s V CD 2 2 Ul a ;« -- 'S V „1 J *Ih ' 6*^6- N UN? 'n nv » y S. n mo t V-! N1 CO to L :L Z Z 9 £ 'S ;8 8 8 f" Kiff Ä fos’h^tb Sa* sSfflt. 81 Samstag, |2. Dezember 1025 175. Jahrgang Hr. 291 Erster Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnick und Verlag: vrühl'sche Umverfitäts-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange in Gießen. Lchriftleitung und Seschästsstelle: Zchlllitrahe r. Laaahme von Snjttgc« für die Tagesnummer bl» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 inm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchnft 20*, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich, für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Will). Lange; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Züstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monat$«Be}Ufliprels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennlg für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse: Schristleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. poftschecktonto: Frankfurt am Main 11686. Locarno und die deutsche Wirtschaft. Vielfach begegnet man auf die Frage nach dem praktischen Nutzen der Locarnoverträge für unsere Wirtschaft nur einem skeptischen Achselzucken. Gewiß insofern nicht mit Unrecht, als die unmittelbaren Folgen für die deutsche Wirtschaft durchaus ungreifbare, unwägbare sind, Hoffnungen, deren Verwirklichung erst in weiter Ferne winkt, während die deutsche Wirtschaft in ihrer bitteren Notlage drin- gend tatsächliche, praktische Hilfe braucht, soll nicht in den nächsten Monaten oder gar Wochen aus der Wirtschaftskrisis eine Wirtschaftskatastrophe, ja ein allgemeiner Zusammenbruch werden. Wenn die europäischen Staatsmänner in Locarno ihre Arbeit lediglich auf eine Bereinigung der politischen Lage abgestellt hatten — mit welchem Erfolg mag in diesem Zusammenhang dahingestellt bleiben — so war das die Voraussetzung für jede wirtschaftliche Gesundung Europas. Europa als großes wirtschaftliches Kraftzentrum, als zentrale Riesenfabrik für den Weltwirtschaftsmarkt hot andere Kraftzentren neben sich entstehen sehen, die das alte europäische an Bedeutung heute zu überflügeln drohen. Der Mittelpunkt der Kapitalmacht hot sich von London noch Neuyork verlagert, neben die europäische Fertigindustrie, die nor dem Kriege die Rohprodukte und Halbfertig, waren der ganzen Welt aussog, traten autonome 3n- dustriezentren von riesenhaftem Ausmaß in den Vereinigten Staaten und in Ostasien. Der Weltkrieg und seine Materialnot zwang auch kleinere, außereuropäische Nationen eigene Industrien aufzubauen, die heute die im Lande gewonnenen Rohstoffe selbst verarbeiten, anstatt sie nach Europa auszuführen und sie hegen dort produzierte Fertigwaren einzutauschen. So ist heute die Lage neben dem riesigen ostasiatisch-indischen Länderkomplex auch m Südamerika und Südafrika. Diese Entwicklung bleibt auf die europäische Wirtschaft nicht ohne schwerwiegendste Folgen. Oie europäische Industrie erweist sich für den stark zu- rückgegangenen Warenumsatz als viel zu groß. Es wird eine radikale Umstellung von der Massenproduktion zur Herstellung von Monopolgütern ober hochwertiger Qualitätsarbeit nötig fein, wenn (Europa sich nicht vom Weltwirtschaftsmarkt ausgeschlossen sehen will. Und auch bann hat es in Amerika einen Konkurrenten, der oank seiner .Kapitalkraft vermittelst einer geschickten Kreditpolitik immer mehr fremde Absatzmärkte an sich reißt, während cs den eigenen Markt durch eine hohe Schutzzollmauer für seine nationale Industrie reserviert. In dieser Lage wird Europa lernen müssen, sich als einheitlichen Wirtsäiaftskörper zu begreifen, der durch Sanierung der nationalen Wirtschaften und des zwischenstaatlichen Güteraustausches, schließlich aber auch durch engste Gemeinschaftsarbeit in der Güter- produktion sich erst einmal innerlich festigen muß, um mit Erfolg Amerika und Ostasien auf dem Weltmarkt begegnen zu können. Diese Erkenntnis von der Notwendigkeit wirtschaftlicher Zusammenarbeit Europas liegt Lauch e u r s , des jetzigen französischen Finanzministers, Plan von der Äeltwirtschaftskonferenz zugrunde. In Genf berät man bereits in den Kreisen des Völkerbundes über vorbereitende Schritte und namentlich auch über Mittel und Wege Amerika, den großen Gläubiger und unentbehrlichen Kreditgeber, ebenfalls an den Konferenztisch zu bekommen. Denn bas ungelöste Schulden Problem und die, trotz des Dawesplanes, ebenfalls ungelöste Reparationsfrage find die wesentlichen Momente, die von der Gelbseite her die europäische Wirtschaft in Unordnung gebracht haben und nicht zur Ruhe kommen lassen. In Amerikas gutem Willen liegt es, hier durch Verzicht auf wesentliche Teile seiner Forderungen, dem für uns eine grundlegende Revision des unerfüllbaren Dawesplanes zu folgen hätte, Europa wieder auf die Beine zu helfen, gewiß keine Uneigennützigkeit, denn die rapid sinkende Aufnahmefähigkeit der europäischen Märkte wird auch auf den amerikanischen Ausfuhrhandel einmal nicht ohne Einftuß bleiben. Aber auch an die Stabilisierung derjenigen Währungen wirb die Weltwirtschafls- fenferena zu denken haben, die heute durch ihren schnellen Verfall eine ernste Gefahr für die benachbarten Industrieländer bilden. So verdanken England sowohl wie Deutschland ihr Millionenheer von Arbeitslosen zum guten Teil zweifellos dem Fran- kcnsturz und der dadurch ermöglichten Schleuderpolitik der französischen Industrie. Auch Deutschland wird geradezu überschwemmt mit billigen französischen Waren, ein unliebsames Gegenstück zu unserem starken Export zur Zeit unserer eigenen Markinflation. Auf der Warenseite bedürfen die Fragen der Gütererzeugung und Güterverteilnng einer eingehenden (Erörterung. Ob man Erfolg haben wird, erscheint angesichts der Einstellung der Franzosen auch heute noch fraglich. Die vielfachen Versuche von Privatwirtschaftlern_ verschiedenster Produktionsgebiete (namentlich Schwerindustrie, Kali- und chemische Industrie) zu so etwas wie einem gesamteuropäischen Produktionsapparat und einer gemeinsamen Absatzorganisation zu gelangen, lassen wenig Aussicht, daß die nun von staatswegen wiederholten Versuche besser glücken könnten. Diese immerhin ^gegebene Möglichkeit einer Einschaltung in einen gesamteuropäischen Wirtschaftskörper verlangt aber nicht weniger eine starke innere Konsolidierung als die rings im Wirtschaftskampf stehende nationale Wirtschaft. Und um diese innere Konsolidierung sieht es bei unserer deutschen Wirtschaft trübe aus. Einer unserer außenpolitischen Mitarbeiter kam vor wenigen Tagen tief niedergeschlagen von einer Reise durch das Ruhrgebiet zurück. Er verglich es mit dem russischen Industrierevier kurz nach der Revolution. Wo sonst rastlose Arbeit, nimmermüder Unternehmungsgeist Hundert- Die Wirtschaftskrisis. Die Erwerbslosenfürsorge in Hessen. Hessischer Landtag. Darmstadt, 11. Dez. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9V2 Ahr. Zunächst wer. den Kleine Anfragen erledigt. Abg. Frau Heraus (Dtschnatl.) fragt an, ob es der Regierung bekannt sei, daß von den Behörden nur organisierte Arbeitslose eingestellt würden. Minister Raab erklärte darauf, daß der Regierung nichts davon befannt sei; sie würde ein solches Verfahren auch nicht billigen. Abg. Galm (Kom.) fragt an, was die Regierung aus Anlaß des E x p lv si o n s u n - glücks in Re u-Isenburg zu tun gedenke? Minister Raab erwidert, daß über die Arsache des Unglücks eine ilnterfudjung einge- [eitet sei. Eine weitere Anfrage des Abg. Galm wegen widerrechtlicher Internierung eines Ingenieurs wird von der Regierung dahin beantwortet, daß er wegen älntersuchung seines Geisteszustandes nach Gießen gebracht worden ist. Abg. Lenhart (Z.) fragt an, ob es der Regierung bekannt sei, daß di e Reichsbahndirektion Mainz aufgehoben werden solle. Das verstoße gegen den Eisenbahnvertrag. Ministerialdirektor Schäfer erJärt hierzu: Außer Zeitungsnachrichten hätte die Hess. Regierung keine Kenntnis von der Angelegenheit. Sie würde sie aber verfolgen und mit allen Mitteln die hessischen Interessen wahrnehmen. Abg. Frau Roth (Kom.) richtet eine Reihe von Anfragen an die Regierung, die sich auf Auszahlung von Anterstützungsgel- dernan Beamte und Gehaltszahlung vor Weihnachten beziehen. Ministerialdirektor Schäfer erwidert darauf mit einer Darlegung der Art, wie die UnterftütjungSgelber bezahlt werden. Die Gehaltszahlung vor Weihnachten wird abgelehnt, v>eil ihr reichsgesetzliche Bestimmungen entgegen* flehen. Das Haus tritt hierauf in die Tagesordnung ein. Es werden zunächst alle dem Hause vorliegenden Anträge über Llnterstühungswe- sen beraten; es sind dies Anträge über Er- werbslosensürsorge, Beihilfen an Kleinrentner, Angestellte, Rentenempfänger. Beamte. Staatsarbeiter, Orts arme usw. Abg. W i dm ann (Soz.) teilt als Berichterstatter die B^chlüsse des Ausschusses mit. Es handelt sich u. a. um die Frage, wie leistungsschwache Gemeinden und De- zirksfürsorgeverbände in die Lage verseht werden, eine einmalige Beihilfe von 40 Mk. zu zahlen. Die Beschlüsse des Ausschusses gehen dahin, daß die leistungsschwache Gemeinden und Fürsorgeverbände Vorschüsse erhalten. In der Aussprache weist Abg. Kindt (Dntl.) darauf hin, daß jetzt männliche und weibliche Rentenempfänger gleichgestellt sind. Außer dem Staate werden auch die Fürsorgeverbände zur Unterstützung der Arbeitslosen herangezogen. Der Finanzmin'ster habe sich dagegen gewandt, daß der Staat die Lasten allein trägt, er habe sich aber auch gegen die Belastung der Fürsorgeverbände ausgesprochen. Im Finanzausschuß sei cs darüber zu dramatischen Szenen gekommen und er habe für den Bestand der Koalition gefürchtet. Zahlreiche ältere Kaufmannsgehilfen seien für den 1. Januar gekündigt und mit Frau und Kinder auf die Straße gesetzt. Statt der älteren werden jüngere und illigere Kräfte eingestellt, auch Doppelverdiener und Leute, denen der Staat eine Pension zahle. Der Redner verliest dann Anträge, die sich besonders mit der Unterstützung und dem Schutze dieser Kaufmannsgehilfen und Angestellten befassen. Abg. Dr. Riepo 1 h begründet einen Antrag über die Reichswasser st rahenbe- Hörden. Die Regierung soll gegen die vom Reich geplante Einrichtung von neuen Reichs- wasserstrahenbehörden der mittleren und unteren Instanz Stellung nehmen. Die neue Organisation würde eine Doppelorganisation schaffen, die ganz erhebliche Mehrkosten erfordert, denn auch nach Schaffung der reichseiyenen Behörden, wären die Länder gezwungen, eigene Behörden zu unterhalten. Das Haus nimmt eine Protesterklärung an, die dies« Gedanken ausspricht. Hieraus wird die Beratung der sozialpolitischen Anträge wieder aufgenommen. Im Mittelpunkte der Erörterungen stehen die Anträge Delp (Soz.) und Dingeldeh (Dtsch. Vp.). Der Antrag Delp ersucht die Regierung, aus die Fürsorgeverbände und Gemeinden einzuwirken, an un!erstühungswürdige Personen (die im Antrag näher bezeichnet sind) eine Winterbeihilfe von 40 Mark zu gewähren. Die Regierung wird ermächtigt, in Hohe der Hälfte der Kosten Darlehen zinslos zu gewähren. Der Antrag Dingeldeh will Teilung der Kosten zwischen Staat und Fürsorgeverbänden (also eine direkte Beisteuer zu den Kosten und nicht ein Darlehen). 2Lbg. Dr. Leuchtgens (Hess. Landbund) vertritt den Standpunkt, daß die Erwerbslosenfürsorge Sache des Reiches fei, der Landtag greife hier in eine Materie der Reicdsgesey- gebung ein. Gesetzlich sei den Gemeinden die Pflicht auf erlegt, für die Armen zu sorgen; der Landtag habe kein Recht, den Fürsorgeverbänden und den Selbstverwaltungskörpern Vorschriften zu machen. Insbesondere wendet sich der Redner gegen den Antrag Delp, weil der die Bereitstellung von Staatsmitteln verlangt. Richt allein staatsrechtliche, auch finanzielle Grunds sprächen dagegen, denn die Mittel, die pen Fürsorgeverbänden als Darlehen bereitgestellt werden sollen, wären nicht vorhanden. Wenn der Landtag den Mut habe, so müßte er von sich aus die Mittel bezahlen und nickt, wie im Anträge Delp, die Fürsorgeverbände mit Auszahlungen beauftragen, aber ihnen sagen, seht zu, wie ihr die Mittel bekommt. Der Antrag Dingeldeh gehe nach derselben Richtung, nur teile er die Summe zwischen Staat und Gemeinden. Weil die Mittel zur Durchführung dieser Anträge nicht vorhanden seien, wäre seine Fraktion gegen die erwähnten Anträge. Abg. Dingeldeh (D.Dp.) meint, bis jetzt habe das deutsche Volk die schweren Winter überstanden, jetzt aber stehe es in einem Schicksals- Winter. Der ganze Unterbau unseres Staatswesens werde von der Krise betroffen. Wir gingen mit einer Äa'Talarmut in die Weltwirtschaftskrise hinein, die ohne Gleichen sei. Die Ziffern der Arbeitslosen, der Bankrotte, die Wechselproteste wären Anzeichen des Zustandes der surchtbaren Verelendung unserer Wirtschaft. Bei uns ist die Frage der Existenz aufgeworfen. Der Hess. Landtag kann hier nicht helfen. Wenn immer die Staatshilfe angerufen werde, so sei das ein beängstigendes Symptom, die Wirtschaft habe sich früher immer selbst, aus eigener Kraft geholfen. Es gebe aber Gebote der Menschlichkeit, selbst für einen so verarmten Staat, wie der unfrige. Man könne sich der Rot' der Arbeitslosen nicht verschließen. Dazu kämen noch die Menschen, die um die Aufrechterhaltung ihres nackten Lebens kämpfen. Solange der Staat andere Aufgaben erfüllt, die nicht in seiner Richtung liegen, so müßte er auch diese Unter- stühungsaufgabe erfüllen. Richt zuletzt sei es der Wettlauf der Parteien und das parlamentarische System, daß nunmehr alles auf den Staat abgewälzt wird. Wenn Abg. Delp der Meinung war, als Mitglied der Regierungspartei, der Staat könne die Tknterstützungsmittel auf bring en, so hat er seine Meinung doch stark geändert. In seinem ersten Antrag hat Abg. Delp es klar ausgesprochen, daß der Staat die Mittel aufbringen soll', in seinem zweiten Anträge werden nur noa) die Fürsorgeverbände ersucht, erhöhte Llnterstützungsg Ider zu zahlen. Die Gründe die. er Aenderung liegen auf rein politischem Grb.ete. Wenn schon Reich und Gemeinden nichts in ihren Kassen haben, so sind die Fürsvrg «verbände erst recht nicht in der Lage, etwas zu zahlen. Der Antrag Delp verlangt etwas, was gar nicht erfüllt werden kann. Der Redner empfiehlt dann den Antrag der deutschen Volkspartei; er beschreite den gleichen Weg, wie im vergangenen Jahre, es sei die Teilung der K ost en zur Halste zwischen Land und Fürsorgeverbänden. Der Weg eines Darlehens sei ungangbar, ja wenn die Hälfte der Dumme vom Staate bezahlt werde, so gebe das für die Fürsorgeverbände einen Anreiz. Der Antrag der Deutlchen Volkspartei sei auch finanziell der gesündeste. Abg. Delp (Soz.) erklärt, dem ersten Teil der Ausführungen des Vorredners zustimmcn zu können. Zur AciOerung seines ersten Antrages sei er veranlaßt worden durch den Widerspruch der Regierung. Der Finanzminister habe erklärt, die geforderten Mittel nicht bereitstellen zu können, ihm, dem Redner, komme es nicht auf die Form der Unterftütjung an. sondery daß überhaupt etwas geschehe. Abg. Felder (Ztr.) meint, da die Mittel zur Unterstützung knapp seien, müßte man auf Wege sinnen. Arbeit zu schassen Es dürfe nicht sein, daß in manchen Familien Mann und Frau Verdiener seien, in manchen Fällen wären mehrere Verdiener. Viele Beamtensrauen seien erwerbstätig. Abg. R eider (Dem.) spricht sich für den Antrag Delp aus. In der Abstimmung werden die Aus- schußanträge angenommen. Auch der Antrag Delp wird angenommen. Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr. Zu unserem vorgestrigen Bericht ist nachzutragen, daß der Antrag Dr. Werner (Dntl.) üb« die Verbesserung der Postverhältnisse auf Dem Lande und in den kleinen Städten einstimmig angenommen wurde. Rach dem gleichen Bericht äußerte sich Minister Raab über das Verbot des OssenhaltenS der Läden In Gießen, daß am 116er-Tag das Gießener Polizo'"mt das Verbot von sich aüs ausgespro, en habe. R ich anderen Berichten hat der Min ster sich dahin geäußert, daß auch dies Verbot von ihm ausgegangen sei. Erhöhung der Erwerbslosenfürsorge. Berlin, 11. Dez. (WB.) In seiner Nachmittagssitzung beschloß der Haushaltausschuh des Deutschen Reichstags, daß mit sofortiger Wirkung d i e Unter st ützungssätze in der Erwerbs- losens ürsorge für die Hauptunterstützungs- empfänger um 20 o.H. erhöht werden sollen. Für unterstützungsberechtigte Familienangehörige soll die Unterstützung um 10 v. H. erhöht werden. Die Höchstgrenze für eine Famitienunler- stützung werde ebenfalls um 10 o. H. erhöht. Dieser Beschluß tritt an Stelle des gestrigen Beschlusses des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags. Staatssekretär Fischer erklärte, eine Erhöhung der Hauptunterstützung um 20 v. H. und der Familienunterstützung um 10 v. H. würde in der Zeit von Dezember vis zum März 1926 insgesamt einen Reichszuschuß von 48 Millionen und außerdem einen Zuschuß der Länder in gleicher Höhe notwendig machen. Die Regierung könne auf Gnund sorgfältigster Berechnung nur dabei bleiben, daß sie größere als die bereits angegebenen Mittel nicht mehr zur Verfügung zu stellen habe. Forderungen des Reichswndbundes. Berlin, 11. Dez. (TU.) In der gestrigen Tagung des Deutschen Reichslandbundes im großen Sitzungssaal des Bundeshauses in der Dessauer Straße wurde von den Vertretern des Reichslandbundes die folgende Entschließung angenommen: „Von der Reichsregierung muß erwartet werden, daß sie nicht, wie bisher, die Belange der Wirtschaft ■■■II WMII■■■riwnMJ—»—!■■!■■■ IIHIII1 II .'KT-■ -.