Hr. 166 Erstes Erscheint täglich, autzer Sonn- und Feiertags. Beilagen: GiedenerFamiliciblLtter Heimat im Bild. MonalL-Sezvsrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech.Anschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag undDeschästssrelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten: rlnzeiaerEietzen. Postscheckkonto: Frankfurt cl M. 11686. Blatt 175. Jahrgang Samstag, 18. Juli 1925 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruck und Verlag: Brühl'fche Unioersttätr-Vuch- und Zteindruclerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschästrftelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örttich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mm Breite 35 (Bolöpfennig, Playvorschrist 20'/. Aufschlag. - BerantwoNlich für Politik il Feuilleton: Dr. Friede. Wilh. Gange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein, für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Kritische Lage in Marokko. Marschall P61ains Flug nach Marokko. — Die Reorganisation der französischen Kampftruppen. Die Aufwertung. Die vom Reichstag beschlossenen Aufwertungs- gesetze haben die Unterschrift des Reichspräsidenten erhalten, durch die Verkündung im Reichsgefetzblatt erhalten sie Gesetzeskraft und füllen damit eine sehr peinliche Leere aus, die nach Ablauf der Dritten Steuernotoerordnung am 15. Juli entstanden wäre. Dem Bemühen der Völkischen, die Entscheidung über die Auswertungsgesetze einem Volksentscheid vorzubehalten, hat sich der Reichspräsident versagt, mit vollem Recht, denn einmal forderte die Rechtssicherheit das umgehende Inkrafttreten der Gesetze, zum andern ist das Auswertungsproblem eine viel zu komplizierte Materie, als daß mag sie durch ein Pleviszit lösen könnte. Durch die Entscheidung des Reichspräsidenten ist einem Kamps ein Ende gemacht, der von Monat zu Monat mehr eine Atmosphäre blinden Hasses und Mißtrauens schuf und das deutsche Volk durch eine maßlose Agitation in zwei feindliche Lager zu spalten drohte. Es ist dringend zu hoffen, daß man nun ernstlich daran geht, die Aufwertungsfrage als abgeschlossen zu betrachten, die erhitzten Gemüter beruhigt und den inneren Frieden wieder herstellt. Daß die Lösung des Aufwertungsproblems nur ein Kompromiß sein konnte zwischen den Interessen bei durch die Inflation um ihr Vermögen gebrach» ten Gläubiger und denen der durch die Wirtschaftskrise nicht minder geschädigten Schuldner, ein Kompromiß, das keinen Teil restlos befriedigen kann, das liegt in der Natur der Dintze. Vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus wäre die individuelle Aufwertung, die die Verhältnisse des Gläubigers und Schuldners in jedem einzelnen Falle gegeneinander abwägt, die einzig denkbare Lösung gewesen. Die Reichsregierung hat sich indessen für die schematische Aufwertung entschlossen, die sämtliche Gläubigeranfprüche einem gesetzlich fest- gelegten Prozentsatz unterwirft, und der Reichstag hat durch Mehrheitsbeschluß dem zugestimmt. Begründet wurde dies mit der Unmöglichkeit, die Gerichte mit der aus einer individuellen Aufwertung zweifellos drohenden Unzahl von Prozessen zu belasten und der Notwendigkeit im Interesse der Kreditfähigkeit des einzelnen und des Dolksganzen die durch jede Aufwertung sich verschiebenden Ver- mögensoerhältnisse mit größter Beschleunigung zu klären. Beides ist rein theoretisch genommen, höchst anfechtbar und von ethischen Gesichtspunkten aus gesehen ist es durchaus verständlich, daß die Auf- mertuna in der Form, wie sie nun durch die eben be .offenen Gesetze in Kraft tritt, bei den Millionen von kleinen Sparern, die ihre letzte Hoffnling auf eine höhere Aufwertung gesetzt hatten, bei den unzähligen Angehörigen unseres gänzlich verarmten Mittelstandes, die von einet „gerechten" Lösung der Aufwertungsfrage Besserung ihrer Notlage erwartet hatten, bittere Gefühle und schwere Enttäuschung auslöst. Es konnte indessen nicht gelingen, die Vermögenslage so wiederherzustellen, wie sie vor Einbruch der Inflation bestanden hat, solange der Staat nicht einmal in der Lage war, auch seine Gläubiger restlos zu befriedigen und zum andern, weil der verlorene Krieg auch für das Gros der privaten Schuldner schwere wirtschaftliche Schädigungen zur Folge hatte. Man wird sich also mit der jetzt geschaffenen Lösung abfinden müssen, ungeachtet der Erkenntnis ihrer Unzulänglichkeit, aber auch in der Gewißheit, daß jedes Hinauszögern der Entscheidung, die Fortsetzung eines am Ende fruchtlosen Kamkfes und damit nur neues schweres Unheil für unser Volk bedeutet hätte. Einmal mußte der Strich unter die Jnflationswirtschast gezogen werden, und es ist gut, daß er bald gezogen wurde. Das Aufwertungsgesetz sieht eins Hypothekenaufwertung von 25 Proz. ihres Goldmarkbetrages vor. Für vor dem 1. Januar 1918 erworbene Hypotheken gilt als Goldmarkbetrag der Nennbetrag in Mark für später erworbene wird auf Grund einer besonderen Meßzahl eine Umrechnung in Goldmark vorgenommen. Die Aufwertung findet rückwirken dstatt für Hypothekenzahlungen die in der Zeit vom 15. Januar 1922 bis 15. Februar 1924 vom Gläubiger ohne Vorbehalt ang.'nommen mürben, wenn der Aufwertungsanspruch bis zum 1. Januar 1926 bei der Auswertungsstelle angemeldet wird. Bis zum 1 April 1926 taun dagegen der Schuldner die Herabsetzung der Aufwertung bis auf 15 Proz. verlangen. Die Zahlung des Aufwertungsbetrages kann vom Gläubiger zum 1. Januar 1932 gefordert werden, dagegen kann der Schuldner bis zum 1. Januar 1927 beantragen, daß er die Zahlung in Teilbeträgen bis spätestens^zum 1. Januar 1938 leistet. Wenn die wirtschaftliche Lage des Gläubigers eine frühere Zahlung notwendig erscheinen läßt, kann die Aufwertungsstelle auf dis zum 1. April 1926 zuftellende Anträge hin, diese Zahlung in Teilbeträgen schon vom 1. Januar 1926 ab anorbnen, die Summe der vorzeitigen Zahlungen darf jedoch innerhalb eines Jahres über 10 Proz. des Aufwer- tungsbetrages nicht hinausgehen und 1000 Goldmark nicht überschreiten. Bis zum 1. Januar 1925 ist der Aufwertungsbetrag unverzinslich, dann steigert er- sich von * Proz. bis auf 5 Proz. ab 1. Januar 1928. 3nbuftrieobligationen werden auf 15 Prozent des Goldmarkbetragcs aufgewertet. Vor dem 1. Juli 1920 erworbene Obligationen erhalten ein Genußrecht im Werte von 10 Proz. des Goldmarkbetrages der Schuldverschreibung. Für die Aufwertung von Pfandbriefen, Rentenbrirfen und Kommunalobligationen wird aus den Deckungs- werten eine Teilungsmasse gebildet, an der die berechtigten Gläubiger teilnehmen. Aehnlich ist es bei Dersicherungsansprächen und Spar- k assen gutha den, bei letzterem muß jedoch der bei der Verteilung auf die Sparguthaben entfallende Betrag mindestens die Höhe von 12 Proz. des Goldmarkbetrages erreichen. Nicht aufgewertet Aach den vom nordafrikanischen Kriegsschauplatz einlaufenden Berichten festigt sich der Eindruck immer mehr, daß die französische Front schon außerordentlich schwankend geworden ist und daß vor allem die unsichere Haltung der französischen Truppen mehr als eine Niederlage verschuldet hat. Erst dieser Tage teilte auf dem Kommunistischen Parteitag in Berlin der extra aus Paris herbeigeeilte Abgeordnete S a m- b a t mit, daß in Marokko zwei französische Regimenter zu den Kabylen uberge- gangen und zwei andere Regimenter gemeutert hätten. Diese Mitteilung ist jetzt durch den nach Marokko abgereisten General P 6 t a i n erhärtet worden, der erklärte, eS müsse vor allen Dingen bei den Truppen das Vertrauen wiederhergestellt werden. Daraus famr doch nichts anderes hervorgehen, als eine Zunahme der Meutereien unter den französischen Truppen. Ratürlich wächst die Rervosität in Paris immer mehr, es wird jetzt sogar schon die Ansicht vertreten, daß eine Einberufung mehrerer Jahrgänge zur Unterstützung der Marokkodivisionen eine Revolte derRe- s e r v i st e n herbeifuhren würde. Unter diesen Umständen wird man kaum damit rechnen können, daß Petains Mission die heillos verfahrene Sage in Marokko wiederherzustellen vermag, vielmehr wird Frankreich darauf sinnen, sich von dem voreilig begonnenen Marokkvabenteuer zurückzuziehen, ehe Marokko wie für Spanien nun auch für Frankreich eine unerträgliche Belastung wird. Marschall Petains Aufgaben in Marokko. Die Bildung eines fliegenden Korps. Kopflosigkeit in Paris. Paris, 18. 3ull (TU.) Marschall Pötain hat Toulouse im Flugzeug verlassen und wird am Dienstag in Marokko eintreffen Seine Aufgabe besteht darin, die Zusammensetzung eines besonderen Elitekorps zu überwachen, das aus den geübtesten Fußsoldaten des Mutterlandes gebildet werden soll. Dieses Korps soU in fliegenden Kolonnen gestaffelt werden, die jeden Augenblick an den gefährdetsten Punkten der Front eingesetzt werden können. Ferner ist er beauftragt, nach einer 141ägigen Inspektionsreise der Regierung einen Offensivplan zur Niederwerfung Abd el Krims zu unterbreiten. Zwei Divisionen, die marokkanische und die tunesische, werden von der Front zurückgezogen und durch frische Truppen, in erster Linie durch Alpenjäger erseht werden. Die Blätter besprechen d.e letzten Kampf- berichte mit sichtlicher Rervosität. D.e Ernennung Petains kam völlig unerwartet und findet nicht überall volle Zustimmung. „Paris Soir" weist baraur hin, daß die Anwesenheit von drei Oberkommandierenden in Marokko, nämlich Lyautheh, Pötain und Roulin, auf eine gewisse Kopflosigkeit der verantwortlichen Stellen schließen lasse. Die Blätter glauben zu wissen, daß die Abberufung Lyautheys unmittelbar beoorsteht. Der Posten werden Konto-Korrent-Forderungen und Bankgut- haben. Soweit in aller Kurze die Grundsätze für die Aufwertung privater Forderungen. Das Gesetz über die Ablösung öffentlicherAnleihen sieht eine Auswertung für Anleihen von 21 °.o vor: für Altbesitzer die die Anleihen vor dem 1. Juli 1922 erwarben, ist cm Aufwertui.gssatz von 5 Proz. vorgesehen. Eine Verzinsung der Ablösungsschuld findet nicht statt bis zum Er loschen der Reparationsverpflichtungen des Reiches, bageoen ist ein Auslosungsrecht und unter gewissen wirtschaftlichen Voraussetzungen ein Recht auf Vorzugsrcnte vorgesehen. Wie sich die Aufwertungsgesetze in der Praxis bewähren werden, ist heute noch nicht abzusehen. Mancherlei Konflikte zwischen Schuldner und ©laubiger werden auch jetzt noch zu schlichten sein und mancherlei Auslegungen und Kommentare wird es noch im einzelnen bedürfen, bevor die Aufwertungsfrage völlig bereinigtist. Indessen harren eine Reihe weiterer, nicht minder bedeutsamer innerpolitischer Aufgaben der Lösung, im Rahmen der Steuerreform, vor allen Dingen der Finanzausgleich zwischen Reich. Ländern und Gemeinden, um den bereits ein heißer Kampf der Meinungen entbrannt ifL5)ier liegt der Schwerpunkt der Verhandlungen im Reichsrat, der Vertretung der Länder. Namentlich Bayern hat dem Vorschlag der Reichsregierung, hinter dem voraussichtlich auch die Mehrheit des Reichstages stehen wird, schärfste Opposition ange- kündigt. Der bayerische Ministerpräsident Held hat in einer sehr temperamentvollen Rede vor dem Landtag die Frage der Steueroerteilung auf das all- gemeinpolitische Gebiet hinübergespielt und gegen die in dem geplanten Finanzausgleich zum Ausdruck lommende „staatspolitische Entrechtung" protestiert, die „die Länder zu Provinzen herabdrückt". Es ist dringend zu wünschen, daß in den augenblicklich in Berlin eröffneten Verhandlungen dieser gereizte Ton der Münchener Rede größter Besonnenheit und dem iestenWillen innigster Zusammenarbeit aller Be- teiliaten Platz macht. Ein neuer Konflikt „Bayern und Reich" ist wahrlich das Letzte, war wir in diesen Tagen brauchen. des Generalresidenten in Marokko wurde, wie „Paris Soir" meldet, dem Sozialisten Paul D o n c o u r t angeboten. Dieser hat indessen aus Gesundheitsrücksichten das Anerbieten ab- gelehnt. Die Lage auf dem Kriegsschauplatz. Neue schwere Angriffe der Kabylen. Paris, 17. 3ult Der „Information" wird von ihrem Sonderberichterstatter aus Fez über Lasa- blanca gemeldet, daß der Angriff der Rif- fr u p p c n nörlich von Fez und an der Front nördlich von Taza andauere. Das französische Flugzeuggeschwader habe die Umgebung von Bab 2Ru- rudtz und Ain Aich, die der Feind angegriffen habe, bombardiert. Die Truppenansammlungen in der Gegend von Terual, südlich von Uezzan, seien ebenfalls durch feindliche französische Flugzeuge zerstreut worden. Rach Meldungen aus Rabat sind mehrere vorgeschobene posten von den Franzosen aufgegeben worden. Der Feind verstärkt feine Truppen zwischen Fez und Oberleben. Dort ist das Heiligtum von Mulay Brayeta von etwa 350 Rifleuten besetzt worden. Die Lage zwischen den Stämmen Tsut und Brones wird besonders ernst geschildert. Der größte Teil dieses Bolksstammes ist abgefatlen. Rur noch einige wenige (Elemente sind Frankreich freu geblieben. Keine Friedensunterhändler an Abd el Krim. Paris, 18. Juli. (TU.) Der „Matin" erklärt sich zu der Feststellung ermächtigt, daß Frankreich und Spanien keine Unterhändler mit F r ie d e n s v o r s chl ä g en in bas Hauptquartier Abd el KrimS entsenden werden. Beide Mächte seien über ein- gekommen, Avd el Krim wissen zu lassen, er möge sich über seinen Agenten in Tanger über die Friedensbedingungen erkundigen. Die Entsendung einer Kommission komme erst nach Eröffnung vor Vorbesprechungen in Betracht. Skepsis in England. London, 17. Juli. (TU.) Die englischen Mor- genblätter sehen in der Abkommandierung desMar- challs Pötain nach Marokko einen Berne is ü r den Ernst der Lage und die Gefahren ür die Hauptstadt Fez. „Daily Erpreß" faßt die Lage wie folgt zusammen: Der Plan und bedeutsame Entschluß, einen der besten französischen Soldaten in das Kriegsgebiet zu entsenden, deutet auf die Ankunft ernster Nachrichten aus Marokko hin, wonach die Unruhen unter den loyalen marokkanischen Stämmen zugenommen hätten. Diese Stämme haben sich in der Nähe einer bedeutenden französischen Basis erhoben. Sie bilden eine wichtige Verstärkung für Abd el Krim. General Naulin, der neuerdings das Kommando in Marokko übernommen hat, nachdem neun Generale es abgelehnt haben, weilt noch in Paris. Die öffentliche Meinung in Frankreich ist schwer beunruhigt. Die deutsche Am ortnote Zustimmung dcS Auswärtigen Anssckirss?s und der Länder. Berlin, 17 3ufi. (SU.) Der Auswärtige Aus-är.i'e Ausschuß des Reichstages trat heute D„rmütcg zusammen, u.n Di: Au^vrach? über die A:ttw rtnote auf Die R ie d:r französischen Regierung vorn 16. 3uni 1925 vorzunehmen. Hierzu nahmen Reichskanzler Dr. Luther, Außenminister Dr. S t r e s e m a n n, Äichsinnen- minister Schiele. Reichsw.rtschattsminister Reuhaus u.td R.ichsjustiz Minister Frenken, sowie sämtliche Re ererten Auswär.igen Antes und die Vertret r der Länder teil. Die Aussprache wurde eingel.itet mit aus ührlichen Darlegungen des Reichskanzlers Dr. Luther und des Außenminist-rs Dr. Stresemann. Di- Aussprache ergab, daß der Auswärtige Ausschuß in sehr überwiegender M-chrhoit dein Grundgeoanken der deutschen Antwort.wte zu stimmte. 'Bei der heute nachmittag in der Reichskanzlei abgehaltenen Besprechung der Reichsregierung mit den Staats- und Ministerpräsidenten der Länder ist auf Grund der Aussprache, die sich an die Darlegungen des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers anschloh, ebenfalls die allgemeine Zustimmung zu dem Inhalt der deutschen Antwortnote zur Sicherheitsfrage festgestellt worden. x Die Räumung der Sanktionsaebiete. parls, 17. Juli, heute mittag hat die belgische Regierung mit der französischen • v Regierung beschlossen, daß die Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort ebenfalls g e- räumf werden. Dieser Beschluß bedeutet jedoch keinen endgültigen Räumungsbeschluh, da auch noch Italien und England gehört werden müssen. Denn bei der Besetzung von Düffel- dors, Duisburg und Ruhrort im Jahre 1921 hatte es sich um eine interalliierte Sanktion gehandelt, nicht aber um ein gemeinsames Borgehen von Frankreich und Belgien. Die Räumung. Die Räumilngstcrmine für die rechtsrheinischen (Bcbictc. Düsseldorf, 17. Juli. (TU.) Rach einer Mitteilung des Oberbefehlshabers der alliierten DesatzungSlruppen, General Guillaumat, an den Regierungspräsidenten in Düsseldorf haben die französische und belgische Regierung beschlossen, die seit dem 11. Januar 1923 rechtsrheinisch besetzten Gebiete zu räumen. Am 20. Juli, vor 12 Uhr mitternachts, werden geräumt sein: das gesamte belgisch besetzte Gebiet, das seil dem 11. Januar 1923 besetzt ist, das französische Gebiet, das seit dem 11. Januar 1923 beseht ist. soweit es in der Provinz Westfalen liegt; am 21. Juli vor 12Uhr mitternachts wird geräumt fein der Rest des französisch besetzten Gebietes, das nach dem 11. Januar 1923 beseht ist. In Ausführung dieser Mitteilung hat der kommandierende General des 32. Armeekorps in Düsseldorf zum Ausdruck gebracht, daß die Kontrolle der französischen Besahungsbehörde in den geräumten Teilen mit folgenden Daten i h r Ende erreicht: am 20. Juli mittags für die Gebiete der Provinz Westfalen, am 31. Juli mittags für die seit dem 11. Januar 1923 besetzten Gebiete. Aenderung des Reichsmielen- gesetzes. Berlin, 17. Juli. (TU.) Die Regierungsparteien haben im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Aenderung des Rcichsmietengesetzes ein- gebracht, der die Erhöhunader Zusatzmiete regelt. Wenn an Gebäuden oder Gebäudeteilen nach dem 1. Oktober 1925 mit Zustimmung des Mieters oder wenigstens der Hälfte der Mieter bauliche Veränderungen vorgenommen werden, die den Gebrauchswert erhöhen und nicht als Instand- setzungsarbeiten gelten, so soll der Vermieter berechtigt sein, die zur Verzinsung und Tilgung des angelegten Kapitols erforderlichen Beträge nach dem Verhältnis der Friedensmiete auf die Mieter umgulegcn , für die der Gebrauchswert der gemieteten Räume erhöht wird. Im Streitfall soll das Mieteinigungsamt entscheiden. Die Einkommensteuervorlage im Sleuerausschutz. Berlin, 17. Juli. (TU.) Im Steuerausschuß des Reichstags wurde heute ein Kompromihantrag angenommen, der die Dorfrist zur Abgabe einer Steuererklärung folgendermaßen festsetzt. Zur Abgabe einer Steuererklärung sind verpflichtet: , 1. Steuerpflichtige, deren Einkommen den Betrag von 8000 Rentenmark überstiegen hat; 2. ohne Rücksichtnahme auf die Höhe des Einkommens, Steuerpflichtige, bei denen sich der Gewinn auf Grund der Bücher ermitteln läßt; 3. ohne Rücksichtnahme auf dieHöhe des Einkommens: Steuerpflichtige, die hierzu vom Finanzamt besonders aufgefordert werden. Das englische Kre zer- bauprogramm. Krisis iin Kabinett Baldwin. London, 18. Juli. (WB. Funkspruch.) Die Abendblätter melden, innerhalb t>er Regierung sei eine akute Meinungs'>erschiel.enheit wegen des Kreuzerbauprcgramms ettstaneen. Es btftcfje .'ie Möglichkeit eines Rücktritts der ersten L r s der Aorniral.tät Bridgeman, im Falle öe Forderungen der Admiralität ab^elch.u hxt en sollten. Das Ka'nnttt hielt bereits zton Si un- gen üb:r diese Frage ab. Es sei jedoch n.ch zu keiner Entscheidung gelangt. Die Mehrheit der Regierung sei gegen die Admiralität, vor allem Churchill, der im Falle einer Stapelung von 5 Krc ; m in o.cfem Jas -e mehrere Millionen Psnrn > f ir diesen Zweck bereitstellen müsse. Rach der strninster Gazelle" sind vier Kreuzer .a3 Höchstmaß dessen, was in d.efem Jahre gebaut, werden dürfe, end zwei davon solln erst im März nächsten Jahres, also im letzten Teile des Finanzjahres auf Stapel gelegt werden. Andererseits sei der Prer ier- minister Baldwin ein naher Freund Bridgemans, der in seiner Partei groß' Volkstümllch- leit genieße, und es toc.ce sogar behaupt t. . ' ß infolge seines Rücktrittes ihm das halbe Kabinett folgen würde. Die Kri-e im englischen Bergbau. London, 17. 