Blatt (L> 175. Jahrgang Donnerstag, 17. September 1925 c unt. GietzenerAnzeiger $ bon General-Anzeiger für Oberheffen vnlck und Verlag: vrühl'jche UnioerfitSlr-Vuch- und Steindrudtrei B. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe 7. ier immer mit täpfel Moskauer Telegramm über die angeblich am 20. d. 2H. in Warschau geplante Zufammen- Sj.IM-Wtlr tim. Srief, er. Kolonial Politik wird hier gesprochen. Bekanntlich hat man in Paris bish« gegen Paris, Jinanzblatt Tschitscherin den Rapollovertrag. 17. Sept. (T. 11.) Lin französisches veeössentlicht ein groß aufgemachtes aus den „Meistersingern" und Mozarts Jupiter» Symphonie, gespielt vom Berliner Funkorchester, umrahmten die Reden der Herren Karl Brammer. Referent für die besetzten Gebiete in der Presseabteilung der Reichsregierung, und Staatssekretär a. D. Dr. Bracht, jetzt Oberbürgermeister von Essen, die die namenlosen Leiden der Bevölkerung unter der Willkür der Fremdherrschaft wie die bewundernswerte Standhaftigkeit und Treue und schließlich die hohe Freude der endlich errungenen Befreiung erschütternd und erhebend zum Ausdruck brachten. nette*) hatch Fuß- unditw ständig glW ladurch bk M skraft |irM' in den 5n|eiaitn üge entiprti)tnti ?inenLrfahn'.^n letfe unb |oütc n bet ffre/fe fr Inlporn (ein, es n völkerung enteignen will. Llnzufrieden mit ihm sind aber auch jene Kreise, deren revolutionäre Umtriebe er durch energisches Eingreifen, durch Säuberung der Armee und Polizei, ein Ende bereitete. Calles ist seit vierzig Jahren der erste Präsident, der ohne Blutvergießen d'e Leitung des mexilanttchen Staates übernehmen konnte, immerhin ein Zeichen für seine Volkstümlichkeit. Am 6. Juli 1924 wurde er mit großer Mehrheit gewählt, am 1. Dezember des gleichen Jahres trat er die Rachfolgeschast O b r e g o n s an. In der Zwischenzeit unternahm er eine Rei'e nach Europa, um hier die sozialen Einrichtungen der einzelnen Staaten zu studieren. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch seinen Besuch Berlins dem deutschen Volke bekannt, zu dem er seither die freundschaftlichsten Beziehungen unterhält. Die fällige Reparationsrate. Berlin. 16. Sept. (TU.) Der Generalagent für Reparationszahlungen teilt mit: Die Reichsrcgierung hat den am 15. September 1925 fälligen Betrag von 30 Millionen Goldmark als erste Rate der im zweiten Jahre des Sachverständigenplanes zu leistenden Annuität heute gezahlt. Die Zahlung erfolgte durch Ueber- weisung des Gegenwertes in Reichsmark auf das Konto des Generalagenten für Reparationszahlungen bei der Reichsbank. lsMetrope rsweg 19. 1 Paris, 16. Sept. (WTB.) Die deutsch« Delegation, bestehend aus Staatssekretär Dr. Treadelenburq, MathieS, Döhle und Wörmann, ist heute nachmittag wieder im Handelsministerium erschienen, wo sie von dem sranzösischen Handelsminister C h a u m e t und seinen Mitarbeitern erwartet wurde. Die beiden Delegationen haben ihrer festen Absicht Ausdruck gegeben, die deutsch-französischen Wirtschaftsder- Handlungen sobald wie möglich zu End« zu führen. Eie haben übereinstimmend anerkannt, daß es zweckmäßig sei, die Wiederaufnahme der Verhandlungen auf neuen Grundlagen unter Berücksichtigung der vorhergegangenen Arbeiten der Unterkvmmisftvnen und der Sachverständigen ins Auge zu fassen. ES besteht Einverständnis darüber, daß die deutsche Delegation in einer Rote die deutschen Forderungen und Angebote auf Grund der bon ihr vorgeschlagenen Grundlage bekannt geben wirb. Die französische Delegation wird ihrerseits schriftlich Gegenvorschläge ausarbeiten, worauf sich dann di« mündlichen Verhandlungen anschließen. Unter diesen Umständen kehren Staatssekretär Dr. Trendelenburg und seine Mitarbeiter nach Berlin zurück, um mit ihrer Regierung den Text der deutschen Rote fest zusehen, die zusammen mit der Rote der sranzösischen Delegation als Diskussionsgrundlage bei den Verhandlungen dienen soll, die wahrscheinlich Mitte Oktober wieder aufgenommen werden. d Wolssheiml, b Telefons, die weltbekannt;, ist die beste ir- inüöung und Sr.’ jen daraus aufr- pneumelte oy Probe und wi *- abgegeben wird de “ Dr. Mugdan Der Arzt und Politiker Geheimrat Dr. Otto Mugdan ist in Berlin im Aller von 63 Jahren gestorben. Dr. Mugdan, der der Demokratischen Partei angehört Halle, später aber zur Deutschen Volks Partei übergetreten war, war nicht nur in der ärztlichen Starrdesbewegung führend tätig, sondern auch lange Jahre hindurch einer der rührigsten Berliner Politiker, sowohl im Reichstag als auch im Preußischen Abgeordnetenhaus und im Berliner Stadtparlamerrt. KhtilH und Bein, i vollst Attentatsversuch auf Präsident Calles. Reuyork, 16. Sept. (D. Z.) Der Präsident von Mexiko, Calles, ist einem sonderbaren Attentat entgangen. Als der Präsident das Stadion aufsuchte» sprang ein unbekannter Mann von der Galerie. Beim Aussprung auf den Boden erfolgte «'ne Explosion, wobei der Mann in Stücke gerissen wurde. Der Präsident blieb unverletzt. Es wird allgemein angenommen, daß die'er sonderbare Attentäter eine Bombe bei sich trug, die beim Aufschlagen auf den Boden explodierte; die amtlichen Stellen halten mit Kommentaren noch zurück. weise Käufer sm 'sei, zuverlässige Liesers unter Wgunflj Französische Politik. Von unserem -8c-Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Paris, 14. Sept 1925. Die Entwicklung der Sicherheitsfrage nimmt jetzt das französische Interesse fast ausschließlich in Anspruch. Richt als ob Frankreich keine anderen Probleme zu lösen hätte, aber seit der Beendigung der Sachvcrstänbigenkonfcrenz in London sind die allerwichtigsten Fragen französischer Außenpolitik aufs Tapet gekommen, so daß alles andere den Detrxrchtungen über die kommende europäische Entwicklung weichen mußte. London, die Juristenkonferenz mit ihrer allzuklaren Aufdeckung der tatsächlichen politischen Machtverteilung hatte den Franzosen keine angenehme Lleberraschung gebracht. Die Juristenkonferenz hat neben ihrer hohen Bedeutung, die darin besteht, daß sie den Gang der Ereignisse zweifellos stark beschleunigt, auch einen wichtigen Einfluß auf die europäische Politik ausgeübt. Die Lage Frankreichs wurde klarer, und eine gewisse Isolierung der französischen Auffassung ergab sich in London insbesondere infolge der Haltung des französi- fcherseits viel angegriffenen belgischen Sachverständigen Roll in. In Paris grollt man jetzt stark den Belgiern, aber gleichzeitig versucht die französische Politik mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die fehlende Mntcrftüt- zung Belgiens zu ersehen. Italien soll jetzt dazu herhalten, eine sichere Stühe für die französische Politik zu liefern — eine bemerkenswerte Evolution, welche die französische Auffassung "hinsichtlich Italiens durchgemacht hat! Richt nur in der Sicherheitsfrage möchte man in Italien eine Stütze finden — in London war angeblich etwas davon zu spüren —, sondern auch über gleiche Zielsetzungen der französischen und italienischen Mittelmeer- u nd ‘ In gutunterrichteten französischen Kreisen verlautet, daß Deutschland bei den lehten Verhandlungen als Grundlage für eine Verständigung folgendes vorgeschlagen habe: Frankreich sieht von der Einteilung der deutschen Einfuhr in vier Warenklassen ab, so daß für die lieber* ganaszeit nur drei Warenklassen unterschieden werden sollen. Für die erste Waren- kategorie soll der jetzige französische Minimaltarif gelten, für die weitere ein Zwischentarif, dessen Sähe zwischen dem Minimal- und Maximaltarif liegen. Für die letzte soll der französische Maximaltarif in Anwendung kommen. Bei der Verringerung von vier auf drei Warenklassen soll die bisherig zweite Warenkkasse auf die übrigen Warenlisten verteilt werden. Da Frankreich aber an einer Klassifizierung der deutschen Warcneinfuhr fest hält, versagt Deutschland seinerseits die M e i st b e g ü n st i g u n g, die es in den bisherigen Verhandlungen auch schon für das Provisorium zugestanden hatte. Die deutschen Vertreter hätten erllärt, dalst sie wegen der schlechteren Behandlung Deutschlands in den französischen Zolltarifen auch ihrerseits keine Meistbegünstigung zugestehen können. Das Provisorium soll etwa nur sechs Monate dauern, worauf der endgültige Handelsvertrag in Kraft treten soll, in dem sich beide Teile die uneingeschränkte Meistbegünstigung zu- gestehen. einem gewissen Mißtrauen auf die Bestrebungen der italienischen Außenpolitik geschaut, und in der Tat gibt es neben gleichlaufenden Interessen eine Fülle ungelöster Probleme zwischen den beiden Ländern. Infolgedessen tnirb von den Skeptikern auch sehr stark bezweifelt, ob nicht diese neue Konzeption an der Zurückhaltung Mussolinis scheitern werde. Der Beendigung der Verhandlungen über den westlichen Sicherheitspakt sieht man überall mit Vertrauen entgegen, die zweite Konferenz aber, welche die Sicherstellung der tschechischen und polnischen Grenzen zum Gegenstand haben soll, wirft ihre Schatte schon voraus. Man steht hier vor einem schier unlösbaren Problem, da sehr schwer zu vereinigende Gegensätze zwischen den interessierten Mächtegruppen vorhanden sind und wenn es der französischen Diplomatie nicht gelingt, eine Lösung, die durch ihre Neuartig- feit und Genialität all die Schwierigkeiten, an denen alles bisher scheiterte, zu überbrücken, so kann man noch auf sehr ernste und heftige Auseinandersetzungen rechnen. Die Einziehung Italiens in diese äußerst unsichere Sphäre der Außenpolitik sollte nach vielen eine rettende Idee fein, — die Andeutungen der französischen Presse, welche in Italien eine Brücke zwischen der französischen Außenpolitik und der europäischen allgemeinen Auffassung finden wollen, deutet darauf hin. Doch in dieser Beziehung ist starke Skepsis angebracht. Die Briandsche Außenpolitik unterscheidet sich von der sonstigen Rachkriegspolitik, welche Frankreich trieb, vor allem durch eine nüchterne Einschätzung der Lage. Painleves Genfer Rede brachte dies bis zu einem gewissen Grade zum Ausdruck und eine richtige Einschätzung der Stellung Deutschlands muß zugegeben werden, besonders wenn man diese Rede noch mit mancher früheren Rede französischer Politiker vergleicht. Trotzdem ist in dieser Beziehung kein übertriebener Optimismus angebracht. So große Erfolge auch die deutsche Außenpolitik schon in der Verbesserung der internationalen Stellung des Reiches gezeitigt hat, die Rede Painlevös ist höchstens als ein Beweis dessen und der in London erzwungenen Nachgiebigkeit Frankreichs zu werten, keineswegs als eine Aenderung in der französischen Psyche. Als Beweis mögen die Ausfrchrungen der französischen Presse dienert. Ein Artikel des „Temps". der übrigens nur den von Painleve in Genf vertretenen Standpunkt noch etwas klarer herausarbeitet, besagt, daß Frankreich es versuchen müsse, das Genfer Protokoll, wenn auch nicht als ganzes, so wenigstens in seinen Teilen in den Eicherheilspakt hinüber zu retten. Llebrigens hatte man wirklich schon genug Gelegenheit, diese französische Einstellung sestzu- stellen. Das alles hat aber doch eine starke Unzufriedenheit in Prag unb Warschau nicht verhindern können. Schon der Umstand, daß die Vertreter dieser Staaten nicht zu der ersten Konferenz der Außenminister zugelafsen werden, es wurde bekannt, daß selbst B r i a n d und seine Umgebung ganz besonders gegen die Teilnahme Polens und der Tschechoslowakei an diesen Besprechungen sind, hat wie eine kalte Dusche in diesen Staaten gewirkt. Frankreich wird also jetzt fortwährend an seine Verbündeten erinnert, aber man darf nicht vergessen, daß die gegenwärtige Regierung doch nicht voll die Konzeption Poincarss akzeptierte, und so wirft man jetzt ganz offen die Frage auf, bis zu welchem Maße diese Bündnis- rückfichten die' französische Politik beeimluPen dürf- ten. Schon vor Monaten waren gewiße Anzeichen der A b k üh l u n g zwischen Warschau und Paris Deutschlands Handelsvertragsverhandlungen Vertagung der Verhandlungen mit Frankreich. Die Befreiungsfeier der Ruhr. Die Ruhrftädte rüsten zum (Empfang des Reichspräsidenten. Bochum, 17. Sept. (TU.) Mit froher Erwartung sieht die Bevölkerung dem Besuch des Äeichsprä!identen, des Reichskanzlers, tes preußischen Ministerpräsidenten und der übrigen Herren der Reichs- und Staatsregierung entgegen. Am Hauptbahnhof ist ein hüb'ches Empfangsbild hergerichtet. Ehrenbogen und Fahnenmasten febmüden den weiten Vorplatz. Die Straßen vom Hauptbahnhof bis zum Stadtpark sind reich beflaggt. Reben der offiziellen Reichsflagge sieht man auch viele schwarz-weih-rote Fahnen, daneben die preußischen und westfälischen Landesfarben und besonders das Bochumer Blau-Weiß. Da die Zechen und Werke wie auch die Geschäfte den Angestellten und Arbeitern Gelegenheit gegeben haben, an der Kundgebung teilzunehmen, so rechnet man auf einen sehr starken Besuch. Die Eisenbahn, die Sonderzüge eingelegt bat, rechnet mit einem Zuzug von 50 000 Per- 'onen. Mindestens eben so viel werden mit der Straßenbahn und mit Autobussen eintreffen. Bei der Hinfahrt zum Parkhaus werden 37 000 Schüler und Schülerinnen Spalier bilden, bei der Rückfahrt 25 000 Vcrcinsangehörige. Die Krieger-, Zum-, Sport-, Gesang- und Arbeitervereine beteiligen sich vollzählig. Dur die freien Gewerkschaften haben der von auswärts gegebenen Parole, sich fern zu halten. Folga geleistet. Ein M a s s e n ch o r von 1000 Sängern wird die öffentliche Kundgebung am heutigen Nachmittag um 5 Uhr im Parkhaus einleiten. 5000 Personen, alles Abordnungen der Vereine, nehmen auf der Terrasse Aufstellung, dahinter Tiele Taufende aus dem Publikum. An dem Frühstück im Parkhaus nehmen etwa 200 Personen teil. Vertreter der Behörden, der Wirtschaft und der Gewerkschaften. Der Empfang in Bochum verspricht ein gewaltiges Treubekenntnis Westfalens zu werden. Aus Anlaß der Reise des Reichspräsidenten in das befreite Gebiet veranstaltete die Berliner Funkstunde heute abend eine Befrei u n g s f e i e r , deren Darbietungen auf den rbeinifch-westfälifchen Sender übertragen wurde. Zer Chor „Wach auf, es naht der Tag" Nr. 218 Erster Erscheint täglich, aufjet Sonn« unb Feiertags Beilagen : GteßenerFamilienblättrr Heimat im Silb. monatfBquflipuis: 2 (Bolbmarb u 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt Fernfprech.Dnschlüfie: Schriftleitung 112, Der- lagundGeschästsstelletzl. Anschrift für Drahtnachrichten LnzeigerLietzkn. Postscheckkonto: gtanffurt a. M. 11686. Daß es sich hier um einen vorbereiteten Anschlag handelte, darf wohl als feststehend hingenommen werden, denn schließlich wird sich der Vetreffende nicht zum Vergnügen mit sehr gefährlichen Sprengstoffen in das vom Präsidenten besuchte Stadion der Stadt Mexiko begeben haben. Trotz der großen Beliebtheit, der sich Calles beim mexikanischen Volle erfreut, hat er doch zahlreiche Feinde. Vor allem die Großgrundbesitzer gehören zu seinen erbittertsten Gegnern, da er die ausgedehnten privaten Landbesitze zugunsten der ärmeren De- f unf t zwischen dem polnischen Außenminister Skrzynski unb Tschitscherin. Das Blatt glaubt w wissen, bah Tschitscherin ben Gedanken erwäge, den ganzen vertrag mit Deutschland zu lösen und ein Abkommen mit Frankreich und Dolen hex- beizuführen. Skrzynski, der gestern den Quai d Orsay aussuchte, soll auch die warschauer Zusammenkunft zur Sprache gebracht haben. Durch Vermittlung des polnischen Auhenministers will Tschitscherin ferner Frankreich ein Kompromiß hinsichtlich der Schuldenfrage unterbreiten lassen. Wiederaufnahme der deutsch- polnischen wirtschastsverhand- lungen. Berlin, 16. Sept. (WTB.) Gemäß der im Juli dieses Jahres getroffenen Vereinbarung wurden die Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-polnischen Handelsvertrages heute in einer gemeinsamen Sitzung der beiderseitigen Delegationen im Auswärtigen Amt wieder aufgenommen. Beide Seiten wünschten möglichst bald zu einer Verständigung zu gelangen, wobei der deutsche Bevollmächtigte, Dr. Lewald, betonte, daß auf deutscher Seite der Abschluß eines definitiven Handelsvertrages angestrebt werde, während der polnische Bevollmächtigte, P r a d z y n- s k i, den Abschluß eines Provisoriums als Vorstufe zum definitiven Handelsvertrag vorschlug. Schließlich wurde vereinbart, vor Beginn der offiziellen Kommissionsfihungen im Wege unverbindlicher Besprechungen zwischen je zwei von beiden Bevollmächtigten ernannten Vertretern das aus den früheren Verhandlungen vorliegende Material zu prüfen und eine Klärung der bestehenden Differenzpunkte vorzubereiten. Das deutsch-belgische Handelsabkommen. Berlin, 17. Sept. (Tel.) Der Austausch derRatifikationsurkundenzu dem vorläufigen Handelsabkommen zwischen Deutschland und der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion hat gestern im Auswärtigen Amt zwischen dem Staatssekretär von Schubert und dem hiesigen belgischen Gesandten stattgefunden. Das Abkommen tritt am 