Donnerstag, 17. Dezember 1925 175. Jahrgang Nr. 295 Erstes Blatt GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätt-Vuch- und Seeindruüerei «. Lange in Sieden. Schnstleitung und Sefchäftrstelle: SchnMahe 7. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm 'Breite örtlich 8, ans wärt» 10 Neichspfennig; für Ne« hlamean’eigen ocn 70mm Breite 35 Nei6)spfennig, Plahvorfchrist 20*, mehr Chefredakteur Dr. Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich: für Politik und Ireuilleton Dr. Friede Will). Lange; tür den übrigen Teil (Ernft Blumschein; für den Anzeigenteil Hans 3üftel, sämtlich in (Bieben. Erscheint täglich,autzee Sonntags und Feiertags. Vettagen: Etetzenee Familienblättce Heimat im Bild Die Scholle 81onats»reiU£$rreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- ffcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüffe: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. postschectfonto: Kranffurt am Dlatn 11686. Das Scheitern der Großen Koaiitfon. Absage der Sozialdciuoiratc«. Berlin, 16. Dez. (WB.) Der ReichSminr- ster a. D Koch hat, wie wir auS demokratischen Kreisen hören, am Nachmittag eine Heber« arbeitung seiner Richtlinien vorge» nommen und die neue ergänzte Fassung den in Betracht kommenden Reichstagsfraltion übermittelt. Am Donnerstagvormittag um 10 Uhr treten ■Dann oie Parteiführer erneut zusammen, um über die Beschlüsse ihrer Fraktionen zu berichten. Man nimmt in politischen Kreisen an, das) die Entscheidung dann sehr rasch fallen wird. Bei der heutigen Besprechung der Parteiführer spielte vor allem die Erwerbslosen fraye eine große Rolle, da von der Sozialdemokratie hier ganz bestimmte sehr weitgehende Forderungen gestellt wurden. Jedenfalls erschienen die sozialdemokratischen Vertreter zu der Mittwochkonferenz mit neuen Forderungen, die über ihre bisherigen veröffentlichten Programmpunkte weit hinaus g e h e n. Die Kochschen Richtlinien kündigten in der Erwerbslosensrage bereits erhebliche Fortschritte an. In einem (Beseh sollten alle Arbeitszeitbestimmungen zusammengefaßt werden und gleichzeitig wurde die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens vorgesehen unter der Voraussetzung, daß auch von Frankreich und Belgien die Ratifizierung vollzogen würde. Auch der Arbeitsminister Brauns hatte bereits [eine Zustimmung zu diesen Richtlinien gegeben. Den Sozialdemokraten waren jedoch diese Zulagen nicht ausreichend genug gewesen. Sie forderten eine genaue, bis ins Einzelne gehende Regelung, die sofort vorgenommen werden sollte, u. a. auch die Unterstützung der Kurzarbeiter usw., während es fast unmöglich erscheint, diese schwerwiegen, den Fragen ohne genügende Vorbereitungen zu lösen. Rach der Plenarsitzung des Reichstages traten die Fraktionen des Zentrums, der Deutschen Volks- partei und der Sozialdemokraten zusammen, um zu den ergänzten Richtlinien des Abgeordneten Koch Stellung zu nehmen. Die sozialdemokratische Reichstagssrak- tion gab nach fast vierstündiger Debatte gegen jl Uhr abends roigenbfes (Kommunique aus: Die sozialdemokratische Reichstags'rakiion hat Mittwoch abend einen vefchlutz gefaßt, der ausspricht. daß sie in dem Ergebnis der ge ährten Verhandlungen keine geeignete Grundlage für die Bildung einer Großen Koalition erblickt. Der Beschluß wird Donnerstag früh bei der für 10 Uhr anqc- sehten Besprechung den Beteilig,en überreicht werden. Fast alle Blätter betonen, daß dieser Beschluß der sozialdemokratischen Deichtagsfraktion das Ende der Berhandlungen über Die große Koalition bedeutet und daß dem Abgeordneten Koch nichts anderes übrig bleibe, als sich zum Reichspräsidenten zu begeben, um ihm den erteilten Austrag zurückzu- geben. Der „L o k a l a n z e i g e r" bezeichnet es als nächstliegende Bcrmutung, daß der Reichspräsident nunmehr den bisherigen Reichskanzler Dr. Luther mit der Reubildung der Regierung beauftragen werde. Die ..Germania" erklärt, daß für die Weiterentwicklung der Dinge Diejenigen Die Verantwortung trügen, die das Zustandekommen Der großen Koalition verhinDert unD geglaubt haben, s i ch Durch Die Flucht Der Verantwortung entziehen zu können. Der WiDerstand der Sozialdemokraten gegen die einzig mögliche Regierungsbildung sei ein Schlag gegen öic Republik und das parlamentarische System. Die kommende Regierung werde entweder ein Kabinett mit rechtsgerichteten Einschläge sein — dann möge man sich bei Den Sozialdemokraten bedanken — oder ein politisch weniger eingestelltes Kabinett, das dann doch nur mit stillschweigender Hilfe Der SozialDemokraten regieren könne. Auch die „Voss. Ztg." bedauert es, daß die Sozialdemokraten in einem entscheidenden: Augenblick nicht denMutgefunden haben, über Parteibedenken und Mißtrauen hinweg zu tun, was das Gebot der RotwenD'.gkeit und der staatspolitischen Klugheit wäre. Die Sozialdemokratie toeroc sich den Vorwurf nicht er'paren können, oaß sie'sich negativ eingestellt habe, wo positives Handeln am Platz gewesen wäre. Der „B o r to ä r t s", der in längeren Ausführungen die Haltung der sozialdemokrati chen Fraktion zu rechtfertigen sucht, insbesondere mit dem Hinweis daraus, daß Die sozialdemokratischen Richtlinien für ein Regierungsprogramm nicht angenommen worden seien, teilt mit, daß es das Mißtrauen gegen Die „recht e Flügelpartei" gewesen sei, das zu dem D shluh der foz aldemokratischen Fraktion geführt habe. Das ehrliche Bemühen des demokratischen Parteiführers Koch, ein brauchbares Regierungspro- granrni zu finden, habe allgemeine Anerkennung gefunden. D.e „D ö r s e n z e i t u n g" urteilt: Die Sozialdemokraten denken eben nicht daran, sich unter die Führung des Zentrums und der Volkspartei zu begeben, sondern wollen selber befehlen oder, wenn sie das nicht können, lieber mit den Kommunisten um die Wette für ihre Partei agitieren. Die „Deutsche Tageszeitung" meint, das Verhalten der Sozialdemokratie beweise von neuem, daß es ihr nicht auf sachliche Arbeit ankomme, sondern lediglich daraus, das Zustandekommen der Koalition zu sabotieren. Attentatsplan gegen Stresemann. Ausdeckung eines Komplotts zur Ermordung des Reichs- autzenminifters. — Verhaftung zweier Verschwörer. Berlin, 17. Dez. (TU.) Die „Vojslfche Zeitung' meldet einen aufgedeckten Attentatsplan ge- gen Den Außenminister D r. Stresemann, der im wesentlichen vom Berliner Polizeipräsidium b e st ä t i g t wird. In der Meldung heißt es: Ein verbummelter Akademiker, fi a 11 b o r f f, Sohn eine höheren Beamten, vorbestraft und nach mancherlei Schicksalsfahrt jetzt als Arbeiter in einem süddeutschen wert tätig, nach feinen eigenen Angaben Anhänger Hitlers, empfindet Stresemann als einen Dolksschädling. Er faßte deshalb den Plan, Ihn ju „killen". Er suchte nach Männern, die gleich ihm entschlosien sind, alles aus eine Karie zu setzen. Er findet auch einen Komplizen in einem Bureaugehilfen Lorenz, dem Sohn eines Ober- studlenrats, der nach seinen eigenen Angaben vor dem Richter der Deutschnatlonaten Volkspartei an- gehört und stößt sich auch nicht daran, daß dieser Mann sich schon einigemal in einem Irrenhaus aufgehalten ijaf. Diese beiden besprechen nunmehr miteinander Die Einzelheiten deö Planes: Flugzeug zur Flucht, Verkleidung und all die romantischen Dinge, mit denen man sich nach dem Vorbild der Raihenaumörder und ihres bereitgehaltenen Autos schnell in Sicherheit bringen will, spielen dabei eine Rolle. 3n der Zwischenzeit wird nocheiudritterMann gesucht, den man glaubte in der Person eines Maschinenschlossers gesunden zu haben. Aber in diesem Stadium der Dinge führte vor einigen lagen eine Unvorsichtigkeit des ftaltborf durch einen Brief an den vermeintlichen G sinnungsgenossen, der aber ü b e r b i e Wahl ber Mittel zur politischen Arbeit doch anderer Meinung war als Kaltdorff, zur Verhaftung der beiden. Die beiden Männer sind jetzt in Berlin von der Polizei dem Richter vorgesührl worden, bet bei ihrer Vernehmung einen bestimmten Linbruck gewonnen hat, baß es sich nicht nut um Besprechungen und Vorbereitungen krankhafter, phantastischer und spielerischer Gehirne handelt, sondern daß den beiden, angesichts ihrer politischen Ansicht, ihrer abenteuerlichen Schicksale und Lebensführung und angesichts der ganzen Umstände, in denen sie lebten, die verbrecherische Tat, die sie geplant hatten, wohl zuzutrauen sei. Der Richter hat infolgedessen gemäß Paragraph 49a und 49b des Reichsstrafgesetzbuchs und der Paragraphen 1 und 7 des Gesetzes zum Schuhe der Republik Haftbefehl gegen die beiden erlassen. Soweit Die sensationelle Meldung Der „Voss. Zig.", zu Der von amtlichen Stellen verlautet. Daß jetzt schon festzustehen scheint. Daß Der Attentatsplan über V o rb esprechungen nicht hinausgegangen ist. Irgendwelche Beziehungen zwischen Den Verhafteten unD politischen Parteien sinb nicht fest gestellt worden. Da Die weitere Aufklärung Der Angelegenheit Dem Untersuchungsrichter obliegt, können andere amtliche Stellen zunächst keine Mitte'.l mg en machen. Es muß Daher eine amtliche Erklärung Des Untersuchungsrichters abgewartet werben. Die voraussichtlich heute erfolgt. Rach ergänzenden Meldungen Berliner Blätter waren die beiden Verhafteten KaltDorff und Lorenz, in Den Siemenswerken in Siemen Zstadt bei Berlin tätig. KaltDorff brzeichrete sich bei Der Vernehmung als D e u t s chv ö l k i s ch, Lorenz als Deutschnational. Au^gedeckt wurde D;rPlan Dadurch Daß ein Münchener Rechtsanwalt, Der früher der völkischen Partei angehört hatte unD an den sich die beiden Fest- genommenen unter Mitteilung des Attentats- planes mit Der Bitte um geldliche Unterstützung gewandt hatten, der Münchener Polizei Anzeige erstattete. Diele wandte sich darauf an das Berliner Polizeipräsidium, das sofort KaltDorff und Lorenz verhaften lieh. Mehrere Blätter bezeichnen die bnden Verhafteten als geistig minderwertig. Die „Tägliche Rundschau", das Organ des Außenministers, bemerkt, daß dieser PI-' nicht der erste sei. Am Todestage Rathenaus seien im Garten des Ministeriums des Auswärtigen in Der Dunkelheit von Personen, Die sich Der Festnahme durch die Flucht entzogen hätten, Schüsse abgegeben worden. Auch kurz vor Der Abreise Der deutschen Delegation nach Locarno sei von mehreren amtlichen und privaten Stellen aus München und Berlin auf das Bestehen einer Vers chwör ung zur Ermordung des Reichsaußenministers hingewiesen worden. Verschärfte Wachsamkeit und besondere Vorsichtsmaßregeln hätten die Ausführung der Pläne verhindert. Das Blatt schließt seine Bemerkungen mit den Worten: Die unreifen verhetzten Burschen, die Den neuesten Mordanschlag vorbereitet haben, interessieren weniger als die Frage nach Den intellektuellen Urhebern D?r systematischen öffentlichen Mord- Hetze. Darüber wird noch zu reden fein. Die Nachfolge Loncheurs. Paris, 16. Dez. (MTB.) Senator Paul Beumer hat das ihm vom Ministerpräsidenten angcbolene Portefeuille der Finanzen angenommen. Ministerpräsident Briand hat den neuen Finanzminister um 7 Uhr dem Präsidenten der Republik vorgestellt. Der neue Finanzminister ist fast ein Siebziger, seit 1888 fast ununterbrochen Deputierter, seit 1910 Senator, 1895 zum erstenmal Finanzminister, Dann ®in ra'-Gouverneur von 2ndo- China, 1905 Kammer räsident, 1921 wieder Finanzminister unter Briand. Seine gestrige erneute Ernennung hat in Den Kreisen der Radikalen, wie vorauszusehen war, keine besondere Begeisterung ausgelöst. Wenn Die Linlsgruppen sich wider Erwarten jeder Kritik Der Person des neuen Finanzministers enthielten, so ist das auslchliehtich der persönlichen Interv n ion Bri» ands zuzuschreiben, der vor Dem Zusammentritt Der Ausschüsse alles aufbot, um Beschlüsse gegen Den neuen F n rnzminister zu verhindern. Der Ministerpräl.de t hatte Der R ihe nach mit den führenden Persönlichkeiten des Kartells Besprechungen und hat mit dem H'nweis, daß parteipolit sche Erwägungen h.nter das öffentliche Znteresse zurückzutreten hätten, auch Erfolg •gehabt. Die latente Feindscl gleit der Linksgruppen gegenüber Do um er wird ab r ohne Zweifel bald zum Ausbruch kommen. Der Beschluß der Sozialisten, D.e Einberufung eines außerordent.ichen Kongresses vvrzab.reiten, auf dem Die Möglichkeit einer Wiederanknüpfung mit den übrigen Linksgrappen zur Sprache gebracht werden soll, ist ein Anzeichen Dafür, Daß man für die nächsten Wochen wichtige inner- politische Ereignisse er wartet. Man rechnet Damit, Daß Dourner sich bis Anfang Januar halten und Dann zum Rücktritt gezwungen wird. Seine ganze Ministwtät'gkett Dürfte sich denn auch in der Hauptsache auf die Verabschiedung des Budgets beschränken. Er genießt nicht das hinreichend V rtrauen der Radikalen'. um die gesamte finanzielle Sanierung durchführen zu können. Der „Geist von Locarno". Oberst ein-Jdar (Rahe), 16. Dez. Der Redakteur des Baumholder Stadt- und GanD» boten, W olf, wurde von dem französischen M.litärpolizeigericht in Mainz zu 15 Tagen I Gefängnis und lOOOMarkGeldstrafe verurteilt. Die Strafe wurde wegen eines Artikels über Die Art Der französischen Fremdenlegion Werbung: „15 000 Deutsche in der französ.'chen Marokloarmee" ausgesprochen. 3n Mainz hat die französische Gendarmerie Die Vorführung des Films „Des Königs Grenadiere" verboten. Der inzwischen aus Dem Amt geschiedene Kreisdelegierte, dem der Film am 30. Rovember zur Prüfung vor» gelegt worden war, hatte gegen Die Vorführung keine Bedenken erhoben. Das Elsaß und Frankreich Paris, 16. Dez. (WB) 3n der Kammer verlangte der in Metz gewählte Abg. Lou.s Ausklärung über die Verabschiedung mehrerer Professoren am französischen Gymnasium in Metz. Diese Entlassungen, die auch zwei Priester betroffen hätten, seien, erfolgt infolge einer Kampagne der Liga für Menschenrechte. Sie habe einen schlechten Eindruck hervor gerufen. Wenn ähnliche verhängnisvolle Irrtümer im Saargeb le t nicht statt gefunden hätten, wäre vielleicht das Volk im Saargebiet heute für Frankreich. Der elsäs i.che Abg. Obert irch antwortete hierauf, er forme nur bestätigen, daß die Entlassungen einen unangenehmen Eindruck selbst unter der deutschen Bevölkrung in den Rheinlanden hervorgeru,en hätte. Schließlich forderte Abb< Müller eine Dezentralisierung im .Unterricht. 3m Elsaß könne man nicht in der gleichen Weise vorgehen wie im übrigen Frankreich. Der elsäs,isch: Schüler müsse fein kleines Vaterland lieben lernen, aus diese Weise lerne er vielleicht auch fein großes Vaterland lieben. Unterrichtsminister Daladier erklärte, er mißbillige d c These des Abg. Abbe Müller, denn er trete für Die Einheit Frankreichs ein. 2lvb5 Müller c.itgegne.e, es g be eine f p rach- liche Tradition in Clsaß-Lolhring:n Da das Elsaß eine Vermittlerrolle zu spielen habe, müsse es feine Sprache behalten. Auf diesem Gebiete würde Der Elsässer niemals nach- geben. Auch der Aög. Oberkirch warnte davor, im Elsaß einen besonderen Zustand zu schaffen, der gefährlich werden könnte. Der Elsässer müsse auch die deutsche Sprache lernen. Die erste Bedingung fei, daß das C.saß als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich diene. Auch der Abg. Berthot von der radilalen Partei trat für eine Berücksichtigung der elsässischen Wü s,e ein und fordert» eine en gehen de Debatte über Die Lage in Elsah-Lothringen. Senkung her Lohnsteuer. Deutscher Reichstast. Berlin, 16. Dez. Auf der Tagesordnung steht die 2. Beratung des Gesetzentwurfes über Die Senkung der Lohnste u c r. Rach den Beschlüssen des Ausschusses wird u. a. die Einkommensteuer nicht festgesetzt, toeim die E n- nahmen des Steuerpflichtigen wen ger als 1300 Mark im Jahre betragen. Dieser steuerfreie Betrag erhöht sich für die Ehesrau und das erste Kirch um je 100 Bll'., für das zweite Kind um 180, das dritte um 360, das vierte um 540, für daS fünfte und jedes folgende Kind um je 720 Mk. im Jahre. Bei der eigentlichen Lohnsteuer bleibt nach der Regierungsvorlage vorn Arbeitslohn steuerfrei jährlich 1200 Bit. Diesen steuerfreien Betrag hat Der Ausschuß durch Die Bestimmung erhöht, daß für D.e Ehefrau und für jedes minderjährige Kind außerdem je 10 Prvz. des Arbeitslohnes freible.ben. Der 1200 Mark jährlich übersteigt. Staatssekretär P o p i tz vorn Reichsfinanz Ministerium erklärt, die Regierung sei mit de Anträgen des Ausschusses einverstand n. Si ReichSrat müsse freilich nochmals dazu Stellun nehmen. Das Aufkommen aus der Lohnsteuc chabe den Betrag überschritten, der b Annahme der Steuerreform als Höchst ertrag b stimmt war. Darum bildet Der vor! egende Gesci enttourf die Einlösung des den Lohnsteuerpfliä, tlgen bei Der Beratung der Steuern: form gi gebenen Versprechens. Weit.rgehm>en Anträg kann die Regierung jedoch nicht zustim nen. Abg. Dr. Gerickc (Dntl.) erklärt, feine Freund würden nach der Regierungserklärung schwere Herzens daraus verzichten, den weitergchenden Ai trägen der Linken zuzustimmen. Für die k i n d e t reichen Familien müßte aber eine weiter Erleichterung ohne Erschütterung der Reich; finanAen möglich fein. Die deutschnationale Fra! tion beantrage daher bei der Lohnsteuer über de Ausschußantrag hinaus den gleichen Betrag für da letzte und jedes wertere Kind um 1200 Mark zu er höhen, bei der Einkommensteuer für das letzte uni jedes folgende Kind um 1900 Ml. Abg. Frau Dr. Matz (D. 93p.) wünscht eben falls größere steuerliche Erleichterungen für die kinderreichen Familien. Die Steuerpolitik müsse in Einklang stehen mit einer gesunden Bevölkerungspolitik. Dir Strafverfolgung der Abtreibung müsse aufrechter halten werden. Die notwendige Ergänzung müsse dann aber auch eine Politik sein, die den Kinder reichtum nicht zu einer Strafe für den Familien oater mache. Die Bestrebungen des Relchcbunde der Kinderreichen verdienten die größte Förderung Die Deutsche Dolkspartei halte an den Ausschuß anträgen fest und lehne den Antrag Gencke ab Sie richte aber in einer Entschließung an die Reichs regierung das Ersuchen, in eine Nachprüfung einzutreten, in welcher Weise die Erhöhung der Zuschüße für kinderreiche Familien durchgeführt werden könne. Abg. Hertz (Soz.): Angesichts des großen Ertrages, den die Lohnsteuer im Verhältnis zu den übrigen Steuern bringe, müßten weitere Erleichterungen für die kinderreichen Familien verlangt werden. Dem Antrag Der Deutfchnationalcn könnten die Sozialdemokraten nicht zustimmen Diesem aussichtslosen Antrag lägen w'n -er sachliche als agitatorische Mottve zugrunde. Der Entschließung Der Deutschen Dolkspartei werde Die Sozialdemokratie zustimmen. Abg. Horlacher (Bai. Vv.) befürwortet den auch von den Deutschnattonalen unterstützten Antrag auf Erh'ch "ng des steuersre'en Betrages für über 18 Lahre alte Kinder, die eine fremde Arbeitskraft ersehen. ES handelte sich hier um Die Beseitigung eines schweren steuerlichen Anrechts, das Den Familienbetrieben in Landwirtschaft und Gewerbe ange'an werde. Staatssekretär Po Pitz bittet um Ablehnung Des Antrages Hor'acher. Eine solche Ausnahme sei undurchführbar und würde das ganze Steuersystem umstürzen. Abg. K l i e g (Wirtsch. Bgg.) weist auf die Rotlage der vielen kleinen Landwirte und Gewerbetreibenden hin. die vielfach schlechter da- stehen als Die Gehalts- und Lohnempfänger. Eine steuerliche Erleichterung für Die kinderreichen Familien sei dringend notwendig. Abg. Vruening (Zentrum) erk nnt die Berechtigung der im Antrag Horlacher enthaltenen Forderung n an und beantragt lieber» Weisung Des Antrags an den Steuerausschuh, damit dort ein Weg für Die Verwirklichung dieser Forderung gesucht werden kann Der Antrag Horlacher wird dem Steuerausschuß überwiesen. Unter Ablehnung aller weiteren Abänderungsanträge wird die Vorlage in Der Fassung des Ausschusses angenommen Danach bleiben bei der ßsfynfteuer vom Arbeitslohn jährlich 1200 Mark steuerfrei, und zwar 720 Mark als steuerfreier Lohnbetrag (sogenanntes steuerfreies Existenzminimum), 210 Mark zur Abgeltung der Werbun^skosten und 2'0 Mark zur Abgeltung Der Srnoerleistrengen. Außerdem bleiben steuerfrei für die Ehefrau und für jedes minderjährige Kind je 10 Prozent Des noch Abzug Der 1200 Mark oerbleiebnDen Arbe tslvhnes, mindestens aber 120 Mark für Die Eh-efreu, 120 Mark für das erste Kind 210 Mart für das zweite Kind, 480 Mark für Das Dritte Kind, 720 Mark für Das vierte KinD, je 960 Mark für das fünfte und jedes folgende Kind. Bei Der veranlagten Einkommensteuer' werden in ähnlicher Weise Abzüge gemocht. Die F Eine italienische Erklärung. München, 16. Dez. Das königlich italienische Generalkonsulat erklärte im Auftrage der Regierung, daß die in den Blättern erschienene Aachricht, wonach die Regierung der Bevölkerung des Obeoetschg bietes die Abhaltung des Weihnachtsfefles in der traditionellen Form des Weihnachtsbaumes verboten habe, erfunden sei. Ganz im Gegenteil h be der Königlich? Kommissar in Bozen der Brvölterung des grsamten Gebiets aus den Staatsforsten jede beliebige Anzahl kleiner Weihnacht iburne zur Verfügung gestellt und daran den Wunsch einer fröhlichen Weihnacht geknüpft. Ebenso unwahr und erfunden seien die durch die österreichische und deutsche Presse gehenden Nachrichten, nach denen das Walther- Denkmal aus Bozen entfernt werden soll. Das Denkmal verbleibe auf seinem Standort und werde auch in -Zukunft dort verbleiben. Cs sei nirgends davon die Rede gewesen, das Denkmal zu entfernen, abgesehen von den radikalen Kreisen. — Wir nehmen diZe Erklärung mit Befriedigung zur Kenntnis und wollen nur Hof,en, das; die italienische Regierung diesmal treuer zu ihr stehen wird, als zu früheren feierlichen Dersprechungen des Königs und der verantwortlichen Ministerien. Die Erwerbslosigkeit. Berlin. 