Nr. M Erstes Blatt 175. Jahrgang Dienstag, 16. Juni <925 Erscheint täglich, anher Sonn, und Feiertags. Beilagen: ViehenerFa m i l ienb littet Heimat im Bild. Monat,vezugsprei«: 2®olbmark u. 20 Goldpfennig für Träger lohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech'Anschlüsse: Schriftlkitung 112, Her- laaundDeschäftsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten AnzeigerSiehen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Siehen. Schnflleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichKeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlid>8, auswärts 10 Goldpfennig: für Ne- blame-Anzeigen o 70mm Breite 35 Goldpfennia, Platzvorschrift 20° .Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: 3. D : Ehrhard Ever»; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen. Der Staatsvoranschlag im Hessischen Landtag. Darmstadt, 15. Juni 1925. Präsident Adelung eröffnet um IO1/* Uhr dia Sitzung. Aus der Tagesordnung steht der S t a a t S v o r an schlag für 1 9 2 5. Auf Wunsch des Hauses findet zunächst eine allgemeine Aussprache statt. Als erster Redner spricht Abg Kaul (Voz ), der zunächst die Schwierigkeiten darlegt, die der hessische Staatshaushalt bietet. Die Rechtsparteien hätten im Lande die Parole .Sparsamkeit" auSgegeben: sie wollten — insbesondere her Bauernbund — alles auf den Zustand von 1914 zurüclsühren. GS würde, bei der Durchführung der Anträge des Bauernbundes, die Staatsmaschinerie überhaupt stillstehen. Merkwürdig sei, dah gerade fördoralistisch gesinnte Parteien die Landesregierung lahmlegen wollten. Wenn cs sich um Aufhebung von Amtsgerichten und KreiSämtern handle, dann würden die Rechtsparteien nicht txifür zu haben sein. Der Redner greift die Rechtsparteien an, weil sie auch Sparsamkeit bei Kulturforderungen verlangen, dagegen wären diese Parteien bereit, der Landwirtschaft und den Kirchen hohe Beträge zuzuweisen. Was diese Parteien wollten, sei im letzten Grunde ein Abbau der republikanischen Einrichtungen des Staates. Der Redner kritisiert dann verschiedene Er- sparungSanträge: die etwa durch die Anträge ersparten Minister erforderten nicht so viel Kcsten, wie die Abfindung des Grohherzogs. Die Weimarer Koalition wird nicht allein alS die einzig notwendige im Reich, sondern auch in Hessen bezeichnet. Die sozialdemokratische Partei werde alles tun, um Hessen als Glied der deutschen Republik zu erhalten. Abg. Ruh (Zentr.) weist auf die finanziellen Schwierigkeiten in anderen deutschen Ländern hin. besonders auf Württemberg, wo die Weimarer Koalition nicht am Ruder sei. Der Redner wendet sich gegen die mechanischen Spar- samkeitSsorderungen einiger Mitglieder im Fr- nanzauSschuh. In Berlin werde oft vergessen, dah etwa 40 Proz. des Hess. Gebietes besetzt seien, und zwar relativ stärker belegt als das preußische Gebiet. Dor allem mühten Arbeitslosenvcrsorgung. Wohnungsproblem und Fürsorge sür Ausgewiesene ganz anders vom Reich behandelt werden. 'Bqn Versprechungen hätte man genug gehört, jetzt wolle man einmal Taten sehen. Die ZentrumSpartei habe, als sie der allen Koalition in Heften wieder beitrat, Opfer gebracht, auch auf die Gefahr der Unpopularität hin. Das Zentrum werde vor allem für seine Kulturbelange cintreten. Der Redner spricht dann sür die Aufrechterhaltung der Weimarer Koalition und stellt als Ziele der ZentrumSpoiistk „. a. hin: Beseitigung der Wohnungsnot. die Kleinrentnersürsorge. die Fürsorge für Alt- und Reupensionäre und die Auswertung. Er lobt die Erzbcrgersche Finanzreform, wendet sich gegen die Finanzämter', die bei der Veranlagung der Kirchensteuer versagt hätten und tadelt ferner die Proteste offizieller evangelischer Kreise im Wahlkampf bei der ReichSpräsidentcn- wahl. Abg. Dr. Leuchtgens (Bauernbund) meint, es sei sür uns nicht möglich eine Auhen- politik zu treiben, darum könnten wir auch keine rechte 3nncnpoIitU durchführen. 1918 habe der Marxismus aller Richtungen versagt und seine Schicksalsstunde verpaßt: als Macht sei er erledigt. Denken Sie (zur Linken gewendet), wie die französischen Revolutionäre ihre Aufgabe auf- gefaht haben und Machtpolitik trieben. In Deutschland muh der Machtwille wieder erzeugt werden, der eigentlich für alle Staaten selbstverständlich ist: daS kann nur geschehen durch Arbeit im Kleinen, in der Gemeinde. W i r müssen den Staat von innen heraus auf bauen. Der Staat kann nur Autorität gewinnen, wenn er ein reines Derufsbeamten- tum hat. Es sind heute im hessischen Staate zahlreiche Leute tätig, die. wenn sie ihre Eignung für ihr Amt durch eine Prüfung nachweisen sollten, diese nicht bestehen würden. Bei oer Anstellung und 'Beförderung muffen, une früher, wieder nur sachliche Gründe entscheidend sein, nicht das Parteiwesen. Also: Zurück zum Derufsbeamtentum! Die Gewerkschaften regieren in Hessen mit, sowohl die Arbeiter- wie die Dearntengewerkschaf- ten. Richt wir kommen mit Gewalt, sondern die Gewerkschaften: fie bedrohen die Verfaftung. sie, die Parteibureaukratie und das Parte.bonzcntum. E s werden heute viel zu viel Gesetze g c - macht und die Staatsausgaben sind viel zu umfangreich, dadurch ist die Staats- und Steuerpolitik untragbar. Dadurch wird der Bestand des hessischen Staates in Frage gestellt nicht durch die Anträge des DauernbundÄ Der Voranschlag ist geradezu ein Verhängnis für Hessen: er beläuft sich auf 112 410 000 Mk. Das an Einwohnerzahl mehr als doppelt so große Württelwberg bat mir einen Etat von 183 Mill. Mark. Im hessischen Etat sind mehr als 14 Mill. Fehlbetrag, der württembcrgische Fehlbetrag beträgt noch nicht 1 Million. Zum Teil soll der hessische Fehlbetrag aus den Taschen der Gemeinden gedeckt werden: man gibt aber den Gemeinden nicht die Möglichkeit zur Deckung ihrer Ausgaben. Der Redner erklärt, er bewundert den »göttlichen Leichtsinn" des Finanzministers, wie er den Fehlbetrag beseitigen will. (Wegen deS Ausdrucks »göttlicher Leichtsinn" wird eine Rüge erteilt.) Wenn die Linke immer die deutsch- nationale Regierung in Württemberg zum Vergleich heranzieht, so muh sie auch so ehrlich fein, alle Zahlen anzuführen, der württembergifche Noch keine Entscheidung in China. Abbruch der Beziehungen zu England und Japan gesordert. London, 15. Juni. (WB ) Die ernste Lage in China beschäftigt die gesamte Presse eingehend. Laut Prest Association herrscht in London die Ansicht, die letzten Ereignisse in China feien außerordentlich ernst. D i c Zerstörung der Konsulate Grohbritanniens und Japan« in K i u t i a n g sei fast unmittelbar auf die Rote des britischen Geschäftsträgers in China an die chinesischen Behörden gefolgt, in der der chinesischen Regierung gesagt wurde, daß. wenn man die ausländerfeindliche Agitation fortdauern lasse, dies zu einer Katastrophe führen würde. Reuter erfährt, daß augenblicklich keine Erörterung zwischen den auswärtigen Regierungen selbst Über irgendeine zukünftige gemeinsame Aktion, abgesehen davon, was an Ort und Stelle unternommen worden fei. stattfinde. Alles deute aus eine auslandsfeindliche Stimmung hin. Wie Reuter im einzelnen aus Peking meldet, fand heute dort eine Versammlung statt, in der der Abbruch der Beziehungen mit Großbritannien gefordert wurde. Diese größte bisher in Peking erfolgte Kundgebung schloß Studenten. Kaufleute und Arbeiter ein. Mitteilungen aus Kaifend vom Samstag stellten die dortige Lage als äußerst ernst dar. Die Ausländer haben die Stadt verlassen. Einer Reutermeldung aus Hankau zufolge erklärte General Liutschulung. in einer handschriftlichen Proklamation, dah, wenn die auSländecseindlichm Ausschreitungen fortbauerten, das Ergebnis eine Wiederholung der Lage zur Zeit der Boxerunruhen sein werde, daß alliierte Truppen gelandet würden. V/i Millionen Aufständische. Paris, 15. Juni. (WTB.) Wie die „Paris Times" aus Washington erfährt, besagen die letzten aus China eingetroffenen Rachrichten, daß die Agitation in den Großstädten sich verstärke. Man berichtet ferner, daß die Clemente, die durch sowjetistische Gelder unterstützt würden, entschlossen seien, alle Kräfte des ßanbeä zusammenzufassen, um b i e Fremden zu vertreiben. Man spreche von anderthalb Millio- •*—. Aufständischen. Anscheinend haben die Feindseligkeiten. durch die vor allem die Engländer bekämpft werden, den Zweck, unter die in China wohnenden Fremden Uneinigkeit zu säen Hilfe aus Indo-China Amsterdam, 15. Juni. (WTB.) Rach einer Meldung aus Batavia sind zwei Vorstandsmitglieder der Abteilung Batavia der Chinaorganisation Kuo-Min-T.ing nach Kanton a b g e r c i st, um dort mit dem Hauptvorstand eine Besprechung über die augenblickliche Lage in China sowie über die Frage abzuhalten, ob tine eventuelle Hilfeleistung durch die Indo-Chinesen angebracht fei. In Rieder- ländisch-Indien würden bereits heimliche Geld- fammlungen zur Unterstützung der Auf- standsbewcgung veranstaltet. Spaltung zwifchenIapanundEngland? London, 16. Juni. (WTB. Funkspruch.) Rach dem „Daily Expreß" beschuldigen die japanischen Blätter England des Versuches, die Folgen für die Unruhen in China auf Japan abwälzen zu wollen, und protestieren gegen die Vereinigten Staaten und Frankreich, weil sie sich abseits halten. Die Zeitung „Hochi" warnt vor einer bewaffneten Intervention, die ein Eingehen auf den „sorgfältig ausgedachten englisch-amerikanischen Pakt" bedeuten würde. Japanisch-chinesischer Notenwechsel. Paris, 15. Juni. (WTB.) Havas berichtet aus Peking: Der japanische Gesandte hat am 13. Juni abends dem chinesischen Ministerium für Auswärtiges eine Rote überreicht, um auf die Vorgänge in Hankau aufmerksam zu machen und zu verlangen, daß es die notwendigen Maßnahmen ergreife zur Vermeidung einer Wiederholung solcher Vorkommnisse. Ehinadebatte im englischen Unterhaus. London, 15.3uni. (WB) In Beantwortung einer Anfrage versicherte Baldwin, daß die DominionSregierungen in engster Fühlung mit den verschiedenen Entwicklungen gehalten wurden, die zur augenblicklicher Lage bezüglich des geplanten Sicherheitspaktes führten. Auf eine Anfrage, o6 eine Vereinbarung der Genehmigung der Dominion« bedürfe. erwiderte Baldwin, er sei dessen nicht ganz sicher und bat um vorherige Ankündigung der Anfrage. Baldwin teilte dann mit. daß Chamberlain erst am Donnerstag nach London zurückkehren könne, und daß er hoffe, es werde möglich fein, die Erörterung über den geplanten Sicherheit«- palt Anfang nächster Woche vorzunehmen. Cr sagte ferner, es sei sehr wünschenswert, insbesondere angesichts des Aufkommens der chinesischen Frage, dah Chamberlain einige Tage in London sein könne, bevor er dem Haus eine Erklärung abgebe. Samuel betonte, daß die Haltung der Regierung gegenüber China der Achtung für die Kultur und die Zivilisation diescsLa d - entspreche, und d ßse.hinasWohl- fahrt und Frieden wünsche. I i feiner Antwort auf eine Anfrage Lawfons teilte Samuel mit, daß in Schanghai 21 Chinesen getötet und 65 verwundet worden seien, und daß ferner ein Amerikaner verwundet worden sei. Aus eine Anfrage Trevelynns betreffend die Ereign s.e in H a n f a u betonte Samuel, daß man erst im letzten Augenblick gefeuert hätte. Rach dem Bericht des britischen Konsuls fei das Feuer unvermeidlich gewesen. Wenn sich die chinesische Behörde sofort an der Aufrechterhaltung der Oronung beteiligt hätte, so wäre oer bedauernswerte Verlust an M:nfchenleben vermieden worden. Die Unruhen li Hankau seien die gleichen wie in Schanghai. Es fei symptomatisch für diese ernsten und weitverbreiteten Unruhen, daß sie von gewissen Elementen dazu benutzt würden, gegen fremde Mächte auszuhehen, die in China die größten Intereften hätten und jnsolgedessen darauf angewiesen seien, mit China zufammenzuarbeiten. Die Studenten- kundgebungen in Peking feien nicht al- gefährlich anzusehen und die Regierung denke, das sicherste Mittel gegen die fremdenfeindlichen Gefühle in China sei, zu versuchen, die Entschließungen der Washingtoner Konferenz betreffend die Zusammenarbeit Chinas und der Mächte zur Einführung von Reformen zum Wohle Chinas in die Tat umzusetzen. Die Regierung habe die besten Mittel geprüft, die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich zum größten Teil aus dem Fehlen einer tatsächlichen Re- gierungsautorität in China ergeben. Sie hege aber das Vertrauen, daß das Zustandekommen einer Zolltarifkonserenz die Möglichkeit bringen werde, solche Hindernisse zu beseitigen, die gegenwärtige trübe Atmosphäre zu klären und mit einer Aera fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen China und 'den Mächten zu beginnen. In Beantwortung einer Anfrage Macdonalds versicherte Baldwin, daß die Regierung in Uebereinftimmung mit den Mächten alles Mögliche unternehme, um zu verhindern, daß die Unruhen zu wirklichen internationalen Konflikten im Fernen Osten ausarteten. Die Regierung beobachte die Lage mit größter Aufmerksamkeit und es sei Grund vorhanden, zu glauben, dah die von den Dertragsmächten und der chinesischen Regierung nach Schanghai gesandte Untersuchungskommission in vollkommener Harmonie zusammenarbeiten werde, mit dem Wunsch. China zu befrieden. Fehlbetrag beläuft sich nur auf 890 000 Mk. Der Hauptfehler des hessischen Etats ist. dah man das Hauptgewicht nicht auf die Ausgabenseite gelegt hat. Richt weniger als 70 Prozent der Ausgaben find perfönliche Ausgaben: diese müssen unbedingt vermindert werden. Alle Anträge des Bauernbundes sind an der Einsichtloftgkeit der Linksparteien gescheitert. Wir brechen wirtschaftlich unter der Steuerlast zusammen und untere staatliche Selbständigkeit wird auf hören, wenn es so teilt er geht. Aus dem Gebiete der Sozialpolitik wird heute zu viel getan: erst muß man überhaupt leben, dann erst sehen wie man lebt. Diele glauben, wir könnten immer noch so leben, wie vor dem Weltkrieg. Wer behaupten will die Anträge des Bauernbundes seien agitatorisch, den kann man nicht ernst nehmen. Dec Bauernbund will mit feinen Anträgen keineswegs einen Beamtenab- bau, den hat meine Partei überhaupt immer verworfen, denn er hat keine Ersparnisse gebracht. Der Bauernbund will nur eine Sperre von unten her: es sollen feine neuen Kräfte mehr eingestellt werden. Jüngere Kräfte müften sich allerdings nach anderen Berufen umtehen. Die Beamten. die durch Streichungen von Stellen frei werden, können in anderen Verwaltungsposten untergebracht werden. Vor allem ist es notwendig, die Bcamtenzahl in der Zentralverwaltung zu verringern. Rur aus Rücksichten auf die Koalition wird der Voranschlag durchgefüyrt, nur darum sind all: Anträge der Rechten abgelebt worden, nicht etwa weil sie radikal wären oder undurchführbar! Der Antrag des Abg. Widmann im Finanzausschuß auf Einsetzung eines Eechterausschufses war nur ein Ablenkungsmanöver. um sogen zu können, man habe alle Ersparungsmöglichkeiten geprüft. Wir vom Bauernbund lehnen die Trennung von Staat und Kirche ab: wir glauben daher auch, den Kirchen finanziell entgegenkommen zu müsfen. Wir stellen auch die Aufgaben der Kirchen allen anderen voran. Schuld an den gegenwärtigen Zuständen find die Instanzen, die die finanziellen Der- hältnifte von Staat und Kirche nicht genügend geregelt hatten. Im Rainen seiner Partei erklärt Abg. Dr. Leuchtgens, dah sie den Staatsvoranschlag ablehnt, weil nicht der geringste Versuch zu Ersparungen gemacht sei. (Dei- falt rechts.) Der Präsident ruft den Redner noch nachträglich zur Ordnung wegen des Ausdrucks „eine ihrer Verantwortung nicht bewußte Regierung". Schluß der Beratungen um l1/* iMjt; nächste Sitzung morgen 9 Uhr. Painleves Rückreise. Paris. 