11. Oktober d. I. in Kraft. Gleichzeitig wurde dem belgischen Gesandten eine Rote übergeben. Darin heißt es, daß die deutsche Regierung für den Fall, daß die belgische Regierung später zur Einführung der 26pro- zentigen Reparationsabgabe schreiten sollte, in einer solchen Maßnahme eine Diskriminierung der deutschen Waren auf dem belgischen Markt gegenüber den Waren aus dritten Ländern sehen müßte und daß eine solche Diskriminierung mit dem Grundsatz der Meistbegünstigung im Widersprach stünde, auf dem das vorläufige Handelsabkommen zwischen der belg' sch-luxemb^rgischen Wirt- schaftsunion und Deutschland vom 4. April 1925 aufgebaut sei. Delaischerseits wurde hierzu er- klärt, daß die belgische Regierung sich in solchem Falle vorher mit der deutschen Regierung ins Benehmen sehen würde. Die Einladungsnote. Berlin, 16. Sept (TA.) Da» von dem französischen Botschafter dem Reichsaußenministec übergebene Memorandum Hal folgenden Wortlaut: „Bel Uebergabe der Rote vom 24. August dieses Jahre» an Herrn Dr. Strefemann war der französische Botschafter beauftragt worden, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiken mitzu- fellen, daß die französische Regierung, in llcbereln- fflmmung mit ihren Alliierten, es für zweckmäßig halte, Im Falle einer günstigen Ausnahme der be- relchneten Rote durch die deutsche Regierung den Abschluß der eingeleiteten Verhandlungen durch eine Zusammenkunft juristIfcher Sachverständiger und weiterhin durch eine Begegnung der Außenminister der beteiligten Staaten zu beschleunigen. — Rach den nunmehr abgeschlossenen Besprechunaen der Juristen in London, glaubt die französische Regierung unb ihre Alliierten, daß die in Frage kommenden Staaten ein gemeinsames Interesse daran haben, die Verhandlungen nicht In die Länge zu ziehen und dag der Augenblick gekommen ist, um einen Zeitpunkt für d I e geplante Zusammenkunft f e ft tu sehen. Für diesen Zweck dürfte das Ende de» Monats September oder spätestens die ersten läge de» Monats Oktober ein geeigneter Zeitpunkt sein. Vie Konferenz würde auf neutralem Gebiet, zweckmäßigerweise in der Schweiz, »nden, und zwar an einem Ott, über den sich egierungen noch zu einigen hätten Die französisch« Regierung und ihre Alliierten hoffen zuversichtlich, daß diese Vorschläge den wünschen der deutschen Regierung entsprechen und daß diese in der Lage ist, ihnen alsbald ihre Zustimmung mit- iutellen." Die Note Frankreichs enthält nichts darüber hinaus, was nicht schon bekannt wäre. Cs ist jetzt Ausgabe der Diplomatn, die letzten Hindernisse für die jür Ende September oder Anfang Oktober in Aussicht genommene Außenministerzusammenkunst ms dem Weg zu räumen. Soweit sich übersehen läßt, haben die Regierungen in Paris, London mb Brüssel nichts mehr gegen eine stärkere Vertretung Deutschlands aus der Konferenz einzuwenden, wodurch sich Aussich- ien dafür erschließen, daß diese Zusammenkunft den Charakter einer Dollkonferenz tragen wird. Da Mussolini endgültig auf eine Beteiligung verzichtet hat — er ist sich darüber klar geworden, daß er eine Garantierung der Brenner Grenze durch uns doch nicht zu erreichen vermag, — wird sich die Aussprache lediglich um den West- palt drehen, zumal in London auch über nichts anderes gesprochen wurde. In der Zwischenzeit fährt die Reichsregierung noch für einige Tage zu den Befreiungsfeiern ins Ruhrgebiet, sowie sie zurückgekehrt ist, wird sie sich in einem großen Kabinettsrat am 21. September mit den Er- aebnissen der Bemühungen der Diplomaten beschäf» 'ligen und sich über ihre weitere Haltung schlüssig werden. Für ben 23. September ist bereits der Auswärtige A usschuß einberufen, bem das Kabinett vermutlich sthon Mitteilungen über feine Beschlüsse vom voraufgegangenen Montag machen wird. ,„0I8en .reffen r. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil: Ernst Dlumfchein;für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen "b" M v s !° »°d u,. ' «* S 6t 6atumfc| *Äd. Ker Nb. S ’ 2t. °JUnbeW SÄ tiaD he nur Ir SSjer Mia WWe tarnen Ich n Glauben, an v Leben« ink ‘Kimmung mi, folgt.) zu konstatieren, und es ist kaum anzunehmen, daß nach Genf trotz aller Bestrebungen der offiziellen Außenpolitik nicht eine gewisse Spannung Zurückbleiben wird. Bei dem Völkerbund — so hofft man es wenigstens — soll seht die Mossulfrage zur Lösung kommen. Vielleicht wird es sich hier auch entscheiden, inwieweit jene Zusammenarbeit in der Levante mit England, von der hier in Paris so viel gesprochen wurde und von der man so wenig merkt, wirklich zustande kam. Die Behandlung dieser Frage wurde sehr oft mit den Ergebnissen der Londoner Konferenz in Zusammenhang gebracht, es wird sich nun zeigen, wieviel von diesen Kombinationen sich bewahrheitet. Jedenfalls, dies steht fest trotz des französischen Erfolges in Marokko und der angekündigten Offensive in Syrien gegen die Drusen, die Kolonialsorgen haben sich neben der schlechten Finanzlage als ein starker Hemmschuh der französischen Außenpolitik erwiesen. Die Minderheitenfrage vor dem Völkerbund. Genf, 17. Sept. (TU.) Die 6. Komission des Völkerbundes beschäftigte sich mit der Frage der Minderheiten. Zur Diskussion gelangte ein Antrag Litauens, der die Einsetzung eines besonderen Völkerbundausschusses verlangt, der neue allgemeine Richtlinien für die Vehandlung der nationalen Minderheiten aufstellen soll. Diese müßten für alle Mit- g l i e d e r st a a t e n des Völkerbundes gleiche Geltung haben. Der Vertreter Litauens führte dazu aus, daß die Friedensverträge vom Jahre 1919 nur einigen Staaten die Pflicht auferlegt hätten, besondere Verträge über die Behandlung ihrer nationalen Minderheiten abzuschließen, während die andern Staaten in ihrer Souveränität nicht beschränkt würden und daher ihre nationalen Minderheiten vergewaltigen könnten. Er erblickt hierin eine große Ungerechtigkeit, die eine von allen Volkerbundstaaten anzuerkennende Reuregelung verlangt. Den Ausführungen stimmten die Vertreter Polens und Rumä- niens zu. , m Der tschechische Außenminister Dr. V e - ne sck Wies auf die juristischen Schwierigkeiten hin, die bei der Aenderung der Minderheitsverträge eintreten würden. Menn für alle Staaten eine Reuregelung auf diesem Gebiete getroffen werde, so würden verschiedenen Ländern neue Verpflichtungen auserlegt, die sie bisher nicht kannten. Als Mitglied des völkerbundsrals wies er auf die außerordentliche Vorsicht hin, mit der der Rat bisher seine Entscheidungen in den Tragen der nationalen Minderheiten getroffen habe. Seine bisherige Praxis biete die Garantie für eine gerechte Behandlung aller Minderheitsfragen. Auch verfüge er über große Erfahrungen, die er auch in Zukunft gut verwerten könne. Der französische Vertreter de Iouoenal wies darauf hin, daß es keinen Wert habe, die Staaten ohne nationale Minderheiten durch Verträge zu binden. Er schlug die Bildung einer Unterkornmis- sion vor, die die Behandlung der Minderheiten durch den Dölkerbundsrat prüfen soll. Der englische Delegierte Lord Cecil befürchtet, daß durch eine neue Regelung der Minderheitsfrage nur neue Schwierigkeiten entstehen würden. Fragen der nationalen Minderheiten dürften im Völker- bund nur von Vertretern solcher Staaten behandelt werden, die kein Interesse an diesen Angelegen- .heiten hätten. Die Vorschläge Ungarns, die Klagen der Minderheiten direkt an den t Rat gelangen zu lassen, wären undurchführbar, weil dies den Minderheitsverträgen f widerspreche. Lord Robert Cecil verwahrte sich dagegen, daß die Vollversammlung in die Rechte und in die Verantwortung des Völkerbundsrats eingreife. Sie dürfe nur an der Tätigkeit des Rats Kritik üben, sonst habe sie keine weiteren Eingrifss- rechte. Auch Belgien lehnte eine Reuregelung der Behandlung der nationalen Minderheiten ab. tzeiner Ansicht nach hätte der Vertreter Rumäniens mit der Unterstützung des litauischen Antrags nicht- anderes bezweckt als ihn zum Scheitern zu bringen, um das ganze Der- handlungsprovlem in derVersenkung verschwinden zu lassen. (Großes Gelächter und lebhafter Beifall lohnt den Belgier für diese unkluge aber offene Demerfung.) Der Vertreter Chinas verlangt für die gelbe Rasse die gleichen Rechte wie für die weiße. Er weist darauf hin, daß in der Welt nicht nur die Minderheiten bedrückt würden, sondern daß im Gegenteil auch eine Mehrheit von einer Minderheit unterdrückt würde (ein Hinweis auf das Verhältnis der europäischen Mächte zu China). Der Vertreter Litauens wandte sich besonders scharf gegen die Behauptung deS französischen Vertreters, daß Frankreich keine nationalen Minderheiten besähe, denn Frankreich habe innerhalb seiner LandeSgrenzen in Elsaß - Lothringen eine starke dcutfchsp rechende Bevölkerung. Rach einer langen außerordentlich hefttgen Geschäfts- crdnungsdebatte wurde eine Entschließung ?ort> CecilS angenommen, nach der die ganze Frage demRatüberwiesen wird. Die Kommission ' billigte darauf den Bericht deS Völkerbunds- rats über die Mindeicheitenfrage. Der litauische Vertreter hatte, nachdem er den Widerstand gegen seinen Antrag erkannte. seinen Antrag zurückgezogen. Laillaux' Abreise nach Amerika. Die französisch-amerikanische Schuldenregelung. Paris, 16. Sept. (WTB.) Finanzminister Lailmux und die Mitglieder der französischen Finanzkommission sind heute nachmittag nach Le Havre abgefahren, um sich dort nach R e u - York einzuschiffen. Die französische Delegatton wird direkt nach Washington Weiterreisen. Man nimmt an, daß die Verhandlungen mit der Schuldenfundierungskommission Amerikas etwa acht Tage in Anspruch nehmen werden und daß Caillaux am 20. Oktober wieder in Paris fein wird. Vor der Abfahrt übermittelte der Finanzminister folgende Erklärung: Frankreich leugnet seine Schulden nicht ab. Ich werde den Amerikanern sagen, Frankreich sei bereit, seine Schulden zu regeln. Ich reise mit der Lleberzeugung ab, bah unsere Freunde jenseits deS Ozean« sowohl großherzig genug al« auch genügend gute Geschäftsleute sein werden, um eine gerechte Re gelung anzunehmen. Hranzösische Erfolge in Marokko. Das Bibanmassiv erobert. Paris, 16. Sept. (TU.) Rach einer privat. Meldung aus Rabat haben die jranjofen heute vormittag nach hartem stampf das v e r g m a f. io des El V iban von den Rifkabylen urückerobert. Der Angriff konnte erst nach tunbenlanger Artillerievorbereitung durchgeführt werden. Die Rifleute haben sich auf die Höhenzüge nördlich von Biban zurückgezogen. Havas berichtet über die Eroberung noch olgende Einzelheiten: Schon gestern hatten Artillerie und Flugzeuggeschwader die feindlichen Verteidigungsanlage des Gebirgsstockes bombardiert. Heute früh rückten rechtzeitig französische Truppen von Tafrant auS. Die Abteilung des linken Flügels unternahm ein Llmgehungsmanö- ver, um dem Feinde die Rückzugsmöglichkeiten abzuschneiden. Die französischen Truppen haben ich mit ^Interstützung eines konzentrierten Ar- tillericfeuers der beherrschenden Punkte des Ge- bttgsstockes bemächtigt. Die Einnahme von Di- bane stellt nicht nur einen außerordentlichen Er- olg militärischer Art dar. sondern ebenso einen politischen Erfolg, denn dadurch fällt das ganze Gebiet der Beni Llriaghel in die ranzösischen Hände, deren Abfall seinerzeit die Erschütterung der französischen Front am Llergha nach sich gezogen hatte. Die Aachricht von dem Angriff und der Einnahme von Bibane hat in Fez lebhafte Befriedigung hervorgerufen. Vor Mesraua hat der Gegner dem französi- chen Vormarsch lebhaften Widerstand entgegengestellt, mußte aber vor dem französi- chen Druck zurückweichen. Gestern nachmittag sind tarke feindliche Kavallerie- und Tlnfanterieabtei- lungen zusammen mit zahlreichen Herden auf dem Rückzug in Richtung Rorden gemeldet worden. Die Eroberung der Felskuppe stellt einen außerordentlichen großen Vorteil dar, denn die gewaltige Höhe dieses Punktes gestattet, dieses ganze Gebiet zu beherrschen: vor allen Dingen I ann von hier aus die französische Artillerie die Abhänge südlich des Djeb elAhil und die Ort- chaften Mesraua und Djaja unter Feuer halten. Von der spanischen Marokkofront. London, 17. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Bei Ragaja, unweit der Grenze der Tanger-Zone ist ein neuer Kampf im Gange. Der Dsche- ballah-Stamrn ist anscheinend durch die bei Ben» Karisch erlittene Schlappe nicht entmutigt worden. Er hat seine Streitkräfte konzentriert, um die A n - griffe auf d i e spanischen Liien zu er- neuern. Die drei erwachsenen Söhne des Vertreters des Sultans in Tanger, der zu einer der ersten Familien von Fez gehört, sind verschwun° den. Man glaubt, daß sie sich zu Abd el Krim begeben Haden, um sich ihm anguschließen. Bei Alhucemas wird der Druck Abd el Krims täglich stärker. Das schlechte Wetter behindert das Aus- schiffen der Truppen stark. Die auf dem Wege nach Ajdir liegenden Berge sind von den Rifleuten tark befestigt und besetzt. Auf dem von den Spaniern besetzten Morro Nuevo sitzen noch ganze Rifdetachements in rt*e f i g en Höhlen, deren Ausgänge von den Spaniern bewacht werden. Die Zugänge sind zum Teil unterminiert, so daß ein weiterer Vormarsch große Vorbereitungen erfordert. versozial-emokatischeparteitag Heidelberg, 16. Sept. ($11.) Am heutigen vierten Derhandlungstag des Sozialdemokratischen Parteitages erstattete Reichstagsabgeordneter Keil den Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Er rechtfertigte die Haltung der Fraktion in den Kämpfen um den Zolltarif und die Steuervorlage und kennzeichnete ihre Haltung zu den übrigen Parteien des Reichstages. Das Zentrum habe sich zwar angeblich nickt parteimäßig mit der Regierung verbunden, habe aber tatsächlich wie eine Regierungspartei gehandelt. Hehrenbach habe soviel für Luther getan, daß ihm zu tun nichts mehr übrig bleibe. Opposition dürfe nur auf kurze Sicht getrieben werden und müsse stets auf die aktuellen Verhältnisse eingestellt werden. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Aussprache an, in der vor allem der Reichsschulgesetzentwurf bekämpft wurde. Abg. Dr. Löwen- ft e in erklärte, der Reichsschulgesetzentwurf liefere die Staatsschule der Kirche aus. Es müsse deshalb gegen diesen Plan der schärfste Kampf aufgenommen werden. Staatssekretär Schulz warf dem Zentrum eine ausgesprochen reaktionäre Politik vor, wodurch der Austritt Dr. Wirths aus der Fraktion hervoraerusen sei. Der neue Reichsschulgesetzentwurf bedeute einen Bruch der Weimarer Verfassung und eine rücksichtslose Zerreißung des Weimarer Schulkompromisses. Werde dieses Schulgesetz jetzt angenommen, dann stehe man nicht am Ende, sondern am Anfang der schärfsten kulturpolitischen Kämpfe in Deutschland. Ferner unterzog Dr. Paul Levi die Kennzeichnung der Aufgaben der Opposition durch den Abg. Keil einer scharfen Kritik und erklärte, wenn man von dieser falschen Betrachtungsweise ausgehe, dann hieße daS, auf eine wirksame Opposition überhaupt verzichten. Er erzielte mit seinen Ausführungen den starken Beifall deS linken Flügels. Rach weiteren belanglosen Ausführungen vertagte sich der Parteitag auf Donnerstagvormittag. Den Mitgliederverlust der sozialdemokratischen Partei gab der Abg. Fleißner, Dresden, nach dem Sitzungsbericht des „Vorwärts" mit 100 000 an (nicht mit 10 000, wie es irrtümlich im gestrigen Bericht hieß). Der sächsische Delegierte Edel, Dresden, nimmt seit 1918 sogar einen Verlust von 1 50 000 Parteimitgliedern an. Keine Auflösung des Preußischen Landtags? Der „Lokalanz." will wissen, daß der Beschluß des GemeindeauSschusfes deS preußischen Landtags, den Termin für die Provin zial - und Kreistagswahlen von dem der Gern e i n d e w a h l e n , die am 25. Oktober vorae- nommen werden, zu trennen und jene Wahlen erst im Rovern der stattfinden zu lassen, vom Plenum des Landtags gebilligt werde, da daS Zentrum sich entschieden habe, einer Hinausschiebung nicht zuzustimmen und auch die Sozialdemokratie nicht mehr unbedingt dafür eintreten wolle. In dieser veränderten Haltung deS Zentrums und der Sozialdemokratie glaubt man in Landtagskreisen, ein Fallenlassen des sozialdemokratischen Verlangens nach Auflösung des Landtags erblicken zu können. Das hessische Kommunalwahrgesetz. Darmstadt, 16. Sept. Der Gesetzgebungsausschuh begann mit den Beratungen über den Gesetzentwurf zu den Wahlen für die Gemeinden und Gemeindeverbände. Es wurde Artikel 1 an- lenommen mit einem Vorschlag der Deutschen ßolfepartei, wonach d i e Zahl der Stadtverordneten und der Gemeinöeratsmit= glieber, je nach der Größe des Ortes, gestaffelt wird. Die Mandatsdauer wurde- gemäß einem demokratischen Anträge, auf 4 statt auf 3 Jahre der Vorlage festgesetzt. Ebenso Drang ein demokratischer Antrag durch, daß die Wahlen zum Provinzialtag in direkter Weise erfolgen sollen wie bisher. Nach der Vorlage sollten die Kreistage die Wahlen vornehmen. Kleine politische Nachrichten. Der Reichspräsid ent