15.Dez. (LU.) Dem Reichstage ist eine Denkschrift deS Reichsarbeitsministeriums über die Sozialversicherung 1924/25 zugegangen die eine Uebersicht über die Zahl der von der Erwerbslofenfürsorge Unterstützten enthält. Sie betrug am 1.3uli 1924 426 420, wozu 542 707 Zus chlagsempfänger (Familienangehörige) tom» m.;t. Ihren Höhepunkt erreichte die Erwerbs- .losigkeit nach mehrfachem Schwanken am 1. Februar 1925, wo es 593 024 Hauptunterstützungsempfänger und 814 157 Zuschlagsempfänger gab. Der niedrigste Stand war am 1.3ult d. 3-, wo nur 195 099 Hauptunterstützungsempfänger und 288 868 Zuschlagsempfänger vorhanden waren . Seitdem find die Zahlen wieder dauernd Im Steigen begriffen: sie haben am 15. November die Hohe von 471333 und 570 090 erreicht. Die Stadt Dortmund ist im wesentlichen infolge der Unmöglichkeit der Anleihebeschaffung und der Verzögerung des Steuereingangs genau fo wie viele andere Gemeinden des rheinisch-westfälischen Industriegebiets in eine schwierige finan - z i e l l e Lage gekommen, so daß noch nicht fest- steht, ob die Ende Dezember fälligen Gehälter zur Auszahlung gelangen können. Vorsichtshalber . feien deshalb dle für eine etwaige Kürzung der Gehälter erforderlichen Vorarbeiten eingeleitet l worden. Vorlage wird darauf auch in dritter Lesung angenommen und mit ihr die Entschließung der Abg. Frau Dr. Matz zugunsten der kinderreichen 'Famiucn. Die dritte Lesung des Reichshaushaltsplanes wird dann beim Ernährungsministerium fortgesetzt. x c Abg. Weide nhoefer (Dat.-cooz.) fordert die Ausscheidung der Parteipölitik in landwirtschaftlichen Fragen. Die bisherige Regierung habe wenig Aktivitität bei Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft gezeigt. Die Zollvoriage, die der Landwirtschaft helfen sollte, sei unwirksam gemacht worden durch die Handelsvertragsabschlüsse der Regierung. „ Abg. Dorsch (Dntl.) weist die von Rednern der Linken gegen den Reichslandbund gerichteten Angriffe zuruck. Der Crnährungsminister habe die Lage der Landwirtschaft noch viel zu günstig geschildert. Abg. Hem et er (Dntl.) befürwortet einen Antrag auf Schaffung eines Rahmengesetzes für die Ausbildung der landwirtschaftlichen Gutsbeamten. Ein Gesetz fei notwendig. weil viele ungeeignete Elemente sich in diesen Beruf geschlichen hätten. Ein Regierungsvertreter erklärte, die Regierung sei bereits mit den Vorarbeiten für ein solches Gesetz beschäftigt. Abg. Hemeler zieht darauf seinen Antrag vorläufig zurück. Weiterberatung Donnerstag. breitet sich der Redner in kommunstischen Gedanken- aänqen. Dr. Möbus (Hess. Landbimd) wendet sich gegen die deutsche Sucht, ausländische Erzeugnisse den inländischen vorzuziehen: warum sei es nötig, daß so viel ausländischer Wein in Deutschland getrunken werde. Der Redner schildert dann im einzelnen die Gefahren, die die Handelsverträge für den deutschen Weinbau, Gemüsebau und Obstbau bringen. Die Landwirtschaft wolle keine Geschenke, sondern nur Zollschutz. Abg. Schott (D. Vp.) weist auf die Rot des Weinbaues und der weinbautreibenden Gegenden hin. In Rheinhessen werde fast ausschließlich Weinbau getrieben. Die Konjunktur sei die Ursache aller Rot. Die Flaschen- und Glaspreise für Wein wären immer noch sehr hoch: doch damit hübe der Weinbau nichts zu tun. Der Wci-'iau könne sich nicht halten .wenn der Zoll unter das wirtschaftliche Maß heruntergefetzt werde: dieser Zollschutz bestehe jetzt nicht mehr. Die Stadt Mainz habe ihren ganzen Auslandwcinhandel (nach dem Osten) verloren. Leider frage das Publikum vielfach nicht danach ,ob es deutschen oder ausländischen Wein trinke. Da in Hessen und in ganz Deutschland insge- amt 2 Millionen Menschen vom Weinbau leben, o habe der Staat die Aufgabe, sie vor dem mirl- chaftlichen Versinken zu schützen. Der Rat an die weinbautreibende Bevölkerung zu einem anderen Berufe überzugehen, sei völlig falsch. Die Wein- teuer sei viel zu hoch, ebenso die Umsa steuer: daher sei eine Erböhung des Zollsatzes notwendig, um die den Wein belastenden Steuern Herabzuetzen. Abg. Blank (Zentr.) sprich! über die Verschuldung der Landwirtschaft, die um das Doppelte gestiegen sei. Die hohen Zinssätze und der Steuerdruck erschwerten es, aus der Krise herauszukommen. Diese Krise sei jetzt eine nationale Angelegenheit, denn das ganze Voll leide darunter. Die Währung wäre nicht zu halten, wenn nicht der Landwirtschaft geholfen werde. Die Reichsregierung sei noch weit davon entfernt, eine der Landwirtschaft günstige Handelsvolitik zu treiben. Der Antrag Weckler zur Befreiung der landwirtschaftlichen Saisonarbei- t e r von der Beitragsleistung zur Erwerbs- losensür sorge wird abgelehnt. Die Mehrheit für diesen Beschluß seht sich zusammen aus Sozialdemokraten, Demokraten. Kommunisten und einem Teil des Zentrums. Es werden bann noch Anträge beraten, die eine Herabsetzung der Pachten für f i s° kalisches Gelände bezwecken. Es sind dies Anträge des Abg. Angermeier wegen Abgabe von fiskalischem Gelände zu ortsgerichtlichen Taxpreisen und wegen Pacht fiskalischen Geländes sowie ein Antrag Dr. Müller, Dr. von H e l m o l t und Gen. betreffend die Pachten für fiskalische Grundstücke. Abg. Dr. Müller (Hess. Landbund) weist auf das starke Anwachsen der Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen bei landwirt- schädlichen Produkten hin. Rach Erörterung einer Reihe von landwirtscha'tkichen Gegenwartsfragen bittet der Redner die Anträge des Landbundes anzunehmen. Abg. Kaul (Soz.) meint, es gehe nicht an, nur von der Rot der Winzer zu sprechen: unter der Rot der Gegenwart litten die Arbeiter am meisten. Die Landwirtschaft rufe, entgegen ihrer Behauptung, immer nach der Staatshilfe: der Schrei nach höheren Weinzöllen fei nichts anderes. Der Redner bestreitet, daß der deutsch- spanische Handelsvertrag die Ursache der Winzernot sei. Die Hande'S'eziehungen 'wischen Deutschland und Spanien seien aktiv für Deutschland, dieses Verhältnis dürfe nicht durch die Erfüllung der Wünsche der Winzer gestört werden. Die hessische Regierung müsse denselben Standvunkt einnehmen, wie im Reichsrat (Zuruf: Also Opferung der Winzer!). Den Wineern könne geholfen werden durch genossenschaftlichen Zusammenschluß. Finanzminister Henrich wendet sich gegen das Bestreben, die Staatseinnahmen zu schmälern, ohne für Deckung der Staats- ausgaben zu sorgen. Der Antrag der zinslosen Stundung der Holzgelder, wie er vom Hause angenommen sei, wäre undurchführbar. Der Staat habe billigere Bachtfähe als die Kirche und andere 3nstanzen. Würden die dem Haufe vorliegenden Anfäge angenommen, so werde der Etat um 200 000 Mart verschlechtert. Es sei gesetzlich nicht zulässig, bere'ts abgeschlessene Verträge zum Rachteil des Staates ab^uändern: hierunter fielen auch die Pachtverträge. Wo Härten im Pachtwesen im Einzel fall wären, würde die Regierung nachgeben, allgemein aber die Pachten herabzutetzen, wäre unmöglich. Abg. Eberle (Dem.) fordert u. a. Beseitigung der Weinsteuer, Propaganda für inländische Weine und Stellungnahme gegen das Gemeinde- bestimmunasrecht. Abg. Angermeier (Komm.) empfiehlt die Annahme seiner Anträge in längerer Rede. Präsident Ruß rügt darin eine Bemerkung des Abgeordneten, der von einem anderen Abgeordneten sagte, er gehöre ins Irrenhaus. Präsident Ruß bemerkt dazu, man müsse bei jedem Abgeordneten wenigstens das Vorhandensein des gesunden Menschenverstandes voraustetzen. (Heiterkeit.) Um 2 Uhr werden die ‘Seratunrr-n abgebrochen: nächste Sitzung Donne^siag, 2 Uh r. Die Wirtschattskrisis. Berlin. 17. Dez. Die Wirtschafiskrijis macht sich im Ruhrgebiet in weiteren umfangreichen De- triebseinschräntungen bemerkbar, zu denen sich nun auch der preußische Staatsbergbau gezwungen sieht. In Buer ist auf Zeche „Bergmannsglück' etwa 1400 Bergleuten zum 1. Januar gekündigt worden, von denen etwa ein Drittel auf Zeche „Westerhol t" Beschäftigung finden wird. Von .,Westerholt werden rund 600 Bergleute, auf den Möllerzechen bei Gladbeck etwa 115 Kokereiarbeiter und auf Zeche „Scholven" 60 Bergleute e n t - lassen. Bei den Entlassungen handelt es sich in erster Linie um Ausländer. Doppelverdiener, pensionsfähige Invaliden und Ledige. Auch aus Baden und der Pfalz wird ein starres Anschwellen der Erwerbslos en Ziffer gemeldet. Im Stadt- und Landbezirk Heidelberg sind zur Zeit fast 6000 Personen erwerbslos. Allein in der letzten Woche sind rund 1900 Personen neu erwerbslos geworden. Die Neckarsulmer Fahrzeugwerke in Neckarsulm haben beim Gowerk^aufsichtsrat den Antrag auf Entlassung weiterer 800 bis 1000 Arbeiter gestellt, so daß nur noch 2500 bis 2700 Arbeiter verbleiben. Um diese durchzuhalten. wird das Werk vom 19. Dezember bis zum 9. Januar ganz geschlossen. Im Bezirk Zweibrücken beträgt die Zahl der Arbeitslosen gegenwärtig rund 2500, im Bezirk Neustadt rund 1500. Weitere Betriebseinschränkungen sollen folgen. Hessischer Landtag. Darmstadt. 16. Dez. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr. Das Haus tritt in die Beratung einer Reihe von landwirtschaftlichen Anträgen ein. Ein Antrag Schreiber. Eberle (Dem.) wegen Aushebung der 2BeinfteuA soll noch dem Ausfchuhantrag der Regierung als Material überwiesen werden. Ein Antrag Dr. Greiner (Korn.) über die Notlage der Kleinbauern spricht eine Reihe von Wünschen aus. namentlich beziehen sich diese auf Steuererlaß. Der Antrag soll durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt werden. Zu einem Antrag der Abg. Dr. Werner und Gen. (Dntl.) zum Schutz der Kleinmüllerei und des Getreidebaues hat der Ausschuß beschlossen, den Eintrag anzunehmen. Drei Anträge zum Deutsch-spanischen Handelsvertrag der Abg. Böhm und Schott werden zusammen beraten, der Ausschuß schlägt vor, die Anträge für erledigt zu erklären. Abg. B ö h n (Dntl.) mach! auf die schweren wirtschaftlichen Folgen des Deutsch-spanischen Handelsvertrages aufmerksam. Bereits 1923 fei eine Mißernte gewesen: bann nahm 1924 die Einfuhr ausländischer Weine in erschreckender Weise zu. Auch im Jahre 1925 dauerte die geradezu ungeheuere Weineinfuhr an. Der Redner gehl dann näher auf den Deutsch-spanischen Handelsvertrag ein. Das Ziel Deutschlands vei den Verhandlungen müsse fein, jede Bestimmung abzulehnen, die dem deutschen Weinbau schadet. Die Weinsteuer sei abzuschaffen und für die Beförderung des Weins vom Westen nach dem Osten Deutschlands müßten günstigere Eisenbahnlarife geschaffen werden. Der Redner fordert tatkräftiges Eintreten für den deutschen Weinbau. Abg. Dr. Greiner (Stemm.) spricht von der Not der Kleinbauern: er zitiert das im Landtag gefallene Wort des Abg. Dr. Büchner: Die Krisis müsse sich m'Swirken". Die tödliche Krisis sei jetzt ba. Die Krisis sei unheilbar, weil sie eine Absatz- irije fei. In seinen weiteren Ausführungen ver- Die Entscheidung über Mossul. Genf 16 Dez. Der Völkerbundsrat verkündete heute'abend 6 Uhr 20 durch seinen Berichterstatter Unden die Entscheidung bte Mrssulfrage. England war am Ratstrjch durch den englischen Kolonialminister QI m erb vertreten. Die türkische Delegation hat an der Sitzung nicht teilgenommen Die Entscheidung ist gegen die Türkei ausgefallen und setzt im wesentlichen die Brüsseler Lime als endgültige Grenzlinie zwischen der hurtet und dem Irak fest. Die Entscheidung wird jedoch abyangtg gemacht von dem Qlbschluß von OB i r t f d) a f t 3- abkommen zur Erleichterung des Handelsverkehrs zwischen der Türkei und dem Persrschen Golf über das Mos.ulgebiet und die Wasserwege des 3rak. Qlußerdem enthält sie noch folgende drei Punkte: £ . 1. Die englische Regierung soll dem Rat einen neuen Vertrag mit d e m Irak unterbreiten. der unter dem Vorbehalt der Aufnahme des Irak in den Völkerbund vor Ablauf der 25jährigen Frist die ununterbrochene Ausübung des Mandats sicherftellk. Sobald innerhalb von sechs Monaten die Durchführung dieser Bedingungen zur Kenntnis des Rais gebracht sein wird, wird dieser feststellen. daß seine jetzige Entscheidung endgültig geworden ist. Er wird dann die Maßnahmen für die genaue Fixierung der Grenzlinie ergreifen. 2. England soll die Verwaltungsmaßnahmen Mitteilen, die es erlassen wird, um der kurdischen Bevölkerung jene Garantien für die lokale Verwaltung, insbesondere hinsichtlich der Rechtsprechung und des Unterrichts, zu geben, die bereits- durch die Kommission empfohlen wurden. 3. England wird aufgefordert, sich so genau als möglich an die Anregungen der Untersuchungskommission zu halten, soweit sie die Befriedung und den Schutz aller Teile der Bevölkerung sichern soll. Bor Verkündung der Entscheidung wurde ein Brief des türkischen Außenministers Tewfik RuschdiBeY verlesen, worin dieser unter Hinweis auf die wiederholten Erklärungen der tür-- kischen Delegation über die Grenzen ihrer Vollmachten darauf hinweist, daß den türkischen ll^r- mittlungsvorschlägen niemals Folge gegeben wurde, und daß der Rat es abgelehnt habe die Verinittlung auszuüben. 3n dem Brief wird hinzugefügt, unter diesen Umständen erllare dw türkische Delegation diese Dermittlungsvorschläge für null und nichtig. Die Souveränitats- rechte der Türkei blieben durch die Entscheidung des Rates unberührt, da ihre Rechte auf das Mossulgebiet nur mit ihrer eigenen Zustimmung aufhören könnten. Scialoia spricht in seiner Eigenschaft als Ratsmitglied fein Bedauern darüber aus, daß die türkische Dele- gation nicht erschienen ist, und stellt fest, daß der Rat auf Grund des Art. 3 des Vertrages von Lausanne trotzdem seine Entscheidung verkünden kann. — Die Rervosität des zahlreichen Publikums hatte im Laufe des Rachmittags ihren Höhepunkt erreicht. Der Saal war bis aus den letzten Platz besetzt. Die türkische Delegation hat nach der Sitzung an die Presse eine Erklärung mit einem scharfem Protest gegen die Entscheidung des Rats verteilen lassem. Kunst und Wissenschaft. Do» -er Universität Fromkfurt. Der derzeitige 'Rektor der Universität, Prof. Dr. med. Gustav Embden, Ordinarius für Physiologie und D'rektor des Instituts für vegetative Physiologie i$t zum Mitglied der 1652 gegründeten Leopolducksch-Karollneschen Akademie der Raturforscher'in Halle, der ältesten Wissenschaft.lich:u Gesellschaft Deutschlands, ernannt worden. Wie schon gemeldet, ist vor kurzem auch der Rektor der Landesuniversität Gießen, Pros. Dr. B ü r ke r zum Mitglied der Akademie ernannt. Der außerordentliche Professor an der rechts- wissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M., Amtsgerichtsrat Dr. Ruth, wurde zum ordentlichen Professor an der rechts- und staatswilsenschaftlichen Fakultät der Universität Halle- Wittenberg ernannt. Dr. Ruth war seinerzeit Assistent am juristischen Seminar der Landesuniversität Gießen. (Eine Ausführung des „Rings" im Frankfurter Opernhaus. Im Frankfurter Opernhaufe wird die Oper „Siegfried" (2. Tag aus „der Ring des Nibelungen" von Richard Wagner) neuein ft ubier t. Die Aufführung, die in technisch vollständiger Neueinrichtung zur Zeit vor sich gehen wird, ist auf den 1. Weihnachtsfeiertag angefetzt. Schwedische Ehrung für den Schöpfer des Deutschen TNus-ums. München, 17. Dez. (WTB.-Funkfpruch.) Oscar v. Miller, der Schöpfer des Deutschen Museums in München wurde in Würdigung feiner bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiete der Elek- troiechnik zum ausroärtigen Mitglied der 21 tobe m i e der Wissenschaften zu Stockholm ernannt. Professor d. Thur f- Der Professor des römischen Rechts an der Universität Zürich. Andreas v. Thur, Dekan der rechts-- und staatswjss^sch-''tl'chen Faku^ät, ist im Alter von 61 Jahren g e ft o r b e n. v. Thur bekleidete früher Professuren an verschiedenem deutschen Hochschulen und war der letzte deutsche Rektor der Universität Straßburg. Aus aller Welt. Die amerikanischen Flieger unb Richthoftn 3n einem von dem Vorstand der Arneri - k a n i s ch e n Legion gefaßten Beschluß wird Deutschland beglückwünscht, daß cs Richt- Hofen zum Ratio nalhelden auserkoren hat. Er sei vielen amerikanischen Fliegern als ein würdiger Gegner bekannt gewesen. Eine Abschrift dieses Beschlusses wurde an Reichspräsident v. Hindenburg gesandt. Funkeinrichtung in Flugzeugen. Vorn 1. Mai 1926 ab sollen alle Flugzeuge im deutschen Gebiet, die eine gewisse Tragfähigkeit erreichen, m 11 So nder u n d E mpfangs- einrichtung versehen werden. Der Zweck cieser Anordnung, die auch auf den Pariser Lust- sahrtbesprechuncp. i erörtert wurden ist, die Möglichkeit, wichtige R'chnchten wie Ueeergang von Land zu Wasser. Havarien usw. an den nächsten Flughafen weitergeben zu können. Neuer Kirchenraub. Nachdem erst vor einigen Tagen über den schändlichen Kirchenraub in R i e d e r m e n d i n g berichtet wurde, hat sich jetzt ein ähnlicher Fall in Unfel am Rhein zugelrag.n. Unbekannte Burschen haben die Opferstöcke der hiesigen Pfarrstube erbrochen und ihres 3nhalteS vollends beraubt. Die Täter sind noch nicht ermittelt. Els Kinder an einer Epidemie gestorben. Unter den Kindern der Ortschaft Rothlein bei Schweinfurt herrscht feit einigen Wochen eine epidemische Krankheit. Man nimmt an, daß es sich um Typhus handelt. Die Epidemie hat bereits 11 Todesopfer unter den Kindern gefordert. Preisermäßigung für elektrischen Strom. Das Kreiselcatrizitätswerk Simmern hat die Preise für elektrischen Strom um 5 0 von Hundert ermäßigt und zwar von 60 Pf. auf 30 Pf. für die Kilowattstunde. Ehedrama. In Kaiserslautern hat sich -«in blutiges Familienbrama ereignet. Der Maurer Decker war mit seiner Ehefrau in einen heftigen Streit geraten, in dessen Verlauf die Frau dem Manne m i t einem Kartoffel st öher einen derartigen Hieb über den Schädel versetzte, daß er kurz nach seiner Einlieferung im Krankenhaus an innerer Verblutung gestorben ist. Die Frau wurde verhaftet. 18 rumün'sche Soldaten erfroren. 