Nr. NS Erstes Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle Monats-llezngrpreiL: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüffe: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: Frankfurt om Main 11686. Dienstag, <5. Dezember 1925 175. Jahrgang Blatt ietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: Vrühl'sche Umverstläts-Vuch- und Zteindruckerei 8. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulfttahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnnmmer bis znm Rachmittag lTvrher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfeimig, Piatzvorschrifr 20', mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich. für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den Anzeigenteil Hans Illflel, sämtlich in Gießen. Die unmöglichen Reparationen. Parker Gilbert ist zum erstenmal mit einem Reparationsbericht an die Oeffent- lichkeit getreten, der nicht nur ein umfangreiches Zahlenmdterinl enthält, sondern darüber hinaus auch unsere Gesamtsituation kritisch beleuchtet und. die Frage zu lösen versucht, ob es -uns auch in Zukunst möglich sein wird, die uns auf erlegten Zahlungen zu erfüllen. Der Reparck- tivnsagent ist nun auffallend optimistisch. Aus dar Tatsache, daß im ersten Fahre alles glatt gegangen ist, versuche er den Schluß zu ziehen, es würden auch in den nächsten Jahren sich keinerlei Schwierigkeiten ergeben. Jedenfalls muß der flüchtige Leser diesen Eindruck gewinnen. Steigt man jedoch in den umfangreichen Bericht hinein, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob Herr Parker Gilbert im F n n e r st e n feines Herzens nicht doch anderer Meinung ist und keineswegs die Schwierigkeiten ixrfennt. die sich weiteren ungleich, i höheren deutschen Zahlungen enlgcgenstellen. Das offen zuzugeben, ist natürlich für_ den Repaoa- lionsagenten ein Ding der Unmöglichkeit, was auch sehr wohl zu verstehen ift Er muh aber das Terrain namentlich im Auslande allmählich bearbeiten, denn sonst dürfte. dort eines Tages die ileberrüfcfjung doch zu plötzlich kommen. Wir wollen aus dem Bericht nur zwei Punkte herausgreifen, die von dem inneren Pessimismus des Reparationsagenten beredtes Zeugnis ablegen. Einmal die Feststellung, daß uns die Zahlung der ersten Milliarde nur mitHilfe o o n 8 0 0 M i l- Honen aus dem Auslände möglich wurde. Hierin liegt schon ein leiser Hinweis darauf, daß im zweiten Jahre — wir sollen bann aus eigener Kraft gegenüber 200 Millionen im Vorjahre 1200 Millionen aufbringen — die Abwicklung der Reparationsoerpslichtungen nicht so leicht vor sich gehen wird. Zum andern gibt ev auch gleich die Gründe hierfür an. Er macht nämlich darauf aufmerksam, daß wir nur dann große Zahlungen leisten können, wenn Deutschland in die Lage versetzt wird, einen Uebers chuß von Waren oder Leistungen an die übrige Welt zu liefern. Mit anderen Worten gibt er also zu, daß der gegenwärtige Zustand der Unterbindung des deutschen Exports durch überhohe ausländische Zollmauern unsere Reparationsfähigkeit b e • nachteiligt. Das sehen wir selbst am deutlichsten an unseren 800 000 Arbeitslosen, die durchweg der Ex- portindustrie entstammen und nur deswegen entlassen werden mußten, weil die Schutzzölle des Auslandes unseren Export erdrosseln. Parker Gilbert weiß sehr gut, daß ohne Ausfuhr keine Devisen nach Deutschland hereinkommen, daß also seine Kassen unter diesen Umständen leer bleiben werden. Darum sein Hinweis daraus, daß die Uebertragung deutscher Zahlungen an die Gläubigerstaaten eventuell unmöglich wird, wenn das Ausland die Schaffung einer günstigen deutschen Handelsbilanz verhindert. Kurzum, Herr Parker Gilbert, der unsere unglückliche Wirtschaftslage aus eigener Anschauung kennt, hat schwere Sorgen, da sich allmählich zeigt, daß der Dawes-Plan sich in der Theorie zwar sehr schön ausnimmt, feine praktische Anwendung aber geradezu unmöglich ist. Dr. Wirth und das rheinische Zentrum. Köln, 15. Dez. (TU.) Zu einer Aussprache Les Provinzia'ausfchufses Der rheinischen Zcn- trumsbartei mit Dr. Wirch ha te die Leitung der rheinischen Zentrumspartei Dr. Wirth nach Köln geladen. Insbesondere legte man Gewicht auf eine offene Darlegung der Gründe, die Dr. Wirth veranlaßt Haven, aus der Regierung auszutreten. Dr. Wirth führte ans. daß chm hauptsächlich die feste politische Linie des Zentrums am Herzen liege. Jetzt sei der Augenblick da, wo Führerpersönlich- feiten eingesetzt werden müßten. Zur Außenpolitik übergehend, erklärte Dr. Wirth, daß Luther und Slresemann in Locarno etwas . voreilig abgeschlossen Hütten. Es hätte nicht so geeilt mit der großen 'Weltfrage eines Sickerheitspaktes. ©era.c die Zentrumspartei müsse in die Vülkerbundspolitik den nationalen Geist hineinbring.n und zwar den gemäßigten Geist, nicht den Der SozialDemokraten. auch nicht den der Deutschen Bolkspartei. Die pazifistische Linie fei nicht Die, die das deutsche Volk einnehmen müsse, um seine Aufgabe meistern zu rönnen. Die Sozialdemolraten sind Der angelsächsischen M.nialität nicht gewachsen. Wir müssen Den na.ionalen Gedanken in seiner tieferen Form pflegen. 2lbg. Brüning betonte mit dem Hinweis auf seine Bemühungen, Sleaerwald, Brauns und Wirth auf eine Linie zu bringen, daß keine erheblichen sachlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen i(n:n beständen. Sie seien mehr Sache des Temperaments. Er hob die Schwierigkeiten einer Politik mit Rechts und Links hervor. Zwei schart Richtung.n hätten sich bei Den Dcutschnationa'.en herausgebildet. Die beide um die Führung rängen: die Gruppe der Reaktionären und die Christlich- sozialen. Mit der letzteren müsse die Zentrums- Partei wie früher zusammenarbeiten. Mit besonderem Racheruck hob dann Zoos den Teil der Wirt'che-.i Aus üh.ungen hervor. Zwei Tinge feien es. die eine Einigkeit herbeiführen Fönnten und mühten: Aktivität in der Fraktion und Die Frage der Führung bei einer klar vorausschauenden Führerpersönlichkeit sei Der Fall Wirth nicht möglich gewesen, u ’ -/ Die Regierungsbildung. Don Fehrenbach zu Koch. Es ist nun endlich ein Fortschritt in der Entwicklung der Regierungskrise zu verzeichnen. Richt etwa deshalb, weil die Sozialdemokraten und die ihnen verwandten Blätter der demokratischen Linken über die „gemütliche Krise" zu spotten anfangen. Und will scheinen, als wenn gerade Die SozialDemolcaten Dazu kein Recht hätten. Denn wir haben Doch noch nicht vergessen, Daß auch unter Herrn Eberts Zeiten Der Weg von einer Regierung zur anderen oft Wochen in Anspruch nahm. Wir glauben uns sogar erinnern zu dürfen, daß Herr Dr. Luther als Finanzminister bei der letzten Krisis, um das Tempo zu beschleunigen, an den Reichspräsidenten einen Brief schreiben mußte, worin er rundweg erklärte, daß er nicht in der Lage wäre, die Verantwortung für die Finanzen länger zu tragen, wenn nicht schleunigst eine Regierung zustande käme. Das hat damals denn auch wenigstens nach der negativen Seite geholsen, die Verhandlungen wurden beschleunigt. Gewiß ist es richtig, daß diesmal dem äußeren Anschein nach der Reichspräsident sich sehr viel Zeit gelassen hat. Mehr Zeit, als vielleicht notwendig gecvesen wäre, denn die Dinge waren eigentlich am Freitag morgen schon so weit gediehen, daß er seinen Vertrauensmann sür die weiteren Besprechungen mit den Parteien hätte ernennen können. Das ist wohl auch seine Absicht gewesen, die sich nur zerschlug — oder wollen wir sagen um 24 Stunden verzögerte —, weil inzwischen Differenzen über die Erwerbslosenfürsorge und die Beamte nbesoldung zwischen Dem Reichstag und dem gegenwärtigen Kanzler Dr. Luther entstanden, die auf die Zusammenhänge der Regierungskrise nicht ohne Einfluß blieben. Jedenfalls hat Herr Dr. Luther sie so ernst genommen, daß er sich nicht nxehr für die geeignete Persönlichkeit hielt, überhaupt die Verhandlungen über Die große Koalition zu führen. Inwieweit das ein Vorwand ift, kann man ruhig dahingestellt fein lassen. Wir glauben -richt fehl zu gehen 'm Der Annahme, daß Dr. Luther selbst an die Möglichkeit der großen Koalition nicht glaubt und deshalb keine Reigung hat, sich vorzeitig zu verbrauchen. Er will sich vielmehr in bet Reserve halten und, wenn alle anderen Kombinationen erschöpft sind, mit dem von ihm vertretenen Gedanken eines Beamteakabi- n e 11 s, das sich auf die Mittelparteien stützt, wieder Verbot treten. Das Zentrum ist Wer diese seine Tattik etwas verärgert, aber sachlich ist kaum etwas gegen ihn zu sagen. Werin man schon eine große Koalition bilden will, also eine rein Parlament arifefje Regierung, dann muß man auch einen Parlamentarier an ihre Spitze sehen. Dr. Luther selbst hat dagegen bei jeder Gelegenheit betont, daß er sich überhaupt keiner Partei zuzählt. Er hat also effektiv nichts hinter sich und wäre den Parteien gegenüber ganz anders in seinem Auftreten benachteiligt, als einer der Fea.tionsoo sitzenden. Hinzu kommt, daß wohl auch die Sozialdemokraten gegen Dr. Luther als Person sehr erhebliche Bedenken h den, die eine Verständigung sehr erschweren würden, als wenn.man einen der Führer der Mittelparteien nimmt, die ein gewisses Maß von Vertrauen bei den Sozialdemokraten finden. Es könnte nun überraschen, daß Der Reichspräsident sich nicht zunächst an den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion, Hermann Müller- Franken, gewandt hat. Auch das hat natürlich seine guten Gründe. Denn schließlich hat man bisher noch nicht den Eindruck gewinnen können, daß die Sozialdemokraten die Große Koalition wirklich ehrlich wollen. Ihre ganze Taktik läuft doch offensichtlich darauf hinaus, an dieser Regierungsbildung vorbeizulavieren, ohne daß sie dadurch sich in ihrem Rücken gegen die Kommunisten eine Blöße geben, ohne aber auch das Zentrum und die Demokraten vor den Kopf zu stoßen. Herr Müller- Franken, der sowieso nur mit halbem Herzen bei der Sache ist, hätte also sehr leicht die ganzen Verhandlungen versacken lassen können. Darauf wollte cs dcr Reichspräsident nicht anfommen lassen. Er hat sich also durchaus logisch in erster Linie an die- jenigen Parteien gewandt, die wiederholt die Große Koalition als die einzig mögliche Lösung der gegenwärtigen Krisis bezeichnet haben. Herr Fehrenbach hat den Auftrag abgelehnt, nicht nur für seine Person, sondern auch für De 5 Zentrum überhaupt, das sich aus der Vermittlerrolle ausschallet und auch den Kanzler nicht stellen will. Merkwürdig genug sür eine Partei, die a I 5 e r ft c den Ruf nach der Groß"n Koalition ausstieß. Aus dieser vorsichtigen Zurückhaltung läßt sich vielleicht dcr Schluß ziehen, daß auch das Zentrum die Aussichten der ganzen Kombination nicht für sehr groß hält und sich nicht mit der Verantwortung für den Mißerfolg belasten will. Dcr Demokrat Koch Dagegen hat Den Stier bei Den Hörnern gepackt, er hat Dzn Auftrag angenommen vna wird sich nun Die nächsten Sage Die Zähne Daran ausbcißen müssen um Sozialdemokraten unD Deutsch? Volkspr r ei zusammenzubringen. Leu't wird ihm Das nicht toerDen. Wir glauben immer noch, Daß in Dem Augenblick, wo Der sozialdemokratische Wunsch- zettel Des Phrasenhaften entfleiDet und auf Das reich Sachliche zurückgcfuhrt wirD, wo es sich Darum handelt, nun ein? Verständigung zu Hüben über das, was in den kommenden Winker- monaten notwendig und unvermeidlich ist, die Gegensätze in aller Schrofsheit sich herausarbei- ten werden. Herr Koch ist zähe, er wird die Flinte nicht leicht ins Korn werfen. Aber die Kunst, Die Quadratur des Zirkels zu lösen, hat er nicht erfunden. Und deshalb spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß er über kurz oder lang feinen Auftrag an Den Reichspräsidenten zurückgibt mit dem Eingeständnis, daß die Gegensätzlichkeit Der Meinungen über die wirtschaftlichen, sozialen und finanziellen Maßnahmen zur Bekämpfung Der Wirtschaftskrise unüberbrückbar finD. Die Beauftragung Kochs. Berlin, 15. De;. (IM.) Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet wurde, empfing der Herr Reichspräsident gestern vormittag den Reichsminifter a.D. Abg. Koch (Dem), zu einer Besprechung über die zur Zeit gegebene politische Lage und die Regierungsbildung. (Er richtete hierbei an den Herrn koch bas Ersuchen, auf der Grundlage der großen Koalition die Regierungsbildung zu übernehmen. Reichsminifter koch erklärte, sich zur Annahme tiefes Auftrages bereit. Dr. koch erklärte über die Gründe, weshalb er den Auftrag angenommen hat: „Ich habe den Auftrag des Reichspräsidenten zur Bildung des Kabinetts angenommen, weil ich die alsbaldige Bildung einer Mehr- heitsregierung für eine Notwendigkeit an- fehe und es nicht genügt, den Gedanken der großen Koalition zu empfehlen, sondern weil es darauf ankommt, sich dafür mit der Tat einzu- sehen. Es ist erforderlich, die Hindernisse klarzu ft eilen, die sich hier entgegenstellen und alles daranzusehen, sie zu überroirben, «- lieber bie Verhandlungen des Reichsmini- sters a. D. Koch mit den Parteien, Die für dir Bildung der großen Koalition in Frage kommen, erfährt das Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger aus parlamentarischen Kreisen, daß bei Den SozialDemokraten Geneigtheit vorhanden ist. Die große Koalition mitzumachen. Die SozialDemokraten verlangen, daß die anderen Parteien zu dem von der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion ver- öffmllichten Ardcitsprogramm nunmehr Stellung nehmen. Die Vertreter der deutschen Volks- Partei erklärten, daß sie bereit seien, an Den Verhandlungen unter Führung Kochs teilzunehmen, Daß sie aber hinsichtlich des Programms Der ©05 iaIDemoir.it en manche Bedenken haben. Die Vertreter des Zentrums sagten Dem Abgeordneten Koch ihre Aalerstühung zu. Auch die Bayerische Volkspartei erklärte sich bereit, b i Den Verhandlungen mit utoirlen. Die Wirtschaftliche Verein igung behielt sich vor, ein etwaiges Ministerimn Koch von Fall zu Fall zu unterstützen. Durch Die Besprechungen mit den Parteiführern wurde, wie das „Derl. Tagebl." berichtet, eine Grundlage für gemeinsame intern fraktionelleVerhandlungcn geschaffen. Auch Die Personenfragen sind bereits gestteift worden. Genannt werden für das Amt des Vizekanzlers Hermann Müller, während als Außenminister Dr. Stresemann wieder- kehren Dürfte, Postminister Stingl und Der- kehrsminister Dr. Kröhne, voraussichtlich auch Dr. Brau n s als Arbeitsminister. Für das Innenministerium wird der Sozialdemokrat Dr. Koster, der deutsche Gesandte in Lettland in Erwägung gezogen. Qfsen wären demnach noch das Finanz- und das Reichswehr Ministerium. Dr. Luther soll sich bereit erklärt haben, in ein Kabinett Koch einzutreten, während gegen die Rückkehr Dr. GeßlerS Die Sozialdemokraten starke Abneigung äußern. Die für heute vorgesehene interfraktionelle Besprechung aller Der für Die große Koalition in Frage fommenDen Parteien WirD sich mit einem von Dem ReichstagsabgeorDneten Koch ausgear'eite en Arbeitsprogramm für Die große Krailion beschäftigen. An Die Stelle Der sozialDemvkrati'chen Programmpunkte will Abgeordneter Koch eigene Vorschläge treten lassen. Bei ihrer Formu'ierung, insbesondere hinsichtlich Der sozialpo.Fischen Fragen werDe sich Koch Der Sachkenntnis Des bisherigen Reichsarbeits- ministers Brauns bedsenen. Wie ein Teil Der Morgenblätter aus parlamentarischen Kre'.'cn erfährt, werben Die Aussichten Kochs für Das Zustandekommen einer Regierung auf Der ©runDIage Der großen Koalition nicht günstig beurteilt. Eine Bestätigung Dieser Auffassung liegt auch in Der heutigen Stellungnahme Des „Vorwärts", Der Darauf hinweist, Daß es Die Abfickt Der sozial- Demokra.ischen Reis stagssraklion fei, ihr Programm mit aller EntschieDenheit zu vertreten. Der „Vorwärts" betont weiter, Daß Die VeDenken Der scz'a Demo! a i chen Reichs ags ra.tion gegen ein Zusammengehen mit der Volkspartei nach wie vor groß feien, besonders nach Der Haltung Der bürgerlichen Parteien in Der Erwerbslosenfrage, Die nicht Die Absicht erkennen lasse, auf Die Forderungen Der SozialDemokraten einzugehen. __ _ Die Beamtenbefoldung. Deutscher Reichstag. Berlin, 14. Dez. Vor Dem Tisch des Präsi- benten Lobe, ber heute seinen 5Ö. Geburtstag feiert, finb Blumenarrangements ausgestellt. Vor Eintritt in bie Tagesorbnung nimmt ber Abg. Fehrenbach (Zentr.) bas Wort, um im Namen bes Reichtsages bem Präsibenten herzliche Glückwünsche unter allseitiger Zustimmung bes Hauses auszusprechen. Präsibent Lobe sprach bem Hause seinen Dank für tiefe Ehrung aus. Auf ber Tagesorbnung stehen bie Anträge über bic Befolbungsaufbefferungen ber Neichsbcainten. Mit ber Beratung wirb auf Antrag bes Abg. Frick (Völk.) bie Besprechung bes Antrages auf Vorlegung einer Denkschrift über bie Ministerruhegehälter verbunben. Der Haushaltsausfchuß ersucht in feinem Antrag bie Regierung, ben allgemeinen Teuerungszuschlag für bie Beamten ber Gruppe 1—4 von 12* auf 25 Proz., ber Gruppen 5 unb 6 von 12* auf 20 Proz. zu erhöhen. Reichskanzler Dr. Luther erklärte, bie Regierung teile ben Wunsch bes Reichstages, ben Beamten zu Helsen. Sie könne aber in ihrer Eigenschaft als geschäftssührenbe Re- gierungnicht bem Antrag bes Hauptausschusses zustimmen, weil barin ber künftigen Regelung vvrgegriffen werbe, burch bie (Einführung eines lausenben Zuschlages zum Grundgehalt. Dagegen bittet bie Regierung um Annahme besjol» genben Antrages ber Bayerischen Volkspartei: Als einmalige Notmaßnahme wirb noch vor Weihnachten gezahlt: ben Beamten, Wartegelbs- unb Ruhegehalts- cmpfänaern ber Beamtenhinterbliebenen unb Angestellten Der Gruppen 1—4 eine Zuwenbung in Höhe von einem Viertel bes ihnen für Dezember zuftehenben Monatsbezuges: ben Beamten usw. ber Gruppen 5 unb 6 eine solche in Höhe von einem Fünftel bes Monatsbezuges, minbestens aber ben Lebigen 30 Reichsmark, ben Empfängern eines Fraucnzufchla- aes 35 Mk. statt 30 Mark, den (Empfängern von Kinberzulatzen ober Kinberbethilfen für jebes Kind, für bas im Dezember 1925 ein Kinberzuschlag ober eine Kinderbeihilfe zu zahlen ist außerdem je 5 Mk., ben Vollwaisen insgesamt 10 Mk.: ben Kriegsbeschädigten unb Kriegerhinterblie- b.nen ein Viertel ber ihnen für Dezember 1925 zuftehenben Bezüge. Der Reichskanzler erklärte, biefer Antrag bringe gerabe in ben bringcnbften Fällen schnellere unb wirksamere Hilfe als ber Antrag bes Hauptausschusses. Abg. B e n b c r (Soz.) schildert bie Notlage ber Beamten unb bebauert, baß bie bürgerlichen Parteien nicht im Frühjahr ben sozialbemokratischen Anträgen auf Neuregelung ber Besolbung zugestimmt haben. Die Behauptung ber Regierung, baß bie nötigen Mittel für eine solche Ausbesserung ber Beamtengebälter sehle, sei unzutreffend. Das Reichsfinanzministerium habe irreführende Zahlen über bie Auswenbungen für Beamtengehältcr verbreitet. Der Rebner bezeichnet ben Antrag bes Hauptausschusses als unzureichend Da aber angesichts bes Wiberstanbes ber Regierung nicht mehr zu erreichen fei, werbe bie Sozialbemokratie tiefem Anträge zustimmen. Abg. Lawerrenz (Dn.) weist auf bie vielen Regierungserklärungen hin, in benen ber Wille betont würbe, ber Notlage ber Beamten abzichelfen. Die Beamtenschaft habe bies als befriebigenbe Zusage aufgefaßt.. Viele Beamten hätten Im Vertrauen Darauf Vorschüsse unb Darlehen ausgenommen, beren Rückzahlung ihnen nun bie größten Schwierigkeiten machen würbe. Der Reichsfinanzminister von 6 d) lieben fei zu Unrecht angegriffen worben. Eine Erhöhung ber Grunbgehälter kann bei ber gegenwärtigen Lage nicht in Frage kommen. Es bleibt nur ber Weg einer einmaligen Z u - w e n b u n g. Die Regierung wußte, baß sie vor Weihnachten ben Beamten in irgenbeiner Form helfen mußte. Ihr ist ber Borwurs zu machen, baß sie sich allen Anregungen gegenüber folanae in Schweigen gehüllt unb s e l b st feine Vorschläge gemacht hat. Mit bem Antrag ber Bayerischen Dolkspartei finb wir nickt eiroerftan- ben. Wir beantragen gemeinsam mit ber Deutschen Dolkspartei unb ber Wirtschaftlicken Bereinigung, baß auch bie Beamten ber Besolbungs- gruppen über 6 hinaus bie einmalige Beihilfe erhalten, unb baß sie für bie Empfänger von Frauenzuschlägen 40 statt 35 Mark betragen soll. Abg. Morath (D. V.) führt aus: Für bie Parteien ber Linken härt bas soziale CEmpfinben auf bei ben Desvlbungsgruppen, bie sie nicht mehr zu ihrer Anhängerschaft rechnen. Die Beamten erinnern sich, baß es ihnen unter sozialdemokratischer Kanzlerschaft keineswegs gut ging, unb boß ber fozialbemokratifche Kanzler Bauer sogar ben Empfang einer Beamt?nbcputation ablehnte, bie ihm ihre Notlage schilbern wollte. (Hört! Hört! rechts.) Die Beamten auch ber unteren Besolbungs- gruppen empfinben es als ungerecht, baß bie höheren Besolbungsgruppen leer ausgehen sollen. Wir lehnen eine Regelung ab, bie sich nur auf bie Gruppen 1—6 bezieht. Abg. Ersing 03.) tritt für ben Antrag bes Haushaltsausschusses ein. Auck er bringe ben Beamten keine ausreichenbe