch schleppender geworben. 3464 typische industrielle Betriebe mit 1,5 Millionen Beschäftigten belichteten an das Reichsarbeitsblaft übet ihren Beschäftigungsgrad im April und machten Veigleicdsangabe' zum Vormonat. Der Anteil bei Arbeitskräfte, die Detrisbsn mit schlechtem Geschäftsgang angehörten, ging von 30 Prozent auf 28 Prozent zurück. eS stieg dafür bei Anteil bet aut beschäftigten Betriebe von 29 Prozent auf 31 Prozent Die Zahl der Beschöstigten in den berichtenden Bet, ftlxm erhöht-- sich uni 0,6 Prozent. Die Entlastung des Arbeitsmarktes, die sich im April zeigt und besonders an dem Rückgang der unterstützten Erwerbslosen von 514 576 am 1. März auf 394 292 am 15. April zu erkennen ist. geht in erster Linie auf den Bedarf der Auhenderufe zurück, wie er alljährlich mit Einsehen günstiger Frühjahrswitterung Cintritt. Heber die Lage des Kohlenbergbaues ist zu berichten, daß im Ruhrgebiet die Förderung von Steinkohlen weiter zurückaegangen ist. Die Zahl der eingelegten Feierschichten hat im Marz 618 670 betragen. 3m April ging die unmittelbare Zahl auf etwa 400 000 zurück, doch drückt sich in diesen Zahlen kein befferer Beschäftigungsgrad LeS Bergbaues aus, da die Zahl der Feierschichten nur infolge zahlreicher Arbeiterentlassun- qen zurückging. Insgesamt wurden int Marz und April rund 10 003 Belegschaftsmitglieder entlassen. Schätzungsweise stellt sich die Arbeikerzäbl im Ruhrkohlenbergbau auf durchschnittlich 462 000. Der Beschäftigungsgrad in der Textilindustrie zeigte gegenüber dem Vormonat eine geringe Verschlechterung. Sn der chemischen Industrie hob sich die Ausfuhr wenigstens für einzelne Zweige. Die Dauwiitschoft hat im April trotz der günstigen Witterung nicht ganz den Aufschwung genommen, der nach den vorliegenden Anzeichen und Vorbereitungen von manchen Seiten erwartet worden war. Der gute Beschäftigungsgrad der Papierindustrie ist von 62 auf 66 Prozent gesttegen. ZinserMäßigung für Exportkredite. Dem Vernehmen nach'steht eine Ermäßigung des Zinsfußes für Exportkredite von 8 auf 7 Proz. durch die Deutsche Golbdiskontbank unmittelbar bevor. * Alkali-Werke Westeregeln. Ein gewalkiger Wassereinfluß brachte die den Alkali- Werken Westeregeln gehörige Braunkohlengrube Irmgard zmn Ersaufen. Die verzweifelten Versuche, den Rachbarschacht Cäsar, ott der gleichen Gesellschaft gehört, durch Sprengen großer Gesteinsmassen zu retten, blieben erfolglos. Auch der Schacht Cäsar ist ersoffen. Dadurch sind viele Hunderte von Bergleuten einstweilen arbeitslos geworden. Börsenkurse. y*j„ Dtrnlüv Nelchlanitlye *®L Dttüsche 'jkitb'anlcihe . V]fk Dcnlschr Michsanleihe y/o Deutsche Reichsanleide Deuljche Svarprämicnanleih« 4»/0 Preußische Kontols . . . 4% Hessen aj/A Hellen S°/o pesten........ . Deutsche Wertb. Dollar-Ank. dlo- Doll -Schay-Anweitrrg.') <% Votttiirlen......... Wd Goldmeftkan« ... - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privak-Bank Darmsr. und NaUonalbauk . Dentiche Bank........ Deuljche BerelnSbank .... Disconio Eommandit . . Metallbant Mitteldeutsche Ereditbonl . t3esterretchische Erevitanstalt. Weltbank ......... Bochumer GaS . Buderus . . ...... Karo Deutsch ^Uirenibnre ..... Gelsenkirchener Bergwerke. . Horpeiker Bergbau jlflltiüerfe ?!schcrsieben.... kkallwerk Westeregeln .... Lauradütt- ..... Obcrbedarf Phönix Bergbau ..... Rbeinitalll . . ....... Rieben Montan ....... TelluS Bergbau. ..... Hamburg-Slmerlka Paket. . . Norddeutscher Llovo kbermnilche Werke Albin . . /stinennverk Heidelberg . . Pvilibv Hotzmann ...... Singlo <5om -tÄuan» . .... Badische Anilin ...... Cbcmtiche Mader Alavw .. Goldschmidt .... . . Griesbeimee (gleciron .... Höchster Farbwerke HoUvcrkodluttg........ RlitgcrSwerke Scheideanstalt . ANg ElektriziiStS-Gesellschatt B-.kgniann ......... Ncamkraftwerke . ...... Schuckcrt Siemens 4 Halöke ..... Adlerwerke Kletssr .»««»« Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt Meguin. , Morvrenwelle Mannheim . ssi'anlfurter Armaturen . . .goiUcrr'enfabrlr Braun . . . Mctatlgelesl-chüst ^ranffuw. Bet. Union A.-G. .... Schuhfabrik Herz Sichel . Hellflop Aoldhat....... ftiMer-abrlk FrlMkevkbal . . tiiiatrfabrir Waghäusel • . - Frankfurt a.M Berlin SW« Kur» SdjtUßh. Abend« Lfirie Schluf-« flttr» Schl'-KO Mittag h'-rf» 16. ». 18 5. 16. 5, 18 5 0. *J3 0.6675 (1,5925 : 0,59 o.r,< 0,58 o..'<9 0.69 0.71 0.71 • 0,73 0,725 0.39 0,35 0.610 O.3S5 0,3*5 0.66 0.64 0,64 0,75 0,75 0,725 0,7 2 0.71 - 0,65 0,70 0,68 0,70 0,65 94,75 94,75 94,75 94.75 (»2,3 92,4 92,4 92,3 9.4 9,45 — 9,3 37,25 — —- 137,5 136,5 137 186 102.23 102.25 103,25 102,25 126 125,75 126,40 126,25 121,9 125 125,25 125,25 79 79 — — 114,75 114.75 11,5 115 102,23 102 —- -4- 99.X 100,50 100,25 100,50 7.6 7.75 7,90 7,75 o,fo 0,1 0,175 71 71 76 71 71 97,25 95,5 98 96.62 78,75 70,5(1 78 76,75 131,5 129,90 130,62 129,75 16,62 16 16,62 16 20,4 19,5 20,30 19.5 67.75 67,5 67,75 67,3 s,1 8,1.25 8.12 8 115 114,25 115,25 114,6 98,40 98 98,40 97,62 — ' 96 95 95,25 6, "io 3,25 — 71 69 70 69,90 72,25 72,5 hM. — i a , 75 ?6,5 75,5 —Ä 122 119,5 138.25 136,60 138,50 130,90 0,51 0,51 102,6 102,.50 >03,1 101 127,40 126,80 127.7 127,4 128.90 127,;.'. 128,5 1'27,75 7.3 7.25 — — 89 88,9 86,5 88 121,5 • — ** 109,13 108,5 108,90 108.5 87 85,75 86 87 91 •JO, 25 — 81.75 -Ä*a 82.50 80,25 72,5 i ■* < L 71.5! 3.2 3.15 (.12 3,25 4.875 4.7 4,80 1.75 47,25 48 — — 6.9 6,8 6,9 6.5 — —■ 101,13 1(8) 0,46 0,46 1,01 — 1,03 1,2 1,2 118 117.5 — 2,425 2.40 2,1 *— _ 3.2 VA .53 .52 11.9 11.5 11,03 11,62 4,2^5 4 05 — 3,0'» 3.025 3,1 3,1 Frunksukter Ab-ndbürss. Frankfurt a. M. 18. Mai. Die Abendbörse zeigte heute abend sehr geringe Unter» nehmungslust, daß nur wenig Votierungen zustande kamen. Die Tendenz war im Gegensatz zu der schwächeren Rachbörse behauptet. Knrs- änberunoen von Belang sind aus keinem Gebiet zu verzeichnen. Der Pfandbriefmarkt verkehrte ruhiger mit Reigung zur Abschwächung. Frins- prozcntige Kriegsanleihen gingen im freien Verkehr zu 0,587'. . um. Die Abe idbörse schloß zurückhaltend und lustlos. Bankaktien: Commerzbank 102,25, Deutsche Bank 125, Deutsche Dereins- bant 79. Dresdner Bank 105, Mftteldeutfche Cre- ditbant 100,50, Oesterreichische Krebitaktien 7,75 Transportwerte: Baltimore 64,75. Kaliwerte: Kali Aschersleben 16, Westeregeln 