18 Soldaten, die in den Bergen bei Kun- polung auf Wache standen, wurden erfroren aufgefunden. Wettervoraussage. Vorwiegend trübe und stärkere Rieder« schlagsneigung, zunächst milder, spater erneutes Sinken der Temperaturen. Das Temperatur-Minimum für Gießen in der letzten Rächt ist gegenüber dem Vortage um 2,3 Grad Celsius gesunken. Die gesamten Morgen- temperaturen in Deutschland liegen wieder unter dem Gefrierpunkt, besonders tief — bis zu minus 13 Grad Celsius — liegen sie im südöstlichen Deutschland. Heber Rordeuropa zieht wieder ein Tiefdruckgebiet westostwärts, dessen Randbildungen auf den Kontinent übergreifen und die Zufuhr westlicher Luft verstärken, jedoch wird sich eine Milderung nur langsam durchsetzen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: im- nus 3,8 Grad Celsius, Minimum: minus 12.3 Grad Celsius. Heutige Morgentemperaiur: minus 7,6 Grad Celsius. Aus der Provinzialhanptstadl. Gießen, den 17. Dezember 1925. gut Hypothekenauswerlung. Von unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt; Rach § 16 des Aufwertungsgesetzes findet die Aufwertung einerHyPothek auf Grund des Vorbehaltes der Rechte oder kraft der Rückwirkung nur statt, wenn der Gläubiger seinen Anspruch auf Auswertung bis zum 1. 3 an u ar 1926 bei der Aufwertungsstelle an- meldet. Von verschiedenen Seiten ist die Verlängerung dieser Frist und anderer Fristen des Aufwertungsgesetzes angeregt worderc. D'.e Reichs- regieining ist nach eingehender Prüfung der Sach-- und Rechtslage nicht in der Lage, diesen Anregungen zu entspreche. Der Wunsch nach einer Verlängerung der Anmeldefrist beruht zum großen Teil auf einer irrtümlichen Auffassung über die Erfordernisse der Anmeldung. Es wird in der Öffentlichkeit vielfach die Meinung vertreten, daß es zur Wirkfamen Anmeldung der namentl ichen Bezeichnung des Eigen- tümcrs und des persönlichen Schuldners bedürfe, und geltend gemacht, daß der persönliche Schuldner oft nicht rechtzeitig innerhalb der Frist ermittelt werden könne. Auch find Zweifel geäußert tooiben, ob nicht der anmeldende Gläubiger über die Zeit uird Höhe der bereits erfolgten Rückzahlung von Teilbeträgen oder die Leistung von Tilgungsraten genauere Angaben machen müsse. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, daß dem Gesetz derartige Erfordernisse fremd sind. Rach dem Gesetz bedarf es vielmehr nur der rechtzeitigen Anmeldung „des Anspruchs auf Aufwertung". Es genügt deshalb, daß der Anspruch hinreichend individualisiert wird. Dazu ist aber, wie auch in dem soeben bekanntgewordenen Gutachten des Kammergerichts ausgeführt ist, nichts weiter erforderlich, als daß der Gläubiger die Hypothek und das Grundstück bezeichnet und dabei irgendwie zum Ausdruck bringt, daß er Aufwertung beansprucht. Für die Anmeldung in dieser einfachen, keiner Vorarbeit bedürftigen Form reicht auch die noch jetzt zur Verfügung sichende Zeit bis zum Schluß des 3ahres aus. Zum 1. 3anuar 1926 endet weiter die in § 22 Abs. 3 des Aufwertungsgesetzes vorgesehene Möglichkeit erleichterter Anfechtung von Zwischeneintragungen und die Befugnis, die Aufteilung einer Ge - lamthypothek zu verlangen (§ 23). Auch zur Verlängerung dieser Fristen liegt ein ausreichender Anlaß nicht vor. Dabei ist zu beachten, daß die Anfechtungsvorfchrist praktisch nur für Verfügungen in Frage kommt, die in der Zeit vom 1. 3anuar 1925 bis 1. 3uli 1923 getroffen worden sind, da die später am Grundstück erworbenen Rechte dem aufgetoerteteii Recht ohnehin nachgehen. Dazu kommt, daß, soweit es nicht gelingen sollte, die Anfechtung bis 1. 3an. 1926 zu bewirken, das Recht des Gläubigers nach den allgemeinen Vorschriften deS Anfechtungs- Gesetzes, die älnwirkfamkeit von Verfügungen geltend zu machen, unberührt bleibt. Vermag hiernach ein ausreichend^ Bedürf ms für die Verlängerung der Fristen nicht anerkannt zu werden, so erscheint andererseits im 3nteresse einer beschleunigten Klärung der Grundbuchverhältniss?. die allein die Grundlage für die neue Kreditbeschaffung zu bilden vermag, ein Festhalten an den Fristen unbedingt notwendig. 3m Zusammenhänge hiermit soll noch auf eine Zwe iselssrage hingewiesen wer- den, die angesichts des bevorstehenden Ablaufs der Anmeldefrist besondere Bedeutung gewonnen h-at. Häufig sieht der Gläubiger, der sich mit dem Eigentümer oder Schuldner über die Aufwertung geeinigt hat, davon ab, die nach § 16 des Aufwertungsgesetzes vorgeschrieben eA n m e l d u n g zu bewirken. Das Gesetz 1 enthält über die Mög.ichkeit eines Verzichtes erirvlen wieder- ; etntutei vrauSsage. £ und stärkere 11 wer, später ren. 5* für Gießen in nfS1 $M!afle um -uen.DegrfamienWvrm-. T°™ fug.n wieder unter -sonders tief - bis w ? - liegen sie im südvst. üer Avrdeuro^ zieht wie- biet tvestosllväitS, dessen >en Kontinent übitguiien Her Lust verstörten, jedoch :tun9 nur langsam durch- tprraturen: Maximm: mi= i, Minimum minuS 12,3 je Morgentemperatur: mi iyialhaupW n, ben 17. Dezember W. fkenausveMg. c Seite wird uw MgrM loertungSgeW findet die er Hypothek auf Grund Rechte oder traft der W- xim der TlaMger seinen lung bL M 1. Januar isvertuugkstelle an- Seiten iü Sie Mngc- anbaet griffen des Aul- egt tootX'ri D'.e tW> LwderMiMdAv-nch-' to der W diesen An- Der Wunsch nach einer Meldefrist beruht M gro- rrtümlichen Aussas,ung uder r ÄMeldung. o m - liclsach die Meinung w* wirlfMrn ^mdbing kr ezeichnungdcs Sttt» persönlichen ÄÄäsg -WS 11,< ‘Ä» r ldung M tJ: ^r > Mgt desM dak>^ w indiotdualu-', .3nnl9tn))p n dem f^Jf auSg-sührt z Aamme-geu^ °^,Lu- l-ck undv Ausdruck abei dieser " die n-4 stehende den „ nhct weiter dr- it 1926 ende' ■ 2iufw-cWN9-^ b2lnfei” erl-i^7a ungen ^ # 8" ’ , 9* sÄ'^ÄZ *”r®|äe«»Ib',eab*i; ?>»r-ub über x feKÄ*'« ilet «• '«flatonÄ* k** 1 **« »•* VK' Statt ’ ?;kv* und ah)«. dvn 'dattstL 6) Ä ’ama. Der Aal^ H blutige; en VlfiaenL ■ r war Frau 9etalen' ‘Her J ®Te m" ersetzte, daß.?2"'8-n Krankenhaus na4> i ist. J* mnerer 1 Vlt urou wurde ver m^E°ersnr-il. un?en bergen bei ft, landen, wurden «ruf Anmeldung keine Borschriften. Die Wirksamkeit des Verzichtes erscheint daher -um mindesten nicht unzweifelhaft, und es brsteht jedenfalls da, wo Rachbrrechtigte vorhanden sind, für den Gläubiger die Gefahr, durchdasUn» terlassen der Anmeldung Aechts- nachteile zu erleiden oder boa) in Rechts- streitigleiten verwiäelt zu werden. Aus diesem Grunde werden die VrteUigten gut tun, die Anmeldung noch rechtzeitig bis 1. Sanuar 1926 nachzuholen. Dom Auto-Betrieb Wieseck—Giehen. £ Die außerordentlich starke Inanspruchnahme des neugcschasiencn Verkehrsmittels zwischen Wie- fort und Gießen macht bereits eine völlige U m- p ch nltung des seither benutztenFahr. planes notwendig. War sich die Leitung des Betriebes auch bewußt, daß der zunächst festgelcgte ihrplan nicht für lange Zeit in Geltung bleiben funni ■, |o rechnete man doch nicht damit, daß ein derartiger Andrang wie jetzt einsetzen wurde. Der neue Fahrplan, der im Anzeigenteil der gestrigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" ver- öffcntlicht wurde, versucht nun, den erhöhten 'M i lorderungen nachzukommen, indem zu- nächst eine Reihe von Fahrten neu eingelegt wurde. Anstelle von seither 18 Fahrten weist der Nl.ue Plan nunmehr 23 Fahrten nach dem Bahnhof und ebensoviel zurück nach W i e | e tt auf. Dadurch verspricht man sich eine wesentliche Entlastung der am meisten beanspruchten Wagen. Diesem Zweck soll ganz besonders eine Neuerung Im Fahrplan dienen, indem sogenannte Rundfahrten eingelegt wurden. Die RundfahrteN'Wagcn berühren aus ihrer Fuhrt durch Gießen den Bahnhof nicht. sondern fahren, von Wieseck kommend, durch die Ostanlage. Stidanlage, Westanlage, Nordanlage zurück nach Wieseck. Dadurch soll erreicht werden, daß die Fahrgäste, die eigentlich eine andere Haltestelle zum Einstelgcn benutzen können, nicht mehr nach dem Bahnhof zu eilen brauchen, um sicher zu sein, ausgenommen zu werden. Diese Fahrgäste werden durch die Rundfahrt gewissermaßen gesammelt, während der fast zur gleichen Zeit am Bahnhof abfahrende Wagen für die Fahrgäste von dort frei bleibt. Außer dieser Aenderur.g mußten im neuen Fahrplan verschiedene Absahrtzeiten früher bzw. später verlegt werden. Der sog. Schü. l e r w a g e n . der seither 8.15 Uhr in Wieseck ab- fuhr, fährt jetzt schon 8.05 Uhr. um das rechtzeitige Eintreffen der Kinder in der Schule zu garantieren. Die Schülerwochenkarten erfuhren außerdem noch eine Vergünstigung im Preis, sie kosten bis zur Bismarck-, bzw. Schillerst raße. bzw. bis Bahnhof 1,50 Mk. Am Nachmittag verkehrt eine ganze Reiye neu eingelegter Wagen. Die seither am Bahnhof Gießen abends um 6.10 Uhr und 7.30 Uhr abgehenden Waaen sind 10 Minuten später verlegt worden und fahren um 6.20 Uhr und 7.40 Uhr. Damit hofft die Leitung des Betriebs, den geäußerten Wünschen, deren Berechtigung anerkannt wurde, gerecht geworden zu sein. Der Plan für den Betrieb am nächsten Sonn- tag erfuhr ebenfalls eine grundlegende Aenderung, und dürfte, da es der goldene Sonntag ist, dem Stadtbild ein besonderes Gepräge geben. Die seither vorgesehenen 10 Sonntagsfahrten nach der Stadt wurden auf 15 erhöht. Diese werden von einem Wagen gefahren. Der zweite Wagen beginnt um 12 Uhr mittags mit den oben beschriebenen Rundfahrten, die sich stündlich wiederholen. Diese Fahrten sollen in der Hauptsache dem Verkehr in der inneren Stadt dienen. Die Betriebsleitung hofft, wenn der gegenwärtig unnatürlich starke Verkehr etwas abgeklungen ist, den Fahrplan endgültig festlegen zu können, wobei an dem gegenwärtigen Wochensahrplan kaum etwas geändert werden dürfte, da der Fahrtverkehr der Arbeiterschaft kaum geringer werden dürfte. Zn diesem Zusammenhang muß an eine Einrichtung erinnert werden, von der anscheinend aus Unkenntnis heraus noch viel zu wenig Gebrauch gemacht wird. Es handelt sich hierbei um die un- reaelwäßigen Benutzer der Omnibusse, welche die Fahrscheinhefte noch zu wenig beachten. Sie übersehen hierbei ihren eigenen Vorteil, da sie für den gleichen Betrag wie für 10 Einzelfahrten ein Heftchen mit 12 Einzelfahrscheinen, also zwei umsonst, erhalten. Außer diesem persönlichen Vorteil erweisen sie dem Betrieb ein Entgegen- kommen, da das Benutzen von Fahrscheinheften den gegenwärtig stark beschäftigten Schaffnern die Arbeit erleichtert und die Abwicklung des Verkehrs be- deutend beschleunigt. Schont die Zugtiere! Die vereisten und mit hartem Schnee bedeckten Fahrbahnen machen den Zugtieren die Fortbewegung der beladenen Wagen eben ganz besonders schwer. Darauf sollten die Fuhrherren und Fuhrleute Rücksicht nehmen und ihre Gefährte etwas leichter beladen. Eine derartige Rücksichtnahme auf das hilflose Tier ehrt dessen Besitzer und Genfer, die Gefühllosigkeit aber, die sich in dem rücksichtslos schweren Beladen der Fuhrwerke und dann in dem Draufschlagen auf die gequälten Tiere äußert, ist eine Schande. Polizei und Publikum sollten gegen derartige Tierquälereien einschreiten und unbarmherzige Menschen der Bestrafung zuführen. Gietzener Wochenmarktpreise. Es kosteten heute: Butler 190 bis 2,20, Matte 40, Käse 65 bis 70, Wirsing 15, Weißkraut 10, Rotkraut 15, gelbe Rüben 15, rote Rüben 12, Spinat 50, Unter-Kohlrabi 10—12, Grünkohl 30, Rosenkohl 60, Feldsalat 120, Tomaten 120, Zwiebeln 12, Meerrettich 30—80, Schwarzwurzeln 50, Kartoffeln 4, Achtel 15—18, Birnen 30, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 100—130, Nüsse 50 bis 60 Pf. je Pf.; Eier 19—20, Blumenkohl 60 bis 120, Endivien 10—20, Ober-Kohlrabi 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 20—40 Pf. je Stück. Vornotizen. — Tageslalender für Donners- tag. Deutscher Bund: 8 Uhr, Sohcmniskirche, Weihnachtsfeier. — Lichtspielhaus, Bahnhofftr.: „Moral der Gasse". — Astoria-Lichtspiele: „Geächtet". — Ober hessischer Geschichtsverein. Der zweite dieswinterliche Vortrag, der in dieser Woche stattsinden sollte, mußte verschoben werden. (Siehe Anzeige.) Wkliül Her WWMnWki! O 93 Prozent der Friedensmiete für Januar 192 6. Wie wir hören, soll die gesetzliche Miete zum 1. San. auf 93 Prozent der Friedensmiete erhöht und diese Erhöhung dem Hausbesitzer als Aequivalent für die Steigerung der Zinsen und der Materialpreise für die Sn» standsetzui-gsarbeiten überlassen werden. ** Eine empfindlich« Störung in der Elektrizitätsversorgung trat gestern nachmittag gegen 5 Uhr in einem Teile des Stadtzentrums auf. Als Ursache des Malheurs wurde ein Schaden im Derteilungskabel festgestellt. Für die Ladengeschäfte, die kaufmännischen Bureaus und die technischen Betriebe war die Störung sehr peinlich, denn hier mußte man sich entweder in notdürftigster Weise mit Kerzenlicht behelfen, was natürlich recht hemmend auf die Erledigung des Publikumsverkehrs bzw. der Dureauarbetten einwirkte, oder die Arbeit mußte wegen Mangels an Licht und Strom gänzlich ruhen. Erst gegen 3 * * * */47 Uhr war der Schaden behoben. ** Verlängerung der Sonntagsrück- f a h r k a r t en an Neujahr. Die Sonntagsrückfahrkarten der Reichsbahn gelten am diesjährigen Neujahrsfeste ausnahmsweise von Donnerstag, 31. Dezember, mittags 12 Uhr, bis zum Sonntag, 3. Januar 1926, nachts 12 Uhr. *• Vorsicht. Schwindler! Der Frankfurter Polizeibericht meldet; Sn den letzten Tagen treiben zwei noch unb.kannte Betrüger ihr Untoefen. indem sie Ladengeschäfte aufsuchen und eine Kleinigkeit kaufen. Bei dieser Gelegenheit lassen sie sich auch größere Geldscheine wechseln und lenken dabei durch allerlei Reden die Aufmerksamkeit des Laden- '.nhabers usw. vom Geldwechseln ab. Sie streichen dabei da- Wechselgeld «in und Untertanen, den zum Wechsln bestimmten Geldschein hinzu- geben. Auch einen anderen Trick wenden sie an. indem sie sich einen Betrag von 20 oder 50 Mk. Kleingeld für einen entsprechenden Geldschein umwechseln lassen. Der Betrüger steckt diesen Geldschein sofort In den Briefumschlag, schließt diesen und steckt ihn in die Tasche. Rach- dem der Geldwechsler bei dem Kleingeld einen kleinen Fehlbetrag festgesteNt hat. nimmt der Betrüger das Geld wieder zurück, gibt ben ge- schlo lenen Briefumschlag mit der Begründung zurück, den fehlenden Betrag sofort zu holen. Rachträglich stellt es sich heraus, daß das Ganze nur eine Schwindelei ist und der zurückgelassene Briefumschlag nur Papi «r schnitzel enthält. WIMjWngs-Wgtii für die Somstagsnummer können nur bis Freitag vormittags verbindlich angenommen werden. Zwecks wirksamer Satzausstattung erfolgen Bestellungen zweckmäßig bereits im Laufe des Donnerstags vermses MWerMeims 9818D RDD. Wann werden Fahrkarten zurückgenommen? Kann einem Reisenden ein seiner Fahrkarte entsprechender Platz nicht angewiesen uni) kann er vorübergehend auch in einer höheren Wagcnllasfe nicht untergebracht werden, so darf er eine niedere Klasse benutzen, wenn dort Platz ist. Er kann in diesem Falle den Preisunterschied zurückverlangcn. oder die Fahrt gegen Erstattung des Fahrgeldes und der Gepäckfracht unterlassen. Eine Entschädigung steht ihm inssen nicht zu. Auf der Zugan angsstation darf der Reisende bis 5 Minuten vor der Abfahrtszeit des Zuges seine Fahrkarte, wenn sie noch nicht gelocht oder nachweislich nur zum Betreten des Bahnsteiges benutzt ist, unser Ausgleich des Preisunterschiedes gegen eine andere umtauschen. Fahrkarten, die noch nicht gelocht sind oder nachweislich nur zum Betreten des Bahnsteiges benutzt wurden, können nach dem Ermessen der Eisenbahn in Fällen eines Irrtums, einer Erkrankung, oder aus sonstigen Billigkeitsgründen vor oder unmittelbar nach Abgang des betreffenden Zuges von der Fahrkartenausgabe zurückgenommen werden. Auf Stationen mit abgesperrten Bahnsteigen wird der Preis für eine Bahnsteigkarte dabei abgezogen, wenn die Reise nicht wegen Platzmangels. Anschlußversäurnnis, Berspätung oder Ausfall des zu benutzenden Zuges aufgegeben wird. *° Die neuen Benutzungs-Bestim- mungen für die Jugendherbergen. Sn Hinsicht auf die vom RerchShervergstag beschlossene Einführung des Führerausweises ändern sich ab 1. Sanuar 1926 die Denutzungs-Deftim- mungen für die deutschen Sugendherbergen entsprechend. Es haben sich alsdann auszuwelsen: 1. jugendliche Einzelwanderer bis zum vollendeten 20. Sah re durch den Bleibenausweis mit Angabe des Alters, abgestempeltem Lichtbild und gültiger Sahresmarke: 2. die M tglieder durch die Mitgliedskarte iLichtbild. Sahresmarke); 3. Führer von Sagend- und Schülergruppen (Mindestalter 17 Sah re) in allen S.-H. (mit Ausnahme der in den Alpen und dem Alpen-Borland) durch den Führerousweis (Lichtbild, Sahresmarke). Keines Ausweises bedürfen Sugendliche bis zum vollendeten 20. Sah re in Gruppen von mindestens drei Teilnehmern und unter vercwtwortlichem, mit einem gültigen Führerausweis versehenen Führer. Die Bleibe.'ausweise und Mitgliedskarten werden durch die zuständigen Ortsgruppen und Zweigausschüsse für D. S. H. ausgestellt, die Füh- rercm-weise durch di« den Ortsgruppen und Zweigausschüssen angeschlossenen Bereite und Verbände und durch die Schulen, notfalls durcd die Ortsgruppen und ZweigauSschüss« für Deutsch« Jugendherbergen. Auftrieb auf dem Frankfurter Schlachtviehmarkt: 3 Kühe, 1416 Kälber, 1143 Scyafe. 1501 Schweine. Strafhammer Gießen. • Gießen. 15. Dez. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Kaufmann Hch. Schmitz von Gießen und vier weiteren An- aellagten wegen Abtreibung verhandelt. Rach dem öffentlich verkündeten Urteil wurde Schmitz wegen Lohnabtreibung in einem Falle und Beihilfe zur versuchten Llbtreibung m drei Fallen unter Einbeziehung der gegen ihn bereits früher erkannten Stra'en zu 7 Sagten 3 Monaten Zuchthaus verurteilt. 2 Frauen erhielten wegen verlachter Abtreibung Gefängnisstrafen von je 2 Monaten 2 Wochen, der Verwalter Otto W. von Wieseck wegen Anstiftung zur versuchten Abtreibung eine solche von 6 Monaten. Die fünfte Angeklagte wurde mangel« Beweises freigesprochen. Turnen, Sport und Spiel. Winter port. Bayerische Rodelmelsterschaflen. do. In Oberaudorf kam die Bayerische Rodel- Meisterschaft bei guter Beteiligung zum Austrag. 31 Teilnehmer stellten sich dem Starter. Den ersten Platz erzielte Resch- Oberaudorf mit 2:53,6, dem Wechselberger-Mühlbach und Stengel in 3:04,6 folgten. Skispringen. vo. Sn Lauscha wurde der Wintersport mit einem Eröffirungsspr.ngen auf der vm:besser° ten Schanze eingeleitet. Die gezeigten Leistungen waren über Srw.irtrn gut. Kob- Lauscha konnte mit 45 Meter den weitesten Sprung erzielen. Die Ergebnisse sind: Senioren: 1. Kob-Lauscha Rote 12.416; 2. Schönfelder-Lauscha, Klasse 18 bis 20 Sahre: 1. Böhm Kantz-Ernsttal Rote 17, 250 ; 2. Müller Uri-Lauscha, 16 bis 18 Sabre: 1. Waller TSpfer-Sgelshieb Rote 18,416Engel- Lauscha. Sn R e i ch e n h a l l hatten sich die Zuschauer zahlreich an der großen Reichmhaller Schanze versammelt, bei der recht guter Sport geboten wurde. Mit 37 Meter erzielte 5) em et er- Reick^nhall die größte Reichweite. Rundsunst-Programm deck ^rankrnrtrv SenderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 18. Dezember. 3.30 bis 4 ilbr: Die Stunde der Sugend. 4.30 biS 6 älhr: HauZfrauen-Rachmittag, Programm u. a.: ^Vorweihnachtliche Plauderei über das Spielzeug, die Weihnachtstanne und die Frau Rat Goethe" von Schriftsteller August Kruhm. 6 bis 7 Uhr: Rätselfunk-Wettbewerb 7 bis 7.15 Uhr: Stunde der Frankfurter Bereinigung für Heimatkunde: „Sm Kampf um Warte und Landwehr". Vortrag von Professor Dr. E. Pellissier. 7.15 bis 7.30 Uhr: Die Besprechung. 7.30 bis 8 Uhr: Stallenischer Sprachunterricht. 8 biS 8.30 Uhr: „Goethes gesprochener Urfaust". Vortrag von Universitätslektor Roedemeher. 8.30 bis 9.30 Uhr: Tanzmusik der Tanzkapelle Steinmetz. 10 Uhr: Die neuen Operetten. Kirchliche Nachrichten. Jfraellttichc Gemeinden. Isr.ReNgionSqemein're. Gottes). L d.Synagoge (Süöanlage). Samstag, 19. Dezember 1925. Vorabb. 4 30, morg. 9.00. aböd. 4.35 u. 5 15. Gottesdienst der isr. ReligtonSgesellschaft. Sabbatfeier, den 19. Dezember 1925. Freitag abds. 4.00, Samstag vorm. 8.00, nachm. 