3i.li. (WT2.) Ang:s.chts der augenblickl.chen Krisis in der Kohlen- industr.e kam ber heute aögchalte e.i Konferenz der Gewerkschaftsvertreter besondere Deutung zu. D.e Konferenz fan) m Zusamme hange mit dem Vor ch'.ag zur D Idur.g einer „Arbeiterallianz zur gegen eillgen Unterstützung" statt, die unter den führenden Gewerkschaften, insbesondere zur Unterstützung der Bergarbeiter im augenblicklichen Streik, gob.ldet werden soU. An der Konferenz nahmen Vertreter der Bergarbeiter, der Eisenbahner, der Maschinisten und der Transportarbeiter teil. Die Allianz tofcrbe über 5 Millionen organisierte Arbeiter umfassen. Der Präsident der Bergarbeiter-Vereinigung erklärte, daß vorläufig noch keine Verhandlungen über die Lohnfrage statt- wr*e gefunden hätten und die Exekutive feine Vott- nachten zu Verhandlungen habe. Die Vertreter Jet Bergarbeiter mühten erst von einer Konferenz zu Verhandlungen ermächtigt werden. Das Arbeiterblatt „Daily H e r a l d" belichtet in großer Aufmachung, daß die englische Regierung die Absicht habe, die Flotte als Streikbrecher zu benutzen. Gestern erfuhr ein Mitglied der Arbeiterpartei von einem Befehl der Admiralität, in welchem angeblich das Personal der Flotte, das in Eisenbahnen, Clekrrizitätswerlen und dergleichen tätig war, als Streikbrecher benutzt werden sollte und Zahlungen versprochen erhielt. Die Antwort des Ersten Lorkä der Admiralität war ausweichend. Der Zweck des Befehls läge nicht in der Unterstützung privater Firmen, sondern in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Die Mächte und China. Gemeinsame Untersuchung der Vorfälle in Sstingha.. London 18. Juli. (WTB. Funkspruch.) In einer Besprechung zwischen dem britischen Außenminister Chamberlain und den Botschaftern von Ämerira, Frankreich und Japan wurde beschlossen, wegen der Schanghai-Vorfälle eine rein juristische Uiilersuchung anzustellen. Es wurde die Zusammensetzung der Untersuchungskommission behandelt. Sollte zur Beilegung der chinesischen Wirren eine F l o t t e n d e m o n fr r a t i o n in den chinesischen Gewässern nötig sein, so sollen sich alle Ver > tragsmächte gemeinsam daran beteiligen und genügend Streitkräfte landen. Die kommunistische Propaganda wie auch die Haltung deutscher und französischer Kaufleute wurde einer besonderen Kritik unterzogen. Vorläufig, so erklärte man, könne an direkte Verhandlungen mit China nicht gedacht werden, bis sich eine f e st e Regierung gebildet habe, die für Leben und Eigentum der Fremden einzutreten vermag. Der englische Botschafter in Peking hat der Regierung zwei neue Roten über die Zwischenfälle von Schanghai zugehen lassen; in der einen erklärt England, daß es scheine, als ob ein Kampf gegen dieEngländer in China organisiert werden solle. Die Fremden seien keinesfalls die Angreifer gewesen und die maßgebenden Stellen der fremden Missionen hätten alle Maßnahmen ergriffen, um Zwischenfälle zu vermeiden. Die Schießereien seien von chinesischen Manifestanten aus gegangen. Die englische Regierung versucht den Wortlaut der beiden Roten durch die chinesischen Blätter veröffentlichen zu lassen. Frankreichs Auffassung. 3n Paris wurde am Donnerstagnachmittag, wie erst jetzt bekannt wird, eine amerikanische Bote überreicht, die Anregungen deS Staatsdepartements zur Festlegung einer gemeinsamen Haltung der Mächte gegenüber China enthält. Schriftstücke des gleichen Inhalts wurden von den amerikanischen Botschaftern auch anderen in China interessierten Mächten überreicht. Dricrnd hat nach der „Chicago Tribüne'' an den französischen Gesandten in Peking Instruktionen gegeben, da Frankreich in einer besonderen Kommission, die in drei Monaten zur Erörterung von Zvllfragen zusammen- tritt, über die Wirtschaftliche Wieder- aufrichtung Chinas beraten würde. Die französische Regierung sei ferner der Ansicht, daß die Frage der Exterritoriali- t ä t von einer anderen Kommission behandelt werden könne, sie lege jedoch auf die Feststellung Gewicht, daß die Mächte nicht in der Lage seien, ihre Exterritorialität aufzugeben, bevor die chi- nesische Regierung die Ordnung im Lande Wiederhergestell t habe. Schließlich ver- • lange die französische Regierung, daß das Pekinger Kabinett eine Erklärung veröffentlicht, wo- l nach die chinesischen Märkte den auS- ländischen Kaufleuten geöffnet blei- < ben. Die Anweisung der französischen Regierung an ihren Pekinger Gesandten decke sich mit den Anweisungen der übrigen Großmächte. Sie knüpfe an die chinesische Rote vom 25. Juni an, in der die Pekinger Regierung eine Revidierung der Verträge gefordert hat. Deutscher Reichslag. Berlin, 17. Juli. Das Haus nimmt den Bericht des Untersuchungsausschusses über die Ergebnisse der Untersuchung, betreffend die ü r » fachen des deutschen militärischen Zusammenbruchs im Jahre 1918 entgegen. Abg. Dr. Phillipp (Dntl.) gibt im Auftrage des Anterfuchungßausschusses eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Der vierte Unterausschuß des Untersuchungsausschusses des Reichstages für die Schuldfrage des Ausbruches, des Verlaufes und Ausganges des Weltkrieges bekam die Ausgabe, die Vorgänge zu untersuchen, die 1918 zum Zusammenbruch geführt haben. Der Vierte Unterausschuß hat das Ergebnis seiner Tätigkeit in einem dreibändigen Buche nieder gelegt. Der Llnterccusschuß kam zu der Lleberzeugung, daß er ohne die streng wissenschaftlichen Vorarbeiten von Sachverständigen niemals zu den Feststellungen gelangt wäre. Um ein eventuelles Anklageverfahren zu ermitteln, ließ sich im Untersuchungsausschuß nicht vermeiden, daß die Schuldfrage letzten Endes die Verhandlungen beherrschte. Dabei unterschied der ilnter- suchungsauSschuh zwischen krimineller, moralischer und historischer Schuld. Einmütig stellte er fest, daß von krimineller Schuld in keinem Falle die Rede sein könnte. Wegen der moralischen und.historischen Schuld kam die Mchrheit yu dem Urteil, daß keine Feststellung getroffen fei, um zu einem Schuldurteil zu gelangen. Der Untersuchungsausschuß bittet das Hohe Haus und die Oeffentlichkeit, die Ergebnisse ferner Arbeit zu prüfen und die Stellungnahme dazu den Fachmännern und Politikern außerhalb des Reichstags zu überlassen. Das Haus schließt sich dem ätntersuchungs- ausschutzantrag an und beschließt, von dem Bericht deS Untersuchungsausschusses lediglich Kenntnis zu nehmen. Es folgte die dritte Beratung des sozialdemokratischen Gesetzentwurfs betreffend die Abänderung des Gesetzes über die ÄlnletttbeUen im gewerblichen Betriebe, die in der AuSschußfassung vor allem verbietet, Kinder unter 3 Jahren zum Filmen zu beschäftigen, sofern es sich nicht um wissenschaftliche Zwecke handelt. Frau Abg. Schröder (Soz.) begründet einen Antrag, der sich gegen die gesetzliche Regelung wendet, daß Kinder unter 3 Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken gefilmt werden können, und ein d d 111 d m m c n c ö Vervoi jii» möns dieser Kinder wünscht. Heber diesen Antrag soll namentlich abgestimmt werden. Die Abstimmung wird auf eine spätere Zeit ausgesetzt. Präsident L ö b e erklärt, daß er nicht zu- lassen könne, daß der Zustand der letzten Tage ein Dauerzustand werde, daß die namentlichen Abstimmungen auf eine bestimmte Stunde festgesetzt werden, und daß überaus wenige Abgeordnete sich an den Verhandlungen beteiligen. Annahme findet ein Kompromißantrag, der die Verwaltungsbehörden ermächtigt, _ den Kindern unter drei Jahren in Ausnahmefällen die Genehmigung zum Filmen zu erteilen, wenn umfassende Schuhvorkehrungen für das Kind getroffen sind. Vor Erteilen dieser Erlaubnis soll auch das Jugendamt gehört werden und auch eventuell die Schulaufsichtsbehörde. Die endgültigen Abstimmungen werden ausgesetzt. Dann seht das Haus die Beratung über den AenLerungsenlwurf zur Personalabbauverordnung fort. Abg. Frick lDölk.) wendet sich in scharfen Worten dagegen, daß seit der Revolution in das Beamtentum Elemente hineingekommen feien, die vielleicht ein ehrsames Handwerk erlernt hätten, aber keine Befähigung zum Beamten hätten. Gerade diese untauglichen Beamten habe _ man beim Abbau geschont. Diese Beamten müßten a b g e b a u t werden. Die Vorlage bringe immerhin Verbesserungen für die Beamten und die Völkischen würden ihr daher zustimmen. Aög. Schuldt (Dem.) lehnt die scharfen Angriffe des völkischen Redners auf das deutsche Beamtentum der Republik ab. Unter der Qlbbau- bererbnung habe man kinderreiche Familien nicht geschont, sogar die aus dem besetzten Gebiet Verdrängten entlassen. Demgegenüber treten die Demokraten dafür ein, daß die Beamten auS ihrem wohlerworbenen Rechte nicht verdrängt werden dürften. Die gegenwärtige Vorlage mxffe dahin abgeändert werden, daß diese Vorteile nicht nur den Reichsbeamten, sondern auch den Länder- und Gemeindebeamten zugute komme. Als größten Rechtsbruch in der Geschichte bezeichnet er, daß in der Vorlage ein Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Beamten insofern gemacht werde, als für weibliche Beamte Aufnahmebestimmungen bestehen bleiben sollen. Das sei eine Verletzung der Verfassung. (Beifall links!) Abg. Schmidt (Dtschn.). Zunächst müßten die abgebauten Ruhestandsbeamte untergebracht werden, die durch die Schuld der Sozialdemokraten auf die Straße geworfen worden seien. Dann könnten die Rechte der weiblichen Beamten weiter gefördert werden. (Lärm links, Beifall rechts.) Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) meint, es sei zwecklos, jetzt über die Schuld am Personalabbau zu sprechen. Zur Zeit des Inkrafttretens der Personalabbauverordnung seien die Verhältnisse stärker gewesen als der Reichstag. Von Schuld könne man erst reden wenn die Rechte der männlichen Beamten und die der weiblichen, wie dies in der Vorlage geschehen soll, nicht wiederh-ergestellt werden. Die Beamtinnen hätten alle nur geheiratet, nachdem sie sich vergewissert hätten, daß ihnen ihre Rechte erhalten bleiben. Jetzt nehme man den verheirateten Beamtinnen die verfassungsmäßigen Rechte angeblich nur auf einige Jahre, wahrscheinlich aber in infinitum. Damit schließt die Aussprache. In der namentlichen Abstimmung wird ein sozialdemokratischer Antrag, die Vorlage und ihre Verbesserungen auch den Beamten der Länder und Gemeinden zugute kommen zu lassen, mit 181 geaen 162 Stimmen abgelehnt. Ein anderer sozialdemokratischer Antrag, durch den die Abfindungssumme für die Beamten, die nach Inkrafttreten der Novelle aus» treten, etwas höher festgesetzt werden soll, wird mit 192 gegen 147 Stimmen angenommen. Mit großer Mehrheit wird ein Antrag der Kompromißparteien angenommen, der verlangt, daß unter den Wartestandsbeamten vorzugsweise verdrängte Ausland-, Kolonial-, Grenzdeutsche und ehemalige Beamten des ReichslandesElsaß-Lothrin- gen berücksichtigt werden sollen. Damit ist die zweite Lesung der Personalabbauänderungsvorlage beendet. Das Haus wendet sich dann den rückständigen Abstimungen zu dem Aenderungsentwurf der Sozialdemokraten für die Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben zu. Ein Antrag der Abg. Frau Schröder (Soz), der durch Gesetz verbieten will, daß Kinder unter drei Jahren zu Filmaufnahmen verwendet werden, wird in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 171 Stimmen abgelehnt. Es bleibt also bei der Vorlage, die für Zwecke der Wissenschaft und Kunst eine Verwendung von Kindern unter drei Jahren nicht mehr zulassen will, wenn keine umfassenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind. Das Haus stimmt der Vorlage auch in der Schlußabstimmung zu. Dann seht das Haus die erste Beratung des Gesetzentwurfes über das Recht zum Tragen einer Militäruniform fort Abg. Graf v. Eulenburg (Dntl.) wendet sich gegen die Ausführungen, die vor einiger Zeit ein sozialdemokratischer Redner zu dieser Vorlage gemacht hatte. Der Redner erklärte u. a., es sei dem sozialistischen Redner Vorbehalten geblieben, das Hohenzvllernhaus, den Reichspräsidenten und das gesamte Offizierskorps in einer Weise herabzusehen, die für das Riveau des Hauses ungewöhnlich sei. (Lärm links.) Die Deutschnationalen könnten auf diese Ausführungen nur mit grenzenloser Verachtung reagieren. (Lebhafter Beifall rechts; Zurufe links.) Auch Abg. d. Ramin (Völk.) wendet sich gegen die sozialdemokratischen Ausführungen, Wenn die Sozialdemokraten nichts dagegen hätten, daß hier ein Ausnahmerecht für Offiziere geschaffen würde, so würden die Völkischen nichts dagegen haben, wenn auch Unteroffiziere und Mannschaften das Recht erhielten, die alte Uniform wieder zu tragen. (Heiterkeit) Der Redner wendet sich dann gegen die parteiagitatorische Behandlung der Frage des Tragens der Uniform. Er bezeichnet im Laufe feiner Ausführungen die Haltung der Regierung als hündische Unterwürfigkeit gegenüber dem äußeren Feind und erklärt gegenüber der sozialdemokratischen Behauptung, die politischen Meuchelmörder Rathenaus, Erzbergers und anderer seien aus dem Offizierskorps hervvr- gegangen, daß er persönlich den politischen Mord ablehne, daß aber die Sozialdemokraten durchaus nicht immer den politischen Mord verabscheut tiauc... -. e^ziaivemorraleli hatten während der Revolution in Berlin 30 Offiziere erschossen. (Großer £ärm auf der Linken und Zurufe: 2üg- ncr! Glocke des Vizepräsdienten Dell.) Es ist dem Vizepräsidenten nicht möglich, den Lärm, der durch gegenseitige beleidigende Zurufe im ganzen Hause immer größer wird, zu durchdringen. Schließlich unterbricht der Vizepräsident unter ungeheuerem Lärm die Sitzung auf 5 Minuten. Rach Wiederaufnahme der Sitzung beantragte Abg. Rönneburg (Dem.), die Vertagung des Hauses vorzunehmen, da heute kaum die Gewähr gegeben sei, die Verhandlungen in würdiger Form fortzusehen. Rach längerer Geschäftsordnungsdebatte vertagt sich das Haus auf Dienstag. Hessischer Landtag. Darmstadt, 17. Juli. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9l/< Uhr. Das Haus tritt hierauf in d.e Beratung des Kap. 108, „M inisterium der Finanze n" ein, das ohne weitere Debatte mit 829 440 Mk. Ausgabe und 28 670 Mk. Einnahme genehmigt wird, damit sind die Ersparungsanträge Dr. Leuchtgens-Glaser abgelehnt. Kapitel 109, „Hausverwaltun g", wird bewilligt mit 117 750 Mk. Ausgabe unb 2260 Mk. Einna^ne, ebenso Kapitel 110, „Haupt- staatskasse", mit. 458370 Mk. Ausgabe und 1100 ML Einnahme Bei Kapitel 111, „Landesvermessung s wes en", fragt Abg. Fenchel (Dbd.) an, warum das Abmarkungsgeseh noch nicht veröffentlicht worden fei. Von der Regierung wird erwidert, daß dies bald geschehen werde. — Die Einnahmen dieses Kapitels mit 664 100 Mk. und 1 206 065 Mk. Ausgaben werden bewilligt. Zu Kapitel 112 „B a u w e s e n" liegt ein Antrag vor, für den Wiederaufbau der Starkenburg 30 000 Mk. bereitzustellen, Die Starkenburg soll zu einer Jugendherberge mit Pförtnerwohnung ausgebaut werden. Die Einnahme dieses Kap. 229 918 Mk. und die Ausgabe 988 759 Mk. wird genehmigt. Der Antrag über den Ausbau der Starkenburg wird der Regierung als Material überwiesen. Eine Forderung für die Lahnkanalisierung wird genehmigt. Ohne wesentliche Debatten werden angenommen die Kapitel 113 ,B rü cke n - un d U e b ersah r t e n" (149 303 Mk. Einnahme, 109 568 Mk. Ausgabe), 114 „Lan desansta lt für Wetter- und Gewässerkunde" (450 Mk. Einnahme, 27 471 Mk. Ausgabe), 115 „P r i v a t e i s en b a h - nen usw." (25 000 Mk. Einnahme, 21000 Mk. Ausgabe), 116 „Stellvertretungskosten usw." (130 500 Mk. Ausgabe), 117 „P o st g e b ü h r e n" (161 400 Mk. Ausgabe), 118 ..Ausleihungen und Staatsschuld" (626 068 Mk. Einnahme, 341338 Mk. Ausgabe). Hieerauf wird in die Beratung des Dermogensteils eingetreten. Es werden Kapitel 119 „ F o r stund Kameralgüter" (229 800 Mk. Ausgabe), 120 .Siedlungswesen" (832000 Mk. Ausgabe) bewilligt. Ferner werden angenommen : Kapitel 124 „Badeanstalt Bad Salzhausen" (103120 Mk. Ausgabe), 125 „Qln- und Verkauf von Staatsgütern" (1000 Mark Einnahme, 91000 Mk. Ausgabe), 126 „Reste auS früheren Jahren usw. (20 000 000 Mark Einnahme und Ausgabe), 127 „Rachträge" (1840 000 M. Ausgabe), 129 „Hochbauwesen" (1072 250 Mk. Ausgabe), 133 „Hochbauwesen" (1688 350 Mk. Ausgabe), 142 „Hochbauwesen" (367 600 Mk. Ausgabe), 145 „Brücken- und Lieberfährten" (50 000 Mk. Ausgabe), 146 „Bauwesen" (1808 600 Mk. Ausgabe), 148 „Ausleihungen und Staatsschulde n". Der Ausschuß beantragt hierzu: Genehmigung der Einnahme mit 8 824 700 Mk. und der Ausgabe mit 749 330 Mk., vorbehältlich der Aende- rungen infolge der Beschlüsse des Landtags. Die Beratungen wenden sich jetzt Kapitel 18 „Land tag" zu. Hierzu liegt' ein Antrag vor, Dom 1. April 1925 ab die Tagegelder und Uebernachtungskosten der Landtagsabgeordneten wie folgt festzusehen: a) für Abgeordnete in Darmstadt eine Tagegeld von 12 Mk., b) für auswärtige Abgeordnete ein Tagegeld von 18 Mk. und für jede notwendig werdende Hebernachtung eine Gebühr von 10 Mk. Den Anträgen wird zugestimmt, und für die Tagegelder werden 218 809 Mk. bewilligt. Kapitel 24 „Staatsarchiv" (37599 Mk. Ausgabe) wird genehmigt, ebenso Kapitel 52 „K un st st r a tz e n ve r w a l 1 un g" (1 255 237 Mark Ausgabe). Zu Kapitel 9 „Anteil an Reichssteuern usw." liegt noch eine sozialdemokratische Entschließung vor, die sich gegen die Erhöhung der Tabaksteuer und der Diersteuer des Reiches richtet. Abg. Kiel begründet mündlich diesen Antrag, der angenommen wird. Hierauf werden einige kleinere Regierungsvorlagen angenommen. Darunter ist eine, worin die Regierung ermächtigt wird, in den Gemeinden, in denen der Staat die Polizei stellt, einen K ost e nbeitrag für jede Polizei- steile zu erheben. Abg. Dr. Werner (Dntl.) erklärt, seine Partei lehne die Vorlage ab, da für die Ausgabe keine Deckung vorhanden sei. Abg. Dr. Riepoth (D. Vp.) spricht im Hamen der Deutschen Volkspartei ebenfalls die Ablehnung aus, weil mit dieser einseitigen Belastung der Gemeinden ihnen nicht auch eine besondere Berechtigung gegeben wird, die Summe dafür aufzubringen. Die Vorlage wird in beiden Lesungen gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Ein Antrag des Abg. Glaser (Bbd.) will eine anderweitige Festsetzung der steuerlichen Bewertung des Privatwaldes. In einer anderen Fassung wird dem Antrag zugestimmt, wonach die Regierung ermächtigt wird, in besonderen Fällen eine Ermäßigung der Steuer eintreten zu lassen. Ein Antrag Ritzel (Soz.), eine gleichmäßige Bewertung deS Privatwaldes herbeizuführen, wird der Regierung als Material überwiesen. Zu Kapitel 7, „La ndes t h ea t e r", erstattet Abg. Heinstadt (Ztr.) Bericht über den nunmehr vorliegenden abgeänderten Antrag Scholz (D. Dp.) zur Prüfung der wirtschaftlichen Theaterverhältnisse. Mit dieser Prüfung soll der besonders gebildete Theater aus schuß betraut und dem Sinne nach dem Antrag der Deutschen Volkspartei Rechnung getragen werden. Zu dem Kapitel liegen 7 Anträge vor, von denen der wichtigste lautet: Die Einnahme (unten Einschluß des Zuschußanteils der Stadt Darmstadt mit 291 000 Mk.) mit 1351 000 Mk. die Ausgabe mit 1 789 000 Mk. zu bewillige-v. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen deS Bauernbundes und des Abgeordneten Weckler (Ztr.) angenommen. Auch die weiteren Anträge, werden in .Hebereinftinrmung mit den AuS- schutzanträgen angenommen, darunter ist auch der Antrag Scholz in der abgeänderten Fassung. Zu Kapitel 88 „Erwerbslosenfürsorge usw.", liegen noch verschiedene Anträge sozialpolitischer Ratur vor, too^u mehrere Redner fprechen. Gegen 2 Hhr werden die Beratungen abgebrochen. Rächste Sitzung Samstag 9 Llhr. Die Grotzdeutsche Tagung in Darmstadt. Darmstadt, 17. Juli. (WB.) Der dritte Tag führte die Teilnehmer nachmittags zum Olbrich- tempel auf der Mathildenhöhe, wo die Groß- deutsche Kunstausstellung besichtigt wurde. Professor Getrost begrüßte die Tellneh- mer und führte sie bann durch die Ausstellung. Im Namen der Gäste sprach zum Schluß der Senator Hardl (Reichenberg) den herzlichsten Dank aus. Am Abend sprach als erster Redner"'Senator Dr. Unger aus Danzig, der Vorsitzende der Deutsch- Danziger Dolkspartei, über das Thema „D e r Kampf um die Ost mar k". Zweiter Referent war Senator H a r b l, der zunächst die brüderlichen Grüße der bottigen Deutschen Nationalpartei über- brachte, beren Stellung zum tschechoslowakischen Staate sich zwangsläufig aus bem Vorgehen der Prager Gesetzgebung und Verwaltung gegen das Sudetenbeutschtum ergeben habe. Der Rebner betonte weiter, baß bie Subetenbeutschen in unverbrüchlicher Treue festhalten werben an ber unlösbaren völkischen unb kulturellen Zusammengehörigkeit mit bem großen deutschen Mutterlands. — Morgen wird die Tagung durch einen Ausflug an den Rhein unterbrochen. Kleine politische Nachrichten, Wie das „B. T." aus Madrid meldet, ist am Freitag bie Kündigung bes deutsch-spanischen Handelsvertrages durch den deutschen Botschafter zum 16. Oktober d. Js. ausgesprochen worden. Das italienische Unterrichtsministerium gibt bekannt, daß die deutschen Bücherfen- düngen auf Reparationskosten, die im letzten Jahre durch das Inkrafttreten des Dawes- planes unterbrochen worden waren, jetzt wieder aufgenommen werden sollen. Man erwartet in der nächsten Zeit 138 Bücherkisten, die auf die Universitäten und Bibliotheken verteilt werden sollen. Das Gebäude der deutschen Schule i n R o rn in der Via sichelst ist von der italienischen Regierung zurückgegeben worden. Das Dekret ist dem deutschen Botschafter ausgefolgt worden. Die Rückgabe des deutschen Künstlerheims Villa Romana m Florenz steht bevor. * Das britische Unterhaus hat bas sogenannte Sommerzeitgesetz angenommen. Durch bieses Gesetz wirb bie Gepflogenheit ber letzten Jahre zu einer ftänbigen Einrichtung gemacht. Die Sommer- rechnung soll vom britten Sonntag im April bis zum ersten Sonntag im Oktober gelten. Aus aller Welt. Amerikanische Lnstsahrtkreise zum Nordpolslug-Projekt Eckeners. Reuyork, 17. Juli. (Kabeldienst der TU.) Aus Kreisen der Lustfahrtstation Lakehurst wurden dem Vertreter der „Telegraphen-Union" „Wünsche für das Gelingen des Rordpol-FlugeS Eckeners übermittelt. Die gleichen Kreise er- klärten, daß sie zwar lieber sehen würden, wenn die beiden amerikanischen Luftschiffe den Flug machen würden. Die Entscheidung über den Rordpolflug durch die Amerika- Zeppeline sei jedoch noch nicht endgültig gefallen. Das ändere aber nichts daran, daß die amerikanischen Luft-Offiziere Eckener alles Gute wünschten. Sie würden für Erreichung jeglicher amerikanischer Hilfsaktion zum Rordpol« Flug Eckeners warm eintreten, falls sich hierfür die Rotwendigkeit ergebe. Englands Einladung an die deutschen Flieger. Berlin, 18. Juli. (TU.) Die schon vor einiger Zeit angekünbigte unb nunmehr tatsächlich beim Aeroklub eingelaufene Einlabung Englands an bie beutschen Flieger zur Teilnahme an einem Anfang August beginnenben englischen Flugzug - wettbewerb beschäftigt zur Zeit bie maßgeben- ben Stellen ber beutschen Flugkreise unb Flugzeug- inbustrie. Ohne baß im Augenblick sich Enbgültiges über bie Beantwortung biefer Einlabung sagen ließe, muß jeboch zunächst festgestellt werben, baß es schon aus technischen Grünben sehr s ch w i e» r i g sein wirb, ber englischen Einlabung Folge zu leisten. Eine Rordpolexpedition. Aus Spitzbergen wird gemeldet, daß daS Motorschiff „Island" mit der Algarsfon» Expedition an Bord gestern in Green Harbour angekommen ist. Algarsson beabsichttgt, so weit wie möglich nach Rorden und Osten vorzu- dringen. Die Expedition soll auf Schlitten unternommen werden. Man rechnet damit, in fünf Wochen zurück zu fein. Raubüberfatt. In der Rähe des Bahnhofs Staaken bei Spandau wurde gestern nachmittag einem 15jährigen Boten einer Eisengroßhandlung, der 500 Mark rinkassierte Gelder in einem Briefumschlag bei sich hatte, von einem unbekannten Manne Pfeffer in die Augen gestreut unb das Geld geraubt. Der Täter ist mit dem Gelde entkommen. Großfeuer. In der Korkmühle der Delmenhorster Linoleumfabrik brach Großfeuer aus. Die Korkmühle wurde vollkommen zerstört: es ist gelungen, den Brand einzudämmen. Fünf, Arbeiter wurden zum Teil schwer verletzt. An dem Auskommen eines Arbeiters wirb gezweifelt. . MS <0Ct » - »ä* «tz'lÄ A--7Ä “'s» * r Lffobe Mra> 3ur « IMutsor gestern n*1 auf new Selker M Mich. 14- wst, ich biw Merbüeben seiner des SntsW öffentliche 2t hinaus herm sich der Cßen den verschie geistigen uni Es sprachen Anteilnahme namens de der hessischer Eiehen Obe dns ber lai genen als Beigevrdnel hessische 2 Henrich. Stadt ilni Ebel, für heimerat Pi QltmenDereii Vertreter i>c und föltefilid AMste-Tictc W als jur W Anshror! begleitet. dem Arretoi Auhetzatt. Zs kost, das Pfund: Mrfmg 30, Men 50, 2 W15, Ich Senaten 60, löffeln (neue) obst 40, Sir1 Etachelbceren 120, Pflaume kosen 1Q0, D I kratisi alleze: anfed kratisi höchs .Reich, höchs E und < IBU Ä-Ar b0t uiW" 'die «Ä? !! Steren = ^runter ,» ^nöertg J®$ Dßt&jr . ®4|uno *** '*«äg* --r,-. &?«"«« fc 5.5 .«* V'lung ’ ?;«6. Ä*bi»* °7LL Aw% ? Ätürft «ÄTiffib" *»■ g*.fea* 6ur4 «nen Aiusluz °n ^«»richten. «ud meldet, ist m 1 des beut|d).|pQl "S" durch den deut, ktober d. 5s. aurgespro. mchtsmmiftermm gibt chen Düchersen. jonäfoflen, die im Tafttreten -es Doves- •n waren, jetzt wie« -rden sollen. Mm er- ■ 138 DllchMim, dir 1 Diblivthckm vniriit : deutschen Schul« M ist von der i taste- Id gegeben Vörden, chrn Botschafter auSge- be des deutschen Äünft- m Florenz steht bevor. f)at bas sogenann- genommen. Durch bt(t$ it der letzten Jahre Ki aemachi. Die Sommer- Sonntag im April bi» lobet gelten. r Welt. tfahrtkreise zum jekt Eckeners. (Kabelöienst -er TL.) ftatioir Lalehurst teure Telegraphen-Lmvn n"des Äordpol.FlugcS . Zeichen -reise er- >r sehen würden, wenn lanischen Lus - ; würden. Dte Slslch« ug durch die Amerika nicht endgültig gefallen, daran, dah dir amen- jener alles Gute wünsch' Sung jeg-iche-amn- ^MdieDtweM- ladang an die Flieger. ,i i Die schon vor einiger ''K,S »‘"uiTiT-S jrxÄ *- <• dch w iri> $?eau«rll»n‘ mit der $ n Aare . gest-rn w»^, so llgarllon wrju* ^rden und O^ ttten ■ Sk S* " Van rechn" sein- $@35 SW fit Täter : ttSMifas eine® Aus Stadt und Land. Gießen, den 18. Juli 1925. Der Vevölkerungsstand in Gießen am 16. Juni 1925. DieZahl der Getriebe und Wohnftatt-n Die Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. 3unt in der StadtGießen hatte folgendes Ergebnis: Ortsanwesende Personen mannitep 15819, weivlich 17 706, zusammen 33 525. Die'e verteilen sich wie folgt auf die Religionsbekenntnisse: 28 275 Evangelisch, 3425 Äa- Iholl'che, 1022 3s ae i en, 703 Conftre, Re.rgwns- lofe uf ahl der Haushaltungen betrug 7251. Die Religionsl e er.ntnZ e und Gewerbebetriebe sind damals nicht ermittelt worden. Zrauerfeier für Iustizrat Dr. h. c. Grünewald. Zur Beisetzung der sterblichen Hülle des Iustizrats Dr. h. c. Grünewald hatte sich gestern nachmittag eine zahlreiche Trauergemeinde auf dem neuen Friedhof versammelt. Pfarrer Decker hatte seiner Gedächtnisrede das Wort Watth. 14, Bers 27 zugrunde gelegt: „Seid getrost, ich bind, fürchtet euch nicht", das er den Hinterbliebenen als Trost des Herrn gab. 3n seiner Ansprache zeichnete er das Lebensbild deS Entschlafenen, hob feine Bedeutung für das öffentliche Leben unserer Stadt und weit darüber hinaus hervor und gedachte der Berdienste, die sich der Verewigte in pflichteifriger Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten seines politischen, geistigen und wirtschaftlichen Wirkens erworben. Es sprachen dann weiter Worte der herzlichen Anteilnahme Rechtsanwalt Mendelssohn namens deS hessischen Anwaltvereins und der hessischen Anwaltskammer, namens der Stadt Gießen Oberbürgermeister Keller, der besonders der langjährigen Tätigkeit des Heimgegangenen als Stadtverordneter und unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Gießen gedachte, für die hessische Demokratische Partei Finanzminister Henrich, für die Demokratische Partei unserer Stadt UniversitätSbibliotheksdirektor Prof. Dr. Ebel, für die Gießener Hvchfchulgefellfchast Ge- heimerat Prof. Dr. Behaghel, für den Kathol. Armenverein Rechtsanwalt Peters, ferner ein Bertreter des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und schließlich ein Vertreter der Selterssprudel- Auguste-Vietoria-G. m.h.H., der der Derstor- bene als juristischer Berater nahestand. Sämtliche Ansprachen waren von Kranzniederlegungen begleitet. Ein sehr großes Trauergefolge gab dem Verewigten das Geleit zu feiner letzten Ruhestatt. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: das Pfund: Butter 210, Matte 40, Käse 60, Wirsing 30, Weißkraut 35. Rotkraut 50, Gelbe Rüben 50, Rote Rüben 15, Spinat 40, Römischkohl 15, Dohnen 45. Erbsen 30, Mischgemüse 15, Tomaten 60, Zwiebeln 20, Rhabarber 20, Kartoffeln (neue) 8 Frühäpfel 60, Dirnen 70, Dörrobst 40, Kirschen 75, Heidelbeeren 40 bis 50, Stachelbeeren 35, Johannisbeeren 35, Erdbeeren 120, Pslaumen 80, Mirabellen 70 bis 80, Aprikosen 100, Pfirsiche 120, Honig 40, Junge Hahnen 110, Suppenhühner 120; das Stück: Lier 14. "Blumenkohl 30 biS 150, Salat 10 bis 15. Salat- gurten 10 bis 50. Einmachgurken 3 bis 5. Ober- Kohlrabi 10 bis 25, Rettich 20 bis 30: Radieschen (Bd.) 15 Pfennig Vor.....;en. — Tageskalender für Samstag. ..Baugenossenschaft 1894“: 81/, Llhr „Katholik es Dereinshaus", Hauptversammlung. — Gesangverein ..Heiterkeit": 8* \ Ubr Vereinslokal, Generalversammlung. — Artillerieverein 81 ? tthr Dereinslokal, Versammlung. — Zirkus Cotty- Althoff: 8 llhr Eröffnungsvorstellung. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .^Kammermusik". — Tageskalender für Sonntag. Reit- und Fahrklub Gießen: 2 Uhr nachm. auf Bichlers Hardt, Reit-, Fahr- und Svringwett- bewerb. — Evangelischer Bund: 2'7- Uhr nachm. auf dem Schif enberg, Watdfest und Freilichtspiel. — Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter: 3 llhr nachm. „Saalbau Sauer", Versammlung mit Vortrag. — Zirkus Eorty-Althoff 3 Uhr nachm und 8 Uhr abends Vorstellungen. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Kammermusik'. — Der Ob ft- und Gartenbauverein lädt seine Mitglieder mit Damen zur Besichtigung der Rosenselder Steinfurths ein. Wer einmal Gelegenheit hatte, die Farbenpracht der Königin unserer Blumenwelt in solcher Fülle im mannigfachen Spiel zu bewundern, wird einen tiefen Eindruck für lange Zeit mitgenommen haben. Man beachte die heutige Anzeige. Wettervoraussage. Zunächst weiter vorwiegend heiter und warm, allmählich bei stärkerer Bewölkung Gewitter- und Regengesahr. Dec Darometerfall auf dem Kontinent schreitet fort, während das Druckgefälle auch heute noch sehr gering ist. Die Aussicht auf Gewitterstörungen, die gestern schon über unseren Bezirk in östlicher Richtung vorüberzogen — meist ohne Regenbildung — besteht fort. Das isländische Tief ist unter beträchtlicher Verstärkung mit seinem Kern nach Irland gewandert, damit verstärkt sich die Aussicht auf einen W.tterungs- uiAschwung. Morgen haben wir jedoch noch hauptsächlich mit Vorderseitenwetter zu rechnen. xJ ' Eine öffentliche Stadtverordnete n-Sitzung wird am kommenden Montag nachmittag, 4 Uhr beginnend, im Stadtverord- neten-SihungSsaale stattfinden. Zu Beginn der Sitzung wird der neue Beigeordnete Dr. Hamm, der Rachfolger von Dürgermeister Krenzien, in sein Amt eingeführt und verpflichtet. U. a. soll dann über folgende Borlagen entschieden werden: Umbau der Zehntscheuer zu einem Polizeiamt. Reubefestigung der Rodheimer Straße von der Eifenbahnüberführung Westanlage bis zur Krofdorfer Straße, Verbot des Radfahrverkehrs auf dem Seltersweg und der Mäusburg, Instandsetzung des Ehrenfriedhofs, Beschaffung einer Dade- toafferaufbeveitungSanlage für das Schwimmbad des Dolksbades, Fahrpreise der Straßenbahn während des Kreisturn- und des 116er-Festes, Erbauung eines Kulissenhauses für das Stadttheater, Beschaffung von 90 Fahnen in Landesund Reichsfarben. • * Universitätsgottesdienst. Am morgigen Sonntag, 19. 3ult, findet der 3. Uni- verfilätsgottesdienst dieses Semesters statt, zu dem jedermann eingeladen ist. Räheres siehe kirchliche Anzeigen. * • Der Herb st markt in Gießen findet in der Zeit vom 27. September bis 4. Oktober statt. * * Rundflüge über Gießen und Umgebung sollen am morgigen Sonntagnachmittag von 3 Uhr ab vorgenommen werden. Räheres in der heutigen Anzeige. “ Oberhessischer Kun st verein. Don morgen, 19. 3uü, bis 9. August ist im Turmhaus am Drandplah eine Ausstellung von Gemälden und Graphiken von 3ulius Vogel, Wilhelm L e f e b r e und Fritz Grude zu sehen. Räheres im heutigen Anzeigenteil. Waldfest des Evang. Bundes. Man schreibt uns: Richt um Feste zu feiern, sondern um die Gedanken an Glaube und Heimat zu vertiefen und zu verbreiten, veranstaltet der Evang. Bund, eine über */> Million Mitglieder in Deutscküand zählende unpolitische Vereinigung, seine Daldseße. Waldfeicrn würde man sie bester nennen. Gutes Wetter vorausgesetzt, wird die Feier am morgigen Sonntag nachmittag auf dem Schis sende rg Taufende versammeln. Herr 21) n d e r hat bic Zahl der Sitzplätze bedeutend Vermehrt, die Bühne ist vor der Kapelle fo ausgestellt, daß sie überall gut sichtbar ist. Die Schauspieler unter ihrem Leiter, Herrn D e ch fl e i n vom Stabt- theater in Brandenburg, sind schon an anderen Orten durch ihr gutes Spiel aujgesallen und werden auch auf dem Schifsenberg ihr Bestes geben. Außer dem Schauspiel „Glaube und Heimat" stehen gesangliche und musikalische Darbietungen bevor. Es wirken mit: Pofauncnchor Ober-Mockstadt. Kapelle Wetzlar. Kirchenchor Watzenborn und Wieseck ferner alle Gesangvereine von Watzenborn-Steinberg. Voraussichtlich wird sich sogar ein Schwälmer Zweigverein des 6ngi. Bundes in seiner schönen Tracht beteiligen. A/>2 Uhr beginnt der Festzug in Watzenborn. •• Kreisturn fest — (Zugend-Wettturnen. Vom 2. biS 24. (Zull finden für alle Schüler und Sch llerinnen UebungSstunden statt. Räheres in der heutigen Anzeige. •• Sine Flugzeug-Rotlandung erfolgte gestern nachmittag in der Rühr von Hos- Güll bei Lich. Es Ijanbelt sich dabei um ein Dornier- Flugzeug des Acro-Llohd, das von Hamburg tarn. Die Landung vollzog sich erfreulicherweise ohne Unfall, bei Grund des unfreiwilligen Aufenthalts war b^her nicht zu erfahren. Der Weiterflug war für heule vormittag vorgesehen. •• Festnahme eines Wohnungsetn- brechers. Der Polizeibericht meldet: 'Am Don- nerstagvormillag gegen 94 Uhr wurde m einem Haufe der Kaistrallee ein Wohnungseinbruch aus- gesühtt, wobei der Töter von der Wohnunycin- haberin, als diese aus der Stadt zurückkam, über- rafcht wurde. Der Mann ging flüchtig, wurde aber verfolgt und feftgenommen. Als Täter kommt der bereits vorbestrafte Händler Fritz Henning aus Marburg in Frage. Er führte einen roeifeleinenen Deckbezug mit Monogramm C. P., den er angeblich in Gießen in einem Haust der Südanlage oder Ostanlage gestohlen haben will, mit sich. Der Eigentümer wolle sich bei der Kriminalpolizei, Zimmer 1, melden. Aus dem Gießener Standesamts- r e g i fte r. Es verstorben in der Zeit vom 1. bis 15. Juli: 1. Juli: Jakob Frosch, Friseur, 44 I. alt, Reustadt 19. 2. Juli: Karl Hansel, Schlosser, 18 I. alt, Frankfutter Straße 149. 3. Juli: Johannes Karl Wagner, Taglöhner, 77 I, alt, Löwengasse 30; Wilhelm Hans Luh, 11 Man. alt, Teufelsliistgätt- chen 22. 5. Juli: Margarete Funk, geb. Petri,Witwe, 83 I. alt, Licher Straße 74. 6. Juli: Wilhelmine Appel geb. Bruchhäuser, Witwe, 68 I. alt, Bahnhofstraße 66. 7 Juli. Elise Albrecht geb. Mösinger, 58 I. alt, Klinikstraße 32 E; Marie Katharine Karasch geb. Becker, 60 I. alt, Bahnhofstraße 56; Karl Boguniewski, Oberbahnhofsoorsteher i. R., 68 I. alt, Ludwigstraße 64. 12. Juli: Katharine Volz, geb. Hoernodel, Witwe, 79 I. alt, Licher Straße 74. 13. Juli: Rechn Kann geb. Isaak, Witwe, 65 I. alt, Kirchenplatz 8. 14. Juli: Iustizrat Dr. Wilhelm Grünewald, Rechtsanwalt und Notar, 66 I. alt, Liebigstraße 21. Vom Rundfunk. Rachdem der Rund- funkempsang zum 1. September freigegeben ist. soll nunmehr der „B. Z." zufolge den Amateuren auch die Sendeerlaubnis erteilt werden. Die Regelung dürfte in der Weise erfolgen, daß der Wellenbereich unter 120 Meter den Amateuren zur Verfügung gestellt wird. Die Energie dieser Klemsender darf nicht mehr als 500 Watt betragen. A::s dem Amtöverttinr MNgsblatt. * Das Amtsoerkündigungsblatt Nr. 57 vom 17. Juli enthält: Nachtrag zu den Friedhofsordnungen mit entsprechenden Polizeioer- Ordnungen der Gemeinden Bellersheim, Eberstadt, Oberhürgern. — Kreisumlagen für das Rj. 1925.— Maul- und Klauenseuche in Nieder-Bessingen. — Kriegergräberfürsorge. — Unfälle auf Bahnübergängen. — Straßensperren in Lang-Göns und Grünberg—Beltershain. — Einbauen einer Tur- bine in Treis a.d. Lda. — Feier des Dersassungs- tage« 1925. — Dienstnachrichten. Kunst und Wissenschaft. Eine landwirtschaftliche Sttrdienreise nach Hkandinavicn. Anfang 3uli veranstaltete die Landwitt- schaftskammcr BreSlau eine Stub.enreise durch Schweden. Rorwegen und Dänemark, an der sich u. a. zwei frühere Gießener Landwirte. Dr. M ö l l e r - A r ivo 1 b und Dr. H Behlen, beide feil einiger Zeit in Schienen tätia. beteiligten. ES wurden besucht die landwittfchastllch bedeutendste Provinz Schonen, berborrdgenbe Tierzucht- und Ackerbaubttriebe, die Saatzuchtanstalten S v a l ö f und WeibullSbolm; die Moorkulturen in Jönköping und die Zen- tralaBtalten in Stockholm. Aus dem Rückwege wurden besucht die lan^w.ttschafllichen Versuchsfelder und die Hochschulen in AnS bei OSlo und in Kopenhagen. Ein Kongreß für Erfinderwesen. Wie die Gesellschaft zur Errichtung eines deutschen Erfinder-3nstiiuts mitteilt, findet vom 2. bis 5. August 1925 in Nürnberg der 2. Deutsche Kongreß für criinbcrtw’en unter Leitung von Geheimrat Professor Dr. Sommer- Gießen statt. GeschästSsübrer .ft Herr Kar'. Seih- Olürnberg, Adam st raße 67, der auf Wunsch da» ProgrMnm sendet. Das Institut für Konjunkturforschung ist mit der Eröffnungssitzung seines Kuratoriums formell inS Leben getreten. DaS Institut steht in organisatorllcher Anlehnung an das Statistische Retchsantt unter persönlicher Leitung seines Präsidenten Professors W a g e - mann. Das Arbeitsgebiet des 3nstituts erstreckt sich sowohl auf die allgemeine Konjunkturbeobachtung, d. h Sammlung und laufende Veröffentlichung der wichtigsten Zahlen und des Tatsachenmaterials der Wirtschaftsbewegung deL 3n- und Auslandes, als auch auf die Untersuchung der Gesetzmäßigteiten des ökonomischen Kreislaufes und Feststellung der sachlichen. zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge der wittschaftlichen Tellerscheinungen. Lpiclplan der ^-ranksn. er Theater. Opernhaus. Sonntag, 19. Juli: Auf Befehl der Kaiserin. Montag, 20. Juli: Die große Unbekannte. — Schauspielhaus: Sonntag, 19. Juli: Alt-Frankfurt. Montag, 20. Juli: Alt- Frankfurt. Donnerstag, 23. Juli: Auf Befehl der Kaifettn. Haarwäsche. Das neulich an dieser Cteile angegebene Mittel Lavaren-Salz zum Waschen der Haare ist zweifelsohne vorzüglich. 3ch möchte jedoch bemerken, daß die angegebene Menge für 30 Pfennig, die ich kaufte, nur bei sehr starkem Haar nötig ist. Damen mit schwachem Haarwuchs und vor allen Dingen Herren können unmöglich soviel auf einmal verbrauchen! Cs genügt für diese die HolsteI Die andere Halste kann man in einem Fläschchen gelöst viele Wochen aufbewahren, cs wäscht dann noch immer die Haare wundervoll wie kein anderes Mittel. Die Haare werden tätsächlich seidenglänzend und sehen dreimal so voll aus wie sonst. Hedwig S. Probedose und illustrierte Broschüre über Säuglingspflege kostenlos und unverbindlich durch „Lindau-Gesellsch. m b. Ü.,BerlinW 57,Bü!ow8tr. 56. Nachruf. Am 14. Juli starb unerwartet unser Vorstandsmitglied Herr Justizrat Dr. h. c. Wilhelm Grünewald In dem Entschlafenen verliert die Deutsche Demokratische Partei einen in Jahrzehnten bewährten Führer, allezeit aufrecht und mannhaft, stets opferbereit und unanfechtbar, allen ein Vorbild im zähen Durchsetzen demokratischer und republikanischer Ideale. Er versah die höchsten Ehrenämter der Partei als Abgeordneter in Reich, Land, Provinz, Kreis und Stadt unermüdlich, mit höchstem Geschick und größter Sachkunde. Dem Führer und Freund werden wir die Treue halten und ein ehrendes Gedenken bewahren. 