Montag, 1?. August 1925 (75. Jahrgang Kr. 191 Erster Blatt -a. “ M V s- #66 »I D £3 Ar und Kunei- tra gesangengesetzten Drusen freizulassen. für eine allgemeine Beteiligung der internationalen Arbeiterschaft an der Durchführung einer einheitlichen praktischen Hilfsaktion für das um seine nationale Freiheit kämpfende chinesische Dolk zu werben. Es waren Vertreter aus allen europäischen Ländern und Amerika erschienen. 3n einer Entschließung wurde an die Leitung der Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale appelliert, an einer einheitlichen Hilfsaktion mitzuwirken. Japan protestiert gegen die Strelkunruhen in Tientsin. Peking, 16. Aug. (Wolff.) Die japanische Gesandtschaft hat dem chinesischen Außenminister eine Note übermittelt, in der gegen die Angriffe der Streikenden auf die japanischen Daumwoll- spinnercicn von Tientsin Protest eingelegt wird. Die Note weist darauf hin, daß die Maschinen vollständig zerstört wurden. Ein japanisc^r Arzt sei ernstlich verwundet worden, als er chinesischen Soldaten Hilfe leistete. Die Note erkennt an, daß die chinesischen Behörden die notwendigen Maßnahmen getroffen hätten, um der ernsten Lage in Tientsin zu begegnen, protestiert jedoch dagegen, daß japanische Staats- angchörige Dcrtounbet und japanisches Eigentum beschädigt wurde. Sie fordert schließlich, daß Maßnahmen getroffen wertem die eine Wiederholung derartiger Vorfälle ausschUeßen. Dw Note behält sich endlich das Recht vor. Kompen- sationsfvrderungen zu stellen. Der Fall Stinnes. Die Schwierigkeiten bei der „Aga". - Die Werksbeteiligung der Arbeiterschaft. Hnua .... von Änjetgtn für dir Tagesnummerbis zum Nachmittag vorher ohne jedcDerbindlxvkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne- blame-Anzeigen v 70 i in Breite 35 Goldpfennig, Plahvorschrift 20v . Auf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. F euilleton: l)r Friede Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: HansVeik, sämtlich in Gießen Berlin, 16.Aug. Dr. Edmund Stinnes, der älteste Sohn des verstorbenen Hugo Stinnes, der nach lebhaften Auseinanderfehungen mit dem jüngeren Bruder bekanntlich vor mehreren Monaten aus dem Stinneskonzern ausschied und dabei eine Reihe Unternehmungen des Konzerns übereignet erhielt. hat den Arbeitern der A g a ro e r f e (Aktiengesellschaft für Automobilindustrie) ein Aktien- paketim Nominalwert von zwei Millionen übereignet, da die Bereitstellung von genügenden Rlltteln für die am Samstag fälligen Lohnzahlungen sich durch die Haltung der Banken als unmöglich erwies. Die Vertreter der Arbeiter nahmen das Angebot einstweilen zur Kenntnis und werden, nachdem sie sich mit der Belegschaft und den in Frage kommenden Gewerkschaften beraten haben, ihre Entscheidung bekanntgeben, lieber die Art der Verwendung dieser Aktien zugunsten der Angestellten und Arbeiter sollen alsdann Verhandlungen geführt werden. WL.W VlP -WS -ff" Aw, IM? Die Vefreiungsfeier in Essen. Ansprache des Oberbürgermeisters Bracht. Essen. 17. Aua. (TU.) Die Stabt stand gestern im Zeichen der Besreiungsseier. Nach dem Festgottesdienst läuteten von 12 bis 12.10 Uhr sämtliche Glocken der Stadt. Trotz des trüben, regnerischen Wetters hatte sich eine unübersehbare Menschenmenge nach dem Burgplatz begeben. Schon lange vor Beginn des eigentlichen Festaktes vollzog sich der Aufmarsch der Vereine mit ihren Fahnen. Die Feier auf dem weiten Durgplatz wurde durch Posaunenchöre mit dem Liede ..Großer Gott wir loben dich" eingeleitet. Kaum waren die letzten Klänge des von den vereinigten Essener Gesangvereinen vorgetragenen Niederländischen Dankaebets verhallt, als Oberbürgermeister Bracht das Wort zu einer Ansprache ergriff, in der es heißt: ..Wit einem Dankgebet zu dem allmächtigen Gott haben wir unsere Befreiungsfeier begonnen. Danken wollen wir aber auch allen denen, deren Opfer in den letzten 2'/r Jahren diesen Tag geschaffen haben. Wir danken allen, die in den Gefängnissen geschmachtet. nut weil sie Reich und Staat die Treue hielten. Wir danken auch den Männern und Frauen, die im Stillen Entbehrungen und Trübsal auf sich nah- inen um des Vaterlandes willen. Standhaftigkeit und Einigkeit haben uns befreit. Der fefte, einmütige Willen des ganzen Volkes zeigte der fremben Militärmacht und der aufhorchen- den Welt, daß wir unsere guten Rechte nicht mit Füßen treten lassen, daß das Land an der Ruhr unlösbar verbunden ist mit unserem großen deutschen Itaterlanb. Dieser zähe Abwehrkamps ermöglichte der Reichsregierung die zielbewußte Politik, für die mir ihr danken. Wir wollen und dürfen d i e Einigkeit, die uns in schwerer Zeit stark machte, nicht durch Parteikämpfe immer wieder gefährden. Wir wollen einig sein in der Liebe zu unserem großen deutschen Vaterland und aus dieser echten Vaterlandsliebe heraus wollen wir den 'Andersdenkenden mit 'Achtung und Verständnis begegnen. Dann wird es auch wieder aufwärts gehen, dann werden wir iortfd)rciten auf dem Wege der Kultur und der Menschlichkeit. — hierauf sang die Versammlung entblößten Hauptes das Deutschlandlied. Musikdarbietungen beebenten die Feier. Der Abmarsch der gewaltigen Menschenmenge verlief ebenso wie die Feier ohne jeden Zwischenfall. '■ Auch Duisburg bis zum 23. August geräumt. Duisburg. 16. Aug. (TU.) Wie Düs- feldorf, so wird auch das belgische Sanktionsgebiet Duisburg und Ruhrort bis zum 23. August geräumt sein. Die Massenguartiere werden am Donnerstag, die Privatquartiere schon am Montag frei sein. Duisburg und Ruhrort werden mithin am 23. August vollständig geräumt sein. >3 a M Die Sozialisten und das Kabinett Painleve. Kein Ciutritt in das .Kabinett. Fortsetzung der Untcrftülrnttqöpolitik. Paris. 17. Aug. (TU.) Der sozialistische N a t i o n a l k o n g r e ß hat die Aussprache über die Unterstühungsvolitik zu Ende geführt. 3m Mittelpunkt der Debatte stand der eventuelle Eintritt in das Kabinett, der mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. In der Dormittagssitzung hatte Dolch die Neubildung des Linkskartells beantragt und erklärt, man müsse noch einen Versuch mit Painleve machen. Herriot habe die den Sozialisten gemachten Versprechungen nicht gehalten. Der Delegierte Montagnon glaubt, daß das Kabinett Painleve im Frühjahr gestürzt würde wegen der unüberwindlichen finanziellen Schwierigkeiten. Dann wäre der Augenblick gekommen, wo die Sozialisten sich zum Eintritt in das neue Kabinett entschließen müßten. Der Abgeordnete Pressemane fand begeisterte Zustimmung, als er ausführte, daß die Partei sich unter keinen Umständen an den Regierungs- geschästen beteiligen könne. Leon Blum lehnt jede Unterstützung des Kabinetts ab, hält aber die Fortsetzung der bisherigen Politik im Rahmen der Entschließung des Gre- nobler Kongresses für angezeigt. Morel verwirft die 'Beteiligung an der Regierung und verlangt die D u r ch f ü h r u n g sozialistischer Resormmaßnahmen für den Fall, daß die Unterstützungspolitik wieder aufgenommen wird. Darauf wird bh? allgemeine Debatte geschlossen. Wahrscheinlich wird eine Kom- promißformel gefunden werden, wonach d e Unterstützungspolitik unter gewissen Voraussetzungen wieder aufgenommen wird. Leon Blum hat mit-, geteilt, daß der Parteivorstand beschlossen habe. Painleve beim Zusammentritt des Parlaments mitzuteilen, zwischen den Sozialisten und Maginot zu wählen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrml und Verlag: Vrühl'sche Univerfi1üt§-Vuch- und Steinörudcrei R. Lanze in Siehe?.. Schriftleitunz und i5cfd)äft$Me: Lchulltrahe 7. Dr. Edmund Stinnes nimmt selbst in folgender Erklärung zu dem außergewöhnlichen Vorgang Stellung: Der Aktiengesellschaft für Autompbilbau fehlt zur Zeit die normale finanzielle Kräftigung mit Unterstützung, nachdem durch mein A u s s ch e i - denden aus der Firma Hugo Stinnes ihr die bisherigen Finanzierungsmöglichkeiten seitens der Firma Hugo Stinnes entzogen wurden und die früheren Bankverbindungen mit einer Ausnahme die vorher vorhandene Unterstützung ab- lehnten, und zwar wegen des Interesses derselben Banken am Hugo-Stinnes-Stützungskonsor- tium. Die Führung des Bankkonsortiums steht auf dem Standpunkt, daß ihr die Aktiengesellschaft für Automobilbau völlig gleichgültig fei, und überläßt es der Aktiengesellschaft für Automobilbau, ihre Forderungen gegen Hugo Stinnes im Prozeß- w e g e geltend zu machen. Damit kann man selbstverständlich keine Lohne bezahlen, und 8—10 000 Arbeiter- und Angestelltenfamilien, die direkt oder indirekt von den Werken abhängen, drohen der Arbeitslosigkeit anheimzufallen, trotzdem das Unternehmen fast voll und weit besser beschäftigt ist als die überwältigende Mehrzahl der deutschen Unternehmungen gleicher und anderer Kreise. Die bisherigen Versuche, durch Vermittlung der Reichsregierung und der preußischen Regierung die notwendige Unterstützung zu erhalten, haben vorab noch nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Vach den von Bankfeite abgegebenen Erklärungen habe ich den Eindruck, daß die Unterstützung in erster Linie deswegen unterbleibt, weil ich Besitzer der Aktienmajorität bin. So habe iqj mich entschlossen, die Hälfte meines Aktienbesitzes ohne Gegenwert der Arbeiterschaft des Werkes zu übereignen, die bisher die Verwaltung bei der Umstellung auf moderne Fabrikationsmethoden bestens und voll unterstützt hatte, und die daher mit die höchsten Löhne in Berlin verdienen konnte, wobei das Werk noch mit Ueberschuß arbeitete. Ich hasse, daß, nachdem nunmehr eine Majorität meinerseits bei der Aktiengesellschaft für Automobilbau nicht mehr vor- liegt, dieses Unternehmen die erforderliche Unter st ützung erhalt. Um entstellenden Gerüchten in der Oessentlichkeit vorzubeugen, habe ich hier zum ersten Male seit meinem Ausscheiden persönlich Stellung genommen, da es in diesem Falle nicht um .Handelsunternehmungen, Aktienbeteiligun- gen und derartiges geht, sondern um Gedeih und Verderben eines produktiven Betriebes mit Tausenden von Menschen, gez. Dr. Edmund Stinnes. Eine Darstellung von Grohbankseite erhält die gutunterrichic c „Tägl. Rundschau". Cs heißt dort: Die Gläubiger des Etinncskonzerns traren an das Stüyungskonfortium herangetreten und hatten die Tatsache beanstandet, daß auf Grund des Jamilienauseinanter'etzungsvertrags die Gruppe Edmund Stinnes mit wesentlichen Aktiven unbeschädigt aus dem Stinneskonzern ausgeschieden sei, ohne bei der jetzt notwendig wertenden Liquidation beizutraqcn. Juristisch wurde die Möglichkeit festgestellt, eine Heranziehung der Edmund-Etinnes-Gruppe zu der Liquidation des Etinneskvnzerns auf dem Regreßwege auf Grund der Art der von Edmund Stinnes vorher im Stinneskonzern ausgeübten GesHiiststätigleit herbeizuführen. Dr. Edmund Stinnes bot nun eine Ausfallbüraschaft an. Als Sicherheit für diese Aussallbürgschast schienen indessen die angekwtenen Aga-Werte nicht zu genügen. Bei der Diskussion der Frage der Stellung weiterer Sicherheiten ergab sich nun aber, daß die übrigen der Edmund-Stinnes- Gruppe auf Grund des Auseinanderfetzungsver- träges ausgehändigten Werte nur noch zum Teil im Besitze von Dr. Edmund Stinnes waren. So stellte sich z. B. heraus, daß anscheinend „N o r d st e r n" (Dersicherungsunter- nehmen) an die holländische Gruppe van der Heydt verkauft worden war, ferner auch die erst ab 1926 fällige Forderung an d i e Familie Stinnes in Höhe von sechs Millionen Mark. Auch weitere Werte scheinen verkauft worden zu sein. Die Danken verlangen nun, da für die Aussallbürgschast eine Sicherheit der gesamten der Edmund-Stinnes-Gruppe übereigneten Werte nötig erscheint, nicht nur eine Sicherstellung der Aga, sondern auch restlose Aufklärung über das Schicksal der übrigen, wie es heißt veräußerten Werte bzw. deren Gegenwert. Nach der Entscheidung dieser Angelegenheit würden sie gegebenenfalls bereit sein, auch zu Gunsten der Aga zu intervenieren, im Interesse der Erhaltung des Pfandwertes Hinsichtlich des Status der Aga trifft etwa folgendes zu: Die Verpflichtungen belaufen sich auf etwa 12 Millionen Mark, von denen etwa 7 M illionen kurzfristig sein dürsten. Waren und Außen st än de repräsentieren demgegenüber etwa 91/. Millionen, wöbet man berücksichtigen muß, daß ein Teil der Warenbestände aus Halbfabrikaten der Firma besteht, die im Liquidationsfalle unverkäuflich sein würden. Das von der Edmund-Stinnes-Gruppe dem Kottzern gegenüber beanspruchte Guthaben von einer halben Million Mark wird von der Firma Hugo Stinnes, Mühlheim bestritten. Die Stellung des Betriebsrats. Berlin, 16. Aug. (TDl. Abendblätter). Den Entschluß von Dr. Edmund Stinnes, die Hälfte seines Aktien-Besihes an der Aga der Arbeiterschaft zu vermachen, nennt der „Vorwärts" in einer abfälligen Kritik einen Notwehr- und Reklameakl. In der Sorge, daß ein derartiges Gewinnbeteiligungsverfahren auf eine Werkgemeinschaft hinausläuft, habe der Betriebsrat bisher zu dem Schenkungsa-.gebot noch keine Stellung genommen Ec werde sich bemühen, eine Form zu finden, in der er die älebernahme der Aktien mit den Interessen der gesamten Arbeiterschaft in Einklang bringen kann. Wie das möglich ist, darüber bestehe noch keine Klarheit, es müßte wohl vorher mit den zuständigen zentralen Gewerk- schaftsin stanzen verhandelt werden. Der Vorsitzende des Betriebsrats der Agawerke P r v ch n o w hat sich, wie er in einer Zuschrift an die Berliner Montagspost mitteilt, an den Oberpräsidenten von Brandenburg gewandt. Dieser habe in seiner Eigenschaft als Demobilmachungskommissar für Montag vormittag eine Sitzung ein berufen, um über Maßnahmen zur Vermeidung der Stillegung des Werkes zu beraten. Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertag». Beilagen: GießenerFamiliendlätter Heimat im Bild. Monat,.Sezngrpreir: 2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüste: Schristleilung 112, Der- lagundGefchäftsftelleöl. Anschrift für Drahtnach- richten: LnzelgerSiehen. Postschecktonte: Frankfurt a. M. 11686. 5 Ri = S"" 2 .. B K =• «Jik im ila % ? o 3 Rußlands Feindschaft gegen den deutschen handel in Persien. Von Dr. Gustav Rolof f, orb. Professor her Geschichte an der Universität Gießen. Wenn die deutsche Regierung schon in der Türkei nur wirtschaftliche Zwecke verfolgte und nicht von fern an die Errichtung eines Protektorats über größere ober geriegere Teile bes^Sultanreiches dachte, jo hielt sie in dem entfernteren Persien vollends po^ litifche Enthaltsamkeit für geboten. Dies Land, fast ohne moberne Verkehrsmittel und burch häufige Unruhen zerrüttet, lag in ber natürlichen Interessensphäre Rußlanbs unb Englands; bas eine wollte es non Norben her unterwerfen, um burch eine Eisen-, bahn einen Zugang zum Indischen Meere zu gewinnen, bas andere sucht seine j)anb auf Sübper- sicn zu legen, um solchen Plänen entgegenzutreten. Nie hat Deutschland beabsichtigt, beiben Mächten den Vorrang in Persien streitig zu machen, obgleich ihm wiederholte Angebote gemacht wurden, die zu einer solchen Politik verleiten konnten. Zn dein uerftänb- lichen Wunsche, an Deutschland eine Stutze gegen die beiden eigensüchtigen Nachbarmächte zu erlangen, regte z. B. ber persische Gesandte in Berlin an (Oktober 1905), eine deutsche Gesellschaft möge eine Konzesfion-zum Bau einer Eisenbahn von Teheran zum Anschluß an die Bagdadbahn erwerben, aber die deutsche Regierung ging nicht darauf ein, weil sie wußte, daß Rußland daran Anstoß nehmen werde. Dagegen war sie bereit, die Gründung einer Deutschen Bank in Persien zur Unterstützung des deutschen Handels zu fördern, aber auch hierbei war sie peinlich bemüht, alle Reibungen auszuschließen. Vertraulich ließ sie in Petersburg und London mitteilen, Deutschland werde auch nach ber Errichtung einer Bank feine Politik nicht oeränbern, sonbern lebiglid) wirtschaftliche Ziele verfolgen, unb als Persien kurz barnad) um eine beutsche Anleihe nachsuchtc (Sept. 1906), lehnte das Auswärtige Amt ab, um England und Rußland nicht zu verletzen. Ein Dank wurde ber beutfchen Regierung für ihre Loyalität nicht zu teil: Von Rußlanb aus würben vielmehr Gerüchte über ungeheuerliche Pläne Deutschlands verbreitet; schon habe es in Rußland Material für eine große persische Bahn bestellt unb dergleichen Behauptungen mehr. Eine solche Behauptung, schrieb der deutsche Staatssekretär entrüstet, übertrifft in ihrer Phantasterei sogar das Maß ber bisherigen Erfinbungen, sie illustriert aber gleichzeitig bie Gewissenlosigkeit, mit ber man fortgesetzt unsere Politik zu oerbächtigen sucht." Der energische beutsche Protest gegen derartige Unterstellungen bewirkte, daß Iswolfti ein Abkommen über die deutschen unb russischen Rechte in Persien vorschlug (Anfang 1907). Sein Ziel war, das Monopol für alle Verkehrsanlagen in 'Jlorbpcrflcn zu erhalten, wofür er sich anheischig machte, Deutschland beim Bau ber Bagdadbahn keine Schwierig- teilen mehr in den Weg zu legen, ja — nach jebes- maliger Verstänbigung zwischen Berlin unb Petersburg — den Bau von Anschlußbahnen unb die Zuführung fremden Kapitals zum Bahnbau fördern zu wollen. Indessen diese Grundlage war für Deutschland unannehmbar. Einer ber besten Kenner der Orientfragen in der deutschen Diplomatie, der Botschafter von Marschall in Konstantinopel, stellte bei ber Prüfung bes russischen Vorschlags drastisch die russische und deutsche Orientpolitik einander gegnüber. Während Deutschland die mohammedani- jchen Länder durch seine Tätigkeit zu heben bemüht sei, wolle Rußland sie gerade an der (Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Kraft hindern und ihre politische wie wirtschaftliche Schwäche steigern. Deshalb habe es Persien einen Vertrag auferlegt, keine Eisenbahnen ohne russische Genehmigung zu bauen und der Pforte durch ein ähnliches Abkommen wenigstens den Bau von Eisenbahnen und Straßen im nordöstlichen Kleinasien, einem wirtschaftlich überaus wichtigen Gebiete, unmöglich gemacht. Darum verdiene das russische Versprechen, jetzt die Bagdadbahn fordern zu wollen, kein Vertrauen; Iswolskis Zusagen seien auch so verklausuliert gehalten, daß ber Ver- dacht naheliege, er wolle unter dem Schein ber Förderung Einfluß auf bas Bagdabunternehmen ge- rotnnen, um es zu hemmen. Marschall hatte ohne Zweifel bie russische Politik richtig beurteilt. Denn als man in Berlin seinem Gutachten beitrat unb ben ru,-r "*cn Antrag mit einem Gegenentwurs beantwortete, in dem Deutschlanb den Russen bie Anlage aller Eisenbahnen unb Straßen in Norbpersien zu- fprach, aber sich die Leitung der Bagdadbahn oor- bebielt, begann Iswolsky die Angelegenheit zu ver- schleppen. Er oersprack) sofort eine endgültige Antwort (Sommer 1907), war aber beim Jahresschluß noch nicht damit herausgekommen. In dieser Zeit machte sich nun auch die Vollendung der russisch-englischen Entente (31. August 1907) geltend: Mit englischer Hilfe hoffte der ruf- fische Minister Deutschland aus ganz Persien zu verdrängen, ohne eine Konzession in der Bagdadfrage zu gewähren. Anstatt der Opfer, das Deutschland in Nersien zu bringen bereit war, anzuerkennen, tadelte er vor dem deutschen Botschafter in heftiger Weise die Haltung des deutschen Gesandten in Teheran, ber nach Berichten des russischen Geschäftsträgers sich bei Unruhen in Perlten ostentativ auf die Seite der Feinde Rußlands und Englands gestellt habe, während alle seine Kollegen Neutralität beobachtet hätten. Es war deutlich, daß Iswolski, gestützt auf bie neue Freundschaft mit England, eine solche Sprache wagte und nach Vorwänden suchte, um jeden ©ertrag m t Deutschland über Persien herumzukom- men. Danmit steht im Einklang, daß gleichzeitig auch die Londoner Presie heftige Vorwürfe gegen bas Umsichgreifen der Deutschen in Persien veröffentlichte. Tatsächlich laaen bie Dinge in Teheran gerade umqetebrt, als Iswolsky behauptete. Der I beut'che Gesanbte Frhr. v Richthosen hatte bie ftrenafte Unparteilichkeit gewahrt, als es einmal Aum Bruck zwischen der Dartei bes Schab unb he» w g=5,?f 8^1 w & 's. sSehj *»=5 is persischen Parlaments gekommen war. Während der russische, englische, holländische und türkische Gesandte in den kritischen Tagen des Bürgerkrieges mehrere Audienzen beim Schah gehabt und sogar verfolgten persischen Politikern Zuflucht in ihren Gesandtschaften gewährt hatten, hatte er ein solches Asyl niemandem aewährt, sich im diplomatischen Storps ausdrücklich gegen den Vorschlag eines Kollektivschrittes beim Schah erklärt, weil das eine Einmischung in innerpolitische Angelegenheiten dar- stelle, und schließlich vor Herstellung des inneren Friedens weder mit dem Schah noch mit dem Parlament eine Verbindung angeknüpft, sondern sich auf die Rolle des aufmerksamen Beobachters beschränkt. Als Richthofen seinen russischen Kollegen wegen jener Beschuldigung zur Rede stellte, wies dieser die Urheberschaft von sich ab und berief sich auf Telegramme Iswolskys: Also der eine Russe schob die Schuld auf den anderen, der beste Beweis, daß die russischen Vorwürfe aus der Luft gegriffen waren. Es ist kein Wunder, daß bei derartigen russischen Gesinnungen die Dertragsverhandlungen nicht vorwärts kamen. Der Botschafter in Petersburg, Graf Pourtales, erkannte bald, daß Iswolsky bösen Willen habe: „Wir dürfen uns keinerlei Hoffnungen hingeben," schrieb er (März 1908), „daß die Dienste, die wir in den letzten Jahren Rußland erwiesen haben, bei diesen Verhandlungen irgendwie ins Gewicht fallen werden." In der Tot hat Iswolsky die von ihm selbst eingeleitete Verhandlung im Sande verlaufen lassen. Die deutschen wirtschaftlichen Beziehungen in Persien blieben infolgedessen ohne sichere Grundlage, da sie stets mit dem Uebelwollen des einflußreichen russischen Gesandten zu kämpfen hatten. Auch die Bankgründung kam trotz der Bemühungen der deutschen Regierung nicht zustande, offenbar weil der deutschen Finanzwelt das Unternehmen unter diesen Umständen nicht sicher genug erschien. Der Geist, der die russische Regierung beseeUe, läßt sich vielleicht noch deutlicher an einer anderen Episode erkennen. Zwischen Persien und der Türkei bestanden seit dem Herbst 1905 ernste Grenzstreitigkeiten. Von beiden Seiten wurde Deutschland um Vermittlung an- gerusen; ja, der Schah ließ in Berlin vorschlagen, der deutsche Kaiser, zu dessen Objektivität beide Par- leien Vertrauen hätten, möge einen Schiedsspruch fällen, oder mindestens möge er ein internationales Schiedsgericht unter Beteiligung Deutschlands zu- standebringen, damit nicht Rußland und England eingriffen und eine Entscheidung nach ihrem Inter- esie fällten. Es ist selbstverständlich, daß Deutschland bei seinem vorsichtigen Entschluß, jeden Zwist mit Rußland und England zu vermeiden, hierauf nicht eingehen konnte, vielmehr in Konstantinopel wie Teheran dringend empfahl, sich durch gegen- kitire Nachgiebigkeit zu einigen und j.des cnropä- ischeEingreifen überflüssig zu machen. Als tro 'm der Sultan sich anschickte, in der Nachbarschaft des f!rilligen Gebietes Truppen zu konzentrieren, im>c tict der deutsche Botschafter diesen Schritt lebhaft, weil er der Frage besondereSchärfe verleihen werde. Es ist nun bezeichnend, daß, sobald die l ircischen Rüstungen bekannt wurden, eine heftige Polemik russischer und französischer Zeitungen gegen De'tsch- land, den angeblichen Anstifter der türkischen Maßregeln, einsetzte, obgleich die deutsche Regierung in Petersburg keinen Zweifel über ihren Standpunkt gelassen hatte. Wie in der Dertragsfrage bildet nun auch in dieser Angelegenheit der Abschluß der englischen En- tonte einen Abschnitt: Die Sprache Rußlands wurde viel anmaßender. So sagte der russische Kriegsminister dem deutschen Militärbevollmächtigten mit dürren Worten, Deutschland wünsche offenbar einen russisch-türkischen Krieg und habe deshalb den Sultan zu jenen Rüstunaen veranlaßt. (Anfang 1908.) Es ist selbstverständlich, daß diese Bemerkung eine scharfe Zurückweisung erfuhr, und heute können mir sogar erweisen .daß der russische Minister seine Be- ' hauptung wider besseres Wissen aufgestellt hat Aus den Veröffentlich'ngen der Gorojetreoierung kennen t wir die Protokolle der damaligen Ministerkonseils, und darin ist mit keinem Worte der Möglichkeit gt d "ch d ? Tle'er'ahme 0'?i':b .rg~:: es ■i ) rach A 'tVau b?- d^rt gen Kohlengr b:: von der Kohieneinsuhr im tve'entlichen besrei n und Hier he mischen E ' ndustrie eine eigene Kohlenbasis geben kann. Kroatische Jahrtausendfcier. Die Iahrtausendseier des kroatischen Königreichs wurde in Anwesenheit des Königspaares und verschiedener Kabinettsmit- gliedec festlich begangen. Aus allen Teilen des Landes teuren schon am Vorabend über 100 000 Festteilnehmer in Agram eingetroffen, die wegen der Lieberfüllung der Stadt zum großen Teil im Freien übernachten mußten. Besonders bemerkt wurden Abordnungen der kroatischen Sokolin, die von historischen Statten ihres Landes Erdschollen mitbrachten, um sie zu einer GedenkP^r nnide zu vereinigen. Jin Stadion fand vor dem Königspaare eine Parade von 23 000 Sokolmannschrsten statt. In der Presse wird die Feier als unvergeßliche Besiegelung des serbisch-kroatischen Zusammenschlusses bezeichnet. kleine politische Nachrichten. Das französische Kriegsgericht in Mainz verurteilte den Prof. Josef Berg aus Essen zu einem Jahr Gefängnis und den Kaufmann Hugo Oppermannn aus Essen zu 4 Monaten Gefängnis. Die Angeklagten waren beschuldigt, im Ruhrgebiet Spionale getrieben zu haben. ♦ Das französische Militä rpolitzei- gericht in Wiesbaden verurteilte wiederum nicht weniger als 107 Personen aus dem unbesetzten Gebiet zum Teil zu recht hohen Geldstrafen, weil sie nicht im Besitz eines vorschriftsmäßigen Passes waren. Die Kölner Iahrtausendausstellung wurde durch einen schlichten Festakt im Ehrenhof der Meße geschlossen. Insgesamt haben rund 1,5 Millionen die Ausstellung besucht. * Am Sonntag begingen die alten Kolonial- krieger in Potsdam ihre Fahnenweihe in festlicher Weise. Unter den Fahnenabordnungen bemerkte man auch drei historische Fahnen, die von Tsingtau, Windhuk und die alte Wißmann-Fahne. Nach der Weiherede vollzog der ehemalige afrikanische Feldgeistliche, Missionsinspektor Dr. Schreiber, die feierliche Weihe der Fahne. Der Feier, zu der die alten Kolonialkrieger aus nah und fern zu- fammengeftrömt waren, wohnten auch Prinz Eitel Friedrich mit Gemahlin und das Prinzenpaar Oskar bei. Die Iuglelephonie. Einführung auf der Streite Hamburg — Berlin. Anläßlich der Einführung der drahtlosen Eisenbahnzugtelephonie auf der Strecke Hamburg-Berlin veranstaltete die Eisenbahndirektion Altona eine Sonderfahrt von Hamburg nach Ha- aenow und zurück, an der u. a. die beiden hamburgischen Bürgermeister Petersen und Schramm, die Bürgermeister von Lübeck und Altona, sowie eine Reche von Vertretern der Behörden teilnahmen. In dem als Vortragsraum für diesen besonderen Zweck her- gerichteten Wagen begrüßte der Präsident der Reichseifenbahndirektion. Dr. Schneider, zugleich namens der Firma E. F. Huth und der Zugtelephonie-A.