Hilfe, aber er versuche wenigstens, bem bringcnbften Notstanb abzuhelfen. Hier hanble es sich um eine Notstanbsaktian, für bie bie Parteien bes Reichstags bie Derantwart'ing übernehmen könnten. Eine volle Befriebigung be? Beamtenwünsche werbe nicht möglich fein, solange 90 Prozent ber beutschen Bevölkerung sich in schlechterer Lage als vor bem Kriege befinden. Ein Vertreter bes Reichsfinanzministeriums er» i klärte nochmals den Antrag des Finanzausschusses für unannehmbar. Abtz. Schuldt - Steglitz (Dem.): Mit Vorschüssen fei den Beamten nicht geholfen. Besonders schlimm stehe es bei der Reichsbahn. Der Redner begründete eine Entschließung, die Reichsbahnver- waltung möge die Darlehen mit Rücksicht auf die große Notlage der Beamten Niederschlagen, mindestens aber die Einziehung der jetzt fälligen Beträge unterlassen. Der Antrag des Haushaltaus- schusses sei nur als Notmaßnahme gedacht. Die end- giiltige Regelung solle sofort nach Neubildung des Kabinetts erfolgen. Weiterbeatung: Dienstag 1 Uhr. Der Fall Schillings vor dem Landtag. Berlin, 14. Dez. Im Preußischen Landtag wurde der Landwirtschaftsetal nach kurzer Debatte zu Ende gebracht und dann mit der 3. Beratung des Kultushaushalts begonnen. Abg. S ch w a r z h a u p t (D. Bp.) erwiderte dem Ausschußbcricht über die Anträge von Campe (D. Vp.) und Falk (Dem.) auf Errichtung einer pädagogischen Akademie auf simultaner Grundlage. Abg. Wildermann (Zenrr.) gibt namens seiner Fraktion eine Erklärung ab, in der es heißt, die Zentrumsfraktion erblickt in dem Anträge auf Errichtung einer simultanen pädagogischen Aka- demie in Frankfurt a. M. einen Versuch, die Grundlage der Bekenntnisschule zu unterhöh- I e n und die simultanen Schulen in Nassau zu verewigen. Die Bekenntnisschule ist nach lieber- zeugung der Zentrumspartei die Schule, die die Gewissensfreiheit und die berechtigten Ansprüche aller Erziehungsberechtigten sicherstellt. Die Bekenntnisschule sichert religiösen Frieden unter den Volksgenossen und gibt der Vaterlandsliebe der Schüler die religiöse Grundlage. Das setzt aber eine Vorbildung der Lehrer voraus, die nur auf bekenntnismäßig eingerichteten Lehrerbildungsanstalten erworben werden kann. Eine simultanen Lehrerbildung z e r st ö r t die notwendigen Voraussetzungen der bekenntnismäßigen Volksschulen. Sollte der Antrag angenommen werden, jo behält das Zentrum sich vor, mit allen gesetzmäßigen Mitteln die Errichtung der simultanen Akademie zu verhindern. (Beifall im Zentr.) Zu der Angelegenheit von Schillings, die dann zur Sprache kommt, liegen von der Deutschen Volkspartei zwei Anträge vor, in denen das Staats- Ministerium ersucht wird. die fristlose Entlastung des Intendanten bet Staatsoper. Pro estor Dr. Max v. Schllllngv, znrückzuziehen und eine baldige Lösung des entstandenen Konflikts herbetznführen. In dem zweiten Antrag wird verlangt, daß für das Rechnungsjahr 1926 eine planmäßige Stelle für dos Theaterwesen nicht geschaffen wird. In einem Antrag der Völkischen, der Nationalsozialisten und der Wirtschaftlichen Bereinigung wird die Erledigung des Falles Max o. Schillings folgendermaßen vorgeschlagen: 1. Professor Dr. v. Schillinas wird unverzüglich wieder in sein Amt als Intendant der Staatsoper eingesetzt. 2. Die beiden Referenten st eilen für Äunft sind au» dem Etat des Kultusministeriums zu st r e i ch e n. Kultusminister Dr. Becker rechtfertigte das Verhalten des Ministeriums des Innern in einer -'!t . . ' sehr ausführlichen Rede. In der Debatte traten die Redner der Deutschnationalen, der Deutschen Volks- 1 Partei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der j Völkischen Arbeitsgemeinschaft für ihre Anträge ein, die die Zurücknahme der fristlosen Entlassung . des Intendanten von Schillings und Streichung der Referate für Kunst und Theater im Etat für 1926 fordern. Dom Zentrum bis zu den Kommunisten wurde der Standpunkt des Ministeriums gebilligt. Dabei kam aber das Verlangen zum Ausdruck, daß, nachdem der Staatsautorität Genüge geschehen fei, trän dem Künstler und Menschen Schillings die Hand reichen müsse. Der Deutsche Einzelhandel beim Reichskanzler. Berlin, 14. Dez. (WTD.) Die Harrpt» tgemeinschast des Deutschen Eir^elhandeö berichtete am 12. Dezember dem Reichskanzler persönlich über die ungünstige Entwicklung der Geschäftslage. wies auf die steigenden Unkosten und den firrten&en Absatz hin und betonte, daß von einer Äebersetzung der Ladenbetriebe und des Einzelhandels nicht die Rede sein könne. Sie sprachen den dringenden Wunsch aus. daß die Regierung die Konkurrenz des Einzelhandels mit den Konsumvereinen und den Handelsbetrieben öffentlicher Körperschaften sich frei aus- wirken lassen und nicht durch behördliche Einwirkungen und Sondervergünstigungen beeinflussen möchte. Der Reichskanzler erwiderte, daß die Volkswirtschaft sich nur bei völlig freier Konkurrenz und unter den gleichen Bedingungen für alle Arten von Betrieben aufwärts entwickeln könne. Die bevorstehende allgemeine Wirtschaftsenquete werde Gelegenheit geben, die Ursachen der jetzigen Preise und die Spannen zwischen den Preisen der einzelnen Wirtschaftsstufen festzustellen. Die Dertreter der Hauptgemeinschaft erklärten ihre volle Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an dieser Gnquete, baten aber, daß dieser grundsätzlichen Klärung der Preisfrage nicht durch verständnislose Eingriffe örtlicher PreiSPrüfungs- stellen im Sinne der überholten Preistreibereivorschriften vorgegriffen werde. Aus Dem Reichsrat. Berlin, 14. Dez. (TU.) Der Reichsrat genehmigte den Entwurf von Ausführungsoorschrif- ten zur Sonderunterstützung an Haupt- geroerbetreibenbe, Angestellte und Arbeiter im T o * bakgewerbe und den durch dieses mitbeschäf. tigten Gewerben. Es handelt sich hier um Ausführungsbestimmungen auf Grund des neuen Tabak- fteuergeletzes. Die Aussührungsbestimmungen wurden Dayin abgcänbert, daß den in Betracht kommenden Gemeinden, die Aufwendung für den genannten Zweck nicht, wie die Regierung beabsichtigt hatte, nur zu 75 Proz., sondern zu 80 Proz. zurücker stattet wird. Annahme fand eine Novelle zum Genossenschaftsgesetz. Darnach können jetzt die Genossenschasten m t mehr als 3000 Mitali.dern eine Generalversammlung in der Weise obhalten, daß nicht Mitglieder, sondern Vertreter die Generalversammlung bilden. Derselbe Beschluß kann jetzt bei Genossenschaften von mehr als 1500 Mitgliedern gefaßt werden. Nach den bisherigen Bestimmunaen betrug diese Ziffer 10000 und 3000. Die Locarnoverträge dem Vöikerbvnd übergeben. Genf. 14. Dez. (W^lff.) Im Lause der heutigen öffentlich-en Sitzung deS Völkerbunds- rotes übergab Chamberlain dem RatLpräs.- denten S c i a l o j a in feierlicher Form das in London mtterzeichnete Original des Vertragswerks von Locarno, nämlich den Westpakt, die beiden Schiedsverträge zwischen Deutschland mit Frankreich bzw. Belgien, die beiden Schiedsvcrträge Deutschlands mit der Tschechoslowakei bzw. Polen und das Schluß- pretocoll. Außerdem übergab Chamberlain eine Abschrift der an den Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann gerichteten Rote über Artikel 16 des Völkerbundspaktes. Die RatiZ.aii ns- urkunde soll später beim Generaljekretariat des Völkerbundes deponiert werden. Die eindrucksvolle Handlung wurde durch kurze Ansprachen Chamber ains und Paul D o n- cours erhöht, der seinerseits die beiden zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei bzw. Polen in London unterzeichneten Verträge dem Ratspräsidenten Scialoja übergab, die, wie er hin- zusügte, eine Ergänzung des Vertrages von Locarno darstellen. Chamberlain schloß seine Erklärungen wie folgt: „Indem ich diese Dokumente dem Vertreter des Rat? übergebe, und sie unter die Obhut des .indes stelle, möchte ich noch betonen, daß die unmittelbar daran interessierten Mächte in eine neue Phase ihrer Beziehungen ein» getreten sind. Mit dem Wunsche, sorgfältig jede Art von Herausforderung und Beleidigung Anderer zu vermeiden, haben sie sich gegenseitig den Frieden garantiert. Sie haben so dazu beigetragen, den Weitsrieden zu stabilisieren und unseren Völkern Ruhe und Vertrauen zu geben. Indem wir diese Aktenstücke unter die Obhut des Völkerbundes stellen und dem Völkerbunde alle Autorität, die durch die Verträge geschaffen wird, übertragen, sowie durch die Verei barung zwischen Deutschland und den anderen Mächten, wonach Deutschland gemäß diesem Abkommen in den Völkerbund Eintreten soll, haben wir ein Werk vollbracht, das dazu beitragen wird, die Autorität und Kraft des Völk.rbundes zu vermehren und zu erhöhen." Paul D o n c o u r verlas ein Telegramm deS französischen Ministerpräsidenten Dr'.and: • „Im Augenblick, in dem die in Locarno ausgearbeiteten Verträge in, den Archiven des Völkerbundes niedergelegt werden, liegt mir daran, von Paris aus, wo ich durch die gebieterischen Pflichten meines Amtes zurückgehalten werde, mich den Gefühlen anzulchließcn. die Chamberlain mit seiner Autorität zum Ausdruck bringen wird. Frankreich ist stolz, feine Unterschrift unter die Verträge gesetzt zu haben, die seinen Willen zur Aufrechterhaltung des Friedens besiegeln. Das friedensfördernde Werk des Völkerbundes, in dessen Schoß wir jjoffen bald Deutschland aufnehmen zu können, kann durch den Abschluß dieser Verträge von Locarno nur erleichtert und gestärkt werden. Diese Verträge, die auf den Bestimmungen und den leitenden Grundsätzen des Völkerbundspaktes fußen, sind dazu bestimmt, unter den Staaten, die sie unterzeichnet haben, normale Beziehungen zu eröffnen, die auf den gegenseitigen Wunsch der Versöhnung durch die Achtung der Verträge und der Rechte jedes einzelnen gestützt sind. Den Crtlärungen des englischen und französischen Vertreters folgten kurze Anspra^m der anderen Ratsmitglieder, worauf Gras Ishii- Iapan sich mit besonders warmen Worten an Deutschland wandte, dessen Eintritt als Großmacht von Japan aufs lebhafteste begrüßt werde. Auch Pin den-Schweben betonte, daß gerade Schweden die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund aufs lebhafteste begrüße. Am Schluß der heutigen eindrucksvollen Zeremonie sagte Ratspräsident Scialoja: Ich freue mich darüber, in meiner Eigenschaft als Ratspräsident heute den Text der Verträge von Locarno in einem feierlichen Augenblick, der dieser Dokumente würdig ist, entgegennehmen zu können. Gern hätte ich den Vertreter Deutschlands wie auch den Dertreter Polens eingeladen, aus diesem Anlaß am Ratstilche Platz zu nehmen. Erlauben Sie mir also, in schlichten Worten daran zu erinnern, daß der Dertreter Deutschlands mit d i e erste Initiative ergriffen hat, die zu diesen Dokumenten führten, indem er Frankreich und England einlud, in Verhandlungen einzu- treten. Heute ist tatsächlich ein Festtag des Völkerbundes, da wir jetzt die Verwirklichung desien fest- ftellen können, was bei feiner Gründung nur eine Hoffnung und ein Ideal war. In Locarno haben wir ein System von Verträgen aufgestellt, die auf einem neuen Geiste aufgebaut sind, den man mit Recht den Geist von Locarno bezeichnet, den Geist des tatsächlichen Friedens, der alle Kriegsursachen beseitigen soll. Erlauben Sie mir festzustellen, daß unter allen in Locarno anwesenden Staaten es nur einen einzigen Staat gav, der den „reinen Geist" vertrat. Alle anderen Staaten hatten Interessen, die ich als körperlich bezeichnen, möchte. Einzig Italien nahm an den Arbeiten in einem Geiste des internationalen Friedens teil ohne jedes andere Interesse. Ich muß nun nochmals Austen Chamberlain wie auch allen meinen Kollegen danken, den Unterhändlern von Locarno und insbesondere jenen meinen Dank aussprechen, die die Initiative zu diesen Verhandlungen ergriffen hatten. Ich schließe an diese Worte den Dank der ganzen Welt an und glaube, daß meine Kollegen meinen Vorschlag billigen werden, unseren abwesenden Kollegen aus Polen und Deutschland unsere Freude zu bekunden (wobei wir hoffen, bald mündlich dem Vertreter Deutschlands den Ausdruck unserer Gefühle hier übermitteln zu können), indem wir das Protokoll über diesen Teil der Sitzung den Regierungen von Polen und Deutschland zustellen. Sämtliche Erklärungen wurden von dem zahlreichen Publikum unter feierlicher Stille und mit lebhafter Aufmerksamkeit entgegenpenommen. In den Reihen der dicht besetzten Diplomalenbänke beobachtete man auch den deutschen Generalkonsul in Genf, Aschmann. Der in der preußischen Kirche. cT/VHv W Dez. (SM.) Rach fünftägiger Debatte beschloß heute das Landeslirchenparla- ment der evangelischen Kirche der altpreußischeit Union (ausschließlich Hannover, Schleswig-Holstein, Hessen-Kassel. Rassau und Frankfurt a. M.) in erster Lesung des betreffenden Eutwurses für d l e Generalsuperintendenten die amtliche Bezeichnung Bischof. Das von der Gruppe der Evangelisch-Lutherischen beantragte, durch den Antrag von Dr. Deihmaim modifizierte erste Kirchengesetz der neuen Kir- chenorganisation wurde damit gleichfalls in erster Lesung angenommen. Die Drovinzial-Kircheuräte haben das Recht, innerhalb von zwei Monaten nach Verkündigung des Gesetzes die einstweilige Fortdauer der seitherigen Amtsbezeichnung innerhalb ihrer Kirchrnprovinz zu beschließen. Dieser Beschluß bedarf der Bestätigung durch die Pro- vinzial-Synode. Kunst und Wistenschast. Prof. D. Mendelssohn-Darmstadt -r Wie wir den Mitteilungen des Evangelischen Kirchengesangvereins für Hessen entnehmen, feiert am 25. Dezember d. I. der verdienstvolle Kirchenmusikmeister und Komponist Professor D. Arnold Mendelssohn in D a r m st a d t seinen 7 0. Geburtstag. Im Jahre 1891 wurde er in das Amt eines Kirchenmusikmeisters berufen und hat als solcher die hessische Landeskirche sowohl wie ihre Einzelgemeinden in allen kirchenmusikalischen Angelegcn- teiten aufs beste beraten, so z. B. bei der Anschaffung neuer Orgeln und Glocken, bei der Herausgabe des Gesangbuchs mit Noten und der neueren Auflagen des Choralbuchs und des Präludienbuchs und besonders durch die Abhaltung zahlreicher Orgelkurse zur Fortbildung der Organisten. Ganz besonders unterstützte und förderte er die Bestrebungen der Ev. Kirchengesangvereine in Deutschland und Hessen. Er wurde daher auch schon früh, im Jahre 1891, in den Vorstand des Ev. Kirchen- aesangvereins für Deutschland gewählt und wegen seiner großen Verdienste um die Kirchenmusik von Der Ev. Theologischen Fakultät in Gießen zum Ehrendoktor der Theologie promoviert. Dem Hessischen Ausschuß der Kirchengesangvereine gehört er seit allem Anfang an. Politische Studente.nkildung. Eine Staatspolitische Woche des Deutschen Hochschulrings ist in Hamburg vom 11. bis 20. Januar 1926 in Aussicht genommen. M. a. sollen auf der Tagung sprechen: Prof. Dr. Haush of er-München über „Auswärtige Politik", Prof. Dr. Karo-Halle „Die politische Bedeutung der Kriegsschuld". Gouverneur Dr. Schnee-Berlin „Deutsche Ko- lonicüpvlitit", Geb. Rat Dr. Q ua a tz - Berlin, M. d. R., „Die politische und wirtschaftliche Ent- i icklung von Versailles bis zum Londoner Pakt", Oberfinanzrat Dr. V a n g-Verlin „Der Londoner Pakt", Pr,f. Dr. Martin Sv ahn-Köln „Völkerbund und Sicherheit" und Prof. Dr. Wundt- Jena „Der deutsche Staat-g'^ocmke". Akademische Grenzlandarbeit. Eine Sternfahrt nach Wien bereitet das Grenzlandamt des Deutschen Hochschul- rings unter Leitung des rührigen Dr. Friedrich Heiß vor. An ihr sollen in Zusammenarbeit mit der Mittelstelle für Iugendgrenzlandarbeit alle in der Grenzlandarbeit stehenden Gruppen zu einer wissenschaftlich-politischen Tagung in Wien tellnehmen. Im Winter soll eine theo- rettsche Veschäftigung mit dem Fragenkomplex „G r oß d e u t f ch l a nd" vorausgehcn, der sich Ende des Wintersemesters von den einzelnen deutschen Landschaften aus die Sternsahrt an» schließen soll. Das Hauptaugenmerk bei der Tagung in Wien soll auf die Gesichtspunkte: Zusammenschluß int Hinblick auf Staatspolitik, Kulturpolitik und Wirtschaftspolitik gelegt werden, wobei auch das religiöse Problem eingehend erörtert wird. Aus aller Meli. Beginn des Internationalen Radiokongresses. In Brussel begann der Internationale Radiokongreß, dessen wichtigsten Ausgaben die Vornahme einer planmäßigen Verteilung der Wellenlängen sein wird'und der sehr wahrscheinlich auch die Zahl der Srndrstationen begrenzen wird. Elf Länder find vertreten, darunter Deutschland. Line Schreckensfahrl. In Chemnitz geriet ein mit zwei Pferden bespannter Kohlenwagen infolge der Glatte der vereisten Straße ins Schleudern. Der Beifahrer stürzte vorn Wagen und die Pferde gingen durch. Ein junges Mädchen und ein junger Mann wurden von dem Gespann durch eine Fensterscheibe geschleudert. Der junge Mann starb kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus, das junge Mädchen erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifell wird. TodeSschlaf eines Kindes. In Esch im Taunus nahm das vierjährige Söhnchen der Familie Pankratz S ch l a s p i l l en, die dem Vater verordnet Warrn. Das Kind verfiel sofort in einen ticf?n Schlaf, aus dem es nicht wieder erwachte. Der Arzt konnte nur noch den Tod feft (teilen. Raub überfall. Auf der Straße von Hamm nach Friedrichsdorf überfielen zwei Männer das Auto der Firma Horst & Niemeyer, Bielefeld, und raubten den Wagen aus. Der Chauffeur wurde durch Revolverschüsse an der Hand verletzt, geknebelt und gebunden und von den Räubern in den hinteren Teil des Wagens geworfen. Die Diebe fuhren dann mit dem Auto davon. Bei Friedrichsdorf sausten sie gegen einen Baum. Hierbei wurde einer der Räuber aus dem Wagen geschleudert und am Kopf verletzt. Hinzukommenden Passanten gelang es, die beiden Täter festzuhalten. In ihrem Besitze fand man Revolver, Dolche und Einbrecherwerkzeuge. Wettervoraussage. Heiter bis halb bedeckt, vorwiegend nördliche Winde, kalt, meist trocken. Nach dem Abzug des Störungsgebietes in östlicher Richtung liegen wir nunmehr unter vorwiegend nördlicher Luftströmung, die von Skandinavien her bereits beträchtliche Kälte nach Mitteleuropa einströmen ließ. Das neue isländische Fallgebiet ist direkt nach dem Nordmeer vorgestoßen, daher ist eine nennenswerte Milderung unserer kalten Witterung zunächst nicht zu erwarten. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 0,5 Grad Celsius, Minimum minus IP Grad Celsius. Niederschläge 0,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur minus 1,2 Grad Celsius. Ans der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. Dezember 1925. Dom Provinzicttaus!chutz. Der Provinzialausschuh der Provinz Oberhessen verhandelte in feiner Sitzung vom Samstag außer über d e B ü r ger- meisterwahl in Merlau, über die wir gestern schon berichteten, noch in den folgenden Angelegenheiten: Klage des Wilhelm Mathes II. in Dettenhausen gegen das K r e i s a m t Gießen auf Aufhebung des Polizeibffehls vom 1. Oktober 1925. Der Kläger hat in seiner Hof- reite seinerzeit ein Nebengebäude (Holzschuppen) aus Holzfachwerk errichtet, das sehr nahe an den dem Wilhelm Köhler gehörigen Torüberbau, der mit der Wohnung deS Köhler zusammcn- hängt, heranstößt. Rach den Vorschriften Oer allgemeinen Bauordnung hätte die Giebelwand des Holzschuppens als Brandmauer errichtet werden müssen, was auch der Rachbar^KöhIer int Interesse der Feuersicherheit feiner Hofreite wiederholt verlangte. Der Kläger leistete allen Aufforderungen Der Baupvlizeibehörde keine Folge, so daß das KreiSamt Gießen schließlich auf Grund des Artikel 63 der Kreis- und Pro- vinzialordnung gezwungen war, um diesen gefahrbringenden, rechts- und ordnungswidrigen Zustand zu betätigen, gegen Mathes einen Polizeibefehl zu erlassen. Als letzter Termin zur Erledigung des Anstandes wurde der 15. November gesetzt. Für den Fall, daß auch biS dahin der Anstand nid>t behoben fei, drohte das Kreisamt in dem Polizeibefehl an. daß durch Dritte auf Kosten des Bauherrn im öffentlichen Inter- - esse der Mißstand beseitigt werde. Gegen diesen Polizeibesehl erhob Mathes Klage beim Provinzialausschuh m?t dem Antrag, ihn aufzuheben und ihn von der Verpflichtung zur Errichtung der Brandtnauer zu befreien. Die Klage wurde als unbegründet kostenpflichtig abgetoief en, da das Derwal- tungsgericht den Erlaß des Polizeibefehls für durchaus gerechtfertigt erachtete. Klage der Auguste Schmidt Witwe in Hungen gegen das Kreisamt Gießen auf Aufhebung des Pol zeib fehls vom 1. Oktober 1925. Die Klägerin hat ohne bau- polizäliche Genehmigung an threm unmittelbar an dem Dahngleis der Strecke Hungen—Friedberg in der Gemarkung Hungen gelegenen Wohnhaus einen Anbau errichtet, der nur 2,5 Meter vom Bahnkörper entfernt ist. Infolge der Hohe des Anbaues ist die früher bestandene Meber- sichtlichkeit der S'gnale der vorbezeichneten Bahnstrecke beeinträch^gt. Da die Errichtung dieses Anbaues gegen Artikel 38 und 80 Abs. 2 der Allgemeinen Bauordnung verstoßt, wurde die Dauherrin von der Baupvlizeibehörde wiederholt aufgefordert, durch Tieferlegung den Dachfirst des Anbaues mit dem Dachfirst des Wohnhauses in gleiche Höhe zu bringen. Frau Schmidt erklärte sich hierzu nicht in der Lage, da sie sich in einer wirtschaftlichen 'Rotlage befände. Auf Grund des Llrtikel 66 der Kreis- und Provil^ial- vrdminp erließ schließlich daS Kreisamt Gießen am 1. Oktober 1925 einen Polize'.bffehl gegen die Bauherren, in dem ihr im öffentlichen Interesse aufgegeben wurde, den die Betriebssicherheit der Eisenbahn gesährdenden rechts- und ordnungswidrigen Zustand binnen 14 Tagen zu beseitigen, andernsalls der Mißstand durch Dritte auf Kosten der Bauherrin beseitigt werde. Gegen diesen Pv- lizeibefehl erhob Witwe Schmidt Klage mit dem Antrag auf Aufhebung. Die Klage wurde als unbegründet kostenpflichtig abgewiesen und der ergangene Polizeibesehl im Interesse der Verkehrssicherheit für gerechtfertigt erachtet. Wehere Fahrplcrnanderungen. Dom 21. Dezember ab treten auf den Streiken Gießen - Gelnhausen und Mücke- Hungen-Friedberg folgende Fahrplanänderungen in Kraft: Gießen-Gelnhausen^ Pz. 508 erhält von Mittelgründau bis Gelnhausen folgenden Fahrplan: Mittelgründau ab 4.18, Lieblos an 4.24, Gelnhausen an 4.36 nachm. Mucke-Hungen-Friedberg: Pz. 4272 (S) wird wie folgt geändert: Mücke ab 4.18, Laubach an 4.48, Hungen an 5.20 nachnt. Pz. 4260: Hungen ab 5 30, Obbornhofen an 5.42, Melk'ch an 6.05, Friedberg an 6.32 nachm. Gretzener Wochenmarktpreise. Es kosteten das Pfu:rd: Butter 230 bis 230, Matte 40. Käse 65 bis 70 .Wirsing 15, Weißkraut 10, Rotkraut 15, gelbe Ruben 15. rote Rüben 12. Spinat 50, Unter-Kohlrabi 10 bis 12 Grünkohl 30. Rosenkohl 60 Feldsalat 120. Tomaten 120. Zwiebeln 12, Meerrettich 30 bis 83 Schwarzwurzeln 50, Kartoffeln 4 Aepfel 15 bis 20, Dirnen 30, junge Hahnen 120 Suppenhühner 120. Gänse 100 bis 125, Russe 50 bis 83; ba3 Stuck Eier 19 bis 20. Blumenkohl 63 bis 120 Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 10 Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 40. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadlthegter: 71/2 Uhr „Heimliche Drautsahrt" (Ende gegen 10V.1 Uhr). — Skttlub Sauerland. Ortsgruppe Srillub Gießen, 8>/s Mhr „Cafe Asto- ria" M t^Iiederversamnilung. ** Aus dem Stad ttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Mlltwoch gelangen zum ersten Male int Stadttheater „Lanzelot und S andere in" und „Das Apostelspiel" von Max Me'l zur Aufführung. Das altflämische Spiel — das hier übrigens nicht unbecannt ist — Wird in feiner naiven Einfache beit für sich selber sprechen. Der Titel „Apostel s p i e l" konnte aber falsche Darstellungen erwecken, und darum sei kurz der Inhalt angc» deutet: Der Großvater und die junge Enkelin Hausen in einem flehten Dauernhäuschen weltabgeschieden im Gebirge. Weltfremd wie die De- Hausung ist die Denkart seiner Dewohner. Eines abends treten zwei schlimme Wanderer, die alle Kriegsgreuel in Rußland mitgemacht haben, in die Stube und erbitten ein Nachtquartier. Der eine ist ein irregeleiteter Weltverbesserer, der zweite ein verwilderter roher Patron; sie Hegeri böse Absichten. Die fromme En.elin sieht aber in ihrer naiven Weise in den beiden die Apostel Petrus und Johannes, die unerkannt die Menschen auf die Probe stellen. Dir Fremden gehen auf den Gedanken der Kleinen ein; doch der ..Johannes" genannte wird von der reinen, gläu» I Ligen Gesinnung der Enkelin so ergriffen, daß er alle kiffen Gedanken auf gibt und seinen Kameraden aus dem Haus mit fort in die Dunkelheit .0 Go Ö* % Dc> ^ocam» jtr sien sS. ,-s unserer fei ist aUerbtnc ua(eid) ® Enaken senh-ä ass senli'ch Mgen L Tnchniarl! DvHr m -* Di ten der Kthilfe g zahlreiche wie,en, Ml gewöhnlich licher Ml In Main? deck Hol genmnien schrn Teil Garlehen Versprech hat er in Diesbak Garmslad Wetzlar u mutlich h Abstand । Zeit unfd gut, lm würden. " Vi zugelassen " F Sonntag v unser M rat @ro8. Lichtungen 'nen Tedick dvtenartig' Henna! ttx .Der stärkste bi zum End Giese Tel Lebenslva. wie Mik runa, der faröljabt, .mit lebenbi sonderen tz gejchehrneZ Schassen k eine Mi licher Lat Hcjsen vj< Tros |ic seiner selk des Abeni grrung gl Bundes t feen, vei des Verbi Men uni fling am bei der la Tiegen < wurde, j Tieh« Karl _ Der di) JoWaai , B °>lr ge, keinen Hebt reichlich, Q, durchaus n' Art von Si werden tö 9en. ment IrS Jas der M organisch werten kai , e herank «. oerfäun lochen. . Seine f Ä« Ine’ Kniber ii, y der > ander, Nut Ehen, Jm die b ^reiM t'on für & Q*-f uhrt nQ($ Mt in s° J?s.JfQru ^rich.edci nur "jenen r w'c [oli d v Ein rlIi)ncrn Q. 'S e n. prangen Psycho - r s. 5. Auflage. Leinen- — Profsffor Dr. E. S aus dem Hausorchesters: Deethovea. 6 518 1 U&r: H= PonnefeldtsTee JL yL seit 1OO Jahren bewährF von Millionen qelrunken von Millionen gesunken in Jubiläums «Dosen I ohne Aufschlag überall «rhälfllch. S—r ab treten aus tented* i?®,, ab US. MM “ 136 * „ «, m ”*■ äÄ»«* : Kübffl 15. rll> alat 1^- Hch-parz' 3 6l?4 Me 50?Ä 120 SMe" Volumen: sicher kann man ihn zu den sog. groben Stimmen rechnen. Er führte sich mit vier italienischen Belcantoari n ein und bewies besonders im Pur dicesti (Qlrtynhel Lotti) seinen Geschmack in der Ausarbeitung: seiner Stimme bot besonders Händels „Ah! mio cor" Geleaen- fitit zur reichsten Entfaltung allen Glanzes. Mit der Wiedergabe von Robert Schumann- „Dichter- liebe" hatte er sich eine umfass-rnbr Aufgabe gestellt. der man in den letzten Jahren im Konzerts aal selten begegnet ist, und zur llebernahme einer solchen Ausgabe gehört Mut und Vertrauen auf das stimmliche Können: denn die Anforderungen, dir Schumann in mancher dieser kleinen Stimmungsbildchen an den Wiedergeben- den stellt, setzen große Meisterschaft voraus. Richt alle« gelang gleichmäßig. Da. wo Hammes seine prächtigen Mittel entfalten konnte, wo er aus der dramatischen 6 tuation heraus gestalten konnte, da bot er starke Leistungen, wie in „Ich grolle nicht". In der Gruppe der Hugo Wolf-Lieder erzielten auch die wieder den meisten Erfolg, wo die jugendliche Frische des Or- ?an8 zur Geltung kommen konnte: vielleicht war ie Wahl deS Wolf-Liedes „Wie glänzt der belle Mond" nicht sonderlich glücklich, dazu ist die mezza voce noch nicht ausgrreift genug, um bieseS feinduftige Stimmungsbildchen völlig zu erschließen. Run denn! SS war ein Erfolg für Karl Hammes! Erfolge aber verpflichten, noch mehr aber Raturgaben, wie sie Hammes mit seiner Stimme in reichem Maße erhalten hat: noch gilt es, einige Hemmunarn in der Höhe zu beseitigen. besonders dem sogen. Decken aus dem Wege zu gehen. Sine besondere Aufmerksamkeit wäre auch dem leichten Parlando zu wünschen, ebenso harrt noch die mrz^a voce der feinsten Durchbildung. Daum aber fleot der Weg zur höchsten Meisterschaft offen! And nun noch eine Aeußerlichkeit: Für die Auswirkung der Ä’Ä? t« lt* cge. alle r;.r ä* i * 14 i”’1 1 wesens gewürdigt. Der letzte Aufsatz leitet bereits zur Gegenwart über. Der zweite sachliche Teil ist den Grundfragen unseres Dildungswcsens gewidmet. bstb — Erziehung zur religiösen Bildung. Don Studirnrat Dr. R. vcherwatzky. 202 Seiten. Preis geh. M 4, in Qcinenbanb M. 5. Verlag von Quelle & Msyer In Leipzig. — Der Religionsunterricht ist heute hart um- kämpftes Strettgebitt. Die Meinungen sind unge- klärt. Gegner und Derteidiner fuhren ®rüabe für und wider an. Du wird dirS Buch eines erfahrenen Pädagogen Klarheit schaffen. Cs tritt nicht nur für die Rotwendigkeit des Religions- Unterrichtes ein, sondern eS weist nach, daß dieser Dildungsfach in hervorragendem Sinne ist. DaS D'.'.ch wird zu einem lebendigen u-'dvxrtschas senden Religionsunterricht sühren und an seinem Teile mithelfen an dem Wiederaufbau. 306 — Zeitwende. (E. H. Deck, München.) Das Dezemberheft beschließt den ersten Jahrgang mit einem auch auf Wrihtxrchten gestimmten Inhalt. Aus der schonen ileoertragung des Reuen Testamentes von Wo.rncr wird Die Weih- nachtSgeschichte nach LukaS dargeboten. Eine Weihnachtserinnerung von Tim Klein zeigt des Menschen Weg zwischen Dämon und Engel an einem erschütternden Erlebnis, das schließlich doch noch im WeihnachtSfreden mündet. Elisabeth Sulzer gibt in ihrem Aufsatz über daS Antlitz von Paris die Phhs.g..omil der Weltstadt und ihrer Vororte und brütet sie in feiner fruchtbarer Weise kulturpsycholog sch. Willelm von Schramm schildert in der Erzählung „Das Lurmgemach" das Verlassen des Kinderbandes in einem gleichnishaften Erlebnis. Srei gewichtigere Aufsätze umrahmen die'en sotzusagen idyllischen Teil des Heftes: Karl Rätzels Aufsatz über Panslawismus und PanasiatiSmus, Rexrtus Hupfeld über ^Grenzen der Gemeinschaft", und Emil (Sma- tinger über den Darockdich.er Andreas Gryphius. — Deutsche Medizin und Rotaemein- schäft der Deutschen Wissenschaft. Geschehnisse und Erlebnisse deutscher Medizinalpolit'l und Kulturpolitik. Von Professor Dc. G. Schreiber. Geheftet 2 Ml. Der:ag von Quelle & Meyer, Leipzig. 657 — Daheim, 62. Jahrgang, N r. 10. Das Host hebt mit einem neuen Roman von Ada Baronin Fircks ..Hallington" an, der in vornehmen gesellschaftlichen Rahmen spannend einsetzt. Eine italienische humorvolle Sfi.ve von Felix Pul- tersack „Er verzweifelt an der Welt" führt den begabten jungen Autor an dieser Stelle erstmalig vor. Um diesen Inhalt gruppiert sich wirkungsvoll der aktuelle Bilderteil und das Frauendoheim. Gießener Konzertverein. Karl Hammes, Köln: Bar.ton. Wer viel Gelegenheit hat, Gesangssolisten im Konzertsaal zu hören, dem ist es kein Geheimnis, daß wir gegenwärtig an wirklich berufenen. Kräften keinen Ueberfluß haben. Wohl ist das Angebot reichlich, aber die Leistungen der einzelnen sind durchaus nicht gleichmäßig oewertbar. Und in keiner Art von Konzerten wird das Publikum so enttäuscht werden können, wie-gerade in Gesangsdarbietun- gen. Für jeden Instrumentalisten ist Das Instrument Träger des gegebenen Tones: das Modifizieren des Tones im mukalischen Verlauf des Werkes zeugt für den Künstler. Einem Sänger ist der Fall insofern erschwert, als er den • Ton erst organisch bilden muß, ehe er ihn musikalisch verwerten kann. Daß gerade die vergangene Zeit für die Heranbildung des Sängernachwuchses mancherlei versäumt hat, dafür sprechen verschiedene Tat- fachen. Keine Naturstimme, selbst die gottbegnadetste, wird ohne jegliche Bildung schön fingen können: darüber ist und war man sich selbst in Italien, dem Lande der Sänger, einig. Gewiß bringt die eine ober andere Stimme mehr Veranlagung zum glück- lichen Sitz des Tones mit; paart sich musikalische Begabung dazu, dann ist der Sänger geboren. Wo iY.v Natur aber irgendwelche Hemmungen entgegen- stehen, da hat die Stimmbildungskunst einzusetzeu, . i die bei uns Deutschen von Natur aus meist «\tremitcn Register zu einer einheitlichen Formation für den ganzen Stimmumfang zu verschmelzen. — Die neudeutschen Stimmbildner glauben sich dazu auf besten Wegen: nur welcher von diesen fuhrt nach Rom? Denn jeder will recht haben, jeder sieht in seiner Methode die Erfüllung seines Ideals: des Earusotones. Und wenn man dann aber die verschiedenen Gebilde nebeneinander hört, so hört man nur Widersprüche. Es sind sich also die Berufenen noch nicht einmal über ihre Ideale einig, wie soll da Der Laie den Maßstab finden? Ein gut Teil Verw.rrung hatte die Erfin- dung des Kehlkopfspiegels unter den Stimmbildnern angerichtet. Die dort gesehenen S tarn- bandformationen (Register) glaubte man als Rorm amrebmen zu müssen, und bildete drei getrennte Register aus (manche unterschieden 'sogar sechs- und hatte so das herrlichste Instrument, untere Stimme, zerbrochen, statt die Re° giftet als von Ratur aus gegebene Schwächen Rundfunk-Programm deS ^-rank/urtsr Tenders. (Aus der »Radio-Umschau-.) Mittwoch, 16. Dezember. 4.30 bis 6 Ahr: Rachenittagskonzert des 5*lt lialauS* •sä**..: rl«u. üBfcJ'Htr. in K toir ,elm D-,, •n. das in «ude SJgf U er. das .hörigen Qn «« .^rbau, Qitimauer TL.Fr » Äläatt E. befreite ?inc 63 der ffl ^Mch 'SZW ,3a[I, daß au* A dMe Z, .an,.^6 durch Stin« 3nt«- SÄ bM Pro- '.Aurag, ihn au zuheben ^ung zur Kftttffl. Die Ala«" Mundet kosten- ? 2 Nerval. 5 S für erachtete. Auguste Schmidt 1 KreiSami Kta Polzrib-sehlS vvm Klägerin hat ohne bau- au ihrem unmittelbar c vlrecke Hungen-Fried- •jungen gelegenen Wohn- "M, der nur 25 leier ent ist. Infolge der Höhe früher bestandene Leber- der vvrbezeichneienNilÄ- 5a die Errichtung Mto -l 33 und K X2 ber img HrltöfH, tourbe die öacholiM-örde Lieder- h Seferlcgung den Dach- dem Sachfirst des Dvhn- zugelasien sind. ** Festnahme eines Schwindlers. 3n Mainz wurde der angebliche 23jäh-rige Stu- ident Holtschmidt aus Tharlottenburg fest- genommen, der darauf ausging, bei evangelischen Geistlichen unter allerlei Vorspiegelungen Darlehen zu erhalten, die er entgegen fernem Versprechen nicht zurückzahlte. Auf diese We se hat er in einer Reihe von Städten wie Mainz. Wiesbaden, Frankfurt. Rürnberg, A'chnsfenburg, Darmstadt, Gießen, Friedberg, Marb"-rg. Wetzlar und Limburg Schwindeleien verübt. Vermutlich haben viele Geistliche von einer Anzeige Abstand genommen. Mm den Gauner für längere Zeit unschädlich zu machen, wäre es allerdings gut, wenn die Darlehensgeber sich melden würden. *• Der Goethebu nd veranstaltete am Sonntag wieder einen Hessenabend, bei dem unser einheim scher Hessendichter, Amtsgerichtsrat ® r o s, wie bei früherer Gelegenheit eigene Dichtungen vorlas. Außer einem sein empfundenen Gedicht .Rauhrels" und drei kleinen anekdotenartigen Geschichtchen auS unserer hessischen Heimat war eS vor allem eine längere Erzählung „•Ser Liedchespseiser von AngerSbach", die aufs stärkste die zahlreichen Zuhörer fesselte und 6iS zum Ende In ungeminderter Spannung erhielt. Diese Geschichte war von höchster Echtheit und Lebenswahrheit in ihrer ebenso gegenständlichen wie seelisch und charakterologisch feinen Schilderung, der Srzählerton vornehm und fachlich gehandhabt. die Mundart den redenden Personen .mit lebendiger Treue brigegeben: auch ohne besonderen Hinweis merkte man. wie hier Wirklich- gescheheneS und Selbsterlebtes dem dichterischen Schaffen zugrunde lag. Dazu barg die Erzählung eine Fülle kulturgeschichtlicher und heimatkundlicher Tatsachen aus dem Vogelsberg, die uns Hessen viel zu wenig bekannt sind. Daß Herr Gros sich wieder als den besten Interpreten feiner selbst erweisen konnte, erhöhte den Reiz des Abends, der künstlerisch unbedingt eine Steigerung gegenüber dem ersten Hessenabrnd des Bundes bedeutete. —g. —.— Kanarien-Ausstellung in Gießen, verbunden mit der 1. Verbands-Ausstellung des Verbandes der Kanarienzuchtvereine für Ober- Hessen und des Lahn-Dillgebiets. Dieser Ausstellung ging am Samstagabend ein Kommers voraus, wobei der langjährige 1. Vorsitzende Ludwig Petri- Gießen zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Die Ausstellung, die am Sonntag im anzufehen und sie in einer voix mixte zu bereinigen. Das war aber nur möglich, wenn für die verschiedenen einzelnen Register die Resonanz der Kopf höhl en ati zusammenfassendes Moment eintrat. Darum muhte bei den Völkern, wo im naturstimmigen Klang der Sprache die Kopfresonanz schon stark gepflegt wurde, die Verschmelzung der Register durch eben diese Resonanz gegeben sein. 3n der Tat werden wir dieses Ideal am ehesten bei den romanischen Völkerschaften antreffen. Solche Stimmen sind dann imstande, wie auf einem Instrument zu spielen und kennen keine Hemmnisse, weder in der Höhe, noch in der Tiefe, noch in der Stärke. Solche verschmolzenen Stimmen gehen dann auch mit ihrer Kraft ökonomisch um: denn je mehr die Kopfresonanz den Ton verstärkt, um so mehr tritt eine Entlastung der Muskeln des Stimmapparates ein. So farm Dattistini als Siebzigjähriger noch genau so frisch und schön fingen, wie er es als Zwanzigjähriger schon getan hatte. Uni) dah ein solches Ideal uns Deutschen durchaus nicht unerreichbar ist, dafür zeugt die Frankfurter Oper mit einigen ihrer Kräfte. Weil man in Italien solche glänzenden Stimmen antraf, und weil man in Italien das Land deS Belcanto sah, so suchte man dort den Weg für den Idealgesang, um dann meist m t traurigen Erfahrungen zurückzukehren. Denn die italieni- schen Meister behandelten die deutschen Stimmen wie die ihrer resonanzbegabten Landsleute und trieben wohl eine gewisse Geschmackskultur, ohne aber den eigentlichen Mangel der deutschen Stimme, die fehlende Kopfrefonanz, zu beheben. Gewih, einige Deutsche, die durch intensive Racharbeit diesen Mangel behoben, trugen Gewinn davon, viele aber kehrten enttäuscht wieder. Dazu kamen die hohen Anforderungen dcS modernen Musikdramas an die Kraft und Ausdauer der Stimme. Stellte die borwagnerische Oper doch immer nur Ansprüche im Sinne des Belcanto, so brauchte man jetzt große durchschlagende, heldische Stimmen. Richard Wagner sah sein Ideal in der metallisch erklingenden romanischen Stimme, aber der Lehrer, den er sich für diese Art der Ausbildung nach München berief, Friedrich Schmitt, konnte nicht schnesi genug die Beweise für seine Methode erbringen. Immer mehr trat daher an die Stelle des durch Schulung gewonnenen Klanges die Raturkraft der Stimme. Die berhältniSmätz geringeren Anforderungen an die Hohe der heldischen Tenor- — Professor Dr. E. Spränget: und Erziehung. Dritte, teilweise Auslage. 267 Seiten. Leinenband 7 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — „Wir müssen als Lernende an großen Schöpfungen der Vergangen- heit stark und fest geworden sein. Wir müssen aber aber auch zur Freiheit der eigenen, durchaus zeitgemäßen Lebensgsstaltung gelangen, indem wir uns mit einer weitumspannenden historischen lieber» schau und Deutung unserer Geschichtsepoche die Vorbedingungen dafür geben, wieder schöpferisch und wieder selbst dem Geistesleben gegenüber groß zu werden." Diese einleitenden Worte Sprangers möchte man gleichsam als Motto den von starken Kulturbewußtsein getragenen Essays voransetzen. Ihnen entspricht auch der Inhalt. In einem ersten geistesgeschichtlichen Teil finden wir Luther, Come- nius, Rousseau, Goethe und Hölderlin in ihrer Bedeutung für die Entwicklung unseres Bildungs- Saalbau Sauer ftattfand, wies einen überaus zahlreichen Besuch auf. Insgesamt waren 50 Kollek- tionen mit rund 200 Kanarienhähncn ausgestellt. Die Nachfrage nach gutsingenden Vöaeln war sehr groß. Als Durchschnittspreis wurden für ein Hahn- dien 10 bis 15 Mt. erzielt. Zu Preisrichtern waren Kreß, und G l ü h - Frankfurt gewonnen worden. Das Samenhaus 2)611 • Gießen halte alle Vogel- uttcrarten und die verschiedensten Hcckeinrichtungen owie Einzelkäfige für Private und Winterschutz, kästen ausgestellt, wofür ihm als höchste Auszeich- nung eine große goldene Medaille, ein Ehrendiplom und ein schöner Ehrenpreis zuteil wurde. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis: 1. Selb st zuchtklasse: Beste Schocke!, Meisterschaftsplakette vom Verband, Wander-Ehrenpreis, V. D. K.-Medaille, Sonderehrenpreis, 1. Ehren- preis, goldene Medaille, Verbands-Ehrenpreis er» hielt S). Hofmann- Langsdorf mit 321 Punkten-, Beste Knorre, 2. Ehrenpreis, D. D. K.-Medaille, goldene Medaille Wilh. Weber- Großen-Linden mit 318 Punkten: 3. Ehrenpreis und goldene Medaille K. Schmidt-Marburg 295 P.: 4. Ehrenpreis goldene Medaille V. D. K.-Medaille Adam H c t t ch e - G i e ß e n 284 P.: 5. Ehrenpreis Alberne Medaille K. IÜngel - Wetzlar : 6. Ehrenpreis silberne Medaille K. Viertelshaujen- Klein-Linden: silberne Medaille Fr. Keller- Wetzlar, R. Frenzel-Gießen, H. Simmer- Gießen, K. Bender - Braunfels, Schmidt- Marburg. 2.Allgemeinklasse: BesteKnorre, bestes Hohl, 1. Ehrenpreis, goldene Medaille, Verbands-Ehrenpreis H. Hofmann- Langsdorf 315 Punkte-, 2. Ehrenpreis, goldene Medaille W. W e b e r - Großen-Linden 294 Punkte: 3. Ehrenpreis, beste Pfeife, goldene Medaille W. H a ch e n b u r g e r - Beienheim 294 P.: 4. Ehrenpreis, beste Schocket, goldene Medaille, V. D. K.- Medaille K. B e ck e r - G i e h e n 292 P.: 5. Ehren- preis, silberne Medaille A. Z i r f a s - Limburg 276 P.: 6. Ehrenpreis, beste Wasierolle K. Schmidt. Marburg 273 P.: 7. Ehrenpreis W. Dick - Gießen ; Silb. Medaillen: A. Hettche- Gießen, H. Schloß. Weilburg, Fr. Keller- Wetzlar, Peter Krieg-Gießen (beste Glucke), R. Renkel-Bad Salzhausen, H. Simmer- Gießen, I. Fischer-Gießen, Ioh. Meyer- Wetzlar. Turnen, Sport und Spiel Dom Turngau Hessen (D. T.) Gaufrauenborturuerstunde in Gießen. —v— In der Llebunashalle des Mcinnarturn- vereinS zu Gießen (Obrrreal'chule) traten am Sonntag nachmittag b .e Leiter bzw. Leiterin neu und Dvrturnerinnen der Frauenabte'langen des Gaues Hessen zu einer Gaufrauen turnst unde zusammen, der auch der Gau">berturn° wart Wilhelm Will lGießen) beiw Fnte. Cs waren beet eten die Abteilungen der Turnvereine zu AlSfeld, Bad-Rauheim, Butzbach, Friedberg, Gambach, Gießen Tv. 1816 und Mw., Gladenbach, Grünberg, Heuchelheim, Hungen, Klein-Linden, Laubach, Lich, Marburg Tgd. und T. u. Sp.