empfing heute die neuernannten außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister von Uruguay, Bachend, und von Siam. Prinz DamraS, zur Entgegennahme ihrer Beglaubigungsschreiben. An den Empfängen nahm auch der Reichsminister des Aeußern, Dr. Strese mann, teil. Die am Tarifvertrag für die Reichs- arbeiter beteiligten Gewerkschaften und Organisationen haben den vom ReichSarbeitSmini- fterium gefällten Schiedsspruch anerkannt. Die Interalliierte Rheinlandkommission hat die Beschlagnahme sämtlicher Exemplare der Zeitung „Der Iungdeutsche" im besetzten Gebiet angeordnet. Der ehemalige Kronprinz von. Sachsen wird der „Gesellschaft Jesu" als Mitglied beitreten. Er wird von diesem Herbst an seine Studien und seelsorgerischen ArvÄten in Feldkirch (Vorarlberg) fortsehen. • In dem saarländischen Schnappach ist die feit einigen Wochen geschlossene Schule das Opfer des Raubbaues in den französischen Bergwerken geworden. Rachdem bereits vor einiger Zeit mehrere Häuser infolge Einsturzgefahr geräumt werden mußten, stürzte jetzt die Schule beim Abbruch eines Gewölbes plötzlich vollständig zusammen. Dabei wurde ein Arbeiter von den Gesteinsmassen erfaßt und durch Verschüttung lebensgefährlich verletzt. Die Lebenshaltungskosten in England lagen am 1. August 73 Prozent, am 1. September 74 Prozent über dem Vorkriegsstände. Kunst und Wissenschaft. Um Böllings Nachfolge. Als Rachfolger Böllings werden jetzt, nachdem auch mit Leo Blech Verhandlungen wegen der Leitung des LandestheaterorchesterS angeknüpft worden sind, Generalmusikdirektor Dr. IuliuS K o p s ch, der Leiter des Blüthner- Orchesters und Generalmusikdirektor Prof. Ernst D o e h e, der Leiter deS PfalzochesterS in Ludwigshafen genannt. Leo Fall t* Wien, 16. Sept. Der Operettenkomponist Leo Fall ist nach kurzer schwerer Krankheit heute nacht gestorben. Leo Fall war einer der erfolgreichsten Operettenkomponisten der letzten Jahrzehnte. Seine bekanntesten Werke sind: „Der fidele Bauer", „Die Kaiserin", „Die Rose von Stambul", „Der süße Kavalier", „Die geschiedene Frau", „Madame Pompadour". Aus aller Welt. Tagung des Deutschen Forstvereins. In Salzburg begann unter Teilnahme von mehr als tausend Forstleuten aus dem Deutschen Reich und den österreichischen Bundesländern die diesjährige Versammttmg des Deutschen Forstvereins. Die Tagung soll durch entsprechende Satzungsänderungen den Zusammenschluß aller Forst fachleute deutscher Zunge vorbereiten. Mit einer Reihe von Fachvorträgen deutscher und österreichischer Forstfachleute sind Ausflüge in verschiedene forstwirtschaftliche Betriebe in Aussicht genommen. Autounsall am Rhoneglelscher. Auf der Furka ft ratze unterhalb des Hotels Belvedere am Rhonegletscher ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit fünf Personen besetztes Auto aus Chur stürzte über die Straßenböschung etwa 100 Meter hinunter, wo es gänzlich zertrümmert wurde. Von den Insassen konnte allein ein Dr. Lichtenstein aus Arosa rechtzeitig abspringen, während die übrigen, zwei Mediziner und ihre Frauen, in die Tiefe (türmten. Der aus Andermatt herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod der vier verunglückten Personen feststellen. Postkutschenromantik. Vier maskierte Räuber überfielen auf dem Wege Peterswalde—Orlau (in Mähren) den Postwagen. Mit Revolvern zwangen sie den Kutscher anzuhalten und die Schlüssel auS- 8 u liefern. Sie raubten aus dem Wagen 38 000 tschechische Kronen und Postsendungen, und verschwanden dann in der Finsternis Bisher haben die Rachforschungen kein Ergebnis gezeittgt. Wettervoraussage. Wolkig bis bedeckt, vorwiegend westliche Winde, wenig Temperaturänderung, einzelne Regenfälle. Der gestern bei Island erschienene Kern des starken atlantischen Fallgebietes zieht nordöstlich weiter und scheint dem Kontinent nicht näher au rücken, doch ist ein Ausläufer in das deutsche Küstengebiet vorgestoßen, dessen Einfluß bis in unseren Bezirk reicht. Die nach der gestrigen Aus- heiterung eingetretene Trübung hält zunächst heute und morgen an. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16 Grad Celsius, Minimum 6,0 Grad Celsius. Nieder« schlüge: feine. Heutige Morgentemperatur 8,2 Grad Celsius. Aus Stadt und Land. Gießen, den 17. September 1925. Ium Gustav-Adolf-Fest in Metzen Man schreibt uns: Das Gustav-Adolf-Fest, das vom 20. bis 23. September hier stattfindet, wird ein Fest in großem Ausmaße werden. Vertreter der evangelischen Kirche aus ganz Deutschland und den auherdeutschcm Gebieten werden erwartet, so daß die Tagung in besonderem Maße dem Auslanddeutschtum gelten wird. Man nimmt an. daß ungefähr 500 Abgeordnete und Ehrengäste hier erscheinen, unter ihnen die in der evangelischen Kirche führenden Persönlichkeiten. Arn Sonntag werden in beiden Kirchen Fest- gottesdienst e stattfinden, in denen auswärtige Pfarrer predigen werden. In der Stad t- kirche wird Pfarrer D. Mahnert auSInnsbruck, in der IohanneSkirche ein Vertreter der evangelischen Kirche in Polen pre- idigen, die Kindergotlesdienste, die sich hieran anschlietzen, werden gleichfalls der Gusta v- Adolf-Sache gelten. Am Rachmtttag wird ein großes Volksfest veranstaltet werden. AuS allen ober hessischen und aus den - benachbarten preußischen Gemeinden werden die Evangelischen in Extrazügen zwischen 2 und 3 Ahr eintreffen» ie werden auf Oswaldsgarten und in den benachbarten Straßen zu einem Festzuge aufgestellt werden, der durch die Reustadt, Marttstvaße, Marktplatz, Mausburg, Seltersweg, Südanlage. Gartenstraße, LudwigSplatz und Kaiserallee nach der Volkshalle geht. Ein Pvsaunen- m assencho r und ein Kirchenmassenchor werden Mitwirken, drei Redner auS verschiedenen Gebieten der evangelischen Diaspora werden kurze Ansprachen halten. Da bei gutem Wetter die Volkshalle für den Zustrom der Teilnehmer nicht ausreichen wird, so ist eine Parallelversammlung auf dem Trieb im Freien neben dem Musikpavillon geplant, für diese Versammlung wird die gleiche Tagesordnung maßgebend sein, wie für die Volkshalle. Bei schlechtem Wetter finden Parallelversammlungen m den beiden Kirchen statt. Der Eintritt in die Halle ist nur gegen Festabzeichen gestattet, die auf dem Emp- fangsbureau im Bahnhofe und am Eingang der Halle zu bekommen find. Es empfiehlt sich, daß man die Abzeichen sich möglichst frühzeitig besorgt. Heber die übrigen Veranstaltungen orientiert die F e st o r d n u n g, die am Sonntag beim Ausgang an den Kirchen verteilt werden wird, außerdem ein F e st b u ch mit reichhalttgen Beiträgen, das 50 Pf. kostet, im voraus bei den Pfarrern und Kirchendienern bestellt werden kann und durch junge Gemeindeglieder auf Os- waldsgarten, bevor sich der Zug in Bewegung seht, sowie vor der Volkshalle ausgeboten werden wird. Die Ordner des Zuges und der Versammlungen sind an weißen Armbinden kenntlich, ihren Anordnungen ist unbedingt Folge zu leisten. Bei den Versammlungen, die von Montag bis Mittwoch in den Kirchen und in der Universitäts-Aula stattfinden, muh ein Teil der Plätze für die Abgeordneten und Ehrengäste Vorbehalten bleiben, die Gemeindeglieder werden gebeten, dies mit Rücksicht auf die besonderen Umstände nicht als eine Einschränkung deS ihnen sonst zustehenden Rechtes ansehen zu Wolken. Die Glieder der Gemeinde Gießen und der benachbarten Landgemeinden, soweit deren Angehörige zu Fuß hier ankommen, stellen sich auf Oswaldsgarten zum Zuge auf, wobei die Gemeinde Gießen den Zug schließt. Die Jugend- Vereine werden mit ihren Abzeichen (Wimpeln) geschlossen im Zuge einherschreiten. Das „Schlitzer- land" wird als Ganzes in den Zug eingegliedert werden, diese Teilnehmer werden in Trachten erscheinen. Zu allen öffentlichen Versammlungen hat jeder Evangelische Zutritt, zu den geschlossene Versammlungen gegen vorherige Anmeldung bei ’ einem Gemeindepfarrer oder dem Versammlungsleiter. Die Predigt im Festgottesdienste am Dienstag hält Generalsupkrintendent v. K al- weit - Danzig. Erweiterung des ehemaligen Garnisonlazaretts. Dem Landtag ist eine Regierungsvorlage zuge- gangen, in der 100 0 00 Mark für die Erweiterung des ehemaligen Garnisonlazarettes in Gießen für Universität s z w e ck e gefordert werden. In der Begründung der Vorlage heißt es u. a.: „Das ehemalige Garnisonlazarett in Gießen ist nach langen Verhandlungen in diesem Sommer für Unioerfitätszwecke erworben worden. Die Er- Werbung erfolgte in erster Linie zugunsten der Unterbringung des F o r st i n st i t u t s; bald erwies es sich auch als unvermeidlich, das agrikultur- chemische Institut in den Bau aufzunehmen. Für beide Zwecke sieht der Staatsvoranschlag 1925 die erforderlichen Aufwendungen vor. Die drückende Enge der im alten Universitätsgebäude untergebrachten Institute, Lehrstühle und gemeinsamen Hochschuleinrichtungen Machte eine Nachprüfung dahin zur Pflicht, ob außer der erwähnten beiden Instituten nicht noch ein drittes in dem Gebäude Aufnahme finden könnte. Diese Nachvrüfung hat ergeben, daß bei gewissen, aber durchaus erträglichen Einschränkungen der Raumwünsche der in Frage kommenden Institute auch noch das ganze geologische Institut in das (Barnifonlaaa- rett übersiedeln kann, wenn die im ILoranfchlag 1925 vorgesehene Bauerroeiterung um einen Stockwerksaufbau vermehrt und für die Agrikulturchemie ein bescheidener Anbau an die bereits vorhandene große Baracke vorgesehen wird: endlich muß das Dachgeschoß für Sammlungszwecke hergerichtet werden. Die Entlastung des Hauptgebäudes der Univer- tät wäre außerordentlich groß und folgenreich im guten Sinne, wenn es auf diese Weise gelänge, außer dem Forstinstitut auch die Geologie — wie schon vor dem Kriege als dringlich anerkannt und in einer Regierungsvorlage vorgesehen — hinaus- zuoerlegen. Die baulichen Mehrkosten würden rund 45 000 Mark betragen, die Kosten der inneren Einrichtung des geologischen Instituts, der Bauleitung usw. 20 000 Mk.; dazu wird der Einbau einer Weber- druckdamps-Sammelheizung mit 35 000 Mk. nachträglich angefordert, da es dringend erwünscht und allein zweckmäßig sein dürfte, bei Herstellung der neuen Institute auch die Heizungsfrage sogleich zeitgemäß zu lösen. Wir stellen diese Nachtragsforderung aus der Ueberzeugung heraus, daß das Verbleiben des geologischen Instituts im Universitätsgebäude nicht ^196 »SÄ ia*» 5^500 SS Junten 7« «**» *$« 4< Ä enfte awiX'S Ä*»«. ‘ W 2ui te (&^arttB »te "'E N-Sü-ankL *SM« 5 Faunen- ^Webtta Z,Dettn«. Amatzba» "°a KK« keMt(ftTO ■ aus btt! tzmp Ä$5 'WigbefotöL IMungtn orien» im 6tmntag btt» fallen die Aufenthalte in Garben- teich und Schiffenberg fort. ’• 3 n der Alice-Schule, Steinstraße, findet ein sechswöchentlicher Kursus im Gestalten (chmückender Nadelarbeiten statt. Seine Ausgabe oll es fein, Anregung und Anleitung auf dem Gebiet weiblicher Handarbeit zu geben und Freude,' an felbstlchöpferifcher Tätigkeit zu wecken. (Man beachte die heutiae Anzeige.) •• Eine Nhetnsahrl des Landjugend- bundes der Provinz Oberheffen gab kürzlich etwa 600 Mitgliedern dieser Organisation Gelegenheit zu einem denkwürdigen Erlebnis. Bereits in der zweiten Morgenstunde erfolgte die Ab. fahrt von Gießen, damit man schon früh am Rhein sein konnte. 3n Butzbach und Friedberg bestiegen noch einige Gruppen aus der Wetterau den Zug, und nun ging es ahne Aufenthalt nach Mainz, wo man kurz nach 4 Uhr eintraf. Auf dem Dampfer „Stolzenfels- wurde gegen 6 Uhr morgen» die Fahrt rheinabwärts angetreten, unterwegs erklangen gute Dolkslieder von Bord weichin über den Strom. Zn Rüdesheim wurde angelegt und von hier aus dem Niederwalddenkmal ein Besuch abge- ftattet, der allen Teilnehmern iit eindrucksvoller Erinnerung bleiben wird. Don Abmannshaufen aus trat man mit dem Darnofer die Weiterfahrt an, die bis Koblenz führte und unvergeßliche Eindrücke bei allen Mitfahrenden hinterließ. Don Koblenz aus erfolgte die Rückreise über die Lahnstrecke nach Gießen. Um die Organisation und den glänzenden Verlauf der Fahrt hat sich der erste Vorsitzende des Landjugendbundes, Robert Schmidt -Steinheim, große Verdienste erworben. — Geographische Lehrwanderung. 3n den Hauptferien veranstaltet der Verband Hess. Schulgeographen eine 4tägige Lehrwanderung, zu der die Erdkundelehrer aller Schul- gattunaen cingelaben werden, ohne Rücksicht daraus, ob sie Mitglieder des DerbaudeS sind oder nicht. Oberbergrat Prof. Dr. Klemm hat sich zur Uebemabme der Führung bereit erklärt. Die am 27. September beginnende Wanderung hat mehr vertretbar ist und daß feine unvermeidliche Hi na us Verlegung menschlichem Ermessen nach nie wieder annähernd so wohlfeil vorgenommen wer- den kann, wie nach diesem Plane." Die Scheidung innerhalb der Krankenkassen. Vom Hauptverband deutscher Krankenkassen in 'Berlin wird unS geschrieben : Unter dieser Ucberschrift vcröttcntlicht das Presseamt des AerzteverbandeS in der Ausgabe vorn IS August dieser Zeitung ein „Eingesandt", da» wir nicht unerwidert lassen können Dir bemerken dazu- 1. Die Behauptung, daß der Versuch der Velvst- btlkferung der Krankenkassen FiaSko erlitten bat, ist nicht richtig. 3m Gegenteil berichten alle Krankenkassen, auch die nicht in unferm Verbände organisierten, durchweg über gute Erfahrungen mit der Selbstabgabe. 2. Unrichtig ist ferner, daß die Krankenkassen zur Herstellung eigener Heilmittel übergegangen find, wenigstens soweit sich diese Behauptung auf unseren Verband bezieht Die Heilrnittelversoraung deutscher Kranknkassen 2-®.. deren Aktionäre die deutschen Krankenkassen sind, befaßt sich nicht mit der Herstellung, sondern nur mit dem Großeinkauf non Heilmitteln in ihrer Abgabe an die Krankenkaf'en. 3 Daß die Mehrzahl der deutschen Krankenkassen sich gegen dre Politik unseres Verbandes erklärt hat. ist unrichtig. Die in dem Eingesandt genannten Krankenkafsen- nerbänbe umfassen zusammen nicht so viel Ver- licherte, wie unser Verband allein. Mit rund 10 Millionen Versicherten ist unser Verband die Organisation, die allein die Hälfte aller Kranken- oenlcherten umschließt. ES ist deshalb schon auS diesem Grunde unmöglich, daß sich die „Mehrzahl" der deutschen Krankenkassen gegen unS erklärt hat. 4. 3m übrigen lehnen auch die übrigen Krankenkassenhauptverbände die Selbst- abgabe von Heilmitteln nicht ab, sie haben auch zu diesem Zwecke Lieserungsverträge mit einzelnen Privatfirmen geschlossen, denen auf diese Art ein Monopol der Belieferung zugestanden wird und von denen die genannten Verbände dafür Provision erhalten. Wenn demgegenüber unser Verband eine Gesellschaft gegründet hat, deren Gemeinnützigkeit ausdrücklich vom Aeichs- verslcherungsamt und vom Aeichsarbeitsministe- rium anerkannt worden ist, bann überlassen wir es dem Urteil der Oessentlichkeit, von welchem Verbände die 3ntereffen der Krankenversicherten besser gewahrt werden. Bornotizeit. — Tageskalender für Donnerstag, keutsche Dolkspartei 81/* Uhr Im Gewerbehaus. Vortrag von Herrn Prof. Dr. Aoloff. — Lichtspielhaus Bahnhvfstr.: .Schicksal'. — Astorla- Lichtspiele: ,Der Bvfferkönig von Aeuyork." folgenden Plan: 1 tag: Aschaffenburg — (Johannisberg — Gräfenberg — Heigenbrücken 2 Tag: Heigenbrücken — Mespelbrunn - Gailbach — Aschaffenburg 3. Tag: Aschaffenburg — Aeu- stadt — Mtchelstadl — Reichelsheim. 4 Tag: AeichclSdeim — Bodenstein Aeunkircher Höhe — Brandau. RDV. Reue Derfuchc zur Hebung der Berke hrsficherheit auf der Eifenbahn. In dem Bestreben, die Sicherheit auf den Bohnen immer mehr zu erhöhen, werden von der Deutschen Reichsbahn jetzt mehrere wichtige Reue- rangen tm Signalwefen erprobt. Rach dem Por- bilde Amerikas, wo auf den elektrischen Eisenbahnen auch an Tage das farbige Licht an Stelle der jetzt üblichen Flügel und Scheiben als Signal zeichrä benutzt wird, macht damit auch die Reichsbahn feit mehreren Monaten umfang- reiche praktische versuche auf der elektrisch betriebenen Strecke Lauban—Hirfchberg—Königefeld. Diese versuche haben das Ergebnis gezeitigt, daß die neuen Signale viel aufdringlicher wirken. — Eine weitere Ergänzung des Signalwesens wird gegenwärtig in verschiedenen formen ausge- probt: Dorbereitungsfignale in Form schwarz und weiß gestrichener Tafeln, die den Lokomotivführer schon vor Erreichung des Vorsignal» darauf aufmerksam machen, daß er sich dem Signal nähert. Diese» Hilfsmittel soll vor allem btc Sicherheit bei Rebel erhöhen. Um ferner zu verhüten, daß infolge des Versagens der Aufmerksamkeit de» Lokomotivführers die Signale überfahren werden, bemüht man sich bei der Reichsbahn eine automatische Uebcrtra- gung der Signale auf bie Lokomotive herzustellen. Da diese Aufgabe jedoch bei hohen Zuggeschwindigkeiten erhebliche Schwierigkeiten bietet, werden einer allgemeinen Einführung solcher Sicherungen noch längere Versuche in größerem Maßstabe vorangehen müssen. ee Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 33 Ochsen, 6 Dullen, 5 Kühe, 919 Kälber, 1303 Schafe. 