warz und farbig 0.75 r mit Futter, alle j ' Futter' in vielen g QA ■legante Wildleder- a'aa 'hwarz und farbig QiVU 8 AW "'°d° WS ;«8 L U/r L LZ 'onnten Tim,,« " lich ih^L Sfe?" unb Kbenbet Lj^» tl, Besicht, lcI. 6cÖ>fteebauhh?6 in ^alen Ant ^ ,"' nc OlnttDott • lnb * 6 der die £[nnZ n c8 -6" tes folgt) 9536a ten chwestrnchaus eK0D igen SomiatzSMM Ich ! m geb. Sprengel j tim pielhaus Mittwoch GISÄ* »:-saS 'gi&Sv ldiivfebiuns^ ?^akbe" tiBSsS**1 KKi ZMi» o-6oldwün-Hlm Schwester * 9455c Nr. 240 Erstes Blatt (L) (75. Jahrgang 1 Dienstag, 15. Oktober 1925 Erschein! täglich, auger 5oniu und Feiertags Beilagen: GießenerFamilienblätter Heimat im VUd. Monatr-Lezugspreir: 2®olbnjprb u 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: schriftlcitung 112, Verlag undGeschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerSietzen. Postscheckkonto: Frankfurt a. M 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Vuch und Steindruckerei R. Lange in Stehen, ächriftleitung und Seschäftrftelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichlreit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichll, auswärts 10 Goldpfennig; für Reklame-Anzeigen D.70mra Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrist 20°,., Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r.Friedr. Wilh Lange; üt den übrigen Teil: Ernst Blumschein, für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen S Der Fall Barmat-Uutister. Die Schlußfolgerungen des preußischen Untersuchungsausschusses. Berlin, 12. Oft. (T.U.) 3m Barmat- ausschuß des Preußischen Landtages wurden zu Beginn der Vollsitzung die Beschlüsse vorgelegt, die der Unterausschuß in mehrtägigen Beratungen gefaßt hat. Es wird folgendes fest- gestellt: „1. -Der Kredit der Staatsbank an d i e Firma Michael & C 0., Berlin, ist ordnungsmäßig zur Erledigung gekommen. Einwirkungen Dritter bei der Hergabe des Kredits haben sich bei den Untersuchungen des Ausschusses nicht ergeben. 2. Letzteres gilt auch für die Geschäftsverbindung der Staatsbank mit Kutisker bzw. mit der E. von Steinbank, deren Generaldirektor er war. Das Gesamtengagement der Staatsbank bei der Steinbank beträgt 142 Millionen, von denen nur ein mäßiger Teil gerettet werden dürfte. 3n erster Linie trifft die Schuld an dem zu erwartenden Verlust den Bearbeiter des Kontos Rühe. Zu mißbilligen ist, daß die Staatsbank sich mit Kutisker in spekulative Geschäfte eingelassen hat. 3. Hinsichtlich der Einreise der Barmats und der Niederlassung in Deutschland sind die nachfolgenden Tatsachen festgestellt worden: Die Ausstellung eines Dauersichtvermerks erfolgte auf Ersuchen des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amt Dr. T 0 rpffer, und zwar im wesentlichen mit Rücksicht auf die angeblichen intimen Beziehungen Barmats zu dem verstorbenen Reichs Präsidenten Ebert. Derartige Beziehungen sind nicht erwiesen. Zwecks Erlangung der Einreiseerlaubnis für Angehörige der Familie Barmats hat sich Abg. Heilmann in mehreren Fällen an den damaligen Außenminister Müller-Franken gewandt. 3n gleicher Rich- tung ist Polizeipräsident Richter einige Male tätig gewesen. 4. 3n der Wohnungsangelegenheit der Brüder Julius und Henri Barmat sind bei Erwerb und Bezug der Villa auf Schwanenwerder 2turd) Julius Barmat Unregelmäßigkeiten nicht vorgekommen, während das bei der, wenn auch nur vorläufigen Einweisung des Henri Barmat in seine Wohnung Kurfürstendamm geübte Verfahren m i t den damaligen Vorschriften nicht im Einklang stand und auf die Empfehlungsschrei- hen des Ministers Dr. Höfle und des Abgeordneten Lange-Hegermann und der Staatsbank zurückzufübren fei. 5. 3m Mar 1923 hat Darmat den Verkehr ijiit der Staatsbank aufgenommen. Zur Einführung bediente er sich der Empfehlungsschreiben des Reichskanzlers a. D. Bauer und des sächsischen Gesandten in Berlin Dr. Gradnauer. Eingerechnet die Konzernkonten und auch die laufenden Zinsen belief sich damals das Engagement der Staatsbank auf rund 141,'? Millionen Mark. Der größere Teil dieser Summe dürfte verloren sein. Der Zweck des Kredits war im Gegensatz zu der Kutiskerschen Kreditpolitik im allgemeinen zu L rechtfertigen. Die Staatsbank hat dabei aber k ihren Aufgabenkreis überschritten. Die Schuld an dem zu erwartenden schweren Verlust auf den Konten der Steinbank und der Am ex ima waren auf Mangel in der Organisation und persönliche Fehlgriffe der Sachbearbeiter und auf das b u r e a u k r a t i sch e System der Staatsbank zurückzuführen. Der Ausschuß hält die Beseitigung des Prasidial- . zugunsten des K 0 l l e g i a l s h st e m s in der Leitung der Staatsbank für wünschenswert. Die Beweiserhebung hat nicht ergeben, daß bei der Gewährung der Staatsbankkredits an die hier behandelten Konzerne im politischen Geben stehende Personen sich direkte oder indirekte Vorteile verschafft haben. 3m übrigen ist der Ausschuß der Auffassung, daß der Abg. H eil- mann sich unvorsichtig verhalten hat. Abg. Heilmann ging dabei von der Ueberzeugung der Kreditwürdigkeit des Barmatkonzerns aus. Gegen diesen Passus stimmten außer den Komm uni st en auch die Deutschnationalen. Der Vertreter der Sozialdemokraten stimmte dem Beschluß nur mit dem Vorbehalt zu, daß sich eine Einigung aller oder fgft aller Fraktionen auf dieser Formulierung erzielen lasse. Der Berichterstatter hielt seinen Antrag aufrecht. Er lautet: 3m übrigen ist der Ausschuß der Auffassung, daß der Abg. Heil- mann die ihm als Parlamentarier gezogenen Grenzen überschritten hat. - Gegen den Abschnitt stimmte der Vertreter der Kommunisten und der Wirtschaftlichen Vereinigung. WMter heißt es: Der Polizeipräsident Dichter hat nicht diejenige Zurückhaltung gewahrt, die feine amtl ich e Stellung erfordert hätte, ebenso der Reichskanzler a. D. Bauer. Vach Ter'e ung der Feststellungen des Unterausschusses kam die Stellungnahme der Parteien durch die Vertreter des Ausschusses zum Ausdruck. Abg. Dr. Derberg (Dtschnat.) sprach zunächst dem Vorsitzenden Dr. Leidig den Dank des Ausschusses für seine Arbeiten aus. Der Redner stellt fest, daß intime Beziehungen zwischen dem Reichspräsidenten Ebert zu Barmat nicht bestanden hätten, daß der Reichspräsident sich sogar gegen die amtliche Begünstigung Darmats gewehrt habe. Die Beziehungen Barmats zur Staatsbank seien zweifellos durch das Empfehlungsschreiben Bauers eingebettet worden. Bauer habe damit mindestens grob fahrlässig gehandelt. Das Artikel 16 und die Garantie des Ostpaktes. Poincares Schatten. Eigentlich ist es doch merkwürdig, daß die Franzosen und Engländer nicht genug Randbemerkungen machen können über die angebliche Abhängigkeit der deutschen Delegation von ihren innerpolitischen P ar - tei ström ungen; während in Wahrheit die Abhängigkeit Brian ds von der Heimat sehr viel größer ist. Man kann schon sagen, daß das Gespenst Poincare seine Schatten auch auf Locarno wirft, psyHwlogisch schon aus dem Grunde besonders ftarf, weil Herr Briand es bereits in Cannes erlebt hat, daß unmittelbar bevor er seine Unterschrift unter einen europäischen Pakt sehen konnte, Poincare ihn in der Kammer stürzte. Jedenfalls ist die Undurchsichtigkeit der französischen inneren Politik erheblich größer, als die deutsche. Briand weiß überhaupt kaum, auf welche Mehrheit er sich stützt, nachdem sein Ministerpräsident Painleve kurz vor den Sommerferien die Pferde wechseln und mit der Rechten anstatt mit der Linken weiterregieren wollte, während er sich neuerdings zu überlegen scheint, ob das die richtige Taktik gewesen ist. 3edenfalls sind die Pariser Stimmungen von rechts und von links her für Locarno von ausschlaggebender Bedeutung, und deshalb ist es gut, wenn wir einmal für uns die Bilanz der französischen Politik des letzten halben 3ahres ziehen. Da ist zunächst der unzweifelhafte Erfolg in Marokko. Ob es freilich richtig ist, wie der spanische Diktator gesagt hat, daß der Marokkokrieg endgültig beendet und erledigt sei, dahinter kann ein dickes Fragezeichen gemacht werden, immerhin für dieses 3ahr ist der Kampf wohl zu Ende, da die Rege nzeit beginnt. Abd ei Krim hat eine schwere Schlappe erlitten, vielleicht aber hat er die Absicht, die Gegner hinter sich herzuziehen, damit sie sich in den ungeheuren Wassermengen der Regenperiode fest laufen und dadurch ihre Widerstandskraft verringert wird. Fragt sich nur, ob fein Ansehen bei seinen eigenen Stämmen fest genug begründet ist, um die moralische Einbuße, die er durch die Preisgabe seines Hauptquartiers erlitten hat, aushalten zu können. 3nzwischen hat die französische Regierung die günstige Gelegenheit benutzt, um den ihr höchst unbequemen Marschall Liauth ey abzusägen. Nebenbei bemerkt ein krasser Beweis nationalen Undankes. denn Liauthey ist derjenige gewesen, der seit fast 20 3ahren allen Befehlen zum Trotz die Eroberung Marokkos durchsetzte, der es also eigentlich nicht jetzt, wo das Werk vollendet ist, verdient hat, daß er über die Klinge springen muß. Sein Vachfolger ist aus dem Kabinett Painlevs, der bisherige 3nnenminifter Steeg, der durch Herrn d e Monzie erseht wird, dem bisherigen Kultusminister, der soeben erst eine Gastrolle in Deutschland gab. Eine kleine Verschiebung, die parteivolitisch wohl nicht allzu viel bedeutet, aber das Ende des Marokko-Krieges ist für alle Fälle ein Plus, womit das Kabinett in der Kammer aufwarten kann. Dafür ist die Amerikasahrt Caillaux ebenso bestimmt ein Minus. Er Halle sicher damit gerechnet, daß er die französischen Schulden endgültig zu einer billigen Quote regulieren würde und ist jetzt nur mit einem Provisorium wiedergekommen, das allerdings billig genug ist, da es für die nächsten fünf 3ahre die Zinszahlung nach Veuyork von zweihundert auf vierzig Millionen Dollar ermäßigt . Sehr viel schmerzlicher aber ist doch, daß Frankreich Geld braucht und im Zeichen des Provisoriums von drüben kaum eine Anleihe erhalten wird. Die kurzfristigen Verpflichtungen auf dem inneren Markt reißen das kunstvolle Gebäude des Gleichgewichts über den Haufen, bis Ende des 3ahres muß Geld geschaffen werden, daß die innere Goldanleihe, die Caillaux gegen alle Widerstände durchgedrückt hat, hinreicht, um alle Verpflichtungen zu lösen, ist mehr als ungewiß; bleibt also das große Geheimnis wie der Etat künftig ausbalanciert werden soll, ohne den Zorn des Keinen Rentners wachzurufen. Man versteht es daher schon, wenn Briand Wert darauf legt, in Locarno etwas Positives zu schaffen, wenn er auch erneut von den aussichtsreichen Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs gesprochen hat. Wieweit ihm das von Herzen gekommen ist, mag dahingestellt bleiben. Er weiß, daß auf deutscher Seite die Bereitwilligkeit zu einer solchen Zusammenarbeit besteht, aber nur dann, wenn Frankreich auch gewillt ist, die politischen Konsequenzen daraus zu zieben und die Erobererpolitik im besetzten Gebiet aufzugeben. Alles in allem ergibt sich jedenfalls, daß Briand im Interesse seines Kabinetts einen Erfolg braucht, daß deshalb Frankreich in Locarno keineswegs am längeren Arm des Hebels sitzt. Und so werden wir ein starkes Entgegenkommen zu erwarten haben, wen wir nur die Nerven behalten, um einem diplomatischen Druck nicht nachzugeben. Die Montagssitzung. Ein optimistisches Kommunique. Locarno, 13. Ott. (TU.) Die erste Sitzung der neuen Woche ist Montag vormittag pro- grammäßig um Vall Uhr eröffnet worden. Dr. Stresernann verlieh das Esplanade-Hotel schon eine halbe Stunde früher, um vor der Sitzung Herrn Briand zu besuchen. Der rege Depeschenwechsel, der nach Gerüchten zwischen der deutschen Delegation und Berlin stallgefunden haben soll, beschränkt sich nach der Angabe Dr. StresernannS auf eine private Unterhaltung mit seiner Gattin. Damit entfallen auch die Gerüchte, daß bereits ein [tarier Druck von Berlin auf die Delegation ausgeübt worden sei. Vach Angabe eines prominenten Mitgliedes der Delegation ist daran nicht ein einziges wa hres Wort. Man darf vielleicht hinzufügen, daß die Konferenz, da nicht nur der heutige Tag, sondern auch die nächsten folgenden heiße Kämpfe bringen werden, noch gar nicht wett genug vorgeschritten war, um einen solchen Druck schon als taktisch richtig erscheinen zu lassen, da er bisher nur eine verfrühte Verausgabung bedeutet haben würde. 