Rr. 137 Erster Erscheint lägld), außer Sonn» und Jeurtagt. Beilagen: (Bie^enet Jcmilier blätter Heimat im Bild. inonats-tejuf speis: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfprech-Anschlüfse: Schriftleitung 112, Verlag undGeschäft»stclle51. Anschrift für Drahtnachrichten SnzelaerSietzen. Postscheckkonto: granffurt a. M. 11686. Blatt 175. Jahrgang Montag. 15. Juni 1025 General-Anzeiger für Gberhessen vri'ck und Verlag: vrühl'sche Univeri täi§-Vuch- und Sleinörudcrei R. Lanze in Liehe i. 5chriftteimnz und Gesch^fi5'le2e: SWfriM 7. Annahme vei Anzeigen fürbte logesnummcr bi« zum Nachmittag vorher obnejebe*i»crbinbhd)hciL Preis für 1 mm ftöde für Anzeigen von 27 mm fBtitteorthebS.au-jmdrl« 10 (Bolbpfennig; für Re» lilame-An eio.en v 70 > m Breite : 5 i o.^pfennia, D> '.uorschli t » *?luf- fdj.ai. - BerantworOich für Politik «. ‘ eu'llefon: 3. D.: Er hard Evrrr; slir ten nbiiqcn Teil: (lr fl 13hi't v.'s.. 91r-. ccA.V. ‘.Tedt, Painleve an der Marokkosront. Schwierige Lage der Franzosen. — A wachsen der Unabhängigkeitsbewegung Wahrend die französisch-spanische Konferenz zum 17. 3uni nach Madrid einberufen worden ist, um über die Grundlagen einer gemeinsamen Bekämpfung Abd el KrimS zu beratschlagen, und während Primo de Rivera grohe Vorbereitung für die Landung spanischer Streitkräfte in der Ducht von Alhucemas trifft, hat daS Direktorium den bekannten Schiffsreeder Gchevarrieto als Unterhändler zu Abd el Krim geschickt. Daß den Spaniern viel an einem fr redlichen Uebe reinkommen mit dem Führer der Rifkabylen gelegen ist. geht auch daraus hervor, daß das Direktorium keine Gcldopser scheuen will, wenn es gelingt, damit dreseS Ziel zu erreichen. Diese FriedrnSneigung der Spanier scheint für Abd el Krim gerade im jetzigen Augenblick recht bedeutungsvoll zu sein, da sich für ihn aus der Tatsache eines starken spanischen Angriffes sicher starke Rückwirkungen auf die Lage an der französisch-marok'anischen Front ergeben würden. Auch der Bericht, ten Marschall 2t) a u t et) seinem Kriegsminrster über die Lage gegeben bat. kann nicht darüber Hinwegtäuschen. bah für die französische Front die unmittelbare Gefahr besteht, von den Truppen Abd el KrimS durchbrochen zu werden, und daß diese Gefahr auch nicht durch die Konzentrierung von Artillerie, Flugzeuggefchwadern und anderen technischen Hilfsmitteln beseitigt werden kann, weil die Unsicherheit und ünruhe der Stämme hinter der franzöfifclzen Front für Abd el Krim eine wertvoll.' Unterstützung bedeuten. Man kann deshalb verstehen, daß Painlevö bei dem Empfang durch den Sultan in Fez betonteren Wert auf die Versicherung legte. Marokko unterstehe in formell st er Weise der Souveränität des Sultans und Frankreich habe diese Souveränität aufrechterhal- ten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß das Ansehen, das sich Abd el Krim durch seine Erfolge über die Europäer erworben hat, bei den marokkanischen Stämmen weit über das dieses Sultans von Frankreichs Gnaden hinausragt. Die Wirkung der Propaganda Abd el Krim» unter den Stämmen hinter der franzötitchp" Front wird also dadurch nicht abgeschwächt ober gar unterbunden teerten können. Die grobe maurische Unabhängigkeitsbewegung ist mehr und mehr im Wachsen begriffen und gegen fie durste auch Lyauty trotz seiner neuzeitlichen Kriegsmittel nicht gewachsen sein, wenn es Frankreich nicht gelingt, die Unterstützung anderer Mächte zu gewinnen. Vielleicht wird auch England seine Uninteressiertheit an der Marokco- angelegenheit nicht weiter aufrechterhalten, da ein Sieg Abd el KrimS ja indirekt auch eine Gefahr für das britische Weltreich bedeutet. Die Besorgnisse. die in der englischen Presse jetzt häufiger über einen Sieg Abd el Krims geäußert werden, deuten daraufhin, das) England über kurz oder lang Mittel und Wege finden wird, sich Seite an Seite mit Frankreich und Spanien an ter Niederwerfung Abd el Krims zu beteiligen. Painlevös Inspektionsbefuch. Paris. 13. Juni. (Wolfs.) Ehe Ministerpräsident Painleve an die Marokkofront abgereift ist. hat er an die Presse folgende Erklärung gerichtet: Wir Franzosen werden niemals das schon begonnene Werk der Zivilisation aufgeben. DaS wäre ein Verbrechen. Ebenso tote ich es dem Sultan wieterholt habe, nachdem ich es in der Kammer erflärt hatte: Ganz Frankreich erhebt sich zwischen dem Oucrgbagebirge und Fez gegen den, der einen Einfall machen will. Gr habe sich lange mit Lvautey über die militärische Lage unterhalten. In den nächsten Tagen werte er persönlich die drei Führer der Truppen treffen. In naher Zukunft werte man wahrscheinlich den W a s s e n s ch m u g g e l unterbinden. Es fei noch feine offizielle Besprechung mit Spanien eingeleitet, aber Die Vorbedingungen wiesen darauf hin. daß diese Besprechungen mit aller Herzlichkeit und. wie er ltosfe. mit voller Wirksamkeit vonstatten gehen. Darauf hat. wie offiziell auS Fe§ berichtet wird. Ministerpräsident Painleve die für das Oucrgbagebiet getroffenen Dertcidigungsmaßnah- men geprüft. Er hat alsdann verschiedene von Fez besichtigt. Heute besuchte er die Gegend teile sowie die Flugzeuglager und das Hospital von Fez besichtig. Heue besuchttte er die Gegend von Safran und Ouezzan. PainlevL auf der Rückreise. Paris. 15. Juni. (TU.) Painlevö hat gestern nachmittag im Flugzeug Rabat verlassen, um nach Paris zurückzulebren. In Malaga erfolgte eine Zwischenlandung. Dor ter Abreise fand ein Kriegsrat statt, an dem Marschall Lyautey und die Frontkommandaten teilnahmen Anschließend wieS Painlev4 in einer Erklärung an die Pressevertreter daraus hin. daß die wichtigsten Ergebnisse ferner Inspektionsreise selbstverständlich ter Regierung und dem Parlament Vorbehalten werden müßten. Immerhin könne er folgende Feststellungen machen: Die Kämpfe zeigten eine starke Aebnlichkeit mit Dem europäischen Kriege, spielten sich aber in einem gröberen Rahmen und bei kleineren Kampfeinheilen ab. Richt zu übersehen fei, oab man in einer Periode der Vorbereitungen stehe. Die neuen Verstärkungen hätten die Aufgabe. die Fronttruppen abzulösen. Mit Abd e l Krim könnten Verhandlungen 1. nach einer offenen Verständigung mit Spanien und 2. nach der Räumung der französischen Zone durch Abd el Krim geführt werden. Der Friede fei unmöglich, solange die Rls- leute in der französischen Zone bleiben. ES sei falsch, dasz die spänische Regierung den Franzosen verboten habe, den Feind in die spanische Zone zu versolgen. Frankreich habe ausdrücklich dieses Recht, habe aber davon noch keinen Gebrauch gemacht, weil sich alle Kämpfe innerhalb der französischen Zone abspielten. General Colomdard abberufen. Paris, 15. Juni. (TU.) Wie ter .Matin" auS Rabat meldet, wird General Eolombard. der Führer des Frontabschnittes Ouezzan. toabr- scheinltch abberufen, weil er bei dem letzten Vorst oh ter Rifleute ohne Grund die Zivilbevölkerung der Stadt zur Räumung beranlafct hat. Französischer Optimismus. den. Das Flugzeug-Geschwader werde verstärkt, außerdem sollen Fesselballons benutzt werten, die den Fliegern sehr zu flotten kämen. Heber die Stärke des GegnerS lauten die Auskünfte sehr widerspruchsvoll. Kanonen und Maschinengewehre hätten die R fleute nur sehr wenig. Der Unterstaatssekretär für das Flugwesen erklärte, daß die Risleute keine Flugzeuge besähen. Französisch-spanischer Zusammenschluß. Paris, 13. Juni. (WTD.) HabaS berietet au5 Mote'd: Die s.an.zösifchen und die spanifien Marinesachverständigen haben gestern in Madrid eine erste Zusammen- kunst gehabt. Das spanische Rordafrika- geschwader zur Ausfahrt bereit Paris. 13. Juni. (WB.) Wie die Abendpresse aus Gibraltar meldet, hat das spanisch? Rordasrika-Geschwader. bestehend aus Kreuzern. Torpedobovtszerstörern, Torpedobooten und Flugzeug-Mutterschisfcn. das gegenwärtig in AlgeciraS stationiert ist, auf funfentel?- graphischem Wege von General Primo de Rivera den Befehl erhalten, sich für seine AuSreise nach Rordasrika bereitzuhalten. General Primo de Rivera hat den Gouverneur von Al- geciras durch ein Kabeltelegramm davon in Kenntnis gesetzt, test er wegen dringender Ar- beiten sich nicht selbst nach Algeciras begeben könne, daß er jedoch am 28. Juni dorthin kommen werde. Paris. 15. Juni. (TU.) General Iac- guemo t gab vor seiner Abreise aus Rabat den Pressevertretern eine Darstellung ter Gesamtlage. Er sagte, militärisch standen die Marokko-Truppen ausgezeichnet da. Die Haltung ter Eingeborenen gäbe zu keinerlei Besorgnissen Anlaß. Bon jetzt ab sollen zur Unter- stühung ter Infanterie TankS verwendet wer- Eine Entscheidungsschlacht bei Kanton. Flucht der yunnanesen aus der Stadt. — Die Regierungstruppen Herr der Lage. ft a n (o n , 13. Juni. (WIB.) Sämtliche YÜn- nanefen haben die weihe Flagge gehiht und die Stadl fluchtartig in nördlicher Richtung verlassen. Sie wurden von Tausenden von ftanlon- Icutcn verfolgt, die zu diesem Zweck über den Fluh setzten. 3n den östlichen Teilen der Stadt sanden heute noch schwere Kämpfe statt, wobei etwa 100 Leute verletzt wurden. Der Sieg der Kantontruppen wird nach Reuter auf die Tatsache zurückgeführt, dah sie von russischen Offizieren geführt tourten. Aus der Kantonseite des Flusses befinden sich jetzt 10 000 Mann. Ihr Abzeichen ist eine rote Halsbinde. Gegenwärtig herrscht Ruhe. Geplündert wird nur wenig. Einige Plünderer tour- den von den Siegern erschossen. Man fürchtet, dah nach diesem leichten Sieg der bolschewistischen Soldaten die Erbitterung gegen die Ausländer noch steigen wird. Vordringen der Kantontruppen Paris, 13. Juni. (WTB.) Wie Havas aus Kanton berichtet, haben 3000 Mann der Kantonlr tippen den Fluh bei Wankau überschritten und sind gestern abend bei lungfo ge- Die französische Antwort. Paris, 15. Juni. (I. U.) Die französische Antwortnote auf das deutsche Sicherheitsangebot ist laut „Echo de Paris" dem Botschafter de M a ge r y im Berliner Auswärtigen Amt überreicht worden. In einer Besprechung der Vorteile, die Deutschland aus der Unterzeichnung des Garantievertrages erwachsen würden, weist „Echo de Paris" namentlich darauf hin, dah das A b - rüftungsproblem vollständig in den hinter- §rund trete. „Lre Rouvelle" glaubt zu wissen, dah le französische Regierung gegen eine allgemeine ftonserenz, wie sie von Berlin gewünscht wird, grunbiählid) keine Bedenken habe, vorausgesetzt, dag die deutsche Regierung vorerst mitteilen werde, ob und inwieweit sie die Anregungen als geeignete Verhandlungsgrundlage anssahl. Ueberreichung am Dienstag? Paris, 14. Juni. (Wolff.) Der „Petit Pa- risien" berichtet, die französische Note betreffend den Sicherheitspakt fei bereits in den Händen des französischen Botschafters in Berlin und werde am Dienstag der Reichsregierung überreicht. Die Veröffentlichung der Note erfolge 48 Stunden später mit allen anderen wesentlichen Dokumenten der Verhandlung, nämlich dem deutschen Vorschlag, dem ersten französischen Noten- entwarf und den zwischen dem Quai d'Orsay und dem Foreign Office ausgelaufnen Noten. Die französische Note umfasse fünf Schreibmaschinenseiten, bereu einzelne Absätze numeriert seien. Der Inhast laste Interesse daran erkennen, die Verhandlungen vor der Haupttagung des Völkerbundes gu einem Ergebnis zu führen, llebrigens erwarte Frankreich von Deutschland vor allem eine schriftliche präzise und vollkommene Antwort. Der „Petit Parisien" fährt alsdann fort; landet. Es habe sich ein Kampf im Osten von Tungschan abgespielt. Gestern seien diese Kampftruppen in die Stadt eingedrungen. Gegenwärtig spielten sich Kämpfe vor der Universität von Kwangtung, bei Tungschan und bei Sha- ineen ab. Vorsichtshalber seien die strategischen Punkte von Shamecn durch Sandsackbarrikaden geschützt. Doch erwarte man hier keinen Zusammenstoß. In S ch a n gl) a i sind 800 mandschurische Soldaten eingetroffen. Die Lage ist ernst, da die geringste Reibung zu fremdenfeindlichen Zusammen- stoßen führen kann. Neue Slreikdrohunqen. Die Gewerkschaft der chinesischen Seeleute in Hangkong hat in Erwägung gezogen, für die den indochinesischen und chinesischen Schiffahrtsgesellschaften gehörigen Dampfer vom 15. Juni an den Streik zu proklamieren. Sie drohen damit, den Generalstreik auszurufen. In Peking zogen Vertreter aller Geschäftszweige vor das Regierungsgebäude und forderten, daß die Regierung bei den Verhandlungen über die Lage in Schanghai feste Haltung bewahre. In Peking Herrscht Ruhe. Die italienische Garantie habe Frankreich in dem erste» Anlwortenlwurs vorgesehen. Man mußte sie in dem endgültigen Text angesichts der englischen Haltung beseitigen, was aber keines- wegs bedeute, daß nicht ein späteres Abkommen mit Rom ein neues Glied zu der Kette des Sicherheitsabkommens fügen könne. Deutscher Reichstag. 3n ter fortgesetzten allgemeinen Aussprache über ten Haushalt teS Reichsministers des Innern bespricht Abg. Koch- Weser (Dem.) zunächst die Plane einer Dersassungsreform. Ich bin, so führte er aus. der Meinung, dah die Weimarer Verfassung sich bewährt hat. Der Weimarer Verfassung haben wir es zu verdanken, wenn das Volk nicht in ten letzten Jahren untergegangen, die Wirtschaft aufrechterhalten und die Einheit des Volkes besser gewahrt worden ist, als es sonst in ten Zeiten der Rot unter ter Herrschaft der Fürsten ter Fall gewesen ist. Jetzt ist es notwendig. die Verfassung nicht abzubauen, sondern auszubauen. Wir brauchen jetzt nicht eine Der- sasfungsresorm. fontem eine Verwaltungs- reform größten Stils. D i e bayerische Denkschrift wird von ter Rechten zwar sehr schmeichelhaft besprochen, der bayerische Löwe will aber nicht nur gestreichelt fein, er will Futter haben. Wir müssen minbeftenÄ wissen. au8 welchen Re c^kompetenzen dieses Futter zusammengesetzt sein soll. Will man mit der Dersassungsreform etwa die Dolkssouverän.tät ausheben? Wir müssen mindestens verlangen, dah uns in einer Denkschrift gesagt wird, welche Dersassungsreform eigentlich erstrebt wird. Die Pläne teS Herrn v. K a r d o r f f auf Abschaffung des gleichen Gemeindetoahlrechts zeugen von einer merkwürdigen Ritterromantik und sind geradezu utopisch. W.r tonne.» eine selche Verfassung,.' -r- fonn u.cht m tmachen. Der R.'dner w : >ct sich dann ter bayerischen Denkschrift zu dr unterstützt entsch:7en ihre Forderung, die sich gegen bur aufrat schm Zentral s iuä w n :t. 7er Re chsminister des Innern H3!t: in schf'.f'ker sen. daß der LanteSau-nabmezustLnd tem dv • auLnahmez.stand vora >g ht -Or test da l a >e- r'che 5f'ntirt''cnt ter '> r ni • • ’ e Dauerns ('uftlmmuni au' e ’iaf'? T' r ■' ncr» wendet werden dürse. Unter feinet Umständen darf unser Volk jetzt buch eine Reuausrollung der Flaggen- frage wieder in neue heftige Kämpfe g c ft ü r u werden. Wir verstehen und t (en die Empfindungen der Herren, teixn die schwarz- toeiß-roten Fahnrn he lig find als S y m b o l für ruhmreiche Tradition. Heilig sind uns aber auch die Kämpfe für Deutschlands Einheit und Freiheit, die unter ter schwarz-rot-goldenen Fahne nach ten glorreichen Befreiungskriegen von ter deutschen Jugend geführt wurden, g.zen den Widerstand ter deutschen Fü-sten. He ll » sind unS die sch'.varz-rot-golden.n Farben, de i groß- deutschen Gedanken über die Reich, grenzen hinaus symbrl fieren. Abg. Petzold (Wirtfch. Vgg.) hält cS für auSnahmezustand vorangsht, ober daß das bai)c- altionäre Absichten unt- rzuschleten. Eine Heraufsetzung des Wahlalt erS sei eine unumgängliche Rotwendigkrit. Der Streit um die Flaggenfrage habe leider sehr üble Formen angenommen und vergifte schon die Jugend. Es war ein Fehler, nach dem Kriege die Flagge zu wechseln, eS wäre aber auch eine Wiederholung deS Fehlers, wenn jetzt schon wieder die schwarz-rot-goldene Flagge abgeschasst werden sollte. Wir sind dagegen, daß durch eine Volksabstimmung über die Flaggenfrage neue Erregung ins Volk getragen wird. Em allgemeiner Volkstrauerlag für das Gedächtnis unserer Gefallenen findet unsere Billigung. Wir würden auch die Einführung eines nationalen Feiertages begrüßen. Abg. Leicht (bat). Dpt.) wendet fich grundsätzlich gegen jede gewaltsame Verfassungsänderung, die nicht aufbauend wirken könne, sondern nur zur Katastrophe führe. Gerade weil die gewaltsame Aenterung der Versassung so unerwünscht sei, müsse man die Einsetzung eines Verfassungsausschusfes als notwendig und erwünscht bezeichnen. «Sehr rid)- tigl) Die Weimarer Verfassung könne nicht als unabänderlich bezeichnet werden. In ruhigeren Zeiten müsse die Weimarer Versassung o?hK- miert werden. Die Einsetzung eines Versassungs- avsschusses schaffe ein Sicherheitsventil für evll. entstehende Erregung. Es genüge nicht, die Länder mit Klammern zusammenzuhalten, vielmehr müsse das Fundament des Reiches befestigt werden, damit der Dau des Reiches feststehe. Die bayerische Denkschrift stelle nur ein Dokument dar. das zeigen solle, wie besorgt die bayerische Regierung um die Selbständigkeit Bayerns fei. Der Redner setzt sich dafür ein, daß ebenso wie es mit dem Antrag aus Abschaffung des Artikels 18 geschehen ist, auch der Antrag zurückgezogen werde, der sich mit der Flaggenfrage befaßt. Wenn die Flaggensrage jetzt aufgetollt werde, würde man ein Aus- einanderprallen der verschiedenen Gegensätze erleben, das in der gegenwärtigen schwierigen außenpolitischen Lage im Interesse des Reichs vermieten werden müsse. (Sehr richtig!) Die außenpolitische Lage müsse das deutsche Dolk zusammenschweihen: innere Gegensätze müßten heule zurücktreten im Interesse einer notwendigen Zusammenarbeit nach außen. (Beifall.) Reichsinnenminister Schiele: Aus ter Debatte hat sich eine gewisse Einheit des Zieles ergeben gegenüber dem Unerhörten, daS der Ration von außen geschehen könne. Es ist jetzt mehr denn je notwendig, daS Recht ter Selbstbehauptung und Selbsterhaltung ter eigenen Reichsverfassung und des Eigenlebens zu betonen. Wir werten in der nächsten Zeit zu Taten gezwungen fein. Darum müssen wir ten Glauben an die Ration mit heiligem Ernst empfinden und betätigen. Darum liegt mir heute nichts ferner als eine parteipolitisch zugespihte Polemik. Das ReichSinnenminislerium Hal in erster Linie die Ausgabe, der Wahrung der R ei ch S c i n h e i t. der Volkseinheit und der soziales» Einheit. Ich werde es als meine schönste Aufgabe betrachten, diese soziale Einheit gegen alle Spaltung-- uib Sander bestrcbungen zu hüten. Am allerwenigsten darf diese Einheit durch