~n tausenden von Menschen Brot verschaffte, da ruhen die Zechen,, keine Essen lodern in den abendlichen Himmel, Totenstille breitet sich über das Land der lausend Schlote. Und in den großen Industriezentren, vor allem in Essen, der Stadt Krupps, ballen sich die Arbeitslosen zusammen, ein Heer, das allein in der Rheinprovinz das Hunderttausend überschritten hat. Hier droht eine Gefahr aufzuflackern für Volk und Staat, die mit den alltäglichen Quacksalbereien nicht zu beheben ist. Die verzweifelten Massen, die nach Arbeit und Brot schreien, sind den kommunistischen Volksverführem willkommene Beute. Daß das keine Schwarzseherei ist, zeigen die zahlreichen Kundgebungen verschiedenster Wirtschaftskreise. zeigen die mannigfachen Aeußerungen aller Parteirichtungen in den Parlamenten. Es heißt der Gefahr ins Auge sehen und das liebel bei der Wurzel packen. Wenn der preußische Ministerpräsident Braun in seiner letzten Landtagsrede mit Recht sagte, daß in der Wirtschaft ein Höchstmaß von Rationalismus erzielt werden müsse, daß unsere wichtigste Ausgabe fei, Werte zu schaffen und mehr zu arbeiten, so sind das Wahrheiten, die die Wirtschaft ihrerseits dem Staate zurückgibt. Zweifellos war nach Beseitigung der Inflation in der deutschen Wirtschaft ein großer Reinigungsprozeß nötig. Die Ueberorganijation der Kriegs- und Nachkriegsjabre, besonders im Handel, wurde abgebaut, nicht ohne schmerzhafte Opfer für den einzelnen, aber zum Nutzen des Gefamtwirtfchaftskörpers. Ungesunde Aufblähungen im Derwaltungsapparat der großen Verbünde und Konzerne wurden auf das Mindestmaß des Notwendigen zurückgeführt. Die Hochkonjunktur der Sachwerte in und nach der Inflation hatte in manchen Wirtschaftszweigen zu einem Mißverhältnis zwischen Betriebsumfang und Betriebsmitteln geführt, an deren Ausgleich heute noch gearbeitet werden muß. Aber im allgemeinen wird man sagen können, daß die Wirtschaft, soweit sie im Kern gesund ist, diese Krisenerscheinungen von sich aus in kurzer Zeit verarbeitet hätte, wenn ihr nicht Reich, Länder und Gemeinden eine geradezu ungeheuerliche Steuerlast aufgebürdet hätten, unter der sie zusammenzubrechen droht, wenn man sich nicht bald zu radikaler Abhilfe entschließt. Dor allem hört man aus Wirtschaftskreifen die gewiß häufig nicht unberechtigten Klagen, der Staat begegne jeder Bitte um Steuererleichterung, um Minderung der öffentlichen Lasten mit der Mahnung zum Sparen, der Staat und vor allem viele Gemeinden könnten sich aber ihrerseits gar nicht genug tun in der Durchführung großartiger, neuer Projekte, ohne hingegen ernsthafte Anstalten zu machen, ebenso wie die Wirtschaft, nun auch ihrerseits den Derwaltungsapparat und die Derwaltungskosten auf das Mindestmaß zu beschränken. Sollten die Zahlen, die am Donnerstag der Abg. Ladendorf im Preußischen Landtag angab, richtig fein — und daran ist kaum zu zweifeln —, so find die Steuern, die man auf der einen Seite aus der Wirtschaft herauspumpt, um sie auf der andern durch die engen Röhren des Kredits ihr wieder kunstvoll zu injizieren/ ganz ungeheuerlich. Man wird im allgemeinen an dem Erfahrungssatz nicht rütteln können, daß in der Staatswirtschafl im Gegensatz zur Privatwirtschaft die Einnahmen sich nach den Ausgaben richten müssen. Aber außergewöhnliche Zeiten, eine Wirtschaftskrisis, die zur Katastrophe treibt, fordert auch von der Verwaltung die Einsicht, daß auch der Staat sich in allen seinen Verzweigungen nach der Decke zu ft reden hat. Nur wenn Staat und Gemeinden ihre Ausgabenwirtschaft auf die notwendigsten Bedürfnisse beschränken und sie durch Herabdrückung der allgemeinen Derwaltungskosten weiter vermindern, wenn auf diese Weise der Wirtschaft wesentliche Erleichterungen von den öffentlichen Lasten geschaffen roerbrn können, wird es der deutschen Wirtschaft ermöglicht, einem unmittelbaren Zusammenbruch zu entgehen. Dann bleibt immer noch der Dawesolan mit seinem Zahlungssystem als dunkle Wolke am Horizont. Die wach, sende Einsicht von der Unmöglichkeit seiner Erfüllung wird hoffentlich zu seiner Revision führen, bevor der kranke deutsche Wirtschaftskörper durch die rigorosen Blutentnahmen des Reparationsagenten zur Strecke gebracht ist. vernachlässigt, sondern daß sie die der Allgemeinheit I aus der Notlage der gesamten Wirtschaft drohenden Gefahren endlich in ihrem gewaltigen Umfange richtig erkennt und sich aus dieser Erkenntnis zu Taten auf rafft, die in erster Linie die Landwirtschaft als Grundindustrie des Staates wieder auf eine produktionsfähige (Brunblage ft eilen. Die aus der bisherigen Verkennung des wahren Ausmaßes des Notstandes in der Landwirtschaft verursachte Teilnahmslosigkeit der obersten Negierungsstellen gegenüber wichtigen, des dringlichen Handelns der Negierung bedürftigen Fragen muß die Landwirtschaft in eine Zwangslage hineintreiben, die sich möglicherweise zum schwersten Nachteil der Produktion und auch auf sonstigen Gebieten auswirken kann. Was die Landwirtschaft im Rahmen der Gesamtwirtschaft an Abhilfsmaßnahmen fordert, ist durch den Reichslandbund mit genügender Deutlichkeit seit Monaten der Regierung und der Oesfent- lichkeit gesagt worden. Wo bleibt der Schulden- regulierungs - und der auf lange Sicht einge- stellte Entschuldungsplan'? Wo bleibt, bis er wirksam werden kann, die führende Hand der Regierung bei den augenblicklich im Vordergründe stehenden Rückzahlungsschwierigkeiten? Wo bleibt der Ausgleich zwischen den Erzeugerpreisen für landwirtschaftliche Produkte und den Preisen für gewerbliche und industrielle Produkte, insbesondere denen für die landwirtschaftlichen Produktionsmittel? Wo bleibt die strenge Beschränkung aller unproduktiven und übermäßigen Verwaltungsausgaben bei Reich, Ländern und Korn- inunen? Entweder wird durch die Erfüllung dieser und der sonstigen von der Landwirtschaft dauernd vertretenen wirtschasts-, Handels- und finanzpolitischen Forderungen, die landwirtschaftliche Rentabilität zurückerlangt oder bei der überragenden Bedeutung des binnenländischen Absatzmarktes ist die Ueberwindung der Katastrophe, in die die Landwirtschaft täglich tiefer hineingleitet, nicht mehr möglich. Katastrophale Lage in der Schwarzwälder Uhrenindustrie. Freiburg, 12. Dez. (WB.) In einer Besprechung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Schwarzwälder älhrenindustrie wurde mitgeteilt, daß in Furtwangen 65 Prozent der gesamten Arbeiterschaft der dortigen Uhrenindustrie jetzt schon zum Teil vollkommen erwerbslos sind, zum Teil nur mit Kurzarbeit beschäftigt werden können, und daß mit der vollkommenen Stillegung zahlreicher Betriebe gerechnet werden müsse. Aehn- lich liegen die Verhältnisse an den anderen Orten des Handelsiammerbezirks Villingen. Es wurde seitens des Syndikus des Arbeitgeberverbandes der Schwarzwälder Tlhrenindustrie darauf hingewiesen, daß der amerikanische Markt last vollkommen ausgefallen sei, da Amerika sich selbst mit älhren versorge. Auch der Export nach Buhl and sei fast völlig zum Stillstand gekommen. Es sei beinahe unmöglich, täglich 60—70 000 Uhren abzusehen. Die Beamtenbesoldung im Hauptausschutz. Berlin. 12. Dez. (TU.) In der Abend- fttzung des Haushaltsausschusses des Reichstags schlug Staatssekretär Fischer vom Reichsfinanzministerium dem Ausschuß im In- ieresse einer schnell zu erledigenden Zuwendung für die Beamten und Angestellten folgende Regelung vor: Cs soll den Beamten, Wartegeld- unl) Ruhegehaltsempfängern, Angestellten und Beamtenhinterbliebencn der Gruppen 1—4 eine einmalige Zuwendung in Hohe von einem Viertel eines Monatsbezugs, den Beamten der Gruppen 5—6 eine solche von einem Fünftel eines Monatsbezugs gegeben werden mit der Maßgabe, daß der Mindest- ' betrag für Ledige auf 30 Mk. festgesetzt werde, der sich für jeden Frauen- und Kinderzuschlag um je 5 Mk. erhöht und für die Vollwaisen insgesamt 10 Mk. beträgt. Die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen sollen eine Zuwendung von einem Viertel eines Monatsbezugs erhalten. Staatssekretär Fischer erklärte hierzu, daß dies gegenwärtig das A e u tz e r st e sei, was bei dem Stande der Finanzen auszuführen sei. Man müsse auch die Rückwirkungen bedenkcn, die auf die Finanzen der Länder entstehen und man wolle doch vor allem schnelle Hilfe bringen. Da müsse man im Rahmen des Möglichen bleiben. Rach längerer Aussprache wurde festgestellt, daß sich die Mehrheit des Ausschusses nicht auf den Standpunkt der Regierung stellen könne. Es wurde ein Antrag des Abg. Ersing (Ztr.) angenommen, worin verlangt wird, daß der allgemeine Teuerungszuschlag für die Beamten der Gruppen 1—4 von 12,5 auf 25 Prozent, für die Beamten der Gruppen 5—6 von 12,5 auf 20 Prozent erhöht werden soll. Die Beträge können kapitalisiert und in einmaligen Summen ausgezahlt werden. Preußischer Landtag. Berlin, 11. Dez. Im Verlaufe der Aussprache im Preußischen Landtag über die dritte Etatsbera- tung kam es zu einem Ijeftigen Zusammenstoß zwischen den Deutschnatlonalen und dem Ministerpräsidenten Braun. Der deutsch- nationale Abg. (Sauger warf dem Ministerpräsidenten Braun vor, er habe gestern den Bauern vorgeworfen, daß sie, die am wenigsten arbeiteten, am meisten nach Mehrarbeit schrien. Diese Ausführungen Gängers riefen bei der Linken lebhaften Protest hervor. Nachdem (Sauger geendet hatte, bezeich- nete Ministerpräsident Braun die Ausführungen des deutschnationalen Redners als ein Schulbeispiel dafür, wie man die Grundlage für eine verlogene Agitation schaffe. Darauf setzte bej den Deutsch- nationalen ein ohrenbetäubender Lärm ein. Eine Schlägerei wurde nur durch dos Dazwischentreten besonnener Abgeordneter aller Parteien verhindert. Ministerpräsident Braun betonte, daß es ihm nicht eingefallen sei, etwa die Bauern als die Partei der Nichtstuer zu bezeichnen. Die allgemeine Aussprache zur dritten Etatsberatung muß am Samstag fort» gesetzt werden. Finanzminister Höpker-Aschoff legte in einer aufmerksam entgegengenommenen Rede eingehend dar, daß die Frage der Fürstenabfindung durch einen Vergleich besser gelöst werden könne als durch gerichtliche Entscheidungen, die sich auf die Kabinettsorder aus dem 18. und 19. Jahrhundert stützten. Die Regierungsbildung. Bor der Betrauung Reichskanzler Dr. Lntfiers. Berlin, 12. Dez. Wie das „D. T." von unterrichteter Seite erfahren haben will, ist der Reichspräsident bei feiner gestrigen De- prechung mit Dr. Luther dahin übereingekommen, durch den Staatssekretär Dr. Meißner noch bestimmte Rückfragen an die einzelnen Fraktionsführer stellen zu lassen. Staatssekretär Dr. Meißner setzte sich gestern abend noch mit dem Führer des Zentrums, F e h r e n b a ch, in Verbindung. Wie das „D.T." weiter hört, wird Reichspräsident v. Hindenburg heute vormittag Reichskanzler Dr. Luther mit der Kabinettsbildung betrauen. Hcerzu bemerkt die „Tägliche Rundschau": Reichspräsident v. Hindenburg hatte im Bewußtsein seiner hohen Amtspflichten die Initiative ergriffen. Die Parteien haben einem Appell Folge geleistet, und es besteht jetzt die Möglichkeit, sie alle an den gemeinschaftlichen Verhandlungstisch zu bringen, um festzustellen, wie weit der gute Wille zu einer Verständigung und zum Verzichte auf einseitige Forderungen reicht. Diese Feststellung aber ist Sache derjenigen Persönlichkeit, die von dem Vertrauen des Reichspräsidenten zur Regierungsbildung berufen wird. Man wird damit rechnen können, daß dann der Möglichkeit der Großen Koalition rasch auf den Grund gegangen wird." • In den Sozialdemokratischen Monatsheften tritt der preußische Innenminister Severing für d i e Rvtwendigkeit der Groben Koalition ein. Ihr Scheitern, schreibt er. wäre der erste Schritt, der uns wieder von Locarno und damit von Europa ent- ernen würde. Das wäre kein Aufbau, das wären neue Trümmer. Wichtiger als alle Richtlinien für Einzelfragen ist die Erkenntnis, daß es der Zusammenfassung aller produktiven Elemente des deutschen Volles bedarf, um für eine längere Zeit unserem Lande Erschütterungen fernzuhalten, um die formellen Bestimmungen der Locarnoer Verträge zu fruchtbarer Auswirkung zu bringen. Für ein WohnheimstälLengesetz. Berlin, 11. Dez. (Täl.) Im Unteraus- chußfürSiedlungs - und Wohnungsragen des Reichstags wurde ein demokratischer Antrag angenommen, worin die Reichsregierung ersucht wird, alsbald ein Wohn- heimsrättengesetz im Sinne des Entwurses des tändigen Beirates für das Heimstättenwesen beim Reichsarbeitsministerium vorzulegen. Außerdem timmte der Ausschuß einem Ze-trumsantrag zu, worin von der Reichsregierung die Ausarbeitung eines umfassenden Wohnungsbauplanes und von Vorschlägen gefordert wird, durch die der erforderliche Boden zu annehmbaren Preisen ficherge stellt wird. Bei der Beseitigung der Wohnungsnot sollen toeit- geheich die Gedanken der Wohnungs- und Bodenreform verwirklicht werden. Der Haszistenterror in Tirol. Täglich neue Gewaltmaßnahmen gegen die deutsche Bevölkeeung Südtirols. Innsbruck, 11. Dez. Es vergeht fein Lag, an dem nicht aus irgendeiner Gemeinde Südtirols neue Gewaltmatznahmen der italienischen Behörden gegen die deutsche De- völlerung gemeldet werden. So erschien vor. einigen Lagen der Schulinspektor von Mezzvlom- b a r d o in der deutschen Gemeinde Auer und verbot ohne jede Begründung jeden deutschen Privatunterricht. Als die Gemeindevertreter den Italiener fragten, ob denn Privatstunden in französischer oder englischer Sprache gestattet wären, muhte dieser die Frage bejahen. Die Gegenfrage, warum denn gerade der Unterricht in der deutschen Muttersprache unzulässig sei, wurde mit nichtssagenden Worten abgetoiefen. Den Deutschen ist also jede Möglichkeit genommen, ihren Kindern, die in der italienischen Schule erfahrungsgemäß nichts lernen, außerhalb der Schulstunden Privatunterricht erteilen zu lassen. Der Inspektor der italienischen Schule hat Schüler damit beauftragt, genau zu be: dachten,ob dasVe bot nicht irgendwo umgangen würde. Die italeinisch-en Kulturbringer benutzen also Schulkinder als Spione gegen die deutsche Bevölkerung. Auch aus Bozen werden neue Gewaltakte gemeldet. Der Kommissar der Quästur drang mit einem Dolmetscher in ein Privathaus ein, dem eine Deutsche mehreren Kindern deutschen Unterricht kostenlos erteilte. Der Kommissar stellte die Ramen der Kinder und der Lehrerin fest, verbot den deutschen Unterricht und jagte die Kinder au s dem Hause. Seit einigen Tagen tragen in Bozen alle Auf schristen in den Kirchen an erster Stelle den italienischen Wortlaut. Die deutschen Schulkinder find verpflichtet, die italienischen Predigten zu b suchen. Die Schulbehörden haben für den ganzen Bozener Bezirk angeordnet, daß der Religionsunterricht für die deutschen Kinder in italienischer Sprache zu erteilen ist. Die Richtbeachtung dieser Vorschrift hat zur Folge, daß den Seelsorgern die Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichts entzogen wird. Dem Religionsleyrer P.ckec Gan- dolph Murr, der auf Bitten vieler Ellern im FranziSkanerklester deutschen Religionsunterricht lienischen Professor mitgeteilt, daß er diesen Un» in Privatstunden erteilte, wurde von einem ita» terricht sofort einzu st eilen h be. Der Italiener bemerkte: „Wenn dieser Feind Italiens noch weiter deutschen Religionsunterricht erteilt, so werden die allerschärfsten Maßnahmen gegen daL Franziskanerkloster und das Gymnasium erlassen werden." 2m Reichstag ist nachstehende Interpellation Dr. Spahn (Dtschn.) eingegangen: Die italienischen Behörden und faszistischen Verbände üben in Südtirol wieder einen geradezu unmenschlichen Terror aus. Ramentlich gilt die Verfolgung dem deutschen Privatunterricht. Jeder Versuch, deutschen Kindern Kenntnis der deutschen Kultur zu vermitteln, wird als eine Straftat angesehen. Richt nur Beschlagnahmungen, Geldstrafen usw. werden verhängt, sondern es wird auch mit Ortsve rweisun- gen und Einkerkerungen vorgegangen. Eine Reihe italienischer Untertanen deutscher Rationalität sind bereits in das Gefängnis geworfen. Die Reichsregierung hat durch den Mund des Herrn Reichsaußenrnmisters wiederholt geäußert, daß die Annahme des Vertrages von Locarno es ermögliche, als Anwalt der deutschen Minderheiten in fremden Staaten auszutreten und deren Rechte gegenüber den beteiligten Mächten zu vertreten. Sie hat wiederholt erhärt, daß der Vertrag von Locarno die Lösung des Systems der Gewalt durch das System friedlicher Verständigung bedeute. Welche Schritte hat die Reichsregie- rung getan und gedenkt sie zu tun, um die Stimme der Gerechtigkeit und Vernunft in Italien zu Gehör zu bringen, damit der Minderheit ihr Recht wird. Erkennt die Reichsregierung die Möglichkeit an und bejaht sie damit auch die Verpflichtung, für sich in diesem Sinne tätig zu fein? Di ' Räumung der Kölner Sone. Köln, 11. Dez. (TU.) Dom englischen Oberkommando wird mitgeteilt, daß. bisher folgende Truppen das Kölner Gebiet verlassen Haden: „Am 30. Rovember ist eine Kraftwagenabteilung nach Wiesbaden abgerückt, am 1. Dez. folgte ihr eine Feldkompagnie der Pioniere, der Vortrupp des 1. Manchester-In- anterie-Rgt., Abteilungen des Feldhofpita s und der Pioniere, des Meldedienstes und der Militärpolizei. Alle diese Abteilungen: wurden mittels Eisenbahn nach Wiesbaden gebracht. Am 3. Dez. ist dann das erste Bataillon des Manchester-Infanterie-Rgt. nach König- lein abtransportiert worden. Am 4. und 5. Dezember folgten die Familien der Truppen, die schon abgerückt sind. Für den Rest des Dezember sind noch folgende Transporte vorgesehen, wobei zu berücksichtigen ist, daß Wetterlage und Wegeverhältnisse eine Aenderung der Daten notwendig machen können. Am 14. Dezember soll abermals eine Kraftwagenabteilung abziehen, außerdem die Vorhut der schottischen Hochländer: am 16. Dezember wird eine weitere Abteilung des Feldhospitals und das Hauptquartier der ersten Brigade Köln verlaßen. Am 22. Dezember soll der Abmarsch der 2. Bataillons des Hochländerregiments erfolgen. Unter der Voraussetzung, daß die Franzosen das Wiesbadener Gebiet bis zum 31. Dezember geräumt haben, ist zu hoffen, daß der weitere Abmarsch bann ordnungsgemäß erfolgen und daß d i e gesamte Kölner Zone am 31. Januar 19 2 6 ge- räumt fein wird." — Wie von anderer Seite gemeldet wird, wird die Kölner Schutzmann- schäft in demselben Tempo ergänzt und verstärkt, wie sich der Abmarsch der englischen Truppen vollzieht. Fr edensvorschlägeALdelKrims Puris, 12. Dez. (WTD.) Abd el Krims Vertreter in London soll mit regelrechten Vollmachten ausgestattet, nach Tanger gekommen sein, um Friedensverhandlungen mit Frankreich und Spanien aufzunehmen. Er soll folgende Friedensvorschläge Abd el Krims überbringen: Verwaltungs-Autonomie des Rifgebiets mit einem Statut anolog dem der englischen Dominions, d. h. ohne Gesandten: Anerkennung der geistigen Oberhoheit des Sultans, das Recht, eine Armee zu organisieren, Handelsfreiheit (Politik der offenen Tür), Gewährung des Titels „Emir" für Abd el Krim und als Hauptstadt Tetuan, Anerkennung der Kreise Melilla^ Genta und Larrasch mit einem Hinterlande von 15 bis 20 Km. für Spanien, Ernennung einer Äommiffton, die damit beauftragt wird, die Grenzen zwischen dem Rif- gebiet und dem unter französischem Protektorat stehenden Marokko festzusetzen. Fortdauernde Unruhen in Damaskus. London, 11. Dez. (211.) Wie .Daily Tele- graph" aus Damaskus berichtet, haben aufstän» ische Truppen in der Stadt bei Hellem Tage einen Ueberfall unternommen. Sie entwaffneten die Gendarmerie in verschiedenen Teilen der Stadt und griffen französische Posten in dem Christenviertel an. Die Franzosen schickten darauf Tanks nach den Vorstädten und bombardierten die (Sorten. Doch sind keine Verluste eingetreten. Die meisten Geschäfte waren den ganzen Tag über geschlossen. Die fortgesetzten Scharmützel beeinflußten die Stimmung der Bevölkerung, die von einer Panik ergriffen, von einem Stadtviertel ins andere ziehe. Die französischen Geschütze feuerten ohne Unterbrechung auf die in der Umgegend der Stadt befindlichen Truppen der Aufständischen. Vermittlungsversuche im Mossulstreit. Paris, 12. Dez. (TU.) Ein Havasbericht aus Genf besagt, daß ein letzter Versöhnungsversuch, der durch das Mossullomitee zwischen dem Vertreter Englands, Amery, und dem türkischen Minister, Tewfik Ruchdy Bey, herbeigeführt werden sollte, fehl schlug weil der türkische Außenminister zu der vereinbarten Zusammenkunft vorgestern nicht erschien. Amery war dagegen pünktlich zur Stelle. Der Völkerbundsrat wird nunmehr eine schiedsrichterliche Entscheidung treffen und toeite.e Vermittlungsversuche einstellen. Kunst und Wissenschaft. Wilhelm von Bode — Ehrenmitglied der Berliner Akademie. Die Berliner Akademie der Künste hat Excel- lenz Dr. Wilhelm von Bode, der der Akademie seit 34 Jahren als Senator angehört, auS Anlaß seines achtzigsten Geburtstages im Hinblick auf seine hohen Verdienste um das Kunstleben und die Entwicklung des Museumswesens zu ihrem Ehrenmitglied gewählt. Bode ist z. Zt. das einzige Ehrenmitglied der Akademie, die diese Würde, für die nach dem heute gültigen Statut nur Richt- künstler in Betracht kommen, sehr spar) am verliehen hat. Die letzten Ehrenmitglieoer waren die Kaiserin Auguste Viktoria, Richard von Schöne und der jüngst verstorbene Geheimrat Arnhold. Zu den Ehrenmitgliedern der Berliner Akademie gehörte einstens auch Goethe, Herder, Wieland, sowie die beiden Humboldt. Wcttrrvoransr'age. Roch bedeckt, dann aufflarenb. meist nördliche Winde, Temperaturen um den Gefrierpunkt, nachts leichter Frost, meist trocken. Rach dem Dorübergang des Warmluftgebiets, dessen Kern heute über der Ostsee liegt, gelangen wir nunmehr wieder in ein Gebiet mit vorwiegend nördlicher Luftströmung. Ein Sinken der kontinentalen Temperaturen ist damit verbunden, das sich jedoch vorläufig in mäßigen Grenzen halten wird. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 12. Dezember 1925, Die Sonntagssrage. Von Generalsuperintendent D. Dr. Schian in Breslau. Die Weimarer Verfassung hat die Erhaltung des Sonntags und der anerkannten Feiertage gesichert. Auf welche Feiertage die Bestimmung anzuwenden ist, das ist bisher nicht völlig geklärt. Die Streitpunkte beziehen sich freilich glücklicherweise nur auf wenige Feiertage: die Erhaltung der Großzahl steht außer Streit. Erst recht ist gar kein verfassungsrechtlicher Streit über den Sonntag. Ihn will — verfassungsmäßig gesprochen — niemand beseitigen: und das ganze Volk will ihn bemalten. In dies em Sinn gibt es keine Sonntagsfrage. Aber mit der Erhaltung des Sonntags als gesetzlichen Feiertag ist es nicht getan. Sonntag und Sonntag können sehr verschiedene Dinge sein. Der Sonntag ist trotz der Wcnmarer Der- ässung in Gefahr. Ich rede nicht etwa bloß von der Gefährdung des Sonntags durch Arbeit. Wir wissen alle, daß sie vorhanden ist. In gewissem Maß ist Arbeit auch am Sonntas unvermeidbar: ohne sie könnte das Leben nicht weitergehen. Aber eben um das Maß handelt es sich. Zwar erfreulicherweise nicht in den ländlichen Gegenden Ober- Hessens, aber vielfach sonst in Deutschland greift die Arbeit, auch gerade die Arbeit deS frei für sich Stehenden .auf den Sonntag über. Das ist schmerzlich, weil jeder einen Ruhetag braucht, und weil die Arbeit des einzelnen immer irgendwie in der Richtung weiterwirkt, daß der Sonntag der Gesamtheit des Volkes geschmälert wird. Aber die Beeinträchtigung des Sonntags durch Arbeit bildet heute beinah' die geringere Gefahr. Stärker wird er gefährdet durch das ungeheuere Maß von Unruhe, das in immer steigendem Maß in den letzten Jahren über den Sonntag kommt. Es handelt sich um die Flut von Vereinsveranstaltungen, Sportveranstaltungen, Kongressen, Versammlungen, Festen usw., die den Sonntag jetzt füllen. Ich weiß, daß beim Lesen dieses Satzes sich viel Widerspruch in den Herzen regen wird. Aber ich brauche doch kaum zu sagen, daß ich nicht daran denke, alle diese Dinge aus dem Leben des Volkes streichen zu wollen. Wir brauchen Sport, wir können die großen Kongresse nicht entbehren, und niemand will unserem Volk die Feier froher Feste nehmen. Aber die Gefahr ist, daß daS rechte Maß dieser Dinge überschritten wird. ' Der Sonntag ist weithin aus einem Sage der Ruhe zu einem Tage der Unruhe geworden, aus einem Tag der Stille zu einem Sag lauten Geräusches, aus einem Sag der Erholung zu einem Sag stärkster Rervenanspannung, von der man sich wieder erholen muß. Das aber ist eine wirkliche und große Gefahr für unser Volk. Unser Voll muß jetzt hart arbeiten. Diese Arbeit mag es hier und da dazu fuhren, ein Gegengewicht in lauten Festen zu suchen. Feste als Höhepunkte des Lebens, als Mittel fröhlicher Gemeinschaft brauchen wir. Und Sport erst recht! Aber es muß der Entwicklung Ginhall getan werden, die alle Sonntage des Jahres und den ganzen Sonntag von früh bis spät voll in Anspruch nimmt. Es muß dafür gesorgt werden, daß unser Volk am Sonntag neue Frische und Kraft sammeln kann. Sonst zehrt eS von dem Vorrat von Rervenkraft, den es dringend braucht, wenn es den schweren Kampf um seine Zukunft kämpfen will. Freude. Eine vorweihnachtliche Betrachtung. Von Ernst Edgar Reimsrdes. Ein seltsamer Zauber ruht auf dieser vorweihnachtlichen Zeit, wo alles Vorbereitung und Erwartung ist. Vorbereitung auf das schönste Fest des Kirchenjahres, das Fest des höchsten, reinsten Menschentums, und Erwartung dessen, was es uns bringen wird, sticht allein den Kindern, sondern auch den Erwachsenen: Freude! Wie ein Heller Stern leuchtet es in die Dunkelheit der Wintertage hinein, und inmitten von Sorgen und Kummer, Elend und Not erblüht in seinem Glanz eine herrliche Blume, die Liebe. Sie erblüht in Hütten und Palästen, und selbst in Herzen, die das Leben hart gemacht, fällt zur Weihnachtszeit ein Strahl der göttlichen Gnade, durch die die Erlösung in die Welt kam. Durch Liebe zur Freude, durch Liebe zur Erlösung aus den Banden des Materialismus, der wie eine böse Krankheit am Lebensmark unseres Volkes zehrt.Wie können wir aber zu echter Freude gelangen, wenn keine Liebe in uns ist? Liebe zu unseren Mitmenschen, Liebe zum Vaterlande. Sie neu zu erwecken, sie zu stärken, gehört zu den bedeutungsvollsten Aufgaben unserer Zeit. Die Ungunst der Verhältnisse, die Zerrissenheit unserer Nation, der schwere Druck der auf uns lastet, haben die Freude in uns verkümmern lassen. Aber die Sehnsucht nach ihr lebt, sie regt sich namentlich zur Weihnachtszeit mächtig in uns, die Sehnsucht nach dem, was wir an äußeren und inneren Gütern verloren haben. Das deutsche Volk geht einen Leidensweg, hinter dem Leiden aber steht die Erlösung, die Befreiung, die kommen muß und kommen wird, wir dürfen nur den Glauben daran nicht verlieren. Noch ist der Weg in Dunkel gehüllt, ober in weiter Ferne winken erlösende Sterne. 2ßie unsere Altvorderen zur Zeit der tiefsten Dunkelheit das Fest des neuerwachenden Lichtes, Wintersonnenwende, feierten, an dem sie sich rückhaltlos der Freude Hingaben, so sollen auch wir angesichts des holden Wunders von Bethlehem nicht am Leben verzagen, sondern neuen Mut und neue Kraft für die Aufgabe gewinnen, die uns gestellt ist. Das große Fest der Liebe und Freude, das feine Strahlen schon wochenlang vorauswirft, findet seinen schönsten Ausdruck im Wohltnn, im Schenken und Beglücken. Und selbst wenn Kummer auf uns lastet, inmitten von Leid können wir an der Freude, die wir andern bereiten, Trost gewinnen. Wer arme Kinder zum Weihnachtsfest froh und glücklich macht, bereitet sich selbst die reinste Freude? denn auch in das Herz des Gebers fällt ein Strahl seligen Kin° deralückes. Am reinsten lebt ja die Weihnachtsfreude in Kinderherzen, weil sie sich ihr, unberührt von den Sorgen des Lebens, rückhaltlos hinzugeben vermögen. Für Kinder ist in dem Wort Weihnachten alles Geheimnisvolle und Herrliche des Lebens enthalten. Solchen Kindersinn kann frommer Glaube unb tiefes Gemüt sich bis ins hohe Alter hinein als köstlichen Schatz bewahren. Schon haben die Vorbereitungen zum Feste begonnen, über all regt und rührt es sich, wird im geheimen gearbeitet und geschafft, geflüstert und ge« i kVK- WLS- h e fs a.fte bt* ] fi4.L. . B.' Ä d in* w?' Schian 'S die Delage -^?5 >s:Mr will — hp.c.rtWir otrnt Zeitigen,- un8Smä6ifl age?" Zkie,e|n 6^ « W ®°nntag , unMrmdbixit. UJ' *? ÄVä^ S E &>s 2 S 3tutoa9 tauHrt **^ÄT v£? 8,ftläIn* HUI uT ungt.11? ®°"w r ?!Äbie ««in«X w gefährdet durch bat v°n Unruhe. « aß m den letzten Jahren mmt. Es Hanns', ft* m gwngtaüimo«. Sportver- |en' Drrlcnninlungen, Men «SM füllen. Jch^n » Satzes sich viel Lide> m. regen wird. Wer ich lagen, daß ich nicht daran le aus dem Leben des M len. Mr brauchen Sdvrt, a Kongresse nicht entbehren, serem Doll die Feier froher die Gefahr ist, daß dai c Dinge überschritten wird, ithin aus einem Loge bet der Unruhe geworden, aus i zu einem Tag lauten (Sc- Sag der Erholung zu einem runspanmng, von der man aiß. Das aber ist eine Wirch- hr für unser Tolk. jetzt hart arbeiten. Diese und da dazu führen, ein .en Festen zu suchen. Feste Gebens, als Mittel fröhlicher 1 wir. Und Sport erst recht! ßnttDÜflung Einhalt getan nntaije des Jahres und den vn früh bis HOt voll in muß dafür gesorgt rr (Bott am Sonntag nb «traft Ummeln & von dem Mrrat von dringend braucht, wenn es i um seine Zukunft Impfen -reude. nächtliche Betrachtung BÄLw.eS; !dgar «Reimerbes. über ruht aus dieser vomeih- illes $orbereiy uMn=^ nq aus das e des ßödjßen, «in * rtunq dessen, war es uns vm 'S Al üindem, andern auch " ude! 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Dezember. 8.30 bis 9.30 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet von der Baptist eng emeinde Frankfurt, 12 bis 1 Uhr: - Mittagsftä dchen vom Arbeiter-Zitherverein Frankfurt: Die Z't er als Bolksinstrument. 4 bis 5 Uhr: Die Stunde der Jugend. 5 bis 6 Uhr: Aachmlttagsko-zert des Hausorchesters: Die Oper der Wo V. 6 6:5 7 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen BeroandeS für Dolksb'.ldung: .Aus den Briefen der D'oiima". Vorlesungen von W. Demonb-Woerner. 7 bis 7.30 Uhr: Große Erzieher: „Aus der Geschichte meiner Schule" von Freiherr v. Rochow. 7.30 6:3 8 Uhr: .Japanische Musil". Vortrag mit Beispielen von Dr. W. Heinitz-Hamburg. 8.30 bis 9.45 Uhr: Advents - Konzert des Frankfurter Motettenchors. 10 bis 11 Uhr: Walt Whitman. ein amerikanischer Dichter. Kirchs und Schule. z Friedberg. 11. Dez. chier fand eine gut besuchte Versammlung des Katholischen Lehrervereins statt, die sich mit den aktuellen Schulfragen befaßte. Der Referent. Rektor G o y (Darmstadt), sprach über den Reichsschulgesetzentwurf und die konfessionelle 'Schul e. Es schloß sich eine rege Aussprache an. Eine Entschließung wurde nicht gefaßt. Dagegen wurde dem chauptvorstand des hessischen Katholischen Lehrervereins das Vertrauen über die von ihm bis jetzt unternommenen Schritte in der Angelegenheit ausgesprochen. $ Ober. Mörlen. 11. Dez. Eine verdienstvolle gemeinnützige Tätigkeit entfalten die hiesigen katholischen Schwestern neben ihrer son« stigen Berufsarbeit. Sie geben nachmittags den Schulkindern, abends den schulentlassenen Mädchen kostenlose Anweisung in den verschiedensten Landarbeiten. Manches brauchbare und billige Weihnachtsgeschenk ist bereits sertiggestellt. Die segensreiche Einrichtung soll während des ganzen Winters aufrechterhalten werden. — Die hiesige Knp- l a n e i st e l l e war längere Jahre verwaist. Daß sie nun wieder neubeseßt worden ist. wird von der Kleiner Laden in beiter Geschäftslage ver bald au vermieten. Scbri' L Angeb. vn. 11725D an den Gieß An- zeiger erbeten Waschkleider farbigem Zephir ...... von Mk. „Sagitta"-Hustenbonbons bet Hutten, Heiserkeit, Bronchial Katarrh, Verschletmuna, rauhem Hals. Erstklassige, von Aerzten beitens eniofoblene HnstenmediAin tu fester Form. In allen 31 po:beten erhältlich. Ste s vorrätig: Universttät4-Apo'l:e!e zunt goldenen Engel, Aoolheke Kroido.f. Sagitta-Werk, München SW 2. Berlauaen Ste foüenloie Zusenditng nnf Prospekte, Gesellschaftskleider afsasr. *• “ "d Mk. 47— 42— 34— 23— tuschelt, und die Vorfreude seliger Erwartung, die nicht selten der Freude bester Teil ist, ersüllt die Gemüter von alt und jung. Die eigensüchtigen Gedanken und Wünsche, die sonst gern im Vordergründe stehen, werden für kurze Zeit unterdrückt und weiche, milde Regungen gewinnen die Oberhand. Das Mit- gefühl, die Hilfsbereitschaft, die Menschenliebe tragen über Gleichgültigkeit und Selbstsucht den Steg davon: auch Zank und Streit kommen vorüber- gehend zum Schweigen. Gewiß erblüht das höchste Weihnachtsgluck im Schoß der Familie, aber auch derjenige, welcher em- sam das Fest begeht, dem niemand eine Gabe (pen- bet darf tm Hinblick auf die große Freude, die allem Volke widerfahren ist. und in der Erinnerung an vergangene Tage, an liebe Menschen, die längst ein Hügel deckt, an das Schöne, was ihm das Leben einst gebracht, sich an Weihnachten Gefühlen wehmütiger Freude hinaeben. Wenn sie auch von uns gingen, an denen unser Herz einst hing, wir können sie doch niemals ganz verlieren, ein Abglanz ihrer Viebe, ein Hauch ihres Wesens bleibt wie das Leuchten eines wundervollen Sommertages zurück. Stärker als sonst im Laufe des ganzen Jahres regt sich in dieser weihnachtlichen Zeit die Vergangenheit, gestorbene Freuden erwachsen zu neuem Leben und „Weihnachtslieder, längst verklungen, Umschmeicheln wieder unser Ohr, Wie wir als Kinder sie gesungen Zür heil'gen Zeit im frohen Chor: Und unvergessen teuere Gestalten, Auf deren Grob alljährlich Rosen bliihn, Sie grüßen lächelnd uns aus Tannengrün, Als wollten froh sie Weihnacht mit uns halten." Deutsche Nothilse! Die W i n t e r n o t h i l f e Gießen ruft in unserem heutigen Anzeigenteil zu einer O P f c r- woche in Gießen vom 17. b i 8 24. Dezember auf. Schwer drückt die Aot der Zett zwar auf alle, aber am schlimmsten dran find doch die mitteUosen alten Leute, die Arbeitsunfähigen und Erwerbslosen, der verelendete Mittelstand und viele kinderreiche Arbetter- familien. Diesen Schwerbedrängtcn soll und muß Hilfe gebracht werden. Zur Beschaffung von Geldmrtteln zwecks Hilfeleistung werden wieder Wohlfahrts» vriefmarken ausgegcben, die an den P o st- schaltern und beim Städtischen W o hl- fahrtsamt zu haben find. Diese Marken kaufe man und verwende sie ganz besonders in der Opferwoche vom 17. bis 24. Dezember. Daß die Marken auch noch darüber hinaus Gültigkeit haben, versteht sich von selbst, wird aber zur Beseittgung aller Zweifel in der Belarn.machung der Winternothilfe noch e'.nnal besonders hervorgehoben. Von dem Erlös der Marken fließt unserer Gießener Wohlfahrtsarbeit ein Anteil von 60 Prozent zu. Näheres in der Bekanntmachung. Man beachte und befolge den Appell recht eifrig! Gictzener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkte: Butter 210—230, Matte 40, Käse 65—70, Wirsing 15, Weißkraut 10, Rotkraut 15, gelbe Rüben 15, Spinat 50, Unter-Kohlrabi 10—12, Grünkohl 25, Rosenkohl 60, Feldsalat 100—120, Tomaten 120, '.wiebeln 12, Meerrettich 40—80. Schwarzwurzeln 50. Kartoffeln 4, Aepfel 15—25, Simen 30, junge mahnen 120, Suppenhühner 120, Gänse 90—110, Nüsse 60—90 Pf. für je 1 Pfd.: Eier 19—20. Blumenkohl 60—120, Endivien 10—20, Ober-Kohlrabi 10, Lauch 5—10, Sellerie 20-^0 Pf. für je 1 Stück. Vornotizen. — TageSkalender für SamStag. Gießener Ruder-Gesellschaft: 9 Uhr, Bootshaus, General-Versammlung. — De.ein Rudersport: 9 Uhr, Bootshaus, außerordentliche General-Versammlung. — Radfahrer-Verein Fortuna: 81/* Uhr, Vereins! okal, Monatsversammlung. — Zungdeutscher Orden: 8 Uhr, ^Karlsruhe", Weihnachtsfeier. — G. D. A: 8 Uhr ,Liebigshöhe", Weihnachtsfeier. — KavaUerie-Verein: 8 Uhr: gedruckt und lassen erkennen, waS auf dem ®t» b et der Lichtbttdnerei durch SchönheitSempsinden und eine gediegene Technik erreicht werden kann. *• 40 Jahre im Dienst. Der Milchverkäufer PH. Wild begeht heute das 40jährige Dienstjubiläum in der Gießener Molkerei. Der Jubilar hat seit der Begründung deS Unternehmens (1885) unfern Hausfrauen Oie Milch ins Haus gebracht, er hat trotz des viermaligen Wechsels der Inhaber der Molkerei treu seines Dienstes gewaltet und pünklich und gewissenhaft die Liundschaft bedient. Seit einem Jahr haben die Jnfmber der Gießener Dampfmolkerei Wild auf seinen Wunsch im inneren Dienst beschäftigt, weil ihrem Mitarbeiter daS Treppensteigen mit den Jahren doch zu schwer wurde. Man darf dem braven Arbeiter wünschen, daß er auch noch sein goldenes DiTnstjubiläum an der ihm lieb gewordenen Arbeitsstätte erlebt. *♦ Der Verein für das Deutschtum im Ausland hielt am Donnerstag im Kathol. Sereinshaus eine besonders von seiner Jugend- gruppe sehr gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende. Studienrat Dr. Koenig, umriß eingangs mit knappen markanten Strichen die Aufgabe des V. D. A., die Erziehung eines jeden Deutschen zum Volks bürget im Gegensatz zum klein- deutschen Staatsbürger, zum Gliebe des großen deutschen Volkskörpers, das weit über die Staatsgrenzen hinweg 90—100 Millionen Menschen deutschen Volksstammes umfaßt, von denen ein volles Drittel außerhalb des Reiches im hart bedrängten Grenzlano oder, nicht weniger schwer um ihr Volkstum ringend, als deutsche Sprach- und Dolksinseln rings umgeben und durchsetzt von fremden Rassen und NationaUtäten lebt. Ihnen allen den festen Rückhalt im Kampf um ihr Volkstum geben, das ist Aufgabe des V. D. A. — Studienrat Schone- bohm gab sodann den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Dereinsjahr, das unter der Wirtschaftsnot ein reges Vereinsleben nicht hatte aufkommen lasten. Immerhin waren die Gärtner« tage für Gießen ein Ereignis, bas in breiten Be- völkerungskreisen ein langes Echo sand und auch finanziell für den Verein von gutem Erfolg war. Gut bewährten sich politische Vorträge von bekannten Führern des Auslanddeutschtums in kleinem Kreise besonders Interessierter. Diese besonders fruchtbaren Abende sollen im neuen Vereinsjahr auch fortgesetzt werden. Zunächst wird Dr. Ern ft über „Elsaß-Lothringen" und Dr. M a n n h a r t über „Luxemburg" sprechen. Die zum Landesverband Hessen-Darmstadt — dem jüngsten zwar, aber auch einem der regsten im D. D. A. — gehörige Ortsgruppe Gießen zählt fast 500 Mitglieder, sehr gut entwickelt hat sich die Schulgruppe mit fast 1500 Mitgliedern. Trotz einer sehr erfreulichen Entwicklung in den letzten Jahren der Bedrückung und der völkischen Rot steht der V. D. 21. mit seinen zwei Millionen Mitaliedern und einem Ausgabenfonds von 600 000 Mk. den ähnliche Ziele verfolgenden Vereinen Italiens (Dante Alighieri-Bund) und vor allem Frankreichs (alliance frangaife) noch sehr weit nach. Bringt das deutsche Volk doch heute pro Kopf noch keinen Pfennig jährlich für feine Stammes- brüder jenseits der Grenzen auf. — Mittelpunkt des Abends war die Vorführung des „K ufftein- films" mit ausgezeichnet instruktiven Bildern von der imposanten Pfingsttagung des D. D. A. auf der alten, trutzigen Bergfeste Tirols. Von Tirol, diesem Zwischenland zwischen deutscher Volksgrenze und deutscher Staatsgrenze sprach bann zum Schluß noch Stubienrat Dr. Koenig auf Grund eigener Er'-bn'isse der letzten Monate in beroegenben, auf« rüttelnden Worten. Den Tirolern glückte es nicht wie den Kärntnern, die 1919 die Serben zum Lande hinaustrieben, in kraftvoll männlicher Er- Hebung die Italiener von ihren Grenzen fernzuhalten Die welschen Bedrücker besetzten bas deutsche Südtirol Salurn bis zum Brenner und schauen nun, getrieben von dem Ehrgeiz des Faszio nach Erneuerung oltrömischer Tradition, beutegierig hinüber ins nordtiroler Land, in das Donautal hinab. Die feierlichen Versprechungen der italienischen Krone, im einoerleibten Lande das Volkstum zu achten. Kulturautonomie zu gewähren, wurden Schuhhaus Meyer Bahnhofstr. 