3n den nächsten Tagen wird die Delegation die Unterstützung der Heimat allerdings noch dringend brauchen. Die Vormittagssihung war kurz vor 12.30 Uhr beendet. Bei ihrer Rückkehr in das Grand- Hotel äußerte Briand, daß em ernstlicher Fortschritt in der Völkerbunds frage erreicht sei, Chamberlain erklärte lachend, er wäre alle Tage in Locarno zufrieden und wäre auch heute befriedigt. Auf weitere Fragen über den Verlauf der heutigen Vormittagssihung äußerte der Kabinettschef Briands sich dahingehend, da ßtatsächlich sehr ernste F 0 rt schritte auf dem Wege zu einer Verständigung erzielt worden seien. Doch wäre es fälschlich, daraus bereits den Schluß zu ziehen, als ob nun alle Schwierigketten aus dem Wege geräumt feien. Das über die heutige Vormittagssihung aus gegebene Kommunique hat folgenden Wortlaut: In der heutigen Zusammenkunft wurde die Ger.eraldiskussion über die Fragen wieder ausgenommen, die durch die eventuellen Signatare des Sicherheitspaktes aufgeworfen worden sind. In Verfolg des Ersuchens der deutschen Delegation um ergänzende Klarstellung fand ein allgemeiner Gedankenaustausch unter den verschiedenen Delegationen statt, als deren Ergebnis ein Fortschritt der gemeinsamen Arbeiten In Richtung einer befriedigenden Lösung der erörterten Fragen sich ergab. Die Konferenz vertagte sich bis Dienstag nachmittag. Die Verlegung der nächsten Vollsitzung auf Dienstagnachmittag deutete bereits an, daß man vorher eine Reihe von persönlichen Besprechungen zu veranstalten beabsichtigte. Solche fanden heute nachmittag von 4 bis 6 Mr zwischen dem Reichskanzler Dr. Luther, Reichsaußenminister Dr. Stresernann, dem französischen Außenminister Briand, Chamberlain sowie den Staatssekretären der drei Mächte statt. Dabei stand tm wesentlichen der Komplex der Ostfragen zur Erörterung. Ein für Montagabend vorgesehener Besuch des polnischen Außenministers beim Reichs- außenminister Dr. Stresernann mußte wegen eines leichten Unwohlseins des polnischen Ministers auf Dienstag verschoben werden. Die Unterredung wird anschließend an einen Besuch des Grasen Skrczynski bei Reichskanzler Dr. Luther erfolgen. Der Stand der Verhandlungen. Der Ausweg fürArtikel 16. — Die Schwierigkeiten der östlichen Garantie. £ o n b o n, 12. Oft (I. U.) lieber den Artikel 16 hat man heute anscheinend eine Einigung gefunden, die etwa in folgender Richtung liegen dürfte. Die deutsche Delegation hat erreicht, daß die vier Hauptmächte Im Völkerbund, mit denen wir augenblicklich verhandeln, dem Artikel 16 eine Interpretation geben, die uns auch für den Fall, daß Deutschland als Mitglied des völkerkmndsrates der Feststellung einer Macht als des Angreifers zustimmt, volle Handlungsfreiheit laßt. Diese Auslegung bezieht sich namentll chauf die Anwendung des Artikels 16, der nicht eine Verpflichtung, sondern nur eine Empfehlung ausdrückt. Die Alliierten wollen diese deutsche Handlungsfreiheit in einer besonderen (Erklärung ausdrücklich betätigen, und zwar ausdrücklich für den gesamten Artikel 16, also für den Durchmarsch durch deutsches Gebiet, die aktive kriegerische Teilnahme Deutschlands unb — wie der deutsche Auhenminister in der heutigen vormittagssihung ausdrücklich unterstrichen hat — auch für die Teilnahme Deutschlands an wirtschaftlichen Sanktionen in jeder Form. Damit dürften die Gefahren des Artikels 16 für Deutschland ausgeschaltet werden können, unter der Voraussetzung, daß die Garantieerklärung der vier Hauptmächte im Völkerbund sich als ausreichend erweist. Sehr viel schwieriger liegen jetzt die Dinge in der Frage der Garantie f ü r d e n O st e n, die das hauptthema der heutigen Vachmittagszusammenkunft der vier großen Mächte gewesen ist. Die deutsche Delegation muß es ablehnen, den Franzosen in einer Garantie für die deutschen Oftverfräge, in welcher Form auch immer, irgendein Sonderrecht zuzngestehen. Urteil des Untersuchungeausschusfes über Heil- mann sei zu milde. Die Stelle der Staatsbank, die die Entscheidung über die Kredite hatte, habe vollständig versagt. Abg. Dr. Schworing (Zentr.) bezeichnete Kutisker ass einen ausge'prochenen Glücksritter. Die Orgcu.e der Staatsbank seien den Ereignissen nicht ge wachsen gewesen. Das Ergebnis seien zehn Millionen Mark Schädigung der Staatsbank. Doch sei der Sie "erzahler Darrnat mit Kutisker in keiner Weise zu vergleichen. Kaufmännisch sei er eine ganz her» vorragende Persönlichkeit. Er habe sich fortgesetzt als Deutschenfreund bewährt. Barmat sei das Opfer der Deflation geworden. Den guten Glauben werde man Heilmann nicht abstreiten können. Abg. Dr. Pin kerneil (D. Dp.): Kutisker ist der Typ des Schiebers oft lieber Provenienz. Darmat war nicht der Typ äes Kaufmannes, fonbem der ausgesprochene Hä ndler internationaler Färbung. Er erlitt Schiffbruch in dem Augenblick, als er Kaufmann werden wollte. Del sämtlichen Geschäften Darmats haben Polltische Momente mitcesprochen. Darmat sah, daß die Mächtigen, die ihm helfen konnten, die Politiker waren. Für die Höhe der an Darmat gegebenen Kredite hat die Staatsbank nicht das richtige Augenmaß für den Wert der den Krediten zur Deckung dienenden Unternehmungen bewiesen. Es bleibt ein endgültiger Verlust übrig, der das Kapital der Staatsbank um das Doppelte übertrifft. Hätte sie nicht den preußischen Staat hinter sich, dann hätte die Staatsbank Konkurs anmelden müssen. Den Beschluß des Unterausschusses werden wir im wesentlichen annehmen. Wir haben aber gesehen, daß das Wort von einem „deutschen Panama" sich nicht als berechtigt erwiesen hat. Abg. Bartels (Komm.) fordert wirksame Kontrolle der Staatsbank durch Arbeiterund Angestelltenräte. An der Seßhaftmachung des Schi.bers Kutisker sei indirekt der Oberbürgermeister D5H schuld. Der Redner stellt einen Antrag, allen Abgeordneten die Uebernahme von Aufsichtsratspo- ft en in kapitalistischen Betrieben z u untersagen. Abg. Heilmann, mit dessen Glaubwürdigkeit als Zeuge man sich noch werde beschäftigen müssen, sei einer der verschlagensten Vertreter der Veureichen, die hinter der demokratischen Republik standen . Den früheren Polizeipräsident Richter könne man unmöglich milder behandeln als er seine mittleren und unteren Beamten behandelt habe. Der Redner kündigt einen Antrag auf Einleitung eineö Disziplinarverfahrens an. Der Redner verliest dann die kommunistischen Feststellungen über die Verhandlungen des Ausschusses, die sich in Richtung seines Plaidotzers bewegen. Mit Bezug auf den ehemaligen Reichskanzler Da uer heißt es darin: Seine Verbrechen am deutschen Volke mußten mit Zuchthaus gesühnt werden. Anstatt dessen erfreut sich Dauer voller Freiheit. Das Urteil des arbeitenden Volles werde ein anderes sein, als der geradezu lächerliche Freispruch dieses Untersuchungsausschusses. Abg. Vuschke (Dem.) weist hin auf die außergewöhnlichen Verhältnisse der Inflationszeit. Die drei Vamen Michael, Kutisker, Barmat hätten nicht willkürlich zusammengestellt werden dürfen, denn Wichael sei ein deutscher Staatsangehöriger aus alter Kaufmannsfamilie, der in der Seit der Geldknappheit der Post Gelder geliehen habe. Das Geschäft mit dem Hanauer Lager hätte die Staatsbank unter keinen Umständen machen dürfen. Barmat fein ein Mann von außerordentlicher Energie. Kritisch feien die Dinge erst geworden, als Barmat den politischen Einfluß feiner Parteifreunde für seine geschäftlichen Zwecke ausnutzte. Die sozialdemokratischen Führer hätten hier rechtzeitig abwin- ken müssen, wie der verstorbene Reichspräsident Ebert es getan hqt. Gerade auch angesichts der Verbindung Heilnfann-Darmat sollte der Ausschuß einmütig zum Ausdruck bringen, daß Empfehlungsschreiben Abgeordnete r für Privatpersonen zur Erlangung öffentlicher Kredite unzulässig seien. Bei den Empfehlungen für Barmat sei d i e Grenze des Parlamentarischen überschritten worden und das Urteil über Dauer fei außerordentlich milde ausgefallen. Das Abstoßende an Barmat sei, daß er seine Freunde immer rücksichtslos ausnutzte Ueberaus anmaßend fei das Verlangen Barmats, daß man endlich dafür sorge, daß ihm fein „Recht' werde. Bei vorsichtiger Schätzung würden durch Bar- mat 24 Millionen an öffentlichen Geldern verloren. Dann bespricht der Redner noch das Verhältnis Richter-Barmat. Es handle sich da insofern um gleich gestimmte Seelen, als auch Richter seine Freunde bis zum Letzten ausnutjte. Vach Beendigung der ausgedehnten Aussprache wurde die Abstimmung vorgenommen, die eine fast einstimmige Annahme der Anträge und Feststellungen des Unterausschusses ergab. Dagegen stimmten in den meisten Fällen nur die Kommunisten. Gegen den Vorschlag des Unterausschusses in Sachen Hellmann stimmten auch die Deutschnationalen. Alle Abänderungsänträge verfielen der Ablehnung. Damit sind die Arbeiten des Unteraus^ schusses beendet. Erschwert wird ferner die tage durch die Tatsache, daß in den sogenannten 3tebenfragen, die für Deutschland von ungeheurer Bedeutung sind, und die als Voraussetzungen für den Sicherheitspakt überhaupt gellen können, kaum ein roefenl- licher Fortschritt zu verzeichnen ist. Staatssekretär Kempner zur Berichterstattung nach Berlin. Berlin, 13. Oft. (£11.) Zur Unterrichtung des Reichspräsidenten und des Reicks- kabinetts über den gegenwärtigen Stand der gesamten Besprechungen in Locarno ist der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Kemp- n e r, Montag abend von Locarno nach Berlin a b g er e i st. Die Reise Dr. Kempners kam recht überraschend, da der Staatssekretär den Abend über noch an einem Essen und darauffolgendem Zusammensein teilgenvmmen hatte, daS der Reichspressechef der neutralen Presse im .Hotel Esplanade gab. Wie bereits früher angedeutet. war vor der Konferenz im Kabinett vereinbart worden, daß Dr. Kempner, falls es notwendig werden Tollte, für diese Mission in Aussicht genommen wurde. Verhandlungen mtt den Tschechen. Locarno, 12. Olt. (£11.) Nachdem Dr. Denesch Sonntag abend Herrn Dr. ©trete» mann snnen Besuch zur ersten Besprechung gemacht hatte, war Montag nachmittag Ministerial» direktor Dr. Gaus bei dem tschechischen Außen- Minister, um mit ihm die Fragen des deutsch» tschechischen Schiedsgerichtsvertrages zu besprechen. Im Verlaufe der Unterredung machte Dr. Bencsch den deutschen Juristen mit dem Experten der tschechischen Kommission Professor Kretsch- m a r bekannt. Die Tschechen haben bekanntlich einen Vertragsentwurf bereits vorbereitet, der den ursprünglichen Entwurf des Westpaktes zur Grundlage nimmt. Zur Begrün-- ldung dessen kann man von tschechischer Seite hören, daß der Westpakt so gut formuliert fei, daß er nach tschechischer Ansicht wundervoll als Modell dienen könne. Auf deutscher Seite ist man begreiflicherweise ganz entgegengesetzter Ansicht. Die deutsche Delegation dürfte eS abgelehnt haben, den tschechischen Entwurf zur Grundlage zu nehmen. *err Dr. Gautz hat deshalb Herrn Denesch ein Exemplar des deutsch- schweizerischen Schiedsbertra^es mir dem Ersuchen üöermittelt, es für die Weitersührung der Besprechung zu studieren. Die Besprechung Dr. Gauß' mit den Tschechen dauerte etwa 3/4 Stunden. Sie wird Dienstag zwischen den deutschen und den tschechischen Juristen fortgesetzt. Es verlautet, daß Dr. Benesch seine Bereitschaft hat Lurchblicken lassen, mit Dr. Stresemann in eine allgemeine Besprechung des Minderheitenproblems einzutre'en. Es liegen ferner Anzeichen dafür vor, daß Dr. Denesch über den Schieds- gerichtsLertrag hinaus, eine Art Garantie- pgkt für die Sicherung der Grenze verlangen wird. Rach zuverlässigen Informationen darf gesagt werden, daß die Reichs- regierung garnicht daran denkt, auf eine solche Bedingung einzugehen, da sie vollkommen außerhalb der ursprünglichen Anregung steht. Polen und Frankreich. Briand kündigt Polen die Freundschaft. Berlin, 12. Oft. (£11.) Der Asien-Ost- europa-Dienst erfährt aus Locarnoer Konferenz- kreisen, daß die letzten Besprechungen zwischen .Briand und Skrzynski einen sehr heftigen Verlauf genommen hätte. Briand soll in sehr energischer Weise Skrzynski Vorwürfe gemacht haben, warum er sich mit Tschitscherin in Verhandlungen über so sehr weitgehende politische Probleme eingelassen und dadurch den Stoff zur Annahme geliefert habe, als beabsichtige Polen, gemeinsam mit Rußland, die Konferenz in Locarno zu sprengen. Ferner erklärte Briand, daß die allzu feierliche Aufnahme Tschitscherins in Warschau einen sehr peinlichen Eindruck in Frankreich gemacht habe. Zum Schlüsse erhärte Briand, die französische Regierung hätte den Beschluß gefaßt, die Geldkredite in Gold, die Frankreich bis jetzt der polnischen Regierung gewährte, nunmehr e inz u st e l le n. Briand begründete dies damit, daß die Rüstung Polens notwendig war, als Frankreich durch Deutschland und Polen durch Rußland bedroht wurden. Jetzt aber stehe Frankreich vor dem Abschluß eines Garantiepaktes mit Deutschland und benötige keine Rüstungen mehr im Osten. Auch Polen sei ja jetzt in sehr gute nachbarliche Beziehungen zu Rußland gekommen, so daß die weitere Ausrüstung der polnischen Armee nicht mehr in Frage komme. Briand soll auch erklärt haben, daß mit dem Beginn der russisch-polnischen Freundschaft sich Frankreich von seinen Verpflichtungen Polen gegenüber befreit betrachten werde. Der Generalstreik in Frankreich. Kommunist sche Unruhen in Paris und im Norden. Paris, 13. Ott. (TU.) Während im großen und ganzen die von den Kommunisten für gestern ausgegebene Streikparole nur wenig befolgt wurde, kam es in den Vororten zu schweren A u s s chr e i t u n g e n der Streikenden. In St. Denis versuchten die Streikenden, verschiedene Fabriken zu stürmen. Im Verlaufe des Zusammenstoßes wurde ein Arbeiter getötet. In den Abendstunden wurde die Lage so bedrohlich, daß in aller Eile Kürassierabteilungen zusammen gezogen werden mußten, die die Streikenden durch wiederholte Säbelattacken zurückdrängten. Polizei und Militär wurden mit Steinen beworfen. Während des Zusammenstoßes verhaftete die Polizei den Abgeordneten Doriot. Mehrere Straßenbahnwagen wurden von den Streikenden umgestürzt und zwei Eisenbahnwagen durch Sabotageakte zum Zusammenstoß gebracht, wobei sechs Reisende schwer verletzt wurden. In der Provinz kam es gleichfalls zu schwe- teil Zusammenstößen, namentlich im Borden. In dem Industrieort H a l u i n stürmten die Arbeiter eine Textilfabrik. Die kommunistischen Abgeordneten Dorivt und C ach in wurden in contumaciam vom Pariser Strafgericht zu je 13 Monaten Gefängnis und 3000 Mf. Geldstrafe verurteilt. Rach den in der Polizeipräsektur vorliegenden Rachrichen fleltlt sich die Streiklags heute wie folgt' Die öffentlichen Dienste, Post, Telephon, Telegraph und Bahnhofsdienst, (Siet» trizitäts-, Gas- und Wasserwerke arbeiten normal. Im Verkehrswesen ist der Betrieb auf de n Untergrundbahnen normal, der der Autobusse und Straßenbahnen ebenso wie gestern mit Einschränkungen. Die Danken und Versicherungsgesellschaften arbeiten vollständig. In de rM e t a 11» und Automobil- industrie ist der Streik, wenn auch bedeutender, so doch nicht vollständig. Im Baugewerbe macht sich der Ausstand namentlich bet den Erdarbeitern bemerkbar. Man berechnet hier die Zahl der Streikenden auf 80 Prozent. Auch in der Schuhindustrie wird teilweise gestreckt. Die bis zum spaten Rachmittag aus der Provinz vorliegenden Rachrichten lassen er- kennen, daß dem Streikbefehl zmn Teil Folge gegeben wurde. Aus säst allen großen Provinz- ftäbten wird die relativ stärkste Streikzahl in Dau- und Metallarbeiterkreisen gemeldet. Russische Flottenmanöver in der Ostsee. Reval, 12. Oft. (TU.) Gegenwärtig finden die großen russischen Flottenmanöver in der Ostsee statt. Bor den Befestigungen der Inseln erschien bei Reval ein russisches Geschwader, das den Kurs nach Osten hielt. : i dem Geschwader befand sich auch der große Dreadnougth „Marat" und vier Zerstörer. Zwischen den estnischen Inseln wurde ein russisches Unterseeboot gesichtet, was allgemeine Beunruhigung hervorrief. Ein estländisches Wachtschiff näherte sich dem russischen Unterseeboot, um es darauf aufmerksam zu machen, daß es sich i n den estnischen Territorialgewässern befinde. Nachdem das Boot längere Zeit zwischen den Inseln gekreuzt hatte, entfernte es sich in nördlicher Richtung. Die estländischen Militärbehörden sind mit der Untersuchung des Vorfalles beauftragt worden und werden auf diplomatischem Wege wahrscheinlich gegen die Verletzung der estnischen Hoheitsrechte schärfsten Einspruch bei her Sowjetregie- ntng erheben. Auch oorLibau erschienen russische Seestreitkräfte und kreuzten längere Zeit vor dem Hafen. Zwei lettländische Marineflugzeuge der Li- bauer Garnison flogen aufs Meer unb stellten fest, daß es sich um ein russisches Flottsngesch.vader handele. Nachdem die Schiffe in einer Entfernung von einigen Seemeilen mehrere Stunden manövriert hatten, fuhren sie wieder in nördlicher Richtung ab. Die Handelsverträge. Deutschlands Verhandlungen mit Lpanren und Italien Berlin, 12. Ott. (T. 11.) Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Italien sind zurzeit bekanntlich durch das H a n d e l s p r o v i f o r i u m geregelt, das bis zum 31. Oktober läuft. Da die Hoffnung besteht, daß bei den gegenwärtig schwebenden, Verhandlungen über den Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages eine Einigung über die noch offenen Punkte bis zum Ablauf des Monats erzielt werden wird und die beiden Regierungen die feste Absicht haben, die Verhandlungen noch vor dem 31. 10. zu beenden, wurde jetzt in Rom die Abmachung getroffen, daß bis zum Ablauf des Provisoriums an dem gegenwärtigen Status nichts zu ändern. Am 16. Oktober geht bekanntlich der d e u ts ch . s p a n t s ch e Handelsvertrag zu Ende, da er von deutscher Seite zu diesem Termin gekündigt worden ist. Infolgedessen würden für Italien und die in Betracht kommenden Länder vom 16. Oktober an diejenigen Vorzugszölle wegfallen, die diese Länder nur deshalb bisher genoffen haben, weil sie einen iftbegünftigungsDertrag mit Deutschland abgeschlossen haben und der bisherige deutsch- spanische Handelsvertrag diese Meistbegünstigung vorsah. Die zurzeit geltenden deutschen Vertragssätze werden daher nunmehr auch nach dem 16. Oktober noch bis zum 31. Oktober auf die italienischen ErzeuZnifse weiter angewendet werden. Das hat zur Folge, daß die Länder, die mit Deutschland in einem Meistbegünstigungsverhältnis stehen, gJ e i d) f a ([ s bis zum 31. Oktober die bisherigen Sätze noch weiter genießen. Zwischen der deutschen.Botschaft in Madrid und der spanischen Regierung haben in der letzten Zeit wiederholt Besprechungen stattgefun- den, mit dem Ziel, eine neue Grundlage für die Vertragsregelung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zu finden. Es hat sich dabei als notwendig gezeigt, der deutschen Botschaft für diese Besprechungen einige Referenten aus den beteiligten Ministerien zur Seite zu geben. Es werden daher heute je ein Referent des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, des Reichswirtschafts- und des Reichsfinanzministeriums nach Madrid abreisen, um die deutsche Botschaft bei diesen Besprechungen zu beraten und zu unterstützen. Diese neuen Beratungen werden nicht mehr so rechtzeitig ein Ergebnis haben tonnen, daß mit einem Inkrafttreten irgendwelcher neuer Vertragsunterlage^ am 16. Oktober gerechnet werden könnte. Es ist demnach mit Sicherheit anzunehmen, daß am 16. Oktober 1925 der schon seit langer Zeit vorausgesehene vertragslose Z u st a n d zwischen Deutschland und Spanien eintreten wird. Die Knebelung des Deutschtums in Südtirol. Innsbruck, 12. Ott. (T.U.) Wie aus Bozen gemeldet wird, wird mit sofortiger Wirkung b e t allen italienischen Gerichten nur noch ö t e italienische Sprache gestattet. Dieser Beschluß richtet sich gegen die Südtiroler. Bisher war bei den Gerichten das Deutsche als Verhandlungssprache geduldet. Auch Eingaben in deutsch e r Sprache wurden angenommen. Jetzt werden solche Eingaben entweder gar nicht mehr angenommen ober werden als ungültig betrachtet. Die deutschen Parteien muffen die Verhandlungen durch Dolmetscher aufnehmen, wodurch große Kosten erwachsen. Kleine politische Nachrichten. 2(uf die an den Reichspräsidenten ergangene Einladung zu einem Besuche der Stadt n. M. gelegentlich seiner Reise nach Süddeutschland ist beim Oberbürgermeister r j; an^’nann . €^n Schreiben eingegangen, in welchem der Reichspräsident mitteilen läßt, daß er dem Wunsche gern entsprechen wird, wenn keine besonderen Behinderimgen eintreten. Die endgültige Mitteilung bleibt Vorbehalten, bis der genaue Zeitpunkt der süddeutschen Reise (voraussichtlich Mitte Rovcmber) festgelegt werden kann. Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und der Sowjetunion ist Montag unterschrieben worden. Für Deutschland unterzeichnete der Botschafter Gras von Btockdorff-Ranhau und der Vorsitzende der deutschen Delegation v. Koerner, für Rußland der stellvertretende Volkskommissar für die Auswärtigen Angelegenheiten Litwinow und der Delegationschef Hanetzky. Zu den Meldungen über einen wider» r e ch t l ich e n Fort trieb von deutschem Vieh übe rdie polnische Grenze im Kreise Marienwerder erfährt das W. £. D., daß es sich scheinbar um eine Pfändung handelt, weil das Vieh auf einer Fläche geweidet hat, die nach Ansicht der polnischen Regierung pol- n i s ch e s Eigentum ist. Dem Vernehmen nach ist das deutsche Vieh durch Verhandlungen mit dem Starosten gegen Hinterlegung von 300 Danziger Gulden Schadenersatz freigegeben worden. 2lus aller Welt. Eine neue Amundsen-Expedition. Oslo, 12. Ott. (WTB.) Der Vorsitzende des Luftfahrtvereins teilte der Presse über die Vorbereitungen Amundsens für seine Polarexpedition mit, daß Ellsworth für Expeditionszwecke 100 000 Dollars gestiftet habe unter der Voraussetzung, daß das ilnternehmen den Ramen Amundfen-Ellsworth-Expedition erhält. Er hat Wecker die Bedingung gestellt, daß der Flug unter norwegischer Flagge vor sich geht und daß kein anderer als Amundsen und er daran teilnehmen dürfe. Ellswvrth wird sich als Ravigator betätigen und des wetteren zusammen mit einem Meteorologen die wissenschaftlichen Arbeiten leiten. Das Unternehmen wird im ganzen zirka 1} Millionen Kronen kosten. 25 Arbeiter verlassen am Mittwoch Oslo, um auf Spitzbergen zusammen mit den dort ansässigen Arbeitern die Errichtung einer Luftschiffhalle vorzubereiten. Man hofft, das Fundament vor Eintritt des Winters gießen zu können, um im Laufe des Winters das Skelett zu errichten. Die Halle wird dann später mit Segeltuch bedeckt. Internationale Privatrechtskonferenz. Im Haag wurde die 5. internationale Privatkonferenz mit einer Rede des holländischen Justizministers Dr. S ch e k k i n g eröffnet. Auf Vorschlag des portugiesischen Gesandten wurde der ehemalige Präsident des internationalen Richterkollegiums, Dr. B. C. I. L o d e r, der zugleich Vorsitzender der holländischen staatlichen Kommission zur Vorbereitung von Maßnahmen für die Kodifikation des internationalen Prioatrechts ist, zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt. An den Beratungen der Konferenz nehmen diesmal auch eine Reihe von Staaten teil, die auf den früheren Konferenzen nicht vertreten waren, vor allem Groß- -.brttannien, Polen, Finnland, Jugoslawien und die Tschechoslowakei. Die früheren Konferenzen wurden ebenfalls im Haag abgehalten, die letzte 1904. Auf der Tagesordnung der jetzigen stehen vor allem die internationale Regelung des Konkurses, die Anerkennung und Ausführung fremder Urteile und die Vereinheitltchung des Erbrechts, während ferner die früheren Haager Privatrechtsvereinbarungen über Eheschließung, Ehescheidung, Vormundschaft, eheliches Güterrecht, Vermögensverwaltung und den Zivilprozeß einer Revision unterzogen werden sollen. Der stärkste Mann der Welt Der „Elfenkönig" Breitbart ist in einer Berliner Klinik an Blutvergiftung gestorben, die er sich durch einen verrosteten Ragel zugezogen hat. Er hat mit Recht in der ganzen 'Welt größtes Aufsehen erregt, denn er hat Leistungen vollbracht, wie sie bisher nur in der griechischen Sage bekannt waren. Besonders seine Haupt- numiner, mehrere dahinrasende Pferde mit einem Griff aufzuhalten, ist weder vor ihm noch nach ihm von einem Menschen gezeigt worden. Man berichtet von August dem Starken, daß er imstande gewesen sei, ein Hufeisen zusammenzubiegen. Diese Leistung ist bereits mehrfach nachgeahmt worden und der „Eisenkönig" Breitbart hat sogar große dicke Eisenstangen zur Hufeisenform zusammengebogen. Auch fein Sterben ist ein Beweis dafür, welche ungeheuren Lebenskräfte in ihm wohnten. Er hat nämlich am 26. Juli d. I. in Radom fein gewöhnliches Kunststück vorgeführt, einen Ra -- gel mit der Faust in ein Brett cin^u- schlagen. Dieses bereits viele hundert Mak von ihm ausgeführte Zeichen seiner ungeheuren Kraft sollte ihm diesmal zum Verderben werden, bemi nachdem er den Ragel in das Brett geschlagen hatte, rutschte er aus und verwundete sich mit dem rostigen Ragel oberhalb des rechten Knies. Trotzdem er sofort l)e'lig? Schmerzen bekam, mußte er seinem Vertrage gemäß auch in den nächsten Tagen weiter arbeiten, da fein Direktor auf Einhaltung des Vertrages bestand. Durch den rostigen Ragel hatte er sich eine Blutvergiftung zugezogen, die im allgemeinen nach 3 bis 10 Tagen zum Tode führt, wenn sie nicht rechtzeitig entdeckt und beseitigt wird. Dreitbart mußte dann in die Berliner Universitätsklinik geschafft werden, wo er sich in Behandlung von Professor Bier begab. Er wurde mehr als zehnmal operiert, um das Gift aus dem Dein zu entfernen. Aber alle Operationen waren ergebnislos, so daß man ihm schließlich das D e i n a b n e h m e n mußte. Mer auch dieser Schritt war schon zu spät. Wettervoraussage. Meist wolkig, vorwiegend westliche bis nord- llche Winde, Temperatur wenig geändert, nur tellenweise leichte Riederschläge. Die Lage des nordöstlichen Fallgebietes hat lch nicht wesentlich geändert, dagegen hat sie sich etwas abgeschwächt. Auf seiner Südseite sind leichte Störungen möglich. Im allgemeinen wird die gegenwärtige Wetterlage zunächst jedoch wenig beeinflußt werden. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 12,4 ®taö Eelfius, Minimum 3,7 Grad Celsius. Heutige Morgeittemperatur: 3.7 Grad Celsius. Au§ der ProvinMlhapptstadt. Gießen, den 13. Oktober 1925. j Zehn Gebote für Radfahrer. Da die Vorschriften über das Verhalten der Radfahrer auf der Straß e immer iwch nicht genügend beachtet werden, ficht sich das Polizeiamt Gießen veranlaßt, die wichtigsten Bestimmungen über den Radfahrverkehr erneut bekanntzugebrn. Es heißt dort: 1. Jedes Fahrrad muß mit einer sicher wirkenden Hemmvorrichtung, mit einer hell" tönenden Glocke zum Abgeben von Warnungs" zeichen und während der Dunkelheit sowie bet starkem Rebel mit einer hellbrennenden Laterne mit farblosen Gläsern versehen fein«, die den Lichtschein nach vorn auf die Fahrbahn wirst. 2. Jeder Radfahrer ist zur gehörigen Vor- srcht bei der Leitung seines Fahrrades Der» pflichtet. Die Fahrgeschwindigkeit ist jederzeit so enizurichten, daß Unfälle und Verkehrsstörungen vermieden werden. Innerhalb geschlossener Ortsteile darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren werden. Auf unübersichtlichen Wegen, ins- besondere nach Eintritt der Dunkelheit, öder bet starkem Rebel, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei scharfen Straßenkrümmungen, bei der Ausfahrt aus Grundstücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in solche Grundstücke, ferner beim Passieren enger Brücken und Tore, sowie schmaler ober abschüssiger Wege, sowie pa. wo die Wirksamkeit der Hemmvorrichtung durch die Schlüvfrigkeit des Weges in Frage gestellt ist. endlich überall da, wo ein lebhafter Verkehr stattfindet. muh langsam und so vorsichtig gefahren werden, daß das Fahrrad nötigenfalls auf der Stelle zum Halten gebracht werden kann. In allen diesen Fällen, sowie bei jedem Bergabfahren ist es verboten, beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange oder die Füße von den Pedalen zu nehmen. 3. Der Radfahrer hat eittgegenlommende. zu überholende, in der Fahrtrichtung ober die Fahrtrichtung kreuzende Menschen, insbesondere die Führer von Fuhrwerken, Reiter, Viehtreiber usw. durch deutlich hörbares Glockenzeichen rechtzeitig auf das Rahen des Fahrrads aufmerksam zu machen. Auch an unübersichtlichen Stellen ist das Glockenzeichen zu geben. Das Abgeben des Glockenzeichens ist sofort einzustellen, wenn Tiere dadurch unruhig ober scheu werben. Zweckloses ober belästigendes Klingeln ist zu unterlassen. Der Gebrauch von Signalpfeifen, Hupen und beständig tönenden Glocken (Schlittenglocken u. dgl.) sowie von sogen. Radlaufglocken ist untersagt. Merkt der Radfahrer, daß ein Tier vor dem Fahrrabe scheut, oder daß sonst durch das Vorbeifahren mit dem Fahrrade Menschen oder Tiere in Gefahr gebracht werden, so hat er langsam zu fahren und erforderlichenfalls sofort abzusteigen. 4. Das Einbiegen in eine andere Straße hat nach rechts in kurzer Wendung, nach links in weitem Bogen zu geschehen. 5. Der Radfahrer hat bei der Fahrt die rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten und ent- gegeniommenben Fuhrwerken. Kraftfahrzeugen. Reitern, Radfahrern, Fußgängern, Viehtransporten ober dergleichen rechtzeitig und genügend nach rechts auszuweichen ober, falls dies die Umstände oder die Oertlichkeit nicht gestatten, solange abzusteigen, bis die Bahn frei ist. 6. Das Vorbeifahren an eingeholten Fuhrwerken. Kraftfahrzeugen, Reitern, Radfahrern. Fußgängern, Viehtransporten ober bergleidjen hat auf bet linken Seite zu er.olaen. An unübersichtlichen Stellen sowie überall wo bie Fahrbahn durch Fuhrwerke, Kraftfahrzeuge usw. verengt ist, ist bas Ueberholen verboten. 7. Das Rabsahren ist, außer auf ben für den Radfahrverkehr eingerichteten besonderen Wegen (Radfahrwegen), nur auf ben für Fuhrwerke bestimmten Wegen und Plätzen gestattet. Außerhalb der geschlossenen Ortschaften bars bas Fahren mit Zweirädern auch auf den neben den Fahrwegen hinführenden nicht erhöhten Banketten ftattfinben. Das Radfahren auf solchen Fußwegen, die das Ausweichen gestatten, ist außerhalb der Ortschaft unter der Voraussetzung zulässig, daß die Radfahrer stets den Fußgängern in angemessener Entfernung aus- weichen. den Fußweg freilassen und nötigenfalls absteigen. 8. Das Umkreisen von Fuhrwerken. Menschen und Tieren und ähnliche Bewegungen, bie geeignet sinb, Menschen ober Eigentum zu gefährden, den Verkehr zu stören ober Tiere scheu zu machen, sinb verboten. 9. Auf den Haltruf ober bas Haltezeichen eines als solchen kenntlichen Polizeibeamten hat jeder Radfahrer sofort anzuhalten. 10. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden bis zu 60 Mk. ober mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. (Viestener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 2.20 bis 2.30 Mk., Matte Psb. 40 Pf., Käse Psd. 75 Pf., Wirsing Pfd. 10 Pf.. Weißkraut Pfd. 7 bis 6 Pf., Rotkraut Pfd. 15 Pf., gelbe Rüben Pfd. 15 Pf., Roterüben Pfd« 10 Pf., Spinat Pfd. 20 Pf.. Römischkohl Pfd. 10 Pf.. Bohnen Psd. 25 bis 30 Pf.. Unter- Kohlrabi Pfd. 6 Pf.. Grünkohl Psd. 20 Pf.. Rosenkohl Pfd. 40 Pf., Feldsalat Psd. 1 Mk., Tomaten Pfd. 30 Pf., Zwiebeln Psd. 12 Pf.. Meerrettich Pfd. 40 bis 100 Pf., Rhabarber 20 Pf.. Kürbis Pfd. 8 Pf.. Pilze Pfd. 40 Pf.. Kartoffeln Psb. 4 bis 4' , Pf., Falläpfel Pd. 5 Ps.. Aepsel Pfd. 18 bis 20 Pf.. Dirnen Psb. 15 bis 30 Pf., Zwetschen Psb. 30 bis 40 Pf.. Junge Hahnen Pfd. 1.10 Mk., Suppenhühner Psb. 1.10 Mk.. Gänse 1.10 bis 1.20 Mk., Rüsse Pfd. 35 bis 40 Pf.. Eier Stück 17 Pf. Blumenkohl Stück 10 bis 150 Vs.. Salat Stück 15 Pf., Salatgurken Stück 30 bis 50 Pf., Endivien Stück 15 bis 20 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 5 bis 10 Pf., Lauch Stück 5 Pf.. Rettich Stück 10 bis 30 Pf.. Sellerie Stück 10 bis 50 Pf.. Radieschen Bund 15 Pf., Hagebutten Pfd. 25 Pf. • " Z u ben Kommunalwahlen. Es wirb von amtlicher Seite barauf aufmerksam gemacht, baß in diesen Tagen die Wahlberechtigten auTgeforbert werben, die 'Wahlvorschläge mit Frist von einer Woche einzureichen. Die Parteien werben beshalb jetzt schon die Wahl- Vorschläge vorbereiten müssen, damit die Frist nicht versäumt wirb. Selbstverständlich können die Wahlvorschläge auch vor der öffentlichen Aufforderung, sobald nur der Wahltag bekanntgegeben ist. eingereicht werden. LUs >NEU« 5ireis Marburg. Wetter, 12. Ott. Die Eisenva hndirettion Kassel läßt vom 15. d. Mts. ab unsere Bahnverbindung mit Marburg wesentlich verbessern. Don diesem Tage an fährt ein Zug srüh 6.54 ab Marburg nach Wetter, hier an 7.22. und zurück ab Wetter 7.32, an Marburg 8.00. Die Passanten der Hauptstrecken !>aben also in Marburg direkten Anschluß. Der zu zahlende Zuschuß wird von den Eltern der nach Marburg fahrenden Schüler aufgebracht. Dillkrcis. bl. Herborn. 12. Ott. Die Stadtverwaltung beschäftigte sich mit der Frage der Einrichtung einer Badeanstalt. Der Magistrat hat hierzu in der Hauptstraße ein An wesen zum Preise von 40 000 Mark angekauit. Die Bau- und Finanzkommission berät noch über Zweck und Wert der Gebäude. Sollte der Plan der Schaffung einer Badeanstalt hinfällig werden, so möchte der Magistrat das Anwesen doch behalten, um evtl. Wohnungen herichten zu lassen. Die Stadtverordnetenversammlung hat ihre Zustimmung zu dem Ankauf des Geländes noch zu erteilen. Frankfurt a. M. und Umgegend. fpd. Frankfurt a. M., 12. Olt. Etn schwerer Zusammen st oh zwischen einem Auto und einem Motorrad ereignete sich auf der Landstrecie Ollainz—Groh-Gerau in der Nähe der Abzweigung itach Bauschheim. Die Führer beider Kraftfahrzeuge, Schloßbesitzer Schäsberg aus Lobberich (Rhein) und der Motorradfahrer L a t t e m a n n aus Rüsselsheim, kamen schwerverletzt ins Krankenhaus nach Mainz, während eine dritte Person nur leichter verwundet wurde. fpd. Gelnhausen, 12. Oft. Der im nahen B e r n b a ch wohnende Lehrer Beruh. 2 o e r g wurde beim llcberschreiten der Gleise von einem Zuge der Freigerichter Bahn überfahren und so schwer verletzt, dah er kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus ver- st a r b. Die Rettung des Schwerverletzten wurde dadurch erheblich erschwert, dah der treue Begleiter des alten Herrn, ein Wolfs Hund, nicmattd an seinen Herrn her a n l i e h. Das Familiendrama in Frankfurt. fpd. Frankfurt. 12. Ott. Die furchtbare Familientragödie in der Spillingsgasse, der fünf Personen zum Opfer sielen, stellt sich nach der Auffassung der Polizei als der Schlußakt eines an harten und jammervollen Schicksalöschlägen überreichen Lebens einer Frau dar. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat die Frau W e r l c y, die bereits seit langem infolge der mißlichen Familien- und wirtschaftlichen Verhältnisse nervös überreizt war und deshalb auch schon die Rcrvenheilanstalt Köppern aufsuchen mußte, in einem Augenblick geistiger Zerrüttung die Tat verübt. Was sich in der schlimmen Stunde zwischen Mutter und Tochter abspielte, bleibt Geheimnis. Heber die Tat selbst erfahren wir an zuständiger Stelle folgende Einzelheiten. Die Familie Werley, auS Mann, Frau und drei Kindern bestehend, besaß, in Qtorb- amerita eine Farm, die gute Erträge abwarf, so daß Herr Werley seinen in Frantfurt wohnenden Schwiegereltern, den Ehegatten Schmidt, während der Inflationszeit die Mittet zum Ankauf zweier Häuser schicken konnte. Dor Jahresfrist kam die Familie Werley selbst nach Deutsch- .land und fand hier bei Schmidts Wohnung, aber unter den entsetzlichsten Einschränkungen. Sieben Personen mußten in zwei kleinen Zimmern hausen. So gab es fortgesetzt Reibereien zwischen den alten und den jungen Leuten, die manchmal auch in Tätlichkeiten ausarteten. Dieser ständige Hader Derbitterte das Leben beider Familien. Der alte Schmidt entfernte sich Mitte, voriger Woche, und auch Werley begab sich vor kurzem zu Verwandten irach Mayen bei Koblenz. Am Mittwoch, 7. Oktober, fanden Hausbewohner an der Wohnung in der Spillingsgasse einen Zettel mit der Inschrift: „Wir sind verreist!" vor. Sie kümmerten sich infolgedessen nicht weiter um die Wohnung. Sonntag früh bemerkte man nun auf dem Hofe zunehmenden Gasgeruch, der aus der Schmidk-Werlehschen Wohnung drang. Man alarmierte die Polizei, die dann die Leichen der Frau Werley, der Frau Schmidt (Muller von Frau Werley) und der drei Kinder in der Wohnung auffand. Der Tod war bereits vor Sagen eingetreten, da sich schon ein leichter Verwesungsgeruch bemerkbar machte. Die alte Frau Schmidt trug um den Hals ein seidenes. Tuch: sie war erdrosselt worden. Vermutlich hat die junge Frau abends, nachdem sie die Kinder zu Beit gebracht hatte, die eigene Mutter erdrosselt (ob im Einverständnis, ist noch eine offene Frage), sich dann selbst zu Bett gelegt und dann den Gashahn geöffnet. Das ausströmende Gas hat sodann Mutter und Kinder getötet Da die Sache für die Polizei ziemlich klar lag. trug sie keine Bedenken, die Leichen sofort nach dem Friedhof schaffen zu lassen. Inwieweit die beiden Männer ursächlich mit der grausigen Tragödie im Zusammenhang stehen, kann erst ermittelt werden, wenn sie aufgesunden und verhört worden sind. leinez Äorigen ZA bt;. LtzK- Vtz?- ^>egen m,/1' oder bei pichen Wü az fobrrnh601-1^9 ge» cbvten beihp Ies 5?..^ zu unterlassen. Ärv und bc- J lv-Iitrengloäen u. dal) laufflloden ist unterlagt oaB em Tier vor dem ab sonst durch das Cßot- rabe Menschen oder Lien wen, so hat er lanasa' 'chensalls sofort a^uftei- in eine andere tztrahr dn Dendung, nach UnlS ieschchen. hat bei der Fahrt die >ahn einzuhalten und ent- rtneden, Kraftfahrzeugen, Fußgängern. Aiehtrans« rechtzeitig und genüget en oder, falls dies die ltllchkeit nicht gestatten, die Lahn frei ist. in an eingeboren Fuhr- n. Heitern, Radfahrern, Rotten oder dergleichen : zu er olgen. An unüber* c überall wo die Fahr- Kraftfahrzeuge usw. verholen verboten. n ist, außer aus den für eingerichteten besonderen i), nur auf den für Fuhr- gen und Plötzen gestattet, üenen Ortschaften darf das em auch auf den neben lienbtn nicht erhöhten Danis Radfahren auf solchen Ausweichen gestalten, tsi halt unter »er ** die 3a»|a6m ft!« »'n mllenet «W ireilassen und notigen,aus a von FuhMrien ähnliche Bewegung d en oder Eigentum zu ge iU°l8reno»«SereW" 5 ,6« M W»™ Mn $olü«ib*im rt oniuballen. 3o[. ifi. chenmarktpre'se. j 2.30 •Ui1-, Pf., 20 T -S llnl«' ’■ Sninlohl M J M, ii.. .MW Sö-js.'* ? 25 O ■StiS’äg. Dow , die hald.l,^, damit? [&nnen 6,1,1 Kreis Friedberg. s. s. Friedberg, 12. Ott. Gestern feierte der Arbeiter-Gesangverein „Vorwärts" sein 25jährigeS Stiftungsfest. Von einer größeren öffentlichen Feier hatte man abgesehen, dagegen fand am Vormittage im Saale des Hotel Trapp ein Wertungssingen statt, an dem sich 16 Vereine beteiligten und bei welchem Musikdirektor Bartsch von Frankfurt das Schiedsrichteramt übernommen hatte. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Am Rachmittag fand eine gesellige Vereinigung statt, bei welcher der genannte Herr einen sehr interessanten Vortrag über „Alte und neue Vokalmusik" hielt, der durch Gesangsvor- träge des Quartetts „Union“ von Frankfurt erläutert wurde. Die Darbietungen des Quartetts, das ohne Dirigent sang, waren hervorragend. Am Abend vereinigte ein Ball zum Schlüsse der Feier die Mitglieder und Gäste. -5 Dad - Rauheim , 12. Oft. Die Wirt- schaftsparkei, die zur Stadtverordnetenwahl eine Hausbesitzerliste aufstellt, hat den Bauunternehmer ©tcucrnagel an die Spitze ihres Wahlvorschlags gestellt. Der Bauernbund unterstützt die Liste der Deutsch natio- n a l e n. Der Vertreter der Landwirte, der seitherige Stadtverordnete Christian Schäfer, ist Spitzenkandidat des deutschnationalen Wahlvorschlags. Die unpolitische Liste der Kurinter- c s s e n t e n wird von Cafebesiher PH. König geführt. Z Ober-Mörlen, 12. Oft. Soweit in unserem Orte das kommunalpolitische Leben in Betracht kommt, hat man es hier in der Hauptsache mit drei Parteien zu tun: mit dem Zentrum, dem Landbund und der Sozialdemokratie. Da bei der diesjährigen Beigeordnetenwahl jede der Parteien das neue Ortsoberhaupt aus ihrer Mitte stellen wollte und dazu noch der seitherige Bürgermeister Gei bei als „über den Parteien stehend" wieder kandidierte, rangen vier Bewerber um die Siegespalme. Das Ergebnis war. daß es zur Stichwahl zwischen dem seitherigen Bürgermeister G e i b e l und dem Landwirt Anton Schm i d t. dem Kandidaten des Zentrums, kam. Mit 687 Stimmen ging Bürgermeister (Seibel aus dem harten, mit viel Erbitterung auf beiden Seiten geführten Wahlkampf als Sieger hervor. Der Gegenkandidat brachte es auf 656 Stimmen. Aber die Wahl wurde, kleiner formeller Verfehlungen wegen und auch wegen angeblicher Freibiergestellung, angefochten. In seiner Sitzung vom 5. September hob der Kreisausschuh die Wahl auf. Der Termin der Reuwahl ist nun für den 2 5. Otto & e r angesetzt worden. Zu den beiden Kandidaten, die sich in der letzten Stichwahl gegenüberstanden, kommt noch ein dritter Bewerber, der sozialdemokratische Kandidat Anton Mörschel. Wie die Terhältrsisse hier nun einmal liegen, ist mit ziemlicher Bestimmtheit anzunehmen, daß auch bei der Reuwahl die Entscheidung nicht in einem Wahlgang fällt und wieder eine Stichwahl erforderlich fein wird. Da unser Ort feit Juli schon vier Gemeindewahl en hinter sich hat (Dürgermeisterwahl und Beigeordnetenwahl je mit Stichwahl), und im Roveinber wie anderorts auch hier die Gemeindevatswahl stattfindet, so werden wir es hier innerhalb weniger Monate auf 7 Gemeindewahlen bringen, eine Zahl, die in diesem Jahve wohl kaum von einem zweiten hessischen Orte erreicht werden durfte. Man wundert sich mit Recht, baß die Wähler bei diesem „Wahlsegen" noch nicht wahlmüde und gleichgültig geworden sind. Bei den bis jetzt getätigten vier Wahlen war immer ein „treuer Stamm" von Wählern zur Stelle, der konstant 85 Prozent der etwa 1470 Wahlberechtigten ausmacht. Kreis Büvingen. Q Nidda, 12. Oft. Aus der jüngsten (9 e - ineinderatssitzung ist zu berichten: Unter Aufhebung der gelegentlich der Voranschlagsbera- tung beschlossenen Steuerausschlagssätze, die mangels genügender Berücksichtigung des Be- lastungsverhältnisscs von 1913 vom Kreisamt Büdingen beanstandet worden sind, werden jetzt folgende Ausschlagssätze beschlossen: 16,5 Pf. auf je 100 Mark Steuerwerk der Gebäude und Bauplätze, 33 Pf. auf je 100 Mark Steuerwert der land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücke, 34,5 Ps. au je 1.00 Mark Steuermert des landwirtschaftlichen und gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals, 32 Proz. Zuschlag zu den Einfommenstenervoraus- zahlungen als vorläufige Gewerbesteuer vom Ertragswert. Die auf den Grundbesitz und das Gewerbe auszuschlagende Umlage beträgt 34 300 Mf. — Die für das Pachtjahr 1924 vom Gemeinderat festgesetzten P a d) t b c t r ä g c für die verpachteten städtischen Grundstücke bleiben unverändert auch für das Pachtjahr 1925 bestehen. — Für das dem Zimmermeister Augustin Pfaff als B a n-, Zimmer- und Holzlagerplatz überlassene Grundstück beim fteuwittshaus wird eine jährliche Pacht von 200 Mark festgesetzt mit der Maßgabe, daß das Obst der Stadt verbleibt. Die seinerzeit verpachteten Holzplätze sollen sämtlich gekündigt und neue Holzp 1 ätze nur noch hinter dem Brauhaus und in der Hopsengasse zur Verfügung gestellt werden. — Das Gesuch der Deutsch-Amerikanischen Petro- leumgesellschaft Frankfurt a. M. um Genehmigung zur Errichtung einer Dapolin-Pumpanlage auf dem Marktplatz kann nach den vorliegenden Plänen die Genehmigung des Gemeinderats nicht finden. — Für die teilweise am 1. Oktober 1925 fällig gewesenen Notstandskredite wird, da die Verlängerung der Darlehensdauer von der weiteren Bürgschaftsübernabme der Gemeinde abhängig gemacht wird, die Bürgschaft auch für die Zeit nach dem 1. Oktober 1925 übernommen. — Em Gutachten des Kreisgesundheitsamtes in Büdingen über die Ou elfen' in der Klippe soll dem Kulturbauamt Friedberg zur Stellungnahme weiter- gegeben werden. — Den Wünschen der israelitischen Religionsgemeinde betr. 9 n - standhaltung des Friedhofes soll entsprochen werden unter der Voraussetzung, daß die Einnahme für abgegebene Familienbegräbnisse in die Stadtkasse fließt. — Von einer Haussammlung für die Zeppelin-Eckener-Spende glaubt der Gemeinderat abgehen zu sollen; aus städtischen Mitteln wird ein Betrag von 50 Mark bewilligt. △ ft i b b a, 11. Oft. Heute wurde die Grund, steinlegung zur neuen Turnhalle hier feierlich begangen. Um 11 Uhr stellten sich die Vereine, der Stadtoorstand, die Vertreter der Behörden, Kirche und Schulen und zahlreiche geladene Gäste zu einem stattlichen Zuge auf dem Marktplatz auf und zogen unter flott gespielten Märschen der Feuer- wehrkapelle zum Bauplatz auf der Gänsweide. Dort hatte eine sehr große Zahl von Tellnehmern an der Feier aus Nidda und umliegenden Orten Aufstellung 1 genommen. Nach dem gemeinsamen Gesang eines •• Eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung ist feit einigen Tagen in der Reuen Bäuc, Iohannesstraße und Kaiser- allee zu bemerken. Durch die Reuerung erhallen diese Strahenzüge wesentlich stärkeres Licht. Die jetzigen Lampen sind allerdings zunächst nur probeweise aufgehängt, um zu zeigen, wie eine moderne Straßenbeleuchtung beschaffen sein muß. Rach hem Ablauf der Probezeit wirb weitere Entscheidung getroffen werden hinsichtlich der Ausgestaltung der übrigen Straßenbeleuchtung, die beute ja noch allerlei zu wünschen übrig läßt. " D i e Ausstellung „Mutter und 'Kind" in der Reuen Aula der Universität ist jetzt bereits von über 1000 Personen besucht worden. die von der Schau und den sachverständigen Führungen in hohem Maße befriedigt waren. Der Besuch der Veranstaltung, die auch durch ärztliche Dorträge bereichert wird, sei nochmals dringend empfohlen. Man beachte die Ankün- tigungen im Anzeigenteil. Die Wertlotterte des Volks- r allebauvereins, deren Ertrag zum De- ,,en der Dolkshalle verwandt werden soll, findet iihermorgen, Donnerstag, statt . Bekanntlich ist Li; Lotterie mit zahlretchen sehr wertvollen Gewinnen ausgestattet. Lose fönnat in den Der- taufsstellen nod) in Empfang genommen werden. " Franzoi'. sche Paßerleichterung zum Aller heiligen tag. Die französischen Behörden in Elsaß-Lothringen gewähren, wie im vorigen Jahre, Deutschen, die den Antrag stellen, Gräber von Familienangehörigen in Elsaß-Lothringen gelegentlich des Allerheiligen- tages besuchen zu wollen, gegen eine Gebühr von fünf Reichsmark ein Einreisevisum, das vom 31. Oktober bis 4. Roveinber gilt, und das, wenn der Antragsteller nicht mehr die Zeit hat, es beim französischen Konsulat zu beantragen, der Polizeikommissar der Grenzstation erteilen kann. •• Willenserk lärungen zwecks Feuerbestattung betrifft eine städtische Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders Hinweisen. ‘ Ein seltenes Jubiläum. Herr Gustav Schad, ein geborener Gießener, der in den weitesten Kreisen der hiesigen Geschäftswelt bekannt ist, konnte in diesen Tagen auf eine 27jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied in der Sektion Gießen des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands zurückblicken. 