konfessionelle Frager gestört werten. Die Reichseinheit. das große Erbe Wilhelm l. und BiSmarcks, ist das kostbarste Gut, das wir aus tem Zusammenbruch gerettet haben. Diese ‘Betonung der Reichseinheit hindert uns nicht, im föderalistischen Sinne daS Eigenleben der Länder zu sichern. In ter jetzigen schweren Zeit steht im Vordergrund nicht die Frage der Staatsreform, sondern des Staatswesens. Di ses Staatswesen wollen wir gesund erhalten und verteidigen gegen alle Zudringlichkeiten von welchem Lager sie auch kommen mögen. Die Verfassung ist die Grunolage unseres Staates, aber sie ist kein ewige- Recht. Ich verwahre mich gegen die Annahme, daß ich Experimentalpolitik mit ter Verfassung treiben tvolle. An der bayerischen Denkschrift können wir nicht achtlos Vorbeigehen, auch wenn wir nicht jetes Wort darin decken wollen. Wenn wir im Sinne dieser Vorschläge zu rmer Dezen- tralisation der Verwaltung kommen, so bebrütet das nicht eine Schwächung, sondern ein» Stärkung des Reichsgedankens. Wir wollen durch ein verständnisvolles Zusammenwirken der Länder mit dem Reiche zu einem wirklichen einigen Deutschland kommen. Äach der Verfassung sind die Reichsfarben schwarz-rot-gold. Daraus ergibt sich von selbst, daß sie Anspruch auf den Schuh des Staates haben, den zu gewähren ich durchaus gesonnen bin. Weite Kreise des Volkes erstreben die Wiederkehr der Reichs- färben Echwarz-Weiß-Rot. So ist ein Kampf entbrannt, der tief bedauert wird von jedem, der den inneren Frieden des Volkes will Ich bin der letzte, der bestreiten will, daß auch im schwarzweihroten Deutschland die Farben Schwarz-Rot-Gold tiefe Verehrung genossen haben, als das Symbol, unter dem die Bürgerschaft und andere Kräfte der Jugend für deutsche Einheit und Freiheit gekämpft haben. Aber Achtung gegen Achtung. Es war die schwarzweihrote Fahne, unter der ein starkes Deutsches Reich 50 Jahre hindurch der Hort des Weltfriedens war, und unter schwarzweihroter Kokarde haben deutsche Männer aller Stämme jahrelang das Vaterland gegen eine Äebermacht von Feinden verteidigt. (Beifall.) Der Achtung vor diesen Farben entsprach es auch, wenn die Weimarer Rationalversammlung die schwarzweihroten Farben für die Handelsflagge bribehielt. Wir wollen dein unser Volk zerreißenden Streit um die Flaggenfrage endlich ein Ende machen durch eine klare Dolksentscheidung. Der Minister wendet sich dann den kulturellen Aufgaben seiner Verwaltung zu und bezeichnet es als sein Streben, die sittliche und körperliche Ertüchtigung der Jugend mit allen Kräften zu fördern. Das Innenministerium werde alles tun, was in seinen Kräften steht, um durch seine Unterstützung der deutschen Wissenschaft die Erhaltung der hervorragenden Stellung zu ermöglichen, die sie in der Welt einnimmt. In kulturellen Fragen muh den Ländern ihr Eigenleben gesichert sein, aber das Reich muh auch hier entscheidend mitreden können, ohne zu reglementieren. Die Erhaltung der körperlichen und sittlichen Gesundheit unseres Volkes wird uns nötigen, den übermäßigen Z u- strom von Ausländern aus dem Osten einzudämmcn. (Beilall rechts.) Die Rotlage unserer geistigen Arbeiter erfüllt uns mit großer Sorge. Die Freiheit und innere Änab- hängigkeit der Presse ist für die Erfüllung ihrer großen Aufgaben unerläßlich. Der Minister weist zum Schluß m t Genugtuung auf die Treue der Ausländsdeutschen hin und knüpft daram den Wunsch, daß auch im Innern das deutsche Volk das Trennende zurückstellrn und sich einig zusammenfinden möge im Glauben an die deutsche Ration. Abg. Kube (Völl.sch) gibt der Erwartung Ausdruck, dah die nationale Festigkeit sich auch in der Zusammensetzung der Reichsregierung zeigen werde. Wir stehen zu Schwarz-weih-rot. Den von fren D.'utschnaticmalen zurückgezogenen Antrag auf Aufhebung des Artikels 18 nehmen wir wieder aus. Wir wollen Preußen, die Grundlage der deutschen Einhe't, nicht zerstückeln lassen. Wir halten die ganze Weimarer Verfassung für undeutsch uriS als überflüssig. W'r stimmen der Einrichtung eines Verfalsungsausschusses zu, glauben aber nicht, dah er diese Verfassung verbessern kann. Dcr Redner beantragt zum Schluh einen Gesetzentwurf, wonach Abgeordnete und M nister, die ihren Einfluß in gewinnsüchtiger Absicht mißbrauchen, ihrer Amtter enthoben werden röiincn. Von den Kommunisten ist inzwischen ein Antrag e ntgangen: Der Re'chsinnenminister Schiele besitzt nicht das Vertrauen des Reichstags. Abg. Dr. 2k o s e n f e l d (So-.) bezeichnet dir Rede des Innenministers als dü stig und ge- dankenarm. Der Mi ilj’ter Haie nach fc n.r M.i- nung die Fragen über das bayrische Konkordat nicht beantwo tet. Das Gesetz ü'-er die Pslich- ten der rcpub lila ast chen B am! ; miß erhalten öleiben. Aber der Siaatsgerichtshof zum Schutze der Repunlil muß schleunigst beseitigt werden. Lli-a Schlange-Schoni gen (D tl.) meint, jetzt l ü se ria>t der Streit um die S.aatsfvrrn ausgetragen werden. Der 18. Januar sei der gegebene Rntionalicieitag. nicht als Tag bet Ka is ''Proklamation, sondern als Tag der deutsch ■ Einigung, Ql'-a. v. Kardorff (D. Vp ) weist die QIi’ft i.| zurück, die g:g::i ihn wegen seiner Stc'llu g y in Gemeinbcwa l echt cr.i tet worden sind. Der A n. Koch habe schon vor 1918 ga ähnliche Ävi schlage gemacht. (?r üca 1 Ähr abends bezweifelt Abg. Eichhorn (Krm:.> ' mit Erfolg d e B.schluß - fcr.: • :it des Hauser. Dir Weiterberatung wird da.'.,i auf Montag nachmittag 2 Ähr vertagt. Dre Eisrnbahntarife. Ä)» n.sterialrat Niemcck ii» Ru chc«. isettbahnrai. Berlin, 13. Juni. (WTB.) Unter dem Vorsitz 'es • ich oerkehrdministers Kröhne trat beaii ter ck e i ch s e i s e n b a h n r a t zum ersten Male naci) der Regelung der Eisenbahnverhältnisse zusamrnen. An den Verhandlungen nahm auch der Staatssekretär Bogt mit anderen Vertretern der deutschen Reichsbahngesellschaft teil. Der Reichsoerkehrsminister erörterte einleitend das Verhältnis des Reichseisenbahnrats zum Reichs- Verkehrsministerium wie es durch die Neuordnung gestaltet ist Er wies darauf hin, daß der Reichseisenbahnrat auch in Zukunft als beratendes Organ in wichtigen Verkehrsfragen dem Reichsoerlehrsininifter zur Seite stehen werde, um ihn bei der Erfüllung der ihm durch das Reichs- bahngesetz zugewiesenen Aufgaben zu unterstützen, und sprach die Hoffnung aus, daß diese Zusammenarbeit sich wie bisher für die deutsche Volkswirtschaft segensreich erweisen möge. Ueber die bisherige I a r i f p o l i t i t der deutschen Reichsbahngesellschaft berichtete Ministerialrat Niemack vom Reichsverkehrsministerium. Er betonte dabei, daß seit dem Uebergange der deutschen Reichsbahn auf die neue Gesellschaft eine Erhöhung der Gütertarife nicht erfolgte, und daß vielmehr zahlreiche Ermäßigungen m Gestalt von Ausnahmetarifen durchgeführt wurden. Staatssekretär Vogt verbreitete sich sodann über die Ziele und wirtschaftliche Lage der Deutschen Reichsbahngesellschaft und hob hervor, daß die in der Öffentlichkeit vielfach vertretene Befürchtung eines überlegenen fremdländischen Einflusses nach den bisherigen Erfahrungen nicht begründet sei. Wirtschaftlich hatte die lOprozen- tige Erhöhung der Personentarife keinen Rückgang des Verkehrs zufolge. Der Pfingstverkehr war vielmehr ungewöhnlich gut, dagegen fei seit Mai ein Riickgang im Güterverkehr zu beklagen, wodurch der Reichsbahngesellschaft bei ihrer künftigen Tarifpolitik Vorsicht auferlegt werde. Er teilte weiter mit, daß der Gütertarif z. Z. einer umfassenden Prüfung unterzogen werde, hauptsächlich im Hinblick auf die verhältnismäßig hohe Belastung der nahen Entfernungen und der hochwertigen Güter. Ueber die von mehreren Rednern geforderten W a s s e r u m - schlagstarife steht eine Entscheidung auf Grund eingehendster Prüfung in absehbarer Zeit bevor. Die Reichsbahn sei ferner bestrebt, die Beförderung im Personen- und Güterverkehr ständig weiter zu verbessern (Lieferungsfristen durch Fernschnellzüge). Bei der sich anschließenden Aussprache wurden die vorstehend angedeuteten Punkte, sowie die Fragen des Kraftwagenoerkehrs, insbesondere des Postpersonenverkehrs, eingehend behandelt. Don einzelnen Rednern wurden eine Reihe besonderer Wünsche und Anregungen vorgetragen. Bei den Sondervorlagen über die Erhöhung der unter den Selbstkosten liegenden Frachtsätzen für Steine zum Wegebau usw. und über die Einführung von ermäßigten Frachtsätzen für Eisenhalbzeug zur Herstellung von Bauwerkteilen, Eisenhoch- und Brückenbau und von Schwimmdocks des Verkehrs mit den deutschen Küstenplätzen (indirekte Eisenausfuhr), stimmte der Reichseisenbahnrat mit größerer Stimmenmehrheit zu. Der Landwirtschastrhaurhalt im preußischer» Landtag. Berlin, 13. Juni. Die allgemeine Aussprache zum Landwirtschaflshaushalt wird fortgesetzt. 2lbg. Dr. Hermes (Z.) führt aus: Der Dawesplan legt uns nach wenigen Jahren Mrpflichtungen auf. die ich immer als unerfüllbar gehalten habe. Trotzdem müssen wir alles tun, um ihn zu erfüllen. Die Landwirtschaft muß leistungsfähig erhallen bleiben, da sie die wichtigste Quelle der physischen Erneuerung ist. Man kann nicht ein für allemal Schutzzölle oder Freihandel für allein richtig oder allein unrichtig bezeichnen. Bedauerlich ist, daß die Reichsregierung noch feine Enquete veranstaltet hat über die Wettbewerbsfähigkeiten unserer Industrie und Landwirtschaft. Der deutsch-spanische Handelsvertrag wirkt sich verhängnisvoll aus. Abg. S k j e 1 l e r u p (Korn.) erklärt, trete der neue Zolltarif in Wirkung, dann werde der deutsche Verwaltungsapparat noch viel kostspieliger sein als heute, wo er bereits den Wert deS ganzen deutschen Exportes auffresse. Abg. Wach hör st de Wcnt e (Dem.) erklärt, seine Partei lehne die Getreide- dolle als Mindest-oll ebenso einmütig ab, wie sie den Abschluß von Handelsverträgen für eine deutsche Lebensnotwendigkeit betrachte. Ebenso werde seine Partei die Industrie- o ö IIe in einer Höhe, die einem Einfuhrverbote gleichkämen, nicht genehmigen. Zölle auf Futtermittel dürften auf leinen Fall eingeführt werden. Der Redner erklärt sich auch gegen einen Kartosselzoll und ist auch nicht mit einem allgemeinen Einsuhrsck einsystem einverstanden. Qlbg. Diester (Dl. Hann.) verweist auf die ungünstigen Ernteaussichten und bezeichnet Kredite für die Landwirtschaft erforderlich, insbesondere zur Beschaffung von Kunstdünger und Saatgut. LandwirtschaftLminister Steiger gibt eine kurze Darlegung über die 2krtt>en- dung der Kredite für die Lanow-rtschaft. In der S age der Rentenbank-Kreditanstalt habe das preußische Staatsministerium den Staad- punlt vertreten, daß die Anstalt in der Hauptsache G r u n d k r e d i t e zu geben habe und nur für den Äebergang der Personalkredite. Da die Anstalt für die Zukunst sich zu einem wichtigen agrarischen Institut auswachsen werde, so sei Preußen dafür eingetreten, daß die Einfluß- nähme der Länder entsprechend gesichert werden solle, dadurch, daß der Reichsrat beteiligt werden solle. Die inneren Verhältnisse zwängen uns, für die Landwirtschaft einen entsprechenden Schutzzoll zu ve langen. Getreidezölle seien wohl berechtigt. Durch wohlüberlegtes Studium sei er heute ein Freund der Einfubrscheine geworden. Aus ihnen könne der L MO irlschast eine große Erleichterung werden. lvii. Siedlungszwecke könnten 20,5 Millionen ausgegeben werden. D'.e Anbaufläche für Getreide betrage gegenüber dec Vorkriegszeit nur 85 Prozent. Zur Frage der Urbar- m a eß u n $ von Mooren usw. erklärt der Minister. da'j in den Bezirken Stade und Lüneburg Hnisende von Hektar durch die Landwirt- scha J cbar gemacht worden seien, ohne daß aus T, ।entließen Mitteln auch nur ein Pfennig beigesteuert worben sei. Der himmelsbach-Aandal. Darmstadt, 13. Juni. (Eig. Bericht.) Heute vormittag wurden die Verhandlungen des parlamentarischen Ausschusses zur Untersuchung des Falles H i m m e l s b a ch wieder aufgenommen. Zunächst wird Staatspräsident U l r i ch vernommen. Er macht zu Beginn des Verhörs darauf aufmerksam, daß das hessische Kabinett noch keinen Beschluß gefaßt habe, ob und wie weit Aussagen gemacht werden können. Er könne daher nur Dinge sagen, die er nach bestem Wissen, ohne seine Pflicht als Minister zu verletzen, mitteilen dürfe. Es komme darauf an, ob die Firma Himmelsbach bei Abschluß der Verträge mit den Besatzungsbehörden unter einem Zwang stand? Rach' seiner Auffassung, so bemerkte der Staatspräsident, wäre für die Firma die Möglichkeit dieser Annahme gegeben gewesen. Er felbft sei bereit gewesen, der Firma eine Erklärung in diesem Sinne abzugeben, doch habe sich das Kabinett über den Wortlaut dieser Erklärung nicht einigen können ;bem Finanz- minifterium seien di e Vorschläge zu weit gegangen. Der Staatspräsident erwähnte, daß die F o r st- leute sich gegen die Darstellung der Firma gewandt hätten. Es komme alles auf die genaue Prüfung der Akten an. Zum Schluß feiner Ausführungen bemerkt der Redner nochmals ausdrücklich, daß er der Auffassung sei, die Firma Himmelsbach habe in einer Zwangslage gehandelt. An diese Aussagen schloß sich ein längeres Verhör, in dem die geschäftliche Behandlung der hier berührten Fragen erörtert wurde ;es wurden auch entsprechende Protokolle verlesen. Beachtenswert ist die Feststellung, daß der Staatspräsident sich gegen einen Boykott der Firma ausgesprochen hat. Der Minister des Innern v. Brentano, der hierauf vernommen wird, sagt ähnlich aus wie der Staatspräsident. Er bemerkt, daß die Firma immer die Auffassung vertreten habe, sie befinde sich in einer Zwangslage, und zwar hätte man der Firma durchaus kein Mißtrauen entgegengebracht. Der Minister erklärt, daß er feine Anschauungen über die Firma Himmelsbach auf Grund eines gründlichen Aktenftudiums gewonnen habe. Rach feiner Ansicht konnte die Firma der Meinung fein, daß sie sich in einer Zwangslage befinde und glauben konnte, daß sie, wie sie tat, handeln dürfe. In dem Verhör werden zahlreiche Punkte berührt, über die bereus andere Zeugen ausgefagt hatten und die nun durch den Minister bestätigt werden. Der Minister äußert u. a., nach feiner Meinung fei es nicht erwiesen gewesen, was die Forstleute gegen die Firma Himmelsbach vorgebracht hätten. Den weiteren Ausführungen des Zeugen ist zu entnehmen, daß er der Meinung ist, die Firma habe alles getan, um den Wald zu schützen. Die Firma habe nie absolutes „Rein" oder ein absolutes „3a" erfahren. Der Minister glaubt auch, daß das, was Ober- forftrat Kallenbach nach der Behauptung der Firma gesagt hat, auch wahr ist. Um 10.45 Uhr, nach Beendigung dieser Zeugenvernehmung, tritt eine Pause ein. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen wird Prokurist W o e r n e vom Gaulsheimer Werk der Firma Himmelsbach vernommen. Er berichtet zunächst über die Verhandlungen in Koblenz mit der Besatzungsbehörde, die den Vertragsabschlüssen vorausgingen, und erläutert bann technische Einzelheiten des Vertrages sowie in längerer Rede die weiteren Verhandlungen mit der Besatzungs- behörde und den Inhalt der Besprechungen in Darmstadt. Die Desatzungsbehörbe habe verlangt, daß in der Pfalz 100000 Festmeter gefällt werden sollten. Nach vielen Verhandlungen sei dann die Summe auf 5 5 0 0 0 ermäßigt worden; es wäre ausdrücklich verlangt worden, daß das Holz aus der Pfalz stamme. Da aber dort der Fällung Schwierigkeiten .entgegenstanden, habe die Befatzungsbe- hörde derFirma hessische Bestände zum Schlagen zugewiesen. Die Firma habe niemals die Besat- zungsbehörde auf die guten hessischen Waldungen aufmerksam gemacht. Von einem Verbot des Vertragsabschlusses könne schon deshalb nicht die Rede fein, weil die hessische Forstbehörde sich bereit erklärt habe, einen Austausch von hessischen Schlägen vorzunehmen. Es folgt ein längeres Verhör des Zeugen über zahlreiche Einzelfragen; wesentlich Neues fördern die Aussagen nicht zutage. — Der hessische Forstrat Günther sagt als Zeuge auf Befragen über feinen Verkehr mit einem Vertreter der Befatzungsbehörde aus. Um 1* Uhr werden die Verhandlungen a b • gebrochen; sie sollen in etwa 14 Tagen wieder aufgenommen werden. Inzwischen wird erwartet, baß die vom hessischen Finanzministerium in Aussicht gestellte Denkschrift fertig- gestellt sein wird. Tausendjahrfeier in Berlin. Kundgebung vor dem Reichstag. Berlin, 14. Juist. (WB.) Bei regnerischem Wetter fand heute unter großer Beteiligung eine Kundgebung für die Befreiung der Rheinlande im Rahmen der Jahrtausend f e i e r statt. Es war ein. überwältigendes Bild, als die Vertreter aller deutschen Stämme von Rvrd und Süd, Ost und West, die Frauen vielfach in landsmannschaftlicher heimatlicher Tracht, mit ihren Fahnen anrückten. Besonders alle Landsmannschaften dcr Grenzgebiete waren Gegenstand eines freudigen Empfanges. Der gemischte Chor des Ost- und Westpreußenbundes eröffnete mit einem Vor trage die Feier. Dann sprach der frühere Oberbürgermeister der Stadt Köln. Reichsminister a. D. Wallraf, und gab ein feierliches Gelöbnis ab, daß das Rheinland unzertrennlich fei von Preußen und dem Reiche und all Stürme siegreich überwinden werd«. Der Reichsminister für.die besetzten Gebiete, F renken, begrüßte die deutschen Landsmannschaften aller Stamme, die in dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit an der heutigen Kundgebung teilnahmen. Die heutige Feier in 'der Reichshaupi stabt werde überall großes Echo fin* den. Die Bande, die das Rheinland und die Reichshauptstadt umschließen, seien durch die heutige Feier erneut enger geknüpft worden. Während der Feier boten die Aachener Kontor- d i a und derMännergesangverein der in Berlin wohnenden Rheinländer musikalische Vorträge dar. Für Ostpreußen sprach in Erinnerung des Abstimmungstages vom 11. Juli der Vertreter der damaligen Abstimmungskommisston Worgitzkh - Allenstem. Unter stürmischem Beifall wurde dann eine Entschließung angenommen, in der betont wird, daß Zehntausend? deutscher Männer und Frauen, die bei der heutigen Gedenkfeier vor dem Reichstage erschienen feien, getragen von dem Bewußtsein des gemeinsamen Schicksals und der Hoffnung für die Zukunft des deutschen Volkes, in unerschütterlicher Treue zusammen mit Ost- und Westdeutschland ihr Gelöbnis aussprechen, an Preußen und dem Reich allezeit treu festzu- halten. — Während der Feier kreisten Flugzeuge der Iunkersgesellschaft über der großen Versammlung. Aus aller Welt. Eine Hilssexpedilion für Amundsen. Dem „Petit Parisien" wird von Bord der „Farm" gemeldet, daß die Hilfsexpedition in der Adoentsbucht eingetroffen ist und mit dem Ausladen der Flugzeuge begonnen wurde. In der Nacht vorn Samstag zu Sonntag wurden in der Mitternachtssonne gelungene Flugversuche ausgeführt. Die Expedition wird wahrscheinlich heute nach den dänischen Inseln aufbrechen. Strafverfolgung eines Abgeordneten. Das Plenum des bayerischen Landtages stimmte dem Ausschußbeschluß auf Genehmigung der Strafverfolgung des fraktionslosen Nürnberger Abgeordneten Streicher wegen fortgesetzter Beleidigung des dortigen Oberbürgermeisters Luppe zu. Weiter genehmigte das Landtags-Plenum die Einleitung eine- Disziplinarverfahrens gegen Streicher als Mitglied des Stadtrats von Nürnberg wegen Verletzung der Pflicht der Amtsverschwiegenheit und wegen Änehrenhaftigkeit in seinem Amte. Kunst und Wissenschaft. Kunstgeschichtliche Funde auf der Straße. ' - S in e Bronzeschüssel aus dem • rhundert wurde bei Straßenarbeiten in B i ngen entdeckt. Die Schüssel, die aus dem Inventar eines Arztes zu stammen scheint, enthielt etwa 70 hauptsächlich medizinische Instrumente aus Bronze und Eisen. Ein wichtiger Fund in Köln. archäologischer touröe in St. Severin gemacht, wo bei An- ■3entraIßci3ung eine unterirdische saud lpatromifcher oder..srühsränki- ? ? ausgegraben wurde. Die Anlage, die sehr gut erßaften ist, soll in ihrer Art einzig dastehen. Die Äntersuchungen, die noch zur Klärung einiger strittiger archäologischer Fragen öfirften in Kürze ihren Ab- N"b ^inden. Es ftnd Schritte zur Erhaltung der Anlage emgeleitet. Eine Ausstellung für Gewerbehygiene und Anfallverhütung. nr ^ier dem Namen „Gesundheit und ^rbe it werden eine Reihe industrieller Fach- SS’ft ,er Essen und die Deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene und Änfall» ^^^llung in der Zeit vom emBcr-1?25 in Ett-m setanftalten. Jicfc Ausstellung wird neben den allgemein- wichtigen Grundlagen der Gewerbehygiene so- Slr ivissenschaftlicher, technischer und ftatifti- feßer Beziehung besonders die Anwendung dec ?