llr. 85 Erster Blatt 175. Jahrgang Dienstag, U. AprU 1925 Erscheint täglich, außer Sonn- und feiertags. Beilagen: GießenerFamilienblLlter Heimat im Bild. menatsiBejrgsprels: 2 (Bolbmark u. 20 Gold- Pfennig für Tlägerlohn, auA bei Nichterscheinen do- rinzedren Nummern infolge höherer Gewalt. Fernfarech-Anfchlüjfe: Stfirflimtung 112, Verla in' Oeschäftsstellebl. 't für Drahtnach- tid n Lnzeiger-ieben. «.uMfdftdfento: $r«nffnrt a. M. 11686. SiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: Brühl'sche Unioerfilätr-Vuch- und Stemfcruderei R. Lange in Sietzen. Schnstleitung und Geschäftsstelle: bchulstratze 7. —■■ ' ........... . ——— Ännahme von Bnzelgen für die Tagesnummer bis -um Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkeiL Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlichü, auswärts 10 (Bolbpfennig; für Re» Klarne-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Playvorfchrist20' .Auf» schlag. - Verantworilich für Politika. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Bech, sämtlich in Gießen. Die Kabinettskrisis in Frankreich Briands Bemühungen Painleve lehnt die Kabinettsbildung ab Die Haltung der Sozialisten ai:ug:t?n. ohne damit auf sie einen Gewissens- wird, das Kabinett zu noch eine Frage, deren Ereignisse man abttxrr- der französischen Presse prophezeit worden war. Ob es ihm gelingen bilden, das ist allerdings Oberschenkelbruch. Die beiden Verletzten wurden nach München gebracht, die Leiche Pöhners in das Leichenhaus in Feldkirchen transportiert. Haftentlassung Dr. Höfles? Der frühere Reichspostminister Dr. Höfle, der sich seil längerer Zeit unter der Anschuldigung der Bestechung in Untersuchungshaft befindet, wurde in den letzten Tagen von dem Untersuchungsrichter nochmals eingehend über die gegen ihn erhobenen Dorwürfe abschließend vernommen. 3m Anschluß an diese Vernehmung hat, wie der „Vorwärts" meldet, Rechtsanwall Dr. Alsberg einen cm» gehend begründeten Haftentlassungsantrag gestellt. Aus dem Hessischen Landtag. Darmstadt, 13. April. Der Abgeordnete Schott lD Vp.) hat im Landtag nachstehende Anfragen erngebracht: 1. Diemel einklassige Volksschulen mit weniger als 30 Schillern und wieviel Klassen in mehrklassigen Völls- schulen mit j^niger als 30 Schülern sind tm Lande vorhanden? 2. Wievrel Volksschulen mit überfüllter Schülerzahl sind vorhanden? Beantwortung durch bie ten muh. Driand selbst sieht die Schwrerrqketten offenbar voraus, weshalb er sich De den kzei t aus erbat, um vor einer Antwort erst die Lösungsmöglichkeiten abzutasten. Immerhin, Driand ist nicht mir ein sehr ehrgeiziger, sondern auch ein sehr geschickter Mann, und diese beiden Eigensehen. Die Besprechungen des Präsidenten der Republik haben zunächst dazu geführt, daß Driand mit der Bildung des Kabinetts beauftragt wurde. Soweit sind die Dinge also programmatisch verlausen. Painleve, der im Anfang als der Hauptanwärter bezeichnet wurde, hat abgelehnt und damit rückte Driand in den Vordergrund, wie es in " am Samstag bereits öffentlichen, heiht es u. a.: Wir ersuchen in letzter Stunde, da durch die Kandidatur Hindenburg eine neue Lage geschaffen ist. die Einigung auf eine verfassungstreue Persönlichkeit. welche über den Parteien steht, zu schiffen. Welche persönlichen und politischen Bedenken man hegen mag. Hindenburg ist ein Mann, der ehrlich die Verfassung achtet und auf den sich auch die Deutsche Demokratische Partei zur Vermeidung von Zwietracht einigen könnte. Di. Marx, gegen dessen außen- und innenpolitische Stellungnahme wir schwere Dedenken hegen, können wir unsere Stimme nicht geben. Der bayerische Bauern- und Mittelstandsbund. München. 11. April. (WTB) Die heutige Land soorstandrlitzung des bayerischen Dauern- und Mitte lstandsbundes bestätigte den Deschluß vom 6. Avril und empfiehlt den Anhängern des Bandes, am 26. April ihre Stimme für Marr schäften machen es schon wahrscheinlich, dah ein Kabinett unter ferner Flagge zustandekommt. Leicht wird dieses Kabinett seine Aufgabe nicht haben. Herriot ist nicht in der Kammer, sondern im Senat gestürzt worden, und diese „Anmaßung" hat den alten Gegensatz der Linken gegen das repartierende und "konservative Clement der ersten Kammer erneut verschärft und damit die allgemeine Mistlaunigkeit, die augenblicklich über der französischen Politik lagert, noch vergrößert, so dah Herr Driand als vorsichtiger Politiker, der er immer war, zunächst eine 21)1 Verföhnungsaktion zur Beruhigung der Geister durchwsühren haben wird. Dazu kommen die außerordentlichen Finanz- f ch w i e r i g f c i t e n, die nach her französischen Presse keine Oltinutc länger andauern dürfen. Aber noch niemand hat die Wün'chelrute entdeckt. die das notwendige Gold für die Kasse des französischen Staates findet. Driand würde auch nicht viel mehr machen können, als daß er den Dreitagminister de Monzie in sein Kabinett hineinnimmt. Die große Frage, auch für die finanzielle Gesundung Frankreichs, wird sein, ob HerrDriand die Zusammenhänge dieser Misere mit der Außenpolitik erkannt hat. Hier liegt ja die Stärke dieses -Mannes, der jetzt zum achtenmal Ministerpräsident wird und noch jedesmal die Außenpolitik als sein Hauptgebiet betrachtete. Für uns taucht nun die Frage auf, ob die Versprechungen, die Herriot für die RäumungderRuhr gegeben hat, auch e i n- geha lten werden. Die Besorgnis ist nicht ganz von der Hcnrd zu weisen. Ein Kabinett Briand bedeutet automatisch einen kleinen Ruck nach rechts. Man hat weder seine berüchtigte Gendarm en rode, noch Ibic Tatsache vergessen, daß der Ministe"präft- Ibent Driand cs war, der unter der schützenden! Duldung Lloyd Georges in Düsseldorf Duisburg und Ruhrort einrückte. Andererseits kann man immerhin das eine Positivum buchen, daß Driand immer großen Wert auf Derständi- tzung mit seinen Alliierten gelegt hat -und ja auch in Cannes gestürzt wurde, weil er hierin nach Pvincar6s Meinung zu weit gegangen war. Man wird also abwarten müssen, ob er seine „Politik der gepanzerten Faust im Samthandschuh", wie er sie selbst einmal genannt hat, wieder aufnehmen wird, oder ob das durch Frankreichs allgemeine Lage noch verstärkte Dedürfnis, die Beziehungen zu England wieder enger zu gestalten, ausveicht, um die pünktliche Einlösung des Versprechens herbeizuführen, für das auch England bereit gewesen, auf eine schnelle Lösung hinzuarbeiten. Das Foch-Gulachten der Botschafterkonserenz zugestellt. Paris, 13. April. (Sil.) Das interalliierte Militärkvmitee zu Versailles trat am Freitagnachmittag unter Vorsitz des Marschalls Foch zusammen, um den endgültigen Wortlaut der A n t - wort aus den Fragebogen der Botschafterkonferenz festzulegen. Die Antwort, die die d e u t- schen Verfehl ungen gegen die Abrüstungs- naufdn des Versailler Vertrages nach ihrer WichtiFeit in bestimmter Reihenfolge aufzählt, wurde am Samstag dem Sekretariat der Botschafterkonferenz zugestellt. Eine Sitzung der Botschafterkonferenz wird jedoch vorläufig nicht stattfinden, solange die Regierungs- krise nicht gelöst ist. Deutschland auf der Mailander Messe. Mailand, 12. April. Die Eröffnung der Mailänder Internationalen Mustermesse erfolgte heute durch den Wirtschastsminister Nava in Gegenwart des Herzogs von Bergamo als Verlre- ter des Königs. Deutscherseits nahmen als offizielle Vertreter teil Ministerialdirektor Ritter vom Aus- wättigen Amt, Botschaftsrat von Priitwitz von der Deutschen Botschaft n Rom, Legationsrat 2r. Schwarz als Rechskommissar für die Mailänder der deutschen Botschaft in Rom, Legationsrat Dr. Schmitt. Rach einer Eröffnungsansprache des Bürger Meisters Mangiagalli-Mailand hielt '01 i. nister Nova eine großangelegte wirtschaftspolitische Rede, in der er auf den völkeroersöhiienbsn Einfluß der internationalen Mustermesse.! hinwies und daran erinnerte, daß wie die Beteiligung .V licns auch die Beschickung der Mailänder Muster mefie durch das Ausland, besonders lenens Deulichtands und Frankreichs, juneljnu. Beide Länder seien auch dieses Jahr durch eigene Pavillons vertreten. Die starke Beteiligung des Auslandes bedeute einen Ansporn für die italienische Industrie. Reichskommissar Dr. Schwarz empfing nach der Eröfsung im deutschen Pavillon den Herzog von Bergamo und den Wirtschaftsminister Nova nebst den Spitzen der Zivil» und der Militärbehörden, die sich in anerkennender Weise über das Gesehene aussprachen. Bom Augenblick der Eröffnung an war der deutsche Pavillon außerordentlich stark besucht. Landung eines polnischen Militärflugzeuges aus Deutschem Boden. Guben, 13. April. Am Samstag voriger Woche, vormittags, ist ein polnisches Militärflugzeug neue st er französischer Konstruktion bei Märzwiese, südwestlich von Crossen an der Oder, gelandet. Die Insassen, zwei polnische Offiziere in Uniform, erklärten, daß das Flugzeug bei dem lleberführungsslug von Krakau nach Posen die Orientierung verloren hätte. Rach Feststellung ihrer Persönlichkeit wurden die beiden Offiziere freigelassen. Das Flugzeug ist einstweilen polizeilich sichergestellt. Kleine politische Nachrichten. Im französischen Außenministerium wurde das deutsch-französische Abkommen über die Einrichtung van G r e n z b a h n h ö f e n an der deutsch-französischen Grenze unterzeichnet. Ferner wurde der Vertrag über die Festsetzung der Grenze zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich paraphiert, dessen formelle Unterzeichnung nach Fettigstellung gewisser technischer Arbeiten demnächst erfolgt. Kardinalerzbischof Dr. Faulhaber tritt mit einem Gefolge von mehr als 40 Herren eine Reise nach Rom an. 3m Alter von 85 Jahren starb nach langem, schwerem Leiden der Bischof von Basel und Lugano Dr. 3acobus Stammler. De sterblichen Ueberrefte des Patriarchen Tichon wurden in der Kathedrale des Donskoiklosters in Moskau beigesetzt. An der Beisetzung, der mehrere feierliche Trauermessen oorausgegangen waren, haben über 10 000 Personen teilgenommen. Unter den zahlreichen Kränzen fiel der Kranz des Erzbischofs von Canterbury, Primas von England, auf. Hochschulnachrichten. Der Phil. Mar Freund, der Lektor des Englischen an der TlniversUät Marburg (vor dem Kriege ordentlicher Professor der deutschen Philologie an der älniversität Belfast in Irland) hat einen Ruf an die Universität zu H o n st v n (Texas) in den Vereinigten Staaten zur Tleber- nahme der ordentlichen Professur für Deutsch erhalten. Von 1916 bis 1918 ist Prof. Freund in Gießen als Lektor des Englischen tätig gewesen. Aus aller Wett. GroMngtag in Staaken. B e r I i n , 13. April. (WTB.) Wohl über 50000 Zuschauer wohnten dem heutigen Schau- und Wett- sliegen in Staaken bei, das die Zeppelin-Luftschiffbau G. m. b. H. und die Fliegerschule Bornemann veranstaltet hatten. Zehn Sportflieger meldeten sich als Bewerber, darunter die bekannten Piloten Rienau, Raab und Carga - n i c o. Ein Geschwaderflug von 6 Flugzeugen eröffnete die Vorführung. Die schwierige Ausgabe des Auffischens eins P o st f a ck e s in 3 Meter Höhe vom Flugzeug aus wurde von fünf Fliegern gelöst. Die Wertung erfolgt nach de Zeit. Den ersten Preis erhielt Raab mit 3,54 Min., 2. Rienau mit 4.14 Min., 3. Loewe mi 5.1 Min., 4. Carganico mit 5.4 Min., 5. Riesler mit 6,1 Min. Nicht minder interessant verlief das Fliegen über ein sechs Meter hohes Hindernis mit Zielland. Hier war die geringste Strecke hinter dem Hindernis der Maßstab. Erster blieb Riesler mit 125 Meter, Zweiter Raab mit 140, Drittter Loewe mit 209, Bieter Carganico mit 211. Rienau landete außerhalb des Zieles. Viel Lustigkeit verursachte die Ballonverfolgung. Für jeden Flieger wurden fünf Ballons losgelassen, die ein möglichst kurzer Zeit durch Rammen zu vernichten waren. Es gelang Rienau 4 Ballons in 4.22 Mm., Raab ebenfalls 4 Ballons in 6.5 Min. und Carganico 3 Ballons in 3.2 Min. zu vernichten. In dieser Reihenfolge erfolgte auch die Platzoerteilung. Die Abschätzung der eingehaltenen H ö h e bei zwei Fallschirmabsprüngen hatte das Ergebnis, daß zehn Zuschauer die richtige Höhe schätzten. Sie erhielten Gratisflüge nach verschiedenen deutschen großen Städten. Ein G e s ch w a d e r s l n g beschloß das Schaufliegen. Ein folgenschwerer Blitzschlag. Dresden, 13. April. (WTB.) Bei einem Gewitter in der sächsischen Schweiz am 2. Oster- feiertag ereignete sich ein schweres Unglück. Aus der Feste Königsstein schlug der Blitz in eine Führungsgruppe von 30 Personen ein. Drei wurden sofort getötet, weitere 23 verletzt, darunter 4 schwer. Zu dem Blltzunglück erhalten wir durch Funkspruch noch folgende Einzelheiten: Gegen 4 Ahr nachmittags zog ein schweres Gewitter über die Sächsische Schweiz, das sich plötzlich über dem Königstein entlud, ohne daß dott vorher Regen niedergegangen war. Ein Blitz traf auf her Feste Königstein eine Gruppe von etwa 30 Ausslüglern, die sich auf der Rord-Ost-Bastton an Der sog. Königsnase befanden. Der Blitz traf zuerst eine Eiche, unter der die Leute standen ünd drang dann auf das Gitter über, dcts Ibic Eiche umgibt. An dieses Gitter hatten sich Drei Personen angelehnt, die sofort tz e t o t e t tourten. Die Wirkung des Blitzes wav die einer einschlagenden Granate, «sämtliche Personen wurden sofott niedergeschlagen und lagen bewußtlos mtt verbrannten und zerfetzten Kleidern umher Hilfe war schnell zur Stellet, da sich eine Abteilung des Pionier-Bataillons Rr.2 auf der Festung befand und auch die Sanitatskolomie Königstein mit mehreren Aerzten sofott herbeieiltei Schweres Dootsunglück in Arheilgen. Ar Heilgen. 