15. Juni (WB.) HavaS berichtet aus Barcelona, daß Ministerpräsident Painlom), nachdem er heute früh Malaga an Bord eine« Flugzeuges verlassen hatte, in den frühen Rachmittagsstunden in Barcelona eingetrossen ist. Er hat nach etwa zweistündtaem Aufenthalt die Weiterreise per Flugzeug nach Toulouse angetreten. Er wird gegen Abend dort eintressen und mit dem Rachtschnellzug nach Paris zurück- kehren, wo er morgen, Dienstag, vormittag 9.20 Uhr cintreffen wird. Unmittelbar daraus tritt im Slysöe ein Mini st e r r a t zusammen, um dem Ministerpräsidenten Gelegenheit zu geben, über seine Reise nach Marokko Bericht zu erstatten. Am Rachmittag wird er in der Kammer eine Erklärung abgeben. Man erwartet, daß sich daran, von den Kommunisten veranlaßt, eine Debatte an- schliehen wickd Genera! Weygand Oberbefehlshaber in Marokko? Paris, 16. Juni. (TU.) Rach dem „Petit Journal" ist bestimmt damit zu rechnen, daß General W e y g a n d , der frühere Statthalter in Syrien, als Oberbefehlshaber in Marokko ernannt wird. Ruhe auf dem Kriegsschauplatz. Paris, 15. 3unt. (WTB.) Nach dem am 15. Juni in Fez veröffentlichten amtlichen Bericht bessert sich die Lage im westlichen Abschnitt der französischen Marotkofront. Die Dissidentengruppen zer- streuen sich Bei den Rhounas scheint wieder Ruhe einzutreten. Weiter im Osten setzt der Feind seine Bewegung gegen Tafrant allerdings ohne Erfolg fort. 3m mittleren Frontabschnitt versuchen Dissidentenstämme mit Unterstützung von Risleuten neue Teilangriffe gegen Taunot. die jedoch olle gescheitert sind. Es scheine, daß in diesem Abschrift die französischen Truppen den Feind in Schach halten. Auf dem östlichen Frontabschnitt ist die Lage unverändert. Der Landwirtschaftsetat im Preußischen l'unötafl. Berlin, 15. Juni. Bor Eintritt in die Tagesordnung wird ein sozialdemokratischer Antrag, eine einmalige außerordentliche Wirtschaftsbeihilfe von 100 Mk. an die Beamten der Besoldungsgruppen 1—6 bis zum 1. Juli 1925 zu gewahren, an den Beamtenausschuß verwiesen. Ferner wird nachträglich ein kommunistischer Antrag, der sich auf die Vorgänge in Halle bezieht, aus die Tagesordnung gesetzt. Abg. Kilian (Komm.) erklärt in der Begründung des Antrages, die Justizbehörden hätten in Halle völlig ihre ihnen obliegende Pflicht verletzt. Mit Vorbedacht wolle man den Mord in Halle totschweigen. Der Antrag wird dem Nechtsausschuß überwiesen und sodann die allgemeine Aussprache zurzweiten Beratung des L a n d w i r t s ch a ft s e 1 a t s fortgesetzt. Abg. Brandenburg (Soz.): Seine Partei weise die Notwendigkeit der Einführung von Schutzzöllen zurück. Die Folge würde nur eine Brotoerteuerung sein. Schutzzölle seien kein geeignetes Aushelfsmittel. Unerhört seien die Wohnungs- oerhäftnifse der deutschen Landwirtschaft. Die Landwirtschaft solle vernünftige Arbeiterpolitik betreiben, ihre Betriebe modernisieren und den Ratschlägen anerkannter Wissenschaftler folgen, dann seien Schutzzölle entbehrlich. Seine Partei lehne fie jedenfalls auf das schärfste ab. Abg. Justi (Dschn). Die deutsche Landwirtschaft liegt darnieder. Sie muß einen Schutzzoll haben, der gleichmäßig im Interesse der Produzenten wie der Konsumenten liegt. Haben wir eine kaufkräftige Landwirtschaft, so gedeiht auch die Industrie. Wenn die Landwirtschaft mehr produzieren kann, so werden die Lebensmitel verbilligt. Das Verhältnis zwischen Landwirten und Landarbeiter muß auf gegenseitigem Vertrauen beruhen. Wir wünschen einen lückenlosen Zolltarif, auch einen mäßigen Zoll auf Ttuncrmitel, um die Kleinbauern zu schützen, die, wie man erwarten muß, auch Wachhorst de Wenie zu schützen bereit sein soll. Abg. Schis ton (D. Dp.) wendet sich gegen die Pressenachrichten, daß die Verlängerung der Wechsel-Kredite, die von der Deutschen Rentenbank gegeben wurden, über den Oktober hinaus unwahrscheinlich sei und daß bei den alten Rentenbankkrediten im Herbst starke Rückzahlungen geleistet werden sollen. Er fragt die Regierung, ob das stimme. Eine Ablehnung der Wechselprolongation würde eine Panik in der Landwirtschaft zur Folge haben. Abg. Hage mann (Z.): Angesichts der heutigen deutschen Wirtschaftslage muß die Einsuhr von Lebensmitteln tunlichst üoerflüfflg gemacht und die Einfuhr von Rohstoffen beschränkt werden. Ich bin der Auffassung, daß die jetzt von der Reichsregierung in Angriff genommene Schutzzollpolitik nur als Uebergangs Maßnahme zu gelten hat. Gegen den vorgeschlagenen Getreidezoll- minimaltarif muß ich mich im Interesse der kleinen Landwirte entschieden wenden. Die in Dor- schlag gebrachten Minimalsätze sind jedenfalls viel zu hoch. Die Frage der Schutzzölle berührt auch die Lebensinteressen der Konsumenten. Mit einer Verteuerung der Lebenshaltung wird gerechnet werden müssen. Die Umsatzsteuer muß, wenn nicht ganz beseitigt, so doch ganz beträchllich herabgesetzt werden. Abg. Möricke (Komm.): Die große Landwirtschaft in Deutschland ist gar nicht imstande, zu der Intensivierung des Betriebs überzugehen, wie fie Dr. Hermes empfohlen hat. Wenn es den Sos aus- dite einzutreten, Steuererleichterungen zu gewähren und die Weinsteuer aufzuheben: III. bei und dürfe die Jugendschutzes müsse mehr in der Richtung geschehen, daß man der Jugend etwas gibt, und daß man in ihr die Liebe zur Heimat Pflegt. Das könne aber nicht geschehen, wenn die Reichsbahn die Fahrpreisermäßigung für die wandernde Jugend beseitige. Die Jugend braucht Sport und Turnen im regelmäßigen Umfang. Dagegen solle gesetzlich verboten werden, daß an Jugendliche unter 21 Jahren Schnaps zialdemokraten ernst wäre mit ihrer Oposition gegen öen Schutzzolltarif, so wären wir ihn morgen schon los. Abg. 5) o f f (Dem.) bezeichnet neue Handelsverträge als notwendig. Ich glaube, die Erwartungen der Jollfreunde sind zu optimistisch., Zu fordern sei das Freibleiben der Futtermittel von Zöllen, weil sonst die Viehzucht die Belastung nicht tragen könne. Weiter müsse verlangt werden die Beseitigung oder Hoch wenigstens die Reform des Einfuhrscheinsystems. Auch gegen Minimalzölle müßten Einwendungen erhoben werden. Abg. Flegel (Dtsch.-Hcmn.) erklärt, daß auch die kleinen Besitzer ein lebhaftes Interesse an den Schutzzöllen hätten. Der Redner verlangt weiter die Förderung des landwirtschaftlichen Unterrichts- mesens und des Siedlungswesens. Landmirtschaftsminister Steiger erklärt, es fei notwendig, daß die Rentenbankkredit- anstalt zur Ermöglichung ausländischer Kredite alsbald ins Leben trete. Abg. Kaiser-Anklam (Deutsch-Völkisch) erklärt, von einer gewissen Sorte von Leuten werde ' auf die Zugrunderichtung der Landwirtschaft hm- gearbeitet. Die Landwirtschaftkönne nicht gesunden ebne wirksamen Schutz. Abg. S i m o n - Neusalz (Soz.) fordert energisches Entgegenwirken beim Reiche und beim Reichstag gegenüber den Bestrebungen auf Befeitl- gung der Pachtschutzordnung. Der Schutzzoll würde für 75 Proz. unseres Volkes und mehr eine unerträgliche Verteuerung der Lebensmittel bedeuten. Das Haus vertagt sich darauf auf Dienstag mittag 12 Uhr. Schuldebatte im Reichstag Berlin, 15. Juni. Abg. Stauch (Bayr. Vokkspartei) erstattet Bericht über £ne Aus- schuhverhandlungen über den Gesetzentwurf über Depots und D e P o s i t e n g e scha f t e. Er bittet um Annahme des Entwurfs, an dem der Ausschuß einige Aenderungen vorgenommen Hat. Rach dem Ausschußbeschluh soll das Gesetz am 1. Juli in Kraft treten. Rach dem Gesetzentwurf dürfen außer ienen Unternehmungen, die bisher zu Depot- und Depositen- geschästen zugelassen worden smd, auch solche 'Einzelfirmen, Unternehmungen oder Einzel- persvnen diese Geschäfte ausüben, die gewisse Boraussetzungen erfüllen, die auch von ausländischen Banken erfüllbar sind oder deren Inhaber oder Gesellschafter usw. im Auslands fünf Jahre lang in Depot- oder Depositenkassengeschäften ^^^ber Debatte setzt sich Abg. Fischbeck (Dem., dafür ein, daß in bezug auf die Depot- und Depositengeschäfte die volle Freiheit wieder- hergestellt werde. Die Demokraten könnten dem Gesetzentwurf in seiner gegenwärtigen Form nicht zustimmen. Der Redner beantragt Zurückverweisung an den Ausschuß. Ein Regier'' ngsvertreter bittet dringend, von der Rückverweisrrng an den Ausschuß abzusehen. Das Gesetz müsse am 1. Juli in Kraft treten, weil am 30. Juni die bisherigen Bestimmungen ihre Gültigkeit verlieren. Abg. Frau Sender (Soz.) unterstützt den demokratischen Antrag auf Rückverweisung Die Abstimmung bleibt zweifelhaft. In der Auszählung stimmen 125 Ab- geordnete für und 97 Abgeordnete gegen die Rückverweisung. Das Haus ist also beschlußunfähig. > Präsident Lobe schließt die Sitzung kurz nach 3 Uhr und beruft zu 3'/. Uhr eine neue 5'Ditzung ein, auf deren Tagesordnung der Gesetzentwurf über die Depot- und Depositengeschäfte » nicht mehr enthalten ist. „ Die neue Si tzung des Reichstags seht die Beratung des Haushalts des Reichsinnenmrm- Sicherung des Elternrechts nicht fehlen. Die christlichen Eltern in Deutschland hätten durch den Ausgang der El tern- beiratswahl gezeigt, daß sie in der Mehrheit sind und den Religionsunterricht in der Schule nicht vermissen wollen. Abg. Frau Pfüls lSoz.) weist auf die Mißstände bei der Reifeprüfung hin. Positives für die Jugend könne nur dadurch erreicht werden, daß man Verantwortlichkeit in die Jugend trage. Abg. Hofmann- Ludwigshafen (Z.) betont, daß kein Betrag zu hoch sei, der für die körperliche Ertüchtigung der Jugend angewendet werde. Reben den Stadions sollten auch Inst itute für die theoretische Körpersrage für die Allgemeinheit geschaffen werden. Turnerische Ver- anstaltungen. die nicht dem Erwerb dienten, sollten steuerfrei gelassen werden. Gesundheitsunterricht durch Aerzte in den Schulen sei aber abzulehnen, weil dieses Gebiet in der Schule nicht erfaßt werden föime. Der Redner seht sich dann für die endliche Beseitigung der Junglehrer- n o t ein. Bei der Frage der Junglehrernot handele es sich um eine Frage der geistigen Wehrfähigkeit des deutschen Volkes, die keine Entente verbieten könnte. Der Reichstag müsse die sechs Millionen für die Junglehrer bewilligen. Abg. Dr. Bergsträsser (Soz.) weist auf die Notwendigkeit hin, die Leiter der wissenschaftlichen Reichsinstitute nicht wie Beamte nach Schema F zu behandeln. Gegenüber den Anträgen der Rechten, den 18. Januar als Nationalfeiertag einzuführen, verweist der Redner darauf, daß die preußischen Konservativen der 60er Jahre gegen die Neichseinheit waren. Abg. Kube (Völk.) wünscht, daß insbesondere diejenigen Junglehrer, die durch die Jn- flations- und Folgezeit sich außerhalb ihres D> rufes durchschlagen mußten, ihrem pädagogischen Berufe zurückgegeben 'werden. Der Redner wünscht dann Wiederherstellung der Stipendien der Vorkriegs- und Inflationszeit. Auf dem Gebiete der Schule und Hochschule lehnten die Völkischen jeden reaktionären Standpunkt ab. Auf diesen Gebieten müsse volle Freiheit herrschen. Auf dem Gebiete des geschänkt wird. Der Zolltarif int Reichswirtschaftsrat. Berlin, 15. Juni. (T. U.) Der Zolllarifaus- schuß des Reichswirtschaftsrates stellte heute den Bericht über die Ergebnisse seiner Beratungen der in der Zolltarifnovelle vorgeschlagenen (Betreibe- und Futtermittelzölle fertig. In dem Bericht heißt es, daß eine gutachtliche Mehrheitsmeinung nicht zu erreichen war. Da auch die Abstimmung keine Klarheit brachte, wurden die Anträge auf bestimmte Festsetzung von Getreide- und Futtermittelzöllen abgelehnt. Der Bericht gibt die Entschließung des Zolltarifausschusses wieder, in der die Einstellung autonomer Zölle für Getreide schon in die kleine Zolltarifnovelle gefordert wird. In einer weiteren Entschließung heißt es: „Wie der Zolltarifausschuß feststellte, hat es sich für die Handelsvertragsverhandlunyen bereits als ein schwerer Schaden erwiesen, daß die deutschen Unterhändler sich nicht auf einen gesetzlich verabschiedeten gültigen Zolltarif stützen könnten. Es wird daher für dringend notwendig gehalten, für fferiumd" fort. I die Hanoelsvertragsverhandlungen durch beschleu- Abg. Dr. Heuß (Dem.) wendet sich gegen nigte Entscheidung über die Vorlage eine feste das Vorgehen von evangelischen Kirchenbehörden Grundlage zu schaffen." gegen evangelische Pfarrer, die bei der letzten Der Ausschuß behandelte die Frage der Ein- Reichspräsidentenwahl sich für die Kandidatur f u h r s ch e i n e und hält es in Uebereinftimmung Marx eingesetzt haben. Zur Frage des Ausland- mit