Zreilag, }5. November (925 175. Jahrgang Nr. 267 Erstes Blatt (u Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruü und Verlag: vrühl'sche Univerfitätt-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. 5christleitung und Geschäftsstelle: Zchulsttahe 7. annaqmt von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nackmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klamearneigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chesredaktcur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich: für Politik und Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin; für den An- geigenteil Hans Füstcl, sämtlich in Gießen Erscheint läglick,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatS'Bezvgspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennio für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Glehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Mali, 11686. Die gescheiterte Flottenverständigung. Inwieweit hat die deutsche Flottenpolitik unsere Beziehungen mit England verschlechtert und das Jnselreich zu unserem Weltkriegsgegner gemacht, und was ist von feiten der Marineleitung geschehen, durch rechtzeittge Rüstungsver- ftänbigung den Bruch zu hindern? Das ist, auf eine klare Formel gebracht, der Kern der Hrra!" Besuch im Rathaus. Vom Staatsministerium aus begab sich der Reichspräsident im offenen Auto durch die begeisterte Menschenmenge Nach dc.n Rathaus. Zum Empfang ihres einzigen noch lebenden Ehrenbürgers hatte die Stadt Karlsruhe «ine besonders festliche Stunde vorgesehen. Das Treppenhaus mit den Aufgängen zum Bürgersaal war mit herbstlichen Blumen reich geschmückt. Der Bürgersaal öffnete sich seit Monaten zum erstenmal wieder, da er äugen- blicklich von Professor Bühler ausgemalt wird. Obgleich der Saal noch nicht fertiggefteUt ist, bot er doch in seinem neuen Gewand einen überaus feierlichen Eindruck. Ki^z nach 12 Uhr traf der hohe Gast am Rathausportal ein, wo ihm ein kleines Mädchen mit einem Willkommengedicht einen Chry- fantemenftraufj überreichte, den ein Band in den badischen Farben umschlang. Von dem Oberbürgermeister Dr. Sinter und dem Freiburger Bürger- meister wurde der Reichspräsident zum Bürgersaal geleitet, wo die Mitglieder des Stadtrates und des Bürgerausschusses mit Ausnahme der sozialdemokratischen und der kommunistischen Fraktionen sowie eine Abordnung der städtischen Beamten- und Arbeiterschaft den Reichspräsidenten erwarteten. Oberbürgermeister Dr. hinter entbot in einer kurzen Ansprache dem Gast einen herzinnigen Willkommengruß mit der Versicherung, daß in Karlsruhe dem hehren Beispiel des Reichspräsidenten in hingebungsvollem Dienst am deutschen Volk durch treue Arbeit und Pflichterfüllung nachgeeifert werde. „Möge es dem weifen Walten des Reichspräsidenten vergönnt fein," so schloß der Oberbürgermeister, „unserem lieben deutschen Vaterland den äußeren Frieden der Freiheit und den inneren Frieden der Einigkeit zu geben." Der Reichspräsiden t antworte:«: „Haben Sie vie'en Dank für den freundlichen Willkommengruß. Ich füf)re mich hier heimisch: denn ich habe hier drei Jahre in Garni'on gestanden. Es ist a^erdings schon 22 Jahre her, und ich habe die Eh e, Ihr Ehrenbürger und Mi t- bürger zu sein. Ich sre e mich da.um doppelt, Karlsruhe wie'er einmal betreten zu dürfen. Ihr Gelübde nehme ich dankbar an. Wir wollen sand in Hand, jeder an feiner Stelle, arbeiten, damit un'er teueres Vaterland wieder zu Ehren kommt. Wir müssen dafür sorgen, daß der Sinn der Einigkeit, der Treue und Selbstlosig - feit erhalten bleibt. Darum sind wir eines Sinnes." Der Reichspräsident zeichnete sich fo- dann in das Goldene Buch der Stadt Karlsruhe ein. In einen dreifachen Hochruf auf Hindenburg, den der Oberbürgermeister ausbrachte, klang der Festakt aus. Der Ber!auf des Nachmittags. Nachmiktags besuchte der Reichspräsident das Mausoleum, wo er am Sarkophag des Grositz e rz o g s Friedrichs I. und der Grosi- herzogin Luise einen Kranz niederlegte. 9m Staatsministerium wurde im Kreise von etwa 150 prominenten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus allen Teilen des Landes der Tee eingenommen. Unter den Gästen befand sich auch Dr. Eckener. Gegen 5 Uhr betrat unter den stürmischen Hochrufen der Menge der Reichspräsident den Balkon des Staatsminifteriums und richtete an die untenstehende Menge eine kurze Ansprache, auf die aus der Menge heraus ein stürmisch aufgenommenes Hoch auf Den Reichspräsidenten ausgebracht wurde. 6.15 Uhr erfolgte die Weiter- fahrt des Reichspräsidenten nach D a r m st a d t. In Darmstadt. (Drahtbericht unseres nach Darmstadt entsandten RedaAionsmitgliedes.) • Darmstadt, 12. Rov. Ein kalter grauer Rovembertag. Die ersten Schneeflocken lallen langsam herab. Hessens Landeshauptstadt rüstet sich, den Reichspräsidenten zu empfangen. Schon am frühen Morgen erscheinen die ersten Fahnen. Zu der Abend-Illuminierung werden die ersten Vorbereitungen getroffen. Mit den Rachmittag- zügen treffen aus allen Gauen des Landes die Spitzen der Behörden, Deputationen und Abordnungen aus allen Teilen der Bevölkerung in Darmstadt ein. Gegen abend säumen Tausende von Menschen die festlich illuminierte Rheinstrahe. Vaterländische Verbände und Reichsbanner, Vereine und Innungen marschieren an zur Spalier- bildung, ihre Kapellen voraus. Eine Ehrenkompagnie Schutzpolizei nimmt vor dem Haupteingang am Bahnhof Ausstellung. Gegen 8 Uhr wird die R h e i n st r a ß e ein w o g e n d e s L i ch- termeer, kein Haus, das nicht über und über in buntem Kerzenlicht erstrahlt, und unten säumt, Fackel an Fackel, eine glitzernde Schlange die Einzugsstrahe des Reichsoberhauptes. Begeisterter Empfang. Pünktlich 8.10 Uhr trifft der Reichspräsident mit dem fahrplanmäßigen Zuge, aus Karlsruhe kommend, in Darmstadt ein. Der Minister des Innern v. Brentano und der hessische Gesandte in Berlin, v. Biegeleben, waren dem ReichSpräfidenten bis Bensheim entgegengefähren. Auf dem Bahnhöfe sind zum Empfang erschienen das Gesamtministerium mit dem Staatspräsidenten Ulrich an der Spitze, ferner der Reichsminister a. D. David, Ministerialdirektor Dr. Schwarz, Oberregierungsrat 0 iegert, Polizeidirektor Dr. Usin - g er, Oberbürgermeister Dr. ® l ä f f in g, bahnpräsident Lochte, Präsident der Oberpost- direktwn Lehn Hard, der Präsident iXs Hessischen Landtags Adelung und der Landcs- kommandant Oberstleutnant Fritz-Gießen. Frisch und elastisch entsteigt der Reichspräsident dem Zuge, gefolgt von Staatssekretär Dr. Meißner und seinem persönlichen Adjutanten Major v. H i n d e n b u r a. Der Staatspräsident richtet an den Feldmarschall einige kurze Begrüßungsworte und stellt ihm die zum Empfang erschienenen Herren vor. Dann schreitet der Reichspräsident die Ehrenkompagnie der Schutzpolizei ab und besteigt unter den Klängen des Deutschlandliedes das offene Auto. Reben ihm nimmt Staatspräsident U l - rich Platz. Eine 'Halb°Eskadron berittener Schuhp oliz ei nimmt die Spitze, eine zweite Halb-Eskadron folgt dem Auto. So fährt der Reichspräsident in langsamem Tempo durch die spalierbildenden Menschenmas- s e n, die dem ehrwürdigen Greis, dem berühmten Heerführer, dem Reichsoberhaupte immer wiederzujubeln. So geht die Fahrt durch die Rheinstrahe zum Louisenplatz, wo derReiäs- präsident im Hotel „Zur Traube" Wohnung nimmt. Dichte M e n s ch e n m a s s e n uw lag rn den festlich geschmückten Platz, während er Reichspräsident im Kreise des he fischen Oe- samtministeriums und weniger geladenen Gäste das Abendbrot nimmt. Flotte Weifen der Schupo-Ka'-clle klingen über den Pla;. Die Menge will ihren Hindenburg sehen, und wirklich erscheint der Reichspräsident noch einmal auf dem Balkon und spricht einige kurze Worte • des Dankes für die b'geisterten Huldigungen, die zu ihm emporbrausen. Dann zerstreut sich langsam die Menge. Die kalte Winternacht, eisige Winde und ein leichtes Schneetreiben sorgen besser als die unermüdlich tätige gut organisierte und disziplinierte Schutzpolizei, daß der Straßenverkehr wieder in feine gewohnten Bahnen zurückflutet. Ein Huldigun sgrutz aus Gietzen Der Gießener S. C. (die Korps Hassia, Starlenburgia und Teutonia) ist gestern mittag zur Teilnahme an den Feierlichkeiten z u Ehren zende Dr. Leaf felbst diese schon offiziell be^ giüht hatte. Diese Rede Clementels tim völlig überraschend. Wenn sie auch von einem großen Teile der französischen Presse völlig totgeschwiegen wurde, so toiri> ihre politische und moralische Bedeutung dadurch keineswegs herabgesetzt. Clementel, der auf der Londoner Konferenz bereits viel mit dem jetzigen Reichskanzler Dr. Luther konferiert hatte, hat sich seit langem persönlich viel für die Aufnahme Deutschlands Iin die Internationale Handelskammer eingesetzt. Und das aus der Ueberzeugung heraus, daß diese Einrichtung ohne uns nur ein Torso bleiben muß. Clementel seht großes Vertrauen auf die Wirtschiftler aller Länder, daß sie, viel eher als die Politiker, zu einer wahren Annäherung der Völker beitragen worden. Geschäftsleute, so meinte er. verstehen sich schneller und können außerordentlich viel dazu beitragen, daß zwei Rationen fruchtbringend zusarnmenar- beiten. Don den Beschlüssen dieser Tagung sind folgende hervorzuheben: Zur Regelung des Re- parationsproblems wurden 3 besondere Ausschüsse gewählt, in denen auch Deutschland vertreten ist. 2n den Ausschuß zur Regelung der Patentfragen tierLen zrreiDeutscheke ediert, einer hiervon wird voraussichtlich Prof. Osterrieth. Wichtig ist für D-urschlmb auch tue Stellungnahme der Internationalen Handelskammer zu den b üchtigten Untersuchungen amerikanischer Zollagenten. Es wurde vorgeschlagen, sich mit allen Mitteln für die Unterbindung dieser Untersuchungen einzusehen. Schließlich wurde beschlossen, alle Schritte zu unternehmen, um die Mitwirkung der Inter- national .n Handelskammer auf dem von Loucheur vorgeschlagenen Genfer Wirtschaftskongreß zu sichern, falls dieser zustande kommen sollte. Kund' Eine deutschnationale Erklärung. Berlin, 12. Noo. (WTB.) Zu der Ausschuß für nationale Verteidigung ausgear- beitet wurde, in der Dezembersitzung des Döl- kerbundSrates erörtert wird. Der Plan hat eit seinem ersten Entwurf eine wesentliche Abänderung erfahren, und wahrscheinlich werter, noch weitere Abänderungen vorgenommen, bevor über ihn in der Vollsitzung des Völkerbundes beraten wird. Der allgemeine Eindruck, so heißt es in dem Bericht weiter, ist, daß der Plan hauptsächlich als eine moralische Geste einer Kundgebung beabsichtigt ist, die den Zweck verfolgen soll, die friedlichen Bestrebungen der augenblicklichen französischen Regierung zu -eigen. Der „Evening Standard" schreibt unter der äleberlchrift „Französischer Militarismus", daß es stark beunruhigend sei, trenn trotz aller Friedensbekenntnisse und Ab- rüstungsversicherungen zu bemerken sei, daß der ranzösische Armee- und Flottenetat für Las Jahr 1926 beträchtlich grö - ) e r sei als für das vorhergehende Jahr. Sie Kosten für die Llnierhaitung der Armee würden voraussichtlich 4545 Millionen Franken, mithin 486 Millionen Franken mehr als im vergangenen Jahr betragen. Die Zahl der Offiziere würde 31 622 und die der Mannschaften 652 417 betragen. Hervorzuheben sei auch die Tatsache, Laß die L u f t st r e i t k r ä f t e Frankreichs wenigstens 124 Millionen Franken mehr kosten würden, als im Jahre 1925. Der französische Flottenetat be.au.e sich auf ungefähr 1500 Millionen F.a ken, was unge.ähr 244 Millionen Franken mehr a.s im Vorjahr sei Einigung über das französische Finanzprogramm. Paris, 12. Noo. (TU.) Zwischen der Finanz- kommission der Kammer und der Regierung ist eine Verständigung so gut wie hergestellt. P a i n- leve hat seine Gesetzentwürfe entsprechend den Wünschen der Mehrheit umgestaltet. Zwar ist es nicht gelungen, alle Sinterungen der Kartellgruppen zu berücksichtigen, doch sind alle chauptprogramm- punkte aufs genaueste beachtet worden. Painleos hatte heilte eine längere Aussprache mit den Führern «ier sozialistischen Partei, die mit einer völligen Uebereinstimmung über das neue Finanzprogramm Painlevss endete. Die Sozialisten haben darauf erklärt, daß sie ürdie Regierungsentwürfe in der Kammer stimmen werden. Da Painlevs im Lauf des Tages noch verschiedene Besprechungen mit den Kartellgruppen hatte, konnte die Finanzkommission erst heute nachmittag zusammentreten. Die linksradi- kale Gruppe (Loucheur) hatte eine Entschließung gefaßt, in der sie erklärt, noch vor der Einbringung ter Finanzgesetzentwürse in der Kammer, mit der Zinanzkommission des Senats verhandeln zu müssen, da sonst die Gefahr bestehe, daß der Senat die Entwürfe ablehne. Dieser Beschluß der Gruppe hat in politischen Kreisen größte Beachtung gefunden, denn man glaubt daraus zu ersehen, daß im Senat große Widerstände gegen die Finanzreform vorhanden sind. Die Blätter weisen darauf hin, daß man mit der ablehnenden Haltung des Senats bisher nicht genügend gerechnet habe. Painlevs über Syrien. Paris, 13. Rov. (TU.) In der gestrigen Sitzung der Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Senats gab P a i n l e v e eine längere Erklärung über S y r i e n ab. Er warnte die Kommission vor den zahlreichen, meist aus Kairo stammeirden Falschmeldungen, die der Sache Frankreichs in der ganzen Welt ungeheuer schaden könnten. Insgesamt seien nur 610 Franzosen, Offiziere und Mannschaften, getötet worden, und nicht Tausende, wie es in diesen Meldungen heiße. Auch die Ereignisse von Damaskus seien auf schändliche Weise entstellt worden. Man habe Maßnahmen zum Schuhe nicht nur der Franzosen und Amerikaner, sondern aller Europäer und auch der gut gesinnten einheimischen Bevölkerung getroffen. Weitere Erklärungen werden nach der Ankunft des Generals Sarrail abgegeben. Painlevs stellte den Antrag, die Kommission möge Sarrail selbst anhören, falls sie es wünsche. Briand besprach hierauf die Ereignisse von Locarno. London, 12. Rov. (Wolff.) Die „Daily Mail" berichtet aus Damaskus, daß ernste Kämpfe in der Rähe von Rebk, zwischen Damaskus und Homs, gemeldet werden. MlilärverschVörungen In Italien. Paris, 13. Rov. (TU.) Aach einer Funkmeldung aus Rom ist man bei der Untersuchung wegen des gegen Mussolini geplanten Attentats einer Verschwörung auf die Spur gekommen, die eine Revolte in der Armee zum Ziele hatte. Aach der „Epoca" ist * dev Herb der Verschwörung in Paris. In Spanien. Paris, 13. Aov. (TU.) Aach Meldungen aus Madrid ist man jetzt der Verschwörung im Heere gegen das Direktorium auf die Spur gekommen. Sie soll sich hauptsächlich auf die Städte Madrid, Barcelona, Saragossa und Cordova erstrecken. Die Verschwörer standen unter Führung des ehemaligen Militärgouverneurs von Barcelona, Lopez Ochoa, der verhaftet wurde. Ferner nahm die Polizei die Verhaftung von. etwa 30 Offizieren und Unteroffizier en vor. Die Entdeckung der Verschwörung ist durch einen im Militär^asino während einer Versammlung entstandenen Streit möglich geworden, in dessen Verlaus zwei Verschwörer schwer verletzt wurden. Zuspitzung der Lage in China. London, 13. Aov. Aus China sind Meldungen eingelaufen, die bestätigen, daß der General Feng in Peking die Macht ausübt. Aach der Absetzung mehrerer Minister, die in Schutzhaft genommen wurden, haben die Anhänger Tschang-Tso-Lins die Stadt verlassen, da sie befürchteten, von Feng gefangen genommen zu werden. Die Meldungen aus Peking lassen erlernten, daß Feng über alle ausgegebenen Aachrichten eine strenge Zensur ausübt. Dem Ql amen nach ist die bisherige Regierung noch im Amt, muß jedoch tun, was Feng anordnet. Tschang-Tso-Lin befindet sich mit größeren Truppenmassen im Anmarsch auf Peking. Ein Kavallerieregiment wurde bereits in der Aähe der Hauptstadt gesichtet. QKan rechnet schon für die nächsten Tage mit schweren Kämpfen in dLr unmittelbaren Aähe von Peking. Die japanische Regie- i r u n g beobachtet die letzten Vorgänge in China Hindenburgs geschlossen nach Darmstadt aögereist. Zur Begrüßung Hindenburgs ging folgendes Telegramm ab: „Generalsewmarschall v. Hindenburg. Präsident des Deutschen Reiches, Hotel „Zur Traube", Darmstadt. Euer Exzellenz entbieten anläßlich des Besuches unseres Hessenlandes alte und junge Gießener Korpsstudenten in aufrichtiger Verehrung ehrerbietige Grüße und geloben unverbrüchliche Treue. Der S. C. zu Gießen, DaS präsidierende Corps Hassia." Zusammentritt des Reichstags am 20. November. Berlin, 12. Aov. (TU.) Der Aeltestenrat des Reichstages hat heute nachmittag beschlossen, den Reichstag zu Freitag, 2 0. Aovember, 2 Uhr nachmittags, e.nzuberusen. Am Freitag und Samstag werden der itallenische und ru> stich« Handelsvertrag in erster Lesung beraten werden. Am Blontag, 2 3. Aovember, beginnen die Beratungen über den Locarnovertrag. Die Frage, ob zur Annahme dieses Vertrages eine Zweidrittelmehrheit erfordert.ch ist, wurde von keiner Se.te im Aeltestenrat angeschnit- etn, da noch daS juristische Gutachten hierüber erwartet wird. Dre Verhandlungen über de Rückwirkungen. Berlin, 12.Aov. (TU.) Heber die Ber- Handlungen über die sog. Rückwirkungen erfährt die Telunion von zuständiger Stelle: Ursprünglich war in Aussicyt genommen, daß t\'_ Veröffentlichung des G c sam t m a t e ri a l s am 11. oder 12. bis. MtS. stattsinden sollte. In Locarno war verabredet worden, datß die Räu- mungsang^llgenheit von dem technischen auf den diploma tisch en Weg gebracht werden solle, um ihre Erledigung zu beschleunigen. Aber auch dieser Weg hat sich schleppend erwiesen, da die Botschafter konferenz nicht so schnell arbeitet, wie man erwartete. So ergab sich eine Verzögerung, die, wie der diplomatische Korrespondent der „Westminster Gazette" bemerkt, wohl auch auf Mißverständnisse innerhalb der alliierten Regierungen zurück,>u- führcn ist. Auf englischer Seite besteht der Wunsch, bis zum Dienstag, an dem Chamberlain s.ine Rede halten wird, den gesamten Komplex der Fragen zu erledigen. Da aber die Dotschafterkonferen^ erst am Montag tagt, ist es möglich, daß sich die Erledigung der Räumungsfrage und ihre Qkr- öffcntlichung noch etwas verzögert, während man damit rechnet, daß am Montag oder spätestens am Dienstag die üblichen Rückwirkungen insgesamt bekanntgegeben werden. Die „Tägliche Rundschau" stellt fest, daß die Verhandlungen abgeschlossen seien, und zwar so, daß die Rückwirkungen schon vor der Unterzeichnung des Vertrages von Locarno verbindlich sichergestellt werden. Man könne sicher sein, daß spätestens am Dienstag die Rückwirkungen bekanntgegeben werden. Der „Vorwärts" meldet: Die Reichsregierung wird dem Reichstag zur Beschlußfassung folgende kurzen Gesetzentwürfe oorlegen: 1. Der Reichstag stimmt den in der Anlage beigefügten Verträgen zu; 2. der Reichstag ermächtigt die Regierung zum Eintritt in den Völkerbund. Wie der amtliche englische Funkspruch aus -London meldet, wird in den nächsten Tagen eine wichtige Erklärung über weitgehende Erleichterungen in der Rheinlandbesatzung abgegeben werden. 