-D., Ridda, Riedergirmes, Treis a. d. Lda. und Wetzlar. Unter der temperamentvollen Leitung des Gausrauenturnwarts Rudolf Paul (Gießen) wurden die verschiedsn.n Entwürfe zu grundlegenden Hebungen für die Arbeit in ben Vereinen, und die GauwettDmpse in methodischer Durcharbeitung zur Darstellung gebracht. Den Aufbau der Freiübungen in vier Gruppen, verbunden durch rhythmische Schritt- und Hüpfarten, führte der ©aufrauenturnbxirt bis zur Wiedergabe mit Musikbegleitung durch und leitete die Hebungen am Barren: Turnwart Heinrich Schneider (Wetzlar) hatte die Zusammenstellung von Ue&ungen am Pferd übernommen, während Turnwart Otto Heuser (Marburg) die Turnerinnen am Reck unterwies und ihnen Anleitung in den Elementen der Volks- bzw. Kunsttänze gab. In der anschließenden Desprechwrg wurde der bargebotene Stvffplan als durck-aus zweckentsprechend für die weitere Ausoildung der Frauenabteilungen, auch in den ländlichen Vereinen, und als geeignete Grundlage für die Auswahl der Wett' ampsübungen erkannt: er wixd demnächst veröffentlicht werden. Als volkstümliche -Ue&ungen wurden festgesetzt: Laufen (75 Meter), Weitsprung mit Brett, Kugelstoßen (7ya »* Kreisausschuß. Sitzung. Arn nach, st en Samstag, 19. Dezember, vormittags 8.30 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebaude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen statt. Auf der Tagesordnung stehen einige Gesuche um Zulassung zum Führen von Li.aftfahrzeugen, ferner die Entscheidung über Ein- Wendungen gegen die Gemeinderatswahlen zu E b e r st a d t und Bellersheim und gegen die Liirgerrneisterwahl zu Grüningen. Neuschnee ist im Laufe der Nacht in unserer Gegend wieder gefallen. Die Schneedecke ist allerdings nur schwach, sie gibt aber doch, da -.uglcid) auch leichter Frost eingetreten ist, den gen und Anlagen eine angenehmere Beschaf. fenbeit als das Dreckwetter der letzten Tage. Hoffen liicb hält diese Witterung eine Zeitlang an. * Keine D: ehmärtte in Gieß Wegen Seuchrnausbruchs finden die Gießener Vichmärkte am Dienstag und Mittwoch nächster Woche nicht statt. (3. heutige Bekanntmachung.) Die neuen Wohlfahrtsbriefmar- (en der Neichspost zugunsten der Deutschen Nothilfe gelangen von heute ab zur Ausgabe. Aus zahlreiche Anfragen wird nochmals darauf hinge- wiejen, daß die Woblsahrtsbriefmarken ebenso _mie gewöhnliche Postwertzeichen zur Frankierung samt, licher Postsendungen nach dem In- und Auslande stimme ließen ftimmdegabte Raturalisten aufkommen. die dann aber nach meteorgleichem Ruhme bald wieder verschwandim, ein trauriges Kapitel in der Geschichte deutscher Sangeskunst l Lind selbst Julius Hetz stand auf dem Stand- puntte, daß eine Stimme lieber schon durch die Anforderungen des Studiums Schiffbruch leide, als später auf der Bühne: während die Guten, im Besitze einer von Grund auf gebildeten Stimme, behauptete: „Das ist bloß leeres Geschwätz, weder Wagner noch irgend dn anderer Komponist verdirbt jemandem, der wirklich zu singen versteht, die Stimme. Unsere Sänger und Sängerinnen von heutzutage glauben aber, wenn sie dn Jahr studiert haben, seien sie fertige Künstler und könnten vor einem großen Publikum singen. Sechs Jahre Studium gehören mindestens dazu, wenn die Stimme wirklich nach allen Regeln der Kunst auLg:b:ldet sein soll." ilnb wo bleibt nun der Konzertgesang? Es ist tatsächlich so. daß die schönsten und größten unserer Stimmen der Bühne zustreben, denn mehr alL sonst ist die Stellung für den Konzert- sänger in unserem verarmten Deutschland kaum haltbar — von einigen großen Ausnahmen abgesehen. Da stellen sich mancherlei Schwierigkeiten in den Weg. Auf der Bühne erlebt der Sänger inmitten der Szene den Gang der Handlung. die starke Instrumentterung zwingt ihn, von allerfeinster Lonschattierung abzufehen. und wohl oder übel gewöhitt er sich an eine Heber- gehung stimmlicher Feinheiten. Tritt er dann in den Konzertsaal, so muh seine Stimme an sich wirken, und es kostet für ihn besondere Aufmerksamkeit, allen Feinheiten gerecht zu werden. Die innere Einstellung muß viel intensiver sein, um den Stimmungsgehalt eines Liedes voll und ganz zu erschließen: und Hugertoeife ziehen fast alle großen Bühnenfänger, ehe sie sich auf das godium stellen, einen musikalischen Geschmacks- nsulanten zu Rate. Unb daß ein Zusammenwirken von Konzert- und Dühnengesang Wohl erreichbar ist. das hatte schon Rossini erkannt. „Ein geschulter Bühnenscnger. der im Besitze der kolossalsten Stimme ist, die man sich nur denken kann, soll doch in dem Zimmer eine« Kranken so zart zu fingen imstande fein, dah derselbe nicht davon erweckt wird." Karl Hammes aus Köln besitzt von Ratur aus als Bariton glänzende stimmliche Mittel, sowohl was den Klang anbelangt, als auch im Pfund) für die Turnerinnen und Dallwdtwurs für die Jugendturnerttrnen. Das Gaufrauenwett urnen, das ursprünglich für den 16.Mai vorgesehen war, soll vornehmlich aus technischen Gründen nunmehr Ende August abgehatten werden, und zwar stehen Grünberg, Wey» l a r und Marburg zur üebernaßmc in Aussicht. lieber Art und Zett wird indessen der Gau- Turnausschuh bzw. der ©autumtag Ende Februar t I. entscheiden. Ein Frauenwett- turnen im Kreisverband (Mittelrhdn) wird am 6. Juni k. Is. in Wiesbaden abgehalten werden. Ehrung verdienter Turner. X Gießen, 15. Dez. Gestern weckten Gauvertreter Artur Pfeiffer, Wetzlar, und Gau- obertumtrart Wilhelm Will. Gießen, in AlSfeld, um dem hochverdienten Gaurechner H e r » mannPost den Ehrenbrief desMittel- rheinkreises der D.L. zu überreichen und ihm gleichzeitig Grüße an sein Krankenlager von seinem treuen und dankbaren Gau Hessen zu überbringen. Hermann Post, der seit 26 Jahren die Kasse des Gaues führt, versah sein mühevolles Ehrenamt mit vorbildlicher Pflichttreue. Seit mehreren Wochen ist er leider durch eine schwere Krankheit daran verhindert, feine ihm liebgewordene Tätigkeit für den Gau zur Zeit auszuüben. — Heute waren der Gauvertreter und der Gauoberturnwart gemeinsam in Wetzlar, um an den bekannten Turner Ernst Verlach die seltene Auszeichnung des Ehren- briefes des MittelrheinkreiseS aus- zuhändigen. E. Verlach ist der Erfinder einer elektrischen Ilhr, die sich zu einwandfreien Messungen von turnsportlichen Leistungen trefflich eignet und seit Jahren bei allen größeren volkstümlichen turnerischen Veranstaltungen mit Vorliebe benutzt wird. — Dem Turner Adolf Roll vom T. D. v. 1846 Gießen und früherem Gaufechtwart, jetzt in Kahenfurt, wurde mit Rücksicht auf seine Verdienste für die Deutsche Lurnsache der Ehrenbrief des Mittel- rheinkreises verliehen. 80000 Mark für Leibesübungen und Jugendpflege. Die bndische Regierung hat dem badischen Landesausschuß für Leibesübungen un') Iugend- vflcge 80 000 Mk. zur Verteilung an die ihm angeschloffenen Verbändr überwiesen. Die Gelder sollen nur für die Pflege der Iugendmit- glieder verwendet werden. GLrichtssaal. Darmstadt, 14. Dez. (WSR.) Sie hiesige Strafkammer verurteilte als Berufungsinstanz den 33^ährigen Weinlommisfar Peter Schuch aus Wöllstein (Rheinheffen), der in der .Umgebung von Bensheim seinerzeit an einem jungen Mädchen ein schweres Sittlichkeitsverbrechen verübt hat. zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Schuch verbüßt zur Zeit eine Gefängnisstrafe von einem Jahr acht Monaten, die ibm ju bringen, ßtau Schmidt 1 in dn fiaat. da sie sich i n Hotlay vrsändr. 2ui ; et Streik und Provinzial- ich daS Ärcitant ©leben icn Polize!b:se-l gegen die ■ im öffentli&n llnteressc bte MtbilitfeM der rechts- unö crimangS* 114 Tagen zn beseitigen. LdnrchDrittens Men werde. TrgrndicknPv- >r Lchmidt Klage mit tarn ig. Die Klage vurbc : kostenpflichtig ab- ergangene int zsichrrhrit für ytWW gleichen Anlaß verfolgt. Vüchertisch Gesänge wäre eS sicher von Vorteil, wenn sich der Sänger vom Rotenblatt freimatzen könnte. Paul Meyer- Frankfurt a. M. — fiel „2 Begleiter eine sehr dankbare Aufgabe zu. In den Ginleitungen zu den Arien gestaltete er mit seinem» Stilgesühl. Den Wechsel der Stim° reinwollene schwere reinwollene schwere reinwollene schwere reinwollene schwere reinwollene schwere 11770a Schotten reinwollene schwere Mark Der Wert dieser Stoffe beträgt ungefähr bis zu 15.- Mk., wir verkaufen durchweg jeden Meter mit Modehaus Salomon-Gießen |||l||l!llll!llllll(lllllH||||||i||||||||i|heiJ<||lill!H*ILy Zur 3.00 2.60 Sultaninen . Pfund 1.20, 0.60 11761c Der Vorstand. MMW 09980 Oießen, 14. Dezember 1925. 11766V L L 2. 09989 Gießen (Bahnhofstraße 356/,0). den 14. Dezember 1925. im 69. Lebensjahre. In tiefer Trauer: 3. Stellv. deö Gerichtsvollziehers Junker. Tel. 240 auch nachts Vorbehalten. 11764D iMenstem ■ Ecflio». rranklurla.^. Lei? Etagenaefchäft Ctagengeichäit L. i i i I i Die Beerdigung findet auf dem Darmstädter Friedhof an der Nieder- Ramstädter Straße Mittwoch, den 16. Dezember, nachm. 3 Uhr, statt. Schui- straße |6 H thazar A.'7or.Lr«nu- »eiwaig.^ediütnitr.S Familie Schenck Hans Kuhn. (9i- kff ein mit 8fr 6 S Aus Anlaß des Hinscheidens unserer lieben Entschlafenen sind uns so viele Beweise aufrichtiger Teilnahme entgegengebracht worden, daß es uns nicht möglich ist, jedem einzelnen hierfür zu danken. Wir bitten deshalb, insbesondere den Herrn Pfarrer, auf diesem Wege unseren innigsten Dank entgegennehmen zu wollen. Kammgarne Ripspopeline Serge Gabardine Velour de laine Velour friss 2.40 2.40 3.20 2.00 0.70 Bestimmt: 1 fast neue Nähmaschine. f: Smyrnateppiche ca. 2'/,-3 m, rosa. auSPiivaibesilz biß, abzugeben. Zu etfr. tu der Geschäftsstelle deö G. Anz. 11731D Giehen, den 12. Dezember 1925. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Reg.-Baurat. Gießener Radfahrir-Verein 1885 e. V. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres Ehrenmitgliedes Herrn Friedrich Schreiner geziemend in Kenntnis zu setzen. — Der Dahingeschiedene war Mitgriinder und bis zu seinem Tode ein eifriges Mitglied unseres Vereins. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Wir bitten unsere Mitglieder, sich recht zahlreich an der am Mittwoca, dem 16 Dezember, nachmittags 2V3 Uhr. auf dem Alten Friedhof stattfindenden Beerdigung zu beteiligen Pauline Wagner geb. Bernhard Witwe des zu Wetterfeld verstorbenen Pfarrers Heinrich Wagner im 82. Jahre ihres reich gesegneten Lebens. gewandteHerren jed. Stand. uachiv. for. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: August Becker und Familie Carl Becker. Infolge bes Umstände konnten wir von einem bedeutenden Hause der Kleiderstoffbranche einen Posten bester reinwoll. Qualitäten weit unter regulärem Fabrikpreis erwerben, den wir restlos unserer werten Kundschaft überlassen! Es handelt sich um nur durchaus fehlerfreie, erstklassige Fabrikate, die sich nur zu guten Kleidern und Kostümen eignen. Sie können sich für wenige Mark einen prachtvollen Kostümstoff oder Stoff zum Mantel sichern. Ullstein-Schnittmuster gratis zu jedem Kleid oder Mantel. Vergebung von wasserlettungsarbeiten. Aus dem Warthof bei Grünberg soll die Herstellung einer Wafferversorgungs-- Anlage (40 und 50 mm l. W. guheiserne Röhren, zus. 670 lfd. m) für die Viehweide vergeben werden. Pläne und Bedingungen liegen bei uns offen, Angebotsvordrucke sind für Alk. 1.50 bei uns zu haben. Eröffnung der Angebote Montag, den 21. Dezera. der 1925, vormittags IO1/, Llhr, aus unserem Bureau, Frankfurter Straffe 29. Zuschlagsfrist 3 Wochen, freie Auswahl Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die Blumenspenden sowie die liebevolle Pflege der kath. Schwester bei dem uns betroffenen schweren Verluste sagen wir hiermit innigen Dank. Statt besonderer Anzeige. Am Abend des 3. Advents, am 13. Dezember, entschlief nach kurzem Leiden sanft und glaubensgetrost unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Christina Hopfner und Töchter. Gießen (Bückingstraße 2), den 14. Dezember 1925. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 16. ds Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. — Beileidsbesuche dankend verbeten. 00993 Heute nacht Vs2 Uhr verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber, treuer Mann, unser herzensguter, treubesorgter Vater (Orofc- Modell Damötori in? n.it 2Dynamos »sw., und Bricimn keu iammtuna au verk. 03836 rvrnchttr. 191L 0.80 0.70 0.98 tbtser JubilaumS'TIioöd! befionäe« prtisuer> zu tzünrch'zLied Zahlung LeülNtzüMn-, 1 Bureautisch. 3 Schreibmaschinen, ein GaSbcrd. 1 Monier, 3 Schreibtische, 1 Pliischdiwan mit 2Sesselw 2 Liisenc, 1 Bücherschrank, 1 Grammophon. ein ;!astkrastmagen, 1 Schweiffarwarat, ein .Oetonomtetvagen. eine Schänestevv- maschine. 1 Standuhr. 3 Solas, em Bücherschrank. 1 Perionenkrastivagen, 1 Pen i ko 2 Kinderwaren 5 Prome- nadektnder wagen. 60 Nodelfchlttten. 1 Partre Bügelbreiter. SandsvieUeuge, Nastetiwagen, Svielbälle. Mundharmonikas t'.nd vieles onöeic. Hieran anschlieffend an Ort u. 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Richly. 11757D Zirka 1000 fifleter 100 und 130 cm breite MusikgeMjedESta Vertreter A au allen Orlen lür den Vertrieb von Sprech-Apparaten an Private ceKen wöchen hc e Abzahlung v. Mk. 3.— ffcsn ht Herren, die 100 bis 200Mk. Kaution hinterh pren können. erhalten Kotnn isslonslacer Kaufmann V Rupp, G. m. b. H. Fraaktart a. Gl., Hasengasee 4. NAMMS 2 Nr Versteigere ich im „Löwen", Reuenweg dabier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Kaffenschrank, 1 Klavier, 3 Schreib- tische, 1 Schreibmaschine, 1 Bücherschrank, 1 Aktenschrank,3 Rähmoschinen, 1 Büfett, 200 Borderradgabeln, 10 Motorlaternen, 24 Paar weisileinene Halblchuhe. 18 Paar Tennisschuhe, l 1 Leibriemen, 5 Schulterriemen u. v. a. Dern, Gerichtsvollziehrr in Giehen Steinstrahe 13 Mlnec 0000000000000000000000000 Tuche für meinen Sohn a. Ottern Stelle zur Erlernung der 2iahmechntk ov30‘ WilbclmSteiudach Wetzlar, Hermann- itetner Siraffe 60. Verkäufe | Ein aut erhaltenes, nmchaum votiertes Büfett iit verkaufen. Junker, Plockstraffe 1. 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W W-th N»WK I Babubofstr.27 : Fcrnfpr.l63i Nr. 295 Zweites Blatt Dienstag, <5. Dezember 1925 Gießener Anzeiger (General-Anzeigerfür Gberhesten) Der derzeitige Stand der Wohnungsfrage in Hessen. Von Regierungsrat Dr. Rind fuß, Friedberg. In der Öffentlichkeit wird zwar viel von der Wohnungsnot und ihrer Bekämpfung gesprochen und geschrieben, den Erörterungen fehlen aber häufig die präzisen tatsächlichen Unterlagen, so daß sie nicht selten zu schiefen Ergebnissen führen. Wir legen daher unseren Ausführungen die folgenden Zahlen zugrunde, die wir der Denkschrift entnehmen, die die hessische Regierung als Drucksache Nr. 255 dem Landtag oorgelegt hat. In den Jahren 1910 bis 1914 betrug der jährliche Zugang an Wohnungen in Hessen abzüglich der ausgefallenen durchschnittlich 3000 Wohnungen. Da in den Jahren 1915 bis Ende 1918 so gut wie nicht gebaut worden ist, ergibt sich aus dieser Zeit ein Fehlbetrag von 4 X 3000 = 12 000 Wohnungen. In den 5 folgenden Jahren bis Ende 1923 wurden in Hessen insgesamt 11 970 Wohnungen gebaut, also 15 000 — 11 970 = 3030 Wohnungen zu wenig erstellt. Wir haben daher ans den Jahren 1915 bis Ende 1923 in Hessen mit einem Gesamtsehlbetrag von r n n b 15000 Wohnungen zu rechnen. Aus dem Ertrag der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz konnten in den Jahren 1924 und 1925 mit Hilfe von gering verzinslichen staatlichen Baudarlehen gefördert werden: Gesamt- Zahl der belichenen darlehensbetrag: Wohnungen: 1924 2 230 000 Rnu 2500 1925 4 292 000 „ 2000 Wenn bei einem Vergleich der beiden Jahre die Zohlen der beliehenen Wohnungen zu den Ge- samtdarlehensdeträgen in einem Mißverhältnis zu stehen scheinen, so liegt das daran, daß im Jahre 1924 die Bauherren für die große Mehrzahl der beliehenen Neubauten ihre Baustoffe noch zu großem Teil in der Inflationszeit beschafft hatten, so daß man mit geringverzinslichen Darlehen von durchschnittlich 800 bis 1000 Mark auskam, während im Jahre 1925 die Staatsdarlehen auf durchschnittlich 2000 Mk. berechnet sind. Die Gemeinden haben hierzu aus dem Ertrag der Gemeindesondersteuer ebenfalls Darlehen zu niedrigem Zinsfuß gegeben, teilweise in der gleichen Höhe wie der Staat, in den Landgemeinden ober fast durchweg in geringerer Höhe, da man hier auch mit der Sondersteuer im allgemeinen unter dem staatlichen Satz geblieben ist. Manche Gemeinden haben auch, um mit den gering verzinslichen öffentlichen Mitteln eine möglichst große Zahl von Antragstellern befriedigen zu können, Bauherren mit Gemeindedarlchen bedacht, die fein Staotsdarlehen erhalten konnten, so daß also die Bauherren der betreffenden Gemeinden entweder n u r Staatsdarlehen ober nur Oemeinbcbnrleben mit niedrigem Zinsfuß erhielten. Dabei hat sich herausgestellt und wird künftig noch deutlicher hervortreten, daß man aus einem falsch verstandenen Gerechtigkeitsgefühl zu viel Antragsteller berücksichtigt und dadurch in vielen Fällen die Darlehen zu niedrig bemessen hat, so daß die Bauherren über kurz oder lang große Schwierigkeiten haben werden, die sährlichen Zins- und Tilgungsbeträge für ihre Gesamtdarlehensschulb aufzubringen. Diese Befürchtung ist um so mehr begründet, als die Zusatzsinanzlerung zu den öffentlichen Darlehen in vielen Fällen auf recht schwacher Grundlage ruht. Die Darlehen aus der Sondersteuer gehen in den meisten Fällen nicht über 20 Prozent der Bau- summe hinaus. Die ministeriellen Vorschriften verlangen zwar ein Eiaenkapital von 25 Prozent der Bausumme, in Wirklichkeit wurde aber dieser Betrag in zahlreichen Fällen nicht erreicht. Hieraus ergibt sich, daß im allgemeinen noch Zusatzbarlehen in Höhe von 40 bis 60 Prozent der Bausumme beschafft werden muhten, was oft mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Die Lanbeshypo- thekenbank hat bas Hypothekengeschäft bis jetzt noch nicht wieder ausgenommen, bie Sparkassen in verhältnismäßig geringem Umfange, über 20 bis 30 Prozent bes Friebenswertes sind sie bei der Beleihung selten hinauspeaangen. Jnfolgebessen mußten in ben meisten Fällen bie ©emcinben In bie Bresche springen: sei es, daß sie die Bürgschaft für die von ben Bauherren aufgenommenen Darlehen übernahmen, sei es, baß sie selbst als Darlehensnehmer auftraten und die Darlehen gegen hypo- thekarische Sicherheit an bie Bauherren Weitergaben. Das Bedenkliche ist, daß es sich dabei nicht um langfristige Amortisationsdarlehen, sondern um kurzfristige, in der Regel monatlich kündbare Darlehen handelt, bie von der Kommunalen Landesbank, der Girozentrale und ben Sparkassen gegeben wurden. Wird von dem Künbigungsrecht Gebrauch gemacht, so sehen sich bie Gemeinben genötigt, bas Geld unter ungünffioeren Vebingungen anderwärts zu beschaffen: bie Gemeinben und bie Bauherren können so in eine recht unangenehme Lage versetzt werden. Aber selbst auf diese Art konnten manche Gemeinden keine Darlehen für den I Wohnungsbau erhalten, da sie erst auf dem Plan erschienen sind, nachdem die Kreditmöglichkeiten im wesentlichen erschöpft waren. Eine ganze Anzahl von Neubauten konnte infolgedessen im Baujahr 1925 nicht feniggestellt werden. Es ist daher zu begrüßen, daß der Antrag der Mehrheitsparteien an den Landtag über bie Förderung bes Wohnungsbaues für bie Jahre 1926 unb 1927 vom 28. Oktober b. I. bie Aufstellung eines Bauprogramms forbert, wenn babei wohl zunächst auch in erster Linie an bie Art ber Verteilung der Slaatsbarlehen gebucht ist. Der Antrag beruht auf § 26 ber Dritten Sleuernotverorbnung in ber Fassung, bie er durch § 11 bes Gesetzes über Aenbe- rungen bes Finanzausgleichs vom 10. August 1925 (RGBl. S. 254) erhalten hat. Hierin heißt cs u. a., daß bie tiänber in ben Steuerjahren 1926 und 1927 minbeftens 15 bis 20 v. H. ber Friebensmiete — wohlgemerkt: Nicht bes Ertrages ber Sondersteuer! — für den Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen haben. Unter Berücksichtigung der leider immer mehr zunehmenden Steuerausfälle schätzt man das hiernach zu erwartende Steueraufkommen für den Wohnungsbau bei 15 Prozent ber Friebensmiete auf 12 Millionen Mark. Wenn ber vorerwähnte Antrag ber Mehrheitsparteien burchgeht, ben höchstzulässigen Betrag von 20 Prozent ber Friebensmiete zu erheben, bann würben ungefähr 15 Millionen Mark zur Verfügung stehen. Da bie Beschaffung ber übrigen Baukosten neben dem Dar- lehen aus öffentlichen Mitteln voraussichtlich im kommenden Jahr noch größere Schwierigkeiten machen wird als im vergangenen, wird es nötig sein, dem preußischen Beispiel entsprechend die Staatsdarlehen auf etwa 40 Prozent der Baukosten einer Klein- ober Mittelwohnung, also auf durchschnittlich etwa 4—5000 Mark je Wohnung, zu beziffern. Der genannte Landtagsantrag sieht ferner vor — und die Regierung steht