w Ur. 164 Erstes Erscheint täglich, außer Somu und Feiertags Beilagen: GiehenerFamilienblätter Heimat im Bild. Monats.Sezvg,preis: 2 Goldmark u. 20 Gold« Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech'Anschlasse: Schristleitung 112, Der« lagundGeschästsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: ÄnzeiaerSiehen. postschecttonto: granffurt a. M. 11686. Blatt 175. Jahrgang Donnerstag, sb. Juli 1925 GietzeimAilzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'sche Unioerfitäls-Vuch- und Zteindruderei R. Lange in Stehen. Zchnstleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vir zum Nachmittag vorher ohne jcdeDerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichS, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mra Breite 35 Goldpfennig, Platzoorfchrift 20°;e Aufschlag. - Verantwortlich für ‘Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans BeL, sämtlich in Gießen. Annahme des Aufwertungsgesetzes. Der Reichstag nimmt die Kompromihfaffung mit 230 gegen 197 Stimmen an. Berlin, 15. Juli. Auf dem Tisch des Hauses sind 466 000 Unterschriften niedergelegt, die für ein Schankstättengeseltz gesammelt wor- den find, das den Gemeinden das Recht zugesteht, die Schankstälten au beschränken. Der Zweck der Unterschriften ist, die Abgeordneten auf die Notwendigkeit dieses Schankstättengesetzes hinzu- weisen Außerdem find auf dem Tisch des Hauses ein Bild, auf lxnn „Millionen von Trinker- Kindern den Reichstag bitten . . . usw." DaS Haus nimmt eine Umstellung feiner Tagesordnung vor, durch die die dritte Beratung des Hhpothekenaufwertungsge'ehes an die zweite Stelle geruckt wird, um den Parteien noch eine weitere Frist zur Stellung von Anträgen zu geben. Es wird zuerst die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Errichtung der Märkischen Rentenbank-Kreditanstalt vorgenommen. Diese Dank soll zur Gewährung und Defcl>affung von Krediten für die deutsche Landwirtschaft gegründet werden. Der Rcichsminister für Landwirtschaft und Ernährung, Graf K a n i Y . seht sich für die Anträge des Entwurfes ein. Die Landwirtschaft habe auf Grund der Dawesgesehe die Verpslich- tung für die Schulden des Deutschen Reiches aufzukommen. Sie habe auf Grund der Inflation ihr gesamtes Betriebskapital verloren. Hier soll die Kreditanstalt eingreifen. Sie foh vornehmlich Perfonalkredite geben, die bis 1930 laufen. Die Rentenbankkreditanstalt verfolge den Zweck, zu der Ingangbringung der Landwirtschaft fördernd beizutragen. Abg. Schmidt (Soz.) begründet die sozial- demokratischen Abänderungsanträge zur Dorlage. 11. a. wünschen sie. daß die Personalkredite nicht wie es die Dorlage vorsieht bis zum 31. Dezember 1930, sonder n bis zum 31. Dezember 1928 gewährt werden. Außerdem wünschen die Sozialdemokraten eine andere Zusammensetzung des Derwaltungsrates. Sie wünschen mehr Arbeitnebmervertreter hinein zu haben. Weiter wollen fic die Zahl der Mitglieder der Anstaltsversammlung von 110 auf 133 erhöhen, offenbar zugunsten der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer. Namens der Kompromihparteien gibt Aög. Friedrich (Dntl.) eine Erklärung ab, in der er der Vorlage z u st i m in t. Bei der Zusammensetzung der Verwaltungskörp rschasten für die Anstalt habe man auch Vertreter der Ar° beitnehmer hinzugezogen. So erhofften die Kom- promißparteien von der Kreditanstalt für die Landwirtschaft, das; sie zum Wiederaufbau des gesamten Wirtschaftslebens beitragen möge. Be- sonderen Wert würde von den Aegierungspar- teien daraus gelegt, daß die Kredite der Anstalt Aum Zwecke der Förderung der landwirtschaftlichen Produktion, der Dodenkultur und der Siedlung verwmdet würden, weim durch die Errichtung des Instituts zunächst auch noch keine neuen Kreditmittel beschafft werden konnten, so wurde durch seine Gründung die Ablösung der laufenden Verpflichtungen erleichtert und die Aussicht auf langfristige ReaUredite durch Hereinnahme von entsprechenden Auslandkreditm ermöglicht. Man sei bemüht gewesen, zu verhindern, vah der bewährten Tätigkeit der den landwirtschaftlichen Kreditverkehr pflegenden Institute in allen Ländern durch die neue Anstalt Konkurrenz gemacht werde. Abg. Hörn le (Komm.) wendet sich gegen die Farblosigkeit der Erklärung der Regierungsparteien zur Rentenbantkreditanstalt. Man wolle möglichst wenig Larin über diese privilegierte Dank machen, obwohl andere Wirtschaftszweige erheblich kreditbedürstigcr wären Abg Rönneburg (Dem.) bestätigt das Vorliegen eines Kreditbedürfnisses für die Landwirtschaft. betont aber, dah alle anderen Kreise des Wirtschaftslebens, insbesondere die Mittel- ständlcr, ebenso kreditbedürftig feien. Diese Kreise könnten in konsequenter Weise von der Regierung ebenfalls verlangen, dah ihrem Kreditbedürfnis, wie dem der Landwirtschaft Rechnung getragen werde. Notwendiger als die Beschaffung von Greinten für die Landwirtschaft sei die Schaffung von erträglichen Zinssätzen. Würden die Zinsen nicht ermäßigt, so müssen die Kredite zu einem Danaergeschenk werden. Die Demokraten hatten zwar verschiedene Bedenken gegen die Vorlage, würden aber trotzdem zustimmen, weil sie keine Möglichkeit außer Acht lassen wollten, der deutschen Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Die deutsche Landwirtschaft gelte als stärkster Wirtschaftsfaktor. Damit stimmten die Demokraten mit dem Reichsbankpräsidenten Schacht überein und sie würden daher der Vorlage zustimmen. (Beifall bei den Demokraten!) Abg. Schröder (Völkisch) warnt vor übertriebenen Hoffnungen, die etwa aus die zu errichtende Kreditanstalt gesetzt würden. Bis jetzt sei von dem in der Vorlage genannten Betrage von 500 000 000 erst ein Betrag von 200 000 000 vorhanden. Die Völkischen würden dem Gesetz ihre Zustimmung geben. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Abstimmung solle erst später vorgenommen werden. In der Einzelaussprache fetzt sich Frau Abg. Sender (Soz.) nochmals für die sozialdemokratischen Anträge ein, die die Zahl der Arbeitnehmer in den Derwaltungs- körperschasten der Rentenbankkreditanstalt vergrößern wolle. Damit ist die zweite Lesung des Gesetzentwurfes für die Errichtung der Rentenbankkreditanstalt beendet, bis auf die ausgesetzten Abstimmungen. Das Haus wendet sich dann der dritten Lesung des HhpothekcnauswertungSgesetzcs zu. In der allgemeinen Aussprache wendet sich Abg. Hennig (Völkisch) nochmals gegen die Art der Behandlung der Auswertungsgesetze durch die Kompromißparteien. Der Regierungsblock sei der „Nicht-Aufwertungsblock" gewesen. Alle Bemühungen der Völkischen und der Linken um Verbesserung der Vorlage seien an der Stimmenmasse der Regierungsparteien gescheitert. Man hätte alles zum Fenster hinauSgeredet. Die Kompromißparteien müßten die Verantwortung für diese Art Aufwertung der Gläubiger allein tragen. Der Redner kündigt die Einleitung eines Volksentscheides über die Auf- wertungssrage an. (Händeklatschen und Heilruse auf den Tribünen. Präsides Loebe droht bei Wiederkehr solcher Kundgebungen Räumung an.) Abg. Keil (Soz.): Die Völkischen hätten nur ihr Parteisüppchen an der Aufwertung wärmen wellen. Die Sozialdemokraten hätten gerne mit Dr. Best zusammengearbeitet und bedauerten, daß er sich als Hospitant zu den Völkischen verirrt habe, mit denen die Sozialdemokraten nichts zu tun haben wollten. Der Standpunkt der Sozialdemokraten hätte grundsätzlich nichts anderes über die Aufwertungssrage sein können, wie er es war. (Sehr richtig! links.) Unter dem Vorwand der Wahrung wirtschaftlicher Interessen sind in der Aufwertungsfrage den Schuldnern große Vorteile auf Kosten der Gläubiger gewährt worden. Die sozialdemokratischen Anträge auf Erheb.:: g einer Inflations - sonder st euer sind abgelehnt worden. Die Folge hiervon ist, daß die Aufwertung ver öffentlichen Anleihen eine Gestaltung bekommen hat, die von den Anlethezeichnern als Hohn empfunden wird. Die Aufwert'mgsg'setze stehen im schroff'ten W.derspruch mit den Versprechungen, die den Wählern von feiten der Deutsch- nationalen gegeben wurden. Die sozialdemokratische Fraition lehnt jede Verantwortung für eine solche Politik ab, indem sie gegen die Aufwer- tungsgesehe stimmt. Artikel 73 der ReichSver- fafsung bestimmt, daß ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz vor seiner verkünd gung zum Volksentscheid zu bringen ist, wenn der Reichspräsident innerhalb eines Monats es bestimmt. Die Verfafsung der Deutschen Republik gibt also dem Reichspräl denten von Hindenburg die Möglichkeit, das Volk felbst entscheiden zu lassen. Die Gläubiger und Sparer werden mit großer Spanntmg dieser Entsche düng entgegensehen. Präsident Löbe teilt bann dem hause mit, dah die völkische Arbeisgemeinschasi einen Antrag eingcbracht habe, der verlange, dah die Verkündung des Aufwertungsgesehes um 2 Monate auf Grund des Artikels 72 der Reichsversafsung ausgesetzt werde. Abg. Phillipp (Dschn.) erklärte seine Zustimmung zu einer Resolution der Sozialdemokraten, in der verlangt wird, dah die öffentlichen Baudarlehen nicht höher aufgewertet werden sollen als die Hypotheken. Abg. Dr. Korsch (Komm.) begründet die schon in zweiter Lesung eingebrachtcn und dort abgelehn- ten Anträge für die 3. Lesung der Vorlage nochmals. Der Raub an den Inflationsopfern sei in so unanständiger Hast erfolgt, daß es der Reichsdruckerei nicht einmal möglichEsci, die Anträge so schnell zu drucken. Präsident L ö b e teilt mit, daß die K o m p r o - mißparteien einen Eventualantrag für den Fall der Annahme des völkischen Antrages auf Aussetzung der Verkündung des Aufwertungsgesetzes um 2 Monate eingebracht hat, in dem verlangt wird, daß das Gesetz für die Aufwertung von Hypotheken und anderen ‘Ansprüchen für dringlich erklärt werde. Das Haus nimmt bann Abstimmungen vor und lehnt dabei u. a. einen Antrag Korsch (Komm.) auf Rückverweisung der Vorlage an den Aufwertungsausschuß gegen die Stimmen der Kom> munisten, Sozialdemokraten und Völkischen ab. Abg. Seifert (Völkisch) unterstützt den sozialdemokratischen Antrag auf namentliche Schiußab st immun g. Die Völkischen halten die Vorlage für die Auswertung der Hypotheken für verfassungswidrig, so daß für ihre Annahme eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich wäre. Abg. Dr. Korsch (Komm.) erklärt, daß die Kommunisten die gegenwärtige Vorlage ableh - n e n und darüber hinaus den Antrag auf Aussetzung der Verkündung des Gesetzes z u st i tarn e n würden, um dem Reichspräsidenten v. Hin- d e n b u r g Gelegenheit zu geben, seine den Sparern gegebenen Versprechungen zu erfüllen. In der namentlich borgenommenen Abstimmung stimmte das Haus mit 230 gegen 197 Stimmen bei einer Enthaltung der Kom- promihfafsung des Gesetzes über die Auswertung von Hypotheken und sonstigen Ansprüchen zu. Die Beratungen werben hierauf nach 9 Uhr abends auf 20 Minuten vertagt, um den Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Völkischen Anträgen auf Aussetzung der Verkündung des Gesetzes zu geben. Abg. Dr. B e st (Völk.) begründet seinen Antrag auf Aussetzung der Verkündung des Hypo- theken auf Wertungsgesetzes um zwei Monate. Abg. Dr. Bredt (Wirtsch. Der.) wendet sich gegen die Auslegung des Abg. Keil, der dem Reichspräsidenten die Verantwortung für die Auswertungsgesetze zuschieben wolle. Der Reichspräsident brauche zur Verkündung des Volksentscheids die Gegenzeichnung eines Staatsministers und den Staatsminister wplle er sehen, der in diesem Punkte gegenzeichne. Es müsse nun einmal mit den Deratungsfragen endlich Schluß gemacht werden. Abg. Koch (Dem.) erklärt, daß die Demokraten den Antrag auf Aussetzung der Verkündung des Aufwertungsgesehes nicht unterstützen würden. Eine Materie wie die borlieienbe eigne sich nicht zum Volksentscheid. (ßärm links, Zustimmung rechts.) Es sei undenkbar, die Entscheidung über die Aufwertungsfrage noch einmal um einige Monate hinauszuschieben. (Aha-Rufe links.) Das würde die internationalen Kte'.ille iehun^ei der Deutschen auf daß schwerste schädigen. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag auf Aussetzung der Gesehesverkündung mit 169 gegen 249 Ölimmen angenommen, weil damit die erforderliche Zahl von ein Drittel der Mitglieder des Hauses erreicht war. Der Präsident stellte fest, daß also das erste Drittel erreicht ist, den Kompromiß-Eventualantrag des Aus- wertungsge'etzes als dringlich zu bezeichnen. Es wird dann in einfacher Abstimmung gegen die Stimmenthaltung der Demokraten angenommen. Damit ist praktisch der angenommene Antrag aas Aussetzung der Verkündung des Gesetzes gegenstandlss gevorden, und das Gesetz dürfte nunmehr umgehend verkündet werden und in Kraft treten. Um das 3 Krafttreten des Aufwertungsgefetzes. Berlin, 16. Dez. (Pr':v.»Tel.) Zu der Annahme des Hypoth ke^a fwertung.'ge'etzes schr.i- ben die Blätter, die Entscheidung über das Gesetz, das vom Reichstag und vom ReichSrat für dringend erklärt wurde, liege nunmehr beim Reichspräsidenten, der einen Monat Zeit habe, ehe er nach der Verfassung bas Gesetz verkünden müsse. Der Reichspräsident habe es auch in der Hand, das Gesetz zum Volksentscheid zu bringen oder abzuwarten, ob ein Antrag auf Volksentscheid zustande kommt. Das müsse von einem Zwanzigstel der Stimmenzahl beantragt werden. Die „Voss. Ztg." wirst die Frage auf, ob die Auswertungsgesetze nicht zu solchen Gesehen gehören, die die Reichsverfassung dem Volksentscheid weitgehend entzieht. Der Artikel 73 der Reichsverfassung btfagt, daß u. a. über Abgabengefetze nur derReichs- präsident einen Volks en tscheid veranlassen könne. Das Blatt kommt zu dem Ergebnis, daß es nicht möglich fei, die Lasten, welche die Aufwertungsgesetze auferlegen, unter die betreffenden Abgaben im Sinne der Reichsver- fasfung zu bringen. Die Agrarzollvorlage im Reichstagsausschutz. Berlin, 15. Juli (TU.) Der vom Handels- Agrarenqueteausschuß zur Prüfung der Agrarzoll, frage ist zu dem Ergebnis gekommen, daß eine durchgreifende Heilung der Agrar- und Wirtschaftskrise ohne weitgehende Veränderungen der politischen Verhältnisse und D ö l k e r b e z i e h u n- gen nicht denkbar sei. Die in Angriff genommenen Reformen des landwirtschaftlichen Kre- leider nicht in Aussicht. Die bisherigen Reformen der Umsatzsteuer seien nicht ausreichend. Es sei ein finanzieller Ausgleichszoll notwendig. Notwendig fei auch der Abbau vieler Industrie z ö l l e. Solange ein Abbau der Indu- striezölle nicht erfolge, dürfe der Landwirtschaft ein Ausgleich nicht versagt werden. Die Agrar- zölle seien als Teil eines Intensioierungs Programms anzusehen. Die Veredelungserzeugnisse müßten eine Bevorzugung erfahren. Die Mehrheit des Ausschusses stimmte darin überein, daß eine langfristige Regelung der Zollverhältnisse jetzt nicht zu empfehlen sei. Bei eine» kurzfri- ft'igcn Regelung könne aber aus den Schutz des Getreidebaues nicht verzichtet werden. Neben den Getreideschutzzöllen sei ein mäßiger Schutzzoll auf Mais und Futtergerste notwendig. Dagegen müsse für alle Oelsrüchte und hochwertigen, eiweißhalttgen Futtermittel Zollfreiheit herrschen. Diese Ausführungen beziehen sich auf einen echten Zollschutz, der über die Funktionen eines bloßen Finanz- und Ausgleichzolles hinausgeht. Daß Zölle auch für Brotgetreide erforderlich feien, um die agrarischen Exportländer zum Abbau ihrer Industriezölle zu veranlasien, ist die einstimmige Meinung des Ausschusses. Der Kabinettsbeschluh zur Antwortnote. Berlin, 15. Juli. (TU.) wie bereits gemeldet, ist das Reichskablnelt heute oonnUtag 5 Beratung der Antwortnote aus die franjo- e Sicherheitsnote vom 16. 3unl über den Afriß eines Sicherheitspaktes zusammengetrc.en. 3n der Sitzung, die bis 2 Uhr nachmittags an- dauerte, hat sich das Reichskabinett aus einen Entwurf für die Antwortnote geeinigt. Die Absendung der Rote wird erfolgen, sobald die Fühlungnahme mit dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstags und mit den Ministerpräsidenten der Länder flattge- sunden haben. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags ist auf Freitag, 17. Juli, vormittags, einberufen worden, während die Ministerpräsidenten der Länder auf Freitag, 5 Uhr nachmittags, zur Beratung der Antwortnote geloben worben find. Den Blättern zufolge wirb Reichskanzler Dr. Luther Im Lause bes Donnerstag bie Führer ber Parteien zu einer Aussprache über bie brutsche Antwort auf bie Sicherheitsnote empfangen. Auch bie Parteiführer ber Demokraten und ber Sozioi- bemokraten sinb zu bleser Besprechung eingeladen, wie ber „vorwärts" wissen will, ist bie Abscn- bung ber Rote für den Samstag in Aussicht genommen. Die Veröffentlichung ber Rote wird gleichzeitig am Dienstag in Berlin unb Paris erfolgen. Die D. Z." betont, dah die vom »Berliner Tageblatt" verbreiteten Gerüchte von heftigen Zusammenstößen zwischen dem Reichs- außenminister und dem Reichsinnenminister im gestrigen KabinettSrat nicht im mindesten den Tatsachen entsprechen. Dei der gestrigen Besprechung seien nur laufe n b c, zum Teil sogar recht veraltete sozialpolitische Angelegenheiten erörtert worden. Außenpolitische Fragen seien überhaupt nicht gestnist, besonders das Thema des Sicher- heitsvorschlages mit keinem Worte erörtert worden. Das Wort „Sicherheitspakt" sei überhaupt nicht gefallen. Bei der Besprechung seien übrigens so viele Referenten anwesend gewesen. daß schon aus diesem Grunde dieses Gremium für die Austragung von Differenzen zwischen zwei Ministern zweifellos nicht geeignet Die Ruhrräumung. Essen, 15. Juli. (Woljf.) Heber die in Ga-g befindliche Ruhrräumung erhält das »W. 2. D " folgende Nachricht: Die Stadtverwaltung Hr:e teilt mit, daß Herneain 16. Juli geräumt wird. Aus Hattingen wird gemeldet: Eine Kompagnie ter französischen Besatzung ist in ter vergangenen Nacht abgerückt. Di: Angehörigen ter Desahungstruppen haben Hattingen verlassen. Sämtliche Wohnungen sind der Stadt zurückgegeben worden. Die vollständige Räumung Hatttngens ist gegen Ende der Woche zu erwarten. Die Truppen kommen nach Ludwigshafen. — Aus Osterfeld wird berichtet: Die Besatzung von Osterfeld hat die Waffen der Zivilbevölkerung, soweit diese noch vorhanten waren, an die Stadtverwaltung zurückgegeben. Die Wulfen dürfen vor dem 15. August nicht ausgehändigt werten. Der Ortskommandant Hal für Osterfeld eine Bekanntmachung erlassen, daß Anträge auf Schadenersatz innerhalb von acht Tagen nach dem Abrücken an die Generalkommandantur zu stellen seien. Neue französische Niederlage in Marokko. Madrid, 16. Juli. (TU.) 2n Madrid wird offiziell bestätigt, dah d'e Rifkabhlen Bab el Taza, einen strategisch wichtigen Vorort von Taza eingenommen haben und b i c Bahnlinie nach F ez beherrschen. Aus dem im allgemeinen unklaren Berichten aus Marokko geht hervor, dah die Lage an einzelnen Punkten der Front sehr ernst ist. So haben sich die Rifleute in ter Gegend von Ain-Matoufs, wo ein Bataillon algerischer Schützen umzingelt ist, festgesetzt. Die Verbindung zwischen Ain-Aichn und Tissa ist unterbrochen. Dagegen scheint die Vorhut Abd el Krims. die 12 Kilometer von Qlrba de Tissa entfernt steht, ihre Stellung nicht halten zu können. In Ain-Aichn haben die Rifleute versucht, den französischen Posten zu umzingeln. Truppen, die von den angefallenen Stämmen gestellt wurden, und reguläre Kontingente haben die hohen Felsenhänge überschritten. Bet den Djeballas und Andjeras und ebenfalls bei den Nachbarstämmen der Quadras vor der internationalen Zone sowie in dem Abschnitt von Tetuan werten Truppenbewegungen gemeldet. Dor Aushebung des deutschösterreichischen Visumzwanges. Wien, 15. Juli. (TU.) Der österreichische Gesandte Dr. Frank ist zu kurzem Aufenthalt in Wien eingetroffen. Bei den Besprechungen, die er im Außenministerium hatte, ist auch die Frage der Aufhebung des Pahvisums zwischen Deutschland und Oesterreich zur Sprache gekommen. Die Vorarbeiten für die Aushebung find inzwischen weiter fortgeschritten, wenn auch . QSctijanMiincen zwuo-en den ö.ua.en |iüü» , .laben haken. Dr. Frank wird nun dreSchluß- ?rhandlu.igen in Berlin führen. Man glaubt :r, das; die Aushebung sehr bald geschehen '.ne, so das; man dafür einen bestimmten Tag üsehen kann. Des Vatikans Konflikt mit der Tschechoslowakei. I Prag, 15. Juli. (WTB.) In der Tscheche ' slowakei ist infolge der kirchenpolitischen Partei- 7 kämpfe eine akute Koalitions- und Regierungskrise ausgebrochen. Die tschechisch-natio- ' nalsozialistische Partei, welche der Regierungsmehrheit angehört, besteht auf der Einbringung einer dringlichen Interpellation üoer die infolge der Huß- seierlichkeiten erfolgten Abreise des pcipst - l i ch e n Nuntius. Da die Regierung eine parlamentarische Behandlung der Frage vermeiden wollte, der Außenminister B e n e s ch aber mit seinen dringlichen Darlegungen bei der Nationalsozialistischen Partei, der er selbst angehört, nicht durchdrang, hat der Führer der Partei, Postminister S t r i b r y, nunmehr demissioniert. Benesch wird ungeachtet seiner Mitgliedschaft zur tschechischnationalsozialistischen Partei im Amte verbleiben. Dagegen hat sich der Postminister Franke aus dem Kabinett zurückgezogen. SrepomlscheAgrarresorm $?cr Kampf gegen die Minderhe-tei«. Warschau. 15. Juli. (Wolff.) Gestern kam s im Sejm bei der Abstimmung über bas Agrapresormgesetz zu größeren Ausschr.ttun^n. on den Bestimmungen, daß der parzellierte Bo- jen nicht auf die örtliche Bevölkerung, sondern : auf andere übervölkerte Gegenden )es Staates verteilt werden könne, wobei besonders Pächter und Beamte parzellierter Güter, gediente Soldaten zu berücksichtigen toaren, rblickten die llfrainec und Weißrussen das Be° streben, kvwch Parzellierung der Güter im Osten polnische Kolonisationspolrtik zu treiben. Als die Abänberungsanträge, nach denen der parzellierte Boden nur der örtlichen Bevölkerung zuzuweisen sei, von allen polnischen Parteien abgelehnt wurde, erhob sich aus den Bänken der Akrainer und Weißrussen ein ohE- betäubender Lärm. Es wurde mit den Füßen gestampft, mit Fäusten auf die Pulte geschlagen und gepfiffen, so daß die Sitzung abgebrochen werden muhte. Sofort nach Wiederaufnahme der Sitzung begannen von neuem Lärmszenen und Wortgefechte zwischen den Abgeordneten, die schließlich in größere Schlägereien ausarteten. Aach den gestrigen Sturmszenen sah man in politischen Kreisen der heutigen Sejmsitzung, die die Fortsetzung der Abst immun g über das Agrarreiormgeseh bringen sollte, mit Spannung entgegen. Gleich nach Beginn der Sitzung meldeten die slawischen Minderheitsklubs und die Deutsche Bereinigung Erklärungen an, um zur minderheitenfeindlichen Haltung .der polnischen Parteien, die gelegentlich der gestrigen Abstimmung zutage getreten war, Stellung zu nehmen. Für Die äUrainer und Weißrussen nahm Ch rucki vom ukrainischen Klub das Wort. Er erklärte, das Agrarreformgeseh bedeute in de: bewilligten Fassung geradezu den Tod für die ukrainische und weißrussische Nation. Da wir aber bereits, so sagte er, alle Mittel des parlamentarischen Kampfes erschöpft haben, so werden wir zum Zeichen des Protestes die heutige Sitzung verlassen. Als S o m s ch e r von der Deutschen Bereinigung seine Erklärungen abgeben wollte, wurde ihm vom Sejmmarschall Rataj das Wort mit der Begründung entzogen, er sei durch die Erklärungen Ehrutis überrascht worden und wolle jetzt keinen Präzedenzfall schaffen. Die Deutschen verliehen darauf als Protest gegen die minderhetten- feindliche Fassung des Agrarreformgesetzes und gegen die Entziehung des Wortes zusammen mit den Ukrainern und Weißrussen den Saal. Alle Anträge, die bei Verteilung der Ländereien auch eine Berücksichtigung der Minderheiten verlangten, wurden rücksichtslos von allen polnischen Parteien, mit Ausnahme der Sozialisten, ab- gelehnt, so daß die Wirkung des Gesetzes tatsächlich auf eine Polonisierung der O stund West marken unter weitgehender Verdrängung der Minderheiten, also auch der Dwtschm, hinausläuft. Hessischer Landtag. Darmstadt, 15. Juli. (Eig. Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.30 Uhr. Die Beratungen werden bei Kapitel 75 „M i- | nisterium für Arbeit und Wirtschaft" । des Staatsvoranschlags wieder ausgenommen. Abg. Felder (Ztr.) tritt für soziale Versöhnung und eine Bolksgemeinschaft ein; nur Arbeit kann uns retten. Der Boden für gemeinsame Ar- beit müsse in einer Arbeitsgemeinschaft gefunden werden. Der Geist der Arbeitgeberverbände komme in der Denkschrift vom Mai d.J. in sehr einsei- tiger Weise zum Ausdruck. Der Redner, der den christlichen Gewerkschaften angehört, kritisiert von liefern Standpunkt aus in längeren Darlegungen die erwähnte Denkschrift und bespricht hierbei Fra- icn, wie Arbeitslohn, Tarifverträge, Arbeitszeit, Schiedsrichter und Arbeitsgemeinschaft. Im An- tchluß hieran erörtert der Redner noch verschiedene fragen der Sozialpolitik. Abg. Jost (Bbd.) zieht aus dein Steuerdruck, der auf der Landwirtschaft lastet, die Folgerung, >aß gespart werden mühte. Bei der Erörterung landwirtschafllicher Fragen befürwortet der Redner die Durchführung der Feldbereinigung, doch dürfe das nicht mit Zwang geschehen, sondern durch Aufklärung. Im Ried zeigten sich noch >iele Widerstände, im Vogelsberg seien auf üefem Gebiete schone Erfolge zu verzeichnen. Die 'feldbereinigung erhöht die Produktion. Weiter ordert der Redner unter Hinweis auf seinen Antrag Fortsetzung der Meliorationen im Vogels- dcrg. Nachdem der Abgeordnete noch andere land- virtschaftliche Angelegenheiten besprochen hatte, ■ritt gegen 11 Uhr eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen beantwortet ein Regierungsvertreter eine Kleine Anfrage der Abg. Frl. Birnbaum und Gen., die Abg. Scholz verliest, wegen Auszahlung des Wohnungsgeldzufchuffes, daß diese im August bei der Gehaltszahlung erfolgen werde. xtvu. u» e o c r (cioj.) ernun, cc iu..ue uuies von dem, was Abg. Weck le r gesagt habe, unterschreiben; es gäbe aber auch vieles Trennende. Min.ster Na > erüart: Die Wirtschaft ist das Herz, aber auch ! der Magen des Volkes, der Gradmefjer für die Wohlfahrtsdinge im Lande. Der Zustand ist nicht gut, aber erfreulicherweise besser als im Vorjahre. Bon den Großunternehmern wird das bestritten. Die Erwerbslofenziffern sind noch hoch, jedoch im erfreulichen Rückgang begriffen. Gegenwärtig werden 5000 Erwerbslose gezählt; »rn ^ayre vorher (Juli) waren es 15000, im August sogar 19 000. Mit Preußen ist ein Abkommen über die Arbeitslosenunterstützung erzielt worden, das war notwendig, weil ein Drittel gber gewerblichen Arbeiter außer Hessen beschäftigt ist. Der Minister ist dagegen, daß die Landwirtschaft von der Beitragsleistung für die Arbeitslosenunterstützung befreit ist. Zur Wohnungsnot meint Der Redner, die Zwangswirtschaft auf diesem Gebiete müsse wohl noch auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Die Tätigkeit der amllichen Schiedsrichter m gewerblichen Streitigkeiten könne man un allgemeinen nur anerkennend beurteilen. Die Regierung werde versuchen, die kurzfristigen landwiN- schaftlichen Kredite in langfristige umwandesti. Da das Ausland sich durch Schutzzölle abgeschlossen habe, so hätte die hessische Regierung, um Der Reichsregieruna ein Mittel bei den Unterhandlun- gen mit dem Ausland in die Hand zu geben, beschlossen, für bewegliche Zölle emjutreten. Die Stellungnahme des Staatspräsidenten und seine (des Redners) zu den Zollfragen sei persönlich aber dieselbe, wie die der Sozialdemokratie. Nachdem der Redner noch vom Fürsorgewesen gesprochen hatte, wendet er sich zum Schluß gegen den Abbau des Ardeits- und Wirtschafts. Ministeriums, wie ihn die Deutsche Dolks- partei gesordert hat. Nachmittagssitzung. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 3.30 Uhr. Die Beratungen über das Kapttel 75 „Minifterium für Arbeit und Wirtschaft" werden fortgesetzt. Abg. Glaser (Bbd.) wendet sich gegen die Ausführungen des Wirtschaftsministers von heute vormittag über die Zollftagen. Die Landwirtschaft bedürfe unbedingt die Schutzzölle, und wenn Der Minister gesagt hätte, er müsse das Wohl des ganzen Volkes im Auge haben, so müsse er dagegen erklären, daß die Landwirte auch zum Volke gehören und Schutz ihrer Arbeit verlangen. Auf verschiedene kritische Erklärungen des Abg. Felder bemerkt der Redner, daß der 'Abgeordnete sich in der Adresse geirrt hätte; er solle sich an die Regierung wenden, das Zentrum, nicht der Bauernbund, sitze ja in der Regierung. Wenn es feinen Zoll auf landwirtschaftliche Produkte gebe, wurden gerade die Kleinbauern geschädigt, Gemüse, Gurken, Kartoffeln usw. würden dann aus dem Ausland bezogen. Abg. Houry (D. 23p.) erklärt, es fei merkwur- big, daß viele Abgeordnete ihre Reden mit den Worten beginnen: „Meine Damen und meine Herren' und nicht „Wählerinnen und Wähler". 2fi>g. Felder hat erklärt, es fei gar nicht möglich, eine kinderreiche Familie wegen des Wider st andes der Haus- I besitzer untergubringen, das fei falsch, denn der Hausbesttzer entscheide ja gar nicht darüber, sondern das Wohnungsamt. Die Hausbesitzer wollten selbst- verständlich keine plötzliche Aufhebung der Zwangs- wirtschaft, sondern eine gerechte Festsetzung her Mieten. Was Sie (zu den Sozialdemokraten gewendet) wollen, ist die „Kaste Sozialisierung" des Wohnungswesens; Sie können sie aber nicht aufrecht erhalten. Denn die Wirtschaft selbst gibt uns ja recht. Das schlechte Verhältnis zwischen Mietern und Vermietern ist zum größten Teil erst durch die Zwangswirtschaft verursacht worden. Die Stadt Offenbach, eine sozialdemokratische Gemeinde, baut Holzbaracken, um die Wohnungslosen unterzubringen. Auf dem Wohnungsmarkt wird es erst besser, wenn das Privat- kapital wieder am Wohnungsbau interessiert ist. Auch sozialdemokratische Hausbesitzer stehen in bezug auf die Frage der Zinsbildung auf unserem Standpunkt. Nachdrücklich weist der Redner auf die schwierige Lage des Handwerks hin und auf die unzulängliche Handhabung der Verordnungen über das Submissionswesen, wodurch das Handwerk dimer geschädigt wird. Eine Regierung, die nicht das Handwerk schütze, grabe sich selbst das Grab. Der Ertrag der Mietzins st euer müßte ganz für den Wohnungsbau verwendet werden, nicht für Regiebauten, sondern in der freien Wirtschaft. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Werner (Dschn.) erwidert dem Abg. Felder, daß kein deutschnationaler Abgeordneter sich so für die Annahme des s p a n i s ch e n H a n d e ! s - Vertrages eingesetzt habe, wie der Zentrumsabgeordnete Dessauer in Frankfurt. Die hessischen Abgeordneten, mit Ausnahme der Sozialdemokratie, hätten gegen den spanischen Handelsvertrag im Reichstag gestimmt. Minister Raab habe eine Stellung zum Schutzzoll eingenommen, die die Rechte freudig begrüßte, er habe aber seine Mei- nung in weiteren Ausführungen sehr vorsichtig geäußert. Der Redner fordert dann einen Schutzzoll für die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Abg. Wolf (Bbd.) beschwert sich, daß aus feine Anträge über die Bekämpfung Der Leberegelseuche und für Die Gewährung langfristiger Kredite noch keine Antwort Der Regierung erteilt sei. Er verlangt insbesondere die langfristigen Kredite. Frau Abg. Roth (Komm.) meint, Raab habe einseitig die Interessen der Hausbesitzer vertreten. Namentlich greift sie ihn wegen seiner zwiespältigen Haltung zur Zolltarifvorlage an und erhält bei dieser Gelegenheit wegen des Ausdrucks „charakterloser politischer Hampelmann" einen Ordnungsruf. Abg. Scholz (D. 23p.) führt aus, daß Die Reden des Abg. Weber und Der Frau Roth heute morgen Den Boden Des Sachlichen verlassen hätten. Bei der Erwähnung Der Entschädigung für die Ruhrschäden hätten Die SozialDemokraten sich auf einmal so für Handwerker unD kleine Leute eingesetzt, die Doch nach ihrem Wirtschaftssystem keine Existenzberechtigung mehr hätten. Bon her Sozialisierungskom- Mission höre man nichts mehr. Im Gegensatz zu Amerika roenbe sich Die Sozialdemokratie gegen hie Einführung von neuen Maschinen zur Verbesserung des Produktionsprozesses. Eine Lohnerhöhung habe nur bei einer gleichzeitigen Produk - tionsfteigerung einen Sinn, sonst bewirke sie nur eine Verteuerung her Lebenshaltung. Der Redner erklärt. Die Auffassung des Ministers Raab, daß Die Wirtschaftslage sich aebeffert hätte, als unzutreffend. Die von dem Minister angeführten Zistern über den Rückgang her Zahl her Arbeitslosen wäre i nur eine Wirkung her auslänhischen Krehite, mit : Denen unsere Wirtschaft angekurbelt würbe, aber hie I Decke fei zu kurz und bald mürben sich hie Folgen UMvMll o-*»— v-:<* |u.ter kiu-^iuijiunaen weist her Rehner noch Darauf hin, haß Minister Raab als Sozialbemokrat unmöglich eine Stärkung her Privatwirtschaft hurchsühren werbe, wie sie eben von ben Anhängern biefe's Wirtschaftssystems verlangt werben müsse. Seine Partei hätte kein Vertrauen zu dem Minister unb werbe hem deutsch- nationalen Antrag auf Aufhebung des Ardeits- und Wirtschaftsministeriums zustimmen. Nachdem bann noch Abg. Werner (Dfchn.) einige Erklärungen zu her Abstimmung der beutsch- nationalen Fraktion über ben spanischen Handels- vertrag im Reichstag abgegeben hatte, nimmt bas Haus in Uebereinftimmung mit ben Ausschußanträgen hie Kapitel 75-34 einschließlich a n. Der Fall Hrmmelsvach. Das Ergebnis der Untersuchung des Landtagausschnsses. Darmstabt, 15. Juli. (TU.) Der Ausschuß des Hessischen Landtages zur Untersuchung her Himmelsbachaffäre trat am Mittwochabend zu einer geheimen Sitzung zusammen. In ihr wurden die Ergebnisse der Z e u g e n v e r n e h - mung unb bie Denkschrift bes hessischen Finanzministeriums zu bieser Angelegenheit beraten. In her Denkschrift werben bie für die französischen Desatzungsbehorben gefällten Holzbestanbe auf 133 595 Festmeter im Werte von über 4,5 Millionen Golbmark geschätzt. Daburch, baß tuest Fällungen nicht in walbpftichtiger Weise, nach forstwirtschaftlichen Grundsätzen, fonbern in m al D-- chädlicher Weise burch Kahl-, ja Großkahl- djläge vorgenommen würben, ist her Schaben, her hierburch unb her ebenfalls bamit uerbunbenen Verschlechterung bes Walbbobens entstanden ist, noch Diel größer. Er beziffert sich auf rund 6,25 Millionen Golbmark. Unberücksichtigt bleiben Dabei bie volkswirtschaftlichen Schäden. Die Firma Himmelsbach ist an ben Holzsällungen mit 36 612 Festmetern beteiligt. Der Ausschuß faßte bann einstimmig folgenbe Ents chließung : Der Ausschuß stellt fest: 1. Ein Verschulden her Staatsbehörden, Insbesondere her Canbesforftoerroaltung, ist nicht nachweisbar. 