19,50. Chemische Werte: Th. Goldschmidt 102,50, Höchster 127,75. Industrieattien: Eßlinger Maschinen 67,5, Inag 1,10, @ebt. Iunghanö 80,50, Mainkrast 90,25, Peters Union 2.40, Voigt & Hässner 90. Derliner Dorfs, (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin. 18. Ollai. Die neue Woche nahm einen verheißungsvollen Anfang. Gleich zu Beginn Öc5 heutigen Verkehrs entwickelte sich am Markte der Schuhacbiet- an leih en ein ungemein reges Geschäft, das den Kurs für dieses Papier von 5,8 auf 6 bis 6,75 heraufsetztc. Es besteht anscheinend ein starkes Decouvert, während die Spekulation-zu ©in» bedungen gezwungen ist Von dem lebhaften ®c» fchäft in Schutzgebietanleihen profitierten auch die übrigen heimischen Staatsanleihen Am E s s e k t e n m a r ! t wurde der tchr stille Verkehr bei Wochenschluß von einer lebhaften ilmfatjtätigfcit abgelöst. Ramentlich am Ollon» 1 anmarkt trugen rheinische Käufe und svätcre Meinungskäufe der Spekulation zu einer Befestigung der Kurse bei, während A n i l i n w e r t e mehrfach für süddeutsche Rechnung aus dem Markte genommen wurden. Es kam noch hinzu, daß die Lage bes Geldmarktes weiter sehr flüssig bleibt und daß die aus einzelnen Provinzen kommenden Rachrichten über eine weitere Besserung der Arbeitsmarktlagc günstig wirkten. Die Börse eröffnete daher in allgemein freundlicher Stimmung, wobei i> an insbesondere auch auf daß Interesse des Publikums für Kassa- werte hinwies. Immerhin toitfie sich die Alm» satztätigkeit auf die Börse selbst nur in beschränktem Almfange aus. Am Geldmarkt nannte man tägliches Geld mit 7 bis 9 Prozent, Monatsgeld mit 9,5 bis 11,5 Prozent. . Vanknoten. Dsöftenmarkt 26srlftr—Aranifttri a. M, DiruWien Mart vu«k!tdräckl. Bn«no§-?NreZ, Strtibott. Reu» York, Java«, Rio de Ianeirs für eine Ein hei r, Wien und Budovelt für 100000 Einheiten, all-? iibriflr für 100 Einheiten.) Telegraphis ch e Auszahl u n g. Akcfttkfurt-x ö Z.'. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 18. Mai. Es wurden notiert: Weizen, Wetteraucr 22,50 bis 24,25, Roggen, inländischer 20,25 bis 24, Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 26,50, Hafer, inländischer, 18 bis 23, Mais, gelb 21,25 bis 23, Weizen- mehl, inländisches (Spezial 0) 38 bis 39.25, Roggenmehl 31 bis 32,75, Weizenkleie 13,25 bis 13,50, Roggenkkeie 14,50 bis 14,75, Erbsen 24 bis 27,50, Linsen 28 bis 36, Heu, siwdeutsches, gut und trocken 9,50 bis 10, Weizen- und Roggenstroh 6 bis 6,50, Treber, getrocknet 16 Ml. Tendenz: befestigt. i; Mai i ii Amtliche lloti rung Anlkliche ,'okieruu« meld Brief Geld Brief »mst.-Ron. 168.69 169,11 iO8 69 169,11 Buen. Aires 1,661 1,66“ 1,663 1,667 Brsf--2lmw. Chrtstianta. .«kovenhagen 21,165 70,16 21,215 70,31 21.11 70,31 21,17 70,49 78,60 78, SO 78.80 79,06 Skftclholm . 112,21 112,41 112,18 112,46 Helsittgfors. 10.567 10,64)7 10 567 10,607 Italien. . 17,12 17,16 17,1.2 17.16 London. • 20,363 20,413 20,36.5 20,41.5 Rcunork . . 4,19-5 4,20.5 1,195 1,205 Baris. . . 21,8'25 21.885 21.7,5 21.815 Scbw«i; . - 81,19 81,39 81 19 81,39 Spanien. 60,67 60,83 60,65 60,81 Japan .. . Rio de ftan. 1,763 1.767 1,763 1,767 0,424 0,426 0.419 »,421 Wien in D.