«??ne und Änsallverhütung im weitesten Sinne auf den Gebieten des Berg-, Hütten- und Ma- ichinenwesens berücksichtigen. Eine besondere Ab- sJft P-S das Gebiet der Arbeitswirtschaft und Arbeitsneigung behandeln. Die Ausstellung hervorragendsten Fachleuten der einzelnen Gebiete veranstaltet und zeigt eine Gierung und Auswahl. Große fachliche Tagungen werden mit dieser Ausstellung verbunden werden. Aus Stabt und Land. Gießen, den 15. Juni 1925. • Provinzial-Kinder- und Rentnerheim in der Prooinzial- Pflegeanstalt Gießen. !*! Dieser Tage fand eine Besichtigung der bei« Den Neueinrichtungen durch die Mitglieder des Pro- vmzial-Ausschusses statt. Beim Eintritt in das Kinderheim trugen die größeren Kinder im Alter von 4—6 Jahren ein nettes Begrüßungsgedicht vor, das die Kindergärtnerin Frl. Müller mit ihnen ein- geübt hatte. Bei der Besichtigung gefielen die Räume und Einrichtung des Heimes außerordentlich gut. sämtliche Herren nahmen den Eindruck mit, daß die Provinz durch die Errichtung des Kinderheims eine Einrichtung geschaffen hat, die als muftergültig und fehr segensreich bezeichnet werden muß.' 3n dem Heim können in hellen, luftigen Räumen 3 2 Kinder im Alter bis zu 6 Jahren untergebracht werden. Zur Aufnahme kommen Kin- der, die aus irgend welchen Gründen in der häuslichen Gemeinschaft nicht verbleiben können. Belegt ist das Heim zur Zeit zu zwei Drittel der Bettenzahl, einige Vormerkungen von Kindern liegen noch vor, so daß wohl bald mit einer vollen Belegung des Heims gerechnet werden kann. Ebenso schön wie die Räume der Kinder sind auch die der Schwestern und des übrigen Personals ausg> ftattet. Dor dem Gebäude liegt ein ausgedehntes Gelände, bas mit schattigen Bäumen bepflanzt ist und als schauer Spiel- und Tummel p laß für die Klemen vorzüglich geeignet ist. Für die Herstellung einfacher Speisen, für die Zubereitung von Milch, Tee u. dgl. dient eine kleine Küche im Heim, die elektrisch beheizt wird. Die Hauptmahlzeiten der Kinder werden von der großen Anstaltsküche ge- Nach der Besichtigung des Kinderheims begaben sich die Herern in das Rentnecheim, das Raum zur Unterbringung von 16 Insassen bietet. Die Zimmer in. diesem Bau sind äußerst freundlich, hell und luftig und bieten den alten Leuten ein gemütliches Unterkommen. Die Be» föftigung der Leute erfolgt auch durch die große Küche der Pflege-Anstalt. Vor dem Pavillon befindet sich ein hübscher ©arten mit schattenspendenden Bäumen und Ruhebänken. Hier halten sich die Pensionäre besonders bei der jetzigen Jahres, zeit gern auf. Im Vestibül des Pavillons steht ein Klavier, sowie zwei Tischchen mit Korbsesseln, Zeitschriften sind ausgelegt, so daß die Leute sich bei ungünstigem Wetter hier aufhalten und unterhalten können. Alles in allem muß man sagen, daß beide Einrichtungen in jeder Hinsicht allen Anforderungen entsprechen, und daß man die Provinzialverwal- tung zur Eröffnung dieser beiden Institute nur beglückwünschen kann. Gießener WocLrenmarktvreise. am 13. Juni (Händlerpveise). Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 160—180, Matte 35—40, Käse 65, Wirsing 35, Spinat 30. Römischkohl 10, Spargel 35—100, Erbsen 40—60, Mifchgemüse 15, Tomaten 200, Zwiebeln 20, Rharbcirber 30, Kartoffeln 5, Dörrobst 35, Kirschen 80—100, Stachelbeeren 30—40. Erdbeeren 120. Honig 35, Junge Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pf. je Psd., Eier 12, Blumenkohl 30—110, Salat 10—20. Salatgurken 40—80, Ober-Kohlrabi 25, Lauch 5—10 Pf. je Stck., Rettich (Päckchen) 50. Gelbe Rüben (Päckchen) 30—40, Radieschen (Bd.) 10—20 Pf. Wettervoraussage. Fortdauer der herrschenden Wetterlage. Das Bild der Wetterlage hat sich feit gestern wenig geändert. Von Island druckt ein kleiner Tiefdruckausläufer herein, dem jedoch kein besonderer Einfluß zukommen wird. Die Winde sind allenthalben kräftiger geworden, vielfach sogar werden Stürme gemeldet. Die Abkühlung hält zunächst an und wird vielleicht bei vorwiegend nördlichen Winden noch zunehmen. Für Nervenkranke u Nei vö»-Lr6c topfte Speziilkaranitalt Hol* heim 1. Tannas b i Frn kfurt a M Behagl. eingerichtet. vorzügliche Vi*rnflegung (auch Di fit-Kuren). Mäßige Preise Prospekt durch Dr. 31. Schulze - Knhley**, Nervenarzt • • Voraussichtlich weitere Verlängerung der Anmeldefristen für die Aufwertung über den 30. Juni 1 92 5 hinaus. Am 30. Juni laufen d.c durch Gele- opm 27. März 1925 bestimmten Anmeldefristen für die Aufwertung ob. desgleichen auch die Verlängerung deS Gese-cs betreffend Aussetzung des Verfahren- vor Gerichten und Aufwertung^- stellen Beim Beschluss des Gesetzes über die Fristverlängerung ging der Reichstag von der Annahme aus. das; bis zum 30. Juni 1925 das neue Aufwcrtungsgesev angenommen sei. Da aber nach dem augenblicklichen Stand der Beratungen hiermit nicht gerechnet werden kann. Hal der Hansa-Dund beim Aufwertungsaus- fchuß des Reichstages angeregt, rechtzeitig durch ein neues Gesetz die am 30. Juni 1925 ablaufenden Fristen biS zur endgültigen Verabschiedung des neuen Auswertungsgesehes. durch das dann eine Neufestsetzung der Fristen vorzunehmen ist. hinouszutchieben. " Personalien. Ernannt wurden: Xcr Reallehrer Adolf Staubach an der Oberrealschule zu Bad -Rauheim zum Rektor an der Volksschule da'elbst, der Lehrer an der Volks- schu e zu Bad-Rauheim. W:.h. 03 e d) t o l e- Heimer, zum Reallehrer an der Oberreallchule zu Dad-Rauheim mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab. * • Deutsche Doltspartei. 3mGewerbehaus hielt am Mittwoch die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Dolkspartei ihre Monatsoersammlung ab, die sich eines guten Besuches erfreute. In seiner Eröffnungsansprache gedachte der 1. Vorsitzende, Pros. Dr. Krausmüller, der großen Der- dienste, die sich der leider allzufrüh verstorbene 2. Vorsitzende Pros. Dr. Digener um die Partei erworben hat. Er dankte den Anwesenden für ihre Ehrerbietung dem Verstorbenen gegenüber, die sie durch Erheben non den Plätzen bekundeten. 3n ge- dro-.gten Ausfuhrunyen ging dann Geschäftsführer Weister auf die wirtschaftliche Lage ein, die durch die Vorgänge des Stinnes-Konzern zur Zeit blitz- ortiy beleuchtet wird. Ueber die Fragen der grosten Politik berichtete anschliestend die Landtagsabgeordnete Frl Birnbaum. Von hoher politischer Warle nahm sie eingehend Stellung zu all den Fragen, die heute in der Weltpolitik zur Diskussion stehen. Mit reichem Beifall dankten ihr die Zu- Hörer für ihre tiefgründigen, aufklärenden Worte. Der Vorsitzende der Iugendgruppe Wagner berichtete über den Stand der oolksparteilia)en Jugendbewegung in Hessen und Oberhessen. • • Austrieb aus dem heutigen Frankfurter Schtachtviehmarkt. 585 Ochsen, 43 Bullen, 1015 Färsen und Kühe, 533 stälber, 81 Schafe, 2812 Schweine. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Allgemeiner deutscher Frauenverein 5 tihr nachm. Hotel .Hindenburg" Mitgliederversammlung — Lichtspielhaus Bahnhof st r. .Lustspieltage'. — Astoria-Lichtspiele .Der Dlihbecher" — Mrcie Friedberg. Bad-Nauheim, 12. Juni. Etwa 90 Teilnehmer des in Frankfurt a. M. tagenden 3nbu- strie und Handelstages machten gestern einen Abstecher nach hier, um die Anlagen des Bades und die technischen Betriebe zu besichtigen. Ministerialrat Windisch begrüst.e die Teilnehmer, die Gäste der Kuroerwalkung auf der Terrasse waren und dem Sinfoniekonzert beiwohnten. Hrcis Büdingen. „ T* Bad-Salz Hausen, 13. Juni. Der Betrieb unserer am Geiß-Riddoer Bahnhof gelegenen Braunkohlengrube toiro Ende dieses Mvnats eingestell 1. die Ange st eilten und die nur noch in verh-ältnismähig geringer Zahl vorhandenen Arbeiter werden entlassen. Die Grube, die schon in der Vorkriegszeit lange Jahre still lag. wurde in der Zeit der Kohlennot nach dem Krieg von zwei bekannten Firmen in der Umgebung käuflich erworben und in Betrieb genommen. Als aber die Kohlennot ein germaben behoben war. erlahmte der Absatz, weil die hiesige Braunkohle infolge des geringen Prozentsatzes an Kohlenstoff in Verbindung mit hohem Wassergehalt nicht marktfähig war. Die Belegschaft muhte immer mehr vermindert werden, und seit Jahresfrist wurde fast nur noch der Eigenbedarf der beiden Eigentümer gefördert. Die Unrentabilität der Grube veranlasst« die Leitung den Betrieb stillzulegen. Die entlassenen Arbe ter können in den Basalt- fteinbrüd>en unkdommen, so dah soziale Härten mit der Detriebseinstellung nicht verbunden sind. Kreis Lauterbach. * Schlitz, 15. Juni. (Drahtbericht.) Bei dem gestrigen Gesangs-Wettstreit in Qauterbad) errang unser Gesangverein .Harmonisches Krä nzchen" in der erften Stadtklasse den ersten Preis mit 176 Punkten und im 6 bren fingen den zweiten Ehrenpreis. Rach Aussage des Preisrichterkollegiums hat das „Harmonische Kränzchen" beim Wettstreit die beste Leistung vollbracht. Slanenburg und Rheinhesien. * Darmstadt, 13. Juni. (ZU.) Ein schweres Autounglück ereignete Nch am Freitag aus der Landstraße zwischen Eberstadt und Bickenbach. An der Einbiegung nach Serbe im wollte daS Auto des Ingenieurs Reinhardt aus Frankfurt a. M. das von feinem 21jährigen Sohn gesteuert wurde, ein Darmstädter Perfoner.auto überholen und kam dabei ins Schleudern. Das Tempo des Darmstädter Wagens war 40 biS 45 Kilometer, das des FraiMurter Wagens 70 bis 80 Kilometer Der junge Reinhardt verlor die Herrschaft über das Steuer und wurde au- dem Wagen geschleudert, der sich überschlug und die Böschung hinabstürzte. Der Führer kam unter den Wagen und war sofort tot Der Vater wurde etwa 20 Meter weit in das Feld geschleudert und kam mit einem Arm- bruch und Hautabschürfungen davon. Er wurde zunächst nach Darmstadt und bann nach Frankfurt geschafft. Die Leiche deS jungen Reinhardt kam in das Darmstädter Krankenhaus Der Wagen ist total zertrümmert. • Darmstadt, 13. Juni. Zu Beginn der gestrigen Sitzung des ProvinzioltageS gedachte der Vorsitzende. Provinzialdirektor Kranzbühler, vor Eintritt in die Tagesordnung des verstorbenen Mitglieds Abg. Dr Osann. Die Anwesenden ehrten das Andenken an den Toten durch Erheben von den Sitzen: nur die drei Kommunisten erhoben sich ostentativ nicht Aus den Verhandlungen ist bemerkenswert ein einstimmig angenommener Antrag gegen das zu schnelle Fahren der Automobile. Ilm die Staubplage auf den Landstraßen zu bekämpfen, sollen Versuche mit einem neuen Mittel .Vialith" gemacht werden. Der Voranschlag der 1 183 472 Mark in Einnahme und Ausgabe vor- sieht. wurde angenommen. Darmstadt, 12. Juni. In Ober-Beerbach sanden Kinder eines in dem dortigen Steinbruch beschäftigten Arbeiters Sprengkörper in dem Hose des Anweiens. Beim Spielen damit erfolgte eine Erplcslen Einem Kinde wurde die linke Hand abgerissen und ihm sonst noch schwere Verletzungen zu gefügt. Hessen-Nassau. dl. D i llenburg. 13 Juni. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde der großzügige Bebauungsplan der Stadt angenommen. DaS für Wohnungsbauten neu zu erschließende Gelände schließt sich nunmehr an die tinterstadt an und umfaßt das zwischen Bahnhof und Mittelfeld gelegene Gebiet. — Am 28. Juni wird hier ein Flugtag nach großstädtischem Muster veranstaltet werden. Mit den notwendigen Vorarbeiten hat die Stadtverwaltung begonnen. — Die Tunnelbauten an unserem Bahnhof schreiten rüstig vorwärts. Dor einigen Tagen konnte ter Bahnsteig 4 — Richtung Straßebers- bach—Wallau — dem Verkehr übergeben werden. Man hofft, den Bahn st eg 3 in etwa sechs Wochen ebenfalls vollendet zu haben. Bis dahin müssen die Re senden die Güterzuggicise überqueren, was rt'turgemäft eine Stockung im Betriebe zur Folge hat. -Ben dem Personen- und Gepäcktunnel hat man zirka ein Drittel vollendet. Ein Stollen nach Dergmcmnsart befördert die Erbmassen bis zum ersten Bahnsteig. Der bislang vom Emvsangs- gebäute getrennt liegende Güterbahnhos ist nunmehr mit dem Personenbahnhof vereinigt worden. Schweres Flieyerunglück in Frankfurt. Frankfurt a. M., 14. Juni. Sie Mitglieder des Frankfurter Aer^Elubs Stiffler und Spika unternahmen gestern abend gegen 5 tihr mit dem Sportflugzeug »Frankfurter Adler" einen Probeflug. Kurz vor der Landung rutschte die Maschine in 150 Meter Höhe ab und stürzte z u Boden. Die Maschine wurde zertrümmert und beide Flieger schwer vergeht. Der 31jährige Pilot Stiffler erlag kurze Zeit daraus seinen Verletzungen, während fein Mitsli.ger Spika mit lebensgefährlichen Verletzung e n ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Turnen, Sport und Spiel Die internationalen Schwimmwettkämpre in Prag. Deutschland überall in Front. —Der Aranzose padou geschlagen. Der erste Tag. Tausende von Zuschauern auf der Brücke, auf den Kaimauern, in Konus und Ruderbooten umsäumten die Schwimmbahn. P a- dou, Frankreichs Meister, trainierte bereits seit Mittwoch an Ort und Stelle. So spitzte sich denn alles auf das Zusammentreffen der Deutschen mit dem Franzosen. Die einzige Entscheidung, die am Samstag schon zum Austrag kam, war die Freistilstaffel 4mal 200 Meter, in der die Magdeburger 1896er einen ganz überlegenen Sieg errangen. Als Gegner hatten die Magdeburger die besten Prager Klubs, den Amateur-Schwimmclub und den Tschechischen Schwimmclub Ein glänzendes Rennen der Deutschen, die trog der mehr als zehnstündigen Bahnfahrt, die meistens stehend zurückgelegt wurde, wie muntere Fische schwammen. Der zweite Tag. Auch am Sonntag waren fast alle Delegierten zum Finakongreß ferner die Spitzen der Behörden und in großer Anzahl die in Prag anwesenden Franzosen vertreten. Es war daher recht erfreulich, dach sich unsere deutschen Schwimmer von der besten Seite zeigten. Das Ereignis dieses Tages bildete das Freistilschwimmen über 200 Meter um den Ehrenpreis der Stadl Prag. Sollte dies doch die Entscheidung bringen, wer die besseren Schwimmer im Freistil hat. Deutschland ober Frankreich. Der glückliche Sieger war schließlich der be- kannte Erich Rademacher (Hellas. Magbe bürg) ber das Rennen in ber äußerst guten Zeit von 2:27,2 Min. schwamm. Gubener vom Magbeburger Schwimmclub v. 1896 wurde Zweiter in 2:2« Min. Der Franzose Padou konnte also wieder nicht gegen unsere deutschen Serlre t c r ankommen. Einen weiteren Sieg feierte R a - bcmad)cr (Hellas, Magdeburg) im Brustschwimmen über 200 Meter, dos kurz darauf ftattfanö. Er beendete das Rennen in der Zeit von 3 Min. Den dritten Sieg von den Deutschen errang Gustav Frölich (Hellas, 'JJlabgeburg) im Rückenschwim men über 100 Meter in 1:16,8 Min. D-et dritte Tag. Wiederum eine große Zuschauermenge um die Schwimmbahn. '.Rur ver mißte man die französisch sprechenden Herren. Auch hatte e» der französische Meister Pabou oorgezogen, abzureisen, um nicht noch mehr Rennen zu verlieren und den Sieg den Deutschen zu überlasten. Die Deutschen gewannen schließlich noch das Freistilschwimmen über 400 Meier durch Gubener (Magdeburg 96), außerdem feierte die Meistermannschaft des Hel- las Magdeburg noch einen glänzenden Sieg in ber Lagenstaffel 3mol 100-Meter. (Mannschaft: Rademacher—Frölich—Hilmar.) Der Giestener Lchwtmmverei» auswärts. Das Schwimmsest bes Offenbacher Schwimmoereins von 1896 am Samstag und Sonntag hat in manchen Wettkämpfen glänzende Leistungen gezeigt. Besonders triumphierte hier die Jugend. Staudt-Mannheim schwamm das Iugendbrustfchwimen über 100 Meter in der hervorragenden Zeit von 1: 27,3 Min. Zweiter Prinz- Mainz in 1:28,3 Min. Schneider-Gießen konnte nur hon 4. Platz belegen. Die Jugendbruft- staffel über 3mal 100 Meter war da interessanteste Rennen des Tages. Frankfurter Schwimm- verein gewann in 1:49 Min. Zweiter Mannheimer >schwimmverein in 4:50 Minuten. Dritter Gießener Schwimmoerein in 4:51 Minuten. Fritz Pascoe-Gießen gewann wie erwartet das 2. Senior Brustschwimmen über 200 Meter in 3: 13,4 Min. Von den Internationalen Schwimmwettkämpsen in Breslau ist bis jetzt nur bekannt, daß Frl. Arndt-Gießen im Damenbrustschwimmen über 100 Meter den 2. Sieg errungen hat. Nähere Einzelheiten folgen. Amtsgericht Gießen. Gießen, 11. Juni. Ein Schlossergeselle aus Köln hat im März 1923 auf der Wanderschaft mehrere Tage in der hiesigen Herberge zur Hei- mal, logiert und in dieser Zeit bei verschiedenen Leuten Gelegenheitsarbeiten verrichtet. Dabei hat er eine Oieihe von Gegenständen, wie Schuhe, Gummisohlen, Bürsten Zinnrohr, Lötzinn ufro. entwendet. Sein Aufenthalt war die ganze Zeil unbekannt, und er ist erst jetzt in dem Amtsgerichtsgefängnis inNeuwied, in dem er eine Strafe von 5 Monaten wegen Diebstahls und Unterschlagung verbüßt, entdeckt worden Er gibt die Diebstähle zu und erhält dafür 2 Gefängnisstrafen von 2 Monaten und 1 Woche Diese wurden mit der Neu- roieber Strafe auf eine Gesamtgefängnis- strafe von 7 Monaten zurückgeführt. Er ist noch weiter beschuldigt, zur gleichen Zeit in Gemeinschaft mit einem Unbekannten aus einer Erd- geschoßwohnung in der Lahnstrahe mittels Gin» steigens aus dem Vorgarten durch das offene Fenster 2 Mäntel und 3 Handtücher entwendet zu haben. Bei der heutigen Gegenüberstellung konnten ihn weder die Bestohlene, die den Täter beim Diebstahl überrascht und ihn beim Herausspringen durch das Fenster nur flüchtig gesehen hatte, noch eine Nachbarsfrau, der der Täter am nächsten Tage die Handtücher verkauft, und die diese Gegenstände sofort wieder zurückaeaeben halt, als sie durch die Zeitung non dem Diebstahl Kenntnis erhalten hatte, wieder erkennen. Es mußte deshalb in diesem Falle mangels ausreichenden Bewei - fes auf Freisprechung erkannt werden. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 10. Juni. Unter Ausschluß der Oefsentlichkeit wurde heute gegen den Invaliden Joh. Gg. E. und dessen Ehefrau, beide in Gießen wohnhaft, wegen Kuppelei v? handelt. Aach langer Beweisaufnahme verurteilte das Gericht den E. zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und feine Ehefrau z u 2 Jahren Gefäng- n i s, und beide zu 5 Jahren Ehrverlust. ES wurde als erwiesen angenommen, daß beide gewohnheitsmäßig und aus E gennuh der tinrucht ihrer minderjährigen Töchter fortgesetzt Vorschub geleistet hätten. Frau E. wurde sofort verhaftet. Kirche und Schule. Die 40. (tzießcttcr Theologische Konferenz wurde am Donnerstag in der Johanneskirche dahier nach einem von Dekan Vogel- Bruchenbrücken gesprochenen Gebet von ihrem Vorsitzenden, Universi- taieprofeffor Geh. Kirchenrat D. Dr. Krüger, mit kurzen Begrühungsworten eröffnet. Nachdem einige geschäftlichen Angelegenheiten erleb ml waren, hielt Proiesior Dr. Gustav Hölscher - Marburg einen Vortrag über „Die Ursprünge ber jüdischen Eschatologie'. Unter Eschatologie versiebt man. so führte der Redner aus, die Lehren von den letzten Dingen, also von dem großen Gericht über bie Abtrünnigen, die Belobnuna der Getreuen, die Wiederkunft des Messias. Die Urlprünge davon gehen auf die Propheten zurück, die literarische Ausstattung ist jüngeren Datum». Ano» 5, 6—20 gilt al» Grundlage nationale Ideen (log Jahwes) kommen hinzu. Der Dolksgott wird zum Weltaott, da» Dolksgericht zum Weltgericht. Daraus entsteht die Eschatologie. Sie ist nur au» spezifisch-religiösen Motiven zu erklären. Vom Weltuntergang ist im Alten Testament nirgend» die Rede, nur von Welterneuerung. Unter dem Tag Jahwes ist ursprüna- lich der Festtag Jahwes zu verstehen. Da» ist ein feststehender Begriff im israelitischen Kult, der die rettende Erscheinung Gottes darstellt. Die eschato- logischen Ideen flammen aus dem Kult des Neujahrsfestes sind aber später vom Kultus losgelöst und dogmatisiert und nationalisiert. Die Hoffnung auf den Messias ist erst später hinzuaekommen. Die jüngsten Ausbildungen der eschatologischen Hoffnung gehen auf ausländtsche Einflüße zurück. Den zweiten Vortrag hielt Pfarrer Lic. Heine« Peter- Bad Ems über ..Das chnstologifche Pro« blem als Lebensfrage". Der Redner hatte feine fein« finnigen Ausführungen in sechs Leitsätze zusammengefaßt, die den Zuhörern gedruckt Vorlagen. Der Mensch sucht von Anfang an die Gottheit, kann sie aber von sich oder der dinglichen Welt au» nicht finben. Dazu muß Gott selbst seine Hand bieten. Er tut es in Jesus Christus An den Vortrag schloß sich eine ausführliche Aussprache an, welche die Gedanken des Vortragenden teils unterstützten, teils ergänzten. t Rundfunk-Programm deS frankfurter Senders. (Aus der „Radio-timschau") DienStag, 16. Juni. 12 und 4.20 tihr: -Nachrichtendienst. 4.30 bis 6 tihr: RachmittagSkonzert deS Hausvrchestersr Wiener Operetten. 6 biS 6.30 tifyr: Die Lesestunde: Aus .Soll -und Haben" von Gustav Freytag (Fortsetzung). 6 30 bis 7 tihr: Die Bücherstunde. 7 bis 7.30 tihr: Vortragszyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. Vl.-Hanau. Vortrag von Dr. Köbner: „Die Bestrebungen der deutschen Unternehmungen nach Erhöhung ihrer Wirtschaftlichkeit". 7,30—8 tihr: Funkdochfchule. Vortrag von Prof. Schultz:: „Der Rhein in der deutschen Dichtung" (Zur Jahrtausendfeier der Rheinlande). 8 bis 8.30 Ahr: ticbertragang von Kassel: Stunde der Stadt Kassel: Vortrag des Kreispfarrers Lic. Bachmann: „Die evangelische Gemeinde Kassel". 8.30 bis 9.30 tihr: Sinsoniekonzert. Anschließend: Rachrichtendienst. Wettermeldung, Sportbericht. Spiclplan der Arankfurtcr Theater. Opernhaus. Dienstag, 16. Juni: Die Boheme. Mittwoch 17.: Die Hugenotten. Donnerstag. 18.: Cavalleria rufticana: hierauf: Der Bajazzo. Freitag. 19.: Earmen. Samstag, 20.: Amelia oder Ein Maskenball Sonntag. 21 Tannhäuser. — Schauspielhaus: Dienstag, 16.: Goethes Faust 1. Teil Mittwoch 17.: GoetbeS Faust l. Teil Donnerstag. 18.: Der goldene Schnitt. Sfreitag, 19.: Die Andacht zum Kreuze. Samstag, 20.: Die Andacht zum Kreuze. Sonntag, 21.: Bummelstudenten. Ans vcm AmtsLerkünvigungsblatt. * * Das Amtsoerkündigungsblatt 91 r. 4 7 vom 12. Juni enthält: Fleischuntersuchung. — Schutz der Pflegekinder. Saison- und Jnventur- ausverkäusc — Beilegung eines Wassergrabens und Anlage einer Schleuse in Gemarkung Rabertshausen. — Verpflichtung der Feuerwehrkonnyan- danten. — Duplikat-Arbeitsbücher. — Aushändigung der Reichsverfassung an die Schüler. — Dienstnachrichten. — Friedhofsordnungen mit entsprechenden Polizeiverordnungen der Gemeinden Daubringen, Utphe und Nieder-Bessingen. --------- 4 Briefkasten der Redaktion. (Rechtöe tachten sind ohne Verbindlichkeit des Redaktion.) G. Sch L. Deutsch-Oe'terreich.scher Algenveir- ein, Seit n Oberhessen, Vorsitzender LandgerichtS- direltor Cramer, Gießen. Die Beitrag-hohe ist unS unbekannt. Kreax-Droj. Anqnai Hell Kenalailt-Drea. Hais Noll P. J. Bötis, Seilealahrtix Dreg. Og. Wa'tealeiE. Drog. Otto WmterheH 46c Deshalb muss man sich die Zähne durch richtige Pflege gesund und voll gebrauchsfähig erhalten. Bedeutende Fachautoritäten der zahnärztlichen Wissenschaft, unter ihnen eine ganze Anzahl von Universiiäfsprofessoren, haben bestätigt, dass die Zahnpasta „Solvolith", eine Erfindung des bekannten Zahnarztes und Spezfalforschers auf diesem Gebiete Dr. mccL Karl Hermann, sich hierzu am vorzüglichsten eignet. Solvolith ist aber nicht nur ein hervorragendes Zahnreinigungsmlttel im kosmetischen und hygienischen Sinne, sondern hat darüber hinaus infolge seines Gehaltes an natürlichem Karlsbader Sprudelsaiz die unschätzbare Eigenschaft, den Zahn- stein aufzulösen bzw. sein Ameren überhaupt zu verhindern. Der Zahnstein ist nämlich einer der schlimmsten Feinde der Zähne und ursäcfilich an den meisten Zahnerkrankungen beteiligt. Er ruft z. B. den gefürchteten Zahnfachschwund (Alveolarpyorrhoe) hervor, der die sonst gesunden Zähne lockert und sie nach und nach zum Ausfallen bringt. Benutzen Sie deshalb zur Pflege der Zähne nur Solvolith Ist In den einschlägigen Geschäften za haben. Faitinger-Werke A^G., Berlin NW 7. Wir betrauern den Tod unseres lieben A. H Kirchenrat Anton Steiner Gießen, den 13, Juni 1925, 6001D 6013D Familie Heinrich Kreiling. Wieseck, den 13. Juni 1925. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und bei der Beerdigung unseres lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Herrn Wilhelm Volzel IV. sagen-wir allen, insbesondere dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte, den beiden Vereinen sowie seinen lieben Kameraden und Arbeitskollegen für die Kranzniederlegungen und herzlichen Worte nur auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Frau Mina Völkel geb. Kreiling und Kind Familie Wilhelm Völzel I. Der Gießener Wingolf. I. N. u. A.: H. Merle x jur. Todes-Anzeige. Statt jeder besonderen Anzeige. Es hat Gott gefallen, heute unsere liebe Mutter, Großmutter und Urgroßmutter Frau Magdalene üertWwe. geb. Lantelme im Alter von 81 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden zu sich zu nehmen. Die trauernd Hinterbliebenen. Lendorf, Auerbach a. d. Bergstr., Gießen, Frank furt a. M. und Steinfurth, den 14. Juni 1925. Die Beerdigung findet am Dienstag, dein 16. Juni, in Auerbach a. d. Bergstr. statt. 05175 1 U K A W I Man bittet, von Beileidsbesuchen abzusehen. 05169 Gießen (Nahrnngsberg 3), den 13. Juni 1925. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Danksagtjng. Für die vielen Beweise der tiefempfundenen Teilnahmebei dem plötzlichen Ableben unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichen Dank. Dem Herrn Pfarrer für seine trostreichen Worte und den teilnehmenden Vereinen danken wir insbesondere Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Kath. Schwalb Wwe. geb. Siegfried. Großen-Buseck, den 14. Juni 1925. 6018D Statt besonderer Anzeige. Freitag abend 10 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Frau UM taM km K Zen» im 67. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Gerhard. w ÄM tt'aktW (albigen lasten. Derhältt wirkt bi Marktes, kommens zumal ci munalfel Aussicht- Ausbildr gern Acr sorgungs Den 1924 25 i such der Hochschul aus der bereits 1 tiger Eiter herer rrnte iungr Kind' Wer t /ann nu Studier« nasiums realschul etwa 12 studium nasiums Haften reaischü Studier etwa 3 Aealghi und 08 Der Äe Schulen zu de stern die schl« len infob überslussi kchas wese keicht, berZ kogie bevbc Di« Prozen äugen k> die au der Zu ist, erg etwa 1 2300 in Aolksw im let); eine ut Aückschi staltung 'M in »a leichi gründ. £061 N nur ?usspra den W nick W A Stil eines aka Sic trau' Leie der Suf* batte, kbttt »le $ Dermal vum h uad , und to. Löest ^nner e,i“ b °uf da > Ju ^uden Bette f/ Qualität, tu Badentülzen Badeschuhen aus erst pretSro. \Droo.Wlnterhoff/ Xv .ÄC!Uit)L 9/10 /i üllslein-SGhnille alle Größen lagernd im z 846a Modehaus Salomon. Heute 4 große Lustspieltage im Liohtspleliiaiis, Bann w. „Onkel James Erben“ Lustspiel in 6 Akten. ßer größte Lacherfolg! 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Planmäßige Fußpflege mit Kuklrol ist nämlich das beste sowohl für mangelhaft entwickelte, wie für überanstrengte Fortbewegungsorgane. Deshalb Kukirolen Sie! Sie werden dann kuklrollelcht und elastisch durchs Kukirolleben kukirollaufen. Ihre Füße werden nicht mehr brennen, schwitzen oder wund werden. Hühneraugen gehören der Vergangenheit an. Kukirolen fördert die Gesundheit, die Kultur, die Leistungsfähigkeit. Brennende, schwitzende Füße machen schlaff, matt und unlustig. Die meisten Sportgrößen kukirolen eifrig, die elegante Welt tut es, der Kellner, der Briefträger, der Schupo, das Ladenfräulein, kurz alle, die viel gehen und stehen müssen, kukirolen. Zuerst vielleicht aus Neugierde, dann mit Vergnügen, zuletzt mit Eifer, denn schon nach wenigen Tagen merken sie, was sie dem Kukirolen zu verdanken haben. 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Ingenieure, Ehemiker usw während der In- slationSjahre. die Ueberfüllung dieser Berufe, die schlechten Anstellungsverhältnisse der B:am- ten infolge Abbaus vieler überorganisierter oder überflüssig gewordener Behörden, haben mehrere zehntausende Abiturienten bestimmt, sofort in das praktische Leben einzutreten, um durch möglichst l aldigen Berdienst die verarmten Eltern zu entlasten. Für junge Leute, die unter normalen Verhältnissen Bauingenieure geworden wären, wirkt bis heute die traurige Lage des Baumarktes, da Stellenlosigkeit und niedrige Ein- kommenssähe die Folge waren, stark abschreckend: zumal ein Unterkommen bei Staats- und Kommunalbehörden wegen der Abbautendcnzen »venig Aussichten bot. Die aufgewandte Zeit und die Ausbildungskosten standen meist in zu ungünstigem Verhältnis zu den Einkommens- und Der- sorgungSchancen. Wenn auch heule für das Wintersemester 1924 25 genaue statistische Ziffern über den Besuch der deutschen Universitäten und technischen Hochschulen noch nicht vorliegen, so lassen sich aus den vorhandenen amtlichen Teilresultaten bereits eine ganze Reihe interessanter und wichtiger Schlüsse ziehen, die insbesondere den Eltern von angehenden Schülernhö- herer Lehran st alten und von Abiturenten dieser Schulen für ihre Stellungnahme zur Berufswahl ihrer Kinder nach Ostern von praktischem Wer t sein könn en. Aus diesen Resultaten kann man schließen, daß die große Mehrzahl der Studierende., über das Reifezeugnis eines Gymnasiums, eines Realgymnasiums oder einer Ober- realschule versügt. Ohne Reifezeugnis studierten etwa 12 bis 14 Prozent. Für das Universttäts- studium überwog das Reisezeugnis eines Gymnasiums mit etwa 40,7 Prozent. Realgymnasiasten waren mit etwa 26 Prozent und Oberrealschüler mit 24,4 Prozent beteiligt. Unter den Studierenden der technischen Hochschulen waren etwa 31 Prozent Gymnasialabiturienten. Die Realgymnasiasten waren mit etwa 27 Prozent und Oberrealschüler mit 33 Prozent vertreten. Der Rest hatte Reifezeugnisse anderer höherer Schulen oder gar keine Die S t u d i e n s ä ch e r, zu denen in den letzten drei Seme- fter nein ausfallend starker Andrang fest zustellen ist. sind: Volkswirtschaft, Chemie, Maschineningenieurwesen und Elektrotechnik. Sine l e i chte Abnahme ist demgegenüber in derZahl derStudierenden der Theologie. Medizin und Philologie zu beobachten. Die Zahl der Theologen ist heute etwa 45 Prozent kleiner als 1913. An Juristen bilden wir augenblicklich etwa die doppelte Zahl von 1913, die auf 10 000 geschätzt wurde, aus. Wie stark der Zudrang zum Studium der Rationalökonomie ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß wir heute etwa 12 000 Studierende zählen können gegen 2300 im Jahre 1913. D. h., die Zahl der jungen Volkswirtschostler ist etwa 4.5 mal so groß als im letzten Friedensjahr Hier liegt entschieden eine ungesunde Entwicklung vor, die bald ihre Rückschläge zeigen muß, denn es muß leider Die Philologentagung in Heidelberg. Von Dr. Gerhard Vorghorst. .Philologentagung" nannte fich die Veranstaltung. an deren Ende wir stehen. Ich glaube, selbst in den Äreifen der Fachleute drängt sich da leicht eine falsche Vorstellung in den Vordergrund. Weit ist noch die Anschauung verbreitet, als ob die Philologen, wenn sie unter sich sind, sich nur unterhalten könnten über die richtige Aussprache des lateinischen „c", ob es für das Seelenheil der Schüler unumgänglich notwendig fei, „Äifero" zu sprechen oder ob es noch hinreiche, bei Cicero" zu bleiben. Sicherlich, auch solche Fragen werden unter Philologen behandelt, in Fachversammlungen und Fachvereinen; aber die Tagungen des „Deutschen Philologenverbands" sind getragen von anderem Geist und haben höhere Ziele. Wenn ich auf die verflossenen Tage rück- wärts schaue, so ist es mir nicht, als ob ich in vier Tagen eine Unmenge von einzelnen Veranstaltungen mitgemacht hätte. Es ist mir. als vb tO) nur einen einzigen Vortrag angehört hatte mit dem Inhalte: Der deutsche Ober* lehrer hat im deutschen Volk eine Kulturaufgabe zu erfüllen. Ihm ist das kostbarste Gut in Mc Hand gegeben, das das deutsche Volk zu verwalten hat: die deutsche Iugend. Und da- rum hat er die Aufgabe und die Pflicht, immer und immer wieder sich Rechenschaft zu geben und die Frage zu lösen: Was habe ich zu tun und wie habe ich die Schule und den Unterricht zu gestalten, um nach meinem besten Wissen und Können diese Aufgabe zu erfüllen? Wenn wir die Iugend führen wollen, müssen wir lernen, sie zu verstehen. Wir dürfen uns nicht beschränken auf das Geben der Iugend in den engen und oftmals unwahren Echulstuben: wir nrüffen mit der Iugend hinausziehen auf ihre Fahrten, fie kennen lernen bei ihren Zusammenkünften und als Freunde teilnehmen an ihren Sorgen und Freuden. feftgeftcllt werden, faß den meisten Studierenden die praktische Unterschulung fehlt, ohne die sie sich später nur zu einem geringen Teil bewähren können. Anreizend aus dieses Studium mitten naturgemäß die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten auf dem Gebiete der Interessenvertretungen. Journalistik, Bank, Handel, Industrie, Verkehr ufw. Die Zahl der Mediziner, die 1913 auf 14 884 geschäht wurde, ist um 28 bis 30 Prozent zurückgegangen. An zukünftige, Zahnärzten wer- den heute etwa 112 Prozent mehr als 1913 ausgebildet. Das philologisch-historische Studium, das 1913 12 228 junge Leute betrieben, ist um etwa 20 Prozent, dar Studium der Mathematik und Ralurwissenschasten um 23 Prozent zurück- gegangen. Zum Chem:c'tudium tst der Andrang so stark, baß heute die Zahl der angehenden Chemiker dreimal so hoch ist als 1913, wo sie fast 900 betrug. An jungen Apothekern bilden wir etwa 26 Prozent mehr ans als 1913. An den technischen Hochschulen ist die Zahl der Architektur Studierenden gegenüber 1913 um etwa 26 Prozent zurück- gegangen. An Bauingenieuren bilden wir etwa 2 Prozent mehr als im Vorkriegsjahr aus. Für das Maschineningenieursach ist ein starker Zudrang, und zwar eine Steigerung von 177 Prozent gegenüber 1913. für Elektro- t e ch n i k eine Steigerung von 312 Prozent, für Chemie und Hüttenkunde eine Steigerung von 197 Prozent sestzustellen das Studium der allgemeinen Wissenschaften an den technischen Hochschulen weist eine Steigerung von 361 Proz. und daS Studium sonstiger Studienfächer eine Steigerung von 197 Prozent auf. Interessant ist schließlich die Feststellung, daß heule viel mehr junge Abiturienten die technischen Hochschulen aufsuchen als 1913. 