der Regierung für geboten, daß bei Einführung deutschtums weist der Redner darauf hin, daß von Getreidezöllen auch der Einfuhrschein wieder in nach seinen eigenen Erfahrungen beim letzten Kraft tritt. Mit Mehrheit wurde ein Antrag an« Deutschen Tag in Innsbruck die Auslanddeutschen genommen, die Gültigkeit der Einfuhrscheine auf die dort nur die schwarzrotgoldenen Fahnen als die Einfuhr von Brotgetreide zu beschränken. Angenom- deutsche Flagge kannten. Im übrigen müsse men wurde weiter ein Antrag, nach dem die gegen« Deutschland seine eigene Minderheitsgesehgebung märtige Zollvorlage keine genügende Grundlage verbessern, um mit eigenen Leistungen im Hinter- für den Abschluß langfristiger Handelsverträge bilde, gründ auch im Völkerbund besser für die deutschen Die Reichsregierung soll daher mit größter Be- Minderheiten im Auslande eintreten zu können, schleunigung ihre Vorarbeiten für den neuen Zoll- (Zustimmung.) Früher hätte der 13. Januar als tarif zum Abschluß bringen. Feiertag nicht in das Dolksbewußtsein einbnngen Annen. Ein Volk solle zwar sein Elternhaus und DeUtscyNatroNaie ZltttragC seine Vergangenheit ehren, es müsse aber den jm ßattbtaO. Mut haben, den Blick auf bte Gegenwart zu J ” ’/ . .. f dickten Den Antrag auf Einsetzung eines Ver° Darmftabt, 14. Juni. Die Deutschnationale fassu'ngsausschusses bezeichnet der Red- Partei hat folgende Anträge dem hessischen Landtag ner als politischen Dilettantismus. vorgelegt: Abg Eichhorn (Komm.) verwahrt sich gegen 1- Die Regierung um Herausgabe einer Neu- die den Kommunisten gemachten Vorwürfe, mit bearbeitung des Hessischen Bürge r- denen ein Ausnahmerecht gegen die Partei begrün« buch es von 1909 zu ersuchen, das im Handel zu bet werde. Selbstverständlich wollten die Kommu« vertreiben ist. nisten den Siaai stü'zcn, der nur ein Jnstrununt 2. Im Falle der Ablehnung der von der des Kapitalismus sei. Die Kommunisten seien aber Deutschnationalen Partei verlangten sofortigen ehr,«ch und sagten, was sie wollten. Die Rechtspar- Kündigung des deutsch-spanischen teien wollten den Staat auch stürzen. Sie vertreten Handelsvertrages dafür: diese Auffassung nur nicht öffentlich. I- in die bereits zugesicherten Verhandlungen Damit chließt die Aussprache. alsbald einzutreten mit dem Ziel, dem deutschen Nach persönlichen Bemerkungen nimmt bas Wein-, Obst- und Gemüsebau einen besseren Hans die Abstimmung vor. Ein kommu-, Schutz zu gewahren: II. für kurzfristige Kre- ni st i s ch e r Mißtrauensantrag gegen den Reichsinnenminister Schiele wird , ... . gegen die Stimemn der Kommunisten und Sozial- Neuverhandlungen Weinbauern demokraten sowie eines Teils der Demokraten ab- Sachverständige zuziDiehen. gelehnt. Das ©et) alt des M i ni st e rs wird Sofortige Vorlage eines Gesetzes zur Bekamp- qegen die gleichen Stirnen b e w i l l l i g t. Die roei« fung der Geschlechtskrankheiten, das mit teren Abstimmungen werden vertagt. dem veralteten unhygienischen und unsittlichen Es folgt die Spezialdebatte, die sich heute mit System der Reglementierung und Kasernierung der dem Kapitel .Bildung und Schule" beschäftigt. Prostitution sowie dem Grundsatz der doppelten Mo- Abg. Löwenstein (Soz.) wendet sich gegen rat bricht, ferner beschleunigte Vorlage eines eine Rede des bayerischen Kultusministers Matt, Schank st ättengesetzes, dessen Stern bas in der dieser sich gegen die Forderungen der Gemeindebestimmungsrecht und das Vorrecht der Volksschullehrer auf bessere Ausgestaltung der gemeinnützig betriebenen Schankstätte sein muß. Lehrerbildung ausspricht. Der Redner weist auf Ferner darf unter keinen Umständen eine Herab- bte Statute! für die Wissenschaft hin, die in setzung des Jugendschutzalters im Lichtspielge- unangenehmer Diskrepanz zu den Ausgaben für s e $ bewilligt werden. die Bildung und Schule ständen. 4. Der Landtag ersucht die Regierung, beim ABg. Dr. Mumm (Dn.) hebt hervor, daß Reich dahin vorstellig zu werden, daß auf dem die Aufgaben der Kultur mehr von den Ländern Wege der Gesetzgebung das verantwortliche Zeichen g-elöst werden müßten. Das Reich habe aber die periodisch erscheinender politischer Druck- wichtige Aufgabe der Grundsatzgebung. In schriften durch Abgeordnete, die unter dem be^ug auf das Reichsschulgeseh wünscht Schutz der Immunität stehen, unmöglich gemacht der Redner, dah es bald durchgeführt werde, werde. Auch ein Gesetz gegen die Schundliteratur und 5. Die Frage beschleunigt zu prüfen, wie weit das Gesetz über bie Geschlechtskrankheiten müßte es tunlich und möglich erscheint, die bevorstehenden endlich erlassen werden. Die Deutschnationalen großen Aufgaben des hessischen Staates auf dem würden sich immer für berechtigte Forderungen Gebiete der U r b a ch m a ch u n g großer Land- der Lehrerschaft einsetzen. Jrn Reichsschulgeseh strecken auch durch Verwendung von Insassen der dürfe die I Strafanstalten und des Arbeitshauses zu regeln, sowie aus den Ueberschüssen der Reichsgetreidestelle erhebliche Mittel zur Verbesserung der Bodenverhältnisse in Hessen, beim Reich zu beantragen und weiter der Grünlandwirt- ch a s t und Futtergräsergewinnung dauernd besondere Aufmerksamkeit zu schenken, ferner bei der Reichsregierung den Entwurf eines die Berufsorganisation des Handwerks betreffenden Gesetzes, den Weg zu ebnen, sowie endlich für teuerliche Gerechtigkeit dem bodenständigen Gewerbe gegenüber den Regiebetrieben, Wanderlagern usw. einzutreten. 25 Jahre Berliner Handwerkskammer. Berlin, 15. Juni. (WTB.) Die p r e.u ß i- chen Handwerkskammern begehen in nefem Jahre daS Fest ihres 25jährigen Be- tchens. Der preußische Handelsminister Schreiber wohnte heute der festlichen Veranstaltung der Berliner Handwerkskammer bei und nahm diese Feier zum Anlaß, zugleich allen preußischen Handwerkskammern Anerkennung und Dank der preußischen Staatsregierung zum Ausdruck zu bringen. Der Srcherheitspakt. Die Haltung der Dominions. London, 16. Juni. (WTB- Funkspruch.) „Morning Post" sagt in einem Leitartikel: Es ei der Versuch im Gange, in England den Eindruck zu erwecken, als ob die Dominions gegen den geplanten Sicherheitspatt eien. Demgegenüber sei zu beachten, daß, soweit bekannt. Australien und Reusen land in begünstigendem Sinne sich äußerten, und dah trotz der etwas barschen Aeuhrrung des Mackenzie-Kings in Kanada doch die Bereitwilligkeit bestehe, eine loyale Vereinbarung in Erwägung zu ziehen. Eine gleich abwartende Haltung werde bisher von Südafrika beobachtet. Das Blatt betont, daß kein verantwortlicher Staatsmann in den Dominions bei dem jetzigen noch unentwickelten Stande der Verhandlungen chon ein Urteil aussprechen könne und setzt sich weiter mit Rach druck für den Paktgedanken ein, wobei es betont, daß der geplante Pakt zur Sicherheit des britischen Reiches beitrage, indem er den Frieden in Westeuropa sichere unb die Kanalhäfen garantiere, so daß damit den britischen Staatsmännern ermöglicht werde, ihre Aufmerksamkeit den überseeischen Problemen zii- zuwenden. Der Pakt fördere die Sache des Friedens und verpflichte das britische Reich durchaus nicht zur Unterstützung irgendeiner Sache oder irgendeines Landes auf dem Kontinent, an dem das Reich kein lebenswichtiges Interesse habe. Das Blatt hofft, baß die Dominions sich diesen Erwägungen nicht verschließen werden. Die deulsch-franzöfischen WirischafLsverhandlungen. Paris, 16. Juni. (2. 11.) „Petit Pariüen" schreibt über den Stand der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen, daß in den Punkten: Saargebiets -Regie, Schiffahrtswesen, Seide, Automobile eine Einigung erzielt worden sei. In den Fragen von Eisen und Feinmechanik habe man bisher noch zu keinem Ergebnis kommen können. Man habe auf französischer Seite den Eindruck, daß Staatssekretär Trendelenburg und Wirt- schaftsminister L h a u m e t nur auf dem Wege einer persönlichen Aussprache eine Verständigung herbei- führen könnten. Aus Stadt und Land. Gießen, den 16. Juni 1925. Die Sonimersortbttdungsschule. Zur Durchführung des Landtagsbeschlusses vom 16. Juli vergangenen Jahres über den Fortbildungsschulunterricht hat das Landesbildungsamt eine Verfügung an die Kreis- und Stadtschulämter gerichtet, in der es heißt: Vielfach geäußerten Wünschen nachkommend, wollen wir auch in diesem Jahre die dauernd landwirtschaftlich beschäftigten Fortbildungsschulpflichtigen weit über das im Gesetz vorgesehene Maß vom Besuche der Fortbildungsschule während des Sommerhalbjahres befreien. Wir bestimmen deshalb, daß unsere Verfügung vom 1. August 1924 auch für 1925 sinngemäß Anwendung zu finden hat. Zu beachten ist: 1. das Aussehen des Unterrichts erfolgt nur auf Antrag des ö r t - lichen Schulvorstandes, 2. von der Möglichkeit, den Unterricht auszusehen, kann schon von jetzt ab, also sofort, ®cbraud) gemacht werden, 3. die Gesamtferiendauer darf für die Zeit bis zum 15. Oktober bis zu 15 Wochen (3Vs Monate) betragen. Da die Verhältnisse in den verschiedenen Teilen des Landes außerordentlich verschieden liegen, hat diese Regelung gegenüber der vorjährigen den Vorzug, daß sie einen weit größeren Spielraum läßt und hierdurch die Möglichkeit gibt, allen berechtigten Wünschen entgegenzukommen. Sie wollen sofort veranlassen, daß sich die örtlichen Schulvorstände mit der Angelegenheit (Festsetzung der Ferien, Unterrichtszeit usw.) befassen und ihre Anträge, die den örtlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen haben, bei Ihnen einreichen. Die Anträge der Schulvorstände sind, sobald sie sich im Rahmen der vorstehenden Bestimmungen bewegen, umgehend zu genehmigen. Außerdem ist auf Antrag des örtlichen Schulvorstandes bei nachgewiesenem Bedürfnis Verlängerung der Ferien über den 15. Oktober hinaus bis zum 15. Rovember zu erteilen. Rach den uns vorliegenden Berichten der Kreisschul- ämter haben im vorigen Jahre zahlreiche ländliche Gemeinden von der Möglichkeit, den Unterricht auszufetzen, nur sehr beschränkten Gebrauch gemacht, um Beobachtungen und Versuche (landwirtschaftlich gerichtete Raturku"de) zu ermöglichen und durch leine gleichmäßige Verteilung des Unterrichts auf das ganze Jahr einer Ueber- laflung der Schüler und^ Lehrer im Winterhalbjahr vorzubeugen. Es wäre zu begrüßen, wenn auch in diesem Jahre die gleichen Erfahrungen, in noch größerem Umfange, gemacht werden formten. Wettervoraussage. Noch immer keine nennenswerte Aenderung der herrschenden Wetterlage. Bornot'zen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 Uhr „Heimliche Dcaucscch. 1' — „Die Deutsche Frauenwoche am Rhein" in Köln. Zum Besuche dieser Veran». staltuna laden die Gießener Frauenoereine in un< serem heutigen Anzeigenteil ein. Man beachte die Ankündigung. — Dritter Welcker-Vortrag. Am nächsten Freitag spricht Pros. Dr. ßaqueur über „S t a a t s g e d a n k e n bei Griechen und Römern" (s. Inserat). Der Vortrag wird, wie man uns mitteilt, die Frage erörtern, von welcher Voraussetzung die Griechen ausgegangen sind, als sie die wissenschaftliche Theorie vom Staate begründeten. Diese griechische Staatscheorie ist von den Römern übernommen, aber auf Grund ihrer politischen Erfahrung in wesentlichen Punkten um« gestaltet worden, da sie die Bedeutung geschichtlicher Faktoren liefet zu würdigen verstanden. So eröffnet der Vortrag einen Einblick in die Gedankenwelt, die auch die politische Problemstellung. in der Gegenwart entscheidend beeinflußt. ** Straßensperre. Das Polizeiamt teilt uns mit: Wegen Vornahme von Rohrverlegungsarbeiten in der Nordanlage wird die Nordanlage zwischen Asterweg und Schottstraße am 16. und 17. d. Mts. für den Fuhrwerks- und Radfahrverkehr gesperrt. fpd. Der Anger st ein» Prozeß. In rem Prozeß gegen den Massenmörder Anger st ein aus Haiger wird in diesen Tagen das Haupt- verfahren eröffnet und gleichzeitig der Haupt- Verhandlungstermin bestimmt werden. Als solcher ist der 6. Juli in Aussicht genommen. Die Staatsanwaltschaft hat bereits alle Vorkehrungen für die Hauptverhandlung getroffen, insbesondere die Ladung der vielen Zeugen (etwa 170) und Sachverständigen vorbereitet. Die Anklage wird durch Oberstaatsanwalt Bacmeister und Ge- richlsassessor Dr. Hofmann vertreten. ** Preisgekrönter Gießener Schütze. Bei der Frankfurter Schießwoche, die vom 7. bis 14. Juni stattfand, schoß der Gießener Schütze Friedr. Pascoe am Sonntag, dem letzten Tag des Schießens, in der Zeit von knapp zwei Stunden den 2. Preis auf Rehbock-Scheibe mit 34 Punkten (1. Preis ebenfalls 34 Punkte) und den 3. Preis auf laufenden Keiler mit 31 Punkten (2. Preis ebenfalls 31 Punkte). Außerdem erschoß er sich den goldenen Frankfurter Adler als Ehrengabe. Der Preis auf Rehbockscheibe ist eine Ehrengabe des Allgemeinen Deutschen Jagdschutzvereins, Bezirksverein Frankfurt a. M., der 3. Preis auf laufenden Keiler ist ein großer silberner Pokal, gestiftet als Ehrengabe. ** Erfolgreiche Gießener Hunde- z ü ch t e r. Auf der Poftenschau für deutsche Schäferhunde am Sonntag in Limburg erhielten die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen im S. V. Wilhelm Plank mit der Hündin „Alma" die Bewertung sehr gut an erster Stelle, mit dem Jungrüden „Wotan" die Bewertung sehr gut an erster Stelle. Georg Hüttenberger mit dem Jungrüden „Wietu" die Bewertung sehr gut an achter Stelle. ** Höflichkeit gegen das Publikum. Der Präsident des Landesfinanzamts Düsseldorf empfahl in folgender Verfügung seinen Beamten Höflichkeit im Verkehr mit dem Publikum. Es wird vielfach Klage darüber geführt, daß die behördlichen Verfügungen, Zuschriften usw. in einem schroffen, ja oft drohenden Tone ab- gefaßt sind und dadurch den Unwillen der Betroffenen erregen. Die mir unterstellten Beamten haben zu bedenken, dah sie lediglich für die Öffentlichkeit und im gegebenen Falle auch für die Personen ihren Dienst verrichten, mit denen sie aus dienstlichem Anlaß zu verhandeln haben. Ich werde rücksichtslos gegen die Beamten einschreiten, die in der Verkennung ihrer Stellung Verfügungen, Ersuchungsschreiben, Antworten