3n der Erklärung werden voraussichtlich auch die miteinander verknüpften Fragen der Abrüstung Deutschlands und der Räumung des Kölner Gebietes berührt werden. Den Londoner Blättern zufolge enthalt die in Paris eingetroffene deut sch« Aote nichts, was eine Aenderung der Vorkehrungen wegen der Räumung der Kölner one nötig machte. Es verlautet, daß die Räumung am 1. Dezember beginnen wird, welches Datum in diplomatischen Kreisen für besonders geeignet angesehen wird, da die endgültige Unterzeichnung des Locarnopaktes in London an diesem Tage erfolgen soll. Der neue Reichskommissar für die besetzten Gebiete. Berlin, 12. Rov. (WB.) Der Herr Reichspräsident hat den Botschafter in Madrid, Dr. Freiherr Langwerth von Simmern, zum Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete erannt. Paris, 12. Rov. Außenminister Briand hat heute vormittag den deutschen Botschafter in Paris, v. chösch, und den ehemaligen deutschen Botschafter in Madrid, Langwerth von Simmern, empfangen, der den Posten des Reichskommistars bei der Interalliierten Rheinlandkommisfion übernehmen wird. Die Monlagssitzung der BotschafterKonferenz. Paris, 12. Aov. (TU.) Die Dot- schafterkonferenz tritt am kommenden Montag zur Prüfung der deutschen Antwortnote zusammen. „Journal" erklärt, die Alliierten wollten ihre Forderungen auf ein Mindestmaß beschränken. WaS die Reorganisation des deutschen Oberkommandos und die Befugnisse deS Generals v. S e e ck t anlange, so würde eS den Alliierten genügen, wenn dec Präsident der deutschen Republik sich zu einem Dekret entschlösse, das nicht veröffentlicht werden brauche. Die Geheim- bünde könnten weiter fortbestehen, aber unter der Voraussetzung, daß von jeder militärischen Ausbildung abgesehen werde. Bezüglich der Sicherheitspolizei werde nur zur Bedingung gemacht, daß sie nach dem Vorbild der ausländischen Polizeitrrwpen auSgebilbet werde. Der Havasberrchterstatter in London erklärt nach Aachrichten aus englischer Quelle in der Lage zu sein, zu berichten, daß die deutsche Antwort auf die Aote der Bot - schafterkonserenz, die Botschafter von H o e s ch gestern Außenminister Brrand übergeben habe, so abgefallt sei, daß sie die Räumung Kölns bis zum 1. Dezember aufrechtzuerhalten gestatte. Man glaube heute, daß die Abberufung der Kontrollkommission in Berlin und die Räumung der Kölner Zone zeitlich nicht zusammenfallen werden, da die Kontroll- gebung, in der die Stellung der Deutschnatio- nalen Volkspartei zu Locarno kritisiert wurde, erfahren die Blätter von deutschnationaler Seite, daß die Unterzeichner zum Teil der Deutsch- nationalen Volkspartei Überhaupt nicht angehörten oder, soweit dies der Fall sein sollte, in ihr keine führende Rolle spielten. Eine besondere sachliche Auseinandersetzung mit den erhobenen Einwendungen erübrige sich zur Zeit, da die Gründe, die zu dem Entschlüsse der Partei geführt haben, bekannt und eingehend öftentlich dar- gelegt wurden. Die Abrüstungssrage. London 12. Aov. (WTB.) Der diplo- rnatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt: Cs verlautet, daß ein Plan bezüglich einer allgemeinen Rüstungsvermin- derung, der versuchsweise vom französischen kornmission weiter in Berlin verbleiben müsse, bis sie sich der Erfüllung der von den Alliierten geforderten Maßnahmen versichert habe. Die Zahl der Offiziere der Kommission werde jedoch verringert werden. Briand über Locarno. Paris, 12. Noo. Unter dem Vorsitz des Senators Hubert fand heute im Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten eine Sitzung statt, in der Außenminister Briand über die Vorgänge in Locarno Bericht erstattete. Er sagte: Dieser S i ch e r h e i t s p a k t sei in einem G e i st des Friedens und der europäischen Solidarität unterzeichnet worden. Er stelle, so wie er sei, ein solides System für die Sicherheit und die gegenseitige Hilfeleistung gegen den Krieg dar. Auf eine Anfrage M i l l e r a n d s erklärte Briand, der Patt von Locarno bedeute durchaus keine Neuerung am Vertrag von Versailles. Er sei im Gegenteil der Ansicht, daß die Sicherheits - !Garantien, die Frankreich erhalte, nicht abge- chwächt, sondern verstärkt würden. Er wies arauf hin, daß man nicht aus dem Auge verlieren dürfe, daß der Sicherheitspakt vollkommen nach dem Frieden hin orientiert und in einem Geist abgefaßt ei, der auch den gestern noch feindlichen Ländern jcflatten müßte, im vollen Vertrauen an einer frlld- ilyen Organisierung Europas mitzuarbeiten. An diese Ausführungen schloß sich eine längere Diskussion, an der u.a. Millerand, Poincars und General Bourgeois teilnahmen. Amerika und ßccarnc. Neuyork, 12. Nov. (TU. Kabeldienst.) Das Interesse an den Verhandlungen über Locarno tritt hier seit gestern wieder mehr in den Vordergrund. Dr. Luthers Rede wurde allerdings nur auszugsweise und kommentarlos abgedruckt. Dagegen findet der deutschnationale Teilbeschluß zu Locarno mehr Beachtung. Man hört vielfach die Ansicht, daß die Deutschnationalen zuletzt doch umfallen werden. DieDeutscheDolksparLeLHesfens über Locarno. Der Geschäftsführende Ausschuß des Hess. Landesverbandes der Deutschen Volkspartei hat in f.iner Sitzung am 11. Aovember eine Entschließung gefaßt, in der dem Rcichsaußenminister Dr. Stresemann für die großzügige, von nationalem Geiste geleitete Außenpolitik gedankt wird, die das Ziel hat, dem Deutschen Reiche die Gleichberechtigung unter den großen Rationen wieder zu erringen, dem besetzten deutschen Gebiete starke Erleichterungen seiner Lebensbedingungen zu sichern und so den Weg zur Freiheit zu bahnen. Die Deutsche Volkspartei Hessens steht in vollem Vertrauen zu der bewerten vaterländischen Gesinnung des Herrn Reichsaußenministers hinter dieser Politik und weist mit Empörung die sich neuerdings wieder hervorwagenden persönlichen Verdächtigungen und Herabwürdigungen gegen den Führer der Deutschen Volkspartei zurück. Die Erklärung faßt dann in fünf Punkten die bekannte Auffassung der Deutschen Volkspartei zum Dertragswerk von Locarno wie folgt zusammen: Die Deutsche Volkspartei stellt fest, daß nach der übereinstimmenden Erklärung der deutschen Reichsregierung und der deutschen Dölkerrechts- lehrer: 1. Der Westpakt dem Selbstbestimmungsrecht der Völler (Volksabstimmung in Elsaß-Lothrin- gen und Eupen-Malmedh) in friedlicher Entwicklung nicht entgegensteht. 2. Daß nach dcm Vertrag von Locarno künftighin jede Streitigkeit zwischen Deutschland und Frankreich, sowie zwischen Deutschland und Belgien über die Auslegung der zwischen ihnen bestehenden Verträge einschließlich des Versailler Vertrages und des Rheinlandabkommens entgegen dem bisherigen Zu st and einseitiger willkürlicher Auslegung dem schiedsrichterlichen Verfahren unterworfen ist. 3. Daß Deutschland, wenn es mit Rücksicht auf feine militärische und geographische Lage seine Zustimmung zu Maßnahmen der internationalen Exekution gemäß Artikel 16 deS Völkerbundspaktes verweigert, damit nur_ von einem ihm zustehenden und im Geiste des Völler- bundspaktes liegenden Rechte Gebrauch macht. 4. Daß Deutschland nach dem Vertrag von Locarno ohne seine eigene Zustimmung nicht gezwungen ist, den Einmarsch fremder Truppen in deutsches Gebiet oder den Durch-» marsch fremder Truppen zu dulden. 5. Daß nach dem Artikel 4 Absatz III des Vertrages von Locarno Friedensbrüche, wie der Versuch einer Wiederholung des Ruhreinmar- sches, ohne weiteres den Beistand Englands und Italiens mit ihrer gesamten bewaffneten Macht zum Schutze der deutschen Grenzen zur Folge haben muh. In dem längeren Schluhabschnitt der Erklärung, die mit einer Stellungnahme gegen die Deutschnationale Vollspartei endet, lautet der entscheidende Sah: Die Deutsche Vollspartei wartet in der Erwägung, daß völkerrechtlich« Verträge ihren Wert erst durch den Geist, in dem sie von beiden Seiten verstanden werden, erhalten, in voller Uebereinstimmung mit der Reichsregierung ab, ob insbesondere Frankreich durch unverzüglich«, wirksam« und sichtbare Erleichterungen im be - setzten Gebiet, die ebensosehr auch im Interesse des ganzen übrigen Reiches liegen, den Beweis für ein« wirklich friedliche und verständigungsbereite Gesinnung auf dem Boden der Gleichberechtigung liefert. Hiervon macht sie ihre endgültige Zustimmung abhängig. mit größter Aufmerksamkeit und hat sich vorgestern in einem Kab inet tsrat dazu entschlossen, in die chinesischen Wirren einzugreifen, wenn das 2eben und das Eigentum j.'ipanischcr Staatsangehöriger gefährdet erscheint. Der Marineminister hat bereits umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um jederzeit eingreifen zu können. MehrereSchlacht- kreuzer heben den Befehl erholten, sich zur Abfahrt bereit zu halten. Senkung der Lohnsteuer. o Berlin, 11. Aov. (Priv.-Tel.) Wie wir hören, beabsichtigt die Reichsregierung vom 1. Januar 1926 ab den steuerfreienLohn- betrag von bisher 50 Am. auf 60 Rm., den Pauschfah für Werbungskosten von bisher 15 Rm. auf 20 Rm. und Öen Pauschsatz für ©onberlei ft ungen ebenfalls von bisher 15 Reichsmark auf 20 Reichsmark, di« Frei- bet.äge mithin von 80 Reich2ma k auf 100 Reichsmark monatlich zu erhöhen. Damit würden also vom 1. Januar 1926 ab bei jedem Lohn- steuerpflichtigen 1200 Rm. im Jahre ft euer- frei bleiben. Die Zahl der Arbeitnehmer in Deutschland, für die ©teuer*arten tmSgefertigt sind, beträgt nach der neuesten Statistik etwa 22 Millionen. Wenn man davon ca. 3 Millionen als steuerfrei anspricht, so verbleiben noch etwa 19 Millionen steuerpflichtige Arbeitnehmer, für die die vorgesehene Senkung der Lohnsteuer in Frage käme. Kunst und Wissenschaft. Ein tkiter Nobelpreisträger für Physik. Die Akademie der Wissenschaften beschloß, den Nobelpreis für Physik für 1924 dem Professor an der Universität Upsala, Manne Siegbahn, zu verleihen. kein Literatur- Nobelpreis für 1925. Die schwedische Akademie hat beschlossen, den diesjährigen Nobelpreis für Literatur nicht zu verleihen. Aus aller Welt. AdetS Flug über den Brenner. Wie wir Horen, hat 11 bet, der kürzlich den Großglockner und den Groh-Venediger nut feinem Udet-Flamingo überflog, einen neuen Alpenflug durchgeführt. Rachdem er bereits am Dienstag mit seiner kleinen Maschine infolge Schneesturms vergebens versucht hatte, über den Brenner zu fliegen, startete er am Mittwoch neuerdings zum Flug über den Brenner. Trotz ungünstigen Welters gelang es übet, von Innsbruck aus in zwei Stunden über den Brenner nachVerona zu fliegen. Heute, Donnerstag, startete llbet in Verona zum Weiterflug nach Rom. Brände In Pommern. Die Brände in der Provinz Pommern, namentlich auf dem Lande, haben sich in der letzten Woche in geradezu erschreckender Weise vermehrt. In den meisten Fällen sind die Verluste an Getreide sehr groß; aber auch viel Vieh ist in den Flammen uingekommen. Bei dem Gutsbesitzer Pfadt in Kor- deshagen bei Köslin brannte die Scheune und der angebaute Viehstall ab. 37 Kühe, 2 Pferde und etwa 170 Stück Kleinvieh kamen in den Flammen um. In Kolberg brannte es in der Nacht zum vierten Male in dieser Woche. Das zum Wohnhaus umgebaute Mündener Schulhaus ist niedergebrannt. Vier Familien sind obdachlos geworden. Die Bewohner des ersten Stockwerks konnten nur über Leitern im letzten Augenblick gerettet werden. Tags zuvor sind in einem Kornspeicher der Firma Rusch & Hübner in Kolberg 27 leere Erportsäcke und größere Mengen von Getreide und Kleie verbrannt. In Ueckermünde brannte in der Nacht zum Mittwoch die Scheune des Ziegeleibesitzers Kruppe mit 500 Stiegen Getreide nieder. Sine Düngemitlelfabrik abgebrannt. Ein Grohfeuer äscherte die im Weichbild der Stadt Ballenstedt liegende Düngemittelfabrik des Amtmanns Kortüm ein. Das Feuer fand reichliche Rahrung in ben dort lagernden Getreide« unb Strohvorräten. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Sin Todesurteil. Das Anhaltische Schwurgericht verurteilt«, den 33jährig«n Musiker Karl Pohl aus Freck- leben wegen Ermordung seiner Ehefrau zum Tode. Der Angellagt« war beschuldigt, feine Frau in der Rächt vom 23. zum 24. Oktober im Bett erschossen zu haben. Pohl, der einen Selbstmordversuch seiner Frau vorzutäuschen versucht hatte, leugnete die Tat bis zum Schluß/ Din englisches A-Boot vermißt. Die englische Admiralität gibt bekannt, daß das Unterseeboot M. 1, das heut« am frühen Morgen an einer Gefechtsübung teilnaljm, vermißt wird. Es wurde zuletzt 15 Merlen südlich seines Auslaufhasens in Devonshir« beobachtet, als es im Begriff« war, zu tauchen. Seitdem ist es nicht mehr gesichtet worben. Es werden alle Anstrengungen gemacht, um den Verbleib des Bootes ausfindig zu machen unb mit ihm in Verbindung zu treten. Flugzeugabsturz. Zwei italienisch« Militärflugzeug«, die von ein«m Flug aus Rordeuropa zurückkehrten, wurden beim lieberfliegen der Alpen von einem Schneesturm überrascht. Bei der Rotlandung wurden beide Flugzeuge zerschmettert. Drei Insassen wurden schwer und zwei leicht verletzt. Schweres Anwetter in Olmütz. In der Rächt von Mittwoch auf Donnerstag wurden Oelmüh und Umgebung von einem schweren llntocttcr hcimgesucht. Der Schaden geht in die Hunder »tausende. Menschen sind nicht ums Leben gekommen. raussage. Zunächst noch Fortdauer ber herrschenden: Witterung, bann bei mehr südlicherer Luftströmung etwas milder, vielfach Rieberschläge, oft Rebelbildung. Das gestern noch über Rorddeutschland liegende Hochdruckgebiet ist weiter nach Rordosten abgedrängt worden. Dagegen liegt das neue Fallgebiet noch immer über Island, dürft« nunmehr aber in südöstlicher Richtung Vorstößen, Der infolge kräftig «ingeströmter Ostluft eingetretene Schneefall wird bei südlichen Winden in Regen übergehen, der sich in den nächsten Tagen wiederholen dürfte. Temperatur: Maximum 2,4 Grab, Minimum 1,2 Grad. Morgentemperatur: 0,5 Grad Celsius. Riederschläge 0,7 Millimeter. Aus der Provinzialhauptstadt. Dietzen, den 13. November 1925. Die Viehzählung am 1. Dezember in Hessen. Am 1. Dezember findet in Hessen eine Viehzählung statt. Sie erstreckt sich auf Pferde, Maultiere und Maulesel, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, Federvieh, zahme Kaninchen und Dien.'nvclker. Es ist dabei zu beachten, dah diese Viehgattungen auch bri R i ch t l a n d wir- t e n gezählt werden müssen, also in jeder Haus Altung, in der auch nur eine dieser genannten Viehgattungen vorkommt. Die Leitung der Zählung ist der Zentralstelle für die Lan- desstatistik in Darmstadt übertragen. Die Ausführung liegt den Hessischen Dürgermeistereien (Oberbürgermeister, Bürgermeister) ob. Auf der Zählliste sind Anweisungen aufgedruckt, aus denen zu ersehen ist, wie die Zählung im einzelnen durchzuführen ist. Wer vorsätzlich die Angaben, zu denen er bei dieser Zählung ausge- fordert wird, nicht erstattet, oder wer wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wirr» mit Gefängnis bis zu sechs QRonaten oder mit Geldstrafe bestraft. Auch kanw Vieh, dessen Vorhandenscin verschwiegen worden ist, im Urteil als dem Staat verfallen' erklärt