2. Die Fragen, ob hie Firma Himmelsbach bei Abschluß her Verträge glauben konnte, unter Zwang zu handeln, wird bejaht. 3. Lin Verschulden der Firma Gebr. Himmelsbach bei her Aeberprüfung der Verträge, die den hessischen Staat zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen ermächtigen konnten, war für den Ausschuß nicht feststellbar. Grohdeulsche Tagung in Darmstadt. Darmstadt, 15. Juli. (WTB.) Heute be° aann hier eine vom Landesverband Hessen der Deutschen Dvlkspartei veranstaltete große Deutsche Tagung, die bis zum Sonntag dauert. Der heutige Tag galt der Westmark und war als Darmstädter Kundgebung aus Anlaß der rheinischen Jahrtausendfeier gedacht. Ohi Stelle des verhinderten Abg. Molden- hauer hielt Chefredakteur Fischer-Mannheim einen Vortrag Über die Rheinlandfrage, die er vom historischen Standpunkte aus behandelte und toobei er interessante neue Ergebnisse aus deutschen Archiven über die französische Deem- flusftingstätigkeit nach der Revolution in den Aheinlanden mitteilte. Der zweite Redner, Malermeister Schmelzer- Saarbrücken, Mit- glieb des saarländischen Landesrates, schilderte den Kampf der Saarmark um ihr Recht vor dem Genfer Völkerbund. Kleine politische Nachrichten. Der Reichskanzler hat Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Industrie empfangen, die angesichts der allgemeinen Rotlage der gesamten Wirtschaft an die Reichsregierung die dringende Bitte richteten, an dem neuen Entwurf des Finanzausgleichgesetzes unter allen Umstanden fest- zuhalten und alle anderweitigen Wünsche der Länder und Gemeinden abzulehnen. Dabei wurde auf die Rotwendigkeit äußerster Sparsamkeit bei Ländern und namentlich bei den Gemeinden hingewiesen. Eine durchgreifende innere Verwaltungsreform sei dazu außerdem unerläßlich. In Wiesbaden wurde bei einer Sitzung der Handwerkskammer mitgeteilt, daß die Verhandlungen wegen der Errichtung emes Staats- sekretariatS für das Handwerk Erfolg gehabt hätten, und daß nunmehr ein besonderer Staatssekretär für Handwerk und Gewerbe durch das Reich bestellt werden soll. * Die Strafkammer hat den Haftbefehl gegen den ehemaligen Generaldirektor der Stem- bank, K u t i s k e r, auf Grund eines medizinischen Gutachtens, nach der» bei Kutisker Lebensgefahr bestehe und auch bei weiterem Verbleib in der Charitä mit der Wiederherstellung seiner Ver-- Handlungsfähigkeit nicht zu rechnen sei, aufge- hoben. Von der Stellung einer Kaution nahm die Strafkammer Abstand, weil die finanzielle Lage Kuttskers die Aufbringung größerer Geldmittel unmöglich mache. * Der Reichsverband der Rheinländer, der den Zusammenschluß aller Heimattreuen Rheinländer im Reiche bezweckt, hält feine diesjährige Generalversammlung als Heimattagung am 15. August in Königswinter a. Rh. ab. In Hannover wurde eine Luckner-Ge- m e i n s ch a f t gegründet. Aus dem Programm ist hervorzuheben: Weckung und Wachhaltung des Kolvnialgedankens im deutschen Volke, Erhöhung der Weltgeltung Deutschlands, Erziehung der Jugend zu weltpolitischem Gedenken und Fühlen. Aus aller Wett. Das Urteil im Affenprozetz. Dayton, 15. Juli. (WTB) Der Vorsitzende in dem Affenprozeß lehnte den Antrag der Verleid.ger 'auf Zurückziehung der Anklage gegen Professor Scopes ab und entschied, daß das Antievolutionsgesetz der Verfassung des Staates Tennessee nicht widerspreche. Der Richter führte weiter aus, daß kein Staatsgesetz Scopes oder sonst jemanden zwingen konnte, eine Dienstanstellung in den öffentlichen Schulen anzunehmen. ioen.1 |ein Gewijsen ihm vorschre ot. die Lvolu- tionslehre zu lehren. Er finde Gelegenheit, feinen Glauben in anderen Schulen des Staates zum Gegenstände feiner Lehrtätigkeit zu machen, ohne befürchten zu müssen, mit den staatlichen Dc- hörden in Konflikt zu geraten. Die Gerichts tänden auf dem Standpunkt, daß die Kontrolle der öffentlichen Schulen eine Funktion sei, die von der staatlichen Gesetz- gebu n g ausgehe. Lin neues photographisches Verfahren. Neuyork, 15. Juli. (WTB.) Ein neues pho- tographisches Verfahren, bas, wie erwartet wird, bie gesamte Gufterfunbung im Kriege neu getanen wird, würbe gestern auf hem Gut des Dor- itzenben bes Ausschusses für Militärfragen, Wadsvorth, vorgeführt, wobei bie Flieger in einer Ge- amtzeit von 9 Minuten Lichtbiiber in her Luft aufnahmen, entwickelten unb abwar - "e n. Bei bem neuen Verfahren kommt ein Film zur Verwenbung, her bei her Entwicklung als positiver Abbruck erscheint. Auf dem Heuboden verbrannt. Hartenstein (Freistaat Sachsen), 15. Juli. (Wolff.) Im benachbarten Orte Raum sollte der 7jährige Sohn des Hausbesitzers Schettler Heu vom Doden holen. Er nahm seinen 2jährigen Bruder mit. Als beide nicht wiederkamen, begab sich die Mutter nach dem Boden "hüb fand Den ganzen Raum lichterloh brennend. Sie hörte die Angstschreie der Kinder, konnte ihnen aber keine Hilfe bringen. Die beiden Kinder sind verbrannt. Das Haus ist bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. TSettervoraussage. Winde linksdrehend, zimächst meist heiter und wärmer, dann zunehmende Gewitter- und Regenneigung. In ganz Mitteleuropa ist geringer und im Kanalgebiet starker Druckfall eingetreten, da die isländischen Zyklone südöstlich an Raum gewon- nen hat und mit Ausläufern auf den Kontinent übergreift. Aus Stadt und Land. Gießen, den 16. Juli 1925. ’ Iahrtausendseier in Gießen. Die gestrige Feier der Stadt Gießen zur Erinnerung an die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reiche nahm im Stadtcheater einen würdigen, außerordentlich eindrucksvollen Verlauf. Die Ansprache des Oberbürgermeisters Keller und die Festrede des Studienrats Dr. König an die festlich gestimmte Menge, die das Theater bis auf das letzte Plätzchen^ füllte, hoben die hohe Bedeutung der tausendjährigen Verbundenheit der Rheinlande mit dem deutschen Vaterlande gebichrend hervor. Den glanzvollen Rahmen der bedeutsamen Reden boten die Kapelle des 1. Batl. Inf.-Rgts. Rr. 15 unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r mit Rich. Wagners „Siegfried-Idyll" und „Einzug der Götter in Walhall" aus Wagners „Rheingold" und der Bauersche Gesangverein unter seinem Chormeister Otto Gör lach mit mehreren größeren Chören, die dem Gedanken des Abends entsprachen. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied bildete den Abschluß der denkwürdigen Veranstaltung. — Wie wir schon mitteilten, wird die Feier mit genau dem gleichen Programm morgen, Freitag, abend 8 Ahr im Stadtcheater noch einmal wiederholt, damit auch alle diejenigen, die gestern abend keinen Platz mehr finden konnten. Gelegenheit haben, ihre treue Zusammengehörigkeit mit dem Rheinland zu bekunden. Wir werden am Samstag über die Feier eingehend berichten. Dis Feier des Dersasiungstages. Das Hessische Gesamtministerium gibt allen unterstellten Behörden folgendes bekannt: Das Gesamtministerium hat beschlossen, baß her Verfassungstag auch in diesem Jahre in besonderer Weise im Lande gefeiert wirb. Die öffentlichen Gebäube sinb für biese Feier am 11. August in ben Reichs- unb Lanbesfarben zu beflaggen. Wenn nur eine Gelegenheit zum Aufziehen her Fahne vorhanben ist, sollen unter allen Umständen bie Reichsfarben gezeigt werben. Sofern staatliche Behörden nicht staatseigene Gebäube inne haben, so ist auch für beren angemessene Beflaggung zu sorgen. In allen Schulen bes Landes ist am 11. August eine Feier zu veranstalten, in der der Wiederkehr des Verfassungstages zu gedenken ist. Bei der Festlegung dieser'Schulfeiern ist Rücksicht auf bie an- Deren Veranstaltungen bes Tages, soweit sie her Verfassungsfeier gewibmet sind, zu nehmen; gegebenenfalls ist den Schulern und Schülerinnen Urlaub für Teilnahme an solchen Veranstaltungen zu erteilen. In ben Orten, wo her 11. August in bie Ferien fällt, ist bie Feier in ben ersten drei Tagen nach Wiederbeginn der Schule abzuhalten. Zur Teilnahme an der Verfassungsfeier fettens der Beamten unb Angestellten wirb für ben 11. August Bureauschluß angeorbnet. Wegen her Feier bes Verfassungstages in ben (Stählen (außer Darmstadt) unb Ortschaften des Landes wird folgendes bestimmt: In ben Kreisstäbten haben bie Kreisdirektoren in Verbindung mit den Spitzen der Kommunal- behörden — in allen anderen Städten unb Orten Des Landes bie Bürgermeister — sich mit Vertretern her Bevölkerung (Organisationen her Arbeitgeber unb Arbeitnehmer, Hanbelskammer, Innungen, Beamten- unb Angestelltenorganisationen, Sportvereinen, politischen Vereinen) ins Benehmen zu setzen, um eine gemeinsame Feier her Be- völkcrung unb beren würdige äußere Gestaltung herbeizuführen. Auch empfiehlt es sich, mit ben örtlichen Reichsbchörben in Verbindung zu treten. Wenn auch die Verschiedenheit her örtlichen Verhältnisse eine allgemeine Regelung ausschließt, so läßt sich wohl folgender allgemeiner Rahmen der Feier bes Verfassungstages einhalten: Gedenkrede, musikalische unb sportliche Darbietungen, Kinder- fest unb ähnliches im Freien, soweit bie Witterung es zuläht. Wegen her Beteiligung her Kirchenbehörden an Der Begehung bes Tages ist bie Regierung bereits mit diesen in Verbindung getreten. Reit- und Fahrturnier in G etzen. Man schreibt uns: Die Zahl der MeU>ungen ftir das am Samstag und Sonntag stattfindenda scherdung hiesige B ürgermei st erwähl, die für u n fast Wohnungstausch) Schube äußerst billig. OMIS gesucht. 05995 6916c gesucht. Böhl.Wohn-a.Schla!- »Immer an foL Herrn ievtllauch cinaJo 1.8. z.v. lZnbtoinftr.34TI von der die Verwaltung der Veteriuärkliniken Frankfurter Sir. 94. flinfliniHiiiiiinfflHiiRNni L. Rosenzweig (fliehen, CelterSweg 58 1. Eingang Ecke Bottsbad. Kein Laden. Kein Luden. Alter Blei (Dleiröhrem lauft Brühls che Druckerei l“D Schulstr. 7 9. vampsdresch garnitur schweres Modell. Mzöllig. gebraucht. >n sehr gutem Zu» stände. Fabrikat Muston Proctor. mit Welger Presse, ist Umstände halber sofort zu verkaufen. Lckr. Anfrag. unter fvV»17) an d. G. Anz. ssage. meist heiter und lst , geringer unb im . ^"getreten, ba ) ffn Ram «dm. den Kontinent erhöhen. Starkenburg und RhemhesZyn. spd. Mainz. 15. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 850 000 Mk. für den Neubau eines großen Getreide- speichers am Rhein. Zu den Baukosten gibt das Reich einen entsprechenden Zuschuß. Der alte Getreidespeicher ist seit Zähren von den Besatzungsorganen beschlagnahmt. Die Folge dieser Beschlagnahmung war die Abwanderung des Getreidehandels aus Mainz, in der Hauptsache nach Frankfurt a. M. Hreis Wetzlar. • Wetzlar, 15. Juli. Der Kreistag des Kreises Wetzlar setzte die Satze bet Saab - pacht st euer mit Wirkung vom 1. Aprrl ab auf 20 Proz. für Kreiseingesessene und 40 Proz. für außerhalb des Kreises wohnende Pächter fest. Der Stadt Wetzlar wurde zur Anschaffung einer Motorfeuerspritze eine Beihilfe von 5000 Mk. bewilligt. Zur Errichtung einer Ziegenaufzuchtstation wurden 3000 Mk. und zur Errichtung eines Rotviehzucht- hofes 5000 Mk. bereitgestellt, außerdem zur td Land. >0116. M 1925. ’ in Ciehen. 61a6t Aichen jut ausendjährige jeinlande zum t im Siabttyeatet lich eindrucksvollen Oberbürgermeisters !s Etudienrats Dr. immie Wenge, dir )te Whtzrn Mr, der iausend'iährigin ade mit dem beut« hervor. Ten glanz« .samen Reden boten s.«Rgts. Rr. 15 unter er Löber mit Rich. ' und „Einzug der lagners „Aheingold" verein unter seinem mit mehreren grö- >ankn des RdendS gesuagerce Deutsch« h der drnlwürdigell ichon mitteiltrn. wird in gleichen Pro« abend 8 Uhr im liederholt, damit auch t abend leinen Plah egenheit haben, ihre mit dem Rheinland jm Samstag über du Kreis Friedberg. X Ober-Mörlen, 15. Juli. Unser Liefer- Auto 15 86 P. . mit ne= raummer Pritsche, ca.S) Zentner Tran- krait. noch nut er« bnlicit ru benchtt- gen bei 09996 P. Koslowsky, Sandgasse, Teleph. 1128 u. 752. spielte unermüdlich beim Zuge, bei den turnerischen Aufmärschen und in den Zwischenpausen. Die hier selten gehörte Streichmusik in Begleitung Zupfinstrumenten gefiel derart, daß vielfach Wunsch laut wurde, ob sich nicht alljährlich Mitwirkung dieser Kapelle ermöglichen ließe. u. Mansarde sofort zu vernr. 10(5971 Ebclttraß- 39 v. V t b, WVL vV..k «VV V ..»v ivyv | *./•/» kLL Scheiben stiftete, nahm das Schießen einen sehr schonen, harmonischen Berlauf. Die Preise, die erst die Mitglieder des Vereins unter sich herausschossen, waren schöne, praktische Gegenstände Den ersten Preis schoß Mitglied I. Jonas mit 26 Punkten. Rach dem Dereins- schichen sand dasselbe für Richtmitglieder statt, bei welchem die zahlreichen Schützen ihre Trefs- sicherhcit zeigen konnten. t Grünberg, 15. 3uli. Gegen die Entscheidung des Kreisausschusses Gießen über die > . e ß e n e r ^leit« - o u v 1 >-* i,. auf 240 gestiegen. Es sind äußerst interessante Leistungen zu erwarten, d.e — rein re terlich - febon in der Vorprüfung am cramstag aezeiar we.^.u. D.e Inhaber von Vorverkaufs- karten sind »um Besuche der Dorpru<.'.nzen, ü;c an dtt Hardt um 3 Uhr beginnen, berechtigt. Der Besuch scheint ein sehr reger zu werden, so daß es empfehlenswert ist, sich namentlich für Sitzplätze im Vorverkauf zu sorgen. rein katholischer Ort hat nur eine kleineevan- gelische Gemeinde, die von der Pfarrei Bad-Rauheim kirchlich versehen wird. Die Gottesdienste wurden seither in einem kleinen Raum abgehalten. Seit Jahren wird nun schon für den Dau einer evangelischen Kapelle im ganzen Lande gesammelt, besonders der Gustav-Adolf-Verein fördert das gute Werk. Jetzt ist man so weit, daß am nächsten Sonntag die Grund st einlegung zum Bau des evangelischen Gotteshauses erfolgen kann. am. Stammheim, 15. Iuli. Letzten Sonntag hielt hier der Zweigverein Wetterau sein Gustav-Adolf-Fest ab, unter reger Teilnahme der hiesigen Gemeinde wie auch zahlreicher Gäste aus den Rachbarorten. 3n dem Festgottesdienst predigte Dekan Vogel- Bruchenbrücken. Bei der Rachfeier begrüßte der Ortsgeistliche, Pfarrer Hamburger, die Erschienenen mit herzlichen Worten. Als Vertreter des Evangel. Bundes sprach der Vorsitzende des Zweigvereins Stammheim, Lehrer B e r g k, von dem freundlichen Verhältnis, das zwischen dem Evang. Bunde und dem Gustav-Adolf^Derein herrscht. Als Festredner war der Professor der praktischen Theologie von der Universität Gießen Pros. Frick gewonnen. Er berichtete über die Zustände bei den Evangelischen in Polen, zeigte, wie dort das Deutschtum mit dem Cvangelischsein unlöslich verbunden ist, kam dann auf die Verhältnisse im Deutschen Reiche zu sprechen. Auch da wies er nach, wie das Evangelium dem deutschen Volke in der Vergangenheit Kultur und Charakter verliehen hat. Er schloß mit dem ernsten Hinweis, daß das deutsche Volk dem Zu verkaufen Gut erhaltene, getragene Anzüge von 12.