3.30, Sabbat- ausgang 5.15. Wochengottesdienst morg. 7.00 und abds 4.00 Schade & Füllgrabe empfehlen 1.50 Schokolade-Serien vorzüglich 11819. FMalen in allen Stadtteilen. 010087 Branbaas I Soll <5ööel, (Biesen, Wo! W14 Pfd. 22 S, Pfd. 26H 2.39 2.10 1.90 23er 24er 21er Pfd. 70^, Pfd. S0H Pfd. 855, 1.00 1.30 2.00 1.00 1.30 1.70 gflgT Alle anderen Backarlikel bekannt gut und preiswert Dom 18.-24. M honen wir am in oer Mlllagszeii geöffnet, sowie Sonntag, den 2v.Dez^ von 11-8 Uhr Tafelmargarine Moenus extra.. Moenus Gold. Montagne (Rotwein) Tafelrotwein 23er Roussillon Alle Preise mit (Blas und Steuer. Für den faesehinkpiekunaen in 1 ' in- nud ausl Parfüms eine Toiietteseifen. Köln iVaaser Gegenüber u.4711 - rystall- Zerstäuber, fein' iTollettepuder, Haar und k Mundpflege-Artikel. 1 \ Drogerie Winterhof’ / 1k 1r»nsp'ati9u.lo 1I807a Serie II 1 gr. 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' „Gießener Anzeigers" erhalten wir von Pfarrer Weck, Steinfurth, folgendes „Offenes Antwortschreiben", mit dessen Veröffentlichung wir die Diskussion schließen. D. Red. Sehr geehrtes Fräulein Welter'. Lassen Sie sich für Ihre freundlichen Zeilen, die Sie die Liebenswürdigkeit hatten, an mich zu richten, von Herzen danken; einmal dafür, daß Sie die Münze, die ich in der Prägung: „Freie Schule der christlichen Weltanschauung^ ausgegeben habe, akzeptieren und meilergeben, sodann dafür, daß Sie mir die Möglichkeit geben, Gedanken, die man heule durch die Macht der Organisation mit eilen Mitteln zu unterdrücken sucht, auch gegen olle aufkommenden Bedenken zu behaupten. 'Vielleicht machen Sie sich auch noch den Ausdruck: „Staatliche Zwangsgemeinschaftsschule" zu eigen, allein ich will nicht gleich zu Anfang zu viel ver- langen. Weiterhin muß ich Ihnen dafür danke», daß Sie offen ausfpredpen, daß man die Kinder in der Schule nicht auseinander reißen solle. Im Ziele find wir uns also schon völlig einig, bleibt nur noch der Weg, es zu erreichen, und ich will hoffen, auch da werden wir uns finden. Da ich als Unbekannter zu einer Unbekannten rede, deren Stimme irgend woher aus der Ferne zu mir dringt, so lassen Sie uns einmal des Pfarrers und des Lehrers und der Kirche zunächst vergessen und miteinander reden als Mensch zum Menschen. Ich glaube ja dazu ein Recht zu haben, da Sie meine rein sachlichen Darlegungen in die Sphäre einer persönlichen Besprechung hinübergezogen haben. Ich hoffe zunächst, eine Zett im Menschenleben vollkommen verstehen zu können, da der Mensch, Über alle äußeren Formen sich hinwegfetzend, noch kinderlos, für keine Zukunft zu sorgen braucht und himmelhoch jauchzend die ganze Welt umarmen möchte. Aber Sie wissen auch, er, an den ich meine Worte anklingen lasse. Schiller, der begeisterte Sänger des Liedes: „Diesen Kuß der ganzen Welt, Brüder, überrn Sternenzelt muß ein lieber Vater wohnen", der sagt bann später: „Wie schön war diese Welt gestaltet, solange die Knospe sie noch barg, wie wenig, ach, hat sie entfaltet, dies Wenige wie klein und karg". Drum haben Sie einmal die Sonne nicht zu lieb und nicht die Sterne, und folgen Sie mir einmal aus dem Reiche rosiger Gefühle und schwärmender Illusionen in die nüchterne Welt der praktischen Wirklichkeit. Wenn Sie zunächst meinen, Sie hätten den Schlüssel zur Religion ober, um in Ihren Worten zu reden, zu „der höchsten Form der Liebe, zur Güte, zum Dulden, zur Demut" gefunden in dem Worte „Erkenne dich selbst und deinen Gott in dir", so hoben Sic da, fürchte ich. einen ganz falschen Schlüssel gesunden, der nicht die Tür öffnet zur höchsten Liebe, zur Güte, zum Dulden, zur Demut (warum fehlt die Wahrheit?), sondern zur Selbstvergötterung, die die römischen Kaiser einst zum Cäsarenwahnsinn führte. (S. Freytag, Verlorene Handschrift.) W-mn Sie weiter schreiben: Ist es denn nicht Pharisäerhochmut, wenn man behauptet, „die andern hätten keinen Gott", dann liegt hier nicht Pharisaerhochrnut meinerseits, sondern eine glatte Unterstellung Ihrerseits vor. Wenn die andern keinen Gott haben, bann brauchen wir uns doch wahrhaftig nicht lange über die Gestaltung des Religionsunterrichts zu streiten. Lasten wir also einmal dies sonst so wunbervolle Gleichnis, bas gewiste Leute immer so gern als erstes Waffenstück aus ber primitiven Rüstkammer ihres geistigen Besitzes herausholen, ruhig beiseite, um das Gebet des Zöllners ist es Ihnen ja doch gewiß nicht zu tun. Auch habe ich es nicht nötig, Tausenden und Abcr- tausenden von Menschen der Jetztzeit die Chriftus- reltgion abzusprechen. Das besorgen diese schon selber mehr, als uns lieb ist. Wenn z. B. ein Lehrer in offener Versammlung erklärt, er halte nicht mit Christus, der Mann, an den er sich halte, sei Pestalozzi, und wenn man in gewissen Lehrerkreisen von der Christusreligion sich abgeroenbet hat unb bafür ein« Deutschreligion verkündet, bei der die deutschen Dichter die Propheten sind, und so viele der Lehrer solche Ausführungen mit Jauchzen begrüßten, wenn man so laut dafür geworben hat, daß es ein unerträglicher Gewissenszwang für viele Lehrer sei, den Religionsunterricht zu erteilen, unb diese nun, nachdem die Niederlage erlaubt ist, gleichwohl, doch gewiß aus äußeren Gründen, ihn ruhig weiter halten, bann haben wir Eltern doch auch mal bas Recht, uns darum zu kümmern, was mit unseren Kindern eigentlich vorgeht, uod das gerade in einer Zett, ba nach Ihrem Schreiben soviel schlimme Lei- benschaften durch den Krieg aufgewühlt sind und wir einen sittlichen Tiefstand haben. Was ist denn zu machen, wenn so viele infolge einer verkehrten Aufklärung sich mehr in die Sphäre des Tierischen hinuntergezvgen fühlen unb nun einmal vorn Affen abstammen wollen. Es kann uns ja gewiß als Christen gleichgültig fein, ob Gott ben Menschen direkt aus ber Erbe schuf ober ihn erst bie niebere Form eines Daseins überlaufen ließ, aber Sie wollen boch nicht etwa behaupten, baß aus den Affenprozessen, die unsere Presse mit Rücksicht auf ihre tiefer so eingehend und ausgiebig behandelte, ihre Ansicht herausklang: „Wir sind alle göttlichen Geschlechts." Wie die Verhältnisse heute liegen, mag klar erhellen aus dem, was die „Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung", das amttiche Organ des Deutschen Lehrervereins, in der Nummer vom 9. Oktober über unsere evangelischen Sonntagsblättchen, die fast in jeder christlichen Familie gelesen werden, schreibt: „Und nun ist noch eine Art Jugendschrift, die durchaus nicht aus dem Bedürfnisse der Jugend entstanden ist, sondern aus dem Machtinteresse der Erwachsenen. Es sind die Zeitschriften, die den Zweck haben, die Jugend urteilslos und willig zu machen, dem Interessenverband der Erwachsenen zu dienen. Hierzu sind die Zeitschriften zu rechnen, die Parteiintcressen der Erwachsenen dienen sollen, bie mancherlei Sonntagsblättchen unb parteipolitischen Machwerke. Das solche Machwerke als Schundliteratur übelster Sorte abgelehnt werden, ist selbstverständlich." Wenn das nicht heißt, die eigenen Kinder gegen die Eltern aufhetzen, dann weiß ich nicht, was aufhetzen heißt. Sind das denn unsere eigenen Kinder, die Gott uns ans Herz gelegt hat, ober sind das unsere Sklaven, die wir als herzlose Tyrannen unserem eignem egoistischen Machtinteresse zum Opfer bringen? Aus sich heraus soll sich also die Jugend orientieren, die Zucht des Elternhauses soll fallen und kirchliche Zeitschriften setzt man auf den Index. Nennen Sie mir in der ganzen Welt eine Diktatur oder Tyrannei, die so mit schmutzigen Fingern in das Verhältnis von Eltern und Kindern eingreift, als hier das Organ ber Männer es tut, benen wir zwangsweise unsere Kinder anvertrauen müssen. Da merke ich gar nichts von Liebe und Duldung und Verstehen, sondern da pflegt man eben offen diesen Geist des Widerspruchs, „der wider Zucht sich frech empöret" . . . Gott sei Dank, daß es in deutschen Landen doch noch Lehrer gibt, die das erkennen und nicht gut heißen, auch uns Eltern verstehen, unb hier nicht, „von Duldung" unb „Verstehen wollen" reben. Auch das süßliche Iesusbild, das Sie sich gezeichnet haben, entspricht nicht dem Mann, der von sich sagte, „ich bin die Wahrheit". Wäre er ber Mann gewesen, der in lauter Dulbung, Liebe und Demut zerfließt, die Juden hätten ihn wahrhaftig nicht ans Kreuz zu schlagen brauchen. Gerade über Kinder und Erzieher spricht er ein gar gewaltig Wort: „Wer aber eines dieser Kleinen ärgert, die an mich glauben, dem wäre besser usw. Sollte dieser Jesus da gar selbst „so lieblos sein", anderen die Religion abzusprechen? Jedenfalls keine Spur von ber süßlichen weibischen Liebe, die Sie meinen, sondern diese Liebe ist männlich und stark, gesund wie die würzige Luft der Berge. Aber wenn wir nun jeden Menschen Religion zusprechen (auch Mu- hamedaner, Indianer und Neger haben solche), wäre das ein Grund, ihnen auch die religiöse Unterweisung unserer Kinder anzuvertrauen? Der Landwirt gibt, wie Sie sich auf dem Lande ja leicht überzeugen können, nicht mal seine Pferde jedem in die Hände, und wenn Sie heute über ein Kapital von 100 000 Mk. verfügen sollten, dann möchte ich wissen, ob ihre Liebe und ihr Vertrauen wirklich so weit gehen sollten, daß Sie die Verwaltung und Anlegung dieser Summe so ohne weiteres jedem anvertrauen würden, trotz all der schönen Behauptungen: „Wir alle sind göttlichen Geschlechts" u. dgl. Und nun verlangen Sie von uns Eltern, wir sollen einen noch viel größeren Schatz, unsere Kinder wahllos jedem anoertrouen, der nur als Beamter im Dienste eines Staates steht, ber schon bei anvertrautem irbischem Gute uns so manchmal enttäuscht hat und ber uns boch schon bei seinem Entstehen zur Genüge hat verstehen lassen, wie er über Religion und Kirche denkt? Evangelische Eltern verlangen, daß evangelische Kinder in evangelischen Schulen von evangelischen Lehrern erzogen werden in evangelischem Geiste und das heißen Sie: .Hochmut und Verachtung säen, dem Kinde solche krasse Kluft schon in frühester Jugend von Mensch zu Mensch beibringen?" Wissen Sie denn nicht, daß es gerade zum Wesen des evangelischen Unterrichts gehört, den Kindern Achtung auch vor anderen Konfessionen beizubringen und einer gerade soweit ein Christ ist, als er die Worte Jesu erfüllt? Aber freilich, für Sie sind die Konfessionen nur tote Formen, bie sich bie Menschen selber gemacht, und an denen „sie sich die Schullern wund reiben". Also weg damit! Aber sollte das wirklich in Gottes Willen liegen? „Rasch fertig ist bie Iu- genb mit bem U r t e i l, bas schwer sich handhabt wie des Messers Schneide. Aus ihrem Hirne nimmt sie kühn der Dinge Maß, die nur sich selber richten . . ." „Sind die Formen, in denen sich uns die Religion bietet, wirklich nur Menschenwerk ober sind sie bas charakteristische hüllende Gewand, bas ber Geist sich formt? Haben Sie, verehrtes Fräulein, Ihre Gestalt, Ihr Antlitz sich selbst gegeben, mürben Sie es bulben, baß man es als Men- schenmachwerk gewaltsam ändert? Ich denke mir, cs wäre gewiß schade darum. Oder ins Große gegriffen: Die Bibel ist die Form, in der sich uns Gottes Wort und Offenbarung bietet. Nun streiten darob die Menschen feit Jahrhunderten. Um also dem Streit ein Ende zu machen, wäre es nach Ihrer Meinung das Richtige, man ließe einen geistigen Extrakt Herstellen, alle Bibeln verbrennen unb die große Herrlichkeit wäre da. Glauben Sie wirklich, man würde die Menschheit fördern, wenn man im Wahnwitz die geheiligten Formen zerschlägt und vernichtet und gegen Gott ankämpft, der doch bewußt alles werben ließ „nach seiner Art". Erst aus dem Streit der Gegensätze erwächst ber Fortschritt, unb wo alles ineinander fließt, da ist der Tod und lein Leben. Doch wollen Sie mich hier nicht verstehen, bann werden Sie vielleicht unter ein gewaltig Wort des Alten von Weimar sich beugen, bas wohl gerabc auch von unserer evangelischen Kirche gelten kann: Wie an dem Tag, der dich der Welt verlieh'n, Die Sonne stand zum Gruße der Planeten, Bist also bald und fort und fort gedieh'» Nach dem Gesetz, nach dem du angetreten. So mußt du fein, dir kannst du nicht entflieh'n. So sagten schon Sybillen, fo Propheten. Und keine Zeit und feine Macht zerstückelt Geprägte Form, die lebend sich entwickelt. So reden die Großen, unb bie Kleinen sprechen von „Schultern wundreiben. Da haben Sie in ben Worten des großen Meisters das Gesetz, aus dem heraus wir Evangelische für unsere Konfession kämpfen. Ich glaube, auch die katholische Kirche weiß etwas davon, Sic werden es wohl noch er- fahren. Und lesen Sie im obigen Zusammenhang bei Goethe weiter, den so mancher Schulmann als deutschen Propheten gelten lassen will, bann können Sie noch die schöne Widmung lesen: Gar manches Herz verschwebt im allgemeinen, Doch widmet sich das Edelste dem Einen! Da ich nun weiter annehme, daß Sie getauft und konfirmiert sind, so lassen Sie mich noch auf einen schweren Vorwurf eingehen, in dem Sie nach Art verhetzter Kommunisten gegen die Kirche ben ebenso schweren als abgegriffenen Vorwurf erheben, sie habe den Mord gepredigt. Gestatten Sie mir die Gegenfrage, wo hat die Kirche „zu morden und zu zerstören" aufgefordert und wo hat die Kirche hier etwas anderes getan, als was die Schule getan hat? Wenn wir am Tage des Totenfestes wieder getrauert haben um bie Gefallenen und aufblicftcn zu den Tausenden, die ihr Letztes gaben, wollen Sie wirklich alle diese Helden zu Mördern degradieren, Helden, wie Richthofen und Hindenburg als Mastenmörder brandmarken und so sich für geeignet halten, unsere Jugend zu wackeren deutschen Männern zu erziehen? Man hat ja nie in unserem Volke das Streben gezeigt, besonders christlich gerichtete Männer an leitende Stellen der Diplomatie zu bringen und auch heute ist beim Wahlkampf nicht allzuviel davon zu merken. Auch hat sich die Kirche das Schauspiel versagen können, daß sich aus ihrer Mitte ein früherer Pfarrer wie bei der Schule ein Erzberger in den Ministersessel schwang. Aber haben Sie denn wirklich von der Kirche erwartet, sie hätte im Augenblicks, da die Russen schändend und mordend in ben Garten deutscher Lande einbrachen, die Feinde von allen Seiten wie hungrige Wölfe uns umdrängten, die teuflischste Macht der schändlichsten Lüge uns umhüllte, deren selbst die Feinde nun sich zu schämen beginnen, da unserem Volke in den Rücken fallen, ihm das moralische Rückgrat brechen sollen und sagen: laßt bie Feinbe schänben unb morben unb unser Volkstum vernichten, sie handeln recht unb sie reben wahr. Es sollen sich ja später solche Menschen gefunden haben, bie bas taten, aber haben Sic wirklich auch ber Kirche eine solche Rolle zugetraui? Gewiß kann man nicht nach bem Kriege eine Zeit sittlicher Hohe erwarten. Aber eine Scheidung der Geister ist eingetreten und ein Suchen und Fragen nach Gott geht wieder durch die Men- fchenherzen, rote sie selber es sagen, möchte nur dem Suchen ein Finden folgen, denn mit bem Suchen allein ist es doch nicht getan. Aber gerade weil eine ganze Welt in Trümmer sank, geht nun ein Suchen nach den unverlierbaren Gütern ber Ewigkeit burch bie Menschenherzen unb ba sollten auch gerabc bie Erzieher unb Lehrer unseres Volkes begreifen, baß wir solche Güter den Herzen unserer Kinder nahe gebracht wissen wollen von Männern unserer Gemeinschaft und unseres Glaubens, die nicht überall herumnippen und herum- irrlidjterlieren, sondern zu dem Gut ihres Glaubens halten und das Wort verstehen: .Lastet uns nicht verlassen unsere Versammlungen, wie etliche pflegen." Es gibt heute Tausende, die kritisieren über die Kirche (Sie selber sind ein Beispiel davon), sie begreifen nicht, daß die Kirche nicht bloß Erfüllung, sondern auch Ausgabe ist. Auch sind seldstoerstänb- lich ihre Diener feine vollkommenen Menschen, das wäre vielleicht nicht mal gut, was sollten denn onst manche mit dein schönen Gleichnis vom Phari- äer und Zöllner an fangen? Aber die Kirche hat roch nun einmal den Auftrag, Buße zu predigen unb wenn sie das nicht mehr tut, bann gleicht sic dem bumpf geworbenen Salz, bas nach bes Herrn Wort sonst zu nichts nütz ist, als daß man es hinausschütte unb laste es die Leute zertreten . . . Die Liebe, bie nur Duldsamkeit ist und alles gutheißt, hat noch immer in Sünden geendet. Schon der Herr des großen Abendmahles klagt, daß nicht alle lammen und ber Herr sagt uns, viele finb berufen, aber wenige finb auserwählt. Wie ber Amt, trotz aller Wissenschaft, immer wieber die Erfahrung machen wird, daß Tausende zu Kurpfuschern gehen, so wird es immer wieder solche geben, die von ber Kirche sich abroenben, konnte boch in jenem Gleichnis ber Vater nicht mal den eigenen Sohn und der Herr nicht mal ben Kreis der 12 Jünger zusam- mcnhaltcn. So kann auch die Kirche heute viele nicht halten und muh sic ziehen lasten. Wenn aber aus einem Heer Soldaten solche Weggehen, bie fühlen, baß sie nicht dazu gehören, bann wird dadurch das Heer nicht schlechter. Nur wird kein Mensch sagen wollen, daß solche i'nzuverlässigen Kantonisten nun in besonderem Maße geeignet wären, andere zu erziehen. Drum möchten wir Eltern, Männer und Frauen zu Erziehern haben, die die hohe Aufgabe, die bie Kirche für unter Volk hat, erkennen, Männer, auf bie Verlaß ist, bie bas hohe Gut ber Kirche den Kinbern nicht verekeln, bie nicht klagen unb schimpfen, fonbem bie anpacken, es besser machen. Mag bie Kritik der Kirche gegenüber schnell bei ber Hand sein, jedenfalls ist es ihr hoher Vorzug vor ber Schule, baß sie alles, was sie tut. in vollster Oeffentlichkeit tut. Sie gewährt den Eltern vollsten Einblick in ihre ganze Arbeit, und die Tätigkeit ber Pfarrer vollzieht sich Tag für Tag unb Woche für Woche vor vielen Zeugen. Selbst von ihrem Unterricht gibt sie ben Eltern und der Gemeinde bei Prüfungen und Konfirmation jederzeit Rechenschaft während sich die Arbeit der Schule an den unmündigen Kindern hinter verschlossenen Mauern vollzieht und man selbst bie öffentlichen Prüfungen abgeschafft hat, baß niemand hineinschauen kann, was ba eigentlich vorgeht. Auch zwingt sie niemand mit Gewalt und stellt es jedem frei, wie er es halten und zu welchem Pfarrer er gehen will (in bie Predigt). 