usw. auf einen Ton abstcllen, der eine Drohung, Kränkung oder schulmeisterliche Behandlung gegenüber dem Publikum im allgemeinen oder einzelnen Personen im besonderen erkennen lassen kann. Die Reichsgewerkschaft der Eisenbahnbeamten und -Anwärter, Ortsgruppe Gießen, hielt am Sonntag vormittag im Saalbau Sauer eine öffentliche Versammlung ab. Rach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden, Werkmeister Simon, sprach Eisenbahnsekretär i. R. Gebe, Frankfurt a. M.. über: „Den jetzigen und kommenden Personalabbau, die Entrechtung der Beamten und die Organisationsfrage." Redner schilderte zunächst die Ursachen des Personalabbaues und führte dann u. a. aus: 1923 sei die Eisenbahnverwaltung noch verpflichtet gewesen, die Abbaubestimmungen sozial durchzuführen. Heute fei das anders. Die Reichsbahn gehe über den Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen hinaus. Das Cisenbahngeseh räume der Reichsbahn das Recht ein, selbstherrlich, ohne Zustimmung der Arbeitnehmer, eine Personalordnung zu erlassen, die in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht außerordentlich ungünstig wirke. Durch das Reichsbahngesetz seien die Rechtsverhältnisse der Eisenbahnbeamlen we'entlich sch'echler wie vorher. Besonders hart sei die Bestimmung der Uebcr- führung von Beamten in das Arbeitsverhältnis. Der gegenwärtige Abbau sei noch nicht der letzte, weitere 2Nahnahmen in dieser Hinsicht seien noch in Aussicht, weil angeblich noch zu viel Beamte vorhanden seien. Der seitherige Beamtenabbau bei der Eisenbahn habe eine Ersparnis von Personen in Höhe von 20 Prozent gebracht, finanziell sei aber nur ein Vorteil von 8 Prozent zu verzeichnen. Man erstrebe daher, die Wartegeldempfänger wieder dem Dienst zuzuführen, um die Ausgaben zu verringern. Wo solche eingestellt werden, wolle man anderes Personal abbauen. Weiter sei eine Kürzung der Besoldungen, Peir- sionen usw. nicht ausgeschlossen. Der Redner schilderte sodann eingehend die furchtbaren Wirkungen des Abbaues. Durch die berufliche Eigenart des Eisenbahners sei es diesem schwer, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt unterzukommen. Auch die Versetzung der Beamten auf Dienstposten von geringerer Bewertung sowie die in Aussicht genommene Zurückversetzung in niedrigere Gruppen wirke niederschlagend auf die Betroffenen. Die Personalpvlitik sei keine vorübergehende, sondern eine Dauererscheinung. Hier helfe nur Zusammenschluß des Personals in geeigneten Organisationen. Der Redner erläuterte dann kurz die Aufgaben der Organisation. Er ist der Auffassung, daß die Zeitverhältnisse eine Umformung der Eisenbahnerorganisationen erfordern. Rur durch Schaffung einer Einheit sämtlicher Fachorganisationen bzw. einer Organisation des gesamten Verkehrswesens sei etwas zu erreichen. Rur auf diesem Wege sei eine Besserung der derzeitigen unerquicklichen Lage zu erreid^en An bic Ausführungen des Referenten schloß sich eine sehr interessante Aussprache. Landkreis Gießen. —o.— Großen-Ltaden, 15. Juni. Die Feier seines 7 5jährigen Bestehens Verbund der (8c|anlguerein „Harmonie" mit einem reichbejchicklen G e s a n g w c t i st r e i t. Das Fest wurde um Vorabend durch eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung aus dem Friedhof ei,.geleitet, bei der insbesondere der im Weltkrieg gefallenen Bereinsmitglieder gedacht wurde. Hach einem U m • zu g durch die Orlssiraßen sand' in der Geräumigen Turnhalle ein Festkommers statt, der seinen Höhepunkt in der Wiedergabe der , Maienwonne" O ,>ruhllngöbiider für Chor und Orchesterl »on Mar oon Weinze erreichte und dem sachkundigen und rührigen Dirigenten des jestgebenden Vereins, Wilhelm Schöttler ((Biegen), den wohlverdienten Beifall des vollbesetzten Hauses einlrug. Der srühzeitige Schluß der schönen Vbendunterhaltung siand schon unter dem Einfluß des ernsten Weit- slreites, der mit der üblichen festlichen Einleitung des Tages am Sonntag früh ■' Ilhr in der Turnhalle begann. Es war ein seltener Genuß, den in oussteigender Linie angeordnclen Vortrag der mannigsaltigen Pflichtchöre und Kürlieder in den verschiedenen Klassen auszunehmen, dem Ehrenpreis- chor in seinen immer wieder neuen und eigenartigen Schattierungen in seiner Wiedergabe zu folgen und insbesondere beim Hauptehrensingen sich der schimmernden Perlenkette unserer ewig-schönen Volkslieder zu erfreuen. Die Turnhalle war wieder bis zum letzten Platz besetzt, viele mutzten noch stehen, und es kam die andächtig lauschenden Zuhörer gar oft hart an, ihren durch viele schöne Leistungen ben auegcforberlcn Beifall ordnungsgemötz zu unterdrücken, denn diesmal hatte das Wort nur das Preisgericht, bestehend aus den Herren Ferdinand Bischoff, staatlicher Musikdirektor in Frankfurt a. M,. Dr. Fritz Noack, Privatdozent an der Tech- nischen Hochschule in Darmstadt, und Earl Stein- Hauer, Kgl. Musikdirektor in Oberhausen. Nach ihrem Urteil errangen in der Stadtklasse I den 1. Preis Liederkranz-Leihgestern mit dem Ehrenpreis, den 2. Frohsinn-Garbenteich: in der S t a d t k l a s s e II den 1. Preis Heiterkeit- Fechenheim a. TI., den 2. Liederzweig Nied a. M. mit dem Ehrenpreis und dem Hauplehren- preis der beiden StablHofien; ben 3. Eoncorbia« Töbgcn; in ber Lanb klasse l ben 1. Preis Freier Gesangverein Lieberzweig Ansbach i. T. mit bem Ehrenpreis, ben 2. Vikto- ria-®arbenteid); in ber Lanbklasfe II ben 1. Preis Aar-Gesangverein Herborn- Seelbach mit bem Ehrenpreis, ben 2. Germania- Watzenborn: in ber Landklasse III ben 1. Preis Einheit-Alle nborf a. b. Lahn mit bem Ehrenpreis unb bem Hauptehrenpreis aller 2anb- klassen, ben 2. Sängerkranz-Albach. ben 3. Lieder- frans Gratz-Rechtenbach, ben 4. Lieberkranz Nieder- fleen, ben 5. Lieberkranz-Roth: von ben bisher nicht preisgekrönten Vereinen errang Einlrad)t-3ugcnb- frans, Alten-Bufeck ben 1. Preis, Eintracht Ober- ofleiben-Gontershaufen ben 2. Preis, ersterer mit dem Ehrenpreis. Nachdem am Nachmittog ein stattlicher Festzug von 46 Gruppen unter den flotten Weisen der Kapelle des Musifmeisters a. D. Herm. Topp (Gießen) den Festort durchzogen hatte, überreichte Bürgermeister Lang ein großes Bild (Schu- bert) als Ehrengabe des Staatspräsidenten zum Jubiläum, Reftor Müller (Gießen sprach die Glückwünsche des O b e r h e s s. Sängerbundes aus, Frl. Minna Schmidt heftete, ber Vereinsfahne eine Schleife an im Auftrag von brei Sängern, die schon über 40 Jahre im Verein aktiv mitgewirkt hoben (Iohs. Leun IX., Hch. Dem VI. und Hch. Magnus), während Lehrer Römer in schönen Worten zum Schluß die Bedeutung des Tages würdigte. Im Laufe des Nachmittags fanden viele Festbesucher bei den ® e • fangsoorträgen der Gastvereine in der Turnhalle eine abwechslungsreiche Unterhaltung, und draußen auf dem Festplatz entwickelte sich bei herrlichem Wetter das übliche Festgetriebe. Mit dem Abzug der fremden 'Vereine am Abend lenkte das schön verlaufene Fest in mehr lokale Bahnen ein, die es auch am Montag bctbehalten wird. Leihgestern, 15. Juni. Ein besonders ereignisvoller Tag für das Verein sieben unserer Gemeinde war der gestrige Sonntag. Der Gesangverein . Liederlranz" errang unter der Leitung seines tüchtigen Dirigenten, Lehrer Blaß bei dem Gesangswettstreit in Großen- Linden in der ersten Stadtklasse den ersten und Ehrenpreis. Kurz darauf, nachdem die Preisverteilung stattgefunden hatte, rückten die Turner des Turnvereins „Frisch auf". Leihgestern, welche ebenfalls mit dem ersten, zweiten und Ehrenpreis in der Oberstufe preisgekrönt vom Gauturnsest de- Gaues Wetterau aus Dorheim zurückge'ehrt waren, auf dem Festplah ein. Mit Trommelschlag und Pfeifenspiel rückten die beiden Vereine kurz vor Eintritt der Dunkelheit in unserem Dorfe ein. Besonders zu erwähnen ist. daß auch der Gesangverein „Eintracht", Leihgestern, der alS Gastverein auf dem Sängerfeste anwesend war, lebhaften Anteil nahm an den Freuden über den Sieg der beiden Brudervereme. Dies kam schon äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß sich seine Sänger unter die Gruppen der neiden anderen Vereine verteilten und die drei Fahnen allen Festteilnehw.ern vorauswehten Sollte dieses schöne Bild der Einigkeit die Veranlassung fein, auch sonstige Gegensätze in der Gemeinde zu überbrücken, so märe dieser Tag nicht nur ein großer Erfolg für die beiden preisgekrönten Vereine sondern auch für die ganse Gemeinde !*! Steinbach. 15. 3uni Ein großes Kriegerve reinsfe st wurde am gestrigen Sonntag in Steinbach bei einer Beteiligung von 35 .Kriegervereinen des Kreis es Gießen abgehalten, galt eS doch, das 5 0jährige Jubiläum des hiesigen K r i e g e r b c r e i n S. eines der ältesten unseres Kreises festlich zu begehen. DaS Dors prangte im Frirschmuck. und Ehrenpforten grüßten die Gäste und Kameraden. Vormittags 9 Ahr nahm d:r Kriegerverein mit Fahne am Gottesdienst teil Anschließend wurden die Gedenksteine, die um das Kriegerdenkmal im Kreil: ausgestellt sind, feierlich eingeweiht. Jeder von den 32 Gedenksteinen trägt einen Flamen der 32 gefallenen Söhne unserer Gemeinde. Die Angehörigen hatten die Steine mit Blumen und Kränzen geschmückt. Pfarrer Krämer hielt die Wriye- und Gedächtnisrede, worauf der Vorsitzende oeS Kriegervereins, Hch. Keßler, an den beiden Kriegerdenkmälern - 1870 71 und 1914 18 — je einen Kranz nieberlcgte. Die Musik spielte „Ich haft' einen Kameraden". Die beiden Gesangvereine trugen Chöre vor Von 12 Ahr ab trafen die Vereine meist mittels geschmückter Leiterwagen ein. Aach 2 ilbr begann der festliche Umzug durch die Straßen des Dorfes zum schön gelegenen Festplahe. Bürgermeister Krämer und der Dereinsvorsihende Hch. Keßler hießen die Gäste herzlichst willkommen. Fräulein Mathilde Komp, sprach ein Festgedicht. beglückwünschte den Kriegerverein zum Jubiläum und überreichte im Auftrag der Frauen und Jungfrauen eine prächtige Fahnenschleife. Pfarrer Krämer sprach über echte Vaterlandsliebe und deutsche Treue und gedachte der Tausendjahrseier am Ahein. Der Bezirksvorsteher des Hassiabezirls Gießen. Professor Dr. Krämer--Gießen, übermittelte die Glückwünsche der 2000 Kameraden des Bezirks Lich und der Krie- gerlameradschaft Hassia. An fünf Gründer und verdiente Mitglieder überreichte er im Auftrag der Hassia Ehrentafeln, nämlich an Johannes Balser. Ludwig Größer, Ludwig Haas, Georg Schäfer und Philipp Dalthaser M ü l - l e r. 3m Aamen der also geehrten Kameraden dankte Georg Schäfer, der langjährige Vorsitzende, für die Ehrung. Der Festakt schloß mit dem Absingen des Deutschlandliedes. Richt zu vergessen ist, daß die beiden Gesangvereine „Germania" und „Eintracht" das Fest durch Gesangsvorträge verschönten. Ileberhaupt nahm fast die gesamte Bevölkerung Steinbachs an dem Feste lebhaften Anteil. Aach dem Festakt entwickelte sich in den Festhallen ein echt kameradschaftliches Treiben Volks- und Soldatenlieder wurden in ausgiebiger Weise gesungen, und überall sah man die alten Soldaten das Wiedersehen in herzlicher Weise begehen. c Lich. 15. Juni. Tierarzt Walter wurde von der tierärztlichen Fakultät der Universität München zum D r. meb. vet. ernannt. Die wissenschaftliche Arbeit Dr. Walters zeitigte sehr beachtungswerte Ergebnisse auf dem Gebiete der Seuchenforschung. Mrciö Büdingen. .. ?" A i d d a , 15. Juni. Das Fest der Fahnenweihe des Gesangvereins „Eintracht", das gestern hier ftattfanb und mit Sorgfalt und Tlmsicht vorbereitet war, nahm einen guten Verlauf. Ein stattlicher Lanrpionzug, an dem sich sämtliche hiesigen Vereine beteiligten, leitete am Vorabend das Fest ein. Der Haupt- sesttag. mit Weckruf beginnend, führte 16 Gast- vereine und eine große Zahl auswärtiger Fest- gäftc in unsere Mauern. An dem Festzug, der nachmittags 2 ilbr die sahnengeschmückten Straßen der Stadt passierte, nahmen 25 Vereine, Stadtvorstand, Ehrenausschuß und Ehrenjungfrauen teil. Festreiter und Aadsahrer bildeten die Spitze, drei Kapellen stellten die Marschmusik. Die Feier auf dem Festplatze, der sog. Gänswiese, wurde durch einen Degrühungschor des festgebenden Vereins eingeleitet. Herzliche Grußworte des Vereinsvorsihenden schlossen sich an. Pfarrer Laut zu Aidda hielt die Fest- und Weiherede. Anschließend an die Inschrift der neuen Fahne „Zu jeder Zeit, an jedem Ort. sei frei das Lied und frei das Wort" entwickelte er die Begriffe „ Freiheit" und „Eintracht" und pries insbesondere das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner Aiddas, das sich auch bei diesem Feste wieder in so hohem Maße gezeigt habe. Die neue Fahne weihte er als Sinnbild der Treue zu dem echten, wahren und schönen deutschen Liede. Frl. Lotte K r e u d e r grüßte Lied und Sang in einem fchöngesprochencn Prolog, Frl. Lenchen Fleischer ermahnte angesichts der enthüllten Fahne zur Treue und Eintracht. Aach Beendigung VeS Weiheaktes trugen die erschienenen Gastvereine ihre Wahlchvre vor. deren Tert in einem von bem festgebenden Verein berausgegebenen Festbuche niedergelegt war Obwohl am Vormittag die Wolken drohend am Himmel standen, um- strahlte am Mittag heller Sonnenschein daS bunt- dewcgre Festtreiben, so daß der festgebende Verein. sowie die ganze Stadt den Tag in froher Etinnerung bebalten werden Ärcie Schotten. Schotten. 