— Mk. an, auch Anzüge für korpulente Herren, sehr billig. Sowie einzelne Sakkos u Holen, frracf:, Smoking, Gebrock-. (5u- t.iwav Anzüge in ai en Preislagen. Gleichfallsversch. Dame t- Kostüme, «Mäntel, und -Röcke, tu»£u, wenn es sich nicht wieder zurückfindet zu JesuS und dem Evangelium. Als Vertreter des Zweigvereins Wetterau des Guftav-Adols-Vereins sprach schließlich Dclau Vogel und erstattete den Bericht über das Dereinsjahr 1924. Sowohl den Festgottesdienst wie auch die Rach- feier verschönte der Kirchengesangverein Stammheim mit seinen herrlichen Liedern unter Leitung des Lehrers K öh l e r - Staden. Das Fest war in allen Teilen wohlgelungen. Kreis Schotten. □ Laubach, 15. Juli. Die Bautätigkeit^ ist hier fortgesetzt rege. Die Licher Straße wird nunmehr auch geschlossen, indem das Gelände gegenüber dem gräflichen Forst- amt. Ecke »Steinweg", in Angriff genommen wird. Die beiden neuen Häuser in der Kaiserstraße sind im Rohbau fertig, und auch das neueKrankenhausin der Stiftsstraße wird Ende des Monats voraussichtlich unter Dach fein. — Gestern fand hier in d:r Stadtkirche die Taufe des ersten Kindes des Grafen Georg zu Solms-Laubach durch den Stadtpfarrer statt. Bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden hier alle Kinder, wie fast allgemein in Oberhessen, in der Kirche getauft. Diese Sitte hat das gräfliche Haus bel- behalten. Die junge Tochter des Grafen, auf den Romen Irene getauft, hat nicht weniger als 20 Paten. Hrcis Lauterbach. /> Lauterbach, 15. Juli. Aus der gestrigen Sitzung des S t a d t o o r st a n d e s ist zu berichten: Der Stadtoorstand beschäftigt sich zunächst mit der Vergebung verschiedener Bau- arbeiten für die beiden Arbeiterdoppelwohnhäu« ser am Schober. Nach Prüfung der cingelaufenen Angebote wird beschlossen, die elektrischen Jnstalla- lionsarbeilen der Firma A. K e r l a ch und tue Anstreicherarbeiten je zur Hälfte den Lackierermeistern Johs. Flach IV. und Chr. Sachs zu übertragen. Die ausgeschriebenen Derputzarbeiten des Rathauses sollen durch Wenzel & Axthelm und W. W o l f gemeinsam ausgeführt werden. — Ein Gesuch der Firma Johann Krömmelbein II. um käufliche Ueberlassung von städtischem Weggelände an der Rimloscr Straße wird genehmigt und der Verkaufspreis pro Quadratmeter auf 2 Rm. festgesetzt. Einem weiteren Gesuch der Mineralöl - werkeRhenaniain Düsseldorf um Aufstellung einer Benzinpumpanlage vor der Automobilhandlung Wilhelm Heiliger wird gegen Ausstellung eines Reverses und Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 3 Rm. ebenfalls stattgegeben. — Im weiteren Verlauf der Sitzung erstattet Bürgermeister Walz Bericht von den staltgefundenen Ver- sammlungen in Altenschlirf und Ulrichstein bzgl. E x- r i d) t u n g neuer Autolinien. Nach seinen Ausführungen soll demnächst eine Linie mit dem Ausgangspunkt Freiensteinau über Gunzenau, Metz- los, Nösberts, Altenschlirf, Stockhausen, Müs, Landenhausen nach Lauterbach vorerst versuchsweise eingelegt werden. Ferner soll die Linie nach Ulrichstein künftig zweimal täglich gefahren werden, und zwar ist der Fahrplan hierfür so aufgestellt, daß diese Linie an der Ohmstraße Anschluß an die 2mtc Schotten—Ulrichstein erhält und auf diese Weise eine unmittelbare Verbindung zwischen Lauterbach und Schollen hergestellt wird. Die für beide Linien geforderten Garantiesummen werden bewilligt und ein Unterslcllraum für das Postauto Lauterbach—Ulrichstein in der kürzlich erworbenen otabhnüljlc zur Verfügung gestellt. — Weiter wird beschlossen, die zur Ablösung der städtischen Vor - k r i e g s s ch u l d e n vor ca. 1* Jahren erworbenen Hypothekenpfandbriefe den darum nachsuchenden Gläubigern auszuhändigen. Nach dem 31. Juli sollen jedoch diese Pfandbriefe gegen die von der Stadt ausgestellten Schuldscheine nicht mehr um- getauscht werden. — Anschließend wird der Dor- anschlag der Realschule für Rj. 1926 und die Abrechnung des diesjährigen Prämien- und Ver- losungsmarktes genehmigt, sowie die Stundenlöhne der städtischen Arbeiter den Zeitverhältnissen entsprechend geregelt. Gleichzeitig wird beschlossen, die Kosten für die B r e z e l n z u m I u g e n d f e st d e r K l e i n k i n d e r s ch u l e aus die Stadtkasse zu übernehmen und die Vergütung für die Stadtschwester entsprechend der Eingabe des Elisabethenstifts zu k&i, v „ i.Nfan. i Sri “1 ®lrb' »it btm follÄ 0t’ Ar- LU-' derbkinkl. SSt lani i ,tl09 bren. der KinSer Stt. Die bei.' u- Ur •• D i e Erhebung der Gewerbesteuer betrifft eine Bekanntmachung der Stadt- Verwahrung in unserem gestrigen Anzetgenterl, auf die hiermit aufmert.am gemacht sei. <- Kein unter schiedlrches Schulgeld mehr. Von den die höheren Lehranstalten in Hessen besuchenden Kinder aus anderen deutschen Ländern wurde bisher ein Zu.chmg zu den normalen Schulgeldsätzen erhobew Wie wir hören, soll jetzt bic unlerschledli^^hand' lung zwischen hessischen und nichthessi chen Schulern wegfallen. Bekanntlich werden in Preußen, Bayern, Württemberg und V^)en die Schuler aller Reichsangehörigen gleich behandelt. " Ausgehobene Straßensperre. Dom Polizeiamt wird uns geschrieben: Die unterm 25 Juni angeordnele Sperrung des schmalen -teils der Rittergasse zwischen Mäusburg und der eigentlichen Rittergasse wird ausgehoben. •• Oberhessischer Kun st verein. In dem Bericht über die Mil^'nederversammlung muß es am Schlüsse bei der Neuwahl zum Ausschuß nicht Proscssor Mangel, sondern Professor W e n t - zel heißen. e Unfälle. Gestern vormittag stürzte ein Motorradfahrer von hier, der sich auf einer Geschäftsreise befand, in der Rähe von Marburg und erlitt eine Geh irnerschütterung, eine schwere Kopfwunde und sonstige Verletzungen. Der Verletzte wurde durch die Sai.itatskoloime Gießen nach hier verbracht. Ein weiterer Unfall ereignete sich zur gleichen Zeit in einem Hause der Liebig- straße, wo eine Benzinflasche bei Jnstallations- arbeiten explodierte und die Kleider eines Arbeiters in Brand setzte. Der Vkann erlitt erhebliche Verbrennungen am ganzen Körper und wurde nach Anlegung entsprechender V«D Vertreter: Dr. Geyer Dr. Steinreich Dr. Stahl. Schneider Schön. Hochelheim, Kreis Wetzlar. 22,5 cbm Mauerarbeiten 9 „ Beton 750 kg Prvfileisen und Armierungseifen Erdarbeitern Zimmerarbeiten, Pflasterarbeiten usw. Kostenanschlagsfumme: 1650 Reichsmark. Der Berdingungskostenanfchlag nebst den zugehörigen Mass enberechnungen, Zeichnungen u. Berdingungsbedingungen liegt im Kulturamt Wetzlar, Philosophen- weg 26, vom 16. bis 27. Juli 1925 zur Einsicht ofien. Angebote sind nach Prozenten der Baufumme und mit der ausdrücklichen Erklärung, daß sich Bieter den ausgelegten Berdingungsbedingungen unter- wirst, schriftlich in verschlossenem Umschläge an Herrn Regierungslandmesser Bienko, Wetzlar, Kulturamt, bis Montag, den 27. Juli 1925, abends 6 Uhr, oder bis zum Beginn deS Verdingungstermins abzugeben. Der Termin findet am Dienstag, dem 28. {Juli 1925, vormittags 9 Uhr, in dem Tasthause Karl Jung zu Hochelheim statt. Der Zuschlag erfolgt entweder im Termin, oder eS wird in diesem' die Zu- schlagsfrist bekannt gemacht werden. Wetzlar, den 15. Juli 1925. Der Kulturamtsvorsteher. 3- D.: Böhse, Vermessungsrat. 6903D Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Kindes sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Vernickelung sämtl. 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Wir beklagen deshalb den Verlust dieses vortrefflichen Mannes aufs tiefste und werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Hönningen a. Rh., den 16. Juli 1925. Aufsichtsrat und Vorstand des Kohlensäurewerkes „Deutschland“ A.-G.,Hönningen/Rh, 6907D Heute früh entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater und Schwager Herr Jobaon Georg M, Steiger i. R. im Alter von 73 Jahren. Christine Schön geb. Orth Verdingung einer massiven Drücke aus Bruchsteinmauerwerk und Detonplatte von 4 rn l. W. und 4,5 m Breite im Zuge des Wirtschaftsweges und öffentlichen Fußweges Hochelheim • Lützellinden über den Gott der Herr rief heute nacht */a12 Uhr meine liebe Frau, unsre gute Mu'ter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Katharina Conrad geb. Lindenstruth im Alter von 65 Jahren zu s'ch in die Ewigkeit. Heinrich Conrad Familie Otto Familie Arnold. Beuern, den 15. Juli 1925. Die Beerdigung findet Samstag, den 18. Juli, rach- mittags J/,3 Uhr statt. 6913D Neue MSW Kaiserkronen und Böhms allerfrlihe- kuklrolen Sie schon? Das heißt: Betreiben Sie systematische Fußpflege ? / Hierzu gehören- 1 Packung Kuklrol-Fußbad, 1 Dose ( Kuklrol-Streupuder und 1 Schachtel Kukirol - Hühner- Bullen-Submisfion. Die Gemeinde Wißmar hat einen schlachtreifen erstklassigen Vogelsberger Bullen zu verkaufen. Die Angebote sind bis zum Samstag, den 18. d. Mt., nachmittags 6 Llhr, verschlossen, unter Dullensubmission hier einzureichen. 6918D Wißmar, den 15. Juli 1925. Der Gemeinde-Vorsteher. Stroh. prima natzgestreckte WIM-M«« Nur einige Tage!! der altberühmte und bestbekannte Circus Verloren. Eine braune SkMM mit Inhalt auf dem Hauptpostamt verloren. 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Am Montag verschied in Heidelberg plötzlich und unerwartet unser langjähriges Mitglied und Kamerad Albert Höß Wir werden dem so früh dahingeschiedenen Kameraden ein ehrendes Andenken bewahren. Rad-Club Germania Gießen I. A.: Rödiger. 6921c 1859-1909. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen Herrn Justizrat Or. h. c. Wilhelm Grünewald Kenntnis zu geben. Die Beerdigung findet Freitag, den 17. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet C tcud Cortv 2lltboff bietet tu einer Manege mebr und ein schöneres Programm als Circusse mit zwei Manegen and sanrauch mebr an Bcsuckerzab l. Der Kartenverkauf rin Zigarrcnbaud Cikmeier &Vocb, Marktplatz 15, har begonnen. Klein-Linden, den 16. Juli 1925. 05993 Rud. Rohrbach Hch. Volk Ldg. Schäfer Wwe. RiesenSpielplan von dem ein jeder sagt: Ser eöite Arcus ledl norti! Erstklassige Merdedressuren! Hobe Schule tn höchst. Vollendung! Grotze Raubtiergruppen! 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Ti ineben? pichen, bi( ■ J °tbu)jnX Michnell z, gemb i W* c r. d'i Donnerstag, 16. Juli 1925 Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Nr. 164 Zweites Blatt Neues zu schaffen, aber Wilde Nordsee — Wo bist du, Sturm? Gibst du nun endlich Sommerfrieden, tückische Nordsee? Und der rauhe Nord beginnt seinen Siegesgesang. Nicht gleich in voller Stärke, nein, langsam steigernd. Wie ein Meisterorganist, der Register auf Register zieht, bis in erhabener Majestät das volle Werk über die Menschen dahinbraust. Generalprobe bei Nacht! Wir stehen auf hoher Düne und blicken weit hinaus. Das Meer rast, der Sturm heult schaurig, schwarzgraue Zacken und Klüfte sind die Wolken, Sand peitscht unser Gesicht. Und immer wilder wird das Toben. neue Stil in den romanischen Ländern gefunden, wie in Italien, Spanien, Belgien und vor allem auch Frankreich, obwohl einzelne ganz von der lieber« lieferung abweichende, „innerlich" eingestellte Schöpfungen nicht übersehen werden dürfen, wie etwa das reizende Haus des Tourismus in der industriellen Le Style des Boches. Wanderung durch die Pariser Ausstellung. Von Manfred Wagner. Wohl jeder Fremde, der in diesem Jahre Paris besucht, wird sich mit besonderen Erwartungen zu dem riesigen Ausstellungsgelände begeben, das sich auf beiden Seiten der Seine zwischen Pont de la Concorde und Pont de l'Alma hinzieht, im Mittelpunkt von Paris, ist die „Exposition des arts d6co- ratifs et industriels modernes , wie sie amtlich heißt, aus dem Boden gewachsen. Fast alle bedeutenden Länder der Welt haben sich an dieser Ausstellung beteiligt, so daß man dort auf einem Flecke einen Auszug der gesamten modernen Baukunst vor sich hat. Betreten wir die Ausstellung vom Grand Palais aus durch die Ehrenpforte, so haben wir rechts den italienischen Pavillon mit vielen bunten Einlagen und einer endlosen lateinischen Inschrift Sturmflut! Schaum spritzt über den Sand. Schritt für Schritt dringt die Flut vor. An allen Ecken des Dorfes ertönen die Warnungshörner. Ihr durchdringendes tu—hu—u—u—t vermischt sich gruselig mit dem Geläut der Alarmglocken. Einheimische und Badegäste eilen zum Strand, um die Körbe und Hütten abzuschleppen, die Badekarren einzuholen. Es war höchste Zeit, denn schon klatscht und schlägt die Brandung an die Befestigungsmauer. Der Sand ist überspült. Wo eben noch stolze Burgen standen, wo groß und klein noch gestern in wohliger Urlaubsfaulenzerei Siesta hielt — da ist jetzt eine wilde, große, aufgewühlte Wasserfläche. Ein gigantisches Schauspiel! Immer aufs neue versucht die tückische Nordsee, den Menschen Land zu entreißen. Doch Woge auf Woge zerschellt. Die Steinmauer ist hart, die Steinmauer — in jahrelanger Arbeit geschaffen — trotzt den gierigen Riesenzungen der wütenden Wellen. Und der Mensch wird, klein, ganz klein. Er läßt in ehrfürchtigem Erschauern seine Blicke schwei'en weit hinaus bis dorthin, wo Himmel und Wasser verschmelzen. Er schrickt zurück vor der titanischen Brandung, die in rasender Wildheit Schaumkamm auf Schaumkamm gegen das Geste«n schleudert. Er hört aus des Orkans Siegesgeheul die Worte heraus: „Was bjft du, Erdenwurm." 15 Minuten später. Ein kleiner Schritt. Er führt vom Erhabenen zum Lächerlichen. Durch die Dorfstraße zum Bahnhof. Der Norddeutsche Lloyd hat seinen ersten Dampfer aus Bremerhaven geschickt. Vor dem Weftan- leger, den wir mit dem Feldstecher erspähen, schaukelt eine Nußschale hin und her, auf und nieder. Ein Kinderspielzeua? Nein: der „Delphin", „Sa- lon-Bäder-Dampfer^ seines Zeichens. Mit vieler Mühe legt er an, mit zwei Stunden Verspätung. Menschen — kleine schwarze Punkte — klettern in die Jnselbahn, die sich, umständlich ruckelnd, gegen Wind und Wetter zum Bahnhof vorarbeitet. Ein — Lazarettzug. O, ihr Armen, Geplagten, die ihr über die Trittbretter hinabklettert! Kalkweiß die Gesichter, müde und schleppend die Bewegungen, schmerzlich gefaltet die Stirnen. Jeder Zoll der Stlei» düng eine schreiende Erinnerung an seekranke lieber« fahrt. Wie müßt ihr gelitten haben! Und der Sturm rast weiter. Sonntagmorgen! Sturmsonntag. Es ist, als ob die Insel in Stücke gerissen werden sollte. Mit unbändiger Kraft kämpft der Orkan gegen alles, was sich ihm entgegenstellt. Die kecken Sommerfrischler, die sich aus den Häusern wagen, kommen nur im Schneckentempo vorwärts. Die Fahnen auf den Masten werden zu Fetzen: die paar kümmerlichen Bäume und Sträucher, die die friesische Erde tragt, schwanken ohnmächtig hin unb her. Es ist, als wollten die leichten Sommerhäuser jeden Augenblick zusammenkrachen. Das Meer rückt dräuend näher und naher. Aufgewühlt im Innersten. Mannshohe Wellen gischten auf in schäumendem Zorne. Die unendliche Wassermasse wälzt sich gespenstisch-unheilverkündend über die Buhnen dem Dorfe zu. Neue Sommergäste sind gekommen. Mit ihnen Sonntagsausslügler aus Bremen und Bremerhaven, die schon nach vier Stunden, am Spätnachmittag, wieder heimwärts wollen. Die blasse Angst guckt ihnen aus den Augen, als sie zur Abfahrt rüsten. Wird's wieder eine Schreckensfahrt werden wie am Morgen? Das Bähnchen dampft ab. Man winkt Freunden und Bekannten ein letztes „Gute Fahrt!" zu und denkt im stillen: ,Lu beneiden seid ihr nicht." Und nach zwei Stunden sind alle wieder da. Der 3hg hat versucht, bis zum Anlegeplatz vorzudringen — da umspült die Flut die Schienen. Umkehr! Üeberfahrt aussichtslos. Die Reisenden sind gefangen auf der Insel. Und der Sturm rast. Und das Meer tobt.