werden. Bornotizcn. —* Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7.30 Uhr „Haus Rosenhagen"; Ende nach 10 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Götz von Berlichingen" mit Eugen Klöpfer als Götz. — Astoria-Lichlspiele: „Die Karawane", dazu „Flammende Herzen". — Deutsche Demokratische Partei: 8.15 Uhr im Saalbau Sauer öffentliche Wählerocrsammlung. — Camera-Club Gießen: 8.15 Uhr im Hörsaol des Physikalischen Instituts, Sie- phanstraße, Vortrag Verwaltungsinspektor Wagner über „Die Farbenphotographie in der Praxis". — Der Goethe-Bund lädt die hiesigen Kunstfreunde für nächsten Sonntag und Montag in das Kaufmännische DereinShaus zu einem vielversprechenden Kunstabrnd ein, für den er die Tan^künstlerin Irmgard Schütte aus Bremen zu einem Gastspiel gewonnen hat. Siehe Anzeige. — Vornotizen. Sonntag Iahresfest der Stadtmission Gießen; 3 Uhr und 8.15 Uhr im Der- einshaus, Löberstraße. und bedeckten die Erde mit weichem Flaum. Die Anlagen gewährten heute morgen in ihrer weißen Unberührtheit einen zauberhaften Anblick. Auf der Eiswiese liegt bereits eine leichte Decke, die jedoch an manchen Stellen noch nicht zugefroren ist. *• Die Elektrizität im Haushalt heißt eine Ausstellung, die im früheren Hotel Einhorn, Lindenplatz 1, gezeigt wird. Das Tagesprogramm für Samstag enthält der heutige Anzeigenteil. *• Zuziehung der Fleijchbeschau- er ber Rotschlachtungen. Das KreiSamt gibt bekannt: Es kommt immer noch häufig vor, daß bei Rotschlachtungen der zuständige Fleischbeschauer nicht zugezogen, sondern nur der Er- gänzungsbeschauec gerufen wird. Wir machen erneut darauf aufmerksam, dah dies in allen Fällen zu geschehen hat, insbesondere auch dann, wenn die Schlachtung von einem Tierarzt angeordnet ist und angenommen wird, dah auch für die Fleischbeschau noch der tierärztliche Beschauer zugezogcn werden muh. Die Ankunft des Fleischbeschauers zur Untersuchung des Tieres vor der Schlachtung ist nur dann nicht abzuwarten, wenn zu befürchten ist, dah der Zustand des Tieres sich bis zu dessen Ankunft verschlechtern wird oder das Tier gar verenden könnte. In diesen Fällen ist der Fleischbeschauer ebenfalls umgehend zu bestellen, damit er tunlichst bei der Ausschlachtung zugegen ist. Bei Rotschlachtungen haben die Fleischbeschauer die ganze Ausschlachtung zu beaufsichtigen. Verstöhe gegen diese Anordnung sind zur Anzeige zu bringen. RDD. Fahrpreisermähigung für Gesellschaftsfahrten. Seit dem Frühjahr ist bekanntlich die im Jahre 1905 aufgehobene Fahrpreisermäßigung für GssellschaftSfahr- ten wieder eingeführt worden; das scheint in weiteren Kreisen noch nicht genügend bekannt zu sein. Die Ermäßigung beträgt in allen Wa?eu- klassen 25 Prozent des normalen Fahrpreises bei einer Mindestbrteiligung von 30 Personen und einer Mindestentsernung von 50 Km. Die Vergünstigung gewährt eine größere Bewegungsfreiheit als die Sonntagsrückfahrkarten, da sie nicht an bestimmte Stationen und Tage gebunden ist, und die Benutzung auch anderer als der für Sonntagskarten freigcgelbmen Züge zuläht. Die Ermäßigung ist in einfachster Form unter Angabe des Reiseziels, der zu benutzenden Züge und Dagenklassen sowie der Teilnehmerzahl möglichst frühzeitig bei der Abgangsstation zu beantragen. Unmittelbar vor und nach den großen Festen, bezw. bei übermäßig starkem Derkehrs- andrang kann die Ermäßigung versagt werden. 6* Falsche Einmarkstücke. In Offenbach ist in den letzten Tagen falsches Geld verausgabt worden. Es handelt sich um sehr schlecht hergesteUte Markstücke der ersten Prägung (ohne Eichenkranz), die den charakteristischen Bleikiang haben. Die Vorderseite ist schlecht leserlich und trägt außer der Randumschrift „Deutsches Reich" und der Wertbezeichnung „1 Mark" die Jahreszahl 1924 und das Prägezeichrn F. Auch der Adler auf der Rückseite ist schlecht auf geführt Die Randpraaung fehlt ganz. Man vermutet, daß die Falschmünzer in Offenbach ihren „Betrieb" haben; möglichrrwrise können die Falschstücke aber auch der kürzlich in Fechenheim entdeckten „ Fabrik entstammen. Dor Annahme der Falschstücke wird gewarnt. ** Einreise-Erleichterung nach Frankreich am Totensonntag. Deutschen Staatsangehörigen werden, wie wir zuverlässig erfahren, am Totensonntag, 22. November, die gleichen Erleichterungen jum Besuch von Gräbern Angehöriger aus französischem Gebiet zuteil werden, wie sie am Allerheiligentage gewährt wurden, mit anderen Worten, an den Grenzstationen kann die Einreiseerlaubnis erteilt werden gegen Vorlegung einer Identitätsbescheinigung der Ortsbehörde und einer Bescheinigung über den Zweck der Reise, falls der Reisende nicht vorher Zeit gefunden haben sollte, den Antrag beim zuständigen französischen Konsulat einzureichen. •• Personalnotiz. Rach dem Amtlichen Preußischen Pressedienst beauftragte das preußische S aatsminifterium mit ler vertretungsweisen Wahrnehmung der Regierungspräsidenten st eilen in Wiesbaden den PoLU. Don der Landesuniversität. Die letzte feierliche Immatrikulation findet morgen. Samstag, vormittags 12 Uhr, iir der kleinen Aula statt. — Dr. med. vet. O S k a r S e i f r t e Ö, der sich für das Fach der vergleichenden pathologischen Anatomie und Seuchenlehre an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird morgen, Samstag, 14. Rov., vormittags 11,30 Uhr in dem Hörsaal 44 im DvrlesungSgebäude seine öffentliche Probevorlesung halten über das Thema: „DieZellularpatholvgie im Lichte neuerer Anschauungen". ** Eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen findet am morgigen SamStaa, 14. Rovember, vormittags 8*/i Uhr beginnend, im Sitzungssaal deS Regierungsgebäudes zu Gießen statt. Tagesordnung: 1. Gesuch deS Hugo Döll zu Ober-Schmitten um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft; hier: Berufung deS KreiSdirektorS deS KrerssS Schotten gegen das Urteil des Kreisausschusses des KveiseS Schotten vom 23. September 1925. 2. Dürger- mei st erwähl in Bönstadt; hier: Berufung der Reklamanten Friedrich Wagner II. und 16 anderer gegen daS Urteil des KreiSauS- schusses des Kreises Friedberg vom 10. August 1925. 3. Berufung des Kreisdirektors des KveiseS Friedberg gegen das Urteil des KreisauSschusses des KreiseS Friedberg vom 1Z. März 1925 betr.: Faselvieh zu Rieder-Weisel; hier: das Halten eines schwarzbunten Bullen. *’ Der erste Schnee dieses Jahres kündigte sich dem Wetterkundigen schon aestern mittag durch die eigenartige Beschaffenheit der Luft an. Kurz vor Mitternacht sielen denn auch die ersten Flocken lizeipräsidenten von Frankfurt a.M., Fritz Ehrler. und in Kassel den Ministerialrat im preußischen Innenministerium, Dr. Viktor von Leyden. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Götz von Berlichingen". ein Vorspiel, 6 Akte, nach Goethe und historischen Motiven. Ein ganz hervorragendes Werk der deutschen Filmkunst, ein Dildstreilen seltener Schönheit, der in srinen sämtlichen Rollen von prominenten Schauspielern besetzt ist. Die Darstellung erhält dadurch ein ganz außergewöhnliches Gepräge. Im Mittelpunkte der Handlung steht der zweifellos bedeutendste Menschendarsteller der Gegenwart auf unseren deutschen Bühnen, Eugen Klöpfer als Götz. Paul Hartmann spielt den Weislingen, Elisabeth <>nd Maria liegen in den Händen von Lucie Höflich und Grete Reinwald. Die nicht minder wichnge Rolle der Adelheid ist bei Gertrud Welker bestens aufgehoben. Kein Wort der Bewunderung ist hoch genug, um diesen in allen feinen Teilen überragenden Film herauszustcllen. Bei der Schwierigkeit, sich heute Berliner Ausführungen des östern anzusehen, ist cs dankbar zu begrüßen, daß die Leitung des Lichtspielhauses diesen Film vom Götz nach Gießen gebracht hat. Riemand. der Interesse am Theater, an der Schauspielkunst und an dieser schinslen deutschen Dichtung des jungen Goethe hat, sollte versäumen, sich diesen Film anzusehen. —d- „Der goldene Hahn". (£in Gaftsp-clim (tziefjener Dtadttheater Don der DorauSsehung ausgehend, daß das Theater ein Kultursaltor fein soll, gilt es, zu diesem Gastspiel eine Kardinalfrage zu stellen: Wer tragt für dieses Engagement die Der« antwortung? Jede Theaterleitung, die es mit ihrer Mission ernst nimmt, wird, so glauben wir, durch ihre Arbeit Spiegel der Zeit sein wollen, wird sich ständig Rechenschaft ablegen, wie weit-sie Fühlung hat mit dem Lebendigen ihrer Epoche und wieweit sie in ihrem Mittleramt zwischen dem Dichter und dem Volk jedem von beiden verpflichtet ist. DaS an Reuem und Fruchtbarem, notwendig zu Erfassendem, aus Rußland zu uns her- überlam, war TairoftS entfe'fcIteS Theater und, in kleinerem Rahmen, dabei nicht weniger lebendig und lebensberechtigt, der „Blaue Vogel". Wir sind für das Gastspiel dieser Kleinkunst-' bühne damals warm eingetreten, weil wir ihre befruchtende Wirkung zu erkennen und im Sinne einer Belebung unseres Theaters ihre Arbeit unterstützen zu müssen glaubten. Wir stellen uns auch heute noch dazu. Schon die Durchsicht des Programms vom „Goldenen Hahn" hätte einer verantwortungsbewußten Theaterleituna (der das Programm des „Blauen Bogels" schon aus dem Grunde bekannt sein mutzte, weil sie hier vor noch nicht einem halben Jahr mit ihm verhandelt hatte) den Verdacht auftvmmen lassen müssen, daß es sich hier um einen stark verwässerten Aufguß -er Iushny-Truppe handelte. Ein Besuch Oer Vorstellung hätte derselben verantwortlichen Stelle zu der Lleberzeugung verhelfen müssen, dah es sich hier tatsächlich um ein durchaus minderwerttgeS Plagiat deS „Blauen Vogels" handelte. bas auf der Bühne eines Theaters von Qualität nichts zu suchen hat. Die Kritik, in der Ansicht, daß sie zu ernsthafter künstlerischer Arbeit inS Theater geladen wird, glaubt am besten ihrer Ausgabe gerecht zu werden, wenn .sie über den Abend — schweigt. e—s. Gerichtssaal. F r a n k f u r t a. M., 11. Rov. (WER.) Das hiesige Schöffengericht verurteitte heute den verheirateten 2bjährigen Karl Lämmer, der Frau und Kinder im Stiche lieh, um da» „Gewerbe" eines Zuhälters zu ergreifen, wobei er eine Frauensperson, die. wie sich aus dec Dechandlung ergab, nur mit Widerwillen dem elenden Handwerk nachging, bis aufs Blut peinigte und auSfog. zu IVt Jahren ©efäng- n i S und den für Zuhälter üblichen Reben- ftrafen. AuS der Verhandlung ergab sich, baß Lämmer ein rührige» Mitglied deS seinerzeit aufgeflegenen ...ftickervereinS" und überhaupt einer der gefährlichsten Frankfurter Zuhälter trat. Der Bäckergeselle Ä a r I 11II- r i ch wurde wegen Zuhälterei zu der gleichen Strafe verurteilt. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 9. Rov. Der Arbeiter F. K. und die in Scheidung lebende Ehefrau M. P, beide auS Frankfurt a. M, sind des gemeinschaftlichen Diebstahls angeflagt. Sie holten aus einem Anwesen in der Goelhestraße ein einem hiesigen Mädchen gehöriges Jah-.-rad heraus. Die Ehefrau P. führte den Diebstahl auS, während K. „Schmiere" stand. Letzterer befindet sich im Rückfall- DaS Gericht verurteilte ihn zu einem Jahre, wahrend die Angeklagte P. mit 4 Monaten Gefängnis davonkam. Beiden werden sechs Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. Der Schneider K. aus 21. ist beschuldigt, eine größere Anzahl Menschen, die sich b:i ei.e.n Feste angesammelt hatte, zum Widerstand gegen die Staatsgewalt aufgefordert und die diensttuenden Beamten öffentlich beleidigt zu haben; auch foll er e2 in dem anschließenden Verfahren unternommen haben, einen Zeugen zum Meineid zu verleiten. Die Beweisaufnahme gibt ein tla- res Bild der Vorgänge, soweit die beiden ersten Beschuldigungen in Betracht kommen. Dagegen ist der Zeuge, der zum Meineid verleitet werden sollte, in seiner Aussage schwankend und unsicher. ES erfolgte deshalb bezüglich dieses Punktes Freisprechung. Im übrigen wurde der Angeklagte zu zusammen 3 Monaten 2 Wochen Gefängnis verurteilt, unter Anrechnung von 1 Monat 2 Wochen Untersuchungshaft. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüb»r f#;-"-'ei 'TV-i-v n-tuni) Gießen. Es ist an dieser Stelle schon vielfach dem Wunsche Ausdruck verliehen worden, den Beginn der Theatervorführi'ngen jo ;cilig wie nur irgendmöglich anzusetzen. Die auswärtigen Besucher — und es sind deren nicht roemge — dürfen nicht gezwungen sein, noch während des Spiels aufzubrechen, um den letzten Zug nicht zu versäumen. Während früher die Intendanz diesen Erwartungen entsprochen und den Verhältnissen in ausreichendem Maße Rechnung getragen hat, ist es in dieser Spielzeit bisher versäumt worden, auf die unangenehme Lage der Auswärtigen Rücksicht zu nehmen. Wenn man wirklich mal ein Stück bis zum Ende sehen kann, muß man dann in einer Hetzjagd an die Bahn eilen, um ja nicht den Zug zu ver= passen. Daß dadurch der Eindruck der Aufführung wesentlich abgeschwücht wird und eine reine Freude über den Kunstgenuß nicht aufkommen kann, ist selbstverständlich. Eine Uebernachtung im Hotel kann sich heutzutage nicht jeder leisten. Und daß durch die mit einem vorzeitigen Aufvruch notwendig verbundenen Geräusche der Verlauf des Spiels gestört und auch die Zurückbleibenden in ihrem Genuß ganz erheblich geschmälert werden, bedarf keiner Betonung. Nur allzu oft macht sich der Unwille über die unvermeidbare Störung in nicht immer verständnisvoller Weise Luft. Dos Gießener Thegter ist ja für die ganze nähere Umgebung überhaupt das Theater, dem nichts Gleichwertiges an die Seite aestellt werden kann. Es wäre deshalb sehr zu wünschen, daß sich seine Einflußsphäre soweit wie möglich vergrößert, indem man Erleichterungen beim Bestich schafft. Im beiderseitigen Interesse: in dem des Publikums aus den oben angeführten Gründen, in dem des Instituts im Hinblick auf vermehrte Einnahmen. Hoffentlich bedarf es nur dieser Anregung, um die mit dem zu späten Schlüsse verknüpften Unannehmlichkeiten erträglicher zu machen, wenn nicht ganz zu beseitigen. Kr. J .-mwr i-Jtii-iBgr-rTCiirT: •K’.'rxrziagr rr WII-1 r—, «LI»- Oualitäts« Schuhwaren für Straße Tanz 10805a Gesellschaft SV Beste Paßform. Große Auswahl in allen Preislagen. Filz- u. Kamelhaarschuhe Gummischuhe, Gamaschen SV äußerst preiswert. "WO ttta taii tita« Seltersweg 71 Gießen Seltersweg71 I Schneeketten für tast- und Personenauto I Auto-Schneider Telephon 1089—1090 _______________________________________ioa3oa wegen der in Qua/rtäi ungeänderi würzig und mild AM-ECKSTEIN & SÖHNE ■ DRESDEN GEGR. 1842 'erhöh II.IW 10804. -First per Tafelrel«) glasiert Pfund 245, „ 30^, „ y-s» „ 255) „ 52^ „ 20-, „ 24§, „ 40 L, Pa. Land-Leber- u. Blutwurst per Pfund Mk. 1.08 Mitglieder,kaufen Sie alles in Ihrem Konsumverein! Sie ersahen gute und billige Lebensmittel außerdem 46/. Rückvergütung. 96000 Mark ersparte der Konsumverein im letzten Jahre für seine Mitglieder und bringt diese vom 10. bis 30. Nevember zur Auszahlung. Frisch eingetroffen: ff. neue Rollmöpse ........ per Stück 155« ff. neue Bratheringe ,, „ 1SH ff. neue Bismarckheringe . 12H ff. neue Sardinen.......... ’/4 Pfund 1SH Hüisesifr Sichte neuer Ernte Bohnen, weiße, gut kochend. Bohnen, vollflebchiee Wachtel Erbsen, gelb, mit Schale.... Erbsen, grün, mit Schale.... Linsen, groß............... T odes-Anzeige. Am 12. Nov. 1925 verschied nach kurzem, schwerem Krankenlager unser verehrter Kompagnie-Offizier Leutnant KurtTetzner Inhaber des E. K. II und des Verwundetenabzeichens. Vorbildlich als Mensch und Soldat, sahen wir in ihm nicht nur den Vorgesetzten, sondern auch den Kameraden, der jedem stets in Rat und Tat zur Seite stand. Wir werden ihm, der als Fähnrich, Oberfähnrich und Offizier zu uns gehörte, ein ehrendes Andenken bewahren. 3. Kompagnie 15. Infanterie-Regiment Schäfer, Leutnant. Gießen, den 12. November 1925. 108130 Ausstellung im früheren Hotel Einhorn, Lindenplatz 1 IWMWRM für SMsklig, 14. MMer 1925 2 00 Uhr nachm.: Eröffnung der Ausstellung. 3.00 „ „ Vortrag von Frau Dr. Bolton über das Kochen mit Elektrizität und Koch- vorführungen. 5.00 „ „ Dortrag von Herrn Betriebs-Oberinspektor Dreyer über die Sicherheit elektrischer Anlagen. 5 30 „ „ Filmvorführung. 8.00 „ abends: Filmvorführung. 9.00 „ abends: Schluß. iososc i. R. Handarbeitslehrerin Frau Frieda Klohr. loeuD nachmittags 1 Uhr statt. nachm. 378 Uhr. 10834D Beileidsbesuche dankend abgelehnt. Schn up Fen Gießen, Schanghai, München, Bad Dürkheim, 11.November 1925. Die Beerdigung findet Samstag, d. 14. Nov., nachm. 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Von Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. Hinterbliebenen: A. Hansult. I. N. der trauernden Rechnungsrat Heute starb unerwartet nach kurzem Krankenlager unser lieber Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Bräutigam, Onkel und Schwager im blühenden Alter von 26 Jahren Herr Kurt Tetzner Leutnant im I. (Hess.) Bataillon 15. Inf.-Regts. In tiefem Schmerz: Familie Tetzner und Thome. Limburg-Gießen, den 12. November 1925. Todesfeier am Sonntag, dem 15. Nov., Gießen, den 12. November 1925. Die Beerdigung findet Samstag, den 14. November 1925, in Wieseck von der Lichtenauer Straße aus statt. Beileidsbesuche dankend verbeten. 