15. Juni. Am gestrigen Sonntag fanden im Kreise Schotten die Dürgerrnei st erwählen statt. Schotten selbst wählt erst am 23. Juni. In einigen Gemeinden kam eS zu lehr lebhaften Wahlkämpfen. In Burkhards bekam z. D der seitherige Bürgermeister Kneip 141. der Gegenkandidat Kunkel 140 Stimmen, in StvrnfelS der seitherige Bürgermeister Schneider 71 gegen 66 123 Stimmen. Nachfolgend die anderen Resultate: Rudingshain - Otto Hartmann II 216, Bürgermeister Deubel 125 Stimmen Einartshaufen: Beigeordn. Jochim 125. Merker 75 Stimmen. Eschenrod: Bürgermeister Weber. Rebgeshain: Bürgermeister Rausch, Götzen: Heinrich Heid. Breungeshain Bürgermeister Strauch. Michelbach: Bürgermeister Damb'.nann. Busenborn: Bürgermeister Gebhard. Ulla. Bürgermeister Hofmann. Steinberg. Bürgermeister Kaller 127 gegen 101 fLanglitz», Gedern: Bürgermeister Müller. Bobenhausen II Bürgermeister Möser, Feldkrücken: Louis Kaiser 65. Rühl 59. Altbürgermeister Schleuning 51 Stimmen. Stichwahl zwischen Kaller und Rühl. Kölzenhain Bürgermeister Dietz. Helpershain: Bürgermeister Eifert, Höckersdorf: Bürgermeister Philippi, Altenhain. K. Rahn II. 103:57 i "Bürge rm. Dierjng). Lardenbach: Bürgermeister Lein. Klein-Eichen: Bürgermeister Hoffmann. Volkartshain: Heinrich Müth II 89: 21 Stimmen lBürgerin Winneckcr), W e 11 e r f e l b: Bürgermeister Kraus, Ober- Seemen. Bürgermeister Herröder 179, Kipper 137 Stimmen, eS findet Stichwahl statt (5 Kandidaten M 11 t c I - €5 c e in c n: Landwirt Luit Beigeordneter. Aieder-Seemen: Kaspar Herröder. Ober-Seibertenrod: Bürgermeister Rühl 99:58, Unter-Seibertenrod: Bürgermeister Momberger, HartmannShain: Bürgermeister StramH 82:58 Stimmen (Luft). Herchenhain: Ernst Linker 120:85 Stimmen (Bürgermeister Komp). Ober-LaiS: Bürgermeister Schauermann: Groß-Eich en: Bürgermeister Faust 310:68 (Lang) und 36 (Ellrich), Sellnrod: Beigeordneter ' Rahn, Stumpertenrod: Bürgermeister Hahn. Köddingen: Bürgermeister Rühl. Meiches: Bürgermeister Rau. In Feldkrücken und Ober-Seemen finden Stichwahlen statt. <^> Schotten. 15. Juni Der Männerchor 18 3 7 Schotten konnte am Sonntag auf dem Sängerwettstreite in Lauterbach in der 1. Stadtklasse den 3 Preis erzielen. Es ist dies ein schöner Erfolg, zumal die Konkurrenz sehr stark war und der Verein noch nie an einem Wettstreite teilgenommen hatte Ober-Sch mitten, 15. 3unt Die gestern stattgehabte Dürgerrnei st erwähl stand im Zeichen schärfsten Wahlkampfes. Von 330 Wahlberechtigten machten 310, das sind 94 Prozent, von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Gewählt wurde ber Beigeordnete Karl Mantel mit 193 Stimmen. Der seitherige Bürgermeister Otto Diehlmann erhielt 117 Stimmen. Kreis Alsfeld. M Alsfeld. 14. Juni. Heute fand die Einweihung der neuerbauten Fest - halle auf dem Lindenplatz statt. Die Bürgermeisterei hatte in einer öffentlichen Bekanntmachung die gesamte Einwohnerschaft dazu eingeladen. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g hielt die Festansprache, wobei er von dem Gedanken auS- ging, daß die Erbauung der Festhalle auS der Aotwendjgkeit hervorgegangen fei. den Anforderungen der fortschreitenden Verkehrs- interessen der Stadt Alsfeld durch eine neue, zweckentsprechende Festhalle Rechnung >zu tragen. Die Rede klang aus in einem Hoch auf das weitere Wachsen, Blühen und Gedeihen der Stadt Alsfeld. Den musikalischen Teil der Feier bestritt die 16 Mann starke Feuerwehrkapelle, während der Gesangverein Lie- derkranz die Feier durch einige prächtige Chöre umrahmte. Die Festhalle, die etwa 2000 Personen faßt, war dicht beseht. Die mustergültige und zweckmäßige Einrichtung der Festhalle fand anteiligen Beifall. Am Abend sand in der Festhalle auf dem besonders darin hergestellten Parkett-Tanzboden der unvermeidliche Tanz statt. ber au‘ die Jugend eine große Anziehungskraft auSübte Die Feier war vom schönsten Wetter begünstigt. CO Kirtorf, 14. Iuin. Bei der heule im benachbarten Ober-Gleen OattQvtunhcncn Bürger in ei st erwähl wurde ber Landwirt Heinrich Haha mit 284 Stimmen zum Bürgermeister gewählt Der alte Aürg rmeister Wolf, der biefeS Ami 'chon 33 Jahre verwaltete. vermochte nur 91 Stimmen aul sich zu vereinigen Disteren-en mit ber Gemeinde wegen eiböbler Vergütung machten dem allen nahezu 70jährigen, sehr bewahrten unb meitblldenben Herrn viele Wähler abwendig Bemerkenswert ist, bah in derselben Familie schon 52 Jahre lang die Bürgermeisterei zu Hause ist. Mrcio Lauterbach. Lauterbach. 15. Juni. Der j ü n g st « Turnverein b c e 4. Bezirks im T urngau Hessen, ber erst kürzlich dem Gau beigetreten« Turnverein Pfordt im Schlitzerland. entfaltet bereite eine äußerst jletßige turnerische Tätigkeit. So war es ihm möglich, beim Dezirksturnen deS 4. Bezirks in Rieder- Oh in e n wieder 10 Preise zu erringen, darunter den 6. Sieg bei den aktiven Turnern und den 1 flieg in der Schülerstufe. Bei den Sonderwettkämpfen errang im Stabhochsprung ber Turner H R i tz mit 2.90 Meter ben 3. Preio Hcsscn-Rossa« fpb. Frankfurt u. TL, 15. Juni. 3n der Streitsache ber in bem Berkehrsbund organisierten S t r a tz e n b a b n c r des Nhem Mainbezirks mit bem Arbeitgeberverband hat der Berliner Zentral- ausfchutz als höchste Instanz hie früheren Schiedssprüche aufgehoben unb entjchieben. baß bic Straßenbahner kein Recht auf Monatsgehälter hoben, lonbcrn nach 6tunbenlohnen zu ciuichabigen feien. Die Vertrauensmänner ber Frankfurter unb Offenbacher Straßen bahn» betriebe haben diesen Berliner Schiedsspruch einstimmig abgelehnt unb ben Eintritt in den Streik beschlossen Eine starkbesuchte Stra- tzenbahneroersammlung ist am Sonntag diesem V"rtraucnsmäntrerbeschlutz beigeircien. Heute abend findet unter dem gesamten Stratzenbahnerperlonal eine Urabstimmung statt, ob ber Berliner Schiebs- spruch abzulchnen |ei ober nicht Wird der Spruch abgelehnt, bann bedeutet das den Streik - Auch ber zweite bei dem Absturz ber Sportflug- maschine am Samstag verunglückte Pilot ist jetzt seinen Verletzungen erlegen. Frankfurter Theater. Ztr $>cllnierd ißcgfimig. SebcutungsDollc Vcränberungcn im Frankfurter Theaterleben werden von Berlin aus eingeleitet. Nach vierzehnjähriger, überaus erfolgreicher Tatig- keii übernimmt Direktor Hellmer mit Beginn der kommenden Saison drei große Bühnen in Berlin, für die er mit die besten und prominenteffen Schauspieler verpflichtet hat, die Berlin heute besitzt. Hellmer ist ein viel zu guter Geschäftsmann als Theaterleiter, als daß er diese Konstellation nicht zugunsten seiner Stammbühne verwertete. Mit einem triebhaften Arbeitsfleiß hat er unter schwierigsten Verhältnissen — man denke nur an bic Inflationszeit — lein Neues Theater aufgebaut unb ihm die Bedeutung einer Kunst- und gediegenen dramatischen Unterhallungsstatte verliehen, die weit über Frankfurt hinausreicht, er wird jetzt seine größeren Mittel erst recht in den Dienst feines Frankfurter Instituts stellen, und daraus darf man interessante Belebimaen hinsichtlich der Äünftlcrgafffpielc erhoffen. Mit Karl E b er t und Gerda M ü l - l e r, die in Strinbbcrgs „Rausch" starke Eindrücke auslösten, hat dies bereits begonnen. Beide Künstler gehörten vor einigen Jahren noch dem Spielkörper des Schauspielhauses an, sie haben sich seit ihrem Weggang führende Bedeutung in Berlin zu schaffe» gewußt. Daß es bei der Umgestaltung nicht ahne gewaltsame Verschiebungen avgehen würde, kann man sich denken. So wurde ber ausgezeichnete Komiker Otto Wall bürg nach Berlin versetzt: fein Abschieb war ein schmerzliches Ereignis für Frankfurt, zugleich aber auch die offensichtliche Feststellung seiner künstlerischen Ißertc. Denn dieser Darsteller, den man jetzt häufiger mit Pallenberg in nähere Verbindung bringen wird, besonders da er ihm auch in sprachlich-technischer Beziehung nicht unähnlich ist, gehört ;u jenen Erscheinungen, über die man unter Umständen Tränen lacht, ohne daß ber Reiz dieser Heiterkeit eigentlich in der Form der Darstellung begründet ist. Es reicht tiefer, bis in die Untergründe menschlichen Gefühls, wo aus ber Tragik durch seine Künstlerseele befreiender Humor wird, es ist nicht das „unter Tränen lächeln", es ist die Kraft einer künstlerischen Persönlichkeit, die Tausenden über bas Unzulängliche des Daseins hin- weghelsen, in dem sie dumpf befangen sind. Wallburg ist solch eine Befreiernatur, unb er wird seinen Weg in der breiteren Oeffentlichkeit Berlins nun durch Deutschland machen, in Frank- flirt aber wird er im Neuen Theater eine breite Lücke hinter sich lassen, die er nur selbst bei Jemen Gastspielen zeitweilig wird schließen können. L. W. Sonntag, den 21. Juni 1925, nachmittags 2' Uhr: 21. Nuder-Regatta Die zur (Regatta gelösten (Eintrittskarten berechtigen auch zum Besuch der Dorrennen. Schluß des Vorverkaufes: 20. Juni, mittags 12 Uhr. 5938c Gietzener Ruder-Gesellschaft 1877 e. V. Dorrennen: Samstag, den 20. Juni, von SV- Uhr nachmittags ab Während der Regatta: Konzert, ausgeführt von der Kapelle Topp Preise der Plätze: 3m Vorverkauf bei Herrn L. Scharmann, Lindenplatz 3, Fritz A. Nennstiel, Seltersroeg 81 und (Tafö Amend: Terrasse Mk. 4.50, numerierter Platz Mk. 3.50, 1. Platz Mk 2.50, Schiirz'sche Bleiche Mk. 1.-; an der Kaste: Terraste Mk. 5.-, numerierter Platz Mk. 4 1. 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Dos Flottenprogramm des Jahres 1900 mar in England noch ohne ernstliche Beunruhigung ausgenommen worden: galt doch damals Deutschland eher als möglicher Verbündeter denn als künftiger Gegner, wie die Allianzangebote von 1901 Zeigten. Als jedoch diese Bündnisocrhandlungen endgültig gescheitert waren und England statt dessen 1904 die Entente cordialc mit Frankreich, 1907 den Vertrag mit Rußland abgeschlossen hatte, mußte auch die Stellung zu der inzwischen erstarkten deutschen Flotte eine ganz andere werden. Die deutschen Flottennooellen der Jahre 1906 und 1907 riefen in der englischen Oeffentlich- keit wie bei der liberalen Regierung lebhafte Beunruhigung hervor, ja maritime Peißsporne gingen soweit zu empfehlen, sich durch tinenlieber* fall des lästigen Rivalen zu entledi- gen. Kein Zweifel, daß diese Besorgnis die eng» lischen Staatsmänner in ihrer pinneigung zu Frankreich-Rußland bestärken mußte. Andererseits jedoch wäre es den liberalen Ministern erwünscht gewesen, neue Rüstungsausgaben durch ein Abkommen mit Deutschland zu sparen, da das englische Budget bereits durch die großzügige Sozialpolitik des Schatzkanzlers Lloyd George stark belastet war. Wiederholt trat man mit Anregungen dieser Art an deutsche Politiker heran. In Berlin war man jedoch zu einer Flöt» tenverständigung nicht geneigt. Kaiser Wilhelm stand, beraten von Tirpisz, auf dem Standpunkt, jeder Staat müsse unabhängig von anderen Mächten soviel Schiffe bauen, wie ihm nötig erscheine. Bülow, weniger schroff ablehnend, vermochte sich nicht burchzusetzen. Ueberhaupt standen die deutschen Politiker unter dem Eindruck der englischen Entente-Politik. Aus diesem circulus vi- liojus der englischen Furcht vor der deutschen Flotte und der deutschen Besorgnis vor der englischen Ein- treisungspolitik kam man weder in Berlin noch in London heraus. Die „W e ft m i n ft c r Gazette" charakterisierte die Situation richtig, indem sie im Juli 1908 schrieb „Wenn Deutschland nur glauben wolle, daß die englische Politik nicht gegen Deutschland gerichtet sei, und wenn die Engländer nur glauben wollen, daß die deutsche Flotte nicht gegen England gemünzt sei, dann würde jeder Grund zur Unruhe verschwinden." Wir bringen im Folgenden aus dem jetzt er- scheinenden 24. Bande Der Großen Aktenpubli- kation des Auswärtigen Amtes*) zwei Schriftstücke erstmalig zum Abdruck, die die geschilderte Situation hell beleuchten. Die Aufzeichnung des Lom doner Botschaftsrats zeigt die Bedeutung der Flottenfrage für das ganze Empire: der Bericht des Botschafters Grafen Metternich über eine Unterhaltung mit (Brei) und Lloyd George ist auch wegen der charakteristischen Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II. von besonderem Inter» esse. Auszeichnung des Ersten Sekretärs bei der Botschaft in London von Stumm, z. Z. in Berlin. Unsignierte Reinschrift. Berlin, den 5. Juli 1908. Das in der englischen Politik sowohl wie in der Stimmung weiter Dolkskreise in England zum Aus» *) „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871—1914." Samlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsins, Albrecht Mendelssohn Bar- tholdy, Friedrich Thimme. -1. Reihe „Die Jsolie- rung der Mittelmächte. Zweite Abteilung: Band 22 bis 25. Im Berlage der Deutschen Verlagsgesell- schäft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8. druck kommende Mißtrauen Deutschland gegenüber ist beinahe ausschließlich auf die Beiorgnisse zurück- zuführen, die das Anwachsen der deut» schen Seemacht hervorruft. Bon einer etwa auf der Verschiedenheit der Bolkscharaktere beruhenden Antipathie des Engländers gegen den Deutschen ist — von individuellen Fällen abgesehen — in England nichts zu verspüren. Ebensowenig stehen historische Remiszenzen einem freund- schastlichen Einvernehmen der beiden Völker hindernd im Wege. Was schließlich die deutsche Konkurrenz auf wirtschaftlichem Gebiete betrifft, so gibt es allerdings einzelne Jnteressenkreije, die sich durch den deutschen Wettbewerb geschädigt oder boch bc droht fühlen und deren Mißvergnügen sich in polt« Uscher Gegnerschaft gegen das Deutsche Reich Lust macht. Indessen darf angenommen werden, daß die Zahl der unmittelbar in ihren Erwerbsinterefsen 'Betroffenen verhältnismäßig klein ist. Wenn trotz- dem von englischer Seite immer wieder aut die der englischen Volkswirtschaft von Deutschland drohenden Gefahr hingewiefen wird, so ist dies vorwiegend ein agitatorisches Argument für die Zwecke der Schutzzollpropaganda. Diese aber ist keineswegs auf finanzpolitische Erwägungen zurück- zuführen ... Die englische Schutzzollbewegung dankt vielmehr ihre Entstehung vorwiegend dem Wunsche, die einzelnen Bestandteile des engliichen Imperiums durch Schaffung gegenseitiger Wirt- schaftsinteressen fester aneinander zu feilen. Sie ist ihrer Entstehung und ihrem Wesen nach eine im» perialistische. Sie ist aus der Erkenntnis hervorgegangen, daß dem ideellen und — materiellen Inter esse, das das Mutterland an der Aufrechterhaltung des britischen Kolonialreiches hat, zurzeit im wesentlichen nur das Interesse gegenübersteht, das die Kolonien an dem Schutz haben, den ihnen die englische Seemacht gewährt ... Die englischen Schutz- zollbeftrebungen gehen daher daraus aus, durch Kräftigung der gegenseitigen Wirtschaftsinteressen die Bande fester zu gestalten, die die englischen Kolonien mit dem Mutterlande verknüpfen. Präseren- tialzölle gegenüber dem Auslande sollen