- Lest, abgrtt 69,055 59,195 59.055 „9,19.5 Prag .... Bel-rod .. 12,43 (2.11, (2,43 12,47 6,81 6,82 6,80 6,82 BudapdU. . 5,89 5,91 5.89 5,91 Biilgarien 3,045 3,055 3,015 3,055 Lllsabon 20,37-5 20,425 20 375 20.425 Donua.. • Konftanttn- 80,78 80.98 80 79 10,99 2,768 2.778 2 28.5 2.295 Alben. . 7.84 7.86 7 84 7.86 Berlln, iS. Mat. Ecld Bries Aincrtkantftbe Noten Belgische Noten Dänische Noten Englische Noten. ....... Franzöiische Noten ...... Holländische Noten...... (italienische Moten ...... Norwegische Noten ..... Deiusch-Oeftsrr.gioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ...... Svantsche »Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Nolcn ... , . . 4,179 21,06 78,62 20,340 21,7-55 168.30 17.105 70,09 -9.05 111,34 81,12 60,50 12.44.5 5.88 4,199 21,16 79,0-2 20,440 21,8.5.5 169.16 17.185 <0,45 59.3» 112,50 81,62 60,9» • 12,50.5 5,90 Frankfurter 6fe. (Berlin, 18. Mai. Der Produktenmarft lag heute überwiegend fest. Rkai-Wrizen wie auch Juli-Weizen stellte sich teurer, ebenso Roggen zog im Preise an. Gerste war still. Das Weizenmehlgeschäft hat sich g'.eiserl. Roggen- mehl weniger gefragt. FutterartikÄ ruhig, spatere Lieferung war dagegen ziemlich ;dt. Cs wurden notiert für je 1000 Kilogramm Weizen, mär» ktschcr 265 bis 267. do. Mai 281.50 bis 282,50, do. Juli 273 bis 274. Roggen, märkischer 222 bis 225. do Mai 226,5 b : 227, do. Juli 224,50 bis 224, Gerste, mörftsche 226 bis 240, Futtergerste 20C bis 216, Hase., mär!. 218 bis 226, do. pomm. 210 bis 222. do Mai 203,30 bis 204. Mais (tote Berlin) 200 bis 204; sür je IOC Kilo: Weizenmehl 33,75 bis 36,25. Roggenmehl 30.50 bis 32,75. Weizenkleie 14,50 bis 14,60. Roggenkleie 15,80 bis 16, D-ftoriaerbsen 22 bis 27. kleine Erbsen 23 bis 25, Futtererbsen 19 bis 21, Peluschken 18,50 bis 20, Ackerbohnen 19 bis 20. Wicken 20 bis 22, Lupinen, blau 10 bis 11,50, do. gelb 11,50 bis 14, Serradelle 13 bis 15. Rapskuchen 15,20 bis 13,60, Leinkuchen 22,46 bis 22,80, Trortenschnitzel 9.80 bis 10.30, Torf- melasse 9,75 bis 10, Kartoffelslocken 19,70 bis 2?. Korpulenz verunftaliet die Uörperform und macht alt. Allen zum Starkwerden Veranlagten raten wir, in der Apotheke 30 Gramm echte Toluba-Kerne zu kaufen, die völlig unfchädliche, dabei wirksame, den Ansatz verhindernde Stoffe enthalten. Sicher: Akniversft.-Apvth. zum goldenen Engel, Die Destandieile sind auf der Packung angegeben. 4860A Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Roman au» der Gegenwart, von Karl-August von Gaffer L 45 lfanietzung (Nachdruck verboten.- Dak Herr Landers krank ist, und zwar schwer gemüt»franf, wissen Cie ja wohl lewer. Seine bisher an» Wunderbare grenzendc Fähigkeit^ von der in erster Linie das Gedeihen unseres Werkes abhängt, hat ihn völlig verlassen. Darunter leidet er so schwer, daß ich Die ernstesten Vesürchlunaen für ihn hege Leider muß ich Ihnen mitteilen, bah seine Kraft auf unserer Expedition nach Pc- trolea derart versagte, bah er In einem spontanen Schwermutsansall einen Selbstmordoerluch unternahm Er stürzte sich in einen tiefen Wasserns,, au» dem wir ihn nur wie durch ein Wunder