6933c im Namen der Deutschen Demokratischen Partei W. Loos, 1. Vorsitzender. Gesucht für sofort oder später Chauffeur (Es kommen nur unverheiratete Chauffeure in Frage, die die eigene elektrische Lichtleitung irt Ordnung hatten und Reparaturen an der Lichtleitung ausführen können. ' 6909D Barop CurlRiedesel, StOGkhaaxen (Kr. Lauterb.) Drucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brühi'Bcbe Univ.-Druckerei. R. Lange. (Dauerstellung) möglichst nicht unter 25 Jahren, die im Bedarfsfalls die Küchenoorsteherin vettreten muß, gegen hohen Lohn für sofort gesucht. Nähere Auskunft über Lohn, Arbeitszeit usw. wird auf Anforderung bereitwilltgst erteilt. Kräftige und gesunde Bewerberinnen, die im Kochen durchaus bewandert sind, wollen lückenlosen Lebenslauf und Zeugnis- abschriften mit Lichtbild und Rückpotto bis spätestens 31. Juli 1925 senden an Landes-Hell- und Pflege-Anstalt Herborn (Dillkrets). 6943D Heute morgen entschlief plötzlich und unerwartet infolge eines Schlaganfalles unser innigstgeliebter Gatte und Vater Herr Heinrich Uhl Heizer in den Univerelt&ts-Kilniken. Um stille Teilnahme bittet in ihrem herben Schmerz die tieftrauernde Witwe Käthchen Uhl geb. Schmidt mit ihren drei Kindern. Gießen, den 17. Juli 1925. 7018D Die Beerdigung findet Montag nachmittag 2'/jUhr auf dem Neuen Friedhof statt und worte man nach dem Wunsche des Entschlafenen von Blumenspenden Abstand nehmen Magdeburger Feuer - Versicberungs - ßesellsGhalt Zufolge anderweiter Inanspruchnahme des bisherigen Inhabers beabsichtigen wir unsere dortige Haupt- Agentur mit wesentlichem Bestand baldigst anderweit zu besetzen und bitten Reflektanten um freund!. Angebote binnen 8 Tagen. 6969D ßmrMgklltor Frankfurt am Main Irr Magdeburger ^cuerversicheruugs- ReHe Mainzer Straße Nr. 22 II. Suche Stellung als s Vsrmistungsn j Wo Btonöl Neuen Baue 22 Sonnige möbi.öininiei Gnteivervstcauna. Tel. 1085. w,D L Zimmer au ver nieten [060Ö6 Babnboittr. 22 II. uiööl ZillMl zu vermieten (cm* Krofdorfer Slr. 22 in. Jlübl. Zimmer ab L August zu vermieten 06061 (tzoautbstr. 12II- r Laden Chauffeur auf Personen- oder Lieferwagen. 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Je klarer wir uns hierüber sind, je besser wir uns selbst und unsere Umgebung verstehen, um so bewußter werden wir das richtige Reiseziel für uns und die Unfern suchen. Freilich machen sich die allerwenigsten klar, daß Lben in d esem Gegensatz zum täglichen gewohnten Leben die beste Erholung und Anregung und der feinste Reiz des Reisens liegt. Und doch sollte diese Erkenntnis die Grundlage aller Reisenläne sein, von der aus dann weiter mit allem Ucbrigen gerechnet werden muh. Auf dieser Grundlage läßt sich aber auch schon mit bescheidenen Summen planen und rechnen. Denn was wir heutzutage alle mehr oder weniger für unsere Ferien brauchen, ist ein ruhiges Leben in einfachen Formen und Verhältnissen, in und mit der Ratur — als Gegengewicht zu den unruhigen Lebensbedingungen, die uns daheim in Arbeit und Familie umgeben. Wir brauchen es auch gar nicht .besser" als zu Hause zu haben — nur anders. Von diesem Standpunkte aus haben es die reichen Leute recht schlecht und langweilig auf Reisen. Sie schleppen ihre eleganten Lebensgewohnheiten. ihre Ansprüche wie ihre zahl- losen Koffer mit sich, wohin sie auch kommen, und finden immer dasselbe an Eleganz und Luxus und immer wieder nur ihresgleichen zur Gesellschaft. so dah ihren Reisen von vorne herem die beste Würze fehlt. ____________________________ Dormärisfommt und dah man zugleich aus dem Gebiete das Dort beherzigt, mit dem einer der am weitesten blickenden englischen Finanzsührer. ötomp, in Brüssel die ganze Lage zusammen- gefaßt hat :Enlweder wollen mir Reparationen oder Handelsaustausch. Reparationspolitik (und dazu sei gefügt: Interalliierte Schuldens und Handclsver- träge schliehen einander aus. In diesem Dort liegt sehr viel. In diesem Dort kann der Wegweiser für eine Ordnung der wirtschastlichen Verhältnisse ®e* samteuropas sein, von der wir leider heute noch sehr, sehr weit entfernt sind. gangs! Der Rhein, der vielbesungene, sagenumwobene Rhein, in dessen grünen Wellen sich stolze Burgen spiegeln, an dessen Ufern saftige Trauben schwellen, der ehrwürdige, herrliche, deutsche Rhein ist von jeher der Pulsaderstrom und Schicksalsstrom deutscher Geschichte gewesen. Diel begehrt und viel umstritten, stets das Ziel fremder Machtgier, so oft das Schmerzenskind, ist der Rhein zum Herzens- des deutschen Volkes geworden. • Gießen, 18. Juli 1925. Unter außerordentlich starker Beteiligung aller Kreide der Bürgerschaft wurde auch in unserer Stadt der tausendjährigen Zugehörigkeit der Rhein la nde zum Deutschen Reiche in feierlicher Weise gedacht. Die erste Feier, die infolge des ungewöhnlich starken Andrangs eine Wiederholung notwendig machte, fand auf Einladung des Oberbürgermeisters und Der politischen Parteien am Mittwochabend, wie schon kurz berichtet, im Stadttheater statt, gestern abend folgte auf die gleiche Einladung hin am selben Ort die zweite Feier. Beidemal war das Theater bis auf den letzten Platz besetzt; aber auch mit diesen beiden Feiern konnte noch nicht vollständig dem Andrang des Publikums entsprochen werden, viele Mitbürger fanden auch bei der Wiederholung der Feier keine Eintrittsmöglichkeit, da bekanntlich auch zur zweiten Feier alle Karten in etwa Dreiviertelstunde vergriffen waren. Man kann diesen Massenandrang zu der denkwürdigen nationalen Feier als Beweis dafür ansehen, wie eng verbunden sich unsere Bürgerschaft mit den Landen am Rhein fühlt. Für beide Feiern galt die gleiche Vortrags- folge. Die Kapelle des 1. Bataillons Infanterie-Regiments 15 unter Leitung des Obermusikmeisters Löb er eröffnete den feierlichen Festakt mit dem „Siegsrieb-Idyll" von Richard Wagner. Hierauf folgte die nachstehende, eindrucksvolle Ansprache von Oberbürgermeister Keller: Hochgeehrte Festoersammlung! Ein großes Erinnern flutet in diesen Tagen durch die Lande am Rhein. Mit hoher Begeisterung und stolzer Würde, nach feiner Art auch froh und lebensbejahend, feiert das iheinijche Volk feine t a u f e n d j ä h r i g e Zuge- Hörigkeit zum Deutschen Reiche. Tausend Jahre! Welche Fülle des Geschehens, Zeiten der Freude und des Glanzes, Zeiten unerhörten Aufstiegs in Wirtschaft und Kultur, aber auch Zeiten der Trauer, der Rot und des Rieder- und die Harmonie des Familienlebens auch während der Ferien bedroht. Wohl dem, der „dann im Dorfe ober Stadt einen Onkel wohnen hat", dem das betreffende Familienmitglied für einige Zeit anvertraut werden kann. Ober man suche irgenbeine billige, vernünftige Pension in einem Landhaushalte. Es tut immer gut, wenn man in biefen Werbejahren seine Füße einmal unter fremder Leute Tisch stecken unb etwas höflicher und bescheidener als daheim sein muh Vor allen Dingen gehören diese Halbwüchsigen auch zu ihresgleichen und auch von diesem Gesichtspunkte aus sind Schülerfahrten und Wan^er- vogeltouren, solange sie Maß und Ziel halten, durchaus gesund und empfehlenswert. Die Eltern haben den Vorteil, einmal ein paar Wochen nicht erz ehen z>. brauchen und ein We l.'en ruh g miteinander leben und reisen zu können, um dann mit neuer Kraft und frischem Mut daheim die alten Pflichten wieder au^zunehmen. Diese Art wird natürlich auch nicht für jeden und jedes Haus pa’fen. Es gibt abgcarbeitete nervöfe Väier, die zu ihrem eigenen und ihr r Familie Besten guttun. wenn sie ganz allein reifen Ich kenne Mütter, die derweil gern zu Haufe bleiben und es verstehen, dann ganz für ihre Kinder zu leben, Entdeckungsreifen mit ihnen rundum ins Land zu machen und den Reiz des Besonderen. Feiertäglichen über diese Ferienwochen daheim zu legen. Freilich ist das nicht jedermanns Sache und Gabe Eine andere Mutter, die ich kenne, hat auf ihre Art recht, wenn sie jedes Jahr vierzehn Tage lang allein ins Hochgebirge geht, um sich dort van ihrer Familie zu erholen und dann neu gestärkt für die Anforderungen des Lebens daheim wiederkommt. So möge jedem, vor allem den Hausfrauen und Müttern. der rechte Rat für die Serienreife beschieden werden. Erst recht schwierig und kritisch steht es mit den Reiseplänen da, wo es in einer Familie viele Köpfe und viele Sinne gibt und ihre Ansprüche mit dem Budget in Einklang gebracht werden sollen. In den allermeisten Fällen wird hier die Hausfrau und Mutter mit Takt und Weisheit versuchen müssen, das Richtige und Beste für sich unb die Ihrigen herauszu'inden. Vor allen Dingen gilt es. den Mut der Wahrheit zu haben. Man soll nichts Großartigeres und Kostspieligeres ^wollen, als die Verhältnisse erlauben, und sich nicht von anderer Leute re- nommistifchen Reifevlänen drücken und anstecken lassen. Man sei aber auch ehrlich den inneren Verhältnissen und Beziehungen gegenüber und reife nur miteinander, wenn wirkliche Erholung und Erfrischung und Freiheit für die Einzelnen dabei zu Hofen ist. Gar oft schleppt man bei solchen Familienreisen den Alltag, die täglichen Sorgen und Schwierigkeiten mit und kommt Darüber nicht zum Genuß der neuen Eindrücke. Für Kinder ist ein wirkliches ..Reisen", b. h. ein Wechsel von schönen und großartigen Ratur- einbrüden. überhaupt ein Unding. Sie haben gar kein Verständnis dafür und keinen Ge- winn an Leib und Seele. Sie gehören in ein ganz einfaches Stückchen Natur, das sie mit allem was da kreucht und fleucht unb blüht, gründlich kennen lernen und zu ihrem Spielplatz machen können. Für kleinere Kinder bleibt immer ein Aufenthalt an der See oder auf Dem CanDe Glücklich Die Mutter. Die dort ihre Kinder nach Herzenslust fpielen lassen kann unD es versteht, alle Haushalts- Alltags- und Toi- lettensorgen in dieser Ferienzeit von sich und ihnen fern zu halten. QUit der Heranwachsenden Jugend ist es schwieriger. Es gibt da immer Zeitpunkte, wo allerlei Unruhe und Eigenwille in ihnen steckt brüchliches Treuegelöbnis zum deutschen Daterlande idiautc. fo muß das erste Gefühl, das uns hier heute befreit, das Gefühl heißen Dankes sein für die Hingabe. Ausdauer und Treue unserer deutschen Brüder unb Schwestern am Rhein. Gott chütze. Gott erhalte die deutschen Lande am Rhein! Hochgeehrte Versammlung! Die weihevolle Stunde, die »ins in ihrem Banne hält, hat einen weiteren Sinn. Das weltgeschichtliche Ereignis, davor tausend Jahren sich begeben hat, ist nicht nur ein Ereignis der rheinischen Geschichte-, es ist von ausschlaggebender Bedeutung für die ganze deutsche Geschichte überhaupt. Damals vor tau- send Jahren ward der G r u n d st e i n gelegt zum Deutschen Reiche, dem großen, weitgedehnten, machtvollen Deutschen Reiche, das unter den Hohenstaufen seinen Höhepunkt erreichte, um dann nach und nach durch innere Zwietracht und machtlose Vielherrschaft zum Schatten herabzusinkcn und schließlich 1806 ganz der Auslosung zu versallen, jenem Reiche, für dessen Wiederaufrichtung ein Port unb Scharnhorst, ein Stein und Arndt rümpften und die Männer der Paulskirche sich mühten, bis die geniale Staatskunft Bismarcks es in Straft und Ehren neu erstehen ließ, jenem Reiche, das im Ölutfcuer eines unerhörten Weltkrieges von »ms verteidig! und im wesentlichen gerettet worden ist. So ist die heutige Feier eine Feier aller Deutschen, ohne Unterschied des Stammes, ohne Unterschied der Partei, und es war mir eine herzerquickende, unvergeßliche Stunde, als sämtliche großen politischen Parteien freudig mir erhärten, den heutigen Erinnerungstag gemeinsam festlich zu begehen. Verehrte Anwesende! Wir feiern jahraus, jahrein viele Feste, unb manches Fest bliebe viel- leicht besser ungefeiert. Aber solcher Feste bedürfen wir dringend, die uns alle zusammensühren. die das ganze Volk miterlebt, die uns emporheben aus den Niederungen und Sorgen des Alltaglebens, hinweg über die Schranken des Glaubens und des Standes, hinaus über das Gewoge des Partei- kampfes und den Streit der wirtschaftlichen Interessen. Feste, die uns zu dem Bewußtsein leiten, daß wir alle eines Volkes sind und alle ein Vaterland Haden, Feste, zu denen wir hinkam. men in der Gesinnung des moderen Matthias Claudius: „Und jeder echte deutsche Mann soll Freund und Bruder heißen." Eine solche Feierstunde aller Deutschen ist die heutige Erinnerungfeier, bei der mir mit dem Gedenken an die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reiche zugleich uns erinnern wollen der Vergangenheit des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes, eine Feier, aus der wir Trost, Mut und Hoffnung schöpfen wollen unb den unverlierbaren Glauben an die Zukunft des deutschen Volkes. Verehrte Anwesende' Wenn ich den ersten Teil meiner Ansprache mit den Worten geschlossen habe: „Gott schütze. Gott erhalte Die deutschen Lande am Rhein", so will ich diesen zweiten Teil beenden mit Dem Wunsche: „Gott schütze, Gott erhalte unser liebes deutsches Vaterland! Der Dauersche Gesangverein unter seinem Chormeister Otto Gör lach sang anschließend Wiesners prächtigen Chor „Heimat". Es folgte nunmehr die nachstehend in großem bic|en Figuren treten England und Rußland in altem und immer neuem, dauerndem Gegensatz einander gegenüber England ist voll Besorgnis wegen ter bolschewistischen Agitation in Asien Rußland ist in Besorgnis vor einer antibolschewistischen Liga, die zustande bringen zu wollen man in Moskau der englischen Politik als Absicht zuschreibt. Aber das ist heute doch mehr Hintergrund, vielfach mehr Stimmung als • aler Geg nsay und als wirklich reale Gefahr. In der Sicherheitsfrage läuft vorläufig zentral die politische Arbeit in Europa zusammen. Die deutsche Antwort ist jetzt in Abschluß oder bereits abgegangen. Deutschland tritt in die Vorerörterungen ein, die erkennen lassen müssen, ob für unsere Seite überhaupt der weitere Schritt zu eigentlichen Verhandlungen, zu einem Programm solcher Verhandlungen ober schließlich zu einer Konferenz möalich fein wird Die Grenzen, innerhalb Deren das für uns möglich sein würde unb bie nicht überschritten werb t bürfen, finb oft genug markiert worben. Daß die weltpolitische Situation für Deutsch- lanb nicht ungünstig ist, das sei gleichfalls erneut betont. Es gut, sie mit Festigkeit unb Takt zu nutzen. Parallel damit laufen bie Auseinandersetzungen um den Neuaufbau der Handelspolitik Da sieht es freilich sehr wenig befriedigend und einigermaßen bunt unb unsicher aus. Im Innern ist leiber immer noch nicht ber Kampf um ben Zolltarif zu Ende. Das verlangt aber auch bie beutfche Außen- Politik, die in ihrer Betätigung als Handelspolitik das Instrument für Handelsvertrngsoerhanblungen braucht. Wir sehen ja eben am Abbruch ober, besser gesagt, ber „freunbschaftlichen Vertagung" ber deutsch-französischen Verhandlungen, daß, von Deutschland aus gesehen, diese Verhandlungen zu nichts führen konnten, weil bie andere Seite nicht weiß, wie die künftige Zollpolitik Deutschlands ist. So sind wir mit Frankreich heute in einem vertragslosen Zustande, für den von beiden Selten die autonomen Tarife gelten. Mit Polen sind wir durch dessen Schuld in einem offenen Zollkrieg. Polen glaubt, für seine amerikanische Anleihe am besten dadurch Stimmung zu machen, daß es den Zollkrieg mit den nächsten Nachbarn, auf den es lebensnotwendig angewiesen ist, vom JJaune bricht! Mit Spanien stehen wir in erneuten schwierigen Verhandlungen, da aus bekannten Gründen bas deutsch-spanische Handelsprooisorium keine Dauer haben konnte. Die Interessen Des deutschen Weinbaues in erster Linie waren darin nicht gewahrt. Handelsprooisorium mit Griechenland, Belgien unb Luxemburg, bie heute eine Einheit finb, unb kleineren Staaten liegen vor ober stehen vor dem Abschluß. Noch keinen Abschluß lassen bie Der- hanblungcn mit Rußlanb erkennen, bagegen stehen wir vor ber Ratifikation ber Verträge mit Englanb unb Norbarnreika. Beides finb Meistbe- günstigungsverträge. Der englische ist für uns nicht günstig, weil er England zu viel gibt unb Deutschlanb zu wenig. Was er uns gibt, gilt nur für Englanb unb Schottlanb, schon nicht für Irlanb, nicht für die Kolonien, Inbien, auch nicht bie Mandatsgebiete. Der komplizierte Charakter des englischen Weltreiches zeigt sich darin,-daß nie mit ihm im ganzen in der Beziehung abgeschlossen werden kann, während es doch als Ganzes politisch handelnd auftritt. Und die Meistbegünstigung verliert ihren Wert, wenn keine Tarifbindung dabei ist und England nicht nur die Freiheit hat, Zölle einzuführen ober zu erhöhen, fonbem auch ben Willen bazu unb auf bem besten Wege dazu ist. Das ist im ganzen kein sehr befriebigenbes Bilb unb in jebem Falle ist es nicht möglich, biefen Vertrag anzunehmen, ehe nicht wir mit dem Zolltarif festen Boden unter ben Füßen haben. Der Vertrag mit N o r b a m e r i t a ist ein retner TleiftbegünftigungsDertrag. Dabei gibt Norbamerika seine alte Meistbegünstigung auf unb führt ben Begriff ber europäischen Meistbegünstigung ein. Der Vertrag ist Mustervertrag für nicht weniger als 20 Verträge biefes Staates mit anberen Staaten unb so eine große Wenbung m ber amerikanischen Hanbelspolitik. Auch er bietet uns, ba er fein Tarif- „Es regen sich in aller Herzen Viel vaterlänbische Lust und Schmerzen, Wenn man bas beutfche Lieb beginnt Vom Rhein, dem hohen Felsenkind." Wer, soviel Stürme über die rheinischen Lande dahingebraust sind, soviel Wolken sie umschatteten und noch umbüftern: Das rheinische Volk hat fest unb treu bie Wacht am Rhein gehalten, trotz harter Bebrückung, trotz listiger Lockung. Unb wenn in biefen Tagen bei den rheinischen Iahr- •taufenbfeiern die echte und starke Heimatliebe des rheinischen Volkes ergreifenden und innigen Ausdruck fand, wenn durch alle Städte unb Dörfer Außenpolitische Umschau. Von Professor Dr. Otto H o e tz s ch , M. b. R. In ber Sicherheitsbiskussion spielen Belgien und Holland gewiß nicht eine erste Rolle, aber ohne Bedeutung sind sie dafür natürlid) auch nicht. 3n beiden Ländern haben Neuwahlen ftattge- funben, in Belgien ist ein neues Kabinett, gestutzt auf Katholiken und Sozialisten, bereits gebilbet, in Holland ein solches in Vorbereitung. Belgien hat nach innen ungefähr die gleichen Sorgen wie Frank- reich: Um die Währung, Reparationszahlungen, interalliierte Schulden. Nach außen erscheint es nach Frankreichs Willen einfach als ein Anhängsel ber Pariser Politik. Das trifft aber nicht ganz sainmerhang des deutschen Lebens herauslcsen wolle, um sie, wie einst die Römer, zum Sprungbrett nach Mitteleuropa hinein zu machen. Wir aber hörten auf, Deutsche zu sein, wenn wir auf dies „Aelteste und Ehrwürdigste", dirses ..Deutscheste", verzichten könnten. Am unser Sein und um unsere Seele gehe cs am Rhein. Die Menschen am R.hein aber gehörten zu uns, nicht nur weil sie unsere Sprache sprechen, sondern auch weil sie ziu uns gehören wollen. Zwar habe sich ein bedeutender Streifen westgermanischen Landes in eigentümlicher Verstr'ckung seiner Geschicke mchr oder wen'ger von dem Einheits- stro-" dnatichen Lebens entfernt, die Menschen der d tsch verbliebenen Lande am Rhein wollten aber nicht nur volkl ch Deutsche sein, sie wollten auch die Gesch'cke des deutschen Staates, den sie mit bauen halfen, m tiefen und mittragen. Das hätten die letzten 3ahre erw'esen. DaS rheinische Volk, es habe durch die 3ahrtaus,endfcier am Rhein d'esen seinen Willen erneut kundgetan. Die 3ahrtaufendfeier sei keine Feier der „Landnahme" durch die Germanen vor 1000 Fahren, sie fei auch keine Feier der Aufrichtung germanischer Herrschaft in einer westlichen Grenzmark, sie sei vielmehr die Gedenkfeier jenes Ereignisses, das die Germanen des linken Rheinufers gemeinsam mit denen des rechten aus der Verstrickung mit den Romanen des Westens herauSlöste und ihnen so die Voraussetzung zu wirklicher Volkwerdung im großen Deutschen Rebch de« Mittelalters schuf, es sei eine Feier, die uns alle angehe, die wir uns Deutsche nennen. 