-G. die Gäste und führte dabei etwa folgendes aus: Die Uebertragung von Musik und Worten auf einen fahrenden Zug ist bereits auf amerikanischen Eisenbahnen möglich. Zum ersten Male in der Welt bietet aber das System der Firma Erich F. Huth, das jetzt eingeführt werden soll, die Möglichkeit einer wechselseitigen Fernsprechverbindung von einem fahrenden Zuge zur Außenwelt. In einmütiger Zusammenarbeit zwischen der Erfinderfirma, der Reichspost und der Reichseisenbahnverwaltung ist das System derart ausgebildet worden, daß für die Reisenden eine Verbindung mit jedem beliebigen Postfernfprechteilnehmer, also auch weitab von der Strecke, und umgekehrt für jeden Fernsprechteilnehmer eine Verbindung mit einem fahrenden Zug hergestellt werden kann. Als die ersten sollen die O-Züge zwischen Hamburg und Berlin ausgerüstet werden. Rach und nach soll die Zugtelephonie auch auf den übrigen bedeutenden Strecken des Deutschen Reiches eingeführt werden. Im Zuge sowohl wie auf den Landstationen, die sich an den Enden der Strecke und bei längeren Bahnlinien auch unterwegs befinden, ist jedesmal ein Sender und ein Empfänger ausgestellt. Auf der Strecke Hamburg—Berlin befinden sich solche Landstationen in Bergedorf, Wittenberge und Spandau. Wird nun vom Zuge aus gesprochen, so werden die von der Sprache beeinflußten elektrifchen Wellen von den Sendeantennen auf dem Wagendach ausgestrahlt, treffen auf die gegenüberliegenden Telegraphendrähte, laufen an diesen entlang und gelangen schließlich zu dem Empfangsapparat auf der Landstation. Hier werden die ankommenden Zuggefpräche auf die Postleitung übergeschaltet und dann im Fernamt der Post ebenso behandelt wie andere Ferngespräche. Ruft umgekehrt ein Fernsprechteilnehmer den Zug an, so leitet die Post fein Gespräch zur Landstation, die es auf demselben Wege der Poft zuführt. Diese Einrichtungen lassen erkennen, daß es ohne weiteres möglich ist, auch von einem Zuge zum andern zu sprechen oder sich von dem Fernamt der Post mit Orten verbinden zu lassen, die nicht an der Strecke liegen, und daß umgekehrt von jeder beliebigen Stelle aus, soweit sie an das öffentliche Fernsprechnetz angeschloffen ist, der Zug angerufen werden kann. Auch Telegramme und sonstige Bestellungen werden von und nach dem Zuge übermittelt. Rach diesen mit großem Interesse aufgenommenen Darlegungen war einer Reihe von Fahrt- teilnefjmen Gelegenheit geboten, sich durch Telephongespräche mit der Außenwelt persönlich von der praktischen Verwendbarkeit der neuen Einrichtung zu überzeugen. Der kurze Bericht, welchen der Vertreter des Wolfsbureaus an die Hamburger Zweigniederlassung gab, wurde gut verstanden, und umgekehrt stand der Zug i n ständiger Verbindung mit dem Hamburger Rundfunksender, der Fohr!t:il- nehn"?rn Rachrichten sowie während des von der Zugtele'-bonie-A.-G. im S ei'ew^gen gegebenen Frih'tücks musikalische Darbietungen übermittelte. Der öf'entl'.che Betrieb für das reifende Publikum, der in den Händen der Zugtelephonie-A.-G. liegt, wird binnen kurzem in den O-Zügen Hamburg—Berlin ausgenommen werden. Aus aller Welt. Die spanischen Acrzte in Berlin. Berlin, 16. Aug. (TU.) Reichskanzler Dr. Luther gab Samstag abend zu Ehren- der spanischen Aerzte einen Empfang, zu dem etwa 100 Einladungen ergangen waren. A Sonntag unternahm die spanische Aerzte- n.i on einen Ausflug nach Potsdam, um das dortige Verforgungskrankenhaus für tuberkulöse Kriegsbeschädigte zu besichtigen. Die parkartigen Anlagen mit ihren licht- und luftumspielten Liegehallen gewähren Lungen- und Knochentuberkplösen, die im Kriegsdienst erkrankt sind und solchen Kriegsbeschädigten. deren Erkrankung den Verdacht der Tuberkulose rechtfertigen, unbegrenzten Kuraufenthalt. Die spanischen Säfte zeigten sich von dem kurzen Rundgang durch die Anstalt überaus befriedigt. Roch größer war ihre .Bewunderung bei der Besichtigung des Oskar-Helene- Heims in Zehlendorf. Die von Professor B i e s a l s k i geleitete orthopädische Klinik, in der sie das gewaltige medizinische Rüstzeug im Kampfe gegen das Krüppeltum fennenlernten, die pädagogische Abteilung mit ihrem psychologischen, fein abgestuften Lehrplan, die Werk- stätte für die verschiedenartigen Handwerke, in der jugendliche Krüppel herangebildet werden, die Herstellungsräume für künstliche Gliedmaßen, die Liegehallen, Spiel- und Turnsäle, die Planschwiese, das Sonnenbad und ein regelrechtes Stadion, alles das erweckte die Verwunderung der Spanier, die gestanden, daß man so etwas in der ganzen Welt nicht noch einmal finde. Am Montag begibt sich die spanische Aerztekommission nach Frankfurt a. M. Eröffnung deS Kongresses studentischer nationaler Verbände. In Kopenhagen wurde in der Aula der llniöerfität in Anwesenheit des dänischen Außenministers der diesjährige Kongreß der Gemeinschaft Studentischer Rationaler Verbände eröffnet. Der Kongreß ist von allen europäischen und amerikanischen Studentenschaften beschickt. Der deutschen Delegation, die von Walter Zimmermann geführt wird, gehören neben den Vertretern der reichsdeutschen Studentenschaft auch solche Oesterreichs. Danzigs und der deutschen Studentenschaften der Tschechoslowakei an. Die Verhandlungen des Kongresses finden in Ryborg statt. Es werden Fragen, die für die Studenten aller Länder von Interesse sind, behandelt werden. Der Kongreß wird acht Tage dauern. 3um Breslauer Doppelmord. Zu dem Doppelmord in der Villa Rosen ist noch zu melden: Durch die Vernehmung des Dienstmädchens des Professors, Marie Grabsch, bekommt die Angelegenheit nunmehr ein etwas llareres Ansehen. Die Grabsch gibt zu. Rufe von fremden Männerstimmen gehört zu haben: „Oeffnen! oder tetr schießen!" In ihrer Angst versteckte sie sich dann in ihrem Zimmer und kam erst wieder hervor, als sie bekannte Stimmen, und zwar die des jungen Ehepaares Stock hörte. Cs hat sich herausgestellt, daß die Grabsch die Dertrauensperson des Professors Rosen war. Deshalb war sie auch der Reumann im Wege. Anscheinend tag Eifersucht vor. da Rosen mit der Grabsch Ausflüge gemacht und dieser auch reichliche Ge- schercke zugewandt haben soll. Es stellt fich jetzt auch heraus, daß zwischen der Reumann und Prof. Rosen Zerwürfnisse bestanden haben, welche diesen veranlaßten, seine Mahlzeiten außer dem Hause einzunehmen und erst nachts in seine Wohnung zurückzukehren. Die D l a i" polizeilich gesperrt. Rur d'.e ®rai'o; ha . .. ,, um die Hunde und das Geflügel zu füit:;-.-u Mord oder Autounfall. In dem Berliner Vorort Wittenau rorvöe Sonntag früh in der Rödern-Allee mitten ans bem Fahrdamm eineF rou st erbend nufgefunden. Die Lage der Frau und die schweren Wunden, die sie aufwies, Jiefjen es nicht ausgeschlossen erscheinen, daß ein Sittlichkeitsverbrechen vorliegt. Die Ermittlungen der Mordkommission ergaben jedoch die Möglichkeit, daß die unbekannte Tote das Opfer eines Autounfalls geworden ist. Erst die beutestattfindende Obduktion wird die volle Gewißheit geben können. Aebersatt im Zuge. In der Rächt auf Sonntag wurde auf einen Reisenden des Zuges Braunschweig- Seesen bei Leinefelde ein Raubüberfall verübt. Der Reisende wurde mißhandelt und seiner Barschaft beraubt. Die Täter konnten entkommen. Sonntag abend wurden zwei verdächtige Personen von der Kriminalpolizei festgenommen. Kommunistischer Uebecsall in Berlin. Angehörige ter Kommunistischen Partei Hutten in Charlottenburg ein Drahtseil über die Straße gespannt und dadurch einen Radfahrer zu Füll--gebracht. Er wurde daraus von den Kommunisten blutig geschlagen, wahrscheinlich weil er dem Dis- marckbund angehörte. Hierauf flüchteten die Angreifer. Einer von ihnen, ein 19 Jahre alter Arbeiter, ist jedoch von Zeugen erkannt worden. Tob in den Bergen. Wie das Berner Tageblatt aus Kanderst e g erfährt, ist heute nachmittag 4 Ufjr an den Fisi Stöcken eine Frau Hochstädter aus Frankfurt a. M tödlich abgestürzt. Eine Dergungskolonne ist abgegangen. Frau Hoch- ftädter bestieg die Fisi Stöcker mit ihrem Manne, der Rechtsanwalt ist. ThphuS in Demburg. In das Bernburger Krankenhaus wurden elf typhuskranke Personen eingeliefert. 60 Personen an Fleischvergiftung erkrankt. In Gröbitz bis Halle erkrankten 60 Personen an Fleischvergiftung. Sie hatten von einem Schwein genossen, das der Fleischbeschauer für nicht ganz einwandfrei erflärt hatte. W ederau sieben der hannoverschen Moorbrände. Der Mvovbrand bei Redde ist neu entnimmt und hat sich sofort weiter ausgedehnt. ,D'.s Feu-r brannte unter irdisch weiter und hat die im Moor stehenden Bäume auf weite Strecken dadurch entwurzelt, da das Moor, in dem sie wurzelten, verbrannt ist. Die Däurne sind umgestürzt und liegen zu tausenden cm Boden, so daß die Fläche einem undurchdringlichen Gestrüpp gleicht. Die ganze .Umgebung ist in Rauchwolken gehüllt. Auch dec Brand im Warmbücher Moor bei Hannover ist noch immer nicht gelöscht, so daß noch täglich die Feuerwehr eingreifen muß. Cholcra-Epidemie in Schanghai. Eine Cholera-Epidemie ist ausgebrochen Man verzeichnet mehr als 500 Krankheitsfälle, davon seien 25 bereits tödlich verlaufen. Wettervoraussage. Bei veränderlicher Bewölkung mäßig warm, aber Temperaturen ansteigend, meist trocken. DaS Zuströmen von Lust aus vorwiere.ch nördlicher Richtung und die Zunahme der Be- toöüung hat die Temperaturen des gestrigen Tages weiter sinken lassen. Für Gießen ist des Minimum 2,1 Grad C. tiefer als am Vortage: int wesentlichen Fortdauer der herrsche:tden Witterungsformen noch in Aussicht. Wir liegen auf der Südwestsront mehrerer Störungen, die voy Skandinavien südostwärts ziehen. Mit dem Em» treten leichter Regcnfälle ist zu rechnen. Der über Mitteleuropa bisher liegende hohe Druck wird auch von Westen her abgeschwächt. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,3 Grad Celsius, Minimum 11,3 Grad Celsius. Aus Stadt und Land. Gießen, den 17. August 1925. — Von der Landes-Universität. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Gießen hat im laufenden Jahre folgende Herren ehrenhalber zum Doktor der Veterinärmedizin promoviert: Prof. Dr. E. Zschokke. an der Veterinärmedizinischen Fakul ät der Universität Zürich. Prof. Dr. O. Rübe li, an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Bern. Prof. Dr. M. v. Sußdors, früher Direktor der Tierärztlichen Hochschule zu Stuttgart. — Viehmärkte in Gießen. Laut Anzeige finden am Dienstag, 18., und Mittwoch, 19. August, die Viehmärkte in Gießen statt. — Die städtische Fuhrwerkswage in der Frankfurter Straße ist fertiggestcllt und ist ab heute, Montag, der Benutzung freigegeben. *’ Persönliches. (Siubicntat Schmidt, Gießen, ist ab 10. August an die Oberrealschule in Butzbach versetzt worden. An seine Stelle tritt Studienrat Plötz, Butzbach. *♦ Landwirtschaftliche Unfall- renten-Empfänger. Durch daS 2. Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung vorn 15. Juli 1925 ist es nötig geworden, daß die Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft in Darmstadt alle Renten aus Unfällen vor dem 1. Juli d. 2s. umrechnet. Es handelt sich dabei um eine sehr große Zahl — es kommen zirka 9000 Renten in Betracht — und es ist deshalb klar, daß die Berufsgenossenschaft eine gewisse Zeit zu dieser Umrechnung braucht. Die Rentenempfänger werden daher in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der anderen Rentenberechtigten ersucht, in der nächsten Zeit Anfragen an die Berufsgenossenschaft zu unterlassen, welche die Reufestsehung der Renten zum Gegenstand haben. Bei der großen Arbeit, die die Berufsgenossenschaft mit der Umrechnung der Renten zu bewältigen hat, können derartige Anfragen, die an sich zwecklos sind, nicht beantwortet werden. !*! Hassia-Sonderfahrt nach Leipzig. Vom 17.