diesem Vorschlag dem Deniehmen nach sympathisch gegenüber — die Steuer für den Wohnungsbau, wie dies bas Reichs- gcsetz zuläßt, einheitlich, also einschließlich ber seitherigen Gemeinde- und Kreisanteile für das ganze Land zu erheben unb bemgemäß auch bas Darlehensverfahren einheitlich burchzuführen, was in organisatorischer Beziehung eine wesentliche Vereinfachung unb zur Förberung bes Wohnungs- baues eine Verbesserung bebeuten würbe. Die Etaatsdarlehen allein wären also bemgemäß in der obenerwähnten Höhe festzusetzen. Aus einem Steuerertrag von 15 Millionen Mark könnten also 3000 Wohnungen mit burchschnittlich je 5000 Mark beließen werben, also etwa um bie Hälfte mehr als im Jahre 1925. Wir sehen hieraus, an Hanb der eingangs erwähnten Zahlen, daß es trotz der wesentlichen Verbesserung ber Gesetzgebung zugunsten bes Wohnungsbaues mit Hilfe ber Staatsbarlehen nur möglich sein wird, etwa den jährlichen Mehrbedarf an Wohnungen zu fördern, während der rückständige Fehlbetrag von 15 000 Wohnungen dadurch noch nicht aufgeholt wird. Auf Grund vorstehender Erörterungen wirft sich also die doppelte Frage auf: 1. Wie wird in den kommenden Jahren die Beschaffung der Zusatzhypocheken zu den staatlichen Darlehen sicherzustellen, und nach welchen Gesichtspunkten werden die Darlehensempfänger auszuwählen sein? 2. Gibt es Mitte! und Wege, außerhalb des ftaatlidjen Baubarlehenverfahrens noch weitere Wohnungen zu bauen und die Mittel hierfür aufzubringen? Wenden wir uns zuerst zur Beantwortung ber ersten Frage. Die staatlichen Darlehen wurden seither nach Maßgabe des Sondersteueraufkom- mens, ber Einwohnerzahl unb der Wohnungsnot auf bie einzelnen Gemeinben verteilt. Dieser Grunbsatz wirb naturgemäß beizubehalten fein. Die Auswahl ber Darlehensempfänger selbst geschah auf Grunb eingefjenber Fragebogen, bie über die Erwerbs- unb Vermögensoeryältnisse, über ben geplanten Neubau und alle persönlichen und fach- lichen Umstände, die für ein Bauvorhaben von Interesse sind, Auskunft geben sollten. Es kann nicht verhehlt werden, daß eine große Mehrzahl dieser Fragebogen, um die gesetzlichen Bedingungen zu erfüllen, eine Fülle von Unwahrheiten enthielten, und daß es eine außerordentlich schwierige, undankbare und unproduktive Arbeit war, aus einer vielfachen Zahl von Bewerbern diejenigen auszu- wählen, die bie gesetzlichen Vebingungen einiger- maßen erfüllten. Die hessischen Sparkassen sinb im Begriff „Bausparkonten nach System I" einzurich- ten, bie ben doppelten Zweck haben, bie Auswahl ber Darlehensempfänger, bie bie gesetzlichen Vebingungen erfüllen, zu erleichtern unb gleichzeitig bie Beschaffung ber erforberlidjcn Zusatzhypotheken für biefe zu erleichtern. Wir haben bereits oben erwähnt, baß bie Anwärter auf staatliche Baubarlehen ben vierten Teil ber Baukosten aus eigenen Mitteln aufzubringen haben, und daß sich die Staatsdarlehen im kommenden Jahre voraus- sichtlich auf etwa 40 Prozent der Bausumme beziffern werden. Die Darlehensempfänger benötigen also noch eine weitere Hypothek in Höhe von 35 bis I 40 Prozent des Bauwertes. Würde also bei einer Bausumme von 10 000 Mark ein Anwärter 2500 Mark selbst aufzubringen haben und ein Staats- darlehen von 4000 Mk. zu 2 Prozent Zinsen erhalten, so würde er noch ein weiteres Darlehen von 3500 Mk. benötigen. Diejenigen Anwärter nun, bie bis zum Frühjahr 1926 ober 1927 25 Prozent ber Bausumme auf ein Bausparkonto System I bei ber Sparkasse eingezahlt haben, sollen von ben Sparkassen vorzugsweise bei ber Gewährung ber ersten Hypothek von 35 bis 40 Prozent bes Bauwertes berücksichtigt werben. Nach ben minifte» < riellen Bestimmungen barf nämlich bem Staatsbar- lchen eine erste Hypothek von 80 Prozent bes Wertes = 40 Prozent des derzeitigen Wertes zugunsten eines öffentlichen Kreditinstituts oder einer Gemeinde vorausgehen. Es ist nicht an» zunehmen, daß bei Durchführung der ministeriellen Bestimmungen sich in einem Jahr mehr Anwärter melden werden, als zinsverbilligte Staatsdarlehen zur Verfügung stehen. Sollte wider Erwarten eine größere Anzahl von Bausparkonteninhabern nach System I bie gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, bann werben nach ben Richtlinien ber Sparkassen diejenigen an erster Stelle berücksichtigt, denen die meisten Zinsen aufgelaufen sind, die also am längsten unb nachhaltigsten gespart haben. Sollten bie Sparkassen nicht in ber Sage fein, aus eigenen Mitteln die Zusatzbarlehen zu bestreiten, bann werben, wie seither, bie zentralen Gelbinstitute, bie Hess. Girozentrale unb die kommunale Landesbank mit ihren Mitteln einspringen müssen. Dabei wird das ganze Verfahren wesentlich erleichtert werden, wenn die beabsichtigte Zusammenlegung der genannten Geldinstitute in einer „Hessischen Landesbank" zur Tat werden wird. Es unterliegt keinem Zweifel, daß trotz eines zweiprozentigen Staatsdarlehens in Höhe von 40 Prozent der Bausumme In Anbetracht des Zinsfußes für die Resthypoihek von Immer noch 10 bis 12 Prozent bas Bauen für bie Minber- unb Mindestbemittelten auf biefer Grundlage so gut wie unmöglich ist. Es kann aber nicht oft genug betont werden, daß man diesen Volkskreisen keine Wohltat erweist, wenn man ihnen zumutet, in den jetzigen Zeiten größter wirtschaftlicher Not die Bau- last auf sich zu nehmen, die sie vielleicht nicht einmal in Zeiten wirtschaftlicher Blüte hätten tragen können. Die besserbemittelten Volkskreise werden sich der Pflicht bewußt werden oder die Gesetzgebung wird sie mit ber Zeit bahin führen müßen, daß es ihre Pflicht ist, ben Wohnungsmarkt burch Neubauten zu erleichtern unb baburch mittelbar auch den minderbemittelten Volkskreisen zu helfen. Die hessischen Sparkassen haben durch Einführung von „Bausparkonten System II" auch ben Minberbemittelten gezeigt, wie sie burch langsame und beharrliche Spartätigkeit das Baukapital zu einem einigermaßen erträglichen Zinsfuß zusammenbringen können. Hierüber soll in einem weiteren Artikel gesprochen unb bamit auch gleichzeitig bie oben gestellte zweite Frage beantwortet werben. So berechnen z. B. die B u d e r u s s ch e n Eisenwerke Wetzlar für bie ersten angeschlossenen 50 Kilowatt pro Kilowatt unb Monat 8,50 Mark. Es wären beinnach für einen Motor von 3 Kilowatt — 4 P. S. Leistung an Grundgebühr 3X6,50 Mark — 25,50 Mark monatliche Grundgebühr zu bezahlen. Hierzu kommt eine Zusatzgebühr für die gemessenen Kilowattstunden: für die ersten 100000 Kilowattstunden 5 Pf. für die Kilowattstunde, für die nächsten 100 000 Kilowattstunden 4,5 Pf. für die Kilowattstunde, für den weiteren Verbrauch 4,25 Pf. für die Kilo- Wattstunde. Man ersieht auch aus diesem Tarif, daß es dem Elektrizitätswerk darauf ankommt, eine sichere Grundlage für seine Einnahmen zu schassen unb herüber hinaus dem Abnehmer einen Anreiz zum großzügigen Verbrauch von elektrischer Energie zu geben. Viele Werke machen zwischen Kraft- unb Lichtstrom keinen Unterschieb in ber Berechnung, z. B. bie Berliner städtischen Elektrizitätswerke, die für die Kilowattstunde ohne Unterschied des Verwendungszweckes 0,16 Pf. und dazu eine Grundgebühr berechnen, bie sich nach dem Meßbereich bes Zählers von 0,80 Pf. monatlich für die Kleinwohnung unb 3,90 monatlich für bie mittlere unb größere Wohnung (bzw. Abnehmer) weiter- staffelt, so bah bie Interessen bes Werks unb des Abnehmers gewahrt werden. Als Muster eines Tarifes, bet auch ben Bebürf- nisien der Geschäftswelt sehr gut Rechnung trägt, sei nun noch der Grundgebührentarif der Stadt Halberstadt wiedergegeben. Diese Stadt berechnet für: gewc-rbl. Anlagen mit Wohnungen monatliche Zählermeßerbereich von von Grundgebühr Zimmerzahl AM. 0,220 Kw. 1 0,70 0,440 . 3 1,50 0,660 . 5 2,35 2,200 , 9 7.70 3,300 „ etwa 5 PS 11,60 6,600 H „ 9 , 23,10 15,400 „ „ 21 . 53,30 und so weiter. Im Juni unb Juli wirb bei kleineren Sichtabnehmern keine Grunbgebühr erhoben. Die Arbeitsgebühr für die Kilowattstunbe beträgt 20 Pf., ohne Unterschieb bes Verwenbungszweckes. Für gewerbliche Sommerbetriebe (April bis September), Mühlen, Dreschbetriebe usw., beträgt die Grundgebühr 18 Pf. pro Kilowattstunde. Bei einer monatlichen Abnahme von mehr als 500 Kilowattstunden wird ein Staffelrabatt gewährt, von 5 Prozent bei 500 Kilowattstunden beginnend, steigend bis 20 Prozent bei über 3000 Kilowattstunden monatlich. Ein Beispiel möge erläutern, wie sich dieser Tarif auswirkt. Es werde ein Geschäft ober Restaurant mittlerer Große mit etwa 60 installierten Sampen von je 40 Watt =ca. 60 Kerzenstärken angenommen, bas nach bem Tarif in den Anschluhwert von 2.200 Kilowatt etnzustufen wäre, demnach eine monatliche Grundgebühr zu zahlen hätte von 7,70 Mk. Im Oktober soll dieser Betrieb verbrauchen 600 Kilowattstd., ä 20 Pf. 120,— ,. Dies ergibt einen Rechnungsbetrag von 127,70 Mk. Da ber Verbrauch über 500 Kilowattstunden beträgt, gehen 5°/o Rabatt ab mit 6,— „ Demnach tatsächlich zu bezahlen 121,70 Mk. In Gießen hätte der Geschäftsinhaber zu bezahlen: Für 600 Kilowattstunden, ja 51 Pf. 306,— Mk. Zählermiete 1,— „ 307,— Mk. also 185,30 Mk. mehr als sein Halberstädter Kollege. Auch hier sieht die Sache auf den ersten Blick schlimmer aus, als sie in Wirklichkeit ist, denn erstens bezahlt auch der Halberstädter in den Sommermonaten für ben Winterbebarf mit, und zweitens wird der Gießener' Geschäftsmann bestimmt keine 600 Kilowattstunden verbrauchen, sondern vielleicht ein Drittel davon, da er an ollen Ecken unb Enben sparen wirb. Daß dies tatsächlich ber Fall ist, beweisen.die kurz nach Geschäftsschluß vollständig verfinsterten Läden und Schaufenster unserer Stadt. Es kann eben niemand eine Reklame- beleuchtuna veranstalten, wenn bie Kilowattstunde 51 Pf. kostet. Nun muß sich das Elektrizitätswerk allerdings auch gegen unerwünschte Ueberlaftung zu gewißen Tagesstunden schützen, denn es ist für die Werke durchaus unerfreulich, wenn sich die Gesamtbelastung auf einige Abendstunden zusammendrängt unb Inbetriebnahme weiterer Maschinensätze ober Ueber- lastuna ber im Betrieb befinblichen mit sich bringt. Dieser Schutz wirb burch Doppel- ober Dreifachtarifzähler gewährt, die in der Zeit der größten Lichtbelastung, der sog. Sichtspitze, den normalen billigen Tarif auf einen hohen Sperrtarif Grundgebührentarife für elektrische Energie. Don Oberingenieur 21. Kur z. < Schluß.) Besondere Vergünstigungen gewähren manche Werke für Nachtstrom zum Aufheizen von Heig- waßerspeichern, Futter- und Wäschekeßeln usw., zumeist in Form von Rabatten auf bie Kilowattstunben- gebühren bis zu 30 unb 50 Prozent, so baß ein wirk- lieh rationelles Arbeiten möglich ist. Das märkische Elektrizitätswerk berechnet für Heizstrom, Nacht- unb Kochstrom 10 Pf. für die Kilowattstunde unb verlangt pro Jahr unb Zimmer eine Minbestabnahme von 50 Kilowattstun- ben, so daß eine 5-Zimmerwohnung 250 Kilowatt- ftunben abnehmen müßte, um ber Vergünstigung bes niebrigen Tarifs teilhaftig zu werben. Demgegenüber ijt bie von ber Betriebs- fommiffion f ü r Gießen vorgefchlagene Mindestmenae von 600 Kilowattstunben, defonbers für kleine Wohnungen, viel zu hoch bemessen, was man baraus ersieht, baß beispielsweise mit einem Bügeleisen von 300 Watt Energieaufnahme wäh- renb ber 365 Tage bes Jahres täglich 5j Stunden gebügelt werden müßte, um auf bie Jahresabnahme von 600 Kilowattstunben zu kommen. Mit einem größeren Eisen von 450 Watt käme man auf 4} Stunden Tagesleistung. Es ist selbstverständlich, daß diese Voraussetzung es den Meisten unmöglich macht, von der Vergünstigung des billigen Tarifs Vorteil zu ziehen. Eine Bemessung nach Zimmerzahl ist, wenn eine solche Begrenzung überhaupt gemacht werden soll, unbedingt nötig. Genau wie für Sicht kann auch für Kraft, auf Grund der angeschloßenen Kilowatt oder Pferdestärken, eine Grundgevühr festgelegt werden. Der Aetna, Vulkanismus und Vegetation. lieber dies Thema sprach Herr Professor Dr. G. Funk in einer von dem Deutschen und Oester- reiu)ischen Alpenverein, Sektion Gießen, ber Oberhessischen Gesellschaft für Natur- unb Heilkunbe sowie ber Gesellschaft für Erb- unb Völkerkunde gemeinsam veranstalteten Versammlung am 10. Dezember in der Neuen Aula der Universität. Zahlreiche Lichtbilder, die zum größten Tell gelegentlich einer Besteigung des Berges am 30. Juni unb 1. Juli dieses Jahres aufgenommen wurden, versetzten zunächst in die Umgebung dieses größten Feuer- berges Europas, dessen menschenleere, unheimliche Wildnis sich inmitten der blühenden sizilianischen Landschaft erhebt. Ueberaus abwechslungsreich sind bie vulkanischen Formen des Aetna. Lava- ftröme ber verschiedensten Art. wie Block-, Flaben- unb Plattenlava bedecken die Hänge, die i.n Lause ber Jahrtausende sich aus ben über 200 Seiten- tratern ober aus ben rabialen Bruchspalten ausgefloßen sind, unb beren gewaltigster im Jahre 1669 die alte Aetnastadt Catania, das Dors Nicolo s i und zahlreiche andere Ortschaften des Süd- abbanges mit ihren üppigen Gärten unb Felbern zerstörte. Weite Gebiete sinb mit vulkanischer Asche oder mit schwarzem Sand bedeckt, ber an vielen Stellen von ben oft heftigen Stürmen zu bünen- artigen Hügeln zusammengeweht ober an ben oberen Steilhängen durch tiefe Erosionsrinnen zerklüftet ist. Besonders eigenartig heben sich auf der Südseite bei Nicolosi die 1669 entstandenen, aus roter Asche aufgetürmten Nebenkrater der „M o n t i Rossi" und auf der Nordseite die in ihrer Form etwas an bas „Wetterauer Tintenfaß" erinnernben beiben schwarzen Saoafegel, bie „D u e P i z z i", aus einer büfleren Wüstenlanbschaft hervor. Ein roilb zerrissenes riesiges Trichterfeld stellen die meist in Reihen angeordneten Eruptionskegel der letzten Ausbrüche von 1911 unb 1923 am Norbhang bar. Wuchtig erhebt sich ber Zentralkegel, dessen Steilhange mit einer Unmenge rauchender Fumarolen bedeckt sind, aus ber obersten flachen Hügellanb- schast, dem „Piano bei Sago", an feinem Fuße in 2940 Meter Hohe bas große Aetna-Odserva- t o r i u m, bas auch die Unterkunftsräume des italienischen Alpenklubs enthält. Zur Zeit ber geschilderten Besteigung entströmten bem Hauptkrater, ebenso wie bem bicht daneben liegenden Krater „Nord-Ost" (von 1911) nur dichte, schwefelhaltige Rauchsäulen. Von seinen Rändern aus bietet sich ein Rundblick über fast ganz Sizilien, die Liparischen Inseln, die Straße von Messina und die ihr benachbarten Küstenlinien Kalabriens. Die Vegetation des Berges läßt sich etwa in folgende Regionen gliedern: In der Kulturregion von 0 bis etwa 1000 Meter Hohe werden alle bekannten Südfrüchte, besonders aber ein herrlicher Wein gezogen. Die Waldregion (in etwa 1000 bis 1600 Meter) setzt sich auf ber Südseite hauptsächlich aus Kastanien , auf ber Nordseite mehr aus B u • d) e n, Schwarzkiefern, stellenweise auch Birken zusammen, die alle hier die Südgrenze ihrer geographischen Verbreitung erreichen. In ber oberen Kulurrcgion unb in den Wäldern bildet ber baumförmige Aetna-Ginster (Genista aetnen- sis) einen wesentlichen Bestanbteil, zwischen bem ber Ablerfarn oft große Flächen bedeckt. Die dritte Region wird gekennzeid)net von einer holzigen Tragant-Art (Astragalus siculus), in der sizilianischen Volkssprache „Spini santi“ (heilige Domen) genannt, die in der Form halbkugeliger, überaus stechender Polster in den Höhen von etwa 1600 bis 2300 Meter die Hauptvegetation bilden und ein höchst charakteristisches baumloses Landschastsbild schaffen. Nach seiner ganzen Organisation ist dieses Gewächs aus der Familie der Schmetterlingsblütler als Pionierpflanze zur raschen Besiedlung und Befestigung des lockeren vulkanischen S-and- und Aschenbodens vorzüglich geeignet. Eine Reihe von Aetna-Endemismen, d. h. Pflanzen, die nur am Aetna vorkommen, treten in dieser Region auf, zumeist als Schützlinge in ben Polstern ber „Spini santi*'. Die obere Region (Wüsten- region) des Vulkans von 2300 bis 3280 Meter Höhe ist in ihren unteren Teilen nur noch soärlich von einigen niedrigen Kräutern von alpinem Wuchs, wie z. B. dem Aetna-Veilchen (Viola gracilis var. aetnensis), dem Aetna» Kreuzkraut (Senico aetnensis) und dem rotblättrigen Aetna-Sauerampfer (Rumex aetnensis) besiedelt, die sich bisweilen in zierlichen Kränzen schutzsuchend um Lavablöcke anordnen. In den obersten Tellen ist ber Berg naturgemäß völlig vegetationslos, da die vulkanischen Kräfte und die wahrend des größten Teiles des Jahres vorhandene Schneedecke ein Pflanzenleben unmöglich machen. Den jüngsten Lavaströmen entlang, bie sich im Jahre 1923 am Nordabhang bis dicht vor bas Stäbtchen Linguaglossa hinabgewälzt hatten, waren noch einbrucksoolle Silber gewaltiger WaIb- zerstörungen zu sehen. Eine Reihe von Ansichten bes Aetna aus bem in feiner Naturschon- heit einzigartigen Taormina beschloßen ben Vortrag. gum 150. Geburtstag Boildieus. Francois Adrien Boildieu, der am 15. Dezember 1775 in Rom geboten wurde, hat feinen 'Hamen durch zwei feiner heitern Spielopern bis in das Bewußtsein ber Gegenwart getragen, durch den „Kalif von Bagdad" (1800) unb durch feine „Weiße Dame" (1828). Boildieu ist ein Gipfelpunkt in der französischen Musikgeschichte und als solcher zu feinen Lebzeiten von seinen Landsleuten lebhaft gewürdigt tooraen: die graziöse Leichtigkeit seiner Erfindung, feine musikalische Liebenswürdigkeit, fein technischer Esprit, sind von keinem feiner Zeitgenossen, von keinem der Aachstrebenden erreicht unb kennzeichnen ben Komponisten als den typischen Repräsentanten ber französischen Lustspieloper, der in se:nm zwei berüHmtesten Opern zu europäischer Bedeutung aufwuchs. — Seine siarke Musikalität wirkte sich schon früh aus. Rachoem er fich die ersten Erfolge in seiner Baterstadt aehofi hatte, kam er 1796 in das Haus des berühmten Klavierbauers Erard in Paris und hatte sich uen Mittelpunkt des geistigen Frankreichs schon zwei Jahre daraus mit seiner Oper „Zoraine unb Zu^naire" erobert. Unglückliche Familienverhältnisse hießen ihn Paris verlassen und nach Petersburg gehen: eine zweite Pariser Epoche schuf dann seinen großen Erfolg, den „Kalis von Bagdad". umschaUen, so daß z. B. während dieser Sperrzeit der Strom 50 Pf. pro Kilowattstunde kostet, während er außer der Sperrzeit nur 20 Pf., bei Nacht Hellsicht sogar nur 10 Ps. losten mag. Doppeltarif,Zähler werden allerdings nur in größeren Betrieben oder dort, wo eine besondere Vergünstigung am Platze erscheint, notwendig sein, während man in normalen Haushalten mit dem Grundgebührentarif auskommen wird. Oberhessen. S. Rödgen, 13. Dez. Heute feierte der Lahn- Höhenbund (Vereinigung der Mandolinen' und Wandervereine in hiesiger Gegend) im Saale der Gastwirtschaft Balser sein diesjähriges erstes Wintervergnügen. Erschienen waren die Ortsgruppen: Albach, Reiskirchen, Steinbach. Trohe, Wieseck und Wißmar. Der Mandolinenverein Nea - polita aus Gießen war als Gast mit zehn jungen Leuten vertreten. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt von Gästen, die aus den umliegenden Dörfern erschienen waren. Dankbar und beifallsfreudig nahmen sie die Darbietungen der einzelnen Vereine und des Gesamtorchesters, das unter der Leitung des Bundcsspielleiters K. P f e i f - f e r - Wieseck steht, entgegen. Wieseck und Trohe spielten außerdem je ein Theaterstück, Albach und Reiskirchen brachten je ein Couplet und Wißmar ein Duett zur Aufführung. Alle fanden den verdienten Beifall. Staunende Bewunderung erregten die musikalischen Darbietungen der Wiesecker Schüler- gruppe. Um 7 Uhr schloß der Vorsitzende die Feier mit Worten des Dankes an alle, die zum Gelingen derselben beigetragen hatten. t. Reiskirchen. 13. Dez. Heute mlttngjjielt Oberrevisor Hartmann aus Gießen im Saale des Gastwirts Fritzel einen sehr lehrreichen Vortrag über das Aufwertungsgefetz, der von hier und den umliegenden Orten stark besucht war und allgemein großes Interesse erregte. Der Redner gab zunächst einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung dieses Gesetzes und behandelte dann die einzelnen Aufwertungsgebiete, wobei er sich zuerst ausführlich über die Hypotheken aus« sprach, die mit 25 Proz. aufzuwerten find. Sodann behandelte er die Sparkassenguthaben, bei denen ein Unterschied zu machen ist zwischen Bezirkssparkassen. die mit 12* Proz. aufwerten sollen, und den genossenschaftlichen bzw. privaten Sparkassen, bei denen eine Aufwertung nicht vorgeschritten ist. die aber, um sich ihr Weiterbestehen zu sichern, aufwerten müssen, soweit es die Teilungsmasse zuläßt. Weiter machte der Vortragende ausführliche Darlegungen über die Aufwertung der Reichs-, Länder- und Gemeindeanleihen, zu welch ersterer <9ruppe die Kriegsanleihe gehört. Für diese ist gerade die ländliche Bevölkerung sehr stark interessiert. Durch verschiedene Fragen aus der Versammlung heraus wurde noch über manchen Punkt Klarheit geschaffen. — Dau bringen, 14. Dez. Gestern abend hielt hier tn der Wirtschaft „Zum blauen Heckt" Lehrer Balser von hier einen sehr interessanten Vortrag über Brasilien. Der Saal war dicht besetzt. Der Vortragende schilderte Erschautes und Erlebtes über Land und Leute dieses Landes. Unterstützt und erläutert wurde der Dortrag durch etwa 200 Lichtbilder, von denen ein Teil ebenfalls von Lehrer Balser in Brasilien aufgenommen worden sind. — 9m hiesigen Gemeindewald beginnt nun die H o l z h a u e r a r b c i t. Gegenüber dem Vorjahre mit 500 Festmetern sollen dieses Jahr nur 300 geschlagen werden. Voriges Jahr war die Ge- meirckeverwaltung dem Drängen des hiesigen Sportvereins zwecks Anlage eines Sportplatzes nachgekommen und ließ eine ansehnliche Fläche Äiefembeftanbes abholzen. ’ A11 endorf a. d. Lumda, 13. Dez. Heute abend fand im Saale des Gastwirts Rackst auf Veranlassung der Kreisfürsorgestelle Gießen ein Vortrag über Tuberkulose statt. Der Chefarzt der Eleonorenheilstätte bei Winterkasten, Dr. Sell, wies an Hand von Lichtbildern die ungeheuren Verheerungen nach, die die Tuberkulose im menschlichen Körper verursacht. Gleichzeitig gab der Redner Winke und Ratschläge für die Verhütung und Bekämpfung der Seuche. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Der sehr lehrreiche Vortrag halte nachmittags auch schon für die Schuljugend stattgefunden. > Langgöns, 14. Dez. Um dem massenhaften Auftreten der 0 b st d a u m s ch ä d l i n g e zu steuern, sah sich die hiesige Gemeinde veranlaßt, K l e b r i n g e anzubringen. Bon dem Werte dieser Bekämpfungsmittel kann man sich durch Augen- Franziska. Roman von Liesbet Dill. 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich war start' geworden, obwohl ich auf der Bühne immer noch wie ein Zwirnsfaden aussehe. Die Bühne verschlingt so viel. Bei meiner Größe kann ich auf der Straße das 2In*- sehen eines Fasses haben, und ich würde immer nod) als Falstaff lächerlich mager wirken: aber fürs Leben kann dieses Maß von Fettansatz schon lästig werden. Ich habe mein Leben gänzlich ändern müssen, habe monatelang von Milch gelebt und in einem vegetabilischen Kosthaus zu Mittag gegessen, fad. aber gesund, und so bin ich endlich instand gesetzt, meine Herztätigkeit funktioniert wieder, aber ich muß Vorsicht üben. Ich bin gar nicht mehr in die Bavaria gekommen in der letzten Zeit, denn ich trinke nichts m hr. Etwas dünnen Dee, wie Sie sehen", er wies mit einer Handbewegung auf den Tisch mit den zwei Gedecken. „Das ist alles. Ich erinnere mich zwar, früher öfters einen Doktor Liesental getreten zu haben, einen Herrn mit einem Christuslopf, ein edler, aber etwas langweiliger Mensch, mit dem man zehn Jahre zu- sammensihen kann, ohne warm zu werden, jedenfalls haben wir uns über kein Thema erhitzt. Vielleicht hat er mich einmal mit der Rott spazieren gehen sehen und mich gefragt, wer das sei, und da hab' ich ihm wahrscheinlich gesagt, es sei eine Freundin von mir. Mein Herr, es hat eben über Ihr Gesicht gezuckt, als wollten Sie sagen: Aha, da haben wir's! Aber das ist gerade das Mißverständnis, daß ich auf klären möchte. Wenn man bei uns sagt, das ist eine Freundin, so bedeutet das dasselbe, wie wenn Sie in der sogenannten guten Gesellschaft sagen, „das ist eine Tänzerin von mir". Worth machte eine Bewegung mit d m Zylinder. als ob er sagen wollte: „3ur Sache." Stephonsberger bemerkte das und fuhr fort, indem er seine roten Srffianpantosfeln betrachtete: „Eine Freundin bedeutet bei uns nichts weiter als „wir stehen miteinander nicht wie Hund und Katz". Richt mehr. Denn wenn das der Fall wäre, so hätte ich sicher nicht einem mir unbekannten Herrn anvertraut, daß Franziska Rott mit mir dieselbe Etage teilt. Da also die Dame eine Freundin von mir ist. was soll ich bann da widerrufen? Ich würde auch heute dasselbe beteuern, und daß sie dieselbe Etage bewohnt, bedeutet nur, daß die Dame infolge eines infamen Hauswirts genötigt wurde, mitten im Quartal umzuziehrn, und daß in dieser Stadt Wchnungsmangel herrscht. Wir leiden alle darunter, bezahlen für elende ©tagen ein Schweinegeld. Weil wir uns ein Klavier halten und Gesang üben, können wir nur mit kleinen Leuten zusammenwohnen in schmierigen Mietkasernen, wo die Männer von morgens bis zu Abend nicht zu Hause find, in reinlicheren Gegenden hat man es mit empfindsamen Damen zu tun, und die Herren wollen Mittagsruhe halten. Da gerade diese Wohnung frei war, hab' ich sie ihr angeboten, früher hat die Iosi Fritzsche drin gewohnt, die Soubrette vom Gastnertheater." „Dedaure —“ ..Aber ich bitte Sie, die Iosi werden S' doch kennen", sagte der Stephansberger mit einem treuherzigen Lächeln, welches ebensogut infam fein konnte. Worth hatte das Gefühl, als ob dieser große Mensch auf dem Schaukelstuhl sich über ihn mokiere. „Was will dieser Herr eigentlich von mir?" fuhr der Kammersänger fort. „Er hat die Dame geliebt, zwei Jahre lang, ein achkrmgswertes Resultat. Ich lege, wie gesagt, für niemand die Hand ins Feuer, für die Treue dieser Dame würde ich es tun. Aus welchen Gründen, kommt hierbei nicht in Frage. Dann hat sie sich von ihm getrennt, es war nicht hübsch von I jr, baä gebe ich zu. Sie kennen ja keine Dankbarkeit, die Frauen, doch man kann sie auch zu nichts zwingen. Ich habe mich in ihrs Angelegenheiten gemischt, ich respektiere die Treue. Was nachher geschehen ist, a'eht, verzeihen Sie, niemand etwas an, und Sie werden von mir nicht langen, daß ich eine Dame kompromittiere... Also: Ich mag nicht mehr zum vegetabilischen Kost haus herabsinken, muß mich vor seelischen Aufregungen hüten, wenn ich auch wohl nicht schein überzeugen; wenn man von hier nach Holzheim wandert, kann man dort an einzelnen Ringen bis 50 und mehr Froftfpannerweibchen zählen. — Lang-Göns, 14. Dez. Ein Sohn unseres Ortes, Oberreallehrer Karl Heuser, der seit 1907 am Rca g'mnasium in Mainz als Turnlehrer wirkte, ist nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 54 Jahren gestorben. Der Entschlafene hat auf dem Gebiet des Turn- unterrichts in Hecken bahnbrechend gearbeitet. Er gehötte zu den bekanntestcn hessischen Turnpädagogen. Aber auch im Dunste der breiten Oesfentlichkeit hat Karl Heuser eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Dor feiner Heberfieblung nach Mainz war er 12 Jahre an der Schule in Dad-Rauheim tätig. Während dieser Zeit hat er im Surngau Hessen in führenden Stellungen gestanden, u. a. bekleidete er das Amt des 2. Gauturnwarts. Auch in der Leitung des 2. Bezirks Gießen Ga- belsbergerscher Stenographen hat der leider allzufrüh Heimgegangene sich unvergeßliche Verdienste erworben. > Holzhei m, 13. Dez. Gestern abend hatten sich im Saale des Gastwirts Sames die Gesangvereine „G e r m a n i a" - L a n g- G ö n s und „H e i t e r k e i t" -> D o r f - G i l l ein» gefunden, um ihrem früheren lang ährigen Dirigenten, Gastwirt SameS, eine feit langer Zeit aeplante Ehrung zu erweisen. Herr Sarnes, 5er weithin in der Umgebung als feinsinniger Dirigent bekannt ist, un) der schon in den meisten Vereinen im Umkreis dcn Dirigentenstab geführt hat, steht schon 33 Jahre im Dienste des deutschen Männergesangs. Gegenwärtig leitet er Gesangvereine in Holzheim, Sambach, Ober-Hörgern und Ebersta^t. An der Feier nahm auch der hiesige Gesangverein,.Harrn o n i e" teil. Zunächst richtete Lehrer A r ch Worte der Begrüßung an die Erschienenen. Rach dem Begrüßungslied „Die Himmel rühmen" durch unsere „Harmonie", und nach einigen Gesangs- vorträgen der Gäste beging man die eigentliche Ehrung. Der Vorsitzende der „Germania'-Lang- Göns. Landwirt Karl Wendel, umriß in kurzen Strichen die großen Derdicnste des Gefeierten, der 23 Jahre ohne Unterbrechung den Verein geführt hatte. Zum Dank ernannte er Herrn Sames zum Chrendirigenten und überreichte ihm ein Bild mit den Herren auf dem Gebiete der Tonkunst, Beethoven, Wagn r und Liszt. Die gleiche Ehrung wurde Ujm durch den Vorsitzenden des Gesangvereins „Heiterkeit"-Dor'-Sill, Weißbindermeister Euler, zuteil, welchen Verein er ebenfalls lange Jahre hindurch geleitet hatte. Herr Sames dankte beide Qllai tiefbewegt und brachte zum Ausdruck, daß fein ganzes Tun der Liebe zum deutschen Lied und deutschen Männergesang entsprungen sei. Der Gesangverein „Heiterkeit" verband gleichzeitig damit eine Ehrung seiner langjährigen, nach Lang-Göns verzogenen Mitglieder Heinrich Kuhl und Georg Schäfer. Beide wurden durch Lieberreichung von Ehrendiplomen zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Rest des Abends wurde ausgefüllt mit Liedervorträgen der drei Vereine, die dabei z. T. ganz hervorragende Leistungen: aufwiesen. rt Lich, 15. Dez. Zum allgemeinen Bedauern kann der hiesige Kirchenchor schon lange Zeit aus Mangel an Männerstimmen nicht in Tätigkeit treten. Dafür stellt sich der F r a u e n ch o r. der schon öfters die Gemeinde durch feine edlen Darbietungen unter Leitung von Fräulein Marie Jäger er।reut hat, in dcn Dienst der Sache und will am kommenden vierten Advent in der Marien'iiftskirche ein Weih» nachtSkonzert mit reichhaltiger und abwechslungsreicher Dortragsfolge hallen. Der Ertrag des Konzertes kommt einem wohltätigen Zweck zugute: alten und fronten Einwohnern soll damit eine Weihnachtsfreubereitet werden. J Lich, 14. Dez. Der von dem Verkehrs- und Verschönerungsverein veranstaltete S ch a u f e n st e r - W e 11 b e w e r b ist zu einer mustergültigen Veranstaltung geworden, die sich sehen lassen kann. Die meisten Geschäftsleute haben sich ohne Zweifel recht große Müye gegeben. Man kann viele geschmackvoll arrangierte Auslagen sehen und auch solche, bei denen ein gutes Maß künstlerischen Verstehens an den Tag gelegt wurde. Die Arbeit des Preisgerichtes war nicht leicht, die Verschiedenartigkeit der Geschäftszweige machte die richtige Beurteilung oft zu einer schwierigen Ausgabe. Es hat sich gezeigt, daß gerade die Manufakturwarenhändler oft ihre liebe Not hatten, etwas Wirkungsvolles zu erzielen, während dies offenbar den Metzgermeistern etwas leichter geworden ist. Schöne Wurste, Schinken und dergleichen haben immer etwas Anziehendes. Der Wettbewerb hotte folgendes Ergebnis: 1. Preise: Georg Lotz, Friseur, Ferdinand Zimmer, Kaufmann, Ernst Pomni e r t, Metzgerei. 2. Preise: Ferdinand Zimmer, Filiale, Moritz Goldschmidt, Manufakturwaren, Hermann Stein, Metzgerei, Konrad Köhler, Lebensmittelgroßhandlung, Emil Buh, ; Zigarren, Heinrich Schmidt X., Metzgerei, Aug. Vater, Bäckerei, Karl Christian Rau I., Metzgerei, Christian Zimmer, Schuhwaren, Reinhard Zimmer, Polsterwaren, Eduard Windecker, Schuhwaren. 3. Preise: Heinrich Walz, Installation, Ludwig Heller, Metzgerei, Joh. Heinrich Schmidt II., Manusakturwaren,_ Herrn. Schmidt IV., Metzgerei, Franz Müller, Schreibwaren, Sophie Lotz, Modistin, Christian Keller, Lebensmittel, Hermann V o l k m a n n, Schreibwaren, Heinrich F a s s a u e r, Schuhwaren, Karl Heller III., Kaufmann. rt. Rieder-Bessingen, 14. Dez. Das Fest der diamantenen Hochzeit feierten heute Iohs. Hau und Charlotte, geborene Köhler. Ihre Ehe wurde vor 60 Jahren eingesegnet von dem Glied einer in ganz Hessen bekannten Familie, einem Sohn des Licher Landrichters Sartorius, der damals als Pfarrvikar in Lich und Rieder-Bessingen amtierte. Zur Feier der Diamanthochzeit begab sich nach dem Gottesdienst der Ortsgeistliche mit dem Kirchenvorstand unter dem Geläute sämtlicher Glocken in das Haus des Jubelpaares. Dort wurde das Paar nach Gebet und einer Ansprache feierlich gesegnet. Der Ehemann wird demnächst 90 Jahre alt, die Frau steht im 83. Jahre. Rodheim a. d. Horloff, 13. Dez. Die hiesige Ortsgruppe des Landjugenvbundes hielt heute ihren diesjährigen Heimatabend ab. Die Jugend bot ihren Gästen zunächst einiges aus den Schätzen unserer Nationalliteratur, indem sie Theodor Korners Schwänke „Der Nachtwächter" und „Der Vetter aus Bremen" darstellte und die „Deutsche Treue ober Josef Heiderich" auf die Bühne brachte. Der Heimatliebe wurde Rechnung getragen, indem ein zur Zeit des Westfälischen Friedens spielendes Stuck für heimatliche Verhältnisse umgearbeitet worden war, so daß die jungen Rod- heirner ihre Ahnen aus 1648 auf den Brettern auftreten ließen. Der zweite Vorsitzende, Theo Pape, begrüßte die Erschienenen mit Worten, die von war- mer Vaterlandsliebe erfüllt waren. Der Vortrag des Nütlifchwures mündete in das Deutschlandlied aus. Ein von dem Glauberger Posaunenchor gebotenes Konzert hielt die Zuhörer noch lange zu- ammen. Der Reinertrag des Abends soll dem hie- igen Denkmalfonds zugeführt werden. Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 13. Dez. Im G e - fchichts- und Altertumsverein hielt am Freitag abend Privatdozent Dr. H. Richter vom paläontolischen Institut in Gießen einen Vortrag über „Die altsteinzeitliche Höhlensiedlung in Trais a. d. Lunde". Der Redner verstand es, feinen Vortrag so fesselnd zu gestalten, daß die Zuhörer mit Spannung folgten. Von besonderem Interesse waren die zahlreichen Lichtbilder, welche in anschaulicher Werse die primitiven Steinwerkzeuge vorsührten, die zeigten, daß auch damals schon die Menschen es verstanden, sich au8 dem vorhandenen Material, hauptsächlich ati8 Quarzit, die benötigten Werkzeuge von der Urform bis zum fertigen Geräte selbst herzustellen. — Der Iugendgottesdienst, der gestern abend in der Stadtkirche abgehalten wurde, gestaltete sich zu einet erhebenden Feier. Man ging dieses Ma! von dem Gedanken aus, nicht nur einen Predigtgottesdienst abzuholten, sondern ber Jugend selbst Gelegenheit zu geben, sich durch Frage und Bekenntnis, durch symbolisches Handeln und lebendige Anteilnahme selbsttätig an gottesdienstlichen Handlungen zu betätigen. Es war ein schöner und feierlicher Augenblick, als die Iu- gendvereinigungen. die Turngemeinde, der Wandervogel, der Wartburgverein, die Pfadfinder, der Bibelkranz usw. in geschlossenem Zuge mit ihren Wimpeln und mit brennenden Lichtern versehenen Weihnachtskränzen in die Kirche ein- rückten und sich um den Altar aufstellten. Pfarrer lic. Gerstenmaher hatte den gottesdienstlichen Teil übernommen, in Frage und Antwort trat er in lebendige Verbindung mit der Jugend, während die zahlreich versammelte Gemeinde an zu versichern brauche, daß ich mich vor einem ehrlichen Gefecht nicht fürchte. Ich bin ein guter Fechter und treffe stets ins Schwarze, man hat mich auf Schützenfesten wie einen Pfingstochsen bekränzt, aus den Schultern heimgetragen, nicht auf der Bühne, sondern in meinem heimatlichen Dorse. Ich würde einem Zweikampf nicht aus dem Wege gehen, wenn mir die ülrsache nicht lächerlich und überflüssig erschiene. Ich betrachte die Angelegenheit als erledigt, indem ich meine Versicherung gebe, daß Fraulein Rott meine Freundin ist und ich darin keine Beleidigung erblicken kann." „Mein Herr," nahm der innere Worth das Wort, „es komnll mir darauf an, daß Sie Ihre Beziehungen zu dieser Dame öffentlich klarstellen. Es bedeutet in unseren Kreisen allerdings etwas anderes, wenn ich eine Dame als meine „Tänzerin" bezeichne, als wenn ich sie „meine Freundin" nenne, btt uns gibt es keine derartigen Freundschaften." „Verstehe," sagte Stephansberger, „aber sehen Sie, wenn ein Japaner hierher kommt, Sie haben ja in Ihrem Institut so ein paar gelbe Asten, und heiratet eine Deutsche, und sie wird in Japan bei einer Gesellschaft ins Vorzimmer gesetzt, wo sie speisen muh, während die Herren sich im Speisezimmer amüsieren, so kann die Europäerin mit Recht gekränkt fein, denn bri uns ist es nicht übllch, aber Fann man dein Ipaaner daraus einen Vorwurf machen, weil er seiner Ausländerin wegen nicht gegen die Sitten des Landes verstoßen will?" ..Hier liegt die Sache nun doch etwas anders", sagte Worth, in dem es anfing, leise zu kochen. „Wenn Sie sich auch als Japaner geben wollen, so kennen Sie doch die Sitte, daß, wenn man den Ruf einer Dame öffentlich in ein falsches Licht gesetzt hat oder vielmehr den Lichtschein so gedreht, daß eine dunkle Seite auf ihre Erscheinung gefallen ist. öffentlich Abbitte tut, was in diesem Fall bedeutet, daß Sie vor demselben Kreise dasselbe wiederholen, was Sie mir eben sagten. Das genügt mit." Auf Stephairsbergers Gesicht erschien ein erstauntes Lächeln. „Hier ist etwas, das nicht der liturgischen Seiet teilnahm. Die Feier machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Aus alle Fälle ist dieser Versuch, den Gottesdienst zu vertiefen und zu beleben, in vollstem Maße gelungen. 4 Dad-Rauhei m, 12. Dez. Die hiesige V o 1 k s b a n l hatte für heute abend zu ihrer 8 9. Hauptversammlung in das Gasthaus „Zur guten Quelle“ elngelaöen. Weit über 100 Genossenschaftler waren dem Rufe gefolgt. Rach kurzer Begrüßung gedachte der Versammlungsleiter und Vorsitzende des Aufsichtsrates in ehrender Weise des kürzlich verstorbenen Dankvorstcn.es Hartmann Stoll, der von 1892 bis 1925 dem Vorstand der Volksbank angehört und als führen-er Genossenschaft-- ler um das gesamte Genossenschaftswesen sich bedeutende Verdienste erworben hat. Die Ergänzung swahl des Aufsichtsrats erbrachte die Wiederwahl von Reallehrer W. D e ch t o l s h e i m e r, Rentner Ernst Grünewald und Stadtrechner PH. Stamm, sowie die Reuwahl von Kaufmann Äai4- 2I.i ck e l und Franz Müller. Mit lebhaftem Interesse wurde das Ergebnis der letzten Revision der Volksbank ausgenommen. Das von Vetbandsrevisot Schröder (Kassel) niedergelegte Gutachten, das sich in fast allen Einzelheiten sehr günstig ausspricht, beenf anbete nur den verhältnismäßig niedrigen Geschäftsanteil. Wie vom Vorstand aber mitgeteilt wurde, ist die Summe inzwischen auf 120 000 Mk. angewachsen und wird auch weiter steigen. Bankvorftand Haber- m e h l gab an der Hand von Zahlen ein anschauliches Bild über den Geschäftsgang seit dem 1. Januar 1925 und konnte bewerfen, daß die Entwicklung sich sehr günstig gestaltet hat. Der Umsatz beträgt in den ersten 10 Monaten dieses Jahres 51 Millionen Mark, was gegenüber dem Gesamtjahre 1914 ein Mehr von 23 Millionen Mark, gegenüber 1924 ein Mehr von 19 Millionen Mar! bedeutet. Die Mitgliederzahl ist auch in stetigem Wachsen begriffen, sie beträgt zur Zeit 850 Genossenschaftler, lieber den Verlauf und die Beschlüsse des Genossenschaftstages in Freudenstadt berichtete Banlvorstand Ziegler, während Dankvorstand R. Stamm über steuerfreie Sparkonten referierte und den Gewerbetreibenden die fleißige Benutzung dieser Einrichtung empfahl. Gerichts- assessor Dr. Rudolf Stahl hielt dann einen Vortrag über „Aufwertungsfrage n", der reiche Belehrung und Qlnrcgvng bot. Bürgermeister Dr. Kayser dankte der Dolksbank für die segensreiche Arbeit, die sie zum Wohle von Bürgerschaft und Stadt entfalte. pb. Butzbach, 12. Dez. Im Anschluß an eine Mitgliederversammlung des hiesigen M a t Hilde n st i f t s sand heute abend im lleinen Saale des Hessischen Hofes vor einem erweiterten Äreis Geladener aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung eine Versammlung statt. Kreisdireklor Gebhardt eröffnete die Versammlung und erläuterte kurz den Zweck derselben. Zur Linderung der Wohnungsnot soll in Gemeinschaft mit den hessischen Sparkassen zur Beschaffung der für Neubauten erforderlichen Baugelder ein besonderes Spartontenfi)ftetn eingerichtet- werden. Es sollen die Behörden und diejenigen Persönlichkeiten, die für die wertere Förderung des Bausparaedan- kens in Frage kommen, eingehend unterrichtet werden. Der Kreisdirektor übergab dann das Wort zur eingehenden Erläuterung dieser Richtlinien dem Rcg.