6o sucht sie sich einer Kritik wahrhaftig nicht zu entziehen, aber sie braucht sie auch wahrhaftia nicht zu scheuen. Und da sie sich nicht in fremde Dinge ein- mengt, dem Staate gibt, was des Staates ist, und ber Schule, was ber Schule, fo wirb sie, fo Gott will, auch die Kraft haben, dafür zu sorgen, daß andere sich nicht in ihre ureigensten Dinge einbrängen, womit sie nun einmal (schon burch bie Taufe) betraut ist. Zum Schlüsse bann noch ein Wort über bie neue Lehrmethobe, mit ber wir natürlich wieder einmal „vor einem ganz besonderen Abschnitt der neuen Entwicklungsgeschichte ber Menschheit stehen", worüber ich mir natürlich ebensowenig ein Urteil erlaube, als wenn jemand mir versichert, daß ausgerechnet er auf dem Mittelpunkt ber Erde stehe. Es ist ja gewiß erfreulich, wenn jemand sich so recht in eine Sache einfühlt und dabei das Empfinden hat, daß heute Kinderaugen in der Schule leuchten, wie es früher nicht der Fall war. Im stillen aber habe ich gedacht, was wohl alles aus einem Goethe oder Bismarck hätte werden Erwin Rosen, der „deutsche Lausbub". Don Friedrich F r e k s a. Weite! Ferne! Lebenskampf! Das find die Sehnsuchtsfanfaren, die in den Herzen der jungen deutschen Menschen schmetternd locke». Edelste Tüchtigkeit wird durch diese Drei geweckt, aber leider auch jene falsche Romantik unb Sentimentalität, bie ohnmächtig träumt vor ber Flimmerwand bes Films. Bücher, in denen stark gelebtes Leben einfach, bildhaft, voll Humor, ohne Lehrhaftigkeit und doch mit in sich ruhender Nutzanwendung daryestellt wird, fehlen leider der deutschen Literatur, tm Gegensatz zu der angelsächsischen. Ein Lebenswerk aber liegt vor, bas den Vergleich mit ben Besten der amerikanischen unb englischen Literatur aushalt: Es sinb bie fünf Dänbe Erwin Rosens, in benen der leider au früh Heimgegangene die Buntheit seiner Schicksale vor bie Augen bes Lesers zaubert. Je langer man biese Bücher kennt, besto mehr bringt man in ihre stilistischen Vorzüge ein: Vor allem wirkt die Knappheit bes Vortrags, ber burchaus nicht karg ist, benn immer steigert sich das Erlebnis zu ber szenischen Kraft einer Anekdote. Die Umwelt gibt eigenen Rhythmus. Wir spüren das Zittern der Schiffsmaschinen, wenn ber Lausbub, der zu Hause nicht gut tun wollte, seine erste Fahrt über den Ozean macht; ber Cowboy-Galopp über die Baum» wollplantagen klappert mit in ben Ohren; das Schwingen ber Eisenbahnwaggons, auf benen sich ber Schwarzfahrer über bie Riesenausmaße des amerikanischen Schienenstranges hinweghilft, fühlen wir unter den Füßen. Geruch und Hämmern der Maschinen im Zeitungsgebäude von Neuyork umgibt uns; der schreckliche Marsch der Fremdenlegio- näre durch den ausbörrenben Sanb ber Sahara macht uns schwindeln; aber auch bie Stimmung eines deutschen Burschenwanberers auf ben Obst- chausseen von Linz nach München klingt in uns mit. Drei Bänbe „Der deutsche Lausbub in Arne- rifa*, das Buch der furchtbaren Erlebniste „In der Fremdenlegion" und das Buch bes gereiften Mannes „Allen Gewalten zum Trotz" (Erwin Rosens Europäische Erinnerungen) liegen vor*). In unserer Zeit bes zerfasernden Psychologis- mus tut es wohl, eine solche Jugenbschilderung zu lesen, wie im ersten Kapitel bes Lausbuben. Auf wenigen Seiten ist gufammengebrängt das, was typisch ist, die Wärme, die Weichheit des jungen Menschen, ber nicht weiß, wohin er mit seiner Phantasie und seiner Tatkraft soll. Ein prächtiger dichterischer Ton ft angeschlagen. Das Eingeständns bes erstickten Heimwehs, als er am Abschiedsabenb mit bem Vater im Bremer Ratskeller zusammensitzt, wiegt taufen Seiten jener kunstvollen Iugenb- schilberungen von heute auf, in benen alle Schulb auf bie Lehrer unb Erzieher gehäuft wird, denen die Kinder als strafende Ankläger gegenübergestellt werden. Dieser Lausbub fühlt, daß er seinen Eltern Herzeleid bereitet hat, aber trotzdem bleibt er ein Leichtfuß. Das beweist fein Verhalten auf dem Ozeandampfer gegenüber dem Steward und bie Pokerfahrt von Neuyork hinunter nach Galoestone. Trotzdem ist ber Herzschlag gut Das merkt ber Leser nicht an ben Vorsätzen ober an bem Glück, das zur rechten Stunbe sich immer wieber einstellt, benn Glück ist ja Charakter, wie Napoleon sagt. Und bas Glück, bas biefer Lausbub wirklich besitzt, ist bas klare unb bestimmte Jungenauge, bas ben Charakter bes anderen von ber Nasenspitze ablieft. Die Eigenschaft, bie sich bei Erwin Rosen erst später voll entwickeln sollte, bie bes künstlerischen Beobachters, erhält ihn in seinem ersten Jüng- lingslebenskamps. Mit richtigem Instinkt geht er an ben Menschen vorbei, bie ihm schaben konnten, und hält fest an benen, bie ihm von Nutzen sind. Diese Gottesgabe des starken Blickes verrät sich *) In Lug' Memoiren-Bibliothek in einer großen Zahl von Auflagen erschienen. Jeder Band in Halbleinen 6,50 Rm., Ganzleinen 7 Rm. Ferner billige Volksausgaben: „Lausbub", drei Teile in 1 Bd. 7,50 Rm., „In ber Freinbenlegion" 2,50 Rm. (Robert Lutz, Verlag, G. m. b. H., Stuttgart.) durch diese Darstellung selbst, und damit wird dieses bunte tieben in seinem Aus und Ab in sich klar, ohne daß eine große analytische Beschreibung not- roenbig wäre. Jenes Schwerste ist geglückt zu schildern in den fünf Büchern, wie ein schreckliches Erlebnis eines Traumes steht bas Erlebnis ber Fremdenlegion dazwischen. Er war wirklich von allen guten Geistern verlassen, als er nach Belfort ging und sich verkaufte. Erst danach ward er wieder er selbst, als er sich wieder frei machte, als mit bem Herrenmenschen ber trotzige Bubenmut erwachte, sich herauszuhauen. Immer wieber muß dieses Buch bem beutschen Volke nahegebracht werden, zumal in ber heutigen Zeit, da die französischen Werber in einem großen Teil beutschen tianbes Freiheit genießen. Immer wieber muß an bieses Buch bie Sortierung geknüpft werben: alle Staaten sollen sich gegen bie Einrich- tung ber Fremdenlegion wenden. Sie ist eine andere Form ber Sklaverei. Hunberte von Lebenslehren ergeben sich aus Erwin Rosens stark gelebtem Leben leibst. Selbst ein Vielgereister erhält neue Blicke, so über ben Unterschied bes Daseins In ben Vereinigten Staaten unb in Deutschlanb. Mit köstlicher Selbftironie schilbert sich Erwin Rosen, wie er als smarter amerikanischer Zeitungsmann nach Deutschland kommt und nun seine Erfahrungen auf bas Vaterlanb übertragen will. Die granbiose Einheitlichkeit ber Vereinigten Staaten ersteht in Erwin Rosens Schilderung, die ganze Großherzigkeit des Amerikaners, der Respekt hat vor jedem, ber arbeiten will. Unb dennoch, wie viel heimischer'fühlt er sich selbst, wenn er schildert, wie er in Ulm in einem kleinen Stübchen seine kleinen Arttkel und Geschichten schreibt, oder wie er in Innsbruck im Hause bes k. k. Lokomotivführers sitzt und dort schuftet, um seine Schulden in Hamburg zu bezahlen. Ich habe immer bewundert, wie er es fertig bekommen hat, ohne große Umfchweifungen zu machen, bie eigentümliche Luft beider Städte in der Nase bes Lesers erstehen zu lassen Krieg, Nieberlage unb Revolution erlebte er ganz unmittelbar. Eine Märchenzeit hat er den Krieg genannt, er, ber erprobte Lebenskämpfer, ber ehemalige Fremdenlegior.är unb Kubakrieger, ber als 40jähriger kriegsfreiwilliger Musketier in ben Krieg zog, sich an ber Oft- und Westfront seine Beförderungen bis zum Leutnant und Nachrichtenoffizier und im Erleben der Kriegsschrecken feine Verwundungen holte. Der unbeschreibliche Optimismus, der ihm eigen war, ließ ihn über die Schrecknisse hinwegsehen. Sein höchster Wunsch war erfüllt: im männlichen Leben zu stehen. Darum mußte er zu denen gehören, bie nach ber Nieberlage ben Kopf nicht hängen ließen. Er warf sich mit seiner ganzen Kampffreubigkeit in bie nationale Bewegung, bie ihm in Hamburg viel zu danken hat. Erwin Rosen wirb immer das Beispiel bleiben für ben Mann, ber aus ber eigenen Weichheit feine Straft gewinnt. Mit seinem jung gebliebenen Herzen wird er immer, be» sonbers auf bie lefenbe Jugend einen unmittelbaren Zauber ausüben, wird sie in ihm boch unmittelbar ben Kameraben erblicken. Die Herzenskraft, die ihm eigen war, ließ ihn den schönen Brief an seinen kleine» Sohn Peter schreiben, ber bem Band „Allen Gewalten zum Trotz" vorausgesetzt ist. Ich entnehme ihm brei Leitsätze, von benen ich wünschen möchte, daß ein jeber Deutscher sie sich merkt: „Solange in Menschen unb Völkern bie Lust am Leben unb Schaffen nicht untergegangen ist, solange kann feine Niederlage bas Bleidenbe sein: Vielleicht sind Katastrophen nur dazu ba, um Kräfte auszu° lösen." „Gar wenig nur vermögen Verhältnisse unb Zeiten ein Menschenleben zu führen unb zu bestimmen. In ber eigenen Seele ist die rettende Straft verborgen." „Am schönsten aber ist neben ber Begeisterung, bas weiß ich mit untrüglicher Gewißheit, bas verspüre ich heute mehr benn je in allen Fasern meines «eins, bie Freube an ber Arbeit; jener Arbeit und jener Leistung, die nicht mit Heller und Pfennig rechnet, wie anfammelnber Wucher, sondern aus den Menschen herauswächst, weil Wachsen und Werben ber große Lebenstrieb finb." können, wenn eine moderne Pädagogik ihnen „alle die Lichter angesteckt hatte, deren Flammen man siüher erstickte". Es ist gewiß auch nur Zufall, wenn Gymnasialdirektoren erklären, daß sie mit den aus einklassigen Schulen kommenden Schülern am zufriedensten wären, weil, wie ich wohl irrtümlich- dachte, dort keine Zeit bleibt, alle die Methoden durchzuprobieren. So will ich mir denn auch in dieser Sache selbst kein Urteil erlauben, sondern Männer der Schule reden lassen. Da klagt einer im „Schulboten" über die allein seligmachende Methode: „Aber noch größer ist das Meer von Tränen, das bei praktischer Erprobung aus unschuldigen Kinderaugen kommt. Einige sind Meister geworden, aber viele haben vor lauter Reden über die Arbeitsschule den Weg zur praktischen Arbeit aus dem Auge verloren. Die pädagogische Not io vieler wächst in das Riesengroße. Die alte Lernschule ist vergangen, ja, man schämt sich ihrer, und das Neue ist noch gar zu nebelhaft. Und in diesem Nebel fühlt der haltlose mit der Stange der Hilflosigkeit umher, läßt sich hin und her ins Uferlose z-ehen, indes das Irrlicht seiner neuen Methode ihn narrt und äfft," um dann schließlich festzustellen, daß zur Durchführung dieser neuen Methode die praktische Vorbildung fehle. Und ein anderer älterer Herr klagt in einer Nummer des Herausgebers für Schule und Haus (Christliches Haus): „Wie die gewordene und die werdende Generation mit breitfohligen Stiefeln kühn und verächtlich das 'Alte zertritt. Der Volks- mund hat das Urteil gesprochen über den Vogel, der sein eigen Nest beschmutzt. Woher hat der junge Mensch das Recht und die Vermessenheit, unseren Unterricht, der in der Unterrichtserfahrung eines Menschenalters begründet ist, zu tierv.rteilen?" So rede nicht ich, sondern ein alter Schulmann, von. dem ich mich habe so ein klein wenig belehren lassen. Und da dachte ich, wenn also heute unsere Jugend auch alles besser weiß, es könne ein klein wenig damit Zusammenhängen. (Mangelnde Ehrfurcht!) Wir Eltern möchten nicht, daß man unsere Kinder dem Götzenbilde einer allein seligmachenden Me thode opfert (zum Glück fehlt es ja hier auch nicht an einsichtigen Lehrern) und möchten noch viel weniger, daß man sie dem Idol einer alles nivellierenden Staatsreligion zum Opfer bringe, hat doch das Ministerium für Schulbildung in Hessen z. B. vor einiger Zeit wieder durch eine besondere Verordnung feine Geringwertung der Religion zum Ausdruck gebracht, daß an den höheren Schulen schlechte Noten in Religion bei Festsetzung der Gesamtnote nicht mehr in Anrechnung kommen dürfen. Wieviel mehr Verständnis hat demgegenüber eine Dresdner Mei- Herinnung gezeigt, die beschlossen hat, junge Menschen, die nicht konfirmiert sind, überhaupt nicht mehr als Lehrlinge einzustellen! Ist es nicht geradezu eine selbstverständliche For derung, wenn wir ev. Eltern verlangen, daß unsere Kinder, die Gott uns anoertraut hat, für die wir sorgen müssen, auch von ev. Lehrern in ev. Schulen im ev. Geiste erzogen werden? Ja, ist es nicht ein trauriges Zeichen der Zeit, daß Eltern, die im sog. freien Volksstaate solche Forderung erheben, nachdem man doch so laut die Trennung von Kirche und Staat in die Welt hineingeschrien hat, sich gefallen lassen müssen, daß man sie von allen Seiten mit Schmutz bewirft, genau so wie den, der noch vor Jahren das Wort Vaterland gebrauchte oder das Deuisch- landlied sang? Und wenn Sie selber, Fräulein Welter, in diesem Zulamemuhange Worte gebrauchen wie „.Pharisäerhochmut", Hochmut und Verachtung • säen", „böses Wollen unterschieben", „lieblos von anderen denken", von „Haß und Gewalttätigkeit" l reden, ja auch von „Blut fließen" schreiben und dabei doch immerfort die Worte von „höchster Liebe und * Duldung" im Munde führen, wie mag es da sonst aussehen? Ist ev wirklich die Preisgabe der Kinder, durch die man feine Duldung erweisen soll? Ist es denn nicht gerade unerhört, wenn man u n s nachjagt, w i r wollten die Kinder schon in frühester Jugend voneinander reißen, während doch gerade die 'Anhänger der Simultanschule es tun9 Zedes Kind weiß doch, auseinanderreißen kann man nur, was vorher zusammen war. Wenn aber die ".Kinder, die vorher schon zusammen waren, mit ihren Eltern ins Gotteshaus gingen, dann auch zusammen zlir Schule gehen, was sie doch als etwas ganz Selbstverständliches hinneymen, wie kann da oon einem Auseinanderreißen und Schassen „einer krassen Kluft in frühester Jugend" die Rede fein? Auseinander reißt man aber die Kinder da, wo man vor jeder Religionsstunde, bald die einen, bald die anderen fortschackt und die Kinder sich immer wieder Franziska. Roman von Liesbet Dill. 22 Fortsetzung. Nachdruck verboten Er stieß alles um, was festgestanden. „Aber bas ist immer so gewesen", wehrten sich die alt- gewordenen Musiker empört. „M g es meinetwegen so alt sein wie die Welt," erwiderte der neue Dirigent, „weil es alt ist, ist es darum doch nicht besser" „Immer auf den Taktstock schauen", hatte Wohlgemuth Frgnziska eingeprägt, und sein Rus: „Slott, schauen Sie doch her!" der ihr immer wieder dazwischen flog, lebte noch in ihr, als Mariot kam. Bei der ersten Prede der „Königstochter" war sie bemüht, sich vor diesem nervösen Dirigenten keine Blößen zu grbm, und sie folate wie gebinnt seinem Taktieren. „Was sehen Sie denn immer herunter auf das Pult," rief Mariot ihr zu, „was gibt denn das dem Publikum für ein Bild! Sie können doch nicht spielen und dabei mich anschauen! Mit dem Ohr hören müssen Sie, nicht mit dem Auge!' In dem Hoftheater wurde jetzt mit einer -Intensität und Schnelligkeit gearb itet. wie kaum an einem auätixrtigzm gleichrangigen Theater. Daß man zehn Stunden lang Dienst hatte, gehörte zu den gewöhnlichen Anforderungen, von den Leistungen des t-ech üschrn Personal; wurde etw.s geradezu Gewaltiges verlangt. Die Vo- lontär- und Anfängerwirtsch V, von der selbst «ein Hoftheater nicht verschont bleibt, das Heraus- b ingen einer Erstaufführung mit einer Arran- gierprvbe und zwei bis höchstens vier Stück- P-cben war gang und gäbe unter Wvhlgemuth. Wenn nur die erforderliche Zahl der Opern herausgebracht werden konnte Mariot kam mit einem festen Programm, und danach handelte er. „3m zweiten Jahr sind Sie alle eingeübt, bann geht alles von selbst," erwiderte er auf die Klagen der angestrengten Sängerinnen. „Sie holen jetzt nur nach Stätten Sie vorher üb rrhaupt gearbeitet, brauchten Sie sich jetzt nicht anzustrengen. Arbeiten müssen wir ab'e.“ Die verstaubten alten Mozartopern wurden Gesäubert, geordnet, und zierlich ahgerunbet er- auf» neue fragen müssen, worum darf ich nicht dabei sein? Sind die anderen etwas anderes als ich? Um solche Riste zu heilen, wird freilich der große Vorrat von Liebe und Duldung nötig sein, den Sie aufzubringen fordern, den Sie aber an anderer Stelle wohl nützlicher anbringen könnten. Erweisen Sie vor allen Dingen unseren Kindern die große Liebe, sie aue dem kraftvollen Wurzelboden ihrer Konfession emporwachsen zu lasten zu gottesfürchtigen Menschen, die jederzeit bereit sind, den anderen als helfende Brüder die Hand zu reichen. Aber denken Sie nicht, daß Sie Ihnen Liebe erweisen, wenn Sie, dem Idol eines Standes ober einer Methode folgend, in ihrem religiösen Wurzelboden die starken und zarten Wurzeln kappen, so daß der Dlensch wurzellos und haltlos wird. Damit wären wir von unserem Spaziergang, zu dem Sie mich freundlichst eingeladen, wieder zum Anfangspunkt zurückgekehrt, und ich grüße Sie in aller Hochachtung Ihr sehr ergebener A. W e ck. O'oerhessen. Sd) isifparkajifen. Man schreibt uns vom Lande: Der vor einigen Monaten von Seiten der Kreisschulämter angeregten Gründuna von Schulsparkassen wirb nicht allerorts Die nötige Beachtung geschenkt. Sie bezwecken ungefähr dasselbe wie die sog. Pfennigsparkassen, die vor dein Kriege an vielen Orten, und namentlich auch in zahlreichen Vogels- bcrggemeinben, bestanden und äußerst segensreich wirkten. Durch wöchentliche, regelmäßige Einlagen non kleinen und kleinsten Geldbeträgen (5 und 10 Pf.), deren Entziehung sich in der laufenden Lebensführung sogar bei größerer Kinderzahl wenig oder gar nicht bemerkbar machte, wurde er reicht, daß bei der Konfirmation eines Kindes, bei welcher Gelegenheit zumeist die Inanspruchnahme der Spargelder erfolgte, auf dessen Sparkonto soviel Geld vorhanden war, daß damit leicht die erforderlichen Ausgaben für Kleider usw. bestritten werden konnten, die sonst das Budget des Vaters arg ins Wanken gebracht hätten. Gar oft blieb nach Abhaltung der für diesen Zweck erforderlichen Summe noch ein schönes Stück Geld übrig, besonders dann, wenn im Laufe der 8 Schuljahre Onkel, Basen und Tanten bei festlichen Anlässen noch etwas dazugelegt hatten. Es muß zuaegeben werden, daß die Geldkalamität in unserer Zeit erschreckend yroß ist, aber sie ist doch nicht so groß, daß sich nicht öfters, wenn auch nicht wöchentlich, kleine Geldbeträge für die ^chulsparkasse erübrigen ließen, deren Gesamtheit später den Kindern der Familie zugute kommen würden. Beteiligt Euch daher an den Schulsparkasten! ^trttvtrcis Gjcj;err. s. Großeu-Linden, 16. Dez. In der letzten Zeit sind auf Der hiesigen Bahnstation eine größere Anzahl Waggons Steine aus- geladen worden. Es handelt sich um au- - gebeutetes Gleisbettungsmaterial, welches von feiten der Reichsbahnverwaltung an umliegende Gemeinden kostenlos abgegeben worden ist und von diesen zu Wegebauten verwendet wird. — Die Tochter eines hiesigen Einwohners, die einige Zeit von zu Hause abwesend war, wurde von dem Hofhund ihres DaterS, den dieser in der Zwischenzeit angeschafft hatte, durch einen D i h derart schwer verletzt, daß sie sich in ärztlich« Behandlung begeben mußte. h Lollar, 16. Dez. 3n dieser Woche veranstaltete der hi.stge Mädchenverein unter Mitwirkung einiger älterer Mädchen der Sonntagsschule an zwei Abenden im Saale der Kleinkinderschule eine A d v e n t s f e i e r, die großen Anklang fand und jedesmal überaus zahlr ich von Gemeindegliedern besucht war. Gut vorgetragene Advents- und Weihnachtslieder des Mädchen- chvres wechselten mit DeklamaKonen einiger Mädchen ab. Auf Der neuen Bühne des Vereins wurde eine ..Adventsfeier" (6 Mädchen) und „Zwergrönigs Heinckshr" (14 Mädchen) sehr gewannt dargestelli. Einige lebende Bilder (heilige Rächt usw.) machten den wirkungsvollen Schluß. Die Leitung und mühevoll? Vorbereitung lag in den Händen der 6 üben hiesigen Schwestern, Die von der ßenrmn Fräulein Heberer dankenswerter Weise unterstützt wurden. h. Dau bringen. 