802 Schweine. Turnen, Sport und Spiel. Molorradturnier in Scholten. •*- Schotten, 15. Sept. Wer der Meinung war, das von dem jungen Vogelsberger Automobil- und Motorradklub oer- anftaltete Motorradturnier am verflossenen Sonntag könne nur lokale Bedeutung haben, war sicherlich angenehm enttäuscht. Waren doch mehr als 40 Maschinen am Start erschienen. Da» bergige Gelände, in dem z. B. in der Zuverlässigkeitsfahrt Höhenunterschiede bi» zu 200 Meter zu überwinden waren, und die vielen schwierigen Kurven stellten hohe Anforderungen an die Fahrer. Dennoch verlief das ganze Rennen ohne ernstlichen Unfall, wa» nicht zuletzt der Sonne zu verdanken ist, bie noch rechtzeitig die Straßen abgetrocknet. Das Rennen wurde in drei Abteilungen, einer Berg-, Zuverläs - (ig teils- und Geschickt ichkeitsfahrt ausgetragen. Die beste Leistung hat Krämer- Friedberg (Hörer) in der Klaffe bis 500 Kubikzentimeter aufzuweisen. In der Bergfahrt fuhr er die 3,2 Äliometer lange Strecke in 1 Min. 19 Sek., in der Fahrt „Rund um Schotten" viermal die 17,6 Kilometer lange Rennstrecke in 58 Min. 43 Sek. Don einheimischen Fahrern errang der hiesige Zahnarzt Dr. Schott in der «Aaste bi» 175 Kvbtkzeirtt- meter (Sieg) in der Bergprüfung einen zweiten Preis, in der Zuoerlässigkeitsfahrt einen ersten Preis, im Gefamtklasiement einen ersten Prei». Landwirtschaftsrat Wenzel (O-Rad) in der Klasse bis 500 Kubikzentimeter erhielt in der Zuoerlässig- keitsfahrt einen dritten Preis, im Gefamtklasiement einen vierten Preis. Der Kiuboreis für Gefchicklich- keitsfahren wurde Beck Gelnhaar zugefprochen. Die verschiedenen Rennen lockten eine große Zu- fchauermenge an, die Absperrung halte eine Abteilung Schupo übernommen. Breilensträter endgültig deutscher Schwergewichtsmeister Der Vorstand des Verbandes Deutscher Faustkämpfer hat den von Samson.Körner gegen die Entscheidung seines Mcisterschaftskampses mit Br eiten st rä ter eingelegten Protest abgewiesen. Ergebnisse im Internationalen Flugwettbewerb. München, 16. Sept (TU.) 3m 3nter- nationalen F l u g w e 11 b« we rb München auf dem Flugplatz S ch l e i ß h e i m sind jetzt die Sieger in den ei meinen Wettbewerben festgestellt worben: 3n der Hindernis-Landungs- Konkurrenz 1. v. Linden auf ilbet. Den Ge- schwindigkcitSslug beendete Eroneiß auf Messerschmitt als Sieger. 3m Angelflug-Wett- bewerb erzielte Hub er auf einem Flugzeug der Unterfränkischen Spvrtflug T. m. b. H. die beste Leistung, im Kunstsliegen A a a b auf Dietrich. 3m Publikumswettbewerb lautete die richtige Lösung für die Höhenschätzung 340 Meter xmb für die GeschwindigkeitSschätzung 115,7 Kilometer Die noch ausstehenden Endergebnisse werden alsbald nach Derechnung bekanntgegeben. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 14. Sept Zwei wiederholt vorbestrafte Arbeiter von hier, Vater und Sohn, sind angcklagt, im Januar 1925 als rückfällige Diebe zwei Sack Stricklumpen im Werte von 60 Mk. einer hiesiger, Firma entwendet zu haben. Sie sollen die beiden Säcke auf dem Güter- bahnhos aestohlen, sie auf einen von ihnen mit Kohlen beladenen Wagen gelegt, sie in der Schanzenstrahc herunteraeworfen und beiseite geschafft haben. Die beiden Angeklagten werden zwar von dem Fuhrmann des Wagens stark belastet, allein die Hauptverhandlung ergab eine Bei he von Widersprüchen, die nicht aufgeklärt werden konnten und die deshalb zur Freisprechung mangels ausreichenden Beweises führten. Die Privatklage eines Schlossers von Allen- dorf a. d. Lda. gegen einen Bahnarbeiter daselbst wegen Beleidigung wurde dahin verglichen, daß Letzterer die Beleidigungen zurück- nahin und sich zur Zahlung aller Kosten verpflichtete. Gbensalls verglichen wurde die Privatklag« zwischen den Bewohnern eines Hauses dahier. Die beiderseitigen Beleidigungen wurden zurück- genommen: die Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens in gesetzlichem Umfang. 70. SmlMmlim ües Wifdien Beretoü her MMslf-SM« io Meo oom 20. bis 23. üepMet. Sonntag, den 20. September Vormittags 9V- Uhr: Festgottesdienste. Prediger in der Stadtkirche: Pfarrer D. Mahnert-Innsbruck; in der Iohanneskirche: ein Vertreter der evangelischen Kirche in Polen. Nachmittags 2 Uhr: Aufstellung auf Oswaldsgarten zum Festzug, im Anschlust daran: Evangelische Volksversammlung in der Dolkshalle, evtl. Paralleloersammlungen in Lokalen, die noch näher bezeichnet werden. Montag, den 21. September Abends 8 Uhr: Begrüßungsversammlung in der Iohanneskirche. Dienstag, den 22. September Vormittags 11 Uhr: Festgottesdienst in der Stadtkirche; Prediger Generalsuperintendent D. Kalweit-Danzig. Nachmittags 4 Uhr: Erste öffentliche Hauptversammlung in der Universitätsaula. Abends 8 Uhr: Volkstümliche Versammlung in der Stadtkirche. Mittwoch, den 23. September Vormittags 11 Uhr: Zweite öffentliche Hauptversammlung in der Universitätsaula. Abends 8 Uhr: Vorführung des Siebenbürgenfilms in der Universitätsaula. Zu dieser Tagung wird ein Festbuch ausgegeben, in dem auch die nichtöffentlichen Versammlungen aufgeführt sind. Das Festbuch kann bei den Pfarrern und Kirchendienern bestellt werden, wird auch durch junge Gemeindeglieder vertrieben, es kostet 50 Pfennig. M kmgemei werben ju reger Beteiligung oo den Beran Bungen eingeioöen nnö getreten inftoggen Bei den Versammlungen in den Kirchen und beim Gottesdienst am 22. September (Dienstag) wird ein Teil der Plätze für die Abgeordneten reserviert werden. Evangelischer Gesamtkirchenvorstand. Bestellungen frei Haus Marburgerstraste 7. Seltersweg 58. Telephon 1519 und 1039. s8671D eine Treppe. 8693V Herren- und Damen-Bekleidung. neben. 07615 Klein-Linden, den 16. September 1925. Teleph.829 Wir empfehlen: 8683a 20% Astoria-Lichtspiele Spannung! Toller Humor! 8435c billig 8687c Jaeemueik Janzmueik MäusburgS 30% 50% 2 rt> 3 Pfund LOB Pfund 1.40 Pfund 2«20 Hausen, Friedberg, Darmstadt, den 17. September 1925. CD a> v> ?v Heute nacht entschlief sanft in dem Henn mein geliebter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Altes viel iLleiröhrem lauft Briihßche Druckerei *‘D Schulstr. 7'9. Alle Sorten Käse in besten Qualmten, stets frisch Heinrich Driesch Selkersweg 70.^ Die Beerdigung findet Freitag, den 18. IX. 25, nachm. 3 Uhr statt. 07633 Gießen, Darmstadt, den 16. September 1925. Die Beerdigung findet am 19. September 1925, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. 8680V Hamburger Kaffee-Lager ThamsLGarfs Wohnungstausch Wetzlar-Gießen. Schöne 4-Zimmer-Wohnung in Wetzlar gegen schöne 4* oder 3-Zimmer-Woh° nung in Gießen zu tauschen gesucht. Stückrath Sc Bender, G.m.b.H., Giehen. Spedition und Möbeltransport, Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofsir 60 vorn. Hermes Neue Kurse 12. Oktober, i Obstversteigerung. Am Montag, dem 21. September, oll das der Gemeinde Saasen gehörige Obst: bestehend aus Aepfeln, Birnen und Zwetschen versteigert werden. Zusammenkunft vormittags um 9 Lihr im Ort. Hessische Bürgermeisterei Saasen. Schmitt. 8675V Aemm möglichst geschlossen, nebst Stallung, Scheune usw., evtl, auch Bureau, von einer Brikettfabrik sofort ob. per I.Okt. zu mieten gesucht. Schrift!. Angeb. mit Mietforderung uni. 07607 a. d. 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Goeres Dr. Friedrich List Charlotte List Per sofort zur Vertretung meines Mädchens [07606 tüchtiges Mädchen oder grau für 4 Wochen gesucht. Frau Siesel Ludwtgstrahe 39. Obstversteigerung. EamStag, den 19. September, vormittags 9 Uhr anfangend, soll das der Gemeinde Annerod gehörige Obst: bestehend aus Aepfeln, Birnen undZwetschen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft bei der Kirche. Annerod, den 15. September 1925. Bürgermeisterei Annerod. Horn.8692V ßOllIO'jjfb.l.OO, 0.80 lee %Pfd. 1.25,1.00 SHotoiflöe i nc I-Pfund-Block.. 1.U3 3 Tafeln Krem 0.70 3 Tafeln Milch 0.85 3 Tafeln Speise 0.70 Bonoon5‘®;0.i8 Urahnen v, Psd. 504 gr., m.K.,Pfd. 45,40 Rollmops Stück 15 5) Sauerkraut neues, ver Pfd. 15^ Kornbrot la 4-Pfd.-Laib 03 9, Weißbrot 4-Pfd.-Laib 73 billige Liköre alleSort.,v.F1.4.50 Weinbrand V. Flasche 3.50 Pfefferminz ' t Flasche 2.80 Setteltzekümmel */t Flasche 2.80 Würget Itopfen '/. 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Heute bis einschl« Sonntag: Oer Boxerkönig von Neuyork I. und IL Teil in einem Programm Heute bis einschl. Sonntag: Schicksal 5 Akte aus dem Leben eines jungen Mädchens Nach Motiven des Romans „Das verlorene Paradies“ von Guido Kreutzer. Hauptrollen: Lucy Doraine Conrad Veidt Lia Eibenschütz Lucy Doraine, schön und sympathisch im Spiel als Yvonne von Glayn. wahr und eindrucksvoll, meistert sicher die reiche Skala menschlichen Leides, die ihrer Rolle zugemessen. Ihre rassige Erscheinung bedeutet allein schon den Erfolg. Conrad Veidt, der große Charakterspieler, gibt eine Intensität hemmungsloser Leidenschaft, erzge- . gossen und bezwingend. Lia Eibenscbütz, fein und lieb und die dämonische Figur der Tänzerin Varene, dargestellt von Hilde Radnay, vervollständigen das Bild des großen Films Die schwierige Rolle des Ministers von Glayn liegt bei Eduard von Winterstein in sicheren Händen. 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Pro|e||or der ®e- schichte an der Universität Gießen. Wenn, wie früher baraelegt, Deutschland burd) bas Zusarttmenrücken zwischen England, Frankreich unb Rußland täglich mehr eingeengt würbe unb in Europa keinen neuen Bundesgenossen gegen bie drohende Einkreisung gewinnen konnte, fo schien es einen Augenblick, als ob es an den Vereinigten Staaten eme Anlehnung finben könne. Die Basis einer solchen Berstand'guna sollte bie ostasiatische Frage bilben. Denn in Ostasien hatten beide Mächte wesentlich dieselben Interessen. Alle anderen Großmächte verfolgten hier mehr oder weniger terri» toriale Pläne: England wollte den ausschließlichen Einfluß in Sübchina erlangen, Frankreich seine tongkinesischen Provinzen vergrößern: Japan erstrebte den Hauptteil der Mandschurei unb den vor- waltenden Einfluß in Pekina, Rußland die Annexion der Mongolei unb Ostlurkestans. Die Bereinigten Staaten unb Deutschland hatten dagegen rein wirtschaftliche Ziele. Wenn auch Deutschland in Kiautichou einen Stützpunkt besetzt hatte, so war damit nicht die Absicht auf weitere Erwerbungen verbunden. Im Gegenteil, Deutschland hatte wiederholt seinen Wunsch, China vor weiteren Zer- Meinerungen zu bewahren, kundgetan: mit den Bereinigten Staaten verfocht es daher den Grundsatz der allgemeinen Gleichberechtigung, der „offenen Tur" in China. Beide Mächte wünschten sogar eine Kräftigung Chinas, damit es etwaigen Aufteilungs- versuchen ersolgreichen Widerstand vieten könne. In diesem Gedanken verfolgten beide Mächte die Verhandlungen zwischen Japan, Frankreich, England unb Rußland, die nach dem russisch-japanischen Kriege stattfanden, mit Aufmerksamkeit: der Argwohn, daß jene Verabredungen zum Nachteile Chinas und zur Schließung der offenen Tür planten, erhielt Nahrung, als Japan mit Frankreich ein Abkommen traf, worin beide sich Unterstützung bei inneren chinesischen Unruhen zusagten. Aller- dings wurde in dem Vertrage Chinas Integrität anerkannt, aber da China bei dem Vertrage gar nicht zu Rate gezogen war, so erschien das als leere Formel, und ebenso wurde China in einem bald daraus abgeschlossenen russisch-japanischen Vertrage (Juli 1907) nur als Objekt behandelt. Wie die ehemaligen Widersacher den Grundsatz der chinesischen Unverletzlichkeit unb Unabhängigkeit auffaßten, bewies ihr Schallen in ber Mandschurei, wo auf bie rechtmäßigen Besitzer keinerlei Rücksicht genommen würbe. Da gleichzeitig sich England und Rußland immer mehr näherten, fo schien ein allgemeines Einverständnis zwischen den drei europäischen Mächten und Japan bevorzustehen: es fragt sich, ob China ihrem Verlangen nach irgendwelchen, den andern schädlichen Zugeständnisien werde wider- stehen können. Da China einstweilen noch schwach war, so drängte sich die Vermutung auf, daß die begehrlichen Mächte, voran Japan, möglichst bald die chinesische Frage aufrollen würden, ehe China Zelt zur Stärkung gewonnen habe. In Deutschland wie in Amerika fühlte man sich durch diese Möglichkeit beunruhigt. Der deutsche Botschafter Speck von Sternburg erhielt den Auftrag, die Stellung der Vereinigten Staaten zu diesen Vorgängen zu erforschen und wenn möglich ein Zusammengehen einzuleiten (Mitte September 1907), aber schon ehe ihn diese Weisung erreicht hatte, hatte er mit dem Präsidenten Roosevelt ein eingehendes Gespräch über die ostasiatischen Dinge gehabt. Wenn man in Deutschland vorwiegend die kommerzielle Seite betrachtet, so bereitet dem Präsidenten bie politische noch mehr Sorge. Er nahm bei ber unverkennbaren Feinbschast der Japaner gegen Amerika bereits die Möglichkeit eines Krieges in Aussicht, für den Amerika nicht gerüstet fei. Die amerikanische Flotte, sagte er dem Bot- schaster, solle zwar durch eine neue Vorlage um 50 Prozent vermehrt werden, aber trotzdem könne sie keine Ossensioe in die japanischen Gewässer wagen, weil sie dort keinen befestigten Stützpunkt besitze. Und zu Lande seien die Amerikaner den Japanern einstweilen bei weitem nicht gewachsen: erst nach schweren Niederlagen werde bas ameri- konische Volk die Notwendigkeit größerer militärischer Opfer begreifen. Die Konsequenz dieser Anschauung wies offenbar auf ein Zusammengehen mit Deutschland hin, um die ostasiatische Gefahr zu verringern, und Roosevelt entzog sich ihr nicht. Als Nachrichten aus China nach Berlin und Washington kamen, daß China selbst den Anschluß an Deutschland und Amerika suche, um Schutz gegen die anderen Mächte zu erhalten, sprach er dem Botschafter aufs neue feine Ueberzeugung aus, daß Japan eine große Aktion vorhabe, und daß seine Versicherungen, Chinas Integrität achten zu wollen, keinerlei Glauben verdienten. Er werde daher gern -,um Schutze Chinas mit dem deutschen Kaiser Hand in Hand gehen. ..Ich würde Seiner Majestät für Vorschläge zur Ausrech- erhaltung des Status auo und Stärkung Chinas dankbar fein, auch möchte ich.des Kaisers Ansicht über das von China angeirebte Bündnis mit Deutschland und den Bereinigen Staaten hören" (8. November 1907). Daß man den Chinesen die Initiative für ein etwaiges Bündnis überlassen müsse, war ihm wie dem deutschen Auswärtigen Amt selbstverständlich, ebenso, daß man sich gegenseitig alle wichtigen Nachrichten aus Chino mitteile. Der Wunsch des Präsidenten wurde bald er- füllt. Als neue Berichte aus Peking die Sendung von Spezialgesandten nach Berlin und Washington wr Besprechund der Bündnissrage ankündigten, begrüßte der Reichskanzler Fürst Bülow die Möglichkeit einer solchen Verständigung mit Freude. Ein förmliches Bündnis, meinte er, werde freilich nicht zustande kommen, do der amerikanische Staat dafür nicht zu haben sein werde, aber man könne Deklarationen austauschen, ..worin China Deutschland und die Vereinigten Staaten um Unterstützung feiner Politik zu bitten hätte". Chino müsse dabei seine Polittk „dahin präzisieren, daß es keine territorialen Abtretungen zugunsten irgendeiner Macht vornehmen und die Tür für den Handel oller Nationen ofefnholten wird, während Deutschland und die Vereinigten Staaten China ihr Einverständnis mit dieser Politik zu erklären und ihm gleichzeitig die Zusicherung zu erteilen hoben würden, ihre Politik darauf richten wollen, daß die Integrität und die Unabhängigkeit Chinas in vollem Umfange aufrechterhalten wird (6. Januar 1908). Kurz darauf faßte der Kaiser seine Ansicht zusammen in den Sätzen: „Es muß nach Besprechung mit China, Amerika und von uns von hier und von Washington aus ein Statement of policy gemacht werden, welche allen anderen Nationen zur Kenntnis mitgeteilt wird. Darin steht als Hauptsache: open dor, Status quo und Integrity of Chinese Empire." Daß man es mit diesen Grundsätzen ernst nehmen wollte, bezeugt die weitere Erklärung Bülows, daß jede Abmachung über Der- günftigungen Chinas an Deutschland und Amerika unterbleiben müsse, weil sie der offenen Tür widerspreche. Roosevelt zeigte sich über die Nachrichten aus Peking wie aus Berlin hoch erfreut, so daß die Möglichkeit einer Verständigung in naher Sicht zu liegen schien. Aber da stockten plötzlich die Verhandlungen. Zunächst konnte sich Chino trotz oller Verheißungen nicht zur Absendung des Spezialgesandten entschließen, vermutlich weil Differenzen innerhalb der Pekinger Ministerien die Entschlußkraft lähmten, und bann verließ Roosevelt unerwartet die bisher von hm innegeholtene Linie. Zur Uebecraschung der diplomatischen Welt schloß er mit Japan ein Uebereinkommen (vom 30. November 1908), worin in der üblichen Weise die Aufrechterhaltung und Unverletzlichkeit Chinos und der offenen Tür ausgemacht wurde. Der Präsident begründete diesen Beschluß mit der Bemerkung, der geplante deutsch-amerikanisch-chinesische Vertrag würde vermutlich „China zu einer