hierzu die Handhabe bieten. Inwieweit dieses System durchführbar ist, ist sehr bestritten . . . Einstweilen und auf absehbare Zeit hinaus aber bildet noch politische Machtfülle des Mutterlandes und insbesondere Seemacht den Kitt, der das enp- lische Kolonialreich zusammenhält. Die Besorgnis vor einer Adsorbierung durch die nordamerikanische Union im Falle der Trennung von England hält Kanada vorläufig im englischen Kolonialreich trotz vieler Interessengegensätze ebenso fest wie Australien, das mit steigender Beängstigung der Evolution der gelben Rasse gegenübersteht. In Britisch- Westindien soll bereits eine starke Neigung zum Anschluß an die Vereinigten Staaten bestehen und was die englischen Kolonien in Südafrika betrifft, so dürfte es wohl auch hauptsächlich das Gefühl der eigenen Schwäche und Hilflosigkeit sein, das den dort hervortretenden Unabhängigkeitsbestrebungen zurzeit noch gewiße Schranken auferlegt. So ist die Frage der Aufrechterhaltung seiner Uebermacht zur See eine Frage von Dital ft er Bedeutung für England, denn mit dem Verschwinden derselben würde das englische Kolonialreich selbst ohne einen Angriff von außen vermutlich zu- fammenfaUen wie ein Kartenhaus. Solange die Hegemonie der englischen Flotte unbestritten war, konnte es sich England erlauben, auf Bindungen mit einzelnen kontinentalen Mächten zu verzichten. Es kam aber die Zeit, wo man sich englischerseits in seiner splendid Isolation doch etwas unbehaglich zu fühlen begann. Die englische Politik konnte sich an den Dreibund ober den Zweibund anlehnen. Der Zusammenschluß Englands mit der französisch-russischen Gruppe läßt Deutschland als einzigen ernsthaften Gegner der englischen Seemacht bestehen. Denn die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts mit den 'Bereinigten Staaten von Amerika stellen die englischen Staatsmänner nicht in Rechnung. Das Bestreben der englischen Politik wird es daher zunächst auch weiterhin fein, die Zahl der Bundesgenossen nach Möglichkeit zu beschränken, die Deutschland im Falle eines Krieges mit Eng- Der Mann mit dem Vogel. Don Heinrich L e r f ch. Seit einigen Tagen quält mich mein Junge unablässig mit der Frage: „Tater, waS ist das. Dichten?" Wie konnte ich dem Vierjährigen Antwort geben? „Sag eS mir doch, Vater, fag es mir doch! Vater, wenn ich es weiß, stör ich dich nie mehr, nie!" , . . Dor ein paar Wochen waren totr bet unserem Freund Winckler in Mörc. Er machte gerade eine Handschrift druckfertig, schnitt die gestrichenen Stellen aus dem Manuskript, fügte Seite zu Seite von neuem zusammen und klebte daS Zerschnittene auf neuen Vogen ins Ganze. Vom Anschauen müde, fragte Manni. „Warum tust du das, Onkel Winckler?" Winckler sah in das erstaunte Kindcrgesicht und sagte lachend: „Ich bin am Dichten!" Als wir ein paar Tage später nach Hause kamen, ging Manni in die Werkstatt und holte den großen Leimtopf Er schlich zur Mutter und Tagte ihr heimlich: „Den stell ich dem Vater auf den Tisch, damit er besser dichten kann P Drei Tage lang thronte der Leimkessel auf dem Tische. Da kam Jakob Kneip zu Besuch. Wir sprachen natürlich von unserer Arbeit. Als Manni inS Vett ging, sagte er zu Kneip: ..Onkel Jakob, ihr habt ja noch gar nicht vom Leim gesprochen." „Dom Leim, Manni, was sollen wir vom Leim sprechen I" lachte Kneip. „Ta, Onkel Jakob," sagte Manni, „leimst du denn nicht auch? Onkel Winckler leimt seine Bücher zusammen und sagt: Dichten ist leimen!" Seitdem glaubt er nicht mehr so recht an den Leimtopf. „Vater, was ist denn nun eigentlich dichten, richtig?" Das mit dem Singen und Erzählen hat er bald kontrolliert. Singen und Erzählen können auch Leute, die keine Dichter sind. „Tun sag es mir aber ganz richtig!" bettelte er, „sonst kann ich dich nicht in Tuhe lassen!" „Erika," tagte er zu seiner Mutter, „alle Leute können sagen, was ihre Arbeit ist, bloß der Vater nicht. Ist er so dumm, wie der Onkel Winckler und der Onkel Kneip, die es auch nicht wissen? Das ist doch schrecklich, wenn man so einen dummen Vater hat!" Da kam ein Freund, der Privatdozent an der Universität Marbach war. „Onkel Hermann Pongs weiß mehr wie der Vater, der weiß überhaupt mehr wie deine dummen Dichter!" hetzte ich Manni auf ihn. Ich ging einen Augenblick abseits: mochte der angehende Literaturprofessor sich allein aus der Patsche helfen. Manni schien befriedigt und ich hatte ein paar Tage Ruhe. Für dielen Erfolg danke ich hiermit öffentlich allen Vertretern der Literaturwissenschaft .Bisher hatte ich keine Ahnung: zu was sie eigentlich da fei „Vater, nun habe ich es vergessen!" sagte er eines Tages nach dem Mittagessen. „Was denn, mein Junge?" „Dichten ist..... Ich weiß es wirklich nicht mehr!" „Jetzt ist aber Schluß mit der Fragerei! Manni, komm her!" „Also, jetzt sag ich's dir gleich?" (Ich wußte selbst noch nichts.) „Also nein! Komm auf meinen Schoß, paß auf. Allo, was ist der Vater. Manni?" (Ich gewinne Zeit.) „Du? Du bist, dumm bist du!" ist seine Antwort. „Also, der Vater ist dumm. Der Mensch ist also dumm. Woher weih nun der Vater das, was er so fleißig aufschreibt und für das ihn der Onkel Meyer feine Löhnung schickt? Woher weih der Vater das, was schön und wahr ist? Dichten ist Schönes und Wahres schreiben, pah aus' Wenn der Vater so allein im Garten geht, her und hin, dann sieht er meist den Vögeln zu, den Bäumen, Sträuchern und Blumen Die wissen alles, die brauchen nicht erst in die Schule zu gehen und dicke Bücher zu lesen. Tun bittet der Vater die Blumen und Bäume, land finden könnte. Diese Politik ist ihrem Wesen nach eine helfen f i d e. Eine aggressive Politik wurde dem Friedensbedürinis der überwiegenden Mehrheit des englischen Volkes durchaus widersprechen. Indessen muh mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die englische Defensive sich m dem Augenblick in eine Offensive verwandelt, in dem die englische Suprematie zur See selbst von dem isolierten Deutschland für gefährdet gehalten werden würde. (Schluß folgt.) 25 Jahre Hessische Handwerkskammer. * Darmstadt, 13. Juni. Die Hessische Handwerkskammer besteht, wie auf der letzten Tagung Mc'cr Körperschaft mitgeteilt wurde, jetzt 2 5 Jahre Gestern wurde vieles Ereignis in Gegenwart von Vertretern des Handwerks. sowie staatlichen und städtischen Behörden durch einen Festakt begangen. Musikalische Darbietungen leiteten die Feier, die im Saale der Vereinigten Gesellschaft abgehalten wurde, ein Der Bot fitzende der Handwerkskammer, Tohl. hielt eine Ansprache, in der er einen geschichtlichen Tückblick auf die Tätigkeit der Handwerksiantmer in den abgelaufenen 25 Jahren warf Der Tebner führte u a. aus: Meine besondere Aufgabe soll es heute fein, auf die kommenden Forderungen und Ziele des Handwerks hinzuweifen. Durch die Inflation ist der handwerkliche Mittelstand vollständig verarmt, und es erwachsen den Handwerkskammern die Aufgaben, in erster Linie darum besorgt zu fein, daß der gewerblichr Mittelstand erhalten bleibt. Die Weimarer Verfassung sichert dem gewerblichen Mittelstand den Schutz vor Alcbcrlaftung und Aussaugung au. Während die zahlreichen anderen Berussfchich-en gegebenen Versprechungen weit über die Erwartungen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Teiches hinaus eingelöst wurden, sind die in der Verfassung ausgestellten Verpflichtungen gegenüber dem Handwerk von den Parlamenten. Tcgierungen und Behörden nicht erfüllt worden. Im Gegenteil, gerade weil der Handwerker auf die Gesetzgebung feine Hoffnung baute, weil er festhält an den Grundsätzen von Treu und Glauben, weil er sich nicht Geschäftsgepflogenheiten bediente, die unter normalen Verhältnissen als nicht ganz korrekt angesehen worden wären, wurde sein Vermögen ein Taub der Geldentwertung. Der Tcbncr erörterte bann die Schwierigkeiten der Kredit- beschassung für das hessische Handwerk, er forderte Tegelung des Verdingungswesens, bessere Fachvorbildung, klare Entscheidung über den Begriff Handwerksbetrieb und schloß mit einem Hinweis auf weitere Aufgaben des Handwerks, die ihrer Lösung harren. Es hielten dann noch Ansprachen der Direktor der Handwerkskammer, Schüttler, der Minister für Arbeit und Wirtschaft, T a a b , sowie Oberbürgermeister Dr. G l ä f f i n g und andere Tebner. Der Feier schloß sich ein Festessen an. Dei dieser Gelegenheit wurde dem langjährigen Vorsitzenden der Handwerkskammer. Geh Gewerberat Falk, Mainz, in Anerkennung seiner Verdienste um das hessischen Handwerk, eine Ehrenplakette überreicht Turnen, Sport und Spiel. Bezirksscst des Südbezirks verbunden mit 25-jähriger Jubiläumsfeier des Radfahrervereins 1900 Wieselt. £ Der SÜbbezirk bes Gaues 73 Lahn im B. D. R. hielt fein 2. B e z i r k s f e st am 13., 14. und 15. Juni in Wieseck ab. Der feftgebenbe Verein verband damit die Feier feines 2 5 jähr. Bestehens. Die ganze Veranstaltung ist als sportliches Ereignis anzusprechen, das Beachtung verdient, eine ausgezeichnete Organisation orgte für einen glatten und reibungslosen Verlaus. Die rad- sportlichen Leistungen standen auf anerkennenswerter Höhe, einzelne waren als hervorragend anzusprechen. Am Samstagnachmittag fanden bereits die Vor- wettbewcrbe im Zweierradball statt. Der Kommers am Abend, der bereits sehr stark besucht war, brachte nach einer Begrüßung der auswärtigen Sportler die Pflanzen und Tiere, sie sollen ihm doch etwas von ihrer Weisheit und Schönheit mitgeben. Das tun sie auch gern; aber sie sprechen so leise, bah der Vater cs kaum hört. Denn, er hat noch zu viele Zahlen in den Ohren, weißt du: fo 3,14 mal 5600 mal 1719. ilnb bas Burnbuin vom vielen Kesselschlagen mit dem dicken Hammer! Drum kann er von dem, was sie ihm sagen, nicht alles hören und ist traurig. Auf einmal hört er ganz was Feines. Ganz nahe an seinem Ohr sitzt da ein kleines Vögelchen, das sagt: Du dummer Vater, warum hast du mich nicht eher gerufen! Du weißt doch, daß ich hinten den sieben Bergen wohne, und daß ich alles weiß. Schick aber erst die Leute fort, ich kann das viele Sprechen nicht leiden! Sie sprechen ja doch immer von Geld! ilnb bann geht ber Vater auf fein Schreibzimmer. und setzt sich ganz still hin. Wenn die dicken Autos vorbeikommen, dann ist es still, und wenn der Manni „Vater" brüllt, dann geht es fliegen. Aber ist der Vater mit dem Vögelchen allein, dann sagt es ihm alles, was nie ein Mensch gesehen hat, sagt ihm alles, was die Bäume, der Wald, die Vögel, der Wind, die Tiere und Menschen miteinander reden; es sieht in die Herzen der Menschen hinein und hört alles, wenn eö die Menschen auch nur ganz leise denken ilnb wenn der Vater dann an leinen Büchern arbeitet, dann sitzt das Vögelchen in seinem Ohr und paßt auf, ob auch alles Ichön und richtig ist. Siehst du, das ist dichten. Aufschreiben, was das Vöglein von der Welt und von den Menschen singt, und ein Dichter ist ein Mann, ber einen Vogel hat. Das wissen alle Leute; bu brauchst sie bloß zu fragen." „Der Lersch: ... na, ja, der hat feinen Vogel im Kopf!" Das hatte der Manni begriffen. Ein paar Tage später kam er zu Mittag in die Küche gelaufen. „Mutter, wo ist Vater?" schrie er außer sich: „Ich muh ihm was extra lagen. Ich bin auch ein Dichter, ich habe auch ein Vögelchen! Als ich hinten im Garten unter den Himbeeren lag, ba 1 auf einmal hör ich ganz leise: Manni! sagen. Manni, lauf schnell zur Mutter, die hat Apfelpfannkuchen gebacken. Lauf schnell, burd) Bürgermeister 5 d) o m b c r bic Ehrung bes Jubeloereins. Für ben Bund Deutscher Robfahrer überreichte Roll üirchbain eine fübeme Plakette für 25,ährige Mngliebschasi im Bunde Deutscher Radfahrer Mit einer kernigen Ansprache überreichte Kling- Weylar für den Südbezirk eine Banner- Ichleise und einen Bannernagel, desgleichen der Gauiahriv.nl M a r r - Gieße i im Rainen des Gaues 73 Lahn Weitere Bannernagel wurden überreicht von einem Vertreter des Radfahrervereins „Fortuna'-Gießen. dem Radiahrerverein „Germania ".Wißmar und dem Radfabreroerem 1887 Wetzlar Außerdem war eine Reihe Glückwunsch- telegramme und Idireibcn eingegangen. Alle diese Ehrungen legten Zeugnis divon ab. daß der Name des Radfahrervercins 1900 Wieseck in Sport- kreisen einen guten Klang hat. Eine besondere Weihe erhielt der ?lbenb durch die Ueberrreichung einer Standarte an die I u g e n d a b t e i I u n g , die übrigen» im Verlauf ber iportlichen Darbietungen recht eriolgverspre- chenbe Leistungen zeigte. In ben unkrhalieiibrn Teil des Abends teilten sich die Gesangsabteilung des Turnvereins Wieseck. der Gesangverein „Eintracht", ber Arbeitergesangverein .Sän^erkranz". besjen erst vor 14 lagen gegrünbeter ^ranenchor. sowie ber Gesangverein ..Jngenbgrimb' und bas Männerquartett. Die gebotenen gefänglichen Darbietungen wurden sehr beifällig ausgenommen. Eine besonder» glanzvolle Leistung war bas „Lustige radelnde Ehepaar". das von zwei Angehörigen des Radfahrer- ueretns Wetzlar 1*87 dargestellt wurde und in humoristischem Rahmen hervorragende Leistungen vollführte. Unter Ueberreichung einer Ehrenurkunde wurden folgende Gründer und Ehrenmitglieder des Vereins geehrt: Ludwig Deibel. Gust. Schneider. Ludwig Kirchner, Heinrich K reili ng. Adolf Kümmel, Meyer Grünewald. Ernst E h r i ft, Ludwig Werner und Otto Reuter- Großen-Bujeck Unter der Leitung des Weitsahrausschussev sand am Sonntagmorgen das Zweier-Mannschaftsfahren über 6 0 Kilometer statt. Zum Start stellten sich 11 Mannschalten, die in Pausen von zwei Minuten abgelaffen wurden. Dos Rennen wurde in sehr scharfem Tempo durchfahren, glückltcherwcise ohne irgendwelchen Unfall. Start und Ziel war am Fest platz „Zur Germania". Wie- scck wurde auf ber Fahrt zweimal durchfahren, ein Umstand, ber eine lehr starke Zuschauermenge an- gelackt hatte, bie die wechselnden Situationen des scharfen Kampfes mit viel Interesse und — Kritik verfolgte. Um 1<> Uhr begannen die Wettbewerbe im Sechser-Schul- und Jiigendreigen. auch diesen interessanten Wettkämpfen wohnte eine große Zu- schaitermenge bei. Mittags um 2 Uhr setzte sich ein fardensroher P r ei s k o r s o in Bewegung, der für Wieseck in seiner Art etwas Neues, wenigstens feit langen Jahren nicht Gesehenes war. Unmittelbar nach Ein- treffen des Korjv auf dem Feftplatz nahmen bie 6aa [Wettbewerbe ihren Fortgang. Hierbei uerbient ganz besonders hervorgehoben zu werben das Einer-Kunstfahren des Herrn Willi Göbel- Wetzlar; was hier gezeigt wurde, war wirklich sportliche Kunst, man sah, daß Herr Göbel auf hem Stahlroß, bas für manche Zeitgenossen ein recht unsicher Ding ist, vollständig „zu Hause" ist. Ebenso hervorgehoben zu werden verdienen ber Sechser» Kunstreigen bes Radfahrervereins 1887 Wetzlar und bas Zweier-Kunstfahren des Rabfahrervereins 1895 Lollar unb bes Rabklubs Germania Gießen. Die sportlichen Darbietungen fanben ihren Abschluß mit ben Enbspielen im Zweier-Rabball. Die nach Beenbigung berfelben vorgenommene Preis» Verteilung sah folgende Sieger in den einzelnen Wettbewerben: Zweier-Mannschaftsfahren: 1. Sieger R.