zu retten vermochten. Jetzt liegt er hier in guter L>bhu, in unserem behaglichen Wohnschiff und wird non Dr. Enders und der Schwester auf» beste verpflegt. Heute traf ich ihn wieder in tiefster Depression. Rach langem, inständigem Dringen erreichte ich ce>. voß er mir da» Dersvrechen gab. sich dem Lsoen zu erhalten. Schließlich verriet er mir auch Im tiefsten Vertrauen die Lösung seiner verschwundenen Fähigkeiten. Wenn Ich dieses Vertrauen Ihnen gegenüber breche, so tue ich es in dem festen ltzesuhle, daß Sie allein imstande sind, eine Heilung für ihn zu finden. Sander wußte bereits aus einer alten Er iah- rung, das, die Hingabe an eine große Leidenschaft seine Fähigkeiten al» Wünschelrutengänger beeinträchtigte. Obgleich nun diese Tätigkeit Den Inbegriff seine» Lebens bildet, so muß Dieses Mal eine alle» überwältigende Liebe seine Bedenken besiegt haben. Wir wissen ja. wie er sich sträubte, an der Er'edition teilzunehmen. weil er bereit» jein Schicksal vorauesah. Jetzt ist er ein völlig gebrochener Wann. Rach meiner Ansicht gibt es für ihn nur zwei Möglichkeiten. Entweder er wählt den Weg Der Leidenschaft, sucht in den Armen der Liebe Vergessen und Bctäubng für das Verlorene und wird vielleicht auch nach einiger Zeit wieder glücklich. Ob aber jene Frau, die ihn liebt, den Mut aufbringen wird, dieses fast übermenschliche Opfer von ihm zu verlangen, ob sie sich stark genug fühlt, ihm Ersatz au bieten für alles, was er aufgab, da» entzieht sich meiner Beurteilung. Dandere Lösung wäre für Sanders äugen blufhch gewiß die schmerzlichere und bedeutet völligen Bruch mit feiner Leidenschaft. Selber ist er dazu nicht imstande, denn zu seiner Gesundung ge hört auch die geistige Befreiung vvn jener geliebten Frau. Fände sie olfo die bewundernswerte Kraj«, ihn nich« nur freizugeben, sondern ihm sogar jede Aussicht auf eine weitere Erwiderung seiner Liede zu nehmen, so glaube ich, unser Freund würde nach dieser gewaltsamen Krise allmählich wieder zu neuen Kräften und zu neuem Lebensmut gelangen. Ich bin mir wvhlbewuh:. daß die Liebe häufig den einzigen Lebensinhalt eine» Frauenschicklals bedeutet. gegen den alles, was das Dasein sonst bietet, nichtig erscheint. Ich weiß aber auch, daß bet wahren, echten Frau das Lebensglück de» Geliebten höher steht als ihr eigenes. Frau sein heißt, sich opfern — opfern für das Schicksal des Mannes, bem ihr Herz gehört. Natürlich werden Sie annehmen, daß ich in erster Linie hierbei an unser Werk denke, desien Existenz bedroht ist. Das erscheint mir aber im Augenblick nebensächlich, denn ich setze das Unternehmen fort und werde es vollenden trotz aller Schwierigkeiten. Ich sehe vielmehr einen prächtigen Menschen, den ich schätzen und lieben gelernt habe, an einem inneren Konflikt zugrunde gehen. Und darum wende ich mich voller Vertrauen an Sie. Wo männliche Kraft und männliche Kunst am Ende sind, vermögen nur Frauen zu helfen. Helsen Sie unserm armen Freunde, der sonst verdirbt! Ich bin in tiefster, aufrichtiger Verehrung Ihr Georg Nagel. Brief Lindo» an Sonders. Mein lieber Freund! Durch die unbegreifliche Indiskretion Stratoff» wurden