japan- feindlichen Politik verführt" und damit die Gefahr eines Konfliktes mit Japan heraufbeschworen haben. Um einem solchen Zusammenstöße, in dem bann bie Vereinigten Staaten als Protektor Chinos mit hineingezogen werden müßten, zu entgehen, habe er es vorgezogen, auf das Abkommen mit Deutschland zu verzichten unb Japan burch den Vertrag zu binden. Ob diese Erklärung die letzten Gedanken Roosevelts darstellte, steht dahin: Während esiner Verhandlungen mit dem deutschen Botschafter hatte er nie eine Besorgnis vor der Gefahr einer friedensstörenden Politik Chinos, wohl aber fein tiefes Mißtrauen gegen die japanische Begehrlichkeit unb Unzuverlässigkeit zum Ausbruck gebracht. Es fällt baher schwer, anzunehmen, baß er jetzt solches Vertrauen zur japanischen Vertragstreue gehegt hoben soll: Vielleicht Hot sich, wie einer ber beiten Kenner ber ostosiotischen Beziehungen — noch ohne Kenntnis ber Geheimakten — vermutet (O. Franke, Die Großmächte in Ostasien. Leipzig 1916) englischer Einfluß im antibeutschen Sinne bei ihm gcltenb gemacht. Wie dem auch sei: Der Versuch einer deutsch-amerikanischen Entente über Ostasien, der der Ausgangspunkt zu weiteren, den Frieden sichernden Schritten hätte sein können, war gescheitert: es war Deutschland nicht gelungen, eine Waffe gegen den sich bildenden Vierverband zu schmieden. welche Stellung nehmen Sie ein? Von Fritz Müller-Partenkirchen. Reulich lag ich im Feriengras. Da kam ein Mann mit einer Sportmütze und fragte mich: .Deiche Stellung nehmen Sie eigentlich ein zu dem OIutomobilDcrbot in Graubünden?" Ich sagte, ich wollte biS morgen darüber nachdenken. Aber er meinte, solange könne er nicht warten und ging weiter. Dann kam eine Dame vorbei mit einem Tennisschläger, setzte sich aus einen Baumstumpf in der Aähe und sprach zuerst vom Detter. Aber schon nach den ersten drei Sätzen zielte sie auf meine Brust und sagte: „Deiche Stellung nehmen Sie eigentlich zur Ehe ein, mein Herr?' Ich sagte, das käme so plötzlich, und ich woUtc bis morgen darüber nachdenken. Aber sie meinte, was ich morgen für eine Stellung zur Ehe einnehme, sei ihr gleich, und sie wollte wissen, wie meine Stellung jetzt, in diesem Augenblick, sei. Aber während ich darüber nachdachte, war sie mit einem Herrn fortgegangen, der sie fragte, welche Stellung sie eigentlich in der Suffragettenfrage einnehme. Dann kam ein Herr mit einer Brille und fragte mich, Weiche Stellung ich eigentlich zu den denkenden Elberfelder Pferden einnehme. „3a. Herr Professor." sagte ich. „das ist nun so ’ne Sache." „Ach was." sagte er, ,’nc Sache! ’n Schwindel ist es!" Als er nach einer halben Stunde mit dem Schwindel fertig war. kam ein Schriftsteller und fagte, er sei auch ein Dichter und möchte gern von mir erfahren, welche Stellung ich eigentlich zu der neuen Lyrik einnehme. Ich sagte wahrheitsgemäß, ich wüßte es nicht. Woraus er mich einen Ignoranten hieß Nicht lange, und der Kapellmeister der Kurkapelle kam vorbei, trällerte ein Liedchen und fragte mich, welche Stellung ich eigentlich zu Richard Strauß einnehme. Aber er wartete gor nicht meine Antwort ab, weil er' von einem Racheilenden angehalten und befragt wurde, welche Stellung er zum Futurismus in der Musik einnehme. Heftig mit den Armen fechtend gingen beide weiter. Dann kam der Mann, der mich rasiert. Kaum sah er mich im Grase liegen, als er ein Zeitungsblatt aus der Tasche riß und mich bestürmte, welche Stellung ich zu den neuesten Balkanverwicklungen einnehme. „Den Teufel nehme ich ein, mein Herr", sagte ich. In diesem Augenblick läutete es zum ersten Male zum Abendessen. Da kamen sie alle über die Wiese, der Herr, das Fräulein, der Professor. der Schriftsteller, der andere Herr, der Kapellmeister, der Racheilende, der Friseur und sahen empört, wie ich im Grase lag mit dem Gesicht nach oben. Und sie deuteten mit den Fingern auf mich und machten ein großes Geschrei und tagten, ich sollte mich schämen, daß ich als gebildeter Mensch nicht einmal "eine or- denllichc Stellung zu den wichtigsten Sachen entnehmen könnte. „O doch", sagte ick bescheiden. „Dann beweisen Sie es uns!" schrien sie. „In den Ferien," sagte ich. „in den Ferien nehme ick zu den wichtigsten Fragen grundsätzlich diese Stellung ein, meine Herrschaften." und drehte mich langsam im Grase herum — mit dem Gesicht nach unten. Wie man Affen fängt. Es gibt eine Geschichte von Wilhelm Busch, in der ein schlauer Matrose seine Stiefel mit Pech einschmiert, sie dann im schönen Afrika Die Herbstubungen unserer Reichswehr. Don L. Drees, Major o. D. „Nur einen bescheidenen Rcs^ ließ ber Ausgang des Weltkrieges übrig von Deutschlonbs Wehrmacht. In den ersten Jahren der Republik heilig um- tritten, innerlich auch noch nicht roieber geschlossen, ft heute bas Reichsheer unb bie Reichsmarine orocik schon ein Teil bes Volksaanzen geworben, daß an ihm Bevölkerungskreise Interesse nehmen, bie früher für ben Militarismus in feiner alten Prägung nichts übrig hotten." So schrieb eine be- btuienbe Schweizer Mililarzeitschrift. Das Wesentlichste aus biesem Urteil ist bie also auch im Aus- lanb herausgefühlte Tatsache, baß Deutschlonbs Be- völkerung in weiten Kreisen roieber an seiner Wehr- macht Interesse zu nehmen beginnt. lieber ben Wert erweiterter Gelänbeübungen bzw. Flotlenübungen in größeren Verbänden auf hoher See viel Worte zu verlieren, bürste sich wohl erübrigen, nur für ben Laien sei kurz erwähnt, daß derartige Hebungen bie Mannschaften unb unteren Dienstgrabe für kurze Zeit mit ben von Kosernenhof bzw. Uebungsplog unb ben von Hofen- bzw. Küstenübungen erheblich abweichenden Verhältnissen vertraut machen sollen. Für die mittleren und höheren Dienstgrade aber bilden sie die unerläßliche Schule für die Gefechts- usw. Führung. Daß selbstredend aus ben verschiedenen Ursachen olle Gefechtsbilber erhebliche Abweichungen vom Ernstfälle aufweifen, tut nichts zur Sache, bas ist auch nicht zu ändern, der Zweck der Uebungen wird trotzdem bei richtiger Anlage und Leitung erreicht. Bereits im vergangenen Jahre war es unserer Reichswehr möglich, bei einer größeren Anzahl (4) Divisionen Herbstübungen größeren Stils abzuhalten. In diesem Jahre ließen es die Verhältnisse zu, daß alle 7 Divisionen im Lause des September zur Abhaltung dieser wichtigen Geländeübungen ousrücken konnten. Wenn das bei unserem alten Heere natürlich eine Selbstverständlichkeit war, über die weiter kein Wort verloren wurde, heutzutage ist es anders, und mit Fug unb Recht können wir diese erfreuliche Tatsache dafür ansprechen, daß die inzwischen geleistete Arbeit im Aufbau der uns verbliebenen kleinen Wehrmacht doü sichtbarem Erfolg gekrönt ist. Die gesamte Reichswehr übte also in biesem Jahr.- auch außerhalb ber Truppenübungsplätze im freien Gelänbe. Die Reiterregimenter der Kavallerie-Divisionen waren für diese Zeit auf bie sieben Jnfanterie-Dioisions-Derbänbe unseres Heeres verteilt. Als Monöoergebiete waren die Gegenden um Deutfch-Eylau (1. Division), um Neu-Brandenburg (2. Division), um Görlitz (3. Division), im westlichen Erzgebirge (4. Division), um Erfurt (5. Division), um Minden (6. Division) unb zwischen Straubing unb Regensburg (7 Division) ausgewählt worben. Ebenso wie in ber Vorkriegszeit beginnen bie Manöver durch Kämpfe kleinerer Detachements, um schließlich in den größeren Verbänden zu enden. Einige Manöver schließen mit den Vormärschen der versammelten Truppen ab, so bei der 2. Division, an deren letztem Ucbungstage auch der Reichspräsident Feldmorfcholl Hindenburg teilnahm. Es ist natürlich, daß bie kleine durch den Versailles-Vertrag an allen Ecken unb Enden beschnittene und somit als Ganzes verstümmelte deutsche Wehrmacht, auch bezüglich des Rahmens ihrer Feld- übungen nicht den Anspruch erheben kann, etwas den neuzeitlich-militärischen Verhältnissen Entsprechendes zu leisten, wie wir es von ber alten stolzen vorkriegszeitlichen Armee gewohnt waren. Die geringen Stärken schließen selbstoerstänblich größere strategische Lagen, wie sie ben früheren großen Armeemanövern zugrunbe lagen, aus, aber für bie untere Truppenführung unb für bie unteren Dienstgrabe unb Mannschaften hat bas auch fein Gutes. In gewißen Kreisen kommen biese babei in erweitertem Maße zu ihrem Recht unb lernen mehr. Das aber hat bei ber Zusammensetzung unserer Reichswehr beshalb befonbere Bedeutung, weil wir ben Schwerpunkt ber Ausbilbung auf ben einzelnen Mann legen müssen. Die Manöverbllber selbst unterscheiben sich auch recht wesentlich von ben früher gekannten. Die farbenfrohen Uniformen ber alten Regimenter fehlen, sie gehören genau fo ber Vergangenheit an, wie bie ber alten friebericianifchen Truppen aus den Schlesischen Kriegen, unb doch welch kurze Zeitspanne trennt uns erst von 1914. Das Bilb ber manöorierenben Truppen ist aber auch erheblich anders. Das Wort von der Leere des Schlachtfeldes, das jeder Frontkämpfer praktisch kennen lernte, bas wirkt sich natürlich auch im Manöoerbilde aus. Sehr erschwerend fällt für bie Darstellung neu- j eillichcr Manöoerbilder bei uns natürlich bas Fehlen ber für ein Heer ber heutigen Zeit selbstverständlichen schweren Artillerie. der Flieger unb Tanks ins Gewicht. Um nun nicht ein gänzlich verzerrtes Bild zutage zu fördern, mußten wir uns hier mit iltrappen unb Annahmen helfen, gewiß ein mißlicher Uebelftanb, doch er muß im Hinblick auf unsere traurige Lage mit in den Kauf genommen werden. Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß bieienigeit Einrichtungen die vollkommensten und besten sind, deren Sebeutung erst bann zutage tritt, wenn sie nicht mehr vorhanden bzw. ukiui ihre reibungslose Tätigkeit unterbunden ist. Voll und ganz hat sich das zum Schaden unseres Staatskörpers beim Zer» chlagen der alten Wehrmacht ausgewirkt. Weil das ober" der Fall war, io ist es erklärlich, daß den wiebererftarfenben militärischen Einrichtungen von eiten des Volkes Intercste entgegengcbracht wird unb werben muß, soll Heer unb tflotte die stelle einnehmen, die ihnen im Rahmen des Volksganzen gebührt. • Abgesehen von ber für bie militarttechnttche Weiterentwicklung bestehenden Notroenbiakeit von größeren Truppenübungen haben diese Uebungen beim Heere auch den luofoen Vorteil, bie Truppen roieber in erweitertem Maße mit weilen Kreisen ber Bevölkerung in Berührung zu bringen. Diesem Gesichtspunkt ist jetzt erhöhte Bedeutung zuzu- messen, weil wir leider keine allgemeine Wehrpflicht mehr besitzen, die ohivk weiteres bas innige Zu- sammenwachsen des Volkes mit feiner bewaffneten Macht gewährleistet, mie es sich ja in so schöner Weise in Heer unb Flotte bes allen Deutschlands ausroirkte. Auch die geringe Kopfstärke unb damit verbunden das 'Zlufatbcn zahlreicher Städte als Garnison hat dazu beigetragen, daß manche Be- völkerungskreise mehr oder weniger, wenigstens wie man meinen sollte, bie Fühlung mit der bewaffneten Macht verloren haben. Daß dem im ganzen genommen aber nicht so ist, hat ersreulichermreise in allen Teilen Deutschlands ber bisherige Verlauf ber Herbstüdungen gezeigt. Die Iruppcm finb durchweg vorzüglich ausgenommen, ja teilweise geradezu verwöhnt worben. Soweit es sich um befonbere militärische Veranstaltungen. wie z. B. Vorbeimärsche ber zusammenge« zoqenen Verbände, hanbelte. war die Anteilnahme aller Kreise, auch der städtischen Bevölkerung, bas verdient hervorgehoben zu werden, eine außer- aeroöhnlich groß,-, so daß hierdurch der Beweis erbracht sein dürfte, daß auch im neuen Deutschland trotz aller pazifistischen Bestrebungen von innen und außen inzvnschen bas gesunde Empfinden zum Durchbruch gelangt ist, daß eine Wehrmacht, ob groß ober klein, einen wichtigen unb lebcnsnot- wendigen Faktor im Dasein jeder staatlichen Volks- gemeinschost bUbet. Natioua?stenographie unb Einheitskurzschrift. In ben Tagen vorn 12. bi« 14. September fand in Weimar ber 27. Bundestag des Reichsbundes für Rational st eno- gra vhie unter starker Beteiligung statt. Ia ber Vertrete rvcrsammlung wurde die stenographische Lagst eingehend besprochen und zur Frage der RcichSktrzschrist- folgende Entschließung einstimmig angenommen: Der Deichsbund für Rationalsten og^aphie kann die Reichskurzschrift nicht als ein für das deutsche Volk geeignetes Einheitssystem anerkennen, weil sie weder dem Stand der stenographischen Forschung entspricht, noch so einfad> ist, daß sie ohne Schwierigkeit von jedem erlernt werden kann. Der Reichsbund für Rationalfrenogravhie erflärt, daß nur ein lokbc« System Ciinheitskurzschrift werden kann, daß den Ergebnissen der stenographischen Wissenschaft gerecht toiri> und dessen Vorzüge durch Vergleichs- kurse mit anderen Systemen festgestellt ist. so daß es für bie Volkswirtschaft den größtmöglichsten Ruhen verbürgt. Der deutsche Bankiertag. Berlin, 16. Sept. (Wolfs.) Auf ber heutigen Tagung bes Deutschen Bankiertages er- stattete zunächst Rubols Löb, Mitinhaber bes Ban'.- Hausen Mendelssohn & Co., ein sehr ausführliches Referat über das Thema „Auslandkrebite unb Auslandbeteiligung in ber brutschen Wirtschaft". Seinem Vortrag schickte er bie Bemerkung woraus, baß ber Mangel an Verslänbnis für die Notwendigkeit unb Unvermeiblichkeit ber Härten ber Uebergangsperiobe, in ber wir um be- finben, in Deutschland eine pessimistische Einstellung hinstellt, worauf sofort ein Affe kommt, sich die Stiesel anzieht und durch diese ungewohnte Fußbekleidung auf ber Flucht so behindert wird, baß man ihn leicht fangen kann. So einfach ist in Wirklichkeit ber Affensang nicht, aber mit ein wenig Geschicklichkeit und List kann man sich der schlauen Tiere doch ohne zu große Schwierigkeiten bemächtigen. Bei ber großen Tiersangreise nach Abessinien, bie dem Berliner Zoologischen ©arten so zahlreiche und wertvolle neue Insassen zuführte, hat man recht wirksame Methoden an* gewendet, von denen der Leiter der Expedition, Dr. Lutz Heck, berichtet: Rachdem man alle umfangreichen Vorbereitungen für die Unterbringung unb Ernährung ber zu fangenben Tiere getroffen hatte, ging man baran, bie großen Mantelpaviane zu fangen, deren Beschaffung ein Hauptziel der Reise war. Diese leben schon ganz in der Rähe ber Stadt Direbaua. einer Hauptstation der französifch- abessinischen Eisenbahn, in beträchtlichen Horben. Die Affen zeigen vor Menschen keine Angst: bie riesigen Männchen mit ihren starken Eckn zähnen ma en aber selbst einen Respekt ei«* flöhenden Eindruck. Um die Affen, die durch Plündern der Kornfelder stellenweise zur unerträglichen Landplage geworben finb, fangen zu können, bauten wir aus Knüppeln unb Zweigen, bie fest miteinander verflochten wurden, kleine P/s bis 2 Meter hohe runde Hütten von 3 Meter Durchmesser. Am Eingang dieser Hütten wurde aus Brettern eine einfache Falltür angebracht und durch einen daruntergeschobenen Knüppel ausgestellt. An den Stellstock ber Falle banden wir ein ungeSähr 20 bis 30 Meter langes Seil und legten uns hinter einen Dusch auf die Lauer, um den Knüppel wegzureiben und damit die Tür zufallen zu lassen, sobald einige Affen sich in das Häuschen gewagt hatten. Zum Anlocken der Tiere wurde es mit ihrem Gicblingsfutter, Mais und Weizen, reichlich beködert, unb außerbem wurde bie Umgegenb ber Hütte und lange Zu- gaugsroege zum Herbeiführen der Assen mit dem- t eiben Getreide bestreut..... Richt jeder Fang- verluch endet glücklich. Manchen Morgen faßen wir schon im Dunkeln bei ber Fanghütte gut versteckt und lauerten, erst fröstelnd in der kühlen Recht, dann von der Tropenfdnne unbarmherzig beschienen, bis gegen Mittag in Gluthitze vergeb* Fiel) bis zur Verzweiflung. Geplagt wurden wir babei von unzähligen Fliegen, die uns in ekelhafter Zudringlichkeit in den Mund und in die Ra'enlöcker krochen. Aber im allgemeinen hatte unsere Fangrelle sehr guten Erfolg. Wir selbst und die damit beauftragten Fänger hatten bald 75 große Mantelpaviane, Männc en, Weibchen und Junge, zusammen. Zu je dreien wurden sie in große Kisten verpackt, fertig zum Abtransport. Als be’onbcreo Schaustück sollte die Ekpedi* tion eine He.de der abessinischen Hochgebirgs- affen, der Rack.brustpav'ane tuet Dscte ada, he m* bringen. Ein ganzer Hordenverband dieser Assen, genau in Anzahl unb Größe, wie er die ©teil* hänge Abessiniens bis zu einer Höhe von 3009 Meier durchstreift, wurden gefangen. Der Fang gelang nur in kunstvoll ausgelegten Schlingen- Kleine flache Gruben, in denen gerade ein eini zelner Affe Platz fand und sich Hinsehen konnte, wurden ausgehoben, llm den Rand ber Grube waren, unter Erde versteckt, die Fangschlingen verborgen. Sobald nun ein ^Afse, in der Grube sitzend, damit beschäftigt war, das hineingestreute Futter zu fteffen, wurde von einem hinter Düq schen verborgenen Fänger die Schlinge zuge- zogen. Diele faßte das Opfer mitten um den Leib, so daß ein Entwischen unmöglich war. De« Affe wurde dann blitzschnell herangezogen, gefesselt