16. Dez. Trotz ungünstigen Geschäftsganges hatte die Firma Scheidschienen sie, entzückend, neu und jung. Mariot bZtand energisch auf angemessener Ausstattung. Man gab feinen neuen „Waffenschmied" nach Wiesb dener Muster, einen „Lohengrin" nach Bayreuther Vorbild mit halbvergessenen Pointen. Reu und heiter stiegen die alten Operetten wieder aus ihrem Staub hervor. Die alten langweiligen Opern b.'l'.bten sich unter seinem Tältst ock. — Man war seit zwanzig Jahren gewohnt, die Iphigenie von Der Alf31) zu sehen, die, immer noch stattlich, aber mit bereits sch'.rf gewordener Stimme die Trepven zum Tempel erstieg: derselbe Siegfried schwang feit zehn Jahren unermüdlich Den Bl s.balg, obwohl er klein und fett geworden war, und dieselbe Ebenhausensche Carmen lief mit der Relle in dem Mund dieselbe Treppe herunter, in demselben gelben Kleid mit schwarzem Samtgitter und Spitzen, das die Son- ner berget nun schon auswendig konnten. Mariot geriet in einen Kamps mit Dem Regisseur, der unter Wohlgemut alt und grau geworden war, „und fett", fügte Mariot hohnlächelnd hinzu. Er selbst war schlank, sehnig und muskulös, man traute diesen feinen mageren Händen gewiß nicht soviel Kraft zu, wie sie besaßen. Er war ein vorzüglicher Fechter, ging auf die Jagd und w ir als guter Schütze bekannt. Gr bestand auf der Ausführung feiner Ideen. .Das Dämonisch e äußett sich in einer durchaus positiven T itkraft", seufzte der S e ihansb^rger. Arb.iten, arbeiten war die neue Losung. „Rur Fräulein Rott macht eine rühmliche Ausnahme darin. Denn sie strengt sich auch jetzt nicht an", sagte Mariot „Ja, ja, Fräulein Rott, Tätigkeit unterscheidet und e.h bt uns über das Pf! a'z'irreich, Müßiggang bringt uns ihm näher, hat Friedrich Der Große, glaub’ ich, einmal gesagt." Lind er lächelte spöttisch über Die Helle Zornesröte, Die ihr über das Gesicht schoß. Franziska wusch sich in ihrer Garderobe die Tränen vor dem Spiegel ab. Es umgab Mariot etwas ilneriläriidjeS, Unaufgeklärtes, äTnheimlich es, das ihn den Frauen anziehend und unwiderstehlich machte. Der Intendant ließ ihn walten. Als Tristan zum erstenmal unter ihm aufgeführt wurde, ließ er als Gast eine Isolde aus Frankfurt kommen. Von da an erkrankte die Llssky wirklich .. Hauer < Giehing da« soziale Verstündnis, unserer Kleinkinderschule» eine Unter» stühung von 100 Mk. zu bewilligen. Diese Spende ist unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen hochwillkommen. Die Firma darf des Dankes und der Anerkennung unserer Gemeinde gewiß sein. : Beuern, 16. Dez. Rachdem in unserem Dorfe fast zwei Monate die Masern gewütet hatten, geht die Epidemie jetzt ihrem Ende entgegen. Fast alle jüngeren Kinder, mit nur vereinzelten Ausnahmen, waren davon befallen, sind aber alle wieder gesund geworden, ohne daß die Krancheit üble Folgen hinterlassen hat. Der Schulbetrieb in der Unterklasse der hiesigen Volksschule konnte am letzten Montag wieder aufgenommen werden. — Seit einigen Tagen kann man an unserem Krebsbach, einem raschfließenden, nicht zugefrorenen Rebenslühchen Der Wieseck, einen Der färbet ^prächtigsten unserer heimischen Vögel beobachten. Vs ist der in un° ferer Gegend so selten gewordene Eisvogel. An feinem Rücken wiegt ein metallisch schimmerndes Blau und an Der Bauchseite ein leiben» gläirzendes Rot vor. Kinn und Kehle sind weiß und die Füße ziegelrot gefärbt: der Schnabel ist schwarz. Trotz seines Schadens, der Vogel nährt sich hauptsächlich von Fischen und Krebsen, sollte man ihn schonen, Damit er nicht ganz aus dem Landschaftsbild verschwindet. — Gar nicht zu Gesicht bekommt man in diesem Winter in unserer Gegend die Haubenlerchen, die doch in früheren Jahren immer während des Winters die Ortschaften aufsuchten. Ob diese Erfahrung auch in anderen Gegenden gemacht wird, müßte einmal beobachtet werden. Grünberg, 15. Dez. Gestern nachmittag unb abend sprach in der Turnhalle Der Chefarzt Dr. Sell über die Bekampfung der Tuberkulose. An dem Rachmittagsvortrag für die Jugend beteiligten sich die hiesigen und zahlreiche Schulen der Ämgegend. In der Abendveranstaltung begrüßte Bürgermeister I ö ck e l den Vortragenden im Ramen Der Stadt. Die Vortrage fanden sehr lebhaftes Interesse, dem Redner wurde herzlicher Dank zum Ausdruck gebracht. — In der heutigen Gemein derats» s i tz u n g wurde die Hundesteuer für 1926 dem Vorjahre entsprechend belassen, und zwar für den ersten Hund 10 Marl, für einen zweiten 20 Mark, für einen Dritten 30 Mark, zahlbar halbjährlich. Dem Seuchengesetz entsprechLird wurden zwei Viehschätzer ernannt, und zwar Hch. Bausch und Äug. Frank, als Stellvertreter Janes und Albert Frank. Verschiedene Angelegenheiten wurden zurückgestellt, andere kleine Vorlagen wurden antragsgemäß erledigt. l. Hungen, 15. Dez. Im gutbefehten Saale des Gasthauses zur Traube dahier hielt heute Der leitende Arzt Der Eteonoren-Heilstätte zu Winterkasten i. O. Dr. Seil einen überaus interessanten und lehrreichen Vortrag über die Tube r k u l o s e und ihre Bekämpfung. Rach einleitenden Worten des Bürgermeisters Fendt, zeigte der Vortragende an Hand von Lichtbildern unb gestützt auf eine reiche Erfahrung Die den Menschen aus der Tuberkulose entstehenden Gefahren. Troy der Länge des Vortrages, Der nahezu Drei Stunden Dauerte, zeigte sich bei Zuhörern Seine Müdigkeit, Da Die Ausführungen außerordentlich anregend waren, was auch der am Schlüsse gezollte Beifall bewies. Kreis Friedberg. Friedberg, 16. Dez. ($1L) Der heutige Weihnachtsmarkt zeigte im allgemeinen ein den jetzigen schweren Zeitverhältnisfen entsprechend befriedigendes Bild. Der Auftrieb des SchweinemarkleS war sehr reichhaltig, und erfreulicherweise gingen auch die Kaufgeschäfte gut. Die Preise hielten sich in den bisherigen Grenzen: für geringe Ferkel wurden 25 Mark, für stärkere Tiere bis zu 35 Mark gefordert. Auf Dem Gemüse markt konnte man alles haben, außerdem das beliebte Weihnachtsgeflügel, wie Gänse ufw., wovon ziemlich gekauft wurde. WSR. Friedberg, 16. Dez. Infolge eines R o h r b r u ch e s in Der Kaiserstraße entwickelten sich im Laufe des gestrigen Rachmittags derartige Wassermengen. daß am Abend die Keller von Drei Häusern unter Wasser standen und zur Behebung des Schadens Die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Rach mehrstündiger Pumparbeit gelang es ihr, die immer noch ausströmenden Wassermengen zurückzudrän- Der scharfe Doktor in Der Morgenzeitung gratulierte dem Theater dazu. Äie sah man Mariot auf Der Straße mit einer Dame vom Theater, wenn er ausging, begleitete ihn seine Frau. Jedermann fühlte, daß sie diesem Mann unmöglich genügen konnte, ihre Reize waren Verb üht, ihr Geist klein. Man sah es ihren blitzenden, dunklen Augen an, ihren hastigen, nervösen Bewegungen, daß sie eine jener Künstlerfrauen war, Die sehr jung geheiratet war, um Dann von Dem geliebten Mann zeitl bens betrogen zu werden. Es gibt Männer und es gibt Frauen, Die zum Detrogenwrrden gebaren scheinen. — Frau Mariot wurde von den Kolleginnen ange= schwärmt, es wäre leicht, mit dieser Frau zu verkehren, der man die Helle Röte des Entzückens über Die Wangen jagen tonnte mit einem Lob ihres M.nnes und auf die man eifersüchtig zu sein nicht nötig hatte. So oft Mariot dirigierte, saß Die rotblonde kleine Baronin Latz in ihrer Eckloge, halb versteckt von dem seidenen Vorhang. Die Baronin hatte blaue Emailleaugen, ein Puppengesicht mit herrlichem, viel zu schwevem. goldblondem Haar. Die (Siegans ihrer Toiletten, ihres Schmuckes, ihrer Pelze, ihrer Fächer erregte die Aufmerksamkeit aller, und die junge Frau, welche mit klopfendem Herzen in ihrer Lage sah, zernagt von Dem auf leimenden Zw if.l von Haß und Furcht, lieh keinen Blick von ihr. Sie stand Dem Hofe nahe und war von einem eifersüchtigen, noch jungen (Satten streng bewacht. Es war für alle interessant, zu beobachten, wie sich diese beiden Rivalinnen zueinander verhielten. Vorläufig saßen sie voneinander abgewandt, und wenn sie sich unbeobachtet fühlten, maßen sie einander mit Blicken, und es war nicht schwer zu ertöten, Daß hier Der Auftakt zu einer Tragödie begann. w Roch im Rovembe sollte die neue Oper „Königstochter" b?r uZg bracht we den. — Das waren Pr den, so etwatz bitte das alte Theater noch nicht erlebt, an Verwünschungen, an zornigen ülnterbrechungen der Künstler, die Sänger waren alle heiser, der Chor war halskranl, die Sängerinnen erschiene.i nur noch in Pelzen unb benutzten jede freie Minute, um Hustenbonbons gen. Die Arbeit wurde besonders erschwert, weit es längere Zeit unmöglich war, die gebrochene Rohrstelle zu entdecken. Der Rohrbruch dürfte auf Den plötzlichen Temperaturwechsel zurückzusühren sein. i Steinfurth, 16. Dez. Daß alte, zum Teil bohle Bäume wahre Schädlingsherde sind, zeigte sich bei einem alten Apfelbaum, der in unserer Gemarkung gefällt wurde. Es wäre inter- essant gewesen, wenn ein Kenner die Namen der verschiedenen Insekten, Larven, Holzwürmer usw., die in dem hohlen Stamm in Menge winterlichen Schutz gesucht hatten, festgestellt hätte. Solche Baumrlesen befinden sich noch einige in unserer Gemar- tung. Sie sollten, wenn nicht vom Besitzer, bann polizeilich entfernt werden, denn sie sind für die Eigentümer kein Nutzen, aber für alle Obstzüchter ein großer Schaden. ’**’* Gambach, 16. Dez. Am Sonntag veranstaltete der hiesige Geflügel- und Ka - ninchenzuchtverein im Saale Der Gastwirtschaft Mohr seine diesjährige Lokalaus- stellung mit Prämiiert! ng^-Die Aus^ stellung war ziemlich gut beschickt, das Material konnte als vorzüglich bezeichnet werden. Cs zeigte sich, daß Der seit 1912 bestehende Verein mit seinen Zuchtleistungen auf der Höhe ist. Die Prä miterung Der Tiere lag in Den Händen Der Herren Mogk° Echzell für Geflügel und Steinbrecher- Darmstadt für Kaninchen. Zur Schau standen im ganzen 122 Hummern mit ca. 180 Tieren. Die einzelnen Klassen waren infolge dessen gut beschickt, unb zwar: Großgeflügel: 3 Rr. mit 3 Tieren, Dafür 1 Ehrenpreis' Geflügel 60 Rr. mit 102 Tieren, dafür 18 Ehrenpreise: Tauben: 23 Rr. mit 42 Tieren, 11 Ehreitpreise: Kaninchen: 36 Rr. mit 36 T.eren, Dafür 10 Ehren Preise. Bei dem Geflügel waren Die schwarzen und farbigen Whandottes, bei den Tauben die Hess. Kröpfer, bei Den Kaninchen Die Belg. Riesen am stärksten vertreten. Die Ehrenpreise waren teils von Den Mitgliedern gestiftet, teils durch Den Verein gekauft worden. Der Besuch der Ausstellung war nicht so stark wie in den Vorjahren. — Bäckermeister W. Metzger, Mitglied des hiesigen Geflügel- und Kaninchenzuchtvereins, errang mit einer von ihm selbst heran- gezüchteten Belg. Riesen-Häsin am Sonntag a;tf der Geflügel- und Kaninchenausstellung des Hess. Landesverbandes in Heldenbergen die höchste Punktzahl und gewann Damit Den silbernen Ehrenpvkal. Kreis Büdingen. * Büdingen, 16. Dez. Die Geflügel- und Kaninchen-Ausstellung, die dieser Tage hier stattfand, war beschickt mit 133 Hühnern, Großgeflügel und Zwerghühnern, 160 Tauben und 36 Kaninchen. Die Vorbereitung und Durchführung Der Ausstellung mit Llnterstühung des Fürstlichen Hauses, Der hiesigen Behörden und Vereine war ausgezeichnet und fand allgemeine Anerkennung. WSR. Büdingen, 16. Dez. Der Abg. Dr. Keller hat im Hessischen Landtag an Dte Regierung eine Anfrage eingebracht, die sich mit Dem Auftreten des Messingkäfers in Büdingen beschäftigt und energische Maßnahmen nach Art der gegen Den Koioradvkafer getroffenen Maßnahmen verlangt. Der Messing Rif er ist bekanntlich ein Insekt, das ähnlich wie die Termiten Baulichkeiten binnen gewisser Zett zum Einsturz bringen kann und deshalb sehr gefährlich ist. Wie wir s. Z. gemeldet haben, ist bas historische Schloß des Fürsten zu bürg-Büdingen in schlimmer Weise von dem Insekt heimgesucht worden. ,7" Ridva, 16. Dez. Der von bet Zentralstelle für Volksbildung in Verbindung mit Dem Hess. Sängerbund veranstaltete zweitägige DirigentenkursuS im „Darmstädter Hof" dah'.er vereinigte 27 Teilnehmer, die sich zum größten Teil aus Lehrer- Dirigenten zusammensetzten. Der Kreisvertreter des Hess. Sängerbundes, Lehrer Storck zu Altenstadt eröffnete mit Gruhworten die Tagung. Schulrat H a s si ng er-Darmstadt, Der Leiter Der Zentralstelle, entbot Der Versammlung Gruß und Wunsch und verbreitete sich über Die Bedeutung des Ges angvereins- wesens in Gegenwart und Zukunft für Volk und Kulturleben. Das Deutsche Lied sei berufen, des Volkes Rotzeit überwinden zu helfen, wirtschaftliche Gegensätze zu überbrücken und als starke aufbauenbe Macht an dem seelischen Wiederaufstieg unseres Volkes mstzuar beiten. Dom Hess. Sängerbund überbrachte Schatzmeister zu naschen... ob es kalt, ob es zugig war, ob's regnete, schneite, fror, die Proben fanden Punkt zehn statt, wer nicht zur Stelle war, wurde bestraft. Es regnete Strafgelder auf die verschlafenen kleinen Choristinnen, Die sich noch gar nicht an diese ungewohnte Pünktlichkeit gewöhnen konnten. Der neue Intendant liebte Den Frieden, um Gottes willen keinen Skandal, war fein erstes Wort, wenn wieder eine entrüstete Sängerin auf sein Bureau gerauscht kam, um sich über Mariot zu beklagen. Er hörte zu, betrachtete seine schönen Rägel und versprach, Der Angelegenheit „auf Den Grund zu gehen". Unb Der Intendant wünschte Den Tag Der Premiere der „Königstochter" herbei, wie man wünscht, daß eine Lawine, die über uns hängt, endlich herc.bstürzen möge. Der Autor, ein Kapellmeister von Der Rach- barresidenz, vom Herzog geschätzt, wollte kom^ men. Mariot hatte sich über das Werk noch nicht geäußert, oder er machte keinen Hehl daraus, daß es ihm wenig gefiel. Run, immer besser, einen Mariot zu hab.'n, als einen Kapellmeister, der sich nebrnher in kitzligen Opern versuchte und verlangte, daß diese mit großer Ausstattung aufgeführt wurden. Eine Ausstattung verlangte die „Königstochter", daß man Dafür den ganzen Ring hätte neu ausstatten können, aber Der Herzog sah es gern, wenn sein Kapellmeister auch anderwärts Triurnphe feierte. Franziska erschien bleich, mit großen Schatten unter Den Augen, aber als eine Der ersten auf Der Bühne. Sie hatte jetzt so etwas Entschlossenes, daß Mariot ihr zurief: „Wenn Sie nur die Königstochter auffassen wollten, wie Sie jetzt dostehn. Dann würd' man Den Schmarren schon eher vertragen... „Das, worauf es in Der Welt anfommt, ist, sich selbst zu übertreffen“, fügte er hinzu, während er in Den Roten blätterte und sie dabei kurz auf ab. Wie sie diesen Menschen haßte, der über sie hinwrgschaute. gleichgültig, lalt. Eisig war die Luft, Die ihn umgab. Am gefährlichsten aber tvar's, wenn Mariot höflich wurde, dann hatte er eine so infame, gelassene Art, einen zu kritisieren. (Fortjetzung folgt.) 6 Aach öem >1 vorsta anstol ich! vor dach bö ertoogen Wäsch Sie 6t durch ü bcwineis Projekt kurzer Baukooi Wer vu den lg. fanO in’ des K, Lehre dern s zählich Tagung bittung. in der in der i lchasW Weise ui öend hie ü£er die Wungöj sich Ziel schastlichi nete. Ti sein uni seine 6d Anschau denkende bringen. Eemeinsc Stcnnenl fiif) in fei sähen (ei! Tbrbedinl M ivchr den gesel verlai'.sen nein Detlef aus h?. chiräi Mts i Din^ 'hninh öÄc °lngz e ?u.ng, u b8u mk® .:a5ren lQ)et 3 ^nten nUn beg Evphrigh 18 ijori, ,. Du Sin: damit sii baren un Aer Du M auch Hannen und folg ^-crnen L'ien, t Me, ton Rinder 'Mn w tz „VNti . 'S S|r Vitt«- Dalles.. schö^ ' tet und seinen 1 handene unb "u verg^ warnte sprach oder S tiMi k ÄNINN w Mrftvln i sich * qerlrar fc sowie bat lisch vor beiden * mit dank! unb §an der Ml tenen ve das den Dersnmn als Äei ist. braert, da tung D und Pfle Tamil ci vereine I lerische aber der 'm der i gewißen ? W Teil >w in 56,n„ Utmtt uim estellt E'He in ■;£ * *.*% ,‘^«?r?S’ »«• n im Lus Äc- «‘Mto lÄ fc- fissav?»1 ä‘s,ft£Ä S*^Ä u>* irT?"* * 1 N«n»®'j6S^ LMLr: ünÄöern/,tiflet' D-iuchder stn D M !,. ,*“• Mehger, W, ?9^ und JUuinfcnjS- K?n •» rfB ieN'Holin am oonntag mi MchenaMeliung des Äell ^denbwzm die Ä 'ann Damit den lilberne- Büdingen. 16. H Die Gtfluget Ausstellung, die titln war beschick mit 133 W- iD Zwerghühnern, 160 Lui. 2ii Die Vorbereitung urJ isstellung mit LnttMiW es, der hiesigen Wckn gezeichnet un) faiti all- |. gen, 16. ®$. Da Ibß. Hessischen ttatnag an bü frage eingedracht, die fit n des MesN-nglLsrrs häftigt und energische 'M- t gegen den KvloradMs« tot Bedangt Der Messing' m 3M das ähnlich wie eiten binnen «Mer Zeit fann uni) Mfaß sehr s. 3. gemeldet haben, ist dÄ Küchen M ixriTRCt TMk ton dem 3n* GL . Dez. Der von der Stu* Volksbildung bi Der- icff. SSngerb°ld tm- lt Dirigentenluslls " dahier vereinigte 21 «u' i gwhten Teil aus 84ro* lseyten. Der Kr-isvM- indes, Lehm StorLp mit Gruhvorten die issinger-Damstam. cv t Äi ter Warn* »d mrir-M- M *?llt «i Mit und Zukunft siir 2ol. ÄM » W* 1S& iW" Macht an Dem leäwji /^ Volkes Erbrachte S-ha^L . ob es zugig WJ J 5 die Proben fanden ». fwr. » etcHe war. wer mcht ?ur : s>% gc T beirachielc „ Er hor^ zu- I»' -aP-H-nL^M L e fi%e keinen^. <^ttl ÄÄSZ ir^irS Mfi man b3’ t.cr der M ltte leSs 0 Senn gje ®u kritisiert 8 inrt folgt.) rtkß"n!’ ' . '/, Pfd. Bitter •/, Pfd. Zucker i. Pfd. feingeb. 2 Eier, 5 g Zimt Zutaten • Mandeln I Pfd. Weizenmehl 1 Päckchen Dr. Oetker'» Backpulver „Baddo" Die abgeriebene Schale tob ’/, Zitrone 7i ikorai+i mn • Oie Butter rührt man zu Sehne, Z.UDereilUng . fügt Zucker, Eier, Mandeln, Zimt und zu'etzt das mit dem Backin gemischte Mehl hinzu. Dann rollt man den Teig auf cnem Backbrett messe r- rückendick aus, nötigenfalls fügt man noch etwas Mehl hinzu und sticht mit kleinen Blechfonnen PliHchen aus, die auf einem gebutterten Blech knusprig gebacken werden. Es empfiehlt sich, das Gebäck in Blechdosen autzabe- wahren, damit es längere Zeit knusperig bleibt. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Geschäften, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von Dr.A.Oetker, Bielefeld. V iwiss V rinbo, der ihn verprügelt, von den Hunden, die ihn in die Waden beißen, von den Soldaten, die ihm den Krieg erklären, und sogar von Corallina, die ihn ohrfeigt, um ihm aber dann zu verzeihen. D.esinal jedoch kriegt irrtümlicher- weise dec Vater Rosauras die Hiebe, daS heißt also unser Rustknacker, der noch dazu, um da« Lächerliche der von ihm dargestcllten Figur zu erhöhen, ein Stotterer ist. ilnb damit er recht gut stottern kann, hat ihm der witzige Einsiedler eine Nutz zwischen die Zähne gesteckt mit dem Befehl, ja nicht daraus herumzutauen oder sie herausfallen zu lassen. Leichter gesagt als getan! Die Hiebe fallen hageldicht, der arme Krachaus schreit, daß ihm, wie damals in Nürnberg, der LInterkiefer her- unterfällt und der Zopf zerbricht. Die Ruß kollert auf den Boden, springt aus. Otto und Liesel hüpfen heraus — — da sind wir endlich wieder alle beisammen. Fein ist das Stück ausgegangen, waS? Strahlend vor Genugtuung über seinen wohlgelungenen Streich, griff der große Einsiedler zur Flöte, und die Flöte sang: „Willkommen im Nürnberger Winkel, teilt» kommen ihr nordischen Gäste! Der Rattenfänger hat vorgesorgt für euch, Wühle und Speicher. Backofen und Pfanne warten eurer in den anderen Grotten, die wir morgen besichtigen wollen. Das soll ein Winter werden, ein herrlicher Winter unter sicherem Dach. 2hr werdet singen und springen tanzen und spielen, ganz wie jene Kinder, die immer Kinder bleiben, seit sie mir folgten. Bis die erste Schwalbe kommen und den Frühling ankündigen wird, bis der Schne: schmilzt und die Sonne den Weg frei macht für die Weiterreise. Dann werdet ihr eurem allen Freunde Lebewohl sagen, dem GrottenhauS und dem Leuchtkäfer, der Dachteulo und der Fledermaus und der Kröte, ilnb dann — schloß die Flöte mit leiser Klage — ist's wieder aus mit all der Fröhlichkeit!" Otto und Liesel hatten jetzt kein Verständnis für die Trauer deS Einsiedlers. „Oh, sein 7' riefen sie wie aus einem Munde. ..Dann gehen wir fort, heim zum Vaters (Fortsetzung folgt.! Witter zu Darmstadt Grüh«. Hoffnungen u»d Wünsche. In äußerst verständnisvoller Wetse waltete Kantor Samper- Darmstadt, der musikalische Leiter der Deranstaltuna^ seine» Amtes. Seine besondere musikalische Veranlag «ung in Derbindung mit feinem Verständnis fui schönen Ehorgesang befähigen i^r. Lehrer. Füh rer und Förderer auf diesem Gebiete zu lein. 3n seinen Dorträgen behandelte er zunächst die vorhandene Ehorliteratur nach der tätlichen und musikalischen Veite. Gutes und schlechtes vergleichsweise einander gegenubei stellend, und warnte vor Kitsch und Schund. Die Aussprache unter Zugrundelegung der Duhnew oder Hochsprache nahm, entsprechend ihrer Wich- llgkeit gerade im Ehorgesange. einen breiten Raum der Erörterung ein. Beaällenswerte Ausführungen über Atmung. Dynamit und R I) y t h m u s vervollständigten das Gebiet des Chorstudiums. In dankenswerter Weile halten lieh öle beiden hiesigen Gesangvereine „Sön*- gerlranz" und „’® intracht" zur Verfügung gestellt, so dah es dem Leiter der Tagung möglich war. das Einüben schwieriger i5horsäye. foto'c das seelische Erfassen eines Liedes pral- üfd) vorzusühren. Die anschließend von den bciorn Vereinen vorgetrugenen Chore wurden mit dankbarem Beifall ausgenommen. Dirigenten und Sängern erwuchs aus dieser Veranstaltung der Wille, unter Auyanwendung des Dargebo- lenen weiterhin ernsthaft und nach bestem Können oas deutsche Lied zu Pflegen. Drn Danl der Versammlung an den Kursuslciter. der auch als Wcrtungsrichter eine bekaimte Versönlichkett ist, brachten der Kreisvertreter Storck und der "borl.hcnöe des Viddatolsängerbund^ Schäfer- Eichelsdorf zum Ausdruä. Es ist sehr beflrühen^» wert, dah der Hess. Staat durch Einrichtung von Di riqentenkursen der Hege und Pflege des heul'r.n Li.des entgegenkomml. Dann: crleirnt er an, dah unsere Dtännergeiaua- vereine heute eine nationale, soziale unö künstlerische Bedeutung haben. Rack wie vor wird aber der Chorgesang, wie überhaupt jede Kunst, 'm der Hauptsache auf eigne Kraft angewiesen sein. ttreis Lchottttt. lg. Gedern. 