3n dem von Heinrich I. in den Fahren 919 bis 925 begründeten Staate seien die germanischen Stämme zum Volke der Deutschen geworden. Ferres Reichs- und Dolksbewußtsein sei entstanden, das trotz der Zersetzung im späteren Mittelalter vorgehalten habe bis in die Tage des Freiherrn vom Stein und E. M. Arndts, die den neuen Aufstieg einleiteten. Die Lande am Rhein seien das Rückgrat des alten Reichs, die Menschen am Rhein die Führer rm Kultur- reich der Deutschen gewesen. Don hier auS sei dann auch die große deutsche Volkwanderung ausgegangen, die die gewaltige Ausweitung des deutschen LsbenSraumcs nach Osten hin herbei- geführt habe. Durch Dolttsiedlung aus dem Westen sei zrn gutem Teile das deutsche Oft» land gewonnen worden, von dem aus bann, i, al« di« Heimat im Westen der „civilisation fran- _ ?aise" zu erliegen drohte, das Deutschtum sich zu y neuer Größe erhoben habe. Was die besten Deutschen wollen sei, daß die Zeit erfüllt sei zum Zusammenklang der deutschen Welten in der einen Welt der Deutschen. Dolkdeutschland wolle werden. Aus den Tiefen der großen Vergangenheit, die weit vor 1870 liege, erhebe sich der Drang, all dev Klüfte, die in den Fahrhunderten des politischen und geistig-seelischen Auseinanderwachsens auf- gerissen worden seien, Herr zu werden. 3m Kampf um den Rhein fänden wir uns alle. — Friede könne unter den Völkern nur sein, wenn das eine das Lebensgesetz des anderen achte. Eine Volkheit zerstückeln, so datz große Teile außerhalb der eigentlichen Lebensgemeinschaft zu liegen kommen, das sei die Todsünde gegen den heiligen Geist des Völkerlebens. Auch der Sieger werde seines Besitzes nicht froh, die Beziehungen der Völker blieben vergiftet, wirkliche Befriedung werde ein Ding der Anmöglichkeit. Der Redner schilderte sodann das Vordringen Frankreichs in den 1000 Fahren, seitdem es ein Deutsches Reich und ein Frankreich gibt und kam zu dem Ergebnis, daß nicht wir das Volk der Eroberer seien, daß der Eroberer im Westen sitze. Daß es der Anruhestifter in Europa sei, indem es nach der Herrschaft über deutsche Menschen strebe, das sei der schwere Was uns am stärksten bewegte? 3ch kann nur von mir selber reden. And da muß ich sagen: 3ch habe noch nie einen so geschlossenen Eindruck von dem Reichtum der Kultur erhalten, mit der unsere deutsche Heimat gesegnet ist, wie in diesen wenigen Stunden. Alles Häßliche, alles Schmutzige, alles Mindervollkommene ist buchstäblich verflogen. Da liegen sie, die Dörfer und Flecken wie die Schmuckkästchen eingebettet in die Felder, da dehnen sich die großen Städte, abgezirkelt die Straßenzüge, man glaubt noch den Architekten am Werk zu sehen, der sie zuerst aufs Papier warf. Da strecken sich meilen- und meilenweit die prächtigen Wälder bis hinauf zu den Kuppen der Berge, auf die wir herab- schguen, meilen- und meilenweit die Quadrate und Rechtecke der Felder und Wiesen, eins neben dem anderen, in schier nicht endenwollender ununterbrochener Folge: wie riesengroße Teppiche, in allen Farben leuchtend, sind sie unter uns gebreitet, und wie ich so dahinflog über die Städte und Dörfer, über diese Wälder und Felder, da stieg in mir ein Gefühl tiefer Dankbarkeit auf und hat mich nicht wieder losgelassen, tiefe Dankbarkeit dafür, daß diese unsere herrliche Heimat unverwüstet unter mir lag, daß keines Feindes Fuß sie betreten hat, daß sich Tausende und Abertausende geschäftige Hände ungehindert regen dürfen für Haus und Hof, für Weib und Kind, für Heimat und Vaterland. Aeber all dem Schweren, dem kaum Tragbaren, was feindlicher Frevelmut uns auferlegt hat, sollten wir nie vergessen, daß uns die Schrecken der Kriege vergangener 3ahrhunderte erspart geblieben sind. Was wir in Dessau getan haben, was man uns dort geboten hat, das darzulegen, ist hiev nicht der Ort. Rur ein Wort des Dankes sei eingeflochten für die überaus zuvorkommende Aufnahme, die wir fanden, ganz besonders für die lehrreiche Führung durch die Werke, tue auch dem Laien vollen Einblick vermittelte in die gewaltige Leistung des Leiters und seiner Helfer, vorn ersten Direktor bis zum letzten Arbeiter. Wir fanden auch Zett, einen Gang zu machen durch die freundliche Stadt, die Residenz des Alten Dessauers; auch vor der Apotheke, aus der er sich seine Anneliese holte, habcm wir einen Augenblick verweilt. Dagegen formten sich uns die vielgerühmten Schönheiten des Wörlitzer Parks, zu dem uns rasche Automobile hinausführten, nicht erschließen: die Tücke des Wettergottes verdarb uns dieses Vergnügen. 3nzwischen war uns von der Leitung mrt- geteilt worden, daß für den andern Morgen der Zwölfsiher bereit fein würde, zwar nicht ein Verkehrsflugzeug, fondern eine Maschine, die bisher nur für kleinere Flüge benutzt worden war, aber für einen größeren Flug genügend gerüstet schien, trotzdem der mittlere der drei Motoren nicht die vorgeschriebene Tourenzahl machte. Wir haben sie am Sonntagmorgen 7.30 Ahr bestiegen. Run fauste sie dahin, bald in einer Hohe von 1200 ja 1300 Metern. Wir überflogen die Saale, die Anstrut, und näherten uns nach fast ein« stündiger schneller Fahrt Erfurt. Da plötzlich senkt sich dte Maschine, steil geht sie herunter, dann in den Gleitflug über, und ohne daß wir noch, recht zur Besinnung gekommen sind, kriecht sie über einige Felder auf der Erde dahin, und kommt 3um Stillstand. Wir sind allein auf weiter Flur, denn so weit das Auge reicht, ist keine menschliche Wohnung zu sehen. Aber es dauert nicht lange, so fommts herbei, von allen Seiten, Dutzende, schließlich sinds Hunderte, die in der Ferne das Ungetüm haben aus der Lust herab- steigen sehen und es nun bewundern wollen. Landleute, darunter mancher, der im Krieg gewesen war, und von solchem Flugzeug eine ganz leidliche Vorstellung hatte. Die zwei Stunden, die unsere trefflichen Monteure brauchten, um den Schaden am Propeller auszubessern, sind rasch dahingegangen. Vorwurf, den das deutsche Volk gegen das französische erheben müsse: wir verlangten nur eins von dem Rachbarvolk im Westen: die Achtung vor unserer Volkspersönlichleit, die Erkenntnis, daß der Rhein nicht Deutschlands Grenze, daß er „der heilige Strom der Deutschen" fei. Rhein und Reich, sie seien eins gewesen, sie sollen eins bleiben. Dies sei das Gelöbnis der Stunde. Deutschen Dolles sei die deutsche Erde. Wir hätten einst ein Reich gehabt, das uns alle umfaßte. „Aneinigkeit", „Verrat", „Provinzialpatriotismus". „naiior.a.'e Bewußtlosigkeit" hätten es zerfallen lassen, so daß in ihm die Fülle deo Staaten entstand, die seinen Verband schließlich gesprengt habe. Die Sehnsucht nach dem Reiche habe schließlich den Staat erstehen lassen, dessen Zusammenbruch wir mi erlebten. 3m Zusammenbruch dieses Staates aber fänden wir als den unverwüstlichen Argrund deutschen Lebens das deutsche Volk. Eingebettet zwischen feindliche Rachbarn, die ihm im Osten seinen Boden, im Westen seine Sprache und damit seine Seele nehmen toolten, ringe es nach Luft und Leben, erfasse sich in ungemein vertiefter Weise von Sie rauchen in dieser tadellos sauber gearbeiteten Zigarette nachweisbar 16 Sorten feiner Orienttabake und können sich mit einer IO Stüde-Packung für 30 Pfennige, Stunden der Erholung und des reinsten Vergnügens bereiten. Aber nur mit LESSING POS A, k_______denn keine andere kommt ihr gleich. A Sie rmS etwas nennen, das Ahnen einen f# absoluten Sem»S bereitet und das so preiswert ist, wie die berühmte Wir steigen wieder auf, um in Erfurt von neuem niederzugehen, denn es schien ratsam, einen anderen Propeller anzubringen. Wieder zwer Stunden, dreSmal uns schon als größere Geduldsprobe erscheinend. Roch einmal wird der Flug gewagt (1.30 Ahr). Wir sehen unter uns daS Schloß von Gotha, das sich mit seiner näheren und weiteren Amgebung besonders eindrucksvoll aus» nimmt. Wir lassen Eisenach links liegen, da wendet der Pllot sein Fahrzeug und kehrt nach Erfurt zurück. Der mittlere Motor hatte doch gestreikt. Wir hätten wohl mit den beiden anderen weiter fliegen können, wären wohl auch nach Gießen gelangt, was wir schon um unserer lieben Mitbürger willen, die so sehnlichst unserer harrten, gar zu gern gesehen hätten: aber man wäre kaum wieder nach Dessau zurückgekommen, da in Gießen die Werkzeuge zur Wiederinstandsetzung des versagenden Motors nicht verfügbar gewesen wären. So hieß es denn auch hier: Allein das Schicksal will es nicht. Ein von Leipzig herbeigeordneter Viersitzer führte die vier Aelleren unter uns in die Heimat zurück, diesmal südlich des Vogelsberges, ein Amweg. wenn man es so nennen will fei diesen Geschwindig- keitsverhältnissen. Die Staumauer bei Lißberg gibt uns die sichere Möglichkeit der Orientierung. Bald taucht der Taunus auf. Run scharf nach Rorden, über Münzenberg, Kloster Arnsburg, Lich, alles bei wundervollem Wetter mit weitem Rundblick. Da, just als Gießen -sichtbar wird, tritt heftiger Regen ein. Die Aussicht ist versperrt. Wir können dem Piloten wohl allgemeine Weisung geben, aber mir ist es doch fast rätselhaft geblieben, wie er so schnell den Dreh hat finden können, um ohne Amschweife zum Flugplatz zu gelangen, wo uns die harrende Menge der Crdeiikvebse erwartungsvoll empfängt. Daß uns für den Rückweg nur ein Flugzeug zur Verfügung stand, daß vier unserer Genossen auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Schienenwege haben zurückkehren müssen, das ist das Einzige, was wir an dieser Luftfahrt zu bedauern haben. Anseren Mitbürgern aber wünschen wir. daß ihnen über kurz oder lang ähnliche Eindrücke feschieden sein mögen, wie wir sie in diesen unvergeßlichen: Stunden erleben dursten. Anmerkung der Redaktion: Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, daß lediglich höhere Gewalt das Erscheinen des neuen Zwölf« sitzer-Flug^eugs am Sonntag der Gießener Flugplatzeinweihung hier unmöglich gemacht hat. Die Vorwürfe, die nach dem Flugtag gegen die Luftverkehr A.-G. erhoben wurden, und die darauf hinausliefen, die Ankündigung des Besuchs des Zwölfsitzers fei nur ein leeres Wort gewesen, sind demnach unbegründet. Um die mit Recht entstandene Enttäuschung der damaligen Besucher aber zu beseitigen, wird die Luftverkehr A.-G. Mitte August eine neue Flugoeranstaltung Herrichten, zu der jedermann ohne Eintrittsgeld in weitestem Ausmaß Zutritt haben soll. Aus Ser Provinz. Landkreis Gießen. 5 £ Wieseck, 18. 3uli 3n seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der G e m e i n d e r a t mit einem Beschluß der Vollzugskommission in Feldbereinigungssachen, der auf den Einspruch der Stadt Gießen gegen das vorgesehene Wiesenprojekt notwendig geworden war. Rach diesem Projekt kommt der Flutgraben, der jetzt oberhalb der Gänsmühle von der Wieseck abzweigt und in seiner Cßet* tängerung die „Oberlach" fei gestautem Wasserlauf der Wieseck mit Wasser versorgt, in Fortfall. Die Stadt Gießen hatte hierin eine Beeinträchtigung ihrer 3ntereffen fei notwendig werdenden Wiesenbewässerunaen durch die Oberlach gesehen, ebenso Ware hierdurch die Speisung des Eisteiches gefährdet. Rach dem gefällten Spruch bleibt es bei dem Fortfall deS Flutgrabens. 3m Zuge des Philosophenweges wird ein schmaler Grafen geschnitten, der bei Stauungen die Oberlach speist. Gießen hat aber nicht das Recht, eine Stauung zu verlangen. prestq G_Jr CO F.RANKFU RT M-GEG R-1898 7 tocnn dadurch die Interessen Wiesecks gefährdet erscheinen, oder die Wiesen Schaden erleiden könnten. Der Gemeinderat stimmte dieser Regelung zu. — Die in unserer Gemeinde umlaufen» den Gerüchte gaben dem Bürgermeister Veranlassung, die Geldbeschaffung für die von Privaten begonnenen Reubauten als besonderen Punkt zu behandeln. Bekanntlich wurde von der Gemeindevertretung ein Kredit von 100 000 Mk, der auf 120 000 Ml. erhöht wurde, »u verbilligten Zinssätzen den Daulustigcn zur Derfügung gestellt. Rachdrm die unsicheren politischen Verhältnisse in Deutschland ein plötzliche- zugeknöpftes Verhalten der ausländischen Geldgeber verursachten, maßte sich auch bei unS ein Geldmangel in der Weise bemerkbar, daß die benötigte Summ« nur zur Hälfte herein- gebracht werden konnte. Vach dem vorn Bürgermeister verlegenen Schriftwechsel in dieser Angelegenheit m.t bet Kommunalen Landesbank x|t irgendwelcher Vorwurf weder ihm noch der ®c- meinbevertretung zu machen. Der bestehende Geldmangel ist eben durch Verhältnisse bedingt, die stärker sind als Menschrnwllle. GZ besteht aber begründe.« Aussicht, in Dälde Geld zu c-‘alter damit die begonnenen Bauten veiter- ge'ührt werden können. Gleichzeitig wurde hier- ?c:. eine Gingabe der betreffenden Bauherren ver- ' ande.'t, die sich in der angezogenen Richtung bc-e'.e, und bei die'er Gelegenheit daraus hin- ge'jic'cn, bafj es fast unmöglich ist, in Deutsch- sand langsri^ige Baugelder zu erhallen. — Die ciih eforfce-'en Borans chläge für die beabsichtigten Waslerleitungs-, Kanalisation s- und Strahenbauten im Dech* nungsjahre 1925 lagen vor. Es wurde be'chlos en, Deren der außerordentlichen Schwierigkeiten auf dem Geldmark:« das Programm nicht im vollen Urn'angc auszuführen. Danach sollen ausgelührt werden die Kanalsiaüon der Ludwigstraße, ebenso die des Lichtenauer Weges. Hier soll auch die Wasserleitung gelegt werden, die vorqe'ehme Chaussierung unterbleibt für die es Iaht. Im Qieuen Weg soll ein Fußsteig gelegt und die Wasserleitung eingebaut werden. Für einen genügenden Wasserabfluß soll ebenfalls Sorge getragen werden. — Die Anschaffung eines neuen feuerfesten Bücherschranks für die Unterbringung der sehr wertvollen Elandesamtsregister und Grundbücher sowie sonstiger wichtigen Akten wurde beschlossen. — Eine Kommission. bestehend aus den Gemeinderälen Adam Kümmel, Heinrich Kümmel. Karl 0 6* Wald und Ludwig Wagenbach soll aus den vorliegenden Gesuchen um Zuweisung einer Wohnung in dem seiner Vollendung entgegen- gehenden Doppelwohnhaus der nächsten Sitzung deS Gemeinderats geeignete Vorschläge machen. Der Gemcinderat behält sich die endgültige Vergebung dec Wohnungen vor, beauftragte aber noch die Kommission, die Höhe der Miete für diese Wohnungen festzusetzen. — In den beiden Gießener Zeitungen erschien im Rahmen des Berichts über die letzte Gießener Stadt- v e r o r d n e t e n s i h u n g eine Erklärung des Beigeordneten Dr. Seid zur Frage der Straßenbahn Gieße n—W i e s e ck. die es notwendig machte, daß sich der Verkehrs* au-schuß Wiesecks nochmals mit der Angelegenheit befassen mußte. Ein Mitglied des Ver- kehrSausschusseS gab im Rainen desselben eine Erklärung ab, über die noch berichtet wird. * Lang-Göns, 17. Juli. Die Ortsdurch - fahrtLang-Göns wird wegen Vornahme von Walzarbeiten vom 18. bis 31. Juli für jeden 23er- kehr gesperrt. Die Umleitung des Durchgangsverkehrs erfolgt von Pohl-Göns über Nieder-Kleen, Dornholzhausen, Hochelheim, Großen-Linden oder von Butzbach über Gambach, Holzheim, Grünin- gen, Steinberg, Gießen und umgekehrt. ' Grün berg, 17. Juli. Die Kreis st raße Grünberg —Beltershain wird wegen der Ausführung von Wasserleitungsarbeiten auf die Dauer von 14 Tagen gesperrt. Der Verkehr wird über Göbelnrod und Stangenrod geleitet. Kreis Büdingen. „ *?“ Aus dem Riddatal, 17. Iuli. Heute in der Mittagszeit entlud sich über unserem Tale ein Gewitter, das der durstigen Pflanzenwelt erfrischenden Regen brachte. Die sengenden Sonnenstrahlen der vergangenen Tage haben das Getreide rascher Reife entgegengeführt, so daß bei trockener Witterung in nächster Woche die Ernte beginnen dürfte. Augenblicklich hat der Landwirt eine äußerst Haltung Essig? Nein! Citrovin-Essig soll es sein! Selbst Sinsen leiden den ist der Gen uh von Salat und Eimnachfrlichten mit Homburger Cltro- Vln-Ksels »übereilet ärztlich empfohlen. Kreis Alsfeld. Merlau. 16. Iuli. In der heutigen des KreiS ausschusses in Als.eld östlichen und nördlich:» Stadtteilen und weiter dem TaunuS zu richtete ein Hagel schlag, der etwa 15 Minute» währte, bedeutenden Schaden an. Die Hageldecke lag noch längere Zeit nach dem Octo.ttcr auf den Fluren. Die vielen, sehr starke» elekrr schen Entladmrgen verursachten verhältnismäßig geringen Schaden. Einige Male wurde bie Oberleitung der Straßenbahn getroffen. Dagegen entstanden durch die euren Wassermassen zahl» Sitzung wurde die angefochtene Wahl des Landwirts Wilhelm Kochendörfer zum Bürger- Fröste, die tn dte Bluteze.t fielen, Haven ix.x ersten Schaden angerichtet Dann trug die lange Trockercheit, trotzdem di« Heidelbeere eine Trok- kenlandpflanze ist, dazu bei, daß di« Beeren frühzeitig abfielen. Die armen Bevölkerungskreise, für bie die Heidelbeerernt« ein wichtiger Bestandteil ihrer IahreSeinnabmen ist, sehen ihre Hoffnung noch aus di« zweite Blüte. Jedoch kann diese den Ausfall der Haupternte nicht mehr gut machen enburg und Rheinhessen. • Darmstadt, 17. Iuli. Der Dienstknecht Heinrich Götz auS Wintertasten hat den Dienstknecht Heinrich Merkel aus Pfungstadt in der Rähe von Klein-Bieberau nach einem WirtshauSstreit durch einen Messerstich so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. fpd. Offenbach 17. Iuli. Im Waldpark haben Dubenhände zahlreichen jungen Birken die Kronen abgebrochen. Die Täter konnten leider nicht erwischt werden. Kreis Weimar. ruhige Zeit, die der weibliche Teil dum 6 infam m c l n der Himbeeren ausnutzt, die in diesem 3obre reiche Ernte liefern und jeden Tag neue Fruchte zur Reife bringen. Man verwendet sie zum größten Teil in der eigenen Wirtschaft, nur einzelne bieten Himbeeren zum Verkauf an. )( Ortenberg. 17. Iuli Heute vor 10 Iahren wurde von 17 Frauen der evangel. kirchliche Frauenveretn unserer Gemeinde gegründet, der inzwischen aus 100 Mitglieder angewachsen ist und in Krieg und Frieden eine außerordentlich segensreiche Tätigkeit zum Besten der Allgemeinheit entfaltet hat. DaS 10jährige Bestehen soll am Sonntag, 26.3ult, festlich begangen werden. Am Vormittag findet ein Hestgottesdrenst statt, für den Pfarrer Wagner* Darmstadt, ein Vorstandsmitglied des Verbandes, die Feftpredigt übernommen u d auch der Kirchengesangverein Orten- Kirchliche Nachrichten. Evangel fche Gemeinden. Gießen. Sonntag, den 19. Juli 6 n. Trinitatis. Stadtkirche. 8: Psr. Mahr Zu gl. Ehristenlehre für die Reukonstrmierten aus der MatthauSgemeinde. 9l . Pfr. Becker. Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und MarkuSgemeinde. 11'/,: Kinderkirche f. d. MarkuSgemeinde. Pfr. Becker. IohanneS- kirche. 8: Pfarrafl. Schultheis. Zugl. Christenlehre für die Reukonstrm. aus der Lukasgemeinde. 97,: Zugs. Militärgvttesdienst. Pfr. Ausseid. 11: Kinderkirche für die IohanneSgemeinde. Psr. Ausfeld. 8: Bibelbesprechung im JohanneSsaal. Pfarrast. Hertel. - In der Reuen Aula. 11' ,. Univerfltäts- gottesdienst mit Predigt von Professor O.Dr. Frick. — Kirchberg. 10. 11 Christenlehre für die männliche Jugend. - Lollar. 1' -. - Wieseck. 8' Christenlehre: 97,: Hauptgoltesdienst. — Watzen- born-Garbenteich. Watzen (wrn-Steinberg: 10 Pfr. Haupt, Gießen. Festgottesdienst zur Feier des cd. Bundes. (Kirchenchor. Posaunen höre, Kollekte), anschließend Kranzniederlegung und Feier am Gefallenendenkmal. 1' . Abmarsch deS FestzugeS zur Feier auf dem Schiffenberg. Garbenteich: Siehe Watzenborn-Steinberg. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, den 18. 3ult. 47, u. 7 Beichte. Sonntag, 19.Juü. 7. Sonntag n. Pfingsten. 6' /,Beichte, 7 Meste. Kom. der Iungfrauen u. Hausangestellten. 8 Kom., 9 Hochamt m. Predigt, 11 Meste mit Pred., 2 Sakramentalische Bruderschaftsandacht, 3 Versammlung der Jungfrauen-Kongregation und der Hausangestellten. - Grünberg. 97, Meste mit Predigt. — Hungen. 8 Meste mit Predigt. — Laubach. 