3m Vergleich mit 1913 bat d i e Zahl der Studierenden der Universitäten 1 92 4 25 nur um etwa 34 Prozent zugenommen, während sie an den technischen Hochschulen um 115 Prozent gleichzeitig gewachsen ist. Zum Schluß seien noch einige Zahlen über das Alter und Verufsziel der augenblicklich Studierenden an den deutschen Universitäten und technischen Hochschulen wiedergegcben. Es sind zur Zeit etwa 8 Prozent jünger als 20 Iahre. Gin Alter von 20 bis 25 Iahre haben 62 Proz., von 25 bis 30 Jahpe 19 Prozent und über 30 Iahre 11 Prozent. Von den Studierenden der Rechts- und Staatswissenschaften werden ms Be- rufsziele Bankfach, Beteiligung im Handel und Industrie, Richter, Rechtsanwaltschaft, Verwaltungstätigkeit, Iournalistik in erster Linie angegeben. Die Studierenden der philosophischen Fakultäten geben vorwiegend an, daß sie Lehrer an höheren Lehranstalten. Hochschullehrer. Bibliothekare, Archivare oder Journalisten werden wollen. Von den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten will sich etwa die Hälfte der Studierenden als Lehrer höherer Lehranstalten und Apotheker, die andere Hälfte in Handel. Industrie und Landwirtschaft betätigen Heber die augenblickliche Zahl der Werkstudenten an den deutschen Universitäten ist zu sagen, daß sie etwa 15 Prozent an den Universitäten, und 9 Prozent an den technischen Hochschulen ausmacht. Gegenwartslehren aus Ernst Moritz Arndts Schriften. England, sollen wir das beargwöhnen und fürchten? Es ist ein ungroßmütiger Bundesgenoß gewesen. Aus unsere Kosten, um unser edelstes Blut hat es Frankreich, den gemeinsamen Feind, nachdem es ihm sein Beliebiges abgenommen, gegen unsere gerechtesten Ansprüche und Rückforderungen geschützt, in unseren inneren deutschen Verhältnissen aber auf das emsigste für die Schwächung, Teilung und Spaltung gearbeitet. Welche unwürdige Eifersucht und Reid gegen Preußen, weil das schien etwas Großes werden zu können! Welche dreifache Eifersucht würde es sogleich offenbaren, wenn Deutschland je in die würdige Stellung kommen könnte, nur den Anfang einer «eemacht zu bilden? Engländer, ihr wäret einst ein edles Volk, dach icnc Epachc liegt weit hinter uni Re 4)tum nb Macht erzeugten Uebermut und Laster, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gegen Fremde folgten. Was sich draußen erzeugt hatte, wirkte nachher auch daheim bei dem Bürger und gegen den Bürger. Am Ganges, am Senegal und auf Jamaika gingen die Sitten und Tugenden und die brave Verfassung der Engländer unter , aus Unterdrückern wurden Unterdrückte, aus Despoten Sklaven. Solltet khr untergeben und der Franzose für euch der See- despot werden, so ist die letzte europäische Freiheit hin. Ihr werdet untergeben durch feinen als durch euch selbst, wenn ihr euch nicht bessern könnt. Gemeine Verachtung des Edelsten, Schätzung aller Dinge nach dem Golde, Würdigung der Rationen nach den Reichtümern, Riedertretung der Armut und Uebermut eurer Rabobs sprechen euer Todes urteil. England fällt nicht durch Krieg, es fällt durch Laster und Verbrechen. Die Franzosen — das waren die allen Reichsfeinde. Sie haben es keinen Hehl, daß sie unter uns und lieber noch über uns mitsprechen und herrschen wollen. Für sie gibt es uns gegenüber keine Heiligkeit der Verträge, keine Wohlan st ändigkeit, welche in Zeit des Friedens wenigstens in öffentlichen Verhandlungen die Völker einander schuldig sind. Denn von der Rednertribütte ihrer Parlamentshäuser sprechen sie jeden Tag gegen uns nur Treulosigkeit, Verachtung und die Hoffnung aus. von uns wieder Beule zu machen. Und es wären unter uns immer noch so gutmütige Toren, die sich von diesen Prahlern immer noch aufbinden ließen, daß sie die Füll rer der europäischen Bildung, Menschlichkeit und Freiheit seien? Man kann dieses Volk immer noch mit vier, fünf Worten beschreiben, wie die römischen Geschichtsschreiber es schon geschildert haben: Es ist neuerungssüchtig, herrschsüchtig, eitel und prahlerisch und des Wechsels und Aufruhrs lüstern. Sie werden, sobald sich eine günstige Gelegenheit zeigt, sich wieder auf den Rhein versuchen und auch von ihren Brückenköpfen heraus zu uns herüberspringen. Ja, von den drei Furienbremsen der Habsucht des Stolzes und des Uebermutes gestochen, werden sie wieder heranbrausen, die wilden Massen, lind mit ihrem Geschrei „Freiheit und Gleichheit" zu betören suchen. Die Leibesübungen in der Geschichte d. deutschen Erziehung während des 19. Jahrhunderts. Von Ernst Deepenbrock. Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Leibesübungen vor dem letzten Jahrhundert zeigt uns. daß im mittelalterlichen Schulwesen die christliche Auffassung von dem höheren Werte der Seele die körperliche Erziehung hinter der geistigen völlig zurücktreten ließ. Auch Luthers Wertschätzung der Iugendspiele wurde nicht Allgemeingut der Erziehung, so wenig wie Corn- menius' Forderung leiblicher Ausbildung auf der Schule vorerst nachhaltig wirkte. Immerhin ließen nlanche Stadtschulen besondere Spieltage zu, an denen Wettlaufen, Werfen, Stock- und Kreisel- spiele stattfanden. Andererseits gibt es aus dem 16. bis 18. Iahrhundert eine ganze Reihe von Schulordnungen, welche das Schlittschuhlaufen, das von altersher ausgeübt wurde, ausdrücklich verbieten. Eine Ausnahme machen die Iesuiten- schulen. die ihren Zöglingen winterliche Vergnügungen erlauben und die überhaupt sich der Leibesübungen im späteren Mittelalter mit besonderem Rachdruck annehmen. Erst die philantropifchen Destrebungen der Austlärungspädagogen Basedow und nach ihm Ealzmann gaben unter dem Einfluß der Ideen Rousseaus den Anstoß zu natürlicherer Erziehung und zur systematischen Einführung körperlicher Bewegungsspiele. Guths-Muths. Lehrer an der Erziehungsanstalt von Salzmann, verschaffte der Wenn bic Iugend das Streben Hal, sich selbst zu erziehen, so sind auch nicht minder einflußreich auf ihre Entwicklung alle Kreise des Lebens, mit denen der Jugendliche in Berührung kommt. Daher heißt es auch, diese in den Kreis pädagogischer Betrachtungen zu ziehen und die ungewollten Erziehungsmächte der sozialen Umwelt fruchtbar zu machen für bewußte Erziehung. Das war ja der Sinn der Ausführungen von Studienrat Dr. D e h r e n d, der damit eine wertvolle Ergänzung zu dem ersten Dortrage bot. Durch die Fülle der Fachsitzungen, in denen die alten Sprachen. Mathematik. Naturwissenschaften und die deutschkundlichen Fächer behandelt wurden, zieht sich wie ein roter Faden der Gedanke, hier den Unterricht so zu gestalten, die Lektüre so zu wählen, fie so zueinander in Beziehung au setzen, daß der deutsche Mensch erzogen wird, der sich seiner selbst bewußt wird und in feine Zugehörigkeit zum deutschen Volke mit all seinen Fehlern und Vorzügen erkennt, sich hineingestellt weih in diese Volksgemeinschaft und Pflichten ihr gegenüber zu erfüllen hat. Dem deutschen Gedanken bewußt gewidmet war bie mit dem Philologentag verbunden Tagung des Verbandes der deutschen Gelchlchts- lehrer. Stadtschulrat Reimann, der Vorsitzende des Verbandes, sprach das ja in der Begrüßung klar aus. Was dann in den einzelnen Vorträgen Deutschlands erste Gelehrte als Früchte tiefgreifenden Studiums vorbrachten, fei es über die Politik der Franzosen gegenüber Deutschland in allen Jahrhunderten, sei es über d e Kriegs- schukdfrage oder über die sogenannten .Reparationen". das wird mit ein Baustein sein, endlich einmal die Wahrheit so hoch und fo fest auf- zurichten, dah die Welt nicht mehr daran Vorbeigehen kann. Der Gesamteindruck der großen Tagung der Philologen und ihre Gäste, der Vertreter der Regierungen, der Städte, der Behörden, der Universitäten, und vieler Verbände läßt ernennen. dah alle, die hier zusammengekommen find, den guten Willen haben zusammenzuarbeiten für das gemeinsame Ziel, Fast zuletzt bringt bann ein Mann den Dank und die Grühc der Deutschen aus Lettland, Estland, Polen. Danzig. Oesterreich und Dänemark, selbst aus dem fernen Mexiko. Er erzählt uns, wie auch draußen fie alle sich mit dem deutschen Volke verbunden fühlen, trotz der Grenzen und meeresweiten Entfernungen. Er spricht den Dank dafür aus, daß der Deutsche Philologenverband durch seine Hilfe es jenen ermöglicht habe, herüberzukommen und einmal wieder im Kreise deutscher ,Landsleute" zu fein. Da brautft ein Beifall durch den Saal, der den Vertretern von jenseits der Grenze mehr, als Worte es tun können, die äleberzeu- gung mit auf den Rückweg gibt, daß fie nicht vergessen find, daß die deutschen Lehrer der deutschen Jugend die Treue ins Herz pflanzen werden! Diefe Zusammenkunft war eine Tagung der inneren Einkehr und einer neuen Zielsetzung. Die Philologen sind gewillt, mitzuarbeiten an der Erziehung des Geschlechts das Deutschland zur Gesundung bringen soll. Regierung und Parlamente haben dafür die Voraussetzungen zu schaffen, die für den Erfolg geeignet sind Mögen sie erkennen, was vor 100 Jahren in Preußen erkannt und verwirklicht wurde Dann wird wahr werden, was die Schlußverse des neuen Liedes vom Rhein: .Rheintreue", besagen, in denen der Sänger, ein einfacher Mann aus dem Dolle verkündet: .Die deutsche Jugend am deutschen Rhein Baut auf, was das Schicksal zerschlagen." Aus alten Akten. Die „Deutsche Juristenzeitung" hat zum 60. Geburtslage Dr. Otto Liebmanns, ihres Begründers und Herausgebers, einmal das Gebiet des Sachlichen und Ernsthaften oerlasien und eine humoristische Sondernummer zusammengestellt, die sich als eine wahrhaft unerschöpfliche Fundgrube für allerlei juristischen Scherz erweist. Nachstehend einige launige stilistische Entgleisungen, die aus alten Akten zusammengefucht sind: Die nachstehenden Auszüge sind wortgetreu aus den angegebenen Akten entnommen: Gymnastik Eingang in die Schule. Er führte da« Turnen praktisch und theoretisch ein. 1793 erschien seine Schrift .Gymnastik für die Jugend" und einige Jahre später .Spiele zur Hebung und Erholung des Körpers und Geiste-". Entscheidende 'Verbreitung sand die Idee der Gleichberechtigung der Körpererziehung mit der des Charakters neben der Schulung der reinen Verstandesträfte. dann in der Rot der napoleonischen Jahre durch das Wirken Jahns und durch die Pflege der Leibesübungen in den studentischen Kreisen der Burschenschaften. Daß auch Dichter dazu beitragen konnten, einen Sport beliebt und gesellschaftsfähig zu machen, wird durch das Beispiel des Eislaufs bewiesen. Der Wertschätzung des Eissportes hatte nämlich Kkopslock mit begeisterten Versen Raum geschaffen. iDergl. leine Oden: Winterfreuden. Dee Eislauf. Die Eislaufer f Aus „Dichtung und Wahrheit" wissen wir. wie Goethe diese Vorliebe teilte und dem Vergnügen des Eislauf- am meisten neben dem des Reitens huldigte. 3a, der Eissport wurde jetzt in Weimar sogar hoffähig und es galt nicht mehr für unziemlich, daß auch Frauen und Mädchen Schlittschuh liefen. 3m ganzen hatte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein entschiedener Anlauf in der Bewertung der körperlichen Erziehung gezeigt, sowohl im allgemeinen Bewußtsein al- auch in der pädagogischen Praxis und Literatur. Aber der eigentliche große Aufschwung, der zur Sportbewegung unterer Zeit überleitete, setzte erst im 19. Jahrhundert ein, und zwar gegen Ende, nachdem die Welle der Begeisterung zu Beginn des Jahrhunderts, zu Jahns Zeit, längst verebbt war. Man wird nicht leugnen können, daß die ganze neuhumanistische Denkungsart von vornherein den Plänen körperlicher Erziehung wohlwollend gegenüberstand, das ergab sich aus ihrer eigentümlichen Auffassung des Zusammenhanges von Ratur und Geist. Schellings Idee von der geist-leiblichen Einheit des Menschen mochte in den Bildungsschichten der Ration zur Höherbewertung der Leibesübungen in der Erziehung unbewußt ebensosehr beitragen wie Kants Abhandlungen über physische und praktische Erziehung, die 1803 erschienen war. Kant war es, der in der Erziehung de- Kindes ausdrücklich die .Kultur des Körpers" forderte: die verschiedenen Spiele und Hebungen dienen ihm zur Abhärtung und zur Ausbildung der Geschicklichkeit wie des Augenmaßes: die leibliche Erziehung soll zur geistigen Disziplinierung beitragen, deshalb muß sie von Anfang an in Hinsicht auf Charakterbildung angeleitet werden. Schleiermacher möchte neben der Kraft des Körpers feine Gewandheit und Anmut ausgebildet wissen. Solche Bewegungsspiele hält er für die besten, an denen sich die Produktioirskraft des jungen Menschen versuchen und üben kann und die dem Darstellungstrieb reiche Anregung geben. In der pädagogischen Literatur hatten die Leibesübungen, wie wir sehen, eine immer sicherere und anerkannte Stellung gesunden, nicht so reibungslos aber im praktischen Leben und im Schulwesen. Ihre Ausbreitung wurde lange gehemmt, vor allem wohl durch die Derpönung der politischen Auswüchse der Turnbewegung, obgleich im Laufe der Jahre das Turnen in den Lehrplan der höheren und niederen Schulen ausgenommen worden war. Schließlich lehrte die großstädtische Entwicklung unseres Lebens immer schärfer die Rotwendigkeit körperlicher Stählung und Erholung vor allem der Jugend. Anfang der 80er Jahre zwang Hartwichs Schrift .Woran wir leiden" die Oeffentlichkeit. sich ernster mit der Spielsrage zu befassen und gewahr zu werden, dah die Jugend das Spiel als Erziehungsmittel in hohem Maße brauche: zur gesunden Entfaltung aller und gerade seiner geistigen Kräfte. Schon ein Jahr später setzte durch besonderen Spielerlaß die Reform der körperlichen Erziehung ein. In Verbindung mit der Wiederbelebung der alten volkstümlichen Hebungen und Spiele und, der Einführung englischer Sporte beginnt dann eine stetig wachsende Wertschätzung der Leibesübungen in der Erziehung. Anzeige des Polizeikommissars L. zu Rathenow. Acußerem Vernehmen nach soll die Leiche einem reisenden Musikanten gehören. Anzeige des Polizeioerwalters H. zu Niemegk. Auf nebenstehender Anzeige begab sich der Unterzeichnete Polizeiverwalter sogleich zum Str. St. yierselbst Verfügung des Polizeipräsidenten v. E. zu Potsdam an seinen Kriminalkommissar D. Bäume lassen sich nicht wie Tische usw. hin und her versetzen, man muß sich mit seinen Fuhren so einrichten, daß man die Bäume schont. Protokoll über die Vernehmung von C. K. durch den Amtsvorsteher F. zu Dobrikugk. Mein jüngerer Sohn Julius ist im striege gegen Frankreich 1870 71 gefallen, mährend mein Sohn Moritz sich nur eine Huh Höll. Protokoll über die Vernehmung von W. L. durch den Pokizeiverwaller H. zu Niemegk. Wenn man schläft, kann man von niemandem gesehen werden. Auktionsprowkoll des Gerichtsvollziehers R. zu Jüterbog. Die zugeschlagenen Stücke müssen spätestens sogleich abgenommen werden. Anzeige des berittenen Gendarmen W. au» Carolath. Das Portemonnaie ist dem P. P. aus dem in feiner mit noch zwei Forstlehrlingen bewohnten Stube hängenden Sonntagsrock gestohlen worden. Anzeige des Briefträgers G. zu Ainakienhof. Adreßat ist Gestorben durch aufsage seines Sohnes. Anzeige des Gemeindevorstehers T. zu Vicarey. Sodann wurde die Entsiegekung der hier anwesenden Erben sowie des Vormundes vorgenommen. Anzeige des Amtsvorsteherstelloertreters B. zu Earolath. B.'s Frau ist gestorben und hat gebeten, nächster Tage zur Vernehmung hier erscheinen zu dürfen. Anzeige des Vormundes R. in Liebenzig. Ich halte mich also nicht für verpflichtet, bis T. hinter diesem Frauenzimmer unentgeltlich herzulaufen, da ja doch auch noch mehr Leute sein werden, die ein solches Ehrenamt übernehmen können. Anklageschrift des Staatsanwalts H. zu Berlin. In vieler Hammer stand ein verschlossener, dem B. gehöriger Lederkoffer, in welchem dieser, in einer Zigarrenkiste liegend, ein Portemonnaie verwahrte. Der unsaubere Frieden. Von Professor §erd. Dreher (Friedberg i.H.). Gestützt auf die im Versailler „Vertrag" fest- qclegte Alleinschuld Deutschlands am Weltkrieg, verfolgen die Ententemächte, bis an die Zähne bc- mcffnet, mit unheimlicher Wollust ihr Ziel, das Genüge des Reiches vollends zu zerschlagen, die deutsche Volkskrast für alle Ewigkeit lahmzulegen und damit die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt endgültig zu erdrosseln. Aber nicht Deutschland, sondern die Entente- voller werden über kurz oder lang auf der Anklagebank sitzen, wenn man in Berlin endlich von den berghohen Gegenbeweisen Gebrauch machen wollte, um sowohl Die ungeheuerliche Lüge von Deutschlands böswilliger Schuld am Weltkrieg als auch die aus ihr abgeleiteten wahnwitzigen Strafmaßnahmen und endlosen Forderungen abzuwehren. Durch die Oefsnung der russischen Archive und insbesondere durch die Herausgabe des „Diplomatischen Schriftwechsels Iswolskis 1911—1914" ist das Zwangsdiktat von Versailles rechtlich unhaltbar und feine Revision unumgänglich geworden. Die russi- l'd)en Dokumente zur Vorgeschichte des Ueberfalls auf die Mittelmächte werfen geradezu vernichtende Schlaglichter in die Hexenküche der Ententediplo- ir.atie, auf die Machenschaften dieser „Totengräber Europas. In die unabsehbare Reihe der Kronzeugen zugunsten Deutschlands ist nun auch der französische Generalkonsul und Gesandte a. D. Alcide Ebray getreten. Er hat Ende 1924 in Mailand ein Buch unter dem Titel „2 a paix malpropre" („Der unsaubere Frieden") herausgegeben, das soeben, 415 Se'ten *tarf, in deutscher Üebersetzung bei dem Verlag für Kulturpolitik in Berlin erschienen ist. Alcide Ebray weist zunächst eindrucksvoll auf dr? Rede des imUenischen Premierministers Nitti bet einem Empfang in Paris im Januar 1920 hin, wo Rttli, zu den italienischen Journalisten gewandt, erklärte: „Diesen Krieg haben wir gewollt und nicht erdulde t." Sämtliche Ententestaaten, betont Alcide Ebray, zogen nicht um eines höheren Ideals willen das Schwert, sondern im Hinblick auf bestimmte Beute und um insbesondere Deutschland politisch, wirtschaftlich und moralisch vollständig zu vernichten. Die Entente trägt nach Alcide Ebrays Beweisführung auch vornehmlich Die Schuld an der langen Dauer des Krieges, indem sie durch maßlose Friedensbedingungen Deutschland zwang, den Kampf hinauszuziehen. In den Kernpunkt seiner Untersuchung stellt Alcide Ebray die Friedensregelung, den Verrat an den Besiegten, der durch Hinterlist vorbereitet und möglich gemacht worden ist. Der von allen Kriegführenden als unbedingt bindend anerkannte Vorvertrag vom 5. November 1918 (die sog. Note Lansings) fußt auf Wilsons „14 Punkten" und sollte als Bedingung gelten für den Waffenstillstand wie als Friedenspräliminarien, wurde jedoch von der Entente schmählich gebrochen. In formellem Widerspruch zu den Klauseln des Vertrages vom 5. November stehen: 1. Die Nichtöffentlichkeit der Friedensverhandlungen und der Ausschluß Deutschlands. 2. Die Organisation des Völkerbundes ohne Einbeziehung Deutschlands. 3. Die einseitige Entmilitarisierung des linken Rheinufers als Verschärfung der Entwaffnung wie die einseitige Entwaffnung Deutschlands überhaupt. 4. Die Abtretung der Saargruben und die Abtrennung des Saargebietes. 5. Das Verbot an Oesterreich, sich mit Deutschland zu vereinigen. 