14. Avril. (211.) Im Schwimmbad im A> Heitger Mühlchen ereignete sich ae- ftern em schweres BootsunMck. Ein mit vier Pettonen besetztes Boot kippte beim Platzwechseln um. Don den vier Insassen ertranken der 18jähttge Dieter und der 19jährige Kihr. Die Leichen konnten etwa eine Stunde nach dem Unfall geborgen werden. Ein schweres Autounglück. Am Ostersonntag stieß das Personenauto des Kaufmanns Hirschfeld aus Preußisch-Friedland auf der Berlin —Königsberger Chaussee unweit der Stadt Schlochau in der Grenzmark mit dem Fuhrwerk des Bäckerei- besihers Ruhnke aus Ratzebuhr in Pommern zusammen. Das Auto wurde um geworfen und die Insassen herausgeschleudert. Hirschfeld und sein verheirateter Sohn waren a u f der Stelle tot, die übrigen fünf Insassen erlitten Armbrüche und zum Teil schwere Quetschungen. Auch die beiden Insassen des Fuhr- wetts wurden vom Wagen geschleudert und erlitten Derletzimgen. Falschmünzer. Langgesuchte Münzverbrechcr, die auch als Ein- und Ausbrecher berüchtigt waren, konnten in Köln f e ft g e n o m m e n werden. Zwischen einem Verbrecher, der einen Fluchtversuch unternahm, und den ihn verfolgenden Polizeibeamten entspann sich ein Kugelwechsel: der Verbrecher mußte mit mehreren Verletzungen ins Hospital eingeliefert werden. Mit der Festnahme dieser Leute ist eine Münz- verdrecherbande endgültig unschädlich gemacht worden, aus deren in der Zwischenzeit sämtlich ermittelten Werkstätten große Mengen von Falschscheinen stammten. Ford errichtet Luftfahrtverbindungen. Reuyork, 14. April. (TU.) In Gegenwatt der Familie Ford stieg gestern in Detroit das erste von Ford hergestellte Flugzeug auf. Damit wird die von Ford eingerichtete Fluglinie Detroit—Chicago dem Luftverkehr übergeben. Das erste Flugzeug brachte Automobilersatztelle nach Chicago. Ford beabsichtigt, ein eigenes großes Luftverkehrsnetz über ganz Amerika auszudehnen. Auf seinen Luftlinien soll der Flugdienst in größtem Maßstab betrieben werden. Wettervoraussage. Vorübergehend aufbessernd, halb bis ganz bedeckt, noch Regenfälle, westliche bis südliche Winde, Temperaturen wenig verändert. Ein kräftiges Rordmeer-Tief zieht schnell nordostwätts, da es in Skandinavien feinen Widerstand mehr findet. Seine südlichen Randbildungen reichen dis nach Mitteldeutschland. Heber den britischen Inseln wölbt sich ein schmales Zwischenhoch auf, dem aber vom Atlantischen Ozean her weitere Tiefdruckstörungen folgen, so daß wir auch morgen noch vorwiegend westliche Luftströmungen behalten. Aus Stabt und Land. Gießen, den 14. April 1925. ** Das Osterfest nahm in unserer Stadt den gewohnten würdigen Verlauf. Die Gotteshäuser waren, wie stets, an beiden Feiertagen statt besucht. Das prächtige Wetter am Vormittag und in den frühen Rachmittagsstunden des ersten Feiertages lockte Tausende zu Fuß, per Rad oder auch mit der Eisenbahn hinaus ins Freie, die den Ausflugsorten sehr regen Betrieb brachten. Eine wenig angenehme Feier- tagsüberraschung erlebten die Wanderlustigen allerdings in den späteren Rachmittagsstunden des ersten Feiertages, als ganz programmwidrig ein ziemlich heftiges Gewitter über unsere Gegend hinzog, das von statten Riederschlägen begleitet war. Beim Heraufziehen dieses Unwetters, das den jungen Saaten eine gute Auffrischung mit- brachte, gab's in den Ausflugsorten natürlich Massenandrang zu allen Gaststätten. Die Temperatur erfuhr bei diesem kräftigen Donnerwetter eine ziemlich erhebliche Abkühlung, die namentlich an hochgelegenen Ausflugspunkten von den vielfach schon recht frühlingsmähig gekleideten Damen und Kindern unangenehm empfunden wurde. Der gestrige zweite Feiertag bescherte uns indessen wieder annehmbares Wanderwetter, das denn auch reichlich ausgenuht wurde. Ein besonderes Ereignis dieses Tages war für unsere Stadt die gegen 1 41hr mittags vor sich gehende Durchfahrt der Tellnehmer an dem großen Radrennen „Quer durch das Ohm- und Lahntal", die in ben befahrenen Straßen von einer großen Menschenmenge erwartet und mit Spannung verfolgt wurde. Ruhige Feiertage hatte erfreulicherweise auch unsere Polizei zu verzeichnen. Der Eisenbahnverkehr war am Ostersamstag und am ersten Feiertag nicht besonders stark, er nahm aber gestern, namentlich in den Abendstunden, so großen Umfang an, dah zu einigen fahrplanmäßigen Zügen sogar mehrere Vorzüge gefahren werden mußten, um den Andrang der Reisenden bewältigen zu können. ' Wiedereinführung der Pfennigrechnung. Die Reichsbankstelle Gießen hat sich mit folgender Zuschrift an die Handelskammer Gießen gewandt: Aus Mangel an ah- lungsmitteln über Wette unter 5 Reichspfennigen war der Dettehr in weitem Maße dazu übergegangen, Heine Beträge nach oben auf volle 5 oder 10 Reichspfennige abzurunden und Preise, Gebühren uird dergleichen von vornherein so anzusehen, daß sie auf den abgerundeten 'Betrag auslaufen. Da eine solche Gewohnheit geeignet ist, die Reigung zur Erhöhung der Preise zu unterstützen, ist die Reichsregierung bestrebt gewesen, durch genügende Herstellung von 1- und 2-Pfennigstücken Abhllse zu schassen. Münzen über diese Wette sind zur Zeit in ausreichender Menge vorhanden, werden jedoch von der Reichsbank nur in geringem Maße angefordert und bleiben ungenutzt in ihren Kassen liegen. Dieser älmstand spricht dafür, daß die Umftellung des Verkehrs auf die verbilligende Pfennigrechnung nur zögernd vor sich geht. Da diese aber di« Tendenz der Verbilligung im Einzelhandel zu verstätten vermag, erschein es geboten, nach Möglichkeit hier fördernd tätig zu sein. Es ist dringend zu wünschen, daß zu der Rechnung nach Pfennigen, wie sie in früherer Zett üblich war, zurückgekehtt wird und unnötige Abrundungen nach oben nach Möglichkeit fallen gelassen werden. Es wird freilich auch am Publikum selbst liegen, daß es sich gegen jebe Abrundung nach oben wehrt und den Pfennig nicht aus seiner Tasche verbannt, wie das bedauerlicherweise oft geschieht. Rur wenn das Publikum mtthilft, wird es möglich sein, dem nach oben gerichteten Abrundungsunwesen zu Leibe zu gehen. Ein-, Zwei- und Fünfpfennigstücke hält di- Reichsbank jederzeit zur Verfügung. ** Soll ft an big und genau a u r e 11re* r e n! Nach einer Mitteilung der Oberpostdirektion Darmstadt an die Handelskammer Gießen trägt von den in Frankfurt a. M. eingehenden Geschäftsbriefen ein Viertel lediglich die Angabe „Frankfurt a.M." als Bestimmungsort. Dieser Mangel erschwert und verlangsamt das Verteilen der eingehenden Post in hohem Maße und führt zu Verzögerungen in der Zustellung, u. U. sogar zur Unanbringlichkeit der Sendungen. Auf die Frankfurter Geschäftswelt wird ständig eingewirkt, in den Kopf der Briefbogen, Rechnungen usw. alle Angaben auszunehmen, die der auswärtige Geschäftsfreund zur ausreichenden Adressierung "benötigt (Nummer der Zustellungs- postanstalt, Straße und Hausnummer, sowie Stockwerk oder die Schließfachnummer). Alle Bemühungen bleiben aber vergeblich, wenn diese Angaben von den auswärtigen Briefschreibern bei Abfassung der Anschriften nicht berücksichtigt werden. Es wird daher dringend empfohlen, auf die Herstellung der Anschriften, namentlich bei Postsendungen nach großen Städten, stets die größte Sorgfalt zu verwenden. ' Sonderzüge für f-I ai.it er e G e» sellschaften. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft teilt mit: Ab 1. Mai können für kleinere Gesellschaften Sonderzüge ohne Fahrpreisermäßigung eingelegt werden. Es sind wenigstens 80 Fahrkarten 2., oder 120 Fahrkarten 3.» oder 180 Fahrkarten 4. Klasse zu lösen. Kinder genießen die allgemeine Fahrpreisermäßigung. Svnderzüge ohne Fahrpreisermäßigung sind mindestens fünf Tage vorher mit Angabe der Strecke, Zeit, gewünschten Wagenklasse und der ungefähren Zahl der Reisenden bei der Abgangsstation zu bestellen. ** Desinfektion von Fernsprechapparaten. Don zuständiger Seite wird uns geschrieben: In neuerer Zeit werden vielfach Llpparate angeboten, die dazu dienen sollen, die llebettragung von Krankhetten beim Gebrauch des Fernsprechers zu verhüten. Auch erbieten sich Unternehmer zum laufenden Desinfizieren von Fernsprechapparaten. Die Frage der lieber« tragung von Krankheiten ist wiederholt und eingehend geprüft worden. Rach den auf zahlreiche Versuche gestützten wissenschaftlichen Gutachten amtlicher Institute ist die Ansteckungs- gesahr beim Gebrauch des Fernsprechers praktisch ohne jede Bedeutung. Es liegt deshalb auch kein Anlaß vor, die Fernsprechapparate laufend zu desinfizieren. Die posteigenen Apparate werden gelegentlich aus Gründen der Reinlichkeit durch Personal der Verwaltung gesäubert, wetter- gehende Maßnahmen sind nicht erforderlich. Gin-- sahmundstücke und andere Httssvorttchtungen können nicht zugelassen werden, da sie Apparat-- beschädigungen verursachen und die Sprech-- verständigung beeinträchttgen. ** Po st versand von Pä ckchen nach dem Saar gebiet. Vom 10. April an werden im Verkehr mit dem Saargebiet Päckchen zu den Bedingungen des inneren deutschen Verkehrs zu- gelassen. Die Absender müssen jedoch die Ein- fuhrgenehmigung von der Zolldirektion in Saarbrücken einholen und den Vermett: Genehmigung der Zolldirektivn in Saarbrücken R. . . vom .... auf dem Päckchen angeben. Außerdem müffen die Päckchen auf der Anschriftseids feite einen grünen Zettel mit der Inschttft tragen: „Dem Zoll vorzulegen. Durch die Post in Saarbrücken zu verzollen". Darunter sind anzugeben: Art (nach den Bezeichnungen des französischen' Zolltattfs), Ursprung, Gewicht und Wett der Ware. Diese Angaben Knnen auch auf einer besonderen Zollerklärung gemacht werden, die in die Sendung zu legen oder ihr haltbar beizufügen ist. ** Personalien. Der Studienrat an bei Oberrealschule in Gießen Dr. Albert Chambre wurde zum Studienrat an der Realschule im Entstehen zu Vilbel mit Wirkung vom 20. April ab ernannt und ihm die Leitung dieser Realschule i. E. übertragen. Dr. Chambre mar bereits in den Jahren 1917—1920 Leiter der damaligen Höheren Bürgerschule in Vilbel und wurde von der Bürgermeisterei Vilbel im Einverständnis mit dem Landesamt als Direktor der neuen Schule gewünscht. Ferner wurden ernannt der Lehrer Friedrich W a g- n e r zu Rebgeshain, Kreis Schotten, zum Lehrer- an der Volksschule zu Glauberg, Kreis Büdingen: der Sludienrat an der Realschule i. E. zu Dllbek Hans Krämer zum Studienrat an dem Lehrerseminar zu Friedberg: der Studienrat Dr. Otto Stotz zum Studienrat an der Höheren Bürger» schule zu Hungen. — Aus dem Schuldienst entlaffeni wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Wieseck Emilie Ratz, auf ihr Nachsuchen mit Wirkung vorn 20. April ab. — In den Ruhestand versetzt wurde der Seminarlehrer an der Oberrealschule und der Höheren Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt Dr. Heinrich Leuchtgens auf fein Nachsuchen mt> Wirkung vorn 16. April ab. Auftrieb auf bem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 228; Ochsen, 18 Dullen, 417 Färsen und Kühe, 24Sj Kälber, 39 Schafe, 1949 Schweine. ** Verabschiedung. Man schreibt unSr Hausmeister Dechert an der Stadtknabensch-uls trat in den wohlverdienten Ruhestand. Die, Lehrerschaft an der Schule ehtte die Derdiensto des alten Herrn durch eine passende Abschiedsgabe. Mit seinem Scheiden aus dem Schul-» hause verläßt auch Mutter Dechert, dio Hausmeisterin, ihre lieben Buben. Was hat fte in den 34 Jahren ihrer „Amtstätigkeit" nicht alles an den Kindern der Knabenschule getan! lüngczählte „Siebener" in den Kleidern und Wunden anderer Art hat sie mit Geschick, Sorgfalt: und großer Liebe zu heilen verstanden. Die- Zöglinge der Knabenschule, heutige und ehemalige, werden ihrer immer in Liebe und Verehrung gedenken. Möge dem alten Paar noch ein langer, gesegneter Lebensak>end beschießen sein! — GeologentagunginOberhessen. Der Oberrheinische geologische Verein hält in den Tagen vom 14. bis 20. April in Bad Salzhausen eine Versammlung ab, auf der wichtige Fragen zur Geologie unserer oberhessischen Heimat "besprochen werden. Die hauptsächlichsten Vorträge werden am Vdittwoch veranstaltet. II .a. sprechen der hessische Landesgeologe W. Schottler über „Untergrund und Aufbau des vulkanischen Vogelsbergs", K. Hummel (Gießen) über „Zur Geologie des Grenzgebietes zwischen Vogelsberg und rheinischem Schiefergebirge", H. Richter (Gießen) über die altsteinzcitliche Rieder-- lassung bei Treis a. d. Lumda. Aus zahlreichen! Exkursionen wird fast das gesamte Gebiet Ober« Hessens geologisch erläutert. Wir erwähnen hier nur die Führungen, die in unmittelbarer Nähe Gießens gehen. Am 18. April führen K. Hummel und H. Richter eine Exkursion in den westlichen Teil der Lahnmulde, während am 19. April vo^ 7 Tahrpreiserniö' M&iokt J.on Zernlvrech, dMSckrwÄ»^ ^ werden viehach -zu tancn soll», die '.uen beim Aebrauch u^Lch etbitien '* Desinfizier >e örage der lieber- ,^rholl md ein- lach den auf M- lssmschaftlichen ®ub ft die Ansteckung-- rrnsprecher- praktisch liegt deshalb audt cechapparate laufend Mn Apparate werden der AeiEchkeit mq gesäubert, weiter- icht erforderlich. 8m. Wvvrrichtungen Kn- en, da sie Apparal- t und die Sprechen. ® n Q n rt "Ä 'bkn Qeidviff0^ D°1' SÖra^^eftn ^nnbtirmi^ ’n der ttfim Jrr J O0in' lb zur oÄ- die "er bet lumm«, '£»>• "er). «ÄJJJM. ÄÄ lte S-rg^A , y^cce ®ei on Päckchen nach 110. April an Verden Biet Päckchen w den Kutschen Lrkehrs zu- üsscn jedoch die Ein- Zvlldireklion in Saar- . Demeris Gcneßm> ; Saarbrücken N ... hen angeben. Auher- auf der Anschriftseid- t der Inschrift tragen: rch die Post in Saar- roter finb ;en des franzo/ffchcn ^icht und Wert der .nen auch auf einer macht Verden, die in T ihr haltbar beizu- )er Studienrat an M \x. Mert Chambre der Realschule im Ent- gen werden Interessenta, ift die Teilnahme an den Verträgen und ßtlurftonen gestattet •’ Zur Reichspr Üsidentenwahl. Man schreibt unS. .Arn Freitagabend hatte in doS Katholische Dereinshaus der Dorsitzettde der hiesigen Zentrumspartei. Herr Eisenbahningenieur BramS. bie_ repudlikaniichen Parteien eingeladen, um sich über den zweiten Mahlgang zur ReichSvräsidentenwahl zu besprechen. Die Vertreter der Sozialdemokratischen, bet Demokratischen und der Zentrumspartei schlossen sich dabei zu einem Ausschuß des Volks- blvckS für die Kandidatur Marr zusammen, der gleichzeitig für das nördltche Ober» Hessen in Tätigkeit tritt Es wurden dann alle Schritte entgehend besprochen, um nach Ostern sofort in die Agitation eintreten zu können. Die Aussprache ergab in allen Punkten eine einhellige Auffassung. Zur Bewältigung der Arbeiten wurde aus den drei Parteien sofort ein Arbeitsausschuß eingesetzt, der anfangs nächster Mache mit einem Aufruf hervortreten wird, um sowohl zur Mahl Stellung zu nehmen, wie für Zeichnung von Spenden für den DolkSblock aufzufordern." •* Zur Richtigstellung. In dem Bericht über die Sitzung des Provinzialausfchusses (Nr. 83 des „Tietz. Anz." vom Mittwoch) ist zu der Sache unter Ziffer 2 „Antrag der Gewerkschaft Louise auf Geländeenteignung r i ch t i g z u ft e l - len, dotz nicht 19 Hektar Wiesen, sondern 1,9 Hektar Wiefengelände von der Unternehmerin begehrt wurden unb datz das der Gemeinde Freienfeen zu enteignende Wiefengelände nicht 16,4 Hektar, sondern nur 1,64 Hektar umsatzt, dessen Wert von den Sachverständigen mit 450 Rm. für den Morgen begutachtet worden war. Bornotizen. — AuS dem Gtabttheaterbureau wird uns geschrieben: In der am Mittwoch, 15 April, stattfindenden Aufführung von „Die heilige Iohanna" wird Frl. Susanne Heym aus Dresden in der Titelrolle auf Anstellung, gastieren In den folgenden Ausführungen wird Frl. Bachfeld diese Rolle wieder spielen. — Dünsbergverein. Rächsten Donnerstag Hauptversammlung. (Siehe Anzeige.) Von der Stenographie. Don der Stenographen-Desellschaft Gabelsberger und Damenabteilung Giehen wird uns berichtet: Am 6. und 7. April bestanden in Darmstadt Herr Alex Karnbach, welcher bereits die staatliche Stenographielehrerprüfung in Gabels- berger abgelegt hatte, und Herr Andreas Merle von der Stenographengesellschaft, sowie Herr Franz Han st ein die staatliche Stenographielehrerprüfung in der Reichskurzschrift. Die Gesellschaft hielt ein Dereinswett- schreiben ab, bei dem auch Teilnehmer in Reichskurzschrift zugelassen waren. Folgende Personen konnten mit Preisen ausgezeichnet werden: A. In Gabelsberger. 