—19. Oktober findet in Leipzig der große Deutsche Kriegertag des Reichskriegerverbandes „Kysihäuser" statt. Man rechnet mit einem Besuch von etwa 200 000 ehemaligen Soldaten aus allen Teilen des Reiches. Auch die Kriegerkameradschaft Hassia will einen Sonderzug ab Frank- Klängen «ne furt Dem n lassen, mit dem auch die Kameraden aus ife Wetzlar befördert werden können. brachen bis zu seiner vor zwei Jahren erfolgten Pensionierung an der hiesigen Schule. Mit viel Fleiß und Gewissenhaftigkeit hat er mehrere Generationen unserer Gemeinde zu brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen. Auch war er im landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen unermüdlich tätig und hat sich auf diesem Gebiete große Verdienste erworben. Kreis Schotten. lg. Gedern, 14. Aug. Die rege Bautätigkeit hält in unserer Gemeinde an. Eine größere Anzahl von Wohnungen geht ihrer Vollendung entgegen und dürfte noch im Herbst beziehbar werden. Auch der Ausbau der neuen Drühl- strahe schreitet rüstig vorwärts. Die Inhalte Bautätigkit ist recht erfreulich hinsichtlich der zur Zeit herrschenden Wohnungsnot und dürste wesentlich zur Linderung derselben beitragen. Der Hermannslauf der Deutschen Turnerschaft. aussage. dnößung mähiz tarn, rigenö, meist troden. Lust aus trortoiu'sc.’b die Zunahme 6er •> eraturen des geftr’qei en. Für Gießen ift i"? eser als tun ^Ditügc; im >er herrschenden TDitlr- Mcht. Dir liegen auf er cwrunjen, die von, ziehen. Mit dem Sm- : ist zu rechnen. : licqcntß hohe W abgeschwächl. atuttn: MaMN /--» 11,3 Grad W- Für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spexlilkcranitalt Hol- kein 1. Tinas bei Frankfurt a BI Bebaut eingerichtet vorzügliche Verpflegung (auch Diät-Kuren). Mäßige Preise. Prospekt durch Dr. N. Schulze- Kahley**, Nervenarzt 3m Zeichen des Hermanns lauf es steht nicht nur eine Stadt, eine Provinz oder auch ein Landesteil. steht ganz Deutschland Die großartige. schon lange vorbereitete Organisation zeigt jetzt, daß sie, sich über das ganze Reich erstreckend, auch überall ein Gelingen ermöglicht hat. Aatur- gemäß konzentriert sich diese Tü-raustattung in einzelnen Punften. und zwar, wie ja klar ersichtlich ist. in den Hauptstädten, wie Berlin. Hamburg. Dresden. Frankfurt a. TR.. Köln usw Damit ist allerdings noch nicht gesagt, daß diesen Städten tatsächlich der größere Anteil, die bedeutendere Teilnahme zuzuschreiben ist. Aber, wie gesagt, die Konzentrationspunkte bilden sie doch. So Berlin, wo sich am Samstag früh den zur Arbeitsstelle Eilenden ein lebhaftes Schauspiel bot. Dom Eüdwesten bis hinauf in den hohen Horben bildeten, in regelmäßigen Abständen, weihe Turnergestalten eine lange Kette ES waren die Teilnehmer des Hermannslaufes. des größten Eilbotenlaufes, der jemals'in Szene gesetzt wurde. Die Reichshauptstadt wurde vom Hauptlauf 5. Saßnitz — Greifswald — Stettin — Brandenburg —Magdeburg, dann nach Detmold führend, berührt. Kurz nach 8 Uhr trafen die Stafetten in Brandenburg ein. wo die Urkunden von Berliner Läufern zum Schloß in Berlin getragen wurden. Am Schloß fand dann die Hebern ahme der Urkunde von den 5 Berliner Rebenläusern statt. Dann ging es weiter, durch die Linden zum Brandenburger Tor, Potsdamer 6trabe. Friedenau. Steglitz hinaus nach Detmold, wo die Stafette am Sonntagnachmittag gleichzeitig mit den 15 übrigen tintraf. Aehickich in Hamburg. Der vierte Hauptlauf begann hier bei der Blücher-Eiche in Ratekau. DiS Lübeck wurde der Lauf von dem Schwartauer Turnverein ausgeführt, hier vom Lübecker T. D., der die Urkunde bis Selmsdorf trug. Don dort ging der.Lauf weiter nach Gadebusch, weiter nach Hamburg. Hier wurde die Uebergabe der ilrfunben ebenfalls mit einer Feier verbunden. Mitteldeutschland beteiligte sich gleichfalls sehr intensiv, in den kleineren Orten wurden durch die einzelnen Turnvereine kleinere Feiern ab geh alten. Der eine Hauptlauf führte von der Schneekoppe über Reichenbach- Dresden—QUeiften—L eipzig, der andere von Kulm, Dresden. Chemnitz. Zwickau. Merane. 3n Leipzig. Dresden. Chemnitz und Plauen sanden bei Wiedergabe der Urkunden durch die Läufer ebenfalls Feiern statt, durch Gesänge. Ansprachen der Bedeutung dieser riesenhaften Kundgebung gerecht zu werden. Die Feier in Detmold. Am Sa ns:ag begannen die Hauptseier- lichkeite n der Deutschen Turnerschaft. Am Rachmittag wurde das Danner der Deutschen Turnerschast. dar bisher im 3ahn- Mu'eum in Freiburg an der Hnftrut ausbewahrt wurde, in feierlichem Zug durch die Qlabt geführt. Genera! von Seeckt und der Wc-Hr- kreiSkommandant von Ledebour haben sich an der Feier beteiligt Zu dem Begrüßungsabend waren zahlreiche Vertreter der Reichs- und Landesregierungen und des Deutschen Sängerbundes erschienen. Ferner waren dreißig Rach- kommen Ernst von Bändels anwesend. Der erste Dorsitzende der Deutschen Turnerschast Professor Berger, begruß'.e die Festversammlung. Darauf übermittele Oberbürgermeister Dr. P c- ters die Grüße vom Deutschen Sängerbund. Die Darbietungen der westfälischen Turner sanden stürmischen Beifall. Die Stadt war festlich beleuchtet Am Sonntagvormittag sand unter Teilnahme mehrerer Tausend Menschen eine schlichte Feier statt, bei der Pfarrer Tölle die Rede hielt. Die Spitzen der Behörden und der Dorstand der Deutschen Turnerschast waren neben andern hervorragenden Persönlichkeiten trotz des ständig niederriefelnden Regens erschienen. Mittags sammelte sich die Schar der Festtcilnehmer in der Stadt zu einem großen Feftzuge, in dem Turner und Turnerinnen aus allen 18 deutschen Turnkreisen marschierten. Mehr als 100 Fahnen führte der Zug mit sich. Auch die Turnerjugend war mit ihren wehenden Wimpeln zahlreich vertreten. Der Festzug begab sich bei strömendem Regen nach dem Hermannsdenkmal. Auf einem weiten Platze, umrahmt von alten Eichen, marschierten die Massen zu der Haupt- feier auf. Zcchlreiche Ehrengäste auS allen Teilen Deutschlands. Dertreter der Reichs- und Landesregierungen, der Reichswehr und der Behörden waren anwesend. 1L a. bemerkte man den Fürsten Leopold zur Lippe mit seiner Familie sowie den Prinzgemahl Heinrich der Riederlande. Die Feier wurde durch Gesang eröffnet. Darauf begrüßte Oberbürgermeister Peters die Erschienenen und überreichte im Auftrage der Detmolder Stadtverwaltung der Deutschen Turnerschaft ein Fahnenband. Er erklärte ferner, daß die städtischen Körperschaften einstimmig beschlossen hätten, einen Grundstock für eine Stiftung zu Ehren des Erbauers des Denkmals zu crridjten und sie Ern ft von Bandel-Stiftung zu benennen. Vorläufig sollen auf zehn Jahre je 1500 Mk. zur Unter- stützung bedürftiger Nachkommen Bändels ausgeworfen werden. Er sprach die Hoffnung aus, daß Reich und Länder die Stiftung vergrößern mögen. 2,“" **. u.» U Surr 7° BttStn. qu< e. . kruburg. Krankenhaus wurde» " ^geliefert. ’Mfatng ecfraatt ° Erkmsten 80 Per- bte hatten von einem ,tr '}-ti'6be’d)Qutr fat litt ertföti hatte. ^rrschen OBootbräik Aedbe ist neu em- >rt lvriter ausgedehnt er irdisch weiter liefen Den 'Bjmne cuf wjeit, da das Noor ’-annt ist. Vie D'ume «ea zu tausencen cm einen undurch'i.s-g. )ie ganze g zehüllt Auch Ltt Mvvr bei tzannvver schi, sv dah nach tLg. nfen muh. in Schanghai. ie ist ausgebm'^cn Jan Krankheitsfälle, davon j verlausen. AustriebaufdemheutigenFrank- furter Schlacht olehmarkt: 514 Ochsen, 78 Bullen. 1064 Färsen und Kühe, 480 Kälber, 221 :: Volkartshain, 13. Aug. Heinrich M ü t h, der am 14.Juni zum Bürgermeister unserer Gemeinde gewählt wurde, wurde heute seitens des Kreisamts Schotten bestätigt und in sein Amt ein- geführt. Möge unser neuer Bürgermeister sein Amt führen zum Segen der ganzen Gemeinde. Kreis Alsfeld. m. Mücke, 12. Aug. Zu den verschiedenen alten Bräuchen, die im Entschwinden begriffen find, gehört auch das H o chze i t s s ch i e ß e n . das sich noch bis vor kurzem in unserer Mucker Gegend erhalten hat. NachBeendigung der Trauung wurde an verschiedenen Stellen des Ortes und der Umgebung Gewehrschüße abgefeuert, und zwar um so zahl- reicher, je geachteter die Stellung war, die das Brautpaar einnahm. Dieses Hochzeitsschießen geht auf altgermanische Bräuche zurück und hat wohl und Land. ten 11 Wt m dcs-Kiüverlität. der Umvcr- vü'ää •» Z Ä" ** ÄUÄ j nötig E^^nostcn- aststche ^Ä^llisälle," Renten au» Nlt di- Werden aE 'sijehungbcC arbeit, d ittn 15 Ministerialrat Dr. Daniel überbrachte die Grüße der Reichsregierung und gab dem Wunsche Ausduck, daß das Hermannsdenkmal den Weg zur Sammlung aller Deutschen weise. Die Deunche Turnerschaft könne die deutsche Einigung mit vollbringen helfen. Darauf hielt der Borfihende der Deutschen Tur- nerjdwt, Prosesior Dr. Be r g e r. d,e Festrede. Auch er mahnte zur Einigkeit aller Deutschen. Der Bürger- meister der Geburisstadt Emst von Bandel?. B o h - ner-Ansbach, schilderte das Werk des Künst- lers und überreichte im Namen feiner Geburtsstadt einen Kranz. kurz daraus trafen die Staffelläufer aus allen Teilen des Deutschen Reiches ein. Die Grenzgaue hatten ihre Staffeln von den deutschen Landesgrenzen ablaufen lasten. So waren Söhne von der Norsee, von den bayrischen Alpen, aus Oberschlesien, aus Aachen und aus Deutsch- böhmen im Stafettenlauf hier eingetroffen. Jede Staffel berichtete kurz über den Weg und Durch- führung ihres Laufs. Jede Staffel wurde mit großem Jubel begrüßt. Ihren Höhepunkt erreichte' die Begeisterung, als ein Vertreter des Gaues Süd- w e ft a f r i k a der Deutschen Turnerschast hervortrat und die Stafettenurkunde überreichte. Sie ist von der Deutschen Turnerfchaft durch den Dornenbufch der südafrikanischen Steppe gebracht worden. Ihr Sprecher überbrachte gleichzeitig das Trcuegelöbms zu deutscher Art und deutscher Sprache. Die Staffelläufer her Deutschen Turnerschast haben im ganzen eine Strecke von 18 000 Kilometer durcheilt, was einer Entfernung von Neuyork nach Peking über Europa entspricht. Die Feier schloß mit gemeinsamen Gesängen und einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Etappe Gießen. 3n Gießen war eine große Menschenmenge auf den Deinen, um die Läufer zu grüßen. Schon lange vor dem programmäßigen Eintreffen waren Gruppen von Radlern die Licher Straße herauf- und weit hinan in den Schiffenberger Wald gefahren, entlang der Kette der weißgekleideten Turner, die Die Staffelte zum Land- graf-Philipp-Platz trugen. Lange vor der planmäßigen Zeit, etwa 10 15 Llhr. wurden die ersten ßäufer von der Höhe der Stadt au3 sichtbar und wenige Minuten später kam die Staffelte auf dem Zielplatz an, stürmisch begrüßt von den begeistert Wartenden- Die Zuschauer zu Fuß und zu Rad, die mit dem programmäßig pmtktlichrn Eintreffen der Läufer gerechnet hatten, standen 'noch lange auf der Straße und kehrten nur zögernd um. Indessen war die Dunekelheit herein- georochen, und im Schein Der elektrischen Straßenbeleuchtung wurde die Playverteilung zum zweiten Lauf vorgenonunen, der 9.40 Uhr in Gießen sein sollte. Der Anschluß an Klein-Linden wurde oberhalb dec Bahnübcrfübrung in der F anfrurter Straße hergestellt, Radler hinten die ständige Verbindung untereinander aufrecht, bis mit großer, fast '/istündiger Derfpätung, die Staffelte eintraf. Durch die von unermüdlich wartenden Schaulustigen dicht besetzten Strahenzüge der Frank- furtec Straße, Selters weg, Sonnenstrahe kam der Laus aus dem von Menschen wimmelnden ßanb» graf-Philipp-Platz an, wo der Läufer mit einem dreifachen „Gut Heil" empfangen und weitergeleitet wurde. Die Gießener Turner- schaf t trug ihre Staffelte bis Lollar: von da ging eS, vom Auto begleitet, nach Marburg zu. Der Hermannslauf in Nauheim. 4 Der Hermannslauf der Deutschen Tur- nerfdjaft berührte gestern abend auch unsere Stadt. Die Sttaßen, durch die der Laus ging, waren von Zuschauern dicht besetzt, vor allein nahmen die Kurgäste reges Interesse an der Veranstaltung. Die Ausländer fragten immer wieder nach dem Zweck und Sinn der einzigartigen Kundgebung, und drückten nach Aufklärung ihre Verwunderung über die treffliche Organisation und den sich in dem Lauf so erhebend bekundeten Einheitswillen der deutschen Stämme aus. Die Läufer wurden, nachdem die Menschenmenge geduldig stundenlang wartend aus- geharrt, mit stürmischer Begeisterung und viel- fachem „Gut-Heil"-Rufen begrüßt, lieber einen glänzenden Verlauf der Veranstaltung wird auch aus Butzbach und Friedberg berichtet. In Butzbach marschierten die Läufer, 60 an der Zahl, vor der Verteilung auf die Laufstrecke, in feierlichem Umzug durch die Stadt, die Brust geschmückt mit dem (Erinerungsbanbe an den Hermannslauf. Jlad) beendetem Lauf ging es geschloffen zum Markt, wo der Vorsitzende des Turn- und Sportvereins, Redakteur Schneider, die Jugend um sich fammSlte und in feierlicher Ansprache den Sinn des Hermannslaufs erläuterte. In Friedberg fand am Abend vor dem Lauf eine.T u r n e r v e r s a m m- l u n g statt, in der vom Vorstände Studienrat Thierolf und Studienrat Schuchmann erläuternde Vorträge hielten. Am Abend des Laufs sammelten sich die Läufer, von der Turngemeinde und der Seminar-Spiel- und lumoereinigung gestellt, am Kriegerdenkmal, wo das Erinnerungsband an den Lauf nach kurzer Ansprache an die Teilnehmer ausgehändigt wurde. Die Verspätung von knapp einer Stunde, die der Hauptlauf 12 hier und auch in Gießen noch hatte, ist darauf zurückzusühre«, daß die großen süddeutschen Städte, die er berührte, kürzere ober längere Begrüßungsfeiern für bie Säufer veranstalteten, wobei von den Stadtverwaltungen Glückwunschurkunden zur Mitnahme nach Detmold an die Läufer überreicht wurden. Der Kapelle Toppzog man bann auf den Hawt- berg, wo man bis in die späten Abendstunden vervlieb. Sreis Friedberg. — Bad-Rauheim, 15. Aug. Bis zum 13. August betrug Der De'amtbefuch 27 603 Personen. Darunter 4141 AuS ander. Anaefend waren am 13. August 4263 Personen. :: Pohl-GönS, 16. Aug. Arn 15. und 16. fand hier anläßlich drS 20jährigen Bestehens des Turnvereins > Frisch auf“ daS diesjährige Bczirksturnsest des GaueS Wetterau statt. Am SamStag abend war Kommers auf dem Festplatz: Sonntag vormittag 'ükttumen; nachmittags bewegte sich ein großer Festzug, an dem sämtliche Dereine teilnahmen, durch die Straßen deS festlich geschmückten Dorfes Auf dem Festplatz zeigte sich das gewöhnliche Leden und sei nur wähnt der Reigen der jungen Mädchen. Der allgemeinen Beifall fand. Auch der Gcsangver- ein erfreute durch Dortrag von Liedern. SS war .in schöne- Fest, an daS die Einheimischen und viele Gäste sicher noch gern zurückdenken werden. !