30 GIESSEN Bahnhofstr. 30 Taillenkleider aus einfarbigen Wollstoffen von Mk. 13.50 Turnhalle, Winterfest. — ReichSverbcmb der Berufskraftfahrer: 8 Alljr, Gewerkfcho.tshaus, Weihnachtsfeier. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Bei mir Riagara". — Astoria-Ächtspiele: .Der Fall Gregory". — Tageskakender für Sonntag. Stadttheater, 3 Uhr, Weihnachtsrnärchen .Dfe Mäusekönigin" (Ende 5 ilfrr); 7 Alljr: .Den Teufel durch Beelzebub" (Ende 9Vi Uhr). — Goethe- Bund: 8 Ufir, Kaufmän- isches Dere nshaus, Literarischer 2Ibend. — Bienenzüchter - Verein: 2 älhr nachm., Versammlung und Vorträge b?i Kraft, Frankfurter Straße 81. — Palast-Lichtspiele (Kir- chenplatz): .Die Blumenfrau vorn Potsdamer Platz". — Die übrigen Lichtspielhäuser wie Samstag. — — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das diesjährige Weihnachtsmärchen „Die Mäusekonigin' oder „W ie der Wald in die Stadt ka m", wird morgen. Sonntag, nachmittag zum erstenmal gegeben. und zwar bei kleinen Preisen. Das hübsche Märchen, das Herr Goll, der auch eine Hauptrolle spielt, einstudiert hat, bietet so viel des Sehenswerten — darunter ein von Frau O l - b i n t arrangiertes „Schneeflockenballett"—, so viel des Heiteren und Ernsten, daß ein Besuch warm empfohlen werden kann. — Am morgigen Abend wird Harrp Pohlmanns Lustspiel „D e n Teufel durch Beelzebub" zum letztenmal aufgeführt. Das Werk, das vor kurzem hier seine erfolgreiche Urau"ührung erlebt hatte, erzielte bei jeder Wiederholung einen stürmischen Heiterkettserfolg. Eine ganze Reche auswärtiger Blätter hat sich überdies außerordentlich günstig über die hiesige Einstudierung des Stuckes geäußert. — Im Goethe-Bund wird am morgigen Sonntagabend Amtsgerichts rat Gros aus seinen eigenen Dichtungen verlesen. Gäste sind willkommen. kSiehe Anzeige.) — Deutscher Sprachverein. Rächsten Montagabend Vortrag von Prof. Dr. Götze über .Wege des Geistes in der deutschen Sprache". (Siehe Anzeige.) •• D i e Weihnachtsferien beginnen in diesem Jahre am Sonntag, 20. Dezember, sie enden am 3. Januar 1926. Erster Schultag nach den Ferien ist der 4. Januar. •• Der Winter im hohen Vogelsberg. DaS Tauwetter, das wir in den letzten Tagen im Tale hatten, ist nicht bis zu den Höhen des Vogelsberges vorgedrungen. Dort oben I herrscht vielmehr nach wie vor der schönste Winter. Wie unS heute früh vom Hoherodskopf gemeldet wird, ist sogar wieder Reuschnee gefallen. Die Skibahn ist unverändert gut, an den letzten beiden Tagen waren zwei bis drei Grad kalt, heute früh sogar noch etwas mehr. Also auf zum Skisport! *• Der Fackelzug der Studentenschaft zu Ehren von Geheimrat Pros. Dr. Dostroem bewegte sich gestern abeind gegen 6 Ahr durch die Hauptstraßen der Stadt zur Wohnung des Gefeierten, ile&eratl auf seinem Marsche begegnete der imposante Zug regem Interesse der Bevölkerung» die ihm in großen Scharen das Geleite gab. •• Promotion. Herr Ernst Dethcke, geboren in Danzig, wohnhaft in Gießen, wurde auf Grund seiner bestandenen Prüfung nach Veröffentlichung seiner Schriften .Die Gaudi-Handschriften für das Jahr 1758 und 1759“ von der philosophischen Fakultät unserer Landes-Aniversi- tät zum Dr. phil. promoviert. (Dr. Dethcke ist der frühere Kommandeur unseres Jnf.-Rgt. Rr. 15. Er lebt jetzt als General a. D. in unserer Stadt.) *• Freunde künstlerischer Photographien seien auf die prächtigen Ausnahmen von Prof. Dr. Hermann Motz, Friedberg, hingewiesen, die in der Rickerschen Buchhandlung ausgestellt sind. Die Motive entflammen dem Vogelsberg und der Rhön. Die Bilder sind nach vergrößerten Regativen in Kohle Weihnachten schenken? Diese Frage find, ihre beste Lösung wenn Sie meine Schaufenster sowie mein reich sortiertes Lager besichtigen. — Sie finden bei mir alle Arten Schuhe vom einfachsten bis z. feinsten schamlos gebrochen, trotzdem bd den Wahlen zwn römischen Parlament auch unter bem unmenschlichen Druck ber italienischen Behörden und des Fafzismus die Gesamtheit bcs Tiroler Volkes ein lautes Bekenntnis zum Deutschtum ablegte. Der llrupcllojen Entdeutschung ber tiroler Schule, namentlich ber Volksschule, ber gewaltsamen Unterbindung jedes deutschen Privatunterrichts folgt nun ber Kampf gegen bie deutsche Kirche, ein Kampf, in bem dem tiroler Volk in seiner Geistlichkeit ein mutiger Bundesgenosse erwächst. Tirol gibt sein Schicksal nicht verloren, wenn wir es nicht verloren geben. Unseren Kamps führen bie Tiroler dort drunten an ber Grenze deutschen Volkstums. Unseres Beistandes bedürfen sie, denn ihr Schicksal wird auch unser Schicksal sein. — Zum Schluß gab ber Dortragenbe mit Recht seinem Erstaunen barüber Ausbrück, baß heute, wo doch drunten tm Land Tirol der Kampf um dieses Schicksal im Zenith stche, Tausende deutscher Männer und Frauen Jahr für Jahr im Schnellzugeternpo durch bas hart rin- genbe deutsche Bruderland Tirol eilen, um im Lande der Bedrücker, im sonnigen Land Italien zu schwärmen. I Vermietungen ] Sonniae. neue 6 - Zimmer- Wohnung Bad, Balkon. Zentralheizung. gegen vyvothekbeschaffimg zu oerniteten. Angebote an Schäfer, Wtlhelmttr. 22 l. ohv. Benitos Btanöl Neuen Bane 22 GM mööi. Zimmer Beite Verpflegung ?eL 1085. , M biS K und h$et h?n °en Krieg a6ge|( ykl» aus der Branche, der mit der Lagerhaltung, Versanddisposition und Expedition genau vertraut und fähig ist, selbständig zu arbeiten. Schriftliche Angebote unter 11694D an den Gieh. Anzeiger. Am Montag, dem 7. 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Man möchte vom Heute her sagen: problemlos. Den jungen Iuristen treibt Interesse zu Kunststudien, er bearbeitet in Mußestunden niederländische Gemälde der Braunschweiger Galerie und wird dann 1872 Assistent am König!. Museum in Berlin. Seitdem, über fünfzig Iahre hinweg — ein Leben lang —, steht feine Arbeit im Dienste dieses Museums. Es erweitert sich in dieser Zeit zu einem Museumskompler. Die Situation ist für einen Mann wie Bode günstig. Der allgemeine Aufschwung von 1870 ließ Mittel in nie geahnter Fülle für Museumszwecke flüssig machen. Dazu kam der Ehrgeiz der neuen Reichshauptstadt. es den alten Hauptstädten des Abendlandes an kultureller Fülle gleich zu tun. Dafür mußte vor allem der Besitz an alter Kunst wesentlich erhöht werden. Die maßgebenden Instanzen bezweifelten allerdings, daß man noch in größerem Maße alter Kunstwerke habhaft werben könnte und trugen sich mit dem Gedanken, eine große Sammlung von Kopien und Gipsabgüssen aller berühmter Werke anzulegen. Mit dem Auftrag, die Gipssammlung vorzubereiten, wurde der junge Bode nach Italien gesandt — und er brachte Originalwerke nach Hause. In dieser Findigkeit liegt Bodes eigentliche Stärke. In immer einflußreicheren Stellungen, schließlich als Generaldirektor der Berliner Museen, gelang es ihm, für gar nicht übermäßig große Summen einen Großteil der Hauptwerke, die heute in dem Berliner Museum stehen, zu erwerben. Die Sammlung von Plastiken der italienischen Aenaissan:e tjat er aus altem italienischen Fürstenbesitz zusammengeholt. Wertvolle Holländer und frühe deutsche Bilder wurden auf englischen Versteigerungen erworben. Unter der Sammlerwelt erwarb sich Bode so einen großen Ruf, und im internationalen Anti- quitätägetriebe ist er einer der meist geschätzten Kenner. ile&er viele Kunstwerke, die Bode auf seinen weiten Reisen begegneten, hat er denn auch geschrieben. Die Fülle seiner Aufsätze ist unübersehbar. Besonderer Bevorzugung erfreuten sich die Holländer Maler des 17. Jahrhunderts und die italienische Renaissanceplastik. Auf beiden Gebieten hat er viel geklärt, Künstlernamen und Werke ans Licht gezogen, Gruppen abgegrenzt und einzelne Bilder eingeordnet. Bei dem ganz auf Kennertum, auf Einordnung und Stilbesti'i.men gerichteten Blick Bodes — der innere Siilkriterien ihm oft unkenntlich machte — bei dem temperamentvollen Aussprechen jeder gefaßten Meinung mußten natürlich manche Fehlbestimi'.iungen unterlaufen, und manches nicht echte Stück wanderte auch in die Museen. Größere Werke haben sich aus solchen Arbeiten konzentriert. Dor allem zwei mächtige Publikationen, das beschreibende Verzeichnis der Gemälde Rembrandls (1887—1905), 12 mächtige Foliobände, darin alle (an 800) Werke Rembrandts abgebildet sind und die Denkmäler der Renaissanceskulptur in Toskana" (1892 bis 1905) 10 Follobände Mit der holländischen Ma- lerei beschäftigen sich noch: Rembrandt und seine Zeitgenossen (1906) Franz Hals, sein Leben und seine Werke (1914). Die Meister der holllän- bischen und vlämischen Malerschulcn (1917) Adriaen Brower (1924). Mit der italienischen Renaissancekunst: Florentiner Bildhauer der Renaissance (1902), Italienische Brcnzestatuetten (I. II. 1902 HI. 1912), Anfänge der Wajolikakunft in Toscana (1911), Gandro Botticelli (1921). Wer von den Titeln verführt, nach den Büchern greift, wird sie bald enttäuscht beiseite legen. Sie enthalten zwar eine Fülle stilistischer Bemerkungen, lind dem Fachmann weithin nicht zu missende Hilfen, aber daß der Künstler, seine Persönlichkeit, seine Zeit in e nem tieferen Sinne gestaltet wird, daß einem lebendige, deutende Werte aus diesen Büchern entgegcnlommen, doS wird man vergeblich suchen. Bodes schriftstellerisches Schaffen ist, obwohl viel reicher und mannigfaltiger — oder auch weil viel reicher und mannigfaltiger — als das Dehios, doch nur Rebenproduft: ist das Sprachrohr des Kenners, aber nicht die Formung der Erkenntnisse des Forschers. BodeS Lebensarbeit ruht in den Berliner Museen. Er hat sie bereichert und ihnen ein Gepräge gegeben, was nicht so leicht zu verwischen sein wird. Er hat den öffentlichen Besitz an wertvollen Werken alter Kunst vermehrt, hat vieles allgemein zugänglich gemacht, was vorher in verschlossener Privatsammlung ruhte. Das wird ihm immer zu danken fein. Allerdings quält uns Iunge die Frage, was mit diesem Besitz anzufangen sei. Bode hat die Frage nach dem Sinne eines Museums wohl nie ernst beschäftigt. Er sammelte und stellte ans, Besucher tarnen, Freunde und Burger beschauten die Werke, Gelehrte diskutierten sie und Maler kopierten eifrig nach ihnen. DoS Museum war eine öffentliche Angelegenheit — der Bürger. Das war eben so und kann niemand zu Vorwurf gemacht werden. Rur ist diese Sicherheit des Besitzes uns heute geschwunden, wir gehen durch die Säle, wir vertiefen uns in die ausgestellten Werke, und da steigt immer heimlich die Frage auf, tote diese Bilder denn wirklich öffentlich werden, wie die in ihnen liegenden Werte Volksgut werden können. Da liegt wohl die Ausgabe der Kunstforscher von heute, an diesem Problem vor allem zu bauen, wie es die Aufgabe der Romantiker-Gelehrten war. große, durchgreifende Linien zu ziehen, und. wie es die Ausgabe der Gründerzeit war, zu sammeln. L. R. Nr. 291 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesstn) TTWMT n •. - - - l j» ei M|M| ,lr Samstag, 12. Dezember 1925 Außenpolitische Umschau. | Von Professor 2)r. Otto Hoetzsch, M. d. R. Der Londoner Pakt ist am 1. Dezember in London unterzeichnet. Wie vorauszusehen, haben die deutschen Staatsmänner von dort Wesentliches in Sachen der Rückwirkungen und dergleichen für Deutschland nicht mitgebrocht. Was hat es eigentlich für einen Sinn, solche Hoffnungen zu erwecken, da man sich sagen mußte, daß weder der mit seiner Krise beschäftigte Briand, noch die englischen Staatsmänner geneigt sein würden, in den paar Tagen, ja Stunden große fachliche Verhandlungen zu 1 f Aamit ist der Vertrag unter Dach und Deutschland wird dem Völkerbund beitreten, lieber das „D a ß" besteht ja kein Zweifel. Dagegen ist das „W a n n" in das Ermessen der deutschen Regierung gesetzt und die Frist bis dahin (frühestens vis nächsten März kommt der Beitritt in Frage), ist in scharfer politischer Arbeit von feiten Deutschlands im Hinblick auf die bekannten Forderungen, die wir nicht wieder aufzählen, zu benutzen. Dazu aber ist Voraussetzung, daß in Deutschland bald eine attionsfähige Regierung zustande kommt! 9n Frankreich ist ein Kabinett Briand gebildet. Briand hat seine ganze Autorität, seinen Ruhm aus Locarno dafür eingesetzt, daß nicht auch fein Kabinett beim ersten Ansturm der Finanzkrise erlegen ist. Daß das damit Erreichte nur Flickwerk ist, darüber wird er sich keinem Zweifel hingeben. Unter ihm arbeitet Loucheur, der auch gleich das Schuldenproblem angefaßt hat. Er will dafür zugleich in London und Washington verhandeln lassen, was zweckmäßig und praktisch ist, und er hat diesen Vorstoß begleitet ober will das wenigstens tun, mit einer Darlegung der steuerlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse Frankreichs, für die er das Vorbild aus dem Verfahren des Dawes» planes genommen hat. (!) Die Dinge gehen also in bezug auf Frankreich langsam und sicher den Gang, der vorauszusehen war. Aus absehbare Zeit wird es aber aus innerpolitischen Krisenoerhältnissen nicht herauskommen, was aber die durch den Londoner Pakt geschaffene Lage nicht berührt ober verändert. In Krisen sind weiter die Tschechoslowakei und Polen. In ersterer waren wohl am 15. November Neuwahlen. Das Ergebnis steht jetzt fest: Auf tschechischer Seite eine Niederlage ber bisherigen Regierungsparteien, ein beträchtliches Anschwellen ber Kommunisten und eine Erschwernis für die Tschechen, in ber bisherigen Weise schlechtweg gegen die vergewaltigten Deutschen zu regieren. Die Mehrheit, bie bie tschechischen Parteien haben, ist so unsicher unb brüchig, daß man schon an Neuwahlen denkt ober andere Kombinationen heranziehen muß, die bisher außer allem Bereiche lagen. Auch Benesch Hal es schon angebcutet, die Heranziehung der Deutschen nämlich zur Regierung. Die Deutschen sind nicht in einheitlicher Front durch den Wahlkampf gegangen, sechs oder sieben Parteien haben miteinander gekämpft. Auf ihrer Seite haben stark zugenomen die sog. aktivistischen Parteien, die Christlich-Sozialen und ber Bunb der Landwirte, aktivistisch deshalb, well sie zur aktiven Mitarbeit am Staate bereit sind, während die Negattoisten diese ablehnen. Deren Führer, Dr. Sobgemann, ist im Wahlkampf unterlegen, genauer gesagt, er hat auf eine im zweiten Wahlgang ihm sichere Wahl ver- zichtet, weil er ber Ueberzeugung war, baß seine Politik vom beutschen Volk in ber Tschechoslowakei nicht mehr gebilligt werde. Damit scheidet ein aus- gezeichneter Mann, ein reiner Charakter und hoch- begabter Politiker aus dem politischen Leben aus. Das Sudetendeutschtum verliert einen bedeutenden Führer, während es deren recht wenige hat. Die aus den Wahlen sich ergebende Regierungskrise ist nach vielen Schwierigkeiten gerade erst überwunden. Vor dem Londoner Abschluß war die Stellung von Benesch recht unbehaglich geworden. Den Abschluß mit Deutschland und Frankreich aber bucht er als einen Sieg, und so bleibt er in einem Kabinett, dessen Zusammensetzung soeben bekannt gegeben worden ist. Noch weniger ist abzusehen, ob unb wie bie Deutschen an einer Regierung teil- nehmen könnten. Wir glauben nicht, daß es damit so schnell geht. Aber wir bedauern, daß in einer solchen Entscheidungsstunde die Deutschen in den Wahlen nicht einig waren unb baß anbererfeits in der gleichen Entscheidungsstunde das Deutsche Reich nicht durch seine Locarno-Delegation bie Gelegenheit wahrnehme, für bie beutschen Minberheitcn, also hier bie Subetenbeutfchen, im Vertrag mit der Tschechoslowakei bas seine zu tun unb für den Schutz seiner Minderheiten erfolgreich cinzutrelen. Das gleiche gilt für Polen, wo auch Regierungskrise ist. Nach zwei Jahren Bestand ist das Kabinett Grabski, bas bie Währung saniert hatte, zusammengebrochen, eben an ber Krise dieser Währung, die nur der äußere Ausdruck für eine außerordentlich kritische Lage im allgemeinen ist. An Stelle Grabskis ist der bisherige Außenminister Gras Skrzynfki getreten, der den Locarnovertrag und den neuen Vertrag mit Frankreich abgeschlossen hat. Deshalb hat man ihn genommen, und er versucht, auf möglichst breiter Plattform zu regieren. Schon das ist reichlich schwer, weil die Gegensätze unter den Parteien sehr groß sind, und noch' viel schwerer ist, den Staat aus dieser wirtschaftlichen Krise herauszubringen, in die er durch seine eigene Sch ild geraten ist. Polen hätte doch alle Veranlassung, mit seinem Nachbar eine Verständigung au suchen. Statt dessen brach es den Zollkrieg vom Zaune, der ihm tiefe Wunden schlägt. Statt dessen vergewaltigt cs seine deutschen Bürger, statt dessen gibt es viel Geld für sein Heer aus. Und so ist es in die innere Krise und dazu in eine außenpolitische Isolierung gekommen, die sich von Monat zu Monat bemerkbarer macht. Unsichere Stellen genug in ber Innenpolitik Kontinentaleuropas: Dcutschlanb, Frankreich, Polen, Tschechoslowakei. Währenddem sucht ber Völkcrbunb in Genf bie großen Aufgaben weiterzutreiben. Neben ben übrigen Gegenstänben, die nun schon zum eifernen Bestand gehören, wie Oes reich, Ungarn, Mosstil u. bgl., behandelt er die A U r ü ft u n g unb die Vorbereitung ber Weltwirtschaftskon- fercnz. Das sind beibes Themen, bie nicht nur theoretisch zu bchanbeln sinb, sondern in denen dringend praktische Erfolge erzielt werden müssen, soll nicht Europa zusammeubrcchen. Es sind zugleich Aufgaben, an denen Deutschland lebhaft mitzuarbeiten hat, sobald es im Völkerbund ist, und es sind Aufgaben, für die sich auch Amerika interessiert. Für bie Gesundung Europas kommt cs in den nächsten Monaten noch mehr als bisher darauf an, daß Nordamerika bereit ist, wirtschaftliche Hilfe zu gewähren. In dieses Kapitel gehört nicht nur, daß Nordamerika Kredite zur Verfügung stellt, sondern daß die Schuldenabmachungen mit den übrigen Staaten auf der Seite ber Sieger, also namentlich mit Frankreich, endlich zustandekommen, unb daß ferner die Revision des auf die Dauer ja undurchführbaren Dawes-Planes begonnen wird. Für diese Hilfe aber will Nordamerika, daß Europa in Abrüftungsfragen nun auch das Seine tue. Das ist also Aufgabe des Völkerbundes, der nun zeigen muß, ob er etwas schaffen kann, und hierin laufen die Interessen Deutschlands und Amerikas durchaus nebeneinander in einer Linie. Von der Gleichberechtigung ist solange keine Rede, als im Völkerbund selbst waffenstarrende Mili- tärftaakn unb völlig entwaffnete Besiegte nebeneinander stehen, ober gar letztere von ersteren noch mit unroürbiger Militärkontrolle niedergehalten werben. Parlamentarisches aus Hessen. Darmstadt, 8. Dez. Der Gau Main- Weser des Deutfchnationalen Handlung«« ehilfen-Verbandes hat an den Hessischen Landtag eine Eingabe gerichtet, bn der er bittet: der Landtag möge die Hessische Dtaats- regierung ersuchen, aut Milderung der großen Rot in den Kreisen der KcrufmannSqehilfen ausreichende Barmittel zur Unterstützung stellenloser und verkü rzt arbeitender» KaufmannSgehilfen und ihrer Familien zur Verfügung zu stellen und durch geeignete Maßnahmen bei anderen Wirtschaftsbeteiligten und Behörden dahin zu wirken, daß überstürzte und wirtschaftlich nicht unbedingt gebotene Entlassungen und Gehaltskürzungen unterbleiben. Schließlich bei der Reichsregierunq für die Einbeziehung aller Angestellten im Sinne des An- gestelltenversicherungsgesehes in die künftige Arbeitslosenversicherung einzutreten. Dem Hessischen Landtag sind folgende Anträge der Deutschen Volkspartei zugtgangen: I. Die Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz ist schon in ihrer heutigen Höhe für weite Kreise der Devölkeruna kaum tragbar. Sie wirkt besonders drückend, da bei der Veranlagung zu wenig Rücksicht auf den Ertrag der Gebäude genommen wird. Sicherem Vernehmen nach soll sogar eine weitere Erhöh u nx g der Steuer zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs des Staates geplant sein. Wir beantragen: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Sondersteuer vorn bebauten Grundbesitz zur Deckung des allgemeinen Fincnnbedarss nicht zu erhöhen, sie dagegen in Ausführung des 8 11 Ziffer 5 ff. deS Gesetzes über Aend-rangen des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden vom 10. August 1925 (R. G. Dl S. 254 ff ) für Eigenheime und am 31. Dezember 1918 unbelastete oder gering belastete Grundstücke zu ermäßigen. II. Es ist unverkennbar, daß die allgemeine Wirtschaftsnot durch bie hohen Zinssätze außerordentlich verschärft wird. Wir beantragen: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, 1. Alle verfügbaren Gelder des Staates und der staatlichen Anstalten werden ausschließlich bei öffentlich rechtlichen Bankanstalten angelegt zu einem Zinssatz, der höchst en s den Reichsbankdiskont erreicht. Den Banken ist die Auflage zu machen, diese Gelder mit einem Aufschlag von höchstens 1 Prozent bis zum letzten Kreditneh- auSzuleihen. 