— Was soll werden? Am nächsten Morgen ein ähnliches Schauspiel. Abschiedsszenen auf dem Bahnhof. Abfahrt mit dem Züole. Das schleicht diesmal zwar bis zur Landungsbrücke. Aber jetzt streikt der Dampfer. Der „Delphin- hat sich, von den Wellen übertölpelt, giert auf eine Sandbank verlocken lasten. — Nach zwei Stunden feiern wir aufs neue Wiedersehen. Wenn die Nordsee stürmt.. Ein Reisebrief von Günter Schab. Auf Wangerooge, im Juni. über dem Tore. Man kann dieses Gebäude, dem jegliches Gegenwartsbewußtsein zu mangeln scheint, nicht als geschmackvoll bezeichnen. Italien sonnt sich noch immer im Glanze seiner lateinischen Urahnen und hottte das doch eigentlich gar nicht so nötig. Belgien aus der linken Seite zeigt sich mit einem Gebäude ohne jegliche Komposition, an besten Vorderseite eine Gruppe von Standbildern angebracht ist, die man in keiner Weise in Beziehung zum Ganzen bringen kann. Bei England verliert man gar völlig den Mut. Ein über und über mit kleinen, einander widersprechenden Einzelheiten verziertes Haus, bemalt mit schaurigen Farben. Das Ganze von einem Turm überragt, auf dessen Spitze sich ein grünes Segelschisfmodell wie ein großer Kirchenhahn wiegt. Hat man nach diesen Erfahrungen noch nicht alle Hoffnung verloren und wendet sich zu einem neuen Versuch nach links, so hört man sicher ganz leise Orgelklänge. Sie ziehen einen magnetisch zu einem Pavillon, der endlich einmal aufatmen läßt. Wie eine Oase wirkt dieses einfache, in seiner Konstruktion so klare österreichische Gebäude von Prosessor Hoffmann. Ohne Verzierungen, selbst ohne Fenster, sichern die vorherrschenden Senkrechten den Eindruck der Geschlossenheit. An den Wänden sieht man als einzige Erhebung die Namen verschiedener berühmter Oesterreicher. Drinnen ist alles in kräftigen, aber harmonischen Farbtönen gehalten. Noch immer spielt die Orgel, die man weithin hören kann, da ihre Pfeifen außen angebracht sind. Als das Hauptereignis der ausländischen Erzeugnisse aber dürste Holland zu nennen fein. An diesem Gebäude sieht man, was aus einfachstem Baustoff geschaffen werden kann. Zum Bau dienten in der Hauptsache nur Backsteine, Holz, glasierte Ziegel, Glas und geschmackvoll verwendete Farben. Vor dieser Offenbarung modernen Geistes bleibt alles stehen. Die Ehrlichen bewundern, ein Teil von Neidern krittelt. Zufällig fing ich die Kritik zweier französischer Architekten auf, die selber zur Ausstellung gebaut hatten. Aus deren Mund fiel die bedeutungsvolle Bezeichnung vom „style des boches", die in ihrer Schärfe klar den Gegensatz zu der sonst vielfach auf dieser Ausstellung vertretenen Bauweise ausdrückt. Sämtliche europäischen Gebäude zeigen entweder diesen neuen Stil oder jenen alten, och, so traurigen Nachfahren der Renaissance, den überhaupt noch auf dieser Ausstellung vorzufinden so viele in Erstaunen versetzt haben mag. Es ist sehr bezeichnend, daß die Franzosen jenen neuen Stil den Deutschen zuschreiben, obwohl wir doch gar nicht auf der Ausstellung vertreten sind. Und doch ist die Erkenntnis richtig, daß jener Stil mit Deutschland in engstem Zusammenhang steht. Man denke an den Stuttgarter Bahnhof, das Hochhaus in Köln, das Chilehaus in Hamburg u. a. m., und man wird das, was bei vielen so urteilenden Franzosen nur hypothetisch ist, in Wirklichkeit vor« finden. Worin unterscheidet sich nun jener neue Stil so einschneidend von den bisher üblichen? Um es ganz kurz anzudeuten: durch den Verzicht auf alles, was nicht unbedingt notsächlich zum Ganzen gehört, so z.D. jede von außen herangebrachte Verzierung, die mit dem eigentlichen Wesen des Baues nichts zu tun hat, sondern nur an sich nichtssagende Bauten anziehend machen soll. Verlangt wird, daß jedes Gebäude von innen nach außen gebaut werde^ wobei dann die inneren Verhältnisse die äußere Form bedingen .Baute man früher einen viereckigen Kasten, grenzte drinnen Zimmer ab und klebte draußen ein paar Schnörkel als Verzierung an, so legt man heute Wert auf die Beziehungen der einzelnen, schon vorher in ihrer Art festgelegten Räume zueinander. |a.v v i bi naben ungarischen Grasen den Boden wohl vorbereitet, als sie am 6. Juli den Kanzler auf suchten, der Herrn Zimmermann zu seiner Seite« hatte. Da es vor allem darauf ankam. den bedenkenreichen Kanzler nicht stutzig zu machen, vermied Graf Hoyos hier den forschen Ton. Cs war nicht schwer, aus dem Kanzler eine wennschon abgeblaßte Wiederholung der gestrigen Meinungsäußerungen des Kaisers und Zimmermanns herauszuholen. Bor allem waren die beiden Diplomaten darüber erleichtert, daß Dethmann die verfänglich« Frage nicht stellte, was sich denn Oesterreich von den beabsichtigten Sühncmaßregeln an bleibendem Gewinn verspräche? Der Kanzler glaubte besonders klug zu handeln, indem er diese Frage gar nicht an- schnitt. Mit schwerem Herzen ging er in die neue Dalkankrisis ein. Sie war unvermeidlich. Aber die Krisis würde, so meinte Dethmann-Hollweg, um so leichter verlaufen, je weniger Deutschland sich einmischte. Auch hierfür glaubte der Kanzler in den früheren Balkankrisen das genau zu befolgende glückliche Borbild zu haben. Auch damals hatte die Ziellosigkeit der Wiener Politik zu Tage gelegen, und trotzdem hatte auch damals eine gewisse Rückendeckung durch Deutschland Oesterreichs bange und gepreßte Lage erleichtert. Auch jetzt wieder mußte man es der befreundeten Regierung selbst überlassen, zu bestimmen, ob und wie sie glaubte in den Dal- kanschwierigleiten ihr Prestige zu behaupten. Die offenkundige Mäßigung, welche die beiden von Wien überbrachten Schriftstücke atmeten, und der begründete Zweifel, ob die Wiener überhaupt beei ihrer Aktion viel erreichen würden, ermöglichten und empfahlen eine weitgehende Zurückhaltung für Deutschland in konkreten Ratschlägen. Solche Ratschläge, wie die Sühneaktion zu gestalten sei, hätten nur eine Mithaftung Deutschlands für den Erfolg begründet. Rur auf das eine drängte der Kanzler: daß die Aktion ihren ausgesprochenen Sühnecharakter bewahre. Die Krisis mußte gemildert werden, je mehr der Sühnezweck unmißverständlich hervortrat. Dazu gehörte einmal schnelles Handeln. Je mehr Zeit zwischen dem Mord und dem Sühneverlangen verstrich, um so eher konnten die kriegslustigen Elemente in der Entente den Anlaß der Aktion verdunkeln und ihr andere Beweggründe unterschieben. Reben der Schnelligkeit des Handelns aber diente es zur Entgiftung der Lage, wenn Oesterreich-Ungarn allein handelte und Deutschland sich möglichst zurückhielt. Es blieb ununtersucht, ob tatsächlich die Beweise für die Mitschuld des serbischen Staates so schlüssig seien, wie der Kaiser nach Szöghenys 'Mitteilungen im Widerspruch zu dem Handschreiben annahm. Ununtersucht blieb die Umgrenzung der Wiener Sühneforderungen, und ununtersucht blieb vor allem die Frage, ob die Aktion nicht besser doch durch Deutschland vorbereitet werden müßte. Die Aktion wurde nicht zu Ende gedacht. Berchtold und seine Leute wünschten das nicht. Wilhelm II. und Dethmann konnten es nicht, und von Tisza wußten sie nichts. Ihnen blieb dunkel, was man in Wien eigentlich zu erreichen hoffte und in concreto bezweckte. Sie erkundigten sich nicht: sie wünschten es lieber gar nicht zu wissen. Diese Frage „entziehe sich der Kompetenz Deutschlands", meinte der Kanzler in seinem Deamtenstil. Er wollte den Wienern die Berantwortung abnehmen. Das Klarheitsbedürfnis des Staatsmannes ging ihm ab, er war auch bisher mit Unklarheit durchgekommen. Bon allem, was der Kanzler sagte, kam es seinen Besuchern vor allem auf Eines an: Daß Deutschland den jetzigen Zeitpunkt für ein Einschreiten gegen Serbien empfehle. Diese Meldung heimzubringen, war der Grund und bei dem aufgewendeten Geschick auch das Ergebnis der Informationsreise des Grasen Hoyos nach Berlin. Zum Kronprinzenufer zu- rückgekehrt, depeschierten die Diplomaten sofort an Graf Berchtold, der Kanzler habe erklärt, uie deutsche Regierung stehe aus dem Standpunkt, daß w i r beurteilen mühten, was zu geschehen hätte, um unser Verhältnis zu Serbien zu klären: wir können hierbei, wie auch immer unsere Entscheidung ausfallen möge, mit Sicherheit daraus rechnen, daß Deutschland als Bundesgenosse und Freund der Monarchie hinter ihr stehe. Graf Ezögyenh fügte hinzu: „Im weiteren Derlauf der Konversation habe ich fest- gestellt. daß auch der Reichskanzler ebenso wie fein kaiserlicher Herr ein sofortiges S i n- schreiten unsererseits gegen Serbien als radikalste und beste Lösung unserer Schwierigkeiten am Balkan ansieht." Obwohl die lange Depesche nicht ganz verbergen konnte, daß der Hauptteil des Gesprächs sich um die diplomatische Aktion in Sofia, Bukarest usw. gedreht hatte, kam es den Berfertigem wie dem Empfänger der Depesche in Wirklichkeit doch einzig auf die Worte an, die, um Tisza besser in die Rügen zu leuchten, allein gesperrt wurden: „ein sosortiges Einschreiten unsererseits gegen Serbien". ilnb nun keinen Tag mehr verloren: Schon zum Dienstag, dem 7. Juli, ist Tisza nach Wien bestellt. Graf Hoyos wird die telegraphischen Meldungen mündlich passend ergänzen. Unterstaatssekretär Zimmermann aber schrieb am 6. Juli an Botschafter von Tschirschky in Wien einen Dries, wonach es für das Klügste erachtet werde, den Oesterreichern überhaupt keinen Rat zu erteilen, schon damit die Wiener Regierung nicht etwa nachträglich uns und unsere Ratschläge dafür verantwortlich machen, könne, wenn die serbische Frage nicht eine ihren Wünschen entsprechende Regelung finden sollte. Wie sehr hatten die Bundesgenossen aneinander vorbeigedacht: Uns liegt unmittelbar nichts an der serbischen Frage, sie ist Oesterreichs Sache, meinte Herr Zimmermann, ob das österreichische Prestige den Einmarsch fordert, hat Wien, nicht Berlin zu beurteilen. Graf Hoyos freute sich des Erfolgs, die Deutschen an dem Leitseil des unausgesprochenen Dorwurfs mangelnder Bundestreue gebunden anzubringen. Herr Zimmermann freute sich gleichzeitig, daß Deutschland keine Berantwortung übernommen und freie Hand behalten habe! Aber er hat vergessen, den Brief, worin er das ausführte nach Wien zu schicken, vielmehr ihn im Jahre 1917 in einer Schieblade seines Amtsschreibtisches im fertigen Umschlag wieder vorgesunden, als er nach dem Eintritte aller Weltmächte in das Weltmorden im dritten Kriegsjahr das Amt verließ und sein Zimmer für den Rachfolger räumte. 3m übrigen aber ist. was Dethmann und Zimmermann am 6. Juli versäumten, in den folgenden Wochen durch Tisza und Jagow noch vollkommen nachgeholt worden. Die verfängliche Frage: Was man mit Serbien zu tun gedenkt? wurde mit aller Schärfe und Klarheit gestellt und dahin beantwortet, daß Oesterreich-Ungarn keine Qlnnefionen vornehmen dürfe. Mit diesem Beschluß, die territoriale Jntegri- tät Serbiens trotz der Sühneaktion zu wahren, war für die Entente jeder gerechte Kriegsgrund entfallen, und nur wenn die Entente den Krieg unbedingt wollte, auch ohne eigentlichen Grund und beim schlechtesten Dorwand, konnte es zu einer europäischen Katastrophe kommen. selbstverständlich geworden ist. _ ... ; , zwar fast alle Länder, etwas 9li '' eine Fortsetzung der früheren Bauart in etwas anderem Gewände. Am wenigsten Eingang hat der Schaut man sich die Gebäude der Pariser Ausstellung unter diesen Gesichtspunkten ein, so findet man den neuen Stil eigentlich noch recht vereinzelt, obwohl er doch schon gegen Ende des vorigen Jahr- huederts aufzukommen begann und heute in man« chen Ländern, wie z. B. gerade in Holland, gang selbstverständlich geworden ist. Es bestreben sich Swtnifcaiill4< Schutz, o i-i . Copyright dy Fritz ft em. Sonn Die vorhergehenden -ariaa h gezeigt, wie der Kaiser unter der Wiener Einwirkung au dem Entschluß kam, den Bundesgenossen den Rücken zu decken, obwohl deren Pläne gegen Serbien noch keineswegs klar waren. Au- der Vortrag des Kanzlers am Rachmtttag des 5. Juli 1914 hatte diesen Entschluß nicht verändert. 5. ®raf Hoyos' (Erfolg. In der österreichisch-ungarischen Botschaft zu Berlin wurde an diesem Abend der Bericht verfertigt, den Graf Hoyos für seinen Meister benötigte. Die Berechnung auf die Werte Ehre, Treue Beileid und Recht war voll gegluckt: darüber hinaus mußte nun Berlin gegen Buda- pest ausgespielt werden. In Diplomatenberichten wird der Drang zu schlichter und vollständiger Wiedergabe des Geschehenen nicht selten gezügelt durch Auswahl- und Darstellungsprinzipien, die aus psychologischer Kenntnis der wenigen Leser genommen sind, für deren Beeinflussung die Berichte versaht werden. Am Ballplah besaß man eine alte Kunst im Glätten, und schon am 4. Juli hatte man es dort verstanden, dem Kaiser Franz Josef und dem Grafen Tisza eine den wirklichen Ansichten des Botschafters v. Tschirschky merkwürdig widersprechende kriegStreiberische Aeuherung desselben aus apokryphen Quellen vorzulegen. Aber was nun Szögyenh und Hoyos am Abend des 5. Juli von Berlin nach Wien telegraphiert haben, bedeutete noch einen viel größeren Fortschritt in der Linie des Grafen Berchtold zur Erschütterung der Stellung des Grafen Tisza. Wenn Tisza diesen Bericht las, so erhielt er das Bild, daß der deutsche Kaiser nach der Lesung der so zahmen Wiener Schriftstücke den Krieg gegen Serbien geradezu gewünscht und gefordert habe. Weggelassen war in diesem Bericht sorgfältig das gesamte Angabengerüst, mit dem Szögyenh in Potsdam gearbeitet hatte. Wcggelassen war, daß die Untersuchungsergebnisse die amtliche serbische Mitschuld erwiesen hätten: weggelassen die Mitteilung, daß in Wien angeblich schon kriegerische Entschlüsse gefaßt seien: weggelassen, daß Wien erst diplomatische Dühneforderungen stellen und nach deren Ablehnung einmarschieren wolle. Weggelassen muhten alle diese Angaben schon natürlich deshalb werden, weil sie garnidjt stimmten und Tisza nicht übel ausgesahren wäre, wenn er entdeckt hätte, auf welche Prämissen man den deutschen Kaiser geschraubt hatte. Aber indem man diese ganzen Prämissen wegließ, stand nun zugleich auch der deutsche „Kriegswille in nackter Größe da, sozusagen aus sich selber stammend, ein unausweichlicher Dorwurf für den Pazifisten in Budapest. „Der deutsche Kaiser würde es bedauern, wenn wir den jetzigen für uns so günstigen Moment ungenützt ließen." Ist dieser Wunsch als Antwort auf das unbestimmte Gerede der Schriftstücke nicht fast soviel wie ein Befehl? Keine Silbe vom Abwarten der Untersuchungsergebnisse. von völkerrechtlich vorsichtigem Wägen, überhaupt kein Derweilen bei Einzelheiten, sondern die Generalorder: „Auf! Los! Rasch!" So stellte man den Kaiser Wilhelm dem Grafen Tisza bar. Aber der Kaiser ist nicht die verantwortliche Regierung. Bevor Graf Hoyos von Berlin abreift, muß er .au<$> noch einen Bericht über Herrn v. Dethmann-Hollweg bringen. Dazu diente ihm der 6. Juli. Cs ist anzunehmen, daß, wenn Herr von Dethmann-Hollweg von den Meinungsverschiedenheiten gewußt hätte, die zwischen den Grasen Derchtold und Tisza bestanden, er sich tief erleichtert auf die Seite Tiszas geschlagen hätte. Einem wie es schien zur Aktion grundsätzlich entschlossenen Oesterreich gegenüber glaubte der Kanzler die ebenfalls grundsätzliche Rückendeckung nicht versagen zu dürfen. f rieben? Da kommt Antwort. In bie\ Sonnenglast des Samstagnachmittags hinein fährt kaum merklich eine leichte Brise. Die Fähnchen und Wimpel der 2and- burgen und Stranbförbe regen sich. Ein wenig nur, bann etwas lebhafter. Sie horchen auf wie bie Menschen, bie verschlafen unb wohlig-behaglich im pulvertrockenen weißen Sank) ruhten. — Nordwind! Und weiße Wölkchen. Da sauchts auf einmal über bas Wasser her, treibt dunkle Wolken blitzschnell zusammen, peitscht hinein in die Flut: Tempo, ihr Wogen, Tempo! Unb bie Sonne verhüllt ihr Haupt. Aus bem Klarblau bes Himmels wird ein leichtes Grau. Kampsesfroh schieben sich bun- felgraue unb schwarze Massen vor, drohen, drängen, jagen sich in wilder Wut, schlucken jedes Helle Fleckchen erbarmungslos. Die Reisenden stürmen bas Verkehrsbureau von Wangerooge. Ein Generaldirektor, der zu einer wichtigen Sitzung nach Berlin fahren wollte, mehrere Kaufleute, deren Geschäfte ohne bie Leiter brach liegen, Bureauangestellte, bie nur über Sonntag abkommen konnten — alle sitzen fest auf uaferer Norbseeinsel, völlig abgeschnitten von ber großen Welt. Die Carolinensieler Fähre hat sich schon bei Tagesanbruch burch bas Wattenmeer gekämpft und fährt heute nicht wieder, bie paar Plätze im Flug» zeug sink) längst besetzt. — Was tun? Die (frrMung ber unfreiwillig Gefangenen steigt von Stunk» zu Stunbe. Unb bie Norbsee brüllt, unb der Sturm tobt. Es ist ein unheimliches Gefühl, auf biefem verlorenen Posten hier braußen zu sitzen. Da — enblich, am Nachmittag — verminbert ber Norb seine Gewalt. Die Wagen sinken zusammen. Der Gemeinbebiener klingelt die freudige Botschaft aus: Abfahrt nach Bremerhaven! Zum drittenmal: Ade! Da fährt der „Delphin". Aber er schaukelt doch noch bedenklich. Glückliche Heimkehr! Unb wieber Sonne! — Der Strank) sieht aus wie ein Schlachtfelb. Schlick, Tang, zerfetzte Fahnen, zerborstene Latten. Da lugt bie Sonne burch bie Wolken. Unb schon eilt groß unb klein hinunter ans Wasser. Eins, zwei, brei werden Körbe unb Zelte neu aufgebaut. Neue Fähnchen werben ausgezogen, Sanbwälle erstehen, noch viel höher unb schöner als bie alten. Ueberall eifrige unb frohe Ferienarbeit. Kinber quirlen zwischen ben Erwachsenen hin unb her, lassen ihre Schiffe im Wasser schwimmen, schippen unb schaufeln, backen Sanbkuchen. Das Stranbieben in seiner primitiven unb darum so echten Fröhlichkeit ist in vollem Gange. Und bie Sonne lacht dazu. Erst ein bisserl griesgrämig. Doch bann schickt sie den Menschenkindern ihre schönsten unb wärmsten Strahlen. Die Sonne scheint, bie Sonne wärmt, gleißt, blendet, brennt, glüht. Tag für Tag. Der Strand- fanb hat Höchsttemperatur. Tag für Tag. Die Nordsee plätschert träge. Zieht sich zur Ebbe, still unb versonnen schlürsenb, tief in sich selbst zurück, rollt bei Flut fast widerwillig schwerfällig vorwärts, über das Watt, das durch Stunden ausgetrocknet lag wie Stein. Das Strandgras steht starr. Kein Lüstchen regt sich. Auf ber Insel ist große, weiche, weite Sommerstille. Tag für Tag. Ibeales Urlaubswetter! — schläfst bu? Tückische Norbsee — gibst bu Sommer- Der „Potsdamer Kronrat". Eine psychologische Skizze. "on Prof. Dr. Abteilung. Gerade bei den für bestimmte Zweige der Industrie errichteten Pavillons wäre es eine dankbare Aufgabe gewesen, in jenem mehr auf das Wesen der Sache bedachten Stil zu bauen. Statt dessen versuchen sich die französischen Architekten in oricntalisierender Goldschaumverzierung oder verdecken nicht ganz Einwandfreies durch üppige Blumenanpflanzungen. Als Schlimmstes dieser Art erscheint uns jener Basar auf der Alexanderbrücke, der sich in Zickzacklinien die ganze Brücke entlang zieht. Man sieht jedoch, daß auch die in dieser Weise experimentierenden Völker etwas Neues suchen, sich aber vorläufig, da sie den Weg noch nicht gefunden haben, mit unstetem Hin- und Hertasten begnügen, während die Gebäude im „stnle des boches" so selbstverständlich und groß in ihrer Einfachheit dastehen und durch die Bejahung des Baustoffes, an dem es nichts zu verschleiern gibt, so wahr wirken. Muß man da nicht unwillkürlich an die Zeit der Gotik denken, die auch von demselben Gedanken beseelt war: dem Bauen von innen nach außen, dem Wesen des zu errichtenden Hauses entsprechend mit Granitblöcken? Wurde nicht auch damals jener Stil nach den nordischen Völkern, in denen er zuerst aufkam, „gotisch" mit dem Unterton der Minderwertigkeit genannt? Heute sind es wieder genau dieselben Völker, die im „style des boches" bauen, wie die, welche einst die Gotik schufen. Wäre nun der „boche" nicht an und für sich schon ein Schimpfname, vielleicht würde er dann später einmal ebenso wie „Gotik" ein Ehrenname, der Ehrenname für den Stil der heutigen gotischen Wiedergeburt werden. Turnen, Sport und Spiel. Carl Reuter vom T. V. 1846 erster Sieger beim Kikiaui-Turufeft iu Würzburg. Am Samstag fand in Würzburg das Kilianivolksfest, verbunden mit Turnerwettkämpfen, statt. Die Turnwettkämpfe, die offen für ganz Deutschland waren, wickelten sich flott ab, es wurden hierbei vortreffliche Leistungen gezeigt. In der zweiten Stufe unter 300 Mitbewerbern gelang es dem Turner Karl Reuter v. Tv. v. 1 8 4 6 Gießen den 1. Sieg mit 128 Punkten vor Heißer-Karlsruhe zu erkämpfen. Albert Hofmann, ebenfalls r>om Tv. 1846, errang den 7. Sieg. Dem ersten Sieger wurde ein wundervoller Eichenkranz sowie eine Plakette aus Marmor überreicht. 