-B. 1891 Weilburg (Fahrer Feldhausen, Kraft), 2. Dillenburger Rabf. Club 1892, 3. Rad» Club 1892 Butzbach, 4. „Fortuna' -Gießen. Preiskorf o:^tz ruppe I 1. Sieger Rad- club „Germania"-Gießen, 2. „Die Wanderer".Gießen, 3. Radfahrerverein 1891 Weilburg, 4. Rad- fahrerverein 1885 Lollar. Gruppe II: 1. Sieger „Fortuna".Gießen, 2. „Teutonia".Krofdorf, 3. „Ger. mania"-Wißmar, 4. Dillenburger Rabsahrerclub 1892. Jugendkorso: 1. Sieger Radfahrerverein 1900 Wiefeck, 2. Radfahrern. 1887 Wetzlar, 3. Radclub „Ieutonia"-Krofdorf. Eine befonbere Ehrung erhielt bie Jungmädchengruppe Wieseck, ber ein Gönner einen wertvollen Pokal stiftete. dann kannst bu ben Pott auslecken! Vielleicht hat bie Mutter auch noch ein Stück Schokolade!" Um bas Vögelchen nicht ganz zum Lügen- bolb zu machen, opferte bic Mutter baS Ötucf Schokolade unb sagte „Wahrhaftig, ich dachte heut morgen, bu sannst auch noch einmal Apfelkuchen backen, ben mag ber Vater so gern." An einem wüsten Tcgcntag sah Manni ganz unglücklich an seinem Baukasten unb konnte sein Haus nicht ans Stehen bekommen. Immer wieder fiel ihm der kühne Bau zusammen. Da, eine Weile später, läuft er stolz zur Mutter, die sein Kunststück ansehen muß. „Ja, jetzt weiß ich, wie ich es machen muß! Wenn mir gar nichts mehr einfällt, dann ruf ich das Vögelchen, bann bin ich ganz still, unb baS kommt unb lagt mir ins Obr „Manni, baS mußt bu Io machen!" So schnell kann ich gar nicht bauen, wie baS Vögelchen spricht; bann muß ich toieber einen Augenblick warten, bann fällt es mir wieder ein. was eS gesagt hat. Ich hab keinen Dichtervoze', ich hab einen HauS- bauervogell" Der Vogel ist für eine Weile der gute Geist des Hauses. Manni kommt eines Abends und sagt mir, daß er im Keller eine Leinölflasche umgetoorfen hat. „Ich hätt' bald vergessen, es dir zu sagen," sagt Manni. „Da hat mein Vögelchen mich daran erinnert. Ach, Vater, nun kann ich dich nicht mehr verkohlen, dein Vögelchen, das alle- weiß. sagt dir doch, wenn ich was angefangen hab'." Vögelchen ist langsam ber Schrecken bet Großmütter unb Tanten geworden Manni er» benft sich gar fürchterliche Geschichten auSl Seine Phantasie geht über Wvhlanstänbigkeit und Sitte. Er weiß ganz genau den Unterschieb zwischen Lügen und Schwindeln Ich hab ihm da» Schwindeln erlaub: Vögelchen brütet. Tester von Märchen und Geschichten, furchtbare Wahrheiten schwindelt er zusammen. Ungeheuerliche Kombinationen entsetzen bie Zuhörer Mann? bringt uns in Verruf! Wenn Mutter nicht ba ist unb wir am warmen Ofen sitzen, dann ist unsere Stunde gekommen. Wir hocken tn| .Dunkeln und schwindeln im Akkord. Sechser-Schulreigen: 1. Sieger „Die Wanderer '-Gießen, 2. R.-V. 1887 Wetzlar, 3. R.-V. 1900 Wieseck. Sechser-Jugendreigen: 1. Sieger „Die Wonderer"-Gießen, 2. R.-V. 1887 Wetzlar, 3. Rad- club „Germania"-Gießen, 4. Radclub „Teutonia"- Krosdorf. Sechser-Kunstreigen, Kl. B 1. Sieger Radfahrerverein 1887 Wetzlar. Einer-Kun st fahren: 1. Sieger Otto Göbel, R.-V. 1887 Wetzlar. Zweier-Kun st fahren: 1. Sieger Radclub „Gennania"-Gietzen, 2. R.-V. 1885 Lollar. Zweier-Radball: 1. Sieger Radcl. „Teu- tonia"-Krofdorf, 2. „Germania"-Gießen, 3. R.-V. 1887 Wetzlar. Zweier - Jugendrndball: 1. Sieger Radclub „Germania"-Gießen. Wirtschaft. Jur Lage der rheinisch-westfälischen Industrie (Don unserem Essener Mitarbeiter.) Trotz ständigen Rückgangs der Förderung im Ruhrbergbau hat sich ein aufnahmefähiger Markt noch immer nicht erzielen lassen. Die Haldenbestände bei den Ruhrzechen betrugen im Mai bis zu 9,5 Millionen Tonnen, eine Ziffer, die einem toten Kapital von 150 Millionen Mark entspricht. Die Zahl der Feierschichten hat sich zwar vermindert: das konnte aber nur geschehen auf Grund der Rrbeiterentlassungen, die allein im März und April 10 000 Personen umfaßt haben und die weiterhin noch im großen Umfange erfolgen werden. Im Dergrevier Hattingen ist die Zahl der Bergarbeiter schon von 14 000 auf 8 000 gesunken, im Bergrevier Witten von 15 000 auf 9 000, in der Gemeinde Linden-Dahlhaufen von 4 900 auf 1 840. Besonders wesentlich ist, daß die Arbeiterent-- lassungen auch auf die stärksten Konzerne tz. B. Thyssen, Gelsenkirchener, Haniel, Harpen. Fiskus usw.) übergegriffen haben, ein einziges großes Bergbauunternehmen hat bisher jeden Monat einen Zuschuß von 1,5 Millionen Mark erfordert. Es steht zu befürchten, daß die zum Rorden abgewanderten Bergarbeiter in neue Beschästigungsschwierigkeiten geraten. Eine Besserung ist nur zu erwarten von der Hebung der Konjunktur und von billigeren Preisen. Zur Zeit betragen auf guten Zechen die Selbstkosten je Tonne Kohle rund 16,90 Mark. Würde es gelingen, die Arbeitszeit wieder auf Friedenshöhe zu bringen und gleichzeitig die sozialen und steuerlichen Lasten wenigstens in etwa zu erleichtern, so wäre eine Kohlenpreisermäßigung von 1,70 bis 2,00 Mark möglich. Auch die Eisenindustrie leidet seit einiger Zeit sehr unter Absatzschwierigkeiten. Die Hauptverbraucher üben große Zurückhaltung: die Eisenbahn und die Staatsbetriebe lassen nennenswerte Bestellungen überhaupt nicht ergehen: die vom Baumarkt kommenden Bestellungen haben nur geringen Umfang usw. Aus diesem Grunde sind die Lieferfristen in der Eisenindustrie erheblich zurück- gegangen. Auch die Preise sind unauskömmlich. Während anfangs 1914 die Selbstkosten für Stab- eifen rund 85 Mk. je Tonne betrugen und einen Verkaufspreis von 95 bis 95,50 Mk. brachten, be- . tragen die Selbstkosten jetzt 134 bis 136 Mk.: Steuern und Abschreibungen sind in ihnen nicht l enthalten: der im günstigsten Falle erzielbare Preis leträgt dagegen nur 135 Mk. Bei der Der« ? arbeitenden Industrie liegen die Derhältnisse , gleich ungünstig. Zahlreiche mittlere Werke haben r ihre Betriebe einschränken oder ganze Abteilungen bereits stiltegen müssen. Bei einer näheren Betrachtung dessen, was selbst aus den kapitalkräftigsten Werken und Konzernen geworden ist, läßt sich am besten ermessen, welche Einbußen der Ruhrindustrie entstanden sind. Eine Besserung der Verhältnisse - läßt sich nur erzielen durch Abbau der Produktionskosten, dieser wird aber systematisch sabotiert. So sind z. B. in der letzten Zeit durch Schiedssprüche die Arbeitszeiten in vielen Gewerben wieder weiter veröirzj worden. Allein die Bauarbeiterlöhne, die natürlich schrittmachend für sämtliche andere Gewerbe sind, wurden un; über 30 Prozent in die Höhe gesetzt. Die Hauer- löhne sind vom Juni 1924 bis April 1925 von 6,48 auf 7,48 Mk. gestiegen, während gleichzeitig die Kohlenpreise um 30 Prozent gefallen sind. Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Roman aus her Gegenwart. Von Karl-August von Lassert. 67, Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Da? darf nicht geschehen!" rief der Kriegsminister, der an einem zweiten Apparat mitgehört hatte. „Was sollen wir denn tun?" fragte der Außenminister. „Das ist doch sonnenklar!" rie£ der General. , Wir habe n die Engländer in der tfaUe. Jetzt behalten mir die freche Gesellschaft so lange als Faustpfand zurück, bis sie de- und wehmütig zu Kreuze kriecht." „Wenn aber die Engländer uns überlegen fein sollten", warf der Minister ein. „Soviel ich weiß, sind alle Befestigungen von Brest nur auf einen Angriff von der See her eingerichtet und können das Innere der Reede kaum unter Feuer nehmen. 'Außerdem sind wir in keiner Weise auf einen so überraschenden Kampf vorbereitet." „Aber unsere gesamte Flotte liegt Seite an Seite mit den weit unterlegenen feindlichen Geschwadern", rief der General. „Im Verein mit den Hafenbatterien wird sie die Engländer versaufen wie tote Ratten." Der Außenminister schien überzeugt und rief in den Apparat: „Also, Herr Gerard, bitte, melden Sie dem Präsidenten, daß der Kriegsminister und ich der Ansicht sind, ma nmüsse den englischen Flotte die Erlaubnis verweigern, die Reede von Brest zu verlassen. Im Weigerungsfälle wären sofort die Feind- feligfeiten zu beginnen, die durch Englands uner- hörtes Ultimatum ja sowieso unvermeidlich erschei- nen. Im übrigen bitte ich, die Leitung dauernd besetzt zu halten und mir alle wichtigen Ereignisse mitzuteilen." Gerard erklärte, sofort mit dem Präsidenten reden zu wollen. Sein Stellvertreter bleibe am Apparat zurück. „Soll auf das Ultimatum irgendeine Antwort erfolgen?" fragte der Ministerialrat. Bei einem größeren Montankonzern, der 100 000 Arbeiter beschäftigt, machen die vom Oktober 1924 bis Mai 1925 vorgenommenen Lohnerhöhungen auf das Jahr berechnet eine Summe von nicht weniger als 42 Millionen Goldmark aus. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Berlin, 15. Juni. (Eigener Drahtbericht des Gießener Anzeigers.) Die neue Woche begann mit einer allgemeinen ilnficfjer- heit. Man ist sich anscheinend noch nicht darüber klar, ob mit den Kurseinschnitten der letzten Woche die rückläufige Bewegung vorläufig ihr Ende erreicht hat, oder ob mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Krise der Mehrzahl der Gewerbezweige ein Anhalten des Druckes zu erwarten ist. Das Geschäft kam daher nur sehr zögernd in Gang. Die einzelnen Marktgebiete verkehrten durchaus nicht einheitlich. Größere Schwankungen traten zunächst kaum hervor. Etwas Interesse bestand für einzelne Spezialwerte, so wurden S ü d s e e heute rege aus dem Markte genommen. Staatsanleihen waren anfänglich mehr in den Vordergrund gerückt, Kriegsanleihe lag mit 0.385 fester. Später unterlagen die Kurse des Anleihemarktes mehrfach Schwankun- gen und neuerlichen Rückgängen. Die Lustlosigkeit des Effektenmarktes fonunt am Geldmärkte zum Ausdruck. Monatsgeld, das 10 bis 11 Prozent kostete, ging so gut wie gar nicht um, auch tägliches Geld wird nur wenig verlangt, der Sah stellt sich auf 71/? bis 9V$ Prozent. Börsenkurse. (Ohne Gewahr.)_______________ Frankfurt a.M- Berlin Schluß, flurs StMHK. Abend. jBrie Schkuh- fiuri Schlutz» Mittag l'brl« Datum: 12.6. 15 6. 12. 6. 15. 6. 5*/, Deutsche RelchSankelhe 0.365 0.405 0.3875 0.347 4% Drutsche Reichsanleihe . - — 0.40 0.40 8'/»% Deutsche RcichSanleih» 8% Deutsche Reichsanleide . Deutsche Sparprämienanleibe 0.42 0,460 0.395 0.375 0,500 0,24 0,600 0,202 0.52 0,252 0,515 0.215 4% Preußische KonsolS . . . 0.42 0.42 0,625 0.405 0.4075 g>/.«/. K-ksen .......... 0.36 0,38 89 75 0,40 91,75 0,40 91,75 Deutsche Wertb. Dollar-Ant. 89,75 bto- Doll-Schatz-Anlreisug.'l 92,5 9-2,8 92,8 92,90 <•/» Zolltstrken......... 6.87 6.87 7 6,7 5% Goldmexikaner ..... 36,87 36,4 — — Berliner Handelsgesellschaft- Lommerp und Privat^Bank 120 100 120 100 120,4 100 119 99 Darmst. und Nakionalbank . 122 12t 122,25 120.25 Deutsche Bank........ Deutsche BereinSbank .... 120,50 120 121 120 72 70 — — Disconlo Lommandit 108,37 108,4 108,75 108 90 Mitteldeutsche Creditbank . . Ocstcrreichische Ereditanstalt. 99 98.5 98,25 98 7.3 7.25 7.37 Westbank ......... 0,10 0,10 — 0,15 Bochumer Gaß . .»»»*,. _ _ 54 50.1 49.5 BuderuS ........ 51 51 50 _ 58 Deutsch-Luxemburg...... 69 67,25 69,5 66,25 Gelsenkirchener Bergwerke .. 57 55 57 54.75 Harpeuer Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 105 12,5 102 11.75 106 12,50 101.5 11 80 Kaliwerk Westeregeln. .... 98.5 95 14.87 14.3 Laurahütte........... 46 40 44,5 42,13 Oberbedars....... . . . . 5,6 5.3 5,4 5,10 Phönix Bergbau . ...... Rhetnstahl........... 88 67,75 87,75 68 88,25 70 85 67 Rirbeck Montan. ....... 77,5 74,50 79 TelluS Bergbau........ 2,4 2,30 Hamburg-Amerika Pak«. . 4 Norddeutscher Llovd . ... 53,50 56 51 57 52,25 57,10 50,5 55,3 Lheramtsche Werke Albin . . — _ __ Zementwerk Heidelberg . . . 70,25 70,5 — — Philipp Holzmann ...... 62,5 58,5 61.10 57 Anglo-Tom.-Guano . . t ,, — —- 97 90 Badische Anilin........ Chemische Mader Alapstr .. 110,75 113,50 113,5 112,87 0,44 81 0,45 Goldschmidt........ 79.50 83 80.5 Griesheimer Electron .... 102 104,5 104 103,25 Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung ........ 103,13 105.50 101,87 104,25 6,25 6,3 Rütgerswerke ......... 55 57 Scheideanftalt ........ 106,75 105 — Allg. ElettrtzltätS-Gesellschaft 89.50 90 90,5 89,25 Bergmann ......... Mainlrastwerke ........ 67,5 60 i)5,5 65 — 76 Schlickert........... 57 - 56,13 76 53,25 Siemens & HalSke...... 41,5 78,75 73 Adlerwerke Kleyer ...... 58.5 55,75 57,5 54,13 Daimler Motoren. ...... 55 52 51,50 39,5 Hehligenstaedt. . ....... Meguin........... . 36 35.5 Hl 40 Motorenwerke Mannheim . — .9 79 Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . 0,45 0.76 0.44 0,85 0,9 0.87 Metallgeselllck,aft Fraukfmt. 105 2.175 105 2.1 2 2,1 Schubiadrckk Herz ....... — 2,4 2,7 2.62 Sichet.............. 39 36,25 38 36 Zellstoff Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel • . . 9,25 3,30 54 9.2 3.