und sofort in die bereitftefjenbe Kist« gesteckt. hervorgerufen bobe, welche sich notwendigerweise bc/.i Ausland mitteilen und die Erlangung aus» ländischer Kredite und Beteiligungen in Deutschland erschweren würde. (Sr sieht zu übermäßigem Pesli- mismlis keinen Anlaß, denn die Entwicklung habe zwar bisher noch keineswegs aus den Gefahren heraus, aber doch immerhin schon ein gutes Stück von dem uns unabweislich erscheinenden Sturz in den Abgrund hinwec^geführt. Man dürfe ausländische Kredite nicht beanstanden, insoweit sie zur Erreichung und Vervollkommnung des notwendigen Produktionsapparates und zur Ingangbringung der notwendigen Produktion unentbehrlich seien. Die Summe der schwebenden deutschen Schuld an das Ausland stelle zwar keine effektive Gefahr dar, sei aber erheblich zu hoch, und es müsse unser aller Bemühen sein, auf ihre Verminderung hinzuwirken. Die 'JHißlidjteit der Ausnahme von Anleihen durch die Kommunen müsse mit größter Schärfe geprüft werden. Die erwünschteste iyorm der ausländischen Kapitalbeteiligung sei diejenige, deutsche Aktien aufzunehmen, und es könne uns nichts Besseres widerfahren, als das Erwachen eines lebhafteren Interesses der Ausländer für Misere Börse. Hieran schloß sich ein Vortrag von Hofrat Jos. Schreyer- München über das gleiche Thema. Der Redner untersuchte im einzelnen die Hindernisse, die der Heranziehung, von Auslandkapital für das Pfandbriefgeschäft eiroqegenftänben. Der Abstellung auf ausländische Valuta stehe die deutsche Gesetzgebung entgegen. Eime Aenderung sei wünschenswert in bezug auf das Hypothekenbankgesetz, um den hinsichtlich der Haftung vom Ausland gestellten Forderungen entgiHenzukommen. Werden die bestehenden Hemmungen beseitigt, so könne der deutsche Boden die Basis füfr umfassende Auslandkredite werden. Den Schluß des theoretischen Teils der Tagung bildete die Beschäftigung mit den Fragen: „E ff e k- tenverkehr und B ö r s e o t e r m i n h a n d e l". Der erste Berichterstatter hierzu war Moritz Lichte n st e i n , in Firma Kömigsberger & Lichtenstein, Berlin. Ausgehend von der Spesenbelastung im Wertpapierhaydel, besprach der Bankier die Höhe der ausländischen ©pefcn, verbreitete sich über die Frage der Spesenermäßigirng, um dann auf Organisationsfragen einzugehen». Hier beschäftigte er sich mit der Behandlung bdr Effektenlieferung, um weiterhin bie Bebeutung B'es Terminhandels zu würdigen. Zum Schluß tourt*: auf ben Berliner Liquidotionsoerein eingegangen unb bie erforber- liche Sicherheitsleistung auch uan ber Kunbschast verlangt. — Zu bem gleichen Thema sprach bann ber Bankier Willy Siek- Hamburg. Die Versammlung nahm banjn u. a. solgenbe Entschließungen an: „Die in Deutschlanb wieber Hergestellte st a - b i I e Währung zu stärken urnb vor erneuter Gefährdung zu schützen, ist bas gemeinsame Interesse aller Wirtscyaftsstänbe. Der Bankiertag stimmt deshalb der von der Reichsbank durchgeführten Abwehr der Krsditvermeh- rung zu. Eine übermäßige Verschuldung an bas Auslanb übt bauernb einen Drwck auf unsere Währung aus. Die Verminderung disses Druckes ist notroenbig. Ein der wichtigsten Zukutrftssorgen der deutschen Währungspolitik ist die De/meidung der Abhängigkeit unserer industriellen Produktion von ber Einfuhr ausländischer Rohprodukte. Die Bestrebungen auf die Wiedererlangung a e - eigneten überseeischen Kolonialbesitzes müssen daher aufs tatkräftigste unterstützt werden." „Es wird endgültige Abkehr von der jetzigen Steuerpolitik gefordert. Not- wendig ist eine allgemeine Senkung des Satzes der auf Grund des Steuerüberleitungsgesetzes zu ^entrichtenden Vorauszahlungen. Es wird anerkannt, daß auch in ber Hand des Bankgewerbes Verbesserungen möglich sind. Insbesondere muß bei Kreditgewährungen von der Bankseits mehr als V bisher zwischen Krediten zu volkswirtschaftlich notwendigen und volkswietschaft- f (id) entbehrlichen Zwecken unterschieden werden. Wesenllich werden die Unkosten der Ban- ' ken durch die zu große Zahl der Wettbewerber erhöht. Die in den letzen Jahren erfolgten umfangreichen Neugründungen staallicher, kommunaler und gemischt-wirtschaftlicher Banken Haden die Ueberfüüung des Berufes verschärft. Es ytuß daher dringend gefordert werden, daß dieser lEntwick- lung Einhalt geschieht." _ - Schließlich sprach man sich noch für eine Entschließung aus, in der die Heranziehung auslän- bischer Kredite und ausländischer Beteiligungen für die deutsche Wirtschaft als (Nachdruck verbvten.) 12. Fortsetzung. Er verlor sich wieder in überschwenglichen Gefühlen. Ruth aber hörte die angstvolle Empfindung heraus, die aus der Verbitterung unb der Vereinsamung heraus die Hände nach ihr streckte. Ein heftiger Zorn ballte sich in ihrem Herzen, und stumm druckte sie seinen grauen Kopf an ihre Brust. ..Roch eine letzte Frage, Ruth?" „Sprich!" „Liebst du ihn im stillen doch noch?" „Ich hasse ihn!" stieß sie wild hervor und warf den Kops mit den schweren blonden Flechten herausfordernd in den Racken. Sie hatte so laut gesprochen, als ob Hanns Ingold es hören mühte. „Dann will ich seine Broschüre lesen und ihm wenn er die Versammlung halt, von der die Zeitung schreibt, die Antwort nicht schuldig bleiben." , „ , „Tu's nicht", wollte sie sagen, aber sie fand nicht mehr die Kraft dazu und warf sich in die drängende Arbeit, um ihrer Gedanken und Kämpfe Herr zu werden. Als Ruth Engelhardt vor sieben Jahren ihren Liebestraum gelebt hatte, war sie ganz von der ausschweifenden und doch wunschlosen Seligkeit der ersten Liebe erfüllt gewesen, die leine Grenzen und keine Ziele kennt. Unb als Hanns Ingold unter dem Holunderbaum von chr Abschied nahm, war chr vor sühem Weh das Herz zerflossen. Aus dem knabenhaft kecken unb trotzigen Kind war ein von Träumen lebendes, im ersten Liebeswerben bangendes Mädchen gefroren. Hanns Ingold war in die Fremde gegangen. und in Ruth hatte jede Fiber gebebt, jeder Puls geschlagen, jeder Gedanke gezittert von geweckter, unterdrückter und nie gespeister Liebe" Sie war damals dem Verlust ihres seeli- sen Gleichgewichts nahe gewesen und hatte nur mit Ausbieten aller ihrer Kräfte zur Arbeit die ausgestörten Cmpftndungen verdrängt, bie wie irregeleitete Ströme in ihrem Leib und in ihren Gedanken kreisten. Der gefesselte Strom Roman von Hermann Stegemann, äußer st erwünscht bezeichnet wirb. In ber Entschließung wirb ber Golbpfanbbrief ber Deutschen Hypothekenbank als eine geeignete Grunblage für bie Hereinnahme von Ausland- f r e b i t e n bezeichnet. Es ist daher eine Aenberung bes Hypothekenbankwesens dahin zu empfehlen, baß bie Unterlagshypotheken für Auslanbkommis- sionen eine Sonberbeckungsmasse bilben können. Darauf würbe bie Tagung vom Präsibenten Dr. Riester geschloss^t. Aus ber Provinz. Lanvkreis Gi >n. : Aus dem Busecker Tal, 16. Sept. Das Wetter der letzten drei Tage kam unserer? Landwirten recht zustatten. Die Wiesen- gründe imBuseckerTal sind zur Mittagszeit gleichsam übersät mit Menschen, die mit Rechen, Gabel und Wagen die schon verloren gegeben« zweite Grasernte nun endlich nach langen Regenwochen bergen können. Die Qualität des Grummets hat doch nicht so sehr gelitten, wie man anfangs glauben konnte. Um so besser für unsere Landwirte, denen dieses- schöne Wetter von Herzen zu gönnen ist: demv die Zeit drängt, in den kommenden Tagen und Wochen ist noch harte Arbeit zu verrichten. Möge der Himmel ein Einsehen haben und unseren Landwirten einen trockenen Herbst bescheren! :—: Beuern, 16. Sept. Gegenwärtig ist in unserem Dors die Gründung eines Turnvereins im Gang: derselbe wird sich der Deutschen Turnerlchaft anschließen. Eine große Anzahl junger Leute hat sich bereits als aktive Turner gemeldet und das Turnen im Garten des Schreinermeisters Wilhelm Arnold auf genommen. Besonderes Verdienst um die Entstehung des Vereins gebührt dem obengenannten Schreinermeister Wilhelm Arnold, der keine Mühe scheut, der guten deutschen Turnersache auch in unserem Dorfe den Platz einzuräumen, den sie in anderen Ortschaften langst inne hat. In früheren Iahren bestand hier in Beuern schon einmal ein Turnverein, der auch der Deutschen Turnerschaft angeschlossen war, aber infolge geringer Beteiligung der Iugend schon vor dem Kriege einging. Ein damals angeschafftes Reck kommt jetzt der Turnlust der Iugend zugute. Mit der Anschaffung der anderen Geräte muß wegen Geldmangels vorerst noch gewartet werden. Hoffentlich treten noch recht viele ältere Leute dem neuen Turnverein bei, um auch in unserem Dorfe das Werk der Erstarkung und Ertüchtigung unserer Heranwachsenden Iugend mit Rai und Tat zu unterstützen. Saasen, 16. Sept. Zu dem evangelischen Volkstag in Gießen anläßlich des Gustav-Adolf-Festes am 20. Sept, haben sich aus unserer Gemeinde ca. 70 Teilnehmer gemeldet. Auch hier spricht Bei demselben schon ein Vertreter der Gustav-Adolf-Stiftung, und zwar ein von den Polen vertriebener Pfarrer am Samstagabend in der Kirche auf dem Veitsberg. Man erwartet-, daß trotz der arbeitsreichen Zeit eine stattliche Anzahl Besucher sich etnfinben werden. 6 Harbach, 16. Sept. Auch in hiesiger Gemeinde wurde ein Spar- undDarlehns- kas senverein gegründet und Iohannes Schmidt als Rechner und Lagerhalter gewählt. c Reinharöshain, 16. Sept. DieserTage sand die Hauptversammlung des hiesigen Spar- und Darlehnskasfen-Dereins (Raift- eisen) statt. Ein Vertreter der Raifteisengenossen- schaft in Gießen und der Derbandsrevisor Schlenke - Gießen waren dazu erschienen. Die Zahl der anwesenden Mitglieder betrug 25 von 33. Die Bilanz des 1. Geschäftsjahres wurde vom Revisor vorgetragen und von der Versammlung einstimmig genehmigt. Sie schließt mit einem kleinen Verlust ab, der sich durch gewisse, jetzt behobene Anfrageschwierigkeiten erklärt. Dem Vorstand wurde Entlastung gewährt. Durchs Los bestimmt schied der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Förster Eichmann, aus und lehnte ttoh des Wunsches des Vereins, wieder anzunehmen, die Wiederwahl ab. Darauf wurde Heinrich Schmitt als Vorsitzender des Aufsichtsrates und an dessen Stelle Iohannes Bott in den Vorstand gewählt. Dor Vertreter der Genossenschaft aus Gießen berichtete über die Marktlage bei Getreide und Düngemitteln. Das verflossene Allmählich beruhigte sich ihr Inneres wieder. Sie ging nach Berlin und lernte das Selbstvergessen. Sie genas von ihrer ersten Liebe wie von einer Krankheit. Aber ihr Wesen wurde herb und verschloß sich, und als sie nach Rheinau zurückkehrte, trug sie das gefestigte Wesen zur Schau, das in der Stille und dem Zusammenhausen und -sorgen mit dem Vater immer stärker anwuchs und einen schützenden Panzer um ihr empfindsames Interesse legte. So schritt sie stolz und trotzig und zählte die Iahre nicht mehr. Und nun war plötzlich alles aus dem Gleichgewicht gestürzt, drangen die Erinnerungen wieder auf sie ein, war Hanns Ingold wieder da und streckte die Hände nach chr aus wie nach erworbenem Gut, wie nach dem Lauffen, den er zwingen und meistern wollte. Da bäumte sich ihr Selbstbewußtsern, spürte sie, wie chr Empfinden und Denken sich zum Widerstand stellte gegen die Anmaßung nie erkannter Rechte, die darin lag, daß er glaubte, sieben Iahre toeg- leugnen zu lonnen, um fein zu nennen, was nie fein war. Unb er tarn und tat noch mehr. Ergriff auch in ihr äußeres Leben ein, fragte niemand. brach mit tollen Plänen in diese stille, festgefügte Welt und stürzte alles in ratlose Verwirrung. „Wir sind hier zu Hause, stecken hier mit unserer ganzen Existenz im Boden", hatte der Vater gesagt. Ruth wußte, daß das nur allzu wahr war. Wer den Vater von hier vertrieb, der trieb ihn aus seinem. Asyl, machte ihn wurzellos und reif für den Tod. 3a, sie haßte ihn, haßte Hanns Ingold, den Heimgekehrten, den Fremden, mit dem sie nie auf dem grünen, sprudelnden Rhein gefahren war, nie die ersten Küsse getauscht hatte. Das war ein anderer Ingold, war nicht sie, Ruth Engechardt gewesen, die jetzt zu neuem Leben und zu chren ersten Kämpfen um ihre Persönlichkeit erwacht war! Zwischen Hanns Ingold und ihr bestand keine Gemeinschaft, keine Verbindung, hatte nie etwas derart bestanden? Immer tiefer wuchs sie in diese Ueberzeu- gung hinein. Geschäftsjahr war ein schwieriges, schon durch die Mißernte, hoffen wir, daß das laufende Iahr dem Verein einen besseren Abschluß ermöglicht. Kreis Büdingeu. bch. B l e i ch e n b a ch , 14. Sept. Gestern wurde hier das neue Kriegerdenkmal feierlich eingeweiht. Rach längeren Verhandlungen über die Plahfrage hatte man sich geeinigt, es mit dem alten Denkmal für die im Krieg 1870/71 Gefallenen zu vereinigen, und zwar so, daß das neue Denkmal Umfassung und Hintergrund des alten darstellt. Der Plan war von dem Architekten Theis und die Ausführung in den bewährten Händen der hiesigen Sternhauer Heinrich Reitz, Georg Kraft und Georg Kaiser, die ihre Arbeit in meisterhafter Weise zu Ende geführt hatten. Um 1V$ ÜIhr setzte sich der Festzug unter Glockengeläute nach dem Denkmal in Bewegung. Der hiesige Iungdeutsche Orden weihte im Anschluß an die Feier beim Kriegerdenkmal das Ehrenmal aus der Höhe oberhalb Dleichenbach ein, das er unseren Helden errichtet hat. Dazu waren u. a. erschienen der Iungdeutsche Orden von Büdingen, von Gedern, ebenso hatte der Holzheimer Orden eine stattliche Anzahl seiner Mitglieder zur Feier gesandt, die gekommen waren, das Andenken der gefallenen Helden zu ehren und zugleich auch ihrem früheren Pfarrer ihre Anhänglichkeit zu bezeugen. Sie waren begleitet von einer größeren Anzahl vaterländisch gesinnter Frauen und Iungsrauen, Schwestern und Frauen der Ordensmitalieder, die in derselben Absicht tarnen. Zur Eröffnung der Feier am Denkmal fang die Gemeinde unter Posaunenbegleitung des Obermockstädter Posaunenchors den Choral: „Jesus meine Zuversicht". Rach einleitendem Gebet und Dibelwort, «das die Feier auf christlichen Grund stellte, erfolgte die ülebernahme des Denkmals durch Bürgermeister R a um a n n. Der Gesangverein trug ein ernstes Wechelied vor. worauf der Ortspfarrer die Weiherede hielt. Auf Grund von Iohs. 15,13 zeichnete er die Bedeutung des Denkmals als Denkstein. Dankstein und Mahnstein. An die Rede schloß sich unter dem Geläute der Glocken die Verlesung der Ramen der 34 Gefallenen und an den Folgen des Krieges Gestorbenen. Rach der Ehrensalve fang der Gemischte Chor unter Leitung des Lehrers Schnier le: „Morgenrot". Eine Schülerin trug ein Gedicht vor. anschließend legten die Schulkinder für jeden Gefallenen unter Auf sagen eines Dibeiwortes einen Kranz am Denkmal nieder und die Gemeinde fang: „Ich hott' einen Kameraden". Daraus legten die Gemeindebehörden und Vereine noch Kränze nieder. Rachdem der Gesangverein noch ein Lied gesungen hatte, wurde die Feier beschlossen mit dem Glaubens- und Trutzlied „Ein feste Barg ist unser Gott". Dann bewegte sich der Zug zum Ehrenmal des Iung- deutschen Ordens, woselbst in Verbindung mit der Einweihung eine ernste und würdige vaterländische Gedenkfeier stattfand. Lehrer Schnier le schilderte in einer Ansprache, wie es zur Errichtung des Ehrenmales gekommen sei, an dem Ort, von dem die i>rs FÄd ziehenden Krieger ben letzten Blick nach bem geliebten Heimatdorf und seinen schönen Fluren gerichtet hab«. Weiter zeigte der Ortspfarrer an der Hand von Offenbarung 2,10, wie das Ehrenmal für die Helden, die für unser Volk starben, uns mahnt, wie wir in derselben Treue für unser Volk leben sollen, und forderte besonders die Iugend auf zur Pflege deutschen Sinnes- und Denkart, vor allem deutscher Treue, deutschen Mutes, deutscher Kraft, aber auch deutscher Gewissenhaftigkeit, deutschen Fleißes und deutschen Pflicht- und Gemeinschaft- gefühls. Rur so werden unferm Volke wieder Männer erstehen, die den rechten Heldenmut haben, für das Vaterland zu leben und, wenn es sein muß, auch zu sterben. Der Gesangverein fang darauf ein Lied und drei Holzheimer Mädchen fangen: Deutschland erwache. Dann ergriff Major a. D. W i ch e r t - Büdingen das Wort zu einer packenden Ansprache, in der er zur Pflege deutscher Ehre und Ehrenhaftigkeit aufforderte, die der rechte Grund zur Wehrhaftigkeit fei. Mit dem begeistert gesungenen Liede „Deutschland. Deutfck^and über alles" schloß auch diese Feier in würdiger Weile. Kreis Lchvtten. lg. Gedern, 15. Sept. Die Lehrerin Frl. Goltz scheidet mit Wirrung vom 1. Oktober aus dem Verbände der hiesigen Privat-Hof- Der Tag ging hin, und der nächste zog herauf. Don dem Plan, den Lauffen zu sprengen, sprach in St. Ioseph niemand mehr. Doch als es Abend wurde, rüstete sich Doktor Engelhardt zum Gang ins Städtchen. Es war der Abend, an dem Hanns Ingold im Saale der „Alten Post" über seinen Entwurf sprechen wollte. Am Bodensee Laren schwere Wetter niedergegangen, Föhn blieS in den Bündnerbergen, unb der Rhein fuhr mit dumpfem, mächtig tönendem Rauschen den Lauffen hinab. Voll Unruhe