6. Die politischen und territorialen Regelungen in Ostpreußen, Memel und Danzig. 7. Der Raub der deutschen Kolonien. 8. Die Reparationssorderungen aus Artikel 231 des Versailler Vertrages, in dem Deutschland die Anerkennung seiner alleinigen Schuld am Krieg ab- erpreßt wurde. Aber nicht genug damit: Der Völkerbundsrat hat durch die Dreiteilung Oberschlesiens (14. Oft. 1921) entgegen der für Deutschland günstigen Abstimmung (20. März 1921) den Vertrag von Versailles eigenhändig zerrissen, ferner den mitten im Frieden erfolgten Ruhreinbruch Poincarss vom 11. Januar 1923 wohlwollend übersehen und desgleichen die am 10. Januar 1925 fällige Räumung der Kölner Zone — „weil Deutschland ohne irgendeinen Zweifel materiell enwaffnet ist", wie General Fach nach der französischen Zeitung „Temps" vom 7. November 1924 erklärte. Hohnlachend wirst der Völkerbund, die Verkörperung des Weltgewissens, die „flammenden Proteste" des wehrlosen deutschen Volkes in den Papierkorb. Die Entwaffnung der Mittelmächte sollte bekanntlich die (Einleitung zu einer allgemeinen Abrüstung werden, die Ententegenossen aber rüsten in fieberhafter Hast, wie nie zuvor, obwohl das blutleere Deutschland nach Annahme des Dawes-Planes bis auf das Hemd ausgeplündert dasteht, verleumdet mit der alleinigen Kriegsschuld. „Auf diese Weise", sagt Alcide Ebray, „sind auch die Besiegten nicht mehr gehalten, unbewaffnet zu bleiben. An dem Tage, da sie offen wieder rüsten Gberhesfischer Nunstverein. Ausstellung im Turmhaus am Brand. Die Freie Vereinigung Darm- städter Künstler, oder der Oberhessische Kunstverein, haben es sich mit dieser Ausstellung etwas leicht gemacht. Jedenfalls hängen die bet weitem besseren Bilder der Darmstädter drüben in Bad--Rauheim bei Banger. (Nehmen wir das, was da ist, bleibt natürlich immer wieder Karl Scheid mit seiner starken Kreatürlichkeit obenan, ganz gleich, ob er Lithographien oder Oelbilder als Ausdrucksmittel seiner erdgebundenen Schaffensfreude gebraucht. Die ganz stark naturhast gestaltete Festigkeit seiner Sprache ist überall zu finden, besonders bei dem oft gewandelten Motiv weidender, pflügender oder ziehender Pferde. — Wichtig in dieser oft stark konventionell, ohne Zwang nachgemalt anmutenden Reihe anderer Bitter ist weiter Richard Walter. Er hat da eine Wald- landschaft hängen, von der man sagen kann, sie hat Lust, Licht und Leben. Es ist auch unverkennbar der Versuch einer eigenen Ausdrucksweise gemacht. Gleich interessant, besonders durch den gutgebauten inneren Aufriß des Bildes ist eine Schneelandschast, „Straße in Zwingenberg", bei der das Licht mit feiner, auf letzte Möglichkeiten spekulierenden Oekonomie behandelt ist. — Anna Bornemann, vom leichten Aquarell her zur Malerei kommend, hat ein Oelbild von Schlitz gemalt, dem man seine Aufmerksamkeit nicht verweigern möchte. werden, wird man ihnen fein rechtliches Argument entgegenstellen können." Deutschland, nicht Frankreich, hat Wiedergutmachung und Sicherheit zu fordern! Brasilien. Einem der vielen Uichtfertrg Ausgewanderten nacherzählt von Harro Essing h. Pedro Alvarez Cabral . . 1500 . . . Brasilien . . . Kaum vermag uns unsere Vorstellungstrast zurückzuversehen in eine Zeit, da em anderes Portugal noch Männer hervorbrachte, deren Ruhm die Welt erfüllte und deren Taten ihr Land zur Weltmacht emportrugen. Das Mutterland sank und sank . . Zu beiden Seiten des riesigen Amazonas, durchzogen von den Bergketten der Serra do Mar, do Espinhaco, dos Vertentes, im Süden heranreichend an den La Plata und im Osten bis an den Fuß der äquatorialen Anden, harrt Cabrol's Entdeckung in ihrer endlosen Ausdehnung den Zeiten entgegen, die Brasilien als ein mächtiges Weltreich zeigen werden. Roch ist alles im liebergang; und der kapitalistische Marodeur, der Pleitegeier, streicht über die jungen Fluren . . . Brasilien ist reich, sehr reich. Doch all seine Schätze können dem Volke nicht nützen, solange sie nicht gehoben werden. Eisenbahnen, Eisenbahnen immer wieder, sind das dringendste Erfordernis. Doch das internationale Kapital, gern bereit, überall einzuspringen. wo Dividenden winken, scheut Bahn- bauten, die sich erst, möglicherweise, nach Jahren oder Jahrzehnten rentieren. Hier hat die Selbsthilfe des Landes einzusehen. Doch die brasilianische Regierung verfügt über keine Million Contos, die wirklich freies Geld wären. So kann die Derkehrsfrage nur ganz allmählich vorwärts gerückt werden. Wann wird auch für Brasilien in der Durchdringung des Kontinents das Tempo erreicht werden, das in den mittleren Dezennien des vorigen Jahrhunderts das Reich der Vereinigten Staaten von Rordamerika vom Atlantik zum Pazifik im Cinschritt vorzutragen wußte? — Aus den Kaffee- und Zuckerplantagen brütet die Sonne der Tropen. „Freie Arbeiter" sehen die Fron der einstigen Sklaven fort. Und die Herren der Pflanzungen, die in den Börsen- und Bankpalästen von Rio und Santos dem Herzschlag der Weltwirtschaft lauschen, von dessen Schwache oder Erstarken auch ihre, auch Brasiliens goldene oder papierene Zukunft aibhängt, — sie wissen einstweilen nicht viel mehr als das alte Mittel ihrer Väter: Der gute Aufseher ist die halbe Plantage wert? Roch sind die Skavenaufseher in Cabral's weiter Erbschaft nicht ausgestorben. Wehe dem europäischen Einwanderer, den fein Wille oder fein Schicksal als Arbeiter auf brasilianische Plantagen führte! So treibt sich der arme, enttäuschte, desillusionierte europäische Arbeiter, der unvorbereitet und ohne vorherige genaue Erkundung des Terrains auswanderte, bald arbeitslos in den Millionenstädten am brasilianischen Atlantik herum. Von Sozialgesehgebung so gut wie keine Spur. Und sie werden gejagt von den überzahlreichen Dienern der Gerechtigkeit eines jungen Staates, in dem alles gärt und über die Stränge schlägt . . . Schuhleute, die die Todmüden und Halbverhungerten in der kalten Tropennacht von den Bänken in den öffentlichen Anlagen vertreiben. nachdem sich die Heruntergekommenen in Gottes Rainen bereits Ühr und Taschenmesser hatten abnehmen lassen, — in der Hoffnung, dann wenigstens liegen bleiben zu dürfen. Sie schweigen; denn sie wissen genau, daß der erste beste Polizist es in der Macht hat, jede Sache so zu drehen, daß eine Abschiebung nach den Sümpfen, zu staatlicher Zwangsarbeit, erfolgt. Das ist das Schreckgespenst der Elenden, die es einander zuraunen, daß aus den Sümpfen nur die eine Hälfte wiederkehrt . . . Ein (Nachtasyl? Ach Freund, mit derselben Geläufigkeit, wie du „Sonne, Mond und Sterne" immer in der gleichen Reihenfolge nennst, nie in einer andern, — mit der gleichen, blöden Selbstverständlichkeit kennt der brasilianische Türhüter des Rachtasyls die Rangfolge der Rationen oder Rassen, als ob's im Dienstreglement stände; erst die Portugiesen, dann di? Reger, dann die Angelsachen (und alles, was englisch spricht). — und dann, mit dem Ausschuß, kommen die Deutschen auch. Doch schon bei den Regern sind die Plätze beseht . . . Ein Krankenhaus? Ruch das. Denn, — nicht wahr? — unendlich mühselig ist es, alle armen Teufel, die täglich und allnächtlich irgendwo auf der Bank oder im Sande oder an der Straßenecke ihr in Brasiliens Sonne versengtes Dasein enden, erst umständlich mit Autos und Mannschaften in allen Stadtteilen zusammen zu suchen, aufzuladen und nach der Ausschußecke des Campo Santo zu transportieren. Um wieviel praktischer ist es. dies? Friedhof-Aspiranten im letzten Augenblick aufzunehm?n. soweit sie sich Das Bildnis einer Dogge fei led glich registriert, doch bleibt wohl ihr eigentliches Gebiet das Aquarell. Eine blühende Wiese ist da, die eine beglückende Leichtigkeit ahnet, mit allem Schmelz der zarten Farben, die im Weih sich lösen. Bei der blühenden Aloe und dem Treib- hausfenster sind wieder jene kleinen Gedichte mit hineingewoben, wie sie gelegentlich Oskar Moll macht, die aber hier durchaus am Platze sind, da sie fachlich verwandt, wesensgebunden und nicht verlegenheitsentsprungen sind. — Einige Köpfe Richard Daengers möchte ich noch erwähnen. Sie erinnern gelegentlich daran, daß die ganz schlichte Anwendung des einfachen Handwerkszeuges, wenn sie ehrlich und von einem Könner geschieht, künstlerische Werte zu schaffen imstande ist. Kommt es doch nicht Darauf an, auf jedem Gebiet Spitzenleistungen £u erreichen; wir sind nicht alle auserlesen, am Ziel zu stehen. Wo aber der Wille zu spüren ist. da wollen wir zugreifen und helfen, unD sei es nur, daß wir versuchen Fühlung zu finden zu dem noch Fremden, das unter Einsatz eines Willens und einer Persönlichkeit seinen Weg geht. Denn wir alle sind, an das Heute gebunden, dem Morgen verpflichtet. e-s. „Grohdeutsche Ausstellung" in Darmstadt. Das Darmstädter Ausstellungswesen ist aus keinem guten Weg. Zugegeben, daß in einer Stadt, die weder eine starke künstlerische Produktion noch einen guten Kunftmarkt besitzt, die an der Tür des Krankenhauses mit einem genügend elenden Körper einwandfrei Darüber aus- weisen können, daß sie nach menschlichem Ermessen in spätestens acht Tagen eine Leiche sind. Dann hat man sie gleich beim Kirchhof, es gibt alles viel weniger Arbeit .... Santa Casa! Das Heilige Haus! Weiht du, Leser, wieviel Weihe, auch «V vor allem Deutsche, in Brasiliens Stätten verzweifelt um ihr nacktes Leben ringen? — immer im Herzen noch den einen Wunsch und Die eine armselige Hoffnung. einmal bietet sich doch die Gelegenheit, und du fährst nach Europa, nach Deutschland, — als blinder Passagier! Provmzmltag der Provinz Oberhellen. (Eigener Bericht des ’ Gießen, 13. Juni 1925. Unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors G r a e f trat heute dec Provinzialtag der Provinz Oberhessen im Regierungsgebäude zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen. Nach der Begrüßung der Mitglieder des Pro- vinzialtags, des Provinzialausschusses und der Kreisdirektoren und nach Feststellung der Präsenz fand zunächst eine Ehrung f ü r den verewigten Provinzialdirektor Matthias statt. Provinzialdirektor Graes erinnerte, während sich das Haus von den Sitzen erhob, daran, daß wenige Wochen nach der vorigen Sitzung des Pro- oinzialtags (28. Mai v. I.) ein schneller Tod den Provinzialdirektor Matthias abberief. Weiter sagte der Vorsitzende: Provinzialdirektor Matthias stand seit dem 1. Februar 1922 an der Spitze der Provinz. Er hatte sich durch feine große Tüchtigkeit, durch seine vornehmen Charaktereigenschaften, durch seine Liebenswürdigkeit und sein bereitwilliges Entgegenkommen außerordentliche Sympathien in allen Bevölkerungskreisen erworben, die weit über das übliche Maß hinausgingen. In Provinzialdirektor Matthias haben wir einen großen Freund der Selbstverwaltung verloren. Wie sehr er mit ganzem Herzen an der Selbstverwaltung hing und wie er ihre Interessen zu fördern und aus- Atibauen bestrebt war, wird besonders durch das Projekt der Gemeinwirtschaft bewiesen. Hierdurch wird auch die (Erinnerung wachgerufen, wie er es verstanden hat, der Selbstverwaltung neue Wege zu weisen. Der Staat, die Provinz, der Kreis Gießen und die hessischen Selbstoerwaltungsbeamten wissen, was sie an Provinzialdirektor Matthias verloren haben, und daß er unersetzlich für alle ist. Ich als sein Amtsnachfolger glaube ihn nicht besser ehren zu können, als daß ich mich bemühe, in seinem Geiste mein Amt aufzufassen und bestrebt zu fein, in feinem Geiste zu wirken. Ich stelle fest, daß Sie sich zur Ehrung des Entschlafenen von den Sitzen erhoben haben. Eine weitere Totenehrung galt dem noch vor Antritt seines Amtes als ProvinzialtaHsmitglied verstorbenen Fabrikdirektor Schmitz-Hirzenhain, zu dessen Ehre sich bas Haus gleichfalls erhob. Neue Provinzialtagsmitglieder. An Stelle des verstorbenen Mitglieds Schmitz- Hirzenhain wurde Friedrich Lenz- Ortenberg und an Stelle des durch Mandatsniederlegung aus- aeschicdenen Karl Haupt-Gießen Jakob Schüfe r =■ Bad,Nauheim in den Provinzialtag berufen und heute in üblicher Weise verpflichtet. Beigeordneter Wittig- Butzbach hat sein Amt als Miigliei des Provinzialausschusses niedergelegt. Als Ersatz wurde Bürgermeister Walz- Lauterbach in den Provinzialausschuß berufen. Der Rechnungsabschluß für 1923 weist die Zahlenungeheuer der Inflationszeit auf. In Goldmark nn'gerechnet bei einem amtlichen Berliner Dollarkurs von 4,20 B. M. verbleibt ein lieber« schuß von 58 880,40 Goldmark. Die Rechnung und der Verwaltungsbericht wurden, genehmigt. Der Pro o i nzialvoransch l ag für 19 25 schließt, wie schon kurz berichtet, in Einnahme und Ausgabe mit 1 201 280 Mk. ab. Auf der Einnahme feite findet man folgende wichtigere Posten: Rechnungsrest 28 880 Mk., Kreisstraßen (Ertrag aus der Kraftsahrzeugsteuer) 407 500 Mk., Soziale Fürsorge 174 900 Mk., Provinzialumlagen 560 000 Mk. Die Ausgaben feite weist folgende größere Beträge auf: Allgemeine Verwaltung 71 300 Mk., Kreisstraßen 789 500 Mk., Soziale Fürsorge 244 007 Mk., Provinzialumlagen 40 000 Mk. Bei der Beratung des Voranschlags hob der Provinzialdirektor hervor, daß es möglich war, die Pro vinzialum lagen von 615 000 Mark im Vorjahr auf 560 000 Mark für das neue Rechnungsjahr herabzumindern. Eine eingehende Aussprache entspann _ sich bei dem Kapitel Kreis st raßen. Die Länge der Kreisstraßen Oberhessens beträgt nach einer Erklärung des Provinz-aldirektors Graes 2285 Kilometer. Die Unterhaltungskosten für einen Kilometer bezifferten sich vor dem Kriege auf 450 Mk. jährlich, heute wird Der gleiche Betrag für einen Kilometer ausgegeben. Dafür kann aber heute nicht Das gleiche wie vor Dem Kriege geleistet werden. Wenn heute Die Vorkriegsleistung bei der Strahenunterhaltung gerechnet würde, wären 800 bis 900 Mk. für einen Kilometer auf- zubringen. Früher kostete das Walzen von einem Kilometer 5000 Mk.. heute 9000 bis 10 000 Mk. ..Gießener Anzeigers".) früher kostete ein Kilometer Kleinpflaster etwa 28 000 bis 30 000 Mk.. heute 75 000 bis 80 000 Mark. Der ReDner wies weiter auf Die außerordentlich starke Inanspruchnahme Der Kreisstraßen Durch Den Autoverkehr, insbesondere Durch Die Lastkraftwagen hin. unD erklärte, auf Diesem Gebiete müßten wir zu einer vollstänDigen ilm- wälzung der Verhältnisse kommen. Es müßten im Laufe Der Jahre große Durchgangsstrahen für Den Autoverkehr errichtet werden. Die Kraftfahrzeugsteuer. Die ja jetzt ganz Den Provinzen überlassen werden solle, jeDoch nur für Zwecke autzer- orDentlicher Verbesserung Der Kreisstrahen, könne nach Der Ansicht Der Verwaftungsbeamten noch weiter erhöht WerDen. namentlich auch für Den Lastwagen verkehr, wofür Die Steuer zu gering erscheint, währenD anderseits Die Straßen gerade durch Den Last fraftWagenverkehr am ersten abgenutzt WerDen. Außerdem wäre zu erwägen, daß Die Kreise zu Den Kreisstraßenkoften noch beitragen müßten. Weiter stehe er auf Dem Stand- punkt. Daß Die Kraftfahrzeugsteuer unbedingt ergänzt werden müfse durch eine allgemeine Fahrzeugsteuer. Deren Ertrag nur für Zwecke Der Straßenverbesserung Verwendung finden dürfe. Im Interesse der Straßenunterhaltung müsse vor allem auch Die Organisationssrage hinsichtlich der Straßengehorigkeit so schnell wie möglich geklärt werden. Abg. L u?-Rieder-Florstadt unterstrich die Ausführungen des Provinzialdirektors durchaus zustimmend, trat für großzügige Strahen- erbauungen ein und wünschte hierbä, besonders staubarme Straßen nach den neuen technischen Verfahren zu schaffen. Ferner machte er beachtenswerte Vorschläge zur Finanzierung dieser Reubauten. Rach weiterer, längerer Aussprache wurde den vorgeschlagenen Straßenneubauten zu- gestimmt, von Pfordt nach der Kreisstrahe Schlitz—Hemmen—Fulda, und Langd—Ulfa; im letzteren Falle sollen einstweilen nur die Erd- arbeiten in der Gemarkung Ulfa im Winter 1925/26 ausgeführt werden, damit zunächst ein gut fahrbarer Feldweg entsteht, der später als Kreisstraße ausgebaut werden kann. Die übrigen Titel des Voranschlags passierten nach Erläuterung Durch Den Vorsitzenden ohne Aussprachen von Belang. Der kommunistische Abg. Schäfer, Bad-Rauheim, stellte eine lange Reihe von Anträgen. Die man nur als Agitation bezeichnen kann unD die sämtlich, entsprechend Dem Vorschläge des Provinzialdirektors, zur Prüfung an den Provinzialausschuß überwiesen wurden, während Der Antragsteller wünschte, daß Über seine Anträge und Die GelDmittel hierfür gleich bejahenDer Beschluß gefaßt werden sollte. Das Haus entschied bei sämtlichen Anträgen mit allen Stimmen gegen die eine des Antragstellers. Zur Deckung der Provinzialumlagen in Höhe von 560 000 Mk. sollen beitragen: Einkommen- und Körperschaftssteuer 205 000 Rm., Umsatzsteuer 5000 Rm., Grundsteuer 225 000 Rm., Gewerbesteuer 80 000 Rm., selbständige Gemarkungen 40 000 Rm.. zusammen 555 000 Rm. Der ungedeckte Rest von 5000 Rm. soll aus dem Ausgleichsstock genommen werden. In Der Gesamtabstimmung wurde Der Voranschlag einstimmig, also auch mit Zustimmung D e 8 kommunistischen AbgeorDneten, genehmigt. Wasserwerk JnheiDen. Die Abrechnung über Die Einnahmen und Ausgaben in 1 923 weist Die heute gegenstandslosen Papiermarkziffern auf. Die Rachweisung des Kapitalvermögens weist Die nach Dem Kurswert Der Papiere am 31. März 1924 errechnete Gesamtsumme von 204 144,98 Goldmark aus. Der Voranschlag für 1 925 schließt in Der Betriebsrechnung mit 754 000 Rm. in Einnahme unD Ausgabe, in der Vermögensrechnung mit 438 000 Rm. in Einnahme und Ausgabe ab. Beide Vorlagen wurden glatt genehmigt. Ueberlandwerk Oberhessen. Die Rechnung über Den Ausbau Des UeberlanDwerkes in Den Rechnungsjahren 1922/23 schließt mit einem Einnahme-Ueberschuh (in GolDmark umgerechnet bei einem amtlichen Berliner Dollarkurs von 4,20 Mk.) von 3031,50 GolDmark ab. Der R e ch,n ungsabschluh für 1923 vermittelt mit seinen Papiermarkungeheuern wieder die Erinnerung an Die Inflationszeit. Die Goldmark-Eröffnungsbilanz auf 1. April 1 924 schließt mit 9 466 346.77 Rm. ab. Auf Der Vermögensfeite stehen u. a.: Hochspannungs- Freileitungen mit Frage einer wertstiftenDen oder Doch zugkräftigen ausstellerischen (Betätigung schwer zu lösen ist. Aber so, wie es in DarmstaDt gemacht wirD, geht es auf keinen Fall. Man kann sich in DarmstaDt toeDer zu kräftigen AusstellungsgeDanken noch zu Durchgreifenden Methoden Der Ausführung entschließen. Die Kunftpflege der Stadt steckt nicht nur voller bürgerlicher Ressentiments gegen das Reue, sie ist auch unfruchtbar in Der ausstellerischen Auswertung Des Alten. Man sucht zwar den kunststädtischen Ruf hochzuhalten, besonders mit Hinblick auf den Fremdenverkehr, aber man zieht die alljährliche Sommerausstellung immer deutlicher als formlose Augenbelusti- gung für Den geistigen MittelstanD auf. Das ist ein gefährlicher Irrweg. Der Ruf der Darm- ftäDter Ausstellungen hat schon jetzt gelitten. Er WirD leiDer Durch Diese neue Großdeutsche Kunstausstellung abermals einen Stoß erhalten, und zwar Den schlimmsten, Den er bisher empfangen hat. Die Ausstellung ist veranstaltet pom Ortsverein Der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft. Ihr „Gedanke" ist, Bilder unD Plastiken von lebenden Künstlern Deutschlands und Oesterreichs vorzuführen unter Ausschluß aller in besonderem Sinn moderner Tendenzen (wenn man nicht Hüther, Echwalbach, Jaeckel, Kohlhoff, Die mit sehr flauen Stücken vertreten sinD, als Belege für Das Moderne anerkennen will). Mit anderen Worten: Man hat einen kleinen Glaspalast aufgetan, etwa von der Haltung Des Jahres 1910, genau so wirr unD sinnlos wie das Münchener Original, eine ungeformte Anhäufung von Kunstwerken, in Dfcr ein leerer, entgeifteter Kunstvereins-Manierismus Den Ton angibt. Es ist beileibe nicht Das Bestehen auf vergangenen Kunstanschauungen, was diese Ausstellung zu einem so unerquicklichen Erlebnis macht. Sondern man stößt sich an der ernstlosen Grundgesinnung, an der Bevorzugung leichtfertiger Mißqualität und manieristischer Effektmale- rei. Der Durchschnitt dessen, was man in Darmstadt sieht, ist weder alt noch jung, sondern gesinnungslos. frei von Ernst und Einsatz; 3n- Duftriearbdt so schwachen Geistes, daß schon eine Qualität wie Die von Schramm-Zittau, Schrader- Velgen. Otto Dill, Oskar Hagemann sehr wohltuend hervortritt und daß ein Stallbild von Feld- Hauer. ein Jnnenraum von Landenberger, eine Marine von Julins Seyler sich bei weitem als Spitzenleistungen behaupten. Die Ausstellung hat als Ganzes weder zur alten noch zur neuen Kunst etwas zu sagen, sondern sie ist ein Ausbiegen zur Kunstgesinnung des kleinstädtischen Kunsthandels und Der provinziellen Auchmalerei. Bezeichnend ist es, daß sogar aus Hessen selbst fast alle ernsthafteren Begabungen Der Ausstellung ferngeblieben sind. Berlin. München und Wien haben in Der Hauptsache die Habitues ihrer Kunstvereine oittsandt. Daneben einige „Ramen" aus Der Reihe Decker- Gundahl. Stuck, Fehr, Habermann, Hengeler. Samberger. Münzer usw., die durchgehends bo- schämend schwach belegt sind. Wilhelm Michel. 