10 Meste mit Predigt. - Sich. 10 Hochamt mit Predigt. u n g e v • - • - — - reiche Rvhrbrüche. de durch die fortwährend alarmierte Feuerwehr beseitigt werden muß'.«». Menschenleben kamen nicht zu Schaden. Der Fernsprechbetrieb war nahezu vier Stunden gestört. Rach 3 Ubr zogen abermals Gewitterwolken über die Stadt und entluden sich in kurzen deftigen Schlügen und einem auSgiebigen Regen. - Der 23jährige Auslauser Anton Hill auS Bocken b«m wurde Donnerstag nachmittag ein Opfer feiner Hilföb.reitfchast. In der Mertonstrahe gewahrte er einen Lastkraftwagen. von dem eine Kiste abzuftürzen drohte. Hill rief den Führer an und trat habet dicht an den Wagen heran. Durch einen unglücklichen Zufall wurde der junge Mann über* fahren und auf der ©teile getötet. über -OC ciud Rowich und etwa 60 Ziegen. Die von zahlreichen Landwirten auS den genannten Kreisen und dem Kreise Alsfeld besuchte Schau liefert de» BcwecS, daß die Zucht des hoben- ständischem Vogelsberger Rindes gute Fortschritte macht Auch schönes 3iegemnatcral. besonders auS dem Kreise Marburg, war vertreten. fpd. Frankfurt a M.. 17. Iuli. Em ©cmit ter entlud sich heute mittag kurz nach 12 Uhr in fast einundeinhaldstünd gern Wüten mit furchtbarer Kraft, da e^ sich in dem Winkel zwischen Rhein, Main und Taunus versina, über der Stadt und tobte sich hier völlig au». In den berg fein« Mitwirkung zugesagt hat. RachwittagS wird eine Festversammlung bte Frauen mit ihren Töchtern bä Kas.ee und Kuchen vereinen. Verschiedene Ansprachen werden der Bedeutung deS Tages gerecht werden, außerdem sind zur Unter- verschiedene Darbietungen geplant. meister bestätigt. !'! Ober-Oh men, 17. Iuli. Der Ohm- Lumda-Sängerbund hielt hier unter starker Beteiligung von etwa 30 Gastvereinen des nordwestlichen Vogelsberges sein Bundes- s ä n g e r f e st ab. Gleichzeitig feierte der hiesige Gesangverein „S ä n g e r l u st" seine gab*, nenweihefest. Ein stattlicher Festzug bewegte sich durch das geschmückte Dorf nach dem Festplatze. Die Begrüßungsansprache hielt der BundeSvorsitzende Lehrer Sommeriad. Pfr. Iung hielt die Weiherede der neuen Fahne. Eine Fahnenschleife widmeten die Iungfrauen des Dorfes. In gesanglicher Hinsicht wurde von den Landvereinen Gutes geleistet, waS allgemeine Anerkennung fand. * Brauerschwend, 16. Juli. Dem Landwirt St Fischbach von hier gingen heute beim Kleehclen die durch Mückenstiche unruhig gewordenen Pferde durch. F. geriet mit einem 2lrm zwischen die Speichen eines Rades und muhte schwerverletzt noch dem Krankenhaus in Alsfeld gebracht werden. t Aus dem nördlichen Oberhessen, 16. Iuli. Während die Heidelbeere auf dem Basaltboden des Vogelsbergs nicht die für sie nötigen Lebensbedingungen vorfindet, ist der sandige Boden des sich im Rorden und Rordosten an den Vogelsberg anschließenden großen D u n t- s a n d st e i n g e b i e t e s f ür das Fortkommen der anspruchslosen Pflanze besonders geeignet. Der nördliche Teil des Kreises AlsfelS und im Kreise Lauterbach besonders das waldreiche © ch l i h e r l a n d sind daher daS Hauptverbrei- tungSgcbict der Heidelbeere in Oberhessen. Hier und in den sich anschließenden preußischen Landesteilen bildet di« Heidelbeere in den Waldungen, vor allem in den Radelbeständen, unermeßliche, ausgedehnte Bestände, wie man sie sonst tn Hessen nur noch int hinteren Odenwald antrifft. Für die Bewohner der Hei- delbeergegenden bietet die Zeit der Heidelbeer- ernte eine wichtige DerdienstmöglichLeit, zumal vor allem auch die Schuljugend, für die es in vielen Orten Heidelbcerferien gibt, helfend tätig fein kann. In den Heidelbeerorten des Schützer» landes und des Kreises Alsfeld herrscht auch in diesem Jahre wieder eine starke Rachfrage. An den Stationen der Bahnlinien Alsfeld— Riederaula und Salzschlirf—Riederaula sind die Händler zur Zeit noch fleißig mit dem Verladen der köstlichen Waldfrucht beschäftigt. Die Leute aus der Alsfelder und Schützer Gegend, die früher mit ihren Tragkörben nach Gießen und in die Orte der Wetterau tarnen und von der Jugend mit dem bekannten Reim, „Heidelbeern, wenn fe not so teuer toeam“ begrüßt wurden, brauchen heute die weite Reise nicht mehr anzutreten: sie werden das Ergebnis ihrer mühseligen Tagesarbeit schon am gleichen Abend bei den Aufkäufern los. Dis jetzt wurden für das Pfund von letzteren 30 bis 35 Pfennig bezahlt. Leider entspricht der Ertrag der heurigen Ernte nicht den Erwartungen, die man nach dem reichen Dlütenansay hegen durfte. Leichte d. Lützellinden, 17. 3uli. Die hiesige Gemeindevertretung hat die Erhebung einer G e - meindehundesteuer beschlossen. Für jeden gehaltenen ersten Hund sind 5 Mark, für jeden zweiten 8 Mark und für jeden weiteren Hund 20 Mark jährlich zu befahlen. — Ein von der hiesigen Gemeinde auf der Rheinischen grünen Messe (Ausstellung deS Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreuhen und des Messeamts Köln) in Köln ausgestellter Vogel sberger Zuchtbulle erhielt den 1. Preis. d. Hörnsheim, 17. Juli. Der ec- rn ein berat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen. die Ruine bei dem Helmschen Hause herzustellen und die Arbeit insgesamt an einen Unternehmer zu vergeben, dessen Auswahl dem Bürgermeister in Gemeinschaft mit dem Gemeindevorsteher überlassen bleibt. Außerdem sollen etwa 200 lausende Meter Weg „In der Au' ausgebaut und die Stück* und Decksteine hierzu von dem Bauunternehmer Schäfer von Dornholzhausen bezogen werden. Di« Stücksteine sollen in der Frohnde und die Decksteine von dem Unternehmer Schäfer, der auch den Ausbau übernimmt, angefahren werden. Die Erweiterung der Lichtleitung zu den neu gebauten Häusern soll auf Gemeindekosten geschehen. Der Antrag des Presbyteriums auf Erhöhung der Organi ft -(Sntfdj ab i- gung auf 150 Mk. wurde genchmlgt, ebenso die Erstattung des Lohnausfalles für besondere Anlässe (z. B. bei Beerdigungen). Des weiteren wurden der Kirchengemeinde die zur Zahlung der Synodalbeiträge erforderlichen Vorschüsse aus der Gemeindekasse zur Verfügung gestellt. b. Dornholzhausen. 17. Juli. Der Gemeinderat beschloß, das Anfahren der Steine zum Straßenbau nach La na-GönS im Eigenhandbau vornehmen zu lassen. Wer sich weigert, die auf ihn entfallenen Fuhren zu leisten, muß die durch die Anfuhr der Steine durch Dritte entstehenden Kosten tragen. Der „Auweg" soll durch die Verwendung von 60 Kubikmeter Kleinschlag teilweise au8gebaut werden. Die Lieferung des Kleinschlages ist dem Bauunternehmer Schäfer von hier zum Preise von 5,50 Mark je Kubikmeter übertragen. — Der Weißbinder Heinrich ©Dingen stürzte beim Brechen von Kirschen auf dem Grundstück seines Schwiegervaters infolge Bruches der Leiter vorn Baurn und zog sich hierbei erheblicheDer- letzungenzu. d. Oberkleen, 17. Juli. Der Jagdaufseher Otto Eigen st etter von hier erlegte im hiesigen Gemeindewald ein Wilds chwein (Uebcrläufer) im Gewichte von einem Zentner. Hessen-Nassau. ][ Marburg, 16. Juli. Die vorn Marburger Pferdezuchtverein veranstaltete Fohlenschau mit Prämiierung brachte einen Auftrieb von 72 Fohlen. Es erhielten erste Preise für Kaltblüter Höhl-Reuhof, Bauerbach- Ginseldorf und Brühne-Fleikenbühl: für Warmblüter Fischer- Beltershausen und Preis- Bortshausen. ][ Kirchhain, 16. Juli. Der Verband kurhessischer Rvtviehzüchter für die Kreise Kirchhain, Marburg und Frankenberg hiett gestern hier eine große Rotvieh- und zugleich auch eine Ziegenschau ab. Aufgestellt waren SesWWi MMioels für daS nördliche Oberhessen. Telephon 254 Gießen Liebigstraße 16. Kostenlose Arbeitsvermittlung und Berufsberatung für beiderlei Geschlecht u. a. für Kriegerwaisen und Kriegsbeschädigten- Kinder Es können eingestellt werden: a) bei hiesigen Arbeitgebern. 3 Aushilfskellner, 1 Polsterer: b) bei auswärtigen Arbeitgebern: ein Spengler und Installateur, 1 junger Schmied oder Schlosser, 1 Wagner, 1 Konditor, 1 Schriftsetzer od.Schweizer- öegen. Es suchen Arbeit. Schlosser, Mechaniker, Schmiede, Elektro- Monteure, Heizung s Monteure, Bäcker, Schuhmacher, Kraftfahrer, Kaufleute, Schreiber, Heizer und ungelernte Arbeiter. Weibliche Abteilung. Gs können eingestellt werden: a) bei hiesigen Arbeitgebern. 1 Köchin für Hotel. Lauffrauen, Dienstmädchen, Alleinmädchen, b) bei auswärtigen Arbeitgebern: Küchen- mädchen,Dienstmädchen. 1 Haushälterin und Mädchen für die Landwirtschaft. Es suchen Arbeit: Büglerinnen. Flickerinnen, Lauffrauen, Waschfrauen, Mädchen für tagsüber und 1 Stenotypistin. 6936B Detr.: Feldbereinigung Dernsfeld, KreiS Alsfeld: hier die Ersatzwahl der Kommissionsmitglieder. Bekanntmachung. Auf Grund von Art. 24 des Feld- bereinigungsgesetzes gebe ich bekannt, daß am Donnerstag, dem 23. Juli 1925, vormittags 10-11 Ahr auf Bürgermeisterei zu Dernsfeld die Wahl eines Ersatzmannes für einen aus der Vollzugs- kommisfion ausgefchiedenen einheimischen Sachverständigen stattfindet. Die Wahl erfolgt geheim durch Abgabe von Stimm- zetteln während obiger Zeit. Jeder beteiligte Grundeigentümer (Art. 10 des FeldbereinigungSgesetzeS) hat eine Stimme. Gewählt ist, wer die Mehrheit der ab- gegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Beteiligte Grundeigentümer können nicht Schiedsrichter oder Stellvertreter sein. Kommt eine gültige Wahl nicht zustande, so hat die Landeskommisfion die Sachverständigen und Schiedsrichter zu be» stellen. Beteiligte können sich durch Bevollmächtigte, die mit einer von einer Behörde beglaubigten oder ausgestellten Vollmacht versehen find, vertreten lassen. (Art. 5 Absatz 3 Feldbereinigungsgesehes). Lauterbach, den 10. Juli 1925. Der Hessische Feldbereinigungskommissar. Ohly. Regierungsassefior. 6981D Bekanntmachung. Die Gemeinde Lollar beabsichtigt, auf dem Wege schriftlichen Angebots einen fetten Simmentaler Dullen zu verkaufen. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Dienstag, dem 21. Juli 1925, nachmittags um 7 Uhr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Bedingungen bekanntgegeben werden. Lollar, den 16. Juli 1925. Hessische Bürgermeisterei Lollar. Schmidt. 6992O Bullen-Submissiou. Die Gemeinde Treis a. d. Lda. beabsichtigt, einen zirka 17 Zentner schweren Dullen zu verkaufen. Die Angebote auf pro Zentner Lebendgewicht find bis zum Dienstag, dem 21. Juli, nachmittags 4 Uhr, auf der Bürgermeisterei f$nftliä) einzureichen. ^988 Verkaufsbedingungen liegen offen. Treis a. d. Lba.» den 16. Juli 1925. Hessische Bürgermeisterei. Will- Der Herbstmarkt in Gießen findet in der Zeit vom 27. September biS 4. Oktober 1925 statt. Reflektanten wollen sich wegen Ueberlaflung vonPlähen für erstklassige Fahr- und Schaugeschäfte sowie für Verkaufsbuden, bis spätestens 20. August 1925 an die Stadtverwaltung (Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Rr. 12) wenden, wo die Bedingungen er» hältlich sind. Angebote find unter Verwendung des vorgeschriebenen Angebotsscheines, schriftlich, mit der Aufschrift „Angebote für den Herbstrnarkt 1925“ an die oben bezeichnete Stelle einzureichen. Da der Herbstrnarkt ein beschränkter Markt ist, erfolgt die Zulassung von Jntereflenten ganz nach dem dafür vorliegenden Bedürfnis. Glückspielunternehmen jeglicher Art werden nicht zugelaflen; für Spezialisten steht nur ein begrenzter Raum zur Verfügung, nach deflen Vergebung weitere Jntereflenten nicht mehr zugelaflen werden. Die Vergebung der Plätze geschieht nur durch die Stadtverwaltung. Gießen, den 18. Juli 1925. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Rosenberg 6960B waß'erlettungsarbeiten. Mittwoch, den 5. August dS IS, vormittags 11 Uhr, sollen auf unserem Bureau die Angebote für die Waflerver- sorgung Salz, Keis Lauterbach eröffnet werden. Los 1 Hochbehälter (80 cd in Inhalt) Los 2 Rohrleitungen 3000 m mit Haus- anschlüflen. Angebotsvordrucke sind von uns zu erhalten für Los 1 zu 2 Mk., für Los 2 zu 5 Mk. Pläne und Bedingungen liegen auf unserem Bureau offen, freie Auswahl bleibt Vorbehalten. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 13. Juli 1925. Hessisches Kulturbauamt Gießen- 5. Steinbach, Reg-Daurat. 6961c Arbeitsvergebung. Für den unterirdischen Anbau eines Krematoriums an die Kapelle des Reuen Friedhofes sollen die Erd» und Maurerarbeiten vergeben werden. Angebote auf Vordruck sind bis zum Eröffnungstermin am Dienstag, dem 28. JuN d. I.» vormittags 10 llbr, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist vier Wochen. Gießen, den 17. Juli 1925. Stadtbauamt Braubach. 70078 Sw&iinfl doii BkGiickrockitcn. Unter Hinweis auf die staatlichen Der- dingungsvorfchristen sollen für den Reubau deS Physiologischen Instituts zu Gießen öffentlich vergeben werden: zirka 1550 qm Fafladenpuh, Oelsarbenanstrich an 800 qm äußeren und inneren Fenstern, 170 Ifd. m Hauptgesims, 365 Isd. m Dach- kandeln und Abfallrvhre usw. Die DerdingungSunterlagen liegen auf unserem Amte, Stephanstrahe 18, zur Sin- sicht offen: Angebotsvorschriften find daselbst, soweit der Vorrat reicht, zum Herstellungspreis erhältlich. Angebote sind verschloflen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum Mittwoch, dem 29. d. M., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, den 16. Juli 1925. Hessisches Hochbauamt. I. D.: Kuhlmann. 6998c -Schlafzimmer- Elche, Birke. Mahagoni. Herren- und Speisezimmer moderne Ettchen mehr billig. Prell. AufWunech bequemeTeilzahlun £ 3Ieiair«eU. LV.-, Chalseieug. 4b.- an Möbelhaus J. Ittmann. Inh.: A. Brumlik. Bahnhofstr. 29 Generalversammlung deS lanbro. KonsumSvereinS ($. ®. mit unbelebt. H. zu Wroncn-Buseck. 2«. Juli l.I., nachm. 3 llbr, bet Gastwirt W agner. TaneSordnnng: m ,,, , 1. Rechnungsablage für 192-1, 2. Ausschluß von Mitgliedern, 3. Verschiedenes. Der Vorstand: H. Meuer, 1. Direktor, K. Rohrbach, 1. Stellvertreter. Die Bilanz liegt 8 Tage den Genossen »urEinsicht offen. Bilanz vom 31. Dez. 1924. Aktiva Warenbestand 3L Dezember Kassebestand „ » AuSstüude n „ Mankoertatz „ « v. Lagerhalter „ - ./< A 12409.45 7X50 395.- 321.70 13204.65 Passiva Reservefonds aus 1923 Geschäftsanteile Vorlage von Genossen Gewinn , Noch zu zahlender schalt _ „ „ Warenschuld Maukooerg. Ji ' A 659.- 4053.97 59L10 7800.58 100 1M5Z Mitgliederbestand Ende 1923 — 273 ab in 1924 8 Daher Bestand Ende 1924 265 H, Meyer, Direktor, ft. Rohrbach, 1. Stellvertreter. 6980D Einige besonders preiswerte Steppdecken billigst abzugeben, oeoes E. SCHOTT Walitontr, 24. Kein Laden. Drucksachen aller Art Mert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und prdi-wen die Brüh l’i ehe ÜQlv. Dmckerci, R. Lange. 06021 Reich uns die Hand! Schütze Deine Familie! 06019 WS raZOräASJIHOtthDRESBEN Generalvertretung und Kommissions.ager: Dr. Kipper verreist Deutscher Begräbnis- und Versicherungsverein Deutscher Herold M. 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Bon anderer Seite hatte ich gehört, das; Konstantinopel so still wie London am Sonntag sei. In beiden Bemerkungen (tzleichklang. Wirst du es zum frohen Feste, Trinke froh wie andre Gäste! Aber trinkst du immer mehr, Wirst du es vielleicht zu sehr. KrenNvorträtsek. Es bedeuten: Don links nach rechts: 1. Rebenfluh der Donau, 4. feines Gewebe, B. Rebenfluh der Donau, 10. Gesetzliche Gemeinschaft. 11. Bauernhof, 12. Daum. 14. Radelhoiz, 16. altperuanischer Herrschertitel, 19. plattdeutscher Rame, 21. Bücherbrett, 24. Dolksstamm, 26. Stadt in Südtirol, 27. griechische Göttin. 28. syrische Königstochter, 29. Schwimmvogel. Don oben nach unten: 1. Freytagsche Romanfigur, 2. Rebenfluh der Donau, 3. Kloster höheren Ranges, 5. männlicher Personenname. 6. Teil des Kopfes, 7. früherer Zirkusbesiher, 9. Liebersichtstafel, 13. Göttin, 17. Erdteil, 18. geographische Bezeichnung, 20. Drahtschlinge, 22. biblischer Rame, 23. biblischer Rame, 25. Farbe. Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Delphi, 2. Eichstätt, 3. Stund«, 4. Ritter, 5. Uri, 6. HavaS, 7. Marat, 8. Ewald, 9. Stade, 10. Dulwer, 11. Erwin, 12. Grabbe, 13. Lakai. 14. Eichsfeld. — Des Ruhmes Begleiter ist der Reid. Bruchstück-Aufgabe. od — lm — ob — ai — ck — um — is — Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redakttonstisch Die Klassiker. Goethe und Schiller bringt in ihren Spalten Wohl jede Zeitung gern — 's ist wahr: Denn zweitens können diese nie veralten, Lind erstens: Kosten sie kein Honorar!! Schnell fertig. Die Familie wollte in die Oper gehen, und bereits eine halbe Stunde lies der Hausvater unruhig aus und ab, da Frau und Tochter nicht fertig werden wollten. „Wieviel Zeit Ihr Weiber immer braucht!" schrie er schließlich wütend. „Nehmt Euch an mir ein Beispiel: Ein Stückchen Watte in jedes Ohr — und ich bin fertig!" Die junge Lhe. „Wieviel Jahre bist Du eigentlich verheiratet?* fragte ihn ein alter Bekannter beim Wiedersehen. „Noch kein Jahr", erwiderte er kurz. „Was? Das ist doch nicht möglich?" „Doch," sagte er, „meine Frau war 24 Jahre, als wir uns heirateten, und sie ist noch immer 24." Marltbildchen. Durch das Gewühl des Wochenmarktes schreitet suchend und schauend eine junge Dame. Dor einem Stande, der mit einem Berge faftlggrüner Salatköpfe zum Kauf einlädt, macht sie Halt. Sie zögert, der Salat sieht zwar schön aus. doch es fragt sich, ob er auch fest ist. 11 nb prüfend drückt sie einen der Köpfe zusammen, legt ifjn aber gleich darauf errötend wieder aus der Hand, denn mahnend erhebt sich die Stimme der Hökerin: „Fräulein, knutschen Sie Ihren Herrn, aber nich meine Salatköppe." und Plätze sind dieselben wie im Aliertum. Durch die griechisch-römischen und byzantinischen Hauptstraßen ährt jetzt die Straßenbahn. Die Stadtmauer des Theodosius aus dem 5. Jahrhundert bildet noch heute die Westgrenze der Stadt. Der Aquädukt des Valens aus dem 4. Jahrhundert bringt noch jetzt Wasser in die östlichen Stadtteile von Stambul. Freilich liegt über ollem diesen der schimmernde Glanz des türkischen Kunsthandwerks und des orien- talijchen Lebens. Stambul ist jetzt im Frühling bezaubernd schön. Riesige rotviolette Iudasbäume tehen neben den ernsten Zypressen, lieber altes Ge- mäuer hängen Ströme von gelben Rosen und zart- violetten Glyzinien. Millionen von Zitronenfaltern taumeln um die Blüten. Dies alles nicht nur außer- halb der Stadt, sondern mitten in Stambul. Zwi. chen die lebhaften Gefchäftsstroßen schieben sich ausgedehnte Brvndselder, die man sich selbst überläßt und die die Natur sich erobert. UeberaU liegen auch alte Friedhöfe, die an Stimmung alle europäischen Friedhöfe weit hinter sich lassen. Dor der Stadtmauer ziehen sie sich meilenweit hin, aber auch in allen Teilen Stombuls erfreut sich das Auge an den dichtgestellten Marmorstellen unter üppigster Vegetation. Jede größere Moschee hat auch ihren Begräbnisgarten, in dem die kuppelgedeckten vier- oder achteckigen lürben, d. h. Mausoleen der Sultane sich über die kleineren Monumente erheben. Daran grenzen dann Medressen. d. h. Schulen für Geistliche. In einer solchen bei der Suleimanie, die von Sinan erbaut «st, ist das neue Efkas-Museum ür islamitische'Kunst eingerichtet. In einer anderen bei der von demselben Künstler geschaffenen Prin- zenmoschee habe ich mit einem Türken unter der Säulenhalle des Hofes die romantischste Teestunde meines Lebens verbracht. Unter den Mariftorsäu- len mit Stalaktit-Kapitellen öffnen sich kleine Wohnräume. Dor einem faß der Türke mit feinem kleinen Herd, auf dem er mir herrlichen, duftenden Tee bereitete und in ein glockenförmiges, bunt- betupftes Gläschen einfchänkte. In der Mitte des Hofes steht der Reinigungsbrunnen, wie in den Dorhöfen der Moscheen und einst in dem Atrium der byzantinischen Kirchen. Wie dort ist er von alten Bäumen, hier blühenden Kastanien beschattet. An der Marmorwand des achteckigen Brunnens find Zypressen in Relief gebildet. Ein weit vorspringendes Dach schützt das kostbare Nah vor Verunreinigung. UeberaU in Stambul findet man herrliche, von Sultanen und Dornehmen gestiftete Brunnen, deren hohe Marmorwände mit zarten, oft farbigen Ornamenten überspannen sind. UeberaU kann