*! Ql ui der *18 et ter au, 16. Aug. 3n ?cn drei Gemarkungen Ober-Wöllstadt. Dieder-Roßbach und R o d h e i m hatten die Dauern beim Einfahren der Frucht fort» ähre >d bemerkt, daß an jedem Hausen ein bis zrei Garben fehlten. Das Gleiche hatte man auch im Dorjahre beobachtet. Vergeblich lieft man nun die Fluschühcm schärfer auf der Hut fein, die Diebstähle hörten nicht auf. Schließlich lenkte sich der Verdacht auf den Besitzer der Seemühlc. Ein Landwirt auS Ober-Wöllstadt benachrichtigte die Schutzpolizei Friedberg. Diese verteilte ihre Posten und Patrouillen in dem Gelände um die Seemühle abends gegen 10 Hftr. Um Mitternacht hörte man Husschlag und ein Wagen bewegte sich von der Seemühle nach dem Felde. Dor den Getreideäckern hielt er an. Gestatten eilten links und rechts auf die Aecker und nahmen aus jedem Hausen eine Garbe heraus. So ging die Fahrt durch daS ganze Feld, bis der Wagen hoch beladen war. 3n- zwischen hatten drei Schupoleute den Eingang zur Mühle besetzt, während die anderen in gewissem Abstand dem Wagen folgten. Wie erschrak Hofmann, als ihm vor dem Tore der Ruf „Halt!" entgegenscholl. Die sofort angesteltte Durchsuchung förderte große Mengen von Getreide — meist Weizen — zutage. Selbst Die Ställe und die Muhle waren mit Garben gefüllt. Der Besitzer, der bereits wegen 3agd- frevels bestraft ist, wurde verhaftet. Wie verlautet, sind auch Einwohner aus den Rachbarorten alS Hehler und Mittäter in die Sache verwickelt. — Vilbel, 11. Aug. In ungewöhnlich festlichem Rahmen begeht Vilbel in diesen Tagen die (Erinnerung an die vor einhundert Jahren erfolgte Verleihung der Marktrechte. Die Straßen und Gassen sind bis in die entlegensten Winkel festlich geschmückt. Auf der Festwiese an den Ufern der Nidda hat sich eine weitläufige Budenstadt mit vielerlei Zelten aufgebaut. Mit einem feierlichen Begrüßungsabend wurde Samstag die Reihe der Festlichkeiten eingeleitet. Den Glanz- und Höhepunkt der fcfUidjcn Veranstaltungen aber bildete der Sonntag. Es mögen wohl 20 000 Menschen gewesen sein, die von den frühen Morgenstunden an aus Oberhcsien, den nahen preußischen Ortschaften und besonders aus Frankfurt, z.T. mit Sonderzügen, dem Fesistädtchen zuwallten. Im Mittelpunkt der sonntäglichen Darbietungen stand der von der Bürger- l^has! gestellte glanzvolle Festzug, der in nahezu vierzig schönen Gruppen im Fluge durch die Ge- «chichte der Stadt führte. Rad) dem Feftzuge setzte aus der Festwiese in drangvoll unheimlicher Enge ein echtes fröhliches Dolkstreiben ein, das bis spät m die Nacht anhielt. Trotz des ungeheuren Zeft- trubcls kamen nennenswerte Unfälle nicht vor. Eine von der Stadt herausgegebene Festschrift .zu der Markt-Erinnerunasfeier war trotz der hohen Auflage bald v e r g r i f fe n. Mit der Jahrhundert- Marktfeier verbindet Vilbel am Montag die Jahr- kausendfeier der Rheinlande. Am Dienstag wird in althergebrachter Weise der vielbesuchte Kram- und V i e h m a r k t abgehalten. Kreis Büdingen. ^Heuchelheim, 14. Aug. Dieser Tage ift unser langjähriger Lehrer Maurer nach Beienheim übergesiedelt, woselbst er die Tage seines wohlverdienten Ruhestandes zu verleben gedenkt. Lehrer Maurer wirkte vom Jahre 1882 ununter- dieselbe Bedeutung wie das Peitschenknallen und Schießen an Dalpurgis und in der Silvesternacht, wie es an verschiedenen Orten noch üblich ist: durch das heftige Knallen sollten nämlich die bösen Geister vertrieben werden. • BurgGernünden, 17. Äug. Am Sams- iagoormittag ereignete sich hier ein schwerer Un- glücfsfall. dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Der 42jährige Landwirt Karl Brück- mann erhielt beim Anschirren eines Pferdes von diesem einen heftigen Husschlag gegen den Leib, so daß Brückmann bewußtlos zulammenstürzte. Der fofort herdeigerufene Arzt stellte schwere innere Per- letzungen test und Uetz den Verunglückten durch die Sanitatskolonne Gießen nach dort zur Chirurgischen Klinik verbringen. Eine sofort vorgenommene Operation ergab schwere Zerreißungen der Bauchorgane, an deren Folgen denn auch Herr Brückmann gestern mittag verschieden ist. Krcis Lauterbach. fpd. Schlitz, 16. Aug. In den Ausläufern des nördlichen Vogelsbergs besonders in den Waldungen von Schlitz, treten die Wildschweine feit einigen Tagen in Mengen aus und richten in den nahen Gemarkungen ichweren Schaden an. Besonders werden die Kartoffelfelder heimgefucht. Einzelne Aecker wurden von den Rudeln in einer Nacht völlig vernichtet. Auch die Weizenfelder haben unter den Wildschweinen schlimm zu leiden. Alle Jagden auf die Tiere sind in der gegenwärtigen Jahres;eit erfolglos. Starkenburg unv Rhciuhcssen. • Darmstadt, 16. Aug. Heute vormittag gegen . 10 Uhr machte der zweite der Freiballone der Technischen Hochschule in Darmstadt seinen ersten Ausstieg. Er hat den Namen .,D a r m ft a b t" erhalten. Füllung und Ausstieg erfolgten an der (9as- sabrik Die Insassen sind Profefior Eberhard von der Technischen Hochschule. Bürgermeister Müller und Redakteur Streese. Der Ballon schlug eine südöstliche Richtung ein und war halb durch Wolken den Blicken entzogei Mainz, 15. Aug. Auf dem städtischen Hofgut Schönau entstand heute früh Großfeuer. Um 3i Uhr schlugen plötzlich Flammen aus dem Dach der Scheunen. Die sofort alarmierte Opelsche Fabrikfeuerwehr, die Freiwillige Feuerwehr Rüsselsheim und die Mainzer Derufsseuerwehr tonnten das Feuer auf seinen Herd beschränken. Durch das Feuer wurden etwa 2000 Zentner Roggen, 3000 Zentner Stroh und 1000 Zentner Heu vernichtet. Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Hes^n-Rcui. fpd. Frankfurt a. M., 16. Aug. Seit Samstag stehen die Transportarbeiter wegen un erfüllter Lohnforderungeni m A u s st a n d. Aber nur ein Teil der organisierten Arbeiter hat der Streikaufforderung Folge geleistet. In vielen Betrieben wurde bisher gearbeitet namentlich in den kleineren, teilweise auch in größeren. Verschiedentlich wurden sofort Hilfskräfte eingestellt. Ob sich der Streit am Montag in feiner vollen Schärfe aus- wirken wird, mutz abgekartet werden. Auch in Hanau und Offenbach strcilen die Transportarbeiter. Das Schiedsgericht hatte den Leuten eine zehn- prozentige Lohnerhöhung zugebilligt, die Summe wurde aber von Arbeitnehmern wie von Arbeitgebern abgelehnt. —F r a n f f u r t, 15. Aug. Erst einmal seit Bestehen des Frankfurter Zoologischen Gartens tonnte vor etwa 40. Jahren ein Vertreter der gefährlichsten afrikanischen Wildart, des K a f s e r b ü f s e l s , gezeigt werden. Es ist bas Verdienst des durch feine afrikanischen Filmaufnahmen auch in weiten 5l reifen bekannten Afrikareifenden Christoph Schulz, daß es in diesem Jahre wieder einmal gelungen ift, ein etwa 12 Monate altes, außerordentlich kräftig entwickeltes Kafserbüsfelkalb aus Norb-Rhodefien ein* zusühren. Der hochherzige Gönner bcs Zoologischen Gartens, Herr Geheimrat Dr. Artur o. Wein- berg, hat nun in überaus bankenswerter Weise dieses vieloersprechende Stück für den Zoologischen Garten erworben. Das Büffelkalb, das vorläufig im Antilopenhause untergebracht ift, zeigt noch die rötlichbraune Hautfarbe der Jugend: mit zunehmendem Alter geht die Farbe mehr und mehr in blau- schwarz über. Das kräftig angesetzte, vorläufig nach oben und außen wachsende Gehöm wird bei zunehmendem Alter durch Verbreiterung an der Basis , mehr und mehr eine Kappe über bie Stirn bilben, währenb die Wachstumsrichtung eine Aenderung nach unten und außen eriabri bl. Dillenburg, 15. Aug. Der Dillkreis wirb auch in biefem Jahre wicber einige Transporte von schwachen und kranken Kindern zur Erhol u n g an die Ostsee senden. Als Heim kommt hier die Kindererholungsstätte Arendsee in Frage, wo man im vergangenen Jahre die günstigsten Erfolge feftfteüen konnte. M. Dillenb urg, 16. Aug. Hier wurde der vor mehreren 3ahren eingegangene Ge- werbevere in von neuem gegründet Man begründete diesen Schritt mit der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, die ein besonderes Augenmerk auf das kleine Gewerbe erfordere. — Die Tunnelbauarbeiten am hiesigen Bahnhof schreiten rüstig vorwärts An den hintersten Bahnsteigen sind bereits die Treppen gelegt und der Durchgang fertiggefteHt. Die Arbeiten rücken nunmehr an die beiden Hauptgleise der Strecke Köln—Gießen heran, die bald verlegt werden müssen. 3m Herbst hofft man die Unterführungen größtenteils vollendet zu haben. bl. Dillenburg, 14. Aug. Der Kreis ist in jüngster Zeit immer mehr bestrebt, das Retz der Sanitatskolonnen zu erweitern. So konnten schon in mehreren Gemeinden Kolonnen errichtet werden, die sich recht gut entwickelten. Weitere Heugrünbungen hat man im Auge. Die Kreisverwaltung sorgt für deren Finanzierung, so daß der Gemeinde keine nennenswerten Kosten entstehen. Gerade die abgelegenen Dörfer werden die Kolonnen in Anbetracht der fehlenden Aerzte und der entfernt liegenden Krankenhäuser nur dringend benötigen. bl. Aus dem Dillkreis, 15. Aug. Ungewöhnlich groß ist in diesem Jahre die H i m b e e • renernte. Einzeln? Gemarkungen d-s Kreises, so B. bas Dietzhölztal, wie auch ber Westerwalb, bieten ganze Komplexe von Beeren, bie äußerst bitt unb saftig sinb. In ben Häusern werben die Beeren inasienhaft angeboten. Trotzbem halten sich bie Preise noch auf ansehnlicher Höhe. s 11. ,Iu9d r ,, 04 ritt: "vunkll 'L>°.. , „7 "ntta,, - MeU(e ß ? v'Kheit 07 ^un|*Utbt N )iQ’^luDxt*n;bl ’N 2" Zonn, Schase, 4112 Schweine. Aorro^e«. — Tageskakenber für Dienstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Aus her Iugenb- zeit". — Astoria-Lichtspiele: „Brennendes Laub". — 2 us der Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am DienStaa, dem 18. August, geht der luftige Schwank .Der Hochtourist" von 6urt Kraay und Mar Reel in Szene. Herr Goll, der die Titelrolle spielt, hat für eine flotte Einstudierung gesorgt. Das Stück hat beim Rauheimer Badepublikum stürmischen Beifall gesunden und große Heiterkeit ausgelöst. Landkreis Gictzcn. iS Steinbach, 16. Aug. Die heutige Beigeordnetenwahl verlies sehr ruhig. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. Bon 677 Wahlberechtigten stimmten nur 242 ab Der seitherige Beigeordnete Schreinermeister Riko- laus ist somit wiedergewähtt. Der Gesangverein Germania brachte ihm am Abend die übliche Huldigung. !*! Großen-Linden, 15. Aug. Die Reichs- post legi gegenwärtig entlang der Frankfurter Straße ein Kabel. Die Kabelleitung wurde in Appenweier begonnen und führt vorerst bis Gießen. Hier teilt es sich, ein Strang führt nach Dort- mund, der andere nach Hannover. Die 2lr- heilen find gestern bis zum Bahnhof Gießen vor- geschritten. - Lich 14. Aug. Der Verein der Gastwirte von Gießen und ilmgegenö feierte vergangenen Mittwoch bei herrlichem Svimen- fchem fein dleSjähriges Sommerfeft in Lich 3n liebenswürdiger Weife hatte die Brauerei 3hring-Melchior die Vorbereitungen hierzu übernommen und für Getränke und Speisen reichlich gesorgt. Bei Ankunft hx Lich sand sich in Steins Saalbau eine Kaffeetafel mit reichlichen Kuchenvorräten vor. Es folgte dann die Besichtigung der Brauerei unter Führung der Inhaber und der Prokuristen: für jeden Wirt Klug-weise ist die Hausfrau die ihre Garderobe (Damen-, Herren- u. Kinderkleider), Decken, wollene und seidene Vorhänge, Kissen, Gardinen, Teppiche, Handschuhe, Federn etc.etc.chem.reinigen oderfärben läßt Die meisten Gegenstände lassen sich sicher wieder wie neu herstellen. Neuanschaffungen werden gespart und dem persönl. Wohlbefinden Rechnung getragen. Färberei Gebr. Rover Chem. Reinigungswerke Laden: Marktplatz 8. Tel. 1459. 20D Dr. Ploch von der Reise zurück 7763D Evang. Kirchengesangverein. 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August 1925 Aus Natur und Technik. Vie Entwicklung des Kohlenbergbaues im Ruhrbebiet. Don Dipl.-Jng. Mangold. (Alle Rechte vorbehalten.) Die auch heute noch übliche Bezeichnung „Ruhr» gebiet" trifft eigentlich nicht mehr zu, seitdem sich der Bergbau bi» zur Lmscher und über diese hinaus bi» an die Lippe und aus die linke Seite des Nie» derrheins ausgedehnt hat. 