09175 nCLIMC * DAS » IN APOTHEKENj jLKLMt UtnlNL *beste u. dr.oger.ien | Gestern nachmittag entschlief sanft nach kurzem Leiden unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Lina Hansult Heute morgen entschlief nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere treubesorgte Mutter, Schwiegermutter und Schwester Frau Elisabeth Holl geb. Winkeimann im Alter von 48 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Prof. Dr. Noll, Studienrat Dr. Kurt Noll Walter Noll, stud. rer. nat. Frau Bezirksdirektor Luise Schmitt Am 11. ds. Mts. entschlief sanft nach schwerem Leiden unsere inmgstgeliebte, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Helene Geißler geb. Hofmann im 73. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: i _1Ur F. Geißler IV. und Familie 12 ma, h,' iqor O. Geißler III. und Familie 13. Novbr. 1925. L Geiß|er v, und Fami|ie Die Beerdigung findet Samstag, den 14. November, W M WWllWMill unH MlWWtzl! Mitglieder, Parteifreunde, Mitbürger und Mitbürgerinnen! Ihr müht am Sonntag, den 15. November wählen, um zu entscheiden, in welchem Geiste die Verwaltung der Provinz Oberhessen und unseres Kreises in den nächsten Jahren geführt werden soll. Denkt daran, daß jeder Nichtwähler den Gegner stärkt, denkt daran, daß Ihr der großen Gruppe der Nichtwähler im Dezember 1924 das Fortbestehen der Links-Koalition in Hessen zu verdanken habt. Nachruf. Unerwartet wurde heute vormittag unser verehrter Kompagnie-Offizier Leutnant KurtTetzner durch den Tod aus unserer Mitte gerissen. Wir verlieren in ihm einen Vorgesetzten, dessen stetes Streben es war, durch eigne Pflichterfüllung und eiserne Strenge gegen sich selbst uns das Beispiel eines Führers zu geben. Ihm nachzueifern wird uns eine Ehrenpficht sein und ihm ein ewiges Gedenken sichern. Im Namen des Unteroffizier-Korps 3. Kompagnie 15. Infanterie-Regiment Goldapp, Oberfeldwebel-Diensttuer. Gießen, den 12. November 1925. 10815D Laßt Euch nicht fangen von Sonderlisten, die allzuoft nur dem Ehrgeiz einzelner entspringen, die aber in Wirklichkeit das Bürgertum zerspalten und schwächen. MW MM Unterschätzt nicht die Bedeutung dieser Wahl Zeigt, daß Ihr es satt habt, daß weiterhin das Parteibuch allein als Befähigungsnachweis dient. Zeigt, daß Ihr gewillt seid, für Euer Recht zu kämpfen. Wählt Männer mit erprobter Sachkenntnis, mit klarem Blick, festem Rückgrat, warmem Herzen und kerndeutscher Gesinnung. Wählt den Wahlvorschlag der MAMMlel Nachruf. Plötzlich u.unerwartet wurde heute unser hoch verehrter Herr Leutnant Tetzner Inhaber des E. K. II. und des Verwundeten-Abzeichens nach kurzem Kranksein durch den Tod aus unserer Mitte gerissen. Von stärkstem Pflichtgefühl beseelt, war er uns stets ein gütiger Vorgesetzter und hat sich das uner- schütter icheVertrauen aller Kompagnie-Angehörigen erworben. Wir verlieren in ihm einen vorbildlichen Vorgesetzten, dem unser aufrichtiger Dank und stete Hochachtung gewiß ist. Sein Andenken werden wir für alle Zeiten treu bewahren! 10814D Gießen, den 12. November 1925. Die trauernden Mannschaften der 3. Kompagnie, 15. Infanterie-Regiments. Für den Provinzialtag beginnend mit den Namen: 1. Neuenhagen, Präsident d. Landgerichts Ober- 4. Luft, Kreisamtssekretär, Lauterbach, Hessen in Gießen, 5. Morhenn, Fabrikdirektor, Hirzenhain, 2. Christ, Mühlenbesitzer, Lollar, 6. Gnifkowski, Uhrmacher, Homberg Oberh. 3. Kloos, Prof., Friedberg, Für den Kreistag beginnend mit den Namen: 1. Schudt, Richard, Landgerichtsdir., Gießen, 4. Volk, Wilhelm, Amtsrichter, Hungen, 2. Rinker, Karl, Zimmermeister, Nonnenroth, 5. Roth, Christian, Rektor i. R., Lich, 3. Wagner, Ludwig, Landwirt und Bürger- 6. Bocher, Wilhelm, Oberpostsekretär a. W., meister, Geilshausen, Grünberg. Wählt einmütig und geschlossen diese Männer, die für sachliche Arbeit bürgen. 1 10825c Der Wahlausschuß der Deutschen Volkspartei. Möbl. Zimmer zu vermieten (09171 Vudwigstr. 40, Gartenbaus L l. »L ZlNMk l an soliden Herrn zu uermteten Schiffen- bergerWeg 1*1. KlcineSmöblierteS Zimmer m t ob. ahne Pension zu vermieten Schitventtr. U. KlemrLK zu vermieten. Das. Ladeneinrichtung zu verkaufen. Zu erfr.tn d Geichästsst. d. Giest Anz. [09177 Mietgesuche | JungeÄ^Ebepaar sucht 1—2 iMllerle Zimmer mit Kochgelegenheit ober 1 Zimmer mit Küche ver sofort ob. L Dezember. 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Es muh immer wieder darauf hingewiesen werden, daß das deutsche Memelland, dessen erschütterndes Dekennt- nis zum Deutschtum vor kurzem durch die Wahlen zum memellänbischen Landtage offenbar wurde, sowie das Soldauer Gebiet von der Provinz losgerissen wurde, ohne daß man die Bevölkerung um ihren Willen befragt hatte. Zudem trennt das willkürliche Machwerk des polnischen Korridors, der auö deutschem Lande herausgescknitten wurde, die Provinz nicht nur geographisch, sondern auch wirtschaftlich vom Mutterlande. Angesichts dieser Lage beginnt die polnische Propaganda, gegen die es kaum Abwehrmaßnahmen gißt, sich in Ostpreußen einzuschleichen und be- besonders auf die Masuren ernzuwirken, die zwar slawischen Stammes sind, aber in den Abstim- mungssiege vom Juli 1920 ihren festen Walen bekundet hatten, weiterhin dem deutschen Kulturkreise anzugehören. Das Gefährlichste der polnischen Propaganda ist, daß sie sich nicht auf Wort und Schrift beschränkt, sondern in klarer Erkenntnis der ostpreuhischen Wirtschaftsnot dazu übergeht, besonders in Masuren mit Hilfe neu gegründeter Danken Kredite zu gewähren. Wenn Ostpreußen für das deutsche Reich weiterhin der Schutzwall bleiben fojl, dec es während des Weltkrieges war, so genügt es nicht, wenn der Provinz immer wieder in schönen Worten Dersprcxhungen gemacht werden. Das Reich und Preußen müssen endlich die besondere wirtschaftliche Lage Ostpreußens erkennen und ihm tatkräftige Hilfe werden lassen. Polen hat es kaum mehr notwendig, den Transitverkehr von Ostpreußen abzulenken. Durch den Friedensschluß sind die lebhaften Handelsbezie- Hungen mit dem Osten fast vollkommen unterbrochen worden und das Fehlen von Handelsverträgen verhindert es, neue Beziehungen zu den Randstaaten anzuknüpfen. Während Königsberg z. B. vor dem Kriege bis 403 Waggons Tageszufuhren an rußischem Getreide und Hül- senfrüchtcn hatte, liefen nach Abschluß des russischen Handelsvertrages die ersten Bahnzufuhren nach dem Kriege ein. Es waren nicht mehr als 5 Waggons Linsen. Andererseits gelang es der ostpreußischen Züchtervereinigung, mehrere tausend 2- bis Zjähriger Pferde einer russischen Kommission zu Zuchtzwecken im Wolgagebiete zu verkaufen. Aber das sind Ernzelsälle, dre Ostpreußens Wirtschaftslage nicht bessern können. Hinzu kommt, daß der Königsberger Hafen jetzt in schwerster Konkurrenz mit dem entrrsfenen Danzig und Memel steht, die von Polen und "itauen als alleinige LImschlageplähe für das gesamte Hinterland benutzt werden. Dadurch ist der früher sehr wichtige Königsberger Holzhandel fast gänzlich zurückgegangen und die 5 Waggons Linsen erinnern daran, daß Königsberg früher Wellhandelsplah für Linsen sowie die dazugehörige Schälmühlenindustrie war, die heute voll- kommn still liegt. Llm dem ostpreußcschen Handel und der ostpreuhischen Industrie einiger» maßen zu helfen, ist vor allen Dingen eine weitherzige Bewilligung von Ausnahmetarifen für seinen Derkehr mit dem Mutterlande und dem Auslande dringend erforderlich. Sn dieselbe Linie gehört eine Revision der Grenzübergangs- tarife, eine Ausgestaltung der Hafenausnahmetarife und eine Verbesserung des Staffeltarifs, dessen Erhöhung der Rahfrachten gegenüber den Friedenstarifen sich für Ostpreußen besonders unangenehm bemerkbar macht. Da die Derbin- dung durch den polnischen Korridor höchst unzulänglich ist, muß für den Ausbau der ostpreußi- schen Wasserstraßen und Häfen erhöhte Fürsorge getroffen werden. Es ist sehr erfreulich, daß das Reich und Preußen sich im vergangenen Frühjahr entschlossen haben, eigene Schiffe zu bauen, die den Derkehr zwischen Swinemünde und Pillau zu versehen haben, der bisher durch Verträge mit einer Stettiner Reederei geregelt war. Damit ist es aber nicht genug, der Königsberger Hafen mit den anschließenden Wasserwegen bedarf des Ausbaus, um das Hinterland zu erschließen, das teilweise kaum mit der Bahn zu erreichen ist. Es handelt sich hierbei nicht um fromme ostpreußische Wünsche, sondern um Lebensfragen einer Provinz, die nicht nur hn Staatsverbande, sondern auch im Wirtschafts- verbande des deutschen Reiches von ausschlaggebender Bedeutung ist. Ostpreußen war von jeher Lleberschußgebiet an Agrarprodukten. Die ostpreußische Landwirtschaft ist in der Lage, mit ihrem Llebersckuß außer ihrer eigenen Bevölkerung noch 2 Millionen Menschen zu ernähren. Was dies bei unserer passiven Handelsbilanz und bei dem Verlust der Agrargebiete von Westpreußen, Schlesien und Posen bedeutet, braucht nicht besonders betont zu werden. Ostpreußen weist einen hochentwickelten Stand von Ackerbau und Viehzucht auf, trotz des ungünstigen Klimas, das einen weit größeren Bedarf an tierischen und menschlichen Arbeitskräften, an Maschinen, Geräten und Gebäudekapital bedingt. Trotz der ungünstigen Derkehrslage. die bei der ungemeinen Verteuerung der Eisenbahnfrachten die ostpreußische Landwirtschaft mit jährlich rund 15 Millionen Mark mehr belastet als die mitteldeutsche Landwirtschaft. Kann man die Wichtigkeit Ostpreußens als landwirtschaftliches Produktionsgebiet nicht überschätzen, so kann man andererseits nicht darüber hinwegsehen, daß die ostpreußische Landwirtschaft sich heute in einer furchtbaren Krisis befindet. Die Ernte des Jahres 1923 mußte verschleudert werden, 1924 brachte eine Mißernte, wie man sie lange nicht mehr erlebt hatte. Der Landwirt, der sein Betriebskapital in der Snflation verloren hatte, muhte beim Staat und von privater Seite lausend Kredite aufnehmen und zwar kurzfristige Kredite, um überhaupt die einzelnen De- triebsvorgänge finanzieren zu können. Die Hoffnung, die Ernte des Jahres 1925 werde es ermöglichen, diese Kredite abzudecken, wurde enttäuscht, denn dieser Herbst brachte nicht mehr als eine knappe Mittelernte. Da zudem die Vieh- und Milchwirtschaft unter Maul- und Klauenseuche leidet, ist der Landwirt nicht in der Lage, seine Schulden abzudecken und steht vor der furchtbarsten Krisis, wenn es ihm nicht gelingt, auf feine Wechselschulden vom Staat eine Atem» pause zu erhalten oder sie durch Realkredite zu konsolidieren. Es ist ferner dringend erforderlich, daß größere Kredite nach Ostpreußen gegeben werden und daß im Reiche, besonders bei vielen privaten Unternehmungen in Mitteldeutschland das Mißtrauen gegen die Anlage von Geldern in Ostpreußen schwindet. Wenn Polen propagandistisch Kredite dort gibt, so ist es geradezu unverständlich, wenn in Verkennung der besonderen nationalen Snteressen Ostpreußens der Provinz aus dem Reiche Kredite verweigert werden, weil die politische Lage nicht sicher genug sei- Wie die ganze ostpreußische Wirtschaft, so leidet besonders die Landwirtschaft unter den hohen Frachten, die den Getreidebau geradezu unrentabel machen. Aus diesem Grunde ist die Getreideanbaufläche in Ostpreußen bereits stark zurückgegangen und der Getreideausfall beträgt der Vorkriegszeit gegenüber etwa 4,6 Millionen Zentner. Diese Entwicklung darf unter keinen Umständen toäier gehen. Cs muß noch eia kurzes Wort darüber gesagt werden, daß Ostpreußen auch kulturell nicht mehr in der Lage ist, seine Ausgabe als deutscher Vorposten zu erfüllen. Die Theater in Königsberg, Allenstein, Tilsit und dem westpreußischen Elbing, die berufen sind. Kulturarbeit zu leisten, werden aus staatlichen Mitteln völlig ungenügeno unterstützt und kämpfen um ihre Existenz. Roch bedrohlicher ist die Lage der Landesuniversität in Königsberg, die durch höchst beklagenswerte Einschränkungen daran gehindert wird, ihre kulturellen Aufgaben für ein so großes Wirkungsgebiet tzu lösen, wie es keine andere deutsche Universität besitzt. Ardcutsches, kerndeutsches Land wurde durch die politische Konstricktion des polnischen Korridors von seinem Mutterlande losgerissen und damit sind die Ostpreußen zu Elsässern geworden, zu Elisassen, d. h. zu Leuten, die in der Fremde wohnen. Es war die versteckte Absicht des Versailler Willküraktes, das isolierte Ostpreußen polnischem Zugriff preisziigeben. Die Rechnung war ohne die Ostpreußen selbst gemacht, die mit ihrem Abstimmungssieg bewiesen haben, daß sie nie und nimmer polnischen Einflüsterungen Gehör schenken, daß sie niemals den preußischen Aar durch den polnischen weihen Adler verdrängen lassen werden. Aber große Gefahren birgt das ostpreußische Slisasfentum noch in sich. Und die größte Gefahr ist die, daß das enge Band mit dem Mutterlande sich lockert, wenn DIE WAH LEN in Gemeinden, Kreis und Provinz bedingen eine schnell und zuverlässig unterrichtende, von den Parteien unabhängige Tageszeitung. Für Oberhessen ist es der Gießener Anzeiger Bezugspreis für die zweite Novemberhälfte einschl. Jubiläums-Ausgabe für die neuen Leser 1 Mark und 10 Pfennig Trägerlohn Jakob Schaffner. Zum 50. Geburtstag des Dichters am 14.11.25. Don Dr. August v. Löwis of Menar. Angesichts der heutzutage unter den deutschen Erzählern herrschenden Mode, den Leser in erotische. ferne Länder zu locken, ihn mit Menschen aus fremder, nicht immer verstandener Umwelt zufammenzuführen und phantastische Erlebnisse zu erfinden, ist es von doppeltem Wert, in das Schaffen eines Dichters sich zu versenken, der all des Aufwandes der andern nicht bedarf, um durch Spannung und blutvolle Schilderung zu fesseln. Jakob Schaffner, der nun auf fünfzig Zahre eines mühereichen und gesegneten Lebens zurückblicken darf, ist als Schweizer und Deutscher in seinen Wecken auch daran zu erkennen, daß er aus der Tiese des eigenen Volkstums die Kostbarkeiten hervorholt, mit denen er uns beschenkt. Ihm genügen als Schauplatz die Dörfer und Städte der Schweiz und Deutschlands, ihm genügen auch die Menschen, die wir alle kennen, um Charaktere, Schicksale, Leidenschaften und — wie oft und gerne! — Siege über das eigene Selbst mit jener meisterlichen Eindringlichkeit zu schildern, die den Leser packt und nicht mehr losläßt. Und wo liegen die Geheimnisse seiner Ausdruckskraft, seiner Kunst des Gestaltens aus dem Unscheinbaren und Kleinen heraus? Sicherlich einmal in der Problemstellung, die Schaffner bevorzugt, denn bei ihm geht es nie um etwas Geringes, Halbes, Schwächliches, sondern um die Zie.e starken Wollens, ungebrochener Gefühle, erdsester Ueberzeugungen. Sieg oder Riedertage stehen dann am Ende, oder aber ein Höheres — die Erkenntnis, die in der Bescheidung wurzelt und der Siege größter sein kann. Bei solcher Einstellung zum Problemhaften der Handlung kann ruhig die Alltagswelt, das kleine Dorf, das Berliner Hinterhaus den Rahmen abge'en, Schaffners andachtsvolle Durchdringung des Kleinen macht die Dinge groß und menschlich bedeutend. ' Dazu hilft ihm seine Kunst der Charakteri- fierung, das Vermögen lebens warmer Gestaltung der Personen zwar seiner Erfindung, die aber doch dem Le er nach wenigen Seiten bereits so bekann: erschie en, als fei er ihnen schon einmal begegnet. Auch in der Personenzahl übt der Dichter wohltuende Beschränkung auf die ihm aus eigenem Erleben vertraute Welt. Daß diese sich ihm weitet, daß neuerdings, wie im Vornan „Das Wunderbare", auch die Schilderung vor- nehmer, hochgeste.lter Ge.ellschaftskreife ihm mit seltener Sicherheit ge.ingt, vermerkt man nut Freude. Zu kraftvoller Unterftüßung gefeilt sich dann ein Drittes: des Dichters Meisterschaft in der Sprach- und Stilbeherrschung. Schaffner pflegt nicht nur das überkomme.e Sprachgut und überrascht dura) seine vielseitige, treffsichere und klangschöne Anwendung, sondern auch sprachschöpferisch in enger Anlehnung an die volkstümliche Redeweise seiner Heimat hat er eine glückliche, freigebige Hand. Dazu kommt der Bilderreichtum und die Origina ität seines Ausdrucks, die immer wieder aufs neue fesseln und von der heule so seltenen Meisterschaft im künstlerisch Zuchtvollen und Formalen Zeugnis oblegen. Schaffner ist Musikant und Maler und Bildhauer zugleich: Klang, Farbe und Form sind unlöslich in seiner Sprache verbunden. Gleich seinem Landsmann Gottfried Keller fußt Schaffner häufig auf Selbstdurchlebte.n, das sich ihm dichterisch gestaltet. Von der engeren Heimat, dem Basler Land, geht er auö: im zweibändigen Werk „Johanneo"*) schildert er seine harte Zugend, die er nach dem Tode des Vaters und Ler Auswande.u i der Mu.ter nach Amerika in einer Erziehungsa.istalt verbrachte, deren alt- testamentarischer Geist ihm schwerste Prüfungen auferlegte. Dann tarn die Wand.rze.t als Schuster, die Walzzeit" („Konrad Pilater". zuerst 1910), die ihn durch die Rordschweiz, den Rhein hinunter, bis nach Antwerpen, nach Paris und ins Elsaß und zurück nach Basel führte. „Schon vierundzwanzig Sabre war ich alt, als ich mit meiner