3n dieser langen Zeit hgt er die verschiedensten Aemter bekleidet. Der Verband hat den Jubilar in gebührender Weise geehrt. Die hiesige Ortsgruppe veranstaltete ihrem verdienstvollen Milgliede im Hotel Schütz einen Ehrenabend, der gut besucht war und Zeugnis davon ablegte, welcher Empathie und Wertschätzung sich der Jubilar in den Kreisen seiner Kollegen erfreut. Preisgekrönte Hundeführer. Man berichtet uns: Bei der in Butzbach stattgefundenen Prüfung von Kriminal-, Polizei- und Schutzhunden des Hessischen Landesverbandes für Polizeihunde-Dereine erhielten nachstehende Mitglieder des Hess. Polizei- u. Schutzhund-Dereins Gießen 1914 folgende Auszeichnungen:, Hündin Tilli, Besitzer und Führer August Ritzs, Gießen. P.H. 1. Preis mit der Bewertung „Sehr gut“, ein Führerpreis mit „Vorzüglich". Hündin Lotte, Besitzerin und Führerin Fräulein Dirginie Hüttenberger. Gießen. P.H. 2. Preis mit der Bewertung „Sehr guf“, ein Führerpreis mit „Vorzüglich“. Hündin Bärbel von der Lahnmühle, Besitzer und Führer Karl Müller. Gießen, P. H. 5. Preis mit der Bewertung „Sehr gut", ein Führcrprcis mit „Sehr gut“. Hündin Hella Hebstreit, 'Besitzer und Führer Wilhelm Derzbach, Gießen, 7. Preis mit der Bewertung "Gut", ein Führerpreis mit „Sehr gut“. Am Schlüsse der Prüfung führte Frl. Dirginie Hüttenberger unter allgemeiner Anerkennung von Publikum und Sachverständigen einen Aeberfall auf einen Grenzbeamten vor, der zeigte wie der Hund seinem Herrn ein treuer Beschützer und Lebensretter sein kann. Man konnte hier sehen, was aus einem Hunde in guter Führung und unter bewährter Dtessurleistung zu machen ist. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag, Stadttheater, 7V? Ubr: „Haus Rosenhagen“. — Ausstellung „Müller und Kind" von 11 Uhr norm, bis 91/» älhr abends Reue Aula. — Deutsche Demokratische Partei, S1 übt Gewerbe- Haus: Mitgliederversammlung. — Evangelischer Bund, 8 Ähr Stadtkirche: Vortrag. — Matthä usgemeinde, 8 älhr Matthäusfaal: Gemeindeabend mit Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die freudlose Gasse". Oderheßen. Lan-kreis Gietzcn. :/: Oppenrod, 12. Oft. Ein seltenes Jagdglück hatte am Sonntag Herr Hartmann von Gießen. Es gelang ihm, im Wald zwischen Oppenrod und Albach einen kapitalen Dachs von 32 Pfund Gewicht auszugraben. Tapfere Mithilfe habet leistete sein kleiner drahthaariger Foxterrier, der, als er den Dachs einmal aufgespürt hatte, nicht mehr von ihm ließ. Welche Leistung dies für den kleinen Hund bedeutete, geht schon daraus hervor, daß bei dem außergewöhnlichen Gewicht des Gegners sein eigenes Gewicht nur 14 Pfund bewögt. Es handelt sich bei dem Dachs um einen alten Einsiedler, in der Jägersprache Wanderdachs genannt, der keinen festen Bau besitzt, sondern aus vorhandenen Höhlen alle Bewohner ver- treibt und sich allein darin festsetzt. Es kostete denn auch einen langen, harten Kampf, bis er zur Strecke gebracht werden konnte. Um 10 Uhr früh begann das Ausgraben, und es zog sich bis 5 Uhr nachmittags hin. Denn da der Bau schon all war, und aus drei Stockwerken bestand, mußten zwei Meter liefe Durchschläge gemacht werden. Obwohl der tapfere Fox am Kopf und an zwei Läufen starke Wunden davongetragen hatte, hielt er bis -'letzt im Bau aus. o Göbelnrod, 12. Oft. Am Donnerstag wurden von mehreren Einwohnern in unserer Gemarkung Wildschweine beobachtet, und zwar im Felde nach Grünberg zu. Es waren fünf Stück. Da sonst in hiesiger Gegend die Schwarzkittel nicht auftreten, muß es sich wohl um eine versprengte Schar gehandelt haben. ! — I Queckborn, 12. Oft. Eine Gießener Firma beabsichtigt, in der Gemarkung unserer Gemeinde ein größeres Basaltwerk zu errichten. Die Vorarbeiten und Feststellung der Verträge sind soweit zum Abschluß gebracht, daß in Kürze der Kauf abgeschlossen werden lann. Die Firma beabsichtigt, vom Bruche bis zur Verladestelle am Bahnhof Queckborn eine Schmalspurbahn zu erbauen. 3m Interesse unserer heimischen Arbeiterschaft ist dieses Unternehmen nur zu begrüßen. von Bezirksvertreter Wolf in Unter Schmitten eigens für heute gedichteten Weiheliedes ergriff der Vorsitzende des Niddaer Turnvereins, Dr. med. Fr i tz Koch, das Wort zu einer herzlichen Be- grüßungs- und Weiherede. Dabei gedachte er auch der im Weltkrieg gefallenen 30 Turner aus Nidda. Die Anwesenden entblößten beim Verlesen der Namen der Helden das Haupt, und die Musik spielte: ,3ch hott' einen Kameraden". Die im Grund- tein der alten Turnhalle gefundene 11 r - künde und die in den Neubau heute einzufügende wurden verlesen und die üblichen drei Hammerschläge mit inhaltsreichen kurzen Sprüchen von dem Vorsitzenden ausgeführt. Das gleidjc tat der Vertreter des Kreisamtes Büdingen mit herzlicher Beglückwünschung des Vereins. Pfarrer Laut non hier schilderte bann in längerer An> prache die Geschichte und Bedeutttng des Turnvereins, der 1859 mit 14 Mitgliedern gegründet worden ist. Mit dem passenden Bibelspruch: „Wenn der Herr nicht das Haus bauet" führte er die drei Hammerschläge aus. Ihm folgten mit passenden Glückwünsche!, Bürgermeister Ningshausen und die Vorsitzenden der geladenen Vereine und Vertreter lokaler Behörden. Für jung und alt höchst beherzigenswerte Ansprachen über den erziehlichen Wert des Turnens und seine echt vaterländischen Ziele für die heutige Jugend wurden von Bezirksvertreter Wolf, vom 1. Vorsitzenden des Turnvereins Butzbach, Redakteur Schneider und vom Vertreter der G a n I e i t u n g gehalten. Zum Schlüsse dankte her 1. Vorsitzende. Dr. Koch, in warmen Worten für alle dem Verein ausgedrückten herzlichen Glückwünsche und für die Teilnahme und das rege Interesse der Bürgerschaft Niddas an der Feier. Mit einem passenden Losungslied der Tum- chüler und -schülerinnen Niddas fand die sd)lichte, aber eindrucksvolle und erhebende Feier ihren Abschluß. . nd. Riddo, 11. Ott. Heute vornnttag sand im . Hauptgottesdienste die feierliche Einführung der Konfirmanden des Kirchspiels, für die in nächster Woche der Konfirmandenunterricht beginnt, durch Pfarrer Laut stall. Er predigte in eindringlicher Weise auf Grund von Jes. 55, 10 und 11 über das Thema: Gottes Wort, der Jugend Hort. Es sind in diesem Jahre 37 Knaben und 27 Mädchen, die in dem ganzen Kirchspiel nächste Ostern konfirmiert werden. — Der evangelische Kirchenchor hat in letzter Woche nach einjähriger linterbrechung seine älebungsstunden wieder aufgenommen und in Regierungsrat K lebe r g e r einen neuen Dirigenten gewonnen, der bereits in seinem früheren Dienstorte Oppenheim den dortigen und den Kirchenchor in Rier- stein mit großem Erfolge geleitet hat. — Heute nachmittag bereite'.e die Darmstädter Madrigalvereinigung, die in den letzten Jahren schon mehrmals hier Konzerte veranstaltet hat und bei allen hiesigen Musikfreunden sich des besten Andenkens erfreut, wieder einmal den sehr zahlreichen Besuchern ihres Konzerts im „Gambrinussaale" einige genußreiche Stunden. Echte Perlen des Gesangs aus alter und neuerer Zeit wurden in Madrigalen, Volks- und kirchlichen Liedern in künstlerischer und mustergültiger Weise, vorgetragen. Bei den älteren Liedern schickte der Leiter entsprechende Erläuterungen für die Zuhörer voraus. Kreis Alsfeld. .. H om be r g a. d. Ohm, 12. Ott. Auch hier besteht schon seit längerer Zell die Absicht, ein Denkrn a l für die Gefalle n en zu errichten. Man hat eine Kommission damit betraut, die Sache in die Wege zu letten. Rachdem schon früher mehrere Vorschläge gemacht worden sind, die aber nicht zur Ausführung gelangen konnten, hat sich die Kommission neuerdings mit dem Bildhauer Arnold-Beuern in Verbindung gesetzt, der nun auch zwei Plahvorschläge mit Entwürfen geliefert hat. Bei dem einen dreht es sich um das altehrwürdige Rathnus, bei dem andern um die alte Kapelle, die an der Peripherie der Stadt steht. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz und wären vorzüglich geeignet, einen würdigen Hintergrund für das zu errichtende Ehrenmal darzustellen. Die Modelle in Gips sind zur Zeit im Schaufenster von Schweige rt ausgestellt, es zeigt sich bei der Einwohnerschaft ein allgemeines Interesse für die Entwürfe. Da die Denlmalsangelegenheit nun schon mehrmals verschleppt worden ist. besteht allerseits der Wunsch, nun auch wirklich zur Ausführung zu schreiten. Starkenburg. * Darmstadt, 12. Ott. Die Tur n- gese llschaft Darmstadt 1 87 5 beging gestern das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Die Staats- und städllschen Behörden sowie zahlreiche Korporationen hatten Vertreter zu der Feier entsandt, deren Höhepunkt ein Schauturnen war. — In Arheilgen wurde gestern der 32jährige Schlosser Hrch. Schäfer, als er auf seinem Motorrad auf der Straße fuhr, von einem Auto, das von Darmstadt kam, erfaßt und eine Strecke weit mitgefchleift. Der Mann war sofort tot. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Preußen. Kreis Wetzlar. !*! Hohensolms. 12. Ott. In der Jugendburg des Christ deutschen Bundes, dem Schloß Hohensolms, finden auch in vielem Winter wieder Volkshochschulkurse stall. Die Kurse sind in zwei Abteilungen ein» geteilt, und zwar in einen Burschen- und einen Mädchenlehrgang. Die Lehrkräfte bestehen aus zwei Lehrern und einer Hauswirtschaftslehrerin hauptamtlich, ferner wirken noch mehrere Pfarrer und Lehrer von Hohensolms und Umgebung nebenamtlich mit. In den Kursen soll sich die teilnehmende Jugend eine Allgemeinbildung an» eignen, die ihr eine sichere, auf erlernten Kenntnissen beruhende Urteilsfähigkeit, sowie eine klare und bestimmte Weltanschauung gibt. Für den Burschenlehrgang sind folgende Llnterrichtssächer vorgetehen: Staatsbürgerkunde, Deutsche Sprache und Dichtung, Heimatkunde, Gesundheitslehre, Dollswirtschastslehre, Erdkunde, Berufskunde, Deutsche Geschichte, Lebenskunde, Musik und Gesang sowie Turnen und Sport. Die Mädchenlehrgänge umfassen außer diesen Fächern noch Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht. Die Teilnehmer der Kurse wohnen und schlafen während der Kurfusdauer in dem Bundesheim, wo die eingerichtete Burgküche für das leibliche Wohl der Jugend sorgt. Die Verpflegung wird in der Regel von dem Teilnehmer mitgebracht. Zur Bestreitung von Unkosten, wie Licht, Heizug ufto. zahlt jeder Teilnehmer täglich 50 Pfennig. MS,D Vorträge Statt Karten Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen gesucht. 9564D Lang-Göns, Oktober 1925 eie*£) 95718 9569D eigener Kelterei 9421D la Ausschankwein Wolfsheimer Hornberg per Glas 30 Pf. gesucht. 08366 Die Liebesgeschichte einer Klosterschwester 11 Akte 11 Akte (Dauerronre) 95570 besonders empfehlen. 08388 28 Iavre Utt sch an la Likör f! n alles einschließlich Getränkesteuer. chung. 08357 Deutsche 9576D Tel. 240 auch nachts Wert-Lotterie der Volkshalle 600 Gewinne Ziehung diese Woche Donnerstag Das Fest ihrer silbernen Hochzeit begehen am Mittwoch, dem 14. Oktober Am Mittwoch, dem 14. Oktober 1925, abends 8 Uhr, findet im Großen Hörsal der Universität ein Vortrag des Herrn Medizinalrates Dr. Walger über „Geschlechtskrankheiten und Alkohol" statt. Kirchendiener Karl Kolbe und Frau Bertha geb. Albrand W. Achenbach, General-Vertreter der »Flammentod'-Feuerlösch-Apparate. Katharine Brück Karl Stoll Hansa Handelsschule /. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr 60 vorni. Hermes Neue Kurst 12. Oktober. GeUeisWe SveisekarlMeln zum Einkellern 'lausend ab Lager und frei Haus, zu äußerst billigen Preisen, Großabnehmer Vorzugspreise. Hermann Sauer, Bureau u. Lager Walltorstraße 36 H. Telephon 1154. worden sind. Gießen, den 10. Oktober 1925. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Kling 1 por. Semsttze 9emoita: IWe Miei. Heute Ä im Gewerbehaus. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Ausstellung Der Shin didaien zur Stadt verordnetenwabl. Wir bitten um zahlreichen Besuct unserer Miigttedcr Nlchlmitglieder baden fernen ßirritt *'“c Dar Vorstand. Vogtsche Handelsschule, Gießen, Goethestr.32 Brößle Privathandelsuchule Hessens. z.ZL 160 Schüler. 50 Schulmaschinen Master- uua Lehrbureaus. 8566 19. Okt. Beginn neuer Kurse. Auskunft und Prospekt durch die Schulleitung: Dr. Reukauf. Saatbeize ,Uspulun‘ Samenhaus OeinthO AW. Babnbofftrafre. Televl) 1403. 