'Aber der Name Ruhrgebiet ist seit altersher üblich, und hat sich bis heute erhalten. Jetzt versteht man darunter das gesamte niederrheinisch-westsölische Industriegebiet, in dem Bergbau und Eisenindustrie sich zu der technisch voll» endeten und weltwirtschaftlich bedeutenden Höhe entwickelt haben. Das niederrhe>nisch»westsälische Steinkohlenbecken liegt im Zuge des mächtigen nordwesteuropäischen Kohlengurtels, der sich von England über Nordfrankreich, Belgien, Holland (Limbuger Becken), Aachen (Wurmgebiet), Westfalen nach Oberschlesien hinzieht und nach dem Ergebnis der neueren Forschungen als eine geologische Ein» Helt zu betrachten ist. Da» niederrheinisch-westsälische Steinkohlenbecken liegt zum größten Teil auf dem rechten User des Niederrheins und wird von der Ruhr, der Em» scher und der Lippe durchströmt. Das kleinere linksrheinische Gebiet wird vom Rhein und der Linie Krefeld, Geldern, Goch, Appeldorn umrahmt. Ihre südliche Grenze findet die Steinkohlenablage» rung (produktiv Karbon) an der Devonformatton des Sauerlandes. Die nördlich und östliche Grenze ist bis heute noch nicht festgestellt. Es ist anzuneh- men, daß unter dem Deckgebirge das produktive Karbon bis weit nördlich der Lippe reicht und sich im Dftcn bis Münster in derNöhe der Ems und bis nach Lippstadt erstreckt. Die Aufschlüsse der letzten Jahrzehnte haben die ununterbrochene Verbindung des Ruhrgebie» les mit dem Limburger» und Aachener Steinkohlenbecken erwiesen. Wir wollen nicht zu erwähnen vergessen, daß die Ruhr nur in ihrem Unterlauf das Kohlenge- biet durchfließt, ihr Oberlauf liegt im bereits erwähnten Sauerlande Da die Ausdehnung des unterirdischen Kohlengebirges noch nicht bekannt ist, muß man drei Teile unterscheiden: Deutschlands jüngste Großstadt Buer besteht aus dem Mittelpunkt Buer und ringsherum liegt im weiten Abstand eine Reihe von eingememdeten Dörfern, welche nur durch Anlagen von Schächten die gewalttge Beoölkerungszunahme erfahren haben. Das dazwischen liegende Gebiet ist noch vollständig der Landwirtschaft nutzbar gemocht. Der Städtebauer hat hier die gewaltige und schöne Ans- gäbe, dafür Sorge zu tragen, daß diese heranwach- senden Städte in schöner und den heutigen gesund- heitlichen und verkehrstechnischen Anforderungen entsprechender Weise ausgebaut zu werden Als Muster einer in weiser Vorsicht angelegten und reich mit Grünflächen versehenen Großstadt kann Der erste große technische Fortschritt trat im Bergbau ein als um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch hier die Dampfmaschine Eingang sand. Mit diesen Feuermaschinen, wie sie zuerst genannt wurden, konnte die Beförderung von Menschen und Material in die Tiefe und dos Heraus schaffen der Kohle, das beides bisher mühsam auf langen Seilern bewerkstelligt wurde, wesentlich verbessert wor- den. Die Wasierholtung und die Lufteinsuhrung konnte bei vielen Gruben, welche schon zu erlaufen drohten, nun m großen Ausmaß durchgesührt werden. Die weitere ungeheuere bekannte Entwicklung der Technik und Industrie zwang dazu, immer größere Kohlenmengen zu befördern, und dem BeDiese Karle ist dem 396. Band der Sammlung „Aus Aalur und Geis.eö- welt": Kukuk, Unsere Kohlen (Verlag 2. G. Teubner, Leipzig) entnommen. E3--- 2Z2--- M--*- GS)---- das heute über eine Halde Million zählende Essen bezeichnet werden. Seit Jahrzehnten wurden hier nicht zuletzt durch das verständnisvolle Entgegenkommen der Firma Krupp eine weise und den Interessen der Gesamtheit dienenden kommunale Baupolitik betrieben. Essen erntet heute deren Früchte, wählend in Gelsenkirchen und Oberhausen die früher gemachten Fehler bitter empfunden werden. Wer sehenden Auges und denkenden Sinnes darf immer mehr zu genügen. Die Kohlenlager an der Ruhr erwiesen sich als ungenügend, immer mehr trat die Frage in den Vordergrund: Kann man die mehrere hundert Meter mächtige Mergeldecke, die im Emscher» und Lippegebiet die Kohlenflöze überlagert und nach Norden immer mächtiger wird, durchbohren und durch senkrechte Schächte zu den Kohlenlagern gelangen? Im Ruhrtal war man bisher nur in horizontal angelegten Stollen ober senkrechten bis zu geringer Tiefe Dorgebrungen. Schachtanlage der Gewerkschaft Emscher-Lippe in Datteln. — Ausführung: Klänne»Dortmund. "" •Nm"uynii Wl' Hochofenanlage der Hasper Eisen- und Stahlwerke. Ausführung Klänne-Dortmund. 1. Die Schachtzone, d. h. das Gebiet, in dem bereits Bergbau betrieben wird, mit 1550 Ouabrattilometer. 2. Die Bohrlochzone, d. h. das Gebiet, in dem durch Bohrungen das Vorhandensein sehr tiefliegender .Kohle nachgewiesen ist, mit 1750 Quadratkilometer. 3. Die noch unaufgeschlossene Zone, in der aus geologischen Gründen das Vorhandensein von Kohle vermutet wird. Das Gebiet erstreckt sich hauptsächlich nördlich der Lippe und wird vom Geologen Dr. Kukuk zu 2900 Quadrat- Kilometer berechnet. Gegenüber dem Vorkommen von Steinkohle ist nur wenig bekannt, daß sich am Niederrhein auch Steinsalz und Kali in durchaus beachtenswerten und abbauwürdigen Mengen befindet. Das Vorkommen von Steinsalz begint in einer Tiefe von rund 400 Meter und einer Mächtigkeit von 90 Meter. Nördlich davon zwischen Rheinberg und Tanten liegen noch bedeutend ertragreiche tfelber von 150 Meter Mächtigkeit. Das Salz beginnt hier schon in einer geringen Tiefe von 6'1 Meter. Der Abbau dieser Felder ist von den deutschen Soloay-Werken in Angriff genommen. Zur Zeit werden die Schächte herunter getrieben. Trotz der geringen Tiefe bereitet hier das Durchdringen des Deckgebirges ungeheure Schwierigkeiten. Erft in letzter Zeit gelang es, ihnen unter Anwendung der neuesten technischen Hilfsmittel Herr zu werden, daß man in nicht ferner Zeit mit der Gewinnung des kostbaren Materials wird beginnen können. Nach seiner polittschen Einteilung gehört das Industriegebiet zu den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen. Die Bevölkerungsdichte beträgt im engerem Industriegebiet beinahe 1000 Einwohner auf dem Quadratkilometer. So umfaßt der im Jahre 1920 zur Förderung der Siedlungstätigkeit gegründete Siedlungsoerband Ruhrkohlenbezirk 17 Städte mit 3690 Quadratkilometer Fläche und 3,6 Millionen Einwohner. Das ganze Industriegebiet war ursprünglich rein land- wirtschaftlich und die großen Industriestädte, wie Essen, Mühlheim an der Ruhr, Dortmund, Gelsen- kirchen, Bochum waren kleine Landstädte, deren Bürgerschaft bis ins 19. Jahrhundert hinein Acker- bau 'betrieb. Wir sehen diese Enpvickluna und Umwandlung heute noch im Ruhrgebiet selbst mit an. das Ruhrgebiet durchwandert, den muh heilige Ehrfurcht vor der gewaltigen industriellen Entwicklung erfassen. Mögen es neue Schachtanlagen oder große Hüttenwerke oder das weitverzweigte und wohlausgebaute Verkehrsnetz fein. Der Kohlenbergbau hat sich aus ganz kleinen Anfängen entwickelt. Im Ruhrgebiet tritt die Kohle zutage, und der das Feld bestellende Bauer erkannte bald ihre Brennbarkeit und nahm ein weiteres Graben in der Erde vor. Die ersten Bergleute waren also richtige Kohlengräber. Es waren Ackerbauern, welche auf ihrem eignen Acker die Kohle ausgruben, die sie dort fanden. Früher war das Industriegebiet noch sehr stark bewaldet, und man legte deshalb naturgemäß auf die Steinkohle für den Hausbrand noch leinen besonderen Wert. Holz brannte rascher, war leichter zu gewinnen und eine Industrie im heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Aber der Holzreichtum schwand immer mehr und mehr, die industrielle Entwicklung der Wirtschaft trat immer stärker hervor und der eigentliche Bergbau begann. Man konnte sich nicht mehr auf die an der Oberfläche liegenden Kohlen beschränken, man mußte Gänge, Stollen, und Schächte graben, ^Wasser ableiten, für die Zuführung frischer Luft Sorge tragen und Borkehrungen treffen, um Menschen und Arbeitsmaterial hinunter zu befördern und die Kohle herauf zu schaffen. So verursachte der Btrieb dieser kleinen und nicht tiefen Gruben mit den damals vorhandenen Hilfsmitteln viel Arbeit und Mühe. Die Kohle findet sich in sogenannten Kohlenflözen bis mehrere Meter Mächtigkeit. Zwischen den Flözen lagern andere Gesteine. Da nun die Kohlenflöze von Süden nach Norden streichen und dabei immer tiefer in die Erde gehen, war der einzelne Landwirt mit seinem Vorrat oft schnell zu Ende und mußte sich mit feinem Nachbarn verständigen und dieser wieder mit dem nächsten Anlieger. So entstanden die ersten Kohlengewerkschasten, die den damals immerhin noch recht einfachen Bergbau auf gemeinsame Rechnung betrieben. Die Anteile des einzelnen an dem Vermögen der Gewerkschaft wurde nach dem böhmischen Bergbau übernommen und „Shire" genannt. Aus ihnen sind die heute bestehenden großen Kohlengewerkschaften und Zechenverbände entstanden. Unter Benutzung von in England und Belgien gemachten Erfahrungen entwickelte sich eine besondere Schachtbohrtechnik, in der bis heute immer weitere Fortschritte erzielt wurden. Man ist heute in der Lage, Schächte mit großen Durchmessern durch die verschiedenen Erdschichten hindurch zu treiben, ja selbst bas sogenannte schwimmende Gebirge bildet kein unüberwindliches Hindernis mehr, um die Schachtwände so auszubauen, daß sie den Gebirgsdruck dauernd widerstehen können. Früher geschah dies ausschließlich durch eiserne Ringe (Tübbings) und Ausmauerung, heute findet auch hier Beton und Eisenbeton in steigendem Maße Anwendung. Um einen Begriff von den gewaltigen «chwie- rigteiten zu geben, welche zu überwinden sind, mögen die Mitteilungen genügen, daß das Abteufen des Schachtes I auf der Zeche Rheinpreußen bei Homberg am linken Rheinufer von 1857 bis 1877, also 20 Jahre, gedauert hat. Gleichzeitig kann man sich auch ein Bild davon machen, was es für einen Verlust bedeutet, wenn ein Schacht zerstört wird. Ebenso darf die Wasserhaltung in einem Bergwerk (einen Moment aussetzen, denn ist das Bergwerk erst einmal voll Wasser gelaufen, so ist em Einsturz ganzer Stollen unvermeidlich. Heute gehen die Schächte im Ruhrgebiet schon bis über 1000 Meter in die Tiefe, und wenn einmal die Kohlen- lager in dieser Tiefe erschöpft sein sollten, wird es der Technik sicherlich gelingen, auch noch tiefer gelegene Flöze zu erreichen und abzubauen Die Dampfmaschine ist durch den elektrischen Betrieb ganz in den Hintergrund gedrängt. Gerade die Vorteile eines elektrischen Antriebes der Hebe- zeuge, Pumpen und Lokomotiven treten im Bergbau besonders in Erscheinung. Hand in Hand ging damit die Aufbereitung der Kohlen. Während man lange Zeit wahllos alle Kohle, wie sie befördert wurden .verfeuert hatte, unterscheidet man heute einzelne Sorten, namentlich nach ihrem Gasgehalt, und nutzt dadurch die in der Kohle fleckende Wärmeenergie viel wirtschaftlicher aus. Man stellt Koks und Steinkohlenbriketts her und gewinnt als Nebenerzeugnis die wertvollen Teerprodukte, die heute sogar auf manchen Zechen einen großen Teil des Reingewinnes darstellen. Die Tatsache, daß die Kohlenflöze im allgemeinen nach oben hin immer gasreichere Kohle, also tohlenarmere enthalten, läßt sich im Ruhrbecken zu einer übersichtlichen Gliederung des flohlengebiete» benutzen. Man unterscheidet hier nämlich von unten nach oben, also vom Liegenden zum Hängenden. 1. Magerkohle mit 5 bis 2 ProGasgehalt, geeignet für Hausbrand, Dampfkesselfeuerung und Brikettbereitung. 2. Fettkohle mit 20 bis 30 Proz. Gasgehalt, da» beste Material zur Koksherftellung, ferner Vcrwen- düng für Lokomotivfeuerung und viele inustrielle Zwecke. 3. Gaskohle mit 33 bis 37 Proz. Gasgehalt hauptsächlich für Gasfabriken benutzt. 4. Gasflammkohle mit 37 bis 45 Proz. Gasgehalt, die wieder als Industrie- und Hausbrand Verwendung findet. Der Abbau der Steinkohle hatte sich im Ruhrgebiet von Jahr zu Iaht gesteigert und übertraf im Jahre 1913cftüt 144 Millionen Tonnen die Erzeugung des Beckens Porkfhire in England um mehr als die Hälfte. Die Kohlenvorräte des Ruhrgebietes reichen nach den Berechnungen von Dr. Kukuk und Dr. Min- trop unter Zugrundelegung dieses jährlichen Abbaues bis zu einer Tief.- von 1500 Meter, bis wohin vorzudringen die Technik wohl ohne weitere» gestattet noch rund 750 Jahre und bis zu einer liefe von 2000 Meter für rund 1400 Jahre. Wir sehen also, daß die Gefahr einer baldigen Erschöpfung des Ruhrgebietes nicht vorhanden ist. Es ist im Gegenteil eines der reichsten Kohlenstätten der Welt. Ferner ist anzunehmen, daß neben der Auffindung jetzt noch unbekannter Kohlenlager (besonders in China, Zentralasien und Afrika hat man Grund diese daselbst in ausgedehntem Maße zu vermuten) es der fortschreitenden Technik gelingen wird, sich andere Energiequellen nutzbar zu machen. Der Anfang ist dazu schon mit der Verwendung der Wasserkraft gemacht. Eine sehende Iigarrensortiermaschine. Von Wilhelm B u ch m a n n. Der verwöhnte Raucher freut sich, wenn die Zigarren nicht nur schön gleichmäßig gewickelt in Reih und Glied in der Kiste liegen, sondern auch alle von gleicher Farbe sind. Bei der Herstellung läßt es sich aber nicht vermeiden, daß die Deckblätter ganz verschiedenfarbig ausfallen, hell, mittel ober dunkel. Dor der Verpackung müßen daher die fertigen Zigarren außer nach Größe und Güte auch noch nach der Farbe ausgesucht werden. Diese rein mechanische Arbeit erfordert einen scharfen Blick und viel Sorgfalt-, der Arbeiter ermüdet sehr schnell und Ungenauigkeiten sind beim Aussuchen von Hand nicht zu vermeiden. In Amerika hat man nun eine Vorrichtung gebaut, die dem Mensechn diese stumpssinnige Tätig- feit abnurmt, und die die Zigarern völlig selbsttätig je nach ihrer Farbe trennt und gleich in die Kisten fallen läßt. Der wesentlichste Bestandteil der sinnreichen Maschine ist ein elektrisches Auge, eine lichtempfindliche Zelle, ähnlich den Empsangs^ellen für die Bildtelegraphie und die Lichtfernsprecherei. Eine solche Zelle besteht aus zwei dicht nebeneinander liegenden Drähten mit Zwischenschichten aus Selen. Der Widerstand, den das Selen dem Durchgang des elektrischen Stromes entgegensetzt, änbert sich mit der Stärke ber Belichtung. Er rallt, je mehr bie Beleuchtung zunimmt. Die Zelle ist in eine kleine luftleere Glasbirne eingeschlofsen, ähnlich einer Glühlampe. Die Birne ist mit Ausnahme eines feinen Spaltes verspiegelt. Unter diesem Spalt werden nun die Zigarren auf einem Förderband ober dergleichen vorbeigeführt. Je heller bie Zigarre ist, befto mehr Licht wirst sie in bie Zeller um so größer wirb der Strom, der durch die Zelle fließen kann. Die Ströme werden verstärkt und beeinflussen eine mechanische Ausschußvorrichtung, die die Zigarren einzeln erfaßt und vom Förderband gleich in bie richtigen Kisten fallen läßt. Die Empsinblichkeit bes elektrischen Auges ist außerordentlich groß, so baß bie Maschine nicht nur viel rascher, jonbern auch genauer arbeitet, als es je durch Menschenhand möglich wäre. Was versteht man unter einem Kugelblitz? Wenn der letzte schwere Donnerschlag die Lust burchzitlert, kann es Vorkommen, daß uns bie Natur ein Schauspiel besonderer Art zeigt, bevor sie in ihr elektrisches Gleichgewicht zurückkehrt. Es ist die 6*. fcheinung des Kugelblitzes. Eine solche konnte Studienrat Dr. W. W e n k e - Berlin-Fichtenau beobachten und er beschreibt sie sehr anschaulich im „Naturforscher". Unmittelbar nach einem heftigen Gewitter bewegte sich ungefähr 60 Meter von Wenke entfernt eine glühende Kugel von der Größe eines Kinderkopfes wenig über dem Erdboden mit mäßiger Geschwindigkeit dahin. Die Kugel war von blendender Helle und hatte einen bläulichen Saum. Indem sic ihre Bewegung verlangsamte, schien es, als blähte sie sich auf; im nächsten Augenblick zerplatzte sie. Aus ber ganzen Kugel wurden vier kleinere, bie raketenartig zur Erde sanken und verschwanden. Das Phänomen dauerte einige Sekunden. Hinterlassene Spuren irgendwelcher Art ließen sich am Orte der Explosion nicht feststellen. Die Beobachtung wurde in Reiners gemacht. Nicht immer tritt ber Kugelblitz so gefahrlos auf, wie eben geschildert. Ls gibt eine Reihe von Fällen, bei benen große Sachbeschädl- gungen sowie Verluste von Tier- unb Menschenleben zu beklagen sind. Ueberhaupt muß ein Unterschied gemacht werden zwischen harmlosen und gefährlichen Kugelblitzen, gleichwie man kalte und zündende Blitzschläge unterscheidet. Der harmlose Kugelblitz bewegt sich meist in ber Lust und meidet oute Leiter- bagegen folgt er oft den Flammengasen der Schornsteine und gelangt durch Oefen und Kamine in Küchen unb Zimmer. Der gefährliche Kugelblitz dn» aegen entsteht als sogenannter aufsitzender Blitz afl guten Leitern, z. B. Metallstangen, Dachrinnen, elefi trifchen Zuführungen und an Lebewesen. Er erhi» den Leiter und verursacht Zündung, bei Menschen unb Tieren lebensgefährliche Brandwunden mtS selbst ben Tod. die beste. 