3n der 1. Stufe errang den 1. Sieg der vierfache Deutsche Meister Fritz Kurz vom MTV.- München. Das Fest hatte einen Besuch von mindestens 45 000 Menschen aufzuweifen. Erfolge des Turngaues Hessen beim Feldbergturnen. (Eigener Schluß-Bericht des „Gieß. Anz.") 2< Rachdem es den Bemühungen unseres Mitarbeiters gelungen, auch einen Einblick in d-ie Siegerliste der Oberstufe zu erhalten, können wir nachstehend in Ergänzung unseres Berichtes in Rr. 148 des «Gieß. Anz. , der die Erfolge unseres Gaues Hessen in der 41nterftufe, der Turnerinnenstufe und in der Altersstufe wiedergibt, unsere Leser auch mit den noch fehlenden Ergebnissen in der Oberstufe bekannt machen und anschließend das Gesamtergebnis des Gaues Hessen beim 72. Feldbergturnen zusammenstellen. Oberstufe (336 Bewerber, 211 Sieger): 1. Sieger K. Kurt, Tv. Bieber, 90 Punkte: 2. T. Spieler, Tv. Damm-Aschaffenburg, 87 P.: 3. 3. Greif, Tv. Völklingen (Saar), 85 P.; 12. K Bernhard, Tv. Rieder-Wöllstadt, 74 P.; 17. H Gabler, Tgm. Friedberg, Willi Gartenschläger, Tv. 1846 Gießen, 69 P.: 22. Kurt Walter, Tv. Treis a. d. Lda-, 64 P.; 24. Kuno May, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 62 P.; 28. H Reuser, Tv. 1846 Gießen, F. Decker, Tv. Sinn (Lahn-Dill-Gau), 58 P.; 29. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 57 P.; 31. H. Mörler, Tv. 1860 Bad-Rauheim. A. Heldmann, Tv. Gladenbach, 55 P.; 32. K. Blatz, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 54 P. Zusammen hat der Gau Hessen in diesem 3ahre 52 Siege beim Feldbergturnen errungen: 10 in der Oberstufe, 34 in der Unterstufe, einen beim Altersturnen und 7 im Wettkampf der Turnerinnen. Gin sehr erfreuliches Gesamtergebnis, das nicht zurücksteht hinter den Erfolgen der Vorjahre, sogar die in den letzten 3ahren beobachtete Durchschnittssiegerzahl unseres Gaues noch etwas übersteigt. Rachstehende Zusammen st ellung verteilt die Erfolge des Gaues auf die beteiligt gewesenen Gauvereine O.: Oberstufe, 11.: Unterstufe, 21.: Altersturnen, T.: Turnerinnen): Tv. 1860 Dad-Rauheim (3 O., 6 41., 3 T.): Tv. 1846 Gießen (2 O., 5 41.); Mtv. Gießen (1 Ot, 3 41.., 2 T.); T. u. Spv. Butzbach (5 41., 1 T.); Tgm. Friedberg (1 O., 3 41., 1 T.); Tv. Rieder-Mörlen (4 41.); Tv. Kirchhain (3 41.); Tv. RiederWöll- stadt (1 O., 1 41.); Tv. K l e i n ° L i n d e n (1 41., 1 21.); Tv. Treis a. d. L. (1 O.); Tv. Wallenrod (1 41.); Tv. Ober-Mörlen (1 41.); Tgm. Marburg (1 41). Wir beglückwünschen die erfolgreichen Vereine, die die Farben unseres Gaues wieder so würdig auf der alten Kampfstätte des Feldbergs vertraten, zu diesen schönen Ergebnissen, die fie für den Gau errungen haben. Die Erfolge verdienen deshalb besondere Anerkennung, weil sich beim Feldbergturnen die besten Volksturner aus den 25 Gauen des Mittelrheinkreises und benachbarter Turnkreise treffen und aus den großen Städten des Mittelrheinkreises, wie Franlfurt a. M., Offenbach a. M.. Hanau, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt usw. immer besonders gut geschulte Kräfte als Mitkämpfer um den Eichenkranz in sehr großer Zahl vertreten sind. Wenn trotz starker Konkurrenz der 15. Teil der beim diesjährigen Feldbergturnen ausgegebenen Siegerurkunden auf den Gau Hessen entfallen, so darf er auf diesen Erfolg besonders stolz sein. Gut Heil! Die Erfolge des Gaues Hessen (D. T.) im Gauverband. (Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".) 2$. Die Vvlksturner, die in diesem 3ahre gelegentlich des Kreisturnfestes in Gießen mit um die Kreisrneisterschast in Öen volkstümlichen 41ebungen kämpfen wollen, hatten sich im 1. Gauverband (Gaue Hessen, Frankfurt a. M., Offenbach-Hanau, Main, Kinzig) einer nochmaligen „Prüfung" zu unterziehen, nachdem in den Gauen durch Ausscheidungskämpfe (für den Gau Hessen fanden diese in Marburg statt, über ihre Ergebnisse haben wir ausführlich berichtet. Die Schriftltg.) die Besten festgestellt worden waren. 41nter Leitung des Verbandswarts für das Dolksturnen, Burkat - Frankfurt a. M., fanden die Kämpfe in Hanau statt. Don rund 200 Teilnehmern aus 36 Vereinen des Gauverbandes waren ungefähr 300 Meldungen dazu abgegeben worden. Besonders beteiligt waren die Frankfurter, Offenbacher und Hanauer Vereine. Vom Gau Hessen war Turnverein 1 8 6 0 Bad--Rauheim am stärksten und auch erfolgreichsten vertreten, ein Verein, der auf dem Gebiete des Volksturnens zur Zeit mit als führend im Gau genannt werden kann. Von Einzelleistungen verdienen die mehrfachen glänzenden Erfolge von Leutnant Münch vvm ebenfalls zum *® au Hessen zählenden Verein für Leibesübungen (Marburg) besondere Erwähnung, zumal der Genannte im Sechs- und Zehnkampf mit 80 bzw. 100 Punkten überlegen siegte. Leider waren einige Vereine des Gaues Hessen, die auf Grund ihrer Marburger Erfolge zur Beteiligung in Hanau berechtigt gewesen wären, kaum oder gar nicht vertreten, darunter auch die Gießener Turnerschaft, die auch in Hanau manchen Erfolg hätte buchen können. Richtbeteiligung zahlreicher Meister und Sieger aus den Marburger Ausscheidungskämpfen des Gaues dürfte Wohl auf die allenthalben im Gau verbreitete Ansicht zurückzuführen sein, wonach schon in Marburg über die endgültige Zulassung zu den Gießener Kreismeisterschaften entschieden worden sei. Die Hanauer Veranstaltung verlief echt turnerisch. Die Siege in der Meisterklasse berechtigen zur Teilnahme an den Kämpfen um die Kreis- meisterschaften beim Kreisturnfest in Gießen. 3n jeder Konkurrenz treten daselbst aus den 6 Gau- verbänden des Mittelrheinkreises die drei ersten Sieger an, so daß im allgemeinen sich in Gießen durchschnittlich 18 Mann in jeder Uebungsart um die Kreismeisterschaft bewerben werden. 3eht schon kann gesagt werden, dah die in den Ausscheidungskämpfen der Gaue und Gauverbände ausgelesenen Besten sehr interessante, spannende Kämpfe liefern werden. Rach den in Hanau gebotenen Leistungen darf mit ziemlicher Bestimmt- Fräulein Fob. Roman von Anders Eje. 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Tadellos. Bei General Burkardt aß ich einen Kaviar, über den ein Dichter einen ganzen Verszhklus hätte schreiben können." „Die Verdauung also?" „Fortwährend großartig, Alterserscheinungen überhaupt nicht vorhanden." Fob verbarg nicht ihre Unzufriedenheit. „Das ist nicht möglich. Da mag wer will Untersuchungsrichter über dich sein." Ärgerlich zerknüllte sie den Brief des unschuldigen Fellips zwischen den Fingern. Sie ahnte, daß das Garn irgendwo einen Ende haben müsse, an dem man den ganzen Knäuel ausspulen könne, — nur wußte sie nicht wo. Papa Filis Blicke folgten etwas abwesend dem Lichtspiel auf dem Boden der Veranda. Der Wind, der gerade im Begriff war, nach «einem Mittagsschläfchen wieder munter zu werden, bewegte fast unmerklich die federleichten Blätter der Ranken, und so schien es plötzlich, als ob die in brennendem Sonnengold ausgearbeitete Stickerei auf dem Boden von ungeschickter Kinderhand zerrissen würde. Ringsum hörte man lauter ländliche Geräusche, und weit fort in einem Winkel des Parkes stand Fräulein Thorbens Inspektor und pfiff seinem Hund. Gr gurrte wie eine Taube und schrie wie eine hungrige Möve, in langen 3ntervallen. Aber das Hundevieh kümmerte sich nicht darum, es folgte niemals. Fob hatte ein seltsames Gefühl der Angst. Es war ihr, als ob im nächsten Augenblick die Tränen kommen mühten. Da ging sie zu Papa Fili, legte ihre kleine Hand in die seine und wünschte nur, daß er die Stille brechen möge. Das tat er auch schließlich: „3d) fürchte, ich bin einer unangenehmen Wahrheit auf den Grund gekommen," sagte er leise, beinahe für sich. „Und das wäre?" fragte Fob. „3c älter ein Mensch wird, desto schwerer kann er vergessen." Papa Fili drückte seiner Tochter die Hand, erhob sich — nicht ohne Schwierigkeit — und ging in die Villa, während die morschen Dielen des Bodens der Veranda unter den schweren Schritten der Exzellenz jämmerlich knirschten. Fräulein Fob war aber gar nicht zufrieden. Was meinte Papa Fili? „3e älter ein Mensch wird, desto schwerer kann er vergessen." Hatte ein vergessenes Gesicht ihm seine Augen zu- gewandt. spukte die Vergangenheit? Fob hatte das gleiche Gefühl, wie ein Arzt, der aus gewissen Krankheitsshmptomen ahnt, daß unser Organismus angegriffen ist. Da würde sie wahrhaftig nicht lange warten. Sobald sie die Diagnose klargestellt haben würde, — heraus mit Bem Messer oder der Medizin. Und wenn es jemanden oder mehrere gäbe, die Papa Fili zu Fall bringen wollten, — ja, diesen möchte Fob nicht gratulieren. Und die sollten ihr Tun bis zu ihrem Sterbetag Bereuen! Deim Mittagessen kam Leutnant Carlton mit einer Reuigkeit. Er war gerade aus der Hauptstadt zurückgekehrt, der er aus triftigen Gründen einen mehrstündigen Besuch abgestattet hatte; offiziell, um seinen Urlaub verlängern zu lassen, in Wirklichkeit aber wegen eines Wechsels, den er in Herrn Fellips' Bank in Ordnung zu bringen hatte. Bei der Abreise von Carolyi war ihm strengstens aufgetragen worden, die Zeit gut auszunühen, das bedeutete, dah er soviel Tratsch wie nur möglich auffangen solle, damit das neuigkeitenhungrige Carolyi wieder für einige Zeit zu leben hatte. Der Leutnant brauchte sich gar nicht viel anzustrengen, — der Besuch in Herrn Fellips' Bank gab ihm, was er suchte. Mit ein wenig Phantasie reichte das Erfahrene, etwas ausgeschmückt und aufgepuht, für ländliche Ansprüche vollkommen aus, besonders wenn Frau Repin ihn mit ihrem Talent unterstützen wollte. 41nd das tat sie auch. sagte Leutnant Carlton plötzlich laut. „Wer hätte solches von 3ames Kehler geglaubt?" Es wurde sofort still am Tisch. Fräulein Karoline Thorben hörte zu essen auf. „Hat er sich verlobt?" fragte sie streitlustig. Frau Repin lachte. heit erwartet werden, daß der Gau Hessen auch bei den Kreismeisterschaften einige Erfolge erringt, die dann zur Teilnahme an den am 29. und 30. August in Leipzig stattfindenden Ent- scheidungslämpfen um die deutschen Meisterschaften (der D. T.) berechtigen würden. Aus der umfangreichen Siegerliste der Hanauer Ausscheidungskämpfe bringen wir nachfolgend vom Meisterschaftsturnen einen Auszug, und zwar nur aus den Konkurrenzen, an denen der Gau Hessen mit Erfolg beteiligt war. Die Ergebnisse der 3ugendkämpfe lassen wir unberücksichtigt. Turner: Schleuderball: 1. Aug. Langsdorf, Tv. 1860 Bad-Rauhei m, 54,03 Meter. Kugelstoßen, bestarmig: 2. W. Münch, V. f. Leibesübungen, Marburg, 10,90 Meter: 3. 21. Langsdorf, Tv. 1860 Bad-Rau- heim, 9,85 Meter (der 1. Sieger erzielte 11,15 Meter). Kugelstoßen, beidarmig: 1. Wilh. Münch, V. f. L.. Marburg, 20,19 Meter. Hürdenlauf: 1. W. Münch, V. f. L., Marburg, 17,6 Sek. 100-Meter-Lauf: 3. K. Verlach, Tv. Wetzlar, 12 Sek. 2 00-211 eter-ßauf: 2. St. Baumblatt, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 24,3 Sek. (der erste Sieger erzielte 24 Sek.). 400-Meter-Lauf: 1. W. Altendorf, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 54,4 Sek. Diskuswerfen: 1. W. Münch, D. f. L., Marburg, 31,95 Meter; 3. Willi Gartenschläger, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 29,90 Meter. 1 500»Meter-Lauf: 3. K. May, Tv. 1860 Bad-Rauheim. Weitsprung: 2. W. Münch, V. f. L., Marburg, 6,25 Meter; 4. K. Gerlach, Tv. Wetzlar, 6,06 (6er erste Sieger erzielte 6,36 Meter). Speerwerfen: 2. R. Wiener, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 47,60 Meter (der 1. Sieger erzielte 47,95 Meier). Olympische Staffel: 2. Tv. 1860 Dad- Rauheim, 4 Min. 3 Sek. (1. Sieger war Tgm. Hanau mit 4 Min.). 'Sechskampf: 1. Wilh. Münch, D. f. L., Marburg, 562 Punkte. Zehn kam Pf: 1. W. Münch, V. f. L. Marburg, 905 Punkte. Turnerinnen. 5) o d) f p r u n g: 2. Minna Stoll, To. 1860 Bad- Nauheim, 1,37 Meter (die erste Siegerin erzielte 1,42 Meter). Kugel st oßen . 2. Anna Mörler, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 8,85 Meter (die erste Siegerin erzielte 8,98 Meter). Schlagballweitwerfen: 1. Anna Mör- ler, To. 1860 Bad-Nauheim, 49,80 Meter. Die oben genannten Turner und Turnerinnen werden, wie schon ausgeführt, den Gau Hessen im Wettbewerb um die Kreismeisterschaften beim Kreisturnfest in Gießen zu vertreten haben. Nur sie sind aus unserem Gaugebiet zu den M e i st e r - schaftskämpfen zugelassen. Dagegen können am volkstümlichen D r e i k a m p f, bestehend aus Kugelstoßen 15 Pfund aus dem Kreis, Weitsprung, 100-Meter-Lauf, sich auch Turner des Gaues beteiligen, die nicht an den Ausscheidungskämpfen teilgenommen. Die Toten der Deutschen Turnerschast im Weltkrieg. Die Deutsche Turnerschaft hat jetzt die ziemlich schwierigen und überaus umfangreichen Ermittlungen über die Zahl ihrer im Weltkrieg gefallenen Mitglieder abgeschlossen. Das Ergebnis lautet, daß die Deutsche Turnerschaft insgesamt 155 675 Turner verloren hat. Da die Gesamtzahl der Toten des deutschen Heeres rund 1,8 Millionen beträgt, so teilen mithin die damaligen Mitglieder der Deut- chen Turnerschaft allein etwa 8,6 Prozent des Ge- amtoerlustes. Das dürfte wohl die Höchstziffer fein, die auf einen einzelnen Beruf, Organisation oder Verband entfällt. Im einzelnen verteilen fidj die Verluste folgendermaßen aus die 15 Kreise der D.T.: Kreis 1 (Ostpreußen) 1247; Kreis 2 (Schlesien) 4986; 3a (Pommern) 2390; 3b (Brandenburg) 8518; 3c (Provinz Sachsen und Anhalt) 5831; 4 (Norden) 4717; 5 (Unterweser und Ems) 4669; 6 (Hannover- Braunschweig) 5933; 7 (Oberweser) 5286 ; 8a (Westfalen und Lippe 9537; 8b (Rheinland) 9045; 9 (Mittelrhein) 19237); 10 (Baden) 9666; „Ganz so skandalös ist es nicht, liebe Tante. Dafür aber um so geheimnisvoller." „Um nicht zu sagen, mystisch," ergänzte der Leutnant. „Erzählen," forderte Hauptmann Kassels tiefe Stimme auf. Fräulein Fob sagte nichts, aber sie war aufs äußerste gespannt. Herr Kehler gehörte zu jenen, von deren Rachsucht man alles erwarten durste, wenn Enttäuschungen oder verletzte Eitelkeit mit im Spiele waren. Auf Carolyi waren seine Pläne mehr als einmal durchkreuzt worden, un6 Fob wußte sehr gut, daß Kehler sich im Besitz gewisser Mittel wähnte, um seinen Wünschen Gehör verschaffen zu können. Der Leutnant, der den Genuß auskostete, die ganze Tischgesellschaft zu Zuhörern zu haben, legte sofort los. Der Exzellenz und seines eigenen Ansehens halber hielt er sich einen Augenblick bei den Ursachen seines Besuchs in der Bank auf. Etliche Wertpapiere, ein paar Dutzend Aktien der neuen Ost-Küstenbahn — hm! — um die man sich ein wenig kümmern mußte, die Abstempelung von einigen Aktien, kurz und gut — die Umstände erforderten einen kurzen Besuch in Herrn Fellips' Finanzinstitut. Also ... man tritt m die großartige Halle der Bank, die zu dieser Tageszeit von Leuten einfach wimmelt. Die fünf Minuten, die der Leutnant für die Bankgeschäfte veranschlagt hat, drohen zu fünfzehn, ja vielleicht zu zwanzig anzuschwellen. Ringsum flattert es von Banknoten, Schecks, Wechseln, Stempelpapieren, Abrechnungsblocks, Revisionsblanketten, AnrnelBungsscheinen ..... 