Handwerkerlaufbahn brach und mich der Dichtung zuwandte." Seit längeren Zähren bereits lebte der Dichter in Berlin, und das mag bei ihm ebensowenig Zufall fein, wie es bei Gottfried Keller war: die ringende Menschenseele zu erfassen — wo fände sich reichere Möglichkeit dafür als in der Weltstadt? Lind wie Schaffner mit den Pro°i btemen sich beschäftigte, die in den Seelen der Personen aus einer kleinbürgerlichen Umtoelt, dem Berliner Hinterhaus, sich abspielen, das zeigt besonders der 1919 erschienene Roman „Weisheit der Liebe". Mit erstaunlicher Eindringlichkeit entwickelt hier der Dichter eine Handlung, die auS den einfachen, alltäglichen, ganz in jener nüchtern- *) Sä-nliche hier genannten Werke sind in neuen Auslagen bei der Union Deutsche Derlags- gesellschaft in Stuttgart erschienen. grauen Umtoelt wurzelnden Elementen aufgebaut ist. Schaffner, der stets mit der geringsten Zahl von Figuren auskommt (der „Sohannes" steht seiner ganzen Anlage nach auf einem besonderen Bla t), schöpft aus den Tiefen der menschlichen See e, nichts verbergend, nichts verschönernd, und entdeckt dort Eebie.e, Reichtümer, die ein anderer kaum zu ahnen vermag. Und wenn dann zum Beispiel der Dich.er in den „Kindern des Schicksals" (1920) nur drei Personen gegeneinander stellt und die junge, sehnsüchtige, zum Erwerb gelungene Witwe »wischen den ,ec i ch empfänglichen, geistigen Menschen und dem se bstcetouh.en, derbsinnlichen deutsch-amerikanischen Theatersänger wählen läßt, so empfindet man das nicht als eine der allzuvielen Liebesgeschichten, sondern als ein Bekenntnis des Dichters, als einen Hymnus auf den Sieg der Kräfte, die ineinander aufgehen müssen, damit ihr Schicksal sich erfülle. Handlung und Chacakcerzeichnung bilden bei Schaffner stets eine unlösliche Einheit. Zeugnis da ür ist auch der bedeutende Roman „Der Dechant von ©ottesbü.e/i“. Ein unendlich liebevoll, mit kleinen menschlichen Schwächen gesehener katholischer Geistlicher steht hier im Mittelpunkt des Geschehens, und man muh es bewundern, wie der ga.cz protestantischer Umwelt angehörende Dichter es verstanden hat, eine so bis in ihr innerstes Leben hinein wahre Gestalt zu schaffen und den Geist ine.es Pfarrhauses so anschaulich zu schildern, daß man in feinen Räumen sofort heimisch wird. Linde, die Richte des Dechanten, ist die leidende Heldin der schönen Erzählung, und auö ihrer Mädchenhaftigkeit und Liebeskcait heraus entwickelt der Dichter die Handlung, die ein Kampf ist des Dechanten um die Seele der Richie, des Mädchens um ihren eigenen Wert, den sie durch freudige, bc» glückenwollende Hingabe an einen jungen Kriegshelden verloren glaubt. Das Ringen endet mit dem Tode des Mädchens, der eine Erlösung für die schamvolle Seele ist, der Dechant aber wird ein ganzer Mann Gottes, nachdem er in Gefahr stand, in weltlich-kunstgeschichtlichen Snteressen fein höchstes, frommes Streben zu verlieren. Sm letzten in Buchform erschienenen Roman ..Das Wunderbare" ist die Handlung unruhvoller, bewegter, und der Schauplatz wechselt mehrfach. So zuckt hier auch das Seelische stärker auf und nieder als sonst bei Schaffner. Verschleiert Dämonisches in der Gestalt des großen Verführers mischt sich ein, und schweres Schicksal wuchtet auf den Hauptgestallen dieses vielleicht eine Wendung In des Dichters Schaffen an«4 man im Reich das Verständnis für Ostpreußens Röte und seine besonderen Belange nicht aufbringt. Oberheffen. X Wieseck, 11. Nov. Durch die Erneuerung unserer Kirche tonnte das Erntedankfest in unserer Gemeinde erst am letzten Sonntag gefeiert werden. Die verlorcngcgangene alte örtliche Sitte der vier Erntekränze, je einen mit Korn,Gerste Weizen, Hafer, wird nächstes Jahr wiedcrhergestellt fein; diesmal mußte der .Kranz mit Gerste leider noch fehlen. Mit einer sehr dankbaren Gemeinde füllte sich die Kirche bei der abendlichen L i t u r a i ° s ch e n Erntedankfeier, die im wesentlichen einem Plan von Mathilde Gerinn d folgte. Konfirmanden und Kinderkirche teilten sich mit Sprechern und Wechselgesang in den Abend: dabei zeigte die neugeschassene Sangeeempore vor der Orgel ihren Wert. Zu den Proben aus dem neu eingeführten Kindergesangbuch gab die Gesangsabteilung des Wartburgvereins zwei mehrstimmige Chöre. Einen Ehrenplatz auf dem vom Vormittag her reich geschmückten Altar erhielt bei der Feier ein von einer Konfirmandin in feierlicher Weise erhobenes Brot. ■ Rödgen, 11. Rov. Zu den Vereinen, die sich neben anderen Zielen die Förderung echter Volksblldung auf ihre Fahne geschrieben h.'.ben, gehört auch der hiesige Gesangverein „Concordia". Dieser veranstaltete am Sonntag nachmittag im Saalbau des Hch. Balser ein rvohlgelungenes Konzert, das trotz der 11 n- gunst der Witterung von hier und aus der Umgegend sehr gut besucht war. Das Programm bot eine Reihe köstlicher Proben von Kunstchören und Volksliedern, die von dem Leiter des Vereins, Chormeister K. Ricolai, sehr feinsinnig aufgefaßt und von den Sängern mustergültig vorgetragen wurden. Die da:.lb.iren Zuhörer geizten infolgedessen nicht mit ihrem Beifall, zwangen vielmehr den Chor zu einigen Zugaben. Das unter derselben Leitung stehende Doppel-Quartett des Sängerkranzes Großen-Buseck erntete für feine kunstsinnigen Darbietungen ebenfalls groben Beifall. Herr Schwarzlose, der mit wahre. Virtuosität sein Snftrument meisterte, hatte sich die Herzen der Zuhörer bald im Sturm erobert. Große Anerkennung verdient auch die verständnisvolle Begleitung des Herrn C o g e - Marburg. (Abends ging dann vor überfülltem Haufe das Schauspiel „Mag auch die Liebe weinen" in Szene. Die Vereinsleitung hatte mit der Wahl dieses Stückes insofern einen glücklichen Griff getan, als die Darsteller dieses für ländliche Verhältnisse schwierigen Werkes durch di: lebenswahre Wiedergabe der einzelnen Rollen einen durchschlagenden Erfolg erzielten. * Großen-Linden, 12. Nov. Frau Katharina P i r r geb. Weigandt von hier begeht in diesem Jahre ihr 40 jähriges D ke n st j u b i l ä u m als Gemeindehebamme. Sie hat ihren Beruf während der langen Zeit stets zur Zufriedenheit ausgeführt. Frau Pirr ist noch sehr rüstig, so daß sie ihrem Berufe auch fernerhin gut nachgehen kann. —Watzenborn-Steinberg. 12. Rov. Am kommenden Sonntag veranstaltet der hiesige Geflügel- und Kaninchenzuchtverein eine lokale Geflügel- und Kanin- chenzuchtausstellung. f Grünberg, 12. Roo. Die Landwirtschaftliche Winterschule hat ihren Hn» lerrichtsbetrieb wieder ausgenommen. Die Schule ist in den Sälen des Rathauses untergebracht. An dem Unterricht nehmen in beiden Klassen 60 Schüler teil, und zwar in der oberen Klasse 36, in der unteren Klasse 24. Der Unterricht findet täglich von 8 bis 128/< Uhr vormittags und außerdem am Dienstag und Freitag von 2 biS 4 Uhr nachmittags statt. Fast alle Schüler kommen von auswärts. — Die Mäuseplage wird auch hier von den Landwirten sehr unangenehm empfunden. Man will zur Abwehr dem Versuch der Vergiftung nähertreten. Von kündigenden Romans. Und doch wird auch hier alles zu letzter Klarheit geführt, die Flammen werden gelöscht, und der Konflill löst sich in der neuen Fassung des Romans am Sterbebett der Mutter des Helden, der Geheimrätin Tribius, im Zeichen der tröstlichen Gewißheit: „Alle — scheiden wir als versöhnte Leute." Ein bezeichnender Zug für Schaffners Verhältnis zu den Werken seiner Kunst ist fein unablässiges Bemühen, an ihnen zu feilen, ihre Handlung straffer zu fassen und die Profile noch klarer herauszuarbeiten: ein Bestreben, das sogar vor einschneidenden Acnderungen nicht zurückscheut. So erlebten Reuoearbeitungen die Romane „Das Wunderbare", „Der Dechant von Gottesbüren" und andere, und ebenso geht dev soeben erscheinende Roman „Die Glücksfischer" auf eine ältere Arbeit zurück. Schaffner weih auch hier wieder einmal schweizerische und norddeutsche We'en art und zugleich unterschiedliche Gefellschaftskla sen mit gewohnter Meisterschaft zu schildern. (Sin prachtvoll gesehener Baseler Rheinfischer und eine große Dame der Essener Schwerindustrie stehen im Mittelpunkt des Ereia- nisses, über die gleich feinem Herbstichleier Schaffners Humor sich breitet. Erstaunlich aber bleibt immer, was der Dichter aus der Gegenüberstellung seiner jeweiligen Romanfiguren an Lebensfülle und feinsinniger Charakterisierung herauszuholen vermag. So wird auch dieses neueste Buch die Zahl derjenigen vermehren, die an des Dichters besinnlicher Art des Er- zählens ihre Freude haben. Wir Deutsche verdanken Sakob Schaffner aber noch mehr als wertvolle Romane und Erzählungen, die in Stil und Snhalt auf ziemlich einsamer Höhe inmitten unseres zeitgenössischen Schrifttums stehen. (5:';offner ist — darin etwa Thomas Mann vergleichbar — ein bewußt mitlebender und mitleidender Deutscher. Roch während des Krieges machte er sich unbeschadet feiner eidgenössischen Zugehörigkeit Gedanken um die deutsche Zukunft, und bald daraus erschienen Schriften, die mit den brennenden Problemen des Tages nach sozialer und politischer Richtuna hi» sich befaßten. Auch hier leuchten Schaffners Bodensestigkeit und Klarheit und sein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Mensche» hell hervor. Es sind deutsche Schriften hn schönsten Sinne dieses Wortes, Dokumente eine- Kampfes in eines Dichters Seele, die man nicht missen möchte, zeigen sie ihn doch als ganz«» fühlenden Menschen und Mitbürger, sachverständiger Seite wird auch empfohlen, die Vertilgung der Mäuse int Frühjahr, wo ihre Zahl nur gering ist und die Tiere besonders hungrig sind, vorzunehmen. -- Zu dem heutigen V i e h m a r k t (Kleine Gallusinarkt) waren 332 Ferkel, davon 82 Stück von Händlern, aufgetrieben. Durch das Aussperren einzelner Orte zu dem Kleinen Gallusinarkt am 14. Oktober, bei dem ein Verkauf nicht stattfinden konnte, war die heutige Ware zum größten Teil sehr schön und stark. Die Preise waren zuerst un- tegelmähig und später ausgleichend. Es wurden für 6 Wochen alte Ferkel 30, für 7 Wochen 35. für 8 Wochen 38. für 9 Wochen 42, für 10 Wochen 46, für 12 Wochen und darüber 48 bis 52 Mk. pro Stück gezahlt. Ein unbedeutender äleberstand verblieb. Zahlreich waren die Ver- taufsstände jeglicher Art < ri. Lich. 12. Aov. Auf Veranlassung der hiesigen Bezirlsvorsitzenden des internationalen Vereins für „Freundinnen junger Mä d- ch c n", der Fürstin Reinhard zu Solms- Hohensolms-Lich. sprach die weit über Deutschland hinaus bekannte Schriftführerin des Aationalvereins. Frau D r. Blank aus Heidelberg zu den hiesigen Frauen und Mädchen, die sich zahlreich eingebunden Hattert. Die Versammlung wurde durch Stiftsdechant Lenz mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. Daraus schilderte die Rednerin die Entstehung und dos riesengroße Arbeitsfeld des in aller Welt wirkenden Vereins, von dessen Tätigkeit besonders die Bahnhofs- Mission und die Fürsorge für weibliche Aus» Wanderer weitereit Kreisen bekannt ist. Aach dem Vortrag sprach Sftftspfarrer Schorlemmer der Rednerin den Dank der Versammlung aus und wies mit Aachdruck auf die Bedeutung dieser Arbeit hin. Für die Arbeit des Vereins wurden von den Teilnehmerinnen des Vortragsabends 10,37 Mark gespendet. Kreis o Butzbach, 12. Nov. Wie wir vor einiger Zeit bereits Mitteilen konnten, findet hier am nächsten Sonntag keine Stadtverordneten- wähl statt, weil diese nach Einführung der Städteordnung im vorigen Jahre bereits vollzogen worden ist. £)b das recht ist, wird jetzt stark angezwei- felt: denn nach dem neuen hessischen Gesetz vom 7. Oktober 1925, das am 1. Januar 1926 in Kraft tritt, hätte unsere Stadt mit ihren etwas über 5000 Einwohnern 18 Stadtverordnete aus vier Jahre zu wählen. Bei der Wahl im vergangenen Jahre wurden hier aber 21 Stadtväler auf drei Jahrs gekürt. Bon mancher Seite wird daher Angenommen, daß das hiesige Stadlparlameiu vom 1. Januar ab gesetzwidrig und daher nicht mehr beschlußfähig sei. Man sieht zwei Möglichkeiten, die strittige Frage zu lösen. Entweder müsse die Volkskammer, die bei der Formulierung des Gemeindewahlgesetzes die Fälle, in denen durch Einführung der Städteordnung schon vorher gewählt worden ist, übersehen haben, noch vor dem 1. Januar durch eine Gesetzesergänzung diesen besonderen Verhältnissen Rechnung tragen, oder es müsse auch hier eine Neuwahl noch vor dem 1. Januar erfolgen. Man darf gespannt sein auf die behördliche Entscheidung, die bezüglich dieser Meinungen getroffen wird, soviel uns bekannt, nimmt unter den hessischen Städten nur Butzbach die Sonderstellung ein, daß am kommenden Sonntag nicht gewählt wird. — In der Umgegend spricht in den nächsten Tagen der Burenkommandant Jo oste an verschiedenen Orien. Der alte General ist in unserer Gegend aus früheren Jahren so bekannt und beliebt, daß seine Vorträge immer wieder gern gehört werden. Münzenberg, 12. Aov. Zur © c • rnernderatswahl find drei Dahlvor- ; schlage emgereicht worden. Gewerbetreibende, Landwirte und Arbeiter sind öle Berufsstände, 7 die besondere Listen präsentiert haben. 3m seitherigen Gemeinderat hatte die Bauernschaft die - Mehrheit, wie es nach der Wahl werden wird, läßt sich schwer Voraussagen. Es wird angenommen, daß der Wahltag lebhaft verlaufen wird, seither hatten wir 12 Gemeindevertueier. Da die Einwohnerzahl aber von 1026 auf 998 zurückgegangen ist, sind nach dem Gesetz diesmal nur 9 Gemeinderäte zu wählen. — 3m nahen Trais - Münzende rg ist man in der glücklichen Lage, von einem Wahlkampf verschont zu bleiben, da man sich auf eine Einheitsliste geeinigt hat. CZ Niederslorstadt, 12. Nov, umherziehende Musikanten werden hier allmählich zur La n d p l a g e. Fast täglich bekommt man nicht immer schön wiedergegebene Musikstücke zu hören. Man kann auch die unmöglichsten Zusammenstellungen von Instrumenten beobachten. Vor kurzem hatte man sogar den Genuß eines Streichkonzerts unter freiem Himmel. Aus nur mäßiger Entfernung war lediglich das Brummen des Bosses vernehmbar. Auch Hausierer und Bettler kommen derartig oft, daß viele Leute ihre Hoftore abschließen und nur auf Anruf von Bekannten öffnen. — Verschiedene Häuser, die vor dem Krieg e i n st ö ck i g gebaut worden waren, wurden jetzt geräumiger gestaltet, indem ein zweiter Stock darausgesetzt wurde. Manche Familien, die durch Verheiratung eines ober mehrerer Kinder in ihren Wohnräumen sehr beengt waren, haben sich auf diese Weise mit verhältnismäßig wenig Geld bessere Wohnungsverhältnisse geschaffen. Kreis Büdingen. „?“ Aidda, 12. Aov. Nächsten Sonntag veranstaltet ßer hiesige Gesangverein Sänge r k r a n z fein Herbstkonzert. Der Verein, der oereits auf ein 86jähriges Bestehen ?urückblickt, ist stark mit der hiesigen Bürgerschaft verwurzelt und erfreut sich des guten Auses, mit fein abgestimmtem Programm und gutem gesanglichen Können vor die Oeffentlichkeit zu treten. — Der Turnhallenneubau. dessen Grundsteinleugng vor einiger Zeit erfolgte, macht gute Fortschritte. An dem Haubtbau ist bereits das Dachgebälk aufgeschlagen. Der neue Bau, dessen Fertigstellung mit Aufwand beträchtlicher Mittel verbunden ist, wird nicht allein eine Zierde unseres Städtchens werden, sondern auch alle Anforderungen, die man neben seiner eigentlichen Bestimmung an einen modernen Saalbau stellt, weitgehend befriedigen. /x Nidda, 11. Nov. Der Auftrieb von Ferkeln zu dem heute hier abgehaltenen Marti n i m a r k t war sehr stark, aber auch die Zahl der erschienenen Käufer war sehr groß. Die vor- zügliche Kartoffelernte veranlaßt manchen Landwirt, eine größere Anzahl Schweine zu holten als in früheren Wintern. Bei der regen Nachfrage entwickelte sich rasch ein lebhafter Handel, und die Preise gingen gegen den vorigen Markt durchschnittlich um mindestens 10 Mark pro Stück in die Höhe. Ein Paar Ferkel von 6 Wochen kostete 70 bis 75 Mk., 8 bis 9 Wochen alte 90 Mk. Alle Verkäufer setzten ihre Ferkel zu diesen Preisen ab. Es blieb fein Ueberstand. Bei sonnigem Herbstwetter | erfreute sich auch der K r ä m e r in a r f t nachmittags eines guten Besuchs, erreichte aber keineswegs mehr den Zuspruch wie vor dem Kriege. Damals erschienen aus den umliegenden Orten die Burschen und Mädchen, und in mehreren Lokalen fand Tanz statt. Auf dem Martinimorkt hier bildeten sich die einzelnen Gesellschatten der Dörfer für den Winter, die am nächsten Abend ihre Spinnstuben eröffneten. Diele Sitte ist jetzt fast ganz verschwunden. — Auf recht sonderbare Weise ist ein hiesiger Landwirt um ein wertvolles Stück Vieh gekommen. Er hatte in seinem Stalle ein Rind nut' eine Kalbin nebeneinander stehen, wovon letztere mit einer verhältnismäßig langen Kette um den Hals angebunden war. Nachts hatte sich das Rind quer vor die Krippe und dabei auf die Kette der Kalbin gelegt. Als der Besitzer am Morgen die Tiere auf- treiben wollte, fand er die Kalbin erdrosselt vor. Das schöne, trächtige Tier war erst vor zwei Monaten auf den, hiesigen Herbstmarkte mit dem 1. Preis prämiiert worden und etwa 500 Mark wert. Leider hat der Geschädigte, wie jetzt so viele Landwirte, sein Vieh nicht mehr versichert. g. Geiß-Aidda, 12. Aov. Dieser Tage wurde hier eine Hochzeit gefeiert, an der etwa 150 Gäste teilnahmen. Durch Schlachten eines Aindes und zweier Schweine und durch dos Verbacken von vier Zentner Mehl zu Kuchen, sowie den nötigen Weinvorrat war für, die Bewirtung der Hochzeitsgäste hinreichend gesorgt. Kreis Lchotteu. lg. Gedern, 12. Aov. Eine Ortssammlung für die Zeppelin-Eckener-Spends ergab hier den 'Betrag von 93,10 Mk. — Dieser Tag? fand die Taxation des Pferdeversicherungsvereins Gedern statt, dessen Tü'ckgreil sich bis jetzt au? 