9580c Stadtiiieater Mittwoch, 14. Cf t i.minrooMön.'Dtw uon t>u/4b geg.ll^Uhi Der Bogelöüoöln Operette in 3 Akte» von Zeller. Mittwoch, den 14. Oktober 1925,2 Uhr nachm, versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1.2 Kassenschränke, 2 Büfetts, 2 Tische, 4 Stühle, 5 Sofas, 3 Nähmaschinen, 1 Vertiko, 1 Kommode, 1 Kinderwagen, 3 Bücherschränke, 1 Chaiselongue, 2 Sessel, 4 Stühle, 1 Gasherd, 3 Mille Zigarren, 1 Hobelbank, 1 Kreissäge, 1 Paket Packpapier. II. An Ort und Stelle (Bekanntmachung Dersteigerungslokal): 2 Gismaschmen, 2 Aktenschränke, 1 Schreibtisch, 2 Drehbänke, 1 Blcchschneidemaschine, 1 Kiste Messing, 1 Raucheisch, 1 Feuerlösch- apparat. Itt. Bestimmt: 1 Kinderwagen (neu). 9577D Vogel Stellv. Gerichtsvollzieher in Gießen. Einladung zu der am 15. Oktober, nachmittags nnlöernWismotl. intoheig stattfindenden Löschprobe mit dem Iroiftiifeuerlöiififlpparatglflir.intiitoii Allen Haus- und Grundbesitzern sowie den Herren Bürgermeistern und Feuerwehr- Hauptleuten der benachbarten Gemeinden mochte ich den Besuch dieser Vorführung Urlma MM Seinen Mittwoch, Donnerstag u. Freitag frisch eimreffenb: Schellfische o. ft. Stabefidu o. ft. Seelachs o. ft, Seehecht Fischkotcletts srlschevtteklogs.lloU- mdpse.Sardl jen.Bls- marckliennge. Bratheringe uhu Berner ied. Fretiag und Samstag M79c efljle NMimer Mtltoi E. G. aleiiiijenn Babn.tiofit.59. Tel. 66 Perfekte Arbeistkillsek anifi Sifmeiiier für Kostüme und Diänrel per sofort MA Am mit Redetalent u guten Ilmgangsformen für d. Verkauf eines gutgehenden Artikels für die Provinz Oberhessen gesucht. Hohe Derdienstmöglichkeit. Damen, welche schon gereist haben, werden bevorzugt. 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Bemerkt wird, daß die Erklärungen, die sich im Besitz der Vereinigung für Feuerbestattung für Gießen und Umgegend befanden, von Rechtsanwalt Dr. Meuser dahier dem Standesamt bereits zur Verwahrung übergeben Tücht. Vertreter gesucht. „Wintrich“ Hand- Feuer- Löscher Spezialität Autolöscher BoraardsLTbc:^ NothschildaUce 84 Frankfurt a. tVc Nr etWIfllüsfn BasalL- steinbruch wird Staufer oder Teilhaber gesucht. 10000 Mk. müssen vorhanden fein Off. unt.9Zr.8O8nnHerao, Plock'traste 5. Wer emailliert u. bemalt künstliche Metallnase mit Fleischsarbe? Schr. Ang. u 08361 an den Mes; Anz. Auf d. Ätten 6ried- hoi ein DnmeMtiiitm fteben flebllebeiu 21 b» zuholen beim 08317 Verwalter Löber. | Vereine Riillerie verein. Siifammenhinft der Damen Donnerstag, 15. Okt., abends 8 Uhr, Hotel Köhler. Wichtige Bespre- Stieda Gerslenbliuer, 2ßllbctmüv. 8 p. «iir foiort flefutfit fleitzige iillMeilem f. Buchbinderarbeit. 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Immer wieder ist die Sonne von furchtbaren Explosionen und Stürmen brennender Gafe erfchüttert, die wir als Sonnenflecken und Protuberanzen sehen. Diese Perioden von Tätigkeit und Ruhe wechseln etwa alle 11 Jahre ab, wie sich aus den Berichten erkennen läßt, die seit dem Jahre 1610, seit der Erfindung des Fernrohrs, überliefert sind. Astronomen, die wie ich ihr Leben dem Studium der Sonne widmen, haben kürzlich eine Tatsache entdeckt, die für die Verteilung des Klimas auf unserer Erde von gröhter Wichtigkeit ist. Es ist die Tatsache, dah nach 2 Perioden von 11 Jahren das „Sonnenfieber" zu einem ungewöhnlichen Grade anwächst, und diese Erscheinung wiederholt sich alle 34 oder 35 Jahre. Unter dem Einfluh dieser gesteigerten Sonnentätigkeit verdoppelt sich der Regen auf der Erde, und wir beobachten eine Periode der Räsie, die ungefähr 17 Jahre dauert und von einer ebenso langen Periode der Trockenheit gefolgt wird. Gewöhnlich glaubt man. dah wir uns gegenwärtig in einer nassen Periode befinden: in Wirklichkeit find wir mitten in einer Periode der Trockenheit. Dies Iaht sich schon daraus erkennen, dah der Stand der unterirdischen Wasierschichten gegenwärtig sehr niedrig ist. Der Wasierstand in unsere« Brunnen wird weiter bis zum Jahre 1928 fallen; dann wird er sich allmählich wieder erheben un® seinen normalen Stand 1935 erreichen. Deutsch-Südtirol. Der tschechische Minister des Auswärtigen Dr. Bsnesch sagte am 27. Mai 1921 in einer Inter- pellationsbeantwortung: ..Dah die tschechoslowakische Republik eine alliierte und assoziierte, schon vor Beginn des Weltkrieges mit Deuschlandt im Kriegszustände befindliche Macht war." Blitzartig beleuchtet dieser viel zu wenig bekannte Ausspruch die Lage Deutschlands vor dem Kriege, den Kampf, der von der anderen Seite langst gegen das Deutschtum begonnen hatte, der dann 1914 offen ausbrach — und der heute in unverminderter Stärke, nur in anderer Form, weitergeht. Eine der schlimmsten Gefahren liegt in der Verwelschung der Südmark. der 230 OOO Deutschen Südtirols. 11 n diese Gefahr voll zu erfassen, genügt es nicht, nur mit Anteilnahme die sich häufenden Mel- dungen über die Bedrückung des Landes zu lesen. Dieses kerndeutsche Grenzvolk muh in seinem ganzen Wesen, in seinem Werden und seiner Kultur, in seiner Landschaft und seiner Wirtschast und schliehlich in seinen heutigen unmöglichen Lebensumständen erkannt werden. Runmehr liegt eine solche umfassende Schrift vor im neuesten Sonderheft „Deutsch-Sudtirol" der Süddeutschen Monatshefte. Die sachkundigen Mitarbeiter sind vor allem Deutschsüdtiroler, die schon jahrzehntelang im Kampf für das Deutschtum stehen und heute zum Teil 'fern von der Heimat leben müssen. Gewaltig ist die Fülle des ausgebreiteten Stoffes. Die packende, die treltpoliti che Lage e'.nbeziehende Einleitung über das „Südtiroler Schicksal" des ehemaligen Hnlerstaatssekrelärs von Pflüg! Zeigt, wie infolge der unauflöslichen natürlichen Der- bundenheit von Rord- und Südtirol Italien, das auf - dem Brenner Fuß gefaßt hat, dort nicht stehen bleiben kann, sondern auch nach dem Besitz des nördlichen Abhangs streben muß. Wie ist es nun mit der Brennergrenze? Diese forderten die Italiener während des Krieges aus „strategischen" Gründen und Wilson genehmigte sie deshalb, bevor er diese Frage überhaupt nach den von ihm selbst verkündeten Grundsätzen geprüft hatte. Wilsons Privat- sekretär Daker gibt das heute selbst zu in seinen Erinnerungen: „Unglücklicherweise hatte der Präsident die Brennergrenze Orlando zugesagt, wodurch etwa 150 OOO (richtig 230 000) Tiroler Deutsche Italien überantwortet wurden — eine Tat, die er später als groben Fehler ansah und tief bedauerte. Es war geschehen, bevor er diese Frage sorgfältig studiert halte." Als strategische Grenzen wären eher die Pässe von Klausen und Salurn anzusehen, wie dies sogar 1920 der Engländer Lord Dryce im Oberhaus erklärte, während der Brenner nur als Wasserscheide, nicht aber als Sprach- und Volkstumsscheide oder als militärische Derteidigungslinie gelten kann. In Wirklichkeit verfolgt die italienische Regierung mit dieser Grenze deutlich zwei Ziele: Die Ent- deutschung Südtirols und die Schafsung eines geeigneten Aufmarschgebiets für ein Vordringen nach Mitteleuropa. Dies wie die Behandlung der Deutsch-Südtiroler Rekruten in süditalienischen Regimentern und die Militärorganisationen in Südtirol legt Alfred Dresler eingehend dar. Italien strebt aber auch die wirtschaft- liche Durchdringung des Landes mit allen Mitteln an. H. v. Gasteiger zeigt in einem Haren Bild des Wirtschaftslebens Südtirols, tote die Losreißung des Landes die Rückgewinnung des früheren, natürlichen Absatzgebietes für die Hauptprodukte Obst, Wein und Holz nicht zuläht, während den letzten Rest von Wohlstand die unfeltge Steuerpolitik Italiens vernichtet. Auch der für das Land so wichtige Fremdenverkehr sann nur vo t Aorten f ec toTe ec auf 'eine frühere Stärke gebracht werden. Italienische Gewalt brachte auch hier nur Rückschritt. Am 3. Sep- lember hatte der Präfekt von'Trient alle deutschen alpinen Vereine aufgelöst und mit allen beweglichen und unbeweglichen Gütern der Verwaltung des Clubs alpino übettoie'en, d. h. 75 Hütten und das ausgezeichnete Wegenetz des Deutsch - Oesterreichiscben Alpenvereins werden samt dem hochentwickelten Rettungswesen vernachlässigt. Die Gipfel und Grate der Zentralalpen sind keine Sprachscheide. Aord- und Süd- lirol ist eine sprachliche Einheit, ein- gefügt in die große Stammesgemeinschaft der Bayern, die im 6. Jahrhundert die Mundart ins Land brachten, wie Privatdozent Pfalz, Wien, darlegt. Italien kennt wohl die gewaltige innere Macht der Sprache. Längst ist der Landesname „Tirol" berbo'en, längst sind alle deutschen Orts- und Straßennamen in lächerlicher Weise ver- welscht worden. An der Wurzel aber wird der deutsche Laut mit der Schule ausgerottet. Entgegen allem Recht wurden im Oktober 1923 mit einem Federstrich vierhundert deutsche Schulen ausgetilgt. Sogar die deutschen Kindergärten sind abgeschafft. Den Müttern ist verboten, Kinder gemeinsam überwachen zu lassen. Der offen zugegebene Zweck. Entnatio- Taöletten In affen Apoihelen u. Drogerien für Fänger/ Äportsleute/ Raucher Wie wird das Winlerwetter. Der französischeAstromon Abbe Moreux. der sich feit mehr als einem Dierteljahrhundert in feinem Observatorium zu Bourges besonders mit dem Prob- lern der Sonnentätigkeit und ihres Einflusses auf das Wetter auf der Erde beschäftigt, besitzt als Wettervorhersager eine gewiße Berühmtheit, denn er hat sowohl das Erdbeben von San Francisco im Jahre 1904 wie das von Messina im Jahre 1908 vorausgesagt. Auch sonst sind seine Vorhersagen schon sehr häufig eingetroffen. Er hat über die künftige Witterung auf unseren Planeten wichtige Mitteilungen gemacht. Der kommende Winter, sagt er, durfte kalter werden als sonst üblich. Der nächste Sommer wird wärmer sein, als wir in den letzten Jahren gewohnt waren. Die Jahreszeiten werden wieder zu der Regelmäßigkeit zurückkehren, die sie in der Zeit meiner Jugend (der Abbä ist 57 Jahre) besahen Wir werden also von jetzt an Winter mit ausge- sprcchener trockner Kälte haben und mit viel Schnee und andererseits Sommermonate, in denen eine gleichmäßige Wärme herrscht. ES sind auch schwere Erdbeben zu erwarten schon innerhalb der nächsten Wochen und Monate. Die Beobachtungen und Voraussagen Moreuy stützen sich auf das Studium der Sonnenflecken, denen er — wie so viele andere bedeutende Astro- nomen heutzutage — einen entscheidenden Einfluß auf unsere Witterung zufchreibt. Wie viele Men. scheu vergegenwärtigen sich wohl immer, daß jede Minute die Sonne eine Maffe in Brand setzt, Me Klangliche Untersuchung der Evangelien. Professor Eduard Sievers, der hervorragende Philologe der Leipziger Universität, hat die von Ruh erfundene, bekannte Methode klanglicher Analyse zu einem Instrumente wissenschaftlicher Forschung gemacht. Mit dieser Me- ihvde arbeitet eine Untersuchung, die Prof. Sievers jetzt in den Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaft veröffentlicht. Er untersucht darin den Text der O f f e n b a r u n g 3 0 - Hannes auf seine Einheitlichkeit und stellt darin 10 Stimmen fest, deren eine als der durchlaufende Grundstock des ganzen Werkes sich heraushebt und dem die Hauptteile gehören. 3or ■^yjaJjer ist nach Sievers der Mann, der sich selbst Johannes nennt. Die übrigen Stimmen sind episodenhafte Erweiterer des Grundstoffes, plan- inähige Ueberarbeiter oder von geringerer Bedeutung. Die Schrift gewinnt nun, wie der Greifswalder Theologe Professor Gerhard Kittel soeben in der „Deutschen Literatur-Zeitung" betont, etwas Sensationelles durch ausführliche Mitteilungen von Sievers über seine Forschungsergebnisse an den Evangelien. Has Johannes-Evangelium besteht danach, abgesehen vom Prolog, der Perikope über die Ehebrecherin und ein paar kleinen Einschüben, auS zwei Stimmen: einem alten, auf den Zebe- daiden Johannes zurückgehenden Grundstück, dessen Stimme zugleich mit der des ersten 3o- Hannes-Driefes identisch ist: und einer zweiten Stimme, die dem einen Ueberarbeiter der Apokalypse angehört. Dieser Redaktor der Johannes- Offenbarung — der übrigens in der Stille des Presbyteros des 2. und 3. Johannes-Briefes noch einmal wiederkehrt — ist also zugleich der Großumgestalter des Urjohamies gewesen. Die Stimme dieses Urjohannes aber, und das ist das scheinbar Unerhörteste an diesen Schlüssen, kehrt in große mH m fange in jedem der drei synoptischen Evangelien sowie in einigen Zitaten bei Paulus wieder. Das Urjohannes-Evangelium liegt zeitlich vor den Synoptikern: es ist eine der Hauptquellen für diese unsere Evangel.en gewesen, die ihn, sei es direkt, sei es indirekt, d. h. durch den Markus hindurch, ausgezogen und mit ähnlichen Auszügen aus anderen Quellen erster Hand verarbeitet hat. Sievers selbst wird schwerlich ahnen, daß seine letzten Ergebnisse sich im Grundsatz mit gewissen Beobachtungen berühren, die von zwei, selbst wieder von ganz verschiedenen Gesichtspunkten herkommenden Forschern (Otto P gotisch, Rudolf Bultrnann) irt den letzten Jahren vorgelegt, worden sind, wonach man damit rechnen muß, dah das johanneische Christentum einen älteren Typus darstellt, als das synoptische also eine völlige Umkehrung der bisherigen wissenschaftlichen lleberzeugungen. Es wird diesem Zusammentreffen gegenüber nicht möglich sein, an den Fragestellungen .die sich ergeben, mit Achselzucken vorbeizugehen. nalifierung. Erschütternd ist. was Pater Inner- ko f l e r . MitgliH der Böllerbundliga in Wien, über die „Döllische A 0 t in Deutsch- Südtirol" erzählt. Der Deutsche ist vogelfrei. Richt Einzelvorkommnisse sind die blutigen Heber- fälle auf harmlose Trachtenzüge, die Erschießung des Lehrers Jnnerhoser, die Berprügelung des Domherrn Psenner, des Bozener Altbürgermeisters Peraihoner. Alle Bilder der Freiheitskämpfer mußten von den Wänden und aus den Schulbüchern verschwinden. Die alten Standbilder wurden heimlich * zertrümmert und geschändet. Schier nichts ist den Südtirolern an Freiheit geblieben als „die Freiheit zu verzweifeln": nur das Vertrauen in die eigene Kraft und d i e Hoffnung auf das Reich läßt sie Rot und Bedrückung noch trotzen. Wir aber dürfen uns über die Gefahr nicht im Unklaren sein, die mit der Südmark schon das Reich selbst bedroht. Kürzlich erfolgte in Mailand die Gründung eines „Ausschusses zur Eroberung Aordtirols". Stärker vielleicht als der Schweizer Kanton Tessin ist heute schon Innsbruck gefährdet. Täuschen wir uns nicht wiederum fo verhängnisvoll wie während der Kriegsjahre mit dem gemütlichen Spruch „Ein Sechzigmillionenvolk kann nicht untergehen", wo dieser Untergang schon begonnen hat. Ihm zu begegnen bedarf es des einheitlichen Willens aller, den zu wecken und zu stärken dieses bedeutsame Grenzlandheft der „Siiddeut- Das für Brauer schwend günstige Ergebnis war 12: 11 Wenn es auch nur ein schwacher Sieg ist, so muh doch erwähnt werden, daß die Spiel- weise der Drauerschwender Mannschaft in letzter Zeit merklich besser geworden i-st. Handball in Bad-Nauheim. . Bad-A anheim. 