's de" auf r*r- das Aus- ngen. erlcbni« lürtpfg trngjg If sichan ni kW',r' W?; S*LSL ?Äg J 1,1 gif dfw* MsK bi»t« N LE7 w •Set»,«, ^ter aus ? 80 000 N^me [)tt ^öer» I sjsäS?e »t; rß?j! ?ÄB **0» !• “"' fit ätaft JS fmdm Mirk ^erhaltung mü|K ZK MIE untrchtch WnjiaQnrrftort durch- ftta wn neuen technischen hct machte er brach. Ilnanziermg bidtr langem Aussprache ^tiüpcnntubduttii »u» M<$ btt -d Langd-Ulfa. Inwien mir dir Trd- g Ulfa ün Töijinr 1. damit Mchst ein tstchl. der spdter alben kann. Voranschlags passin. den Vorslhendtn ohne Der kommunsstlsche heim, stellte eine lange ian nur als Agitation sämtlich, entsprechend ovinzialdireklors, tut alaußschuh überwiesen | agsteller wünschte, bah ile Geldmittel Hiertür ! gesagt werben sollte mtlichen Anträgen mit Ine des Antragstellers, ilumlagen in Höhe von w. Sinkommen- und > M Umsatzsteuer 5000 Am., ®et?erfe- ändige Temar/imgen Vm. Der un- 1. JoH auf dem And- len. 3n brr Tesamt. rranschlag einst im« Zustimmung bei zevrbnrten, geneh- Inheiden. ber die Sinn ahmen [923 weist die W» narfjiflem aut Dir ipitalvermogen» wert der Papiere am ,te Gesamtsumme von für 1025 W mit 754 000 B J in der Vermögen-ttt' ; Einnahme und 2ui xn glatt genehmig», f Oberhell" --G t bei einem am« 4,20 ®t) Mn 303' b,d)lÄinac LVem1^’ »J berung ber Alpen wird durch öauflure her 1787 den Mont "Blanc bezwang. Die drei einen 21 n g e ft eilten Friedberg. Seit ritz, und die vier Z a h l u n g s s ch 10 i e r i g l e i t einer 25. Juni einberufen worden. den 11, Phisch aufai „Evas 5ur f l a f f u n g gerichtetes Vorgehen gegen Snl- gc- Die 1 der . als feinen Strom abzufctzen Ob es vielleicht an 1 gegenkommen gegenüber der Stadt Ziehen fehlt habe? Provinzialdireltor (S r a e t antwortete Verhandlungen mit der Stadt Gießen wegen Lieferung von Strom waren schon im Gange. vom Heberlanbwerk in do. gelb 13,50 bis 14, Rapskuchen 15,40 bis 15 60, Leinkuchen 22 40 bis 22.30, Trockenfchniye! 1010 bw 10,20 TorfmelaNe 10. «artoffclfloden 19,30 bis 19,40. Abg Fenchel- Ober-Hörgern sprach gleich- lalls fein Erstaunen und "Betauetn über den 3b- fchluß Gießens mit ter Ober-'Seter 3 G auS. ebenso darüber, daß die Stadt der Provinz vor dem Abschluß nicht Mitteilung gemach' habe wie zugesagt war Provinzialdirektor Graef betonte fchiiaültch noch er bat? dem Oberbürgermeister Keller erftort. diele Entscheidung fei eine direkte Blamage für die Provinz. Der Obcrbürgermeiftet habe daraus geantwortet, die Entscheidung richte sich in (einer "Seife gegen die Provinz, fondern lediglich gegen den Staat wegen der unsicheren Faktoren, die in Wölfersheim vorlägen Die zweite Angelegenheit betraf nach einem Antrag des Abg. Lur. ein auf ® len ft ent- eingeleitet, ber 1 _ —---------- .. Saustures Bezwingung bei OHont Blanc erregte Olbftieq rächte sich daS Matterhorn grausam: das vorderen Teilnehmer stürz- Modeschau im Eisenbahnzuge wurde kinematogra- phisch ausgenommen und wird jetzt unter dem Titel „EvaS SilmreDue- in den Kinos gezeigt. Buntes Allerlei- Berühmte Bergeroberungen. Der Versuch, den höchsten Gipfel der Erde, den Mount Everest zu bezwingen, der in den letzten Jahren dreimal, aber noch ohne völliges Gelingen, unternommen wurde, bildet das letzte Glied einer langen Rette von Bergeroberungen, in denen der Mensch sich allmählich die höchsten Erhebungen der Erde unterworfen hat. Der planmäßige Angriff auf die Hochgipfel hat erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts begonnen, und Jahrtausende hat es gedauert, bevor der Mensch die Bergbesteig- gung alS Sport aufnahm. Rur wenige einsame Vorläufer gibt es in der Geschichte, die ohne besonderen Zweck auf hohe Berge fliegen, fo Hadrian, der 126 n. Ehr den Aetna bestieg, so Petrarca und Leonardo da Vinci. Selbst Goethe, der auf feinen Schwe zer "Reifer, als einer der ersten die Wunder deS Hochgebirges genoß und beschrieb, war noch kein Alpinist im modernen Sinne. die höchste Bewunderung der ganzen Menschheit: unter den folgenden Besteigungen des höchsten Berges Europas tst keine mehr bewundert worden all die der 44 jährigen Mademotselle d' Angeville, die vor der Besteigung ihr Testament machte und unterhalb deS Gipfels wirklich zu sterben glaubte. .Tragt meine Leiche hinauf und Iaht sie oben", sagte te zu den Führern. Aber bann erreichte sie doch glücklich den Gipfel. Was die Eroberung des Mont Blanc für die Westalpen, bedeutet die deS Drost- Glöckners für die Ostalpen. Nachdem eine grobe Expedition des Fürstbischofs von Gurk 1799 mißlungen und auch ber fpätere Bischof von Linz. Lieg- munb von Hohenwart, nur den Gipfel deS Älein- Glockners erreicht hatte, bezwang 1800 ber Pfarrer H 0 rafch von Dölsach alS erster die Grost-Glock- n er-Spitze Am meisten wurde gerungen um daS Matterhorn. besten Bezwingung burch den englischen Bergsteiger Eduard Whvmper 1865 wohl die merkwürdigste Besteigung überhaupt ist. Wbymper hatte den Aufstieg mit dem italienischen Führer (Sattel beabsichtigt, aber dieser wollte den Berg aus Rational» stolz von der italienischen Seite erobern, während Wbymper von ber Schweizer Seite her ausstieg. Er war nun von ber Angst gequält, die Italiener könnten ben Gipsei vor ihm erreichen, und so sand ein Wettlauf statt, wie er in der Geschichte bei Alpinismus einzig dasteht. Am 14. Juli 1865. um ,2 nachmittags, betraten Whymper und die Seinen als erste den Gipfel, sie sahen auf ber anberen Seite die Italiener noch ziemlich weil entfernt. Sie schrien und rollten Felsblöcke herunter, da flohen die Italiener und erzählten später, böse Geister hatten sie bedroht. Unten herrschte grobe Begeisterung über den Sieg, als man mit Fernrohren die von Whymper aufgepflanzte Fahne bemerkte. Aber auf dem Peluschken 20 bis 22. Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 22 bis 23. Lupinen, blau 10 bis V 'Berliner Bantfirma. Die der D. f). D. erfährt, hat sich die Firma Friedländer & Co. in Berlin an ihre Gläubiger gewandt, um einen freiwilligen Vergleich herbeizuführen. Man schätzt die Verbindlichkeiten auf nahezu 1 Mill. Mk., denen etwa 600 000—700 000Mk. Forderungen gegenüber- stehen. Die Quote dürfe 30—40 Proz. betragen. ' Süddeutsche Eisenbahngesell- schäft, Darmstadt. Aus dem 1,79 Mill. Rin. betragenden Reingewinn werden 8 Proz. Dioi> dende auf 20,8 Mill. Rm. Anfangskapital für die Zelt vom 1. April bis 31. Dezember 1924, also 10,7 pro ganzes Jahr verteilt. 2600 Rm. law tiemen werden ausgeschüttek und 34 210 Mk. vorgetragen. • Daimler Motorengesellschaft, Berlin. Das Rechnungswerk für das Geschäftsjahr 1924 schliefst mit einem Gewinn von 431 673 Rm. ab. (Eine Dividende soll nach den Vorschlägen der Verwaltung nicht verteilt werden, um den Status der Gesellschaft zu stärken. Die 0. H. V. ist auf dem unzulässige Machenschaften bri dem Hau!» kauf des llcberlanbtoerl» in Friedberg vorgeworfen wurden. Provinzialdirektor Graes bestätigte. hab die Vorwürfe gegen den Angestellten berechtigt seien, bah ber Provinzialaustchuh bereits energisch eingegrissen und das unzulässige Manöver rückgängig gemacht, zugleich auch dem Angestellten fein Mißtrauen ausgesprochen habe Der Mann habe daraufhin den Provinzialausschuh um Verzeihung gebeten. In der Aussprache wurde die Handlungsweise deS Angestellten von den Rednern verurteilt, zugleich wurde aber von seinem direkten Dienstvorgcfentcn erklärt, gegen die dienstliche Führung des De- tressenten lägen keine Einwände vor. Rach langer Erörterung zog sich der Provinzialausschuh zu einer geheimen Beratung zurück, in der er. wie der Vorsitzende nach Wiederaufnahme der Sitzung verkündete, ben einstimmigen Beschluss faßte, bei Gericht eine Feststellungs- klage bahingehend einzuleiten, ob die Handlungsweife des Angeklagten ein wichtiger Grund zur Entlassung fei. Der Provin- zialtag könne sich darauf verlassen, daß ber Pro- vinzialausschuh mit allein Ernst hier dutchgrei- fen werde. Daraufhin zog der Abg. Lur seinen Antrag zurück. Daumittel für bas llebctlanbtocrf. Den Abgeordneten war ein Bericht über die Entstehung und Entwicklung des Hebcrlanb- werkes Oberyeffen zugegangen, worin tveitere Maßnahmen zum Ausbau ber oberhesfifchen Wasserkraft unb zur Reservebelieserung vor- geschlagen wurden. Es wurde vom Drovinziah- auSfchuß beantragt, wegen der Durchleiiung des Stromes von der Ober-Weser-A-G. ein Um- spannwerk in Wölfersheim au errichten und hierfür 225 000 Mk. zur Verfügung zu stellen, die aus dem Anleiheweg beschafft werden sollen. Auf Rückfrage bemerkte der Dorfitzende, das; der Staat auherdem zur Deckung der Kosten auch noch einen Betrag von 175 000 Mk. aufbringe. Darauf wurde die Vorlage einstimmig angenommen. Beteiligung der Provinz an der Luftverkehr-A.-G. Oberhessen- , Lahngau Der Provinzialausschuh suchte um die Ermächtigung nach, die Provinz tm Falle des Zustandekommens der Gründung bis zu 40 000 Mk. an ber Lustverkehr-A -G. Oberhessen-Lahngau zu beteiligen und das Geld auf dem Anleiheweg zu beschaffen, ferner sich an der Derkehrsgarantie für das erste Betriebsjahr bis zu 3000 Mk. zu beteiligen. Die Vorlage wurde gegen 2 Stimmen angenommen Darauf schloh der Vorsitzende die 4 Stunden dauernd« Sitzung. ich hierher kam Wir haben wiederholt Angebote an die Stadt gemacht, mit der wir dauernd in Verbindung standen. Wir muhten, dah die Stabt (Sieben eine gewisse Vorliebe für Borken batte. Wir sind allen Wünschen der Stadt (Sichen bis an die Grenze des Möglichen entgegen- gekommen Heute sollte Ihnen eine Vorlage unterbreitet werden, nach der Sie die Provinzialverwaltung ermächtigen sollten. 400 000 Mk. auszunehmen, um dafür für die Stadt (Sieben eine besondere direkte Stromleitung von Wölfers- heim nach Diesten zur Sicherstellung ihres Bezug» zu bauen. Wir haben Diesten wiederholt ertlärt." bah wir in jedes Angebot von Borken eintreten, wir leisteten jede Sicherheit, die (Sichen verlangte, wir haben das Finanzministerium mit hinzugezogen und haben erklärt „Wir wollen (Stehen unter allen Umständen anschlichen, selbst wenn wir vorübergehend zulegen müssen, weil wir eS all unerträglich anfeben. dast ein Fremdling in das Derforgungsgebiet Obcrhessen herein- kommt. (AllscitigcS Sehr richtig!) Borken must nach Frankfurt- es hat dazu =,toci Wege, entweder durch Oberhessen oder darum herum. Für uni stand damals die Sache fo: Sollen wir i t Anfchlust an Borken an der Frage ber Versorgung von (Sichen scheitern lassen ober nicht. Wir wollten natürlich alles daransetze». um (Sichen für und zu bekommen. Aber wenn Giesten sich für Borken entscheibet, kann unser Vertrag mit Borken daran nicht scheitern. Wir sind zur Feit von Wölfersheim völlig abhängig, wenn dort etwas Ernstes passiert, steht Obcrhessen einfach still. Für und ist Borken eine Lebensfrage gewesen. Deshalb schlichen wir jetzt mit Borken ab, selbst wenn Giesten für unS ein unsicherer Faktor ist. ES haben Duhcirde von Konferenzen stattgefunden. Wir haben uns in Besprechungen mit dem Finanzministerium auf den Standpunkt gestellt, „in dem Falle ziehen Staat und Provinz an einem Strang, wir toollan die Verantwortung für das evtl. Scheitern nicht auf unsere Schultern nehmen". Giesten hat viele Rückfragen gestellt, es hat seine Herren auSgeschickt und Beobachtungen anftcllen lassen, es hat sich ein Gutachten erstatten lassen, unb auö einer privaten Mitteilung beS Oberbürgermeisters habe ich bann gehört, bah Giesten sich auf Grund dieses Gutachtens für den Anfchlust an Borken entschlossen hat. DaS war für uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Mir und Provinzialrat Wolf war zu- gefagt worden, dast, wenn Schwierigkeiten ent- ständen, wir noch mal darüber sprechen könnten. Hns war auch zugesagt, dast wir Kenntnis von dem Gutachten bekommen sollten. Wir haben aber gar nicht! erfahren, sondern bann nur in zwei Zeilen die Mitteilung erhalten, dast Giesten sich für Borken entschieden habe. In ber Aussprache betonte Abg. Brauer- Aiedcr-Osleiden. bet Provinzialausschust sei stets bestrebt gewesen, ber Stadt Giesten soweit wie nur irgend möglich entgegenzukommen. Der Pro- VinzialauSschust bedauere allster ordentlich, dast Dietzen mit der Ober-Weser A. G. abgeschlossen babe. Provinzialdirektor Graes bemerkte weiter, das Lihbcrgcr W4rrk könne jetzt restlos ausgenllht werden. Zur Zeit seien Verhandlungen wegen Lohnerhöhungen in WölfcrSheim im Gange. Der Staat müsse bann auch höhere Preise für ben Strom nehmen. Mg Lux erklärte sich mit den Aufklärungen des ProvinzialdtrektorS zufrieden, er müsse fetzt annehmen, das) Giesten dir Schuld an dem Scheitern der Verhandlungen habe, und er bedauere, dast Giesten als oberhessische Prvvinzialhaupt- stadt nach austerhalb gegangen fei. Prvvinzialdirektor Graes wies u. a. noch daraus bin. dast die Provinz in dem Augenblick, wo sie mit Borken zusammengeschlossen sei, über grobe Schwierigkeiten hinweg sei. Der Rheinifch- Wcstfälische Elektrizitäts-Konzern baue eine 220 000 Dolt-Leitung nach Baden. Dabei müsse er durch hessisches Gebiet, womit sich auch der hessische Staat einverstanden erklärte Dadurch sei die Möglichkeit gegeben, dast Wolfersheim unb Lihberg mit ihrer überschüssigen Produktion sich an den Rheinisch-Westfälischen Konzern an- schl testen. 2 453 239 32 Mk Ortsnetze mit Strastenbeleuch- tung und Hausanschlüfsea mit 2 969 818 65 Mk.. Wasserkraftwerk Listlerg mit 754 659.59 Ml . Transformatoren - Stationen (Gebäude) mit 502 697.85 Mark, Transformatoren-Stationen (Ausrüstungen) mit 493 730.87 Ml Drans- foimatcrcn 5000 unb 20 000 Volt mit 314 657.92 Maik. Zähler unb Schaltuhren mit 657 359 40Ml Tienftgcbäube mit 204 885 Mk.. Austenftänbe mit 306 201 19 Mk. Bankguthaben mit 552 996 Mk. Tie Schuldenseite weist u. a. au« Kapital- schuld 6 583 341 13 Mk. Rückstellung für (Erneuerungen 2 363 120 Mk Ter Voranschlag für 1 925 schliesst in Hinnahme und Ausgabe mit 2 750 000 Rm. ab. Rus dem CUDinbcifduf werden 2 322 500 Rm. erwartet Sämtliche Vorlagen wurden einstimmig genehmigt Vorher kamen aber noch zwei An- Gelegenheiten zur Sprache, die eine sehr lange Grörterung zeitigten Die erste betraf ben Konflikt der Provinz mit der Stadt Giesten wegen deS Strombezugs. Dre Stadt Giesten hat lange Zeit mit der Provinz und mit der Obcr-Weser-A-G. (Grostkraft- weik Borken) wegen des Bezugs von Frcmdstrom verhandelt. Schiiestlich hat sie einen Vertrag mit der Obcr-Wcser-A-G. abgeschlossen, nach welchem diese den Fremdstrom an das (Siebener Elektrizitätswerk liefert 211 g. Lus - Rieder-Florstadt fragte nun heute die Provinzialverwaltung, wie es gekommen sei. dast sich die Verhandlungen mit der Stadt (Sieben kurz vor dem Abschiust zerschlagen hätten Der Staat, als Stromlicserant ber Provinz, müsse doch groben Wert daraus legen. ten in den Avgrund. nur Whhmper und die beiden Führer Taugwal der, die sich mit aller Gewalt sest» gestemmt hatten, blieben am Leben. Zwei Tage später tarn Cairel von der italienischen Seite hinaus. Die Bergfahrten der Brüder Zsigmondtz zusammen mit Ludwig Purtickcller bilden den Höhepunkt in der Eroberung der Alvenwclt. denn sie dehnten zuerst bad führerlose Gehen auf daS vergletscherte Hochgebirge aus unb erlangten 1879 mit der Erstersteigung des schier unbezwinglichen FeldlopsS in den Zillertaler Alpen einen besonderen Triumph. 