'die Orte Gebern#, Burkhards, Kaulstos. Sichenhausen, Herchenhain, Hartmaimshaiu, Dolkarlöhain, Ober-, Mittelund Aiederseemen, Merkenfriy, Steinberg. Glashütten, Wenings, Hirzenhain, lowie die preußischen Orte Völzberg und Wüstwillemod erstreckt. Der Verein hat dank seiner günstigen Ver- sicherungLbedingungen in letzter Zeit einen günstigen Aus schwang genommen. Der Pserdever- sicherungsverein ging hervor aus der Pferde- kasse Gedern, die bei einem durchschnittlichen Dersicherungsstand von 50 bis 60 Tieren oiwa 50 3ahre lang eine recht segensreiche Tätigkeit entfaltete. 3m Frühjahr 1924 organisierte sich der Verein neu, nachdem während her* 3nffation die Versicherungstätigkeit geruht hatte. Seil feiner Reorganisierung waren 4 Schadenssälle zu regulieren, wozu die Erhebung einer besonderen Umlage erforderlich wurde. Als Vorsitze.'./ ?r des Vereins fungiert Bürgermeister Müller- Gedern. als Rechner Karl Franz IV. Kreis Alsfeld. •er. Homberg a. d. Ohm, 12. Aov. Der hiesige Verschönerungsverein, der ein Zweigoerein de» ..Oberhefsischpn Gebirgsvereins" ist, entsandte am Montag eine Kommission zur Einweihung des wiederheraestellten Rimbergturmes. in der Aähe von Caldern, Kreis Marburg, gelegen. Der Turm hatte 25 3ahre Wind und Wetter getrotzt. bis ihn ein Blitzstrahl arg beschädigte. Dank der Regsamkeit des Marburger Zweig- vereinS. der die übrigen Zweigvereine besonders nach der finanziellen Veite zu begeistern verstand, ist dir Instandsetzung so rasch ermöglicht worden. Trotz der Ungunst der Witterung hatten sich zahlreiche Wanderlustige eingefunden, so daß sich die Feier zu einer erhebenden gestaltete. Berg und Turm, die eine Höhe von 370 Meter aufweisen, gewähren einen wunderbaren Ausblick. Deshalb ist der Besuch dieser Stätte wärmstenS zu empfehlen: denn aus der Kenntnis der Schönheiten der Heimat erwächst die Liebe zur Heimat und damit auch die Liebe zum deutschen Vaterlande. V Lehrbach, 12. Aov. Es ließ sich beim Hochziehen urtferer neuen Glocken nicht vermeiden. daß die Schieserdeckuny des Kirchturmes an einigen Stellen mcht unerheblich beschädigt wurde. Dieser Schaden, sowie noch verschiedene kleinere am Dach des Schisses wurden nun durch Dachdeckermeister Fuhr von Homberg behoben, sodaß jetzt keine Gefahr mehr besteht, daß das 3nnere unseres schönen Gotteshauses durch ein Dringenden Regen notleidet. (!) Windhausen, 12. Aov. Hier ist für die Gemeinderatswahl nur e i n Wahlvorschlag eingereicht worden. Der Vorschlag enthält nur die Aamen der bisherigen Demeinde- räte, die mithin als gewählt gelten. (!) Kestrich, 12. Aov. Auch in unserer Gemeinde ist nur ein Wahlvorschlag zur Gemeinderatswahl gemacht worden. Die Genannten, sämtlich bisher schon Mitglieder des Gemeinderats, sind damit gewählt. Preußen. Kreis Wetzlar. X Dutenhofen, 12. November. Eine Straßenwalze aus Limburg mit anbän- gendem Wohn-, Material- und W a s f erwäg e n. der hier die sehr steile Dorfstraße hinabfahren wollte, kam an der steilen Kurve in der Aähe des Rathauses ins Rutschen, wobei die anscheinend zu spät gebremsten An- hängewagen einen starken Druck ausübten. Die Lokomobile rannte nach rechts gegen eine Mauer und fiel dort um, während die Wagen zum Teil nach links in die tiefe Rinne sich umlegten. Dadurch wurde die ganze Straße gesperrt: es dauerte säst den ganzen Tag, bis alle Fahrzeuge wieder auf die Räder gebracht waren. Glücklicherweise wurden bei dem Tlnglück Menschen nicht verletzt. Dagegen ist erheblicher Materialschaden entstanden. Kreis Biedenkopf. xx Biedenkopf. 12. Aov. Die Sammlung zugunsten der Zeppelin-Eckener- Spende hat in hiesiger Stadt den ansehnlichen Betrag von 1057,10 Mark ergeben. T Waldgirmes, 12. Aov. Die geplante Autopost Wetzlar —Rodheim kommt auf Anregung des LandrctteS von Biedenkopf m i t dem 1. Dezember zustande, da die interessierten Gemeinden das Unternehmen stnanzir- ren. Damit ist aber keine tägliche Verbindung mit Gladenbach und Biedenkopf hergestellt. Der Wagen fährt morgens 7,30 Uhr von Rod- Heim, 8,15 Uhr von Waldgirmes nach Wetzlar, und 3,15 Uhr wieder von Wetzlar zurück. Ob die Einrichtung auf die Dauer bleibt, ist fraglich, da zwischen hier und Rvdheim, acht Kilometer Entfernung mit ziemlicher Steigung, der Wcmen meistens leer fahren wird, da er für Ar- Auch die Arbeiterbevölkerung von WoldgirmeS beiter um diese Zeit nicht in Frage kommt. und Raunheim kann ihn nicht benutzen. Dieser kann nur eine Wagenfahrt hin und zurück zum Schichtwechsel um 6 Uhr morgens, 2 Uhr nachmittags und nach 10 Uhr abends dienlich sein, mit einer Zwischenfahrt gegen 7 Uhr morgens für die Ang-stellten und Schuler mit dem Anschluß In Wetzlar an den Zug 7,26 Uhr nach Gießen und Rückfahrt abends 6,30 Uhr mit Anschluß an den Zug 6,15 Uhr ab Gießen. Damit nicht morgens und abends eine Leerfahrt von und nach Wetzlar gemacht werden müßte, was das ganze Unternehmen verteuerte, ist die Errichtung einer Autohalle in Waldgirmes notwendig. Da cs sich bei dieser Beförderung täglich um etwa 500 Personen von hier und Raun-, heim handelt, darf man wohl annehmen, daß die diesbezüglichen Ginget;en aus beiden Orten wohlwollende Prüfung und Enrgegenkommen erfahren. Kreis Marburg. i' xx Weipoltshausen, 12. Aov. Seit einigen Tagen ist die Hasenjagd offen, und die Treibjagden haben eingesetzt. Hier wurden durch eifrige Aimrode 10 Rehe und 13 Ha- s e n erlegt. Dillkreis. bl. Dillenburg, 12. Aov. Der Dillkriegerbund veranstaltet eine Wohltätig- keitslotterie, deren Reingewinn den Hinterbliebenen und Kriegsbeschädigten des Kreises zugute kommen soll. bL Manderb ach, 12. Tlov. 3m Laufe dieses Jahres sind in unserer Gemeinde 15 Bauten entstanden bzw. gehen der Fertigstellung entgegen. Für unser Dorf^ ist diese Zahl der Aeubauten eine recht beträchtliche. Turnen, Sport und Spiel. V. f. B. Gissten. Nächsten Sonntag findet das entscheidende Spiel um die Me: sterIchaft des Lahnkreises statt. V. f. B. hat seinen aus der nachstehenden Tabelle ersichtlichen Vorsprung gegen Germania 08, Marburg, zu verteidigen. Germania war bis jetzt der einzige Gegner, der V. f. B. im vorjährigen 4:4-Spiel den einzig verlorenen Punkt abnehmen konnte und gegen andere Vereine des Lahnkreises und auch Bezirks- (Gau-) Ligavereine zum Teil sehr hohe Siege herausgeholt hat. Die Mannschaft 'st als äußerst stabil an ^»sprechen. Jbre Hauptstütze ist der rechte Verteidiger, Lotz. Dieses Spiel ist von allergrößter Bedeutung für die Marburger Mannschaft. Je nach dem Ausgang ist ihr die Möglichkeit gegeben, die Kreismeisterschaft zu gewinnen und damit zur Bezirksliga aufzurücken oder aber auch für das nächste Spieljahr der Kreisliga anzuge- bören. In Anbetracht dessen wird der Verein natürlich in stärkster Aufstellung nach Gießen kommen und unter allen Umständen 'mit allen zur Verfügung stehenden Kräften ein günstiges Resultat herauszuholen versuchen. V. f. B. tritt selbstverständlich ebenfalls in bester Besetzung an und will sich die Meisterschaft ganz sichern. Wenn nun der Wettergott noch gnädig ist, sind alle Voraussetzungen für einen großen und intcr essanten Kampf gegeben. Nur wird diesen Kampf der eigentlich selbstverständliche Rahmen fehlen, der Rohmen, der wie in allen anderen Städten gebildet wird durch die Masse der Zuschauer, die den Spor! nicht nur anerkennt, sondern sich an ihm begeistert und durch ihre Begeisterung die Spieler zu höheren Leistungen anspornt. Hoffen wir, daß diese Befürchtung für nächsten Sonntag nicht zn- lrifft, denn wer die Spielweise der D. f. B.-Liga kennt, weiß, daß ein Gang zum ideal gelegenen Waldsportplatz sich lohnt. Es wäre diesem Spiel wirklich ein richtiger Massenbesuch zu wünschen. Vom vorigen Sonntag ist noch der 14:0-Sieg der D. f. B.-Liga über die Dillenburger Liga nachzu- melden. Obgleich beide Mannichaften komplett waren, war das Resultat sehr ungleich. Das Resultat spricht für sich. Kressliga-Tabette. Vereine Spiele gern. unent. verl. P- V. f. B. Gießen 10 9 1 0 19 Germ. Marburg 11 8 2 1 18 B. C. Wetzlar 10 5 1 4 11 Sp. Dg. 04 Gießen 10 3 2 5 8 D. f. R. Butzbach 9 3 2 4 8 .Hessen" Frankenberg 10 1 4 5 6 Sp. u. Sp. Dillenburg 12 1 0 11 2 Kreisspieltag des Mittelrhemkreises der D. T. c. Der diesjährige Kreisspieltag des Mittelrheinkreises der D. T. findet am kommenden Sonntag in der Turnhalle zu Mainz-Kaste! statt. Da der Mittelrheinkreis im Spielbetrieb nach dem Sachfenkreis an weitaus führender Stelle steht, so hat diese Zusammenkunft der Turnerspieler immer besondere Bedeutung, zumal die neuen Handballregeln in Anwendung kommen und neuerdings die Einigung auf die in allen Verbänden geltenden Schlagballregeln erfolgt ist. Für den Gau Hessen werden außer dem Gauspielwart, Turner F. Seibert- Wchlar, noch 5 weitere Turnspieler daran teil- nehmen. Aus dem 4. Bezirk im Turngau Hessen« Der 4. Bezirk im Turngau Hessen (D. T.), dem die Turnvereine Alsfeld, Lauterbach, Schlitz und 18 ländliche Turnvereine der Kreise Alsfeld und Lauterbach angehören, hielt die erste Bezirksvor- turnerftunbe im Arbeitsjahre 1925/26 am Sonntag in der nach dem Schöpfer des hessischen Schulturnens (Adolf Spieß) benannten Spießturnhalle in Lauterbach ab. Die umsichtige Leitung lag in den Händen des bewährten Be- zirksturnwarts B a st i a n (Tllsfeld). Anwesend waren 40 Turnwarte und Vorturner, die sich auf 17 Vereine verteilen. Richt vertreten waren die Turnvereine Eichelhain, Grebenhain, Kirtorf und Brauerschwend. Die Beteiligung muß als gut bezeichnet werden, wenn man berücksichtigt, daß es bei der großen räumlichen Ausdehnung des Bezirks und den schlechten Derkehrsverhältnissen für viele Vereine ein Opfer ist, die Vorturnerstunde zu besuchen. Durchgeturnt und eingehend besprochen wurden die fürs nächste Jahr bei den Bezirks- und Gauveranstaltungen vom Turn- ausschnß des Gaues vorgeschriebenen Freiübungen. Auch die Geräteübungen des Turnplans 1926 waren Gegenstand gründlicher Belehrung, sowohl in theorettscher, als auch in praktischer Hinsicht. In der an die sehr anregend verlaufene Turnstunde sich anschließenden Beratung erstattete der Bezirksturnwart einen zusammen- fassenden Bericht über die Tätigkeit des Bezirks im abgelaufene nT u r n j a h r e. Richt nur bei den Bezirksveranstaltungen, auch beim Gauturnfest in Friedberg und beim Kreisturnfest in Gießen waren den Turnern des Bezirks erfreuliche Erfolge beschieden, die deshalb besondere Anerkennung verdienen, weil der fast rein ländliche Bezirk abseits der turnerischen Zentrale des Gaues liegt unö daher im allgemeinen nicht die reiche Anregung haben kann, die sich anderorts bietet. Besonders Erfreuliches konnte der Bezirksturnwart vom Hermanns- Laut der D.T. Mitteilen, der alle Bezirksvereine mit Begeisterung auf dem Plan sah. trotzdem die Erntearbeiten damals die Turner stark in Anspruch nahmen. Die durch Stimm« zettel vorgenommene Wahl der technischen Leitung des Bezirks ging sehr flott DmxUattcn. Mit Begeisterung und lebhaftem Beifall wurde vor allem die einstimmige Wiederwahl des 1. Be- zirksturnwarts Bastian (Alsfeld) ausgenommen. Da der seitherige 2. Bezirksturnwart Kehm eine Wiederwahl ablehnte, wurde K. Bücking (Alsfeld) mit dem Amt betraut, wahrend als Dezirkswart für das Dollsturnen F. Bohn acker (Schlitz) bestimmt wurde. Eine zweite Bezirlsvorturnerstunde ftndet im Dezember statt. Auch tragt sich der rührige Bezirksvertreter, Ehr. ©u n t r um (Schlitz), mit der Absicht, im Laufe des Winters die Vereinsvorsihen- den des Bezirksvereins zu einer Versammlung einzuladen, um wichtige Fragen der Verwaltung in gründlicher Aussprache zu beraten. Iung-DeutschLcmd, Darmstadt - Moenus-Offenbach 6:4. vv. Moenus-Offenbach hatte sich am letzten Sonntag zu einem Klubkampfe gegen 3ung- Deutschland-Darmstadt in Darmstadt eingefunden. Zehn Staffeln waren die Grundlage zu dem zwischen beiden Vereinen getroffenen Klub- kämpfe. Darmstadt zeigte sich von der besten - Seite Wenn es auch in vier Staffeln das Aachsehen hatte, so war ihnen doch der Sieg ‘ sicher. Berges vom Veranstalter zeigte, das . er in der kurzen Strecke noch zu siegen versteht. Mit 29,2 formte er um Handschlag Gils mit 29,4 auf den zweiten Platz verweisen. Im ; Wasserballspiel waren die Darmstädter eben- - falls erfolgreich. Dung-Deutschland-Darmstadt zweite Mannschaft fertigte Möve-Darmstadt mit ' 4:2 und die erste Mannschaft den Frankfurter £ SV. mit 7:0 ab. Eine Tennishalle in Frankfurt am Main. In Frankfurt a. M. wird im Dezember eine Tennishalle eröffnet, die auf dem Festhallengelände in Frankfurt (in der früheren Tabakhalle des Messegebäudes) für die Zwecke des ■ HallentLnnisfports eingerichtet worden ist. Die f Halle ist durch sechs mächtige Bogenlampen mit j Lichtquellen genügend versehen, ist heizbar und >1 auf drei Seiten von einem Daikon umgeben. / Deutsche Meisterschaften im Mannschastsfechten. vo. Zu den am 14. und 15. Aov. in Berlin (Landw-ehrkasino) stattfindenden Meisterschaften' im Mannschastssechten des Deutschen Fechterbun- drs haben gemeldet: im Florett Hermannia-- Frankfurt, F. C. Offenbach 63, F. E. Ravenna-Berlin. Dresdner F. C.. Fech'.club Deut-// sche Bank Berlin: in Säbel: außer den im Florett 7 Gemeldeten Offizier-Fecht- und Reitdereln, Deutsche Fechterschaft 96 Berlin: im Degen: Her- mannia-Frankfurt. Offenbacher F. E.» - Dresdner F. C.. Berliner F. E. Sportvorschau für Sonntag, 15. November. vo. Der kommende Sonntag bringt kaum ein den Durchschnitt der sportlichen Veranstaltungen überragendes Ereignis, man ist im Rasensport bei den Punktspielen eifrig „an der Arbeit", man turnt, ist im leichtathletischen Wintertrainig, schwimmt — selbstverständlich in der 5)aUe — und sammelt sich, bereitet sich vor zu kommenden Veranstaltungen größeren Stils. Rasensport: Die Punktsviele stehen im Fußball ungefähr an dem Ende der ersten Serie. Norddeutfchland be» ginnt die Spiele um den Norddeutschen Fußball- pokal mit den Vorrunden in Kiel, Lübeck und Bremen. Die Handballspiele stehen ebenfalls im Zeichen des Kampfes um die Meisterschaft, ebenso der Hockeysport. Sofern überhaupt Gesellschaftsspiele ausgetragen werden, sind sie kleinerer Art. — Golf und Tennis, das zum Teil in der Halle gespielt wird, ruhen — im Freien -- ganz. Leichtathletik und Turnen: Die Leichtathleten stehen noch vor ihren Hallensportfesten, die Turner bringen Wettkämpfe und Schauturnen mehr ober weniger unbedeutenden Charakters. Schwimmen: Innerhalb eines kreisoffenen Jubiläumsschwim- . mens des 1. Duisburger Samen S. C. wird Frl.// B r e i in a n n einen neuen 200-m-Dainen-Brust-, schwimrn-Wettrekord-Versuch unternehmen. Delphin Stuttgart-Canstatt veranstaltet ein verbandsoffenes Jubiläumswettschwimmen, während Gau I ein kreis- / offenes Damenjugend-Schwimmfest zur Ausführung bringt. Zu einem Gauoffenen treffen sich die Schle-,. fier in Bunzlau. Clubkämpfe vereinigen in Hannover den Hannoverschen S. V. mit den Wasserfreunden Hannover und Hannover-Linden 99 und in Bremen' den Bremer S. V. und Stern Hamburg. Boxen: Die Kölner Boxkämpfe mit der Entscheidung, Wiegert-Domgörgen in der Deutschen Mit- ' telgewichtsmeisterschast erwecken höchste Spannung. Stuttgarter Boxkämpfe werben ben Weltergewichtsmeister Grim in im Ringen sehen. Fechten: Der Deutsche Fechterbund bringt unter guter Beteiligung seine Meisterschaften im Mannschaftsfechten in Berlin zur Entscheidung. THototfpocf: Der Berliner M. C. bringt seine Clubmeisterschaft über 150 Kilometer von Berlin nach Angermünde und zurück zum Austrag. " Ms ein! die We Ihr Mun! Ächeln 6' fiermor Wie sie Hinan -r ö-lt,eö' FsMir--' Mditton! Gr lebens,n1'1 Zchinerzen & fth itH NNd & S Ärbeü Und au geheim»'-' ien Polen Doch n e‘S 5? (idN $ Ml a"' Jin/in» 1 M kurz' Olle, «n, Untertone jcbem Work iuad), die herjchweble ’Jltm v' von §ew Engelhard! A Auf Pac u.Adv «- - !d Oft 6nt uni unb i?uM 13 Sa. b?n i 8* &tds Milchen Lei. *Ncn. Mt ?«e b0 ?Lbe» i. r-., S Mgrnom. brzulrturnirnn toutbe ä :bei M De^m. Ahe Aeznls. tzj, mit bet M. ereinsborsihen. ^rsannnlung Derwaltimg 'aten. rnistadt - i) 6:4. am letzten gegen Jung, adt emgefunben. ^lage zu bem . Offenen Klub- . von bet besten . c Staffeln bat . doch bei Tieg lter zeigte, bat . zu liegen der- , hanbfch ag Sils . vertvei en. 3m ’ rrnstäbicr eben- - hlanb-'Iamstabt e°Darmstabt mit den Frankfurter, alle Main. n DeMber eine . dem Mallen- , früheren Sabal- die Zwecke bet | vorden ist. Die ogenlamfin mit ! 