2)0311 hob io daß al|" überwmdb teinariih fyuifälanb renj teinesi Mit) ber fior Autzlan' Rom, ont Quirii öicherheits! tere An land ur und Deu zu mach, lachen 0 land dicn in bcn W W ßpihe _ T'ati Ossensive ( tzist begii Dsischen 5 »u Ende wf einer Die angrei »ldisionen ^nfanteried Mit 12 Z !>ur 9 £cträ wnnnanöos Sebieis 6o Sit lr[ jnmnwng n ,unge" l lanb iu.rl^ gerade m $ -hole" M nun, diesen I druck eiwns teilen läBf-■ Togen m fo is>. Ws jn)i|d)en iih raume Zeil Idjmerct ist, den Telegrc selbst der ' stellen verr Jnzwisd tischen und Londoner durchblicken, lions- 1 Sinne gelös wissen mm nur dem ( basieren sc an’uerknn prahijd} nii l’iinb j. 3. ’inö sich so würde. 3n i ferbunb feil dem mäc itti sein. (Samt) in einem lliolle über nr. I’1 «i Giehen^ -ff/« Äe SS ’S, jjuinutt« derben. ...Die Syi )°s^!chen Str ’«nbe Qu 5L* 58 /Wceitun, F "Zie O Erlauf. Dail auj.i Sm« beVyufe mS fonn Sr 9?n d'?urd ZK? vnb $ FrauLem Fob. Roman von Anders E j e. 46. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Das Seil reichte, und die Oeffnung im Dach der Druckerei war nicht so weit entfernt, daß sie nicht mit ausgestrecktcm Arm genau danach hätte zielen können. Die Champagnerflasche segelte fein und elegant durch die Dachlucke und wurde sofort von ebenso erstaunten wie eifrigen Händen ergriffen. Zwei Sekunden später wurde in der Ventilationsöffnung ein etwas echauffiertes, von Druckerschwärze beschmutztes Gesicht sichtbar, dem bald ein Paar Schultern folgten. Sie gehörten dem Arbeiter, der das Glück gehabt hatte, zunächst zu stehen und die in einem solchen Betriebe sehr seltene Gabe in Einklang zu nehmen. Nun schaute er nach oben und suchte nach dem edlen Spender. Sehr bald erblickte der Mann Gabby, die ihre Hände zu einem Megaphon geformt hatte. Es war deutlich, daß sie etwas sagte, aber in dem Lärm unten konnte es nicht verstanden werden. Der Mann gab ein Zeichen in die Druckerei hinein, und die Maschinen waren sofort zum Stehen gebracht. „Fräulein haben ein gutes Herz," sagte er, „Sie denken an uns, die wir hier unten in der Nacht arbeiten. Und auch einen guten Verstand, der sich Dorftellen kann, wie angenehm es ist, hier acht Stunden lang bei 45 Grad Hitze zu stehen. Ein Hach auf einen solchen Arbeitgeber!" „Nicht die mindeste Ursache. Ich habe mit meinem Geschenk eine sehr egoistische Absicht." „Ich verstehe nicht, was Fräulein meinen." „Ich will für die Flasche etwas im Tausch haben. Können Sie mir es geben, sollen Sie noch eine erhalten." „Ob ich kann, weiß ich nicht, wenn Sie mir nicht sagen, was es ist." Der Arbeiter ließ die Schnur los, und gab damit feine Geneigtheit zu erkennen, noch eine Flasche Champagner in Empfang zu nehmen. Gabby zog sie hinaus und ließ sie mit der zweiten Flasche beschwert wieder hinunter. „Nun, was wollen Sie haben?^ „Einen Schraubenzieher." Eine Minute später war Herrn Fellips' geheimer Mechanismus unwirksam gemacht. Die Folgen kennt der Leser bereits. XIX. Drei Telegramme. „Einen Frühstückskaffee auf 117. Aber schnell!" Diese Weisung wurde früh am Morgen nach jener Nacht, die wir gerade in Herrn Fellips' und Malvettes Gesellschaft zugebracht hatten, von einem verschlafenen Kellnerjungen des Grand Hotel erteilt und von einer möglichst noch verschlafeneren Kellnerin weitergegeben. Im Grand war man nicht gewohnt, so srüh am Tage mit Bestellungen belästigt zu werden. Und über den so srüh erwachten Gast wurde ein kleines Gespräch geführt. Der Kellnerjunge wußte zu erzählen, daß der fragliche Gast, eine junge Dame, um halb ein Uhr nachts gekommen sei. Da man schon ein paar Jahre im Hotel war, hatte man schon genug gesehen, Grafen und Barone und Fürstinnen, und war ein wenig blasiert geworden. Aber die hier, das war eine ganz eigene Nummer. Das war etwas so Entzückendes . , . Hier mußte der Junge seine beabsichtigte, gewiß sehr enchusiastische Beschreibung der Dame auf 117 leider abbrechen, denn gerade klingelte wieder diese Nummer, und es war ein Signal, das an den Nerven zerren konnte. Drinnen im Zimmer 117 stand der so spät'angekommene Gast schon in voller Tätigkeit. Es benötigt wohl kaum eines besonderen Scharfsinns, um zu erraten, wer es war. In Gabbys frischem Gesicht war nicht eine Spur der Sensationen und Mühseligkeiten des vergangenen Tages zu bemerken. Jetzt wollte sie nur rasch ihr Frühstück nehmen, um sich dann mit furchtbarem Appetit auf die mannigfaltigen Probleme zu werfen, die ihre Mitwirkung erforderten. Während des Frühstückes überdachte sie ruhig und genau die Möglichkeiten ihrer strategischen Stellung. Denn in diesem Augenblick der bis aufs höchste gestiegenen Spannung wußte sie tatsächlich weniger denn je, wie die Sachen eigentlich lagen. Wo war Fob, um damit anzufangen? Die ganze Zeit früher hatte sie Fob mindestens in Reichweite gehabt. Aber jetzt? Jetzt war alles denkbar. Hatte Fellips sie ermordet? Und wie war es mit dem Brief, mit Fobs Brief an Gabby? Konnte man annehmen, daß er dennoch echt war? Daß Fellips Fob derart belogen hätte, fo daß sie ganz und gar umgestimmt wurde? Nur um sie dann irgendwie zu entfernen und sich selbst beim Rendezvous einzustellen? Nein, das war doch sehr wenig wahrscheinlich. Der Brief war gewiß eine Fälschung, über deren Entstehung Fob in bedauernswerter Unkenntnis schwebte. Dann das Unternehmen Keylers. Das war wahrhaftig nicht das leichteste und auch nicht das unwichtigste. War es denkbar, daß er mit Fellips im Komplott stände? Nein, auch das Mißtrauen mußte seine Grenzen haben. Gerade jetzt hatte er doch die stärksten Gründe, nicht zu Fellips zu halten. Wäre es aber vielleicht doch nicht das beste, alles einem erfahrenen Privatdetektiv anzuvertrauen? Gabby überflog schon die Annoncenspalten der Zeitungen. „Diskrete Hilfe durch das Detektivbureau . . ." Sie warf die Zeitungen wieder weg. Dann plötzlich dachte sie an Horace Milltorp. Natürlich Warum sollte sie sich an jemand anderen wenden. Neues wütendes Geklingel von 117. Gabby aei langte Telegrammblankette, obwohl sie im Zweifel war, wie sie alles, was geschehen, konzentriert in einem Telegramm wiedergeben sollte. Es war ja doch ein ganzer Roman. Aber es gelang ihr über Erwarten. Nur 36 Worte, hurra! Gerade, als sie das Telegramm an Milltorp ab- , schickte, dachte sie an den Tag, an dem sie telephonisch nach dem Aufenthaltsort der verschwundenen Fob sich erkundigte. Es wurde ihr damals mitgeteilt, daß der Ort, an dem Fob sich aufhalte, keine Telegraphenstation hätte. Damals hatte sie dies ohne Mißtrauen geglaubt. Jetzt aber war ihr Glaube an die Menschen schon bedeutend erschüttert. Sie begann mißtrauisch zu werden wie ein in seinem Gewerbe ergrauter Pfandleiher. Nach dem Gang zum Telegraphenamt kehrte Gabby sofort wieder heim. Als sie burth die Halle ging, sprach sie der Portier auf das ehrerbietigste an. Hinter dem Glasfenster des Schlüsselkastens lag ein Telegramm mit zwei dicken feuerroten Strichen quer darüber. Ein Eiltelegramm also. Der Portier reichte es ihr mit liebenswürdigem Lächeln, aber kaum hielt sie es in der Hand, zuckte sie zusammen, weil hinter ihr gerade ihr Name genannt wurde. Es stand ein Telegraphenbote mit einem neuen Telegramm da, — gleichfalls einem Eiltelegramm. „Große Geschäfte im Zuge?" bemerkte der Portier respektvoll. „Millionengeschäfte", nickte ihm Gabby fröhlich zu und verschwand im Auszug, dessen Tür hinter ihr ins Schloß fiel. Ihre fröhliche Nonchalance war aber nur eine Maske. Tatsächlich hatte sie starkes Herzklopfen, während der Aufzug nach oben glitt, — mit unleidlicher Langsamkeit, wie es Gabby schien. Zwei Eiltelegramme, Schlag aus Schlag . . . Was trugen sie wohl in ihrem Schoß? Erfolg oder Mißlingen, Sieg oder Niederlage? Unglück oder Freude? Alles wär jetzt so ungewiß, daß alles mögliche denkbar war. In ihrem Zimmer angekommen, setzte sich Gabby uns Fenster und sah die Telegramme erst lange an. Warum waren sie gerade jetzt und auf einmal gekommen? Einen Augenblick kam es ihr vor, daß sie beide von Fellips abgeschickt wären, eine neue Mystifikationen, ein neuer Versuch, sic in eine Falle zu locken. Welches sollte sie zuerst öffnen? Sie mischte die beiden und griff dann aufs Geradewohl noch einem. Es war in einem nahen, ausländischen Hafen abgesandt und lautete: „Erwarte mich morgen. Thorben." Hura! Gabby jubelte, Nein, dies Telegramm tonnte nicht vom Bankier sein. Exzellenz kam gerade im rechten Augenblick. Es war eine Verstärkung der Streitkräfte, die vom Himmel kam. Schon viel ruhiger öffnete sie das Telegramm Nummer zwei. Der Tag hatte ja so glänzend begonnen. Das zweite Telegramm hatte folgenden Inhalt: „Die Papiere in meinem Besitz. Reise mit ihnen in einer Stunde ab. Segler. " . Viktoria! Fellips war geschlagen, vernichtet. Die stärkste Waffe seinen geschmeidigen Händen entwunden. Im ersten Augenblick vergaß Gabby ganz die Gegenleistung, die sie für die verhängnisvollen Dokumente versprochen hakte. Aber jetzt fiel sie ihr ein. Was hatte sie als Belohnung ausgesetzt? Nichts anderes als sich selbst. (Fortsetzung folgt.). Turnen, Sport und Spiel. Deutsche Schwimmeisterschasten in Bremen. Die neuen Meister stehen fest, vier neue Rekorde wurden aufgestellt, drei Rekorde von den Damen und einer von den Herren in der Staffel dreimal 200 Meter beliebig. Frl. ■ Reh- born-Dochum im 100-Meler-Rückenschwimmen mit 1.30,8 Min., Frl. Lehmann - Dresden im 100-Meter-Freistil mit 1.19,3 Min. und Frl. Murray im lOO-Meter-Brustschwimmen mit 1.30,8 Min. waren die Rekordbrecher. Der Gießener Schwimmverein hat durch Frl. Arndt wiederum einen glänzenden Erfolg erzielt. Drustmeisterschaft für Damen, 100 Meter, 12 Teilnehmer. 3n die Entscheidung kamen. 1. E. Huneus- M.-Gladbach 1.30,9 Min. 2. E. Murray-Leipzig 1.33,1 Min. 3. 3. Dreimann-Düsseldorf 1.33,5 Min. 4. T. Arndt-Gießen 1.34,5 Min. 5. W. Simon-Hamburg 1.34,5 Min. Die Zeit von Frl. Huneus im Dorlauf bedeutet eine neue deutsche Bestleistung, der allerdings in der Entscheidung das Lebenslicht ausgeblasen wurde. Entscheidung. 1. C. Murray-Leipzig 1.30I> Min. (neuer deutscher Rekord). 2. E. Hunecks-M.-Gladbach 1.32,9 Min. 3. T. Arndt-Gießen 1.34,5 Min. 4. 3. Breimann-Düsseldorf 1.34,7 Min. Scharfer Kampf um den 3. und 4. Platz. 