2. Auf die Gemeinde n und Gemeindeverbände einzuwirken, ebenso zu verfahren. Folgende Anfrage über die Sparsamkeit In den höheren Verwaltungsstellen wurde ebenfalls von D. V. P. gestellt: 1. Ist es richtig, daß der Ministerialdirek- tor Alrflabt seit etwa vier Iahren Aufwandsentschädigung für doppelten Haushalt neben feinem hohen Gehalt aus der Sondergruppe B III empfängt, obwohl a) ihm in dieser Zeit in Darmstadt lä ng st eine angemessene Wohnung hätte zugewieien werden können: b) anderen Beamten die Aufwandsentschädigung entzogen wird, sobald ihnen eine amh nur notdürftig ausreichende Wohnung nachgewiesen werden kann. 2. Ist es richtig, daß der Ministerialdirektor Arstadt neben feinem hohen Gehalt bis vor kurzem auch noch die Tagegelder eines Abgeordneten für diejenigen Sitzungen liquidiert hat, denen anzuwohnen er als beamteter Vertreter der Regierung verpflichtet war? 3. Was gedenkt die Regierung zu tun, um ihren eigenen Spa verlassen durch das gute Beispiel der höchsten Beamten den nötigen Nachdruck zu verleihen? Oderhessen. Landkreis Gießen. s. Trohe, 11. Dez. Im hiesigen Schulsaal hielt ein junger Mediziner einen Vortrag über das Tchema: „Wie erhalte i Holzheim, 11. Dez. Hier sorach im großen Ratbaussaale auf Einladung der hiesigen Bruderschaft des Jungdeutschen Ordens der Komtur der Ballei Oberhessen, Major a. D. Wichert- Büdinqen, über das Ziel des jungdeutschen Gedankens. Die Worte lösten bei den zahlreich Erschienenen reichen Beifall aus. Der Redner gab einen lieber» blick über die Ursachen der gegenwärtigen wirtschaftlichen und sittlichen Not, betonte dann, daß nicht allein eine Hilfe von außen in Form von Krediten, sondern ähnlich 1806 eine innere Wiedergeburt die Rettung unseres Volkes bedeute. Er forderte vor allen Dingen größeres Verantwortungsgefühl und gesteigertes Pflichtbewußtsein. Treue, Glauben, Zuverlässigkeit, Nächstenlieve und freudige Opferwilligkeit müßten wieder Einkehr halten in unserem Volke, bann wäre der Anfang zum Aufstieg gegeben. Auf seine Anregung werden zum Zwecke der Volksbildung im Laufe des Winters Lichtbil ° dervorträge stattsinden, vor allen Dingen Vorträge, die die Schönheit der deutschen Heimat verherrlichen unb bas Heimatgefühl stärken sollen. Um bie Iugenb abenbs von der Straße fern zuhalten, hat ber hiesige Iungdeutsche Drben sog. Spiel- ad e n d e eingerichtet. Die männliche Iugenb versammelt sich dazu in dem Rathause, wo alle möglichen Unterhaltungsspiele — Kartenspiele ausgenommen —gepflegt werden. = Lang-Göns, 11. Dez. In unserer Gemeinde wurde In den letzten Iahren eine ungemein rege Bautätigkeit entfaltet. Neben verschiedenen An- unb Umbauten innerhalb des Dorfes hat sich jenseits der Eisenbahn an der Holzheimer Straße in dem Gemarkungsteil „Fauerbach" ein ganz neues Dorfolertel gebildet. Außer einer Anzahl Arbeiter- unb Beamtenwohnungen hat auch die Oemeinbe ein neues Haus bauen lassen, um wenigstens den unbemittelten Familien eine Wohnung zu verschaffen, so baß ber Wohnungsnot immer mehr gesteuert wird. — Pfarrer Weder, der lange Jahre hier als Ortsgeistlicher gewirkt und nach feiner Versetzung in den Ruhestand noch einige Jahre im Pfarrhause gewohnt hat, mußte nun, da ihm die Gemeinde keine entsprechende Wohnung zur Verfügung stellen konnte, nach dem benachbarten Holzheim ziehen. Das Pfarrhaus wird zur Zeit einer gründlichen Renovierung unterzogen und neuzeitlicher ausgeftattet. Vor Jähren mußte bereits Wilhelm von Bode. Zu feinem 80. Geburtstag. In diesen Tagen begingen zwei der bekanntesten deutschen Kunstforscher hohe Gedenktage. Georg Dehio hat am 22. Rovember seinen 75. Geburtstag gefeiert, W i 1 helm v. Bode am 10. Dezember seinen achtzigsten. Es ist natürlich, an solchen Tagen auf das Lebenswerk eines Mannes zurückzuschauen und den Ort zu bestimmen, aus dem er ins Leben deS Volkes gewirkt hat. Das lct.lere sollte man wenigstens versuchen. Der Rachfolgende sieht ja nie klar die Stelle, an der sein Meister stand, er überschätzt ihn. ober glaubt, sein Erbe leugnen zu müssen. Der die- schreibt, ist zwar schon aus der übernächsten Generation und sieht somit manches wieder anders, als die älteren vor ihm. Ein Versuch bleibt es aber trotzdem. In weiteren Kreisen bekannter ist sicher — zumal nach dem Erscheinen seiner „Geschichte der deutschen Kunst" — Georg Dehio. Er ist auf weitere Sicht auch sicher der von beiden, dem ein tiefes Wirken vergönnt ist. Dehios Schaffen ist begrenzt. Vier große Werke sind es im wesentlichen, die neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität seinen Ruf ausmachen: „Die kirchliche Baukunst des Abendlandes" in Zusammenarbeit mit dem Architekten v. Bezold, 1887 bis 1901 erschienen. 5 Foliobändc Baurisse und 2 Bände Text: die „Denkmäler deutscher Bildhauerkunst", eine große Publikation von Bildtafeln. 1905 mit Bezold begonnen, durch den Krieg unterbrochen und heute seiner Vollendung entgegengehend: das „Handbuch der deutschen Kunstdenkmaler", eine stichwortartige Zusammenstellung aller Bauten: schließlich die „Geschichte der deutschen Kunst", deren letzter Teil jetzt abgeschlossen vorliegt. An ein Werk von der Ämfasscnheit der „Kirchlichen Baukunst des Abendlandes" hat sich seitdem nicht wieder jemand gewagt, und o, wie heute die Dinge liegen, wird es auch so bald keiner tun. In Dehio ist noch 6er Mut der romantischen Gelehrten lebendig von SoiW Oesänge ehr 1 bon ter Errichtung der geplanten Kraftpoft Seit 000001 DIE FÜHRENDE MARKE! 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Der Krast- postverkehr nach Mücke— Feldkrücken und nach Lauterbach ist wieder ausgenommen Kreis Alsfeld. W Burg-Gemünden, 11. Dez. Der hiesige Turnverein beschloß, auch in diesent Jahr wieder einen Werbeabend, verbunden mit Thoateraufführungen, zu veranstalten. Die turnerischen Vorführungen bestehen aus Hebungen an Reck, Barren und Pferd, f^tote aus Freiübungen und Aufstellung von Pyramiden. Dcr hiesige Gesangverein, sowie der Musi k v e r e i n werden zur Verschönerung des Abends beitragen. Kreis Lauterbach. « AngerSbach, 10. Dez. Gestern wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der sich bis weit über die Grenzen des Kreises Lauterbach grosser Liebe unb Achtturg erfreute: der Beigeordnete und Kirchenrechner Johannes Möller XVIII., der cnrch einen ausgedehnten Dogelhantel betrieb imd Kanarienvogel und gelernte Buchfinken bis nach Amerika und England lieferte. Die Trauer um den Dahingeschiedenen war allgemein und kam bei dem Leichenbegängnis ergreifend zum Airsdruck. Der Kriegerverein. die beiden Gesangverein« und der Verein ber Vogelfreunde, eine große Anzahl Berufskollegen und viele sonstigen Ortseingesessene gaben tem Verewigten das letzte Geleit. Der Ortspfarrer schilderte in trefflicher 'Weise die Charaktereigenschaften des Dahingeschtedenen. Aechnungsral Bechtold legte im Namen des Kreisrechnerverbandes einen Kranz an dem Grabe nieder und brachte zum Ausdruck, daß der Verstorbene sich durch treue und gewissenhafte Dienst- führung die Anerkennung seiner Vorgesetzten und dmxh> fein heiteres, liebevolles Wesen die Liebe und Wertschätzung seiner Kollegen erworben habe. Weitere Kranzniederlegungen fanden statt für die Gemeinde, für den Kriegerverein, für die Vogelzüch-terveretne Angersbach, Lauterbach, Fulda, für die Landw. Zentralgenvssenschaft und für dos Vogel-Crport-Gcschäft Nuhe in Ahlen iWests.). Die umflorten Fahnen deS Kriegervereins und der beiden Gesangvereine wurden drei- konnte noch nicht einwandfrei geklärt teerten Ott Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. — Schwurgericht Gießen. • Gießen. 11. Dez. Als letzter Fall der diesmaligen Schwurgerichtsperiode wurde die Anklage gegen den Schmied Tobias Schenk aus Stammheim wegen Körperverletzung mit ’ tödlichem Erfolg verbandelt. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Der Angeklagte lebte mit seiner mit ihm im gleichen Hause wohnenden Schwiegertochter nicht in bestem Einvernehmen. Am 18. November l. 3., vormittags 8 Llhr, kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen beiden, der dadurch entstand, daß die Schwiegertochter ihr kleines Mädchen, weil es unartig gewesen war, strafte. Das gab dem An- gellagten, der am Tisch seinen Morgenkaffee trank, zu Bemerkungen Aniah wie: „Ist das das erste Frühstück" und „Wie kannst du dein Kind erziehen, du bist selbst nichts nutz." Die Schwiegertochter blieb die Antwort nicht schuldig, so dah der Angeklagte zu ihr sagte sie nicht ruhig sei, werde er ihr eine Schussel mit Wasser über den Kops ziehen. Das Wortgefecht setzte sich jedoch fort, und als die Schwiegertochter u. a. äußerte: „Ihr selber seid ja auch nichts nutz", sprang der als äußerst jähzornig bekannte An- gellagte, sein Taschenmesser in der Hand, vom Tisch auf, stürzte auf seine Schwiegertochter, die in der Nähe des Ofens ihr Kind anzog, zu, um ihr eine „abzuscheppen". Die Frau drehte sich halblinks um, um dem bevorstehenden Angriff zu begegnen, schrie aber im nächsten Augenblick auf: „Au, ich bin gestochen." Auf Anraten ihres Mairnes, der jetzt erst herzutrat, ging sie in ein Nebenzimmer und legte sich aufs Bett. Beim Der^ such, wieder aufzustehen, brach sie zusammen und starb nach etwa einer halben Stunde, obwohl der rasch fcrbeigerufene Arzt alle Versuche machte, sie am Leben zu erhalten. Wie dieLeichen- Öffnung ergab, war die in den Oberschenkel hineinziehende Blutader getroffen: dies führte dazu, dah die Gestochene sich verblutete. Eine Besichtigung der Wunde und der Kleider ergab, dah das Messer bis zum Heft durch Schürze, drei Röcke. Anterhose und Hemd in den Oberschenkel gedrungen war, der Stich mithin mit ungeheurer Wucht geführt worden fein muhte. Trotz dieses den Angeklagten belastenden Tat- bestandes leugnete er heute, wie früher, eine vorsätzliche Körperverletzung ab und behauptete, seine Schwiegertochter habe, als er auf sie zugestürzt sei, nach ihm getreten und müsse so in das Messer, das er zufällig vom Frühstücken her noch in der Hand gehalten habe, gerannt sein. An Hand einer Zeichnung der Verletzung vermochten die Sachverständigen einwandfrei nachzuweisen, dah diese Behauptung erfunden sei. Die Wunde befartb sich in der sogen. Schenkelbeuge, so dah, selbst wenn die Frau getreten hätte, sie nicht in der Weise, wie gescheyen, hätte verletzt worden sein können. Bezeichnend für den Charakter des Angeklagten war, dah er sich nach ber Tat wieder an den Tisch setzte und mit demselben Messer, mit dem er gestochen hatte, weiter frühstückte, auch noch grob wurde, als man ihm Vorhalt über seine Tat machte, sich überhaupt Nicht mehr um seine verletzte Schwiegertochter kümmerte. Das Gericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg, unter Annahme mildernder Um* stände zu 2 Jahren 6 Monaten Ge* f ä n gniS. Der Staatsanwalt hatte 4 Jahre beantragt. Starkenburg. * Darmstadt, 11 Dez. Die Provinzialdirektion Starkenburg, die Kreise Bensheim, Darmstadt, Groß-Gera u, Heppenheim und die <3täbbe Darm stadt und Offenbach haben sich zu einer G a s * E r zeugungs- und Gasverteilungsgesellschaft zusammengeschlossen. Das Llnderneh- men soll die Rechtsform einer Aktiengesellschaft bei einem Aktienkapital von zunächst rund sechs Millionen Reichsmark erhalten. Tagung des hessischen Iagdklubs WSN. Darmstadt, 10. Dez. Der Hessische Oagbtlub hielt gestern seine dies- jährige Hauptversammlung ab. Den Jahresbericht erstattete der Shrenvorsitzende Prof. Zimmer. Die Witgliederzahl beträgt zur Zeit rund 1800. Die finanzielle Lage sei nicht besonders günstig. OagMUbe Vorträge seien in Frankfurt, Weinheim, Friedberg und Darmstadt gehalten worden. Ferner seien drei Hundeprüfunaen veranstaltet, auch die Schießausbildung der Mitglieder fei wesentlich gefördert worden. DaS Zusammenwirken mit der StaatSreaierung sei sebr erspriehlich gewesen, in zahlreichen Fällen sei den Anregungen deS Klubs ■ Folge geleistet worden. Die Bildung von Aegcrtngen habe sich sehr bewährt. Dis jetzt beständen vter solcher Hegeringe: 1. da- Gebiet zwischen Frankfurt und Darmstadt bis zur bayrischen Grenze, 2. das Gebiet von der Gersprenz bis zum Neckar, 3. ein Gebiet von 60 000 Morgen zwischen Frankfurt und dem Spessart, 4. daS Ried. Zwet weitere Ringe bei Lindenfels i. O. und bei Büdingen feien in der Bildung begriffen. Hierauf erstatteten die einzelnen Ortsgruppen ihre Berichte. Rheinhessen. Worms, 11. Dez. (WSN.) Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung 150 000 Mark bewilligt, die zugunsten von in der öffentlichen Fürsorge stehenden Personen Verwendung finden sollen. Die Zahl der Erwerbslosen beträgt zur Zeit in Stadt und Kreis WormS rund 1500 Personen. Preußen. DtUkre S bl. Herborn, 11.Dez. Das Kessel - und Maschinenhaus der Deutschen Srd - farben-Jndustrie in Burg wurde ein Raub der Flammen. Die Entstehungsursache 7 vorläufig abgesehen werden, da anderwärts dringlichere Bedürfnisse vorliegen. 11 Büdingen, 11. Dez. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, die Der- leihuna von Reichsbaudarlehen anReichs- finanAbeamte zu befürworten. Die vom Forstamt vorgeschlagenen Holzbauerlöhne wurden angenommen. Die Zuschüsse, die die Stadt zur gewerblichen Fortbildungsschule (eisten muh, haben eine derartige Höhe angenommen, dah der Gemeinderat dem Schulvorstand glaubte empfehlen zu müssen, jede weitere Einstellung von Lehrkräften und die nicht unbedingt nötigen sachlichen Ausgaben zu unterlassen. Die Dienstsicherheit des Gemeinderechners D e r k e S wurde aus 2500 Mk. festgelegt. — Seit voriger Woche ist hier und in der Umgebung eine französische Kommission mit der Ausgrabung französischer K r t e g e r I e i d) e n beschäftigt. Die Leute waren als Kriegsgefangene hier beschäftigt. De sterblichen il?bei*refte werden «umgehend nach Frankreich abbesörderi. Alles geschieht natürlich auf Kosten Deutschlands. lD Nidda, 11. Dez. In der jüngsten Ge- meinderatssitzung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Die seinerzeit von der Stadt Nidda erworbenen Quellen im Hasseiborn sind im Feld- bereinigungsverfahren der Stadt Nidda nicht restlos zugeteilt worden. Mit den neuen Besitzern und der Stadt ist wegen Rückübertragung des Quetlengebietee den Besitz der ■ schon einmal der untere Teil einer Gtebelwand her- ausgenommen werden, da sich ton dieser Seite her der verheerende Schwamm eingenistet hatte. In der Gemeindeverwaltung trug man sich deshalb mit dem Gedanken, ein neues Pfarrhaus zu bauen und das alte für Wohnungssuchende einzurichten. Zur Durchführung des ersten Planes konnten ober leider nicht die entsprechenden finanziellen Mittel aufgebracht werden. Ki'cio Friedberg. 