12. Oki Ain Sonntag wurde hier das Pflicht-Handballspiel zwischen Männer turn verein Gießen und Turnverein 1 860 Bad-Rau heim aus- getragen. Es endete 3:0 (Halbzeit' 0:0) zugunsten Bad-Rauheims. Westdeutsche Fußballspiele. V. f. B. Kurhesse 1 Marburg - Hefen Kassel 1:3. Göttingen 05—Torujfia Fulda 2:1. ö er>en 1900—Kassel 03 1:9. Sport Kas'el-F. E. Wetzlar 11. SP. V. Kassel -Osterode 6:0. Kurhessen Phönix Kassel 9:1 (Ce'eltschaftskpiel). Sportspiegel. Bei den internationalen leicht- athl etik-Wettkämpfen in Paris gab eS teils recht gute Leistungen, Pa 01i verbesserte sogar den französischen Rekord im Kugelstoßen auf 14.22 Meier, van den B e r g h e - Holland gewann die 100 Meter in 10.6, (Sator fprang 7,50 Meter weit, Hoff- Aorwegen 3,55 Meter hoch. Der Schwede Petterson gewann den 200-Meter-Hürdenlaus in 26,6, E ck 1 0 f f die 5000 Meter in 15:10,2. Beim Hainburger Damenschtoimmsest stellte Frk. Anni Rehborn im 100-Meter-Rücken- schwimmen mit 1:28,1 einen neuen deutschen Rekord auf. Eine gute Zeit im Herrenjugend, schwimmen 5.1. erzielte Krohn-Stern- Hamburg mit 1:08.3. Den Ehrenwanderpreis in der 4-mal-4O-Meterdamenlagenstasfel gewann der BochumerSD. in 2:11 vor dem Jhehoer SV. Die Kunstturnriege der Berliner Turn er schäft hat in Riga in mehreren Turnabenden eine verständnisvolle Aufnahme der hervorragenden Vorführungen und oft stürmischen Beifall gefunden. Bei den Bochumer Radrennen konnte Oszmella- Köln den Weltmeister Ma^ai- rat in dem internationalen Hauptfahren schlagen. Krewer-Köln wurde Dritter. Der Waldlaufmeister der DT. Bräsicke- Germania-Petecshagen hat den Brandenburgischen Herbstlauf über 4,7 Kilometer in 14:50 vor Tietz- Jahn-Schönefeld und Q u e e l» Jahn- Biesdorf gewonnen . Siegerin der Frauenklasse wurde Sri. Spindler - D. T. S. D. Friesen. Das Haupthürdenrennen in Karls- Horst gewann Rost (Oertel) vor Maxa unb Borussia (39; 14, 13, 18). Lei den Pariser Radrennen konnte der deutsche Dauerfahrer Wittig im 70Kilo- meter-Rennen nur Zweiter hinter dem Italiener Dotkicellt werden. Strafkammer Gießen. • Gießen, 9. Oft. In der heutigen Sitzung standen eine Reihe von Derufungssachen zur Verhandlung: Zunächst wurde gegen einen ehemaligen Angehörigen der hiesigen Reichswehr, den Ober- grenabier Kilian K. verhandelt, dem zur Last gelegt wurde, sich der Achtungsverletzung gegen einen Vorgesetzten in Tateinheit mit Gchorsams- verweigerung schuldig gemacht zu haben, und der dieserhalb durch Urteil des Amtsgerichts Gießen mit 4 Wochen mittleren Arrest bestraft worden war. Mit seiner gegen dieses Urteil eingelegten Berufung hatte er teilweisen Grsolg, indem das Gericht, den Ausführungen der beiden ärztlichen Sachverständigen folgend, die ihn für seine Tat zwar für verantwortlich erklärten, aber in Anbetracht seines psychopati- schen Zustandes die Tat einer milderen Beurteilung empfahlen, in weitaus großem Maße ihm mildernde Umstände zubilligten und ihn mit der gesetzlich geringst zulässigen Strafe von vier- zehnTagen Mittelarrest bestraften. Die 6(^ährige Anna K. von Friedberg war wegen Hehlerei durch das Amtsgericht Frred- berg mit 1 Monat Gefängnis bestraft worden. Sie hatte von einem ihr gut bekannten jungen Mann, der ledig, ohne jegliches Vermögen, schon Neuyorker Bries. Von Charles Patterson. N e u y 0 r k, 30. Sept. 1925. Die Unsicherheit, die durch die Erörterung des Sicherheitspaktes wieder einmal in die Weltpolitik getrieben wurde, beeinflußt natürlich auch die Kre- di t b e r c i t f ch a f t Amerikas wenig günstiy. Dies sieht man besonders an dein 25-Millionen-Kredtt an die deutsche Landwirtschaft, der durch die National City Conwany vermittelt wurde. Der ursprüngliche Plan, Pfandbriefe der Deutschen Rentenbank- Kreditanstalt in größeren Mengen auf den amerikanischen Markt zu bringen, mußte wegen des allgemeinen Mißtrauens des großen Publikums fallen gelassen werden. Dies verlangte vielmehr als Sicherheit ausschließlich einwandfreie Hypotheken, die bei einem Treuhänder der Amerikaner in Deutschland hinterlegt und auf Grund deren dann in Amerika Bonds nach amerikanischem Muster ausgeaeben werden. Trotzdem dürfte bei der starken Flüssigkeit des amerikanischen Geldmarktes noch mancher Kredit für die deutsche Wirtschaft gewährt werden, und auch die deutsche Abordnung, die unter Führung des Fr- nanzrakes Adolf Friedrichs unter Teilnahme des Bankiers M e n d e l s f 0 h n - B a r t h 0 l d y und des Neuyorker Generalkonsuls von Lewinski kürzlich in Washington eingetroffen ist, um wegen der teilweisen Ablösung der bald nach Friedens- schluß ausgegebenen deutschen Regierungsschuldver- schreibungen zu verhandeln, ist eines gewissen Erfolges sicher. Ein großer Erfolg waren jedenfalls die Dollaranleihe der Stadt Bremen über 10 Millionen, die mit 7proz. Verzinsung zu einem Kurse oon 945 aufgelegt wurde, und die mehr als zehnfach überzeichnete Bayerische 15-Millionen-Anleihe, die aller- dings mit den günstigsten Bedingungen ausaestattet war, die bisher je von einer deutschen Anleihe in Amerika gewährt wurden. Das Interesse amerikanischer Wirischaftskreise an dem Wiederaufbau Deutschlands ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß Deutschland immer noch Amerikas bester Kunde und fein zweitbester Lte- f erant ist. Gerade hier hat die kürzlich vom amen« konischen Handelsamt veröffentlichten Statistik des amerikanischen Außenhandels sehr interessante und für die Zukunft der beiden Länder äußerst vielsagende Ziffern gebracht. Amerikas Ausfuhr nach Deutschland stieg in dem letzten mit dem 1. Juli dieses Jahres abgeschlossenen staatlichen Rechnungsjahr auf 464 Millionen Dollar gegen 378 Millionen Dollar im Vorjahre. Besonders die Ausfuhr von Rohbaumwolle, Kupfer und Schmieröl, aber auch von Getreide und Futtermitteln weift eine erhebliche Steigerung auf. Amerikas Einfuhr aus Deutschland — ein durchschlagendes Argument gegen das ewige Dumpinggerede — sank dagegen von 148 Millionen Dollar auf 145 Millionen Dollar. Das wirtschaftliche Interesse der amerikanischen Bank- und Geschäftswelt beschränkt sich aber nicht nur auf Deutschland, vielmehr betrachtet man dort die europäische Wirtschaft als Ganzes und hat die paneuropäischen Bestrebungen der Alten Welt sozusagen eskomptiert. Der praktische Blick des Amerikaners konzentriert sich nicht kleinlich auf einen Punkt, sondern umfaßt das Problem des europäischen Wiederaufbaus, das nur ein Teilproblem des weltwirtschaftlichen Wiederaufbaues ist, an dessen schneller Förderung die Union aufs äußerste interessiert ist, einheitlich zusammen. Und praktisch, wie das Volk selbst, sind auch seine Maßnahmen. Wahrend sich die europäischen Nationen undankbarer Für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezlaikuranitalt Hob heim I. Tannna bei Fra kfurt a M Benag), eingerichtet, vorzügliche Verpflegung tauch Diät-Kuren). Mäßige. Preise Prospekt durch Dr. JI. SchaUe-KahleyHs, Nervenarzt politischer Probleme wegen in die Haare geraten, leistet Amerika praktische Aufbauarbeit, allerdings mit dem ständigen Hintergedanken eignen Vorteils. Vergessen wir es nicht, daß es ein Amerikaner war, der den Vorsitz im Dawes-Ausschuß führte, daß ein Amerikaner die ungarischen Finanzen in Ordnung brachte, und ein Yankee sich mit der Lösung der undankbaren Memelfrage befaßte. Amerika sucht auch durch die große Interparlamentarische Konferenz dem Weltfrieden und dem Wiederaufbau der Weltwirtschait zu dienen. Wissenden Kreises Deutsästands ist sicherlich die große heimliche Invasion amerikanischer Geschäfts- und Finanzleute aufgefallen, die unter dem Deckmantel einer Vergnügungsreise vor sich ging, in Wirklichkeit aber eine mit dem kritischen Auge des busineß man ausgeführte Geschäftsreise war. Was die Herren Lamont, Kahn, Francis H. Sisson und kürzlich erst wieder Charles E. Mitchell in Europa sahen und beobachteten, dient sicherlich vorerst dem amerikanischen Interesse, aber es wird ebenso sicher einer verstärkten Anteilnahme der Union an den Sorgen der alten Welt dienen und die hier noch vor kurzem bestehende Europa- inüdigkeit dämpfen. Denn das ist der charakteristische Zug aller Aeußerungen und Berichte jener Geschäftsund Finanzleute, daß sich die wirtschaftliche Entwicklung Europas in gesunden Bahnen bewege, und daß trotz der unleugbaren Schwierigkeiten in Industrie und Handel, trotz Geldknappheit und Beschäftigungslosigkeit die auf bauenden Faktoren wachsen. Zu einem ähnlichen Schluß kam auch ein leitender Beamter des Washingtoner Handelsamtes, der kürzlich eine Inspektionsreise durch die vielen Vertreterftellungen dieser wundervollen amerikanischen Organisation gemacht hat, und der vor allen, eine Besserung der geistigen Verfasiung der einzelnen Nationen feststellte. Zugleich aber wies er darauf hin, daß mit der Wiederbelebung der europäischen Wirtschaft fick; auch die Schwierigkeiten der amerikanischen Industrie im Wettbewerb auf dem Weltmarkt heben müßten. Dlod) ist man indessen in Amerika nicht besorgt, nod) weist man stolz auf die Ueberlegenheit der amerikanischen Produktionsmethoden, auf die schier unerschöpfliche Finanzkraft der Union und auf deren erheblich günstigere geographische Lage zu vielen wichtigen Märkten, insbesondere Südamerikas, hin: aber im Hintergründe taucht doch hin und wieder dunkel und nebelhaft das Gespenst der europäischen Konkurrenz auf, dessen wichtigste Waffe die Regsamkeit und der Fleiß Deutschlands ist. In geradezu hysterischer Weise wird das Wiedererwachen der europäischen Konkurenz von der amerikanischen Arbeiterschaft gefürchtet und ihre Bekämpfung in allerhand Anträgen zu einer weiteren Erschwerung der Einwanderung erstrebt, tfür Deutschland ist in diesem Zusammenhänge ein Vorschlag interessant, der vor kurzem von einem be kannten Führer der amerikanischen Gewerkschaften gemacht wurde, und der allen Ernstes darauf hinauslief, die gesamten Kriegsschulden im Interesse der Vermeidung eines gefährlichen Dumpings europäischen Waren in Amerika zu streichen oder auf ein Minimum zu reduzieren. „Falls mir die an uns verschuldeten Nationen" — so heißt es in dem Bericht dieses Gewerkschasllers — „zwingen, ihre Sd)ulden an uns abzutragen, dieses aber vorwiegend nur auf dem Wege der Warenlieferung möglich ist, so ist damit die Gefahr einer Ueberschwemmung unseres Marktes mit billigen Waren und eine Gefährdung unseres Lebensstandards in nächste Nähe gerückt, denn selbst wenn die europäischen Nationen ihren Warenüberfluß in andere Länder ablenken, so werden sie damit die WettbewerbssähiAkeit der amerikanischen Waren entsprechend herabdrucken." Die Auffassung ist sicherlich zum Teil richtig — der Vorschlag aber leider aussichtslos! — Denn es handelt sich natürlich um einen billigen Vorschlag der amerikanischen Arbeiterschaft, die bei einer solchen Lösung ja am allerwenigsten zu verlieren hätte. Die amerikanische Oeffentlichkeit nimmt natürlich derartige Hirngespinste keineswegs ernst und besteht nach wie vor auf der Zurückzahlung der europäischen Schulden. Die Enttäuschung, die Cail- laux bei seinen Verhandlungen in Washington erleben durfte, und die temperamentvollen Angriffe, die Senator Borah noch immer im Sinne einer baldigen Regelung der Schuldenfrage besonders au den französischen Militarismus macht, zeigen weit besser als sonstige Geschehnisse die Mentalität des amerikanischen Volkes, das auch in diesen schwerwiegenden internationalen Entschädigungen das kluge und nüchterne Geschäftsvolk bleibt, dessen nationales Interesse an oberster Stelle steht. Turnen, Sport und Spiel. Faustball im Kreise Alsfeld. l. Drauerschtoend, 11. Oft. Heute nachmittag kämpfte die 1. F a u st bci l l m ur» ' Schlich!, Mittag Datum: 1J. 1t. [ 14. 10. 10. 10. 12 10. 5% Deutsche Reichsanleihe - 4% Deutsche Reichsanleihe . 3V2% Deutsche Reichsanleihe 0 2315 0.3 ' 0 2325 0,32 0,2325 1,2025 I iJ 235 0.29 0,k9 ' 0,27 0.2775 0.275 8% Deutsche RcichSanleihe . 0 45 i .45 —- 0,425 Deutsche Sparprämienanleu-e 4% Preußische stonsolö - . . 0,12 0,285 0,13 0,135 0,13 5 1 .4.) 0.265 0.2625 4% Hessen ......... — — 0.24 ' 0,24 0 23 0.24 91 75 0,23 0,24 Deutsche Werth- Dollar-Aul- dto. Doll-Lchatz-Anweisng.*) 90.25 91,75 95.85 96 96,1 96.25 7,75 7.4 7,8 5% Goldmerikaner ... - 39,5 41,25 Berliner Handelsaesellschast. Commer;- und Prlvat-Bank 123 5' 94,75* 124,5* 94* 125* 94-75* 125.7- 94.75" Darmst. und Nationalbank - 105.5" 105 5* 105,9* 105,6' Deutsche Bank......... 106 105.25 106,2 105,5* Deutsche Dcrcinsbank .... 75 75,5 •— — DiSconto Eoinmandit - • 102.7’ 103' 103’ 102,9* 76,5 77 > _______ _ Mitteldeutsche Creditbank . 92 91.25* 91 5* 91.5* Oesterreichische Creditanstalt. 7,3 7.45 7.4 7,4 — 0,03 67 __ _ 69* 68,25* 46 Buderus............ 46,7 16,5 46.5 Taro ............ 39 38 5 39.5* 39,75* Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . 68,75 70.5 73 69* 74,5* 68.75* 74,26* Harpencr Bergbau...... Kaliwerke AscherSleben.... 104.5 104,75 105.5* 105.4* 116.75 116,5 116 116 121.5 37.5 123 37 18.4 37 18,4 Laurahütte......... . Oberbedars........ . 48 44.3 Phönir Bergbau ...... Rhetnstahl........... Riebeck Montau........ 73* 73.75* 74' 57 57,5* 58,25* 73 58* 72,5 TelluS Bcrgbaü........ 55 54 — Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llohd..... 60* 64,75 60* 64.5! _ 60,5* 65,f Theramische Werke Albin . - 'Zementwerk Heidelberg . . . 66.5 66,5 _ Philipp Holzmann...... 63,13 53,25 53 53,5 Anglo-Com-Guano ..... — 91 1:22,4 Badische Anilin........ 121,25 121,75 121,25 Ebcmischc Mader Alapin . . Goldschmidt......... Griesheimer Electron .... 68 75 68.5 68,25 67,5 119,25 119,75 119 9 119 Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung........ 119 9 120 119,75 122,4 53,25 51,25 RutgerSwerke......... Lcheideanstalt . t ...... . 6.1 5 61,75 63,25 64 9 90,7 91 Sitte. Elektrizitäts-Gesellschaft m6* 96,5 97- 96,5* V'cramai'.it ......... 73 5 < 4 73,25 74 Mamkrasrwerke........ 73,25 74 Schlickert . . ......... 64,5* 65,5* 65,75* 64,9’ Siemens L Halske...... 76,2d* 78.5 SO* 79.5' Adlerwerkc Kleyer...... 