3m Rückenschwimmen konnte Frl. Arirdt, ermüdet durch die nächtliche Reise und schlechte Quartierverhältnisse, nur den 4 Platz bäegen, in einer bei ihr ungewohnt schlechten Zeit. — Frl. Arndt folgt nächsten Sonntag einer Einladung nach Dessau, wo sie wiederum mit Frl. Murray zusammentrifft. . Buntes Allerlei. Wodurch sich der Mensch vom Affen unierscheideL. Der amerikanische „Affenprozeß" hat plötzlich die „Affensrage" wieder in den Vordergrund gestellt, die vor einem halben Jahrhundert die Menschen so bewegte, und von der es jetzt so still geworden war. Ist der Affe wirklich mit dem Menschen verwandt, und wodurch unterscheidet er sich von ihm? lieber dieses Problem ist man sich trotz der hinterwäldlerischen Ablehnung durch die „Weisen von Tennessee" im 20. Jahrhundert sehr viel klarer geworden, und was die moderne mikroskopische Gc- hirnsprschung, die Blutserum-Forschung, die Experi- mental-Physiologie und -Psychologie darüber" einwandfrei festgestellt hat, erörtert der bekannte Tierkenner und Direktor des Berliner Zoologischen Gartens, Professor Ludwig Heck, in einem Aufsatz der „Westermlmnschen Monatshefte". Die Bliiserum- Forschung ist heute imstande, die Verwandtschafts- Verhältnisse zwischen den einzelnen Säugetieren nachzuweisen, und einen solchen Verwandtschastsnieder- schlag erhält man deutlich, wenn man Blut eines Menschenaffen, so Schimpansenblut, auf Menschenblut reagieren läßt. Die Gehirnforschung hat nach- gewiesen, daß der allerwichtigste Teil des Menschengehirns, das Sprach- ober sog. Brocasche Zentrum, allen Tieren vollkommen fehlt, auch den menschenähnlichsten Menschenaffen. Ueberhaupt ist das Gehirn des Menschenaffen dem des Menschen weit unterlegen. Vergleicht man zwei entsprechende Hirnwindenfelder bei Menschen und Menschenaffen, so findet sich beim Menschenaffen gegenüber dem Menschen höchstens ein Sechstel der Zentren oder Spezialorgane, von denen die verschiedensten Gehirn- leiftungen ausgehen. So zeigt die Wissenschaft einerseits durch die positive Blutsverwandtschaftsreaktion den Zusammenhang zwischen Menschen und Affen, andererseits den ungeheuren Unterschied, der durch l die Ausbildung des menschlichen Gehirns bedingt ist . und sich besonders im Sprachzentrum offenbart, von ' bem ja mit der Fähigkeit der Sprache eigentlich - alles Menschentum ausgegangen ist. Das „fehlende ' Glied, das vielbesprochene „missing hink", das den liebergang vom Affen zum Menschen darstellt, fehlt uns trotz der verschiedensten Funde noch immer. Und so ist für den naturwissenschaftlich Denkenden die „Afsen-Mensch-Frage" noch immer nicht befriedigend beantwortet, obwohl man theoretisch annehmen muß, daß die heute lebenden Tiere und Pflanzen in den ausgestorbenen ihre Vorfahren haben müssen. und daß auch einmal die Uebergangsform vom Affen zum Menschen gelebt hat. Die Menschenaffen sind jedenfalls nicht unsere leiblichen Vorfahren. Kopf und Gebiß, Körper und Gliedmaßen des Menschenaffen sind allerdings im allgemeinen sehr menschenähnlich, und zwar ist der junge Menschenaffe dem menschlichen Kinde ungleich ähnlicher als der ausgewachsene Affe dem erwachsenen Menschen. Namentlich am Kopf des erwachsenen Asfen- männnchens vollzieht sich eine unverkennbare Abkehr vom Menschlichen ins Tierische, indem der Hirnteil im Wachstum zurückbleibt und der Gesichtsteil, die Schnauze, immer weiter vorwächst. Zugleich treten im Gebiß verlängerte Eckzähne auf, und der Affe nähert sich dem Raub- und Klettertier. Das Gehirn bleibt aber dermaßen zurück, daß es beim größten, mehrere Zentner wiegenden Gorillamann nicht großer ist als bei einem neugeborenen Menschenkind. So tritt die Sonderstellung des Menschen als des eigentlichen „Gehirn- und Denktieres" entscheidend hervor, und in dieser Sonderstellung unterstützt ihn die Hand, die besonders durch den deutlich getrennten und weit vorn sitzenden Daumen zum feinen und vielseitigen Organ gemacht wird. Beim Affen dagegen ist der Daumen schwach und nicht nur zurückgebildet, sondern auch zurückgerückt. Ganz entgegengesetzt zum Handdaumen, durch dessen Stellung alle Affen vom Menschen getrennt sind, ist die Daumenzehe ähnlich wie bei uns der Handdaumen stark ausgebildet und weit abgespreizt, so daß der Affe einen ausgesprochenen Kletterfuß erhält. Heber die g e i ft i g e n Leistungen des Menschenaffen ist Klarheit durch die bekanntenUntersuchungen des Prof. Kohler geschaffen worden, dem man ja jetzt seine Vorträge in Amerika verbieten will. Danach haben die Menschenaffen zweifellos Intelligenz, d. h. eine gewisse lleberlegung und Einsicht in ursächliche Zusammenhänge, sie sind nicht nur des Gebrauchs von Werkzeugen fähig, sondern leisten sogar die ersten Anfänge primitiver Selbstanfertigung von Werkzeugen. Im Charakter zeigt der Menschenaffe als echtes Herdentier eine weitgehende Eindämmung des Einzelegoismus, Dankbarkeit und Anhänglichkeit, aber das angeborene Zwangsmäßige dieser Eigenschaften schattet doch eine moralische Wertung aus. Wirtschaft. Berliner fffs. Berlin, 15. Aug. Der Produktenmarkt war bei ruhigem Geschäft ziemlich unverändert. Es notierten vro Tonne: Weizen (märk.) 246 bis 250, Weizen (September) 257, Weizen (Oktober) 260 bis 259, Roggen (märk.) 179 bis 185. Roggen (September) 198,50 bis 197,50, Roggen (Oito&cr) 204 bis 203,75, Roggen (westpreuß.j 172 bis 176, Gerste (märk.) 240 bis 269, Futtergerste (neue) 190 bis 198. Hafer (märk.) 198 bis 206, Mais (La Plata, loko Berlin) 215 bis 218, Raps 355 bis 360: pro Doppelzentner Weizenmehl 32 bis 35, Roggenmehl 26,50 bis 28, Weizenkleie 13,80, Aoggenrleie 13,50, Diktoria- erbsen 27 bis 35. kleine Erbsen 25 bis 27, Futtererbsen 23 bis 25, Peluschken 23 bis 25, Wicken 26 bis 28, Lupinen (blau) 12,50 bis 14,50, Lupinen (gelb) 15 bis 16,50, Rapskuchen 16,60 bis 16,80, Leinkuchen 23,60 bis 24, Trocken- fchnihel 12,20 bis 12,50, Torfmelasse 10, Kartoffelstöcken 25,50 bis 26, Zucker 22,60 bis 22,70. Büchertisch. — Warum vergessen w ir so s ch n e l!?“ Ein Wort zur Sicherheitsfrage. Don Oscar Müller, Ministerialdirektor z. D. Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin SW 48. — Preis 1.50 Mk. — Frankreich hat das himmelschreiende Unrecht auf sich geladen, nach einem vierjährigen Kriege, nach vierjähriger nachgewiesen härtester, grausamster Behandlung seine deutschen Gefangenen entgegen allen Verträgen, entgegen den Stimmen seiner Alliierten und der Welt, entgegen allem Menschenrecht nach Beendigung des Kampfes noch jahrelang zu- rückbehalten und \a den körperlichen und seelischen Tod von Abertausenden drüben und in der Heimat verschuldet zu haben. Während und nach dem Kriege haben die Süddeutschen Monatshefte in mehreren Sonderheften die Weltdarauf hingewiesen, wie Frankreich in der Behandlung der Gefangenen die von ih mfelbft unterschriebenen Grundsätze der Genfer Konvention mit Füßen getreten hat. Den Schlußstein setzt die Zeitschrift ihrer Arbeit auf diesem Gebiete durch ihr neuestes Sonderheit „Die Zurückführung der deutschen Kriegsgefangenen aus Frankrei ch". Viele Tausende Kriegsgefangene mit ihren Angehörigen wissen heute noch nich!, warum sie so lange in Frankreich schmachten mußten. Sie schieben zum Teil heute noch dem eigenen Volk und den damaligen Regierungen die Hauptschuld zu. Hier erfahren sie die Wahrheit. — Die st rah lende Sonne und das gleißende Gold leuchten uns von der Einbandzeichnung Erich Gruners zum neuesten Band (14) der beliebten Sammlung „Alte Reifen und Abenteuer" entgegen, der soeben unter dem Titel „Francisco Pizarro, Der Sturz des I n k a r e i ch s" bei F. A. Brockhaus, Leipzig, er- . scheint. Das sind die beiden Wahrzeichen, unter denen das fageimmwvbene Land Peru zur Zeit Kaisers Karl V. stand. Wie erschütternd ist der jähe Sturz des in sich selbst morsch gewordenen Reichs, als von außen das kleine Häuflein wagehalsiger Spanier unter Francisco Pizarros Führung über es hereinbrach. Es gibt nicht viel authentische Berichte über diese Ereignisse, wie viele haben nur eine unklare Vorstellung von sagenhaften Goldschätzen und einem grausamen Eroberer! So ist es zu begrüßen, daß in der bekannten wohlfeilen Form eines schmucken Brockhaus-Bändchens, mit vielen interessanten Abbildungen versehen, Dr. Baute zwei sehr geschickt ausgewählte Berichte zusammengestellt hat, die ein packendes, höchst dramatisches Gesamtbild liefern. 459 — Erzählungen und Schwänke von Hermann Kurz. Ausgewählt und eingeleitet von Dr. Owlglaß. Dr. Owlglaß hat seiner geschickten Auswahl ein kurzes, warmes Vorwort voraus- gestellt, das in das Leben und Wesen des wahrlich nicht vom Schicksal verwohnten Dichters einführt. Der Leser, der nicht schon Näheres von Hermann Kurz weiß, ersieht daraus, daß die seltsame Chemie > des Lebens hier wieder einmal aus essigsauren Trauben den süßesten, fröhlichmachendsten Wein gekeltert hat; aus einem an Enttäuschungen, ja bitterer Not reichen Leben den Trank des echten Humors reifen ließ. Dazu bedurfte es allerdings, wie bei jedem echten Humoristen, eines so guten Destillierapparates, wie es das treue, reine, an Gott und Menschen unoerbitterte Herz des Dichters Hermann Kurz war. Mit Freuden folgen wir ihm in feine liebe schwäbische Welt, lassen den Bergzauber der ersten größeren Ferienreise aus den „Jugenderinnerungen" auf uns wirken, hören im „Feudalbauer" manch luftiges, Fluges und von der weitherzigen Freigebigkeit reicher schwäbischer Bauern zeugendes Stücklein, lauschen in „St. Urbans Krug" einer grausig-lustigen Schelmengeschichte und stehen vor ollem in Freude und Bewunderung vor der Erzählung „Die beiden Tubus", die den Wettmeisterstücken des Humors angehört. 390 — Dierck Seeberg: 6 r b traft bei Otto ödjlingloff in Essen. — Der Verfasser, der durch mehrere Epen und neuerdings auch durch den Roman „Mauer um die Stadt" bekannt geworden ist, legt hier ein Werk vor, das die Summe seiner Weltanschauung zieht und sich gleichzeitig mit dem großen Weltkriege indirekt auseinandersetzt. Die drei Mächteffweiche in dem großzügja dramatisierten Werk miteinander kämpfen, sind das Geld, die See und die Erde. Der Held kehrt nach reichen Erfahrungen im Alter geläutert zu dem zurück, aus dem die Menschheit geboren ist: der fruchtbaren Scholle. 370 — Hermann Wagner: Die Frau mit dem sehnsüchtigen Herzen. — Wenn in Deutschland eine förmliche Sehnsucht nach einem humoristischen Roman herrscht, der uns über die 'Nöte und Kümmernisse unserer trüben Tage hinweghelfen soll, so ist dieser neueste Band von E n - gelh 0 rns Romanbibliothek wirklich als eine Art Erfüllung zu betrachten. — Madison Grant, Der Untergang der großen Rasse. Ins Deutsche übertragen von Professor R. Polland. München, I. F. Lehmanns Verlag. — Grant schildert ausführlich an Hand der Geschichte den Untergang der großen Kulturvölker des Altertums und des Mittelalters und führt ihn genau rate deutsche Schriftsteller auf das Versiegen der kutturschöpferischen großen, der nordischen Rasse zurück. Er zeigt auch, daß dasselbe Schicksal, dem die Perser, Griechen, Römer, Goten, Spanier und Portugiesen erlegen sind, auch den heutigen Trägern der raesteuropäischen Kultur droht. Auch bei ihnen ist ein deutlicher Rückgang des nordischen Blutes, ein rasches Eindringen süd- und osteuropäischer Völker mit geringerer Kultur- begabung festzustetten. Amerika mit seiner bis vor kurzem überaus starken Einwanderung derartiger Völker, erscheint dem Verfasser in erster Linie bedroht. Se^ne warnende Stimme hat in den Vereinigten Staaten, wo man nüchtern und verstandesmäßig, unbeschwert von falschen Humanitätsidealen, zu denken und zu handeln gewähnt ist, die erhoffte Wirkung gehabt. Grants Bemühungen ist es gelungen, als erstes die Einwanderung unerwünschter Rassenelemente zu verhüten. 425 — Alwin ©eilenfelö, Praktischer allgemeiner Wegweiser durch den Z 1 0 i l p r 0 z e ß. Hamburg 1925. Das ca. 60 Selten zahlende Büchlein ist, wie schon der Titel besagt, für bie Allgemeinheit geschrieben. Es will vor allem ben Laien mit ben Orunblagen bes Zivilprozesses vertraut machen unb ihm eine Anleitung geben, wie er sein Recht bei Gericht burchzusetzen hat. Mit befonberer Sorgfalt finb Gerichts- unb Anwaltskosten behanbett. An vielen Beispielen und Tabellen wird bas im Text gesagte genau unb für jebermann verständlich erläutert Das Büchlein bildet einen wertvollen Bestandteil für jede kaufmännische Bibliothek. 339 — Es ist erfreulich, daß der Verlag Brockhaus sich entschlossen hat, in einem einbändigen Handbuch auf engstem Raum alles Wissenswerte aus allen Gebieten zusamenzufassen. Alle, die nicht in ber Lage sind, sich den vierbändigen Brockhaus an» zuschafefn, werden gern zum „Kleinen Brock- b n u s" greifen, zumal der Preis äußerst niedrig bemessen ist, unb durch das Erscheinen in^zehn Lieferungen die Anschaffung erleichtert wird. Auch ein billigerer Subskriptionspreis ist festgesetzt, ber aber im September bieses Jahres erlöschen wird. Die eben erschienene 5. Lieferung gibt wieder des Interessanten die Fülle. * Melchers, Vater, i ch rufe d i ch! (Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.) Das Buch erzählt den hebensr'oman eines Priesters, aber nicht zu polemischen Zwecken, nicht um allgemeine P r 0 bl e m e zu lösen. Er will nur in schlichter Weise das Schicksal eines Menschen im Priesterrock schildern, ohne dies zu einem typischen Geschick zu stempeln. Dieser Umstand macht im Verein mit der plastischen Anschaulichkeit in der Zeich. nung eines Schicksals voll Lebens- und Wesensfülle das Buch für jedermann ohne Unterschied der Weltanschauung wertvoll und interessant. 415 — Der Schutz der la n d w i r s ch a s t» lichen Erzeugung als Vorbedingung der deutschen Wirtschaft. Diese Denkschrift zur 55. Vollversammlung der Deutschen Landwirtschaft bient einer objektiven Darstellung über bie gegenwärtige Lage ber Landwirtschaft unb der Be> beutung ber Sckmtzzollfrage für die Landwirtschaft und die Allgemeinheit. 384 Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der „Rodio-Tlmschau".) Dienstag, 18. August. 3Uhr: Witeschaftsmeldungen. 4 Uhr: Wetter- berichk der Gießener WetterdienststeUe. 4 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 4.15 Llhr: Rachrichtendienst der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.--Hanau. 4.20 ähr: Nachrichtendienst. 4.25 älhr: Wirtschaftsmeldungen. 4.30 bis 6 älhr: Rachmittagskonzert des Hausorchesters, ein musikalischer Liebesroman. 6 älhr: Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6.30 Ähr: Die Lesestunde (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Don Quichote" von Cervantes. 7 Tlhr: Wirtschaftsmeldungen. 7.30 bis 8 Uhr. Die Bücherstunde. 8 bis 8.30 Tlhr: „Chinesische Kunst I: Baukunst, Bronzeguß, Malerei", Dortrag von Mafor a. D. Bansa. 8.30 Uhr: Brüder (ein fein, Altwiener Singspiel in einem Akt von Leo Fall, musikalische Leitung: Kapellmeister Albert Mischel. Hierauf: Die Der- lobung bei der Laterne, Operette in einem Akt von 3acques Offenbad), musikalische Leitung: Kapellmeister Albert Mischel. — Anschließend: Rachrichtendienst, Wettermeldung, Sportfunkdienst. Kreuz-Drog. August Noll, Neustadt-Drog. Hans Noll, P. J. Nüds, Seifenfabrik, Germania-Drog. C. Seibel, Adler-Drogerie W. VJaldschmidt, Drogerie Georg Wallenfels, Drogerie Otto Winterhoif. 46c