4- Ober -Mörlen, 11. Dez. Wir hatten schon öfters Gelegenheit, über die Bürger- meisterfrage,oi« feit 3uli schwebt und außer vier Wahlgängen auch scholl eine Fülle von Erbitterung und Partei streit in unsere große Dorfgemeinde getragen hat, zu berichten. Der Kampf, der von beiden Seiten mit erbitterter Heftigkeit auSgetragen wurde und iveiberhin ausgetragen werten wird, wird am Amtsgericht Bad- Nauheim sogar zu einem BeleidigungS- prvzeß führen. Es sollte in der Sache gestern schon verhandelt werten, ter Termin mutzte ober vertagt teerten, ba ein m Frankfurt c. M. wohnender Hauptzeuge zur Zeit nicht vernehmungsfähig ist. Zweimal weilte bereits Kreisdivektor Gebhardt-Friedberg hier, um die Grünte, die zur Anfechtung ter letzten Wahl geführt haben, zu prüfen. Die -VoverHebungen sind nun abgeschlossen, so dah am 19. Dezember ter Kreisausschuh Friedberg, ter unter Vernehmung eines gewaltigen Zeugenapparates bereits anfangs Oktober schon einmal in ter Sache verhandelt hat, sich zum zweitenmal mit ter Ober-Mörler Dürgermeisterwahl beschäftigen kann. Hoffentlich ist das bann auch das letzte Mal, Damit die von weiten Kreisen unserer Bevölkerung seit langem gewünschre Befriedigung unserer Gemeinte endlich eintreten kann. — liniere Gemeinte, die rund 3000 Seelen zählt, hat zur Zett 100 Erwerbslose. Zum Glück ist in den großen Gemeintewaldungen im Taunus viel Hoh zu machen. Sobald mit dieser Arbeit wieder begonnen werden kann, wird es für viele ter Arbeitslosen wieder Beschäftigung geben. Auck ber Bad-Nauheimer Baumarkt wird manchem hiesigen Arbeiter wieder Lohn bringen, wenn die Bauarbeiten in den nächsten Tagen wieder aufgenommen teerten. L Langenhain-Ziegenberg, 1 1. Dez. Unsere Heine Doppelgemeinbe, die gemeinsame Verwaltung und auch eine gemeinsame Schule hat, hat bei ber vom hessischen Fürsorgeverein für Krüppelpflege hessischer Kinder angeregten Schulfammlung für das in Darmstadt zu errichtende Krüppelheim die ansehnliche Summe von 50 Mark aufgebracht. Durchschnittlich hat jedes Schulttnd, darunter sehr viele Kinder aus einfachen Arbeiterfamilien, nahezu eine Mark beigesteuert. Diese Summe ist selbst an größeren städtischen Schulkörpern nicht überall eingegangen. Der Fürsorgeverein hat denn auch den vorbildlichen Opfersinn unserer Heinen Gemeinte besonders anerkannt. Kreis Büdingen. !! Büdingen, 11. Dez. Di« Melde- fr i st für die Bewerber um die hiesige Berufs- bürgermei st er stelle ist jetzt abgelaufen. Wie man erfährt, haben sich folgende Herren beworben: Amtsgerichlsrat Dc. A n d r a e - Or- ienberg. Fabrikant Müller-Thürin g-Bü- Stadt Nidda unterm 20. November 1925 eine (Einigung zustande gekommen, die vom Ge. meinderat genehmigt wird. Nach dieser Vereinbarung muß die Stadt für das Quellengebiet 1 Mk. pro Qm. an die Besitzer zahlen. Hierdurch erledigt fich die Beschwerde an die Landeskommission. — Hinsichtlich des der Stadt im Feldbereinigungsverfahren über» iDiefcnen Privatwaldbesitzes ist wegen der Entschädigung für den Waldbestand ebenfalls zwischen den früheren Waldbesitzern und der Stadt eine Vereinbarung getroffen worden, die die Zustimmung des Gemeinderats findet. — Zur Chaussierung des Weges von der Michelnauer Chaussee über die 30 Morgen nach den Galdäckern, die von bet Feldbereinigungsgesellschaft geplant ist, stellt die Stadt das erforderliche Steinmatertal tostenlos. — Von einer Erhöhung der Sonder- st euer vom bebauten Grundbesitz ab 1. September wird Abstand genommen und die Ansicht vertreten, daß im Hinblick auf die außerordentlich ungünstige Wirtschaftslage die 5ragc_ der Ermäßigung dieser Steuer erörtert werden müßte. — In Nidda kommt auch im Jahre 1926 eine G c - mein de Hunde st euer zur Erhebung, und zwar in ber Höhe, wie sie im Jahre 1925 erhoben worden ist. — An dem Erwerb des I u n t e r f chen Hauses in ber Gerbergasse hat der Gemeinderat im Einblick auf die neuerdings gestellten Bedingungen vorerst kein Interesse. — Dem Ansinnen des hiesigen Turnvereins um Ueberlasiung ber Galerie im Krastfchen Saalbau zwecks Einbau in dis neue Turnhalle kann nicht entsprochen werden, da mit dem Abbruch des Saales noch nicht zu rechnen ist. — In der Volksschule ist die Aufstellung eines größeren Kessels für die Zentralheizung erforderlich geworden. Die Lieferung und Montage des Kessels wird dem Gust. Roß in Friedberg laut Angebot übertragen. △ 'Bingenheim, 11. Dez. Oft bemitleidet man die herumziehenden Zigeuner und B ä - renführer. Daß diese aber häufig über mehr Geld verfügen als andere Leute, beweist folgender Fall. Dor zwei Jahren wurde hier ein Säugling einer Bärenführertruppe in das Kre 1 sfür - sorg ehe im ausgenommen. Das Kind entwickelte sich gut, aber niemand von seiner Sippe erkundigte sich nach ihm ober bezahlte die entstandene!! Kosten. Diese waren am 1. Dezember zu 580 Mk. angewachsen. Als nun in voriger Woche die Bären- führer, zu denen bas erwähnte Kinb gehörte, wieder in dem Kreise Büdingen erschienen und um einen Wanbergewerbeschein nachsuchten, würben sie auf ihren Stammhalter und die durch ihn entstandenen Kosten aufmerksam gemacht. Da die Mutter des Kindes die Schuld nicht bezahlen konnte, erbot sich ber „Vater" der Bärenführer, zu sofortiger Begleichung der Schuld. Dabei zeigte er, daß er noch über einen ganz bedeutenden Betrag in bar verfugte. Das Kind wurde von der hiesigen Säuglingsschwester der Mutter überbracht. Doch wollte es nicht zu den braunen Verwandten. Nicht nur der Schwester, sondern allen Augenzeugen der Ablieferung am Bahnhof Nidda traten die Tränen ip die Augen aus Mitleid mit dem jammernden Kinde. th. L e i d h e ck e n , 11. Dez. Bei ber hier abgehaltenen Treibjagd im Wald- und Feldrevier wurden von 33 Jägern 26 Hasen und 1 Fuchs zur Strecke gebracht. Kreis Schotte». M» Schotten, 10.Dez. Heute aberrb trafen oa. 100 Mann Reichswehr vom 1. Batt. Inf.-Reat. Rr. lö in G i e ß e n mit ihrem Kommandeur Oberst, leutnant Fritz hier ein, um eine taktische Hebung in Dem tief verschneiten und schwierigen Gelände des Dberroalbee vorzunehmen. Das Militär ist in Bürgerquartieren untergebracht, die Bevölkerung tft lehr froh, zum ersten Male Teile unserer neuen Reichswehr bei sich aufnehmen zu dürfen. Die Kapelle de» Reichswehrbataillons trifft morgen ein, der Kommandeur hat sie in liebensroürbimter Weise ber Stadt (geaen Vergütuna der Unkosten) zur Verfügung gestellt. Die Kapelle wird morgen abend in der Turnhalle ein Wohltätigkeitskonzert geben. — Aus der Gemeinderatssitzung: Der Einrichtung der A u t o I i n i e Schotten — Gedern wird zugestimmt, die Stadt übernimmt die auf sie entfallende Garantie- summe und die Errichtung der Autohalle. Die Iuxplätze für die Märkte in 1926 sollen im Wege der Submission vergeben werden. Die Märkte werden in der gleichen Weise wie früher abgehalten. Der bekannte Prämiierungsmarkt am dritten Pfingstseiertag wird mit Verlosung und Prämiierung verbunden. Die Gemeindejagd wird neuverpachtet zu den üblichen Bedingungen auf die Dauer von 9 Jahren, Genehmigung des Gemeinde- rate und Auswahl unter den drei Höchstbietenden bleibt vorbehalten. Zu den Kosten der Schul- Zahnpflege werden 250 Mk. bewilligt. Die Schulkinder werden zahnärztlich untersucht, die Kosten für die Unbemittelten übernimmt die Stadt. Einigen Bauherren werden 1000 Mk. Baudarte h e n bewilligt. Die Sprung gelber werden, wie im Vorjahr, auf 2 Mk. für Rindvieh, 50 Pf. für Ziegen festgesetzt. Die H u n d e ft e u e r für 1926 wird auf 10 Mk. für jeden Hund bestimmt. Die Wassergeldsätze für die Haushaltungen, die Das 44c K Wfcf’L&K bet "led Tobias pi?&Ä nicht hi mber i > 7«n JJ6 Aadch^' die ZrsZ bk ^5Sf letzt- LW iMLL Ate« °E Arzt alle Deiluche erhalten Die die Leichen. Ehc 111 den Oberschenkel s »: dies gj je ich derbluiete. Sine k und der Neider ergab, iian fy’h durch Lchürze und Hemd in den Ober- ?■ Stich mithin mit uhrt worden sein muhte, «klagten belastenden Zat- heute, wie srüher, eine chung ab und behauptete, habe, als er auf sie zu« ^treten und müsse so in das iig vm Frühstücken heilten habe, gerannt sein. An der Verletzung venmchten einwandfrei nachzuweisen, erfunden sei. Sie Dunöe cn. Echentesbeuge, so M getreten hätte, sie nicht in »en, hätte verletzt worden id für den Charakter des r sich nach der Tat wieder mit demselben Messer, mit e, weiter srüMckte, auch lan ihm Vorhalt über 'eine Mpt nicht mehr um seine ler kümmerte. Das Gericht Körperverletzung mit töd« Knnafrne mildernder ihn* n 6 Monaten ®t- ISanvalt hatte 4 Jahre Das ier-Piano rstiS jer ganzen Welt vtr litet sind. ,b.5tr.l2.-0»187 M J Mar noch heute and morgen: Der Fall Gregory (Die SQhne) Kriminalßlm in C Akten. — Ferner: Fatty als Cowboy Groteske In 4 Akten. Sonntage ein kleiner Aufschlag. Astoria-Llchtspiele Lichtspielhaus Pajast-Lichtspieie Mar noch heute und morsen: Verblumen Si* nicht die große Lustspiel oche mit derG la-• an ummer Bei mir Niagara ferner noch 3 Groteskeschlager Minen 12 Akte sprühenden Bumers. Sonntags ein kleiner Aufschlag. Das hervorragende Programm Nur am Sonntag, ab 4 Uhr: e Die Blumenfrau e vom Potsdamer Platz 7 Akte mit Reinhold Schünael Erika GiäBner Wilhelm Dleterle Maria Kamradek Eintrittspreise: 80 Pfg. - 2 Mk. 11722c trauten Violinen Challler Biellen Ernst allen 1 Instrumente flAM • MABMv Der Bietzen 09934 Statt Karten! «Meine Mrltaifcö“ Kanzleiberg 5 Kanzleiberg 5 «eine Meine von Mk. 5.— an Roller Preiswerte ?.tN io* franklüna.M. Zeil104 Liköre Spinlooseu Preiswerl 1 Seltersweg 70 ■JA Räucher- Selterswe? 70 SlchM Bogeitos trocken ab Vag Wottengafie 17 liefert 1075 Vager 10751c liefert IMF" Sonntag- von 11 — 6 Ubr geöffnet Carl Haas |r. Telephon 16'2. *lX)eihnachts-Seschenke Motore Diwan-, Tisch- und Reise-Decken Variete Bunte Bühne Seltersweg SO. 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Aach einer Anordnung deS Heffifchen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft sind die Darlehen aus Mitteln deS staatlichen AolstandSkreditS vom 10. November 1925 an mit 9 Prozent für daS Jahr zu verzinsen. Gießen, den 8. Dezember 1925. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Dr. Selb. 116628 Weihnactearakel kaufen Sie in reicher Auswahl preiswert und günstig für den Wiederverkauf bei Ernst SeSuth, Giessen Bakokaladen- aal Xaekerwaren»6ro8iiaafllens LudwIgatraOe 42. Schokoladen mt Zuckerwaren aller Art in fast allen Markenquahtäten so- sil Nr. 291 Drittes Blatt Samstag, 12. Dezember 1925 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) Afghanistan und sein Emir Don Dr. Artasches A b e g h i a n. Aon Zeit zu Zeit dringen immer wieder aus Afghanistan Berichte von einer Rechtsprechung zu uns, die uns in jenem zentralasiatischen Gebiete eine Hochburg rückständigster Willkürherrschaft und gefährdeister persönlicher Sicherheit erkennen lassen, »nd eben jetzt beschäftigt das noch ungewisse, drohende Schicksal des in afghanische Gefangenschaft gefallenen deutschen Gelehrten Stratil- S ari er die diplomatischen Stellen. Dennoch steht Afghanistan heute in der ersten Reibe jener Äölker des Orients, die ihrem nationalen Körper eine neue Lebenskraft einzuimpfen suchen, indem sie sich bemühen, die europäische Kul- rnr auf ih«m einheimischen Boden nutzbar zu medicn. ^gleich bezweckten sie, sich von der europäischen Vormundschaft zu befreien und sich auf eigene Füße zu stellen. Der Prozeß der Reformbewegung Afghanistans wird durch die Tatsache charakterisiert, daß an ihrer Spitze — ja, man könnte sagen, — an der Spitze des Revolutionisierungsprozesses des gesamten afghanischen Lebens — kein anderer als der Alleiichc/rschcr des Landes selbst, der junge Emir Slmanullah Khan steht. Es märe keineswegs verfehlt, diesen tatkräftigen Herrscher auf dem afgbonischen Throne mit Peter dem Großen zu verol.eichcn. Was eben dieser vor 200 Jahren für Rußland war, ist auch, allen Anzeichen nach, oer jetzige afghanische Monarch für sein Land. Afghanistan ist neben Persien und Be- ludschistan eines der Länder des Hochlandes von Iran, dessen nordöstlichen Teil es eiynimmt. Es ist mit einem Flächeninhalt von etwa 625 000 Quadratkilometer größer als Deutschland, hat aber im ganzen nur 6 Millionen Einwohner. Wie der ganze Iran, stellt auch Afghanistan ein rauhes und wildes Hochland dar. Das System des Hochgebirges von Hindukusch, das bis über 7000 Meter steigt, durchzieht wie ein kräftiges Rückgrat das ganze afghanische Land. Da nun Afghanistan vom Meere weit entfernt liegt, l-at es auch ein trockenes Kontinentalklima. Der Winter ist dort sehr kalt und der Sommer sehr heiß. Infolge seines kontinentalen Klimas ist die Pflanzenwelt des Landes eine recht arme, nur kümmerliche. Seine Berge sind waldlos. Afghanistan ist jedoch ein an Raturscbätzen reich gesegnetes Land. Dort sind Stupfer, Blei, Zink, Eisen, Kohle, Petroleum, Gold, Silber und andere Bodenschätze vorhanden. Alle diese Raturreichtümer müssen jedoch erst erschlossen werden. Amanullah- Khan betätigt sich auch in dieser Richtung. Die Bevölkerung Afghanistans ist keine einheitliche. Sie besteht aus mehreren Nassen, Völkern, Sprachen und Religionsgemeinschaften. Unter ihnen sind vor allem die Afghanen zu nennen, das Stammvolk des Landes. Nach ihrem Namen ist es auch genannt. Afghanistan ist seit dem 18. Jahrhundert unter diesem Namen bekannt, seit der Zeit, als die Vorherrschaft der Afghanen unter den verschiedenen Rassen dieses Gebietes endgültig unerkannt wurde. Erft seitdem besteht auch Afghanistan als ein unabhängiger Staat. Die Zahl der eigentlichen Afghanen beträgt etwa die Hälfte der ganzen Bevölkerung des Landes. Sie find ein iranisches Volk, also den Persern verwandt. Auch ihre Sprache — ein Zweig des Ostiranischen ist dem Persischen sehr ähnlich. Die heutigen Afghanen find stark mit den Völkern mongolischer Rasse vermischt. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Nachkommen der in der alten Geschichte des Orients erwähnten Vasthos-, so nennen sie noch heute die Afghanen. Diese haben hohen, schlanken Wuchs, einen starken Knochenbau, längliches Gesicht, energische Züge und gebogene Nase. Sie sind in ver- schiebene Stämme geteilt und beschäftigen sich hauptsächlich mit Viehzucht, ober auch mit Ackerbau. Viele von ihnen sind Nomaden. Auch die Blutrache ist bei den Afghanen bekannt. Sie sind gastfreundlich und ein ritterliches und krieaerisches Reitcroolk. Die Stellung der afghanischen Frau ist eine freiere c.ditivn auf Dem Vermessungs- unD Forschungsschiff „Meteor", das die größte atlantische Wasserzirkulation erforschen soll, nahm Den Apparate-Ausschuß sehr in Anspruch. Der Chemie-Ausschuß, auch wohl I a » p an -Ausschuß genannt, weil eine japanische Hilfe seine Unterstützunasarbeit bisher ermäglickte. ist 97 Gelehrten in der Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten behliflich gewesen und hat neun jüngeren Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, sich zwei Jahre ihren Arbeiten wissenschaftlich zu widmen. Versuchstiere zu beschaffen, auch durch besondere Zuchtanstalten, ist die Aufgabe des Tierbeschaf- fungsausfchusses. Die Liste der Bewilligungen aller dieser Ausschüsse nimmt viele Seiten des Berichtes ein und zeigt, wie umfassend die Arbeit gewesen ist. — Besonders wesentlich erscheinen For- schungsstipendien, die allerdings nur bewilligt werden, um eine bestimmte Forschungsaufgabe durchzu- sühren. Die Verarmung des Mittelstandes nötigt Die Studierenden, sich möglichst bald einem Berus zu widmen, Der ben Lebensunterhalt gewährt. Deshalb ist es dringend geboten, jungen Forschern die Möglichkeit zu geben, wissenschaftliche Forschungen unbelastet von Erwerbssorgen durchzuführen. In einer ganz vorzüglichen Denkschrift über Die Forschungsaufgaben, die Dem Bericht als Anhang beigegeben wird, weist Geheimrat Prof. Dr. F r i tz H a b e r Darauf hin, daß man wirtschaftliche Reichtümer nicht nur aus dem Boden holen kann, sondern aus Dem menschlichen Bestand. Wir Deutschen haben eine Bevölkerung und ein Ausbildungssystem, das mehr geeignete Menschen sür erfinderische Leistungen her- Vorbringen kann, als irgenbem anberes Volk, und solche Menschen fmb vom Standpunkt Der Nation und der Wirtschaft Hühner, die goldene Eier legen. So wertvoll die geschickten Hände der Arbeiter sind, noch viel wertvoller sind die schöpferischen Leistungen der Geistesarbeiter. Charakter und Tradition unseres Volkes verheißen uns hier große Erfolge. Dr. Haber sagt ganz richtig: „Wir haben vor den Franzosen bas Ausbilbungssystem voraus, vor ben Eng* länbern ben engen Zusammenhang von Hochschnl- leben unb inbuftriellem Betriebe, vor ben Amerikanern bie Gebulb unb bie Nachbenklichkeit, bie sich in langfriftige Ausgaben vertieft." Deshalb bürfen wir heute, ba bie beutsche Mittelschicht verarmt ist, unb ihre Söhne nicht mehr so ausbilben kann Die Summe nicht scheuen, um Durch Forschungsstipen^-ien junge Menschen von befonberem Können unb Wissen Der Deutschen Wissenschaft zu schenken. 600 solcher Stipenbien von minbeftens 3000 Mark im Jahr unb wir werben halb sehen, baß seldstänbiges Können, grünbliches Wissen und starkes Wollen uns neue wirtschaftliche Werte schaffen. Fügen wir nach hinzu, baß noch für 142 Forschungsreisen Mittel zur Verfügung gestellt wurden. „3ch muß noch einmal auf 3hre gestrige Bemerkung Aurüdtommcn", empfing H^ffe am anderen Nachmittag Warth im Casß Luitpold. „3ch habe Sie in dieser Absicht herbestellt." Der innere Worth zündete sich eine Zigarette an, schwieg und wartete ab. was Hasse in seiner gewissenhaften Weise wieder aufwärmen wollte. Worth schätzte keine aufgewärmten Gerichte. Er schlug die Beine übereinander, betrachtete den tadellosen Schnitt seines gestreiften und b'ies ein Stäubchen Pom Knie. „Na, los, Hasse." „Die Sache ist mir qicht lächerlich." „Aber lieber Hasse, wer behauptete das?" Hasse wartete einen Augenblick, bis der Kellner ihnen den Kaffee auf dem kleinen Tablett gebracht hatte und sich entfernte. „Es handelt sich um Fräulrtn Rott. Sie werden es vielleicht von mir unnötig und übrrflü'sig finden, daß ich der Sache auf den Grund gehen will." „Sicher nicht," sagte Warth, da d"- andere hier einen Punkt machte. „3ch weiß, Sie gehen gern allen Dingen auf den Grund, und hierzu haben Eie ja eine gewisse Berechtigung." „Die Bemerkung, daß der Baritonist Ste- phansberger in irgendwelchen Beziehungen zu meiner Braut stände —“ Worth stäubte die Zigarette ab. „Verzeihung, von Beziehungen H b: ich nichts gesagt — nein, nein, das lehne ich entschieden ab. 3ch habe hingeworfen: „Da geht die Franziska mit ihrem neuen Galan." Weiß Gott, hätte ich gewußt, dah Eie in einem näheren Verhältnis oder wie Sie das nennen wollen, zu der Dame stehen, so hätte ich den Mund gehalten." Hasse legte den Stock auf den Tisch. „Nein, Worth das ist es gerade, warum sollten Sie schweigen? Sie haben es jedenfalls ausgesprochen, aber von wem. das möchte ich wissen, haben Sie gehört, daß Fräulein Rott mit dem Kammersänger Stephansberger in einer Wohnung lebt, und wie hat man 3hnen das zugetragen? 3ch meine, hat man dem Llmzug Fräulein Rotts nach der Partstraße irgendeine Bedeutung beigelegt ober wie ist das Gerücht entstanden?" j (Fortsetzung folgt) Ul A die Nachdruck verboten. 