180 Silben: Ehrenpreise: Karl Pfeil, Ottilie Treser, Iohanna Flamme. — 140 Silben: Ehrenpreis. Qlimi Storlo. — 12 0 Silben: Ehrenpreise: Hilde Sparing, Dora Nickel, 2. Preis: Willi Meber. — 100 Silben: Ehrenpreise: Emilie Schweitzer. Elisabeth Klingel- höfer, Ludwig Ilgner. 1. Preise: Lotte Rathenow. Helene Euler. Dora Schild, Minna Günther, 2. Preis: Marie Ritz, 3. Preise: Adolf Schmitz. Friedrich Kopp. — 80 Silben: Ehrenpreis: Liselotte Unverzagt, 1. Preis: Margaretha Becker. — 6 0 Silben: Ehrenpreise: ©ertnibc Rosenbaum. Fritz Möller. Annamarie Rach- tigall. Elisabeth Blum. 1. Preise: Ludwig Blum, Lina Röhm, Berta Eisenbach. 2. Preise: Marie Volkmann. Hildegard Schlüter. B. In Reichskurzschrift. 120 Silben. Ehrenpreis: Fidel Dalken. 100 Silben: Ehrcmpreise: Willi Dock. Her- marm Domhardt, Fr. v. Lemmers, 2. Preis: Karl Schweadcr. — 80 Silben: Ehrenpreise: Georg Wahl. Anni Sommer. 3. Preis: Otto Ger Haid - 6 0 Silben: Ehrenpreise: Peter Ioeckel. Ludwig Friedrich. Druno Schneider. Kurt Movsdors. Emilie Bellos. 1. Preise: Mathilde Hamel. Marie Schmidt. Hans Honig, Otto Wahl, Ida Hempel, Cmmh Schüler, Emmy Luh, Oskar Winzer. Marie Braun, 2. Preise: Kriemhild Schultz. Erna Weigel. Turnen, Sport und Spiel. Frankfurter Sieg über England. Frankfurt a. M, 14. April. IWolff.) Nachdem die Oxford Greyhounds am Ostersamstag in Heidelberg einen überlegenen Sieg über eine zusammengesetzte Heidelberger Mannschaft errungen hatten, wurden sie heute, trotzdem sie ihre Mannschaft wesentlich verstärkt hatten, vom Sportklub 1880 mit 8:3 gcschla - g e n. Dem Spiel wohnte eine für den Rugbysport sehr große Zuschauermenge bei, unter der die englische Kolonie sehr stark vertreten war. Don der Ktnoesannayme. Bon Amtsgerichtsrat F. Gros. (Nachdruck verboten.) Den wenigsten Menschenkindern ist es befchie- x*n' «uv &em Einritt in diese Welt in eine gol- oene Wiege gebettet zu werden. Log doch auch ein- stens ber kleine Jesus, bei dessen Geburt ein qold» ncr ctern am Himmel leuchtete, selbst nur in einer Krippe'. Und nannte sich doch später Gottes Sohn. <-o sind die Wege derer, die in dieser Welt geboren werden, wunderbar unb oft vollkommen verschieden oon dent Schicksal, dos ihnen der erste lag ihres Erbenlebens zu künden schien. „Ihnt ruhen noch im Zeitenschotze D«e schwarzen und die heiteren Lose," heißt es eben so schön wie wahr in Schillers Glocke vom neugeborenen Kinde. Da lebt eine Familie in Armut und Dürftig- ken, unb Iohr um Jahr gesellt sich zu der Kinder- schar ein Bruder- oder ein Schwesterlein: die Eltern wissen kaum, wie sie die hungrigen Mäulchen sättigen, womit sie die Kinder kleiden sollen. Und doch wachsen sie heran, oft — o Wunder — kerngesund. Dort wieder leben zwei Menschen einsam in 'hrer Wohlhabenheit und am heiligen Abend stehen sie allein und einsam unterm Weihnachtsbaum. (Ein Tisch für dos schönste auf Erden, dos Kind, das weihnachtsfrohe Kind, konnte oon ihnen nicht ge- deckt werden, denn Kindersegen blieb diesem House versagt. Da fließt im Stillen manche Frauenträne, oon der der Fernerstehende nichts weih. Und eines Tages wird der Wunsch, ein .Lind" zu besitzen, laut, und er dringt an dos Ohr des Gotten. Denn die Frau, dos Frauenherz und dos Frouengemut verlangen nach dem Kinde. Es wäre gegen die Natur, so es anders wäre. Und wiederum — die Natur ist grausam. So grausam oft — gegen sich selbst. Darum suchen die beiden dos, was ihnen die Natur versagte, auf andere Weise zu erreichen — „dos Kind". Longe suchen sie in der Zeitung und stotzen dann endlich auf ein Angebot, wie sie es wünschen: „Blonder Knabe, ein halbes Jahr alt, bildschön, gesund, an Eigen ohne Entgelt abzugeben. Offerten sind zu richten an....." Es ist eines jener Angebote, in dem sich ein Menschenfchicksol kündet. Ein Mensch, ringend, verzweifelnd, hoffend. Ein Angebot, hinter dem ebensowohl hohe Mutterliebe wie deren Gegenteil stehen kann. Unb oft ouck nur schnöder Eigennutz oder Schande und Schmach, die verdeckt werden sollen, vielleicht auch die Hoffnung auf ein Glück in einem neuen Leben, das durch die Gegenwart eines „anderen" Kindes nicht getrübt werden soll. Solches ist leicht zu verstehen. Wie viele Wochen und Monate der Sorge sind gewiß dahin gegangen, bis die Mutter zu dem Entschlüsse kommt: .Ich will mein Kind an eine andere geben, weil ich cs mutz!, es ift gut für mich unb — besser für das Kind." Und während so auf der Stelle, wo die Wiege des Kindes steht, die graue toorge zu Haufe ift, hat dos Glück auch dort keine Stätte, wo die Wiege eines Kindes fehlt. Und bis bann Monn und Frau zu dem Entschlüsse kommen: Wir wollen ein Kind uns zu eigen holen, wollen es in unsere bessere Loge bringen, es erziehen und lieb haben, auch wenn es nicht von eigenem Fleisch und Blut ist. Und sie finden das Kind! Es wird ihr eigen, erhält ihren Nomen, teilt ihr Schicksal — traft Ge- setzes. Und oft erfährt dieses Kind erst spät ober wohl auch in ganz seltenen Fällen niemals, dotz bie, die sozusagen seinen ersten Morgen behütete, nicht bie leibliche Mutter war unb ist. Hören wir einmal, was das Gesetz über die Annahme an Kindesstatt — die Adoption — sagt. Sie beruht zunächst auf einem Vertrage zwischen dem Annehmenden und dem Kinde. Die Annahme kann nur der vornehmen, der keine ehelichen Abkömmlinge, also auch keine ehelichen Enkel oder Urenkel hat. Zu einem bereits angenommenen Kinde dürfen jedoch noch andere hinzu adoptiert werden, ohne daß dem bereits angenommenen Kinde ein Widerspruch hiergegen zusteht. Die Adoption erfolgt bedingungslos, oei- fpielsweife nicht auf bestimmte ober unbestimmte Zeit. Der Annahmeoertrog kann wieder aufgehoben werden: auch in diesem Fall ist jede bedingte Aufhebung gesetzlich ausgeschlossen. Anneh- men kann nur, wer das 50. Lebensjahr vollendet hat unb mindestens 18 Jahre ältere als das Kind ist. Dem Lande, dem der Annehmende angehört, steht dos Recht zu, von dieser Bestimmung Befreiung zu gewähren. Will eine Frau ein Kind adoptieren, so wird auch bei ihr die Volljährig- feit ober ihre Volljährigkeitserklärung, die durch den Dormundschaftsrichter erfolgt, vorausgesetzt, obwohl die gesetzliche Möglichkeit besteht, daß sie schon nach der Vollendung des 16. Lebensjahres eine Ehe eingeht. Verheiratete Ehegatten können, mit Einwilligung des anderen Teiles einzeln, ober gemeinschaftlich ein Kind als gemeinsames Kind onneh- mcn. Ein einmal angenommenes Kind kann, solange dos Adoptionsverhältnis besteht, nur von dem Ehegatten des Annehmenden noch einmal an Kindesstatt angenommen werden. Diese Vorschrift beruht auf der Erwägung, daß niemand das eheliche Kind zweier Personen fein kann, die nicht in der Ehe leben ober gelebt haben. Will eine ch, 1 Kommode leinsach gebeizt», 1 Sofa. Anzuseben v. 16. bis 18. 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Aetzkalk (bester Düngekalk) wieder frisch auf ciierri Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Dienstag, 14. April (925 Rr. 8) dwettes Blatt ’6' 'S " Leben, daß toir sie beruhigt feit und froheS zurückließen, um unsere Heimreise anzutreten. ersten Flug in das südliche Nach diesem —e. ist der Sieg, der die Welt das alte Apostelwort vom durch den Glauben ist der -S> ?.o «- »Unser Glaube überwunden hat", 2 r : schlicht wie sie, groß in seinem Gottvertrauen, stark im Gebet. Die Tragik im Leben und Wirken dieses begnadeten Gottesmannes ist, daß seiiw Kinder und sein krankes Weib „nicht mitkönnen". Die Seele seines aus den Tod darniederlicgenden Weibes kann sich nicht mit der seinen im Gebet vereinen, er findet Widerstand, den sein Glaube nicht brechen faim. ilnb nun, als er seine Kinder ruft zu einer gemeinsamen Gebetskette um die kranke Mutter, gestehen auch sie, daß sie ihres Vaters Glauben nicht mehr haben, da sie draußen in der Fremde die Christen nicht so fanden, wie der Vater es sie gelehrt hatte, daß sie nur einen Christen fanden, der „von Jesu das Geheimnis der Vollkommenheit gelernt hatte und es in allen Dingen anstrebte", den Vater. Nun geht Sang allein ans Werk, seinem Christentum der Tat die Krone anfzu setzen, seinen Kindern den verlorenen Glauben an die Kraft des Gebets, an dos Wunder wiederzugeben. Gr will in der nahen Kirche beten, bis die Mutter Schlaf bekommt, bis einem starken, geschlossenen Eindruck. Wir schlafen zuviel. sie gesund wird, aufsteht und wandelt. Aber das Ungeheure geht über seine Kraft, wohl schreitet sein Weib fast traumwandelnd ihm entgegen, als er nach langem Gebet von einer staunenden Menge begleitet, das Kirchlein verläßt, aber in seinen Armen sängt er eine Tote auf. -Urti) auch er selbst zerbricht an dem Uebermah seines Werkes. Aus der Dehandlung rein abstrakter Probleme in langgedehnten Wechselreden erwachsen der Spielleitung trotz der starken dramatischen Wucht des Stückes doch große Schwierigkeiten, die Karl Dolck mit großer Umsicht und Sorgfalt zu meistern suchte. Am wenigsten gelang dies in der Zwiesprache am Dett der Kranken, die bei Frau Marcks in guten Händen lag. Nuth Kreuz dagegen muh noch mehr in ihre Nolle hineinwachsen. Klar und aufrecht, ohne pastorale Sentiments gab Carl Juhnke den Wunderpfarrer. Schlichter, unkomplizierter hätte ich mir den Elias (K. 3. Baum) denken können. Gut in die Rolle der Nahel hatte sich Erika Rohr hineingefunden, die in letzter Stunde für das indisponierte Fräulein Vachfeld eingesprungen war. Die alte Pfarrerswitwe Luise Jünglings. Karl D o l ck s Bischof, der weltgewandte, aufgeklärte Grohstadtpfarrer Mar Hoffmanns und der ringende Glaubenskämpfer Dratt Adolf T e l e k h s verdienen besonders bemerkt zu werden. 3m Schlußakt steigerte sich das Spiel zu Gießener Stadttheater Björnsou: lieber die Kraft. Aus der Provinz. Landkreis Gießen. • Klein-Linde n. 14. April. Vergangenen Donnerstag fand unter dem Vorsitz von Pfarrer Ackermann die diesjährige Hauptversammlung der Vorstände des hiesigen Krankenpflegevereins und des Kinder- schulvereins statt. Nach Nechnungsablage der beiden Rechner wurden dieselben entlastet und Kaufmann Wilhelm 3ung VIII. und Rektor Boßler als Rechner wiedecgewählt. Von der hiesigen Gemeinde wurden für das 3ahr 1924 unseren beiden Wohlfahrtsanstalten je 100 Mk. zugcwandt. Für den dem Krankenpflegeverein zufallenden Betrag soll das Vorstandsmitglied, der hiesige praktische Arzt Dr. med. B o h l e r die Anschaffung weiterer, absolut notwendiger Kran- kenpflegeartikcl in die Wege leiten. Schwester Frieda Rösch hat in der Zeit vom 1. April 1924 bis 1. April 1925 1900 Krankenbesuche und 40 Nachtwachen ausgezeichnet. Die Kinderschule, der zur Zeit Schwester Lydia Altdörfer vorsteht, zählt 70 Kinder. Möchten unsere beiden segensreichen Anstalten, die dank der Vorsorge des Pfarrers Ackermann und durch die rege Mitarbeit hiesiger Frauen durch böse Zeiten hindurch gerettet wurden, weiter zum Segen unserer Gemeinde bestehen bleiben. !•! Klein-Linden. 13. April. 3n einen Topf mit kochender Milch f iel das drei- 5(92.* W Ringen mit Gott Quell, aus dem auch der Wunderpfarrer Sang seine Kraft schöpft, die göttliche Kraft des Wunders, zu heilen durch den Glauben. Dort droben im Nordland, in der erhabenen Einsamkeit von Fels und Wasser, in der düsteren Schönheit der nordischen Fjordlandschaft, im kargen Lande der Mitternachtssonne, dort droben stehen die Menschen ihrem Gott näher, sie suchen Gott, sie sehnen sich nach sichtbaren Zeichen seiner Macht, sie schauen aus nach der Verheißung des Wunders und glauben, als einer unter sie tritt, rauh und • 2 2 ~ 25-^13 „ o* E - ~ 3=»a dem die berühmtesten Männer sich darüber geäußert haben, hat doch noch niemand einwandfrei angegeben, wieviel Stunden wir schlafen müssen, um davon den größten Nutzen zu haben. Nun ist zweifellos diese Frage auch nicht allgemein zu beantworten, sondern der eine wird mehr, der andere weniger Schlaf brauchen, aber daß Diele Leute zuviel schlafen, ist nach der Ansicht des englischen Physiologen Vaughan Dryden eine unbezweifelbare Tatsache. Allzu viel Schlaf aber wirkt schädigend auf die Energie der Nerven ein und ist auch für die Blutgefäße des Gehirns ungünstig. Schlafsucht ist im allgemeinen ein Zeichen geistiger Schwäche. Weder Sancho Pansa noch der „dicke 3unge“ in Dickens' „Pickwickiern , die in der Literatur als die größten Schläfer festgehalten sind, zeichnen sich durch besondere Geistesfähigkeiten aus. Menschen, die an krankhafter Fettleibigkeit leiden, schlafen ungeheuer viel, können mitten im Gespräch plötzlich entluden und geraten dadurch in einen ganz stumpfen, hin- dämmernden Zustand Verschiedentlich ift Dort 2lerzten das übertriebene Schlafen als Ursache für frühzeitigen Verfall der Geisteskräfte erkannt worden. So sagt z. D. Hermann Weber in fernem 'I&erf über die »Verlängerung des Lebens , daß niemand mehr als 8 Stunden schlafen darf. Dagegen kommen geistig hervorragende Menschen vielfach mit sehr wenig Schlaf aus. Don fast allen Genies wird berichtet, daß sie ihren Schlaf auf ein Minimum beschränken konnten, wenn sie sich in einer Periode angestrengten Schaffens befanden. Von den großm Helden der Tat, wie Cäsar Friedrich den Großen oderNapoleon w fsen wir, daß sie sich mit 3 bis 4 Stunden Schlaf begnügten, und Napoleon hat sogar einmal gesagt, er erkenne die hußergewöhnliche Veranlagung eines Menschen an dem geringen Maß von Schlaf, träten er bedürfe. Kant, der ja allen physiolvgi- -• £ r* 3 'S1 n a O'Ö'a-' rt -a r- bald weitergehen. Aber die Lokomotive hat einen Schaden. Das Gaslicht ist ausgegangen, wir müssen vielleicht uinsteigen. Also, anziehen! Leichter gesagt als getan. „Meine Schuhe sind weg." »Das können nicht meine Schuhe sein," „ich komme nicht in meine Schuhe hinein." Es stellt sich heraus, daß einigen Kindern die Füße angeschwollen sind. Aber unter Aechzen und Stöhnen Hemmen sie sich schließlich hinein. Und nun können wir doch in unserem Zug bleiben! Wie man's macht, ist's falsch! Aber solche Erwägungen helfen gar nichts Wir nähern uns Berlin und müssen die Gedanken beieinander haben! Allmählich tauen die Leinen Geister wieder auf. Und ein Kleines, was bis dahin kaum gesprochen hat, fragt mich mit großen Augen, wohin doch nur die Bäume alle und die Häuser fahren? Dann kommen die ersten Berliner Häuser. Nun schnell noch etwas Geographie auf die Frage, ob wir denn nun balo in Düsseldorf wären, und dann immer weiter hinein in die Reichs Hauptstadt mit den kleinen Göhren, die noch soviel lernen müssen. Sehr niedlich fragt in der schrecklichen Gegend von Charlottenburg eins von den Aufgeweckten bei der Ansicht eines alten Hauses mit kitschigen Stuckverzierungen und verrostetem Schmiedeeisen, das sind gewiß die schönen Häuser, wo die alten Deutschen geschnitzt haben. Und dann sind wir am Ziel. Hier werden wir von Freiwilligen des Roten Kreuzes in Empfang genommen. Nachdem wir uns schnell verständigt haben, setzt sich der kleine Zug in Bewegung, und ich bin sehr froh über die Unterstützung der jungen Leute, denn in den Unterführungen ist die Tücke des Objekts zu Hause. 