verlebte Ruth den Abend bis in die späte Rächt. Als es elf Uhr geworden war, ging sie hinaus, dem Vater entgegen. Ging langsam ben schwarzen Felbweg entlang, ging schneller, lief barhaupt, mit geschmeidigen Bewegungen über eine Wiese, bie jetzt Hanns Ingolb gehörte unb über bie sie trotzig hinwegflog, unb erreichte atemlos bie Straße und das Städtchen. Die Lampe im Tor war niedergebrannt. Schwarz lagen die Gassen, ihr rascher fester Schritt wecfte den Widerhall der schlafenden Häuser. In der „Alten Post" standen die Fenster des Tanzsaales in gelbem Licht. Eins war geöffnet, unb ber Schall einer Stimme schlug heraus. Ruth stellte sich hinter ben Brunnen, setzte ben Fuß auf bas Steinbecken unb zog sich an ber Brunnenfäule in die Höhe. Das Wasser gurgelte im Trog unb verschlang bie Stimme, aber sie konnte von ihrem Standort ein wenig von der Versammlung sehen, die dort oben saß. Köpfe, die unbeweglich starrten, eine große Leinwand, die an einer Wand befestigt war und bie erleuchtete Stubendecke, an der dunkle Ruh- kreise brannten unb graue Rauchschwaden wogten. Es war nicht die Stimme ihres Vaters, auch nicht die Hanns Ingolds. Sie erkannte sie nicht, verstand nur selten einen Sah. aber sie hörte eine hartnäckige schwerblütige Wut heraus, die immer wieder denselben Gedanken wälzte. Immer wieder und immer ingrimmiger wuchs die Stimme aus dem Fenster in die toten Gassen unb sprach dem Plane Ingolds Wert und Leben ab. Bretthartes Beifallklatschen prasselte barem, unb bann eine andere Stimme: Hanns Ingold. kaplaneischule aus, um eine Stelle an der städtischen Mittelschule in PoInow (Pommern) anzutreten. Mit Frl. Goltz versiert die Schule eine tüchtige Lehrkraft, bie burd hre treffliche Art/ mit Kindern umzugehen, während chrer zweieinhalbjährigen Wirksamkeit <'a> verstanden hat, sich die Zuneigung unb das Vertrauen von Eltern und Schülern in hohem Maße zu erwerben. Eine heute im Bergwirtshaus unter denr Vorsitze des Schulleiters, Hofprediger Widmann stattgehabte E 11 e r n v e r s a m m l u n g ber Schulgemeinde beschäftigte sich in erste« Linie mit der Frage, für die ausscheibende Lehrkraft einen möglichst vollwertigen Ersatz zu beschaffen. Rach längeren Beratungen entschied man sich dahin, eine zweite männlich« akademische Lehrkraft anzu st eilen, und beauftragte das Kuratorium, diesbezüglich« Schritte zu tun. Damit bie finanzielle Auswirkung dieser begrüßenswerten Maßnahme sich nicht allzu sehr den Eltern der Schüler fühlba« macht, hofft man, daß die Gemeinde, deren Verwaltung und Vertretung erfreulicherweise ber Schule großes Interesse entgegenbringen, ihren Zuschuß wesentlich erhöht, um eine günstige Weiterentwicklung der Anstalt mit dem Ziele späterer Verstaatlichung zu sichern. Schulleitung und Gemeindevertretung setzen^ sich mit Energie für die von ihnen als notwendig erkannte Verstaatlichung ein. Wenn man bedenkt, daß die nächsten für uns in 5rage kommenden höheren Lehranstalten (Büdingen unb Ridda) zu weit entfernt sind, um Allgemeingut unserer Gegend zu werden, so erhellt daraus' zur Genüge, wie berechtigt die Forderung ist. bie feit über 50 Iahren bestehende H'ofkaplanei- fchule in ber gekennzeichneten Richtung weiter auszubauen. Im weiteren Verlauf der Versammlung schritt man zur Reuwahl b e 8 Kuratoriums und eines Stellvertreters beS Vorsitzenden. Rach Vervollständigung des Lehrkörpers wirken an der Schule als hauptamtliche Lehrkräfte zwei Studienassessoren und eine Anwärterin des höheren Lehramtes, als nebenamtliche Kräfte ein Theologe, ein seminaristisch gebildeter Lehrer und eine Handarbeitslehrerin. Kreis Alsfeld. G r v ß - F e k b», 16. Sept. Die hiesige Gemeinde hatte zum Pfingstfeste neue Glocken bekommen. Eine alte Glocke sollte zum Einschmelzen gegeben werden, da ihr Ton zu dem neuen Geläute nicht stimmte. Da kam von Prof. Walde, dem Denkmalpfleger für Hessen, die Nachricht, daß diese Glocke unter Denkmalschutz stehe und nicht eingeschmolzen werden dürfe. Daraufhin beschloß der Gemeinderat, diese Glocke unserem „Sofort" Schellnhausen zu überlassen, damit dort an Ort und Stelle bei Beerdigungen und dergleichen geläutet werden kann, was bisher immer von hier aus geschah, aber selten in Schellnhausen gehört wurde. Bor etwa acht Tagen wurde diese Glocke, die ehemalige Schulgocke, von den Schülern festlich geschmückt und geleitet, nach Schellnhausen, ihrem neuen Bestimmungsort, überführt. Dortselbst wurde allen Kindern, nach einer kurzen Begrüßung unb einem Lied der Fuldaer Schulkinder, eine Brezel überreicht. Am Sonntag fand die Glocken- weihe unter Beteiligung des Ortsvorstandes und zahlreicher herbeigeeitter Gäste statt. Kreis Wetz(ar. dg. A tz b a ch, 16. Sept. Die Lehmgrube an dem Ortsausgange in Dorlar, die in früherer Zeit stark in Anspruch genommen wurde, hat auch jetzt wieder rauchende Backsteinofen. Den Ortseinwohnern ist hierdurch Gelegenheit geboten, ohne große Transpottkosten billige und gute Backsteine zu erhalten. Die Bautätigkeit hat daher in unserem Ort in letzter Zeit zugenommen. Auch ist es durch den Güterverkehr der Wetzlar—Lollar- Bahn möglich, unserer Station die übrigen Baumaterialien zu verschaffen. dg. Hochelheim, 16. Sept. Bei der Ernte findet der Landmann nicht selten eine Aehre tm Weizen, die mit langen seitlichen und oberen Grannen versehen ist. Es ist der Grannenweizen, der auch in hiesiger Gegend in früherer Zeit angepflanzt wurde, und zwar m reiner Form. Heute wird er in der ganzen näheren Umgebung nicht mehr angepflanzt. Reiskirchen (im Kreise Wetzlar) hat heute noch ganze Weizenäcker mit dem Grannenweizen. Weil die Grannen stechend wie Gerstenspreu sind, deshalb vom Vieh verschmäht werden und ungünftig als Viehfutter sind, außerdem auch bei der Arbeit recht hinderlich sind, hat man An bie Brunnensäule geklammert, lauschte Ruth Engelhardt, ohne etwas zu verstehen. Wiberspruch murrte, ein vereinzelter Zuruf der Zustimmung ließ sie zusammenzucken unb plötzlich wieber eine andere Stimme: der Vater — unb gleich darauf laut aufbrüllenber Beifall, ber von dumpfem Stampfen und Trampeln schwerer Schuhe bonnemb anschwoll unb mit fjunbert Zungen zu den Fenstern heraus in bie schlafenben Gassen rief. Schattenrisse gaukelten, lange Schatten fuhren an der Saalbecke hin, gellend schrie eine Klingel in den tobenben Lärm. „Fräulein Ruth, sind Sie's?" keuchte eine atemlose Knabenstimme, unb Hermann Ingolb schwang sich neben sie auf den Brunnenrand. „Still, sie sind wieder am Verhandeln!" flüsterte sie unb ergriff unwillkürlich die Hand bes Knaben, ber sich dicht an sie drückte auf der schmalen Warte. Die kräftige Knabenfaust schloß sich krampfhaft um ihre lallen Finger. Der Bürgermeister sprach. Seine ruhige, die Worte wägende Stimme strich fänftigenb über bie erregten Hörer im Saal unb ermüdete bie Lauscher am Brunnen. „Fräulein Ruth, wisien Sie schon, bah bet Hanns bas Land in der Au aufgekauft hat?" flüsterte Hermann. „3a.“ „Sein ganzes Geld, alles, was er seit sieben Iahren erspart hat, wirft er in bie Sache! Wenn es ihm nicht gelingt, muß er von vorne anfangen." „Unb was sagt Ihr Vater bazu, Hermann?" „Der Vater hat feinen Ramen nicht mehr in ben Munb genommen, seit — horch, ber Hanns!" Hanns Ingolb sprach. Diesmal schlug helle Lohe aus seiner Rebe empor. Sie verstauben jedes Wort. Sich gegenseitig stühenb, standen sie hart an die rauhe Steinsäule geschmiegt, von dunklen Schlagschatten verschlungen, den schwarz- glänzenden Widerschein des eintönig murmelnden Brunnens zu Füßen, und hielten ben Atem an, um leine Silbe zu verlieren. (Fortsetzung folgt) Auch die Haicnanlagen drr Stadl De feiften. Hepen-Nanau. 128,75 . 128,75 5«) 126 128 auf 57 57 Börse. auf- bai das 63.13 67.6 93.5 7.9 129.5 95,5 110.5 111,5 Haftes Schaumvermögen der Lauge hort und das Wafchergednis wird einwandfrei. Will man Wäschestücke, die Kalkflecke weisen, wieder instand sehen, so legt man verunzierte Stück in schmacksaurcZ Wasser, 122 5 133.25 61) 75,5 96,1 98 78 73 5 67 85 16 14 38 63 67,5 1« .23,25 71 95.5 97.9 73 67.5 85,25 44.5 .3.5 30 37 57.25 98 125.2' 70 6-2 122 123.1 75,25 55.6 6.75 i>6 5 71,'l 59 63 16 5 wurden auf einer Dampferfahrt den Main aufwärts besichtigt. Am Abend begaben sich die Herren in die Oper, in der unter Leitung von Prof. Tiemens Kraus, eines gebürtigen Wieners, das „Intermezzo' von Strauß zur Ausführung 0.78 ICO 64,5 45.5 5 '.i 63.25 ist Wasser, das im Liter etwa 1 bis 2 Eßlöffel Küchenesfig enthält, und erwärmt es langsam auf 40 bis 50 Grad Celsius, dann löst sich der Kalk. Aach zehn Minuten nimmt man die Wäschestücke heraus, spült sie zvei- bis dreimal gut mit Wasser und kocht sie in einfacher Bleichsoda- lösung auf Aach nochmaligem Spülen sind die Flecke verschwunden. Mozarts Bnttergcigc. Welch bewunderungswürdig feines Gehör Mozart bereits als Kind hatte, zeigt eine Geschichte, die der Freund des Mozartfchen Hauses Schachtner erzählt. Dieser besah eine Geige, auf der der kleine Wolfgang Amadeus gern spielte und die er wegen der Weichheit ihres Tones die „Duttergeige" nannte. Als er von einer längeren Tournee zurückkam und wieder einmal auf der Duttergeige spielte, sagte er: „Sie war das letztemal um einen Viertelten tiefer als meine eigene." Aiemand wollte diese Behauptung glauben, aber als man seine eigene Geige brachte, ergab sich, dah die Angabe mathematisch richtig war. e ■ 100 6'i 35 5 9,25 61.3 57,5 72,25 51.75 46.25 72,13 1VI 124.9 19 42.5 55,75 78.75 । 57,5 98 126 9 72.62 122.5 1123.25 75 96 112.5 112 1045 79 93,5 7.75 0.028 73 51.5 72.5 57.5 10« 124 75 gelangte. Morgen früh fahren die öslcrr.'ichi- scheu Journalisten nach Wiesbaden zur sichtigung der dortigen Kuranlagen. Wirtschaft. ' Dom Stabeifenverband. Ende Juli wurde bekanntlich von den hauptsächlich in Betracht kommenden Stabeisenwerken die Bildung des Stabeisenverbandes beschlossen. In der Zwischenzeit sind die Arbeiten für die Organisation dieses Verbandes soweit gefördert worden, dah die Geschäftsstelle, die 'ich beim Stahlwerksverband in Düsseldorf befindet, den Stabeisenver- kaus bereits in der vorigen Woche aufnehmen konnte. Jetzt fand in Düsseldorf eine Mitgliederversammlung des Stabeisenverbandes statt, in der der Verbandsvertrag endgültig festgestellt wurde. Im Hinblick auf die am 1. Oktober ein» tretende Ermäßigung der Umsatzsteuer um V, Prozent wurde ferner beschlossen, die bisherigen Verkaussgrundpreise mit Frachtgrundlage Ober» hausen für Lieferung sizx Berkaufsrechnung vorn 1. Oktober ab um 70 Pfennig die Tonne zu ermäßigen. * Wayß und 5 r eß tag. A. G Frankfurt a. M Der Auftrageingang für das Geschäftsjahr 1925 26 ist, wie die Gesellschaft in 97,75 78 66.5 85.25 45.5 44 36 50 M.H 34,5 4 98 77 66,25 85 46 43,75 36 Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Jsr. AellglonSgemeinde. GotteSd. i. d.Svnagoge (Südanlagei. Samstag, den 19. Septbr. u. Sonntag, den 20. Septbr. Aeujahrsfest. 1. Tag. Vvrabd. 6.15 Predigt, morg. 7.30. Predigt, nachm. 4. 2. Tag. Vorabd. 7.15, morg. 7.30, abds. 6 35 u. 7.15. NB. Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet. Gottesdienst der tfr. DeligionSgesellschaft. Samstag, den 19. Septbr. u. Sonntag, den 20. Septbr. Aeujahrsfest. 1. Tag. Vorabd. 6.00, Predigt morg. 6.00, Predigt, nachm. 4.00. 2. Tag Vorabd. 7.15, morg. 6 00, nachm. 4.00, Festesausg. 7.15. Wochengottesdienst morg. 5.30, abends 6.00. Rundfunk-Programm des frankfurter Tenders. (Aus der ^Radio-Umschau".) Freitag, 18. September. 3Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 4 Uhr Wetterbericht der Gießener Wetterdienststelle. 4 Uhr: Wirtschaftsmeldungcrn 4.20 Uhr: Aachrichten- dienst 4.30 bis 6 Uhr Haussrauen-Aachmittag. Programm u. a.: „Die Kinderlüge und ihre Behandlung", Vortrag von Lehrer Karl Stricker. 6 bis 6.30 Uhr Die Lesestunde (Meisterwerkei der Weltliteratur): Aus „Don Quichote" von Cervantes. 7 bis 7.30 Uhr: Stunde des Süd- westdeutschen Radiotlubs: „Das Prinzip und der Bau von Reflexempfängern", 17 Spezial-Vortrag von O. Aottmann. 8 bis 8.30 Uhr Ueber- itagung von Kassel ..Das Auslanddeutschtum, seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung". Vortrag des Oberstudiendirektors Dr Hermann Küster. 8.30 bis 9.30 Uhr Der junge Mozart, zweiter Abend. Kompositionen aus der ersten Jünglingszeit. 10 bis 11 Uhr: Übertragung von Kassel: „Walter-Flex-Abend" der Vortragsmeisterin Traute Lieb. . jußren nur den Klöppelweizen angepilanzt, der bcbcutenb einträglicher ist. Der Trockenheit wegen ist die diesjährige Weizcnernte hinter der vorjährigen zurückgeblieben. StarfenBurfl unv Rhcinhcffen. • Offenbach, 15. Sept Die Ortsgruppe Oftenbach ber Deutschen Volkspartei »ahm in einer dieser Tage abgehaltenen Mitgliederversammlung zu den kommenden Stadtverordnetenwahlen Stellung. Es wurde mitgeteilt daß aus den sehr langwierigen Der- Handlungen 'ich eine Wirtschaftsliste ergeben hat, worin die Forderungen der einzelnen Parteien zugunsten des gemeinsamen Zieles zurücktreten mußten. Die Demokraten und das Zentrum haben es abgelehnt, sich an dieser gemeinsamen Liste zu beteiligen. Zum Reichsschulgesetzentwurf nahm die Versammlung in der Weise Stellung, daß sie an der Simultanschule, die sich in He'len bewährt habe, s e st h ä l t. Der Vertreter der Deut- schon Dolksparte. im Reichstag. Reichstags« bge- rtbnetcr Dr. Decker, wird ersucht werden, einer Aufhebung der Simultanschule Widerstand zu Aus aller Welt. Wie wird der heurige Jperbft* Auf diese Frage gibt der bekannte Meteorologe Dr Franz Baur-St. Blasien in den .Wit- Teilungen der Deu'schen Landwiltschaftsgesellschast" auf Grund seiner Studien der Witterungsgeschichte, insbesondere deS Tempera tu rver laufe s in Mitteleuropa und Aordamerika und der Stärke der atmosphärischen Zirkulation auf dem nordatlantischen Ozean folgende Antwort. Die durchschnittl. Herbfltempera tu: Deutschlands wird im Jahre 1925 mit einer Wahrscheinlichkeit von 87°,» zwischen 0,6°C über und 1,6"C unter der normalen liegen. Die Wahrscheinlichkeit dafür, daß der Herbst (die Zeit vorn 1. September bis 30. Aovember 1925) kühler als normal ist, betragt 75° 0. Die Wahrscheinlichkeit, daß die mittlere Herbsttemperatur im Durchschnitt ganz Deutschlands um mehr als 1°C über der normalen liegt, ist nur 2Aus diesen Angaben läßt sich folgern, daß der Herbst 1925 hinsichtlich der Temperatur im größten Teile Deutsch- landSentwederziemlich normal oder zu kühl fein wird. Da der Uebergang vom Sommer zum Winter niemals allmählich, sondern immer im Wechsel von kalten und warmen Perioden liegt, so werden auch im kommenden Herbst sich Wärmerückfälle ereignen. Es ist aber zu erwarten, daß diele weder ehr intensiv, noch von ungewöhnlich langer Dauer ein werden. Soweit stärkere Wärmerückfälle eintreten, werden sie von entsprechend ausgiebigen Kälteperioden abgelöst werden. Ein sehr warmer Herbst, wie er in den Jahren 1886, 1900, 1903, 1906, 1907, 1911 und 1913 in Deutschland vorkam, ist heuer äußerst unwahrscheinlich. (Sine wichtige Wäschesrage. Häufig hört man ausHausfvauenkreisenKlagen über unbefriedigende Waschresultate. Trotz Verwendung bester Waschmittel und trotz aller ausgewandten Sorgfalt wird das Ergebnis des öfteren durch eine unangenehme Anfleckung einzelner Stücke beeinträchtigt, ohne daß die Urfache dafür ich ohne weiteres erkennen läßt. Es handelt sich um die Erscheinung matt- gelber ober weißer Flecke, die am deutlichsten im durchfallenden Licht wahrzunehmen sind, und die die schönste Wäsche unansehnlich machen können. Beim Wasche.', selbst ha' die Hausfrau vielleicht schon öfter jeststellen müssen, daß das von ihr gebrauchte Waschmittel nicht so recht schäumen will, ohne eine Erklärung dafür zu finden. Die Erklärung aber ist einfach Das Leitungswafser hat einen verhältnismäßig hohen Kalkgehalt. Der Kalk nun gehr mit einem Teil der Seife oder des seifenhaltigen Waschmittels eine Verbindung zu sogenannter Kalkseife ein, die nicht nur für Öen Wasch- Prozeß als reinigendes Element ausscheidet, sondern häufig sogar die oben beschriebenen Befleckungen bewirkt. Es leuchtet ein, daß die Verwendung stark kalkhaltigen Wassers, vom wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet, unratsam ist. Je höher der Gehalt an Kalksalzen, um so mehr Fettgehalt des Waschmittels wird gebunden und um so weniger gut schäumt die Lauge. Man müßte, um eine gut wirksame Lauge zu erhalten, in diesem Fall entsprechend mehr vom Waschmittel gebrauchen, was natürlich — besonders wenn eS sich um die „große Wäsche" handelt — eine erhebliche Mehrausgabe bedeutet. — Wie begegnet man diesem Uebelftanö? Es gibt ein verhältnismäßig einfaches Mittel, hartes, das ist kalkhaltiges Wasser, weich zu machen. Man gibt zu diesem Zweck dem Wasser eine gewisse Menge Bleichsoda bei, wie man sie ja auch zum Einweichen der Wäsche gebraucht. Der übermäßige Kalkgehalt des Wassers wird hierdurch niedergeschlagen und das Wasser zum Waschen gut brauchbar. Die Klage über mangel» Lchctdeanstalt ........ All-. EleltrtzitatS-Gesellschast flernmann Mmiikraftwerle........ Schuckcrl......... . Siemens Jk Halske Sdlerwcrle .Meyer Taimlcr Motoren. ..... veylicicxstacdl......... Meamn. .......... Motorenwerke Mann beim Frankfurter Armaturen . . Konscrven'abrik Brann . . . MetaNaefell chaft ff ran (fort . Bet. Union Ä.-18 Sckublabrik Her; Sichel jtellfto'f Daldhoi . .... Zuckerfabrik ffrank-ntbal . . .-juckermbrik Saghäuiel . . . Berliner Geschäftliches. Oberrneyers Herba-Seife hat sich nicht nur als ein ausgezeichnetes Heilmittel bei Haut- erfraniungen (Hautaus schlag en, Flechten u. bgl.j, sondern auch zur Beteiligung kleinerer, nur als Schönheitsfehler anzusehender Hautübel (Pickeln, Witess«, Sommersprossen u. dgl ) seit Jahrzehnten vorzüglich bewährt. Trotz ihrer Heilwirkung ist die Herba-Seife keineswegs nur als medizinische Seife anzusehen, sondern wir haben in ihr eine hochfeine Toilettenseife, die sich zum täglichen Gebrauch zwecks Erzielung und Erhaltung einer weichen, zarten Haut vorzüglich eignet 4°/. Ternsche RcichScmlcide . S1;,0/« ItHtidjt Skidj-jajileibe 3% Teutsllie Neich-an leide . Dentlchc Syarprämienanlethe 4".o Preußische KoniolS - . . 4°'., Heuen 3*, Hessen ... 3°,. Hciseu Deutsche Wend. Dollor Anl. blo. Doll.-Schatz-Anweisua..) <•/■> Zolltürken 5% Äoldmerikaner .... Berliner Hcurdelstiesellschasr. Commerz, und Privat-Bant Lärmst, und 'Jiaiioualbanl . Deutiche Bank......... Deutsche BereinSbank .... DiSconto Lommandil ... Metallbank.......... Mitteldeutsche Kreditbank . . i7esterrcichi,che Lreditanstalt. Westbank - .......... Bochumer Guh BuderuS ........ Laro ............ Tcutsch.Luremburg...... l^etsennrchener Berawerke . . Harpener Bergbau..... Matiiucrtc ÄscherSlcben. . . . «aliwerk Westeregeln Lanrahnltr Obcrbedars Bbonir Bergbau ..... tHbciniiahl ...... Nie deck Montan Tellus Bergbau. «urg-Amerika Paket. . . reutschcr Lloyd . . . . Lheramische Werke Albiu . . Zementwerk Heidelberg . . . Pdiliup Hol-inamt...... Änglo-Cont-Guano..... Badische Anilin Chemische Maner Sklavin . . Goldschmidt Äriesieimer Electron . . .. Höchster ffarbwerle Hol;oerkoblung NütaerSwcrke......... (Gigcner Drahtbericht des „Gießener Anzeigers'.) Berlin, 16. Sept. Trotzdem das Geschäft bei Beginn der heutigen Börse sehr ruhig verlief, erwielen sich die Kurse allgemein als wider- standsfähig Der freundliche Verlauf des gestrigen Spätgeschäftes und des Frankfurter Abend- verkehrs, sowie der günstige Eindruck der Beratungen der Dankierstagung dürfte die f r e u nd- liche Grundftimmung der heutigen Börse veranlaßt haben. Da der Orders-Eingang jedoch gering war. trat eine weitere Befestigung der Kurse gegenüber dem Aachbörsenniveau nicht ein. Das Hauptinteresse war wiederum auf eine Reihe von Spezialpapieren gdenft, und zwar u. a. auf Waggonwerte. Werftaktien, Pfandbriefe und Türkenwerte. Eine gewisse Der- stimmung ging spater von den neuerlich vorliegenden divioendenlosen Jahresabschlüssen verschiedener Gesellschaften aus. So wurde u. a. heute in der Generalversammlung der Dr. Paul Meyer A. G mitgetcilt. daß voraussichtlich auch das lausende Geschäftsjahr einen ungünstigen Abschluß zeitigen werde Der Geldmarkt blieb unverändert. Der Satz für tägliches Geld stellte sich . bis 91 i Prvz., Monatsgeld 10 bis H1/. Proz. Am internationalen Devisenmarkt lagen Paris und Oslo gegen London etwas gebessert, und zwar Paris mit 102.70 und Oslo mit 22,65, während Mailand und Brüssel mit 118.50 bzw. 111,65 gegen London einen geringen Rückschlag erlitten. Die Reichs- Schweincmarlt waren 13® Ferlel aufgetrieben. Der Handel war sehr schlecht, da es an Käufern fehlte. Die Preise stellten sich aui Ferkel, 6-8 Wochen alt, 35 40 Ml. Ferkel. 8-13 Wochen ah, 40—48 Mk das Stück. Frankfurter Getreidebörse. (Eigene. Drahtberlcht des „S.cßener Anzeigers".! Frankfurt a. M, 16. Sept. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 24,50, Roggen inländischer 19,50, Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 27,50, Hafer, inländ 20 bis 20,50, Mai«, gelb 21. Weizenmehl, inländ. Spezial 0 39 bis 39.25. Rvggeninehl 27,50 bis 28. WeizenNeie 10,85 bis 11. Roggenkleie 11,25. Tendenz ruhig. See.ineT ProdufteT-.dörfe. Berlin, 16. Sept Der Produktenmarkt eröffnete zunächst behauptet, wurde aber im Verlauf schwächer auf die chwierige Erportlage und auf inländisches reichliches Angebot. Es notierten pro Tonne Weizen (märf.) 210 bis 215, Weizen (September) 231, Weizen (Oktober) 233 bis 231,50, Weizen (Dezember) 240,50 bis 238, Roggen (märt.) 160 bis 163, Roggen (Oktobers 182,50 bis 181,50, Roggen (Dezember) 187 bi« 185, Gerste (märf.) 206 mS 235, Zuttergerste 174 bis 177, Hafer (märf.) 174 bis 182, Hafer (Oktober) 183, Hafer (Dezember) 189 bis 191, Mal« (loko Berlin) 211 bis 215, Raps 365, pro Doppelzentner: Weizenmehl 29,50 bis 33, Roggenmehl 23,50 bis 25,50, Weizenkleie 11,60 bi« 11,70, Roggenkleie 10,60 bis 10,70, Diktoriaerbsen 26 bis 31, Futtererbsen 21 bis 34, Wicken 25 bi« 28, Lupinen (blau) 12,75 bis 14. Rapskuchen 16 bis 16,20, Leinkuchen 22,60 bis 22,80, Trockenschnitzel 12, Torfme'a'fe 8,60 bis 8,80. Kartoffelstöcken 17,60, Zucker 21 bi« 21,20. Versammlung. Oesterreichische Journalisten in Frankfurt. Frankfurt a. M., 16. Sept. (Wolff.) Die auf einer Studienreise durch Deutschland begriffenen österreichifck>« n Iournalistentra fen heute mittag, von Heidelberg kommend, au dem hiesigen Hauptbahnhof ein, wo sie von Vertretern der Stadt und des Vereins Frankfurter Presse begrüßt wurden. Sie besichtigten zunächst das Goethehaus und darau die Paulskirche, die als Sitz des 48er ®roß- deutschen Parlaments für die Gäste von besonderem Interesse war. Diese folgten daiin einer Einladung der Stadt zu einem Frühstück im Römer, nachdem vorher noch die historischen Stätten des Römer, namentlich der alte Kaiser« faal und das Kurfürstenzimmer, besichtigt und der reiche Silberschatz der Stadt Frankfurt a. W. in Augenschein genommen worden war. Bei dem Essen im Römer richtete Oberbürgermeister Dr. L a n ö m a n n herzliche Begrüßungsworte an die Gäste. Redakteur Giesen begrüßte die Gäste im Aarnen des Vereins Frankfurter Presse. Darauf ergriff der Vertreter der österreichischen Journalisten. Schulze von der „Wiener Ar- beiierzeitung". das Dort, gab seiner Freude über die überaus große Herzlichkeit der Begrüßung Ausdruck und feierte Frankfurt als die Geburts- ftättc des größten deutschen Genius Goethe und als Trägerin der grvßdeutfchen Idee. Er gab in feiner Rede der großen Sehnsucht Oesterreichs nach Vereinigung mit dem deutschen Stammlande Ausdruck, die trotz aller Hemmnisie kommen muffe. Aach dem Essen unternahmen die Teilnehmer eine Autorundfahrt durch die Stadt, worauf das große Stadion der Stadt Frankfurt einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurde. matt notierte gegen Mittag in London 20.36, tn Amsterdam 59.10, Zürich 123,32* .. Pari« 5.04. Dedifcamartt Berlin—Frankfurt a. M. ßn Billion er. »ort cnlc-brüdt Bueuo» flirt». Sondra. Mo» RI ffepaH. Bio h* Oentiro nh rInt (rtnien. ghen an» bat» : für 100000 Lindettrn. alle« udttge für 100 fflnbdtaw Telegraphische Auszahlung 65,5 57 75 bl. Herborn. 15. Sept. Bei der Landes- Heil- und Pflegeanstalt wurde ein E r - ^iehungsheim für männnliche Psychopathen eingenditet. dessen Leitung dem Oberarzt Dr. '21 (toat er übertragen. Frankfurt a. M. 16. Sept. (Wolff.) Gestern morgen wurde auf der Strecke Heidenbeigen - Wiichecken die 65jährige ledige Marie Reul aus Heldenbergen durch die Lokomotive eines Güterzuges schwer am Kopse verletzt. Anscheinend liegt selbstmörderische Ab- sicht vor spd. Frankfurt a M., 16. Sept. DieDtadt- verordnetenversammlung lehnte die Vorlage des Magistrats auf Bewilligung von 1 300 000 RM. lür weitere Messebauten als untragbar für die Stadt ab und über- wies die Vorlage zur nochmaligen Verhandlung an einen Ausschuß. Feuerwehrverbandslag in Geih-Nidda. !'. G e , ß - N i d d a, 15. Sept. Am Sonntag fand hier die diesjährige 51 r e i s t a g u n g des Verbandes der Freiwilligen Feuerweh ren im Kreise Büdingen statt. Dottmttags 10 Uhr wurde am Kriegerdenkmal I^eldaottes- dienst abgehalten, bei dem cad. theoi. Anthes predigte. Anschließend hieran begann das F u ß - exerzieren der Geiß-Riddaer Wehr. Den Höhepunkt bildete ein » r a n ö a n g r i f f, der sehr schneidig durchgejühn wurde. Binnen drei Minuten nach dem Brandsignal waren bereits vier Schlauchleitungen gegen das Brandobjett gerichtet. Nach dem Mittagessen fand um 2 Uhr em Festzng durch die Straßen des Ortes statt. Er endigte an der Lehmerschen Wirtschaft, wo nunmehr die Berfa m m l u n g des Verbandes ftattfand. Kreisdirek- tor Dr. Goßner hieß die Erschienenen willkommen. Sodann wurde festgestellt. daß 35 Bürger meister, 11 Beigeordnete. 44 Jeuerwehrkomman bunten. 16 Stellvertreter und 6 Abteilungsfuhrer anwesend waren. Der Kreisdirektor wies ferner darauf hin, daß im Kreise Büdingen im abgelaufenen Jahr fünf Brände stattgefunden hatten. Hiervon seien jedoch nur zwei größerer Natur gewesen, nämlich diejenigen von chainchen und Usenborn. Sodann teilte er mit. daß erfreulicherweise die Brandverfid-erungskaminer nunmehr wieder Zu fchüfse zu den Anschaffungen der Wehren mache. Auch sei eine neue Freiwillige Feuerwehr in Eckartshausen gegründet worden. Weiter wurde die am Vormittag stattgehabte Uebung besprochen und dabei feftgefteUr, daß Geiß Nidda im Verhältnis zu der Zahl seiner Einwohner eine große Feuerwehr habe. Es sind nämlich vorhanden 64 Mann Freiwillige Feuerwehr und 40 i)ilfsmannfd)often bei etwa 650 Einwohnern. 3m Anschluß hieran erstattete Kreisfeuerwehrmspektor G ö ck e 1 - Büdingen seinen Bericht über das abge- laufene Geschäftsjahr. Bei Besprechung des dritten Punktes der Tagesordnung (Aenderung der Kreisfeuerlöschordnung) beteiligten sich Bürgermeister Fendt und Landwirt Reinhard (Feuerwehrkommandant von Geiß-Nidda) an der Aussprache. Die von dem Vorsitzenden vorgelegten Aenderungs- anträge wurden mit wenigen Ausnahmen gutgeheißen. Der letzte Punkt der Tagesordnung war die Festfetzilng des Ortes, an dem der nachstfahrige Feuerwehrtag stattfinden soll. In Vorschlag war gebracht Altenstadt, das sich im vorigen Jahr sehr darum beworben hatte. Da aber auf der diesjährigen Tagung kein Vertreter dieser Gemeinde er. schienen war, wurde die Einladung des Bürgermeisters Ringshausen von Nidda angenom« men. Mit einem hoch auf die Feuerwehren schloß Kreisdirektor Dr. Gaßner gegen 5! Uhr die sn 110.5 111.75 103.8 79 93.5 7,75 0.03 72.5 51.25 48.5 73.75 57.25 107.5 124.5 132 45 53.5 64,25 77.5 55 62.9 67,25 130 96 110-5 112 104.5 93.75 7,75 0.03 73 13 51.5 42 72,6 57.5 107.75 19, . 12.5 56 76.25 65.25 73 einem Börsenprospekt mitteilt, bis jetzt normal I so daß die Gesellschaft wiederum, falls nichi unDorbcrgelcbcnc Ereignisse eintreten, einen befriedigenden Abschluß erwarten kann Auch im Auslanbe hat sich d e Gefellfchaft wieder erfolgreich betätigt. • Zeche ..Alte Haase' stillgelegt. Die Zeche „Alle Haafe , die einzige und letzte Zeche im südlichen Ruhrbergbau-Bezirk, ist jetzt tillgelegt worden 1500 Arbeiter wurden dadurch arbeitslos. Die bis in die letzten Tage hinein von Wirtlchasts- und Kommunalverbänden unternommenen Versuche, vorn Staat einen langfristigen größeren Kredit zu erhalten, um den Weiter- ! Iielricb der Zeche zu ermöglichen, versieien ergebnislos. * D i e französische Handelsbilanz aktiv. Während der ersten acht Monate diese- Jahres betrug die Ausfuhr au« Frankreich 28 367 COO Franken, die Einfuhr dagegen nur 25 167 000 Franken Frankfurter Abendbörls. Frankfurt a. M, 16. Sept An der heutigen Abendbörfe wandte sich das Interesse dem Pfandbriefmarkte zu. der bei lebhafteren Umsätzen feste Haltung aufzeigte Der Aftien^ markt trat vernachlässigt, und verkehrte in lustloser Stimmung. Bei geringem Geschäft waren die Kurse gegenüber den leicht gedrückten Aach- bödenotierungen um ein weniges gebeffert. Arn' Bankenmarkte fehle 'ich bei regen Umsätzen die Steigerung für Reichsbankanteile fcharf fort. Der Kurs hob sich um weitere 2 Prozent Dio Abendbörie 'chloß ruhig in behaupteter Haltung. Deutsche Anleihen: bprMentige Reichsanleihe 0,247 . Schugebielsanleihe 6,100. Ausländische Renten Bagdad II 7.40. Bankaktien Commerzbank 96, Darmstädter Bank 112,50, Deutsche Bank 112, Dresdner Bank 100,75, Mitteldeutsche Eredit- ban( 93,50, Reichsbank 137,25, Oesterretchische Ereditaltien 7,75. Montanaltien: Harpener 108, Kali Aschersleben 124,75 Chemi'che Aktien: Badische Anilin 126. Th. Goldschmidt 71,50, Holzverkohlung 64, Höchster Farben 123,25. Transportwerte: Monastir 10,62. Jndustrieaktien AEG 97,87, Cement Heidelberg 65. Hoch- und Tiefbau 42,5, Gebr. Junghans 65,25, Lahmetzer 77, Pochwerke 72, Mainkraft 75, Aeckarsulmer 69, Zucker Rheingau 60. Börsen kurse. 15 Leptdr IS Sept r. Tunliche Non ruita (lefb Brie' flnnlidie Noiierun« '»elf 'Priel Smit. '.Hör. IM 6< ir.9 in 168 er. 189.« iPii-n ‘.Ifrce 1.687 1.691 1.691 1.695 Sr'i^Ännv tfbn’Unntj 18.41 '•V.'.l IS.4 1' 21 18.25 89.61 Äeo-nbcp.n etodholm ^rlnuQfnri Hla'icr ■ • London 102.62 112.56 10.575 17 30 40,3.15 102.82 112.84 10.115 .*0. :S. lü2 97 112,61 10 57 17.04 31.335 1'13.23 112.79 10.61 17.08 20.385 ^eunert . ®or.3. . E 569 4..'i 19.8 ■>1.1 61..’ 1.71 15. 5 i | 1 1 4.195 19.79 Ml 96 60.14 1 706 ) 561 1.205 19.83 M.16 60.30 1.710 L563 Bien in T Ct.8*J 4.91 7.4« । WJ < .50 5,905 Bnt^anen ytfiabon Taniici • • .«onftontin. Stt-Ci:. 1.055 .‘0.925 .'.375 ü 00 .0.975 6 11 !.05> .0 92.7 •Öl k» 2.395 -1 19 .1.0 5 20.975 811 88 2,405 6.21 Tanadn . 4 195 1.205 4.195 4,206 ttrnaunn 1.19 4.20 4.175 0.185 Banknoten. • Vcrlüi. 16 ’eptbr »Melb »riet Nmerttatlllche IMotcn . . flefoifdK '.Qoh-n . . . . Taniiche Noten . . . . » » • 1.213 18.15 102 74 4.263 18,25 1(13.2« ttngltfdie Holen..... 20.302 8U02 | ffraniiisitchr ‘.L'oten...... »o(länbifd)< Noten...... stialienische Noten...... Norwegische Noten...... Teutsch-vesterr, i loo flronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten..... Schwerer Noten • Lvanische Noten...... Tschechollowakiicht Note» . . Ungarische Noten...... • 19.K5 168,26 17.15 90,09 58.91 112.19 80,75 59.90 12.: 87 5.837 IM. 10 17,24 89 53 59,21 112.75 81.05 60 20 12.447 5.877 Echweinemarkt in Gießen. h Gießen, 16. Sept Zum heutigen ffrantfurt a.M Berlin Schluß. Aue» Sctlufch. llb.-i). Jörie Datum: 15. 9. 16 9. 15.9. 16 9 0.2525 0 2475 0.245 ' u.250 — — 0.315 — 0,270 0 300 D.3O25 1.3 173 0,525 0.48 0,480 0.4S.i 0,132 0,14.. 0,14» 0 145 0 270 o.2f5 »li 0.250 — — 0,27 — 0.30 — 0.28 — 0.28 0,26 89,75 89,75 84.7 91.75 91,75 94.75 94,7 94,7 7.7 7,85 7.62 7/. 38 38 — — Preiswert! Preiswert! Dieser hochelegante Damenpelz (Fuchsform) mit la Damassee-Futter und doppeltVerschluß in Skunks- (schwarz), Zobel- (braun) u. Slate(graublau)-Farbe kostet nur 0Igl, 25 Mark Eilen Sie, solange Vorrat reicht. Auf Wunsch Vertreterbesuch. 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Mittwoch, Freitag und Sonntag je 28 Abonnements-Dorstellungen stattfinden, die Vorstellungen beginnen an den Werktagen um 71/, Uhr, am Sonntag um 7 Uhr. Die Abonnementskarten stnd gegenüber den Tageskarten wesentlich billiger; bei Aichtbenuhung der Abonnementskarten können, wie bisher, Gutscheine gegen Entrichtung einer Gebühr gelöst werden, die für die gesamte Spielzeit, auch für die Sonntagsabonnements-Lorstellungen, Gültigkeit haben. Die glückliche Geburt eines gesunden, kräftigen Stammhalters zeigen hocherfreut an Albert Duchardt und Frau Johanna geb. Haller Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Frieda Balser Fritz Rothermel rechte des Altbesitzes im Sinne der § 37—39 des Auftvertungsgesetzes vom 16. Juli 1925 — R. G. Dl. I S. 117 — in Anspruch nehmen wollen, werden hierdurch aufgefordert, ihre Schuldverschreibungen zur Vermeidung des Verlustes des Genusirechtes spätestens binnen einer Frist von einem Monat seit dem Erscheinen dieser Aufforderung im Deutschen Reichsanzeiger beiunsererGewerkschaslskasseinGiehen unter Angabe der Nummern und des Betrages anzumelden. Die erforderlichen Beweismittel sind beizufügen oder innerhalb der Frist eines weiteren Monats nachzureichen: 4% Teilschuldverschreibungen vom Marz 1899 41/3o/o „ vom Januar 1906. Gießen, den 14. September 1925. Gewerkschaft Siebener vraunsteinbergwerke vorm. Hernie. söögd Ein Posten Reinwollene Sweaters und Sweater-Anzüge erstklassige Ware, jedoch keine Siegle zu bedeutend ermäßigten Preisen! Dang Rüdplatz ...........21 Die Ausgabe und Bezahlung der Abonnementskarten erfolgt in sechs Raten. Diebstahl begeht jeder an sich selbst, wenn er bei Einkauf von Offenbacher Lederwaren sich nicht vorher über meine konkurrenzlosen Preise orientiert. 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