3n den austereuropäischen Hochalpen war 2lkran- der von Humboldt der Bahnbrecher, der bei seinen Desteigungsversuchen des r5 h i m b 0 r a z z 0 und Cotopaxi 1802 die grösste bis dahin von Menschen erreichte Höhe von 5810 Meter bezwang. Der Sarg eineS altsächstschen Königs gefunden. Bei Restaurationsarbeiten in der schönen Ma- rienkapelle der alten Abtei von Sherborne in England Riehen Arbeiter auf einen alten Skeiniarg. in hem man menschliche Stno ten fand Der Sarg wurde als der des Honig Ethclbert erkannt, und damit sind die Zweifel beseitigt, die bisher noch über die letzte Ruhestätte dieses Sohnes von Sthei- irulf. König der Westsachsen. bestanden. Im Jahre 16->8 hatte man bei Grabungen in ber Abtei den Sarg des Königs Gthelbaid gesunden, der ein Bruder Gthelberts war. Diese beiden westsächsifchen Könige waren Brüder Alfreds d. Gr., der in der Abtei von Sbcrborne erzogen wurde. Die alten Chroniken berichten, dah diese beiden Beherrscher des alten Englands, die unter höchst schwierigen Verhältnissen um ihr Reich kämpften, von ihrem Lehnsmann Bischos Gulstan zu Shcrborne beerdigt wurden, und nachdem man den Sarg EthelbaldS gefunden, hatte man lange nach der Leiche Gthcl- oerts gesucht, die man ganz in seiner Rähe beerdigt glaubte Aber erst jetzt ist ber Sarg zu Tage getreten, cs ist kein Marmorsarg, wie der Ethcl- balds sondern ein einfacher Steinsarg Die ilebcr- rcste zeigen, dast Ethelbcrt ein Mann von kleiner Statur war. Er starb 866, 6 Jahre nach Ethelbald. Wenn auch die kurze Rccherung Ethelbcrts keine grobe Bedeutung in ber altenglischen Geschichte besitzt. so wird doch durch ben Fund eine historische Streitfrage geklärt, die die Gelehrten viel beschäftigt Hal. Gin neuer Ausgrabungsbericht auS Aegypten. Das ägyptische Amt für Altertümer veröffentlicht einen Bericht. In dem die Entdeckungen zu- fammengeftcUt find, die während der letzten GrabungSsaison zu Sakkara und Daschur gewonnen wurden. Die hauptsächlichen Ergebniffc, die von grober wisfenschailftcher Bedeutung find, waren bereits früher bekannt gegeben, Die einzige neue Entdeckung sind die Uebcrrefte eines wundervoll mit Kalksteinreliess geschmückten KönigswegeS am Rande ber Wüste. Diese Prunkstraste, die durch einen Brückenbogen überwölbt war, ist in ihrer Art einzig Der Bericht meldet von der jetzt aufge deckten Mastaba. die sür das Grab des letzten Pharao der 4. Dynastie Schcpseskaf gehalten wird, sic sei bereits vor etwa 103 Jahren geöffnet und noch nicht ganz durchforscht worden. Es wird erst in der nächsten Grabungssaison sestgestellt werden, ob daS Grab noch unberührt ist oder, wie so viele andere, durch Räubereien gelitten hat Die Modeschau im Zuge. 5 ic Damen sollen selbst während der Reise jetzt die ihnen willlommenste Unterhaltung haben unb zugleich zum Erwerb eleganter Toiletten angeregt werden- Die Modeschaucn, die fich überall, nicht nur in ben groben Geschäften, sondern sogar in Ea^'s und Restaurants eingebürgert haben, werden selbst in den Eisendahnzug verlegt. So wurden die Paffagiere des Morgenzuges, der von London nach Harrogate fährt. Zeugen einer großen Mode- schau an der die elegantesten Mannequins der englischen Hauptstadt teilnehmen ES waren für die Probierdamen besondere Umkleideabteile eingerichtet. und wahrend der ganzen Fahrt zogen sie in langer Parade auf dem schmalen Durchgang des D-Zuqes an den Abteilen vorüber, von Damen unb Herren höchlichst bewundert Diese neuartige Wirtschaft. Kreditprobleme der Gegenwart. Der Kapitalbebars ber deutschen Wirtschast entsteht nicht nur aus ber bekamt len , Flucht in die Sachwerte", fonbern auch fortlaufend aus den nottoenbigen Ersahanschaffungcn, Verbesserungen unb Erweiterung en brr Produktion. Dem Debars gegenüber reicht bas Angebot an Kapital bei weitem nicht aus. Das Dollseinkommcn wirb auf etwa 25 Milliarden Mark gegen 40 Mill ar- den Mark vor dem Kriege geschäht. Stellt man diesem Mi Übereinkommen die um 30 bis 40 Prozent erhöhten Preise gegenüber unb berücksichtigt man die vier- bis zehnfach höhere Steuerleistung. bann kann für eine Reubildung von Kapital burch Sparen nicht viel übrig bleiben. Geschäftlich drückt sich biefe Tatsache In der Formel aus. hohe Kosten, kleiner Umsatz, hohe Preise. Run sind zwar bie Depositen ber Danken erheblich gestiegen. Das kommt in ber Hauptsache aber baher, bah ber Mangel an Kapital die Betriebe zwingt, erhöhte Kafsenbestänbe zu haften. Der kurzfristige Charakter biefer (Selber bestimmt ihre Derwenbung. Eie finben in erster Linie am Gelbmarkt Unterkunft, b. h als kurzfristig gegebenes tägliches Gelb. Der in ber Hauptsache langfristige Krebitbedars ber Wirtschaft kann bagegen von ben Banken nicht be» friebigt werben. So ergibt fich ber bic Lage ber Volkswirtschaft trHberfplegelnbc Zwiespalt: am Kapitalmarkt großer Mangel an langfristigem Kapital, am Geldmarkt Uebersluh an kurzfristigen Geldern. An dieser Gestaltung sind in besonderem Maße auch die öftentlichen Kassen beteiligt, die zeitweilig über 1 Milliarde Mark unb mehr zur Verfügung hatten. Telle dieser (Selber sinb zeitweilig banktechnisch salsch unb volkswirtschaftlich bedenNich verwandt worden. Die inzwischen erfolgte Verständigung sicht auch langfristige Verwendung für einen Teil dieser Gelder vor: ein erheblicher Teil sucht jedoch nach wie vor Anlage am Gclomarft. so dah die zu beobachtende Flüssigkeit nicht zuletzt auf bie öffentlichen (Selber zurückzuführen ist. Mit bem Aufhören bes Heber- ftusses bezw. ber Zurückziehung dieser Gelder werben neue Schwierigkeiten entstehen. DaS Problem aller Probleme sinb bie aus- länbischen Kredite. Die so viel beklagte Zunahme ber Passivität unserer Hanbclsbilanz ist zu einem groben Teil aus bic Umwanblung der ausländischen Ärcbitc in Waren zurückzuführen. Sofern die auslä'-bifchen Kredite zur Umwandlung in Mark-Zahl gsmMeln verwand! werben müffen fte inflationistisch wirken wenn nicht b e Reichs- dank ihre Kredite einlchränkt. Da d.es in völligem Umfang nicht möglich ist. fo besteht tatsächlich die Gefahr der Goldinslation. wenn bie Aus« lanbtreblte in höheren Beträgen herein,ommen. BolkSwirt'chastftch betruch'.et finb bic auslänbi- schen Krebite in gewisser Beziehung nötig, um den dringen st en Kapitalbedarf zu stillen: sie haben tatsächlich eine gewisse Entsvamning am Kapitalmarkt Herbeigeführt unb insbelonbere zur Senkung ber Zinssätze am Gelbmarkt beigetragen. Wenn auch der hohe Devisenbestand der Reichsbank bis >u einem gewissen Grade eine Sicherung für die fpätere Rückzahlung barsteift, so bebeuten die hohen Zinsen doch eine nicht unerhebliche Belastung der Zahlungsbilanz aus lange Zeit. Betriebswirtschaftlich sind die ausländ schen Kredite auf jeden Fall eine Gefahr, weil sie einen zu großen Anteil des Gewinnes verschlingen unb bei schlechter Konjunktur den Betrieb in Zahlungsschwierigkeiten bringen. AIS notwendiges Hebel müssen sie bald einer anderen Art Finanzierung weichen. HebrigenS ist (wie vielsach übersehen wirb» bie Erhältlichkeit weiterer Krebite aus bem Ausland nicht so sehr von politischen Stimmungen abhängig, als vielmehr gerade von bem Gesichtspunkt der Rentabilität des Detr ebeS. Diele sicherzustellen, ist nicht nur eine privat- wirtschaftliche. sondern auch eine eminent volkswirtschaftliche Ausgabe. Die Heilung ber Kapi- talnotfrilc muß in erster Linie von ben Betrieben selbst kommen. Reue Betriebsmetboben, Verminderung ber Kosten, nichtige Preise, großer Umsatz. Steigerung ber inneren Kaufkraft, Sparen unb Bildung von Rcukapital. Das sind die Entwicklungsstufen auf einem noch sehr beschwerlichen und dornenvollen Wege. Die Wirtschasts- politik. insbesondere die Steuer- und die Sozialpolitik. muß wieder mehr aus bic Lcbcnsinoglich- keiten der Einzelwirtschaften Rücksicht nehmen, anstatt sie wie bisher nach Möglichkeit zu drücken. -MakfcaMni Aus eiweißreichem Hartweizengrieß bereitet, 50 bis 1OO % eiweißreicher als gewöhnliche Schnittnudeln. Bei einem künstlich eingestellten Klima von Neapel getrocknet. Neuestzeitliche Anlage von etwa 400 Zentner Tagesleistung. Druckschriften über Dr. Klopfer-Nährmittel versendet kostenfrei Dr Volkmar Klopfer, Dresden- Leubnitz. Alle Erzeugnisse Dr. Klopfers: Haferflocken, Makkaroni, Nudeln, Klopfer-Zucker, Matema-Zwieback sind zu haben im Reformhaus Pau! Scholz, Kreuzplatz 5 * Fellen & Guilleaume C a r l s w e r k, A. (tz. K ö l n - M u l h e i m. Das Geschäftsjahr schließt mit einem Reingewinn von 4 064 279 Mk. ab, aus dem vier Prozent Dividenden und 2 Proz. Superdividende verteilt werden. Rach Zuwendung an den Reservefonds und Gewinnanteil für den Aussichtsrat werden 208 891 Rm. vorge- traflen. Im Bericht führt der Borstand aus, daß bie Gesellschaft eine zwar nicht starke, ober ziemlich stetige Beschäftigung gehabt habe. Der Bericht betont weiter, die schweren Lasten, die auf der Wirtschaft liegen. Die Gesellschaft sei bestrebt, durch Ber- oollkommnung der Technik die Belastung möglichst auszugleichen. Hierbei seien berits wesentliche Vorteile zu verzeichnen, so daß die Gesellschaft der Zukunft Vertrauen entgegenbringen kann. Beriiner Berlin, 13. Juni. Der Probuktenmarkt war trotz erhöhter amerilanischer Forderungen ruhig, unb neigte zum Teil zur Schwäche. Mehl blieb still. Roggen mehr begehrt. Futterariikel per Herbst verschiedentlich gefragt. ES notierten per 1000 Kilo: Weizen, märt. 26? bis 2?0, do. 3uli 267 bis 267' ., Roggen, märt 215 bis 220, do. 3ah 214. Gerste, märi. 226 bis 242. Futtergerste 200 ^>is 213. Haser. märt. 237 bis 245 bo. 3uli 193 bis 198,50, Mais (La Plata) (loko Berlin) 211 bis 214, Raps 365 bis 375; per 100 Kilo: Weizenmehl 33,75 biS 36,25, Roggenmcbl 29,50 bis 31,50, Weizenkleie 13,90 bis 14. Roggen- fiele 14,30 bis 14,40, Diftoriaerbsen 24 bis 23. kleine Erbsen 24 bis 26, Futtererbsen 21 bis 24, a/s l Arbei Ä Mch M« TÄ! als trat iln/ olle, Red der den: NM für1 Er i sich lagu lade Krei Wahl mein Mit recht Alai Tchi< ledig die f gefaf Deut werd verstc Arbe mü| auf! gewin tum f xiche' für j !°llten Anstel Wiede, nicht 9 di« e Sta- Duns meine 2 rigkei halt' die 9 ten - den^ der i des, । Meck filmte wollte gerich die 2 Set l sie ai bert Parte Kirch Part bau tes. spar crsp Kcsl Sie als auch Part der Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Bon Karl-August von Lassert. 66 (Sortierung (Nachdruck verboten.) Ich bitte Sie nunmehr, meine Herren, sich alles Gesagte reiflich zu überlegen und mir bis heute abend einen detaillierten Operationsplan zu unterbreiten. Morgen nachmittag soll die Ausfahrt der Flotte aus Plymouth stattfinden, damit die iinterfeeboote in der Dunkelheit ungesehen bis Brest gelangen können. Der Morgen des nächsten Tages bringt dann die Entscheidring Danken Sie Gott, meine Herren, daß gerade Sie dazu auserlesen sind, den wichtigsten Abschnitt der neuesten englischen Geschichte einzuleiten, und denken Sie stets an die stolzen Worte des großen Nelson bei Trafalgar: England ejrpects, that every man does his butg." 11. Der französische Minister des Aeuhern war nicht mit nach Brest zur Begrüßung des englischen Geschwaders gefahren, sondern überließ dieses Vergnügen dem gern und viel redenden Präsidenten der Republik. Er saß in seinem behaglich eingerichteten Arbeitszimmer am Quai d'Orsay, dessen Fenster auf die Place de la Concorde hinausgingen. Der Kriegsminister, ausnahmsweise einmal wieder ein General und fein Advokat, war «gerade zur Rücksprache erschienen. „Also gegen die deutschen Schweine am Nordpol ist augenblicklich nichts auszurichten?" frage der Minister. „Wir müssen erst das Geheimnis der neuen Kampfflieger herausbekommen", meinte der General. „Das wird nur eine Frage der Zeit sein. Mit Geld ist alles zu machen. Und dann kann uns das neue Gold- oder vielmehr Platinland nicht entgehen." „Und unterdessen halten wir uns an Deutschland schadlos." „Es ist nur dort nicht mehr viel zu holen", meinte der General. „Aber noch genug zu zerstören" ,sagte der Minister. „In diesem Jahrhundert darf Deutschland nicht wieder auf die Beine kommen." „Was wird der Völkerbund zu dem Hilfeschrei der deutschen Regierung sagen?" „Nichts werden sie sagen, diese Idioten, sonst drohen wir mit Austritt. Dann fliegt die ganze Sache auf, und die Delegierten verlieren ihre ausgezeichneten Gehälter und die angenehme Stellung." „Es find auch Franzosen dabei", warf der General mit leisem Vorwurf ein. „Das sind natürlich feine Idioten", erflärte der Minister. „Wie wird der englische Flottenbesuch verlaufen?" „Mit dem gewöhnlichen Klimbim. Offizielle, ziemlich blödsinnige Reden, an deren Wirfung fein Mensch glaubt, als der Redner selber. Hurrageschrei und besoffene Festlichfeiten. Und zum Schluß allgemeine Ernüchterung." „Was kommt denn für uns dabei heraus?" „Prestigegewinn und englische Orden. Sonst nicht viel. Immerhin sieht die Welt, daß auch das stolze Albion vor uns kriecht", sagte der Minister. „Ganz meine Ansicht. Die Kerls werden allmählich zu unverschämt. Aber zuvor müssen wir Deritschland so klein machen, das es froh ist, uns in einem Kriege gegen England unterstützen zu dürfen." „Das wird nicht leicht sein." „Was Napoleon fertigbrachte, muß auch uns gelingen. Erst noch ein paar Jahre feste die Hundepeitsche und dann etwas Zuckerbrot, so was verfängt immer." Das Telephon läutete an. Der Minister ergriff den Hörer. „Wer ist da? — Ah, Sie sind's, Gerard! — Ja, ist selber. — Na, dann berichten Sie mal!" Mehrere Minuten hörte er befriedigt zu, dann hängte er ab und sagte: „Gerard telephoniert auf unserer besonderen Leitung aus Brest. Alles in schönster Ordnung. Erst redete der englische Admiral und dann unser Präsident. Selbsterverstöndlich den gewöhnlichen Mist. Wir werden die Rede drucken lassen, um sie in allen Gemeinden Frankreichs anzuschlagen. Jetzt sind sie bereits beim Frühstück auf dem „Jnvincible". Hoffentlich betrinkt sich der gute Präsident nicht, bevor auch die Engländer voll sind. Sonst verrät er ihnen noch, daß er sie eigentlich alle auf den Grund des Meeres wünscht." Ein Ministerialrat stürzte aufgeregt herein und rief: „Aeußerst wichtiges Telegramm, vom Eiffelturm übermittelt!" Er reichte es dem Minister. Dieser las laut: „A n b i e Regierung Frankreichs. Im gleichen Augenblick, wo die englische rind französische Flotte zu freundschaftlicher Begrüßung vereinigt sind, erlaubt sich Frankreich einen eklatanten Bruch des Friedensvertrages von Versailles, der geeignet ist, nicht nur neue Unruhe über die SÖelt zu verbreiten, sondern auch Englands Interessen aufs schwerste schädigt." Der Minister hielt inne. „Hallo! Sind die Leute verrückt geworden!" rief er aus. Dann las er aufgeregt weiter: „Eine große französische Armee rüstet sich, in das ohnmächtige Deutschland einzufallen, das in keiner Weise dazu herausgefordert hat. Der durchsichtige Grund dieses Unternehmens kann nur darin bestehen, sich eine unangreifbare Stellung im Herzen Europas zu verschaffen. England darf eine derartige Verschiebung des europäischen Gleichgewichts, die eine Wiederkehr der napoleonischen Weltmachtträume bedeutet, nicht zugeben. Da Frankreich aber bisher alle ähnlichen Proteste unbeachtet ließ ober mit leeren Worten abspeiste, so sieht Englanb sich biesmal in bie Lage versetzt, ein greifbares Pfanb für bie friedlichen Absichten Frankreichs verlangen zu müssen. Als ein derartiges wirksames Pfand kommt der augenblicklich im Hafen von Brest versammelte Teil der französischen Flotte in Betracht." Weiter vermochte der Minister zunächst nicht zu lesen, sondern mußte erst mal nach Luft schnappen. Schließlich keuchte er : „Was soll das heißen?" „Grobe Mystifikation!" sagte der General ruhig. „Wahrscheinlich ein deutsches Machwerk." „Dieser Ansicht war ich anfangs auch", warf der Ministerialrat ein. „Ich fragte daher nochmals bei der (fiffelftotion an, die mir bestätigte, daß es sich um einen offiziellen englischen Funkspruch handle." Der Minister ergriff aufs neue das Telegramm und las fieberhaft : „Wir stellen somit an die Regierung von Frankreich das formelle Ersuchen, unseren Wünschen nachzukommen und dadurch ihre friedlichen Absichten zu beweisen. Andernfalls müssen wir an- nehmen, daß Frankreich neue kriegerische Pläne verfolgt, die geeignet sind, den Frieden der ganzen Welt aufs schwerste zu gefährden. Da Frankreich bereits begonnnen hat, fünf seiner Armeekorps zu mobilisieren, und da wir andererseits nicht zugeben können, daß seine Flotte sich ebenfalls in Kriegsbereitschaft versetzt, so sieht sich die Regierung Englands genötigt, die Beant- Wartung ihrer Forderung binnen drei Stunden verlangen zu müssen. Wir hoffen, daß Frankreich den Weg der Mäßigung und des Friedens wählen wird, der allein zu einer endgültigen Versöhnung der Völker führen kann. Die Regierung von Großbritannien." „Ausgeschlossen!" rief der General, sobald der Minister geendet hatte. „Solche Sprache würde England niemals wagen!" Der Minister ergriff schnell entschlossen den Hörer und rief Brest an. - „Hier Gerard" tönte es zurück. „Ich wünsche dringend den Herrn Minister zu sprechen." „Bin selber da. Was ist los?" „Unerhörtes Ereignis", antwortete Gerard. „Englisches Ultimatum, bas —" „Haben wir eben hier bekommen", unterbrach der Minister. „Was macht der Präsident?" „Hat sich sofort an Land begeben, um sich mit dem Flottenchef zu beraten." „Wann empfingen Sie die Nachricht?" „Vorhin, kurz nachdem ich Sie angerufen hatte. Ich eilte damit zum Präsidenten, der gerade mit dem englischen Admiral Verbrüderung feierte. Dieser fragte den Engländer direkt, was das zu bedeuten habe. Jener tat höchst überrascht, behauptete, keine Ahnung zu haben. Darauf beiderseitiger übereilter Aufbruch." „Was macht die englische Flotte?" „Sie hatte bereits Dampf auf, wußte also natürlich genau Bescheid. Jetzt setzt sie sich in Bewegung in Richtung (Boulet de Brest, den bekannten engen Ausgang der Reede." (Fortsetzung folgt.) ft8 *hre Garderobe (Herren-, Damen- u. Kinder- IrlA Kleider), Decken, woll. und seid. Vorhänge, III BlSrHI \||1 Gardinen, Federn, Handschuhe etc. etc. |jte|l |1|EZ Die meisten Gegenstände lassen sich durch 6$! chemisches Reinigen oder Färben sicher wieder " wie neu herstellen. Trauersachen in 1-2 Tagen. 20D Färberei Gebr. Rover Laden: Marktplatz 8. Ruth Die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens zeigen hocherfreut an Karl Decker und Frau Anni geb. Wörner Gießen, den 13. Juni 1925. kalasiris patentiert in allen Kulturstaaten, mit allen Vorteilen, aber ohne die Nachteile des bestsihenden Korsetts, macht elegante, schlanke Figur, stützt Leib und Rücken, ohne sonstwie zu beengen. Für Gesunde und Kranke. Verkauf: Jeden Mittwoch in Gießen, Plockstraße 13 I Vertretung: Frau M. Kopp, Marburg Schulsttaße 10. Gießen (Kath. Schwesternhaus), 13. Juni 1925 Die Geburt eines gesunden Mädels zeigen in dankbarer Freude an Ernst Dinslage und Frau Klothilde geb. 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