3n zwei breiten Strömen, rechts und links der vergoldeten Galerie mit den 3nitialen der Dank fließt das Geld aus und ein, ein und aus. Vermögen werden in Sicherheit gebracht, Vermögen hinausgeworfen, einem ungewissen Schicksal entgegen. Firmennamen, große und kleine, bekannte und unbekannte, kreuzen einander, bei jedem Schalter sind die Leute haufenweise angestellt, an jedem Pult wird fieberhaft gearbeitet. Die Luft tönt wider von dem Schlachtenlärm der grohfinanziellen Kampffront, es ist ein sausender Wirbel von Stimmen, Rufen, Schritten, knisternden Papieren, vom Klang des Geldes und dem nie schweigenden Maschinengewehrfeuer aus H (Schwaben) 10 880; 12 (Bayern) 13 902; 13 (Thüringen) 13 823; 14 (Freistaat Sachsen) 20 850; Pfalz 5158. Die Deutsche Turnerschaft hat, wie die letzte Bestandserhebung zeigt, diese gewaltigen Seilufte bereits wieder ausgeglichen. Vergleicht man aber die Ziffern der eben beendeten Volkszählung mit der Zahl der in deutschen Turn- und Sportvereinen vereinigten Zahl von Mitgliedern und hier wiederum mit der Zahl der wirklich aktiven Turner und Sportler, so kann das Ergebnis eines solchen Vergleichs nur immer wieder dazu anspornen, daß in viel größerem Maße Deutschlands Bevölkerung sich der Pflicht bewußt werden muß, durch Turnen und Volkssport seinen Körper und damit seine Volkskraft zu stählen. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 13. Juli. Die Reisenden A. S. und W. S., beide in Offenbach, waren der Urkundenfälschung und des Betrugs angeklagt. Sie hatten als Sammler von Abonnementsversicherungen eine Anzahl Scheine mit Versicherungsanträgen mit fingierten Namen ausgefüllt und sie ihrem Oberreisenden abgeliefert, um dafür Vorschüsse zu erhalten. Die Beweisaufnahme ergab, daß dies mit Vorwissen und sogar auf Rat des Oberreisenden geschehe,, war. Nach den Bekundungen eines branchekundigen Zeugen handelte es sich um einen von Oberreisenden vielfach angewendeten Trick, der den Zweck hat, die für sie arbeitenden Unterreisenden durch Drohung mit Strafanzeige in abhängiger Stellung au erhalten. Tatsächlich waren die fingierten Bestellungen auch gar nicht an die ver- sichernde Firma weitergegeben worden; erst als die Reisenden sich selbständig machen wollten, wurden die Scheine mit der Behauptung, hier lägen strafbare Handlungen vor, eingeschickt. Unter diesen Umständen konnte von einer Täuschung und somit von Betrug und Urkundenfälschung nicht die Rede sein, und die Angeklagten wurden — dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend — freigesprochen. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 10. Juli. In der Nacht vom 30. zum 31. Januar kam es in der Kaiserallee dahier zwischen Zivilisten und drei Reichswehrsoldaten zu einem Zusammenstoß. Die Ersteren waren darüber erregt, daß sie von 2 Reichswehrsoldaten, die sie in der Dunkelheit für Kameraden hielten, angestoßen worden waren. Es entstand ein Wortwechsel, in dessen Verlauf ein Soldat einem Zivilisten einen Stoß vor die Brust versetzte, worauf Letzterer dem Soldaten ins Gesicht schlug, so dah er zu Boden fiel. Der Soldat sprang wieder auf und wollte an den Zivilisten, worauf dieser und einer seiner Begleiter gemeinschaftlich auf ihn einschlugen. In diesem Augenblick kamen zwei Polizeiwachtmeister, die auf einer Nachtpatrouille begriffen waren, hinzu und suchten die Streitenden auseinander zu bringen. Der eine Polizeibeamte forderte den Soldaten zur Angabe seiner Personalien und zum Vorzeigen seines Ausweises auf, was dieser aber trotz wiederholten gütlichen Zuredens ablehnte. Auch ein Hinweis darauf, daß er dann mit auf die Wache gehen müsse, blieb erfolglos. Die beiden Polizeibeamten waren daher gezwungen, den Soldaten zwecks Feststellung seiner Personalien auf die Wache mitzunehmen. Als sie ihn aufforderten, mit ihnen zu kommen, versetzte er dem einen Beamten einen derartigen Stoß, daß er von dem Bürgersteig auf die Straße zurücktaumelte und daß seine Mütze zu Boden flog. Daraufhin machte der Beamte seinen Gummiknüppel los und faßte den Soldaten am Arm. Dieser schlug sofort um sich, und die beiden anderen Soldaten, die fid) bis dahin mehr passiv verhalten hatten, drängten sich dazwischen, um ihren Kameraden zu befreien. Nunmehr blieb den Beamten nichts anderes übrig, als von ihren Gummiknüppeln Gebrauch zu machen, zumal der feftge» nommene Soldat inzwischen sein Seitengewehr gezogen hatte und die Wachtmeister damit bedrohte. Sie schlugen auf die Soldaten ein, es gelang ihnen aber nicht, den Soldaten festzuhalten, da die beiden anderen Soldaten diesem immer wieder zu Hilfe kamen. Schließlich benutzten die drei Soldaten den Augenblick, in dem dem einen Polizeibeamten der Gummiknüppel entfallen war, um davon zu laufen. Letztere eilten ihnen nach, konnten sie aber nicht einholen. Um sich der Feststellung ihrer Personalien zu entziehen, kletterten die Soldaten über die Mauer des Kasernenhofes. »r7i’2S33ce3EBBCTaneei Ben Batterien Ber Rechen- unö Schreibmaschinen, währenB bie Menge sich an allen Seiten Brängt, erhitzt von Ber Sucht, Bas Blut Bes goldenen Kalbes fließen zu sehen ..... Der Leutnant hat an zwei Schaltern sein Glück versucht, ohne Baß es ihm gelungen wäre, Bem Beamten einen Schritt näher zu kommen. Mißmutig, ärgerlich, schon halb entschlossen, die ganze Sache aufzugeben. — Bort wurBe er sich erst richtig Ber wunBerbaren ländlichen Stille auf Carolyi bewußt! — warf er einen letzten 41eberBlick auf die Möglichkeiten eines erfolgreichen Angriffes auf irgendeinen schwach geschützten Punkt der langgedehnten Bankfront. Dabei entdeckt er weit rückwärts im Saal einen Herrn, der er zu kennen scheint. Er steht vor einer schmalen Tür von blinkendem Mahagoni, die er halb geöffnet hält und spricht nad) innen mit einer der Allgemeinheit nicht sichtbaren Person, vermutlich einem Bankbeamten oder einem der Chefs, denn vor Ber Tür prangt eine Tafel mit silbernen Buchstaben: BankBirektion. Eine SekunBe später sieht der Leutnant, daß er sich nicht geirrt, — es ist Iames Keyler, der plötzlich Bie Mahagonitür schließt und mit einer Miene, als ob er hier völlig daheim wäre, auf den Chefkassier zugeht. Ein Irrtum ist ausgeschlossen, es gibt nur ein Gesicht mit diesem gelben Teint und diesen markanten korsikanischen Zügen. Der Leutnant macht eine Kunstpause, stärkt stch mit einem Schluck Rotwein und fährt dann fort: „Was ist natürlicher, als daß ich versuche, die Aufmerksamkeit des Freundes Keyler auf meine Person zu lenken? Teils bin ich neugierig, teils will ich meine Sache erledigt haben. Och richte also meine Anstrengungen dahin, mich dem Platz des Chefkassiers zu nähern, — unsere Blicke begegnen sich. Keyler grüßt, seine Miene ist vollkommen gleichgiltig, und als er sieht, daß ich etwas auf dem Herzen habe, kommt er freundlich näher. »Wie geht es auf Carolyi?" fragt er und reicht mir Bie HanB. (Fortsetzung folgt) t Hnj tcr9leid?f ln3erMte b, r “nb fi3Ln’it dir $ern un®??tt*«2 ,s eines flr?Cr mb jS.mlporrj ^J 5tr. Ms %,hX ,n- bah jn &**&"* Ä b M S'ZA ^-l ®khn ’ öören btt II', Unb ’ ""geklagt L ^en. !ru"flsonf?äJJ*J »ge ,nö l'e ihrem >«=£■», TM machen wollte? J5?“ iiphihn hi»>. r' ""eben :in«‘i&t Vf £?’■ E )t Gießen. 3n bet Nach, vom 30. J Katletaller dahier ' Reichswchtlolbaien w Weren waren darüber lchswehrsoldaten. die sie meraden hielten, onge- tt|MnÖ ein Wortwechsel, 1 einem Zivilisten einen - chorauf Letzterer dem so daß er zu Hoben der auf und wollte an r unb einer feiner Le. hn einschlugen. 5n bu> PollzeiwachlnMn, die drgrissen waren, hinzu auseinander zu dringen, rderle den Toldalen uir und xum Dorzeigen sei. lejer aber trotz wiederhol, lehnte. Auch ein hinwki» t auf bit Wache gehen ? beiben Polizeibeamien 'n Solbafen zwecks fftfti auf bie ÜBad/e mitzu« irderten, mit ihnen zu einen Beamten einen on dem Biirgecheia aus und dah seine Mütze zu mchte der Beamte seinen sohle den Soldaten am um sich, unb die beiden i bis dahin mehr passio sich dazwischen, um ihren unmehr blieb den Beam- als von ihren @ummi* idjen, zumal der feftge« n fein Seitengewehr ge> tmeister damit bedrohte, en ein, es gelang ihnen tziihalten, da die beiden immer wieder zu W t die drei Soldaten den nen Polizeibeamten der ar, um davon zu lausen. konnten sie aber nicht ststellung ihrer Persona. n die Soldaten über bit er unV und Schreibmaschine) an allen Seiten W tzgs -Blut des golden» , >r jung I1110 »ipei Schaltern fei» yHZ N»" °L„ch°g-'. Sxs'L blinkendem innCrt unÖ.K^tbaren LL'°nKS t und mit n fluf den Irrtum ftayeri Lernt mit dtest atfifanil^'1 ‘je stark er 118 H H» “il sSfctss Ä’ s* ä w 1* Vertreter des Darmstadt uni Börsenkurse. Berlin Frankfurt a.M. des „Gießener Anzeigers".) (Eigener Drahtbcricht 100 g Butter 100 g Zucker 500 g Mehl 2 Eier Wie billig sich die Törtchen stellen, kenn Jede Hausfrau selbst sehr leicht berechnen. als Vorsitzender des Verbandes der Vereine. Dazwischen erklangen immer wieder die Weisen der unermüdlichen Posaunenchöre, die es sich auch nicht nehmen ließen, nach Schluß noch einmal die festlich gestimmte Menge mit Musik zum Marktplatz in der Stadt zu geleiten, wo sich dann der Zug auflöste und alle zufrieden über das so schön und erhebend verlaufene Fest heim- würtS strebten. ten Hauptes mitsang. Es sprachen noch der Hauptvorstandes, Pfarrer M a r x - io Pfarrer Dock- Obermockstadl • Französischer S t a a t s a u f t r ag für die Vulkan-Werke. Wie verlautet, hat die französische Regierung den Vulkanwerken weiteren Angebot. Stabil lagen namentlich Vor» kriegsplandbririe. die Dotierungen lagen etwas über den Vorlagskurfen. Wirtschaft. Abbau in der rheinisch- westfälischen Eisenindustrie (Von unserem Essener Mitarbeiter.) ouyörec mögen D^g.o. c.t i.i t. buicy» brausten die Jtlänge der von Künstlerhand gespielten Orgel und die frisch gesungenen Choräle, sowie die beiden Massenchöre „Srunn alles Heils, dich ehren wir" und das liebliche, jedes Herz erfreuende und vollendet zum Vortrag kommende geistliche Volkslied „Schönster Herr Jesu" die weiten Hallen der Kirche, feierlich erklangen die vom Hochaltar gesprochenen Worte und Gebete und wechselten mit dem Gesang der Gemeinde ab. packend kam von der Kanzel die Festprcdigt von Psarrer R a u m a n n • Schwickartshausen, der es verstand, auf Grund des Apvstelwortes „Der Gerechte wird seines Glaubens leben" die gespannt lauschende Festgemeinde auf den Ton dankbarer Freude und heiligen Ernstes zu stimmen. Rach einer Koffcepause versammelten sich viele hunderte von Teilnehmern bei herrlichstem Welter auf dem Marktplatz am Kriegerdenkmal. Inzwischen war auch der Superintendent von Oberhessen. OberNrchenrat W a g n er . eingetroffen, von den Posaunenchören von Obermockstadt und Glauberg mit Musik an der Bahn empfangen und auf den Festplah geleitet worden, wo sofort die Äachvcrsammlung durch Musik, einen prachtvollen Drgrüßungschor der Schulkinder unter Leitung von Lehrer Roß und durch eine Ansprache des Ortsgeistlichen eröffnet wurde. Mafsenchöre und Cinzelchöre der Kirchenge^ang- vereine und des Männergefangvereins „Frohsinn" wechselten nun in bunter Reihenfolge ab mit Ansprachen des Superintendenten und des Dekan-, und führten zum Höhepunkt der Versammlung, der Festansprache von Hofprediger Widmann- Gedern über „Heimat und Vaterland". Machtvoll brauste das Hoch auf Heimat und Vaterland über den Festplah und hallte wieder von den Vergen und wurde ausgenommen von dem Deutschlandlied, das die Menge entblöß- Zutaten: 1 Tasse Milch I Päckchen Dr. Oetker s Backpulver „Backin“ Saft u. Schale ein. Zitrone Berlin, 15. Juli. Der Produktenmarkt hatw bei stillem Gefcl)äst nachgedende Preise. Die weitere gute Wetterlage läßt eine Beschleunigung der Ernte erwarten. Für Weizenmehl und Futtcrarlikel bestand geringes Interesse. Es tour» den notiert für 1000 Kilo- Weizen. Juli 263,50 bis 264, Roggen, märk. 223 bis 226. do. Juli 219,50 bis 219, Wintergerste 192 bis 197, Futter» gcrste 200 bis 215. Hafer, märk. 233 bis 243, do Juli 189 bis 189,75. Mais, loko Berlins 214 bis 215, Raps 340 bis 355; für 100 Kilo: Weizenmehl 33,50 bis 36. Roggcnmehl 30,75 bis 33. Weizenkleie 12.80, Roggenkleie 13,30 bl« 13,40, Diltoriaerbsen 29 bis 34, kleine Erbsen 25 bis 26,50. Futtererbsen 22 bis 26. Peluschken 23 bis 26,50. Ackerbohnen 24 bis 26. Wicken 26 bis 27*50, Lupinen, blau 12 biS 13, > Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatseierden 18.Juli 1925. Freitag abend 7.40, Samstag vorm. 800, Predigt, nachm. 4.30, Eabbat- auögang 9.25, WochengotteSdienst morgens 6.30, abends 7.00. Es scheint so, als ob die Einschränkungen, die der Ruhrbergbau schon seit längerer Zeit durch- sührt, bald in größerem Umfange auch auf die Eisenindustrie übergreifen würden. Die schlechte Lage auf dem Welteisenmarkt ist bekannt. Sie hat dahin geführt, daß die deutsche Eisenausfuhr zur Zeit nur ein Viertel der Dorkriegsmenge beträgt, während die Einfuhr auf das Vierfache gestiegen ist. Für die Gedrücktheit der Preise ist bezeichnend, daß Schienen im Frieden 105 Mark je Tonne kosteten, wäh- Zubereltungi Die Butter rührt man zur Sahne, fügt Zucker, EicelD, das Abgeriebene und den Saft einer Zitrone, zuletzt das mit dem Backin gemischte und gesiebte Mehl und die Milch hinzu. Man verarbeitet alles zu einem festen Teig, rollt denselben dünn aus, sticht mit einem Weinglase dünne Scheiben aus. formt aus dem Rest des Teiges dünne Teigröllchen und legt diese als Rand auf die kleinen Tortenböden. Die Törtchen werden auf ein gefettetes Blech gesetzt und hellgelb gebacken. Die fertigen Törtchen belegt man mit gekochtem Obst, wie Stachelbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Zwetachen usw. Den Obstsaft verdickt man mit Dr. Oetker’s Oustln und fibt ihn noch warm Ober die Früchte. DieObet-Törtchen alten sich, in einer Blechdose aufbewahrt, llng. Zettfrtsch, man belegt sie jedoch erst am Tage desQeoranchs mit Obst. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften, oder, wenn vergriffen, umsonst u. portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld. Berliner Ter Je. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 15. Juli. Die gestern in zweiter Lesung des Reichstages erfolgte Annahme des Aufwertungs-Gesetzentwurfes hatte zur Folge, daß unter der Hand in den zur Zett amtlich nicht notierten heimischen Staatsanleihen allgemeine D e r k a u f s n e l g u n g bestand, so daß die Kurse dieser Werte einen empfindlichen Druck erlitten. Kriegsanleihe, die man am Vortage nachbörslich mit 0,265 nannte, wurden bei Beginn des heutigen Verkehrs mit 0,227'/2 genannt. Auch 3,5prozentige Preußische Konsols gingen von 0,365 auf 0,300 zurück, Schutzgebiet-Anleihen ermäßigten sich auf 4,92'/,. ob- wohl offiziell in heimischen Staatsanleihen zur Zeit kein Handel stattfindet, wirkte sich die Sttm- mung dieses Marktes auch auf die übrigen Märkte aus. Sämtliche noch gestern favorisierten Werte unterlagen daher Kursabschlägen, die am Montanmarkt besonders stark hervortraten. Es verlauten hier Gerüchte von möglicherweise bevorstehenden Arbeitsstreitigkeiten bei den westdeutschen Kohlenzechen, auch außenpolitische Bedenken trugen zu der wenig freund- lichen Tendenz bei, ebenso der evtl, zu erwartende Streik bei den Berliner Gas- und Wasserwerken. Am Geldmarkt blieb der heutige Medio ohne Einfluß auf die Lage. Tägliches Geld war ausreichend vorhanden und mit 8,5 bis 9,5 Prozent zu erhalten. Rach Monatsgeld hat die Rachfrage etwas zugenommen, die Sätze lauten jedoch unverändert auf 10 bis 11,5 Proz. 3m Devisenverkehr traten keine wesentlichen internationalen Kursveränderungen au. Etwas günstiger lag Italien zu dem leicht gebesserten Kurs von 131,5 gegen London. Die Marl notierte in London 20,42, Paris 5,07, Amsterdam 59,39, Zürich 122,58’/*. Rach Festsetzung der ersten Kurse kam es allgemein zu rend der Weltmarktpreis sich jetzt auf 110 Mk. beläuft. Dazu kommt, daß im Inland« der Eisenbedarf außerordentlich zurückgegangen ist. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß die Maschinenfabriken, die Werften, die Brückenbauanstalten usw. nur zu einem geringfügigen Bruchteil ihrer Kapazität beschäftigt sind, daß die Reichsbahn (diese allein beschäftigte früher große Werke beinahe bis tzur Hälfte ihrer Produktionsfähigkeit) kaum Aufträge erteilt, daß die Verdrängung der Eisenkonstruktion durch den Beton den Bedarf stark vermindert usw. Die deutsch-französischen Eisenverhandlungen verfolgten das Ziel, die unhaltbaren Verhältnisse auf deut Weltmarkt wenigstens in etwa zu bereinigen. Hauptsächlich aus diesem Grunde hat Deutschland die Verpflichtung der Zulassung einer Menge an Eisen übernommen, die ungefähr das Vierfache der Einfuhr des 1. Halbjahres 1925 umfaßt. Wenngleich nicht zu verkennen ist, daß auch in normalen Zeiten große Mengen aus Luxemburg, Lothringen und dem Saarreoier nach Deutschland gekommen sind, so muß doch die aus dem Eisenoertrag sich ergebende starke Belastung des deutschen Eisenmarktes pessimistisch flimmen, falls der Vertrag zustande kommt, was bisher nicht der Fall war, da die Erfüllung verfchie- dsner Vorbedingungen noch ausstehl. Zu diesen Produktions- und Absatzsorgen kommen noch sehr starke finanzielle Sorgen. Von den großen Konzernen der Ruhrinduftrio hat in dem am 30.6. abgelaufenen Geschäftsjahr kein einzige F Werk derartige Ueberfchüsse erzielt, daß Beträge für umfangreichere Abschreibungen ober gar für Dividenden bereitgestellt werden könnten. Angesichts der auf der Industrie ruhenden Lasten ist dieses Ergebnis nicht zu verwundern. Bei einem großen Konzern betrug im letzten Friedensgeschäftsjahr die Summe der Sieuern 3,029 Millionen Mark, im letzten Ge- Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag. 17. Juli: 12 Uhr: Nachrichtendienst. 3 Uhr: Wirtschafte Meldungen. 4 Uhr: Wetterbericht der Gießener Wei- lcrdienststelle. 4 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 4.20 Uhr: Nachrichtendienst. 4.30—6 Uhr: Hausfrauen- Nachmittag. Programm u. o. : „lieber Märchenerzählen und kindliche Stegreifsviele", Vortrag von Frl. Irma Drsodner. 6 Uhr Mirtschastsmeldungen. 6—6.30 Uhr: Die Lesestunde (Meisterwerke dec Weltliteratur): Aus „Soll und Haben" von Gustav Freytag (Fortsetzung). 6.30—6.45 Uhr: Juristen- fünf. 6.45—7 Uhr: Die Besprechung. 7 Uhr: Wirt- schastsmeldungen. 7—7.30 Uhr: Die Bücherstunde. 7.30—8 Uhr: Funkhochschule. Vortrag von Prof. Dr. Schultz: „Richard Wagners Tristan- und Par- sival-Dichtung" 8—8.30 Uhr: „Chile, das Land", Vortrag von Major a. D. Bansa. 8.30 Uhr: Dis Musik der Bar. ur.tn jutiitua aui a.i 4/jd von 25 000 Tonnen für Bordeaux übertragen, der auf Reparationskonto verrechnet werden wird. 3m übrigen ist die Geschäftslage analog der Lage in der gesamten Werstindustrie wenig befriedigend. • Konkurse und Geschäftsaufsich- ten in Bayern. 3m zweiten Quartal 1925 wurden in Bayern insgesamt 246 (1. Quartal 277) Anträge auf Eröffnung des Konkursver- sahrens und 107 (72) auf Anordnung der Geschäftsaussicht gestellt. Es wurden 188 (195) Konkurse eröffnet und in 83 (55) Fällen Geschäfts - aufsichl ungeordnet Konkurseröffnung mangels Masse wurde in 58 (82) und Geschäftsaufsicht in 24 (17) Fällen abgelehnt. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M.. 15. 3uli. Die Abendbörse verlief anregungslos und hatte weiter stilles Geschäft. Der Aktienmarkt, der zu wieder nachgebenden Kursen verkehrte, war vernachlässigt. Etwas lebhaftere Umsatztätigkeit batte der Pfandbriefmarki, dessen Hauptwene zu höhe- ren Kursen umgingen. Auch für Kriegsanleihen zeigte sich bei leicht erholten Kursen etwas Kauf- neigung. Kriegsanleihen hörte man zu 0,242' ,. Die Abendbörse schloß lustlos mit Utigung zum Dachgeben. Deutsche Anleihen: Schutzgebiets- anlcihe 4,500. Bankaktien Berliner Handelsgesellschaft 120,50, Commerzbank 97,12, Darmstädter Bank 118, DiScontogesellschaft 107,50, Dresdner Bank 101.75, Mitteldeutsche Eredubanl 96, Rheinische Ereditbank 89,75, Oesterreickische Ereditaltien 8,30. Montanaktien: Mansfelder 63.25, Kali Aschersleben 122,50, Kali Wester- ege In 136,50. Chemische Aktien: Badische Anilin 126, Scheideanstalt 103,50, Elberfelder Farben 116, Th. Goldschmidt 81,50, Höchster Farben 116,25, Holzverkohlung 5,90. Industrieaktien: AEG. 100. Dyckerhofs 39. Gebr. Iunghaus 69.50, Reckarwerke Stammaktien 76, Thüringer Elektrizität 72. Das Gericht stellte fest, daß die Polizeideamten | sich in jeder Hinsicht sachgemäß und entaegenkom- inend benommen und erst dann zu ihrer Waffe gegriffen haben, als sie von dem einen Soldaten wiederholt tätlich angegriffen worden waren, daß die Soldaten sich dagegen schwere Ausschreitungen gegen die Polizeibeamten haben zu schulden kom- men lassen. Mit Rücksicht hierauf und weil sie das Ansehen der Reichswehr durch ihr Verhalten schwer geschädigt haben, wurden die Soldaten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt bzw. wegen (jefangenenbefreiung zu Gefängnisstrafen I von je 1 Monat verurteilt. Kirche und Schule. Wichernheim. Einern schon lange empfundenen Bedürfnis wurde dieser Tage durch die Eröffnung des Auf- I nähme- unb Deobachtunasheims bei der E r - zi e h u n g s a nsta l t ,21 um üb lc' in Wir- I Hausen bei Darmstadt abgeholfen. In der neuen Anstalt sollen der Fürsorgeerziehung überwiesene männliche Jugendliche untergebracht werden, die dort beobachtet werden, um über die beste Art ihrer späteren Erziehung ein Urteil zu gewinnen. DaS neue Heim, nach dem Vater der inneren Mission „Wiehern heim" genannt, ist also Mnc Erziehungsanstalt, sondern es ist als Durch- gangsstation gedacht, auf der entschieden wird, ob für einen jungen Menschen Anstalts- oder Familienerziehung das richtige ist. Als fachmännischer Berater siedelt der Gründer der evangelischen Delanatserziehungsvereine, Dekan Röschen- seither in Freienseen — in die Anstalt über. Don hier aus leitet er auch den Verband für evangelische Fürsorgeerziehung, in dem die Dekanatserztehungsvereine und die evangelischen Erziehungsanstalten zusammengefaßt sind. Die Einweihung des neuen Heims fand in Gegenwart einer großen Zahl von Gästen statt. Als Vertreter der Staatsregierung sprach Regie- iungsrat Dr. Krebs vom Ministerium des Innern Worte der Begründung und der Anerkennung. Glückwünsche brachten dar die Kreisämter, für die Kreisdirektor Dr. Merck begrüßte. Das Landeskirchenamt hatte Oberlirchen- rat Wagner als Mcberbringer feiner Glückwünsche gesandt. Der Landesverein für Innere Mission war durch Geheimerat Theobald- Dannstadt vertreten. Das große Interesse der Rechtssprechung an dem Wichernheim bekundete Oberstaatsanwalt D a p p e r t - Darmstadt. Direktor Daffinger vertrat die Zentralstelle für I VoUSbildung und Jugendpflege unter der Zahl der Gratulanten, unter denen sich auch die städtischen Jugendämter Darmstadt und Worms befanden. Alle Anwesenden konnten sich davon überzeugen, daß Anlage und Einrichtungen des neuen Heims mustergültig sind, so daß sie ein- stimmig waren in der Hoffnung, daß auch von dieser Stelle ein reicher Segen auSgehen werde für das Wohl unserer Jugend und damit für unser ganzes Volk. Die S2. Jahresversammlung des hessischen Hauptvereins der (Suftav- Lldolf-Ltiftunq. fand am 7. Juli im Anschluß an die Jubiläumsfeier der Dreifaltigkeitskirche in Worms statt. Mit Rücksicht auf die Tagung des Gesamtvereins in Gießen vom 20. September an sah man von der üblichen Ausgestaltung ab und begnügte sich mit je einer Sitzung deS Verwaltungsrates und der Frauenvereine. Erstere wurde eröffnet und geleitet von dem Vorsitzenden, Freiherrn Hehl zu Herrnsheim, nach dessen einleitender Ansprache der Superintendent der Provinz Rheinhessen. Oberkirchenrat Zentgraf, im Rainen der Kirchenregierung sprach. Professor D. Dr. Frick übermittelte die Grüße der Theologischen Fakultät der Landesuniversität Gießen. Pfarrer Wagner- Bensheim erstattete den Jahresbericht, der von einem erfolgreichen Fortgang der Arbeit zeugte. Die Rechnungen für 1922. 1923 und 1924 wurden geprüft und dem Rechner, Oberrechnungsrat Zulauf. Entlastung erteilt. In den Vorstand wurde neu gewählt Dekan Mahr- Eppelsheim. Sodann genehmigte der Verwaltungsrat den Unterstützungsplan, nach dem 39 000 Mk. verteilt werden konnten. Es erhielten: der Zentralvorstand in Leipzig 13 000 Mark, die Baugemeinde Ober-Mörlen 10 000Mk., die Baugemeinde Bürstadt 6000 Mk., die Gemeinde Herbstein zur Erhaltung ihrer Schule 500 Mk., die hessischen Dammelgemeinden zu- | fammen 1500 Mk. die allgemeine Liebesgabe 1000 Mk., Gemeinden außerhalb Hessens 7000 Mk. Für 1926 wurde die Dauerlaubnis der Gemeinde Gau-Algesheim erteilt, der auch die Konfir- manbengabe des Jahres 1925/26 zugesprochen wurde. Als nächstjähriger Festort wurde Oppenheim gewählt. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm ein die Aussprache über die Frage: „Was muß zur Vorbereitung und Durchführung der Gießener Tagung geschehen 7‘ — 3n der Sitzung der Frauenvereine wurde zunächst Bericht erstattet über die Tätigkeit der hessischen Gustav-Adolf-Frauenvereine inl92!/25, worauf Pfarrer Weiß- Bieber einen Vortrag hielt über „Gustav-Adolf-Arbeit vor Bestehen des Gustav-Adolf-Vereins". wg. Kirchengesangvereinsfest in Ortenberg. - - Ortenberg, 13. Juli. Ein in jeder Weise gelungenes K i r ch e n g e s a n g v e r e i n s- f e st fand gestern in unserer Gemeinde statt. Bereits zu früher Morgenstunde trafen die Vereine von Gedern und Wenings ein und wurden am Bahnhof vom Vorstand empfangen, die Vereine von Büdingen, Glauberg. Obermockstadt und Wallernhausen folgten um 10 Ähr. Unter Borantritt der beiden Posaunenchöre marschierien die Vereine durch die mit reichem Fahnen-, Blumen- und Girlandenschmuck geschmückten Straßen nach der Kirche, wo sofort unter Leitung von Pfarrer Lic. Dr. Stumpf- Eschenrod die Hauptprobe begann, die dank der vorzüglichen Einübung der Chöre durch die Dirigenten rasch und glatt verlief. Während der Probe gaben die unermüdlichen Posaunenchöre, die ihre Dienste selbstlos zur Verfügung gestellt hatten, zwei Platzkonzerte. die dankbar ausgenommen wurden. In der Mittagspause waren die 300 auswärtigen Teilnehmer Gäste der Einwohner, die in der gastfreiesten Weise ihre Türen geöffnet hatten, ilm 1 ä2hr folgte der Höhepunkt des Tages, der feierliche F e st g o tte sdie n st in der altehrwürdigen upd wundervoll mit Edeltannen und Blumen geschmückten Kirche, die aber ihren schönsten Schmuck in einer andächtig den Darbietungen lauschenden Gemeinde fanb, die bis zu den Emporen die Kirche schmückte; wohl 800 Frankfurt a. M., 15. Juli. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 24—24,50, Roggen, inländischer 19,50—21,50. Hafer, inländischer 20 bi» 23, Mais (gelb) 21—21,25, Weizenmebl. inländisches, Spezial 0 87,25—38. Roggenmehl 31—32, Weizenkleie 11,90---!2,25, Roggenkleie 12,50—12,75. Tendenz: Fest. schäftsjahr dagegen 11,466 Millionen Mark, trotzdem ein Ueberschuß überhaupt nicht erzielt worden ist. Aus die Tonne Rohstahl berechnet, ist die steuerliche Belastung auf das Fünffache gestiegen .Die sracht'.iche Belastung macht ungefähr 160 Prozent des Friedens aus. Der Gesamtlohnelat in der Eisen- indusirie ist um rund 50 Prozent höher als im Frieden .bei einem großen Werk entspricht einer früheren monatlichen Lohnhöhe von 800 000 Mark jetzt eine solche von 1,3 Millionen Mark. Früher kam auf den Arbeiter ein Gesamtaufwand an Löhnen, sozialen Beiträgen usw. von 135 Mark monatlich, jep' ein solcher von 186 Mark. Die soziale Belastung ist bei den Werken jetzt in der Regel etwa 2,5 mal höher als die Gejaintsteuerbelastung vor dem Kriege. Die sozialpolitische Gesetzgebung hat zur Folge gehabt, daß die Belegschaften allein aus diesem Grunds um ungefähr 10 Prozent erhöht werden mußten. Die Verzinsung der Anleihen, die Belastung der Werke mit unproduktiven staatlichen Aufgaben usw. hat die allgemeinen Unkosten auf das Doppelte der Fricdenshöhe gebracht. Diese doppelte Last der Produktions- und Finanzsorgen ist nicht mehr länger tragbar, zumal infolge der andauernden rückläufigen Preise das Der- hältnis zwischen Selbstkosten und Erlösen immer ungünstiger wird. Es wird deshalb wohl nichts anderes übrig bleiben als die Produktion der verringerten Aufnahmefähigkeit des Marktes anzupassen und alle finanziell unproduktiv arbeitenden Betriebe abzustoßen, um die noch verbliebene Finanz- traft auf die rationellen Betriebe konzentrieren zu können. Es besteht Grund zu der Annahme, daß diese Einschränkungen schon bald vorgenommen werden. jeiea te seine! Dieser schöne Grundsatz kann mitunter am großen Familientisch nicht gut durchgeführt werden. Es ist daher sehr angenehm, wenn J>e Hausfrau von vornherein richtig einteilen kann. Mit Oisst-Törtchen nach folgendem Oetker-Rezept können Sie dies le'cht erreichen: ___________Datum: »I, Deutsche RetchSanIech« <•/« Deutsche RrttHantcibe ■ I1///« Deutsche 9tfid) »le Hontittten......... 6*/„ SolbmerifonCT . . • • verltner Handelsgesellschaft. Lammerz- und Privat Bant Dann ft. >md Ölaitonalbont . Deutsche Bank......... Deutsche Verclnsdaok • . . • DtSconto Lommaudit Metallbank ........ Pttiteldeutsch« Lreditbank . Lefterreichische LredUanfkaU. Wcftdank ......... Bochumer Satz ....... BuderuS • . ......... Caro ........ Deotsch-Lurembarg...... Vclsentrrchrner Bergwerk» . . tzarpener Beradau...... «aloverke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Lama dritte . ...... Oberbedars . ...... Phöiür Sergkxw ....... Rbelnilahl .......... Riebe ck Mo Mao ... TrllnS Bergbau....... Hamburg Amerika Paket. . « Norddeutscher Llovd . . . L-deramtsche Werke Slbta . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilivv Holjmonn .... plnglo-Conl -Suau» . . ... Badische Anilin........ Ifbcmifttie Mader Alaptv •• Soldichmtd» ...... Gries deimcr Electron .... Höchster Farbwerke...... ooljorrtoohmo ....... NülaerSwerke ........ echcideanftalt ........ Allg. ElektrUitätS-Telellschak» Btrmnann ......... 'xtatnfrafttocTfr . ....... Schaden • • Siemens .99 7.01 Schlich. flurs SchUchk. Jlbenö» j5rk Schlich.! flut» Sckluhk IRihag 14. 7. | 15 7. 14. 7. | 15.7 -| — _ — — — — — * — — — —— — —— — * — — — — — — — • — — —— — — 89,7.5 89.75 91,75 91.75 93.55 03,3 93.55 93,65 7.13 3,775 7 6,75 34,5 36 — 122 120.5 120.40 121 97.2.5 97,13 97 97 118 118 118.25 118 120 119,90 118.25 119,5 64 63 — — 107.7.5 107.50 108 107.75 9t 90 - — 96 Wi !6 96 8.75 8.30 8.90 8.50 0.065 0 07 0.1 0,1 70 70 71.40 70,5 53.50 51.50 52,25 52 18 47 49 43 6.5 61 65.75 64.13 5 >,.50 54.5 55.25 54(25 109.5 107.50 110.50 110 123 122.5 124,5 123.50 139 136,5 21 20.75 47,5 47 48.25 46.5 57 54 54 53.5 85.5 84 40 87.1 85.25 68,25 67 5 68,90 «7,4 71.50 73 72 72,75 2,2 2.25 — — 55 53,75 55,25 64 58.4 57 59 57.25 — — _ 78 72,10 — — 62.25 60 60.5 60,25 — — 98 98 126.5 126 127.75 126.40 0.45 0.45 — - 83.75 81.5 83,75 81,5 116 5 116 116,50 115.50 116.75 116.25 117,25 116 6 5.9 — *• 70.5 70 70.50 69,62 106 5 103,5 — •• 100 100 101 99.75 76 74.5 76.75 74,5 84 — — 31.5 61,25 —- 60.90 76,5 76,26 74,25 59.5 57,25 59 , 58 54,75 53,5 55 53 42.5 41 -w — 49 48,5 50 49,5 — 34,5 61,5 0,41 0.41 — — 0.78 0.79 0.8 — 102 101.5 — — 70,25 70.25 2,1 2.1 2.75 2,75 2,62 2.4 35,5 35,25 35 34 9.50 9.45 3,62 J.62 77.5 76.75 — — 68 66,5 68,5 68,5 KL U-5. A ; i 2 « c s «1i W fi© £s'S^ htsi =h^ O 3ß ~u -- , L *hV py« KU 85® fi_ sm® J.U?«« £Mg! sc& = Iß^*" ^IIIIIMMIIHIIIIIIIWIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIiyilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllWW 6. Musik: „Cinzug ber Götter in Walhall" aus Kbeingolb [flrnolb oon Ridjarb Wagner [Grabert 9. Deutschlandlied Eintritt frcri iei)och nur gegen Karten, die am Donnerstag, dem 16. Juli, von 11-1 und von 5-7 Uhr, sowie Vlüll Hl JI VI am Freitag, dem 17. Juli, von abends 7 Uhr ab, an der Iheaterkasse ausgegeben werden 3entrumspartei Sozialbemokratifcbe Partei 68938 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim^ Reit- u. Fahrklub Gießen u. Umgebung. Nachmittags von H5 Uhr ab Fahrgelegenheit, pro Person 50 Pf., ab Grwaldsgarten nach dem Turnierplatz. 6863V Gießen, Seltersweg 83 05968 am Gießen, den 15. Juli 1925 Ä- Photo-Haus Winterhoff Kreuzplatz 9/10. 6844a Knorr-Suppenwurst sand (iOSSss Vorzugs-Milch ttl Onninnl.DIBfiiHiinn aqai niMnensW ’C Mark. Konto in Original-Abfüllung 6901D Namen: Wohnung: 7. Cljor: „Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein" oon 8. Musik. „Preußens Gloria, Brmeernarsch TI, 240" oon Clara Schneider Willi Klein Verlobte 1. Musik: „Siegfried-Jdgll" oon Richard Wagner 2. Ansprache: Oberbürgermeister Keller 3. Lhor: „Heimat" oon Wiesner 4. Lestrede: Stubienrat Dr. König 5. Lhor: „Rheintreue" oon Sonnet billigst. CarlStückrath Möbelfabrik. H. Gottmann Marburger Strafte Telephon 1404. Der Oberbürgermeister Deutsche Demokratische Partei Deutsche Dolkspartei Deutschnationale Dolkspartei Eintrittspreise: Tribüne Mk. 5.—; Num. Sitzplatz Mk. 3.—; Sattelplatz Mk. 1.50; Stehplatz Mk. 0.50. — Vorverkauf: Tribüne Mk. 5-—; Num. Sitzplatz Mk. 2.—; Sattelplatz Mk. 1.—. Wagen einschließlich Fahrer Mk. 5—, jede weitere Person Mk. 1.—. 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