-Rat Dr. R i n d f u ß vom Äceisamt Fr.iedberv. Dieser setzte in etwa einstündiger Rede die beiden Systeme der Bausparkonten auseinander. Er betonte, daß Auslandkavital für Bauzwecke nicht zu haben sei, da das Reich die 2Iufna>ie solcher Kapitalien nicht zulasse und daß deshalb nichts anderes übrig bleibe, als sich selbst zu helfen und zu sparen, um allmählich der Wohnungsnot zu steuern. Bürgermeister Dr. Jansen dankte dem Referenten für die eingehenden Erläuterungen, uni) knüpfte daran die Hoffnung, daß die neu zu begehenden Wege dem Wohnungsbau forderlich sein mochten. An den Vortrag schloß sich noch eine längere Aussprache über verschiedene Punkte an, die zum Teil mißverstanden worden waren. Kreis Büdingen. L Nidda, 13. Dez. Endlich konnte heute, nach zweimaliger Verlegung an den beiden letzten Sonntagen, der Fallschirm-Pilot A. Langer aus Darmstadt auf den Wiesen unterhalb der Stadt seine Flugzeuavorführungen zeigen, wozu sich zahlreiche Zuschauer eingefunden hatten. Um 11 Uhr überflog ein Doppeldecker die Stadt und stimmt Hat diese Dame einen offiziellen Beschützer in Gestalt eines Vaters, Bruders, Gatten oder Verlobten, so soll er zu mir kommen — bann bin ich zu einer Unterredung bereit. Aber nur in diesem Fall." sehe, daß Sie nicht gesonnen sind, sich mit meinem Freunde zu schlagen", sagte der Sekundant, der zugeknöpft, ernst und in korrekter Haltmrg. den Zylinder auf den Knien, in dem Plüschsessel saß. „Ich bebaute unendlich", sagte der Kammersänger. „Man schlägt sich nicht um diese Angelegenheiten bei uns." „llnb Eie bleiben dabei, nichts zurücknehmen zu wollen?" fragte Worth, indem er sich erhob, wozu er längere Zeit brauchte, als er gedacht, denn die Roßhaare des unendlich vertieften Sessels, der täglich gewohnt war, einen Stephansberger aufzunehmen, waren so abgesessen, daß der Sih des Sessels mit seinen kurzen Deinen beinahe auf der Erde stand. „Ich kann nichts zurücknehmen, denn meine Ansichten ändern sich nicht." „Ich habe die Ehe", sagte Worth. „Ich h-.be gleichfalls die Ehre", erwiderte der Kammersänger und hielt die Tür auf, während sich Worth den Weg durch diesen langen dunklen Flur bahnte, in dem eine Reihe von Möbeln stand, die von Rechts wegen in keinen Flur gehören. „Rarren". sagte der Stephansberger, als sich die Glastür hinter dem Herrn im Zylinder geschlossen hatte. . „Halten einen eine Stunde auf, um einen mit ihrer rückständigen Weltanschauung bekannt zu machen, das sollte mir gerade noch gefehlt haben, für was eigentlich, für was?" — älnd davon überzeugt, seine Sache aufs vortrefflichste erledigt zu haben, gab er sich einen ^s-Dur-Aftord an und nahm seine Gesangs- üburgen wieder auf... und hinter Worth auf die (Straße hinaus tönte es: „Großer Gott, steh' mir bei, großer Go—tt, steh' mir bei...“ in jenen weithin schwingenden, getragenen Daßtö- nen, daß man glaubte, es würde ein Harmonium gespielt. (Fortsetzung folgt.) &!» 1 und Dez. Nachdruck verboten. 16. Fortsetzung. t|tBun0 Er konnte den Satz nicht vollenden: denn in seinem Qletger hatte er das Maul wie einen Backofen aufgerissen und da — ja, was glaubt ihr wohl, was passierte? Daß Krachauf sich eine Maulsperre zugezogen habe? Diel schlimmer! Dah er. wie schon einmal, den Zopf zwischen den Kiefern zerbrochen habe, den Pelzmärtel mit soviel Geduld einrenlen muhte? Diel, viel schlimmer! Der schöne Landauer, die herrliche Reisekutsche, die wunderbare Ruß war dem verschnupften. unvorsichtigen Krachauf aus dem Maule gefallen und ins Leere gestürzt. Ein Schreckensschrei ertönte, Die Ruß fiel senkrecht wie ein lausender Stein zur Erde. Cs war unmöglich, ihr nachzustürzen und sie im Fluge aufzurasfen — im Du war sie im Wolkenmeer verschwunden. Wan hatte nur noch sehen können, wie sie sich ein paarmal um sich selber drehte — arme kleine Reisende! Dielleicht fielen sie mit den, Kopf nach unten! Zerschlagen durch das Anstoßen an die Wände, betäubt und halb erstickt von dem Luftwirbel, muhten sie das De- wuhtsein verloren haben. Ohne Zaudern gingen die Störche in Gleit- flug über; die Fiügel fächerartig gespreizt und fast bewegungslos, schwebten sie langsam wie Fallschirme herab. Die Unkenntnis der Doden- verhältnisfe unter ihnen, die naheiiegende Möglichkeit einer Landung an gefährlicher Stelle zwang sie zu äuherster Dorsicht, wenn auch während des ManöverierenS ihr Herz vor De- sorgnis hämrner.e, wenn sie sich auch die Schnelligkeit des Blitzes gewünscht hätten. Die 2kuh war verschwunden. Wo sollte man sie wiederfinden? Wer könnte sagen, wo sie hin- gefallen war? Dersank sie im Schnee? Zerschellte sie in einem Abgrund? Alle waren bei Die fern Gedanken vor Entlehen wie gelähmt. Rur der schuldige Ruhknacker lieh zwischen Schnaufen und Schnörkeln sein gewohntes Zähneknirschen Pelzmärtel. Ein Nürnberger Spietzeugroman. Rach dem 3 a ienisch-en der Tereiah erzählt von Gustav W. Eberlein. Copyright 1925 by A. Scherl G. m. b.H., Berlin. Siebentes Kapitel. Traurig klingt die LebenSgefchichte des ©roßen Einsiedlers ouS, der sich a S alter Bekannter entpuppt: aber jetzt will er seinen Späh haben, es f'mmt Licht in das Dunkel der Höhlenge'chichte, und HanS SachS findet Gelegenheit, einen ganzen Winter lang aufs neue nach HerzenSlust zu fabulieren. Diele schöne Sachen werden in Rürnberg hergestellt, das Schönste aber nach den Puppen, den Ruhknackern und den Bleisoldaten sind doch die Holzhäuser mit den prachtvoll roten Giebeldächern, den grünen Fensterläden und der lustigen Haustüre, deren einer Flügel offen steht. Wenn man Die Schachtel ausmacht, in der so ein putziges Häuschen in alle Welt verschickt wird, so fallen gleich vier kege.förmige immergrüne Däumchen heraus, die man nur hinzustellen braucht, um ringsum einen schönen Garten zu haben. Auf die eine Seite kommt bann der Hühnerstall mit einer Henne, die so oft aufpickt al- man es haben will, und auf die andere Veite das Wasserbecken mit der Ente. Auch die bunt an- gezogene Däuerin fehlt nicht und der Dauer rann sich auf eine Dank fetzen ober in die Luft gucken, um nach den Störchen Ausschau zu halten, wie es ihm beliebt. DaL alles, die Bäume, die Dank, die Ente und den Hühnerstall gab es ja nun in der Grotte de« Einsiedlers nicht, aber das Haus, das schöne Haus, daS war da! Ein gut Stück größer freilich, nicht für eine Schachtel, sondern für eine Grotte berechnet. Stück für Stück hatte eS der große Einsiedler selber gebaut — vielleicht stammte er aus Dürnberg! Gott weiß, wie er eS fertig gebracht hatte. Wahrscheinlich so, dah er einige Der Riesenlärchen, die auf dem Bergrücken wuchsen, fällte, mit Säge und Hobel Bretter daraus schnitt und mühsam und geduldig fein neues Heim zimmerte. Dicke Daumrinde zerlegte er in mächtige Stücke und deckte damit das Dach wie mit Ziegeln. Aber daS schöne Rot darauf? Hub die Butzenscheiben und der Wetterhahn auf dem Giebel? Wo sollte er solche Dinge in dieser einsamen BergwiibniS aufgetrieben haben, wenn er sie nicht auS Dürnberg mithergebracht hätte? Er müßte denn ein Zauberer feilt. (Fortsetzung folgt.) in dem großem weiten Kirchenraum kamen die Stimmen der Solisten zur Geltung. DaS Dio- ttnfpiel deS Herrn Ludwig Korzhnieh in Verbindung mit Orgelbegleitung gefiel allgemein. Rezitativs und Späte mit zartem Dortroge führten Die Zuhörer im ersten Teil der Kantate auf die nächtlichen Gefilde Bethlehems, wo in ernster Erwartung fromme Hirten heiße Sehnsucht nach Dem Erlöser in ihrem Herzen trugen. Biblische Teste Der WeihuachrSgeschichte und altdeutsche Lieder, wie „Stille Recht, heil Ke Dacht", sind hier in bester Weise miteinander vereint. Christus, der WcltenhrilanD: er ist auch unser Heiland, auch für un5 geboten. Die Engelmahnung gilt deshalb auch uni: „Fürchtet euch nicht, ich bring euch hrhre Kunde, die alle Welt macht froh." Mächtig und herzerhebend klingt der himmlische Chor: „Ehre fei Gott in Der Höhe." Er bildete den Höhepunkt in der Weih- nachtSlantate in inhaUlichcr. wie in gesanglicher Beziehung. 2n reic;:r Abwechslung folgten Rezitativs. Männercht're, Arien un) Gemischte Chöre. Mit Dem srohen WeihnachtSchor: „O du fröhliche ..." endigte die Darbietung. DiKkrcts. • D reitscheid, 15. Dez. Zu der Meldung vom 5. Dezember über Die Stillegung der Westerwälder Tonindustrie 8um 1. Januar teilt Die WerkLleltung mit, daß ihr von einem derartigen Beschluß nichts bekannt sei, und daß eine s.lche Abstchä auch nicht bestehe. Mainsia«. WSN. Frankfurt a. M., 13. Dez. Der unter dem Verdachte Des versuchten Raubes und des Mordes an dem Kriminalbeamten Otto Sack verhaftete Handlunasreiiende Anton Gens spielt zur Zeit den „wilden Mann" und wird jetzt, wie uns mitgeteilt wird, auf seinen Geistes? zustand untersucht. — 3m Oktober vorigen 3ahres waren Im Hause Fahrgasse 144 durch ein Groß- feuer wertvolle Bestände einer Mechanischen Berufskleiderfabrik vernichtet morben._ Es war damals ausgefallen, daß ein junges Mädchen sich aus dem Stockwerk, in dem das Feuer aiisfam, an einem Strick hcruntergelas- s e n und Einlaß in der Küche eines benachbarten Hauses begehrt hotte. Das Mädchen, eine Buchhalterin, wurde damals unter dem Berdacht der Brandstiftung verhaftet, dann aber mangels Dcwcijcu wieder er!' ;?en. 3etzt ist gegen die Be- treffende doch A n , l a g e wegen Brandstiftung erhoben worden und das H.ruptverfahren wurde eröffnet, fo daß es zu einer Gericht-Verhandlung kommen wird 27-ie uns berichtet wird, soll dazu ein <*,engere. ifgcbot von 70 Personen erfolgen. WSN. Hanau, 14. Dez. Der Magistrat hat beschlossen, zu Ehren des Dberbiirgirmciftcrs a. D. Gebeschus , Der am Same tag unter großen Feierlichkeiten sein-m 7". Geburtstag begangen Hot, Die 5. Bezirkrschule in Der Arm.! >llee Gebeschusschule zu benennen. hören: Krr-krr — kra-kra! Aber es klang jetzt nicht mehr wütend, sondern schluchzend und ver- zweiflungsvoll. „Pelzmartin, verzeihe mir! Pelzmärtel, hilf ihnen! Krr-Krr — kra-kra!" „Hör' auf, Kröte I" schrie Karl bet Große erzürnt. „Dein Schmerz rührt mich gar nicht. Du quakst zuviel, um einem leid zu tun.“ Krachauf war an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. „Was geht das dich an, du Rachteule?" gab er wütend zurück. Die Dorwürfe Pelzmärtels hätte er ertragen, aber daß ihn eine Puppen» figur, die trotz ihres Kaisermantels nicht mehr war als er, so anfuhr, das konnte er sich nicht gefallen lassen. „Was — wie? Dachteule, ich, der große Kaiser Karl?" „Was — wie? Kröte, ich, der Vertreter des Nürnberger Spielwarenvolkes?" Dabei machte der würdige Dertreter in einemfort — Krr-krr — kra-kra! Es war zu komisch. Dun mischten sich — denn mit ihrem großen Kaiser fühlten auch sie sich beleidigt — die Bleisoldaten ein, streckten die Köpfe aus feinen Taschen und zogen über den Dußkn acker los: „Krr-krr — kra-kra! Kröte, Kröte, Kröte!" „Dachteule, Dachteule!" schrie der Duh- knacker, außer sich. „Wer ruft mich?" sagte da eine gespenstige Stimme, und ein großer weißer Dogel erschien vor den bestürzten Reisenden. Währenb des Streites hatten sie nicht bemerL, daß die Störche, die nur darauf bedacht waren, einen guten Landungsplatz zu finden, inzwischen auf der Erde angekommen waren. „Ruhei" gebot Kunigunde, indem sie die Augen auf riß, um besser sehen zu können: denn es war Dacht und der weiße Schein blendete sie. „Das ist sicher der große Einsiedler, von dem mir Pelzmärtel erzählt hat. Schämt ihr euch nicht, euch vor einem Fremden so gehen zu lasten? Karl der Große, Krachauf und die Bleisoldaten nehmen sich ja schön aus! Wenn wir uns lächerlich machen wollen, wäre es besser gewesen, den großen Kreuzzug gar nicht zu unternehmen." Kunigunde sprang leichtfüßig auf Die Erde. Sic sah sich vor einem höhlenartigen Eingang, kurzen steilen fturoeti überschreitet, für ein so schweres Fahrzeug fahrbar gemacht werden. Zur Zeit wird die ziemlich fchmole Straße an Den Kurven verbreitert, um sie einigermaßen für Den umliegenden Dörfer und warf „Telegramme von Der bevorstehenden Ausführung ab. Um 3 Uhr führte Der Pilot mehrere Flugubungen mit seinem Flugzeug vor unD sprang mit einem Fallschirm aus etwa 1000 Meter H„hc ob. Der Pilot lanbete glücklich unweit Des Aufstiegplatzes. Zum Schluß ließ LanDer nach Drei Montgolsier-Heißluftballons auf. steigen. Trotz Der kalten Füße hielt Die Menge Der Zuschauer bis zum Schlüsse aus unD nahm sehr bei. fällig Die Erklärungen Des Flugzeuges unD Des Fallschirmes auf. nt>. Nidda, 13. Dez. Gestern abenD hielt in einer recht gut besuchten Versammlung Des hiesigen Kriegeroereins Kapitän W. o. SenDen einen fesselnDcn Vortrag über seinen WerDegang unD seine Erlebnisse als Seefahrer vom Schiffs- jungen bis zum Kapitän. Während feiner 42jöhri- nen Seefahrtzeit, einschließlich Der Kriegzeit unD seiner Gefangenschaft hat er zahlreiche Gefahren und unsägliche VeiDen beftanDen, Deren Schilde- rungen einen tiefen Eir.Druck auf alle Zuhörer machten. Zahlreiche gute LichtbilDer unterstützten Die Ausführungen Des NeDners, Dem wohlverDienter reicher Beifall von Der Versammlung gezollt wurDe. y. Koyden, 14. Dez. 3n unser Dorf kehren allmählich bezüglich Der Berkehrsverhält- n i i s e roicber Die ZuftänDe Der Vorkriegszeit ein. Die Züge werDen balD roicDer hier Hal- ten, unD seit heute ist auch eine öffentliche F e r"n s p r c ch ft e 11 e roieDcr errichtet roorDcn, Die von Dem Spezereihändler Karl Fleischer verwaltet rolrD. Damit ist einem DringenDen Bedürf- ms entsprochen roorDcn. Kreis Schotten. ■ Schotten. 14.Dez. DaS hiesig« Konzert Der Kapelle Des 1. Batl. 3n f.-R g ts. Nr. 1 5, über Dessen glänzenden Erfolg bereits berichtet würbe, veranlaßte Bürgermeister Menget. Dem KommanDeur Des Bataillons, Oberstleutnant Fritz, unD Der Kapelle Den herzlich st en Dank unserer Bürgerschaft zum Aus- bruck zu bringen. Der Ertrag Des Konzerts in Höhe von etwa 500 Mk. fällt Der StaDt für wohltätige Zwecke zu. — Eine große Menge Schnee- f ch u h l a u f e r traf am Samstag mit Dem Zug. Der gcraDe für Die Wintersporllcr günstiger gelegt ist, hier ein. Auf Dem HoheroDskopf unD im Obcr- roolD liegt starker Neuschnee, Die Winterlandschaft nimmt sich bei Dem Dicken Raureif märchenhaft schön aus. lg. GcDern. 13. Dez. Zu Der gestrigen, im Bergwirthause Dahier ftattgehabten Vezirks- Lehrerkonfcrcnz waren Die Mitglieder Des Brzirksvereins beinahe vollzählig erschienen, was bei Den zur Zeit herrschenden ungünstigen Wcg- unD Witterungsverhältnisfen viel besagen will. Der Referent Des Tages, Obmann Reiber- DarmstaDt, sprach in etwa zweistündigen Ausführungen über Die Derzeitige schuipolitische Lage. ZnsbesonDere verbreitete sich der ReDner über Den Rcichsschulgesetzent- wurs. Die LehrerbilDungssrage unD den Stand der BesolDungssrage. Auch wurden wichtige Organi- sationsfragen Des Hessischen Landes-Lehrervereins, wie Die Beitragsregelung usw., in eingehender Weise erörtert. — Die hiesige Einkoufsoereini- gung errichtet eine Verkaufsstelle in Burkhards, Die Karl Schäfer II. Daselbst übernahm. Eine weitere Verkaufsstelle soll Demnächst in Hartmanns- h a i n errichtet werDen. — Bei einer gestern hier ftattgehabten Treib ja gD würben zwei Füchse und 18 Hosen zur Strecke gebracht. Bei günstigeren Witterung?- unb Sichtverhältnissen wäre Das Resultat jeDenfalls noch besser gewesen. — Eine Zigeunerbande, Die mehrere Tage Die Ein- wohnerschast unseres Nachbarortes BurlharDs belästigt hatte, wurde Durch Die hiesige Gendarmerie über die Kreiegrcnze abgeschoben. Ihre fünf Wo- gen wurden durch die Gespanne Burkhardser Landwirte transportiert. Da Die PferDc Der Zigeuner infolge Der schlechten Wegverhältnisse Den Anforderungen nicht gewachsen waren. — Drei hiesige Holzfuhrleute passierten dieser Tage auf dem Heimwege mit ihren Schlitten einen Nachbarort und machten bei einem Wirtshause halt, um sich eine kleine Stärkung zu gönnen. Als sie nach kurzer Rast ihren Weg fortsetzen wollten, mußte einer von ihnen die nicht gerade angenehme Entdeckung machen, daß sein Schlitten halb obgela- Den war. Wesentlich erleichtert mußte er seine Heimfahrt antreten. ♦ Ulfa, 14. Dez. Um Die geplante Auto- verbi n Dung Ulfa — Bahnhof Eichels- Dorf Durchführen zu können, muß vorerst die Kreis st raße Ulfa — Eichelsdorf, Die Den zwischen beiDen Orten üegenDen Höhenrücken in n eingerichtet werden. I > diejenigen Persönlichkeit^, - rderrmg des Vachargedap eingeljtnb unienid)tet öer •- übergab bann das Won llng dieser Kichtlinien dem > , vvm Gewarnt Friedbeie. I MMgrr Me die beib;n mim auseinanbH. Er br-- I ital für Bauzwecke nicht zu I i) die Aufna'sie solcher fio- | nh daß deshoib nichts * " sich selbst zu Hessen und zu !ch der Wohnungsnot yu 2t. Manien bankte bem gehenden üttonmgen, und ffnung. datz dir m iu d-. Wohnungsbau foW M rag jchloh sich noch em w verschiedene Puntte an, . en worden waren. Budinge». Endlich konnte heute, !, (Rilot '21. Lange' sä®* v Unterredung bereu. Si- "ÄÄ in 5S;i3 ' - V 'iw* «E SM , ..-t -is i'* [ten 5l£en nOd> was Sc * ?id) eine” TM önle es-mir )te. es Das Dermieten der Dienstboten, bas früher in bieten Tagen längst erlcbigt war, ver- zögert sich in diesem Zähre hierzulande sehr stark. Die Arbeitnehmer machen entsprechen) der seit dem Dorjahre gestiegenen Kosten der Lebenshaltung höhere Lohnforderungen geltend, die die Löhn« von 1925 um etwa ein Drittel bis ein Halb übersteigen. Die Arbeitgeber unserer Gegend, durch zwei aufeinanderfolgende Mißernten und übermäßige Steuerlasten am Boden gehalten, erklären sich außerstande, die geforderten Löhne aufzubring n Der finanziellen Lage des bäuerlichen Mieters Rechnung tragend, Haven einzelne Dienstboten bereits an ihren Forderungen wesentliche Abstriche gemacht und sich mit ihrer Herrschaft geeinigt. Äe B a r l ö h n e für 1 926 betragen je nach Alter, Leistungsfähigkeit unb Arbeitsmaß abgestust bei weiblichen Dienstboten 20 bis 30 MI. monatlich, bei Knechten 30 bis 45 Wk. Dazu kommen noch bie in unserer Gegend übliehen D a t u r alle i st u n g e n (Kleidung. Schuhe, fern r Frucht, Kartoffeln und Fuhrleistungcn für Eltern der Dienstboten), fowie „Steuer- unb Kafsefreiheit". kreis Alfeld. m. Flensungen, 13. Dez. Ein Leicheuzug, wie ihn unser kleines Dors wohl selten gesel>en hat, bewegte sich gestern nachmittag nach unserem stillen Friedhof. Bon nah und fern waren Die TraucrnDen herbeigeeilt, um Dem weit über Die Grenzen unjeres Kreises AlssclD hinaus bekannten unb verehrten Altbürgermeister Heinrich Bräunt n a III. Die letzte Ehre zu erweisen. Pfarrer Siebeck-Merlau schilDerte auf Grund von Lukas 12 Vers 40—44 den Verstorbenen als einen treuen Gatten unD frommen Hausvater, als einen großen FrcunD Der KinDer, obgleich er selber kin- Derlos war. als ein eifriges unb treues Mitglied Der Kirche, Des Kirchenvorstandes und Des Dc- kanatsausschufses, als einen hilfsbereite.: unD pslicl t- trcucn Beamten, Der 22 3 .hre lang Das schwere und verantwortungsvolle Amt eines Bürgermeisters in hiesiger Gemeinde versehen und Dieses Amt auch in der Kriegs- unD Rachlricgszeit mit ihren ga.iz besonDcren Aufgaben unD Pflichten auf Das Gs- wifsenhafteste verwaltet habe, obgleich er, der 2Ute, sich schwer in das Neue habe finden können. Als beionderc Verdienste Des Verfto'bLncn hob Der Geistliche Den Ankauf Des Flensunger Hofes mit seinem umfangreichen AckerlanD, Das wieDer an geringe Leute verpachtet wurDe, unD die Errichtung des neuen unD stattlichen Schulhauses hervor. Seine Bemühungen um Die Erbauung eines neuen Gotteshauses feien leibet infolge Kriegsausbruches ahne Erfolg geblieben. Der Kriegeroereln ehrte Den Verstorbenen Durch Die Abgabe von Drei Ehrensalven am offenen Grab. Der Vorsitzer de Des Vereins, Kaufmann Langohr- Mücke, geDachte Der Verdienste Des Heimgegangenen. Für Den Sckul- oorftanD sprach Lehrer Bach. Er feierte Den Verstorbenen, Der früher selber lange 3ahre Den Vorsitz im SchuloorstanD führte, als einen treuen Freund unD Mitarbeiter auf bem Gebiet des Schulwesens bis zum letzten Atemzug, als einen Mann von reichem Missen unb großer Lebenserfahrung, als einen eifrigen FörDerer Der Volksbildung unD 3"^end- pffeae, Der an allen Veranstaltungen auf Diesem Gebiet teilnahm und seine wertvollen Funde aus der Steinzeit in den Dienst der Mmatpflege stellte. Der es aber auch nicht verschmähte, wenn die Not an den Mann ginn, die niederen Arbeiten eines Schuldisners zn verrichten, nm so feinen Gemeinbe- glieDcm ein rührendes Beispiel von Dienender und helfender Nächstenliebe zu neben ohne Lohn!; ' i nach dem Vorbild feines göttlichen Meisters. Kränze wurden niedergeleat vom OrtsoorftanD, vom Kriegerverein, vom Schulvorstand und vom Frauenverein. Die Gemeinde wird ihrem früheren 'Bürner- meister. Der beinahe ein ViertelicchrhunDert fein Amt mit seltener Treue führte und stets einstimmig aus der Wahl hervorging, allezeit ein ehrendes Gedenken bewahren. cp Lchrbach, 14. Dez. 3n i>?n letzten Sagen hatte auch unsere Autopost- linie n a ch Kirchhain unter der ilngunft Der Witterung zu leiben. W^nn bet Wagen auch Autoverkehr nutzbar zu macken. Bei nasser oder vereister Fahrbahn wird dieser Weg immer noch große Anforderungen an Die Geschicklichkeit Umsicht Des Krastwagenführers stellen. ld. Aus Dem D o g e l s b e r g, 14. Wirtschaft. • Vorübergehende Schließung Der Schuhfabriken im Frankfurt er Bezirk? Die Lage der Scynhsabriken in Frankfurt und Offenb'ch a. TS., ist, wie auch in den übrigen Schuhindustrie «nt-ren des RricheS, un- . befriedigend. Fast überall ist man gezwungen, starke Einschränkungen vor^unohme'a. Gearbettet wird fast überall nur noch drei bis vier Tage in der Woche, lieber Weihnacht m und Reujahr ber.b^ichtlgt man sog er, wie von einer maßgebenden industriellen Persöalich^it versichert wirb, auf zwei bis drei Wochen die Fabriken ganz zu schließen, ©nilafiungm vor 10 bid 20 Prozent ber Delcg'chift wurden i:b rall durchgeführt. Die Hers! llungskosten und die Unkosten finb so hoch, daß b?i Den gegenwärtigen Preisen sämtliche Betriebe ni-rt nur » re Gewinn arbeiten, sondern zum Teil soguc mit erheblichrn Verlusten. Gin. nennenswerte Preissenkung auf dem Häutern rtl wir) durch die regellosen Zustände uni) bie fehlende Zu chlagspfttcht ver° hindei-1 Die Luxuäsleuer wir.l sich um so nach- nachteiliger au , als d-adurch die Einjuhr französischer und belgif^cr Wrren stark begünstigt wird. Fi-ühjcchrsauftrüge laufen nur in Heinen Posten ein. ' Fusionsversammlung im Miag- Konzern. 