35,75 36 35,25 36 Daimler Motoren..... . 35 35.5 34.13 34,5 -veyligenstacdr......... 26 26 Megüin............. 35 35 36,25 36 Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . 0,3' 0,3 — Metallgescllichaft Frmkfurt. Pet. Union A.'G........ Schuhfabrik Her; . . .... 96 60 60 60 26,5 26,25 25 26 Sichel.............. 4,13 ! 4,25 80 55,25 55,75 4 4 Zellstoff waldhof..... . Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 79J5 5i i 55 । 79 1 54,25 80.25 56.5 54,75 5tanffurter Abenvbörie. Frankfurt a. M., 12. Ott. Bei völlig belanglosem Geschäft verkehrte die Abendbörse zu gehaltenen Kursen. Kaufneigung oder Interesse zeigte sich für kein Gebiet, und die Abendbörse schlaft in größter Stille mit Neigung zum Nachgeben. Deutsche Anleihen: 5prvz. Reichsanleihe 0.2321/», Schutzgebietsanleihen 5,870, do. 5,900. Ausländische Renten: 4V»proz. Ungarn von 1923 9,30, do. von 1924 9,30, 4proz. Ungar. Staatsrente (Kronen) 0,935. Bankaktien: Commerzbank 94, Medio 94, Darmstädter Dank Medio 105,50, Deutsche Dank 105,25, Deutsche Dereins- bcmk 75,50, Discontvgesellschaft 102,75, Medio 103, Dresdner Dank 100,50, Mitteldeutsche Credii- bank 91, Oesterreichische Kreditaktien 7,45. In- dustrieattien: Adlerwerke Kleyer 36, Dyckerhoff & Widmann 32,75, Goldschmidt 68,50, Eftlinger Maschinen 38, Höchster Farben 120, Inag 0,45, Gebr. Iunghans 55, Neckarsulmer 55, Rheinstahl 57,50, Rheinmetall 25, Rütgers werke 64,75, Kali Aschersleben 116,50, Wahß und Frehtag 65,75, Badischer Zucker 55,75. wunderte den Aufschwung, der aus diesem neuen Bekenntnis sprach. An Stelle der Verbitterung und mehr Rauch als Flamme ausstoßender Leidenschaft war eine sinnfällige Freudigkeit getreten. Nun stürmte er dahin wie ein Läufer, der die lodernde Fackel sicher zum Ziel trägt. Auch an Engelhardt schrieb er, aber Engelhardt wußte auch diesen Brief nicht zu beantworten. Ruhe zog in Ruths Herz. Auch in ihr schlug jede Ader, da sie den Geliebten der Krankheit und der zernervenden Untätigkeit entronnen sah, die ihn in die Knie gedrückt hatten. Wenn sie die stillen Tage zwischen Arbeiten mit dem Vater, chren Büchern und den Gedanken an Hanns und die Zukunft teilte, so blieb ihr keine Zeit, ungeduldig zu werden, obwohl der Frühling säumte und der Winter nur langsam aus den Tälern wich. Da schlug wie ein Blitz die Nachricht ein, daft der Regierung ein ausgearbeiteter Entwurf zur Nutzbarmachung der Wasserkräfte am Lauf- fen eingereicht worden sei, und daft in den nächsten Tagen in der „Alten Post" zu Rheinau mündliche Verhandlungen zwischen den Vertretern der Regierung und den Interessenten gepflogen werden sollten. Wild blies der Wind über den Schwarzwald und fang in den Tannen, daß sie wie mächtige Saiten klangen. Der Strom wälzte die ersten Schmelzwasser aus den Bündnerbergen und bdnnerte in gelben Stürzen durch die Enge. Die Sonne stieg und sank wie ein Scharlachball, der zwischen Den Wolken auf- und niedergeschleudert wird, daft farbiges Licht und bunte Schatten im Wechsel über die Landschaft flogen. Ruth Engelhardt stand barhaupt auf der Terrasse, blickte ins Land, und ein Glücksgefühl füllte ihr die Brust, als müßte sie zum Rhein hinunterlaufen und ihm zurufen, daft die große Zeit gekommen sei und die Welt erneuert werde. Kein Zweifel kränkelte sie an, sie wußte daß das Werk Hanns Ingolds sich aus den Plänen reckte. Er hatte ihr nur spärliche Andeutungen gemacht über die Fortschritte die ihm geglückt waren. Im letzten Brief hatte ein Satz gestanden der nahm in diesem Augenblick frische Farben Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gieftener Anzeigers".) Berlin, 12. Okt. Das Deckungsbedürfnis gibt mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ultimo Veranlassung dazu, daß im wei»ntlichen neue Kursbefestigungen auftrarcn. Das Angebot war etwas größer als bisher, trotzdem waren Die'c technischen Börsen-Operationen geeignet, dem Gesamtbild wieder ein freundliches Aussehen zu geben. Die Ultimo- Abschlüsse blieben demgegenüber anfangs gering, da seitens des Publikums immer noch keine Neigung zur Beteiligung am Börsengeschäft besteht. Für die Börse wurden die Deckungskäufe durch die leichte Verfassung des Geldmarktes erleichtert. Tägliches Geld 8 bis 10,5 Prozent. Es scheint, daß die Erleichterung der Geldmarktlage nicht allein auf den geringen Bedarf zurückzuführen ist, sondern auch auf verstärktes Angebot. Lebhaftes Geschäft sand zu Beginn in heimischen Staatsanleihen und Schutzgebietsanleihen statt. Am Devisenmarkt war das Geschäft still. Gegen London ermäßigten sich Paris, Madrid und Oslo. Warschau war gegen Kabel ebenfalls ermäßigt. Die Reichsmark notierte in London 20,33, Paris 5,16, Zürich 123,46. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. (An Billionen Mark auögedrückt. BuenoL-AirrS, London, Neu« York, Japan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wim and Budapest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.) Telegraphische Auszahlung. 10 Oktbr. 12. Oktar. Amtliche Noti rung Amtliche Notierung meld Briet Geld Brief A inst.-Ron 168.63 169,05 168.61 169.03 Bnen. Aires 1.730 1,734 1.732 1,736 Brst.-Antw- 19,02 19.06 19 17 19,21 Christiania. 83.85 84.05 83,60 83,80 Kopenhagen 101,42 101,68 101,47 101,73 Stockholui . 112,48 112,76 112.41 112,69 Helnngfors. 10.555 10.595 10,552 10,592 Italien. . . 16.81 16,85 16,80 16.84 London. . Neuyork . . 20,31? 20,362 20,309 20,359 4,195 4,215 4,195 4,205 Paris - . . . 19,365 19,405 19.305 19,345 Schwei; • ■ 80,86 81,06 80 87 81,07 Spanien . . 60, b7 60,53 60,30 60,46 Japan . . . 1,715 1,719 1,715 1,719 Rio de Jan Wien in D-- 0.624 0,626 0.624 0,626 Oest. abgest. 59,17 59,31 59,11 59,95 Prag .... Belgrad . . 12,427 12,467 12,424 13,414 7.45 7.47 7,458 7,478 Budapest. . Bulgarien . 5,875 5,895 5.875 6,845 3,055 1,065 3,057 3,063 Lissabon 21,225 10,276 21 225 31,275 Danzig. . . 80.53 80.73 80 57 80.77 Konstantin. 2,435 2,415 2,405 2,415 Athen. . . 6.09 611 6 09 ti.it Canada. . . 4.195 4.205 4.195 4,207 Uruguay . . 1.25 4,26 4,26 4.27 Banknoten. Berlin, 12 Oktbr. Amerikanische Nölen . . . .. Belgische Noten........ Dänische Noten . . . Englische Noten........ Jramöllschc Note» ..... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten Demsch'Oesterr., i 100 Srontn Romanische Noten Schwedische Noten Schweizer Noten....... Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Bries 4.227 19,2t) 101,80 20,367 19 rr-iü 169.04 16,91 83..8 69,82 118.68 81,00 60.40 18.445 5,86 Geld 1,20 19,10 101,90 20,267 19,265 168,20 16,83 88,86 58,92 112,12 80,60 60.10 13.885 5,82 Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gieftener Anzeiger»".) Frankfurt a. M., 12. Oft Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 23,25 bis 23,50, Roggen (inländischer) 17,25 bis 17,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 24 bis 25,50, Hafer (inländischer) 19,50 bis 21, Mais (gelb) 19,25 bis 19,50, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 37,25 bis 37,75, Roggenmehl 25 bis 26,25, Weizenkleie 10, Roggenkleie 10,50, Erbsen 30 bis 40, Linsen 45 bis 70, Heu (süddeutsches, gut, trocken) 9. Weizen- und Roggenstroh 4,50, Treber (getrocknet 17,50. Tendenz: Fester.— Amtliche Notierungen für S p e i fe k a r t o f f e l n: Industrie (hiesiger Gegend) 2,90 bis 3, gelb- fleischige (hiesiger Gegend) 2,60, weißschalige (hiesiger Gegend) 2,20. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Echlachwiehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „Gieftener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 12. Ott. Auftrieb: 1644 Rinder, darunter 497 Ochsen, 43 Dullen, 1104 Färsen und Kühe, 368 Kälber, 246 Schafe, 3917 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfund Lebendgewicht: Rinder: Ochsen, vollsleftchs» ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 58 bis 65, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 57, mäß.g genährte junge und gut genährte ältere 40 bis 48; Bullen, vollst ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 54 bis 58, vollfl. jüngere 48 bis 50; Färsen und Kühe: vollfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlochtwerts 55 bis 65, vollfl. ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 53 bis 58. wenig gut entwickelte Färsen 48 bis 54, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bis 47, mäßig genährte Kühe und Färsen 26 bis 36, gering genährte Kühe und Färsen 18 bis 28. Kälber: Feinste Mastkälber 85 bis 90, mittlere Mast- und beste Saugkälber 74 bis 82, geringere Mast- und gute ©augfälber 63 bis 71. Schafe: Maftlämmer und Masthämmel 50 bis 56, geringere Masthämmel und Schafe 40 bis 47, mäftig genährte Hümmel und Schafe (Merzschafe) 31 bis 34. Schweine: Bollfleischige von 80 bis 100 Kg. 87 bis 90. unter 80 Kg. 80 bis 86, von 100 bis 120 Kg. 89 bis 92, von 120 bis 150 Kg. 90 bis 93. Fettschweine über 150 Kg. 90 bis 92, unreine Sauen und geschnittene Eber 72 bis 83. Marktverlauf: Groft- und Kleinvieh lebhaft. Schweine schleppend und Ueberftanb. Berliner Produktenbörse— Berlin, 12. Ott. Der Produktenmartt lag infolge des hohen amerikanischen Marktes fest. Das Inlandangebot hält sich weiter start zurück und die Forderungen waren meist zu hoch. Weiten zog 3 Mark, Roggen 2 bis 3,50 an. Hafer dagegen 1 Mark niedriger. Das Mehlgeschäft konnte sich etwas beleben. Futtermittel ohne Belang. Es notierten per 1000 Kg.: Weizen, märt 214 bis 217, do. Ott. 231, do. Dezember 233 bis 233,50, März 236,50 bis 237,50, Roggen, märf. 152 bis 155, do. Ott. 173, do. Dez. 174, do. Mär- 183, Gerste, märf. 210 bis 235, Futtergerste 170 bis 175, Hafer, märf. 183 bis 191, do. Dez. 188. do. März 189, per 100 Kg.: Weizenmehl 27,50 bis 31,50, Roggenmehl 22 bis 24,25, Weizenkleie 10,40 bis 10,70, Roggenkleie 9 bis 9,50, Dittoria- erbfen 26 bis 31, kleine Speiseerbsen 26 bis 28. Futtererbsen 21 bis 24, Wicken 22 bis 25, Rapskuchen 15, Leinkuchen 21,30 bis 21,60. ! Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Anrschau".) »'•.£; - Mittwoch, 14. Oktober. 4.30 bis 6 llftr: Nachmittagskonzert des Hausorchesters: Händel. 6 bis 7 Ahr: Die Stunde der Jugend. 7 bis 7.51 Ahr. Die De- sprechung. 7.15 bis 7.30 Ahr: Wanderratschläge des Taunusllubs. 7.30 bis 8 Ahr: Schachstunde. 8.30 bis 9.30 Ahr: Neue Kammermusik. 10 bis 11 Ahr: „ Frihchen" von Herrn. Sudermann. wohlschmeckende Fleischbrühe a an und kam ihr lebendig ins Gedächtnis, fast Wort für Wort: „Jetzt ist es so weit, daft der Gedanke sich von selbst materialisiert, und mein Entwurf ist nun über mich hinausgewachsen, die Arbeit von vielen, er schiebt sich wie eine Lawine ins Tal. Mein Werk hat Flügel bekommen!" Ruth stand am Geländer und lieft sich vom Föhnsturm das blonde Haar zerblasen. Sie hatte kein Auge mehr für den romanttschen Zauber dieser Landschaft, die unberührt, kaum durch eine im Gelände verschwindende Eisenbahn mit der Welt verbunden, sich hier selbst genügte. Sie sah schon die neue Zeit aus dem Boden steigen, sah Hanns Ingolds Werk, wie sie es in den Planskizzen erblickt hatte, mit Wehr und Schleusen, mit eisernen Brücken und baftionierten Mauern aus dem Fluftbett wachsen und den kristallklaren Rhein aus der aufgesprengten Felsenenge tn die Turbinenkammern stürzen. Aber hinter diesen Visionen stand groß und leuchtend der Gedanke an Hanns Ingold selbst. Er kehrte als Sieger heim. Sein Werk war's, mochte es ihm auch ax8 den Händen genommen und Gemeingut vieler geworden sein, ein industrielles Unternehmen daraus werden', das nur nach Zahlen bewertet wird und Dividenden abwirft, für sie blieb es Hanns Ingolds Werk, war es mit chm verwachsen, so gut, so teuer wie er selbst. Denn das hatte sie an sich selbst erfahren, daß chm dieses Werk Leben oder Tod bedeutete, daft er daran gedieh oder starb. „Hanns Ingold", flüsterte, rief, schrie sie tn den heißen Wind und streckte die Arme über das stllle Tal, in das auch der getoaltig Elende Strom mit seinem eintönigen Rauschen lewe Anruhe brachte. And noch einmal leise, inbrünstig. „Hanns Ingold", dann stieg sie hinab und suchte chren Vater. Engelhardt hatte die Zeitung vor sich liegen. Er geriet nicht mehr in Hitze. Seit er erkannt hatte, wie tief sein Kind mit seinem gangen ©ein und Schicksal in dieses Unternehmen verstrickt worden war. trat er ihr mit großer Zartheit gegenüber. »Ja, mein Mädel, nun hat er'S doch in Gang gebracht, aber er irrt sich, wenn er glaubt, er sei schon über den Berg. Die Genehmigung ist noch nicht erteilt. Ich mache mix allerdings keine Illusionen über den Widerstand, der dem Projekt hier am Ort noch droht. ©eit gestern die Nachricht von der Abhaltung einer Konferenz bekannt geworden ist, sind die Rheinauer unter die Geldmacher gegangen. Auf einmal sieht jeder, daft es etwas zu verdienen gibt Sogar der Apotheker, der's doch am wenigsten nötig hat. Auch die Handelskammer macht ein gnädiges Gesicht. Nun steh' ich bald allein mit meinem Protest gegen die Zerstörung dieses Landschaftsbildes, das dem Moloch Industrie geopfert werden soll. Aber nicht davon will ich mit dir reden, Ruth, sondern dich fragen: Was nun? Du liebst Hanns Ingold, du hast unbedenklich daraus die Konsequenzen gezogen und hast ihm beigestanden, als das noch ein Wagnis war. Du bist zu ihm gereist und hast den Teufel gefragt nach den bösen Zungen, die dir diesen Verstoß gegen die Konvenienz nachgerechnet haben. Du hast auch mir gegenüber dein Recht auf dich selbst gewahrt. Wer. was nun, Ruth? Du bist heimgekommen, ohne daß ich erfahren hätte, ob du nun Ingolds Braut bist. Denn von dir muh ich's erfahren, sein Brief zählt nicht." „Papa," unterbrach sie üjn hastig, „siehst du. das ist das Gute, dah wir hier in diesem Winkel nicht ängstlich oder mechanisch mit den Konvenienzen zu rechnen haben. Wir beide sicher nicht,-denn wir gehören nicht zu den Rheinauern und um uns her ist freies Feld." „Das ist sehr hübsch gesagt, Ruth, aber hier handelt xs sich gar nicht mehr um Konvenienzen. Sicherheit, Gewißheit will ich haben, daß mein Mädel nicht unglücklich wird! And eher kriegt er keine Antwort." Er war aufgesprungen und schüttelte die Locken. „Anglücklich? ich —“ »Halt, nicht weiter, keinen falschen Schluß, Kind! Ich will mich besser erklären. Er zog sie ans Fenster. Gerade war die Sonne wieder durch die blutenden Wollen ge- brochen und schien einen Augenblick totgolöee ins Ziyimer. (Fortsetzung folgt) 1 ' M1