Ur. 244 Erstes Trfchetm täglich, außer Sonn» und Feiertags veNagen: GießenerFamilienblLtler Heimat im Bild Monats-: ezufspreis: 2 Goldmark u 20 Bold. Pfennig für TrLgerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Ferns prech.Anlchlüsfe: ochristlritung 112, Der« lagundGeschäftsstellebl. Anschrift für Drahlnach- richten: AnzctaerSieheir. poVscheiNonto: Frankfurt a M 11686. Blatt (L) 175. Jahrgang Samstag, 17. Gttober 1925 EietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UnlversitSts-vuch- und Steindruckerei IL Lange in Stehen. Schriftleitung und Sefchäftsftelle: Schulftrahe 7. Unnahme von »nzetarn für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher ohne jedeBerblndlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichS. auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen d.70 nm Breite 35 Goldpfennig, i Natzvorschrift 20" ,Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r Friedr.Wilh Gange; ür den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen Der Abschluß in Locarno. Die Arbeiten der Ministerkonferenz von Locarno sind am Freitagabend durch eine feierliche Protokollierung und Par.rgra.phi.rung dec den Parlamenten vorzulegenden Sicherhcits- und Gchiedsvci träge zum Abschluß gebracht. Mit einem Urteil über das tatsächliche Ergebnis der Konferenz wird man zurückhalten müssen, bis am Dienstag der Wortlaut der Verträge und Abmachungen der Oeffentlichkeit übergebm fein wird. Wenn schon am Donnerstag das offizielle Kom- muniauö der Konferenz den Eindruck erweckte, als ob schon alles unter Dach und Fach gebracht sei und dieser Eindruck sich durch die optimistischen Aeuherunaen Chamberlains auf dem Pressebankett sich verstärkte, so bedurfte es gerade von deutscher Seite sck>ärfster Betonung, daß mit dem formellen Abschluß des W e st p a k t s, also mit der Zustimmung der Delegationen zu dem Vertragsentwurf der beiderseitigen Juristen lediglich ein Teilerfolg erzielt war, der solange völlig in der Lust hing, als man nicht auch über die anderen beiden Probleme, also die O st f r a g e n und die sogenannten Rückwirkungen ebenfalls einig wurde. Gewiß bildet der Westpakt das Rückgrat des ganzen Vertragswerkes, um das man in Locarno rang, aber im wesentl»chen befand man sich schon zu Beginn der Konferenz über diesen Punkt des Sicherheitsprogramms im Einvernehmen. Heber den Wortlaut des Vertrages ist die Oeffentlichkeit bislang aus begreiflichen Gründen nicht unterrichtet, am Dienstag kommender Woche soll der Schleier des Geheimnisses erst gelüstet werden. Immerhin wird über den mutmaßlichen Inhalt soviel zu sagen sein, daß der Pakt seinen Zweck, Sicherung der deutschen West- bzw. französischen Ostgrenze gegen eine feindliche Invasion dadurch wird zu erreichen suchen, daß er am Rhein den Status quo festlegt und eine entmilitarisierte Zone schafft. Konflikte politischer Art unterliegen einem Vergleichsverfahren, in dem der Vvlkerbundsrat als letzte Instanz fungiert, juristische Streitfragen werden durch einen obli- ggtorischen Schiedsspruch entschieden. Als Garanten dieser deutsch-französischen und deutschbelgischen Sicherheitsverträge treten England und Italien aus. Beide Mächte verpflichten sich damit, für Sie. Aufrechterhaltung des augenblicklichen Besitzstandes an der deutsch-französischen und deutsch-belgischen Grenze Sorge zu tragen und jedem gewaltsamen Versuch einer Aenderung des Status quo, von welcher Seite er auch ausgehe, mit Waffengewalt zu wehren. Der Vertragsabschluß bedeutet also, soweit wir ihn heute schon zu übersehen vermögen, eine starke Sicherung vor der Wiederholung des Pvincarefchrn Ruhrabenteuers und sonstiger französischer Gelüste nach deutschem Land. Aber, wie schon gesagt, in Locarno ging es um weit mehr, als um die Zustimmung zu dem schon aus London von den Juristen im großen und ganzen fertig mitgebrachten Westpakt. Seine Annahme wird letzten Endes bedingt durch die Vereinigung aller der Probleme, die mit der Frage der Sicherheit für Deutschland auf das engste verknüpft sind, ohne doch formell in den Westpakt hineinzugehören. Nebenfragen hat man auf alliierter Seite diesen gesamten Fragenkomplex genannt. Rur seltsam, daß grade Frankreich, dessen Presse diese Probleme, die für Deutschland die conditio sine qua non eines jeden Vertragsabschlusses bilden, gerne als untergeordnet beiseiteschieben möchte, einer Lösung den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzte. Will man dem letzten, hier vorliegenden Funkspruch aus Locarno trauen, sv wäre die Konferenz am Freitag abend auch hierüber zu einer Einigung gelangt, deren Einzelheiten zur Stunde noch nicht bekannt sind. Aach deutscher Auffassung — und hierin sind sich alle Parteien von Graefe bis zu den Kommunisten einig — stellen diese sogen. Nebenfragen Rückwirkungen dar, den der Vertragsabschluß von Locarno auf das Dcsatzungsregime am Rhein und im Saargcblet haben muß, foQ er ernstlich att Werk einer Befriedung Europas, als endgültiger. wahrer Friedensfchluß zwischen den Alliierten und Deutschland gelten. Der Sicher- heitspakt mit feinem Verzicht auf eine Rückeroberung deutscher Lande im Westen bedeutet für das deutsche Volk ein schweres Opfer, em Opfer, das Gegenleistungen der Vertragspartner heischt in Form von Rückwirkungen auf die Handhabung des Versailler Vertrages, der durch den neuen Pakt in wesentlichen teilen gegenstandslos geworden ist. Die sofortige Räumung des feit dem 15. Januar 1925 widerrechtlich besetzt gehaltenen Kölns ist eine Selbstverständlichkeit, über die man auch in Locarno kaum viel Worte wird verloren Men Das Wesentliche für und ist die Abkürzung der Desatzungsfristen, ja man wird sagen Mssen. die völlige Aufhebung der Besatzung. Wir wissen zur Stunde noch nicht, was die deutsche Delegation in Locamo erreicht hat wir wissen auch nicht, mit welchen Argu- mcAten sie die deutschen Forderungen begründet hat Wir dürfen gewiß fein, daß fte sich nichts hat" entgehen lassen, was ihr geeignet erschien sich in den Dechandlungen mit Driand durchzuschen. ®er Versailler Vertrag selbst bietet ja Handhaben genug, die Zurückziehung der französischen Truppen vom Rhein zu verlangen. Deutschland hat den Vertrag von Versailles r e st- los erfüllt: es hat die ihm auferlegten Ge- hietSabtretungen vollzogen, mit der Räumung KLlnS würden die Alliierten die — tatsächlich längst bestehende — Entwaffnung Deutschlands anerkennen, die Reparationen sind in London einem neuen, bereits einer Revision des Vertrages gleichkommenden Zahlungsmodus unterworfen, der nach den regelmäßigen Mitteilungen des Reparationsagenten reibungslos funktioniert, die Sicherheit wird durch den Abschluß des Garantiepaktes bindendes, von England und Italien verbürgtes Recht. Damit sind alle Voraussetzungen für den Artikel 431 des Versailler Vertrages gegeben, der die sofortige Zurückziehung der Besatzungstruppen vorsieht, sobald Deutschland vor Ablauf der als Desahungsfrist angenommenen 15 Jahre allen ihm aus dem Vertrag erwachsenden Verpflichtungen Genüge leistet. Man wird von den Ministern der Weltmächte soviel psychologisches Verständnis für die seelische Lage des deutschen Dolles erwarten dürfen, daß sie gerade in diesen Punkten dem deutschen Verlangen entgegengekommen sind, soweit man bei diesen natürlichen Auswirkungen einer veränderten politischen Situation und einer endgültigen Liquidation des Kriegszustandes überhaupt von einem Entgegenkommen ihrerseits reden kann. Chamberlain sprach auf dem Journalisten- bankett, das zum ersten Male die Minister der bislang feindlichen Staaten vor aller Oeffentlichkeit an einer Tafel vereinigte, von dem »Frieden ohne Sieger und Besiegte", der in Locarno zustande gekommen sei. Deutschland wird diesem heute gewiß noch manchem recht optimistisch dünkenden Urteil des britischen Staatsmannes, dessen Vermittlertätigkeit die Konferenz viel zu danken hat, wenn sie so schnell zur Verständigung kam, nur dann beipflichten können, toetm die politische Atmosphäre von Rückständen aus der Zeit der Poincarö und Clemencsau bereinigt ist. Der dritte Fragenkomplex, den zu klären Aufgabe der Konferenz war, betrifft die Schiedsverträge mit Polen und der Tschechoslowakei. Was man hierüber bislang aus Locarno hörte, kl-ang nicht allzu verheißungsvoll. Zwar der geschmeidige und ttxmb- lungsföhige Herr Denesch hat sich schnell auf die veränderte Weltlage einzustellen gewußt. Es ist ihm zwar nicht gegluckt, seinen aus Pvag mitgebrachten Vertragsentwurf den Verhandlungen zugrunde zu legen, aber immerhin scheint auch für ihn der deutsch-schweizerische Schiedsgerichtsvertrag eine brauchbare Vorlage für ein deutsch-tschechisches Abkommen gewesen zu sein. Sehr zu begrüßen wäre es, wenn es der deutschen Delegation bei dieser Gelegenheit gelungen wäre, von Denesch Sicherheiten für eine dem Völkerrecht entsprechende menschenwürdige Behandlung der deutschen Minderheit in Böhmen zu erlangen. Hiervon abgesehen besteht zwischen Deutschland und dem jungen Tschechenstaat kein wesentlicher Konfliktstosf. Es ist also auch wahrscheinlich, daß die Verhandlungen mit Denesch schnell zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis geführt haben. Anders mit Polen. Deutschland bat niemals den leisesten Zweifel darüber gelassen, daß ein Ostvakt analog dein Rheinpakt unter keinen Umständen in Frage kommt, daß es auch nie und nimmer in eine Garantierung des vorgeschlagenen deutsch-polnischen Sch'edsvertraqes durch Frankreich einmaligen werde. Deutschland muß darauf bestehen, daß ihm die Möglichkeit bleibt, feine wider Recht und Verstand in Versailles gezogene Ostgrenze zu revidieren, wozu der Artikel 19 des Völkerbunbsstatuts Deutschland ja ausdrücklich berechtigt. Aachdem noch am Donnerstag offenbar, die Meinungen hierüber sehr heftig aufeinandergeplaht waren, wird man darauf 'gespannt fein dürfen, auf welcher Plattform man mit dem Grafen Dkrzhnski gestern abend eins wurde. Zur Voraussetzung für das Inkrafttreten sämtlicher Sicherheits- und Schiedsverträge haben die Alliierten den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gemacht. Es erübrigt sich, heute nochmals auf all die Bedenken einzugehen, die wir diesem Verlangen, das sich mit der Forderung der deutschen Linksparteien deckt, stets entgegensetzten. Einer der wichtigsten Einwände, das in Artikel 16 des Völkerbundsstatuts vorgesehene Durchmarschrecht — hier speziell durch Deutschland im Falle eines deutschen oder russischen Angriffs auf Polen — scheint durch bindende Verpflichtungen der Westmächte, die ja sämtlich Mitglieder des Dölkerbundsrats sind, paralysiert zu fein. Danach soll der strittige Artikel 16 so ausgelegt werden, daß Deutschland in jedem Falle volle Handlungsfreiheit behält, ob es den Durchmarsch durch deutsches Gebiet gestatten und an kriegerischen oder wirtschaftlichen Sanktionen teil* nehmen will oder nicht. Die Ministerkonferenz ist nach nicht ganz zweiwöchiger Tätigkeit am Ende ihres Werkes. Die Delegierten packen ihre Koffer, um am Sonntag daheim zu fein. Chamberlain eilt, wie vorgesehen, nach London zur Begrüßung des von seiner Aus- landrcise zurücKehrenden Prinzen von Wales, mit Spannung erwarten die Völker, was ihre Delegationen aus Locarno mit nach Hause bringen. Zu Luther und Stresemann haben wir scheint festzustehen, immerhin aber Abmachungen, über deren Annahme oder Ablehnung sich nun die Kabinette und Parlamente klar zu werden haben. Zu Luther und Stresemann haben wir das feste Vertrauen, daß ihr Kampf um Deutschlands Rechte nicht vergeblich war, daß sie viel- mehr in Locarno herausgeholt haben, was menschenmöglich war und lieber auf den Abschluß verzichtet hätten, als Bindungen auf sich genommen, für die Deutschland in der Befreiung von den Versailler Fesseln kein genügendes Aequivalent erhalten hätte. Bedeutet Locarno nicht die Rückkehr Deutschlands in den Kreis der Dollersamilie als ein völlig gleichberechtigtes Mitglied, macht auch Locarno kein Ende mit dem in Der ailles aufgenommenen System der Fortsetzung be^> Krieges mit anderen Mitteln, dann kann es auch keine politische und wirtschaftliche Konsolidierung Europas ge'en, die den Erdteil in den Stand seht, in der nahenden Auseinandersetzung der Weltmachtgruppen mit Erfolg eine entscheidende Rolle zu spielen. Die Schlußsitzung. Locarno, 16. Oft. (WTB.) Die Schlußsitzung der Konferenz von Locarno ist genau in der gleichen formlosen Art verlaufen wie die voraufgegangenen Vollsitzungen. Der eigentliche Beginn mußte um 20 Minuten verschoben werden, weil die Dokumente, die für die Paraphierung vorbereitet werden mußten, noch nicht fertig waren. Während der Zeit standen die Außenminister mit den Dokumenten beisammen. Als Sir Cecil Hurst, der englische Sachverständige, mit den Dokumenten eintraf, setzten sich alle an den großen Tisch wobei es wie in den andern Sitzungen keinen Vorsitzenden gab. Der feierliche Akt der Paraphierung beginnt Sir Cecil Hurst mit dem Schlußprotokoll in der Hand zieht von einem Delegierten zum andern und weist ihm die Stelle an, an die er sein Signum zu setzen hätte. In etwa fünf Minuten war die Paraphierung vollzogen, obwohl auch jede einzelne Textänderung beglaubigt werden mutzte. Aachdem einige kurze Augenblicke allgemeinen Schweigens geherrscht hatten, ergriff alS erster Dr. Stresemann das Wort zu einer längeren Ansprache. Als nächster sprach der französische Außenminister Driand. Dann ergriff Chamberlain das Wort, um in ähnlichen Ausdrücken wie Driand den Schluß der Konferenz und den erzielten Erfolg zu feiern. Die längsten Ausführungen unter den Anwesenden machte der belgische Außenminister Van- dervelde. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden die Ausführungen Mussolinis angehört, der in ähnlichen Ausführungen wie am Freitag vormittag vor der Presse den Frieden Europas und 3tafenS Mitarbeit an ihm feierte. Herr Denesch und Graf S k r z h n s k i, die gleichfalls anwesend waren, enthielten sich des Worts. Die Sitzung fand ihren Abschluß durch herzliche Worte des Dankes, die Driand im Namen aller Anwesenden an den englischen Außenminister Chamberlain richtete. Die Rede Briands machte einen so starken Eindruck auf die Anwesenden, daß die ganze Versammlung spontan in die Hände klatschte. Das Händeklatschen war unten auf der Straße von Der versammelten Menschenmenge gehört worden und pflanzte sich wie ein Lauffeuer fort. Als der Beifall unten nicht verstummen wollte, entschlossen sich Dr. Luther und B r i a n d, gemeinsam an das Mittelfenster zu treten. Ihnen folgte dann Herr Chamberlain. Schließlich zeigte der belgische Jurist Rolin dem Publikum das soeben paraphierte Schriftstück. Zuerst verlieh die polnische Delegation das Haus. Cs folgten Dandervelde, Briand und unter lauten Evvivas Mussolini. 2lls nach einer kleinen Pause d i e deutsche Delegation entblößten Hauptes auf der Freitreppe erschien, stieg der Jubel der Menge auf feinen Gipfelpunkt, um schließlich Chamberlain. der von seiner Gattin abgeholt wurde, die letzten Ovationen Darzubringen. Das amtlicheKommumque In später Abendstunde wurde folgendes zwischen den Delegationen vereinbartes Kommunique herausgegeben: In der Vollsitzung am Nachmittag des 16. Oktober wurden zunächst die Texte der S ch i e d s g e r i ch t s- entwürfe zwischen Deutschland und Polen bzw. der Tschechoslowakei angenommen. Alsdann wurde der Text des Schluß- Protokolls über die Arbeiten der Konferenz von Locarno erörtert und angenommen. 3m Schlnhprotokoll werden die Ziele und Ergebnisse der Konferenz sestgestellt sowie die Rückwirkungen, die sich auf die Stabilisierung des Friedens und der Sicherheit in Europa ergeben sollen. Die von der Konserenz ausgearbeiteten Verträge und Konventionen, die mit der Klausel „ne variatur in London“ paraphiert sind und das Datum des heutigen Tages tragen, lauten wie folgt: 1. Vertrag zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien. 2. Schiedskonoention zwischen Deutschland und Belgien. 3. Schiedskonvention zwischen Deutschland und Frankreich. 4. Schiedsverlrag zwischen Deutschland und polen. 5. Sckiedsvertrag zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Der französische Minister des Auswärtigen machte der Konseren; sodann Mitteilung über die Abmachungen zwischen Frankreich, polen und der Tschechoslowakei mit dem Ziele, sich die Vorteile der obengenannten Schiedsverträge zu sichern. Diese Abmachungen sollen beim Völkerbund niedergelegt werden. Abschriften stehen jetzt schon zur Verfügung der bei der Konferenz vertretenen Mächte. Für die förmliche Unterzeichnung der in Locarno vereinbarten und paraphierten Verträge ist der 1. Dezember 1925 bestimmt. Die Unterzeichnung wird in London stattfinden. Die Veröffentlichung der Verträge soll Dienstag den 20. Oktober vormittags erfolgen, vor Abschluß der Arbeiten richtete die Konferenz an den Präsidenten des Schweizer Bundesrats ein warm gehaltenes Danktelegramm für die gastliche Aufnahme, die ihr in der Schwei; zuteil geworden ist. Der Bürgermeister von Locarno wurde darauf in den Konferenzsaal eingeladen, wo ihm Herr Chamberlain namens der Delegationen erneut den Ausdruck ihres Dankes für die Ausnahme in Locarno und des dort erwiesenen Entgegenkommens übermittelte. Die Sitzung wurde hierauf für eineinhalb Stunden unterbrochen, um den Sekretären der Delegationen die Vorbereitung der zur Unterschrift gelangenden diplomatischen Urkunden zu ermöglichen. Die Verträge von Locarno werden um 7 Uhr abends paraphiert. Zum Schluß der Sitzung wurden von den Herren Stresemann, Briand, Ehambertain, Vandervelde und Mussolini Ansprachen gehalten. Die Reden. Reichsaußenminister Dr. Stresemann führte in seiner Rede folgendes aus: „In dem Augenblick, in dem die Paraphierung der hier getätigter Verträge erfolgt ist, wollen Sie mir im Namen des Herrn! Reichskanzlers und für mich gestatten, einige Worte zu Ihnen zu sprechen. Äe deutschen Delegierten hoben bem Test des Dchluß- protoiölls mit feinen sechs Anlagen z u gestimmt und haben das durch die Paraphierung zum Ausdruck gebracht. Aufrichtig und reubig begrüßen wir die große Entwickelung »es europäischen Friedensgedanken, die von Meer Zusammenkunft in Locarno ihren Ausgang nimmt und als der Vertrag von Locarno einen wichtigen Markstein in der Geschichte und Weiterentwickelung der Staaten und Volker zueinander ausmachen soll. Wir begrüßen insbrsondere die neue im Schlußprotokoll der Konferenz niedergelegte Anschauung der festen Tleber- zeugung von jener Entfpannung in den Beziehungen dcsr Völler und jenen Erleichterungen der Lösung politischer und ökonomischer Fragen. Wir haben die Verantwortung für d.e Paraphierung der Verträge übernommen, weil w.r des Glaubens sind, daß nur auf dem Wege friedlichen Nebeneinanderlebens jene Entwicklung der Staaten und Volker gesichert werden kann, die für keinen Erdteil so wichtig ist, wie für das große europäische Kulturland, dessen Völker so unendlich durch die Jahre, die hinter uns liegen, gelittenl haben. Wir haben sie insbesondere übernommen, weil wir zu dem Vertrauen berechtigt sind, daß die politische Auswirkung der beschlossenen Verträge, insbesondere auch dem deutschen Dolle in der Form der Erleichterung seinen Bedingungen des politischen Lebens zugute kommen werden. So wichtig die deutschen Abmachun- gen sind, die hier ihre Fassung erhalten haben, so werden die Verträge von ßoearrro doch nur ihre tiefe Bedeutung in der Entwicklung der Nationen behalten, wenn Locarno nicht das Ende, sondern der Anfang einer Periode vertrauensvollen Zusammenlebens der Nationen sein wird. Daß diese Möglichkeiten und daß die auf das Werk gesetzten Hoffnungen sich auswirken mögen, ist der aufrichtige Wunsch, dem die deutschen Delegierten in dieser bedeutungsvollen Stunde Ausdruck geben möchten." Der französifcheAußeunnnisterBriand führte aus: Als 'Vertreter Frankreichs lege ich Wert darauf, mich aus vollem Herzen zu den Empfindungen zu bekennen, denen der deutsche Delegierte Ausdruck gegeben. Es würde unrecht von mir fein, wenn ich nicht die mutige Geste, welche den Ausgangspunkt dieser Konferenz bildete, in die Erinnerung rufen und begrüben würde. Ich vergesse nicht das Memorandum vom 9. Februar, das die deutsche Regierung a u f die Initiative Stresemanns an die französische Regierung richtete. Das war der Ausgangspunkt unserer Arbeiten und diese Tat, der ich meine Anerkennung zolle, hat zu dem Ergebnis geführt, das wir heute zu verzeichnen haben. Wenn wir hier nur über die Bestimmungen eines Vertrages verhandelt hätten, und wenn wir im Anschluß daran jeder in sein Land -urückkehren würden, indem wir es einem glücklichen Zufall überließen, die Versprechungen, die der Vertrag enthält, zu realisieren, hätten wir nur eine leere Geste gemacht. Wenn diese Geste nicht einem neuen Geiste entspricht, wenn sie nicht den Anfang einer Epoche des Vertrauens und der Zusammenarbeit bezeichnet, wird sie nicht die großen Folgen zeitigen, die wir von ihr erwarten. SU W. für die aus soeben paragraphiert haben. Sehr kurz faßte sich der britische Staatssekretär des Auswärtigen Chamberkai» Seine Rede lautete: 3d) brauche kaum etwas geändert, sondern nur angenom men oder abgelehnt werden können. Die endgültige Ent- schewung über die Annahme der Entwürfe liegt hiernach, soweit Deutschland in Betracht kommt, zunächst bei der Reichsregierung und alsdann bei dem Reichsrat und dem Reichstag. Die Veröffentlichung der $cjtc wird nach einer in Locarno mit den Vertretern der übrigen Länder getroffenen Derabr^ung am nächsten Dienstag früh erfolgen. Die Ministerpräsidenten der Länder sind auf Mittwoch zusammenberufen worden. Dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, dem Reichstagsabgeordneten Hergt, ist die Einladung des Ausschusses zwecks Entgegennahme des Berich- tes der deutschen Delegation auf nächsten Donnerstag anheim gegeben worden. Angesichts des besonderen Interesses, das die Vertragsentwürfe für die R h e i n l a n d e haben, sind Vertreter des Rheinlandes durch die Vermittlung des Ministers für die besetzten Gebiete schon auf Dienstag nachmittag nach Berlin eingeladen worden. Die endgültige Stellungnahme der maßgebenden Faktoren in Deutschland wird neben der Würdigung des Inhalte? der Vertragstexte selbst davon abhängen, ob die Erwartungen des deutschen Volkes erfüllt werden und die Folgen des Vertragswerkes, besonders hinsichtlich der rheinischen Fragen, eintreten. Endgültige Abmachungen hierüber konnten angesichts des Charakters der Minifterzusammenkunft, deren Aufgabenkreis begrenzt war, in Locarno nicht getroffen werden. Andererseits war aber von vornherein in Aussicht genommen, diese Fragen vor der endgültigen Entscheidung zu regeln. Die deutschen Delegierten haben infolgedessen in eingehenden Verhandlungen mit Den in Locarno anwesenden Vertretern der Besatzungs- Mächte die Lösung dieser Fragen so weit vorbereitet, daß ihre erfolgreiche Weiterbehandlung als gesichert angesehen werden kann. (Eine Erklärung des Reichskanzlers. Aus der Provinzialhauptstadt. G i e ß e n, den 17. Oktober 1925. WahlvorschlSge Zur Kreistagswahl. Reichskanzler Dr. Luther machte dem T. D.