14. Fortsetzung. Kleiner und Heiner wurde der Zug für die Porzellan- der Reise Alle Sorten Winterschuhwaren kaufen Sie preiswert und gut im Schuhhaus Benner. ofiet und Sch Reichsschuldenverwaltung. Armenamt. Augen, der andere der dritte wieherte zum Steinerweichen. Bekümmernis. Dor allem die AlS alles in dem dunklen Rachen verschwunden war. schloß Pelzmärtel den unterirdischen Gang ab, steckte den Schlüssel in die Tasche und blies dreimal an das große Tor. Da wurde es ebenso unsichtbar wie er selber. „So, ihr schlauen Rürnberger," schmunzelte der Wirbt, indem er sich auf seine boshafte Weise tle Hände rieb, „jetzt könnt ihr suchen, mit oder ohne Trichter!" Lieber eines freilich hatte er sich zu ärgern: Beine hinauflaufen würde, fühlten sich die Püppchen einer Ohnmacht nahe. Aber Pelzmärtel sagte: „Rur Mut, Mut T Lind tapfer, wenn sie auch die Augen zu- machten, schritten die Puppen als erste in das Gewölbe. Angespornt von solcher Heldenhaftigkeit, folgten ganze Regimenter. Gleich hinter den Soldaten, umgeben von seinem Hühnervolk, mar'chierte Kikeriki. Darauf kam brüllend und brummend die Menagerie. Lind nun, von den Rußknackern, die den Polizeidienst versahen, vorwärtsgetrieben, folgte der große Haufen. Als letzter wackelte Christophorus Herzensräuber, dieser Feigling, hinterdrein, indem er ein über das andere Mal stöhnte: „Ich werde krank davon, ich kriege Rheumatismus, ich habe schrecklichen Rheumatismus!" Es half Ihm aber nichts, statt aller Antwort bekam er nur einen nicht zu sanften Rippenstoß. __________ „Welche Geschichten?" fragte er unüberlegt und mußte nun den Zeigefinger umlegen, weil er wider Willen eine zweite Frage gestellt hatte. Hans Sachs tat sehr erstaunt. ..Die Geschichten von den Zwergen und Wichteln und Riesen und verwunschenen Königstöchtern... hat dir niemals jemand Märchen erzählt?" Rein, Otto wußte nicht viel davon. Sein grmer Baler, die Gevatterin Cornelia und Gevatter Franz steckten viel zu sehr in Arbeit, um Märchen erzählen zu können. Otto hatte zwar von ungefähr gehört, daß es Feen gab, konnte sich aber nichts Rechtes darunter vorstellen. Jetzt zog er daher neugierig den Mittelfinger ein und stellte die dritte Frage: „Ist cs schön im Feenland?" Hans Sachs zögerte etwas mit der Antwort. „Es ist das Schönste, was es gibt", sagte er schließlich freigebig. „Dort gibt es soviel Sonne, daß man kolossa e Vorräte davon an legen könnte. Der Himmel ist immer blau, und die Rosen blühen das ganze Jahr. In den Gärten kann man die Orangen korbweise pflücken, und jeder darf zulangen und essen, so viel er will." Das genügte für Otto, um eilig und überglücklich zu Liefe! zu springen, ihr gleich wieder zu erzählen, was er gehört hatte. Im letzten Augenblick aber hielt er es für klüger, die Sache bei sich zu behalten: denn das mit den Körben voll Orangen konnte eine Llebertreibung sein, und dann war es besser, zuerst an die eigenen Taschen zu denken. Liesel, sagte er sich, ist beim Zugreifen immer flinker als ich. Das war, wie gesagt, kurz vor der Abreise gewesen, jetzt aber erwies sich das Verlangen zu plaudern stärker äls seine Selbstsucht, und er erzählte Liesel das Gespräch mit dem guten Mann im graumelierten Bart. Er machte noch allerhand dazu, ließ die Körbe voll Orangen immer größer werden und mit anderen Leckereien, die sonst nicht in Gärten zu wachsen pflegen, in Menge gefüllt herumstehen, und schloß seinen Bericht mit einer großartigen Handbewegung, als ob sie bereits im Schlaraffenland angekommen wären: „So, und nun gib nur acht, daß du dir den Magen nicht verdirbst." lFortsetzung folgt.) Das städtische Wohlfahrtsamt in Gießen. II. (Schluß.)*) Jugendamt. Durch Ortssatzung vom 31. Januar 1913 wurde hier die Berufsvormundschaft eingeführt, gleichzeitig als Ergänzung die st ädt. Sammelvormundschaft errichtet. Während sich die Derufsvormundschaft von Gesetzes wegen nur auf die im Wege der öffentlichen Armenpflege untergebrachteil Mündel zu erstrecken hatte, umfaßte die Sammelvormundschaft die Minderjährigen, deren Verhältnisse es wünschenswert erscheinen ließen, daß ihre Interessen von rechtskundiger Seite aus in vollem Llmfange und nachdrücklichst geltend gemacht wurden. Am 1. April 1924 trat das Reichsjugond- wohlfahrtsgeseh vom 9. Juli 1922 in Kraft. Es brachte in die bisherigen Fürsorgeverhältnisse mancherlei Aenderungen. So bestimmt § 35 dieses Gesetzes, daß mit der Geburt eines unehelichen Kindes das Jugendamt des Geburtsortes die gesetzliche Amtsvormundschaft über das Kind erhält. Von 1912 bis jetzt führte die städtische Vormundfchaftsstelle. heute Jugendamt genannt, 1544 Vormundschaften, von denen 712 im Laufe der Jahre beendet wurden, so daß gegenwärtig noch 832 zu versehen sind. An Zahlungen für die Mündel gehen augenblicklich monatlich rund 3500 Mk. ein. Wer jemals das „Vergnügen" hatte, das Amt eines Vormundes zu führen, der wird aus seiner Erfahrung zur Genüge wissen, welche Fülle von Arbeit. Verdruß und Llnannehmlichkeiten, unter Llmständen sogar persönliche Gefährdung mit einem solchen Auftrag verknüpft ist. Daraus famx man den Schluß ziehen, daß das Amt mit feinen 832 Vormundschaften keine Sinekure darstellt. Die Fürsorgeerziehung bestand im Rechnungsjahre 1913 über 62 Kinder, heute sind es 136. Hierzu kommen ferner noch zur Zeit Lieber- wachungen und freiwillige Unterbringungen, die sich auf etwa 100 Einzelfälle belaufen. Die Llnter- *) Teil I in Rr. 285 vom 5. Dezember._______ gebrannt war. Auch Blaublau, Zwitschervogel mit dem glänzenden gefieder, fehlte. S e ch st e s Kapitel. Krr — itr — kraka — hazi! Auf Die Luft wurde immer dünner und kälter, es schien, als hätten sich die Störche in der Richtung geirrt und flögen zu den Eiswüsten der Rordfeen statt zu den Traum ländern des Südens. Besorgt drückten Otto und Liesel ihre blaugefrorenen Väschen an das Fensterchen. „Wiesenstelz, bist du auch auf dem richtigen Weg?" „Schlaft, schlaft!" antwortete Wiesenstelz. „Ihr habt einen guten Postillion." Otto und Lie'el krochen wieder in die Federn, aber schlafen, nein, dazu hatten sie keine Lust. „Wie mag es im Feenland sein?" fragte Liesel, die jünger war als ihr Brüderchen und noch nicht viel von der Welt wußte. Otto warf sich in die Brust, er war ausgezeichnet unterrichtet. Während der langen Abschiedsszenen vor dem unterirdischen Gang hatte er sich an die drei Abgesandten herangemacht, um ein wenig herumzuhören. Der mit dem schönen graumelierten Bart und der pelzbesetzten Jacke, die den Winterröcken der Rürnberger Bürger glich, gefiel ihm am besten und schien ihm am vertrauenswürdigsten. „Entschuldigen Sie, lieber Herr," fragte er ihn, indem er ihn vorsichtig am Aermel zupfte, „Sie können mir sicherlich einige Fragen beantworten. Richt viele, denn ich möchte nicht unbescheiden fein, aber vielleicht wenigstens eine, oder auch zwei?" „Sine, zwei, auch drei, wenn du willst," hatte voller Güte der Mann im graumelierten Bart, der niemand anders als Hans Sachs war, geantwortet. Drei! Das lieh sich Otto nicht entgehen. An den Fingern abzählend, begann er mit dem Daumen: „Ist Vater bei den Feen?" ..Die Väter haben immer mit den Feen zu tun“, antwortete Hans Sachs ausweichend. „Auch die Mütter. Wußtest du das nicht? Was sollten denn die Feen den ganzen Tag über tun, wenn sie nicht den Eltern die wunderbaren Geschichten zum Weitererzählen an die Kinder eingeben mühten." Auf diese Weise suchte sich Hans Sachs geschickt herauszuxiehen, ohne eine Lüge zu sagen. Otto rih die Augen auf. ins Feenland, wo man die Orangen korbweise pflücken kann, holt sich Krachauf einen Schnupfen, der fürchterliche Folgen hat. Die Störche schlugen die Richtung gegen die Höhenzüge dee. Iura ein. Weiße Wölkchen kamen den kühnen Luftfahrern entgegengezogen. „Seewind!" stellte Luginsland fest. „Es wird besser sein, hoher zu fliegen." „Schneestürme auf den Bergen!" entgegnete Schnabelspih schnippisch. „Wir müssen tiefer gehen." Wiesenstelz schwieg. Sie wußte von 03ring» glück, daß Schnabelspitz die Gewohnheit hatte, immer zu widersprechen, und auch Luginsland war auf seine alten Tage etwas eigensinnig geworden. Kleine MeinungZverschiedenhei en gab es daher immer, sie hatten aber in diesem Falle um so weniger zu sagen, als beide Störche schließlich doch jenem sicheren Instinkt folgen würden, der allen Zugvögeln eigen ist, und in der Tat kümmerte sich keiner um seinen eigenen Ratschlag und ihren eigenen Warnungen zum Trotz, hielten sie sich weiter auf mittlerer Höhe. „Mach du den Führer," flüsterte Kunigunde Wiesenstelz ins Ohr, und unauffällig schob sich das gescheite Storchensräulein nach und nach an die Spitze. Von diesem Augenblick an ging es rasch und sicher dahin. aber nur für solche, die eine bestimmte wissenschaftlich wichtige Forschungsaufgabe lösen sollten, dann hat man einen kurzen Ueberblitf davon, was die Notgememschast der Deutschen Wissenschaft (die ihren Sitz in Berlin C 2, Schloß, Portal 3) hat. durch freudige Tätigkeit der Leitung und der Mitglieder der Ausschüsse geleistet hat. Die Auslandhilfe für die Notgemeinschaft ist nach der Wiederherstellung der deutschen Währung kaum noch vorhanden, aber Beziehungen zum Ausland hat die Notgemeinschaft vielfach geschaffen und dadurch dem geistigen Krieg entgegengewirkt, der leider immer noch im Ausland gegen die deutsche Wistenschaft geführt wird. Auf den verletzenden Ausschuß der deutschen Wissenschaft, den der „Conseil international des recherches" noch in Brüste! beschlossen hat, gibt führt wird. Auf den verletzenden Ausschluß der deutschen wistenschaftlichen Fortschritt und darum bleibt auch für die deutsche Ehre, deutsche wissenschaftliche Leistung und wirtschaftliche Entwicklung die Tätigkeit der Notgemeinschaft so dringend nötig und überaus wertvoll. wie er vorhin die eingeschläferten Epi ^fachen zählte, um zu sehen, ob alle da waren, mußte er bemerken, daß Fifi, die Gummikahe, durch- der schone Die Tätigkeit des Ärmenamts erstreckt sich auf die Fürsorge für S tadtarme und die für Ortsfremde. Beide Leistungen finden ihre gesetzliche Grundlage in der Reichsfürsorge- verordnung vom 13. Februar 1924. Die Llnterstützungen an Stadtarme machten von Januar bis einschl. Rovember d. I. 2540 Fälle aus, in denen Fürsorge der verschiedensten Art — Miete, einmalige oder laufende Linker- stützung, Rahrangsmittelbeschaffung, Brennmate- riallieferung, Kleidung und Schuhe — gewährt wurde. Der Kostenauswand bezifferte sich auf rund 112 401 Mk. Im Monatsdurchschnitt nahmen 236 Llnterstützungsempfänger das Amt in Anspruch. Soweit Stadtarme auf Kosten des Amtes in den Kliniken verpflegt wurden, stellten sich für das Halbjahr April bis Septbr. d. I. einschl. die Gesamtzahlen für Erwachsene und Kinder wie folgt: 350 Fälle, 7044 Verpflegungstage, 22 779,27 Mk. Kosten. Hierzu kommen aber noch rd. 5640 Mk. Kosten für Verbandszeug. Von besonderem Interesse sind die Ergebnisse der Ortsfremdensürsorge in der Zeit vom Januar bis Rovember d. I. einschl. Danach wurden hier durchreisende Wände r a r m e vom Wohlfahrtsamt gezählt und durch dieses verpflegt: Januar 505, Februar 485, März 458, April 406, Mai 378. Juni 253, Juli 447. August 458, September 606, Oktober 815, Rovember 1459. An Verpflegungskosten waren hierfür in den elf Monaten insgesamt rd. 4605 Mk. aufzuwenden, dazu kommen noch rund 2316 Mk. an Beförderungskosten, die in der Zeit vom April bis einschl. Oktober verausgabt wurden. Im Kapitel Klinikspflege fürOrls- fremde findet man folgende Leistungen verzeichnet: Januar 77 Fälle, Februar 58, März 195, April 64, Mai 61, Juni 60. Juli 62, August 36. September 35. Die Kostenaufwendung hierfür belief sich auf rund 64 300 Mark. In der Provinzial-Pflegeanstalt find vom Wohlfahrtsamt in den Monaten April bis Oktober 290 Pfleglinge untergebracht worden. Die Kosten hierfür beziffern sich auf 11640 M., wovon rund 10 500 M. auf die Fürsorge für Stadtarme kommen. Der Landes-Heil- und Pflegean- fla 11 muhte das Amt in den beiden ersten Quartalen des Rechnungsjahres 1925, also von April bis September, 172 Pfleglinge zuführen, für die in diesen sechs Monaten rund 44 800 Mark aufzuwenden waren: hiervon entfielen etwa 31 400 M. auf Stadtarme. Im Säuglingsheim waren von April bis einschl. Oktober 236 Kinder in Obhut. Die Kosten beliefen sich hier auf rund 16 000 M.: etwa 5250 M. entfallen hierbei auf Stadtarme, rund 10 750 M. auf Ortsfremde. Die Aufwendungen für Ortsfremde, von denen der Leser in diesem Abschnitt mehrfach Kenntnis erhält, werden unserer Stadt, wenn leistungspflichtige Fürsorgeverbände für die von hier aus betreuten fremden Pfleglinge aufkommen müssen, natürlich zurückerstattet. Soweit es sich bei den Ortsfremden aber um Landarme handelt, für die kein Fürsorgeverband ersatzpflichtig ist, zahlt der Landesfürsorgeverband Hessen die Hälfte der Kosten, während die ändere Hälfte endgültig unsere Stadt belastet. Einige Schlußbetrachtungen. Die Darlegungen in den beiden Artikeln, in denen nur die Haupttätigkeitsgebiete behandelt wurden, während gar manche kleine Rebenaufgabe beiseite blieb, lassen erkennen, daß von unserem Wohlfahrtsamt eine Arbeit geleistet wird, über deren weitgespannten Umfang bis jetzt wohl nur eng begrenzte Kreise der Bürgerschaft sich eine rechte Vorstellung gemacht haben. Die vielfachen Aufgaben, die — tote wir sahen — zum weitaus größten Teil durch reichsgesetzliche Vorschriften von den Kommunen als Pflichtleistung erztoun- folglen ihm mit den Blicken, solange sie konnten, auf der Erde Zurückbleibenden. Alle Spielfachen Schließlich sah man nur noch einen Punkt am fernen Horizont und dann gar nichts mehr. Da fuhr sich der eine mit dem Aermel über die schneuzte sich geräuschvoll, kläglich, der vierte bellte Wieder andere seufzten vor Pelzmärtel. Ein Rürnberger Spielzeugroman. Aach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. (Sb er (ein. Copyright 1925 bh A. Scherl G. m. b. H„ Berlin. ___ _______ _ . Puppen konnten sich nicht beruhigen. Jetzt kam erst das Schwere: eine finstere Höhle riß ihren schrecklichen Rachen aus, um ihre zierlichen und vornehmen Persönchen zu verschlingen. Pelzmärtel hatte zwar versprochen, sie ein Jahr lang in Schlaf au versetzen. Aber wird er auch fein Versprechen halten? Wird es auch wirklich keine Kröten, Käser und — huh, wie gräßlich — Mäuse geben? Bei dem Gedanken, daß ihnen eine Waus die bringung der Fürsorgezöglinge verursachte im Rechnungsjahr 1924 einen Kostenaufwand von rd. 23 450 Mk.. von dem die Hälfte vom Ministerium des Innern ersetzt wurde. Von den Mündeln und Zöglingen sind in Anstalten und Heimen 109 untergebracht. auf dem Lande in Oberhessen 129, und zwar im Dekanat Grünberg 40, Dekanat Schotten 21, Dekanat Lauterbach 31, im übrigen Oberhessen 37. Kindererholungssiirsorgc. Diese Tätigkeit, vom Standpunkt der Volls- gesundheit der Zukunft aus eine der wichtigsten Ausgaben des Heute, wird natürlich vom Wohlfahrtsamt mit allem Ernst betrieben. In diesem Kalenderjahr schickte . es 60 erholungsbedürftige Kinder unserer Stadt zu einem sechswöchigen, kräftigenden Aufenthalt in die ausgezeichnete Kindererholnngsstätte auf dem Heuberg. Die Kosten hierfür bezahlte die Stadt mit rund 6000 Mark. In den Solbädern Dad-Rauheim und Kreuznach brachte das Amt in bleiern Jahre 40 Kinder unter, für die rund 2800 Mk. zu zahlen waren. 43 Kinder gingen zur Erholung an die Ostsee (Arendsee). Die Auswahl der auf städtische Kosten zu den Erholungsstätten zugelassenen Kinder erfolgt selbstverständlich nicht laienhaft oder willkürlich, sondern Die Entscheidung darüber ist abhängig von dem Befund einer sorgfältigen ärztlichen Llntersuchung der Kinder Rebenbei sei hier eingeschaltet, daß die zu Erholungsaufenthalten bestimmten Kinder von Krieger- Hinterbliebenen auf Kosten der Hauptsürsorge- stelle untergebracht werden, so daß hieraus eine Belastung der Stadt nicht entsteht. Dorzugsrentendersahren. Auf Grund des Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen vom 16. Juli 1925 und der Ausführungsverordnung hierzu vorn 3. September 1925 sind die Dezirksfür - sorge stellen (Wohlfahrtsämter) mit dem Vorzugsrentenverfahren beauftragt. Bei dem Wohlfahrtsamt Gießen liegen bis jetzt 220 Anträge vor. Die Anträge sind von dem Wohlfahrtsamt daraus zu prüfen, ob der Antragsteller bedürftig ist, Reichsangehöriger ist und im Inlande wohnt. Lieber den Antrag selbst entscheidet in erster Instanz der „ A u s s ch u ß f ü r d i e V o r A u g s r e n t e n". Er besteht aus einem Vertreter des Versorgungsamtes und einem Beamten des Wohlfahrtsamts. Auf Beschwerde gegen die Ablehnung entscheidet in zweiter Instanz der Oberausschuß für die Dorzugsrenten. Die Festsetzung und Auszahlung der Rente erfolgt durch gen werden, machen naturgemäß einen Verwaltungsapparat notwendig, der mit den alten Begriffen d r wesentlich enger begrenzten Wohlfahrtsarbeit g..r nicht übercinflimmt. Lind doch lvird jeder, der Einblick in die Dinge hat, zu- geben müssen, daß auf dem Wohlfahrtsamt kräftig gearbeitet wird. Daß durch die verstärkte Sozialarbeit auch die städtischen Finanzen erheblich beeinflußt werden, geht aus den mitgeteilten Ziffern deutlich hervor. Aber trotz dieser Belastung muß man bedenken, daß nach dem furchtbaren Ricderbruch unseres Volkes durch den Krieg und die Rachkriegs- und Inflationszeit jetzt umfassendere Sozialarbeit unabweisbare Pflicht der Volksgesamtheit ist, um schwer b drängte Volksgenossen vor dem .Untergang zu bewahren. Treffend hat der Leiter unseres Wohlfahrtsamtes, Beigeordneter Dr Frey, in «einer Denkschrift an das Stadtparlament zur Begründung der Wohl- fahrtsausg-ben für 1925, darüber hinaus aber zur Charakterisierung der ganzen Lage hinsichtlich der So-ialarbeit gesagt: „Es ist-h^.e Rech, nung über den verlorenen Krieg, die den deutschen Städten damit überreicht wird", wobei er die überall stark angewachsenen Wohlfahrtsausgaben im Auge hatte. Leider wird dieser inhaltschwere Sah noch auf Jahre hinaus seine bittere Geltung haben. ----~r Kirchliche Nachrichten. Evanael'sche Gemeinden. Gießen. Sonntag, 13. Dezember. 3. Advent. Stadttirche. 91/,; Pfarrer Mahr. 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. 5 Uhr: Pfarrer Decker. Beichte u. heil. Abendmahl für die Markusgemeinde. - JohannesUrche.97,:Pfarrass. Schultheis. 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde- Pfr. Bechtolsheimer. 5: Pfr. Ausseid. Beichte u. heil. Abendm f. d. Iohannesgem. - Kirchberg. 10: Lollar. Rachm. 17,. - Donnerstag 17. Dezemb. abends 8H2: Daubringen Bibelstunde - Wieseck. 97« Beichte- 93«Predigtgottesdienst, im Ans chl. Feier d. heil Abendm. 11 Kinderk. Abds. 71 , Adventsand. Watzenborn«Garbenteich. Wahenborn-Steinberg. 3 (Dersammlung der Frauen und Jungfrauen. Dekan Guhmann). 77r. Abendgottesdienst. Garbenteich: 1. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag, den 12. Dez. 47, u. 7 Beichte. Sonntag, den 13. Dezember. 3. Adventsonntag. 67? Beichte, 7 Messe, Kom. der Jünglinge, 8 Kom-, 9 Hochamt mit Predigt, 11 Messe mit Pred., 57, Adventsandacht. - Grünberg. 97, Messe mit Predigt. — Hungen. 9',„ Hochamt mit Pred. — Lich. 77,. Messe mit v rebigt. Sonntagsdienst o.Aerzte n. Apotheke i nm 13.12.25 Dr Kivver. 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M, föitcficrU.niilltoinmtn U ,-D nterschuhwaren eiswert und gut J aus Benner. § ujji । ■■■! ibi h m?" fragte er unüberfegt Zeigefinger umlegen, weil zweite Trage geeilt hatte, sehr txWri. ,M ®c- w regen unb Mchldn unb tzenen Königstöchtern... M d Märchen erzählt?" gte nicht viel davon. Sein leoatterm Cornelia und ®e* i viel zu sehr in W, um ,u kämen. Otto HE-Lac t bah es Feen gab, vM htcs darunter vorsteiten. aher neugierig den MEt- te die dritte Frage: „Ist « ■prtc etwas mit der Anttvoü- >rt gibt ei ' SS-ÄS Keis?"ps2-n.und.M Ä-Äj-S H er es tur lmv ^ben nker als rch- greife das Drrlangen ertDie& tw «.ißttsucht, und r dl» -w-Nem guten das SelP^L machte M letten 0«£ lagen rtle^S^'^ ko'.l Läufer 11704D MIT DER. FABRIKMARKE Zu haben bei Ihrem Eisenhändier od. Schmied Praktische Geschenke Herrenwäsche Damenwäsche Tischwäsche Küchenwäsche Bettwäsche gestickte u. leineneTaschentücher Unterzeuge Frottiersachen Puppen betten s.so, 9.