15 Dez. Am gestrigen Tage fand im hiesigen Schuldauie unter dem Vorsitz des KreiSlchulrais Kinkel eine amtliche Le hrerko nfcrenz für den Bezirk Gedern stall, zu dec die Lehrer des Bezirks twtl- züblich erschienen waren. 3m Mittelpuntle dec Tagung stand eine älnterrichtslektion des Fvrt^ bilbungsschutlehrere S t c i n m a n n - Hu chenhain in der oberen Mädchenfortbildungsschulklasse, in dec die Kohle. besonders in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung, in recht anschaulicher Weise unterrächtlich behandelt wurde. Anschlie- hend hielt Kreisschulrat Kinkel ein Referat über die staatsbürgerliche Erziehung in der Fort- hildtingsschulc. als deren höchstes und wertvollstes Ziel er hie ^leberbrückung der sozialen, wirtschaftlichen und konfessionellen Gegensätze bezeich- netc. Der Lehrer möge in dieser Richtung tätig sein unh feine schönste Aufgabe darin, erblicken, seine Schüler dahin zu bringen, dah sie auch den Anschauungen und Lleberzeugungen Anders- beiiknhcr Verständnis und Achtung entgegen- l ringen. Der älnterricht müsse int Sinne der Gemeinschaftsschule das Einigende und nicht das Trennende brtonen. Wenn der Schulentlassene sich in seinem späteren Leben von solchen Grundsätzen leiten lasse, so wäre dies eine günsrige Vörbedingmig und ein vielversbrechender Weg zur wahren Volksgemeinschaft. Mit einigen Stun» den geselligen Zusammenseins fand die anregend verlaufene Tagung ihren Abschluß. ceis AlSfeld. Alsfeld, 16. Dez. Aus ixe Stabt« Vorstandssitzung. Errichtung einer B a d e- an st alt: Für deren Errichtung liegt ein dringendes öffentliches Bedürfnis vor, da die bis jetzt vorhandene Freidadeanlage in der Krebsdach völlig unzureichend ist. Man hat deshalb erwogen, ein Schwimmbad zwischen der städtischen Bleiche und der Schwalm zu errichten. Tie Erdarbeiten, die dabei vortommen, Jollen durch Erwerbslose ausgesührt werden. Der Stadt- baunteifter erläutert an der Hand der Pläne das Projett im c'nzelnen. Es wird daraufhin nach kurzer Aussprache gemäss dem Vorschlag der Bauiommission die Errichtung einer städ- lischen Freibadeanstalk genehmigt. Zu den Erdarbeiten soll gemäß den Br'tim- nnmtfer über die öffentlichen Rvtstandsarbellen einZulchuh beantragt werden. — Das 3agb- recht des Freiherrn v. Riedesel in der GemarkungAlsfeld:Sm Sahre 1866 hatte die Stadt Lllsfeld zwecks Beilegung eine« damals schwebenden Prozesses mit den sämtlichen Freiherren v. Riedelel einen Vergleich abgeschlossen, worin sich die Riedesel verpflichteten, die 3agd nicht mehr auf allen ihnen zu Eigentum gehörenden Grundstücken der Gemarkung Alskeld auszuüben, sondern nur auf denjenigen, die ht einer im Vergleich näher betriebentn Grenzbezeichnung angegeben waren. Llmgekehrt hatte dafür die Stadt Alsfeld den Freiherren v.Rted- esel die Ausübung der Ctogh auf den Grundstücken gestattet, die nicht im Eigentuni der Riedesel ftarv den. aber in deren Jagdbezirk tagen. Durch die Feldbereinigung in der Gemarkung Alsfeld lind die Grenzen dieser alten Zagdbezicte io • r.oert nrorceu. dah eine Reuregelung der Augogcenzen notwendig erscheint. Der darüber vorgelegle c u e Vergleich zwischen der Stadt und den Freiherren v. Riedefel wird in der vorg. legten Fassung genehmigt. Für den Mehrrinpiang on_ be- jaabarer Fläche zahlest die Riedefel an die Stadt ein? Entschädigung. Beranstotllmg von Gast spielen des Stadttheaters Gieheni im „Deutschen Haus"' Wie der Vorsitzende hierzu bemerli, sind Verhmtdltmgea mit der Di rettion des Giehener Stadttheaters geführt wor den. dah die Giehener allmonatlich einmal an einem Sonntag im neu. n Festfaal des „Deul- schen Hauses" auf der mit aller modernen Technik ettigerichtelen neuen Bühne Gastspiele veranstalten sollen. Die Theaterdeputaliou i* er Stadt G:e- hen hat sich hiertnit einl>erstanden erllärt. An dgs Stadtthealec Gießen ist für jede Vorstellung eine feste Vergütung, je nach dem älmfaag des aufzuführendes Stückes, zu zahlen. D?r Dladt^ Vorstand genehmigt die getroffene VererN» daruiig mit der Maßgabe, dah sich die Stadt das Rücktritlsrect-! von dieser Vereinbart nm vor» orhäll. Revision dec Ortssatzuirg über die E n t n .) in e v on W as ser a u s de r st a d t t - ichen Wasserleitung' Die durch mehrere Rach träge j^it 1911 unübersichtlich geword.'ne Satzung soll neu .rufgestellt werden unter Beruct- sichtiguna all -t Rachträge. Dabei soll die seither zu niedrig bemessene Miele ßär die Wossermesser etwas erhöht werden. Der vorgelegte neue Entwurf wird geitehniigt. Ein von der Bau» lommission vorgelcgtcr Antrag, den § 11 der Polizeiverordnung, betr. die Entwässerung der G rund sl ü ck e in her G e m a r t ung Alsfeld dahin zu ändern, hast der Zinsfuh für die auf Antrag an unbemittelte Erundsrücke- cigentümer Vorlage weise von der Stad! bezahlten Kosten für Herstellung ihrer Enlwäs'ernngsanlage zeitgemäß um 4 Proz. aus 8 Proz. mit 2 Proz, jährlicher Tilgung erhöht ivethen soll, findet Annahme. Die G e m e i n d e h u n d e st e u e r für das Jahr 1 92 6 wird in derselben Höhe wie für das abgelausene Jahr beschloisen. mit 12 Marl für jeden Hund. Für Befreiungsgesuche bleibt der Beschluh vorn 25. QUärj 1924 in Gültigkeit. Die I n st a n d f e h tt n g der Feldwege in der Gemärt ung Alsfeld: Auf Grund eines Rundganges der lanwirtschaftlichen Kommisllon in der Gemarkung wurdest diejenigen Feldwege bezeichnet, welche noch von der Feldbereinigung cnttDäf’erl und fahrbar gemacht werden müssen, da sie in ihcM jetzigen Zustand nicht von her Stadt abgenommen werden können. Entsprechend dem Vorschlag der lanwirtschaftlichen Kommission wird daher folgendes beschlossen: Unter Bezugnahme auf Artikel 65 des Feld- bereinigungsgesetzes beantragt der Stadtvorstand die Herstellung der in dem besonderen Verzeichnis aufgeführten Wege durch die Feldbereinigung, mit der Erklärung, das,' er die Llnterhaltung der öffentlichen Wege, Gräben unb der sonstigen Anlagen nur unter dem Vorbehalt übernimmt, hast die verlangten Wegve.rbrlferungen noch zur Ausführung iommeu. - Ein Gesuch der Kriegsbeschädigten-Organisation, Ortsgruppe Alsfeld, um Gewährung einer Weidnachtsgabe für ihre Weihnachtsfeier findet seine Erledigung dahin, hast ein Betrag von 100 Mark bewilligt wird. - Auf ein Gesuch der Erwerbslosen um Gewährung einer W i r t s ch n f t s b e i h i l s c wird beschlossen, diesen eine einmalige Wirt^chaftsbeihilfe von 10 Ml. für den Haushaltungsvorstand und weiter für die Ehefrau und jedes unterstützungsberechtigte Kind einen Zuschlag non je einer Mark zu ae- I währen. Die Auszahlung erfolgt im Wege dec | Ausgabe oon Gutschem«. welch« au» Lebens- mittel ober Bekleidungsstücke oder Brennmaterial Gültigkeit haben. Die Beihilfe wird nur solchen Erwerbslosen gewährt, welche zur Zeit der Ausgabe der Gutschein« nllndestenL 14 Tage lang Unterstützung bezogen haben. Sofern etwa auf Grund einer Anordnung der hessischen Regierung eine weitergehende Beihilfe an die Erwerbslosen. Klein- oder Sozialrentnei demnächst zu gewähren ist, soll die hieraus geleistete Wirtschaftsbeihilse angerechnet werden. Verschiedene kleinere Do» lagen, wie Genehmigung zur Errichtung einer Autohatte, zur Ausstellung chieS Gittermastes Festsetzung der Pachi für Ausstellung der Möbelwagen auf dem städtischen Gelände vor dem Eüterbabnhof werden nach den Vorschlägen der zuftäl'digcn Kommissionen erledigt. 2lm Schluffe der öffentlichen Sitzung dankt der Dor- sitzeno- den an, 31. Dezember 1925 ausfcheidenden Mitgliedern dcs StadtvorstandeL für ihre treue unb verdienstvolle Mitarbeit auf dem Rathause in der schweren Zeit dec letzten drei Jahre. (!) Ermenrod, 16. Dez. Die Vereins sahne für den hiesigen M ä n n e r g e s a n g o e r- c j n wurde bei der Licher Fabnensabrik be stellt. Sir rammt auf über 500 Mark. Eingeweihl wird sic auf dein Lmtdesfest des Lchwalm-Antrift Sängerbundes', bas acht Tage nach Pfingsten hier gefeiert wird. Preuhen. hzreis Wetzlar. XX chochelhe im , 16. Dez. Da mit Beginn des Winters die Milcherzeugung abnimmt, so er fährt hier die Käsebereitung in der kälteren Jahreszeit regelmäßig eine Einschränkung. In nahe zu 30 Familien wird die Käfesabrikation mit regem Eifer betrieben; chochelheimer Käse, auch wohl Lang-Gönser Käse genannt, werden in jüngster Zeit selbst bis nach cholland verschickt. Oberkleen, 16. Dez. Sn den Gemeinden dcs Hütten bergs hatte man hn hiesigen Gemeindewalde zum ersten Male in diesem Winter Wildschweine fest. Es handelte sich diesmal um nur 2 Sauen, von denen eine geschossen und eine gefehlt wurde. Die ge- !cho'sene Sau wurde fron einem Cleeberg er Schützen erlegt, sie hatte aufgebrochen ehr Gewicht von 130 Pfund. ■ C Volpertshausen, 16. Dez. Eine heule hier abgehaltene Treibjagd aus Sauen verlief ergebnislos, da die Sauen beim Eintreffen der Schützen unh Treiber die Dickung, in der f;e eingekreist waren, bereits wieder verlassen hattetr. p. K l e i n r e ch t e n b a ch 16. Dez. Lehrer Feldner von hier ist wegen Krankheit bis auf weiteres vom Schuldienst beurlaubt. Die Vertretung wird zunächst durch Lehrer Gertz a c d s von Gcosirechtenbach au6geübt. Mit der weiteren Stellvertretung dürste von feiten der Schulaufsichtsbehörde in Kürze ein Schulamts Bewerber beauftragt werden. — Bei einer gestern hier ftactgefimbenen Waldtrcibjag d wurden nur sieben Hasen zur Strecke gebracht. Die geringe Strecke ist darauf zurückzusühren. datz nur ivenige Schützest an der 3agb teilnahmen und eine ganze Anzahl Haken, sowie auch Füchse 'mbeschostcn davorckamen. Kreis Biedenkopf. WSR. Gladenbach. 16. Dez. Zur Belebung des Weihnachtsverkehrs verkehrt am Sonntag, 2 0. Dezember, ein Sonder- 5ug von Gladenbach nach Herborn. Der Zug fährt in Gladenbach ab 12.40 nachm., Erdhaufen ab 12.44, Weidenhaufen 12.48, Wommelshausen 12.55, Endbach 1, Hartenrod 1.05, Eisenroth 1.18, Llebernthal 1J5, Dischosten 1.32, Offenbach iDillkreis) 1.38, Bicken 1.43, Ballersbach 1.48, Herborn-Selbach 1.54, Burg (Dillkreis) 1.59, Herborn an 2.03. Als Gegenzug wird der Werktags,;u.g 3381. Herborn ab 6.39 nachm. Gladenbach an 7.54 nachm. gefahren DMkreis. ol. Hervor n, 16. Dez. Rach einer ancktichen Schul statt st ik von diesem Jahre befinden sich in den 72 Schulorten des Kremes 7 4 S ch u - l e n, darunter auch eine höhere Mädchenschule und eine Mittelschule. 201 Klassen werden durch 163 männliche und 19 weibliche Lehrkräfte verwaltet. Außerdem stehen noch 74 Handarbeitslehrerinnen im Dienste. Rach den Geschlechtern getrennt find 3902 Knaben und 3931 Mädchen schulpflichtig, zusammen 7836 Schüler. Aach den Konfefsumen Itxh 7568 enangehfeb. 248 kachottich unb 20 israelitisch Auster einem Ort (Wallenfels hat jede Gemeinde irunmehr eine eigene schule. .Für den D i l l k r e i S wurde ein Automobilklub gegründet, her dem A D. A. El. angegliedert wurde. WSA. Haiger 16. Dez. Die Frted richshütte bei Weh Vach hat gestern ihren Betrieb zum größten Teile stillgelegt. Als Ursache wird Absatzstockung angegeben Auch die Grube .Vereinigung" bei Katzwinkel wird am 19. Dezember ihre Bergleute bis aui weiter« beurlauben. Diese Grube gilt als eine der besten des Siegerlandes und veschästigve mehr als 500 Bergleute Mainqau IkvSR. Frankfurt a. M., 16. Dez. Heber hie Llnterschlagungen beim Stäbti» ichen Sugcnbamt teilt der heutige Polizei bericht mit: Der Stadtsekretär des yiesigen 3u' gendamtes. Paul Dresde, der hier Speyerer Ätratze 14 wohnte, ist nach Deruntteuung von 7 0 0 0 0 M k. Mündelgcldern gefluchtet. Dresde ist 1,80 Meter groß, schlank, hat dunkles Haar, trug kurzgescbnittenen Schnurrbart, War stets gut angezogen; fein linker 5uh ist ms zur Hälfte amputiert. Seine Gangart tst daher leicht schleppend oder hinkend. Er hat viel m Spielklubs verkehrt. Wer sachdienliche Angaben über seinen Derkehr oder seinen Aufenthalt machen kann, wird gebeten, Mitteilungen dem Polizeipräsidium, 3immer 158, zu kommen zu lassen. Die Angaben werden vertraulich behau" holt werden. — Die Rachforschung en nach dem Ilüchttgen Defraudanten werden eifrig fortgesetzt. Bi« jetzt ist es jedoch noch nicht gelungen, feiner habhaft zu werden. 3n Köln hatte er eine Freundin sitzen, von der jedocl) nur der Vorname „Emma" bekannt geworden ift Die Kölner Polizei ist damit beschafttgt, den Aus' nthaltsort derselben festzustellem — Die Stadl Verwaltung Frankfurt a. M. führt bekanntlich feit längerer Zeil Verhmrdlungen mit den Rachbar gemeinden Griesheim. Schwanheim, Fechenheinr und Sollenl>eim wogen Eingemeindung dik^ fer Orte. Die Hauptgründe für neue Eingemein' düngen liegen bei der Stadt Frankfurt in hrv großzügigen Siedlungspolitik, die neues Gelände namentlich in der Gegend nach Eriesheim und am Osthafen bei Fechenheim erforderlich macht. Wie das Stadtblatt der .Stanf- furter Ztg." jetzt erfahrt, ist der Abschluv der Verträge mit Schwanheim und GrieS- heim schon in allernächster Zeit zu erwarten. Vielleicht tvecde es möglich fein, auch die Der Handlungen mit Sossenheim noch in die- s e r Woche zu Ende zu führen. Mit 'Fechenheim schweben die Verhandlungen noch, während Ein sehr beliebtes Weihnachtsgeback nach Dr. Oetker's Rezept: Pelzmürtel. Sin Rürnbcrger Spielzeugroman. Rach dem Htaiienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein. Eoptzright 1925 by A. Scherl ®. m. b. H., Berlin. 18 Fortsetzung. tstachdruck verboten. ..Du verstehst mich belfer als die anderen. Die Kinder, ja. die habe ich tatsächlich entsührt, damit fie nicht durch das Beispiel jener undank ba .cn und betrügerischen Leute verdorben würden. A^er du weistt nicht alles. Mit uns zogen nämlich auch die Singvögel fort und die Blumen begannen ihre Blätter wie Flügel auszubretten und folgten den Kindern, ilnb ein Heer von »lernen liest es sich nicht nehmen, uns zu be» g.eiten, damit wir Licht hätten. Es war eine Re^se, wie man sie herrlicher nicht träumen fann. Kinder, Singvögel. Blumen unb Sterne, die schönsten Dinge der Schöpfung, folgten meinem Spiel. So wanderten wir gemeinsam inS Land des Frühlings, wo die Blumen immer blühen, d e Vögel das ganze 2ahr singen unb bie Kinder e ig Kinder bleiben. Dort foie.cn unb springen sie, Doti tanzen und musizieren sie. Sie sind sehr glück ich " Die Rürnberger Abge anbten hatten mit offene'' Munde zu gehört. Hans Sachs strich sich ve. \ici' »einen Bart und hatte eine Bemerlung auf ter Zunge. Aus seine alten Lage etwas ge i: rätzig geworben, metfic ber grobe Einllebler nichts bavon und erzählte weiter. Die übler. Dinge, die man sich verleumderischerweisc über ihn in ter Welt erzählte, hätten ihn menschenscheu geniachi, so bah er sich als Eremit in eine Höhle zurückzog. Rur mit einer Persönlichkeit, allerdings einer sehr wichtigen, stehe er in Verbindung, um, wo immer es möglich sei, der Wahr- beit zu ihrem Rechte zu verhelfen, nämlich mit dem Rürnberger Pelzmärtel. Von ihm habe er e,fahren, dah auch Pe er Tanb ein Opfer mensch- hü)cr Verleumdung geworden fei, und Daher könnten dessen Freunde auf feine Hilfe zählen. Pe.zmärtel! — Run kam Licht in bas Dunkel, nun gegriffen auch die anderen, woher das Dach für bie Störche kam, das Häuschen für die Spiel- waren, das gute Essen für Otto unb Liesel und jene Heimatluft, jener Rürnberger Winkel — liebes, liebes Rürnberg! — mitten im finstern Zelsenherz des Gebirgee. Hans Sachs war nicht wenig stolz daraus, gleich bas Richtige geahnt zu haben, aber auch glücklich darüber. Denn wenn hier Pelzmärtel seine Hand im Spiele hatte, so konnten Otto und Lielel nicht weit entfernt sein. 3n bet Tat trug sie ber Einsiedler mitsamt ber Ruß, in bet sie warm eingebettet noch schliefen, ohne zu wissen, daß ihr Reitewagen vom Himmel henmtergestürzt war, in seiner Tasche herum. Et wollte sich aber noch ein wenig an her Lleberro'chung unb Erwartung der Reisegesellschaft weiden unb machte es dah.r wie euer Onkel, wenn er eine Räscherei mitgebracht hat: Wer weih, was es ist? Wo habe ich's, un Mantel ober in her Iackenlasche? 3n der linken oder in ber rechten? Aelsch, gar nichts wißt ihr! Rur Hans Sachs lächelte unh die Storche schliefen in aller Ruhe: denn wenn fie nicht schon vor dem Meistersinger hie Sache durcyschaut hätten, würben sie bann mir nichts, bir nichts zu Bett gegangen sein, ohne sich um ihre Passagiere zu kümmern? Die anderen jedoch waren noch todunglücklich- denn was sollte ihnen ein noch so lieber Rürnberger Winkel ohne Otto unb Lielel? Seufzenb waren Kunigunde, Karl der Groste und Krachaus die Treppen zum oberen Stockwerk hinaufgestiegen, als sie ber Hausherr eingelabcn hatte, sich in ihre Gemächer zu begeben unb llch für die Lieberwinterung einzurichten: sie seufzten aber noch mehr, als sie neben den vier Zimmerchen für bie Abgelanbten der Spielwaren einen fünften, größeren Raum sahen, in dem zwei Bettchen und wei Stühlchen standen unb auch ein Waschbecken mit einem Schiffchen darin Das war doch sicher für die Kinder berechnet! Aber statt von ihnen in die Arme geschlossen zu werden, hiest e^ nun, kaum daß man sich ein wenig gesäubert hatte, wieder in Den Salon hinunterzugehen, um mit dem Gastgeber zu plaudern, wie es ber Anstand ücr.angte Man mußte über seine Witze lachen während man vor Angst verging. Man muhte sich sogar dazu verstehen, ihm die Marionetten vorzuführen unb bie Soldaten aufmarschieren zu lassen und die drei Hunde, bie auf ihre Weise bereits Freund» schäft mit dem Leuchtkäfer geschlossen hatten, zurückzurusen. Der Einsiedler wollte seinen Spast haben. Schließlich verlangte er gar, daß man Komödie spielen unb eines von jenen Stücken aussühren solle, wo Harlekin mehr Dummheiten als vernünftige Worte sagt unb in ber letzten Szene fürchterlich verhuuen wird. Hatte man schon je einmal einen so vergnügungssüchtigen Alten gesehen? Wie er cs Darauf anlegte, jeden Scherz in die Länge zu ziehen! Dabei zwinkerte er ein über das andere Wal mit den Augen, als ob er sagen wollte: ich sterbe ja vor Än- geduld, euch die Ruh zu geben, aber Kcach- auf muh seine Strafe haben. Die Komödie begann. Der Einsiedler nahm auf einem niederen Sessel Platz und machte den Souffleur, ber Leuchtkäfer ersetzte das Rampenlicht, Karl ber Groste, Kunigunde unb Hans Sachs waren das Publikum. Alle anderen, ausgenommen die Kröte, bie Fledermaus unb die Rachteule. die auch eingeladen wurden, gratis der Vorstellung beizuwohnen, mußten rezitieren. Das Stück hatte folgenden Hnhall: Harlettn hatte sich in Rosaura verliebt, die eine groste Tierfreundin ist. Daher braucht sie keinen Mann zum Heiraten. Harlekin ist ein streitsüchtiger Tölpel und dabei ein Angsthase. Eigentlich sollte er Coral ina heiraten, Rosauras Kammerzofe. Aber er hat sich in den Kops gefetzt, ein vornehmer Herr zu werden, wie er sagt, indem er sich auf bie Bilbung stürzt unb eine reiche unb gefällige Dame heiratet. Er kauft allo drei Hunde: einen Dackel, einen Windhund und einen Pudel und begibt sich damit unter den? Vorwand, ber Tierfreundin Rosaura ein Geschenk machen zu wollen, zu ihrem Vater, den Krachaus darzustellen hatte. Aber soll ich euch die ganze Komödie Szene für Szene erzählen? Wer weiß, wieviel solcher Theaterstücke ihr schon gesehen habt, die alle auf die gleiche Weise ausgehen: Rosaura heiratet Ftorindo ber ihr im ersten Akt ein Ständchen unter dem Fenster gebracht hat, und Harlekin kriegt von jedem etwas ab: von Flo- Btt Verhandlungen mit der Gemeinde Nied nach Lösung btt Griesheimer Gingemeindungsfrage ausgenommen werden sollen. Durch die Eingemeindung dieser fünf Orte würde Frankfurt rund 40 000 Einwohner mehr besitzen als seither und dadurch