-Sonderberichterstatter in Locarno folgende kurze erläuternde Ausführungen: Der Westpakt mit den Schiedsgerichtsverträgen bedeutet eine Verwirklichung der Grundgedanken des deutschen Memorandums vom 9. Februar, und zwar entsprechend den Ausführungen der deutschen Rote vom 20. 3uli Er enthält somit jene Reugeftaltung der europäischen Staatendeziehungen, die wir zur Herbeiführung eines wirklichen Friedens in Europa und im Interesse Deutschlands erstrebten. Die Bekanntgabe der einzelnen Vertragsentwürfe wird manche in der Oeffentlich- keit jetzt aufgetauchte Zweifel ausräumen. Die von England, Frankreich. Italien und Belgien gegebene Auslegung des Artikels 16 entspricht dem deutschen Standpunkt, wie er ebenfalls in der Rote vom 20. IuK niedergelegt war. Was die rheinischen Fragen betrifft, so bilden die Erklärungen bed französischen, englischen und belgischen Außenministers in der Schlußsitzung und ihre sonstige Stillungnahme in den ausführlichen Besprechungen, die wir mrt ihnen über Die Rheinfragen gehabt haben, eine feste Grundlage für die zu erwartende Gestaltung Dieser Probleme in der nächsten Zeit. Den deutschen Reichsstellen liegt die wichtige Aufgabe vor, auf dieser Grundlage weiter zu arbeiten. Bevor der Reichsrat und der Reichstag die endgültige Entscheidung über Die Verträge und den Eintritt in den Völkerbund fällen, muh sichergestellt und deullich geworden sein, daß der allgemeine Geist echten Friedens sich auch vor allem in den DHeinfragen wirklich in die Tat umgesetzt, und daß Die tatsächliche Entwickelung sich so vollzieht . Dafür tragen Die beiden Delegierten vor dem deutschen Volke die Verantwortung. Preußischer Landtag. Berkin, 16. Okt. Der Landtag setzt die allgemeine Besprechung zum Haushalt des Ministeriums des Innern fort. Abg. Gieseler (deutschvölk) erklärt, von Den Sozialdemokraten bis zu den Deutschnationalen habe man um Den Kernpunkt Der Sache IjerumgereDet. Man geniere sich, auszusprechen, daß heute alles vom internationalen Großkapital abhänge. Als Der ReDner auf den Freiheits- kampf der Rifkabhlen zu sprechen kam, erhob sich schallendes Gelächter. Er kritisierte scharf die Sicherheitsverhandlungen in Locarno. Der Minister dürfe sich nicht wundern, wenn die Völkischen ihm das schärfste Mißtrauen entgegenbringen. Wenn der Minister Hirtsief er in schwer betrunkenem Zustande mit zwei Freudenmädchen in Der Mariahilfstraße angetroffen worben sei. so sei das ein unerhörter Vorgang. (Lärm links und in der Mitte.) Die weiteren Ausführungen des Redners gegen den Minister Severing gehen fast restlos im andauernden Lärm der Linken und der Mitte unter. 2lbg. Schlange (Dn.): Der Minister habe hier wahrhafttg Mordgefchichten über Die Pläne des Stahlhelms erzählt. Die vaterländischen Verbände seien nicht ein Element Der Zerstörung, sondern ein Element der Konsolidierung. Der Grundzug der vaterländischen Verbände sei die Treue zum Daterlande. Das Reichsbanner dagegen sei eine Parteiorganisation. Wenn Tyran- nenmacht unerträglich werde, Dann müsse ein so große? Volk, das frei fein wolle feine unveräußerlichen Rechte von Den Sternen herunter» holen. (Lebhafter Beifall rechts, Lärm links.) Können Sie mir einen Reichskanzler des alten Deiches nennen, der sich hergegeben hätte, Geschäfte mit Darmat zu macken? Der Minister habe nicht eingegriffen gegen Die Emwanderung der Ostjuden. Auch heute noch fmde ein Zustrom habgieriger Elemente aus Dem Osten statt. Der Redner wirft Dem Minister vor, er wünsche, daß an Stelle Der weltberühmten preußischen Moral eine brüchige Moral trete. Das werde sich das preußische Volk auf Die Dauer nicht gefallen lassen. An dieser Entwicklung sei das Zentrum mitschuldig. Im Ruhrgebiet, in dem Die deutschen Volksgenossen mit am schlimmsten gelitten, habe der Minister nichts anderes als ein Meer von schwarz-weiß- ^v.ten Fahnen gefehen. (Lebhafter Beifall rechts, Zischen und Pfeisen links.) Volkswohlsahrtsminister H i r t f i e f e r: Die Behauptung des Abg. Gieseler, daß ich bei meiner letzten Anwesenheit in Wien auf Der Manahmstrahe schwer betrunken in Gesellschaft Verschärfung der Lage in China. Reuhork, 16. Okt. (TU.) Rach Meldungen aus Shanghai hat sich Die Lage wesentlich verschärft. Die Eisenbahnlinie nach Sutschou ist bei Busi unterbrochen worden, so daß Die sich aus Sutschou zurückziehenden Tschekian- und Gengtien-Truppen langsam auf Shanghai zurückgedrängt werden. Rach einer anderen Meldung soll Shanghai beretts kampflos genommen sein. — Aus dem Innern des Landes treffen alarmierende Dachrichten ein und man macht sich ernstliche Sorgen, um die in Den Städten des Innern zurückgebliebenen Europäer. Die von Kanton ausgehende bolschewistische Strömung beginnt sich in den größeren Städten bemerkbar zu machen. Die Bewegung sott von Dem russischen Kommunisten Borodin geleitet sein und ftch hauptsächlich gegen England richten. Die bolschewisttsche, fremdenfeindliche Bewegung wird unterstützt durch Hungersnot und Woynungselend, Die Die anhaltenden .Heber* schw em m ung en im Gefolge haben. In einem Distrikt sind allein 80 000 Personen obdachlos. Bach Den Feststellungen von SachverstänDigen wird es für wahrschrinllch gehalten, daß der Gelbe Fluh Den ganzen Winter über Die umliegenden Lanostriche überschwemmen wird. Man nimmt an, daß ein Teil des Wassers wieder in das ursprüngliche Flußbett zurück- kehren wird, während Die übrigen Wassermassen sich landeinwärts in Richtung des großen Kanals bewegen werden. Neue Kämpfe in Syrien. Konstantinopel. 16. Oft. (TLI.) Rach Meldungen aus Beirut ist es gestern in der Umgebung von Damaskus an den Höhen des Anti- Libanon und des Hermon wieder zu heftigen Kämpfen zwischen französischen Truppenabteilungen. und aufständischen Drusen und Beduinen gekommen. Mehrere Christendor- fer sind zerstört worden. Unter Einsatz von Flugzeugen und Panzerwagen konnten die aufständischen Banden vertrieben werden. Der Schaden, der durch die Zerstörung der französischen Militär st ation Hama erfolgt ist, wird auf rund 12 Millionen Franken geschätzt. In der Gegend von Aleppo sollen ebenfalls Angriffe starker Beduinenbanden auf französische Posten. stattgefunden haben. Die allgemeine Lage in Syrien wird als sehr unsicher bezeichnet. Das Kreisomt Gießen bittet unS um Veröffentlichung des nachstehenden Auszuges Dem neuen Wahlgesetz: Dachdem das Gesetz über Die Wahlen Gemeinden und GemeindeverbanDe, Kreise und Provinzen vom 7. Oktober d. Is. auf Die am 15. Rovember stattfindenden Wahlen Anwendung zu finden hat, hat Der Kreisdirektor des Av51 LS.6 Gießen Durch Bekanntmachung vom 12. D. Mts., A. V. C&L Rr. 81, nochmals zur S i n« Dahlvorschlägen für Die Wahl Der Kreis tags Mitglieder auf* gefordert. Hiernach müssen Die Wahlvorfchläge innerhalb einer Frist von einer Woche, spätestens aber bis 2 4. Oktober d. Is., bei ihm schriftlich eingereicht werden. Don Locarno muß ein neue- Europa anheben. Die Herren Luther und Strefemann, mit Denen ich außerhalb dieser Konferenz offiziöse Besprechungen gehabt habe, in denen wir uns offen ausgesprochen haben, haben mir gesagt, mit welchen Hoffnungen sie das Werk betrachteten, Das hier geschaffen wurde und ich habe ihnen mit vollständiger Lohaittät erwidert, zwischen unseren beiden Länderu bleiben noch Reibungs- flächeu. ES bestehen noch schmerzliche Punkte. Der hier unterzeichnete Pakt muß ein Balsam auf diese Wunden sein. Die noch bestehenden Schwierigkeiten müssen beseitigt werden. Stresemarm hat mit einer Diskretion, für die ich ihm dankbar bin, auf gewisse Gegenden ihres Landes Bezug genommen, an denen sich zu desinteressieren sie nicht das Recht haben. Auch ich Darf mich an ihnen nicht desinteressieren. Ich bin sicher, daß Frankteich Die ganze Tragweite dieses Paktes verstehen wird und daß es gewillt fein wird, alles, was in seinen Kräften steht, zu tun, Damit aus ihm ein Gefühl Der Befriedigung und Entspannung zwischen uns hervor.,eht. Den Bertte e:n Frank.e chs wird .'s am Herzen liegen, sobald als möglich, so viel in ihnen liegt, Dafür zu sorgen, daß zu unserem Telle die Bedingungen erfüllt werden, die zwischen unseren Ländern eine Politik weitgehender Entspannung, und, wie ich hoffe, auch 7ine vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglichen verden. Dann können wir, wenn erst Die noch zu lösenden Fragen geregelt sind, gemeinsam auf allen Gebieten arbeiten, um jenes, unser Ideal, eines Europa zu verwirllichen, das fein Schicksal erfüllt, indem es allem treu bleibt, Das feine Vergangenheit an Zivilisation und Vornehmheit enthält. In diesem Geiste sind wir alle hierhergekommen. Ich hoffe, daß unsere beiden Länder bald die Wohllat dieser Politik merken werden und daß nicht lange Zett vergehen wird, bis wir die glücklichen Wirkungen des Schriftstückes verzeichnen können, das wir von zwei Freudenmädchen aufgefunden und auf Die Polizei gebracht worden sei, erkläre ich im vollen Bewußtsein dessen, was ich tue, für eine ehrlose Lüge und Verleumdung. (Stürmischer Beifall links und in Der Mitte, andauernder Lärm rechts.) Minister des Innern Severins?: Als ich den Abg. Gieseler hörte, als ich seine staatsrechtlichen Ausfassungen vernahm, da habe ich es mit Dem Wort gehalten: „Herr, vergib ihm. Denn er weiß nicht, waö er tut.“ (Große Heiterkeit.) Auf gewisse Korruptionserscheinungen im allgemeinen einzugehen, versage ich mit. Das gehört vor die Strafgerichte. (Große Unruhe und Zuruse rechts.) Herr Schlange fragte mich, was ich in Den Tagen des HinDenburgbesuches im Rheinlande erlebt hätte? Ich muß sagen, in Der Stadt, in Der sich auf meinen Wunsch das Reichsbanner und die Gewerkschaften beteiligt haben, habe ich ein schwarz- rot-goldenes Fahnenmeer gesehen. Schwatz-weiß- rot war nur ein Protzen. Die vaterländischen Organisationen haben alles zur Beunruhigung aber nichts zur Festigung getan. (Lärm rechts.) Ich habe von Anbeginn im Einverständnis mit allen militärischen Stetten gegen diese vaterländischen Verbände Stellung genommen. Als infolge unseres Währungsverfalles die Kommunistische Partei Oi erwasset zu gewinnen drohte, find nicht militätische Stellen eingeschritten, sondern gerade Die preußische Polizei. Der Reichswehrministet hat selbst erllärt, wenn es gelungen sei. Die Ruhe aufrechtzuerhalten, w wäre das gerade Der starken Polizeimacht Preußens zu verdanken. (Stürmischer Beifall links, heftiges Zischen rechts.) Abg. von Ehnern (Dtsch. Vpt.) Der Minister hat mir meine Frage hinsichtlich des zum Oberverwaltungsgerichtsrat ernannten Herrn Croner nicht beantwortet. Ich glaube daher feststellen zu dürfen, daß diese Ernennung lediglich aus politischen Motiven erfolgt ist. Der Minister hat sich statt dessen mit gegenüber in einem Ton ergangen, Der im Interesse Der Würde des Hauses und des Staatsministeriums nicht angeschlagen werden fodte. Mit diesem Herrn möchte ich nicht auf eine Stufe gestellt werden. (Große Unruhe links.) Abg. Sj e i l m a n n (Soz.) wendet sich zunächst gegen eine Erklärung des Abg. Schlange-Schöningen, in der es hieß, es liefen nach der Barmat- angelegenheit Füchse im Saal herum, die n u r m i t Mühe dem Eisen entgangen feien. Demgegenüber müsse er behaupten, daß der Abgeordnete Schkange-Schöningen bewiesen habe, daß eine Schlange auch ein Schwein sein könne. (Zuruf rechts: Jüdische Frechheit.) Der Redner wird zur Ordnung gerufen. Die Deutschnationalen verlassen den Saal.) In einer persönlichen Bemerkung erklärt Abg. Gieseler (Völk.): Nach Den Bekundungen der zuständigen Polizeistelle in Wien hat sich Der Vorgang fo abgespielt, wie ich ihn geschildert habe. Ich fordere Herrn Minister Hirtsiefer auf, außerhalb des Hauses seine Beleidigungen zu wiederholen, damit auf dem ordentlichen Prozeßwege Der Sachverhalt klargestellt werden kann. Dann wendet sich das Haus der Besprechung des Polizeiwesens zu. Auch die große Anfrage der Zentrums Partei über die Nacktkulturbewegung in dem Theater- und Lichtfpiel- wesen steht unter anderem mit zur Beratung. Ein Regierungvertreter erklärt hierzu, maßgebend für die Stellungnahme Der Filmoberprüfungsstelle bei ihrer Beurteilung fei Der Standpunkt, daß körperliche Nacktheit nur dann geeignet ist, entsittlichend zu wirken, wenn die Absicht, die Lüsternheit zu erwecken, gegeben fei. 2lbg. Berk (Dnt.) erklärt, Minister Severing habe die Schutzpolizei bewußt zu Partei- zwecken mißbraucht. Es fehle Dem Minister an jedem Verständnis das der Führer für feine Mannschaft haben müsse. Es gebe im Staate keine andere Beamtenschaft, Die so mangelhaft b e - zahlt werde und Die so wichtige Dienste zu leisten habe wie Die Schupo unD Der Minister wolle Die Wünsche Der Beamten bewußt nicht erfüllen. Weiterberatung Samstag. Den Wahlvorschlagen flnD amtliche Deschei- nigungen ansuf<^ic§en, Daß Die Unterzeichner in Der Wählerliste eingetragen sind. In einer werter angeschlosfenen amtlichen Bescheinigung muß angegeben sein, wann Die zur Wahl Vorgeschlagenen geboren find. Diese Bescheinigungen hnD stempel- unD gebührenfrei zu erteilen. Rach Dem eingangs erwähnten Gesetz Darf ein Wahlvorschlag höchstens Doppelt soviel Bewerber enthalten, wie Vertreter zu wählen sind. (Für Den Kreis Gießen sind 30 Kreistagsmttglie- Der zu wählen.) Die Bewerber sind in erkenn- barer Reihenfolge aufzuführen unD sollen mit Stör- unD Zunamen, Beizeichen, Wohnort, Stand oder Beruf, bei Frauen auch mit Dem Geburtsnamen bezeichnet werben. Bewerber Dürfen in mehr als einem Wahlvorfchlag Derselben Wahl nicht auf genommen werben. -Dem Wahlvorfchlag ist Die fchriflliche Erklärung febes Bewerbers beizufügen, baß er Der Aufnahme in Den Wahl- Vorschlag zustimmt. Ferner ist eine amtliche Bescheinigung über Die Wählbarkeit Der Bewerber, sowie eine amtliche Bescheinigung über Den Geburtstag Der Dorgeschlagenen beizu (Meßen. 3eber Kreistags - Wahldorschlag muß von minDestens 50 nach Der Wählerliste stimmberechtigten Personen unterzeichnet sein. Die Unterzeichner Der Wahlvorfchläge sollen bei ihren An-- terschriften ihren Stanb oder Beruf unD ihren Wohnort angeben. Den Wahlvvrschlägen für Die Wahl Der Kreistagsnntgliek^r ist eine amtliche Bescheinigung anzuschließen. Daß Die Unterzeichner in Der Wählerliste eingetragen sind. Jeder Wähler Darf nur einen Wahlvorfchlag unterzeichnen. IeDer Wahlvorschlag soll mit einem Kennwort versehen sein, Das ihn von anderen Wahlvorschlägen unterscheidet. Das Kennwort Darf weDer gegen strafgesetzliche Bestimmungen, noch gegen Die guten Sitten verstoßen. Ist fein oder ein unzulässiges Kennwort angegeben, fo gilt Der plame Des ersten Bewerbers als Kennwort. In jeDem Wahlvorschlag soll für Verhandlungen mit Dem Wahlkommifsar ein Vertrauensmann unD ein Stellvertreter Des Vertrauensmanns benannt werben. Ist ein Vertrauensmann nicht bezeichnet, so gilt als solcher ber erste älnterzeichner des Wahlvorschlags unb ber zweite als Stellvertreter. Der Vertrauensmann ist zur Zurücknahme und Aenberung Des Wahlvorschlags unD zur Abgabe unD Zurücknahme von VerbinDungSerklärun- gen ermächtigt. Zwei oder mehrere Wahlvorfchläge können miteinander verbunden, ober auch eng verbunden werben. Die DerbinDungserklärungen sind bis spätestens 2 8. D Mts. bei dem Kreisdirektor schriftlich einzureichen. Verbundene Wahlvor- schläge können nur gemeinschaftlich zurückgenom- men werben. Das Gleiche gilt von Den Derbin- bungserllärungen. Die Beseitigung von Mängeln in Den Wahl- Vorschlägen hat spätestens bis zum 4. ülovember stattzufinden. Rach Ablauf Der Frist zur Be- settigung von Mängeln entscheidet Die Kreis- wahlkommission über Die Zulassung der Wahl- Vorschläge unD ihre Verbindungen. Verspätet eingereiche oder den gesetzlichen Erfordernissen nicht entsprechende Wahlvorschläge unb verspätet erklärte oder den gesetzlichen Gr- Wctte rvo rauss age. Zunächst noch Reiter bis wollig, barm zu- nehmenb bedeckt, südliche bis westliche Winde tagsüber milder, nachts Frostgefahr, meist trocken' doch Morgennebel. Währenb das nordöstliche Tiefdruckgebiet Wetter ostwärts abzieht unb sich über bem Kon- tuiait nochmals ein ausgedehntes Hochdruckge- bict ausbreitet, rückt bas neue nordwestlich von Irland aufgetauchte Fallgebiet rasch heran. Eine Kaltluftschranke über ber Qtorbfee wirb es zunächst südöstlich abgleiten kaffen, doch dürfte es. sobalb die Temperaturen über Dem Kontinent etwas angestiegen sinD, feinen Lauf in nordöstlicher Richtung nehmen. Reue Störungen ftnb Dann unvermeidlich Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 7.4 * ®raD E., Minimum 0,6 Grad C.» heutige Morgentemperatur 1,0 Grad C. Mme politische Nachrichten. DaS zu Beginn des Rhein- und Ruhr- kanrpses Anfang Februar 1923 von der französischen Dejahungsarmee beschlagnahmte und von den Damaligen deutschen Strafgefangenen geräumte Gefängnis in Zweibrücken wird nach einer Mitteilung des iömmanbierenben Generals ber Ce^j.'.ur jJarmee an die Reichsder- mogensverwaltung u Landau am 21. Oktober zurückgegeben. f ,®cr Prinz von Wales ist von seiner sechsmonatigen Reise durch Südafrika und Südamerika wieder in London eingetroffen. , Wiesbaden erwartet man die An- funft des rrcksischcn Außenministers Tschitfche- r i n, Der sich für einige Wochen zur Kur hier auf- halten wird. • Die Wahlen zum lettlanbischen Landtag ergaben 32 Mandate für die linken ..ö^Id^wkraten. 3fjnen folgt der Bauernbund 16 Sitzen. Die Deutsche Fraktion, die bisher durch 6 Abgeordnete vertreten war, verlor zwar 2 Mandate, doch wird dieser Verlust durch die Wahl eines Deutschen auf der sog. -Hausbesiher- liste fast wieder ausgeglichen. der Erklärung Stresemanns und zu der Aniwort, welche Sie auf feiten des Vertreters Frankreichs gefunden hat, hinzuzufügen aber ich wünsche, mich im Ramen meiner Regierung und meines Landes den Hoffnungen und Wünschen anz u- schließen, die freßen ausgedrückt wurden. Für mich ist das. was wir heute vollendet haben, nicht das Ende, foitbetn der Anfang. Der italienische Ministerpräsident Mussolini schloß sich mit folgenden Worten Chamberlains Wünschen an: Ich bin glücklich, mich im Namen der italienischen Regierung den Worten anzuschließen, die hier ausgesprochen worden sind. Ich freue mich über den glücklichen Ausgang der Konferenz von Locarno und über die vertraulichen Methoden, die die Vollendung der Arbeü in einer Atmosphäre der Herzlichkeit zur Voraussetzung hat. Wenn die Formeln und Klauseln, die wir paragraphiett haben, lebendige Wirklichkeit werden, wie es auch werden muß, so glaube ich, daß in den Beziehungen der Völker zueinander ein neues Zeitalter angebrochen ist. Der belgische Außenminister Vandervelde gab sodann folgende Erklärung ab: Ms Vertreter Belgiens trete ich mit tiefer Bewegung den Worten bei, die wir soeben gehört haben. Man kann nicht nachdrücklich genug der klarsehenden Loyalität eines Chamberlains, dem nachdrücklichen . Friedenswillen eines Driands, der juristischen 'Wissenschaft eines S c i a lo j a und — im möchte hier ytodj ganz besonders Gewicht darauf legen, — dem entschlossenen M u t Anerkennung zollen, mit dem die Herren Luther und Strefemann die wahren und dauernden Jnteresien Deutschlands gegenüber denjenigen ihrer Landsleute, die mehr auf die Vergangenheit als auf die Zukunft sehen, zu Derlei bi gen gewußt haben. Der große Antrieb, der uns zu diesem Ziel geführt hat, das ist die ungeheure Sehnsucht der Völker, und zwar aller Völker, nach gegenseitiger Annäherung und nach Frieden. Unter Den Mitgliedern Dieser Konferenz bin ich Der einzige. Der Den Vertrag von Ve r - sailles unterzeichnet hat. Ich habe ihn mit ruhigem Gewissen unterzeichnet, weil er meinem LanDe Die Unabbängigfcil toiebergab unb sein Recht auf legitime Reparationen sicherte. Mir steht noch Die Szene vor Augen, wo Männer, bie Dasselbe soziale Ideal haben wie ich, bie Zustimmung Deutschlands unter bem Zwange ber Rotwenbigk tt barbrachten. Heute dagegen ist es ein Gefühl ber Freiwilligkeit und Gemeinsamkeit, mit der wir diesen Vertrag abschlietzen. Ich schließe mich den Herren Drianb und Chamberlain an. um auch meinerseits das Pfand guten Willens darzubieten. DasErgebmsvonLocarno Eine offiziöse Verlautbarung. Locarno. 