Sic telegraphisch von unserer Verlobung In üennlnl» gesetzt, während Sie doch voll berechtigt waren, ^nächst durch mich benachrichtigt zu werden und eine Aufklärung meiner Hanb- lungstveise zu erhalten. Daß ich Sie geliebt habe, mehr al» fui mich gut war. wissen Sie genau. Was Sie aber nicht begreifen konnten, das war der Grund, warum ich Sie nicht heiraten wollte. Ueberlegt habe ich e« mir lange, dessen können Sie sicher fein. Aber schließlich stand mein Entschluß fest. Sie passen nicht in eine Ehe, vor allem nicht zu einer Frau wie ich, die eine unaufhörliche, ständige Hingabe verlangt, gegen die alle sonstigen Interesien jurütftreten müßen. Bei unseren beiderseitigen Lebensauffafiungen war ein Kompromiß unmöglich. Sie wollten nicht auf Ihre Tätigkeit, die Ihnen unweigerliche» Bedürf- nie war, ich vermochte nicht auf meine Forderung au verzichten Es war schön, unter Svnnengliick, lieber Freund, unvergeßlich schön, aber es mußte, wie alles schöne im Leben, einmal ein Ende finden. Jetzt kommt nämlich der zweite Grund, weshalb id) Sie nicht heiraten kann. Meine Vermögens- verhältnisie sind ruiniert. Der betrügerische Ban trott eines Bukarester Bankhauses hat mich derartig geschädigt, daß ich mein gewohntes Leben nicht wci tersühren kann. Ich erzählte Ihnen bisher nichts davon, um Sie nicht zu beunruhigen. Ich mußte mich aber^ nach Ressourcen umsehcn, und was liegt für eine Frau näher als der Gedanke, sich günstig zu verheiraten. In Rumänien bot sich nichts Passendes für mich. Man sagt, ich hätte mir meinen guten Ruf etwas verdorben. Wie Sie wissen, warb Stratosf schon lange um mich. Gewiß ist er ein Parvenü, aber keiner non der schlimmsten Sorte. Was ihm an innerer Kultur fehlt, ersetzt er durch gut abgesehen: Süßere Zivilisation. Dor allem aber ist er ein Mann von unbändiger Energie und Arbeitskraft, der es noch zu Großem bringen kann. Für ausgeschlossen halte ich es nicht, noch einmal Fürstin von Kirgisin zu werden. Natürlich habe Idi mich In jeder Hinsicht vorgesehen. Noch vor der Hochzeit erholte ich ein großes, ftlbflänbiges Vermögen. Außerdem uerlangc Ich ron- trakllich die weitestgehende Freiheit. Sooft es mir paßt, werde ich allein auf Reifen gehen. Eine der- artige Vernunftehe wird nur dann erträglich, wenn man imstande ist. sich geleaentlid; ein heimliches Glück zu suchen, bas einen für alle sonstigen Entbehrungen entschädigt. Ich bitte Sie daher, lieber Freund, nehmen Sie meine Heirat nicht allzu tragisch. Lassen Sie etwas Zeit oergehen. Ich bin überzeugt, wir wer den die allen, guten Freunde bleiben, [a vielleicht werden wir schließlich einen längeren unb innigeren Bund eingehen, als wenn äußere Bande uns in Fesseln zwängen, Die jedem von uns auf die Dauer doch unerträglich wären. Ich danke Ihnen für alles Schöne unb '.Imvr geßltche, das Sie mir geschenkt haben. ®rijc’te.i Sic ein wenig lieb Ihre Linda Lahor,). ^Sanders an Nagel. Lieber Freund, wundere Dich nicht, Dan ich nn Dich schreibe, wo ich Dich doch jcder^it sprechen kann. Ich Habe Dir aber eiwos so Schwere» mit- zuteilen, daß Ich fürdtte, ich wurde mährrnb br. Sprechens melinc Fassung