-, 14.50 ,15.- Kolter 15.80,16,50,17.50,19,50,21,50 usw. 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Schiebe rtum und Reparationsgewinnler machten sich dort von Jahr zu Jahr breiter. „In diesem Jahr, verehrter Herr Kollege, ist anscheinend schon das Publikum vom nächsten Jahre hier!" In Deutschland schimpft man bekanntlich gern über den Bureaukratismus. Vielleicht nicht immer mit Unrecht. Daß Freund Bureaukratius ober ganz bestimmt auch in Frankreich heimisch ist, lehrt folgendes Gefchichtchen, dos sich in diesen Tagen in einer kleinen Stadt im Südosten Frankreichs zugetragen hat. In dem dortigen Bürgermeisteramt war in einem dunklen Gang ein Plakat mit der Aufschrift ange- bracht worden: „Vorsicht! Zwei Stufen!" Vor kurzem heftete nun die Stadtverwaltung unter dies Plakat ein zweites mit der Aufschrift an: „Vorsicht nicht mehr geboten, da durch bauliche Veränderung die beiden Stufen entfernt worden sind." eines fingierten Selbstmordes nicht für ausgeschlossen hält. Der Befund am Tatort, insbesondere die Lage des Rasiermessers und des Opiumfläschchens lasfe e i n Fertigmachen des Tatsachenmaterials vermuten. Der Hypnotiseur Otto Otto, bei dem Frau Jurjewskaja in psycho-therapeutischer Behandlung war, ist eingehend vornommea worden, weil der Polizei mitgeteilt worden war, daß er auf di« Sängerin sehr großen Einfluß ausgeübt habe. Das Blatt veröffentlicht einen anonymen Brief an seine Redaktion, in welchem erklärt wird, datz Otto Otto Näheres über das Schicksal der Verschwundenen wüßte. Otto Otto selbst erklärte dem Blatt, er könne sich zu dem Gerücht, ob Frau Jurjewskaja lebe oder tot sei, nicht äußern, Gr werde solange schweigen bis es ihm möglich sei zu reden. Magische Gleichung. Welle, b: Elle, c: Ewald, d: Wald, Letzte Nachrichten. Wendung im Fall Iurjewskaja. Berlin, 11. Dez. (Priv.-Tel.) Rach Mitteilungen des „Tag" soll die Berliner Polizei die Rachforschungen im Falle Lkurjewskaja noch nicht eingestellt haben, da sie die Möglichkeit c: Irade, f: Rade, g: Heros, h. Eros, i: Rachhut, k: Hut. I: Takt, m: Akt, n: Strumpf, o: Trumpf, p: Markt-Redwih, q: Redwih, x; Weihnachtsmarkt. Auslassungsaufgabe. (P)insel, P(f)osten. Mi(e)ne, Top(f), Ta(f)el, Heck(e), G(r)uh, (K)armin, To(u)r, (C)elle, Fe(h)e, O(e)hr, Ta(n)g. — Pfefferkuchen. Umbildungsaufgabe. Jesus — Maria — Joseph. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt o. M. Telegraphische Auszahlung. [ßiu h [Ti rr l l TÄTl LlE N sjt E I kindlein — Geldnot — Hochzeit Hausen — Spinoza. — Jedem Worte find drei, dem letzten nur zwei nebeneinanderstehende Buchstaben zu entnehmen, um ein in den Wörtern verborgenes, sehr bekanntes Zitat aus Lortzings „Zar und Zimmermann" zu finden. Moses — Caligula — Feinkost — Thrift Rord- MEIN LADEN NEU ERÖFFNET! 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Die Tendenz war recht stabil, wenn man bedenkt, daß die Montan- aftten auf der Basis der festen Schlußkurse beÄ Dortages eröffneten und bald darauf noch zu höheren Kursen aus dem Markt genommen wurden, obwohl andererseits gerade für diese Papiere beunruhigende Momente in der neuen Franken- Baisse Vorlagen. Der französische Franken erreichte den neuerdings t i e f ft e n Stand von 131,50 gegen London. Die übrigen Aktienmärkte verkehrten ebenfalls in fretmb- licher Tendenz, insbesondere die schon seit Tagen bevorzugten Gebiete. Außerordentlich lebhaft war ferner die älmsahtätigkeit in Schutzgebiet- Anleihen. Vermutlich gaben Deckungskäufe der Spekulation und das Bestehen eines Decou- verts hierzu den Anlaß. Der Kurs stieg auf 4 25 Der Handel in Kriegsanleihen trat demgegenüber in den Hintergrund Stabil lagen schließlich noch Bankaktien, die schon an der gestrigen Rachbörse eine frischere Kursbewegung zu verzeichnen hatten. Die Rebenmarkte blieben dagegen, wie bisher, still. Verstimmend wirkten die bei der Dr. Paul Meyer-A.-G. notwendig gewordenen Sanierungen, obwohl man die finanzielle Lage dieser Firma schon längst als wenig günstig etn^chätzte. Der Geldin a r l t war weiter rvcht flüssig. Tägliches Geld 7 bis 9 Prozent, Monatsgeld 9 bis 11 Prozent. Im Devisen- verkehr wickelte sich das Hauptgeschäft in französischen Franken ab. Die übrigen Valuten traten demgegenüber in den Hintergrund und hatten keine nennenswerten Veränderungen aufzuweisen. Es bedeuten: Von links nach rechts: 2. Andere Bezeichnung für Bruch, 7. ausgestorbene Rinderart, 9. Fisch, 11. Fluß in Italien, 12. Zuckerlösung, 15. Ostfee- in?el, 18. musikalischer Einzelvortrag, 19. Körnerfrucht, 20. Pelzart, 21. Gedanke, 22. andere Bezeichnung für weitweg, 23. Brettspiel, 25. fettige Flüssigkeit, 26. Ort in Baden, 27. Flächenmaß. 28 Gebäudevergrößerung. Von oben nach unten: 1. Erzeugnis der Kochkunst 3. französischer Herrscher, 4. tierischer Laut, 5. weiblicher Personenname, 6. Gesangslaut, 8. Ort in Französisch-F.andern, 11. Spanische Münze, 13. Nebenfluß der Maas, 14. mili- tärische Truppe, 16. Rebenfluh der Ems, 17. Was'erdurchlaß, 22. Wind. 24. Körperteil, 29. Fluß in Sibirien. Rösselsprung. Wethnachts-Tynonym. Für jedes der nachstehenden 11 Wörter ist ein synonymes, sinnverwandtes Wort zu suchen. Richtig gesunden, ergeben die An angsbuchstaben, anelnandergereiht, einen Teil des Christfestes. — 1. Gesittet, 2. dankbar, 3. herzlich, 4. gerieben, 5. einheimisch, 6. unterhaltend, 7. emsig, 8. unbebaut, 9. zugängig, 10. vornehm, 11. keck. Auslösungen. Kopfwechselrätsel. Weib, Eber, Ilse, Heer, Ratter, Alm, Tour Bocke, Tasche, Sicht, Acker, Reisig, Balz, Eichel, nhalt, Tirol, Echse, Ressel. — Weihnachts- arbeiten. Die Narrenkappe. Splitter und Spurren vom BedakttonStilch. parifiana. Zwischen dem französischen Ministerium für Kunst und Wissenschaften und der Direktion des Pariser Cluny-Museums ist ein echter Konflikt aue- gebrochen. Das kam so. Unlängst „inspizierte" ein sehr hoher Beamter des Ministeriums das Museum. Alles war soweit in Ordnung, bis der Herr Inspekteur in dem Garten des Museums plötzlich vor einem kleinen „Wettblechhäuschen" stutzte, das durch hohe Ligusterbüsche seinen scharfen Blicken beinahe zwar völlig verborgen wurde, immerhin aber dem hohen Herrn zu schweren Bedenken Anlaß gab; vor allen Dingen ertasten e5 ihm höchst zweifelhaft, ob dieses „Häuschen" auch wohl zu den umgebenden römischen und gallischen Altertümern paßte. Darüber gingen nun die Meinungen immer weiter auseinander, bis das Ministerium kurzerhand die Entfernung dieses „Häuschens" befahl. — Hierauf hat nun die Museumsdirektion geantwortet: 1. stamme das pp. „Häuschen" zwar nicht aus dem Mittelalter, immerhin aber aus der Epoche des Zweiten Kaiserreichs und verdiene daher doch wohl als Altertum mit angesprochen zu werden. 2. Das ... erfülle auch heute noch einen sehr wichtigen Zweck. Wenn es entfernt würde, so müßten die Museumsdiener zweifellos von Zeit zu Zeit ihren Posten verlassen, dies zwänge natürlich dazu, mehr Beamte anzustellen, was wiederum mit erheblichen Unkosten . . Jetzt sind die maßgebendsten Sachverständigen, Politiker und einflußreichsten Persönlichkeiten zu einer Konferenz einberufen worden, um diesen außerordentlich dringenden Streitfall zu schlichten. Wann der Ministerrat mit der Angelegenheit besaßt wird, hängt von einem besonderen Beschluß der De- putiertenlammer ab. DienstaL.' er-cheinen die neuen Wohlfahrtsbriefmarken für die Deu'sche Nothilf-*.'"^3« Frankfurter Börse. lEigener Drahtberichi des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 12. Dez. Tendenz: Schwächer. — Während bisher der Schifsahrts- martt das Hauptinteresse der Börse in Anspruch nahm, wandte sich heute die Kaufneigung etwas mehr dem Bankenmarkte zu, dessen Werte, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, bei den lehttägigen Kurssteigerungen zurückgeblieben sind. Disconto gewannen 1,25 Proz., Metallbank 1,5 Proz.. Reichsbank 0,5 Proz.; Deutsche Bank gaben aber 0,25 Proz. nach. Schifsahrts- aktien waren im Freiverkehr weiter bevorzugt. Das Geschäft hierin hat aber an Umfang etwas eingebüßt. und nennenswerte Kurssteigerungen waren bei Eröffnung des heutigen Verkehrs nicht zu verzeichnen. Ziemlich lebhaft setzte das Geschäft für Chemiewerte ein. die weitere kleine Kurssteigerungen aufwiescn. Elektro- Aktien lagen ruhig, aber befestigt. Am M 0 n- tanmarkt muhten sich Kaliwerte kleine Abstriche gefallen lassen. Die übrigen Werte dieser Gruppe wurden anfangs gleichfalls zu leicht ermäßigten Kursen umgeseht. Auf den übrigen Jndustrie-Aktienmärkt.n war die Stimmung nicht einheitlich, kleine Rückgänge waren überwiegend. Deutsche Anleihen verkehrten ruhig bei fast unveränderten Kursen. Pfandbriefe waren umsatz- los. Ausländische Renten still. Der Freiverkehr halte keine Umsätze aufzuweisen. Api 0,385, Benz 24 Prozent, Drown-Boveri 53 Prozent, Entreprise 8,5, Growag 35 Prozent, Ufa 44 Prozent, Unterfranken 50,25 Prozent. Der weitere Verlauf brachte infolge von Wochen- schluß-Rea isationen eine allgemeine Abschwächung des Kursniveaus. Das Geschäft wurde stiller und lebte nur vereinzelt etwas auf. Immerhin läßt Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Wenn man von Augenblicksströmungen im Effektengeschäft absieht, so kann schon jetzt gesagt werden, daß die das Jahr 1925 kennzeichnende Depression vor dem Beginn des herannahenden neuen Kalenderjahres von den Aktienmärkten nicht mehr weichen wird. Die rückläufige Kursbewegung hat vielmehr mit dem jetzigen Jahresende zu Rekordtiefkursen seit der Aufnahme der (Notizen in Goldprozenten geführt. Bei einem Vergleich der im Januar und Dezember d. I. fest- gestellten Kurse ergibt sich, daß zahlreiche Werte über 50 Proz. ihres Standes verloren haben, -und zwar nicht nur nebensächliche Papiere. Auch führende Jndustrieaktien find von der beispiellosen Verstimmung stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Augenblick liegt das Geschäft oer Börse an der übergroßen Mehrzahl der Märkte völlig darnieder. Rur der Sch.sfahrts- Aktienmarkt ist von der Spekulation als neues Betätigungsfeld „entdeckt" worden. An ihm sammelt sich gegenwärtig fast die gesamte Kulisse, fo daß die Geschäftslosigkeit der sonstigen Aktienmärkte auch äußerlich durch das Fehlen der sonst gleichmäßig über die Börse verteilten Platz- Spekulation zum Ausdruck kommt. Am Schifffahrts-Aktienmarkt herrscht dafür neuerdings ein saft stürmisches Geschäft. Die exorbitanten Kurssteigerungen der letzten Tage, die 10 bis 15 Proz. betrugen, dürften auf das Bestehen eines De- couverts zurückzuführen und in voller Höhe kaum aufrecht zu erhalten fein. Trotzdem ist anzunehmen, daß einige Schiff ah rtswerte, wie die von der Fusion mit dem Norddeutschen Lloyd betroffenen Linicn und dieser selbst, ihren jetzigen Stand behaupten oder noch weiter erhöhen. Wenn man nämlich annimmt, daß die Lloyd-Aktien mit Rücksicht auf die erfolgende Kapitalerhöhung auf den Paristand gebracht und zunächst gehalten werden sollen, so ergibt sich rein rechnerisch für die von dem Aktienumtausch betroffenen übrigen Linien nach dem heutigen Stand noch eine gewisse Kurschance. Die Roland-Linie, die an zwei Tagen z. D. von etwa 102 Proz. auf 115 Proz. anziehen konnte, dürfte damit, da ein Umtausch für Roland-Aktien gegen fünf Norddeutscher Lloyd-Aktien erfolgt, mit 125 Proz. zu bewerten fein. Abgesehen davon, erwartet man in Börsenkreisen, daß gerade die deutschen Schiffahrtsgesellschaften die ersten fein dürften, denen aus der inzwischen grundsätzlich erfolgten Einigung über die Freigabe der in Amerika beschlagnahmten Vermögen bare Summen zufließen toetben. Die günstigen Ergebnisse der an europäischen Plätzen aufgelegten Anleihen des Deutschen Kali-Syndikates haben die Meinung für Kali-Werte neuerdings gleichfalls etwas angeregt. Außer diesen Aktien, nämlich Freigabe-Werten, Schiffahrts- und Kali-Papieren, ist das Börsengeschäft momentan recht farblos. Wenn nicht die augenblicklichen Sonder beweg ungen wären, so dürfte bei der heutigen Konstellation der Effektenbörse ein weiteres Abrutschen der Aktienkurse in der vergangenen Woche zu verzeichnen gewesen sein. Am Geldmarkt hat sich die Lage nach dem Ultimo sehr rasch entspannt. Die Leichtigkeit der Geldfähe rührt allerdings mehr von der ausgesprochenen Dedarfslosigkeit der Börse zurück. Diese führt auch dazu, daß das Angebot an Privatdiskonten so minimal ist, daß die Notiz (6’/4 °/o) gegenwärtig mehr nominellen Wert hat. Warenw^hsel liegen allerdings, namentlich über den Ultimo hinaus, etwas mehr vor. 20-25 Prozent Rabatt Die Serien umfassen: Moderne Wanduhren, Küchenuhren, Wecker,Tischuhren,Taschenuhren, Gold- und Silberwaren Silbenrätsel. Aus den Silben: an — ba — bei — bo — che — co — de — dorn — von — drei — e — e — eck — ei — farn — fei — gang — ge — ha — i — in — ka — ka — traut — lut — las — le — li — lu — ini — ne — nee — no — 0 — ra — ri — se — ser — so — ta — tek — ten — tor — trüf — u — Wolf sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und vierte Buchstaben, von oben nach unten ge- le en, ein Dantezilat ergeben. 1. Mathematische Figur, 2. Rundfunkzubehör. 3. Wollgewebe, 4. Rundfunkapparat, 5. deutsche Insel, 6. Drama von Ibsen, 7. biblische Person, 8. Frauenname, 9. Jnseit, 10. Pflanze, 11. Wurfseil. 12. Berg in Brasilien, 13. Baum. 14. Prophet, 15. eßbarer Pilz, 16. Männername. 17. Musikinstrument, 18. Naturerscheinung. Kreuzworträtsel. sich die Grundstimmung auch weiterhin als fest bezeichnen. Am Geldmarkt war tägliches Geld auf die Csfckten-Hausse wieder etwas stärker gefragt. Der Sah wurde heute auf 8 Prozent geschätzt (gestern 7,5 Prozent). Monatsgeld für erste Adressen SV» Prozent, für zweite Adressen 10V< bis 101/» Proz. Bankdiskonten 7 Prozent. JndustrieAkzepte 9 Prozent. 2m internationalen Devisen verkehr ist ein neuer Sturz des französischen Franken eingetreten. Paris senkte sich gegen London auf 131,40 bis 131,60 (also rund 15 Pf. für den Franken). London notierte gegen Kabel 4,85 bis 4,85'/»- Mailand gegen London 120,50. Die übrigen Valuten sind unverändert. Titn-rr I 5*/. Deutsche RcichSanleihe 4% Deutsche MichSanleioc 3V,°/n Deutsche Reichsanlctde 3% Deutsche ReichSanleihc Deutsche Lvarvramienanlcihe 4e/o Preußische KonsolS - - • 4° e Hessen 3*/i°/o Hessen......... 3% Hessen........ • • Deutsche Dertb. Dollar-An!, bto- Doll.-Schav-Aruretlng.^ 4*/e Zolltiirken ....... 5% Äoldmcrikaner • • • • Berliner Handelsgesellschaft Lommcrj- und Prival-Bank lannfL und Siaiionalvank Deutsche Bank .... Deutsche BercinSbank .... DiSconio Commandit Metallbant Mitteldeutsche Kreditbank Oestcircichische Kreditanstalt Westbank ...... Bochumer Guß ..... BudcruS Caro Deutsch Luxemburg .... Gelsenkirchener Bergwerke. Harpeuer Bergbau . . . Kaliwerke AscherSlcben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte ...... Oberbedarf Phönir Bergbau ..... Rheimiahl ..... Nicbeck Montan . Tellus Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher 8lo0b . . . Tberamtsche Werke Albtn . . Zementwerk Heidelberg . . Bdilivv Holzmunn .... Anglo-Lom.-Guano . . ... Badische Anilin ..... Chemische Maver Llapdt . . Goldschmidt Gries eimer Electron .... Höchster Farbwerke...... Holzverkohlung ....... Nülgerswerkc ...... Scheideanstalt . Allg ElektrutlätS-Gesellschaft Bergmann ....... Mainkraftwerke ■ ...... Echuckerl . ........ Siemens 4 Halske ..... Adlcrwcrke Kleger ..... Daimler Motoren Heyllgenstaedt O.'eauin. . Motorenwerke Mannbeim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgcsell chaft Frankfurt Pet. Union A.-G..... Echuhtabrik Herz Sichel. . ......... Zellstoff walddof ..... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel ■ . Frankfurt a.M. Berlin !-ch>u .! l«u. e Schiai« nniang Mur* 1 ■ fcurs | Kur» 11. 12 12.12 11 13 | 12 12 0.2025 0.202 u.20 0.2025 — — n 21 — 0 19 — 0 2o5 _ (1. > — 0 320 — 0 112 — 0.1'125 — U 19 ) 2025 ) 2025 — — — — — — —- — — 6.17 — 90.25 | — 91 75 — 9. .95 7,.5 7 25 98, d 7,75 _ 42 75 42 9 — —- 139 5' — 19* 139,7* 91' — 95' 95* IW 5* 10-1,7* 105 2* 10,!' 107.7* 107,o' 107 5* 107,5' 56 — —» — ior 105.2* 105* 10.5.5* 71 72,5 — — 88 91 89' 89* — 6 4 ri.s 6 5 6.5 0,03 J.03 0,03 — 31 30,62 i3.62‘ 29 1 63* 30 • 47 .'6* 61* — 61* ö .12* 65.5* — 67.2.>* 6 , ' 96' — 97* 95,5* 10t 25 — 99 Ilio 5 105 — 102 5 102.3 25,75 — ■25.13 27 —- 44.5* 44* 64.13* — 64 4* 64* 49 25* — 50.25* 50,25* 62. . — 62 5 63 0 — — — 94* _ 94 75* 94.75* 98 25* — 98.75* 7.75* — 6) 60 5 I 40,5 41.5 40,13 — - 61,75 — 111* 111.2* 111,5* U1.2* > — — 56 1 56 55 7 55,5 Uir 110.5* 110,2* 1'9 1* 113.9* 11, 5* 110.2* 109.5* 40 40 48,5' — 47.75* 49 73,5 7',ü — — 93.5* 94* 94 75* 94 25* — — 64,5* 05,5* 65,6 — — 0* 59.62* 71.75* — 74 25' 73 75* 23,2 > 23 75 2.' 5 23 21 22 21 21 75 1 >,25 — — — 26 — 27 2 — — 34 — — — • — — 84 75 84 9 — — 51 51 .50 —• 20 20 6 —■ — 1.75 — — — 81 81 80,75 81 41.5 41.5 — 35 25 35 35 — die dem le. scheu len hräf. !«• er wei> stet» ist dann für r4 HelstngforS ytalkn . . 10.545 16.88 10,685 16,92 10 5'5 16 93 10.585 16.97 London. • 20,351 20.401 20.349 20.3 9 Neuyork . . 4,19t 4,215 4.195 4,20' Bartü. . 15,83 15.87 15 355 15.3'5 •>0.84 81.04 80 87 81.07 Spanien - 54,71 59.8, 59 68 59,82 .803 1,897 1.813 1.817 •Hio de lian 1.605 0.107 ) 596 '.598 Wien in D-- C est- abgest 59.13 59,27 59.14 59,28 Prag .... 12.418 12.458 12.418 12,45 Bel/rad . . 7.44 7,46 7.44 1,46 Budapest. • 5.87 3.89 .,.87 ,.89 Bulgarien 1,055 3.065 3,045 3,055 V'fTabon 21.2.5 a.3 25 21 2-5 21,32. Daniig. . Konst ntm- 80,70 80.90 80 69 80.89 -.22 2,23 2, 22 2,23 531 ?lthcn 5 59 5 61 5.29 Tanada. . 4,195 4.205 4 195 4,2'5 Uruguay 1.265 4.275 1.265 1,2.5 KJliWJ fl rniDIHBl___, 0HÖDEII3ÖBBI ---- Er*- fiBQBai Großer NWW-NlM zu bedeutend WWW Ml! Teppiche, Vorlagen, Verbindungsstücke, Läufer- stoffe, Felle, Chaiselongue-, Reise- und Tischdecken in reicher Auswahl. - So lange Vorrat reicht: Ä WW MleM'WiU I.-WK mit kleinen Fehlern unter Preis. - Ferner: Wachstuch (fehlerhaft) enorm billig! Tapetenhous MMW gegründet 1875 Fernsprecher 1636, Plockftr. 14/16 11482a Backartikel Oärme unE! BUsen Telephon 1504 11688D 3.50, 3.75, 4.00 Normal-Einsatzhemden 2.40,2.75, 3,20, 4.00 Kinder-FutteranzCge 4.00, 4410,5410 gerauht Damenstrümpfe „Hanna“, schwarz und alle modernen 1.60 Farben Damenströmpfe „Ruth“, Sddenflor, schwarz und alle Südamerika! 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