16. Oft (WTB.) Die Arbeiten tret Ministerkonferenz in Locarno sind heute dadurch zum Abschluß gebracht worden, daß die Delegierten der beteiligten Länder die während der Zusammenkunft bie ausgearbeiteten Vertragsentwürfe paraphiert (d. h. mit Den Anfangsbuchstaben ihrer Ramen gezeichnet) haben. Es handelt sich zunächst um Den Westpakt, also den Pakt zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien, England unb Italien, burch ben unter ber Garantie jedes einzelnen dieser Staaten jeder Angriffskrieg zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien sowie jede gewaltsame Verletzung Der Grenzen zwischen diesen Ländern ausgeschlossen wirb. Außerdem würben bie Entwürfe zu vier Schiedsgerichtsverträgen zwischen Deutschland einerseits und Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei anbererseits paraphiert. Diese Schiedsgerichtsverträge sehen für Rechtsstreitigkeiten ein Verfahren mit bindendem Richterfpruch, dagegen für Interesfenkon- flitte ein Schlichtungsverfahren ohne endgültige Bindung vor. Endlich ist ein Entwurf für eine Erklärung der Vertreter Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens aufgestellt worden, durch die bem Art. 16 ber Dölkerbunb- Satzung eine ber bekannten deutschen Auffassung entsprechende Auslegung gegeben wirb. Die Paraphierung der verfchiebenen Entwürfe bebeutet einmal die persönliche Zustimmung ber Delegierten zu bem Inhalt bet Instrumente, die infolgedessen nicht ab atmen: Biä^r zwar die hen. ^«Mesih^r- ialhaiipW. ft Oktober 1925, schlüge »gswahl, t Bittet uns M die NBen Ällsznges mii ^ber die Dahlen für verbände, Rrak und ■ d. 31 oul die am » Dahlen Änvendmz lleisdirektor des b ÄrtannttnachMg vM 81, nochmals zur Sin- Vorschlägen für die limitßliebti auf* n Me Daöüwrschlage i einer Woche, fpL- aber 6. 38., bei ihm en. find amtliche Deschei« oh die Unterzeichner tagen sind. 3n einer aLchen Kschcimgling a die zur Dahl Dor- Diele Dricheinigunzen enftei zu erteilen, erwähnten Gesetz tat mS doppelt soviel^ - ertreter yx wählen sind. 30 Kieistagsnütgsle* Derber sind in erkenn ' führen unb loden mit Mm Dohlwrt. Stand mich mit dem Geburt-- Irwerber dürfen m ttchiog derselben Wahl An Dohlvorschlag ung jedes 2ew«vF rsnahae in den DB' t ist eine amtliche vc Sorbit der Dewerta, inigung über den Semen brizuschließoi. '"s°S°. ft SWw jeM’. Ban äoj, neu« r» «Ä dm M«twn * * . Whl AB hn.et Kin- .S-X. 2Mvorschläg^^^ l^A^nS CT, M6 d'- K^A ML *' ihn von M SaS Kennwo» gilt Btf ►»•&S bez-l^ sräjtt* &s>* D-b°ZW-W ,w au- *"* sind ■5*. Mr «"ww^ea. Jn- fernst; LoS 17 374 — 1 Motorrad, LoS Olr. 23 193, 23268, 23 660 — je ein Los -iir. sarenfahrrad. LoS Olr. 3 5>oS Olr. 3832, 6016, 11 429 = je 1 Damen* Zum fest schmaus Sier- - Nudeln Olr. Olr. Zu den bevorstehenden Wahlen wird die städtische Wahlkartei nochmals zur Ein- sichtncchme aufgefegt (Man beachte die heutige Dckannttnachung der Stadtverwaltung.) Stimm- berechtigt ist, wer am Wahltage Reichsangehöri- ger, 20 Jahre alt ist und außerdem sechs Monate ununterbrochen in der Gemeinde wohnt. 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Herrenzimmer, 17 455 ---- 1 kompl. Schlafzimmer, LoS _______ Los Olr. 3135. 11 141 — je 1 Standuhr, — Der Konzertverein veranstaltet» wie aus der AbonnementS-Ernlabung im heutigen Anzeigenteil ersichtlich, auch in diesem Winter die herkömmlichen zehnKonzerte. Sie finden — so schreibt man uns — in der Hauptsache Sonntagnachmittags in der Neuen Llniversitäts- aula statt. Btt der Aufstellung des gesamten Programms ist die Konzertleitung bedacht gewesen, die Veranstaltungen gleichmäßig auf ®e- sangs-Solifttn, Instrumental-Künstler, Kammer- mufik-Dereinigungen und Orchester-Konzerte zu verteilen und in ihnen hervorragende Vertreter zur Geltung kommen zu lassen. Gleich das erste Konzert, am Sonntag, 1. November, trägt den Namen des Klaviervtrtuosen Gieseking, des genialsten unter seinesgleichen. Der Künstler hat vor Jahren schon hier gespielt. Dagegen musizieren als Solisten zum erstenmal in Gießen der Cellist Hindemith und Melanie Mi- chaelis, ehemalige Schülerin Professor Wendlings und eine in Wiener musikalischen Kreisen mit höchster Begeisterung aufgenommene Geigerin. Die Gesangskünsller: der Daritonist Hammes vom Kölner Stadttheater, die Altistin Eva 3c« telius- Lißmann und die berühmte Sopranistin Grete Stückgold sind sämtlich neu für Gießen. Die letztgenannte Künstlerin ist übrigens mehrere Jahre lang nicht in Deutschland aufgetreten, weil sie glänzende Engagements in Italien, England usw. zuriickhielten. Für Verehrer der Kammermusik — daS sind wohl die meisten Konzertbesucher — stehen drei erstklassige Vereinigungen auf dem Programm: Das Am ar-, Wendling- und Advlf-B u s ch - Quartett. Schließlich sind zwei Orchester-Konzerte vorgesehen und dafür die Meininger Staatskapelle (frühere Hofkapelle) und das K u r - orchester von Bad-Nauheim gewonnen worden. Heber» das Chor-Konzert wird später Näheres mitgeteilt, da Professor Trautmann zur Feit beurlaubt ist und der Zeitpunkt der Aufführung noch nicht feststeht Es handelt sich voraussichtlich um die Matthäus-Passion von B a die hier lange nicht aufgeführt wurde. Zuletzt kommt die Johannes-Passion zu Gehör. — Deutsche Volkspartei. Am kommenden Montagabend hält die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei im Gewerbehaus ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ab, die sich außer mit geschäftlichen Fragen und einem kurzen Vortrag dä Geschäftsführers W e i h er über die Verhandlungen in Locarno mit den bevorstehenden Stadtverordnelenwahlen befassen wird. (Siehe Anzeige.) — Deutscher Deamtenbund, Ortsgruppe Gießen. Eine Mitglieder-Versamm- lung findet am nächsten Dienstag, 73/4 Mr abends, im Saalbau Sauer. Oswaldsgarten, statt, in der zwei auswärtige Nedner über „Beamtenhochschulfragen" und „Die hessische De- amtenkrankenkasse Darmstadt" sprechen werden. Anschließend Aussprache über die allgemeine Lage der Beamtenschaft. (Siehe die Einladung im heutigen Anzeigenteil.) protvr". Möbel •• Fri st Verlängerung für die ®t« werbeertragSsteuervora.us»zahlun- gen. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit, daß die Oktvbervorauszahlungen auf die Gewerbeertragssteuer, die am 10. Oktober mit Schonfrist bis 17. Oktober fällig waren, auf den 15. November ohne Schonsrist verschoben worden sind. •• Zur Abgabe der Einkommen- und Körperfchaftssteuererklärung. In einem Schreiben an den Präsidenten der Landesfinanzämler bemerlt der Reichsfmanz- minister zu den eingegangenen Gesuchen betreffend eine Verlängerung der Frist für die Abgabe der Steuererklärungen der Einkommen- und Körperschaftssteuer: Eine allgemeine Verlängerung der am 17. Oktober endenden Frist kann nicht in Frage kommen. Bei der überwiegenden Mehrzahl der jetzt zu veranlagenden Steuerpflichtigen handelt es sich um nicht buchführende Landwirte mit einem Einkommen unter rund 8000 Reichsmark, die zur Abgabe einer Steuererklärung ohne besondere Aufforderung überhaupt nicht verpflichtet sind. Sonst kommen nur noch buchführende Landwirte und buchführende Gewerbetreibende in Betracht, bei denen der Abschluß spätestens auf den 30. Juni 1925 erfolgt ist, zum Teil aud) noch früher liegt. Es muh daher bei der vorgesehenen Frist verbleiben. Ich ersuche jedoch, wenn die Steuererklärung bis 31. Oktober beim Finanzamt emgeht, von Zuschlägen nach § 170 Abs. 2 der ReichSabgabenordnung Abstand zu nehmen. Wird die Frist über die Abgabe einer Steuererklärung vom Finanzamt im einzelnen Falle verlängert, oder werden nicht buchführende Landwirte unter 8000 Reichsmark zu einer Erklärung besonders aufgefordert, so darf dann ein Zuschlag nicht erhoben werden, wenn die Erklärung bis zu dem vom Finanzamt bestimmten Zeitpunkt eingeht oder eine Fristverlängerung gewährt wird. Körperschaften, bei denen die Feststellung des Jahresergebnisses durch die Mitgliederversammlung noch nicht getroffen wurde, ist die Erklärungsfrist vom Finanzamt angemessen zu verlängern. Eine Fristverlängerung über den 30. November hinaus wird nur m Ausnahmefällen gewährt werden können. " Die Ausstellung „Mutter und Kind" ist bis übermorgen, Montag, einfchl. verlängert worden. Sonntag und Montag abend finden noch ärztliche Vorträge statt. Der Besuch der Ausstellung sei erneut dringend empfohlen. Man beachte die heutige Anzeige. •• D i e Volkshochschule kündigt in unserem heutigen Anzeigenteil den Beginn des neuen Semesters für den 26. Oktober an. ’• Die Geltendmachung von Alt- besihanfprüchen für Reichs- und Länderanleihen betreffen Ankündigungen der hiesigen Geldinstitute im heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien darauf besonders hin» gewiesen. " Zur Warnung. Wie die Preußischen KraftwcÄe „Oberweser" dem Kreisatnt Gießen mitteilen, ist es in letzter Zeit häufig vorgekommen, daß Papierdrachen bzw. deren Seile in den Hochspannungs'eitungen der äleberlandanlage (100 000 Volt) sich verfangen haben. Hierdurch sind ^Interbrechungen der Elektrizitätsversorgung in größeren Gebieten etngetreten. Außer diesen wirtschaftlichen Störungen, die gerade in heutiger Zeit unsere industriellen Betriebe besonders schwer treffen, stehen die Personen, die die Drachenseile berühren, in Lebensgefahr. Die Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten werden gut tun. wenn sie ihre Kinder und Pflegebefohlenen auf die großen Gefahren aufmerksam machen und sie zu deren Vermeidung anhallen. •• Gemeindeabend der Matthäus- gemeinde. Am Diens agacend sprach Pfarrer Mahr vor einer zahlrettoen Hörerschaft über den Propheten Amos. Er schilderte in der Einleitung die Anfänge der israelitischen Prophetie, grenzte weiter die schriftstellernden Propheten von den früheren Propheten ab, um dann in plastischen, abgerundeten Bildern das Auftreten von Amos, seine Visionen, seine Reden, die Erregung im Voll und der Zusammenstoß mit der Regierung anschaulich darzustellen. Die Dedeutung des Amos als Prophet und Charakter würdigte der Schluß des Vortrags. Ein gemeinsames Lied umrahmte den stimmungsvollen und interessanten Abend. I. Der Radklub „Germania" hielt sein diesjähriges Vereinsrennen auf der „Germania" ab. Hm 10 Uhr morgens stellten sich 8 Mann bem Starter, Gctusahrwart Marr, zur Klubmeisterschaft über 1600 Meter, welche in 2 Vorläusen und einem Endlauf ausgefahren wurde. Den Endlauf gewann das Jugendmitglied Hans Preis vor Röhrig und Faber und wurde somit Klubmeister. Tel bem Jugendrennen über 2 Kilometer siegte Heinrich Preis vor E. Hauck in 10,30 Minuten. AlS letztes Rennen wurden 20 Kilometer gefahren, welches abermals von Hans Preis mit großem Vorsprung in der Zeit von 33,30 Minuten gewonnen wurde, als Zweiter erreichte R ö h r k g in 34,20 Minuten, als Dritter Schneider in 35,08 Minuten das Ziel. fiforrab, LoS Nr. 12 834, 17 398 — je 1 Nähmaschme, Los Nr. 1075, 8274, 10 557, 14 106 , 9035, 2 898 — je 1 silberne Herrenuhr, Los Nr. 4795, 9954, 15 159, 23 039, 26 476, 5 747 = je 1 silberne Armband-Damenuhr. Gewinner des Herrenzimmers ist Willy : lach n, Walltorstraße, die Gewinner der übrigen trnfe sind bis jetzt nicht bekannt. Gießener Wocheumarktpreise. am 17. Oktober 1925 (Händlerpreise). ES kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: }iirter 220 bis 230. Matte 40, Käse 70, Wirsing [\ Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe 2ii:5cn 10, tote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, 25 nifchkohl 8 bis 10, Dohnen 25, Unter-Kohl- M 5 bis 7, Rosenkohl 35 bis 50. Feldsalat 100, CoKtoten 30 bis 40, Zwiebeln 12, Meerrettich d) diS 100, Schwarzwurzeln 60. Kürbis 6, Kar- rsHeln 4, Aepfel 15 bis 20, Dirnen 30 bis 50, Wfe 40, junge Hahnen 120, Suppenhühner 100, Mtfe 120 Pf. daS Pfund, Eier 16 bis 18, ^menkohl 20 bis 100, Salat 10 bis 20, Salat- xurken 15, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 »is 6 Lauch 5 bis 10, Rettich 15 bis 30, 6.«erie 5 bis 50 Pf. das Stück. Bornolizen. ' — Tageskalender für Samstag: MteHung „Mutter und Kind" von 11 Uhr tvrmittags bis 91/» Uhr abends. Neue Aula. — Ülandolinen-Gullarre-Verein Neapolita: 8 Llhr »Loalbau Sauer" Sttftungsfest. — Lichtspielhaus, Aahnhofstr.: „Die weihe Schwester". — Astoria- liHtsPiele: „Maciste Imperator". — Tageskalender für Sonntag: etabttbeatcr: 7 £Ujr „Haus Rosenhagen". — 2u»stellung „Mutter und Kind" von vvrmit- fjg5 11 Uhr bis abends 9'^ Ähr. Großer $)Di1aal bcc Universität: 8 lUjr Dortrag von Medizinalrat Prof. Dr. Sommer. — West- ttletscher Spielverband 2.30 bHr nachmittags ILrbandSspiele auf dem Waldsportplatz des 2 s D. — Deutscher Jugendbund Bismarck: I Lhr nachmittags „Hotel Hopfeld" Dersamm- birg. — Saalbau Sauer: SV« Llhr Militär-Kon- »ti — Lichtspielhaus. Dahnhofstr.: „Die weiße kchvester". —Astoria-Lichtspiele: „Maciste Jm- ludernissen nicht entsprechende Verbindungen -eben nicht zugelassen. 3n den Waylvo.fcklägen werden tne Ramen Bewerber gestrichen, deren Persönlichkeit u£t feststeht, deren Zustimmungserklärung fehlt, 'ie nicht wählbar sind, die auf verschiedenen Iohlvorschlagen zu derselben Wahl Benannt sind. Die Hauptgewinne der Dolkshallebau-Lotterie. Bei der am Donnerstag stattgehabten Zie- ira der Wert lotterte des Bvlks- isllenvereins Gießen fielen auf folgende !->*e Hauptgewinne: Billige Betten Halbdaunen, per Pfd, 4.50 KOpfItiSSen m. 2 Pfd. Federn 9.8ß Deckbett mit 6 Pfd. Federn 33 Bohr. Baer, Gleiten, Marktstr. 29 9718a Lchönmöbl.rubig. m. 08501 Kircheuolatz 8. er Daine Bettfedern graue, per Pfund. . . Mk. 2.50 Laden s. Werkstatt oder Bureau ßeetfl , Auöcrm- 08456 Eick weg 7. Zimmer mit u. ohne Klavier ab 19. 10. x. vrm. «m« Tammttr. 31 II. Schön möbliertes Zimmer mit elektr. Licht und Heizgel. z. um. *19e Doeringstrane S. 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Bestimmte Zeitungen und Konzerne, die in Locarno vertreten sind, suchen eine bestimmte Richtung immer und immer wieder zu fördern auf einen Abschluß schlechthin. Man sehe einmal bestimmte Berliner Lrnköz-eitungen darauf hin an. Wer wirklich außenpolitisch zu denken vermag, der lann nur den Schaden beklagen, den diese Art der Berichterstattung, dieser Stil anrichtet. Die Begleitung der öffentlichen Meinung ist auch bei solchen Konferenzen natürlich notwendig. Aber was sie zu sagen hat, hat sie gesagt und faßt sie mehr oder minder auf allen Seiten in bestimmten Grundforderungen zusammen, über die eben in Locarno geredet wird, mit dem Versuch, eine Verbindung, einen Ausgleich, eine Verständigung der einander stark gegenüber- stehenden Standpunkte zu finden. Zum Ergebnis, zu den tatsächlichen Erörterungen ist erst Stellung zu nehmen, wenn die Abschlüsse und Berichte vorliegen. Aus den amtlichen Eommumques aus Locarno war im Grund nur eine Mitteilung bisher von größerer Bedeutung, nämlich in dem Communiquö vom 10., daß Italien sich bereit erklärt hat, einen etwaigen Garantiepakt zu unterschreiben. Das bedeutet für unsere Seite eine günstige Wendung. Denn damit garantiert auch Italien, daß die deutsche Westgrenze von französischen Truppen in keiner Form verletzt und kriegerisch angegriffen werden darf. Die umgekehrte Garantie hat ja bei der offenbaren Machtlosigkeit Deutschlands keine reale Bedeutung. Damit löst sich, wenn man es scharf faßt, Italien von seiner Verbindung mit Frankreich die ihm in den letzten Jahren immer unbehaglich war, in der es aber drin blieb. Man denke nur an die keineswegs imponierende Art, mit der Italien sich gewissermaßen hintenherein an dem Ruhrvorgehen Frankreichs beteiligte. Wir wünschten nur, daß Italien derartige außenpolitische Schritte zielbewußter und vorbereiteter täte. Man sieht nicht, was Italien, das Wochen- und monatelang den unbeteiligten Beobachter gespielt hat, mit dieser plötzlichen Bereitwilligkeit für sich davonträgt, und kann nur bedauern, daß dieses Land, der drittgrößte Staat Europas, es so wenig versteht, sein Schwergewicht in der großen Politik zur ©eltung zu bringen und die Wege und Ziels zu verfolgen, die sich ihm aus seinen Lebensinleressen ganz von selber vor Augen stellen. Die zerfahrene und geradezu dilettantische Außenpolitik, die in den ersten Rachkriegsjahren charakteristisch war, ist unter dem Faschismus und unter Mussolini nicht verbessert, sondern eher noch gesteigert worden. Das ist im Interesse Italiens und im Interesse einer wirklichen Befriedung Europas nur zu bedauern. Sieht man auf die innere Lage in den drei Staaten, Frankreich, England, Italien, so ergibt diese, daß die Vettreter dieser drei Mächte in Locarno, wenn sie davon eine für sich günstige Rückwirkung nach innen haben wollen, das Werk der Konferenz wirklich im Sinne der vollen Gleichberechtigung Deutschlands tun müssen. Ihre innere Lage und diese Verhandlungen werden Driand, wie Chamberlain, wie den Italienern gezeigt haben, daß eine halbe Sache in Locarno, ein halber Abschluß im Grund auch ihnen nichts nützen kann, wie er Europa im ganzen nichts nützt. Eine halbe Sache, ein halber Abschluß in der Richtung auf die Gleichberechtigung Deutschlands mit allerlei Vorbehalten, weiteren Bindungen usw., das nützt nichts, nicht allgemein, und auch nicht den Staatsmännern, die in diesen Ländern an der Spitze stehen. Roch weniger würde nützen ein halber Wschluß in der Richtung nach rückwärts. Denn das weiß man in Rom und in London und, wo es am meisten darauf ankommt, in Paris sehr genau, daß ein Rückfall in die alte Versailler Politik, in den Stil Poincarss unmöglich ist. Die eigentliche Entscheidung hängt von dem Willen Frankreichs ab, Italien will und kann einen stärkeren Einfluß nicht üben und England bezeichnet zwar sehr genau die Linien, über die hinaus seine Mitverpslichtung nicht geht, spannt aber — wenigstens ist das von außen nicht erkennbar — seinen weltpolitischen Einfluß nicht •im vollsten Maße an. Das liegt wohl daran, daß das englische Kabinett nicht mit voller Schwungkraft und einem nach vorwärts treibenden Programm in Locarno ist. Das Programm der Labourpartei, nämlich das Genfer Protokoll, für uns unmöglich, wäre an sich ohne Zweifel ein Programm rund und geschlossen und mit Schwung zu vertreten. Das an sich auch unmögliche Programm der Richtung, die England aus Europa herausziehen möchte, der Isolierung, wäre auch etwas der Art. Aber was Englands Minister in Locarno vertritt, ist nicht gerade ein Programm, das beschwingt. Man ist lau gegen den Völkerbund, lau gegen die obligatorisch» Schiedsgerichtsbarkeit, will mit Europa möglichst wenig zu tun haben, muß aber doch gewisse Bindungen eingehen, um eine Ordnung zustande zu bringen, will toieber in diesen Bindungen möglichst freie Hand haben. Diese Diagonale aus den verschiedenen Strömungen in' der konservativen Partei Englands ist, wozu auch die ganze Art Chamberlains hinzukommt, nicht geeignet, innenpolitisch den Konservativen als Parole zu dienen und außenpolitisch die Dinge wirklich vorwärts zu treiben. Denn mit dem Hauptgedanken, der heute die englischen Konservativen beseelt, ist ja innen- und außenpolitisch nichts anzufangen. Das ist der Appell an das Volk gegen die „Rote Gefahr", gegen den Bolschewismus. Das ist im Innern nichts praktisch Wirksames, und das würde außenvolitisch nur etwas bedeuten, wenn es wirklich gelänge, Deutschland über den Völkerbund und den Artikel 16 so einzuspannen, daß eine Politik herauskäme, wie die Moskauer Regierung sie den Tories zutraut. Es wäre Wahnsinn, wenn eine deu sche Verhandlungsführung sich auf diese Bahn locken ließe! Im ganzen: Soll die Konferenz von Locarno einen Sinn, eine „Idee" haben, so ist es die des Versuches, die Sicherheitsfrage, die zur Hauvtfrage der europäischen Politik geworden ist, auch europäisch zu lösen. Als Idee schwebt dabei vor, einen Pakt, wir können geradezu sagen, ein Bündnis, das Frankreich, England, Belgien, Deutschland und auch Italien untereinander und gegenseitig schließen würden nicht in dem allen Stil einer solchen Allianz, sondern mit dem Ziele, gemeinsam jeden Versuch einer Friedensstörung durch Krieg, äleberfall oder Invasion entgegenzutreten und gegen den Friedensbrecher vorzugehen, untereinander in Streitfragen auf das Mittel gewaltsamer Lösung zu verzichten. Das ist, wie wir zugeben, etwas grundsätzlich R e u e s, der Versuch, allgemeine Rechtsideen stärker wirksam zu machen. Soll dieser Versuch über die Phrase zu einer wirklich konkreten Lösung hinausgehoben werden, dann ist das nur im europäischen Sinne möglich. Und soll wiederum diese Forderung keine Phrase sein, so bedeutet sie die absolute und volle Gleichberechtigung Deutschlands in Verhandlung und Beschluß. Das heißt nicht nur, daß Frankreich auf seine Rheinpolitik verzichtet. Das heißt nicht nur, daß die einzelnen Forderungen Deutschlands erfüllt werden. Das bedeutet den grundsätzlichen und praktisch-tatsächlichen Verzicht auf eine Behandlung Deutschlands im Friedensvertrag und in der Rachkriegspolitik, gegen die sich eben immer zahlreichere Deutsche aufbäumen und die es der Mehrheit unseres Volles mit Recht so schwer macht, sich innerlich an Verhandlungen, wie in Locarno, zu beteiligen. Wenn die andere Seite die deutschen Grund- forderungen in diesem Lichte betrachtet, so muß sie zugeben, daß nichts davon übertrieben und überspannt ist und es von den Siegern "des Weltkrieges abhängt, die Zugeständnisse zu machen, die Opfer zu bringen, die zu einer europäischen Lösung notig sind. Deutschland arbeitet an ihr mit. Aber um jeden Preis kann es diese Mitarbell nicht leisten. An seinen Grundforderungen festzuhalten, gebietet ihm seine Ehre und Würde und sein reales Interesse. Aber sie preiszugeben, würde auch gerade gegen den, wenn wir noch einmal so sagen dürfen, europäischen Geist verstoßen, in dem eine Lösung allein die Mühe lohnen und Aussicht auf Bestand haben würde! Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 16. Oktober 1925. Die Stadtverordneten-Ver!ammlung trat heute za ihrer ersten Schung nach den Ferien zuiammen. Das Hauptintereise leirfte sich nur auf einen Punkt d.r Tagesordnung: das Bau- Programm f ür 1925. Es kommt zwar reichlich spät heraus, oenn seinem guten Wollen wird der Winter wohl bald die schwersten Hindernisse bereiten, auf der andern Se.te muß man sich ober an den Wechsel in der Le.tung des Dau- dezernats erinnern, der es notwendig machte, daß der neue Beigeordnete sich zunächst erst gründlich unterrichtete, ehe an die weit ausgreifende Aroe.t gegangen werden konnte. Schließlich hat die Verabschiedung der großen Bauvorlage immer noch den Vorteil, daß wen'gstens bis zum Frostbeginn gearbeitet und alsbald im nächsten Frühjahr weitergeschafft werden kann. Daß die Vorlage nirgends im Hause Widerspruch begegnete und einstimmig genehmigt wurde, ist erfreulich, aber doch eine Selbstverständlichkeit. Denn die Wohnungsnot ist eines der trübsten Kapitel auch in unserer Stadt. Die Last, die die Stadt mit dieser neuen Vorlage auf sich nimmt, ist sehr schwer, aber sie ist nicht zu umgehen, wenn sie ihre soziale Pflicht erfüllen will. Wir begrüßen diesen Beschluß d^ Hauses, durch den unser Gemeinwesen erneut zeigt, daß es gerne nach bestem Können opfern will im Kampfe gegen die schlimmste Geißel dieser Zeit, und wir hoffen, daß nun auch die Anleihebemühungen zum Erfolg führen. Ernste Beachtung sollte die Beschwerde finden, die der Führer der deutsch-volksparteilichen Fraktion im Interesse unseres heimischen Handwerks und Gewerbes vorbrachte. Man darf wohl annehmen, daß die Stadtverwaltung, nachdem sie von dieser Beschwerde und von dem einhelligen Standpunkt des Hauses Kenntnis erlangt hat, ungesäumt die erforderlichen Maßnahmen treffen wird. Im übrigen beschäftigte man sich mit kleineren Vorlagen, die glatt verabschiedet wurden. Sitzungsbericht. Anwesend Oberbürgermeister K e l l er, die Beigeordneten Dr. Selb, Dr. Hamm, Justiz- rat Dr. Rosenberg und 27 Stadtverordnete. Der Zuhörerraum ist von einigen Personen beseht. Das Sauprogramm 1925. Der Berichterstatter des Bauausschusses berichtet zusammenfassend: Aus den Mitteln für das Dauprogvamm 1924 stehen noch 48 000 Mk. zur Verfügung, hierzu kommen als Antell an der Sondersteuer für 1924 noch 69 000 Mk. hinzu. Insgesamt sind also 117 000 Mk. aus dem vorjährigen Bauprogramm verfügbar. Bei der Beratung des Voranschlags für 1925 ist beschlossen worden, 100 000 Mk. aus der Sondersteuer für den Wohnungsbau bereitzustellen, weiter wurde beschossen, 400 000 Mk. für den gleichen Zweck auf dem Anleiheweg zu beschallen. Städtischerseits werden mithin 617 000 Mk. für Wohnungsbauten ausgeworfen. Dazu hat das Land aus der in Gießen aufkommenden Sondersteuer 190 000 Mark als Darlehen überwiesen. Der Gesamtbetrag, mit dem man rechnen kann, vorausgesetzt, daß die 400 000-Mark-Anle'he gelingt, beläuft sich demnach auf 807 000 Mk. Vorgesehen sind folgende Wohnungsbauten: Durch die Errichtung städtischer Gebäude 20 Wohnungen, die im Vorjahre schon beschlossen wurden, aber bisher nicht gebaut werden konnten, weil man sich über die Platzfrage nicht einig war. Jetzt ist eine Verständigung erzielt worden, die Wohnungen sollen als Siedlung erbaut werden. Kostenpunkt in einfacher Bauausführung 12 000 Mark je Wohnung; davon werden aus städtischen Mitteln 218 000 Mk., aus Landesmitteln (Darlehen) 22 000 Mk. gegeben. — In Verbindung mit dem Elektrizitätswerk sollen 8 Wohnungen Gießener Stadttheater. Romain Rolland: „Ein Spiel von Tod nnd Liebe". Von den wenigen europäisch gesinnten Menschen in Frankreich, die deutschfreundlich denken, ist Romain Rolland auf den deutschen Bühnen der bekannteste. Er ist auch in seinem Denken irgendwie deutschem Empfinden verwandt. „Er schreibt deutsch in französischer Sprache", sagt Klabund von ihm. „Ein Spiel von Tod und Liebe" ist auch im Tiefsten deutsch. Germanisch jedenfalls. Richt romanisch. Deutsch im Gedaicklichen. Romanisch im Sprachlichen. Den Hintergrund der Dialoge — das Stück besteht auS Dialogen — blldet die französische Revolution. Sie bringt durch Fenster und Türen in das Haus Jeromes von Courvoisier, der mit seiner Frau Sophie eine ruhige, durch nichts gestörte Ehe führt. Er ist bereits alt, genießt Ansehen und Ruhm, weiß aber, daß fein Alter unwürdig ist seiner jüngeren Frau, die in der Blüte ihrer Fraulichkeit neben ihm steht. Sophie ist die eigentliche Hauptperson des Stückes. Sophie spielt ein Spiel von Tod und Liebe. Sie ist die unendlich gütige, weiche, reine Frau, die alle Kämpfe mit sich selbst ausfocht, auch den Kampf um ihre Liebe zu dem jungen Dallöe. Unendliches Leid gab ihr unendliche Kraft. Ganz beherrscht, ganz fest das Herz in der eigenen Hand, so schreitet diese Frau durch daS Stück. Ergreifend groß, fast heilig. Wohl aus derselben Holzart geschnitten wie die Fi- guten des alten Vokksspieles vom „3ebermann", das Hugo von Hofmannsthal neu belebte. Rur einmal brechen unerg rünblidje Tiefen der Leidenschaft auf, eine Sekunde lang, als es heißt: Fliehen, Vallee, fliehen! Doch der Bugen und guten Frau bleibt noch der Gatte, dem die sich verband, verband zu jeglichem Geschick. Unb stark und hart, gerecht und gut. schließt sie die gesprengten Psorten mit umso festerem Riegel. Sie bleibt die geheimnisvoll kalte Frau mit dem tiefen Blick, der brennen lann. Das G es chehen in diesem lyrischen Gedicht ist kurz das folgende: 3m Hause Courvoisier ist ein kleiner Kreis froher Menschen, jung und alt, beisammen, in den die Rachricht fällt, Valles sei auf der Flucht vor der Verhaftung gestorben. 3n herbem Leid flagt jetzt Frau Sophie ihren Schmerz; dem Toten darf sie ja sagen, daß sie ihn liebte. Da stürzt der Totgeglaubte, Geächtete ins Zimmer. Die Gäste fliehen schaudernd, die Liebenden allein finden sich Schnell versteckt Sophie den Ermatteten, nachdem sie ihn gestärkt. Dann erscheint ihr Gatte. Sein Schicksal hat ihm heute das Ende bestimmt, denn der Ausschuß will ihn vernichten. Er hört von dem heimge- kehrten Freund, sieht aber zugleich wie zwischen feiner Frau und dem Fremden ein Schicksal Erfüllung fordert. 3n großer Tat gibt er die Gattin frei. Da erscheint der SicherheitSausschuh zur Durchsuchung seines Hauses. Schnell reift sein Entschluß, die Bahn frei zu machen für ein naturgemäßes Glück, für das Leben der Liebenden. Durch einen Freundschaftsdienst Carnots, Mitglieb des Wohlfahrtsausschusses, wird er mit Pässen versehen, die ihm die Flucht ermöglichen. Er gibt sie den beiden. Sophie, ihrer Aufgabe bewußt, vernichtet den ihren und sieh Volles ziichen, in die Zukunft, ins Leben. Sie selbst bleibt an der Seite des Gatten, der jetzt endgültig dem Beil des Henkers verfällt, war doch Dall6es Aufenthalt in seinem Hause für den Richter ein nur allzu willkommener Grund. • Verhängnisvoll für die Aufführung wurde der 3rrtum, daß man, den lyrischen Grundton des Stückes (ein Spiel von Tod und Liebe!) verkennend, durchaus ein Drama daraus zu machen versuchte. 3n derselben Richtung lag die Besetzung der Rolle Vallees durch F. G e f s e r s, der eine Fachrvlle daraus machte. Wenn man schon, nach Fächern besetzt, dann tarne für diese Rolle der jugendliche Held und Liebhaber in Frage. Der schwere erste Held ist eine psychologische älnmöglichkeit an diesem Platze. Die Hauptrolle der Sophie spielte 3se Oßke. Die Darstellerin leistete nach ihren unzweifelhaft vorhandenen Anlagen rocht Gutes. Rur blieb sie zu wenig als ruhender Mittelpunkt erkennbar. Karl 3uhnke als Courvoisier füllte seinen Platz gut aus, angenehm in der Maske, ruhig im Spiel .Eine geschlossene Leistung wie Tele- kys Carnvt. Einzelheiten wie die Plünderungsszene und das Packen der Tasche für den Flüchtling (das Gefsers einfach mit seinem Mantel verdeckte) sollten nicht zu monieren sein. Auch bedürfte das sprachliche Moment eine Revision: Von der Melodie Rollands war wenig zu hören; teils sprach man großes Drama, teils wurde rezitiert. 3n den wichtigen Schluß fiel der Vorhang zu früh. e-s. DerDerdeutscherBuddhas (Zum 10. Todestage Karl Eugen Reumanns.) Am 18. Oktober sind 60 Jahre dahingegangen, seit der Schöpfer der oroßartigen Verdeutschung der Reden und Sprüche Buddhas, Karl Eugen Reumann geboten wurde, und an demselben Tage jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal. Als er 1915 die Augen schloß, da war sein Lebenswerk so gut wie unbekannt. Die Mehrzahl der Gebildeten hatte noch kaum etwas vom Vorhandensein authentischer Reden des großen Reiigions- stifters gehört. Seitdem aber haben diese genialen Heoertragungen durch die nachdrückliche Verbreitung, die ihnen der Verlag R. Piper in München zuteil werden ließ, einen stets wachsenden Kreis von Verehrern gefunden, und es ist uns allmählich zum Bewußtsein gekommen, daß wir hier eine Uebertragung besitzen, um die das deutsche Voll von den anderen Rationen beneidet wird. Wir Deutschen haben ja stets den Ruhm für uns in Anspruch nehmen können, ein »Voll von He5erfetern“ zu sein. Goethes Begriff der „Weltlite atur" war hier bahnbrechend, und von Goethes Forderung einer „identischen Liebersetzung" ging auch Reumann aus, als er es unternahm, die in der Pali-Sprache vorhandenen Reden des Meisters sowie die wichtigsten Lieder und Dichtungen feiner persönsichen Jünger dem deutschen Schrifttum zu gewinnen. Der Wiener Samstag, \I. ©ttober (925 IMUII I ■ IIWII-»—I I erstellt werden, und zwar am bzw. in der Rähe vorn Elektrizitätswerk, da es als ein ilcbelftunb vermerkt wurde, daß die Monteure des Werkes weit von biclcm entfernt wohnen und bei Störungen bisher nicht rasch genug zu erreichen waren. Von diesen 8 Wohnungen sollen im Rahmen des Bauprogramms für 1925 zunächst nur 4 Wohnungen erbaut werden. Kosten 60 000 Mk. — Durch Verhandlungen mit dem Landessinanzamt und den Reichsbehörden ist erreicht worden, daß das Reich sich bereit erklärt hat, unserer Stadt für eine Anzahl von Wohnungsbauten billiges Baugeld zur Verfügung zu stellen, wenn Gießen ebenfalls Wohnungen für Reichsbeamte errichtet. DaS Reichsgeld wird bis zu 1 Prozent Zins verbilligt. Vorgesehen sind von der Stadt 8 Wohnungen bei Verwendung des verbilligten Geldes, Kosten 64 000 Mk. Das Reich wird bann 6 Wohnungen auf Reichscosten bauen. — Weiter ist vorgesehen, an 54 Gesuchsteller, bie 3 3 Privatwohnungen errichten wol.en, Baudarlehen nach den untenstehenden Richllinien zu geben, wofür 246 000 Mk. aufzuwenden sind. — Von Daulustigen, bie im vorigen 3ahre mit Daudarlchen bedacht wurden, bie aber die Steigerung der Baukosten nicht vorausgesehen haben, ist ein weiterer Darlehenszuschuh gewünscht worden. An und für sich ist es nicht möglich, daß bie Stadt Liefe Zuschüsse gibt. Es sollen nun aus Landesmitteln für 1925 Zuschüsse von 2500 bis 3000 Ml. zu den im Vorjahre gegebenen Darlehen gewährt werden. — Auf diese Weise sind insgesamt von den 617 000 Mark städtischer Gelder 583 000 Mk. zur Verwendung vorgesehen, außerdem noch die 190 000 Mark Landesdarlehen. Als Reserve würden der Stadt 29 000 Mk. verbleiben. 3n der Aussprache bemerkt der Führer der Deutschen Volkspartei, wie ihm mitgeteilt wurde, sei in einer öffentlichen Versammlung von 3nteressenten gesagt worden, es müsse bedeutend mehr gebaut werden. Es sei festzustel- len, baß von keiner Partei des Hauses dieses Bauen bekämpft, sondern nur gefördert werde. Aber zum Bauen gehöre auch Geld, das nur auf dem Wege von Steuern beizufchaffen sei. Er wünsche, daß jene Kreise, die verstärktes Bauen anregen, ihrerseits durch die Bereitwilligkeit zu stärkeren Steuerleistungen auch die Stadtverordnetenversammlung anregen sollten. Der Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion weist darauf hin. daß bie Durchführung dieses Programms noch keineswegs gesichert sei, denn das hänge in weitgehendem Maße davon ab, ob es gelinge, die 400 000 Mk. auf dem Anleihewege zu bekommen; man müsse beachten, daß hierfür nur der inländische Geldmarkt in Betracht komme. 3m übrigen fordert der Redner besonders bie Einrichtung von 1° und 2-Zimmerwohnungen. Der Wortführer ber demokratischen Partei hebt ebenfalls hervor, daß alle Parteien des Hauses bisher immer das Bestreben gezeigt haben, der Wohnungsnot sntgeaenzuwirken. Unterschieden habe man sich nur im Weg zu dem Ziel. Es frage sich jetzt nur, welche Aussichten augenblicklich bestünden, daß die Dnleihemittel in diesem Umfang doch noch beschafft werden konnten, und welcher Prozentsatz in Betracht komme, wenn diese Mittel jetzt ober in nächster Zeit ausgenommen würben. Von bem Vorsitzenben der Deutschen Volkspartei wird noch bemerkt, alle Zuwendungen, so gern man sie auch machen möchte, hätten ihre Grenze an dem finanziellen Snd- punkt. Sobald sich Gelb finden lasse, mache man gern mit. Aber in steuerlicher Beziehung habe die Sache Grenzen. Das Haus schreitet nun zur Abstimmung und beschließt einstimmig: Das Bauprogramm wirb genehmigt. Die stäbtischen Zuschüsse, als Baudariehen zu 5 Proz. (4 Prozent Zins und 1 Pro ent Tilgung), werden für bas Dauprogramm 1925 auf 7000 Mark für eine Dreizimmerwohnung, 8000 Mark für eine Vierzimmerwohnung, 9000 Mark für eine Fünfzimmerwohnung festgesetzt. Der Zinsfuß für zu ben üblichen Debingunaen abzugebendes Gelände wird ebenfalls auf 5 Prozent (4 Prozent Zins und 1 Prozent Tilgung) festgesetzt. Dec Finanzausschuß in Gemeinschaft mit dem Dau- ausschuß wird ermächtigt, die Verteilung der Baudarlehen vorzunehmen. Gelehrte hat dieser Aufgabe fein ganzes geben geweiht. Bei ben besten Lehrern eignete er sich an, was burch bie Sprachwissenschaft zu erlernen war, studierte bann bie Pali-Texte an Ort und Stelle in Ceylon und 3nbien, nahm bie noch heute lebendige Wirkung dieser tiefen Religionslehre in sich auf und arbeitete dann im Britischen Museum zu London. Hier ist zum größten Teil daS Meisterwerk seiner Verdeutschung des ersten Bandes ber Mittleren Sammlung der Reden Buddhas entstanden. Dann schuf er die Uebertragung der „Lieder der Mönche und Rönnen Gotamo Buddhas", vollendete die Verdeutschung der Mittleren Sammlung und ging an bie Hebet- tragung ber „Längeren Sammlung". Da er nirgends auf Widerhall stieß, so stellten sich der Vollendung dieses Riesenwerkes immer größere Schwierigkeiten entgegen. Er rieb sich in dem Ringen mit feinem Lebenswerk auf und starb bereits am Tage seines 50. Geburtstages. Heute find sich die Besten darüber klar, daß diese Verdeutschung Buddhas neben der Lutherschen Bibelübersetzung und dem deutschen Shakespeare zu den unvergleichlichen Eindeutschungen gehört, auf die unsere Literatur so stolz sein kann. 3n einzigartiger Weise war dieser Gelehrte durch seine religiö se Einstellung und künstlerische Begabung für diese Aufgabe geschaffen. „Daß die Budbho-Worte in feiner Verdeutschung dieses zauberhaft Belebende, Beschwichtigende, Stärkende und Beruhigende unvermindert behalten haben", sagt der Herausgeber der „Reden", „hierin liegt das Wunder seiner Uebertragung, bie, aus verborgenen, fast geheimnisvollen, Quellen fliepenb, noch weit über alles Sprachkunst- werk hinausgeht. Gleichzeitig aber war Karl Eugen Reumann ein philologisches Genie. Richt minder groß als sein Verdienst um die buddhistisch« Lehre ist sein Verdienst um die deutsche Sprache, der er ein neues Element, eben das indisch«, zugeführt hat; burch seine Verschmelzung deS edelsten indischen Sprachgutes mit bem Deutschen hat er diesem neue ungeahnte Schönheiten ab- gewonnen, wie auch Luther es sich zum Der- bienft anrechnete, die lateinischen Klänge der Vulgata ins Deutsche herübergebrächt zu haben." Vevbe'estigung von Straßen. Für die Neubefestigung der Fahrbahn in der Westanlage von der Bahnhofstraße bis zur Ecke Frankfurter Straße wird ein Kredit von 25 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Bei der Besprechung dieser Vorlage wird angeregt, unmittelbar nach der Fertigstellung des Schulanbaues in der Westanlage diesen Straßen- teil von der Bahnhofstraße bis zur Bahnunterführung neu zu pflastern, und zwar mit geräuschlosem Pflaster. Zur Neubefestigung der Rodhei - mer Straße wird beschlossen: Die Drüstungs- steine auf der Lahnbrücke werden beseitigt und zur Abgrenzung der Böschungen an der Drücken- rampe verwend^. Die Fahrbahn der Rodheirner Straße wird von 6,75 Meter auf 7,50 Meter verbreitert. Für die Bürgersteige wird eine Breite von je 2,75 Meter verbleiben, was für den in Frage kommenden Personenverkehr als genügend erachtet werden kann. Der zur Neubefestigung der Rodheirner Straße bereits zur Verfügung gestellte Kredit von 55 000 Mk. wird um die voraussichtlich entstehenden McHrkosten von ca. 5000 Mk. erweitert. Neue Polizelverordnungen. Die Ortspolizeiverordnung über die Ausführung von Holzeinfriedigungen erhält folgenden Nachtrag: Zu § 1 wird, angefügt: „Die Gesamthöhe der Einfriedigungen kann bis auf 1,20 Meter ermäßigt werden, falls die Breite der betreffenden Straße und die Hohe der an derselben errichteten Gebäude dies als angemessen erscheinen lassen." Der Absatz 3 des 91 > wird wie folgt neugefaßt: „An Stelle der festen Metallgitter können auch sauber gehobelte und mit gefälligem Anstrich versehene Holzgeländer auf Massivsockel, Heckenpflanzungen oder dergleichen zugelassen werden, wenn dieselben mit den Dauformen des betreffenden Gebäudes und mit dem Straßenbild in Einklang gebracht werden." Eine Polizeiverordnung bringt Bestimmungen über die Errichtung von Autogaragen, die im wesentlichen auf dem Gebiete der Feuersicherheit liegen. Durch eine Polizeiverordnung über den Dau von Hochantennen zum Rundfunkempfang soll der Stadt die Möglichkeit gegeben werden, hier zu überwachen und evtl, einzugreifen. Kleine Vorlagen. Zu den Betriebskosten der Provinzial- pflegeanftalt wird ein jährlicher Zuschuß von 1000 Mk. bewilligt. Die Beschaffung von 100 Wassermessern von der Firma Siemens u. Halske in Siemensstadt bei Berlin im Gesamtbeträge von 3355 Mk. wird genehmigt. Der freihändigen Lieferung der elektrischen Rangier-Lokomobile durch die Firma Siemens & Schuckert G. m. b.H. Frankfurt a. M zum Betrage von 17 000 Mk. wird nachträglich zugestimmt. Die Lieferung von etwa 400 Kubikmeter Kies zu einem Preise von 11 Mk. für den Kubikmeter frei Becwendungsstelle wird der Firma Konrad Rübsamen, Gießen übertragen. Die Herstellung der Kabelgräben wird der Firma H. Weimer zu deren Angebotspreis von 8630 Mk. zugesprochen. Die fre'händige Vergebung der Lieferung von etwa 2800 Meter Kupferdraht von 50 Quadratmillimeter zum Preise von insgesamt 2066 Mk. durch das Elektrizitätswerk an das Heddernhrimer Kupferwerk wird genehmigt. Der Erwerb der von der Gießener Turnerschaft auf dem Tri^ errichteten Tribüne wird abgelehnt. Zu den bevorstehenden Wahlen wird beschlossen: Die vorgesehene Stadtwahlkommission -uni> Abstimmungskommissionen werden gemäß 'Art. 12 und 13 des Wahlgesetzes in Vorschlag gebracht. Ferner wird die zur Wahl vorgesehene Bestimmung und Abgrenzung der Abstimmungsbezirke gemäß Artikel 11 des Wahlgesetzes gut» geheißen. Zahlreiche Baugesuche werden antragsgemäß erledigt. Hervorzuheben ist hier, daß der Alkgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege beabsichtigt, auf dem Grundstück Iohannesstrahe 7 einen größeren Dau zu errichten. Ferner wird über einige Gesuche um Wirtschaftsbetrieb befürwortend beschlossen. Für das Gießener Handwerk und Gewerbe. Bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen führt der Vorsitzende der Fraktion der Deutschen Volkspartei Beschwerde darüber, daß städtische Aufträge in freihändiger Vergebung nach auswärts vergeben tourten, obwohl einheimische Handwerksmeister imb Gewerbetreibende die Arbeiten ebenso gut und preiswert hätten erledigen können . Der Redner mißbilligt dieses Verfahren und fordert, daß f r e r h ä n - dige Vergebungen unterbleiben und die einschlägigen Firmen der Stadt zu Preisangeboten aufgefordert werden, unter denen dann der Lieferant auszu- wählen sei. Es müsse in weitgehendem Matze auf die wirtschaftliche Förderung des einheimischen Handwerks und Gewerbes Bedacht genommen werden. Den Forderungen des Redners wird vom Hause lebhaft zugestimmt. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 18. Oktober: Die Meistersinger von Nürnberg. Montag, 19.: Intermezzo. Dienstag, 20.: Figaros Hoheit. Mittwoch, 21.: Die Iüdin. Donnerstag, 22.: Der Rosenkavalier. Freitag, 23.: Der Waffenschmied. Samstag, 24.: Eavalleria rusticana; hierauf: Der Vajazzo. Sonntag, 25.: Eine Nacht in Venedig. — Sonntag, 18. Oktober: Wie es euch gefällt. Montag, 19.: Ernst (Dunburh). Dienstag, 20.: Gin Volksfeind. Mittwoch, 21.: Kabale und Liebe. Donnerstag, 22.: Die drei Zwillinge. Freitag, 23.. Ein Volksfeind. Samstag, 24.: Kabale imb Liebe. Sonntag, 25.: Wie es euch gefällt. Oberhessen. Bei Butzbach aus dem D-gug gestürzt. gb. Butzbach, 16. Oft. Aus dem v-Zug Nr. 7 6, der heute vormittag die hiesige Station mit ca. 1 Stunde Verspätung passierte, stürzte auf der Strecke zwischen hier und Ostheim ein Reisender, der überfahren wurde. Der obere Körperteil des Ueberfahre- nen lag auf der rechten Seite des Bahndammes, während der untere Teil im Gleise lag. Wie aus den Papieren des Verunglückten festgestellt wurde, handelt es sich um den Kaufmann Fritz Tackenberg, in Firma Storch u. Tackenberg, aus Bad-Nauheim. Wie festgestellt ist, war der Verunglückte am gestrigen Tage mit dem Auto nach Marburg gefahren, hatte das Auto zurückgesandt und den O-Zug heute morgen zur Rückfahrt benutzt. Der Führer des v-Zuges hat von dem Unfall nichts gemerkt, erst der Führer des nachfolgenden beschleunigten Personenzuges Nr. 768 stellte das Unglück fest. Die Uhr des Reisenden ist um 9.26 Uhr stehen geblieben, sonach steht fest, daß um diese Zeit der Unfall geschehen ist, da der O-Zug 9.25 die hiesige Station durchfuhr. Lanskrcrs Gjcs;err. : Beuern, 16. Oft Gegenwärtig wird unser Friedhofsweg in Ordnung gebracht. Es wird damit einem dringenden Bedürfnis abgeholfen, denn nachdem vor einigen Jahren ein neuer Strang der Wasserleitung durch den Fried- hofsweg gelegt worden, war dieser Weg bei anhaltendem Regenwetter kaum passierbar. Namentlich wurde dieser Uebelstand, der nun in einigen Tagen behoben sein wird, bei Beerdigungen empfunden. t Grünberg. 16. Oft. Die Pächter der hiesigen Jagden klagen übereinstimmend, daß die diesjährige Hasenjagd ganz bedeutend hinter den Vorjähren zurück bleibe. Das mag wohl zum Teil an den Witterungsverhältnissen gelogen haben, die dem ersten Wurf und vielleicht auch dem zweiten nicht günstig war. Wenig günstig ist auch der Stand der R e h - j a g d. Cs will nicht viel heißen, daß ein paar Böcke in den umfangreichen, früher recht ergiebigen Jagden geschossen worden sind. Kreis Alsfeld. m. Mücke, 15. Oft. Heute wurde die neue Postautolinie Mücke—Fe ld- krücken, die die Orte Ilsdorf, Sellnrod, Groß- Eichen, Höckersdorf, Bobenhausen II und Kölzenhain berührt, eröffnet. Die feierliche Einweihung fand bei Gastwirt Weifenbach dahier statt, vor dessen Wirtschaft das prächtige, mit Kränzen und Blumen geschmück.e Auto hielt. Verschiedene Ehrengäste, darunter Oberpostrat Wittich, Darmstadt, Postbeamte und Vertreter der beteiligten Gemeinden nahmen an der Eröffnungsfahrt teil. In den Ansprachen kam die hohe Bedeutung der Postautolinien und besonders der eröffneten, zum Ausdruck, auch Worte des Dankes wurden denen gezollt, die sich für die neue Linie eingefeht hatten. Musikvorträge der Kapelle Faust, Feldkrücken, tragen sehr zur Verschönerung ter Feier tet Es wäre nun sehr zu wünschen, daß diese neue Autolinie auch dem Verkehr erhalten bliebe, zumal sie im Sommer gar manche Ausflügler, die hier aussteigen und Höhenluft genießen wollen, aber eine weite Fußwanderung scheuen, ganz in die Nähe unserer herrlichen Berge Taufstein und Hoherodskopf trägt Mit dem heutigen Tag wurde gleichzeitig die Fahrpost Bobenhause n—M ü de des Herrn Döring, Bobenhausen, eingestellt, und 0 bildete die Eröffnungsfeier gleichzeitig eine Abschieds- und Dankesfeier für diese. -er. Homberg a. d. 0hm, 16. Oft. Am Mittwoch, 21. Oft., findet dahier der von jeher gern besuchte Kalte Markt zugleich mit dem Schweinemarkt statt. Für Lustbarkeiten aller Art ist bestens gesorgt. In der Stadthalle und im Frankfurter Hof finden Tanzbelustigungen statt, auch werden eine Berg- und Talbahn, sowie Schießbuden u. dgl. vertreten sein. Der Marktplatz wird das gewohnte Bild vieler Stände ter einheimischen und besonders der auswärtigen Kaufleute zeigen. Ein Besuch des Kalten Marktes dürste sich sehr empfehlen. Kreis Büdingen. I! Büdingen, 16. Oft. Der Gemeinde- r a t befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der Verwendung ter freigetoordenen Wohnung des nach Offenbach versetzten Kreisdirek.ors Werner. Einmal war bisher beabsichtigt, das ganze Gebaute des alten Kreisamts für Bureau- zwecke zu verwenden, es sollte das Finanzamt und das Dermessungsamt darin unter- lebracht werden. Dann sprach man davon, daß >ie Bürgermeisterei und die Stadt- fasse hineinverlegt werden sollten. Weiter war angeregt worden, in das dann freiwerdende R a t- -aus das Museum des Geschichtsvereins zu verlegen. Das Museum ist zur Zeit im neuen Schulhaus untergebracht, maß aber dort seinen Platz räumen, da die Zimmer für Schulsäle benötigt werten. — Für die Instcmd- ehung des gotischen Gebälks im alten Schlachthaus wurde ein Betrag von 150 Mk. bewilligt. Das Hochbauamt Büdingen wurde beauftragt, die notwendigen Reparaturen baldigst vorzunehmen. — Die Abrechnung des W 0 l f - gang-Ern st- Gymnasiums für 1924 hatte eine Ueberzahlung gezeitigt. Hieraus ergab sich die Leistung eines Mehrbeitrages durch die Stadt, welcher auf die Stadtkasse übernommen wurde. — Das Ufer des Seemenbaches, te3 bei ter Volksbank (Brunostraße) sehr ausgewaschen ist, soll durch Faschinenflechttoerk befestigt werden. — Die bei der früheren Glasfabrik stehenden drei Arbeiterhäuser wurden der Stadt zum Kauf angeboten, da für das Fabrikgebäude verschiedene Interessenten vorhanden seien, die auf die Arbeiterwohnungen keinen Wert legten. Die Stadt erklärte sich bereit, einem Ankauf näherzutreten, wenn die Angaben sich bewahrheiten sollten. — Als Beitrag zur Zeppelin -Eckener-Spende wurden 100 Mark bewilligt. — Die geplanten Pf la st erarbeiten in ter Stadt wurden der Firma Zipf in Gelnhausen, die das niedrigste Angebot mit 7098 Mk. eingereicht hatte, zugesprochen. — Weiter wurde über die Verkäufe der neuen Häuser längere Zeit debattiert. Die beiden Häuser bei ter neuen Volksschule wurden an Ewald Engler und Bernhard Appel verkauft. Das noch freie Haus am Steinweg erhielt Steuerinspektor Emil Diemer. Das andere Haus am Steinweg war bereits in einer früheren Sitzung dem Kreiskasseinspektor Karl Hofmann zugesprochen worden, der jetzt auch eingezogen ist. Zum Schluß ter Sitzung wurden noch verschiedene kleinere Gegenstände durchberaten. Kreis Schotten. Schotten, 15. Oft. Der Hvherods- kopf leuchtete heute morgen mit einer Schnee- kuppeins Tal. Der Zeitpunkt des ersten Schneefalls liegt in diesem Iahre außerordentlich früh, und die Bauersleute rechnen mit vorzeitigem Winter. Sie sind eifrig bestrebt. Kartoffeln Dickrüben und Kraut einzubringen, um nicht vom Frost überrascht zu werden. Das eingetretene Regenwetter erschwert die Feldarbeiten und begünstigt die Fäulnis der Kartoffeln, die hier schon stark fortgeschritten ist. Namentlich Industrie und andere Speisekartoffeln haben einen außerordentlich hohen Prozentsatz von faulen Knollen aufzuweisen. Eichelsdorf, 16. Oft. Die schöne Sitte, ten Eintritt in das 50. Lebensjahr im Verein der Altersgenossen gottesdienstlich zu begehen, soll auch in unserem Kirchspiel Eingang finden. Kommenden Sonntag versammelt sich der Iahryang 1875 ter beiden Gemeinden Ober-Schmitten und Eichelsdorf zu feierlichem Gottesdienste mit anschließender AbendmahlSseier in der hiesigen Kirche. Am Nachmittag ist geselliges Beisammensein bei Kaffee und Kuchen im Wirtslokal des Altersgenossen Zörkel. „T Ober-Schmitten, 16. Oft. Für die bevorstehende Gemeinderatstoahl wurde eine Einheitsliste ausgestellt. Arbeiter- und Bauernschaft erhielten je vier Kandidaten, die Industrie wurde mit einem Vertreter bedacht. Auch diese Maßnahme spricht für den Willen ter Bevölkerung, trotz wirtschaftlicher Gegensätze das gute Einvernehmen, wie es schon Iahr- zehnte in vorbildlicher Weise besteht, weiterhin aufrecht zu erhalten. Starkenburg. O Darmstadt, 16. Oft. Der Hauptaus- schuß des Odenwaldklubs hat vorbehaltlich der Genehmigung ter Hauptverscunmlung beschlossen, für den Wiederaufbau der Ruine Starkenburg einen Zuschuß von 2000 Mk. zu leisten. Preußen. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 16. Oft. In ten letzten Tagen fanden hier drei Landversteigerungen statt, von denen nur eine die Genehmigung erhielt. Auch die daran anschließenden Verpachtungen ter zum Verkauf angebotenen Stücke fanden nicht den Zuschlag. Während in den letzten Iahren hier Landhunger zu verzeichnen war, geben viele Arbeiter und Beamte jetzt die Pachtung auf. Bei dem teueren Fuhrlohn und den seither hohen Pachtpreisen kommt bei der Bewirtschaftung nichts heraus. bl. Hartenrod, 16. Oft. Im Saale der Gastwirtschaft von Sttehl findet vom 17. bis 2 0. Oktober eine Obst-, Gemüse- und Konserven-Ausstellung statt. Veranstalter ist ter hiesige Obst- und Gartenbauverein. Der Besuch der Ausstellung kann nur empfohlen werden Dillkreis. bl. Dillenburg, 15. Oft. Nach Eintreffen des E i l z u g e s von Hagen am Donnerstag nachmittag nach V23 Uhr fand man gegenüber dem Puddelwerk von Herwig auf dem Eisenbahngleise einen Reisenden, der mit dem Eilzug gekommen war, mitzerschmettertem Kopf tot vor. Ob 6er Bedauernswerte herausgesprungen oder durch Oeffnen ter Tür herausgesallen ist. ließ sich noch nicht einwandfrei ermitteln. Nach Aussagen von Reisenden steht eher fest, daß der Mann freiwillig den Tod gesucht hat. Näheres muß die Untersuchung ergeben. — Dse Tunnel-- Sauarbeiten an unserem im Umbau befindlichen Bahnhofsgebäude sind nun soweit vorangelchritten, daß die Bahnsteige 3 und 4 bereits benutzt werden. Neuerdings wurde mit ter LIeberdachung begonnen. Das Emp- fangsgebäude wird durch einen Wartesaal erweitert und anschließend vollständig renoviert. Man hofft, im Laufe des November die Unterführung fertig zu haben. Die Bahnhofs- bauarbetten werten wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. bl. Allen do rf, 16. Oft. Im Haiger- b a ch wird in Kürze mit dem Bau einer Stauanlage mit d0ppelt er Grundschleufe begonnen werden. Die Ausführung der Arbeiten liegt dem Kreiswiesenbauamt ob. Die Anlage soll für eine bessere Bewässerung der Wiefenfläche sorgen. Kreis Marburg. * Wetter, 16. Oft. Die Einlegung der beiden Züge von und nach Marburg hat die Eisenbahnverwaltung aus technischen Gründen um einige Tage verschieben müssen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. “ Das Arntsverkündigungsblatt Nr. 8 2 vom 16. Oktober enthält: Die Wahlen zum Provinzialtag. — Die Wahl der Kreistags- Mitglieder .— Maßregeln gegen die Verbreitung von Seuchen durch Wanderschafherden. — Maul- und Klauenseuche in Harbach, Geilshausen und Ettingshausen. — Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen. — Warnung. — Dienstnachrichten. Ausstellung „Mutter und Kind". 1*1 Heber das Thema „Ernährung des Säuglings" sprach gestern abend In dem Großen Hörsaal der Landesuniversität ter Oberarzt in der Universitäts-Kinderklinik Dr. Hofmann. Eine außerordentlich zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich eingefunden. Aus seinen leicht- verständlichen Ausführungen sei folgendes entnommen. Die Muttermilch ist die natürlichste und zweckmäßigste Ernährung des Säuglings, da sie sämtliche drei Hauptnährstoffe: Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate enthält, die zum Aufbau und zur Entwicklung des kindlichen Organismus unbedingt notwendig sind. Um eine genaue Kontrolle über Die Gewichtszunahme des Kindes zu haben, ist es erforderlich, daß man ten Säugling in der ersten Zeit wöchentlich einmal, später im Monat zweimal wiegt. Biele Mütter können ihre Säuglinge nur ein bis zwei Monate voll strllen, um das Kind aber vollständig zu sättigen, ist eine künstliche Beinahrung dringend geboten. Diese soll am besten aus Kuhmilch bestehen und einen Zusatz von Schleim enthalten. Falsch ist es, der Kuhmilch Wasser zuzusehen, was leider auf dem Lande vielfach aus Unwissenheit gebräuchlich ist. Es empfiehlt sich, in erster Zeit ein Drittel Milch und zwei Drittel Schleim zu geben. Der Schleim wird alsdann allmählich verringert und die Milch vermehrt, so daß man im 7. oder 8. Monat auf eine Vollmilchnahrung kommt. Dom 5. bzw. 6. Monat ab empfiehlt es sich, dem Kinde eisenhaltige Stoffe, wie Spinat, zuzuführen. Denn die von der Mutter ererbten Eisenstoffe zur Blutbildung sind bis dahin aufgebraucht. Sehr zu beachten ist auch die Frage der Knochenbildung, da sich sehr leicht Rachitis ober englische Krankheit einschleichen kann. Vorbeugungsmittel sind: Zitronen-, Apfelsinen», Ap- fel-, Dirn- und Tomatensaft, die in rohem Zustand in allmählich gesteigerten Mengen gegeben werben. Hierdurch erhält das Kind die erforderlichen Ergänzungsstosse, Vitamine. Auch der Lebertran ist ein vorzügliches Mittel für die Knochenbildung. Die englische Krankheit kann durchs eine Höhensonnenfur erfolgreich behoben teerten« Solange eine Gewichtszunahme zu verzeichnen ist, besteht keine Gefahr, sollte aber ein Gewichts- stillstand ober gar eine Abnahme eintreten, so ist sofort ärztlicher Rat einzuholen . Es kommt ist sofort ärztlicher Rat einzuholen. Cs kommt sehr häufig vor, daß speiende Kinder bis zum Skelett abzehren. An die jungen Mütter geht Gebt euem Neugeborenen die Muttermilch und sei es auch nur für ein oder zwei Monat-cv In demselben Maße, wie eine falsche Ernährung aus einem bei der Geburt kräftig enttoictetten, gesunden Kinde ein elendes Geschöpf zu machen vermag, kann eine richtig gewählte Ernährung ein bei der Geburt armseliges, schwächliches Kind in einen blühenden Säugling verwandeln. — Lebhafter Beifall wurde dem Redner für seine lehrreichen Ausführungen zuteil. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die ersten vierzehn Tage seit Wiederaufnahme des offiziellen Terminhantels an der Berliner Börse sind nunmehr vorüber. Am Donnerstag hat die erste Prämienerklärung ft alt- gesunden, am Freitag die Festsetzung der Liquida, ionskurse. Am 19. Oktober, d. h. Montag nächster Woche, sind dann die Differenzzahlun- gen fällig, die sich infolge des Sonntags um einen Tag verzögern. Die Wirkungen des nach elfjähriger Unterlrechung neu auf genommenen Ultimohandels sind Damit, wenigstens für ten Anfang, zu übersehen. Es soll offen gesagt werden, daß die zur Durchführung des Termingeschäftes geschaffene Organisation der Liquidationskasse vorläufig besser funktioniert, als das Termingeschäft selbst. Es gehen nämlich verschiedene Faktoren ineinander über, Die Die Abschlüsse in absolut engen Grenzen halten. Zunächst haben sich von mehreren hundert Maklern ter Berliner Börse nur einige Dutzend ter Liquidationskasse anschließen können, die die Zeitgeschäfte bekanntlich garantiert, aber Kautionen von 20 000 Mark an aufwärts verlangt. Sodann hat sich herausgestellt, daß das Publikum nach wie vor grundsätzlich nur wenig Neigung zeigt, sich am Effektengeschäft zu beteiligen. Ein lebhafter Arbitrageverlehr mit anderen Börsen hat deshalb noch nicht ftattfinten können, weil am 1. Oktober nur in Frankfurt und Bremen gleichzeitig das Zeitgeschäft ausgenommen wurde und erst am 15. Oktober Hamburg folgte. Trotzdem kann bereits jetzt festgeftellt werden, daß die regulierende Wirkung des Zeitgeschäftes auf die Tendenzgestaltung sich unzweifelhaft fühlbar macht. Die Tätigkeit Der Baisse-Spekulation ist vor allem stark eingeschränkt worden, die in erster Linie die langen Kursflauten in diesem Iahr veranlaßt hatte. Nicht nur in Den Termin- Werten, sondern auch an ter übrigen Börse kam die ausgleichende Wirkung des Ultimogeschäftes zum Ausdruck. In Den nächsten Monaten, und zwar bis Dezember, werden wieder zweimalige Regulierungen (Medio und Ultimo) ftattfinten. Dom nächsten Iahr an soll dann, wie verlautet, die Abwicklung Der Zeitgeschäfte nur noch einmal, und zwar am Ultimo, erfolgen. Was die Tendenz Der Effektenmärkte betrifft, so ist diese im ganzen durchaus freundlich. Von vorübergehenden geringen Schwankungen soll dabei abgesehen werden. Die Börse hatte von vornherein auf ein poft ives Er'e nis ter Versandluncen in Locarno gerechnet, das inzwischen durch die Einigung über den Westpakt erzielt ist. Die Abschlüsse per Ultimo sind daher zur Zeit nach oben abgestimmt. Einige Spezial-Werte liegen besonders stabil, vor allem neuerdings Schiffahrts-Terminaktien und eine Reihe von Montan-Werten. Bei letzteren wirken noch Erwartungen bezüalich des zu bildenden westlichen EisentrusteS mit. Am Geldmarkt ist die Lage in ten letzten Tagen leicht gewesen. Erst neuerdings hat sich eine Versteifung bemerkbar gemacht, die sich zwar in Den Sähen noch nicht auswirkt, aber in Rückforderungen sei'ens verschiedener Banken zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig hat sich das Angebot in Privatdiskonten etwas verstärkt, ob- Fahrräder der Spetiellabriiu gratU aal franko i Geldmarkt. 6n Loge |eü Diedrrouf. l Teminhandels an ta nunmehr vorüber. 2h :e fyänienetflärung fielt« 5k Festsetzung der Siqut' Ottobtt, d.h. Hontag )ann die Dilinen-zahiun- niolge bei Sonntags um Dir Wirkungen dä nch Mg ntu aufgcnreimenen )amit. wenigstens für den n. Ss soll offen gesagt Durchführung des Termin* Organisation der 2ioui« besser funktioniert, als des Fz gehen nämlich w 'inanbei über, die die 35« gen Grenzen halten, ä^' mehreren hundert Wcum nur einige Dutzend der lieben können, die bit jw aranlieri, aber ^utwnen aufwärts verlangt. Sv« eflellt, daß das Pubtckm ylich nur wenig. Iletgmg .»ichäst zu beteckgen. Sm lehr mit anderen 2°rtz i tattfinben können, weil & unb W r SS3 tSÄ 1 1 qritaef^ftei auf “L1unPS* » ÄZW r^n^Tf:en Äonaten, unb >en zweimalig- ■“TSS Sw io und ^itet, ■ ö** erfolgen. /® . fz te ganzen trifft. I- WSjaiH r Ton iffiS, ti«- fol **'&«»! ® » Lei letzte. wau Ortungen,^ Lisentrufte^ letzten LMZ orrttT’^ ZUG W r’kte Lßnnen i6»R? r>vei. ftjj* '^ttigrn ift •101 dos * ®" >■ «"S sK-LL°i 'n .Mä1. ®" fommt. L^ffe. tokM ?n äS i“' chung int) bis Insten äÄäSßit tesiSE SLK ÄfsS 5 ^n83.75* I109.5* 119 75 19,25 37.25 48* 161.75* 72,75 I 65.4* '71.75* 52.75 90,5 123.02 68,5 1:1,5 121 62 65 84.3 58 65.5 99* 77.15 71.5 <1* 88* 36.25 35 26 35 'J.2275 0 285 0.27 0.1325 0.26 0,26 0,25 76* 81.75* 110.2* 120 1(8.25 37 75 77.22* 61,75* 74 52 66.75* 71 75* kl* 108,5* 120.5 126 37 76 25* 60,5 .2 5 52 63.75* 68.5* I 265 90 25 96,45 7.75 89.5 129,5* »4* 105,5* 106,2e 103,5* 77 7.15 0.03 77.5* 47 97 5* 75,75 68.62* 85,5* 85,75 33.6 34,5 0,3 95 60 2, 4.1 84,25 55 55.75 5% Deutsche RcichSanleib« 4% Deutsche Neichsanlcine . 37,% Deutsche RcichSanleihe 3% Deutsche Ncichsanleihe . Deutsche Sparvramicnanlcihe 4% Preußische Konsols . . . 4° o Hegen 37,% Hessen 3% Hnsen Deutsche Dertb. Dollar-Anl. dto- Doll.-Schay-Anweisng.*) 4% Zolltürken 5% Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Da mist, und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Bereinsbank .... Disconto Lommandit . . . Metallbank Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesterreichische Creditanstalt. Westbank Bochumer Gutz ..... BudcruS . . ........ Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpcner Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte Oberbedarf ......... Phönix Bergbau ..... Rdeinstahl........... Niebcck Montan ....... Tcllns Bergbau. ...... Hamburg-Ainerika Paket. . . Norddeutscher Llovd ... Ctzeramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Vbilipv Holzmann...... Änaio-Conl -Guano . ... Badische Anilin........ Chemische Master Alapin . . Goldschmidt ..... Gries' eimer Electron . . • . Höchster Farbwerke ..... Holzverkohlung ........ Nütgerswcrke ....... S-cheideanstalt ........ Allg. ElekrrtzttätS-Gekellschast Bergmann Mamkrastwerke . Schuckcrt . . . , Siemens iio be Fan Wien in D-- 0.599 0.601 0.608 1,611 Orft. abgeft 59,13 69,27 69.13 59,27 Prag .... 12.42 12.46 12,422 12,462 Bclzrad . . 7,455 7,475 7.455 7,465 Budapest. . Bulgarien 5,875 ö,895 6.872 6,842 3,0.5 .1.065 3,05 8.06 Lissabon 21,225 <0,275 21 225 21,27ü Danzig. - - 80.54 80.74 80 54 80.74 Konstantin- 2.365 3.375 2/475 2,385 Ltbcn. . 5.74 5.76 5 24 526 Canada. . . 4.195 4,205 4.195 4,205 Hruguab . . 4.215 4.255 4,245 4.255 Berlin. 16 Oktbr Geld Bries Amerikanische Violen..... 1.187 4.207 Belgische Potcn ....... 18.99 19,09 Dänische Noten ....... 104 94 105,46 Englische Noten. ....... 20,265 20,865 Französische Violen...... 18,658 18 735 Holländische Roten ...... 168.26 169.1U Atalienische Roten ...... 16.81 16,89 Norwegische Noten...... 85.11 85,53 Deutsch-Oesterr-, ä 100 Kronen 58,94 59,24 Rumänische Noten...... — Schwedische Noten...... 111.87 112,7! Zweiter Noten....... 80,62 81.02 Spanische Noten....... 60.80 50.33 Tschechoslowakische Noten . . 12,88 12.44 Ung «rische Noten . . .... 