verlieren Unb ich ertrüge es nicht, daß ein anderer Mann und wäre es rii; so treuer Freund wie Du, mich in einem derartigen Zustand sähe. ‘Bitkjies den einliegenden ‘Brief. Ich begehe wohl eine allzu große Indiskretion damit, denn Du haft mir ja selber aus den Kops zugesagt, daß Du genau wüßtest, wie ich mit jener Frau gestaii den habe, die mit mir fühlte, mich zu verstehen schien bis in die innersten Fasern meines linier bcwußtsein». Und nun dieses Erwachen! — Ein bitteres Ge iuhl (leigt mir die Kehle hinaus. Wie war es möglich, sich |o zu täuschen! — Unb hoch, es Ist bas alte Lied Seine eigenen Begriffe von unvergSntzliä-er Schönheit der Seele legt man in die Persönlichkeil der Geliebten, umkleidet sic mit allen Vorzügen unb erblickt so schließlich ein Bild, das man sich selber «schaffen hat. Bis ein starker Windstoß die Schleie, füllen laßt — und ion dem selbst ausgerichteten Ideal bleibt im besten Falle eine schöne Puppe Lies, bitte, den letzten Abschnitt ihre» Briese. Entweder bin ich töricht oder altmodisch. Aber dieser säst unverhüllte Zynismus, der aus ihren Worten spricht, schlug mich völlig zu Boden. Sie heiratet den Mann, der ihr Stellung und Geld verspricht, und tröstet gleichzeitig ihren Geliebten, daß ja zwisci)cn ihnen alles beim alten bliebe. Ich glaube nicht, daß eine deutsche Frau so empfinden könnte. Wenigstens mürbe sie nicht wagen, es aiiszuforechen. Aber dieser Schlag richtet mich gleichzeitig aus. Was ich verlor, ist nicht wert, sich daran zu zerbrechen. Es war ja keine Wirklichkeit, es war nur ein schöner Traum, aus dem ich jäh erwacht bin. Bitte, sprich nie mit mir darüber. Ich schäme mich zu lehr. Unb laß mir etwas Zeit. Bald rjc.ffc Ich, wieder der alte zu fein. Aber Dir banke ich von ganzer Seele für Deine Freundschaft. Wahre Treue gibt e ja nur unter Männern. Id) werde ihr nicht an Inoden. Offiziell wollen wir beide gemeinsam ein Glückwunschtelegramm fen den. Hoffentlich besitzt sie den Takt, uns so bald hier nicht aufzusuchen. Bitte, komm nicht vor heute abend zu mir unb Hube keine Besorgnisse um mich. Sanders (Fortsetzung folgt) Der Schuh der Dame nimmmmimimiiiimimmumiiHifmiiiiiiiiiHiiiiiiiimimmmimummiHmi Der Mercedesstiefel ersetzt beste Handarbeit, ist elegant im Aussehen und haltbar im Tragen Alleinverkauf für Gießen: 5123a SchuhhausW. Benner r^Strem^eeü [ Bequeme Ratenzahlungen J. Jttmanns Etagengeschäft Kaplansgasse 18, 1 Treppe 5158a Für Damen: HuKMclinklelder . . Mk. 4.95 Voll-Voile-Kleider in allen Größen . . Mk. 10.00 Voll Voile-Kleider in allen Größen . . Mk. 15,00 Kostüme, Jl&ntel in großer Auswahl Für Herren: Elegante Anzüge Mk. 82.00. 45.00 65.00. 85.00, 110.00 auf Teilzahlung Krupp-Lastkraftwagen Vfi eie r Twmi Miwllaeb 5 Tiuti Liittrahwagae »owe Ipeilaffahrzeoge jeder Art fOr Stadtverwaltungen. Faun-Werke A.-Q. Nürnberg 2 ble 3l, Tonnen Sohnell-Laitwagea und 6 24 PS Personenwagen General-Vertiefet; Gustav Heuser, Frankfurt a.M Erke flokenzoüern- e. Mddastralr. Tel. Oanm 7647 Seltersweg 19 2029A ZI Schmiele an der Ferse kostenlose tnchmönntfqe Futzmtterfnchung. 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