3m M.ag-Konz^rn tagten gestern in Frankfurt a. M. bie fünf zur Fusion gelangenden Gesellschaften Amme, Giesecke & Kv- drei- ober viermal mit Verspätung eintraf unb abfuhr, so muß doch a.nerSamtt werden, daß er die z. T. bei Schnee unb Frost rricht leicht befahrbare Strecke überhaupt bewältigte. Man hat doch den aroßen Vorteil einer bestÄhrnden Verkehrs- erleiichterung allgemein dankbar begrüßt und vielfach in Anspruch genommen. — Am 7. Dezember war gerade ein Zahr verflossen, seitdem ber hiesige Posaunenchor und Musikverein ins Leben gerufen wurde. Unter der bewährten Leitung seines Präsidenten und Dirigenten Martin Decher hat er schon deS öfteren zur Erhöhung der Feierlichkeit, zumal an Den hohen kirchlichen Feiten, beigetragen. Am Jahrestag wurde Philipp 3unk zum Schr.ftführer unb Franz Otto zum Hcdyner gewählt. Für daS kommende Frühjahr wurde die Veranstaltung eines Famiftenabends beschlossen, der unter anderem auch dazu dienen soll, der Sache neue F-reunde zu werben. — Dieser Tage haben verschiedene Trupps von Bärenführern unser Dors passiert. Die Tiere Hauben sich durchschnittlich in einem guten Zustand. Sie erfreuten durch ihre Künste zumal die 3ugenb unb brachten dadurch sich selbst. Wie auch ihren Führern, mancherlei willkommene Gaben ein. Unter ben 14 Bä ren, bie hier durchkamen, befanden sich auch zwei oder drei, mit denen nicht zu spaßen war. Es kam indessen niemand zu Schaden. Starkenburg. * Darmstadt, 14. Dez. 3n einem Hause der Ludwigshöhe las ein junger Mann nachts bie Zeitung, bis das Gas, das ber ©afautomat spenbele, verbraucht war, drehte aber ben Gashahn nicht zu unb schlief ein. Am anberen Morgen setzte ber Hausherr ben Gasautomat wieder in Betrieb: Daraufhin strömte das Gas in bas Zimmer bes jungen Mannes, ber erst nach längerer Zeit bewußtlos aufgefunden wurde. Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg, doch mußte ber junge Mann in bas Krankenhaus gebracht werben. Preußen. älreis Wetzlar. XX Wetzlar, 13. Dez. Die wachsende Be- Dcutung, welche Der Spar- unD Bauoerein im Leven unserer StaDt erlangt hat, Drückt sich nickt allein in Der stattlichen Anzahl von GebäuDen aus, die im letzten Lahczehnt entstanden ist, sondern sie usfenbart sich auch in der Teilnahme an seiner alljährlichen Hauptversammlung. Letztere wurde diesmal vom stelloerirctenden Vorsitzenden, Direktor Ley, geleitet. Nach der Rechnungslegung stehen einem Vermögen von 119 489 Mk. die Guthaben ber Mitglieder mit 41 851 Mk., Spareinlagen 1800 Mark, Rücklagen 4385 Mk., Hypothekenschulden i 15 445 Mk., Darlehnsschulden 50113 Mk., sonstige ! Schulden 2898 Ml. gegenüber. Der Reingewinn 'eziffert sich auf 2986 Mk., so daß der Ausgleich . hergestellt ist. 3n das neue Geschäftsjahr wurde der c lte Mitglicderstand — 800 mit 894 Anteilen — übernommen. Die ausscheideuden Dorstandsmit- güeber wurden wiedergeroählt, an Stelle des Auf- iicktsratsmitgliedes Poppe wurde Schlosicrmeister Mangerfen in ben Aufsichtsrat berufen. kz. Wetzlar-RiebergirmeS,13. Dez. Der hiesige Evangelische Kirchenchor ber Christusgemeinbe brachte heute mittag in ber Christusrirche, bie von Besuchern überfüllt war, die vollstümliche R a.ch mittags- [ antatc „D i e heilige Rächt", von Karl I Selffert, bestehend aus Männerchörcn und ®e- 1 -äugen für Gemischte Chöre, Sologesängen unb Znstrumentalvorträgeu. zu Gehör. Cs toar.n rechte Weihnachtsklänge, bie bas Gotteshaus erfüllten, bas vom Chorraum her von zwei großen br?nmn)en Wechnachtsbaumeu beleuchtet wurde. Oben auf der Empore staub vor Der großen Orgel, bie von Seminarmuftilehrer Otto Theiß in meisterhafter Weise gespielt wurde, der an 100 Säng.r.r zählende Kirchenchor unter der bewährten Leitung von Lehrer Merlau auS Wehlar-2Iiedergirmes. Der Kirchenchor besteht etwa 2 Zahre, unb er hat sich in bieser Zeit, was ihm zum Lobe gesagt werben muß, zu einer beachtenswerten Größe eniporgcarbcitet. Außer Seminormusitlehrer Theiß waren bie Mitwirkenden Mitglieder bes Chores. Die einzelnen Solisten, Frl. Elisabeth Kellner (Sopran), bie Herren Fritz Reuhahn und Karl Steinbach-Bariton wurden ihrer oft recht schwierigen Aufgabe voll unb ganz gerecht: selbst Die ft*; le to?, ®«S. $i, w Ä I>|. 'vrben Hz. bt- .‘SÄ betgtitJ «^"dsrebisor ‘•ts® eaS gegrnüber dem 23 Millionen X von 19 MI- ist y psguhen, Jie beträgt liebet den Ofrr- : b^^ÄchastttageL >bAte DanlvorsiLid ^stand R. Stamm N^onten tefetietlc öcnöen die fleihige 2e- 'tunz empfahl. Serichtj. °lahl hielt dann eine;i ertungsfragen", der Anregrnz bot. Mrg.'r- OQRlte der JollZbanl für t, die sie zum Dohle twn it entfalle. M 3m Anfchlllh an eint Des hiesigen 2htt/ih abend im Heinen Saale bei nem erweiterlen J?reis Sc- chten ber hiesigen AcMe- Z statt, tebirtfior Ged- ier/ornrnlllng unb erläuune n.ZurLinbetun- btt in Geme'Mail mit ben r Defchafstmtz bet für 'Baugetber ein be|onbtn: ber mitten in ben Fels zu führen schien. 3n welcher Gegenb bie Höhle lag, ließ sich bei ber bichten Finsternis nicht einmal vermuten. Sicher war nur, baß ringsum riesige Berge aufragten, bie sie in phantastischer Form wie Mauer unb Zaun umfchloisen. 3n bie)"em ungeheuren Kessel war es baher ganz toinbftid", unb ber Echnee- teppich schmiegte sich so weich an bie Füße, baß man kaum seine Kälte spürte. Uebrigens war man nach wenigen Schritwu im Trockenen, ba aus Gewölbe der Höhle bachartig über ben Saum- pfab vorsprang. Der Eingang erweiterte sich nach unb nach slaschenartig, bie Wänbe wuchsen höher unb höher, bis sie eine wette, bomartige ©rot e bilbeten, unb hinten, tief im Grunde dieser Grotte, gewahrte man einen matten Schimmer. „Habe ich die Ehre", fragte beklommen Kunigunde, die nie die Etllette außer acht ließ, „mit dem großen Einsiedler zu sprechen? 3ch bin die Kai ecin Kunigunde, unb bas finb meine Reifegenossen." „Den großen Einfiebler?" wiederholte die Rachteule wie ein schauriges, Echo, indem sie ihre runden, gelben Augen ausriß, bie wie Wonbe waren unb ein wenig das Dunkel erhellten. „Rein, meine liebe Frau, ober Kunigunde, wie Sie es lieber haben. 3ch bin bloß Huhu, die Rachteule bes großen Einsieblers, sein Freunb, seine Leibwache, unb von 3hnen habe ich noch nie etwas gehört. Eurer ©naben Reisegenossen bünken mich etwas laut für einen Ort wie diesen, unb überhaupt habe ich Befehl, niemand vor- zulafsen." Kunigunde fing an zu gittern. Vor dieser Eule, die sie mit zwei gelben Monden anstarrte, wurde sie ganz Nein. „Aber vor der Abreise," Rammelte sie, „im letzten Augenblick noch, hat mir Pelzmärtel insgeheim anvertraut, daß---" „Pelzmartin? — Das ist etwa- anderes. Wir finb hier noch in feinem Reich. Kommen Sie nur Here n! Bitte sehr!" Die Rachteule trat zeremoniell aus bie Seite unb lub sic mit einer Verbeugung in bie Höhle ein. Alles brängte nach, auch die brei Störche, benen gleich eine liebe Lleberraschung zuteil werben sollte. Huhu setzte seinen nächtlichen Rundgang fort. «egen A.-G. Braunschweig, Hugo Greffenius Ä.-D. Frankfurt a. M., Kapler Maschinenfabrik L-G. Berlin, Maschinenfabrik un) Mühlen-An- palt und Maschinenfabrik 21. G. Seck, Dresden. Nach recht langwierigen Verhandlungen, in denen man sich lange nicht über das Ilmtaufd)* Verhältnis der Aktien einigen konnte, wurde schließlich doch die Fusion der fünf Gesellschaften einstimmig ar.g:n>mmcn. Die Miag genehmigte dann in ihrer außerordentlichen Ge- neralver'ammlung die fiur Durchführung der Fusion in chrem Konzern erforderliche Kapitals- «rhöhung um 6,5 auf 12 Mill. Mk. und die notwendigen Satzungsänderungen. Das Ilmtauschverhältnis ist 5 Aktien der Mühlenbaugesellschaften zu je 50 Mk. gegen 2 2lktien Der Miag zu je 100 Mk. * Konkurse und Geschäftsauffichten. In der Zeit vom 1. bis 15. November waren im ganzen Reichsgebiet 614 Konkurse (Zunahme gegen Oktober 18,8 Prozent) und 441 Geschästs- oussichten (Zunahme 72,9 Prozent) zu verzeichnen. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 15. Dez. Die Aktienmärkte fanden bei Beginn des Geschäftes eine unsichere und schwankende Haltung vor. Die Tendenz war nicht einheitlich, neigte aber zur Schwads. Man legte sich an der Börse größere Zurückhaltung auf, da heute die Prämienerklärungen für die Medio-Liquidationen fällig sind, deren Verlauf die Börse stärker beeinflußt, cklnabhängig von der durd)fchnittlichen Geschäftsstille konnten aber Sonderbewegungen registriert werden. So blieben z.B. deutsche Vorkriegsanleihen auf dem höchsten Kursstände des Vortages behauptet, vor allem Kriegsanleihe^ und Schutzgebiet-Anleihen. Die Festigkeit ist jedenfalls mit zurückzusühren auf eine soeben gefällte Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, die den amerikanischen Besitzern deutscher Schahscheine unabhängig von dem deutschen Aufwertungsgesetz Befriedigung aus dem beschlagnahmten deutschen Eigentum zuspricht. Die Meinung für Fr eigabewert e ließ infolgedessen wesentlich nach. Schiffahrtsaktien waren etwas rückgängig. Aach Schluß der ersten Dorsen- stunde beobachtete man für Montanwerke festere Kurse. Es erfolgten bereits Abschlüsse zu Ultimo zu Kursen, die um 1 Prozent höher lagen. Der Geldmarkt war weiter freundlich und völlig unbeeinflußt von den Medio-Liquida- Honen. Tägliches Geld I bis 9 Prozent, Mv- natsgeld 91/, bis 11 Prozent. 3m Devisen- verkehr liegt Paris gegen London weiter schwach mit 135,50. Warschau ging gegen Kabel auf 11 zurück. Bardisch? Valuten lagen ermäßigt. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in London 20,37, Amsterdam 59,25. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 15. Dez. Tendenz: Unregelmäßig. — Die Börse war auch heute nicht ungünstig veranlagt und für einzelne Aktiengruppen weiter unternehmungslustig. Bei etwas regerem Geschäft eröffneten die meisten Werte des Grohver.ehrs durchweg befestigt. Die vertrauensvolle Stimmung fand durch einige anregende Momente eine Stütze, nicht zuletzt durch die nunmehr einer Lösung Börsenkurse. Frankfurt a.M Berlin bd)lu > bli. f. bJj.ng. lilnsana Kur-. txitr*' kinr> 1 . . Dienm: | 14. 1? 15.12 11 12 15 12 5°/. Deutsche RclchSanleihe U.228. 0.228 U.217> 0.23 4°/0 Deutsche NeichSanleihe — 0 232 > O.C4 3'/8°/o Deutsche Reichoanletbe I) 2 — 0 23.1 0.24 3°/, Deutsche NeichSlnIeivr 0.1 — II 330 0,3.5 Deutsche Sparvrämienanleihe 0 12 — 0 1? — <% Preußische KousolS . . • 0 21 — U 23 0 2325 *°o Hellen......... — — 0.17 — 3>/»•/« Hessen.......... 3% Hessen........... — — — — >.185 0,19 — Deutsche Send. Dollar-llni. W,25 J1 7. — dto. Doll.'Schatz-Lnrrettllg.'l 9> — >8.2 — <®/o Zolltürken ....... 5% Goldmerlkaner ... . 8 35 8.875 8.3 — 42.25 42 - Vcrltner Handclkaesellschast Commerz, und Pckvat-BLnk 95 "e — 140,5* 9-7.5* 39 5* 97* Dnnnst. und 'Jiaiionalbant • iir 107’ 107.2* Deutsche Lank....... «08.2* 109. ’ 108 -* Deutsche BercmSbank .... 6i — — — Disconto Lovunandtt 10'. 5* — 105,7* 105 5* Metallbant......... 72 5 89 5* 72 — * Mitteldeutsche Treditbank. . Lesterreichische Cerditaostalt 89.5* 90* 89-75’ 6 6 6 4 ti 5 6.13 Westbank ....... 0,03 u,03 — —• Bochumer Huh ....... - 75.25* 55,7.* Buderus • . ......... 31.62 31.25 31 — Caro ............ :-8* 39 5* 1 .5* Deutsch-Luxemburg ..... 63.5* — • 63 25* 63.5* 'Aclsenlirchener Bcrawcrle. . Harpcner Bergbau...... aahroerte AschcrSlebeu.... 68* 69* t>8 7.5* 6V.4- ?8* 93- 98 5* 96 75’ ’OO 25 HMJ lOO 9 ICO 75 Kaliwerk Westeregeln..... 104 25 103 5 rauradültc ........ 27.5 28 29,75 Obcrdedarf .......... 45.5* 44.75* Phönix Bergbau..... . 61.5* 65,25 5.5 13" 65.13* Styeinuabl . . ........ 53* 54' 53.5* NiebeN Montan...... . 64 64 5 66 Tcllus Bergbau. ...... 41 _ Haindurg-Amerlka Paket. . . Norddeutscher Llovo 92 62' 91 ü* 90.62* 93 a * 9*>.75* 9.5.75* 91.25* 3.75* Lheramikche Werke AlbiA . . 'iementwcrk Heidelderg . . 61.5 64 5 Pbilivv Holzmunn ..... 41.5 41.75 41 75 Snglo-Tont.-Guano ..... — — 69.75 Badische Anilto ....... Chemische Maver Alapbk . . 110,7* HO* 11 ,.5* '■ 10* —■ Goldschmidt ...... 56 5 67 57.2’ 56 Kries cimer Clcckrov .... 199.2* 109.5* 1:9 2* Höchster Farbwerke...... ID* 19 2* 119* 110,5* Holzverkobluna........ 41 — Nütgerswerke ........ 50* — 50,75 50,75 Scheideanstalt ........ 77,75 77.25 - «llg. Elekrrüttäts^esellschaf, 93.75* — 91* 93 25* Bergmann . . Mamkraftwerke ........ 69 67.25* Schlickere...... . . . . Siemens A Halske ...... -0.75° 59 75* 59.75* 74* — 74 25* 74* Ädlerwerke cktlcyer ...... 2» 2' 23 75 24 Daimler Motoren. ...... 24 24 6 21 24.5 Heyliyenstaedt......... 16.25 — ’Oi'eauin............ Motorenwerke Marmbeim . 27 — 30 •— — — :.3 — Sronffattcr «rmarnren . . Konservenfabrik Braun . . 20,25 *— Metallgcsell chaft Frankfurt • Pct. Union A.-G...... 84.75 öl 85 51 50,5 —• Schubiobrik Her^ ....... — — — Sichel. . ......... 1 75 — — —• ßeUftoff Walddof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Baabäufc! . . . 84.75 11 5 35.4 81 ' 41-5 35 23 83.8 35 11 1 entgegengehende Regierungskrise, sowie durch die Wiederaufnahme der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen. Die gün'iige Strömung wurde stark beeinträchtigt durch die sich fort- setzende Realifationsneigung in Schif- f a h r t s a k t i e n, die mit weiteren Kurseinbuhen verbunden war und bei Hapag und Aordd. Lloyd zu Kursverlusten von je 2 Prozent führte. Die unsichere Haltung war ferner begründet durch die schwache Tendenz der Chemie- Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegrapdilche Auszahlung. iOhne Gewähr.» 14 Dezbr. 15 Dez r. Llrntliche Noti runa Amtliche WotterunG <^eld Brie' (Veld Brief Slnnt.-JKou 168,54 168.96 168 62 168.94 Ull>n.-Atre^ 1.730 1, 42 1.737 1,741 19.065 Brll-Äntw 19.0 5 19.065 19 < 25 Chriskianta. 85.39 85.61 85,15 85.35 .1kovenhaa:n 104. 0 104 80 114 2/ 1'14,53 Skockbolm 112.25 112,53 112,25 112,53 HelhngforS 10.545 10.585 10.545 10,585 Italien. . 16 92 16.96 16.93 16.97 London. 20,342 20,3 2 20.34 20,39 Vteunork . - 4.195 4,215 4,195 4,205 Paris. . . 15,05 15.09 15.09 '6.13 Schweiz . <0,87 8! ,07 »1 87 81.07 Svanien. 59,1 59.57 59 33 50,47 Iavan . . . 'Nfo de Jan • .825 1,8’29 1.825 1.823 D.öbß 0.598 -) 597 1.599 Wien in D-- Lrst. obgest 59.12 09,28 59.155 59.295 Prag ... 12.418 12.458 12.418 12,45 Pelzrad . . 7.44 7.46 7.435 7,455 Budap.'st. . Bul-arien 5.675 6.895 5.875 5,895 3.045 .4,055 3.045 8,055 V'ffflbon 21.2-5 1.325 21 275 ZI ,323 Danria. - Konst ntin- 80 65 80.85 80 66 80.86 4,22 •2,23 2.225 2,235 Sltbcn 5 24 5 26 5 09 5 11 Canada. . . 4.19. <.20i 4 195 4,2 5 Uruguah 1,245 4.255 4.245 4.365 Banknoten. (Ohne Gewähr.) Berlin, 14 Dczbr Geld Brief Amerikanische Viole» ..... «.215 4.235 Belgische Noten ....... 18,d7 19,07 Dänische Noten ....... 104.31 101,86 Englische Noten........ 20.205 20,405 Französische Noten ...... 15,01 15 09 Holländische Noten ...... 168,15 168.M9 Italienische Noten ...... 16,'N 16.98 Norwegische Noten ...... 85.24 85 66 Deutsch-Vesterr, 5100 Kronen 58.97 59.2? Rumänische Noten...... — Schwedische Noten...... 111,99 112.55 Schweizer Noren ....... 80,79 80 99 Spanische Noten....... 59.15 59 45 Tschechoslowakische Noten . . 12.385 12.445 Ungarische Noren....... 5.82 5.86 Aktien, die etwas unter Angebot zu leiden hatten, doch hielten sich hier die Kursrückgänge in engen Grenzen. Montanwerke konnten Besserungen bis zu 1,5 Prozent erzielen. Auch Bankaktien lagen ziemlich fest, desgleichen Elektroaktien. Autoaktien waren gehalten. Zellst osfaktien erfuhren weitere kräftige Steigerungen. Zuckeraktien bewegten sich auf der gestrigen Basis. Der K a f f a m a r f t der Industriepapiere wies bei lustlosem Geschäft keine wesentlichen Kurskeränderungen auf. Das Anleihegeschäft erfuhr eine neue ansehnliche Belebung. Obwohl sich Kriegsanleihe anfangs auf unverändertem Kursstände bewegten, wurden Schutzgebietsanleihen und Preußische Konsols bei stärkerem Begehr wesentlich fester. Am Auslandrenten- markt spielte sich die Hauptgeschäftstätigkeit in türkischen Renten ab. Die Kurse zocen weiter an. Auch für Ungarn erhielt sich Interesse. Der F r »i v e r k e h r lag lustlos. Api 0,38, Benz 25 Prozent, Drown-Doverie 63 Prozent, Entreprise b Proz., Growag 37 Proz., Krügers- Hall 72,5 Prvz., U.a 51 U terfränken 50,5 Proz. Der weitere Verlauf brach e eine Stockung in das Geschäft, das eine lusllo.e Haltung annahm. Während die Aktienmärkte allgemein in schwacher Haltung verkehrt.n, k».nnten sich für Türkenwerte und heimische Anleihen der feste Unterton bewahren. Am Geldmarkt ist die Lage mit Rücksicht auf die Medio-Liquidationen stark angespannt. Tägliches Geld war sehr gefucht, der Satz wurde deshalb um 2 Proz. auf 10 Proz. hinaufgesetzt. Monatsgeld 9 /, bis lP/2 Proz. je nach Adresse. Danc-Distontea 7 Proz., Industrie-Akzepte 9 Prozent. 2m Devisenverkehr wurde die anhaltende Frankenbaisse stark beachtet. Paris war gegen London starken Schwankungen unterworfen und stellte sich auf 133,60 bis 134,80. Die übrigen Valuten waren unverändert. Märkte. Berliner Produktenbörse. Berlin, 14. Dez. Nachdem am heutigen Vormittag durch etwas freundlichere Berichte von den Auslandbörsen die matte Tendenz der letzten Tage irn Berliner Produktenhandel wieder anzog, enttäuschten mittags bei Beginn des amtlichen Verkehrs die aus Liverpol eintreffenden Kurse. Im Weizen lagen die Eigner recht oorsichlig, so daß eine geringe Preisbesserung sich durchsetzen tonnte. Für Roggen mangelt es vollständig an Kaufkraft, während andererseits ziemlich umfangreiche Offerten vorlagen. Im Zeithandel waren wieder Frühjahrssichten unverändert, lediglich eine Besserung für Mai veranlaßt um 3 Mk. befestigt. Für Weizen hielten sich die Steigerungen durchschnittlich auf der Basis von 1—1,50 Mk. Gerste unbeträchtlich verändert. Hafer ruhig, Mailiefn-ing um 1 Mk. Ski hWNIikl kW! höher, Mehl bekanntlich sehr ruhiges Geschäft. Auch Futtermittel still. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, märkischer 249—254, pommerscher 252 bis 257, Dezember 257,50—258,50, März 265,50, Mai 268, Roggen,märkischer 147—153, Pommern 150—156, Dezember 164—167, März 178, Gerste, märkische 188—214, Futtergerste 154—166, Hafer, märkischer 163—173, Dezember 166, März 180, Mai 189, Raps 360—365; es wurden notiert für je 100 Kilo: Weizenmehl 32,25—36,25, Roggenmehl 22 bis 24,50, Weizenkleie 11,25—11,50, Roggenkleie 9,75—10,20, Viktoriaerbsen 26—32,50, kleine Sneife« erbsen 22—24, Futtererbsen 19,50—20,50, Peluschken 17—18, Ackerbohnen 20—21, Wicken 21—23, Lupinen, blau 11,75—12,75, Lupinen,gelb 12 bis 14,50, Rapskuchen 15—15,25, Leinkuchen 23,60 bis 23,80, Trockenschnitzel 8,30—8,50, Torfmelasse 7,70 bis 7,80, Kartoffelflocken 14,70—15,20, Sona-Schrot 21,80—22. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 15. Dez. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer 24,50 bis 24,70, Roggen, inländ. 17,50 bis 18, Sommergerste für Brauzwecke 22,50 bis 25, Hafer, inländ. 18,75 bis 22, Mais, gelb 21 bis 21,50, Weizenmehl, inländ. Spezial 0 41 bis 42, Roggenmehl 27,25 bis 27,75, Weizenkleie 11,25, Roggenkleie 11,25. Tendenz ruhig. Tabletten BF/Wi NfA lnoll-n Apotheken u. aBr Drogerien 2)11.1.— für Äanxer, Raucher ————*■——=—1— cirwM— i Mniia mb r Cafe Amend Am Mittwoch, dem 16. Dezember Großer Operetien-Abend mit verstärkter Hauskapelle! Ii759c Stadtthearer-Abonnenient Die Einlösung des dritten Abschnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag, hat dritte 20 Mk. und 1. Rang 15 und 1. Rang 10 und 2. Rang Eine Einlösung an der Abendkasse erfolgt nicht. (Vorderplatz) 2. Rang (Mitte) 2. Rang (Rückplatz) erfolgen. Die zu zahlende Rate beträgt für: Proszeniumsloge, Rangloge und 1. Rang (Borderplatz) 1. Sperrsitz (Mitte) S. Sperrsitz (Rückplatz) 0. Sperrsitz am Mittwoch, den 16. und Donnerstag, den 17. Dezember 1925 in der Zeit von 3 bis 5 Uhr nachmittags an der Kasse in der Vorhalle des Stadttheaters zu 8 „ 5 „ 4 „ Tages- und 117216 Gießen, den 12. Dezember 1925. Der Oberbürgermeister. I. V.: K l i n g s p o r. Morgen Mittwoch suppe Resteiotm Bm-BräelMieftedi Besitzer: M. Betzold. 11754p Bekanntmachung. Betrifft: Die Viehmärkte in Gießen. Infolge ausgebrochener Seuche können die für Dienstag, den 22., und Mittwoch, den 23. Dezember 1925, vorgesehenen Vieh- märkie nicht stattsinden. l 17008 Die Wiedereröfsrtung der Märkte wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Gießen, den 15. Dezember 1925. Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor. Frische WM treffen Mittwoch. Donnerstag und F-reitaa früh biliiaft ein. 11767c G.Mlehii» Baunhofstrabe 59, Telephon 66. Reformkorsetts Reformleibchen WWOW auch für Harke Damen in nroncr Auswahl. 09880 Warme Leibbinden Betontes 5 Kreuzplatz 5. Hansa Handelsschule /. Kunzeimann Oteßen, Bahnhofstr 60 vorm. Hermes Neue Kurst 4. /anuar. 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