5,85 6,86 Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Grehener Anzeigers".) Berlin, 16. Oktober, die überraschende Hausse-Stimmung, die gestern im Spätverkehr auf Grund der Rachrichten über die endgültige Formulierung des Sicherheitspaktes herrschte, war heute vormittag zunächst wieder verflogen. Es stellte sich heraus, dah über die für Deutschland wichtigen Fragen noch bedeutende Differenzen bestehen. Auf Grund dieser ernüchternden Rachrichten schritt man im Freiverkehr zu Abgaben, so dah die höchsten Vortagskurse um 1 bis P/s Prozent unterschritten wurden. Zn den späteren Vormittagsstunden, bei Beginn des offiziellen Verkehrs, schlug dann die Stimmung wieder um und man neigte zu Rückkäufen. Dies führte namentlich für dw Te r mi np ap i e re zu Kursbesserungen. Die führenden Werte erzielten Anfangs Notierungen, die hinter den letzten festen Kursen nicht zurückstanden. Scharf begehrt waren Schiffahrtsaktien, besonders Rordd. Lloyd und Hapag. Ungarische Renten setzten ihre Steigerungen fort. Von Oelaktien waren Deutsche Erdöl stärker beachtet, im Zusammenhang mit dem neuen russischen Abkommen der Deag. Die gestern um UV» Prozent gesteigerten Zinkaktien lagen sehr fest, da hier dre Preiserhöhung für Ziick stimulierte. Am heutigen Tage werden die Medio- Kurse festgestellt, und von morgen ab verstehen sich die Termin-Rotierungen per Ultimo Oktober. Der Geldmarkt ist etwas versteift, tägliche« Geld 8—10 Prozent. Monatsgeld 10—lV/3 Prozent. Am Devisenmarkt lag London gegen Kabel etwas niedriger und dementsprechend die Reichsmark in London mäßig höher. Paris war weiter abgeschwacht. Zm übrigen waren keine nennenswerten Veränderungen zu verzeichnen. Die Reichsmark notierte in London 20,32, Amsterdam 59,22. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 16. OIL Cs wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23,50, Roggen, inländischer 17,50 bis 18, Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 25, Hafer, inländ. 19,50 bis 21,50, Mais (gelb) 19,25 b's 19,50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 37,25 bis 37,75, Roggemnehl 25 bis 2625, Weizenkleie 9,75 bis 10, Roggenlleie 10,50. Tendenz ruhig. Berliner Produk-enbörse. Berlin. 16. Oft Der Produktenmarkt war auf höhere Amerikakurse anfangs befestigt, konnte: sich aber bis zum Schlüsse nicht durchsetzen, so daß die Preise wieder abbröckelten. Das Znland- angebot für Brotgetreide blieb weiterhin klein. Gerste ruhig, Hafer still, Futterartikel lustlos. Es kosteten 1000 Kilo: Weizen, märt 212 bis 215. dto. Dezember 233 bis 232V«, dto. März 238‘/f. Roggen, märt. 150 bis 514, dto. Oktober 169, dto. Dezember 1721/». dto. März 182, Gerste, märt 210 bis 235, Futtergerste 170 bis 175, Hafer, märk. 181 bis 189, dto. Dezember 187V,. dto. März 192; es kosteten 100 Kilo: Weizenmehl 27V1 bis 31V4 Roggenmehl 22 bis 241/«, Weizen- kleie 11, Roggenlleie 8,90 bis 9,20, Diktoria- erbsen 26 bis 31, Kleine Speiseerbsen 26 bis 28. Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 22 bis 25, Rapskuchen 15 bis 15,20, Leinkuchen 22, Trockenschnitzel 8,70 bis 8,80, Torfmelasse 9,50 bis 9,60, Kartoffelflocken 14,20 bis 14,60, Zucker 20,40 bis 20,50. iniimnniiiiiiiuiiimnmim BtauWiMü bei Schularbeiten, Privatstunden übernimmt älterer erfahrener Arabern. Stör. Ang. u i>8474 an den Metz. An». Rheinwerft Telephon 31 ßnTkrHtrhör beste doppelbreite Stoffe, garniert mit JaUILvLI.UUJvL? Klöppel- und Stickereieinsätzen, oder . . Mk. 12.90, 11.85, festoniert. . Bettbezüge, 130x180 cm, aus gutem Linon 9.90 . . Mb. Mk. . . Mk. 5.90 6.85 Teil- ithlangbie zu 1 Jahr. Bettücher, 150x225 cm, schwerer Nessel . . . Bettücher, 150 x225 cm, starkes Stuhltuch. . Bettücher, 150 x 225 cm, gutes Halbleinen. . 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Hieran schließ sich eine Führung durch die Ausstellung Führer: Frau Dr. Marx — Eintrittspreis zur Ausstellung: Sonntag und Montag 20 Pfennig.9698V Saalbau Sauer Morgen Sonntag, abends 81/* Uhr 10. großes Militärkonzert der hiesigen Militärkapelle unter persön I. Leitung des Hm. Obermusikm.W. Lüder 9706c Speisenfolge für Sonntag Vor und nach dem Theater ABENDESSEN 08613 Gedeck Mark 1.50 Ochsenschwanzsuppe gespickte Kalbskeule garniert Cabinet-Pudding Wein-Tunke den 18 Oktober 1925 Gedeck Mark 3.— Ochsenschwanzsuppe Heilbutt, holl. Tunke Schweinerücken verseh. Gemüse Pommes Intes Cabinet-Pudding Wein- Tunke Gedecke zu Mark 2.- und Mark 3.- Spezialausschank: Fürstenbergbräu Donaueschingen Universitäts- Restaurant Plockstr. 5 Inh. F. G Günther Tel. 198 Aufruf! Die Zlieger - Lrfatzabteilung 9 ($ea 9) und aus ihr hervorgegangene Zeldformation Darmstadt feiert vom 5b 10. bis 2. U. 25 in Darmstadt eine Miedersehenrftier. Die Kameraden von Gietzen und Umgegend werden zu einer Versammlung im Gasthaus „Hindenburg", Zettersweg 68 am Sonntag, dem 18. Oktober 1925, vormittags Veil Uhr freundlichst eingeiaden. 9724a Mausschutz Zea 9, vamsta-t. 3. v.: Nürnberger. Vaillants Gas-Badeöfen zu beziehen durch alle ,S45 *0/*'*'*^ Nr. 244 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefien) Samstag, (7. Moder 1925 TUM«mUM ■ III B-U, 33WGK» ~ »— —TI— n----------■■■_ L HJW—1— — I IT M— — ul—I Der Deutsch-rufsische Handelsvertrag. Von Dr. Paul Ad. P l a a s. Am 12. Oktober ist nach reichlich zwei Jahre mährenden Verhandlungen der deutsch-russische Handelsvertrag im Volkskommissariat für ausmär lige Angelegenheiten in Moskau durch den deutschen Botschafter, Graf Brockdorfs -Rantzau, und Exz. v. Koerner, dem Vorsitzenden der deutschen Handelsvertraasdelegation, sowie durch die russischen Unterhändler Litwin off, Stellvertreter des Volkskommissars für Auswärtiges und Delegationschef G a n e tz k i unterzeichnet worden. Hiermit ist wohl eines der schwierigsten Han- dclsvertragswerke dieses Jahrhunderts zum Abschluß gekommen, das in seiner Eigenartigkeit und Neuheit keinen Präzedenzfall in der Praxis der Handelsoertragsabschlüfse besitzt. Die hauptsächlichsten Schwierigkeiten, die sich dem Zustandekommen des Vertrages entgegenstellten, sind in der eigenartigen Wirtschaftskonstruktton der Sowjetunion zu suchen, deren straff in den Händen des Staates zentralisiertes Wirtschaftssystem im Laufe der Verhandlungen in Einklang mit der durchaus privat- wirtschaftlich organisierten und interessierten Wirtschaft Deutschlands zu bringen war. Der auf beiden Seiten vorhandene ehrliche Wille, einen gesunden Ausgleich der zahlreich vorhandenen Gegensätze zu finden, hat. olle diese Hindernisse überwinden lassen. Wenn auch im Laufe der über zwei Jahre dauernden Verhandlungen viele der an diesen Vertrag anfangs geknüpften Hoffnungen auf Bildung eines geschloffenen deutsch-russische» Wirtschaftsblocks sich nicht erfüllt haben, so ist doch immerhin eine gewisse Basis der Gemeinsamkeit geschaffen worden, die mit dem Vertrage von Rapallo begann und in dem jetzt unterzeichneten Handelsabkommen ihre konsequente Ausgestaltung erhalten hat. Die Hauptbedeutung dieses Handelsvertrages ist darin zu sehen, dos; er das erste Handelsabkommen ist, das die Sowjetunion mit einem der westlichen Industriestaaten schließt und das unbekümmert um politische Erwägungen auf rein geschäftlicher Basis abgeschlossen ist. Seinen praktischen Wert erhält der Vertrag dadurch, daß die in Rapallo ungebahnte Reaelung der wirtschaftlichen und rechtlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjet union in dem jetzigen Handelsvertrag eine endgültige Klärung und eine Vervollkommnung der damaligen Verbindung erfahren haben. In diesem Sinne ist der Vertrag, auch wenn viele der anfangs erstrebten Ziele im Laufe der Verhandlungen auf- gegeben werden mußten, als ein Zeichen der wachsenden wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen 'Deutschland und Rußland durchaus zu begrüßen. Der deutsch-russische Handelsvertrag selbst besteht aus einem allgemeinen Abkommen, dem sog. M a n- telvertrag, sowie sechs weiteren besonderen 2( b f o m m e n , die zusammen ein einheitliches Ganzes bilden. Gleichzeitig mit diesem Hauptvertrage wurde ein Konsularvertrag sowie einige Zusatzabkommen unterzeichnet. Der Manteloertrag enthält die Regelung des '«tück wanderungsrechtes der durch die verschiedenen politischen Verschiebungen st a a t e n l o s Gewordenen sowie die grundsätzliche Meist- d o gü n sti g u n g s k l a u s e l, die ober insofern einige Einschränkungen erfährt, als sich Rußland gegenüber verschiedenen asiatischen Staaten wie Ehina, Persien, Afghanistan, Mongolei usw. gewisse Sonderbegünstigungen vorbehält. Da die Meist- bcgünstigungsklausel bei den gegenwärtigen Han- delsvertragsabschlüssen sowieso, ganz besonders aber in bezug auf Rußland, gegen früher an Bedeutung verloren hat, kommt diesen Ausnahmen eine grö fiere Wichtigkeit nicht zu, um so mehr, als etwaige später an andere Staaten zu gewährende Vorteile nud) für Deutschland zu gelten haben. Durch obige Ausnahmen gegenüber asiatischen Staaten will Rußland, das zur Zeit sein ganzes Augenmerk gerade auf die wirtschaftlich-politische Durchdringung dieser Staaten gelenkt hat, seine schon geographisch gegebene Sonderstellung in Asien dokumentieren unb sich dort zugleich volle Handlungsfreiheit Vorbehalten. Sodann sind im Mantelvertrage noch die Bestimmungen über die grundsätzliche Kon ze sf i o n s b e r e i t s ch a f t für Transitge- sellschaften unter A u f r e ch t e r h a l t u n g deutscher Rechtsansprüche enthalten. Das Niederlassungsabkommen bringt als wesentliche Neuerung zunächst einmal gewisse Erleichterungen für die Einreise in die Sowjetunion (keine Rückfragen und grundsätzliche Rückreisestcktoermerke), sodann aber den für in Rußland arbeitende Deutsche sehr wesentlichen Punkt, daß ein Gewerks cyaftszwang für Arbeitnehmer nicht besteht und eine vollkommene Parität für Berufsausübung und für Beteiligungen 25 Jahre Hamburger Tropeninstitut Don Dr. Otto Fischer. Hamburg. Am 17. Oktober find 25 Jahre verstrichen, seit das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg ins Lebe» gerufen wurde. Mitten in die Zeit wissenschaftlichen Aufschwungs und handelspolitischer Ausdehnung fiel seine Gründung, indem eben jene . Faktoren feine Notwendigkeit erwiesen halten. Der Eintritt Deutschlands unter die Kolonialmächte, vor allem durch die Erwerbung weiter Gebiete in Afrika, wie die immer steigende Ausbreitung des Handelsverkehrs in alle Teile der Welt, der in Hamburg seinen natürlichen Mittelpunkt fand, schuf in unabweisbarer Folgerichtigkeit die Berührung mit den Krankheiten jener Länder. Es galt, vor ihnen die Heimat zu schützen, in die sie durch den Schiffsverkehr ein- geschleppt werden konnten, eS galt aber vielleicht noch viel mehr, sie in jenen Gebieten, über denen damals die deutsche Flagge wehte, zu vermeiden imd zu bekämpfen; nur so konnten jene Länder der Wirtschaft erschlossen werden. Der Erweiterung icnb dem Ausbau des hafenärztlichen Dienstes verdankt daS Institut seine Entstehung, das unter der zielbewuhten und vorausschauenden Führung Zeines Begründers, Obermedizinalrat Professor Rocht, der noch heute an feiner Spitze steht, zu einem der ersten der Welt geworden ist. Heute, öd die tropischen Besitzungen Deutschlands ab* getrennt sind, und der Weltverkehr erst allmählich toieber die Ausdehnung wie vor dem Kriege angenommen hat, kommt ihm als Verbindung nach außen eine vielleicht noch bedeutendere Rolle zu, die den Gedanken einer Auflösung des Institutes, an Gesellschaften garantiert wird. Dabei sind die in Rußland tätigen Deutschen einer administra- ti dcn Verschickung nicht unterworfen und genießen volle Freiheit von militärischen Requisitionen, Zwangsanleihen und von der öffentlichen Arbeitspflicht. Bei etwaigen Festnahmen besteht eine Benachrichtigungspflicht der russischen Behörde» gegenüber der deutschen Vertretung sowie das Vesuchsrecht der Konsuln. Außerdem wird Gewissens- und Religionsfreiheit sowie persönlicher Rechtsschutz nach den Bestimmungen des Völkerrechts gewährleistet, letzterer aber nur insoweit, als es auch bei den eigenen Staatsangehörigen der Fall ist. Deutsche Privatgesellschasten werden grundsätzlich den gemische» öffentlichen Unterirehmungen der Sowjetunion gleichgestellt. Das S e e s ch i s f a h r l s a b k o ,n in e n sichert die Gleichartigkeit in der Behandlung von Schiffen und Ladungen und regelt verschiedene hierher gehörende Punkte. Den wichtigsten Teil des Vertrages bildet das Wirtschaftsabkommen, trotzdem es, wie man eigentlich erwarten sollte, wichtige Bestimmungen von bedeutender Tragweite nicht enthalt. Es gibt zunächst eine klare Begrenzung der russischen H a nd e I 5D e r t r e t nn g e n auf den Außenhandel, sichert weiter das Pull l i z i t ä t s p r i n z i.p für staatliche Unternehmungen und enthält sodann den Ausschluß der Nichtigkertseinrede wegen Schädigung des Staates. Von Bedeutung im deutsch-russischen Handelsvertrag ist sodann noch das Schlußabkommen, das die Bestimmungen über den gewerblichen Rechtsschutz enthält und eine grundsätzliche Gleichstellung der deutschen Staatsangehörigen mit den Russen gewährleistet, sowie die Wiede ranmeldttng der alten Warenzeichen und den W e i t e r l n u f früherer Patentschutzfristen, zwei für den Schutz des deutschen Geweives in Rußland wichtige Punkte, ermöglicht. Ferner enthält der Vertrag noch ein Steuer- und Eisenbah n abto m n, e n sowie Bestimmungen über die Hondelsschiedsgerichte. Für eine Beurteilung des Wertes dieses deutsch- russischen Handelsvertrages ist zunächst einmal zu beachten, daß das A u ß e n h a n d e l s m o n o p o l des russischen Staates, das den Eckstein des ganzen Sowjetwirtschaftssystems darstellt, durch diesen Vertrag in keiner W eise berührt wird, und daß nach wie vor die russischen Handelsvertretungen im Auslande den Warentmport und -export Rußlands regeln. Nur diejenigen russischen Truste und Genossenschaften, die Berechtigung eines direkten Außenhandels besitzen, kommen für einen deutschen Vertreterbesuch bzw. für die Errichtung von Musterlägern in Frage, was aber praktisch wenig Erfolge haben dürfte. Der direkte Verkehr mit der großen Masse der russischen Konsumenten ist dem deutsche» Kaufmann nach wie vor verschlossen und hat über die Geschäftsstelle» der russischen Handelsvertretungen zu geschehe». Dieser ganze Apparat der russischen Handelsvertretungen, über deren Schwerfälligkeit und bureaukratische Arbeitsweise nicht nur im deutschen Geschastlebeu starke Klage geführt wird, hat bei der zunehmenden wirtschaftlichen Erstarkung der Sowjetunion und der damit verbundenen vermehrten Handelstätigkeit mit dem Auslande eine Reihe von offenkundigen Schäden und Nachteile gezeigt, die die starke Re- formbedürftigkeit dieses ganzen Systems klar genug zeigen und selbst in russischen Kreisen eine deutliche Mißbilligung erfahren haben. Eine loyalere Durchführung des Außenhandelsmonopols zusammen mit einer liberaleren, weniger bureaukratische» Auffassung der Handelsvertretungen hat sich in der Praxis der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen als durchaus notwendig erwiesen und würde fraglos den deutschen Lieferanten sowohl wie auch den russischen Konsumenten zum Vorteil gereichen. Ist auch der gegenwärtige praktische Wert des deutsch-russischen Handelsvertrages fpez. des Wirtschaftsabkommens nicht übermäßig groß und berechtigt es auch in keiner Weise zu übertriebenen Hoffnungen einer baldigst zu erwartenden restlosen Erschließung des östlichen Absatzmarktes für die deutsche Industrie, so kommt seinem Abschluß doch insofern eine große Bedeutung zu, als er der inneren Erstarkung und zunehmenden Aufnahmefähigkeit der Sowjetunion für Waren Rechnung trägt. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen stellt er das Höchstmaß des zu Erreichenden dar und läßt schon in seiner kurzen Befristung von nur zwei Jahren deutlich die Tendenz erkennen, den offensichtlich einer allmählichen Umwandlung unterliegenden, labilen Verhältnissen der russischen Wirtschaftsverfassung in absehbarer Zeit Rechnung tragen zu können. Erinnert man sich überdies der Tat- i>er in den Jahren schwerster Rot mehr als einmal zur Diskussion gestellt wurde, als einen der schwersten Fehler erscheinen lassen muhte. Nirgends in der Welt erscheint die Zusammenarbeit von Wirtschaft und M^izin so offenkundig, so unabweisbar notwendig, wie in den Trvpen. Nirgends ist der Arzt so sehr der Schrittmacher wirtschaftlichen Aufschwungs wie hier. Nirgends hat auch die Medizin derartig weitgehende und grundlegende Erfolge aufzu- weisen, wie in der Heilung und Verhütung der infektiösen Erkrankungen und speziell der Tropen- krankheiten. Die Vekämpfung des Gelbfiebers, das in weiten Teilen der Welt vollkommen ausgerottet ist, die früher ohne Gefahr nicht besucht werden tonnten (Rio de Janeiro) und heute überhaupt seine Schrecken verloren hat, die Heilung des RückfaUfiebers durch das Salvarsan, die Vekämpfung und Eindämmung der Malaria durch Vernichtung der Mücken als ihrer Tieberträger und die Behandlung der Erkrankten, der erfolgreiche Kampf gegen die Schlafkrankheit und die Deeinflussung der ihr nahestehenden Tiererkrankungen, das alles sind nur einzelne Beispiele der Leistungen und der Erfolge dieses Teils der medizinischen Wissenschaft, an denen das Hamburger Institut regsten Anteil gehabt hat. In seinen neuen Räumen, die eben vor dem Kriege fertig- gestellt und unter der Beteiligung der ganzen Welt im Mai 1914 bezogen wurden, sind die Voraussetzungen zu praktischer Tätigkeit und wissenschaftlicher Arbeit geschaffen. Gin Krankenhaus von 70 Betten gewährt den auS Tiebersee eintreffeni>en Patienten Aufnahme und Heilung und schafft damit zugleich die Möglichkeit des innigen Zusammenhangs mit jenen Krankheiten, deren Erforschung die Arbeit des Instituts ist. Es ist getrennt von den eigentlichen Laboratorien in einem gesonderten dreistöckigen Hause untergebracht. Nichts beweist seine Notwendigkeit Rätsel-Ecke. Tilbenrätsel. Aus den nachstehende» 34 Silben: ah al am — dal — den — e( — ex — fa — «fei — ga — hey — hold — is -- ko — leut — li — lo — ma — mar — me — na — »aph — no — ol — Port — ran — sac — se — sel — sten — tha — tin — u — xoS sind 17 zweisilbige Wörter zu bilden. Diese haben folgende Bedeutung: 1. Weiblicher Personenname, 2. Metall, 3. Maß für Tiefmessungen, 4. weiblicher Personenname, 5. Weinort in Frankreich, 6. biblische Person, 7. Bezeichnung für Ausfuhr, 8. Erdöl, 9. kegelförmiger Berg, 10. Singvogel, 11. deutscher Dichter, 12. Insel im Aegäi- schen Meere, 13. Stadt in der Provinz Sachsen, 14. weiblicher Personenname, 15. Schweizer Dichter, 16. Hafenplah in Togo, 17. männlicher Personenname. Hat man die Wörter richtig gebildet, ergeben Anfangs- und Endbuchstaben, beidemal von vorn nach hinten gelesen, ein Sprichwort. Lilbcnkrcnz. 1 2 3 4 5 ! 6 Statt der Ziffern sind bestimmte Silben ein- zusehen, welche, miteinander verbunden, solgendes ergeben: 1—4 Naturerscheinung, 1—2 Verständigung, 2—4 Waffe, 3—2 Insektenlarve, 3—4 Körperteil, 3- 6 Frauenname, 4—1 Art einer Ausführung, 5—4 Himmelsspende, 5 -6 Reihenfolge, 6—5 Märchengestalt. Besuchskartenrätscl. Siegkr. Reis, Ulm Welchen Beruf hat der Herr? Bruchftückausgabe. Aus den 12 Bruchstücken: ai, li, ah, ur, em, du, ol, os, nu, nn, ab, ix sollen durch Hinzufügen je eines Buchstabens am Anfang Wörter gebildet werden. Diese Buchstaben müssen, aneinandergereiht, einen astronomischen Wendepunkt im Jahre ergeben. <9 Es bedeuten: Kreuzworträtsel. Von links nach rechts: 3. Stadt in Frankreich, 5. Tierleiche, 8. geographische Bezeichnung, 9. Stimmlage, 10. Staatshaushalt, 11. Wirtschaftsgerät, 13. Badeort in Hessen- Nassau, 14. Genuhmittel, 16. Nebenfluß des Mains, 18. Glücks- und Gesellschaftsspiel, 19. Doppelsalz, 20. vielbesungene altgriechische Stadt. 21. weiblicher Personenname, 22. die Fähigkeit des Wahrnehmens, 23. indische Provinz. Bo» oben »a ch unten: 1. Tafelsisch, 2. Nebenfluß des Rheins, 3. Stadt in der Provinz Brandenburg, 4. Papageienart,' 6. türkischer Vorname, 7. Stadt in Pommern, 10. französischer Personenname, 12. Baumaterial, 13. Name einer Königin, 15. griechische Göttin, 17. Gewürz, 18. weiblicher Personenname, 24. Volksvertretung, 25. Bezeichnung für altersgraue Zeit. Auslösungen. Silbenrätsel. 1 Delbert, 2. Euripides, 3. Ravenna, 4. Freiligrath. 