-75 53,5 9,b2 51 9,25 48,5 „Nein!" rief der Außenminister. „Die Ereignisse in Brest werden ja doch so ober so die Bombe zum Platzen bringen." „Wie fatal, daß die Regierung in diesem Augenblick nicht beisammen iftr meinte der General. „Ich fürchte die Unentschlossenheit des Präsidenten, die alles verderben kann." „Gibt es was Neues?" rief der Minister in die Brester Leitung. „Herr Gerard telephoniert mit dem Herrn Präsidenten der Republik/' „Was macht die encjlifcfje Flotte?" „Der Anfang passtert bereits die Enge des Goulet de Brest." „Teufel!" rief der General. „Bitte, verbinden Sie mich mit dem Kommandanten von Brest!" rief er in den Apparat. Dann wandte er sich an den Außenminister: „Ich muß selber mal hören, ob die Werke kampfbereit sind/' Auf der Kommandantur von Brest meldete sich der Erste Generalstabsoffizier. Der Slommanbant befand sich zur Besprechung beim Präsidenten und Flottenchef. Der Kriegsminifter fragte: „Sind Sie imstande, der englischen Flotte das Entkommen aus der Enge des Goulet de Brest unmöglich zu machen?" „Die Forts Minhou, Mengam und Dellec nördlich der Enge sowie alle Batterien auf der Halbinsel Quälern feuerbereit. Falls sie nicht selber frontal angegriffen werden, können sie den Engländern den Austritt aus der Reede unmöglich machen. Auch die Unterseetorpedobatterien zu beiden Seiten der Enge sind im Gefechtszustand." „Ein feindlicher Frontalangriff ist doch ausgeschlossen!" „Vor einer halben Stunde wurde das Heran- nahen einer großen Flotte aus westlicher Richtung gemeldet. Vorgeschickte Fliegeraufklärung stellte fest, daß fast die ganze englische Flotte herandampft." „Dann ist ja der letzte Augenblick zum Handeln da!" schrie der General. „Ich befehle Ihnen auf meine Verantwortung hin, die aus der Reede aus» fahrende englische Flotte in der Goulet durch die Unterfeetorpebobatterien vernichten zu lassen." Eine Zeitlang erfolgte keine Antwort, bann melbete sich der Generalstabsoffizier aufs neue und sagte erregt: Frankfurter Qlbznbborie. Frankfurt a. M., 15. Juni. Die heutige Adendbörse war. nach der leichten Besserung der Schlußbörse weiter kräftig erholt. Anregung bot die Meldung von dem Wiederbeginn der Pariser Verhandlungen durch Trendelenburg sowie die Mitteilung, daß die Deutsche Reichsbahn eine größere Auftragserteilung an die Walzwerke in Höhe von etwa 50 Millionen Reichsmark erteilt habe. Dadurch profitierte namentlich der Montanmarkt, dessen 'Werte weitere ansehnliche Besserungen erzielten. Auch für die anderen Gebiete regte sich die Kauflust, infolgedessen das Geschäft einen etwas lebhafteren Charakter trug. Die Kursbesserungen erstreckten sich auf alle Märkte und hielten bis zum Schlüsse vor. Am deutschen Rentenmarkt tarn es zu größeren Llmfähen in Reichsanleihen. 5proz. Kriegsanleihen fliegen auf 0,405 und gingen im freien Verkehr zu 0,408 bis 0,410 um. Am Markte der ausländischen Renten waren türkische Werte gefragt und höher. Die Börse schloß in ruhiger, fester Haltung. Deutsche Renten: 5proz. Reichsanleihe 0,405, 31 <,proz. Reichanleihe 0 460, 3proz. Reichsanleihe 0,600. Ausländische Renten: Zolltürken 6,87, Bagdad 11 6,30. Bankaktien: Bayerische Hypotheken- und Wechfelbank 81,35, Berliner Handelsgesellschaft 120, Commerzbank 100, Darmstädter Bank 121, Deutsche Bank 120 Discontogesellschaft 108,40, Dresdner 102,25. Metallbank 90, Mitteldeutsche Creditbank 98,50 Reichsbank 120. Rheinische Kreditbank 92, Oester- reichische Kreditaktien 7,25. Montanaktien: Ilfe Bergbau 91,50, Mannesmann 75 50, Mansfelder 60, Phönix 87,75, Kali Aschersleben 11,75, Kall Westeregeln 95. Chemische Aktien: Badische Anilin U3.50, Scheideanstalt 105, Elberfelder Farben 104,90, Th. Goldschmidt 79.50, Höchster Farben 105,50, Holzverkohlung 6 30. Transportwerte: Rordd. Lloyd 57. Industriewerte: AEG. 90, Licht und Kraft 91,75, Siemens u. Halske 78,75. Kleyer 55,75, Daimler 52, Dyckerhoff 42, Kemp Stettin 38. Devisenmarkt Berkin—Frankfurt a. M. (§n Billionen Mark auö«edrückt. BuenoS-AtreS, London, Steil» hort, Japan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien and Bndapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 12 Juni 15. Juni Amtliche Geld Hott rung Brief Amtliche Geld Kotierung Brief Amst.-Vtotl. 168.59 169,01 168.54 168,96 Buen.-Aires 1.680 1,684 1.6'5 1,679 Brss.-Antw. 19 13 19,97 19.915 19,975 Lhnstianta. 70,66 70,84 70,84 71,02 Kopenhagen 79,18 79,38 79,45 79,65 Stockholm - 112,26 112,54 112,26 112,54 Helsingfors. 10.568 10,608 10,565 10,605 Italien. . . 16.58 16.62 16.32 16,36 London. . 20,386 20,438 20,877 2(1,429 Neuhork . . 4,195 4,205 20,345 4,195 4,205 Paris. . . . 20.285 20,23 20,29 Schwei; . . 81 465 81.665 81,175 81,675 Spanien. . 61.12 61,28 61,07 61,22 Japan .. . 1.684 1.688 1,713 0.456 1,717 'Hio de Jan- Wien in D-- 0 456 0.458 0.458 Oest. abgest. 59,057 59,197 59,057 59,197 Prag .... 12.435 12,475 12.43 1^.47 Belgrad .. 7.28 7,70 7,315 7,335 Budapest. . Bulgarien - 5,895 3,055 6,915 3,065 ö,8V5 3,065 6,915 3,075 Lissabon 30 475 40,525 20,475 20,528 81.03 Danzig. . - Konstantin. 80.87 81.07 80,83 4.242 2,250 3.255 2,265 Athen- . 7.14 7.16 7,15 7,16 Banknoten. Berlin, 15. Juni. Geld Brief Amerikanische Note» . ,. . . 4.179 4,199 Belgische Noten . Dänische Noten . ....... 19,80 79,25 19,90 79,65 Englische Noten ...... 20,31 20,41 Französische Noten ...... Holländische Noten...... 20,21 168,13 20,31 168,9? Italienische Noten ...... 16,35 16,43 Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr-, ä ioo Krou« 70,65 71,01 59,09 59.39 Rumänische Noten ...... — Schwedische Noten...... Schweizer Noten..... . 111,95 81,49 112,51 81,89 Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Not« - ♦ 60,90 12,42 61,20 12,48 5,87 Ungarische Noten ... •« • 5,85 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 15. Juni. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 21,75 bis 22,75, Roggen (inländischer) 19,75 bis 22,25, Sommergerste (für Brauzwecke) 21 bis 22, Hafer (inländischer) 19 bis 23, Mais (gelb) 21 bis 23, Weizenmehl (inländisches Spezial 0) 37,75 bis 38,50, Roggenmehl 29,75 bis 31,50, Weizenkleie 12, Roggenkleiei 13, Erbsen 24 bis 27,50, Linsen „Beide Unterfeebatterien wurden vor etwa fünf Minuten durch eine bisher noch nicht aufgeklärte Explosion zerstört." „Das war die Tat englischer Unterseeboote!" rief der General. „Und da zögern Sie noch mit dem Angriff?" • „Ohne Befehl meines Chefs darf ich nichts veranlassen." „Ader ich, der Kriegsminister, befehle Ihnen!" „Der Präsident der Republik verhandelt soeben noch mit dem Flottenchef und meinem Kommandanten. Ich muß —" Hier brach bas Gespräch plötzlich ab. Vergebens versuchte der General, dessen Erregung sich gewaltig steigerte, eine weitere Verständigung zu erzielen. Erst durch Bemühungen 'des Zentralfernsprechamtes von Paris gelang es, nach zehn Minuten eine neue Verbindung mit dein Bureau des Präsidenten in Brest herzustellen. Der Ministerpräsident selber meldete sich. „Hier Außenminister." „Ein furchtbares Unglück ist geschehen", sagte der Ministerpräsident mit halb erstickter Stimme. „Frankreichs Flotte existiert nicht mehr." 12. Extrablatt des „Berliner Lokal-Anzeigers": Krieg zwischen England und Frankreich — Die französische Flotte im Hafen von Brest vernichtet — Englisches Fliegergeschwader über Paris. Nachdem wir vor kaum einer Stunde den Inhalt des englisches Ultimatums an Frankreich in unserer Abendausgabe veröffentlichten, trifft jetzt bereits die Nachricht vom Ausbruch des Krieges zwischen unseren beiden ehemaligen Feinden ein. London. Das englische Kriegspressebureau erläßt folgende Mitteilung: Durch oas unerhörte Vorgehen gegen das wehrlose Deutschland, das einen eklatanten Bruch des Friedens von Versailles bedeutet, sah sich die Regierung von Großbritannien veranlaßt, von Frankreich bündige Zusicherungen zu verlangen, nicht weiterhin den Frieden der Welt gefährden zu wollen. Daß Frankreich gerade den Augenblick, wo unsere beiden Flotten zu einer freundschaftlichen Zusammenkunft im Hafen von Brest vereint waren, dazu benutzte, die Brandfackel 28 bis 36, Heu (süddeutsches, gut, trocken) 8,50 bis 9,50, Weizen- und Roggenstroh 6 bis 6,50, Treber (getrocknet) 15,50 bis 16. Tendenz: Abgeschwächt. Frankfurter SchlacyLvrehmark!. Frankfurt a. M, 15. Juni. Austrieb: 1643 Rinder (darunter 585 Ochsen, 43 Bullen, 1015 Färsen und Kühe), 533 Kälber, 81 Schafe, 2812 Schweine. Ochsen: Vollfleifchige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 60 bis 66, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere aus- gemästete 53 bis 57, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 46 bis 52: Bullen: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 52 bis 57, vollfleifchige jüngere 40 bis 50; Färsen, und Kühe: vollfleifchige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 58 bis 65, vollfleischige ausgemästelc Kühe höchsten Schlachtwerts b. z. 7 Jahren 50 b. 58, wenig gut entwickelte Färsen 50 bis 57, ältere auSgemäftete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Küh», 42 bis 49, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 40, gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 25: Kälber: feinste Mastkälber 75 bis 82, mittlere Mast- und beste Saugkälber 64 bis 74, geringere Mast- und gute Saugkälber 52 bis 63, Weidemastschafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel und Schafe 38 bis 44; Schweine: vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 79 bis 82, vollfleischige unter 80 Kilogramm 70 bis 78, vollfleischige von 100 bis 120 Kilogramm 76 bis 80, vollfleischige von 120 bis 150 Kilogramm 76 bis 80, Fettschweine über 150 Kilogramm 76 bis 80, unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 70. Marktverlauf: Am Rindermarkt schleppender Handel und Tleberstand; Kleinvieh wird bei langsamem Handel ausverkauft;. Schweine anfangs rege, später abflauend und nicht ganz ausverkauft. Berliner Produkten!; e. Berlin, 15. Juni. Der Produktenmarkt schwächte sich auf Regenmeldungen aus dem Reiche ab. Inlandsweizen war wenig oder zu teuer angeboten. Provinzroggen auf Abladung angeboten. Gerste blieb still, Hafer etwas schwächer, im Lokohandel aber behauptet. Mehl und Futterartikel lustlos. Es notierten je 1000 Psd.: Weizen, märt. 267 bis 270, dto Juli 265 bis 263,50, Roggen, märk. 213 bis 217, dto. Juli 210,50 bis 212, Gerste, märt. 226 bis 242, Futtergerste 200 bis 217, Hafer, märt. 235 bis 243, dto. Juli 195,50 bis 195, Mais (La Plata) (lofo Berlin) 211 bis 214: je 100 Pfd.: Weizenmehl 33,75 bis 36,25, Roggenmehl 29,25 bis 31, Weizenkleie 13,90 bis 14, Roggenkleie 14,30 bis 14,40, Raps 365 bis 375, Viktoriaerbsen 24 bis 26, Kleine Erbsen 24 bis 26, Futtererbsen 21 bis 24, Peluschken 20 bis 22,50, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 22 bis 25, Lupinen, blau 10 bis 11. dto. gelb 13,50 bis 14,50, Rapskuchen 15,20 bis 15,60. Leinkuchen 22,20 bis 22,80, Trockenschnihel 10,20 bis 10,30, Torfmelasse 10, Kartoffelflocken 19,30 bis 19,40. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Mittwoch, 17. Juni. 12 U^r: Rachrichtendienst. 4.20 41hr: Rachrichtendienst. 4.30 bis 5.30 Llhr: Kinderstunde. 5.30 bis 7 iltjr: Rachmittagskonzert des Haus- vrchesters: Wunschnachmittag. 6 älhr: Wirtschaftsmeldungen. 7 bis 7.30 2hr: „Der deutsche Llebersee-Export, 2. Organisationsfvrmen, Arten und Technik", Dortrag, gehalten von Dipl.-Kauf- mann Erwin Beyer. 7.30 bis 8 älhr: Funkhoch- schule. Dortrag von Prof. Raumann: „Hans Sachsens dramatische Dichtung". 8 bis 8.15 älhr: Wanderratschläge d es Taunusklubs. 8.30 bis 9.30 Llhr: Gegensätze. Anschl.: Rachrichtendienst, Wettermeldung, Sportbericht. Korpulenz int Sommer ist ganz besonders lästig. Korpulente und alle zum Starkwerden Veranlagten sollten gerade jetzt im Sommer zur Reduzierung ihrer Körperformen etwas Ordentliches tun. Wir raten, 30 Gramm echte Toluba-Keme zu kaufen, die unschädliche, aber wirksame, den Körperansah reduzierende Stoffe enthalten. Sie erhalten Toluba-Kerne in den meisten Apotheken, sicher älniversitäts-Apotheke zum goldnen Engel. Die Bestandteile sind auf der Packung angegeben. zu entzünden, ist ein weiterer Beweis seiner unerträglichen Ueberhebung und Bevormundung, die es der ganzen Welt aufzuzwingen beabsichtigt. England hat von dem ehemaligen Verbündeten nichts weiter verlangt, als zum Zeichen friedlicher Gesinnung seine Flotte als Unterpfand zu setzen, eie sollte im Hasen von Plymouth unter der gewissenhaften und freundschaftlichen Bewachung Englands verbleiben, bis die Differenzen mit Deutschland auf einem neuen Weltkongreß beigelegt wären. Frankreich hielt es nicht der Mühe für wert, unser durch die schwierigen Umstände veranlaßtes Vorgehen zu beantworten. Ja, es besaß nicht einmal den Anstand, sich an die einfachsten Gebote der Menschlichkeit und Gastfreundschaft zu kehren. Unsere ahnungslose Flotte, die soeben noch die Herz- lichsten Freundschaftsbeteuerungen mit den ehemaligen Kriegskameraden ausgetauscht halte, sich aber durch die überraschende Situation zu einem schnellen Aufbruch entschließen mußte, wurde beim Verlassen der Reede von Brest ohne vorherige Ankündigung von den Hafenbatterien unter Feuer genommen. Der Flottenchef nahm notgedrungen den Kampf auf, der mit Hilfe anderer Teile unserer Flotte zur Niederkärnpfung der feindlichen Anlagen führte. Gleichzeitig erhielten unsere Unterseeboot- Streitkräfte den Befehl zum Angriff auf die fron» zösische Flotte im Hafen von Brest. Der zu bisher unbekannter Vollendung gediehenen Unterseewaffe gelang es, den Kampf in einer Weise durchzuführen, der unsere kühnsten (frmartimgen übertraf. Soweit es die bisher vorliegenden Meldungen übersehen lassen, ist etwa die Hälfte der großen französischen Einheiten versenkt, der Rest kampfunfähig gemacht worden. Um ferner der Bevölkerung Frankreichs klarzumachen, daß die Zeiten brutaler Vergewaltigung aller übrigen Nationen endgültig vorbei sind, erschienen unmittelbar nach der Seeschlacht von Brest mehrere unserer Luftkampfgeschwader über Paris. Obwohl es ihnen ein leichtes gewesen wäre, in der feindlichen Hauptstadt ein ungeheures Blutbad anzurichten, begnügten sie sich damit, den Franzosen ihre Macht zu zeigen, die jeden weiteren Widerstand aussichtslos erscheinen läßt. (Fortsetzung folgt.)