man sich also bei seinen Wanderungen reinigen und erfrischen. Es gibt nichts Köstlicheres als diese Wanderungen durch Stambul. Man blickt durch ein geschweiftes, 'hohes Marmortor auf eine weiße Marmor- treppe und sieht auf ihr eine schwarze Negerin kauern. Man geht wie verzaubert durch stiUe Straßen mit roten und grauen Holzhäusern, deren vorspringende Erker von einem schrägen Balken oft nur noch mühsam im Gleichgewicht gehalten werden, und an deren Gitterstäben sich türkische Frauen die Nase platt drücken, um herauszuspähen. Esel, oben mit einem Reiter, seitlich mit mächtigen Kör- beparft, nehmen die ganze Breite ein. Ein Knabe schleppt auf den Fisch von Manneslänge vorbei, mit Hilfe eines Sattels ähnliche Esel. Düffel ziehen schnaufend ... Reihenfolge nach aneinandergereiht, den Ramen eines nordamerikanischen Binnenmeeres. eh — lm — ou — id — ai — lm. — Die vorstehenden Wortbruchstücke sollen durch Ansehen eines Buchstabens am Anfang zu Wörtern ergänzt werden. Aneinandergereiht ergeben diese Erholungszeit. Bosporus, der hier wie ein Binnensee erscheint. An seinen beiden Ufern liegen die marmornen Sommerresidenzen der Sultane. Kleine Dampfer und Segelboote gleiten unaufhörlich über seine Fluten. Rechts gegenüber liegt Stutari. Ein Gewirr von weißen Häusern mit roten Dächern, von mit Kuppeln gedeckten Moscheen, von nabelförmigen Minaretts, von Gärten und kleinen Friedhöfen zieht sich vom Meeresstrand bis zu dem größten Friedhof der Welt auf der Hohe empor. Tausende von Grabpfeilern werden hier von ebenso vielen Tausenden von Zypressen beschattet. Rechts schließt sich Haidarpascha an, mit einer Spitze in das Marmora-Meer auslaufend. Es folgen die zwei Stunden Seefahrt entfernten Prinzeninfeln, deren weiße Häuser man schimmern sieht. Bei klarem Wetter sieht man jenseits des Marmara-Meers den langen schneebedeckten Rücken des bithynischen Olymps. Vor Haibarpascha liegt ein langer Wellenbrecher im Meer, mit Leucht- türmen an den Enden, deren Licht abends zuweilen in mein Fenster blitzt. Dahinter liegt der Bahnhof, der Kopf der anotolifchen und der anschließenden Bagdadbahn. Die Bauten sind von der deutschen Firma Holzmann in Frankfurt mit deutschem Kapital erbaut. Die Früchte ernten nicht nur die Tur- Jen, sondern vor allem Franzosen und Engländer. Der jetzige Vertreter der Firma Holzmann bewohnt ein uns benachbartes Holzhaus, dessen Garten sich mit jedem Garten an der Riviera messen kann. Eine UeberfüUe von Lilien, Margeriten, Veilchen, Rosen, Astern, Levkoien, ein direkter Blick auf das graue Meer, ein unter alten blühenden Kastanien gedeckter Teetisch machen ihn zu einem Garten Eden. Ein einziger großer Rosenstock tragt über hundert edle, blaßrotgelbe Teerosen. Immer wieder klingen mir die Verse des alten Angelus Silesius im Ohr, wenn ich die Herrlichkeiten Konstantinopels genieße : Blüh' auf, erfrorener Christ! Der Mai ist vor der Tür, Du bleibest ewig tot, Blühst Du nicht jetzt und hier! Gewiß wird Konstantinopel viel an Reiz verlieren wenn einmal die Griechen oder die Russen oder die Engländer es den Türken sortnehmen werden. Solche unvergeßlichen Eindrücke wie das Mas- fengebet in der Heiligen Nacht am Ende des Ra- massan, vor dem Veiramfeft in der festlich illuminierten Hagia Sophia werden dann fallen. Dafür wird der schöne alte griechisch-orthodoxe Ritus für den die Kirche gebaut ist, wieder einziehen. Die schief zur Gebäudeaxe gestellte, nach Mekka orientierte Einrichtung, die den gewaltigen Raumeindruck jetzt stört und trübt, wird verschwinden. Dafür werden aus der Tünche die bunten byzantinischen Mosaiken wieder herausgeholt werden, die zu dem prächtigen Raum gehören. Dasselbe wird dem Juwel frühchristlicher Raumkunst geschehen, das jetzt einen Dornröschen - Traum zwischen Trümmerfeldern schläft, der kleinen Hagia Sophia, der Kirche der hei- ligen Sergius und Bacchus. Sie ist das altere und viel schönere Vorbild des viel bekannteren San Vitale in Ravenna. Im übrigen wird Konstantinopel unverändert bleiben, denn Natur und griechischer Ursprung haben ihm für alle Zeiten die Richtlinien gegeben. Aus der Berührung von Orient und Okzident ist hier ein einzigartiges, unzerstörbares Phänomen entstanden. enropäifdjen Ufer und von Stutari rechts asiatischen Ufer vorbei in den äußeren Hafen van Konstantinopel einfuhren, da umschwärmten — Dampfer jeder Größe, vom großen englischen Khe- dioial Mail bis zum kleinen Uebersahrtsdampfer noch Skiitan. Als ich zum erstenmal über die Äer- bindungsbrücke von der Europäerstodt Galata-Pera nach dem türkisch-orientalischen Stambul ging, da fand ich das Gewühl kaum geringer als vor sechzehn Jahren. Allerdings ist es nicht mehr so bunt und so malerisch wie vor dem Kriege. Die malerischen Männertrachten sind bis auf einige Bettler, die sich aus Geschäftsinteressen in bunte Rembrandt-Lum- pen kleiden, verschwunden. Nur der rote Fez, lei- der immer spärlicher mit dem weißen, gelben oder bunten Turban umwunden, bringt farbige Punkte Kleine Strafkammer Wetzlar. Q Wetzlar, 15. 3ult Der Arbeiter Heinrich R. von Wetzlar war seinerzeit vom Amtsgericht Wetzlar wegen unbefugter Iagdausübuna zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden, während ein zweiter Angeklagter damals freigeftirochen wurde. Auf die Berufung des Angeklagten R. hat dieser sich heute erneut zu verantworten. Der Angeklagte war im März 1925 im Jagdbezirk Wetzlar-Nieber- girmes, Distrikt Silbergraben, von dem Zeugen Jagdaufseher St. von Naunheim dabei betroffen worden, wie er abseits vom Weg in verdächtiger Weise Hecken und Sträucher absuchte. Als er den Jagdaufseher St. bemerkte, ließ er plötzlich von diesem Suchen ab und begab sich auf den Weg zu feinem Begleiter. Dem Zeugen St. will es nun aus den Bewegungen des Angeklagten so vorgekommen fein, als ob der Angeklagte eine Waffe wegsteckte. in bas Bild. Die Frauen haben den Schleier fast ganz abgelegt. Doch tragen sie vielfach besonders im Westen von Stambul kleidsame Hauben in gleicher Seide und Farbe wie ihre Kleider, die oft auch noch einen gelegentlich als Kopfbedeckung dienenden Uebersall haben. Die Farbe ist aber meistens schwarz oder grau, und die Mehrzahl der Frauen ist genau so europäisch gekleidet wie die Männer. Das Rassengemisch ist auch lange nicht mehr so groß wie früher Schwarze sieht man hauptsächlich nur noch als Bettler, wobei ihnen die Zigeuner, deren Stimme besonders in der Kindheit einen süßen einschmeichelnden Klang hat, große Konkurrenz machen. Wenn die Griechen aus Feindschaft gegen die Türken Konstantinopel als eine sterbende Stadt ausgeben, so versuchen die Türken aus Nationalismus und Haß gegen die Griechen Konstantinopel zu einer sterbenden Stabt zu machen. Sie haben ihre Residenz von Konstantinopel nach An- gora im Inneren von Kleinasien verlegt und wollen Konstantinopel zur Provinzstadt herabdrücken, denn Äonftantinopel ist und bleibt in seinem Charakter griechisch. Es ist eine griechische Gründung und es blieb auch unter den Römern griechisch. Das byzantinische Kaisertum hielt griechische Sprache und griechische Kultur bis in die Renaissance-Zeit leben- big. Als die Türken im 15. Jahrhundert Konstantinopel eroberten, da wurden die Griechen ihre Lehrmeister in Kultur und Kunst. Der Grieche Ehrislodulos erbaute dem Eroberer Mohammed die mächtige Moschee, die mittelste der drei geroal- tigen, selbst wie Hügel wirkenden auf den drei Hügeln am Goldenen Horn gelegenen Äultftätten des Islam. Die beiden anderen sind von dem Albanesen Sinan im 16. Jahrhundert errichtet. Alle drei aber lehnen sich an die Hagia Sophia an, die von den Griechen Aitthemios von Trolles und Isi- doros von Milet für Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert erbaute Kirche der Heiligen Weisheit, der lehfcn und reifsten baulichen Schöpfung der ausgehenden Antike. Keine der etwa tausend Moscheen in Konstantinopel kann dieses Vorbild verleugnen. Sie alle Haven als Zentrum die Kuppel, um die sich in absteigender Linie allseitig kleinere Kuppeln, unter Säulenreihen ordnen. Entsprechend floß in den Adern vieler türkischer Beamten, die dem türkischen Reiche besonders in kultureller Beziehung wichtige Dienste geleistet haben, griechisches Blut. Bis 1920 gab es in Konstantinopel 200 000 Griechen, darunter viel von edlem reinen Blut das sich hier viel reiner als in dem verslawten Griechenland gehalten hat. Jetzt versuchen die Türken, dieses Element auszuschcckken, und die Verlegung der Regierung nach dem rein türkischen Angora ist ein Mittel zu diesem Zweck. Sie werden ihr Ziel nicht erreichen, außer wenn sie die Griechen aus Konstantinopel ebenso austreiben wie die Griechen aus Smyrna. Dann wird Konstantinopel zur Bedeutungslosigkeit herabsinken, denn Handel und Wandel ist in den Händen der lebhaften, gewandten Griechen. In allen Geschäften wird griechisch gesprochen. Wird man alle diese Kaufleute austreiben? — Mit den Lehrern scheint man es vorzuhaben. In den Schulen soll jetzt eine Prüfung aller nichttürkischen Lehrer stattfinden. Wer nicht türkisch wie seine Muttersprache spricht, wer in den Fächern, in denen er unterrichtet, nicht besteht, wird entlasten. Man nimmt an, daß das bei ziemlich allen Nichttürken der Fall sein wird. Bereits jetzt ist kein Grieche mehr in einem staatlichen Amt. Der Bevölkerungsaustausch mit Griechenland hat diesem bereits jetzt einen Zuwachs von 33 Proz. seiner Einwohnerzahl gebracht. Mit bewunderungswürdiger Energie hat das verarmte, im Weltkrieg von Frankreich unerhört mißhandelte Griechenland diesen Zustrom vertriebe- ner, um ihren Besitz und um ihre Heimat betrogener Menschen untergebracht. In Mazedonien sind ganze Dörfer — davon allein 30 zu je 1000 Häusern von einer deutschen Firma in 6 Monaten erbaut — aus dem Boden gewachsen. Die türkische Austauschbevölkerung aus Saloniki scheint mir viel schlechter versorgt zu (ein. Ich traf einen vierzehnjährigen Jungen aus Saloniki, der weder Schuhe noch eine K 5)0(6 von dem Fürsorge-Komitee erhalten e und sich mit dem üblichen Stiefelputzen ernährte. Wieviel Elend und Ungerechtigkeit hat die vom Völkerbund beschlostene schematische Aufteilung der Rassen in die Welt gebracht! Eine Ausdehnung dieses „Austausches", d. h. dieser Vertreibung der Griechen würde den griechischen Charakter Ronftantinopels mindern, aber nicht endgültig zerstören können. Die Griechen und die Natur haben die Richtlinien für die Stadt gemeinsam und daher unvertilgbar gezogen. Wo einst die älteste Stadt, dann die Palaste der griechischen Kaiser lagen, liegt jetzt der Berat mit den entzückenden Palästen und Pavillons der Sultane. Die Straßen Sonderzug. Gegensätze. 1. Gewinn. 2. Lachen, 3. Ursprung. 4. Ebbe. Tivil, 6. Keller. 7. Laie, 8. Idealist, 9. Eredit. schwere Wagen Die Romantik hört auf, sowie man die Straßen- bahn betritt. Hier herrschen strenge Regeln. Die geschlossene Frauen abteilung gebt es nicht mehr. Dafür sind die beiden ersten Sitzreihen mit im ganzen 6 Plätzen den Damen reserviert, wie ein türkischer und französischer Anschlag besagt. Die Herren müssen also einsteigenden Damen hier Platz machen. Niemals würden sie das auf anderen Platzen tun, so daß immer viele Frauen stehen müssen. Ebenso geht ein echter Türke vor einer Frau aus der Tur. Schauerlich ist bas Gesetz, daß der Schaffner fern Geld zu wechseln braucht. Wer kein Kleingeld hat, muß den Wagen verlassen. Der Führer hält so lange, bis der Delinquent ausgestiegen ist. Ich mochte wissen, was die Schaffner mit den Sacken voll Kleingeld machen, die sie tagsüber einnehmen, denn die Bahnen sind immer überfüllt. Da sehr viel kleine Münze bis zu dem Wert von I Pfennig herab umläuft, so bezahlen die meisten mit einer ganzen Anzahl von Stücken, die zwischen 2\ und 8) Piastern schwankenden Fahrpreise (1 Piaster — 2 Pf.). Wer hätte solchen sinnlosen Vureaufratismus im Orient vermutet' Galata und das darüber liegende Pera auf der Höhe nördlich des tief in das Land einschneidenden Meeresarmes, des nach seiner Form benannten Goldenen Horns, gelten als langweilige, farblose Europäerviertel. In Wahrheit beschrankt sich dieser Charakter auf die wenigen Straßen, in denen Die Hotels und größeren Geschäfte liegen. Schon jeder Blick aus diesen Hauptstraßen heraus ist mindestens so malerisch wie ein entsprechender m Neapel. Gleich neben der Grand Rue de Pera sieht man Überall in abfallende Gäßchen mit Holzhäusern oder man erwischt einen Blick auf das Goldene Horn mit den malerischen Kriegsschiffen und Segelbooten der Türken. Ich wohne ledenfalls m Vera so romantisch wie möglich. Das Haus liegt am Abhang unterhalb der deutschen Botschaft. Man steigt gegenüber einem alten, verwahrlosten, von Zypressen überragten Friedhof einen (teilen Irep= penroeq oder eine noch steilerne Halde herab. Durch ein Tor in einer hohen Mauer kommt man in den Garten, in dem man eine Marmortreppe mit für lange Männerbeine berechneten Stufen emporsteigt. Bin ich bann zwei weitere Treppen bis zu meinem Zimmer emporgestiegen, so wird die Anstrengung durch eine himmlische Aussicht belohnt. Unregelmäßig gestellte Holzhäuser mit reichem Öitterroerf, vorspringenden, von Konsolen gestutzten Dächern und Dachpavillons von Hofen und Garten umgeben, senken sich zum Bosporus herab. Die weitere Aussicht ist von einem der häßlichen, gelb an- gestrichenen Kästen durchschnitten, wie sie Pera und andere Großstädte entstellen. Links sieht man den 10. Heimat, 11. Ernte, 12. Ruhe, 13. Erzieher. 14. Insel, 15. Schwindel. 16. Einbuße. — Glückliche Reise. Kreuzworträtsel. f c m d e l P 1 e U a i 0 » 0 e u — s t n r - r 1 n e z 1 ° e n 0 a - d r BBQ 13 BBB ig QQBisn q B Böffl na n __IBB1I3B13 b bbh 13 B - BQ13B0 3 ID GHB ö BBQ1 Er ging daher sofort auf den Angeklagten zu und fragte ihn nach dem Grunde seines Suchens an der -s)ecke, worauf dieser entgegenete, er suche einen Rechenstecken. Auf die weitere Frage des ZeUAen St, ob Angeklagter im Besitze von Waffen wäre, verneinte dieser. Als aber der Zeuge seine Waffe zog, gab der Angeklagte einen mit 2 Schrotpatronen geladenen Revolver heraus. Das Gericht sprach den Angeklagten des Jagdvergehens schuldig, ermäßigte aber in Anbetracht der seitherigen Unbestraftheit des Angeklagten, sowie mit Rücksicht auf seine lange Arbeitslosigkeit die Strafe auf 10 0 M t. Schwerer Diebstahl, begangen in zwei Fällen, war dem Zimmermann Albert R. von Emmers- b a u s e n zur Last gelegt worden. Dieserhalb hatte das Amtsgericht Braunfels gegen R. 10 Monate Gefängnis verhängt, wogegen der Angeklagte Berufung einlegte. Der Angeklagte ist angeklagt, im Herbst 1918 aus dem verschlossenen Keller des Jagdhauses Schwabacherhof 2 Flaschen mit Inhalt sowie aus dem ebenfalls verschlossenen Holzschuppen eine Säge gestohlen zu haben. Ein kurze Zeit später in dem gleichen Jagdhause erfolgter Einbruchsdiebstahl, wobei eine große Anzahl Gegenstände, wie Inventar- und Kleidungsstücke, sowie Lebensmittel verschwanden, ist dem Angeklagten ebenfalls auf sein Konto gesetzt, weil nämlich bei einer späteren Haussuchung ein Teil dieser Gegenstände bei dem Angeklagten vorgefunden wurde. Der Angeklagte gibt den ersten Diebstahl zu, bestreitet aber, den zweiten ausgeführt zu haben. Die bei ihm vorgefundenen Gegenstände will er seinerzeit auf dem Wege zur 'Arbeit von einem unbekannten Manne gekauft haben. Das Gericht schenkte den Angaben des Angeklagten keinen Glauben, sieht ihn als Täter in beiden Fällen an und verurteilt ihn mit Rücksicht auf die Länge der Zeit und die damals (1918) herrschenden Zeitverhältnisse zu 6 Monaten Gefäng- n i s. Wirtschaft-. Börse und Geldmarkt. Wenn man zu einer richtigen Beurteilung der augenblicklichen Börsenlage kommen will, darf man die inneren und technischen Gründe nicht übersehen, die die Börse mit beeinflussen. Es hat den Anschein, als wenn die Konsolidierung, die wir im ganzen deutschen Wirtschaftsleben beob° achten können, auch auf die Börse übergegriffen hat, und im Interesse der Reinigung ist diese Bewegung nur zu begrüßen. Wohl auf keinem Gebiete hat die Aufblähung während der Inflationszeit derartige Ausdehnung angenommen, wie auf dem des Börsenkommissionsgeschäftes, und es erscheint notwendig, daß — ehe das Ultimo* geschäft wieder in seine alten Rechte eingesetzt wird — hier die Spreu von dem Weizen gesondert wird. Bedauerlich ist' dabei, daß die Schwierigkeiten auch hier nicht auf die.Inflationsgründungen beschränkt bleiben, sondern auch alte, gut eingcführte Börsenfirmen angesichts dec augenblicklichen Rotlage die Flinte ins Korn werfen und zur Liquidation schreiten. Diesen Liquidierungen (man spricht zur Zeit von der Liquidation von vier altangesehenen Börsenfirmen) gehen naturgemäß die Liquidierungen der Engagements voraus. Hinzu kommt, daß gewisse Dörsenzweige sich unter der veränderten technischen Lage nicht mehr produktiv gestalten lassen. Dies gilt in erster Linie von dem Arbitragegeschäft. Man wird also auf die Dauer mit einer wesentlichen Einengung der an der Börse interessierten Firmen rechnen müssen, was — wie bereits angedeutet — der ganzen veränderten Grundlage des Börsengeschäftes nur entspricht. Aeußerlich war in der vergangenen Woche für die Dörsenlage maßgebend die Anhäufung der pessimistischen Meldungen aus den Industriezentren. Die Krise im Bergbau scheint sich auch auf die Eisenindustrie zu übertragen. Kennzeichnend für die Lage in der Eisenindustrie ist r. das überaus langsame Fortschreiten der DerhanD- *lungen, die auf die Kartellierung der einzelnen ^ Zweige hinzielen. Auf der anderen Seite lagen / jedoch eine Reihe von Momenten vor, die ein r Interesse für gewisse Effekten-Kategorien hervorriefen. Hier ist vor allem die günstige Entwicklung der Kaliindustrie zu nennen, die auch dazu beiträgt, daß das Arbeitslosenproblem noch nicht so akut geworden ist, wie es angesichts der dauernden Arbeiterentlassungen in der Kohlenindustrie hätte befürchtet werden müssen. Gerüchte über neue Erfindungen in der chemischen Industrie, sowie über größere Aufträge für die Elektroindustrie riefen Interesse für diese Werte hervor, so daß vielfach.Umtausch-Operationen von Montanwerten in Kali, chemische und Elektrowerte beobachtet werden konnten. Die Entwicklung am Anleihemarkt hat wiederum große Verluste der Spekulation gezeitigt, was sicherlich nicht ohne Einwirkung auf die Gefamtlage der Börse geblieben ist. Hatte man, wie dies vielfach in der Presse propagiert worden ist, die Einstellung der Kursnotiz für Anleihewerte angesichts der undurchsichtigen Entwicklung schon früher vor- genommen, so wäre mancher, und damit auch die Volkswirtschaft, von Verlusten verschont geblieben. Nachdem die Aufwertungsfrage nunmehr durch den Reichstag gelöst ist, wird man voraussichtlich bereits in den nächsten Tagen die Votierung wieder zulassen. Ob sich aber nochmals großes Geschäft in diesen Werten entwickeln wird, steht dahin. Verständlich ist das Interesse, das sich für Vorkriegspfandbriefe zeigt, da unter der Voraussetzung, daß das vom Reichstag angenommene Gesetz auch tatsächlich in Kraft tritt, der innere Wert dieser Pfandbriefe auch unter der Berücksichtigung, daß er sich erst im Jahre 1932 realisieren läßt, die heutige Kursnotierung wesentlich übersteigt. Am Geldmarkt hat sich schließlich doch eine leichte Besserung durchsetzen können, d'.e allerdings bisher nicht das Ausmaß derjenigen der Vormonate hatte. Reben den hierfür schon früher an dieser Stelle herangezogenen Gründen ist auch noch der Termin für die Steuervorauszahlungen zu nennen. Da die in der Steuernovelle vorgesehenen Erleichterungen einstweilen nur in sehr geringem Maße zur Auswirkung kommen, Dürften die für die Steuervorauszahlungen benötigten Mittel enorm fein. Auf der andern Seite werden sie jedoch, indem sie — soweit sie nicht unmittelbar benötigt werden — von den öffentlichen Stellen dem Markte wieder zur Verfügung gestellt werden, wieder in die Erscheinung treten. * D i e G r o h h a n d e l s i n d e x z i f f e r. Die auf den Stichtag des 15. Juli berechnete Großhandelsindexzifser öeS_ Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 8. Juli (135,8) um 0,7 v. H. auf 134,9 zurückgegangen. Börsenkurse. (Ohne Gewähr.) Berlin ftrmtffiirt a.M. Datum: Kaliwerk Westeregeln Loarahüne .... Oberbedarf...... Phönix Bergbau . . 