3eht geht ganz sicher mindestens eins der kleinen Freß- kober auf und der 3nhall, Apfelsinen, Butterbrote, Erdnüsse, Zahnbürste, Schnürriemen, Spekulatius müssen plötzlich vom Boden zusammen- gcrafft werden. „Warum biste auch immer da- dran am rum am prackesieren", schilt eins das andere, doch wir können uns nicht lange auf» hallen. Wir steigen jetzt iir einem verdeckten Lastwagen, dann geht's zum Stettiner Bahnhof. Nachdem man uns unsere vorbestellten Abteile angewiesen hat, gibt es für jedes Kind einen Becher heißen süßen Milchkakao, die geleerten Flaschen werden alle mit Kakao gefüllt und dann trennen wir uns von unseren Gönnern, deren Organisation tadellos zu funktionieren scheint, in angenehmer Erinnerung. Ein neuer Zug bietet neue Entdeckungsmöglichkeitrn, es ist sogar ein v-Zug. Und ein echter Barmer 3unge mit praktischen 3nstinkten hat sehr bald die Einrichtung des Klapptischchens am Fenster heraus. 3m Vollbewußtsein seiner Kraft schlägt er mit der Faust auf den Tisch mit den Worten: „Hie Töne Äaaten kloppen. Warte mein 3ungc, dein Gutsherr wird dich bessere Sachen lehren!" Noch einmal wenden wir alle Erfindungsgabe auf. um uns mit Singen und Ratspielen die letzten Reisestunden zu verkürzen, und dann sind wir an der Stelle angekommen. die ganz sicher hier oder da für das Kind aus der 3ndustriestadt in körperlicher und geistiger Beziehung ein Wendepunkt geworden ist. GM kMMZ. Rpfli'h 5V ” 2-°.* • 2.X ■ 9 Der Schlaf gilt zwar feit altersher als der „große Erneuerer des Lebens", wie ihn Shakespeare genannt hat. aber die neuere Physiologie hat doch erwiesen, daß auch in diesem Falle der Segen der Natur sich in Unsegen verwandeln kann, wenn man ihn im Uebrrmah gerriefct. Trotz- Kindertransporte. Don Schwester Elsbeth Blank. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Köln, im März 1925. Bei der großen Bedeutung der Erholungsreisen von Stadtkindern cur das Land und bei der Notwendigkeit. um unserer Volksgesundheit willen diese Reisen in diesem 3ahre noch mehr auszubauen, hoffen wir auf 3ntereffc für die solgenoen Schilderungen aus der Praxis solcher Kinderreisen von der Großstadt aufs nahrhafte und gesunde Land. Der Krieg und feine Folgen hat aus unseren Kindern ein Geschlecht heranwachsen lassen, das unserer ganz besonderen Pflege und Beobachtung bedarf. Außerdem gilt es nicht nur, schädliche moralische Einflüsse wieder wettzumachen. auch Unterernährung und Wohnungsnot sind bis heute so wenig behoben, und von so schädigender Einwirkung auf den kindlichen Körper, daß in weiten Kreisen 3ntercffc und Verständnis für das Thema „ Kindertransporte" vorausgesetzt werden darf. Viele Menschen verspüren schon bei der Vorstellung, mit Kindern reifen zu müssen, großes Unbehagen und Ungeduld. Aber jedes Vorurteil ist ein Beweis von Unkenntnis. — 3ch wurde im Sommer 1917 zum ersten Mal gefragt, ob ich einen Transport von Kindern mit zwei anderen Begleiterinnen nach Süddeutschland bringen wollte, eine mir sehr erwünschte Gelegenheit. den Blick zu erweitern und die eigene Kraft zu erproben Wir traten also unsere Reise mit einer Auswahl von Kindern an, bei denen eine gewisse Erziehung gewährleistet war. Trotzdem hatten wir scharf aufzupassen. Wenn man vier Türen gleichzeitig beobachten soll, freut man sich, wenn der Abend kommt, wo die Kleinen schlafen. Wenn vier Kinder auf dem Boden lagen, konnte man die anderen auf den Bänken: flcgencinanberlegen und wenn auch morgens der rinc oder andere beteuerte: „3ch hab die ganze Nacht kein Auge zugetan", man weiß es besser, man hat sie schlafen sehen, auch gelegentlich laut träumen Höven und froh gewacht und gewartet, ob keins Klagen hören ließ. Nie werde ich diese erste Reise vergessen. Als wir nach 26stün- biger Reise in einem eigens dazu hergerichteten Nebengebäude eines Schlosses des Prinzen von Hohenzollern-Sigmaringen angekommen und denkbar herzlich und gastlich ausgenommen waren, entfalteten unsere Kinder noch eine solche Tätig- Deutschland kamen unzählige Reisen nach Norden und Osten, die ich jetzt alleine mit den Kindern oder als Transportleiterin, als Verantwortliche für die Kinder und noch einige Begleiterinnen machte. 3ch glaube, ich bin nie zurückgekehrt, ohne eine neue Erfahrung, was das nächste Mal noch mehr vorzubereiten, zu bessern oder energischer durchzuführen wäre. Umsicht, Tatkraft, SeDstbeherischung und Beharrlichkeit im Verkehr mit Beamten und Mitreisenden, das sind die Tugenden, die ich im Laufe der Zeit bei den anderen Begleitern besonders hoch einschätzen lernte. — Von 1920 an handelte es sich um Unterbringung von Stadtkindern auf Gütern. Nachdem die pommerschen und vstpreuhischen Guts» bcsiher die Erfahrung gemacht hatten, daß die Kindei. die die Städte entsandten, sich dem dort herrschenden Geist widersetzten, und anmaßende Ansprüche erhoben, zogen sich manche mit ihrer »Gastfreundschaft enttäuscht zurück. Aus den Kin- Dein sprachen natürlich die Eltern. „Wenn du Marmelade kriegst, schreibst du, liebe Mutter, .loinrnc; wenn du s gut hast, liebe Mutter, Punkt". Ihatte eine Mutter ihrem Spröhling eingeschärft, und woher kamen wohl die Karten mit dem Vordruck: Wieviel Butter und Milch wird verwirtschaftet, wird der Achtstundentag innegehalten, wie ist der Lohn für Knechte und Mägde? Auch der Gedanke, sich prinzipiell an keiner im Osten Io vielfach gebräuchlichen, gemeinsamen Hausandacht zu beteiligen, entstammt keinem Kind, das. zu Ehrfurcht und Dankbarkeit erzogen, das elfte Mat das Elternhaus verläßt, um eine von Herzen und ost mit Opfern dargebrachte Gastfreundschaft zu genießen. Die Gutsbesitzer stellten jetzt die einzige Bedingung: Wir wollen Kinder von uns gleichgesinnten Eltern. Das war die Veranlassung für die deutschnationale Dolks- partei, um auch ihrerseits eine Ferienkinderaussendung zu organisieren. So habe ich auf meinen Reisen eine große Anzahl der deutschnationalen jungen Mädchen kennengelernt. Hauptsächlich aus Handwerkerkreisen und dem gesamten stark bedrängten Mittelstand gingen sie hervor und man freute sich der Genugtuung, diese haben es besonders nötig. — Ein Transport in den Osten verlief etwa so: Eine telephonische Anfrage, ob ich den Transport nach IX. übernehmen könnte? 3a. Um 4 Uhr nachmittags Hauptbahnhof. Möglichst zweckmäßig gekleidet, mit wenig Handgepäck komme ich an. Ein unübersehbarer Hausen von Erwachsenen. Väter. Mütter. Onkels. Tanten, Großmütter, selbst Urgroßmütter geben den Heinen Well- reisenden manchmal das Geleite, unzählige Heine Geschwlsterchen. die viel bester zu Hause blieben, und „die Helden des Tages". 3ch nehme meine Papiere, Fahrscheine und viele Ektrawünsche der Mütter in Empfang, beantworte tausend Fragen, „ob ich denn schon mal soweit gereift wäre", „ob ich wohl die Kiste von der Erna tragen könnte", „das Karlchen hätte extra neue Schuhe gekriegt" und „ob wir wohl über M.-Gladbach kämen", „da hätten sie nc Tante zu wohnen". 3ch ernenne mir meistens gleich einen von den größten 3ungen zum Familienvater, und dann gehts mit Paketen und Paketchen auf den Bahnsteig. Hier beseelt mich nur der eine Gedanke, wenn er doch bald käme, der Zug nämlich, denn sonst werden keine Worte von Ewigkeitswert gewechselt. „Krieg' aber kein Heimweh" wechselt ab mit „nu fang mir aber nicht an zu weinen." Fängt erst eins an, so wirkt das epidemisch, und ich kann nach der Abreise den Eltern nicht mehr den Trost mitgc&cn, daß nach 10 Minuten spätestens die letzten Tränen getrocknet sind. Der Zug braust heran, die vorbestellten Abteile sind gerade vorne und wir hatten sie doch hinten erwartet, alles eilt am Zuge entlang und alle Ermahnungen, in welcher Reihenfolge wir einsteigen wollten, sind längst vergessen. Statt meiner Kinder kämpfen lauter erregte Eltern um den Eingang und schimpfen. 3hre Unglückswürmer stehen im Hintergrund, die Hüte im Nacken und die Pakete auf der Schuller. Wenn cs nicht für mich so bitter ernst wäre, könnte ich mich total vergessen in dem Erstaunen über diese entfesselten Kräfte. Aber jetzt bedarf es einer energischen Führung. Die 2llten raus, die Kleinen rein. „Nun die Pakete, sei auch recht brav, tu, was dir Fräulein sagt, schreib auch mal", winken, der Zug setzt sich in Bewegung. Nur der halbwüchsige Bruder zeigt sich noch einmal auf dem Trittbrett, aber dann kommt auch er noch glücklich auf zwei Füßen an und ein tiefer Seufzer ist das regelmäßige Zeichen der Erleichterung, daß wir fotoeit sind. Das Kennenlernen geht mindestens schneller als man denken mag. denn jetzt weisen sich die verschiedenen Anlagen ohne alle Berechnung mit aller Natürlichkeit aus. Es ist entzückend. wie sich die beiden 7jährigen Zwillingsbrüder sogleich über die gemeinsame Futterliste hermachen: sie wollen ja rwch garnicht essen, nur noch mal eben gucken, was Mutter mit verständnisvoller Ueberlegung für die weite Reise eingepackt hat. Man hat ja noch nie über so viele Herrlichkeiten mehr oder weniger alleine verfügen dürfen. Und jetzt ein Ci und ein Butterbrot, und dann einen Apfel und ein Schokolädchen essen dürfen, ganz, wie es einem paßt. Weniger sympathisch ist eine Zwölfjährige, wie sie den Kleinen ihre 5 Tafeln Schokolade aufmutzt» „eine von meinem Cousäng, eine von meiner Tante, die wohnt bei uns unten ein", usw. Es ergeht darauf das strenge Verbot, ungefragt Schokolade zu essen, und Wir haben uns damit fast immer vor unerwünschten Explosionen geschützt. Selbst die blasse Frieda, die das Eisenbahnfähren angeblich gar nicht vertragen kann, taut allmählich immer mehr auf. Ein paarmal tief Luft holen am offenen Fenster tut Wunder. Und alles, was es draußen zu sehen gibt, lenkt ab vom eigenen kleinen 3d) und macht das Reisen zur Freude. Wie bereit sind doch die kleinen Geister, zu bewundern und schön zu finden. Wir brauchen nur die kurze Fahrt durch den 3ndustriebezirk hinter uns zu haben, dann geraten sie in Entzücken über jedes Flüßchen, jedes Ochsengespann, das wir int Vorüberfahren sehen. Und nun gibts unzählige Fragen zu beantworten. Aber das Reisen macht glücklicherweise müde. Es ist ganz dunkel geworden. Sie haben sich alle zum Schlafen gelegt, und nun ist es ihnen einmal von Nutzen, daß man auch zu Hause oft gar so wenig Platz hat zum Ausstrecken mit 2 und 3 Geschwistern in einem Bett. Früh um 5 Uhr hält der Zug auf der Strecke. Wir sind noch eine Stunde vor Berlin. Man ist frostig geworden: möchte es doch 18 WI MA igM '8L Ms h ml N I.IsI * "51; : -h n 0-’ 2' fA ■n 5<2 rt S2 d Fa:?6'" 6 Blutarmut, Bleichsucht kennzeichnen sich durch blasses Aussehen, Schlaffheit, nervöse Verdauungsstörungen, Rückenschmerzen, Mangel an Energie, Kopfschmerzen bereichert durch seinen Gehalt an Eisen und Lecithin das Blut, hebt den Appetit, kräftigt die Herren und schafft frisches, gesundes Aussehen Preu V, FL Hk- X-, */• FL ML L7S LCClterrlndragCes S*c*tei ML 2J0 Ze habe» in Apotheken and Drogerie» G kl onus Chem. Industrie G.m.b H„ Frankfurt 4. M. Verkanln,eilen in GleBen: Central-Drogerie, Echnlitraße; Germania-Drog., Frankfurter Str. 39 jährige Söhnchen des Arbeiters Gelitzer Das Kind befand sich im Nacfcharhaus. wo die Frau die gekochte Kuchenmilch auf die Erde gesetzt hatte. AlS die Frau hinauSging. fiel das Kind beim Spielen rückwärts in den Tops. Gesäß und Hinterleib waren schwer verbrüht Nach wenigen Stunden starb der Kleine unter entsetzlichen Qualen. it Cid), 13. April. Am Oficrmorgen in der Frühe um 6 älhr versammelte sich nach alter Ordnung die hiesige Genteinde in der Stiftskirche zur Osierfeier. Dieser Frühgottesdienst r- hielt diesmal eine besonders feierliche Gestalt dadurch, daß Orgel, Violine (gespielt von Lehrer Fries- Schlitz) und Frauenchor unter Leitung von Frl. Marie 3 äg c r die Feier eröffneten und der neugegründete Posaunenchor unter Leitung von Stiftsdechant Lenz zum erstenmal in der Kirche auftrat Nach dem Gottesdienst lieh der Posaunenchor nochmals vom Stadtturin aus die Oslerlieder über die Stadt hin erschallen. Am Nachmittag des Ostersonntags begibt sich hier jung und alt hinaus zu der hinter deir Schloßgartcn liegenden „Osterwiese" zum fröhlichen Eierwerfen. Ein Gewitter machte bi et-mal leider diesem Ostervergnügen ein frühzeitiges Ende. ri. Nieder-Befsingen. 13. April. Der Ostersonntag war diesmal für unser Dors ein denkwürdig großer lag, roeil die neuegroßcGlocke. die an Stelle der im Krieg abgclieferten angeschasst worden ist, ihre Weihe erhielt. Es war eine große Bereid;erung der Feier, daß der P o so u n e n c!> o r Bersrod sich hierfür zur Derfügung gestellt hatte. In fröhlichem Festzug unter Vorantrin des von zwei blumengeschinückten Schulmädchen begleiteten Orts- geistlichcn begab sich die Gemeinde mit Kirchcnvor- stand, Ortsvorstand und den Dereinen zum Gotteshaus. Aad) der von Posaunenchor, Kird;cnchor nnt Gemeindegesang umrahmten Glocken weibcpredigl und einem unter Mitwirkung der Schulkinder per richteten Chorgebet wurde die Glocke burd) Gebet und Spruch geweiht. Darauf ließ sie zum erstenmal ihre tiefe, tlangvolle Stimme ertönen, während die Gemeinde in stillem Gebet verharrte. Eine Dankes- liturgie schloß sich an. Auch in dem darauf folgenden Ostergotlesdienft wirkte der Gemischte Ehor unter Leitung von Lehrer Graulich und der Posaunen- chor Bersrod bei der festlichen Liturgie mit. Die neue, von der Firma Rinker in Sinn gegossene Glocke ist 9,82 Zentner schwer und trägt als Inschrift den altenBittrus: „Verleih uns Frieden gnädiglich" Kreis Friedberg. O Bad-Nauheim, 11. April. Zur Aufführung von Theaterstücken und großen Konzerten plant die Hessische Bade- und Kurverwaltung die Beschaffung einer Orgel, die noch vor Beginn der diesjährigen Theaterspielzeit ausgestellt werden soll. Die Kosten sind zum größten Telle durch Stiftungen von Kurgästen aufgebracht. 1*1 Bad-Nau heim, 12. April. Die Hess. Bad- und Kurverwaltung hat Automobrl- Gesellschafts-Fahrten mit Wagen der Reichspost zu Beginn der Saison eingelegt. Diese Fahrten sollen den Kurgästen Gelegenheit geben von hier aus alle wichtigen Plätze besuchen .zu können. So sind Nachmitta^touren nach bet Saalburg, Bad Homburg, nach der alten Reichs' stadt Wetzlar mit ihren Goethe-Erinnerungen nach Braunfels, Weilburg, Münzenberg, Lich, Schiffenberg, geplant. Die Tagesfahrten führen nach Heidelberg, Darmstadt, Wiesbaden, Bad Kreuznach, Niederwald bei Rüdesheim, Mainz, schen Vorgängen besondere Aufmerksamkeit widmete und seine Beobachtungen am eigenen Körper machte, schlief selbst wenig, wenn auch von ihm für den Durchschnittsmenschen die Einteilung den 24stündigen Tages in 8 Stunden Arbeit 8 Stunden Erholung und 8 Stunden Schlaf verteilt wurde. Der englische Gelehrte geht sogar so well, daß er behauptet, daß wenig Schlaf das Leben verlängere, während allzu viel Schlaf die Spanne unseres Daseins abkürze. Er führt bc- deutende Männer an, die mit ganz geringen Schlafmengen auskamen und ein sehr hohes Alter erreichten. Zuchterfolge in deutschen Zoologischen Gärten 3m Raubtierhause des Berliner Zoologischen Garten hat das neu angeschaffte Paar schwarze Panter bereits ein 3unges gebracht, das bei einer Hundeamme sehr gut gedeiht. Die Alte war zwar auch eine gute Mutter, aber man zieht die Ammenaufzucht doch vor, weil man so die Mütter schont und die 3ungen besser füttern und zahm erhalten kann. Nachdem jahrelang im Bärenzwinger des Frankfurter Zoologischen Gartens keine Nachzuchten zu verzeichnen waren, hat in diesem 3ahre die im Garten aufgezogene alte braune Bärin „Sonja" endlich wieder eimnal einen Wurf von 3 Stück Zungen gebracht. Die- selben kamen bereits am 6. 