5. ÄranuS, 6. Este, 7. Glauchau, 8. Erhard, 9. Nazareth, 10. Iokaste, 11. Eiland, 12. Ural, 13. Euterpe, 14. Dernburg, 15. Esther. — Verfüge nie über Geld, eh du es hast. —* Kops-Dorsetz-Aufgabe. Rente, Esau, Glaube, Elisa, Neid, Walter, Epik, Train, Trubel, Etat, Racker, —- Regenwetter. *, El M M cIk! Kreuzworträtsel. Desuchskartenrätsel. Architekt. Das Autounglück. Panne — Panke. j Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redakttonsttsch. Amgekehrt. „Arthur, schäme dich! Du wolltest um zehn Tlhr zu Hause sein und e i n Glas Bier trinken." — „Du irrst, liebe Amalie, ich tootlte um eins zurück sein und zehn Glas Bier trinken." Immer vorsichtig. Aus einer Kleinbahnstation hatte der Zugführer bereits das Zeichen zur Abfahrt gegeben, als ein Bauer im vollsten Laufe schweißtriefend eintrifft, die Tür des Abteils aufreiht und erschöpft mit den Worten Platz nimmt: „So, nun lat den Zug zum Düwel fahren!" Ein Herr im Abteil mißbilligt diese Aeußerung mit den Worten: „Aber, lieber Mann, dann kommen wir ja in die Hölle!" Schlagfertig erwiderte der Bauer: „Dat is mich janz egal. Ick for meine 'Person hebbe ja 'n Retourbillett" Die neue Zeit. „Xlebermorgen wirst du sechzehn Jahre alt, mein Kind," sagt die Mama zu ihrem Töchterchen. „Du bist also jetzt erwachsen. Lasse dir die Haare abschnetden und die Kleider kürzer machen." Der Lokalpatriot. Ein Reisender, der in ein abgelegenes, verschlafenes Dörfchen kommt, sagt zu einem Vorübergehenden : „In Eurem Nest ist wohl nicht viel los?" — „Was?" erwidert dieser empört. „Bei uns nicht viel los? Wir hatten hier erst vor zwei Wochen Mondfinsternis." fache, daß in der Vorkriegszeit fast 50 Proz. des russischen Imports aus Deutschland stammte und zirka 30 Proz. des russischen Exports nach Deutschland ging, so läßt der deutsch-russische Handelsvertrag immerhin die Hosfnung zu, daß bei der kom- menden engeren Gestaltung der deutsch-russische» Wirtschaftsbeziehungen dem deutschen Kaufmann und Gewerbetreibenden der östliche Absatzmarkt wieder mehr und mehr und in größerem Umfange als bisher eröffnet wird, wozu die unerläßlichen rechtliche» und wirtschaftlichen Voraussetzungen durch diesen Vertragsabschluß gegeben sind. Das Gibraltar des Ostens. Von L. Drees. Die Zeitverhältnisse haben es mit sich gebracht, daß augenblicklich das Schwergewicht der Weltpolitik nicht mehr in Europa, sondern im fernen Osten liegt. Da aber Weltpolitik im besser, als die Tatsache, daß es stets voll besetzt ist. Im Hauptgebäude selbst, das wie ein Wahrzeichen Hamburgs auf den Höhen an den Landungsbrücken errichtet, die Elbe überschaut und schon von Ferne die einfahcenden Schiffe grüßt, sind die wissenschaftlichen Räume untergebracht, die in gleicher Weise der Lehre und der Forschung dienen. In ihnen hat zugleich der 2. Teil faktischer Tätigkeit auf hygienischem Gebiet, das Bureau des Hafenarztes, das als solches natürlich nicht direkt dem Institut angehört, seinen Platz gefunden. In diesem Hause finden iährlich ein- bis zweimal die toeUbefannten Kurse statt, in denen in- und ausländische Aerzte in großer Zahl ausgebildet und auf ihren künftigen Beruf in den tropischen und subtropischen Ländern vorbereitet werden. Ein selten reiches Demonstra- tionsmaterial, das in jahrelanger Arbeit von den Institutsmitgliedern gefummelt ist, und ständig vermehrt ivird, gestattet ein lebendiges und vollständiges Bild aller wichtigen Fragen medizinischer und hygienischer Art zu entrollen. Die Einbeziehung der unentbehrlichen Hilfswissenschaften lder Medizin, der Zoologie, der Botanik, der Ehemie schaflt die notwendige breite Basis, von der aus allein eine erfolgreiche Arbeit möglich ist. Eine reichhaltige Bibliothek, die mit 20 000 Bänden die bestausgestattete tropenmedizinische Fachbücherei Deutschlaichs darstellt, gibt die Voraussetzung zu wissenschaftlicher Vertiefung and bahnbrechender Forschung, die untrennbar mit dem Namen des Instituts und seiner Leiter verbunden ist. Es ist hier nicht der Ort einer Würdigung seiner Leistungen auf diesem Gebiete. ES soll nur an die Entdeckung der Syphilis- spirochaete durch S ch a u d i n n, an die Ausarbeitung der modernen Malar iabehandlung durch Rocht, an die Prüfung des als Mittel gegen die afrikanische Schlafkrankheit unentbehrlichen Prä- hohen Maße die Bedeutung der Meere beeinflußt, so ist es natürlich, daß zur Zeit nicht wie ehedem die beiden Meere, die Europas Küsten in der Hauptsache bespülen, der Atlantik und bas Mittelmeer, im Vordergründe stehen, sondern der große unermeßliche Ozean des Osten-, der Pacifil. Wie das Tor von Gibraltar die Zufahrtstrahe zum Mittelmeer ist und darin seine hohe Bedeutung liegt, so ist Im Osten die Straße von Malakka mit Singapore in ganz ähnlicher Weise eine der wichtigsten Seefahrtsstraßen der Welt. Alle Anzeichen aber sprechen dasür, daß diese Straße wohl sicherlich dereinst für das britische Weltreich in Zukunft eine nicht minder bedeutende Rolle In seiner Geschichte spielen wird, wie es seinerzeit die Straße von Gibraltar getan. Die hohe Bedeutung dieses ostasiatischen Seeweges wurde schon frühzeitig von dem Engländer Sir Stamford R a f f e l s erkannt, der bu Jahre 1819 die denkwürdigen Worte schrieb: „Sie fönnen parates Daher 205 durch Mayer und Ze iß, an die Herstellung und Auswertung des VatrenS bei Amoebenruhr durch Mühlens erinnert werden, deren Bedeutung weit über die Fachkreise hinaus in aller Welt bcfaimt geworden ist. Auf diesen Arbeiten voll weltumfassender Bedeutung beruht die Geltung des Instituts, deren es sich heute erfreut. Sie aber hat ihm eine andere Aufgabe geschaffen, die von größter und wertvollster Bedeutung für die Heimat ist. Sie läßt es einen Mittelpunkt der Beziehungen zu allen Ländern der Welt werden, sie bedingt, daß fein Name überall auf der Erde bekannt und mit Ehren genannt ist. Seine Mitglieder sind die ersten gewesen, die nach Deutschlands Zusammenbruch den Weg in die Welt wiedergesunden haben und an ihrem Teil die Beziehungen wieder an* knüpfen halfen, die für den Wiederaufbau von grundlegender Bedeutung find. Die Hungerhilfs- expedilion nach Rußland unter der Leitung von Pros. Mühlens, die Reisen zur Erforschung unb Bekämpfung der Malaria in Europa, die Prof. Rocht im Auftrage der Hhgienekommission des Völkerbundes ausführte, die Malariabekämpfung in Dalmatien durch Prof. MühlenS und vieles andere, was im einzelnen zu nennen viel zu weit führen würde, gehört hierher. Es ist wie ein Symbol deutscher Art, daß der Godenttag des Instttutes nicht öurdj ein Fest gefeiert wird, sondern durch die in jenen Tagen in Hamburg stattfindende Tagung der deutschen Tropenmedizinilchen Gesellschaft begangen wird. Die Arbeit allein wird Deutschland den Platz in der Welt wieder verschaffen, der ihm gebührt. Hier dient in vorgeschobener Stellung ba£ Hamburger Institut, dessen Bedeutung keiner verkeimen wird, dem der Blick nicht durch Me engen Verhältnisse im Deutschland der Nachkriegszeit getrübt wurde. DITHOMP5QNS ist ausgiebig im Gebrauch spart Zeit und Mühe Wer ferne Hühner nicht monatelang nur für den Dünger bal- ten, den böchstenEtev ertrag sowie viele Wintereier erzielen will, der füllen daS allgemein gelobten jahrzehntelang bewährte Ge- flüflel bet futter und Körnerkraftfutter Nagut. Zu haben bei: Ans» Wallenfels, Dro- gerie. Marktplatz; L R. Döll. Neu« stadt 46; Heinrich Hab«, Samenhandlung, Gießen. **D Dr.Thompson'j Seifenpulver führten gibt sie ojlen Volksschichten die Möglichkeit, Perlen der deutschen Heimat kennen zu lernen. Das ist gedeihliche Arbeit zur Vertiefung des Heimatgedankens, ein vortreffliches Bemühen, denn aus ihm entspringt bzw. dadurch festigt sich die Liebe zu unserein herrlichen deut- fchen Vaterlande immer mehr. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 18. Oktober. 8,30 bis 9,30 111)r Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt. 12 bis 1 Uhr: Mittagsständchen, veranstaltet vom Haus- orchester. 4 bis 5 Uhr: Die Stunde der Jugend. 5 bis 6 Ilhr: Die Wachtparade des Frankfurter Linienbataillons in Wort und Musik. 6 bis Z Uhr: „Die Musik der Inder (Ostindien)", Demonstrationsvortrag von Dr. Wilhelm Heinitz- Hamburg. 7 bis 8 Uhr: Stunde des Ahein- Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Ponce de Leon", ein romantisches Spiel von Clemens Brentano, vorgetragen von Mitgliedern des Frankfurter Künstlertheaters siir Rhein und Main. 8.30 bis 9,30 Uhr: Konzert des Harmonie- orchestcrs des Frankfurter Orch-sterpereins. 10 bis 11 Uhr Eulenspiegeleien. Montag, 19. Oktober. 4,30 bis 6 Uhr Vachmiltagskonzert des HauS- orchesters: Konzertwalzer. 6 bis 6.30 Uhr Die Lesestunde. 6,30 bis 7 Ahr Die Dücherstunde. 7 bis 7,30 Ahr Vortrag „Vöhrensendcr ll". 7.30 b. 8 Ahr Funkhochschule: ..Der Sicherheitspakt vom Standpunkt des Geschichtsforschers", Vortrag von Prof. Dr. Künhel. 8 bis 8,30 Ahr Englischer Anterricht. 8,30 bis 9,30 Ahr: DaS Volkslied, ein Zyklus (Die Schweiz). 10 bis 11 Ahr Acbertragung von Kassel, Opernabend. K^chliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gießen. Sonntag, 18. Oktober. 19. n. Trinitatis. Stadtkirche. 9*/a: Psi. Mahr. 11: Kinderkirche für die Matthausgemeinde. Psi. Mahr. 6: Pfarraff. Hertel. - IohanneSkirche. 97,: Psi. Bechtols- Heimer. Feierl. Eröffnung des Konstrmandenunter- richts der Lukasgemeinde. 11: Kinderkirche für die Lukasgem. Psi. Dechtolsheimer. 6: Psi. Ausfeld. Feierliche Eröffnung des KonfirmandenunterrichtS der Johannesgemeinde. — Kirchberg. 10: Eröffnung deS Konfirmandenunterrichts. 11: Heiliges Abendmahl für die Alten von Staufenberg. — Lollar. 17.,: Abendmahl für die Alten. - Wieseck. Cvang. Gemeindefaal, Ludwigstr. 11. Aur Abendgottesdienst : 77,; im Anschluß Frauenabend. — Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 1. Garbenteich: 9: Deichte, anschl. Gottesdienst und heilig. Abendmahl der Verheirateten. (Kollekte.) Katholische Gemeinden. Dietzen. Samstag, den 17. Ottbr. 47, u. 7 Deichte. Sonntag, den 18. Ottbr. 20. Sonntag nach Pfingst. 67, Deichte, 7 Messe, Kom. der Jungfrauen, 8 Kom., 9 Hochamt m.Pred., 11 Messe m. Pred., 47, Jung. siauen-Kongregation, 57, Christenlehre und Andacht mit Segen. Dienstag und Freitag abds. 8 Rosen- kranzandacht. — Grünberg. 973 Messe mit Pred. - Hungen. 8 Messe mit Predigt. — Laubach. 10 Messe mit Predigt. — Lich. 10 Hochamt mit Pred. SonutaaSdienkt d.Aerrte u. Apotheken am 18.10.25 Dr. Kipper. Dr. Menerdoff. Engelapocheke. Zahnarzt: Dr. Adam, Liebtgstiahe ' ** -T ‘ ■ 1 Herbstfahrt nach Baden-Baden en-Daden zu eine pa- Dergluft, das nicht Gesunden Pianohaus August Förster Fernruf Nr. 1367 GIESSEN Bahnhofstr.65B Gegr. 1876 - Filiale: Lich (Oberhessen) die bahnbrechendste aut dem Gebiete des Klavierbaues in den letzten 50 Jahren ist Alleinvertretung: tLgsson Verzug na, _ fahren. Das freudige Gefühl, in dem vornehmen Weltbad lustwandeln zu können, wenn auch nur wenige Stunden, seine berühmten Heilbäder und -Anlagen und seine prächtigen Gesellschafts- und Erholungsstätten kennen zu lernen, köstliche Schwarzwaldluft zu atmen, den Blick hinaus zu lenken in eine herrliche weite Gotteswelt, all und im Pacisit spä'er ausülen kann. Ein weiteres sehr wesentliches Moment, das England geradezu zu diesem Schritte zwingt, dürfte übrigens die Rücksichtnahme auf die beiden sich durch Japans Gxpansionsbestrebungcn bedroht fühlenden Dominions sein. Cs ist kein Geheimnis mehr, dass das frühere Abhängigkeitsverhältnis der Dominions im Laufe der letzten Zeit erheblich gelockert und unter ten obwaltenden Verhältnissen ist es für England geradezu eine Aotwendigkeit, hier einen Schritt zu tun, der sein Prestige als Mutter and zweien seiner Dominions gegenüber ganz erheblich festigt. Würde sich England in diesem Punkte schwankend zeigen, so würde die natürliche Folge das enge Anlehnungsbedürfnis der beiden Staaten A u st r a l i e n und Reu - fee land an Amerika sein. Das aber zu verhüten gebietet der Selbsterhaltungstrieb des stolzen Imperiums. geistigen und künstlerischen Genusses, radiesisch schöne Umgebung, köstliche kurzum ein gesegnetes Stückchen Erde, nur den Kranken, sondern auch den Starke Dämmerung breitete sich noch über G i e tz e n, als am vorigen Sonntag früh kurz nach 6 Ahr etwa 70 hiesige Reiselustige dem Bahnhof zustrebten, um mit dem von der Reichs- bahndirektion Frankfurt a. M. gestellten S o n n - Jedenfalls unterliegt es keinem Zweifel, daß England durch den Ausbau des fraglichen Flottenstützpunktes, der den Unterbau für die Verlegung seines maritimen Schwergewichts von Westen nach dem Osten bildet, für die Durchführung einer Weltpolitik einen ganz erheblichen Machtz^wachs erfährt. Singapore ist nicht nur die Handelsstraße, die den gesamten Verkehr von West nach Ost und umgekehrt vermittelt, nein Singapore als Waffen Platz erster Ordnung ist auch das Tor, das jederzeit gegen Ucbergriffc die von Osten, von See her, Indien bedrohen könnten, von England ad- ger i e g e l t werden kann. Des weiteren beherrscht die zentrale Lage unmittelbar Siam, Französisch Jndochina, den holländischen Kolonialbesitz und die Philippinen. Hieraus erhellt wohl ohne weiteres die Tatsache, welch verstärkten maßgeblichen Einfluß auf diese Weise England auf die Kolonialmächte im fernen Osten Erquickung ist. Wir lösten uns vor allem von dem Strom des Massenbesuchs und statteten zunächst dem im wundervollsten Herbstkleid prangenden Walde und dem Merkur einen Besuch ab. Die Straßenbahn füfjrt aus dem Weichbild der Stadt hinaus, in zahlreichen Windungen ständig höher strebend und dabei den Fahrgast mit immer neuen, sehr reizvollen Blicken auf die Stadt erfreuend, dem Merkurwald zu, in dem sich die Fuhstation der Drahtseilbahn befindet. Auf dieser grandiosen Bergbahn, die als Spitzenleistung der deutschen Technik bezeichnet wird, gehts in 12 Minuten Fahrtdauer hinauf zum Gipfel des rund 700 Meter hohen Merkur, zuerst mit einer Steigung von 28, dann von 40 und auf der Endstrecke sogar mit einer Höchststeigung der Bahn von 54 Prozent! Dabei sind, wie man vom Bahnpersonal hören konnte, die absolutesten Sicherheiten für einen völlig gefahrlosen Betrieb der Bahn gegeben. Auf dem Merkur genießt man einen überwältigend schonen Rundblick. Das herrliche Oos- und Murgtal mit Baden-Baden und vielen lieblichen Dörfchen, inmitten herrlichen Hochwaldes, liegen weit drunten zu Füßen des Beschauers, der Blick kcurn weit über die Schwarzwaldhvhen wandern, nach Westen in die Rheinebene und weiterhin sogar in teures verlorenes Land, nach Elsah-Lothringen hinein bis zu den Kämmen der Vogesen. Die erhabenen Eindrücke einer solchen Am schau sind geradezu ein Erlebnis, das sich nicht in Worte fassen läßt. In der Stadt selbst stehen natürlich die Bäder im Vordergrund des Interesses. Anter sachkundiger Führung wurden die vorsprechenden Sonderzügler gruppenweise durch die Räume des Friedrichsbades und des Augustabades geführt, überall sah man eine sehr gediegene, vornehme und außerordentlich vielseitige Einrichtung der Heilstätten. Die Thermalquellen liegen unmittelbar hinter den Badhäusern in den Dergfelsen, auf dessen Kuppe das Reu« Schloß des früheren Großherzogs erbaut ist. Don besonderem Interesse waren die erst vor einigen Jahren freigelegten Badeanlagen der Römer, die sich den Heilwert dieser Quellen ebenfalls gut zunutze zu machen verstanden. And nun die Erholungsstätten. Gin geschmackvoll auSgestattetes Kurhaus mit ungemein prächtigen Gesellschaftssälen, in denen vieles noch an die glanzvolle Daden-Dadener Spielbankzeit erinnert, aufs vornehmste abgestimmte Theatersäle (einen großen und einen kleinen), außerdem der Konzertsaal, schließlich gemütliche Restaurationsräume und endlich gartenbaukünstlerisch hervorragende Kurhausanlagen, das alles ist so intim wirkend, daß man sich hier wohlfichlen muh. And dann — um nur noch Einiges aus dem: wertvollen Erinnerungsschah eines leider nur allzu schnell verflogenen Rachmittags zu erwähnen — die Trinkhalle mit ihrer idyllischen Umgebung, die Lichtentaler Allee, die herrlichen Gönner-Anlagen mit dem eindrucksvollen Jose- phinenbrunnen (eine zweite große Wasserkunst- an'tage wird zur Zeit von der Friedrichshöhe aus hinab in die Talsenke der Stadt gebaut und verspricht vom nächsten Frühjahr ab ein neuer Glanzpunkt des Bades zu werden), die sorgfältig gepflegten gärtnerischen Anlagen, die breiten und sauberen Straßen und noch vielerlei mehr bereiteten den Besuchern hohe Freude und gaben ihnen eine wertvolle Bereicherung ihres Lebens. In entgegenkommendster Weise hatte die Stadtverwaltung den Sonderzüglern für die Merkurbahn Fahrpreisermäßigung auf die Hälfte gewährt, zu allen übrigen Einrichtungen und Darbietungen hatten sie unentgeltlichen Eintritt. Auf der anderen Seite, das kann nicht verschwiegen werden, waren aber die Preise in den Gaststätten des Weltbades ganz weltbadmähig, und deshalb heißt es für Baden-Baden-Besucher'. „Tu Geld in deinen Deutel", und das noch einmal und immer noch einmal. Aber trotzdem: Baden-Baden hat sich in der großen Sonderzüglerschar zweifellos viele Freunde exworben. Abends 7.15 Ahr wurde die Rückfahrt airgetreten; sie ging auf demselben Weg vor sich wie die Hinreise. 12.15 Ahr nachts kamen die Gießener hier wieder an, zwar müd, aber doch um ein frohes, unvergeßliches Erlebnis reicher. Zum Schluß der Reichsbahnverwaltung ein Wort der Anerkennung: Durch diese sehr billigen, mein Wort daraus nehmen, daß dieser Platz bei weitem die wichtigste Station im Osten ist. Vom marine- und handelspolitischen Standpunkt aus betrachtet, ist dieser Platz von viel größerem Wert als ganze Kontinente." 'Stamford Raffels hat mit seinem Scharfsinn und feinen Bemühungen, diesen Seeweg für die Herrschaft Englands, entgegen den damals in London herrschenden Anschauungen, zu sichern, seinem Daterlande einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Inzwischen sind über hundert Jahre verflossen, die in alle und jeder Beziehung dem Werturteil Recht gegeben. Die heutige Zeit aber wird in ganz besonderem Maße die hohe Bedeutung Singapores in England begründen, anläßlich etwaiger Auseinandersetzung um die Herrschaft im Pacisik zur Geltung bringen. In klarer Erkenntnis der Sachlage ist England nunmehr entschlossen, mit allen Kräften den Ausbau Singapores zu einem erstklassigen Flottenstützpunkt ins Werk zu setzen. Dorn unparteiischen Standpunkt aus betrachtet, ist dieser Entschluß Englands nichts anderes als eine unbedingte Aotwendigkeit zur Aufrechterhaltung seines Imperiums für bereits, in greifbarer Rähe liegende zukünftige Zeiten.' Lag ehedem das Schwergewicht der Weltpolitik im Mittelmeer, verschob es sich spater nach Gründung des deutschen Kaiserreichs und Anwachsen desselben zur See- und Weltmacht nach dem Atlantik, so haben mit Ausgang des Weltkrieges die Politischen Fragen jetzt den Pacifik in die vorderste Reihe gedrängt. Das Problem, das hier mit der Zeit seiner Lösung entgegenreift, kann kurz in dem einen Wort „Iapa n“ zusammengefaßt werden. Die Expansionsbedürfnissi dieses Landes drängen mit unfehlbarer Sicherheit über kurz oder lang zu Konflikten mit den Ländern, die sich durch diese Bedürfnisse in ihrer wirtschaftlichen Weiterentwickelung und Erhaltung ihrer Rasse bedroht siihlen, das sind Amerika, Aeuseeland und Australien. Aus dieser Konstellation ergiebt sich ganz zwangsläufig das Zusammengehen der beiden großen angelsächsischen Staatsgebilde. Wie immer, wenn etwas Drohendes in der Luft schwebt, ist auch wegen dieses Problems bereits wiederholt zwischen den Interessenten verhandelt worden, um zunächst einem friedlichen Ausgleich die Wege zu ebnen. Als wichtigster Aiederschlag dieser Verhandlungen dürfte der bekannte Fünf-Mächte-Dertrag vom 6.Februar 1922 anzusehen sein, der sich mit den Rüstungseinschränkungen zur See be- faßt, gleichzeitig aber auch, was jedoch meist weniger beachtet wird, den status quo betreffend der Befestigungsanlagen, iimerhalb eines fest- umriffenen Gebietes, zur Zeit der Ratifizierung des Vertrages, vorsiehi. Anter diese einschränkende Bestimmung fällt ebenfalls das für England so äußerst wichtige Hongkong, während Siga- pore bereits außerhalb des Gürtels liegt und somit ganz erheblich an Bedeutung gewinnt. Abgesehen davon, daß es hier für England gilt, ganz außerordentlich wertvolle wirtschaftliche Interessen zu schützen, die mit diesem wichtigen Seehandelswege untrennbar verbunden sind, ist Singapore als ausgebauter Flottenstützpunkt auch von eminent politischer und seestrategischer Bedeutung. Singapore ist Flankenstellung'gegen jede Rord-Süd-Dewegung der japanischen Flotte und deckt somit in ausgiebigstem Maße etwaige japanische Unternehmungen gegen Australien und Reuseeland. Gleichzeitig aber würde es einen Zugriff Japans auf die Riederländischen Besitzungen unmöglich machen, welch letztere für Japan im Falle eines Krieges mit Amercka ihrer Oelquellen halber von größter Wichtigkeit sind. Wenn sich nun in Japan Stimmen gegen Durchführung der von England beabsichtigten De- lestigungsmahnahmen erheben, die darauf Hinweisen. daß eine derartige Handlungsweise Eng- - lands dem Sinne des Vertrages von Washington t zuwiderlaufe, so dürfte diese Auswirkung für den Realpolitiker nur den Beweis für die' Richtig- keck der hier betätigten englischen Politik liefern. An sich liegen ganz gewiß für England die Beweggründe für den Ausbau Singapores nicht auf agressivem Gebiete Japan gegenüber, sondern sind vielmehr als vorausscha'uende Siche- rungsmahnahmen anzusprechen. Andererseits ist natürlich auch das japanische Anbehagen wohl zu verstehen, denn die Chancen Japans werden durch diese Maßnahmen Englands, das mit Sicherheit bei japanisch-amerikanischen Verwickelungen auf des letzteren Seite stehen wird, ganz ungeheuer beeinträchtigt. Trotz alledem wird Japan die Tatsache hinnehmen müssen, denn England bleibt durchaus im Rahmen der ihm durch die Verträge auferlegten Verpflichtungen und bietet somit Japan keinerlei rechtliche Handhabe für irgendwelches Eingreifen, sei es auch nur die Erhebung eines Protestes. Inzwischen werden die Dinge ihren Lauf nehmen, der wohl zunächst durch das geschlossene Abkommen zwischen den vier Staaten Amerika, England, Frankreich und Japan für einen längeren Zeitraum, äußerlich wenigstens, in friedlichen Bahnen verenden wird. Haben sich die genannten Mächte doch verpflichtet für die Dauer von 10 Jahren, bei Streitfällen untereinander die freundschaftliche Vermittelung der anderen nicht beteiligten Mächte anjurufen. Es liegt durchaus auch im Interesse Japans, das für den Ausbau seiner Wehrmacht zu Lande und zu Wasser manches durchzuführen hat, daß diese erst im Jahre 1932 ablaufende