570 Deutsche MctchSanIetve . 4*Vo Deutsche Reichsanleihe . 9’,'s®,'n Deutsche Ncichsanlcthe 3% Deutsche Reichöäuleibe . Deutsch, Svarpramienan leihe 4% Preußische KousolS . . . 4e/o Hegen........... 8‘/.°/o Hessen...... ... 3% Hessen ...... Deutsche Äertb. Dollar-Ant. bto- Doll-Schas-Anwetsng.'l «•/o Bolltürken 5% Goldmcxtkaner..... Berliner HandelLacsellschast. Commerz- und Privat-Bank. Darmst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BereinSbank . . . . Dtsconlo Connnandit Metallbank........... Mitteldeutsche Crcditbank. • Qcsicrreichische Kreditanstalt. Weltbank ......... Bochumer Guß , DnderuS . . . Caro ........... Deutsch-Luxemburg ..... Gelsenkirchener Bergwerk» . . Riedcck Montan . . TrlluS Bergbau. ...... Hamburg-Amerika Paket. .. Norddeutscher Llovd . . . . . Cheramische Werke Albi» . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Auglo-Touk -Goano . . . . , Badische Anilin ....... Chemische Maver HlctÄt .. Goldschmidt . Grießbetmer Electron . * • « 6öd)fter Farbwerke ..... Holzverkohlung RütgerSwerke ...... Echeideanftalt ........ Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bnamann .......... Mtunkrafttverbe........ Schlickert . . Siemens 4 Halske ..... Adlerwrrke Kleyer ..... Dainüer Motoren. ...... Heyltgenstaedt. . ...... Megutn..... ...... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . , . Schuhfabrik Herz...... Sichel . , Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel - . . Schluß fl-iri Schluß Aden». bftrs« Schlnh» Kurs SchluhK Mittag hörte 16.7. 17.7. 16.7. 17 7. _ _ — _ — — — — — — — — .— — — — — — — — — — — — — — — — — —— — — — — 89,75 89.75 91,75 91,75 93,55 93,4 93,5 93 5 6.8 7,1 6,9 6,75 — — - 35,62 123 124] 123 124,75 97.1.3 97 97 97 118 117 117.75 117 119 117,50 118.5 118 63 — — — 107.75 107.50 107,35 107 88 87 — — 96 96 !6 96 8.20 8.20 8,40 8.40 0,08 0,085 0,1 0,1 — — 67.25 68,5 — 49,75 50,70 50 — 48 48 46 61.50 62 61.60 61 50,5 50,75 50,25 50,10 — 103 105,25 103 123 122,5 123.60 123,30 136 132,5 20,3 20,20 — 43 44,5 47 — 53,5 53,5 52,13 — 82 82,7 81.10 — 64,5 65,40 64,25 — 69 71 70 — 2,2 53.9 52 — 62,90 iß.13 55,4 56,25 56,90 — _ 72 71.5 — — 60 58,50 59,5 60 — — 95,75 93 125,5 125,50 126 125,5 0.45 0,45 — 81,60 81.b 82 81,50 115.5 115,25 115 114,75 115.80 115,40 115,70 116,9 5.8 5,85 — — — 68.75 69,50 68,91) 103 25 103 — — 98 98 98,75 97,25 — 73.75 74,5 74,5 84 84.5 — 59 59,25 59,3 59,25 74 74 73.25 73 56,25 66,50 57 57 53 57,5 52 50,50 40 40.25 — — 47.5 47,5 18,5 48,76 — — 61 60 0.4 0.38 — - 0,785 0.77 — 100,5 HK) — 19,5 70,5 — 2,1 2,6 2,6 — 2,5 35,13 35 34,5 33 9,50 9.50 .1,62 9.60 75 75,1 — — 65,25 64,25 66 66 Frankfurter Abendbörfe. Frankfurt a.M., 17. Juli. Die Abendbörfe verlief bei stillem Geschäft in freundlicher und mit leicht nach oben gerichteter Stimmung. Deckungen, die in einigen führenden Werten oorgenommen wurden, förderten die Kursbewegung, die Besserungen von 0,5 bis 1 Prozent aufwies. Die freundlichere Strömung kam namentlich dem Montan- markt zugute. Kaliwerte unverändert. Chemische Aktien leicht gebessert. Am Aufwertungsmarkt bestand weiter Interesse für Pfandbriefe, ohne indes die Kursgestaltung, die gehalten war, zu beeinflussen. Kriegsanleihen zeigten gleichfalls eine Erholung auf 0,255 bis 0,257£. Bon ausländischen Renten waren Türkenwerte bei anziehenden Preisen gut beachtet. Die Abendbörse schloß die Woche in befestigter Haltung. Deutsche Anleihen: Schutzgebietsanleihe 4,350. Ausländische Renten: Bagdad I 8.25. Bagdad II 6,6, Zolltürken 7.10. Bankaktien: Commerzbank 97, Darmstädter Bank 117, Discontogesellschaft 107,50, Dresdner Bank 101, Mitteldeutsche (Kreditbank 96, Oesterreichische Kreditaktien 8,20. Montanaktien: Deutsch-Luxemburg 62, Mansfelder 62,75, Phönix 82, Kali Aschersleben 122,50, Kali Westeregeln 132,50. Chemische Aktien: Badische Anilin 125,50, Elberfelder Farben 115,50, Th. Goldschmidt 81,50, Höchster Farben 115,75. Jndustrieaktien: AEG. 98, Fuchs Waggon 0,625, Licht und Kraft 98, Gebrüder Junghans 68,62, Siemens & Halske 74. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (In Billionen Mark auSgedrückt. BumoS-Aires, London, Neu- York, Japan. Rio de Janeiro für eine. Einheit. Wien, »ad Budapest für 109000 Einheiten. alles übrige rur 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 16 Jnl: 17. Juli Amtliche Notierung (Äeld Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Bu.n.'AtrcS Brff.-?Intw Christtanta. Kopenhagen Stockholm . LclsingforS. Italien. . . London. . Neuyork . . Paris. . . . Schwei» . . Spanien. . Japan . .. 9tio de Jan. Wien in D« Lest, abgest- Prag .... Belgrad .. Budapest. . Bulgarien . Lisiabon Danzig. . . Konstantin. Athen. . 168,16 , 168,58 1,691 | 1,695 19 45 ! 19,47 74,78 : 74,96 87,39 , 87,61 112,61 112,89 10,565 | 10,605 15,58 1 15.62 20,390 20,442 4,195 4,205 19,81 19,88 81.45 81,65 60,82 60,98 1.730 ; 1.751 0 469 1.471 59,06 i 59,20 12,42 1 12,46 7,37 1 7,38 5,895 5,915 3.03 3.04 20 825 -0,875 80,83 1 81,03 2.32 1 2,33 6 99 7.01 Banknote 168,36 1.691 19,36 75,41 87,89 122,68 10,5 t 5 15,46» '0,390 4,195 19,72 81,48 60,77 1,733 0.475 59,06 12,42 7,37 5,895 3,03 20,825 80,83 2,32 6.99 n. 168,78 1,695 19,40 75,59 88,11 122,91 10,605 15,505 20,442 4,205 19,76 81,68 60,93 1,737 0.477 59,20 12,46 7,39 5,915 3,04 20,875 81,03 3,33 7.01 Berlin, 17 Juli. Geld Brief Amerikanische Note» ..... Belgische Noten ........ Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten ...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Dentsch.Ocsterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ...... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . ... 4.175 19,30 87.78 20,354 19,67 167,93 15,54 75,31 59,08 112,37 81,46 60,55 12,39 5,82 4.195 19,40 88,22 20,454 19,77 168.73 15,62 75,69 59,38' 112.91 81.66 60.85 12,45 5.86 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 17. Juli. Zu Beginn der heutigen Börse war die Tendenz allgemein matt, namentlich in Montanwerten. Es hat den Anschein, als wenn hier beachtliche Aktienbeträge an den Markt gelangten, die angeblich aus Kreisen DeS Stinnes-Kousortiums herstammen. Wenn auch offiziell diese Tatsache bestritten wird, so glaubt die Börse doch hierin den Hintergrund für die feit gestern eingetretene starke Ver- f lauung der Mon t anaktien zu sehen. Phönix gingen heute bis auf 80 Prozent herunter, nachdem sie noch vorgestern 86,13 notierten. Gelsenkirchen unterschritten bereits 50 Proz. Auch sonstige Montanwerte lagen recht matt. Verschärft wurde die Bewegung durch neuerliche Blankoabgaben Der Spekulation. In der Frage Der heimischen Staatsanleihen findet zur Zeit eine Sitzung des Börsenvorstandes statt, in Der Dem Vernehmen nach Die Wiederaufnahme der Anleihenotierungen beschlossen werden Dürfte. Die Ten- Denz Dieser Werte war vorbörslich recht matt. Kriegsanleihe gingen zu 0,22772 um, konnten sich aber auf Deckungen hin später etwas erholen. Der Geldmarkt liegt unverändert, tägliches Geld 8,5 bis 9,5 Prozent, Monatsgeld 10 bis 11 Prozent. Am internationalen Devisenmarkt war das Geschäft bei minimalen Schwankungen gering. Wesentliche Kursverände- rungen traten nicht hervor. Die Mark notierte in London 20,42, Zürich 122,60, Paris 5,07, Amsterdam 59,367». Frankfurter «ä::rc;Dcbötfe. Frankfurt a. M., 17. Juli. Getreide, Hülsenfrüchte und Biertreber ohne Sack. Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack. Weizen, Wetterauer 24 bis 24,50, Roggen, inländischer 19,50—21,50, Hafer, inländischer 20,50—23, Mais (gelb) 21—21,25, Weizenmehl, südd. Spezial 37,50—38, Roggenmehl 31,50 bis 32, Weizenkleie 11,90—12,25, Roggenkleie 12/50 bis 12,75. Tendenz: Fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 17. Juli. Der Produktemnarkt lag für Weizen wesentlich fest, für Roggen dagegen wieder matt. Die Kauflust für prompten Roggen, der auch in alter Ware angeboten ist, war sehr gering. In Gerste, Hafer, Mehl unb Futterartirel blieb die Geschäftslage sowie die Preisgestaltung wenig verändert. Es wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, Juli 268,50 bis 270, Roggen, märt. 214 bis 218, do. Juli 214,50 bis 213,75, Wintergerste 210 bis 215. Futtergerste 190 bis 196, Hafer, märt. 240 bis 250, Do. Juli 188 bis 188,25, Mais, loko Berlin 214 bis 216. Raps 340 bis 350; für 100 Kilo: Weizenmehl 33 bis 36,50, Roggenmehl 30,25 bis 32,50. Weizenkleie 13, Roggenkleie 13,50, Viktoriaerbsen. 29 bis 34, kleine Erbsen 25 bis 26,50, Futtererbsen 22 bis 26, Peluschken 23 bis 26,50, Ackerbohren 24 bis 26, Wicken 26 bis 27,50, Lupinen, blau 12 bis 13, do. gelb 15 bis 16,50, Rapskuchen 15,80 bis 16, Leinkuchen 22 bis 22,20, Trockenschnitzel 10,80 bis 11,20, Torfmelasse 9,50 bis 9,60, Kartoffelflocken 25 bis 25,50, Zucker 17 bis 19 Mk (In einem Teil der Auflage wiederholt.) lleberfaK auf eine hessische Eisenbahnstation. Darmstadt, 7. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Ein lleberfatl auf d i e Stationskasse wurde in der letzten Rächt auf der benachbarten Station Messel ausgeführt. Rach Abgang des letzten Zuges um 12.30 Ahr trat ein Fremder mit schwarzer Maske auf den Abfertigungsbeamten: mit vorgehaltenem Revolver zu und verlangte die Kasse. Die Kriminalpolizei in Darmstadt, die von einem bevorstehenden Äeberfall benachrichtigt worden war, hatte sich bereitgehalten und nahm den sich Wehrenden fest, wobei verschiedene Schüsse fielen und der Räuber schwer verletzt wurde. Gr kam in bedenklichem Zustande in das hiesige Krankenhaus. Der Täter soll 27 Jahre alt sein und aus Rürnberg stammen. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus Der „Radio-Tlmschau".) Sonntag, 19. Juli: 8—9 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wart» burgverein Frankfurt a.M. 4—5 Uhr: Kinderstunde. 5—6 Uhr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Karl Zeller (geb. 19. Juli 1842). 7—8 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: Mittelalterliche Erzählungen, erzählt von Dr. Herbert Kranz. 8.30 Uhr: Groteske Lyrik der Zeit. Anschließend: Nachrichtendienst, Wettermeldung und Sportfunkdienst. Sonntagsdienst d.Aerzteu. Apotheken am 19.7.25 San.-Nat Dr. Platz. Dr. Ploch. Htrschapotheke. Zahnarzt: Dr. Kockerbeck. Frankfurter Straße. GEGRÜNDET 1876 Bahnhofstr.65b GIESSEN Fernruf Nr. 1367 Filiale: Lieh (Oberhessen) Flügel und Pianos Universität Frankfurt a. M. Das Vorlesungsverzeichnis für das am 15. Okt beginnende Wintersemester ist erschienen und von der Buchhandlung Biaxok & Bergmann,Frankfurt a.M ,Goethestr.34, gegen Voreinsend. von 75 Pf. zu beziehen, ^’ee Geöenket es öoch recht/ eöle Keeunöe: Mas ist Las Leben? Es glcidjtt einer trübseligen Hundehütte, an Lee öer Mmsch zeitlebens an öer Kette lieget. Welche Sprünge kann er machen? Soweit öie Kette reichet. Unö ihr wollet öie wenigm Kreuöen/ so euch öas Leben lästh noch beschranken unü freiwillig z. H. auf üen mastigen Alkoholgenust verzichten? Äeiö keine Karren/ Hreunüe! Lin halbes Gläschen Ur-Krank Weinbranö oöer Kölner Dom machet euch öie Hunöehütte zum Palast unö verschaffet euch für ein Weilchen ein froh Gefühl/ als ob ihr Grost-Mogule wäret. Dmn fo ein paar Ur-Krank-Tropflein regen öie Stimmung unö öie Veröauung mächtig anz unö öas ist für alle Menschen/ besonöers für Stubenhocker/ höchlichst gesunö. Schoöen tut nur öer unmästige Aitoholgenust, besser gesagt: öer Alkohoimistbrauch. Davor freilich must man sich hüten. Wie man sich vor allem Zuviel hüten must/ beim Essen so gut wie beim Trinken/ beim Sport wie bei allen anöeren Dingen. Mässig genossen wirket Ur-Krank 1852- M Weinbranö oöer Likör * wie eine wunöervolle/ heilbringenöe Meöizin. Wollet einen Versuch machen/ unö ihr weröet preisen für unö für: Ür&t iSj2 Weinbranö Likör Kölner Dom Fräulein Fob. Roman von Anders Efe. 24. Fortjetzung. (Hochdruck verboten.) Die eiLkalte Erfrischung kühlte ihre Nerven, ihr Blut, — Gabby begann ihre Enttäuschungen zu prüfen und fie zu ordnen. Alles in allem war es vielleicht gar nicht fo gefährlich. Natür- iio, wäre es besser gewesen, nicht so blindlings be.umzulaufen, wo eS doch Post und Telegraph qab, aber darüber, dah Fob ihr heilig gegebenes versprechen gebrochen hatte, kam Gabby nicht hinweg. Die ganze sonst so widerliche Uebcrsayrt halte sie sich mit dem Gedanken beschäftigt, wie überrascht Fob sein würde. Beinahe zwei Jahre lang, also eine halbe Ewigkeit, hatte man von" einander nichts gehört, der Gedankenaustausch durch die Post hatte plötzlich aufgehört: auf einen Bries und zwei in langen Zwischenräumen abgcsandte Karten war keine Antwort gekommen, und somit hatte die Korrespondenz ihr Ende gesunden so wie ein Licht auslöscht. Gabby grübelte über Zobs Schweigen nicht viel nach, und als der Tag der Heimreise näher kam, war sic beinahe froh, dah oll die Neuigkeiten nicht in den schmalen, lilafarbenen Kouverts über die Nordsee geschickt worden waren. Gott, wieviel hatte man nun zu erzählen! Das erste, was Gabbys Augen erblickten, als der Dampfer in den Hafen glitt, war Papa Filis Jacht. Da log sie und streckte ihren langen schlanken, schneeweihen Leib im Sonnenglanz, von reingeputzlem Metall funkelnd wie eben nur die Lustjacht eines Multimillionärs. Ein gutes Zeichen, dachte sich Gabby, hier habe ich sic alle beisammen, den alten Fili und Fob, und Hempel und den Kapitän mit seinem verrosteten Bah. Sie sah sich schon an Bord, schleichend wie eine Angorakatze, um von rückwärts mit den Händen FobS Augen zu verdecken und mit heimlich verstellter Stimme zu fragen: ..Wer ist's?" Hnb dann genoh sie den Gedanken aus, welch freudige Ueberraschung sie erregen würde. In dieser Erzählung wurde bisher keine Andeutung über Fräulein Dulcrofts Mut gemacht: auS dem einen oder anderen hat der Leser vielleicht ersehen, dah sie nicht zu den -llci- schüchternsten gehörte. Aber als sie an 3orh der Jacht stieg, und aus die gerade geschilderte Weise zum Achterdeck rorschlich, wo fioj eine Gesellschaft in Sommerkleidern um eine ungeheure Schüssel voll bezuckertcr Erdbeeren dräng., verlor He vor Schreien fast den Atem Hid t ein Gesicht war da, das sie kannte. Uni) nachdem sie Hals über Kopf den Rückzug angetretcn. erfuhr sie von einem der Gäste, dah Erzellenz Thorben seine Jacht vor fast einem Iahr an einen ausländischen Magnaten verkauft Hobe, dessen Name klang wie das beste Gericht aus einer sranzösischen Speisekarte. Enttäuschung Numm?r eins Die Iacht verkauft, die Iacht. die Fob ntchl weniger liebte als ihren Papa, der ihr versprochen hatte, sie niemals zu veräuhern, selbst wenn er fünfhundert Prozent bei dem Geschäft verdienen könnte. Gabby lieh fich gar keine Zeit für den Lüstch. Bedrückt von bösen Ahnungen nahm sie ein Auto und fuhr sofort zum Thorbcnschen Palais hinaus, das gerade vor der Stadt lag. Hier begegnete ihr die Ueberraschung Hummer zwei, noch bevor der Chauffeur das Auto zum Halten gebracht hatte. Das Gartentor war geschlossen. Das vergoldete Gitter erhob sich abweisend und trotzig. Gabby konnte sich nicht erinnern, jemals früher dies gesehen zu haben. Mit steigender (Nervosität suchte sic nach einem Knops, um darauf zu drücken, oder nach einem Glockenstrang, — dah dies mitten am Tage nötig war! Endlich fand sie, was sie suchte, einen halb vorn Schmiedewerk verhüllten Beinknopf. Das Signal gab drinnen im Gebäude ein bösartig surrendes, zischendes Echo, aber dennoch währte es volle drei Minuten, bis ein menschliches Wc^en sichtbar wurde. Gott sei Dank. Gabby erkannte das Gesicht. Das war Walter, der früher auf der Iacht als erste Kajütenwache diente, ein bescheidener, aber denkfauler Mensch, der offenbar zum Zerberus in diesem verschlafenen Schloh befördert worden war. Zum Glück - Gabbys Nerven vertrugen nicht mehr viel — betrug sich Walter in diesem kritischen Augenblick genau so, wie er sollte: er zog die Mütze, öffnete das Dartentor. verbeugte sich und sagte: ..Nein, daS Fräulein Dulcrofl! Das ist aber eine Uebcrrafchung!" . Was soll das hier bedeuten?" fragte das Mädchen in einem Ton, her klaren und augenblicklichen Bescheid forderte. Walter begann sehr heftig zu blinzeln und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber ah mehr kam es nicht. Er muhte nicht, was c: antworten sollte, der arme Walter und zog es daher vor, zu schweigen. Gabby sah ein, dah sie ihre Fragen in Ordnung stellen muhte, und fing daher mit jener an, die ihr am nächsten lag. Warum Haden sie die Iacht verkauft?" ..Wenn ich das mühte." Walter schüttelte betrübt den Kopf. ..Ist Fräulein Fob zu Hause?" Jetzt nahm Walters Gesicht einen Ausdruck noch tieferer Niedergeschlagenheit an. „Es gibt kein Fräulein Fob mehr." Ohne zu denken, was sie tat, packle Gabby den Bedienten so heftig am Arm. dah ihr Driss die Spuren ihrer feinen Fingernägel hinterlassen muhte, w „Ist sie tot?“ „Das nicht," antwortete Walter leise. „DaS nicht, Fräulein Dulcroft. Aber Fräulein Fob ist verheiratet." Sin leichter Windschauer erwachte unvermutet in einem fernen Winkel des Gartens und strich mit seinen schläfrigen Schwingen über die Kronen her Linden Glitzernd floh die Sonne über die Nasenflächen. * Fob verheiratet! Kein Fräulein Fob mehr! Fob verheiratet! Gabby fchluckte ihre Erregung hinunter. Aber sie muhte dreimal schlucken. „Ist Onkel Fili.....ist Erzellenz zu Hause?" .Ich bin allein hier, Fräulein." „Und die Exzellenz?" „ Fort." „Bei Fob?" Walter schüttelte abermals den Kopf. Jetzt sah es danach aus, als ob er an der Rcihs märe, etwas hinabzuschlucken. Gabby beschloß, das Derhbr methodisch fort- zusehen. Walter war zwar wortkarg, aber zu einem Ja oder New konnte man ihn doch noch bringen. Zu beiden Seiten der dekorativen Marmor- treppe waren Nllchen eingelassen, dort pflegte man früher zu fitzen und aber alles mögliche zu plaudern. Gabbv zeigte dorthin: „Komm." Walter folgte ihr wie ein gehorsames Kind, aber es schien ihr. dah er darüber alles andere denn froh mar. Er muhte nicht viel, und waS er muhte, war nur Trauriges „Allo, erstens einmal wann geschah ..... daS mit Fräulein Fob?" Walter suchte nach einer Antwort. Erst suchte er danach über die Baumgipfel. hinweg, dann forschte er auf hem Rasen Aber trotzdem er die ganze Zeit den Atem anhielt und die Stirne in Falten zog, war da» Ergebnis recht armselig nicht eia Laut kam über seine Lippen. .Heuer?" hals ihm Gabby. „Nein." „Voriges Jahr? 3m Sommer?" ..Nicht richtig?" „Allo im Frühjahr?" Stummes Nicken. „Zweitens, wie hieh er?" Wer?" Gabby beherrscht sich Mit dem sich Fob verheiratet hat?" Walter starrte in den Park hinein. „So bars man nicht fragen!" sagte er schließlich. „Wieso?" „Weil cs nickt das Fräulein war, das sich mit jemandem verheiratete, sondern er. der sich mit dem Fräulein verheiratete." „Daraus bist du nickt selbst gekommen, Walter," sagte Gabby entschieden. „Nein," gab er bereitwillig zu. „Daraus ist Fräulein Lally gekommen " Fräulein Lally, die Haushälterin. Hundert Ehanccn gegen eine also, dah die Beobachtung richtig mar. Gabbys Staunen kletterte mit Riesenschritten eine Höhe empor, die kein Ende zu nehmen schien. Fob hatte sich zur Hochzeit schleppen lassen wie ein willenloses Lamm auS hem Jahre 1850! Märchenhast (Fortsetzung folgt.) aus 19 Staaten 80 000 Mitwirkende FÜR DIE REISE • landesliauömi'kscliBle flolzinhita. liMiD-Äille , , ,v,. . in ,AQ, alle Größen la la- Tek. 24V auch nachts fale: Uhr und 7014c Großes verstärktes Orchester Reisekörbe Coupökörbe MAIN-BELEUCHTUNG Beginn des Wintersemesters 13.10.1925. 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