3gnuar 1925 zur Welt, sind jedoch erst jetzt zettwetfe für das Publikum sichtbar. Die jungen braunen Baren werden, wie dies bei allen hohlenbewohnenden Tieren der Fall ist, in sehr unentwickeltem Zu- stände nalt und blind ijnö ungefähr von der Größe einer starken Ratte geboren, so daß es m der Regel fast ein Vierteliahr dauert, bis die Tierchen unter ter sorgsamen Pflege ihrer Mu ter soweit rorgefchritten sind, daß sie Die Hohle zeitweise verl en und 5U fielen beginnen» tsHLttz uttö '_5aö SalzllvNrf. ’-fluy Sen Zwenages- Fahrten sollen Gdertalsperre, Waldeck, Bad Waldungen, Wichelmshöhe bei Kassel, Odenwald mit det Bergstraße, Limburg, Bad Ems, Koblenz besucht werden. ^(Dad-Nauheim, 14. April. Die O st e r- feiertags brachten unserer Badestadt einen riesigen Verkehr. Diele Hwrderte Gäste aus den größeren Städten Mitteldeutschlands verlebten hier die Ostertage. Zahlreiche Hotels hatten vollauf zu tun. Dazu kamen Tausende von Passanten, die den Ausflugsorteir und Sommerrestaurants für zahlreiche Arbeit sorgten. Die Gewitter zogen bei uns vorbei und verschonten uns mit Niederschlägen, so daß der Freindenverkehr ungehindert vonstatten gehen konnte. Das kirchlich Leben zeigte an beiden Feiertagen gefüllte Häuser. Ein Höhepunkt war wieder die althergebrachte Osterfeier am 1. Feiertag auf dem Johannisberg, wo seit denr Untergang der alten Dergkirche alljährlich die Bewohner Nauheims und der Nachbarorte sich zu ernster Feier versammeln. Kirchenrat Wisstg hielt vor gr-vher Gemeinde die gedankentiefe Osterpredigt auf dem Berge. Kreis Büdingen« „?“ Nidd a. 12. April. Mit derAmwand- (u ng unserer Höheren Bürgerschule in eine Realschule, die bereits im neuen Schuljahr wirksam wird, sieht sich die Gemeinde gezwungen, auf schnellstem Wege einen Neubau für düese Schule zu schaffen. Die Räumlichkeiten der seitherigen Bürgerschule sind ungenügend und können selbst als Notbehelf nur für kürzeste Zeit in Frage kommen. Außerdem werden sie von der hiesigen Volksschule, die gleichfalls an Raummangel leidet, dringend gebraucht. Die Platz- frage für den Realschulneubau beschäftigt bereits lebhaft die öffentliche Meinung, und verschiedene Vorschläge werden in ihrem Für und Wider angelegentlich erörtert. Kreis Schotten § Ulrichstein, 13. April. Am 1. Oster- feiertag fand hier im Morgengottesdienst die Glockenweihe statt: der Gesangverein brachte nach der Weihe, die der Ortsgeistliche vornahm, ein „Lied zur Glockenweihe" in vollendeter Weise zum Vortrag. Das neue Geläut ist auf die Töne a—c—d abgestimmt, und zwar, wie das Gutachten des Sachverständigen, der die Glocken prüfte, Studienrat Dorngässer -Darmstadt, hervorhebt, in seltener Genauigkeit. Der Klang ist bei allen Glocken überaus klar und voll, so daß das Geläut außerordentlich schön geworden ist, wozu die Gemeinde nur zu beglückwünschen ist. § Feldkrücken, 13. April. Wie üblich, fand hier am 1. Osterfeiertag morgens um i o? Uhr auf dem Friedhof eine Oster- andacht statt: das Wetter war zwar kühl, aber sonst nicht ungünstig. Kreis Alsfeld< o. Alsfeld, II. April. GegeNdieDer - fetjung des Studienrates van der Schmitt von der Offenbacher Oberrealschule an die Oberrealschule zu Alsfeld richtet sich eine Kundgebung Der Alsfelder Eltern, die eine diesbezügliche Entschließung faßten. Nunmehr hat auch der Verein ehemaliger Realschüler zu der Frage Stellung genommen und eine mit zahlreichen Unterschriften versehene Eingabe an das Hessische Landesamt für das Dil- dungswesen abgeschickt: aujch Haben bereits persönliche Verhandlungen über die Angelegenheit mit der Behörde stattgefunden. Dan der ^Schmitt ist Mitglied des Offenbacher Gemeinderats und Anhänger der K o m m u - y "n istifchen Partei. Als solcher ist er agita= , torisch in die Erscheinung getreten und hat dort r durch seine politische Betätigung Anstoß erregt. (In Offenbach ist van der Schmitt wegen seines üblen agitatorischen Auftveteirs zu einer der mißliebigsten Personen geworden. D. Red.) Starkenburg und Nheinhefsen. ' Darmstadt, 11. April. Im Stadthaus ist nm Mittwoch die Hessische Flugbetriebs- Aktiengesellschaft (Hefag) gegründet worden. Fabrikant Lust und Bankier G u t h m a n n vom Bankhaus Nauheim u. Co. in Darmstadt, Volkmar von Arnim von der Aero-Lloyd- A.-G. in Berlin, Bürgermeister D a u b und Bürgermeister Mueller in Darmstadt sind die Gründer. Der h e s s is ch e Staat hat sich einen Aussichtsratssitz vorbehalten. Als technischer Leiter fungiert der Inhaber des Lehrstuhls für Luftschisiahrt an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, Professor C. E b e r ha r d t. Die Gesellschaft ist auf gemeinnütziger Grundlage errichtet. Die Verkehrsfluge beginnen am 15. Mai. Große flugsportliche Veranstaltungen stehen für den Sommer in Darmstadt bevor. * Darmstadt, 13. April. Der Vorsitzende des Verbandes Hessischer Regimentsoereine, Generalleutnant a. D. v. Kleinschmidt in Darmstadt, begeht am 15. April sein 50jäh- riges Mili t ä r j u b i l ä um. 31 Jahre hat er dem Großh. Hess. Artilleriekorps in verschiedenen Dienststellen angehört. Im Jahre 1912 war er wegen Krankheit zur Disposition gestellt worden. übernahm aber nach Kriegsausbruch verschiedene Kommandos an der Ost- und Westfront und hat bei entscheidenden Kämpfen mitgewirtt. Kreis Wetzlar. r. Garbenheim, 13. April. Unser Ort, 6er auch als „Goethes Wachlheim" bekannt ist, wird von Freunden des großen Dichters, tlber auch seiner anmutigen Lage wegen gerni besucht. Auf dem von Linden beschatteten Platze! vor der Gastwirtschaft Henopp hielt sich der xujgendli-che Dichter mit Vorliebe aut. Noch heute beschatten die Goethelinden ben Platz Die frühere alte Wirtschaft, die Goethe besuchte, hat einem größeren Neubau weichen müssen. Im Jahre 1772 wurde der Ort ost von Goethe, welcher damals am Reichskammergericht in Wetzlar beschäftigt war, besucht. Er beschreibt unfci'n) Ort aus damaliger Zeit in seinem „Werthersl Leiden" in solgender Weise: „Die Lage an einem Hügel ist interessant, und toeirn man oben auf dem Fußpfad zum Dorfe herausgeht, übersieht man auf einmal das ganze Tal. — Eine gute» Wirtin, die gefällig unü munter in ihrem Alter, schänkt Wein, Bier, Kaffee, und, was über alles tzeht, sind zwei ßinben, die mit ausgebreiteten Aesten den (lernen Platz vor der Kirche bedecken, der ringsum jirit Bauernhäusern, Scheunen und Hosen etngeim auf dem Platze vor der Kirche ein Denkmal gesetzt. Hessen-Nassau. fpd. Frankfurt a. M., 13. April. In den letzten Tagen trat ein Betrügerin verschiedenen Städten mit einem neuartigen Trick auf. Er besucht Familien, die Angehörige in Amerika haben, und stellt sich als Zollbeamter eines Hauptzollamtes — zuletzt gab er Kassel an — vor mit der Mitteilung, daß im Zollamts Pakete aus Amerika angenommen seien, aber nicht ausge- händigt werden könnten, da nicht alle Zollforrnall- täten erfüllt ober die Postgebühren nicht bezahlt oder die Aufschriften ungenau feien. Er erbietet sich, die Pakete zu besorgen, wenn man ihm die entsprechenden „Gebühren" entrichtet. Der Schwindler, der sehr sicher und gewandt auftritt, quittiert sogar öfter feine „Gebühren" mit dem Namen Hans Schneider. Meist verlangt er Summen zwischen 5 und 10 Mk .Er konnte noch nicht ergriffen werden. — In einer größeren Tuchhandlung zu Darmstadt, sprach ein angeblicher Student der Technischen Hochschule vor und kaufte für 108 Mark Stoff. Er gab an, er fei Ungar und nannte sich Dasso (Beraia. Er zahlte mit einer 5000- fironennote und ließ sich auf eine weitere 1009- Kronennote 25 Mk. „Vorschuß" herausgeben unter der Versicherung, innerhalb einiger Stunden wiederzukommen, wenn er sein Geld auf der Bank gewechselt habe. Als der Schwindler nicht wiederkam, stellte sich auf Erkundigung heraus, daß die firo- nennoten nur wenige Mark wert sind. Da der Schwindler versuchen dürste, auch in anderen Städten sein Heil zu versuchen, wird vor ihm gewarnt. Kirche und Schule Wg. Gedern, 9. April. Einen Höhepunkt im kirchlichen Gemeindeleben bildete die hier in den Tagen vom 29. März bis 5. April von dem Oberhessischen Ausschuß für Volksmission (Vorsitzender Oberpfarrer Knodt, Schlitz) veranstaltete Evangelisationswoche. Allabendlich fand in der Kirche ein religiöser Vortrag statt, in welchem von Pastor H o r st , früher in Nordamerika tätig, das Generalthema „Der Himmel nach den verschiedensten Seiten hin behandelt wurde. Von Abend zu Abend mehrte sich die Zahl der Zuhörer, ein Beweis dafür, daß nicht nur der Vortragsslofs ein starkes Interesse hervorrief, sondern daß es auch der Redner meisterhaft verstand, die Herzen und Gewissen zu packen. Rücksichtslos ging er mit den Volksschäden ins Gericht und wies mit ernsten Mahnungen darauf hin, daß es nur besser werde, wenn man wieder bewußt zum Evangelium als der wahren Lebens- guelle zurückkehre. Cs steht zu hoffen, daß die Darbietungen dieser Evangelisationswoche reichen Segen bringen werden. Für die Zwecke der Volksmission gingen an Kollekten 187,— Mark ein. - Im Sommer ist die Veranstaltung eines größeren Volks missionsfest es für Gedern und Umgebung geplant, das bei gutem Wetter als Waldfest, bei ungünstiger Witterung in der Kirche gefeiert werden soll. WirtschasL. Autzenhaudelsprobleme. Die Oessentlichkeit ist nur wenig ober gar nicht davon unterrichtet, wie außerorbentlich nüchtern unb langwierig bie Verhandlungen über bie Wirtschaf tsvrtrage mit den einzelnen Staaten fortschreiten. Dabei ist die Lage Deutsch- lanbs burchaus nicht so günstig, wie vielfach im In- lanb angenommen wirb. Gewiß, unter normalen Verhältnissen ist unb bleibt Deutchlanb ein Markt von starker Kaufkraft, aber gerabe biese normalen Verhältnisse liegen einstweilen noch im weiten Felde. Inzwischen verschlechtert sich die deutsche Handelsbilanz von Monat zu Monat, ohne daß das deutsche Volk den ungewöhnlichen Ernst dieser Entwicklung erkennt. Während der Außenhandel für 1924 noch mit einem Fehlbetrag von 2,7 Milliarden abschloß, haben die beiden ersten Monate 1925 schon einen Fehlbetrag von saft 1,2 Milliarden Mark erbracht. Auf das Jahr umgerechnet, würde das einen Pasfivsaldo von sechs bis sieben Milliarden Mark ausmachen, wobei noch vorausgesetzt wird, daß sich die übrigen zehn Monate des Jahres besser anlassen, als der schwarze Februar unb ber noch schwärzere Januar. Als bie Tatsachen unb Ziffsern des Außenhandels für 1924 bekannt wurden, gab es merkwürdigerweise eilfertige Federn, die nachzuweisen suchten, daß von einem Fehlbetrag keine Rede sein könne. Unb zwar beshalb, weil es gelang, m i t den Mitteln ber Zahlungsbilanz ben Passivsalbo auszugleichen. Unsere finanzielle Lage ist inbessen nicht so beschaffen, baß wir vielleicht im Herbst bieses Jahres eine neue Anleihe aufzubrin- gen vermögen, ganz abgesehen bavon, baß sich in biesem Jahre nicht noch einmal angesammelte Devisen in Hohe von einer Milliarbe abstoßen lassen. Aus ber anberen Seite: Ans ber Zahlungsbilanz allein können wir in diesem Jahr erst recht nicht den Fehlbetrag abdecken, nicht einmal die 1,2 Milliarden, die schon in den ersten beiden Monaten entstanden sind. Eine Senkung der Einfuhr ist nicht durchführbar, weil wir beispielsweise viel mehr auf bie Einfuhr von Rohstoffen angewiesen sinb, als vor dem Kriege. Im Jahr 1913 führten wir Rohstoffe und halbfertige Waren im Gesamtwert von 6,5 Milliarden Mark ein. Dem stand eine Ausfuhr fertiger und halbsertiger Waren von acht Milliarden gegenüber. Mit dem lieberschuß von fast drei Milliarden Mark konnten mir allein die Einfuhr von Nahrungs- und Genußmitteln in Höhe von drei Milliarden Mark decken. Auf ber Grundlage der Vorkriegswerte haben wir im Januar und Februar 1924 für 900 Millionen Mark Rohstoffe und halbfertige Waren eingeführt, was für das ganze Jahr 5,4 Milliarden Mark ausmachen würbe. Dagegen betrug bie Ausfuhr fertiger unb halbfertiger Waren rund 900 Millionen Mark, was einem Jahresumschlag von 5,4 Milliarben Mark gleich käme. Das sinb an sich 2,6 Milliarden Mark we- niger als in der Vorkriegszeit, was ungefähr der Summe entspricht, für die wir Nahrungs- und Ge- mißmittel einführen müssen. In den beiden ersten Monaten 1925 machte dieser Posten 430 Millionen Mark aus, gleich 2,5 Milliarben Mark für bas ganzc Jahr. Mit anberen Worten, ber Ertrag unseres Autzenyanoeis reicht wohl aus, die Rohstost- einfuhr zu decken, aber nicht bie ber Nahrungs- und Genußmittel. Es ist klar, baß sich dieser Posten nicht herabbrücken läßt, denn ber Verlust der (Betreibegebiete im Osten zwingt uns sogar zur Roggen ein - suhr, während wir vor dem Kriege fünf- bis sechshunderttausend Tonnen Roggen mehr ausführen als einführen konnten. Mit dem Ertrag der Roggenausfuhr im Wert von achtzig Millionen waren wir in der Lage, die Weizeneinfuhr aus den Vereinigten Staaten im Betrage von 78 Millionen Mark au bezahlen! Jrn Jahre 1924 haben wir aber fast 500 000 Tonnen Roggen mehr einführen müssen, bie unsere Hanbelsbilanz mit runb 100 Millionen Mark Gegenwartswert belasten. Unter ben Nahrungs- unb Genußmitteln befinbet sich kein Posten, ber ohne Nachteil für bie Volks- gesunbheit eine Senkung verträgt. Nicht einmal bei Wein unb Most, zumal wir hier auch aus handelspolitischen Gründen den Haupterzeugungsländern entgegenkommen müssen. Was viel zu wenig beachtet wirb, das ist, daß die Tragsäule des deutschen Außenhandels der Vorkriegszeit, bie E i s e n i n b u ft r i e, am stärksten erschüttert ist. Trotzbem wir vor bem Krige über bie lothringische unb luxemburgische Minette verfügten, haben 'wir 1913 für 227 Millionen Mark Eisenerz e i n g e s ü h r t. Im Jahre 1924 waren es nur noch für 40 Millionen Mark Vorkriegswert, obschon wir bie lothringischen unb oberschlesischen Erzvorkommen verloren haben. Es ist kein Trost, baß bie Einfuhr von Rohbaumwolle unb Rohtabak sich ungefähr auf ber Höhe ber Vorkriegszeit halten, zumal sie ja wesentlich nur für bie Versorgung des Jnlanbmarktes in Frage kommen. Während vor bem Kriege der Ausfuhrwert der Grxeugniffe der gesamten Eisenindustrie zwei Milliarden überstieg, erreichen wir heute nicht einmal mehr eine Milliarde Mark nach dem Vorkriegswert. Das zeigt, von welch außerordentlicher Bedeutung für die deutsche Wirtschaft das Produktionsproblem ist. Ob wir künftig die notwendige Einfuhr an Nahrungsmitteln und Rohstoffen bezahlen können, hängt von ber Steigerung ber Jnlanbproduktion ab, sowie bavon, dem scharfen Wettbewerb auf ben Auslanbmärten zu begegnen. Das Problem ist baburch befonbers verwickelt, weil Frankreich feine Überproduktion an Eisen und Stahl zu Schleuderpreisen abzusetzen sucht, was wieder die deutsche Industrie zwingt, weit unter Gestehungskosten anzubieten. Hier muß der Ausgleich durch die Steigerung der Produktion geschaffen werden, die gerade deshalb das Kernproblem ber deutschen Wirtschaft ist. Die KostlenprodnkLion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volksstaates Hessen weist für den Monat März 1925 folgende Zahlen nach: An Aoh- braunkohlen wurden gefördert 38 444 Tonnen, verkauft wurden davon 17 037 Tonnen, der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden in der Hauptsache Schwelereiprodukte erzeugt. Außerdem wurden in Hessen eine Anzahl Tonnen Steinprehkohlen erzeugt. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes uni> Selbst Verbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 18 785 Tonnen Rohkohlen, 8 Tonnen Briketts, 58 Tonnen Naßpreßsteine, zusammen 18 851 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlen- Produkte im Gesamtwert von 76 368 Rm. Der Saatenstand im Deutschen Reiche Anfang April. Dank dem außerordentlich milden und schnee- armen Winter sind die im Herbst bestellten Saaten allgemein gut durch den Winter gekommen. Auswinterungsschäden dürften in diesem Jahre nur in verhältnismäßig geringem Umfange entstanden sein. Die Saaten haben sich im allgemeinen günstig entwickelt. Ihr Stand wird zumeist als gut, teilweise sogar als üppig bezeichnet. Bei den Roggen- und Gerstensaaten zeigen sich in manchen Gegenden als Folge des Nachwinters im März zwar gelbliche Stellen, die sich bei anhaltender günstiger Frühjahrswitterung jedoch bald wieder verlieren dürften. Während durch die Witterung im allgemeinen Winterschäden nicht entstanden sind, ist an- dernteils vielfach großer Schaden durch tierische Schädlinge, hauptsächlich durch Ackerschnecken, Mäuse und Krähen, verursacht worden, wodurch bereits Umpflügungen notwendig geworden sind. Die Frühjahrsbestellung der Felder, welche durch die Ungunst des Märzwetters zeitweise unterbrochen wurde, ist nunmehr überall im Gange. * D i e Münzprägung im März. Im März 1925 sind in Öen sechs Münzstätten an Reichsmünzen geprägt worden: Für 3 286 857 Reichsmark Einmarkstücke (jetziger Umlauf 158 899 733 RM): für 1 739 838 RM. Dreimarkstücke (135 006 633 RM): für 272810,78 RM Einpfennigstücke (2 685 443,19 RM): für 197 821,24 RM. Zweipfennigstücke (4 922 044,14 Reichsmark): für 2333546,35 RM. Fünfpfennigstücke (23 123 482,35 RM): für 5041 310,70 RM. Zehnpfennigstücke (49 342 211,40 RM.) und für 101 534 RM. Fünfzigpfennigstücke (108 907 649 Reichsmark). * Deutsche Kohle für die italienischen Staatsbahnen. Wie der DHD. erfährt, ist zwischen der Ruhrkohle A.-G. und Der italienischen Staatseisenbahn ein Vertrag abgeschlossen worden, nach dein die italienische Staatseisenbahn jährlich ca. 2 Millionen Tonnen Kohlen abnimmt. Der Vertrag ist den beiden Regierungen zur Genehmigung vorgelegt worden: es besteht begründete Aussicht, daß seins Abmachungen anerkannt werden. Betriebs ft illegun gen bei ber Deutsch-Luxem bnrgisch en Bergwerk s- unb H ü 11 e n - A. - G. Das Steinkohlenbergwerk Hasenwinkel ist nunmehr ganz stillgelegt worben: die Gebäube sinb zum großen Teil abgebrochen. Auf ber Zeche „Fricblicher Nachbar" wirb nur noch bie Hälfte ber früheren Belegschaft beschäftigt. Weitere Entlassungen stehen auch auf anderen Ruhr- zechen bevor, so auf ber Zeche „Kaiser Friebrich" unb auf ber Zeche „Louise Tiefbau" bei Dortmund Die Zeche Wienbahlsbank in Kruckel bei Annen ist stlllgelegt worben. Es schweben Derhanü- hingen über ben Verkauf dieser Zechen an die 23er« einigten Elektrizitätswerke Westfalen. * Maschinenfabrik Hartmann 21.®., Offenbach a. M. Die Gesellschaft wird in einer am 30. April stattfindenden ordentlichen Hauptversammlung die Papiermarkbilanz für das Geschäftsjahr 1923,24. die Reichsmarkeröffnungs- bilanz per 1. Juli 1924 sowie den Rechnungsabschluß für das Teilgeschäftsjahr vom l.Juli bis 31. Dezember 1924 vorlegen. Das Aktien* kapital wird im Verhältnis 5: 1 von 5 Mill. Pm. auf 1 Mill. Rm. (Friedenskapital 1 Mill, Mk.) herabgesetzt. Eingesandt, (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artuet übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) Wie man heutzutage den Wohnungsbau „fördert". Die Redaktion des „Gieß. Anz." unb Herr G. I. haben allgemeinen Dank verblend byrd) die Ver- ösfentlichung des „Eingesandt" betr. bie Wohnungsnot unb Erschwerung des Bauens burch Kosten ufw. in Nr. 68 vorn 21. März. Die Wohnungsnot in Dorf unb Stabt bewegt bie weitesten Kreise unseres Volkes, bas immer mehr verelenbet unb bereits beginnt, abzunehmen. (Nr. 70, Hagel: Zur Frage ber Sieblung.) Zum Beweise bafür, welche „Förbe- rung" heute der kleine Mann beim Bau eines Häuschens erfährt, fei es gestattet, einige fachliche Mitteilungen über Kosten, Steuer ufw. zu machen. 1. Mein Neffe entschloß sich zum Bau eines Häuschens. Einen passenden Bauplatz erwarb er sich durch Tausch gegen zwei kleine Grundstücke. Für diesen Tausch hatte er an Kosten zu zahlen: l.Erund- erwerbssteuer: 2. Landeszuschlag: 3. Gemeinbezu- schlag: 4. Beurkunbungsgebühr: 5. Pauschsatz: 6. Eintragungsgebühr: 7. Fortführungsgebühr: 8. Schreibgebühren: 9. Ortsgerichtskosten: 10. Be- hänbigungsgebühren. Summa: 116,75 Mark. Für triefen Kostenbetrag hätte man vor wenigen Jahren dies ganze Bapplätzchen kaufen können. 2. Als wir f. Z. lasen, baß vom Staate ben kleinen Leuten entsprechenbe Baubarlehen gewährt würben, erfuhr mein Nesse bei Nachfrage am Kreis- amt, baß für unseren Kreis ein geringer Betrag zur Verfügung stände, unb für Anteile bewürben sich aber etwa 300 Bebürstige. Er erhielt also keinen Pfennig Staatsbarlehen, wovon soviel geredet wurde. 3. Von ber „Sonbersteuer für bebauten Grundbesitz" hofften wir, würde doch der kleine Mann, ber selber in Baunot stecke, befreit werden. Es war ein Irrtum, wie wir vom Finanzamt erfuhren. Auch das Finanzministerium, dessen Hilfe wir an- riefen, bestätigte es. So muß mein Neffe heute noch diese „Sondersteuer für bebauten Grundbesitz" als Mieter mitzahlen, wenn er auch selber unter schweren Baulasten seufzt. — Natürlich freut er sich dessen ungemein, und mit ihm wohl mancher Lei- densgenosfe. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aris der „Radio-Amschau*.; Dienstag, 14. April: ■t.20 Ahr: Nachrichtendienst. 4.30 bis 6 Uf>r: Nachmittags-Konzert: des Hausorchesters: Gilbert. 1. Massary-Trvt a, d. Operette „Prinzessin Olala". 2. Potpourris a. t>. Operette „Die keusche Su- sanna".. 3. „Komm Liebchen Wander" a. d. Oper „Katja die Tänzerin". 4. Der ersten Liebe golddne Zeit, Walzer. 5. Im Opiumrausch a. „Die Reise um die Erbe in 40 Tagen". 6. Potpourris a. „Die Kinokönigin". 7. Serenade raffe. 8. Pagentanz a. d. Operette „Das Weib in Purpur". 6 llfjr; Wirtschaftsmeldungen. 6 bis 6.30 Ahr: Die Lese- ftunäc (Meisterwerke der Weltliteratur): Aus „Soll und Haben" von Gustav Freytag (Fortsetzung). 7 Ahr: Wirtschaftsmeldungen. 8 bis 8.30 Ahr: Vortrag von Otto Schwerin: „Moderne Schwindler- und Gaunertricks". 8.30 Ahr. Liebeslieder und Duette, vorgetragen von Fritz unb Else Trautvetter--Rode. Anschließend Nachrichten. Wette/ireldung, Sportbericht. 10 bis 11 Ahr: Tanzmusik der Kapelle Pinkus Langer. Mittwoch, 15. April: 12 Ahr: Nachrichtendienst. 4 Ahr. Wirk« schaftsmeldungen. 4 Ahr: Kinderstunde: Das Eselein, ein Märchenspiel in 4 Aufzügen von Anna Bethe-Kuhn. 4.20 Ahr: Nachrichtendienst. 5.30 bis 7 Ahr. Nachmittagskonzert des Haus- orcheslers: Walzer. 1. Walzer, du mein Walzer, O. Strauß. 2. Wo die Zitronen blühn, I. Strauß. 3. Kavalierwalzer. Nedbal. 4. Walzer „Klein- Idas Blumen", Klenau. 5. Süße Mädts, Reinhardt. 6. La Dalse, Ravel. 7. Rote Rosen, Lehar. 7 Ahr: Witrschaftsmeldungen. 7 bis 7.30 Ahr: Die Besprechung (Literarischer Teil) 7.30 bis 8 Ahr: Funkhochschule. Paul Bekter: „Musikgeschichtliche Wandlungen". 18. Vortrag: „Wagner, Verdi, Dizet". 8 bis 8.30 Ahr: „Die Allgemeinbedeutung der technkschen Fortschritte der Vinnenschissahrt", Vortrag, versaht von Reg.- Rat Dr.-Jng. W. Teubert-Mannheim. 8.30—9.30 Ahr: Aebertragung von Kassel: Kammermusikabend. Klarinettenquintett in A=Sur, W. A. Mozart. (Allegro-Larghetto-Minuetto-Allegretto: Thema con variazioni). 9.30 Ahr: Nachrichtendienst, Wettermeldung, Der kehrsnachrichten, Sportbericht. 10 bis 11 Ahr: Vortragsabend Jean Moreau. TrinKx Groscb ML / ■ • : • • • Vertreter und Lager: Barth & Co„ Gießen, ludwlgslraße 57. Sommersprossenbildung im zrühling. Vesteht bei Ihnen Neigung zur Sommersprossen« bildung, so müßen Sie gerade in den Frühlingsmonaten etwas ordentliches dagegen tun. Wir raten Ihnen, in derApotheke weißes Citalbol-Wachs, 50 oder 25 Gramm, zu kaufen, um sofort mit der Behandlung der befallenen Stellen zu beginnen. Sicher erhältl.: Anivers.-Apotheke „Zum gold. Engel". Sic beseitigen schmerzlos Verstopfung und Stuhlträgheit, regeln die Darmtätigkeit und wirken blutreinigend. Was Großeltern und Eltern geholfen hat, hilft auch heute. fln all. Apothek-trlültlich, die Schacht M. l.SDj Seit 50 Jahren bekannt und beliebt in fast jeder deutsch. 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So wird z. D. das Kraftwerk dec berühmten Fordschen Kraltwagenfabrik in Detroit mit Kohlenstaubfeuerung betrieben, wobei sämtliche Kessel von einem einzigen Punkt aus nicht nur überwacht, sondern auch gclenft werden können. Auch in Deutschland sind bereits eine ganze Reihe von Kraftwerken und anderen Betrieben mit der neuartigen Feuerung ausgerüstet, die neuerdings auch zum Beheizen von Zementöfen verwendet wird. Vlit Recht ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dah bet einer Verfeuerung der Kohle im Urzustand nur ein Teil des darin steckenden Wärmewertes wirklich auSgenützt wird: ein nicht geringer Bruchteil geht in den Ascheabfällen und in den Rauchgasen verloren. Durch sinnreiche Ausbildung der Roste — eS seien hier nut die Schräg- und die Wanderroste erwähnt — imb durch Verbesserungen der Kessel und der Züge hat man zwar den Wirkungsgrad gaiu erheblich zu verbessern versucht, jekwcy lieh sich das Ziel auf diese Weise nicht erreichen. Dor allem brauchte man für hochwertige Leistungen auch hochwertige teure Kohle für viele Zwecke, wie Glüh-. Härte- und SchmiÄ>eöten ist z. B. Gruskohle oder gar Braunkohle nicht verwendbar. Es kommt hinzu, dah die erzielbaren Wirkungsgrade sehr stark von der sorgfältigen Bedienung und guten Betriebsüberwachung ab» hängen. Lagerung und Verteilung auf die einzelnen Drennstellen verursachen auch Unbequemlichkeiten und Schwierigkeiten. Aus allen diesen Gründen hat man die Verwendung von flüssigen Drermstoffen eifrig gefördert: das jjrböl begann seinen Siegeszug. Die Zahrcserzeugung reicht aber bei weitem nicht zur Deckung des Bedarfs aus: viele Industrieländer haben gar keine oder, wie Deutschland, nur geringfügige Grdölvorkommen. So war man gezwungen, einen brauchbaren Ersatz für das Oel zu suchen. Dieser Ersah ist der Kohlenstaub. Ganz fein zerpulverte Stern- oder Braunkohle in lockerer Schüttung zeigt merkwürdige Eigenschaften, die denen des Eäwls sehr nahe kommen. Die Staubkörnchen, die nur wenige Hundertstel Millimeter Durchmesser haben, schwimmen sozusagen in der Luft, ohne zusammenzubacken, sie bilden also mit dieser eine Art Flüssigkeit, die sich bequem umfüllen und durch Rohrleitungen hinduichpumpen läßt. Bei genügendem Luftzutritt läht sich das Kohlenstaub- Luftgenrisch schon mit einer gewöhnlichen Flamme leicht entzünden, und zwar seltsamerweise schon bei geringeren Wärmegraden als flüssige oder gasförmige Brennstoffe. Die Zündpunkte liegen ja nach der Art der Kohle, der Feinheit ihrer Zermahlung, der Menge der zugesetzten Lust und der Durchmischung etwa zwischen 250 und 600 Grad Celsius. Die eigentliche 'Verbrennungstemperatur läht sich viel höher treiben als bei anderen Feuerungen, da man den Luftzutritt auf das zur Verbrennung notwendige Mast beschränken tann. Man erzielt auf diese Weise Wärmegrade bis zu etwa 1900 Grad Celsius. Deutsches Museum für Naturwissenschaft und Technik. Von Ewald Beckmann-München. Was sich in dem Deutschen Museum für Naturwissenschaft und Technik in München seiner vorläufigen Vollendung nähert, ist ein ganz überwältigendes Zeugnis deutscher Kultur in Vergangenheit und (bcgenwart. Die Grundsteinlegung zu dem Neubau des Deutschen Museums erfolgte bereits im November des Jahres 1906 in Gegenwart des deutschen Kaiscrpaares und des Prinzregenten Luit- pold von Bayern unter besonderen Festlichkeiten. Jetzt, nach fast neunzehn Jahren, soll in den ersten Tagen des Mai die Einweihung und Eröffnung erfolgen. Für die beabsichtigten festlichen Veranstal- tungen find mehrere Tage vorgesehen, und an dem Jjauplfcfttapc, am 7. Mai, wird ein Festzug München durchziehen, für den die gesamte Künstlerschaft Münchens ihre Mitwirkung leiht. Auf der von der grau-grünen Isar umflossenen sogenannten Mu- jeumsinsel erhebt sich der wuchtig gegliederte gewaltige Eisenbetonbau nach den Plänen des verstorbenen Gabriel von Seidl, der auch das neue Bayerische Nationalmuseum an J)er stolzen Prinz-Negen- ten-Straße schuf. Bei 12 000 Quadratmeter überbauter Bodenfläche umfaßt das Deutsche Museum 40 000 Quadratmeter Ausstellungsräume und ist das größte und bedeutendste Museum seiner Art in der Welt. Der Weg durch die Sammlungen beträgt 14 Kilometer. Ein mindestens gleich großer Bibliotheksbau mit Borträgsjälen soll später noch im Anschluß an das Muieum errichtet werden. Die Bibliothek ist zunächst provisorisch untergebracht und erhält bereits 90 000 naturwissenschaftlich-technische Werke aller Zeiten, eine Plansammlung mit einer großen Zahl von Originalplänen und Zeichnungen zum Studium von Maschinen, technischen Bauwerken usw.. ferner Sammlungen von Urfun- den, Porträts. Denkmünzen, Lichtbildern usw. Der Bau des Deutschen Museums war bereits 1914 im Rohbau fertig gestellt, aber während der Kriegs- scchrc ruhte die Bautätigkeit, und erst 1921 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Jetzt stellt man die letzten Zugangswege und Brücken über die Isar her, und an dem 64 Meter hohen viereckigen Turm an der Westfasfade des Gebäudes werden die großen, fünf Meter Durchmesser zeigenden Zifferblätter für ein Thermometer, einen Windmesser und ein Hygrometer angebracht, während das Barometer an der vierten Seite des Turmes schon seit längerer Zeit in Wirksamkeit ist. Der Turm trägt noch einen 16 Meter hohen Antennen- inast für drahtlose Telegraphie und Telephonie. Von dem Aussichtsbalkon in 50 Meter Höhe hat Dabei find btc Abfälle noch umxrbra unter Kohle mit der Asche äußerst gering; sie betragen etwa mir 1 vorn Hundert M K Unter Bild zeigt schematisch die