'ft ^bar unb~ llon umgcöen.,; ften m i tr«. Ävv. in Derlin- Aeifterschaltcn' Ifcn Fechterban' Hermannia-- bach 63, 5.& Fech!clubDe.i>'-, -t ben im Florett - Acitverein, Deut- m Segen; Ser* enbacherF au iovember. bringt taum ein n Veranstaltungen im ^lenfporlbei frbeit", man türm, irrig, ''chwimmt -7 unb jamme» sich- i Veranstaltungen .»ball ungejähk iorddeuGland K' A M ?tnCSrcunbl'r- den ®a' n srenie»? 99 und 'N s , Hamburg- her '«’SS* ehen- »sS5, !Serl>n n Der gsfsfleltr Strom. Roman oon Hermann Stegemann. 62 Fortsetzung (Nachdruck ocrboten ) Flammen schossen aus, Erinnerungen wurden lebendig, verdrängte Sehniucht brach wie entfesselter Wildstrom über sie herein. Er sah sie in der ersten '.Keife ihres irranen- lebens, mit den Fügen des Weibes, das durch süße Schmerzen wissend geworden ist. Die iah den grauen Schimmer an seinen Schläfen und dar, scharf ausgcnrbeitete Gesicht, in das d:e Arbeit ihr ZeichSn geschrieben hatte. Und auf einmal mar der jahrelang unterbrochene geheimnisvolle Kontakt da, der, aus entgegengesetzten Polen gespeist, sie zueinander riß. Doch noch waren die inneren Hemmungen nicht ganz ausgeschaltet, und als Hermann Ingold, wie von Ahnungen ergriffen, planlos zu sprechen, zu erzählen anfing, um dieses beängstigende, brüm ftigc Schweigen und den Bann zu brechen, in den er sie geschlagen sah, wurde der Zwang der Wirklichkeit wieder Meister, und sie entronnen dem Wirbel aufgepeitschter Sehnsucht und ungestillten Verlangens. Hanns blieb nur einige Minuten. Es kam zu einem kurzen Gespräch, das ihre Aufmerksamkeit resselte, im stillen aber horchten sie nur auf die Untertöne ihrer Stimmen, und in jedem Blick, in jedem Wort, in jeder Gebärde wurden Erinnerungen mach, die ruhelos wie die Uferschwalben um sie herschwebten. Nun verabschiedete sich Hanns, und Ruth saß, von Hermann in zartes Schweigen gehüllt, bis Engelhardts schwerer, piüber Schritt den Kies furchte. Sie schrak aus. In ihrem Antlitz lag Verrat. Ihr Mund war Kampf, ihre Augen Schrecken, ihr röcheln Sehnsucht und fassungslose Liebe. Hermann Ingold hatte sich aufgerichtet und blickte sie mit weitgeöffneten, seherisch leuchtenden Augen an. Auf einmal warf er die Decke zur Seite, schwang die Füße aus die Erde und rief: „Professor Engelhardt, Professor Engelhardt, sehen Sie her, ich kann schon stehen!" Er stand wirklich, leicht vornübergeneiol, Schmerz und Taubheit im Leib, und Enaelhardt hatte nur noch Augen für ihn und sah nicht, was das Frauenantlitz verriet. Da itahl Ruth sich fort zu ihrem Kind. Engelhardt kam mit ausgestreckten Armen auf ibn zu, unterstützte ihn, und Hermann machte zehn kleine, steifbeinige -schritte. Dann tastete er, oon i.-.3 nr.ö Sc'-wache überwältigt, nach Ruths Seiiel und glitt hinein. Schwer atmend ließ auch Engelhardt sich nieder. Er faß auf der Kante von Hermanns Liegestuhl. Durch die Brille betrachtete er Hermann Ingold mit forschenden Augen. Er fragte und forschte, hielt eine regelrechte ärztliche Besprechung ab und war ganz Ernst, ganz Professor, Kliniker von Gewicht und Ansehen. Dann entglitt ihm der Faden, und zuletzt kam er ins Schwärmen. „Im nächsten Frühling wirst du wieder festen "-.idcn unter den Füßen haben. Vom Militärdienst ist natürlich noch lange keine Rede, aber ich hoffe zuveriichtlich, daß du in einigen Jahren noch den bunten Rock tragen^wirst. Nach Südwest kannst du freilich weder als Soldat noch als Gold- oder Pe- troleumprospektor. Lis dahin gibt es dort nichts mehr für dich zu tun. Aber die Welt ist groß und Deutschland noch größer. Denn nirgends ist mehr zu tun, als in Deutschland, Hermann Ingold. Festen Boden, Wirklichkeitsboden ja — aber über sich einen unwirklichen und doch voll Ideale hängenden Himmel! Greif hinein, wenn dir der Boden fehlt. Aber wenn du festen Stand hast, Geologe, so recke dich, bis du den Obern von oben spürst, der so vielen, ach, so vielen Menschen verloren gegangen ist!" In Äbsötzen, oon Herzschlägen gespalten, mehr summend als deutlich sprechend, brachte er seine Ansprache zu Ende. Nun lehnte er sich hintenüber an die hochgestellte Lehne unb blickte in die dunkelgrünen Bäume, die von blauen Pflaumen und gelben Aepfeln glänzten. Das rote Dach des neuen Gebäudes schimmerte durch das Laub. ritrawir w nr ri'w iimii --jTggmimi—rniwi'Tmir n i Ein glückliches Lächeln zog über Engelhardts Gesich'. In der Tiefe des Gartens klang helles, kreischendes Kinderlachen. Dom Rhein her im Dreivierteltakt scharfer Hammerschlag. Plötzlich begann Engelhardts Atem zu rasseln, die Züge veränderten sich, die Brust brach zusammen. Ruth kam gerade mit dem Kind den Mittelgang herauf. Hermann rief. Und die Erkenntnis traf sie wie ein Blitz. Sie küßte das Kind, ließ es stehen, lief über die Beete und griff zuerst nach dem Hebel, der den Kranken- stuhl flach stellte. Langsam senkte sich die Lehne. Hermann raffte mühsam die Füße Engelhardts, einen nach dem andern, vom Boden unb schob sie auf das Lager. Sie dachten nicht daran, Hilfe zu holen. Es schien ihnen so selbstverständlich, daß er starb. Er sollte ruhig, sollte sanft sterben. Ruth streifte ihm leise die Brille ab. Er schlug noch einmal die Augen auf, kurzsichtige, trüb- glänzende Augen, die keinen Blick mehr hatten. Sie küßte ihn mit dem Bewußtsein, daß es ein Abschied war. Er schien es noch zu fühlen. Der Atem setzte aus, der schwere Leib sank ein, Ruths Tränen begannen langsam aus sein erkaltendes Gesicht zu fallen. Er war entschlafen, und überirdischer Friede übergoß sein Antlitz. Vom Rhein klang ohne Rast, ohne Hast, scharf im Takt der helle Hammerschlag. Das Kind stand regungslos, einen Finger im Mund, in feinem tunen weißen Kleidchen, wo die Mutter es stehen gelassen hatte, unb äugte verwundert hinüber. Langsam erhob sich Ruth, unb gefaßt ging sie baran, bem Vater bas Grab zu bereiten. Sie telegraphierte an ihren Mann. Am Tage vor der Beerdigung traf Tylander ein. Die Nachricht hatte ihn noch zur rechten Zeit erreicht. Aber Ruth war keines Trostes bedürftig. Sie scheute vor allen Ausdrücken des Beileids zurück. Sie wußte, daß im Grunde nur sie ihn verloren hatte. und vielleicht noch Hermann Ingold. Sie wußte auch, daß er nicht schöner unb friedlicher hätte ft er« ben können. In dem kleinen Orte waren Hochzeit, laufe unb Grabgang eine öffentliche Angelegenheit, unb so würbe Engelharbt unter dem Geleit von Rheinau zu Grabe getragen. Die Werlarbeiter hatten dem Doktor einen Kranz aus dauerhaftem Blech gekauft, an dem wunderbare porzellan^rtige Blüten glänzten. Joseph Hotz stand in seinem Winterrock und mit des Schwagers Zylinder auf dem Friedhof und hielt einen Kranz aus Tannengrün mit den roten Beeren des Dogelbeerbaums in ben Fäusten. Ruch war mit auf ben Friebhof gegangen. Hermann stand, auf feinen Bruder gestützt, am Grab seines besten Freundes. Der schöne klare Herbsttag sah freundlich auf den weißen Sarg, der langsam in die mit Tannen- ästen ausgekleidete Grude sank. Vom neuen Schulhaus herüber tönte heller Gesang. Es war gerade Singstunde, und sie fangen: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt." Da zog ein tränenschweres Lächeln über Ruth Tylanders klares Gesicht. Es war eins von Papas öieblingsliebem. Hanns Ingold hielt ben Bruber, ber, wie aus- gehöhlt, keine Gewalt über feine Glieder hatte, mit Anspannung aller Kraft aufrecht. „Halt mich fest, Hanns!" stieß Hermann hervor, während das Gebet gesprochen wurde. Unb Hanns sah Gerhart Itjlanber neben ihr stehen unb faßte es nicht, baß e r nicht bort stand, e r ihr nicht zunächst war. Nur sie umfassen unb halten dürfen, ihr sagen, daß er sie liebte, immer geliebt hatte, nie aufhören werde, sie zu lieben. Es war ja so vieles in ihm klar geworden! Nach dem Segen traten sie vor und gaben ihr die Hand zum Abschied, einer nach dem anbc.i’. Als Ruth Hermann erblickte, kam sie über die ausgeworfene braune Erde zu ihm hin. So fand auch Hanns Ingold ihre Hand und preßte sie mit wehem Druck. (Fortsetzung folgt.) '>■1 i — i in » umwinaMmeaimw.™ju। Astoria- Lichtspiele Sternheim. 09182 10831c Billige Verkaufstage 10811a Al V sassa Konzertanfang an beiden Tagen ab 4 Uhr nachm. Ab 9 Uhr morgens Wellfleisch mit Kraut. 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Die Regierung hat damit von dem Aufsichtsrecht Gebrauch gemacht, das ihr auf Grund des für die Gesellschaft noch geltenden preußischen allgemeinen Landrechts zustand und das im übrigen in der Urkunde, durch die seinerzeit der Gesellschaft das Recht der juristischen Person verliehen wurde, vorgesehen ist. • Bayerische Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft A. -G., Bayreuth. Rach einer Verlautbarung von Verwaltungsseite hat sich der Stromabsah bei der Gesellschaft -gegenüber dem Vorjahr wesentlich gehoben. Da auch die Installationsabteilung gut beschäftigt ist, dürfte für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ueberschutz und entsprechender Gewinnverteilung zu rechnen fein. • Amerika-Anleihe des Freist a a t e s Oldenburg. Am Dienstag wurde tn Reuhork, wie gemeldet wird, die von der deutschen Regierung gebilligte 3 Mill. Dollar- Anleihe des Freistaates Oldenburg aufgelegt. Die Anleihe läuft von 1—20 Jahre. Der Ausgabekurs beträgt 937/«- Der Zinsfuß bewegt sich je nach dem Fälligkeitstermin zwischen 6.4 bis 1 Prozent. Berliner Börse. (Eigenei Drahtberich! des.G:che e. A izergers".) Berlin, 12.Rov. Die Nervosität der Börse beherrschte auch den Beginn des heutigen Verkehrs. Die Abschlüsse waren so gering, dah eine einheitliche Tendenzbildung nicht er’ folgen konnte und die Kursbewegung mehr von Zufälligkeiten abhing. Typisch für die Geschäfts- stille war die Tatsache, daß z. B. am Schifffahrtsmarkte nicht eine einzige amtliche Notierung zustande kam. Aus den übrigen Märkten mußten gleichfalls zahlreiche erste Kurse ausgesetzt werden. Im allgemeinen erfuhr das Kursniveau gegenüber dem gestrigen Stande nut unwesentliche Veränderungen. Zu den wenigen Svezialwerten, denen die Spekulation stärkeres Interesse entgegenbrachte, gehörten ungarische ^Renten, ferner Pulver-Aktien mit Rücksicht auf die nunmehr erfolgten internationalen Vereinbarungen des Sprengstoff-Kon- zernS und von Eleltrowerten Transradio, die reger umgeseht wurden. Die Mitteilungen über die Anleihe des Kali-Syndi!ales brachten nichts neues und blieben daher einflußlos. Demgegenüber verstimmten jedoch am Kassamarkte die wieder vorliegenden Abgaben und neuen Insolvenz-Berichte. Die Flüssigkeit des Geldmarktes hielt weiter an. Tägliches Geld war reichlich ungebeten und stellte sich auf 71/» bis 9 Prozent. Im Devisenver'ehr nannte man Paris gegen London mit 121.75 bis 122. Warschau ging dagegen gegen den Dollar weiter zurück, da die polnischen Anleiheverhandlungen auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen sein sollen. Die Reichsmark notierte gegen Mittag in Paris 6,02, Amsterdam 59,15V.. London 20,36. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 12. Rov. Die Schwierigkeiten der Berliner Dankfirma Lewinsky, Aeh- laff u. Co. in Berlin, die bereits an der Rach- borse eine weitgehende Verstimmung veranlaßte, wirkte sich im Abendverkehr noch schärfer aus und hatte neue Kursrückgänge zur Folge. Das Geschäft behielt seinen lustlosen Charakter bei. Dagegen bewirkte die Rachricht über das Abkommen Mexikos bezüglich der Wiederaufnahme des Zinsendienstes der mexikanischen Auslandanleihen in Höhe von 503 Millionen Dollar eine rege Nachfrage für mexikanische Werte, die in fester Haltung verkehrtem Für deutsche Anlcchen bestand keinerlei Interesse. bprozentige Reichs- anleihe gingen im freien Verkehr zu 0,210 bis 0,21212 und Schutzgcbictsanleihen zu 4,65 bis 4,7 um. Die Abendbörse schloß in schwacher Haltung. Deutsche Renten: 3> >prozentige Konsols 0,230. Ausländische Renten: 5prozentige Goldmexikaner 43,75, variabel 43,50, bprozentige Sil- bermcxikancr 17,55, variabel 17,70, ..prozentige Irrigationsanleche 28,75, 5prozentigc Tehuan- lepec 17,75. Bankaktien: Commerzbank 93,75, Darmstädter Dank Medio 103.50, Deutsche Dank 103,50, Discontogcsellschaft Medio 101,62, Dresdner Dank 100, Mitteldeutsche Creditbank 89,50, Oestccreichische Kreditaktien 6,75. Montanaktien: Deutsch-Luxemburg 67,50, Rheinische Draunkohlen Medio 124,25, Rheinstcchl Medio 53,75, Rom- bacher Hütte Medio 21.50. Chemische Aktien: Badische Anilin 117,25, Höchster Farben Medio 117. Schiffahrtsaktien: Rordd. Lloyd 72,50. In- bustrieaftien: Daimler 23,50, Dyckerhoft u. Widmann 29,50, Elektrisch Licht und Kraft Medio 90,75, Eßlinger Maschinen 28, Inag 0,3, Karlsruher Maschinen 24,25, Schuckert 63. Börsenkurse. Datum: 5®/> Tentsche SRctdiSautclbe • 4% Deutsche NcichSanleihe . 3'/,"/« Deutsche Reich-anicihe 3°/n Deutsche RcichSanleihe . Deutsche Sparpramienanleihe 4% Preußische Kansals . . . 4U o Hessen pesten 3% Hessen Deutsche Dertb. Tollar-Anl. bto. Doll.-Schay-Anweilug.*) .ör!e SAlufi. f.ur» SHlufjt Ttltfoi Mtl. 11. 11. 12 11. 11. 11. 12 11. 0.2125r 0.2125 •i 21 0.21 — — D,<575 ) 2475 0.225 0 23 0.235 0,235 0,93 Ü 3 0.310 0,305 0 13 — 0.12 3.1225 0,23 0,24 0 215 .45 — — (1,2 0 2 — — — 0 19 — 0,205 0.2 0 05 90 25 90.25 91,75 91.75 97,1 97.1 97,35 97,35 7.6 7 65 7,6 7.7 42 43.75 - 1-0 2' 130.2* 131* 131 2* 94.25* 9 75* 94 25* 94 25' 103.5* 103,5* 103 5* 103,5* 104 5* 10 ,1* 105* 104,5* C6 66 101,4* 101 6* 10!,7* 101,9* 73 81.5* 89,5* — 89,75* 6,8 6.75 6,75 6,75 0.035 U.03 - — • 69* 69* 37 35,5 36.75 36 — ’ —w 34.5* 33* 67,4* 67.5* 67,75* ^8,25* -* 74.6* 74.75* '4.25* 104* fOl* 102* 101,4* 109.5 10) 5 108 107.25 11' 115.9 116 114.5 :>6 34 5 34,13 34 13 44' 44,5* 43.25 66.75* -66 25* □6 5* 65,75* 55.6* 53,75 65* 54.75* 66 5 66.5 66.5 63 45 45 — 67.76* 67.5* 67,4* 73,5* 72,5* 73.5* 56 55 75 — _ 45 45,25 45,25 44,25 - - 75,5 118* 117,2* '18,7* 118,2* 62 62 61 GD,5 117* 117,5' 18* 117 6* 117.5* 17.9* 118* 45 45 — 58* 56.5* 58* 57,5 76,25 76 — 91 25* 91 5* 91* 91* 70,3* — 70,5* 70* 8 67,5 — 63 4* 63* 64.13* 63 75* —1 69,75* 80* 8J* 28 26 5 28 26,5 24.75 23.5 24,25 23 20 20 — - 23 2 > 24 23 - — 89.5 88 — — 55 55 54 53,5 22,5 23.5 23 — 2.62 24 l,i 1.5 ■ 9,5 79 79.25 6 .6 51 50,5 50 5 41,75 44.5 44 44,2> Devisrnmartt Berlin—Frankfurt a. M. Te!egraph'sche Auszahlung '1 Novör. <2 Nov r. Amtliche Noti runa <üclb 1 Brie: Amtliche Norieruna Geld । Brief SlmiL- iHoi. Bun-Aires Brff.'Aniw Christiania .gopenbaaen Stockiiolm HelnngforS Italien - . London. 'J.'eutior! . Varis. • . Schweiz . Sva >t:n Iavan • . '-io de Dien in D-< CeQ. abgeft Prag . . . Belgrad . . Dudavekt. - Bulgarien ^'ssabon Daniig. . Kontt ntin- Wthcn Canada. . Uruguay 168 . 9 l 742 19 01 84.04 103 22 112,17 10 5 16 73 D 33 1.195 16 1 <0 86 59. 3 1 760 I_b3. 9.12 12.415 7.43 1.875 3.035 225 80 64 2.’. 5 5 79 4,197 1.315 D 1’9,2 1,745 19.05 84 2K 193.48 112,45 10,60 16.7 ».38 4.20 6.75 81.08 5 ,97 1,764 634 59,26 12,455 .45 >.895 3.045 1 .275 80 8' 2,385 5 8t 4.2'7 4 325 n tn o t e 168.79 1.741 19.02 84 16 101.27 112.15 10.555 16 73 20.332 1.19' 16.84 <0 84 51.78 .76j ' 632 59,11 12.42 7.43 5,8 5 1.04 11.22.5 80.61 1.375 5 74 4.197 4.30 n. 169,21 1.45 19,06 84 38 103.53 112,4 10,595 16,77 20,3 L2-r- 16.88 1.04 59.92 1.764 0.634 69,25 12.4 7.45 5,895 1,05 0.275 80 83 2,385 5 76 1.207 4,31 Bertm. 12 Novdr cyeld Drie- Amerikanische 'Jiotee..... Belgische Noten ....... Dänilche Noten ....... Englische Noten ....... Franiösische Noten ...... Holländische Noten .... sttelienische Noten...... Norweaische Noten. ... Deuisch.L'kfterr. -100 Aronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ...... Svantsche Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noren . . . <.196 18.9 103.04 20.292 16,81 158.4! 16 69 83. 4 >8.98 111.90 80.62 59.57 12.377 5.84 4.216 19,06 103.56 20.3)2 16 8*1 163,.: 11,77 84 36 59.28 112.46 81.02 59 87 12.437 5,88 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a. M., 12. Noo. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 23 Bries, Roggen, inländischer 17,25, Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 23,50, Hafer, inländischer 18,50 bis 21, Mais, gelb 18,50 bis 18,75, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 38 bis 38.50, Roggenmehl 24,50 bis 24,75, Weizenkleie 9,75 bis 10, Roggenkleie 10 bis 10,25. Tendenz: Geschäftslos. Frankfurter Schlachtviehmarlt. (Eigener Drahtbericht des „Gietzener Anzeigers".) Frankfurt a. M, 12. Nov. Auftrieb: 2 Färsen und Kuh?, 821 Kälber, 1293 Schafe, 755 Schweir.e. Es wurden bezahlt für 100 Pfd. Lebendgewicht: Kälber: Feinste Mastkälber 73 bis 80, mittlere Mast- und beste Saugkälber 62 bis 72, geringere Mast- und gute Saugkälber 51 b:S 61, geringe Saugkälber 45 bis.50. Schafe: Mast- lämmer und Masthammel 42 bis 46, geringere Masthämnvel und Schafe 33 bis 41. mäßig genährte Härnrnel und Schafe (Merzschafe) 25 bis 32. Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kg. 87 biS 90, unter 80 Kg. 83 bis 86. von 100 bis 120 Kg., von 120 bis 150 Kg. und F.ftt- schweine über 150 Kg. 90 bis 92. unreine Saucn und geschnittene Eber 75 bis 85. Marktverlauf: Langsamer Handel, bei Schweinen Ueberst-and. Norddeutsche Mastkälber über Notiz gehandelt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 12. Noo. Der Produktenmarkt war ziemlich unverändert und das Geschäft äußerst ruhig. Dom Ausland besteht Nachfrage nach deutscher Ware. Mehl und Futterartikel weiter vernachlässigt. Es notierten: Weizen, märkischer 223 bis 226, Weizen, Dezember 237 bis 238,5, März 239,5 bis 2-11, Mai 245; Roggen, märkischer 136 bis 139, Roggen, Dezember 154,5 bis 156, März 166,5 bis 168, Mai 172,5 bis 173; Gerste, märkische 184 bis 208; Futtergerste 148 bis 160; Hafer, märkischer 161 bis 170, Hafer, Dezember 175 bis 176, März 180; Weizenmehl 27 bis 31,25; Roggenmehl 20 bis 22,25; Weizenkleie 11,20 bis 11,30; Roggenkleie 9 bis 9,20; Diktoriaerbfen 23 bis 31,5; kleine Speiseerbsen 22 bis 24; Futtererbsen 18 bis 20; Peluschken 16 bis 18; Ackerbohnen 19 bis 22; Wicken 20 bis 25; Lupinen, blau 11,5 bis 12,5. Hochfchulnachrichten. ][ Marburg, 12. Nov. Im diesmaligen Winterhalbjahr (teilt sich die Gesammtzahl der Studenten auf 1342, darunter 230 Frauen. Im letzten Sommer toaren es 2156 und im Winter 1803 immatrikulierte Studenten. Oberhesfischer BienenzüchterverLin. t Hirzenhain. 11. Nov. Nach Beschluß des Vorstandes wurde eine zweite Aus- fchuhfitzung im Herbst für nötig befunden. um eine engere Fühlung zwischen den Vorsitzenden der Zweigvereine imtereinander und dem Vorstand herbeizüführen und innere Vereinsangelegenheiten zu verhandeln. Der Vorsitzende, Lehrer Buß- Leihgestern begrüßte in der heutigen Ausschuß sihung die Anwesenden, die 24 Zweigvereine vertreten. Der neue Vereinsrechner, Oberoermessungssekretär Schäf er- Gietzen, gab einen eingehenden Ueberblick über den Stand der Kassenverhältnrsse des Verein«, die gut zsu nennen sind. Einige Zweigvereinsrechner sind noch mit der Ablieferung der Beiträge an den Hauptverein für 1925 rückständig. Es wurde beschlossen, dah mit Rücksicht auf die Haftpflicht, die jedes Iahr eine Menge beträchtlicher Schäden aufzuteeisen hat, die Beiträge im ersten Halbjahr in 2 Raten zu bezahlen sind. Abmeldungen von Mitgliedern werden nur bis zum 15. Dezember angenommen. Die neuen Dereinssatzungen werden der Frühjahrsausschußsihung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Forderuirg eines Honigschutz- und Seuchengesetzes bis jetzt noch keine großen Erfolge gehabt habe. Wer Dienenseuchen, Faul- brut u. dgl. verheimlicht, lädt eine schwere Schuld auf sich. Zur Fütterung der Dienen darf nur ungebläuter Kristallzucker, aber kein Hutzucker verwandt werden, wenn man seine Dienen vor Schaden bewahren will. Die nächste gemeinsame Wanderversammlung der beiden Vereine, des Kasseler und des Oberhessischen, findet Ende Iuli oder Anfang August 1926 in Wetzlar statt. Der Leitfaden für Dienenzucht von Hensel ist neu erschienen und wird zur Anschaffung bestens empfohlen. Die Wanderredner des Dereins erhalten eine feste Vergütung und sind bei den Vorsitzenden zu bestellen. Das Einheitsglas für Honig wird durch den Deutschen Imkerbund in Kürze herausgegeben werden. Als Zuschuß d>.r hessischen Regierung für 1925 sind vom Ministerium nur 90 Mk. gegen 600 Mk. in 1914 bete iligt teorden. Rach einem im Hotel Iungmaim eingenommenen einfachen Mittagessen und daran sch anschließender Desichtigung der Kirche und der Duderusschen Eisenwerke wurden die Verhandlungen fortgesetzt, teobxi der Radakteur der „Diene" einen Vortrag über die Pflichten und Arbeiten des Vorsitzenden eines Ztee-g- vereins hielt. Er führte folgendes aus: 1. Kein Vortrag soll über eine halbe Stunde dauern und muh dann von der Versammlung besprochen werden. 2. Iede Versammlung soll möglichst auf einem Dienens!ande eröffnet werden mit Vorführung praktischer Arbeiten. Darnach erfolgte erst die theoretische Dehandlung des einschlägigen Stoffes. Mit dem Wunsche, dah Imker uni) Immen gut überwintern, schloß der Vorsitzende nach 5 Uhr die Versammlung. Buntes Allerlei. Magnetische Granitklippen. Die großartigen Granitklippen, die in der Nähe von Schierke im Harz emporragen, haben schon lange nicht nur durch ihre romantische Erscheinung die Aufmerksamkeit erregt, sondern auch durch ihre magnetischen Eigenschaften. Auch Goethe, der ja mehrfach seinen geologischen Studien im Harz oblag, hat dieses auffallende Verhalten der Magnetnadel gegenüber beobachtet. Einzelne dieser Granitklippen im Drockengebiet lenken nämlich eine ihm genäherte, leicht beweglich unterstützte Magnetnadel sehr beträchtlich ab, bisweilen sogar bis zur völligen Umkehrung der Nadel um 180 Grad. Dies ist vor allem bei Den am Bahnhof Schierke stehenden hoch- ften Felsen, den sog. Feuersteinklippen, der Fall, bann bei den südlich von Schierke auf dem Barenberge gelegenen beiden Schnarcherklippen und einigen bet östlich vom Brocken sich anreihenben Hohne- rüpptn sowie dem Jsfenstein her Fall. Man hat bann ähnliches in verschiedenen Teilen der Welt gesunden und als eine recht verbreitete Erscheinung erkannt, daß an hervvrstehrnden Festen eines Gesteins, das meist eruptiver Natur ist, Magnetismus bemerkbar wird. Eine richtige Erklärung dieser Erscheinung ist aber erst durch neuere Forschungen gewonnen worden. Man gab sich früher mit der Annahme zufrieden, daß größere im Gestein steckende Magneterzmassen die Ursache der Ablenkung der Magnetnadel seien. Dem steht aber entgegen, daß der Harzer Granit recht arm an Magnetit ist. Führt man einen besseren nicht zu kleinen Taschenkompaß an den betreffenden Klippen ziemlich nahe vorüber, so wird ihre Einwirkung in rasch aufeinonber fol« aenden Ablenkungen ber Nabel ersichtlich. Aus dieser schnellen Veränderung des Ablenkungswinkels geht schon hervor, daß sich der Sitz des Magnetismus nicht im Innern der Gesteinsmasse, sondern in den äußeren Teilen befindet. Nun ist es F. Böckels gelungen, an Stücken vorher unmagnetischer Gesteine dadurch künstlich Magnetismus zu erzeugen, daß er starke elektrische Entladungen über ihre Oberfläche hin stattfinben ließ. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß auch der an den Felsklippen hervortretende Gesteinsmagnetismus durch ähnliche Einwirkungen, nämlich durch Blitzschläge, hervvrgerusen ist. Harzwanderer, die sich für diese Erscheinungen interessieren, finden Stellen sehr starker Ablenkung an der Nordseite der nördlichen Feuersteinklippe fünf Meter westlich der nach oben führenden Stufen, einen Meter über dem Erdboden, ferner an der Westseite der südlichen Feuersteinklippe 2,7 Meter südlich der Nordwestkante, 1,10 Meter hoch über dem Boden. An der Südseite des nördlichen Schnarchers ist eine starke Ablenkungsstelle durch ein ein- gemeiheltes Kreuz gekennzeichnet, und seitlich von einem herausgebrochenen Felsstück am Fuße dieser Südwand sind zwei weitere Stellen durch schwarze Kreuze angegeben. Büchertisch — Seestern: F u, der Gebieter der Welt. Preis 4 Mk. Verlag von Theodor Weicher in Leipzig. Das erwachende Sostdaritätsgefühl der asiatischen Volker gegenüber dem Anspruch, mit noch nicht 200 000 Europäern die Hunbertmillionenvölker dieses Kontinents politisch beherrschen zu wollen, ist die verhängnisvollste Fernwirkung des letzten Krieges. Mehrere englische Bücher, die schon den Vertust Indiens behandeln, zeigen, wie sehr sich England in Asien bereits in der Devensive fühlt. Eine ahn- liche Bewegung geht durch den afrikanischen Erdteil. Das Spiel wird hoffnungslos verloren fein, wenn ein Wille die Volker Asiens und Afrikas gegen Westeuropa einigt und die Liquidation seines Kolonialgebietes fordert. Aus dieser Situation der nn- mittelbarsten Gegenwart entwickelt ber Verfasser, ber sich aus seinem Buche „Seestern 1906" einst einen Namen gemacht hat, bie Idee feines Buches. Kurz unb knapp bie schwüle Atmosphäre kennzeichnend, führt die Handlung, in die eine' fesselnde Liebesgeschichte verwoben ist, von einer Spannung Sur andern eilend über die Schauplätze, auf denen ich die Katastrophe vorbereitet. In einer grandiosen, ich gegen den Schluß von Szene zu Szene steigernden Handlung gestaltet das gedankenreiche Buch ein nahes Zukunftsproblem zu dramatischen Akten aus und läßt den Leser ahnen, um welche elementaren Kraftkomplere es sich bei dem politischen und wirt- schaftlichen Erwachen Asiens handelt, das sich vor unseren Augen zu vollziehen beginnt. 547 — Luckner-Iahrbuch 1 926, heraus- gegeben von Hans Severin-Schroeöer, verlegt bet Koehler und Amelang in Leipzig. — Der blühende Eros, Roman von Hugo Gabriel Lindner. Ein getreuer Seelenspiegel der ringenden, mit dem Eros in seiner tausendfachen problematischen Gestalt kämpfenden Jugend. Ardhin- gello, Moritz Reiser, Wilhelm Meister sind die Vorläufer, auf deren Linie sich Lindners „Blühender Eros" bewegt. Der Bildungsroman ber Heranwachsenden, kämpfenden, prüfenden und zweifelnden und doch schließlich obsiegenden Jugend. Verlag Wilhelm Borngräber, Leipzig. 644 Goethe: Pakäophron und Neoterpe, ein Festspiel zur Feier des 24. Oktobers 1800. (Verlag von Richard Weißbach, Heidelberg.) Zur Geburtstagsfeier der Herzoginwitwe Amalia hatte Goethe ein Festspiel „Paläophron und Neoterpe" improvisiert, das den Gegensatz des Alters und der Jugend anschaulich geistreich zu versinnlichen wußte, und dessen Besonderheit darin bestanden hatte, daß die wenigen ber Hofgesellschaft zugehörenden Schau- spieker nach antikem Theaterbrauch Masken trugen. Den Goethelesern unserer Tage ist das kleine Stück wenig bekannt, obwohl es nicht nur seines künstlerischen Wertes wegen gelesen und verstanden werden sollte. Denn in ihm stehen goldene Worte: die Mahnung zur aufbauenden, durch keine Verzweiflung zu hemmenden Arbeit, die gerade jetzt als ein deutsches Lebensmotto immer von neuem wiederholt werden müßten. Und als das Beijviel einer innerlich gefestigten gesellschaftlichen Kultur, weil fest in geistigem unb gemütlichem Grunde w»r ^l^d, mag bie Dichtung dem deutschen Leser von he"'e ebenfalls eine Mahnung sein. 181 Aus dem Amtsverküudi^ " * Das Amtsverkündiaun^sblatt Rr. 83 vom 10. Rovember enthält: Fe'ifthurg der Schlacht- und Beschau e .e'. — C ofaYadj- tungen. — Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klaue.i'euche. — Maul- unb Klauenseuche in Rodheim und Ldndorf. Nundsunk-DrOgramm dcs RrrtnffnrHtr T'cnßrrs. (Aus der „Radio-Umschau".) Samstag, 14. November. 3,30 bis 4 Uhr: D.e Stunde der Iugend. 4,30 bis 6 Uhr: Nachmfttagskonzert des Haus- orchestors: Die große Oper. 6 b'.s 6,30 U>r: Die Cefeftunbe (für die re'fere Iugend): AuS „5)ie rote Koppel", eine T orgeschichte von Svend Fleuron. 6.30 bis 7 Uhr: „Reuhorker D lder- bvgen I“, Dortrag von Direktor Otto Dehrens- Derlin. 7 bis 7,30 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung — Vortrag von Demvnd-Wörner: „Goethe. Zelter iml> M ndels- sohn". 7.30 Uhr: Uebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Tosca", Oper in 3 Akten von G. Puccini. WWMM WWW flflö N.lMW. Mähler und Wählerinnen! Der 15. November naht heran. An diesem Tag sollt ihr entscheiden, wer für die nächsten vier Jahre in Kreis und Provinz den maßgebenden Einfluß haben soll. Nehmt diese beiden Wahlen nicht leicht! Ls ist nicht gleichgültig, ob in Kreis und Provinz die international eingestellten Sozialdemokraten mit den Demokraten als Anhängsel die Mehrheit haben, oder ob die nationalen Rechtsparteien die Entscheidung geben. Es ist auch nicht gleichgültig, ob die Vertreter selbstsüchtigster Interessen, der sogenannten Mittelstandsvereinigung und die Vertreter einseitig er konfessioneller Bestrebungen mitdestimmend sind, oder ob die nationalen, christlichen und sozialen Rechtsparteien im Geiste der Volksgemeinschaft die Geschicke von Kreis und Provinz bestimmen. Seid euch also des Ernstes der Wahlen bervutzt! — Wer von der nationalgesinnten, aus das Allgemeinwohl bedachten Wählerschaft, nicht zur Wahlurne geht, stärkt die Gegner. Er hat auch später kein Recht, an dem Ergebnis der Wahlen Kritik zu üben. _ _ Wählt deshalb für die Kreistagswahl den Wahlvorschlag Nr 5 der „Vereinigten Stadt* und Landliste der Deutschnationalen Volkspartei und des Hessischen Landbundes i n Kreise Gießen“, beginnend mit den Namen: Wilhelm Fenchel, Landwirt in Ober-Hörgern Dr. Otto Lenz, Studienrat in Gießen und für die Provinzsaltagswahl ebenfalls Wahlvorschlag Nr. 5 der „Vereinigten Stadt- und Landliste der Deutsch« nationalen Voflksparlei und des Hessischen Landbundes im Kreise Gießen“, beginnend mit den Namen: Wilhelm Fenchel, Landwirt in Ober-Hörgern Carl Schmahl, Amtsgerichtsdirektor in Gießen. Also keine Wahlmüdigkeit oder Gleichgültigkeit! Tut euere Pflicht! VW anü WWW m SIM Mei! Denkt daran, dah euch die seitherige bürgerliche Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung vor sozialistisch-demokratischen Experimenten bewahrt hat. Denkt daran, dah die seitherige Mehrheit in den vergangenen schweren Jahren pflichtgemäß stets das Wohl der gesamten Einwohnerschaft gefördert hat. Denkt daran, dasz es gilt, diese Mehrheit zum Wohle der Stadt noch weiter zu stärken. Denkt auch daran, dah die wirtschaftliche Sonderliste die seitherige Mehrheit gefährdet, denn sie sucht ihre Wähler in den nationalen Kreisen. Denkt auch daran, das; Wahlmüdigkeit und Gleichgültigkeit den Sieg der Unksorientierten Parteien herbeiführen wird. Denkt auch daran, dah ihr alle für unser Gemeinwesen verantwortlich seid! E«c> Dieser Pflicht genügt ihr, wenn ihr am Sonntag der Vereinigten Bürgerliste (Deutsche Dolkspartei und Deutschnationale Volkspartei) Wahlvorschlag Nr. 16 I eure Stimme gebt. Der Wahlausschuß. beginnend mit dem Namen Prof. Dr. Krausmüller WMMSWiU Die geitverhältnifse zwingen uns, auch bei Wahlen uns zusammenzufchließen, um den evangelisch - sozialen Gedanken im öffentlichen Leben zur Geltung zu bringen. Das soll erreicht werden durch die Evangelische Volksgemeinschaft. Sie wird mit aller Entschiedenheit für die wirtschaftlich Schwachen und Bedürftigen (Klein- und Sozialrentner, Kriegsbeschädigte und -Hinterbliebene usw.) sowie für Durchführung sozialer Grundsätze in allen Wirtschaftszweigen eintreten. Die Eo. Volksgemeinschaft wird im Kreis- und Provinzialtag neben einer umfassenden Wohlfahrtspflege durchgreifende Erlasse zur Heilighaltung des Sonntags und zur Bekämpfung der Vergnügungssucht fordern. Sie wird darüber hinaus auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens tatkräftig und unter Betätigung christlichen Sinnes Mitarbeiten. Evangelische jeden Standes, in unseren Reihen ist euer Platz! Wählt darum am 15. November in Dorf und Stadt geschlossen für Kreis- und Provinzialtag 103270 Vahlvorfchlag Nr. 12 Evangelische Volksgemeinschaft. H-Ziier-Ioliwg in guter Lage zu mieten oder auch kleineres GinfamilienhauS zu kaufen gesucht. Schriftliche Angebote unter 10826D an liefert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und oreiewert die örflhFiche Univ.-Druckerei. R. Lange. PM-Ipatt und io, c Kinos Vorrätig in allen Preislagen. Photohaus Karn, Schuistr. den Gießener Anzeiger erbeten. Drucksachen äi SerÄrt Erklärung. Anläßlich der Stadtverordnetenwahl haben wir bei sämtlichen Kandidaten angefragt, ob sie im Falle ihrer Wahl „tatkräftig" für die Förderung des Wohnungsbaues eintreten wollen, insbesondere dafür: 1. das) die ganze aiU die Stadt entfallende Sondersteuer für den Wohnungsbau verwendet wird: 2. dah schnellstens von der Stadt weiteres Baugelände zu erschließen ist, wobei Heimstätlengebiete festzusehen wären, in denen nur Kleinwohnungen im Flachbau zulässig sind: 108180 3. daß d. Stadt alles Gelände, das ihr zu angemess. Preis zugänglich ist, erwirbt; 4. dah das Erbbaurecht in Gießen zur Durchführung gelangt: 5. das) die Stadt Gießen gehalten ist, Bauplätze zum Selbstkostenpreis abzugeben unter Bedingungen, die jede Spekulation ausschliehen. Unumschränkt zustimmend haben geantwortet: die sozialdemokratische und die deutsche demokratische Partei, ferner je 1 Kandidat der deutsch-nat. und der Zentrumspartei. Mit den Fragen 2-5 sind einverstanden die seitherigen Mitglieder der Fraktion »Freie Bereinigung". Den Fragen 1 u 3 hat die Mittelstandsvereinigung zugestimmt. Das Schreiben der deutschen Dolkspartei enthält keine Antwort auf die gestellten Fragen. Keine Antwort erteilte die kommunistische Partei. Ortsgruppe Gießen des Bundes deutscher Bodenreformer. Me MMlrl MWMMWlMlei Unsere Wähler, die nicht in der Lage sind, nach ihrem Wahllokal zu Fuß zu gehen, werden gebeten, dies am Sonntag v. S Uhr ab unserem gemeinsamen Wahlbureau — Hotel Viktoria - evtl, durch Fernsprecher Rr.38 mitzuteilen. Abends treffen sich die Parteifreunde der Deutschen Volkspartei im Hotel Hindenburg, die der Deutschnationalen Volkspartei im Hotel Viktoria. An beiden Stellen werden die Wahlergebnisse bekannt gegeben. 108230 Der Wahlausschuß. Vogel- futter 1 Vogelkäfige Vogelsand SM - niemanö, MänSburg 17. Tel. 240 auch nachts Fensterleder i echte ChamolSledcr, von Mk. 1.60 Ott. Baer $ Bamberger Walltorstraste 12. Der Wahlausschuh. Metttat Herr r»r mcb.