die Halbmillionenzahl überschreiten. Augenblicklich zählen Griesheim 12 000, Fechenheim 10 000, Schwanheim und Nied je 6000 und Sossenheim 5000 Einwohner. Wirtschaft. Der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft in Zahlen. Wenn man die Entwicklung von Anfang dieses yahres bis jetzt statistisch verfolgt, so ergeben sich einige geradezu katastrophale Ziffern. Seit Januar 3925 hat sich die Zahl der Konkurse von 290 aut 1164 im Oktober und 1344 im November erhöht. Vom April bis Oktober ist im Textilgewerbe eine Steigerung der Konkurszifsern zu verzeichnen non 96,5 und für das Lebensmittelgewerbe sogar eine solche von 418,4 Prozent. In der Stadt Dortmund ist gegenüber dem Zeitraum vom Januar bis Mai im Zeitraum vom Juni bis November die Zahl der Konkurse und Geschäftsaussichten um nicht weniger als 300 Prozent gestiegen. Zur Zeit haben mir in Deutschland an jedem Tage 55 Konkurse. Die Zahlen der Konkurse wären noch viel größer, wenn nicht das Mittel der Geschäftsaufsicht bisher die Konkursziffern heruntergedrückt hätte. Die Zahl der Geschäftsaufsichten ist von 250 int Januar auf 921 im November gestiegen. Unbemerkt von der Oeffentlichkeit findet das geräuschlose Sterben solcher Unternehmungen statt, bei denen es sich aus Mangel an Masse gar nicht mehr lohnt, Gc- schäftsaufsicht oder Konkurs zu beantragen. Was die Wechselproteste augeht, so ergibt die Statistik «in Anwachsen von 2691 wöchentlich im März auf 5406 wöchentlich im November. Welch ungeheure Mengen von Wechseln im Umlauf sind, kann man ungefähr aus der Wechselsteuereinnahme ersehen. Diese ergab für das dritte Vierteljahr einen Betrag von nicht ganz 23 Mill. Mark, eine Summe, die einem Wechselumlauf von rund 10 bis 11 Milliarden Mark entspricht. Fast das gesamte jährliche deutsche Volkseinkommen wird also im Wechfelverkehr um gesetzt. Trostlos ist die Entwicklung auf dem Arbeits- Markt. wobei besonders die sprunghafte Steigerung in den letzten Wochen auffällt: 15. Oktober $98 000, 1. November 363 000, 15. November 470 000 Arbeitslose. Dabei ist in dieser Ziffer der wirkliche Grad der Arbeitslosigkeit noch nicht an nähernd ersaht, da die immer stärkere Einführung der Kurzarbeit (im bergischen Land wird z. B. über wiegend nur noch 4 Tage wöchentlich gearbeitet), die Ueberführung der Erwerbslosen in die Wohl fahrtspslege usw., die tatsächliche Höhe der Ardeits losigkeit nicht erkennen lassen. Erschreckend ist die B ö r s e n t u r s st a t i st i t vom 30. November- genau 75 Prozent aller an bet Berliner Börse amtlich notierten Papiere standen unter 75 Prozent des Nennwertes, und zwar 410 Werte (das sind 46 Proz.) sogar unter 50 Prozent, 254 Werte (28,7 Proz.) zwischen 50 und 75 Prozent. Die Aktien von 125 Gesellschaften, nämlich 14 Proz. der Gesamtzahl, standen zwischen 75 und 100 Proz., und nur 95 Werten, knapp 11 Proz., gelang es, den Parikurs zu überschreiten. Das bedeutet gegen den Vormonat eine enorme Verschlechterung. Ende Oktober notierten nur 36,9 Proz. aller Papiere • unter 50 Proz., während über 14 Proz. wenigstens den Parikurs erreicht hatten. I In der Eisen industrie ist die Erzeugung von 990 000 Tonnen im März auf 741000 Tonnen 7 im Oktober zurückgegangen; gleichzeitig sind die Bestände an Roheisen von 203 000 Tonnen im Fe- ' bruar auf 387 000 Tonnen im September gestiegen. Zu derselben Zeit stieg die Erzeugung Frankreichs auf 739 000 Tonnen an. Im November wird vermutlich die französische Eisenindustrie zum ersten Male in der Wirtschaftsgeschichte die deutsche Eisenerzeugung übertroffen haben. Dabei hat Deutschland m der Vorkriegszeit monatlich rund 1,6 Mill. To. -Eisen erzeugt, gegenüber einer französischen Erzeugung von 434 000 Tonnen. Im Ruhrbergbau sind seit März 1925 insgesamt 48 Zechen mit einer Gesamtbelegschaft von 43 000 Mann stillgelegt worden. Dazu kommen aber noch die zahlreichen Entlassungen durch Betriebseinschränkungen usw., so daß insgesamt von Ende Mörz bis Ende Oktober d. I. eine Verminderung der Belegschaft um rund 66 000 Personen erfolgt ist. Don der Höchstbelegschaftsziffer von 563 522 Personen Anfang 1923 ist die Belegschaft jetzt auf rund 401800 Personen gesunken. Dabei geht der Etillegungs- und Einschränkungsprozeß noch weiter. • Neckarsulmer F a h r z c u g w e r k e A.-G., Neckarsulm. Die Verwaltung hat Antrag auf Entlassung weiterer Arbeiter gestellt. Hm die verbleibenden 2500 bis 2700 Arbeiter weiter beschäftigen zu können, muß das Werk vom 19. Dezember bis 9. Januar ganz geschlossen bleiben, da der schlechte Eingang der Außenstände die Bezahlung der Löhne fast unmöglich macht. Sn Holland schweben zur Zeit Verhandlungen wegen eines größeren Kredits. * D l o h m LVoh, K. G. a. A , Hamburg. Die H.-V. genehmigte den Geschäftsbericht fotote die Abrechnung für 1924/25 und beschloß, von der Verteilung einer Dividende auf die Stammaktien abzuse^n, während die Vorzugsaktien die fatzunasgemäß festgelegten 2^2 Proz. erhalten. 3m Geschäftsbericht heißt es: Leider haben sich die Verhältnisse in der Schisfahrt weiter verschlechtert, so daß die Aussichten auf Erhalt neuer Aufträge gering find, obgleich die stark zurückgegangene Beschäftigung dringend danach verlangt. Weitere Entlassungen von Angestellten und Arbeitern weroen unvermeidlich sein. * Eine Millioneninsolvenz in der Damenkonfektionsindustrie. Die bedeutende Damenkonfrktions-Engros-Firma Lö- wenthal » Levy A. G. Berlin hat, der „Deutschen Konfektion" zufolge, Geschäftsaufsicht beantragt. Die Passiven betragen ungefähr l’/g Millionen Mark, denen Warenlager von 860 000 Mark und Außenstände von rund 500 000 Mark gegenüberstehen. Die Firma hofft ihren Gläubigern eine beträchtliche Vergleichsquote bieten zu können. tBörf entarte. 91.5 90 0' 20,25 83,5 35 Banknoten. 90 62 66* 21 5 16 30 83 5 39 35 62 84,-5 51 5 20,76 57* 72,5' 23.25 21 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 51 20 64.5 50.75 20.5 1 75 84 39 5 86 23 21 66 56.5* 72 56* 70.5* 23 20.4 28 3$ 5% Deutsche ReichSonleib« 4»/0 Deutsche NetchSanleiyc - 3Vs°/<. Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche ReichSanlethe - Deutsche Sparprämicnanlethe 4% Prcuhtsche KonsolS • . • 4"» Hessen 3'/,% Hessen 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Dol! Schatz-Anwetsng.'t 4% Zolltürken 5e/o Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Lommerz und Privat-Bank Darmsl. und Naüonalbank Deutsche Bank Deutsche Dereinsbank .... Diücoiuo Commandtt Mctallbank • ■ Mitteldeutsche Crcditbank. Ocsteireichische Kreditanstalt Weltbank ...... Bochumer Gllß >•••••* Buderus ...... Caro Deutsch-Luxemburg .... Gelsenkirchener Bergwerke. Harpcner Bergbau . ... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahüllc . ..... Oberbedars • . . ...... Phönix Bergbau ..... Ryetnuabl Ricbeck Montan ..... Tcllus Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . Theramtsche Werke Albt« . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp HoUmann . . . . «nglo-Com.Guano . . . . Badische Anilin Chemische Mader Akavtn . . Goldschmidt . . . Gries eimer Electron .... Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ...... NütgerSwerke ....... Scheideanstalt . Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ....... Mainkraftwerke ... Echucken ......... Siemens & Halske ..... Adlcrwerke Kley» ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedr . . ..... ’ii.'efluin. ...... . Motorenwerke Mauobetm ftrantfurtet Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgesell chaft Frankfurt • Set. Union A.-G chuh'abrik Herz Sichel Zellstoff Daldhof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Wogbäukel • . . Frankfurt a-M Berlin Schlug ftur» 1-Ut)r- flut» Schlub->«nfana Rnr» s t’i* DIUUI« 1 16. 12 17.12 | 16 12 | 17 IS 0.208 0.198 0,21 0.2035 — — 0.415 " 19 — 0 22 0.22 0,3 — 0 3125 —■ 0 11 Ü 110 «OB 0.« — 0 210 — — 0.115 ** — — 0.22 '.18 0,2 — w 95.75 —> 9S —» W.2 ** 8.1 R 8.12 — 42,5 43 44,5 •* _ ch 187* 36,5* 96° — 96” 97- 106.2* 106' 106.2” 107.2° — 107.. 107* — 104.7* «05 104.5* 104.5- 71 70/25 — — 89.25- 89,25* 89.25* 89.5- 6 4 6.8 6 4 — 0,03 '.03 — _ • - -0,75- 64.7'* 30.25 29,5 29 28 12 3? 2 J — 39* 8 5* 61* — 59.5* 60 22* 69.75- 07.5* 67 5* 92,5* 92* 92 2 5* 92 75' 96 6 — 97,75 97 100 75 — 100 — 28 — 27 6 27.12 36* — 39 5* 40* 63.25* 62 25 62 75* 63* 51* 50 5* 50.62* 50,75* 65,2- — 65 5 40 — 88 12* 89.5- 88 5° 90.75* 91- 90 75* 89,4* 1.82- — — — 62 60 — — 40 5 41 41 — — 76’ — 106,7* 105,7* 1 6,7- 105,5” — ■■ 54.12 64 52 25 — 105* 101 5 101* 106,2* ui,;- lo6- 103* — —■ —• — 49 78 74 78 — — 16 Dezbr- 17 Dez r. Amtliche Nvti rung Amtliche Notierung Geld 1 Stier Geld Briet Amil.-Vtou 108,6 168,9. 168 49 168.91 Bucn. Aireö 1.737 L 41 1.734 1,738 Brss-Antw 19.0 5 19.065 19 <25 19.065 Chnstianla 85 15 85.35 85.09 85.31 Kopenhagen 104.27 104.51 104.4Z 1'14,73 Stockholm . 112.25 112,43 "2.31 112, 9 Hclssngfors 10.545 10,585 10 545 10,585 Italien . . 16.92 IG,% 16 91 16.95 London. . 20.34 eo.Srf JO, 345 20,3-5 Neuhort . ■ 1,105 4,2.15 4.195 4,205 Pari«. . - 15,09 15,13 15,15 15.19 Schweiz . 80,87 81,07 80 95 81.15 Svantcn . 69,3 59,47 59.43 59,5. Japan . . . 1.826 1,8:9 1.835 1,8 >9 >Hio be Jan U.5s>7 0.599 0 597 1.599 Wien in D-- Ceft. abgeft Prag .... Belzrad . . 59,155 69,2*5 59.13 59,27 12,418 12.458 12.415 12.455 7,435 7,465 7.435 7,455 Budapest. - Bulaarien 5,875 S.O45 0,895 .4,055 0.875 8.045 5,895 3,055 Lissabon 21,2*5 1.345 l\ 275 31,325 Danzig. - Konst.nttn. 80 68 80.86 80 68 80.88 2,225 3,235 2.26 2,27 Athen 5 u9 5 11 5 29 5-itl Canada- - 4.195 4,20i 4 195 4,2 5 4,345 Nruguav - 4,245 4.255 4.235 Berlin. 16 Dezbr Geld Briet Amerikanische Note» . . . .. «.22 4,24 Belgische Noten 18,95 19,0) Dänische Noten ....... 104.16 IM. 68 Englische Noten. ....... Fran;östsche Noten ...... Holländische Noten ...... 20,305 20,40.1 15,38 168,1* 15 4G 168.n; Italienische Noten...... ln.t-1 16.f)y Norwegische Noten...... 84.89 85 31 Deuisch-Oesterr-, a 100 Kronen 59.00 69,30 Rumänische Noten...... —• Schwedische Noten ...... 111.9/ 112,53 Schweizer Noten ....... 80,88 81.28 Spanische Noten..... . Tschechoslowakische Noten -. 59.20 59 50 12.38a 12.445 Ungarische Noten . .. 5.825 5.865 Frankfurter Dorfe. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 17. Dez. Tendenz schwächer. — Die Börse war durch den deprimierenden Eindruck, den das Scheitern der Großen Koalition hinterließ, auf der ganzen Linie zur Schwäche gestimmt. Außerdem bildeten die zum 1. Januar ausgesprochenen Kündigunaen im Ruhrbergbau, durch die die kritische Wirtschaftslage erneut ziyn Ausdruck kam, ein Moment starker Verstimmung. Auch der Attentatsplan auf den Reichsaußenminister Dr. Stresemann übte einen nachhaltigen Einfluß auf die Börse aus und veranlaßte die Spekulation zur Zurückhaltung. Bereits vorbörslich belasteten umfangreiche Abgaben, die sich auf alle Gebiete erstreckten, den Markt, so daß bei der geringen Geschäftstätigkeit teilweise starke Kursverluste eintraten. Besonders in Chemieaktien setzte sich das Angebot fort, so daß hier Rückgänge bis zu 2 Prozent zu verzeichnen waren. Auch für Montanwerte bestand Abgabeneigung, u. a. verloren Gelsenkirchen 1,5 Prozent. Schwächer verkehrten ferner Elektro-, Auto- und Z u ck e r a k 11 e n. Bankaktien konnten sich dagegen auf ihrem Kursstände behaupten. Die sonstigen Märkte lagen unsicher und neigten mehr oder weniger zum Nachgeben. Erheblich niedriger eröffneten deutsche Anleihen. Von Auslandrenten waren Türken weiter angeboten und niedriger. Eine Ausnahme bildeten Schiffahrtswerte, die wie- Schach-Ecke. Dearbetlel oon W Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredattion des .Gießener Anzeigers". Problem Nr. 41. Don O. Drenander. Spezialpreis im Turnier von „Vart Land" 1893. 8 e 7 5 4 3 2 Schwarz. Wriß. 'S?//, 8 6 D 4 3 2 g h a b Weiß zieht und seht in drei Zugen matt. Weiß: 4 Steine. Kh7, Dd7, Sg4, Bh2. Schwarz: 4 Steine. Kg5, Be7, Bf4, Bh5. Partie Nr. SS. Die nachfolgende sehr interessante Partie wurde im Internationalen Schachturnier zu Moskau am 28. November 1925 gespielt: Damenbauernsplel. Weiß. Frank Marshall (11. S. A.). Schwarz: Dr. E. Lasker (Deutschland). 1. d2-d4 2. c2 —c4 3. Sbl -c3 4. Lcl-g5 5. e2-e3 6. c4xd5 1. d7-d5 2. e7-e6 3. Sß8-f6 4. Sb8-d7 5. c7-c6 Besser ist an dieser Stelle ruhige Entwicklung durch Sf3, DC2, Tdl, Ld3 nach bekannten Mustern. 0 6 e6xd5 Der vorher eingeschlossene Läufer c8 hierdurch wieder frei. 7. Lfl-d3 8. Sgl — f3 9. Ddl -c2 10. Lg5-h4 11. 0-0 12. e3-e4 7. Lf8-d6 8. 0-0 9. H7-h6 10. Tf8-e8 11. Sd7-f8 wird Dieser Vorstoß des e-Bauern widerlegt Lasker durch glänzendes Spiel; er ist aber auch an sich schon zu verwerfen, da nach dem Abtausch, der Bauer d4 isoliert, und so eine ständige Angriffsmarke des weißen Spiels bildet. 12 < 12. d5xe4 13. Sc3Xe4 13. Ld6-e7 Nachdem Schwarz durch seinen Ld6»3ug erreicht hat, was er bezweckte: nämlich eine Schwächung im Zentrum des Weißen, begibt er sich schleunigst zur Verteidigung des Punktes f6 nach eZ zurück. 14. Lh4xf7 14. Le7xf6 15. Tfl-el 15. Lc6-g4 Um die Türme zu verbinden. 16. Se4xf6+ 16. Dd8xf6 17. Sf3-e5 17. Lg4-e6! Der Läufer soll den strategischen Posten auf d5 besetzen, wo er dominierend wirkt. 18. Tel-e3 18. Te8-d8 19. Dc2-c3 20. Ld3-e4 21. Te3-f3 22. Le4xd5 19. Le6-d5 20. Sf8-e6 21. Df6-h4 22. Td8xd5 23. Tal -el End fällt der unhaltbare Bauer d4. Falsch wäre hier 23. SfZ:, wegen Sd4: und gewinnt, sowie 23. TfZ:, wegen Te5:! und gewinnt. 23 23. Se6xd4 24. Kf3-e3 24. Tb8-d8 25. Te3-e4 25. Dh4-f6 26. Se5-g4 26. Dl6-g6 27. h2-h3 27. h6-h5 28. Sg4-e5 28. Dg6-d6 29. Se5-c4 29. Dd6-b8 30. Sc4-e5 30. c6-c5 31. Dc3-cl 31 Db8 — c7 32. b2-b4 32. Sd4-e6 33. Dcl-a3 33. Td5-dl 34. b4xc5 34. Dc7xc5 35. Da3-f3 35. Se6-g5 36. Df3xh5 36. Td8-d2 37. Se5-d3 37 Sg5xe4! Ein glänzendes Positionelles Daoienopfer; der Schluß der Partie wird von Lasker vortrefflich behandelt. 38. Sd3xc5 38. Tdlxel4- 39. Kgl -h2 39 Se4xf2 40 Dn5—f5 40 Tel-e8 41. Sc5xb7 41. Sf2 — dl! 42. Df5-c5 42. Te8-e6 43. Dc5-cl 43. Sdl-e3 44. Dcl-c8+ 44/ Kg8-h7 45. Dc8-c3 45. Te6-g6 46. Dc3xe3 46. Td2xg24- 47. Kh2-hl 47. Tg2-g3 48. De3Xg3 48. Tg6Xg3 Aufgcgeben. Lösung des Problems Rr. 40. Don K. KondeNk. 1. Dh8-a8, S bel. 2. c7+ + 1. ...., Ke6 2. Dg8-|—|- 1...... Ke4 2. c74-4- 1 Kc4 2. Sb6+4- Aus der Schachwelt. Bogoljubow Sieger im Moskauer Schachturnier. Wie nicht anders zu erwarten war, gewann der in Triberg im Schwarzwald wohnhafte russische Meister Bogoljubow im Moskauer Turnier den 1. Preis. Obwohl Capablanca ihm in der 18. Nunde eine Niederlage beibringen konnte und er nur gegen Lasker remitieren konnte, war sein Vorsprung so groß, daß er doch noch mit P/s Punkten Plus Erster wurde. Cs ist dies das erste Mal in einem Turnier, an dem sich die beiden Weltmeister beteiligen, daß ein anderer Meister vor ihnen landet. Wie verlautet, soll im nächsten Zähre in Moskau ein Viermeisterturnier stattfinden, an welchem sich Capablanca, Lasker, Aljechin und Bogoljubow beteiligen werden. Von russischer Seite sollen hierfür bereits 25 000 Dollar gestiftet sein. Der Schluhstand des Moskauer Turniers ist folgender: Bogoljubow, ISVz Punkte, 1. Preisträger; Lasker, 14 P., 2. Pr.; Capablanca, 13Va P-. 3. Pr.; Marshall, 12V3 P- 4. Pr.: Tartakower, Torre, 12 P., 5. und 6. Pr. geteilt; Reti, Romanowski), IP/2 P-, 7. und 8. Pr.; Grünfeld. 11 P., 9. Pr.; Bogathrtschuk, Genewsch, 10V3 P-, 10. Pr. geteilt. Es folgen: Rubinstein, Spiel- mann, Werlinskh, 9l/s P-I Löwenfisch, 9 P.; Rabinowitsch, 8Va P-: 2-ates 7 P.; Gotthilf, 6V3 P ', Sämisch, 6 P.; Subarew, 4Vg P. Die Narrenkappe. Splitt« und Sparren vom Redaktton-ttsch. Falsche Beleuchtung. „Denken Sie sich, Hans ist gestern aufgeschrie-- ben worden, weil sein Wagen ohne Licht war und er betrunken." „Ganz natürlich, Hans war illuminiert und fein Wagen nicht." Die Klaue. .Vater, können denn die Löwen wirklich schreiben?'' „Wie kommst du denn darauf?" .Na. der Lehrer hat uns doch heute erzählt, der Löwe hätte eine prächtige Klaue." berum stärkeres Interesse beanspruchten, so daß bei regerer Nachfrage Kursgewinne zu verzeichnen waren. Der Freiverkehr lag umsatzlos. Benz 24 Proz., Brown-Boveri 51,5 Proz., Entreprise 8,5 Prozent, Krügershall 69,5 Proz., Ufa 48,5 Prozent. Der weitere Verlauf gestaltete sich etwas zuversichtlicher. Das Angebot ließ nach. Die Kurserholungen waren aber nur geringfügig. In Schiffahrtswerten blieb das Geschäft weiter lebhaft, wobei Nordd. Llond auf 92,25 und Hapag auf 91,50 stiegen. Der Gel 0 - markt war wieder recht flüssig, was in dem zunehmenden Angebot zum Ausdruck kam. Tägliches Geld 9 Proz., Monatsgeld für erste Adressen 9j Prozent, für zweite Adressen 105 bis 11 Prozent. Bankdiskonten 7 Prozent, Jndustrieakzepte 9 Prozent. Im Devisenv erkehr notierte Paris gegen London 132,50. Die übrigen Valuten lagen unverändert. Berliner Dorfe. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 17. Dez. Die Börse begann bei äußerst stillem Geschäft in unsicherer Haltung. in der Hauptsache aber etwa auf der Basis der gestrigen Schlußnotierungen. Die bisher an einigen Spezialmärkten zu beobachtende Geschäftstätigkeit war heute anfangs ebenfalls geschwunden. Man bringt dies zum Teil Mit der inner- politischen Lage in Zusammenhang, die die Börse außerordentlich verstimmte. Auch die Ernennung Doumers zum französischen Finanz m i n i st e r, die auch in der Pariser Presse ungünstig ausgenommen wurde, trug z uter Verstimmung bei. da man stark bezweifelt, daß er die Finanzierungspläne wird durchführen können. Paris lag daher erneut schwächer mit 134,25 gegen London. Arn Montanmarkt konnten die Kali-Werte ihre Verluste angesichts der stillen Geschäftslage noch nicht wieder aufholen. Am Kalimarkte fanden nur einige älm- sähe statt, und zwar in den Werten der Deutschen Kali-A.-G., für die die Ausführungen auf der gestrigen Generalversammlung über eine voraussichtlich zur Verteilung gelangende Dividende von 50 Prozent stimulierend wirkten. Der Kurs war jedoch unverändert. Auffallend bleibt die schwache Deranl gung der chemischen Werte, namentlich dec Aktien des Anilin-Konzers. Am G eldma r ft war die Lage weiter flüssig. Tägliches Geld 7 bis 9 Prozent, Mvnatsgeld 9 bis 11V3 Prozent. Am Devisenmarkt war das Geschäft, ausgenommen in französischen Franken, sehr still. Die Kurse waren nicht nennenswert verändert. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,36, Amsterdam 59,271/» Zürich 123,35. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtberichi des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 17. Dez. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 25, Roggen, inländischer 17,50 bis 18, Sommergerste für Brauzwecke 22,50 bis 25, Hafer, inländischer 18,75 bis 22, Mais, gelb 21 bis 21,50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 41 bis 4250, Roggenmehl 27,25 bis 27,75, Weizen- kleie 11,25, Roggenkleie 11,25. Tendenz: Stetig. Frankfurter Schlachwiehmartt. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 17. Dez. Auftrieb: 2 Kühe, 1416 Kälber, 1143 Schafe, 1501 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: K ä l b er : Feinste Mastkälber 78 bis 85, mittlere Mast- und beste Saugkälber 68 bis 76. geringere Mast- und gute Saugkälber 60 bis 65. geringe Saugkälber 50 bis 58. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 44 bis 48, geringere Mast- bämmel und Schafe 35 bis 43, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 25 bis 34. Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kg. 88 bis 90, unter 80 Kg. 85 bis 87, von 100 bis 120 Kg. 89 bis 91, von 12) bis 150 Kg. 88 bis 90, unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bis 80 Mk. Marktverkauf: Lebhafter Handel, Markt geräumt. . ALTEfC Die! 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