wichtigsten Vorrichtungen einer Kohlenstaubfeuerungsanlage von der grobstüctigen Kohle bis zum Feuerraum eines Schrägrohrkessels. Aus dem Bunker gelangt die Stückkohle in einen Walzenbrecher W, in dem sie auf etwa 2 Zentimeter starke Körner zerkleinert wird. Diese werden meist über einen Magnetscheider M geführt, der magnetische Beimengungen, wie Eisen und Erz, absondert, und dann einem Bunter zugelettet. Aus diesem fällt die Kohle, falls sie zum Mahlen zu seucht ist, in eine beheizte, geneigte und sich langsam drehende Trockentrommel T. Die Heizgase umspülen zunächst die Trommel von außen und durchstreichen sie dann entgegen der Dewegungs- richtung der Kohle, wie dies durch die Pfeile angedeutet ist. Die getrocknete Kohle gelangt in einen Bunker BJt aus dem sie mit einer Schnecks der Walzen- oder Kugelmühle K gleichmäßig Angeführt wird. Hier wird sie zu feinstem Staub zerrieben, der mit Lüsterflügeln durch engmaschige Filter zur Schneckenpumpe P befördert toirb. Die Pumpe P drückt nun den Kohlenstaub, dem bei L noch Druckluft zugesetzt wird, durch die Rohrleitung R in die Dorratssilos S. Von hier aus kommt der Staub — wieder mit einer Schnecke — zum Brenner B, wo ihm die nötige Verbrem- nungsluft von einem Gebläse G zugesetzt toirb. Dom Feuerraum streichen die Heizgase in der Pfeilrichtung zwischen den Heizrohren des Kessels hindurch. Die Zusahlust tritt gewöhnlich in das Innere des Kohlenstaubstrahles ein; bei der Erhitzung dehnt sie sich aus und vermischt sich innig mit dem Brennstoff. Die Austrittsgeschwindigkeit aus dem Brenner muß großer sein als die Rückzünd- geschwindigkeit, die etwa 4 Meter in der Sekunde beträgt, damit die Flamme nicht zurückschlägt und den Brenner beschädigt. Ein Zurückschlagen in die Leitung ist nicht zu befürchten, da die Traglust des Kohlenstaubes nicht zur Verbrennung genügt. Vielfach wird der Flamme in der Brennkammer noch Luft xugefcht, besonders an der Spitze, damit eine möglichst vollständige Verbrennung erzielt wird. Besondere Sorgfalt muß auf die Ausführung der Brennkammer gelegt werden Sie ist größer zu bemessen als bei anderen Feuerungen und wegen der hohen Hitzegrade mü widerstandsfähigstem Stoff auszukleiden. Vorteilhaft ist es. sie mit Lust zu kühlen und die auf diese Weise vorgewärmte Luft dem Brenner zuzuführen. Das Entfernen der Schlacke und Asche machte zuerst Schwierigkeiten, die jcckwch durch Abführen in noch flüssigem Zustand oder durch plötzliches Abschrecken mit Luft, Wasser oder Dampf behoben werden konnten. Die durch den Schornstein aus- getoorfene Afchenmenge ist nicht größer als bei anderen Anlagen. Die besondern Vorteile der Kohlenstaubfeuerung liegen darin, dah selbst minderwertige Kohlen in wirtschaftlicher Weise verfeuert und daß weitverzweigte Anlagen von einer Stelle aus beschickt werden können. Das einfache Abstellen gewährleistet sparsamsten Betrieb, da das Feuer nicht wie bei Rostfeuerungen gedeckt werden muh. Die kurze Zündzcit macht die Kohlenstaubfeuerung besonders auch als Zusatzheizung für Rostfeuerungen zur Deckung von Spitzenleistungen geeignet. Man hat auch schon in verschiedenen Ländern Lokomotiven mit der neuen Feuerung ausgerüstet. Die wesentlichsten Schwierigkeiten der Kohlenstaubfeuerung können heute als überwunden angesehen werden; trotzdem bleibt noch viel zu tun übrig, um ihr die Verbreitung zu sichern, die ihr auf Grund ihrer großen Vorzüge zukommt. ^Brutpflege bei Pflanzen. Daß die Tiere mit großer Sorgfalt für ihre Brut sorgen, wissen wir, aber daß auch die Pflanze in wunderbarer Weise für ihre Nachkommenschaft sorgt, hat erst die neueste Botanik erkannt. In feinem bei Earl Reißner in Dresden erschienenen Buch „Zeugungswunder" behandelt H. u. Bronsart auch diese Brutpflege der Pflanzen. Die Pflanze muß vor allem dafür sorgen, dah ihre Nachkommenschaft den nötigen „Platz an der Sonnne" erhält, nämlich Erde zum Keimen und Sonne. Dazu ist ein gewisser Abstand von der Nachbarpslanze nötig, und darauf sieht die Pflanze ebenso rote darauf, daß ihre Samenkinder den richtigen Ort zum Keimen erhalten. Das kleine Zimbelkraut z. D., das aus Italien stammt, aber in Deutschland seit langem eingebürgert ist, reckt seine Blütenstile solange der Sonne entgegen, bis die Zeit der toamenreife herannaht; dann aber biegt sie die reifenden Früchte von der Sonne fort und legt die Samenkapseln sorglich in die Spalten zwischen den Mauerritzen, aus denen die jungen Blüten hervorsprießen. Durch das Zu- rückkrümmen der Blütenstiele nach der Befruchtung sorgt sie also dafür, daß ihr Samen die günstigsten Lebensbedingungen erhält. Solche Beispiele „aktiver" Brutpflege gibt es noch viele bei den Pflanzen. So gräbt die Erdnuß ihre Früchte in die Erde ein, und während der Fruchtknoten anfangs vom Erdboden weg in die Höhe strebt, bohrt er sich nach der Befruchtung zentimetertief in den Boden, damit der Samen dort sicher und ruhig der Blüte entgegenreifen kann. Zur Brutpflege sind auch die Mittel zu rechnen, durch die die Pflanze ihren Samen möglichst weit ausstreut, und chm dadurch die nötige Bewegungsfreiheit aewährt. So hat das bekannte Springkraut, das „Kräutlein Rühr-mich- nicht- an", in feinen langen, schotenartiaen Früchten so merkwürdige Spannungsoerhältnisse, daß gie die Längswände, wenn gewisse Nähte aufreihen, sich blitzschnell einrollen und den Samen mit groher Schleuderkrast fast einen Meter weit wegspringen lassen. Solcher Schleuderoorrichtungen gibt es viele und sehr hoch entwickelte in der Pflanzenwelt. Während die Balsannne impatiens ein richtiger Bogenschütze ist, findet sich das Prinzip der explodieren- man einen der herrlichsten Blicke über ganz München. Während der Turm auf der Plattform Scheinwerfer, Fernrohre und dergleichen trägt, befindet sich im Innern ein Foucaultsches Pendel zum Nachweis der Erddrehung, mit dem auch das Publikum Versuche unternehmen tann. Und nun will ich auch gleich von der astrono- nuschen Abteilung des Deutschen Museums sprechen, die ohne Zweifel einen der Hauptanziehungspunkte nicht nur des Publikums, sondern auch der wissenschaftlichen Welt bilden wird. In sie gelangt man vom Haupttreppenhaus des dritten Stockes. Drei Sternwartkuppeln trägt das Gebäude an feiner Nordfront, die bei günstiger Witterung auch abends zugängig fein sollen. Die Westkuppel ist mit Oefsnuna und Drehbühne von Zeih ausgestattet. Die Ostkuppel von 7 Meter Durchmesser trägt ein Spiegelteleskop von 40 Zentimeter Deffnung von Goerz. In der astronomischen Abteilung finden wir alle einschlägigen Meßinstrumente, Sonnenuhren mit Demonstrationen, Darstellungen der Beschaffenheit der Himmelskörper usw. Von großem Interesse ist es, die Entwicklung der Sternwarten zu verfolgen an naturgetreuen Modellen von Heoels Observatorium in Danzig, Oranienburg von Tycho Brahe, der Stemroarten von Jaypur, Paris, Straßburg usw. An dem großen Modell der Sternwarte von Jaypur ist der verschiedene Swnd des Sonnenlichtes mittels elektrischer Beleuchtung einzuschalten. Die gewaltige Mittelkuppel des Museums aber trägt den ISzölligen Fraunhofer-Refraktor aus Pukowa bei Petersburg, der kurz vor dem Kriege zurückerworben wurde. Die Kuppel ist mit einer elektrisch betriebenen Hebebühne versehen, die je nach der Neigung des Fernrohrs hoch gefahren oder gesenkt werden kann. In anderen Raumen werden die Weltsysteme dargestellt. Ein wahrhaftes 3auberfabinett wird das große Ptolemäische Planetarium do den Zeihwerfen in Jena. Auf eine Kuppel von 3 Meter Durchmesier werden der ganze Firfternbiminel sowie Sonne, Mond und Planeten mit den ihnen eigenen, selbstverständlich je» doch beschleunigten, Bewegungen projiziert werden. Hier fann man den Stand der (Sterne im Augenblick großer wetthistorischer Ereignisse einstellen, aber auch jeder einzelne Besucher vermag sich den Stand der Gestirne in der Stunde ober gar Minute seiner Geburt darzustellen. Und bann finben mir in der Unterabteilung der Astrologie die interessantesten Horoskope aus dem Altertum und dem Mittelalter. Da ist auch noch ein kopemikanisches Planetarium der Zeißwerke, das in einem Raum von 12 Meter Durchmesser die wirkliche Bewegung der Planeten um die Sonne veranschaulicht und es dem Besucher ermöglicht, auf einem Wagen mit der Erde durch das Weltall zu fahren. I n ■■—■■■■■■ .............—— Und nun führe ich Sie aus diesen Himmelsregionen unter die Erde. Da ist im Untergeschoß die Erdbebenstation. Und bann gelangen wir in die Bergwerke. Wir können auch einen betriebsfähigen Fahrschacht benutzen. Wir passieren Abteuf- szenen, kommen an Füllorien vorbei mit gangbaren Betriebseinrichtungen, wie Wasserrad, Fahrkunst usw. Wir durchwandern Kohlen-, Salz- und Erzbergwerke. Abbauorte in bekannten Bergwerken sind naturgetreu in Originalgröße nach Abdrücken her- gestellt. Es ist einfach fabelhaft, was man hier in der Rekonstruktion natürlicher Bergwerke geleistet hat. Wir begehen ganze Stollen, die bis .zum letzten Tüpfelchen naturecht sind; der Kohlenstaub auf den Fußböden wird besonders die Damen in Hellen Strümpfen davon überzeugen. Selbst eine kutur- historische Bergmannsstube mit den Betschemeln und Orgel fehlt nicht. Und in dem viele Meter hohen Salzbergwerk arbeiten auf den gewaltigen Blöcken die Bergleute mit ihren Grubenlampen m der Hand. In den Erzwerken des 'Harzes sehen wir auch die Kähne auf den unterirdischen Wasserstraßen, mit denen das Erz befördert wird. Und so baut sich das Deutsche Museum nun weiter auf. Jede Abteilung von einer Vollständigkeit und mit einer Liebe und Sorgfalt zufammen- gestelll nicht nur zur Schau, sondern auch zum praktischen llntericht. Die historisch wichtigen Originale und die naturgroßen und naturgetreuen Modelle anderer historischer Originale, die wir da 'in den Abteilungen Bergwerksmaschinen, Metallhüttenwesen, Eisenhüttenwesen, Metallbearbeitung und vor allem Kraftmaschinen finden, sind betriebsfähig. Von welch unschätzbarem Werte ist es, wenn demonstriert werden kann an der Wassersäulenmaschine von Reichenbach von 1817 ober an der ersten deutschen Wasserturbine von 1834 ober an der ersten Wattschen Dampfmaschine, an dem Wasserrohrkessel von Alban, den ältesten Dampftur- binen von Parsons und Laval ober dem ersten Dieselmotor. Dann kommen im Verkehrswesen bie Fahrräder und Automobile, die ersten und letzten, die Eisenbahnen und elektrischen Bahnen, die erste Lokomotive „Puffina Billy" von 1813, eine Nachbildung zwar, die aber den Vorteil gegenüber dem in London befindlichen Original hat, daß sie läuft, während das Original eingerostet ist. Sonst wären die beiden Maschinen nicht voneinander zu unterscheiden, !o genau sind die Abdrücke genommen worden. Dann kommen die ganz modernen Dampf» unb elektrischen Lokomotiven, alte und neue Eisenbahnwagen. Tunnelbau, Brückenbau und Straßen- bau werden mit Modellen von peinlichster Erakt- heit im Altertum und im Mittelalter und heute, in Asien und in Amerika und in Europa gezeigt. Was- serstrahen-. Hafenbau. lleberwälligenb wirft die den Bombe bei der tropiftben Hura rtvpttom. ihren Samen 14 Meter weit schießen kann. Selbst die Eriindung der „gezogenen" GeschützLufe ift bei den Pflanzen schon längst gemacht, und bei ihren Schießvorrichtungen findet das Gesetz Anwendung daß rotierende Geschosse weiter fliegen al» solche, bie keine Drehung um ihre Achse ausführen. Sei der Glyzine Wistana erfahren die beiden Hälften der reifen Hülse im Augenblick des Aufplatzens eine starke plötzliche Drehung, wodurch die herausfliegen den Samen in drehende Bewegung gefetzt werden. Zur ..Technik" der Brutpflege gehört es auch, daß die Sarnen vielfach so fein und leicht gestaltet sind, daß sie durch den leisesten Lufthauch zu weiten Luft reisen veranlaßt werden. Bettlerkräuter, Eine in ganz Europa gemeine Pflanze. Lyco- pus europaeus. in Deutschland als Rolsstvapp bekannt, führt m England den Rainen Gi°psh wort (Zigeunerwurz > Sie wurde so benannt, weil sich gewöhnliche Landstreicher ihrer bedienten, um ihrer Haut die dunkle Färbaurg zu geben, die es ihnen gestattete, als Zigeuner aufoutreten, also gewissermaßen im Vetttergewerbe eine höhere Rolle zu spielen. Andere Glieder der Bettter- zunst suchten das Mitleid durch künstlich erzeugte Schwären zu erregen. Zu diesem Zwecke bediente man sich des Saftes verschiedener Pflanzen aus der Familie der Hahnenfußgewächse, von denen besonders der in Gräben wachsende Difthahnen- fuß gebraucht wurde. Zn den südlichen Ländern wurden zwei Clematis-Arten für diese Praktiken benützt. ClematiS Ditalba und Clematis Flammula. welch letzterer ‘Harne auf den bren- nenben Saft Bezug hat Der Reisende Pallas erzählt von der in die gleiche Pslanzensamilie gehörigen Küchenschellen .Der Landmann fermt sie sehr wohl, weil das junge 'Vauernvolk bei Werbungen, um sich dem Soldatenstande zu ent- ziehen. oft durch Auflegen des zerquetschten Krautes, welches eine blasenziehende Kraft hat. sich flache Geschwüre an verschiedenen Teilen des Leibes macht, um bei der Besichtiguna zum Diens' untüchtig erklärt zu werden. Rkangelte die Küchenschelle, so versuchte man das gleiche Re fultat mit Knoblauch zu erzielen DallaS fügt seiner Mitteilung über bie Küchenschelle die fnt".’ ■ essante Bemerkung hinzu, daß in Gegenden Sibiriens. in denen die Heuschrecken alles, selbst Wolfsmilch, aufgesressen hatten, nur der harte San dHalm unb die Küchenschelle übciggelaffen waren, daß aber die Blume der letzteren von den Schafen ohne Schaden gefressen wurden. Woran erkennt man die Singvögel? Mancher Leser toirb über die Aktivität bietet Frage den Kops schütteln und toirb sagen. Ra° türlich am Singen! Daß diese Antwort aber durchaus irrig ist. geht schon daraus hervor daß ja auch die Rabenvögel zu den Singvögeln gehören und ihre Zugehörigkeit erkennen wir sicherlich nicht am „Gesang"! Einen Singvogel kann mau schon im ersten Zugendstadium, alte zu einer Zeit in der er gewiß noch nicht singt, an einer typischen Eigenschaft der Singvögel cr- kennen: an dem operren, d. h., bie Jungen reihen den noch durch besondere Wülste verbreiterten Schnabelrachen weiter auf und lass«' sich das Futter bis hinter die Zunge schieben, ehe sie schlucken. Die Singvögel schnappen also als Heinere Restjungen niemals nach Futter. Wohl um bie Eltern immer wieder neu zum Füttern anzuregen unb um ihnen, wenn das Rest in einer dunklen Höhle steht, den Ort, wohin die die Bissen gesteckt werden sotten, anzuzeigen, sind diese Sperr-Rachen stets mehr oder weniger bunt unb leuchtend gefärbt und die Randwülste heben sich häufig noch in der Farbe besonder« ab. Außer den Singvögeln sperren bei uns bloß noch der Wiedehopf unb der Kuckuck. 