gegenseitige Schpnfrist innegehatten wird: und für die übrigen Machte liegen die Sachen nicht viel anders. Vorerst aber dürfte Japan aus diesen Abmachungen seinen Ruhen gezogen haben, anläßlich der ganz erheblichen finanziellen wie marüimen Schwächung durch die große Grbebenkatastrophe. das ließ die Beschwernisse des frühen Aufbruchs an einem kühlen, nebligen Sonntagmorgen schnell verschwinden. Die Hoffnung auf schönes, sonniges Herbstwetter erhöhte die reisefrohe Stimmung. Zuvorkommende Eisenbahnbeamte bemühten sich um die gute .Unterbringung der Sonderzüg- ler. Jeder hatte seinen Sitzplatz in den vortrefflich geheizten Wagen. Ratürlich wurde in Anbetracht des ermäßigten Fahrpreises ^standesgemäß" gefahren': 2mal2erH. Güte. Aber es waren sämtlich Wagen der neuen Bauart, in denen es sich recht bequem sitzt, und die Hauptsache: der Zug fuhr mit Schnellzugsgeschwindigkeit — warum sollte man sich da nicht auch in der 4. Güte wohlfühlen? Pünktlich um 6,31 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Gießen addio! Dicke Rebelschwaden lagen auf der Landschaft, schwer schlug der Rauch der Lokomotive nieder: Aussicht wo bliebst du? In knapp halbstündiger Fahrt war Butzbach erreicht, verhältnismäßig mehr Ausflugsbegeisterte als in Gießen bestiegen den Zug. Knapp zwei Minuten Aufenthalt, weiter ging's. Bad-Rauheim brachte sehr starken Zudrang, aber alle Fahrtteilnehmer fanden gute Unterkunst, da die Wagen in der Reihen- olge der Stationen besetzt wurden. In Friedberg noch einmal Halt, der letzte Rest aus Oberhessen stieg ein, und nun gings in rascher Fahrt nach der Mainstadt Frankfurt. Die Rebelschwaden begannen zu weichen, Frau Sonne lugte freundlich durch das Wolken- und Rebel- meer, die Hoffnung der AMlügler auf einen guten Tag stiegen immer froher empor. Kurz vor 8 Ubr in Frankfurt: hier wurde der große Zugteil für hie Frankfurter Mitfahrenden an- gehängt, und wenige Minuten nach 8 Uhr gings mit etwa 1000 Ausflugreisenden los. Durch den in herbstlicher Farbenpracht grüßenden Frankfurter Stadtwald, durch die sonnenbestrahlten Felder ging's gen Darmstadt, wo gegen 81/3 Albr die Darmstädter Teilnehmer die letzten freien Plätze im Zuge belegten. Verheißungsvoll lachte die Sonne vom blauen Himmel bei der Abfahrt aus der hessischen Hauptstadt, mit froher Spannung sah man einer genußreichen Fahrt an der Bergstraße entgegen — aber „mit des Geschickes Mächten ..." Etliche Stationen hinter Darmstadt verschwand die Sonne, die Aussicht wurde trüber, und gar schnell war der Zug wieder von einem dicken Rebelmeer umfangen, das die Schönheiten der Bergstraße verhüllte. In Bensheim gab's eine programmwidrige Fahrtunterbrechung, da ein Wagen sich heiß- gelaufen hatte und deshalb aus dem Zug entfernt werden muhte. In militärischer Schnelligkeit ging die „ Umgruppierung" vor sich und wenige Minuten später ging die Fahri durch das Rebelmeer weiter, lieber Fri-e d r ichs s eld ging's nach Schwetzingen, dessen berühmten, im Versailler Stil angelegten Schlosspark man leider keinen Besuch abftatten konnte. Hinter dieser Stadt nahm erfreulicherweise auch das Rebelmeer fein Ende, strahlend lachte die Sonne wieder hernieder, wolkenlos blaute der Himmel. Bald tauchte Karlsruhe vor uns auf, in dessen Straßen sonntäglich gekleidete Menschen ihren frohen Vormittagsspaziergang im Herbstsonnenschein machten, lieber Rastatt und Baden- Oos ging's nun dem Reiseziel Baden-Baden zu, wo die Ankunft gegen i/212 Uhr mittags erfolgte. Herrliches Wetter brachten die Reisenden mit und behielten es auch für den Rest des Tages. Baden-Baden. Ein Zauber für die Werktags-Menschen. Diese treibt nicht das Verlangen der „großen Welt", die überall „dabei fein muh"; sie wollen nach der Woche Last und Mühen am Sonntag lediglich Erbauliches, Schönes genießen, aus dem sie Kraft schöpfen können zu neuem Schaffern Und dieses Schöne, Stärkende bietet Baden-Baden in seltener Vollkommenheit. Ein prächtiges Städtebild, sieund- liche Bewohner, in gemütlichem Dialett den Fremdling orientierend — z. B. de Driefkaschte isch am Hotel Hirsch — vortreffliche Stätten I Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Erfindung des homogenen Resonanzbodens der Grotrian Steinweg-Instrumente Arbej K W **«. öt, Nit< 3.5 Joinaf 39. Hanns • -Aber/, . -Ml W S-.? Jet Ingold- Kieses T Minau. J Kenntnis, bei vorgestern Daß d'd fasset des A erregt, er Murdenma nur das M festgeho Aue über de bäumen und lag. Ein gri Heiner Zelle, giebels und Lis den Lust schloß der b Eine Simmel lographre w Bekai In unser f am 29. Leptc die Sima Inhabers in Leihgeft« 2, die Firm Inhaber V Strauch in 6 Ebeftau, Li ist Prokura L, beider Sir MMj' Sie §irma LM-Hß Trvgerie. Sichen, d __M Beta Sie M ötabtoerorbne der Sreislags- ■ Mitglieder lieg lag, den 22, tobet 1925, a bis 1 Hi un 6 Hr, Somit mittags, auf l - Zimmer H Offenlegung t ötadt Gießen Md herrnwo also am 15.1 ist, die Dahl düngen dage 6timmbei Aeichsangeh Mhcrdem sei in der Geme Gießen, i 5er ___3. Beka beheffi & toitb UM, daf NiStue Men, w werden Er ; ®ie L /Mich un ■ Seim! Kerbefto 1 "äjenige, j ; auzeic ’ Artung ’ Weisung, ! behändigen Mta L -öernettf IM« im Wbefiatt r.,s Neu, l Ger uda Fahrrad.! Sintere' ** miß, ÄA^K rraglll. tz-W Mig Habt A’flatffltgp "M?* KsriKi L-Atz gViEjäS : und jjta ^^arm°nic- fltieien. ^^«inä. jq U9. 011,1,,. e Hr ®it ö®it WÄ fe'"^ I <8Ä!' !?SÄ «fc rNachrichtrn, W Tewemden. skrche. 9'/- M'AI StzKchLLL 8«"' ^Eche füt H Alsheimer. 6;% S Jej Ä0S?fi?nuntmi<5ti tenÄii: w M von StMfenberg. - hl sür dle Men. - Dikfeck. i“,*'1' Dur2 Dnichluh Frauenabmd. - mch. ‘3)afien6om.6!einbtt' chte,anschl. Gottesdienst 2 verheirateten. (Meße.) Gemeinden. )enN.VtÜ>r.4'^u.72eichtk. r. 20. Sonntag nach ' tom. der Jungirauen, 8 Rom,, II Messe m.Pred., 4'/, Jung, 5^ Christenlehre und Andit! und Freitag abds. S Rvstn. inberg. y/g Messe mit Pird. mit Predigt. - Saubach. 10 Sich. 10 Hochamt mit Pred. czte tuAvothrtrn amlKl(k25 leyerbost. Eugelavoihetc. r. Adam, AebiMahe I MU Züttel ß die Erfindung des Resonanzbodens der inweg-lnstrumente chendsteauidan^ Klavierbaues m ahrtn ist «c ^Vertretung- : August Forster JL ßahnhofstr-636 ffu> (ObateSe” Der gefesselte Strom. Roman von Hermann Stegemann. 39. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Hanns 3ngolb ging auf in seinem Werk. Aber zum erstenmal hatte er sich nicht um seines Wertes willen, sondern nur deshalb hineingestürzt, weil er anderen Gedanken entfliehen wollte. Und die fanden doch eine Lücke, in die sie eindringcn tonnten. Die Post brachte Stöße von Briefen und Drucksachen. Darunter eine illustrierte Zeitschrift, in der acht Ansichten von Rheinau ur.tcrm Laussen tvicdergegeben waren. Hanns überwog den Begleitartikel. Der Borwurs der Ratur- schändung schlug ihm aus den streitbaren, mit mächtigem Schwung geschriebenen Zeilen entgegen. Und besonders ein Bild drängte sich immer wieder zwischen ihn und seine Arbeit: Die Ilnsicht des Rheins von der Solmwage, dos malerisch an den Felsen hängende Städtchen und darunter der schäumende, aus der Enge in die lachende Aue sprudelnde Fluh. Die Brücke schwebte scharf über der Tiefe, und im Geklipp war ein Weiher Punkt sichtbar — das Haus der Ingold. Dieses Haus muhte fallen. Die rote Linie des Planes schnitt es ab. Das einzige in Rheinau. Davon hatte der Bater noch keine Kenntnis, denn der ausgearbeitete Entwurf war vorgestern zum erstenmal aufgelegt worden. Dah dieses alte Haus fiel, hatte den Verfasser des Artikels in der ..Heimatfreude" nicht erregt, et sprach gegen die Zerstörung des Naturdenkmales und erwähnte von Gebäuden nur das Kloster St. Joseph, das als letztes Bild festgehalten war, wie es in der grünen Aue über dem umbuschten Rhein in den Obst- bäumen und einem verwilderten Park versteckt laq. Ein großes Rundbogenfenster, eine Reche klerner Zellenöffnungen, ein Stück des Treppengiebels und das Zwiebeltürmchen hoben sich aus den duftigen Laubmassen. Wie hingehaucht schloh der blauschwarze Wald den Hintergrund. Eine Himmelsecke leuchtete hell herein. Die Photographie war meisterhaft. 3m wilden Wurf schleuderte Hanns 3n- gold das Heft von sich. Aber die Gedanken waren unruhig geworden, die Berechnungen kamen inS Schwanken, die Linien des Planes liefen durcheinander, er dachte an den alten Mann, der in dem Haus, das schon zum Abbruch be^ stimmt war, trank lag, und an das Mädchen in dem abgeschiedenen Garten, ,too er als 3unge gespielt, als 3üngling geschwärmt und als Mann sich selbst und sein Glück gefunden hatte. Don zwei Seiten sprangen ihn die Gc- wissenshunde mit gierigen Dissen an. Doch ob sie ihm die Brust zerfleischten, ins Leben drangen sie ihm nicht. Hoch über allen Roten und Zweifeln stand der Gedanke an sein Werk. Das lieh er erst mit seinem Leben. Er schrieb an Ruth. Morgen wollte er sie besuchen, morgen, heute nicht. Der Weg zu seinem Baker war ihm verboten, und diesmal wagte er dem Derbot nicht zu trotzen, aber er konnte heute auch Ruth nicht sehen, denn dazu war sein Inneres zu unruhig, zu aufgewühlt, fühlte er sich zu sehr aus dem Gleis geworfen. Fcssellos brauste in seinem 3nnern der Strom der Gefühle. Während er sich diese große Schlacht lieferte, ging Ruth Engelhardt wie im Traum, wie eine Schlafwandlerin in St. 3oseph um. Cs war ihr, als atmete sie noch den Duft des Wasserstaubes und den scharfen Fischgeruck. die im Hause des alten 3ngold nisteten. Sie hatte sein Bewußtsein wiederkehren sehen, seine Hand gehalten, an der die Gichtknoten sahen, und ihm ins Ohr gesagt, dah sie den Hanns mehr liebe als ihr Leben, dah die neue Zeit gekommen sei und die alte auch hier im verlorensten Winkel des alten deutschen Landes zu Ende gehe. Zu Ende die Fischweide und die Flößerei, der Flachsfaden am Spinnrad und das dumpf träumende Dasein mit seiner schläfernden Melodie eintönig rauschenden Wassers. Und der alte Mann hatte die harten Finger in ihren weichen Mädchenhänden ruhen lassen und seine Augen starr auf die Urkunden geheftet, die unter Glas und Rahmen an der Stubenwand hingen: sein Fischerpatent und fein Diplom als badischer Pionier, beide aus dem 3ahre 1361. Als sie chn verlassen hatte, war keine Gefahr mehr für fein Leben, feine kernige Natur hatte sich behauptet. Da sandte sie Hermann zu seinem Bruder, um ihm einen Besuch zu widerraten. Sie wußte, daß Hanns 3ngold da war. Die Welt drehte sich jetzt ja um ihn und sein Werk. Selbst ihr Baker war widerwillig in seinen Bann geraten. .,Er ist ein Mordskerl," sagte Engelhardt, ..das muh ihm der Reid, muß ihm auch der ehrliche Gegner lassen. Aber er ist noch nicht über den Berg. Soll der Rhein hier weiße Kohlen erzeugen — gut, aber dann darf es fein Kapitalistenunternehmen werden, das der allgemeinen Wohlfahrt nicht dient. Dann wollen wir ihnen ein Pflichtenheft schreiben, an das sie sich halten müssen, und wenn sie unsere Bedingungen zu teuer finden und den Rhein laufen lassen wollen, wie er will — — um so besser!" „Und was wird dann aus Hanns 3ngold, Papa?" hatte sie gefragt. ..Der — der fragt auch nicht, was aus uns. aus seinem Bater und aus dir wird, Mädel!" Wild war es ihm herausgefahren. Er hatte seinen Zorn, seine Hitze wiedergefunden und die Tür hinter sich ins Schloß geworfen. Am Abend brachte der Bote 3ngolds Brief aus der ..Alten Post". Ruth hielt ihn in kraftlosen Händen. Hanns kam nicht. Hanns war nicht gekommen. Rur ein Dries. Er dankte für die Pflege, die sie dem alten Mann gewidmet hatte, für alles dankte er. versprach morgen zu kommen, entschuldigte sich, dankte, dankte — und sie, sie wollte, begehrte ja gar keinen Dank, nur ein bißchen Liebe. Rein, nicht nur ein bißchen, feine ganze Liebe. Er durfte, er sollte sich seinem Werf widmen, aber ihr gehörte er trotzdem ganz. Eine Umwälzung riß neue Gefühle vom Grund ihrer Seele in die Höhe. Ihre Liebe reckte sich, wurde stolz und gebieterisch. Sie fühlte sich wieder als Persönlichkeit, nicht mehr in stachliger Abwehr und herber Scheu, sondern als Weib, das seinen Anteil am Geschick verlangt und bereit ist. es zu tragen, aber nicht willens, der eingeborenen Würde etwas zu vergeben. Als Hanns Ingold am anderen Tag nach St. Joseph hinausging, von einem milden Frühlingsregen begleitet, der die Landschaft silber- grau tönte, erwartete ihn Ruth mit gefestigter Seele Sie wußten sich wenig zu sagen. 3n alltäglichen Gleisen lief ihr Gespräch. Hanns bemühte sich, nicht von seinem Werk zu sprechen, das chn doch bis in den letzten Rerv erfüllte, und Ruch wollte ihn nicht an den krakiken Mann erinnern, von dessen Bett sie kam. Erst beim Abschied gerieten sie in Glut, hielt er sie in plötzlich ausbrechender Angst Angst vor seinem eigenen Selbst, umfaßt uno raunte ihr ins Ohr: „Wenn ich dich nur habe, wenn ich nur weiß, daß ich dich noch habe!" „Du hast mich ja noch gar nicht", entgegnete sie, und eip rätselhaftes Lächeln zuckte tu starren Linien um ihren Mund. „Dald hol' ich dich. Engclsüß. Wenn mein Werk gesichert ist und der erste Spatenstich getan wird, hol' ich dich heim." Er blickte von ihr weg zum Rhein hinüber. Weihe Regensonne erhellte geisterhaft die blaffe Ferne „Du willst also eigentlich mit deinem Werk Hochzeit halten", sagte sie, und das Lächeln grub sich tiefer in ihr Gesicht, der goldene Funke in ihren Augen sank langsam in die Tiefe. „Wie meinst du das?" fragte er schroff. ' „Frag' nicht", wehrte sie leise. Da verstummte er und ging. Wie auf gemeinsame Abrede vermieden sie fortan, von der Zukunft zu sprechen, und als Hanns Ingold nach sechs Wochen nach Karlsruhe reifte, wo die entscheidenden Sitzungen stattfanden, lag über ihrer Liebe ein Glanz später Herbstreife, die feine Zukunft mehr kennt und vom letzten Sonnenschein zehrt. Hanns Ingold hatte seinen Vater nicht gesehen. Rur das Haus, und einmal, als sie in einem verankerten Ponton unter dem ersten Drückenpfeiler Messungen vornahmen. den Schattenriß eines alten Mannes, der schwerfällig und von einer Frau gestützt in dem kleinen, ewig feuchten Vorgarten auf und ab ging. ~ ♦’-f’Mn« iolat.) Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde am 29. September 1925 eingetragen: 1. die Firma Karl Schröder, Leihgestern. Inhaber ist der Kaufmann Karl Schröder in Leihgestern: 2. die Firma Wilhelm Strauch, Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Wilhelm Strauch in Gießen Der Wilhelm Strauch Ebeftau, Lina geb. Schäfer in Gießen ist Prokura erteilt; 3. bei der Firma Reustadt-Drogerie Ioh. Wilh. Kurz Rachf. Hans Roll in Gießen: Die Firma ist geändert in Hans Roll, Ludwigsplah-Drogerie und Reustadt- Drogerie. Gießen, den 12. Oktober 1925. 9691c ________Hessische' Amtsgericht_________ "Bekanntmachung. Die Wahlkarkei für die Wahl der Stadtverordneten der Stadt Gießen sowie der Kreistags- und der Provinzialtagsmitglieder liegt nochmals von Donnerstag. den 22. bis Montag, den 26. Oktober 1925, werktags vormittags von 8 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, Sonntags von 9 bis 1 Uhr vor- mittags, auf dem Stadthaus Dergstr. 20 - Zimmer Rr. 14 - offen. Während der Offenlegung kann feuer Angehörige der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald, der zur Zeit der Wahl, also am 15. Rovember 1925, 20 Jahre alt ist, die Wahlkartei einsehen und Einwendungen dagegen vorbringen. Stimmberechtigt ist, wer am Wahltage Reichsangehöriger, 20 Jahre alt ist und außerdem sechs Monate ununterbrochen in der Gemeinde wohnt. Gießen, den 17. Oktober 1925. Der Oberbürgermeister. 4 3. V.: vr. Seib. 96858 Bekanntmachung betreffend Feuerbestattung. Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, dah beim Standesamt im Alten Rathaus. Marktplatz. Willenserklärungen zwecks Feuerbestattung, welche hinsichtlich der Unterschrift öffentlich beglaubigt fein muffen, zur Aufbewahrung hinterlegt werden können. Die Aufbewahrung geschieht unentgeltlich unter feuersicherem Verschluß. Deim Ableben einer Person, die ihre Feuerbestattung angeordnet hat, erhält derjenige, der den Sterbefall beim Standesamt anzeigt, von der angeordneten Feuerbestattung schriftliche Mitteilung mit der Weisung, diese Dachricht demjenigen zu behändigen, der die Art der Destättung des Verstorbenen anzuordnen hat. Demerkt wird, daß die Erklärungen, die sich im Desth der Vereinigung für Feuerbestattung für Gießen und Umgegend befanden, von Rechtsanwalt Dr. Meuser dahier dem Standesamt bereits zur Verwahrung übergeben worden stnd. Gießen, den 10. Oktober 1925. Der Oberbürgermeister. __3. V.: Klingspor. 95718 Arbeitsvergebung. Für die Feldbereinigung Allendors a. d. L. sollen Mittwoch, den 28. Oktober 1925, vormittags 9 Uhr, auf der Bürgermeisterei zu Allendors a. d. L. Derschleisungsarbeiten, veranschlagt zu 4 500 Mark vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags, verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, pvstfrei bis zum Eröffnungs- termin einzureichen sind. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, den 15. Oktober 1925. Hessisches Kulturbauamt. I. D.: Mangold. 9699c Bekanntmachung. Betr.: Zugelaffene Installateure im Heber- landgebiet. 3m Rachtrag zur Bekanntmachung vom 18. Juni d. I. sind zur Vornahme von Installationen an elektrischen Leitungen in denjenigen Ortschaften, die ihren Strom vom Städtischen Elektrizitätswerk beziehen, ferner zugelaffen. Installateur Peter Heckmann, Rieder- Ohmen (Kreis Alsfeld). Installateur Franz Resseldreher, Heuchelheim bei Gießen, Kinzenbacher Str. 10. Gießen, den 16. Oktober 1925. Elektrizitätswerk und Ueberlandanlage der Stadt Gießen. S t o 11 c. 9728c Bekanntmachung. \5ür das unterzeichnete Stadtbauamt wird zur vorübergehenden Tätigkeit ein im Zeichnen und schriftlichen Arbeiten gewandter Hochbautechniker der eine anerkannte Daugewerkschule mit gutem Erfolg absolviert hat, zu baldigem Eintritt gesucht. Bewerbungen find unter Vorlage von Zeugnisabschriften und Angabe der Gehaltsanspruche bis spätestens 10. Rovember d. I. bei uns einzureichen. Gießen, den 15. Oktober 1925. Stadtbauamt Gießen. 3. D.: Grode. 97228 Fichtenstammholz. Die Unterzeichnete verkauft 1. aus Einschlag 1925. Fichten: 5,99 Fstm. 1. Kt., 77,18 Fstm. 2. Kl., 1767,72 Fstm. 3. Kl., 3602,85 Fstm. 4. Kl, 3864,32 Fstm. 53-Kl, 1619,84 Fstm. 5b-Kt., >17,98 Fstm. Derbstangen 1. Kl. und 1,97 Fstm. Derbstangen 2. Kl. Kiefern: 38,13 Fstm. 3. Kl., 49,41 Fstm. 4. Kl., 87,64 Fstm. 5. Kl. Lärchen: 108 Fstm. 5. Kl. 2. auS Einschlag 1926. Fichten: zirka 105 Fstm. 3. Kl., 210 Fstm. 4. Kl., 480 Fstm. 53-Kl., 525 Fstm. 5b. Kl. Das Holz zu 1 kann sofort, das zu 2 bis Ende Rovember abgefahren werden. Submissionstermin 29. Oktober 1925, 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaal Freiherrlicher Rentkammer Lauterbach (Hessen). Losverzeichnisse und Verkaufsbedingungen übersendet Freiherrlich Riedeselsche Rentkammer Forstabteilung Lauterbach (Hessen). 9692V r Photo Baus^ Wlnterhoff Kreuzplatz 3 das Fachgeschäft für den gesamten Photo-Projek- l tions- und Kino-» ek. Bedarf. Vogelfutter aller Art, in Sorten und Mischungen, nur prima Qualität, empfiehlt zu vorteilhaften Preisen Samenhaus Bejnrich Hahn Bahnhofstr. Tel. 1403 REINHARDT CRAMERa FRAENKEL A. G ,76eD FRANKFURT A.M. fertigen seit Jahrzehnten als Spezialität: LADEN-EINRICHTUNGEN Umbauten, Ergänzungsteile Glasaufsätze, Vitrinen usw. Vertreter für den Bezirk Gießen: Franz Brück, Gießen, Schiffenberger Weg 511., Telephon 906. Aeußerst billig! - Verlangen Sie Kataloge! Waagen aller Art emvnehlt u. werden eichfähig hergestellt. 0Mos Karl Schmidt - Neuenweg 42. 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Für rechtzeitige Weitergabe der uns zugehenden Altbesitzanmeldungen können wir keine Verbindlichkeit übernehmen, wenn sie uns erst in den letzten Wochen vor Schluß der Anmeldefrist zugehen oder wenn durch Nichtbeachtung der amtlichen Anweisungen zur Ausfüllung der Formulare Verzögerungen entstehen. Falls wir nicht ausdrücklich Gegenteiliges innerhalb der obigen Frist von unserer Kundschaft hören, so werden wir die bei uns ruhenden Reichsanleihen usw. als Neubesitz betrachten. Seltersweg91 PiaUOhaUS RobCrtSchÖnaU Seltersweg91 z^rr. LevermannX (/ Seltersweg 81 A fBielefeld.Herrenwäsche\ Spezialität: Oberhemden naehlüaO. Erstklassige Aus. lührung. Eigene Fahrt ka-i Xtlon in Bielefeld. Reich hal-Z Vtig sortiertes Lager in // ^weißen u. farbigen Stoffen, Waschkommoden Waschkonsolen • Einzelbetten Kleider-Schränke 1-, 2- und 3türig (Carl Ltückrsth. 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Januar 1926 zur Vervollständigung der Anträge und Unterschriftsleistung auffordern. Rach diesem Termin bitten wir die Inhaber von Verwahrungsscheinen unserer Kasse, die keine Aufforderung erhalten haben sollten, bis spätestens 15. Februar 1926 bei uns die Altbesitzansprüche zu stellen, andernfalls wir annehmen, daß es sich um Neubesitz handelt. Die Inhaber von Reichsanleihen, die früher bei uns gezeichnet worden sind oder hinterlegt waren oder sonst Kunde unserer Kasse sind, wollen wegen Anmeldung der Altbesitzansprüche in der oben» genannten 3eit gelegentlich vorsprechen. 97^0 Vezirksfparkasfe Metzen. Kartoffeln in besten Qualitäten, gelb- und weib- fletschtge. zum Elnkellern, bet nuberft günstigen Preisen sret HauS und ab Lager Wir h WW Grobverbraucher und Wtederverkäuser Engrospreise. 90250 Ioh. 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