60X21 Meter große unb 20 Meier hohe Mittel- Halle für Schiffbau unb Luftschisfahrt. Dom Ein bäum unb den Originalbooten der Naturvölker bis zu den Modellen mobernster Luxus- und Linienschiffe. Die Luftschiftahrt in ihren ersten An sängen bis zum heutigen Tage, ein Merkmal deutschen Erfindergeistes. Im ersten Stock befin bet sich auch der Ehrensaal mit einem bemerkens werten Deckengemälde von Julius Diez. In den Wandnischen und an den Pfeilern sowie in dem anschließenden Bildersaal sind die Denkmäler der hervorragendsten deutschen Forscher und Techniker angebracht. Mathematik, Physik, Chemie sind um fastend und restlos vertreten. Bon besonderem Reiz auch für den Laien sind die verschiedenen La boratorien. Ein sogenanntes alchimistisches Labora torium der Chemiker des 16. unb 17. Jahrhunberts in einem von Prosestor Schuz-Nurnberg entroor fenen gotischen Raum. Em Laboratorium bes 18. Jahrhunderts zeigt bie Einrichtungen, Präparate und Apparate der Zeit, wie z. B. von Scheele, Pristlcy, Lavoisier usw. Ein Liebialaboratorium mit zahlreichen Originalen von Liebig unb anderen Cl^nnkern ber Zeit, wie Berzelius, Wöhler, Bun sen usro. Eine historische Apotheke des Mittelalters gibt ein anschauliches Bild der Entwicklung der Heilmittel. Damals versuchte man noch bie unmöglichsten Stoffe als Heilmittel; Behälter für Men schenfett und gemahlene Menschenschädel fehlen nicht. Eine Ausstellung für sich sozusagen bilden die Musikinstrumente. Die Gruppen des zweiten Stockes: Wohn- unb Städtebau finden erst 1926 ihre Vollendung. Im dritten Stock ist aber noch bie gesamte Textilindustrie und Papierindustrie mit Drucktechnik, fer ner Landwirtschaft, Mühlenbau, Molkerei, Braue rei und Brennerei untergebracht. Alles stets in ber gleichen Vollständigkeit und wissenschaftlichen Gründlichkeit. Im Garten ist bie Entwicklung bei ffiinbräber dargestellt: hier hat auch das Original einer holländischen Windmühle aus dem 18. Jahr hundert Aufstellung gefunden. Historische Krane Signale und Scherheitseinrichtungen für Bahnhofs anlagen sind ebenfalls da. — Und zum Schluß ret ten wir uns in die Erfrischungsräume. — Die Eröffnung des Deutschen Museums in München wird zu einer internationalen Sensation werden Schon jetzt behandeln auch große ausländische Blätter das hier Geschaffene in langen Ar titeln als ein beredtes Zeugnis deutscher Stultur, deutschen Geistes, deutscher Arbeit unb deutschen emsigen Schassens: im Gegensatz zu dem Deutschland der Polltik, der Parteipolitik, der Revolution und der Korruption als das Spiegelbilb des anbe ren, auch heute noch verbundenen ronbre« Deutsch land. Feuer am Nordpol. Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart. Von Karl-August von Lassert. 16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Das würde die Kosten bedeutend und unnötig vermehren", meinte dieser. „Dafür wäre eine viel größere Sicherheit des Unternehmens verbürgt. Einer Maschine kann leicht ein Unfall zustoßen. Eine Notlandung auf dem Wasser oder auf Eisbergen könnte zu Bruch führen. In einem solche Falle würde die zweite Maschine die Insassen aufnehmen. Wenn sich auch die Kosten für das Unternehmen verdoppeln, so ist die Wahrscheinlichkeit, es zum guten Ende zu führen, verzehnfacht." „Glauben Sie noch an die Wahrscheinlichkeits- t»»rechnungen?" fragte Nagel den jungen Ingenieur. „Ich zweifle sie stark an. Wie oft wirft eine Reihe von Zufällen alle Berechnungen dieser Lehre über den Haufen. Ich glaube an das Glück des Tüchtigen, das alle Widrigkeiten zwingt." „Liebhard hat recht", fiel Martens ein. „Nur die denkbar besten Vorbereitungen verbürgen das Gelingen." „Und wer wird die Kosten für die zweite Maschine und für die vermehrte Ausrüstung tragen?" rief Nagel. „Ich stelle auch die zweite Maschine unentgeltlich zur Verfügung!" rief Martens. „Ja, ich bin froh über diese Lösung, denn jetzt erst hoffe ich mit Zuversicht auf einen glücklichen Ausgang." „Den großen Vorteil des Vorschlages sehe ich wohl ein", sagte Nagel. „Doch vermag ich mich heute nicht zu entscheiden, weil noch andere Faktoren mitsprechen." Er wandte sich zu den jungen Männern: „Ich nehme also vorläufig Ihr Anerbieten dankbar an und bitte, mir Namen und Personalien in diese Liste einzutragen, damit ich die Pässe besorgen kann. In wenigen Tagen hoffe ich Ihnen mitteilen zu können, ob ich Sie alle mitnehme oder ob die Hälfte von Ihnen Zurückbleiben muß." Als die Freunde wieder allein waren, fragte Nagel: „Du bis! wohl Dollarmillionär geworden, daß du so freigebig mit deinen kostbaren Maschinen umspringst?" „Mir geht es geschäftlich gut. Gott sei Dank! Und mein zweites Flugzeug, den „Stößer", vertraue ich dir deswegen nicht ungern an, weil ich in letzter Zeit gewarnt worden bin, mich vor den Franzosen in acht zu nehmen. Die Existenz der beiden Rapdiflieger ist allerdings nur wenigen völlig Zuverlässigen meiner Seihe bekannt. Aber vielleicht ist doch etwas durchgesickert. Darum wäre es mir auch lieb, wenn du dich sobald wie möglich mit beiden Maschinen auf den Weg machtest." „Wer wird die Flugzeuge steuern?" „Zwei von den jungen Ingenieuren, die eben hier waren, Gerling und Liebhard. Sie gehören zu den Eingeweihten und haben die Rapidflieger bereits in nächtlichen Flügen heimlich gefahren. — Doch sage mir, was veranlaßt dich zu deinem Ausfall gegen die Wahrscheinlichkeitslehre? Das Glück des Tüchtigen in allen Ehren. Aber auf die Dauer siegt die Wahrscheinlichkeit der Zahlen. Wo blieben sonst die Versicherungsgesellschaften?" „Und doch trügen die Zahlen. Ein Beispiel dafür. Die Wahrscheinlichkeitslehre hat berechnet, daß an sämtlichen Roulettetischen in Monte Carlo ungefähr 2000 Jahre gespielt werden müsse, bevor einmal eine Serie von 30 herauskäme. Aber bereits wenige Jahre nach Gründung der Spielbank kam eine Serie von 32mal Rot hintereinander. Und derartig große Serien haben fid) seitdem mehrfach wiederholt." „Sollte das nicht mit der Eigenart des Roulettespiels Zusammenhängen?" „Dann nimm ein anderes Beispiel aus dem täglichen Leden. Wenn du in einer Großstadt etwa mittags um 12 Uhr dein Haus verläßt, so ist die Wahrscheinlichkeit, ob dir zuerst ein Mann oder eine Frau begegnet, etwa gleich groß. Die Wahrscheinlichkeit, daß dir zuerst vier Männer hintereinander begegnen, ist bereits die von 1 zu 16, bei 8 Männern ist sie 1 zu 256. Daß dir aber hintereinander 100 Männer begegnen, ehe du eine Frau triffst, dürfte nach der' Wahrscheinlichkeitslehre seit dem Bestehen des Menschengeschlechts nichtvorgekommen sein. Und nun passiert dir folgendes: Beim Verlassen deines Hauses begegnet dir in der sonst menschenleeren Straße cme Kompagnie Soldaten. Ein solches Ereignis ist fieber schon häufig eingetreten. Damit wurde das Unmögliche Wirklichkeit, jede Berechnung ad absurdum geführt." „Ich erinnere mich jetzt, daß die moderne Wahrscheinlichkeitslehre diesen nicht zu leugnenden Tatsachen Rechnung getragen Hot und ihre Lehre durch das sogenannte System der Ballungen erweiterte." „Und gerade diese Ballungen nehme ich für mich in Anspruch, behaupte aber, daß sie nicht willkürlich eintreten, sondern sich durch Willen und Tatkraft das, was die Mehrzahl der Menschen Glück nennt, herbeiführen läßt." „Ich wünsche dir von Herzen möglichst viele Glücksballungen bei deinem Unternehmen." „Laß mich meinen klaren Kopf und meine Gesundheit behalten, dann überwinde ich alle Widrigkeiten. — Keine noch so verzweifelte Lage ist hoffnungslos, mag die Wahrscheinlichkeit auch gegen uns spechen." „Ich wollte, Deutschland besäße mehr Männer, die so denken." „Sie werden kommen und die Serie der Glücksballungen für uns erzwingen." 2. Nagel war höchst erstaunt, daß die russische Botschaft in Berlin aufs genaueste orientiert schien. Vor fünf Tagen erst reifte er von Campina ab. Und jetzt bereits hatten diese Russen von Moskau her ihre Instruktton über ihn erhalten. Ein kleiner, kalmückisch aussehender Beamter empfing ihn. Sie sind von Herrn Stratoff empfohlen", sagte er. „Wir werden Ihre Wünsche erfüllen." Nagel bat, ein Telegramm zu übermitteln. Es lautete: Herrn Stratoff, Kalmikowskaja. Halte aus Sicherheitsgründen die Mitnahme von zwei Flugzeugen für angebracht. Benzinreser- ven müssen daher verdoppelt werden. Erbitte Antwort, ob das möglich. Nagel." „Das Telegramm wird sofort als Funkspruch über Königswusterhausen besorgt werden", sagte der Beamte. „Kalmikowskaja wird es sofort ablesen, da wir den für Stratoff bestimmten Geheim- schlüffel nehmen. Bis morgen früh 7 Uhr ist Mf Antwort da." Damit war er entlassen. Am nächsten Morgen erschien er um 8 Uhr früh auf der Sowjetbotschaft. Stratoffs Antwort lautete: „Hatte zur Sicherheit bereits doppelten Benznv Vorrat in Christiania und Neuyork angefordert. Er« warte Sie mit zwei Maschinen. Mein Flugzeug wieder nach Saratu unterwegs, um die Fürstin und Sanders abzuholen. Falls Sie weiteres Geld gebrauchen, wird Botschaft es Ihnen geben." Nagel wandte sich an den Beamten: „Darf ich Sie bitten, für mich und für ine acht Herren, die auf dieser Liste verzeichnet sind, Pässe nach Kalmikowskaja auszustellen?" „Dazu gebrauche ich noch Ihre Photographien", sagte der Russe. „Die kann ich erst in einigen Tagen besorgen." „Dann kleben Sie sie nur allein in die dazu vorgesehene Stelle. Auf das Visum der deutschen Behörden werden Sie ja doch verzichten." „Wäre es nicht besser —" „Dann müssen Sie sich zunächst erst mal deutsch«. Pässe besorgen, müssen die Eimvilligung Ihrer verschiedenen Finanzämter haben und würden womöglich noch als des Kommunismus verdächtig eingesperrt. Aber wie Sie wünschen." Nagel lachte. „Sie haben völlig recht. Wir wollen ja auch ganz im geheimen abfahren. Wann kann ich die Pässe erhalten?" Wir schicken sie binnen drei Tagen nach Gocha an Herrn Martens. — Leben Sie recht wohl und fliegen Sie recht hoch über Mütterchen Rußland. Bei uns schießt man auf alles, was stiegt, schnell fährt oder läuft." 3. Noch am selben Tage kaufte Nagel die für dik Nordlandfahrt gewünschten Kleidungsstücke: lange Gehpelze und Pelzwesten für jeden der Teilnehmer. Er wählte sie warm und doch möglichst leicht, denn man wollte ja nur im Notfälle die schützende Kabine der Flugzeuge verlassen. Auch die nötigen Pelzstiefel wurden besorgt. (Fortsetzung folgt) / [Gießener Brauhaus-Pilsener .................... ,M,i„iu— Man verlange N«MWO,GM Mittwoch, 15. April 1925, 8V2 Uhr pünktlich, im Studentenheim, Burggraben 9 WWll-WMllilW Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht - 2. Entlastungen; 3. Festsetzung des Mitgliederbeitrages,- 4. Ausbau der Dolks- hochschularbeit; 5. Wahl der Ausschuß - Mitglieder ; 6t Verschiedenes. 3647c Der Vorstand. Herz & Co. Bankgeschäft Neuen Baue 23 Gießen Tel.1303 u. 1304 Eröffnung von laufenden Rechnungen Vorschüsse auf Wertpapiere unter günstigen Bedingungen An- und Verkauf von Wertpapieren an allen In- und ausländischen Börsen Verwaltung von offenen u. geschlossenen Depots Ausstellung von Kreditbriefen auf alle größeren Plätze des In- und Auslandes Eröffnung v. provisionsfreien Scheck-Rechnungen Annahme von Geldeinlagen Ankauf von Wechseln auf Inland u. Ausland Stahlkammer mit Schrankfächern unter Selbstverschluß der Mieter 32500 Hessisches Lyzeum Giessen jNOiHiiiuiuiiiiiiiumiioiimiiiiuiiiiiiiouiiiioiiiiiioiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiimiiii Nachdem die Stadtverordnetenversammlung die Errichtung der ersten Klasse der Studienanstalt beschlossen hat, werden Anmeldungen zur Obersekunda täglich entgegengenommen. (Dammstraße 26) W Die Direktion. aHI!ll!JI|||lllllll|l!llll|IN||||i!!r;,l||il.........Illi............ lil,,. : fiü Wodienhllfe Sterbegeld E E Die Qualität madits! BARMENIA : -1.JUU 19X^-14^00 : 1.OKT. 192^ 55m ! 31.DEZ. 1914103458 2&FEBR.1925 15393? jll>Umi jedeitil Aufnofunepeplere KoslmJoi durd> die nahem 400 Verwehen» •teilen In Deuluhlond oder durdi die HoucHgeedtattiileOe de Venhherungitwv* für Mmclilond und Beomle (V. a Q.) t» DAUMEN Die Barmenia marschiert. Verwaltungsstelle Gießen: Konrad Schmidt Ostanlage 38 Geschäftszeit 11—1 Uhr. die führende Krankenversicherung des gesamten Mittelstandes, 0tJ ßto,m)en. Lehrer und freien Berufe sowie Ihrer fomlOe^ freie Arztwahl • Arznei • Heilmdtel Kronkenhoutbehondiung • Zehnbehandlung a J Cafe Atmend Mittwoch, 15. April abends 8 Uhr 22. Sonder-Konzert ----------------------------------------Ji, Liebigshöhe I Mittwoch nachmittag 4—7 Uhr Familien-Konzert I Eintritt frei 2988D Eintritt frei trhäälUh in 'Dmgerien.cn DothekenSBlum en ■ u Damen handL * In Gießen: Neustadt-Drogerie, Central-Drogerie, Kreuz-Drogerie, Blumengeschäft G. Wittmann, Blumenhaus Dietz.3323ss dK'einricf) ZKrevert Telepfjon 1323 gießen SPlocflftraße 7 &eine Sperren- und fbamenfcfjneiderei Glegante moderne &lusfüfjvung großes £ager in deutjefjen und englifdjen Stoffen Krupp-Lastkraftwagen iv, bis 2 Tennen Schnellest- und 5 Tonnen Lastkraftwagen sowie Spezialfahrzeuge Jeder Art fOr Stadtverwaltungen. Faun-Werke A.-G. Nürnberg 2 bis 3Va Tonnen Schnell-Lastwagen und 6,24 PS Personenwagen General-Vertieiei: Gustav fleusst, Frankfurt a. M. 8chi!lerplatz 3,7, Tel. Hansa 7647 Realschule Nidda. 3n der Sitzung des Hessischen Landtags vom 6. April 1925 wurde die Erweiterung der höheren Bürgerschule Nidda 3Ut Realschule genehmigt. Dieselbe tritt bereits mit Beginn des neuen Schuljahres in Kraft. Schuler, welche die Obertertia mit Erfolg durchlaufen haben, können von Ostern 1925 ab in unsere Anter-Sekunda eintreten. In die Sexta können Schuler nach 4jährigem Besuch einer Volksschule eintreten. Vach einer herausgekommenen Verfügung des Landesamts für das Bildungswesen können aber auch ausnahmsweise Schüler nach 3jährigem Besuch einer Volksschule zur Aufnahmeprüfung in die Sexta zugelassen werden, wenn das Abgangszeugnis der bisher besuchten Schule mindestens die Durchschnittsnote „gut" aufweist und die körperliche Leistungsfähigkeit des Kindes durch ein ärztliches Zeugnis bescheinigt wird. Aach Bestehen der Prüfung erfolgt die Aufnahme auf Probe bis 1. Juli 1925. Um den aus der Richtung Gelnhausen-Stockheim kommen- den Schülern den Besuch zu erleichtern, lasten wir den Unterricht erst um 8.40 Uhr beginnen. Die neu eintretenden Schüler haben Geburtsschein, Impf, schein und das Zeugnis der zuletzt besuchten Schule vorzulegen. Die Ausnahme findet Montag, den 20. April 1925, um 9 Uhr, in der Schule statt. Der eigentliche Unterricht beginnt erst Dienstag, den 21. April. Zu jeder weiteren Auskunft ist das Rektorat jederzeit gerne bereit. Hansa Handels schule J. Kunzeimann Gießen, Bleichstr. 5 21. April und 4. Mai Beginn neuer Karst. Prospekt frei. J [ittn-Sclinille alle Größen lagernd im 846a Modehaus Salomon. Aidda, den 8. April 1925. 3855E» DaS Rektorat: Lguckhard, Studimrat. la Qualitäten 2226D Handarbeitsschule und Pensionat von FrL Landmann, Gießen Südanlage 7 Südanlage 7 Unterrichtinallenweiblichen Handarbeiten Zuschneiden der Wäsche — Hand-_ und Maschinennähen, Stickereien jeder Art — Filet — Klöppeln — Occhi usw. Aenderung von Wäsche und Kleidern. SC9eD Beginn des Unterrichts Donnerstag, den 16. April. Drucksachen Mr Art die vrühl'sche Univerfitätr-Vruckerci. N. Lange. Gießen. Schulftr. 7.